Schlimm,
schlimm, schlimm – anders kann man das Niveau der protestantischen
Zeitungsbeilagen nicht bezeichnen.
Evangelische
Theologie ist heutzutage ziemlich weiblich, aber das ist wahrlich kein
Aushängeschild für den Feminismus. Da sich gebildete und intelligente Menschen
beiderlei Geschlechts ohnehin von der Kirche abwenden, bleiben offenbar keine
durchschnittlichen Frauen der rapide schrumpfenden Kirche als Pfarrerinnen
erhalten, sondern es sind die geistig Schlichtesten, die sich zu Geistlichen entwickeln.
(…..) Frappierend ist insbesondere die Unfähigkeit dieser
Kategorie der Plapper-Bischöfinnen über ihren eigenen Tellerrand
hinauszublicken.
Genau
wie Kollegin Käßmann, nimmt auch Breit-Keßler stets sich selbst und ihr eigenes
Leben zum Maßstab.
In
ihren Texten erzählt sie aus ihrer
Familie, ihrem Alltag, beschreibt
was ihr gefällt und überträgt das
dann flugs auf alle anderen.
Die
ganze bischöfliche Theologie ließe sich auf den Kernsatz: „Seid alle so wie
ich, dann wird alles gut!“ reduzieren.
Die
frömmelnden Frauen im Norden halten sich ebenfalls streng an dieses Muster.
Den Begriff Schuld kann man auf viele Arten
und Weisen betrachten [….]
Ich erinnere mich noch gut an eine
Situation, in der ich als Kind einen Freund aus Wut beschuldigt habe, etwas
getan zu haben, und er dann eine Strafe von seinen Eltern erhielt, die er eigentlich
gar nicht verdient hatte. Ich hatte hinterher Scham-und Schuldgefühle, konnte
schlecht schlafen. Als mein Kumpel
mir vergab, fühlte ich
mich wie von einer Last befreit.
[….]
Und vielleicht kann auch der Glaube
helfen, wenn man sich sicher ist, dass Gott immer zu einem hält, egal was man
gemacht hat.
„Und wo bleibt das Positive?“, wurde der
Schriftsteller Erich Kästner seinerzeitimmer wieder gefragt,
wenn er seine zeitkritischen Gedichte und Kolumnenveröffentlichte. [….] Witze, die mitunter gerade aufgrund ihrer Arglosigkeit, in der sie daherkommen,
umwerfend wirken, uns erheitern und im selben Moment zum Nachdenken bringen. Zu
diesen gehört für mich jener: „Was sagt eine Schnecke, die auf dem Rücken einer
Schildkröte sitzt? – Hui!“ Das ist nicht nur einer der besten Schneckenwitze,
die ich kenne. Er ist darüber hinaus auch tiefsinniger, als er zunächst klingt.
Ich sehe zumindest sofort die Schnecke vor mir, der der Fahrwind die Fühler um
die Ohren schlenkert. [….]
[….]
wenn ich in die Kirche gehe, ist für mich
der Segen am Schluss des Gottesdienstes immer ein Höhepunkt. Weil er Kraft
gibt, vielleicht
Auch beruhigend ist. Ich
habe danach immer das Gefühl, unter Gottes Schutz zu stehen – zumindest für den
Tag oder den Anfang der Woche [….] Manche empfinden es als Segen, Freunde oder
eine nette Familie zu haben. Und das Schönste ist, jeder kann ihn geben: Die Eltern
ihrem heiratswilligem Sohn, die Ehefrau ihrem Mann auf den Arbeitsweg, eine Kollegin
einer anderen für eine Reise.
„Ich musste sofort an die
Worte meiner Mutter denken: Auch in brenzligen Situationen ruhigbleiben.“ Entscheidend
ist zudem ein festes Wertegerüst, ein Glaube oder eine Hoffnung. Kürzlich
erzählte mir eine Freundin, sie stecke in Gedanken jede gute Erfahrung in ihrem
Leben in einen imaginären „Mutmachkoffer“. Bei Bedarf schöpfe sie aus diesem
Fundus, wenn sie verzagt sei und sich selbst Mut zuspreche. Ganz ähnlich ist es
mit unserer christlichen Tradition:
Sie ist ein unerschöpflicher
Fundus von Mutmachgeschichten.
Ich lese gerade begeistert
ein Buch über Hummeln.
[….] Nicht nur, dass die pummeligpelzigen
Tierchen die Gesetze der Erdanziehung überlisten und darin ein Wunder sind. Wie
viele Abermillionen von Tomaten, Gurken und Johannisbeeren werden jährlich durch
sie bestäubt! Was für einen riesigen Nutzen wir von diesen putzigen Lebewesen haben,
war mir bis dahin nicht bewusst.[….]
Die
norddeutschen Top-Theologinnen erstaunen nicht nur mit der sagenhaften Banalität
ihrer Gedanken, sondern auch mit einer geradezu unheimlichen Unfähigkeit zur
Abstraktion. Sie scheinen allesamt überhaupt nicht über ihren eigenen Horizont
hinausblicken zu können und sehen die Gesellschaft als glückliches Abziehbild
der 1950er Jahre, als der Mann arbeiten ging, die glückliche Hausfrau ihm auf dem
Weg ihren Segen wünschte und alle zufrieden in die Kirche gingen.
Andere
Lebensentwürfe, die nicht der Bilderbuchfamilie entsprechen kennen sie gar
nicht; echte Probleme wie Drogen, Depressionen oder Gewalt kommen ihnen gar
nicht in den Sinn.
Die Welt
der femininen Theologie besteht heute aus niedlichen puscheligen Hummeln,
lustigen Witzen und glücklicher Familienidylle.
[…..]
Bis zum Jahr 2024 sollen in Württemberg
die Zahl der Pfarrstellen um 13 Prozent reduziert werden. Bis 2030 wird der
fehlende Pfarrernachwuchs zur Herausforderung.Die Evangelische Landeskirche in Württemberg bereitet eine deutliche
Reduzierung ihrer Pfarrstellen bis zum Jahr 2024 vor. Vor der in Stuttgart
tagenden Landessynode sagte am Samstag Oberkirchenrat Wolfgang Traub, die
Einschnitte würden wegen des zwar leichten, aber kontinuierlichen Rückgangs der
Gemeindemitglieder und künftig sinkenden Einnahmen nötig. Im Durchschnitt der
Landeskirche sollen die Gemeindepfarrstellen bis 2024 um 13,2 Prozent (184,75
Stellen) auf 1.207 reduziert werden. [….]
Wählen
in Deutschland darf ich nicht. In Amerika wählte ich 2016 Hillary Clinton, die
zwar auch mit deutlichem Vorsprung die Stimmenmehrheit gewann, aber wie wir
alle wissen, wurde der mit drei Millionen Votes Unterlegene Präsident.
Als
ausgesprochener Nicht-Schulz-Fan würde ich bei der Bundestagswahl am 22.09.2017
selbstverständlich mit beiden Stimmen die SPD wählen.
Dafür
gibt es im Wesentlichen zwei Gründe.
Nach den
gegenwärtigen Umfragen und denkbaren Koalitionsoptionen scheint mir eine
SPD-Stimme mit der größten Wahrscheinlichkeit CDU und CSU aus der Regierung zu
vertreiben.
Der
zweite Grund ist die Parteiprogrammatik, die nach dem Ausschlussprinzip
ebenfalls für die Sozis spricht.
Ich
weiß, es ist außerordentlich exotisch Parteiprogramme zu lesen. Niemand tut
das. 99,99% der deutschen Wähler machen ihr Kreuz ohne die Regierungsprogramme
der zur Wahl stehenden Parteien gelesen zu haben.
Man
entscheidet hierzulande nach Bauchgefühl und Sympathie.
Aber da
ich ohnehin undeutsch bin und nach dem Willen der CDU/CSU keine deutsche Staatsbürgerschaft verdiene,
kann ich auch so verrückt sein diese Programme mal anzuklicken.
Immer
noch verteidige ich die Agenda-Politik im Grundsatz (was natürlich beinhaltet,
daß darin viele kleine und große Ungerechtigkeiten sind, die nachgebessert oder
abgeschafft, respektive ersetzt gehören.)
Da
interessiert es mich schon, was der Linken nach 12 Jahren des radikalen Kampfes
gegen HartzIV („Armut per Gesetz“) eingefallen ist.
Leider
nicht viel, wenn ich mir das aktuelle Wahlprogramm 2017 ansehe:
Gute Arbeit und Löhne:
Den gesetzlichen Mindestlohn erhöhen wir auf 12 Euro. [….]
D’Accord. Wäre vermutlich auch mit der
SPD zu machen. Aber nicht mit der Union oder FDP.
Armut abschaffen,
statt die Armen zu bedrängen: soziale Garantien des Lebens. Wir schaffen das
Hartz IV-System ab und ersetzen es durch eine Mindestsicherung ohne Sanktionen
und Kürzungsmöglichkeiten in Höhe von 1.050 Euro.
Das
klingt für mich wie bedingungsloses Grundeinkommen, für diejenigen, die nicht
arbeiten. Das ist unfair gegenüber den Klein- und Normalverdienern, die diese
1.050 Euro mit ihren Steuern aufbringen müssen.
Entweder
es bekommt jeder dieses Grundeinkommen, oder es muß mit Bedingungen verknüpft
sein, wenn es gewissermaßen exklusiv den Nichtarbeitenden zusteht.
Großer
Unsinn ist, daß dadurch die Armut abgeschafft würde. Verarmung geistiger und
sozialer Art treten durchaus auf bei Menschen, die genügend Geld haben.
Andererseits gibt es viele Menschen mit sehr wenig finanziellen Mitteln, die
sich überhaupt nicht arm fühlen.
Caroline
Walter und Christoph Rosenthal zeigen am Beispiel Stendals wieder einmal, daß
Armut eben nicht nur am Geld festzumachen ist. Die LINKE würde die hier
gezeigte Armut auch nicht mit einer Verdoppelung oder Verdreifachung
abschaffen. Hier sind stattdessen erhebliche Investitionen in soziale,
kulturelle, und pädagogische Betreuung notwendig.
Ich mag
auch nicht mehr daran glauben, daß hier besonders eklatante Einzelfälle gezeigt
werden, weil ich in den letzten zehn Jahren hunderte solcher Berichte gesehen und
Reportagen gelesen habe. Auch meine eigene Anschauung deckt sich mit dem
Befund.
Mario
Tiesis, Arche Stendal:
"Ich glaube, dass
da eine Gleichgültigkeit da ist und dass sie auch Weltmeister sind, im Dinge
verdrängen. Das ist einfach so. Das Geld, was ich am Monatsanfang bekomme, muss
ich nicht zum Nägel machen und zum Tätowieren und für‘s Handy und für den
Frisör nutzen, aber es wird getan und es ist eigentlich vielen Eltern auch
bewusst, dass es Geld ist, was eigentlich auch zum Teil für ihre Kinder ist und
dass sie das mit ausgeben."[….]
Mario Tiesis hält
nichts davon, den Eltern einen höheren Hartz IV Satz zu geben. Die Kinder seien
arm, weil sie emotional vernachlässigt werden.
Mario
Tiesis, Arche Stendal:
"Wir haben da mal
einen Zettel mitgegeben für eine Kinderfreizeit kostenlos für eine Woche. Da
stand dann direkt auf dem Zettel, wozu ich komme ja auch nicht raus. So ein
typisches Beispiel. Wir haben Eltern, ich hab mit einem Fußballtrainer gesprochen
vor zwei Tagen, der an einem Jungen dran ist, der versucht hat, den sozusagen
in ein Fußballtraining zu integrieren, mit den Eltern mehrmals gesprochen hat
und ähnliche Antworten gekriegt: Wozu? Es gibt oft so eine Aussage, wo man dann
sagt, Mensch aus deinem Kind kann was werden, es hat da eine Chance. Und dann
wozu? Dann spricht es ja nachher nicht mehr mit mir oder will mit mir nichts zu
tun haben."
Daß
Horden von Menschen PEGIDA und AfD nachlaufen hat nichts mit finanzieller Armut
zu tun, sondern mit Verdummung.
Da sind
grundsätzliche Anstrengungen des Staates in Bildung, Betreuung, Schule und
Sozialämter notwendig.
Das Rentenniveau muss
wieder auf 53 Prozent angehoben werden. Das bedeutet für einen
durchschnittlichen Rentner oder eine durchschnittliche Rentnerin: rund 130 Euro
mehr im Monat. […..]
Diese
Punkt halte ich für geradezu fahrlässig falsch. Grundsätzlich am Prozentsatz
des Rentenniveaus zu drehen, bedeutet, daß die Reichsten am stärksten
profitieren, während die ganz Armen kaum eine Verbesserung spüren.
Daß
aber Nahles grundsätzlich nur die Angestellten einzahlen lässt, während Reiche,
Selbstständige, Beamte und Bundestagsabgeordnete gar nichts in die Rentenkasse
zahlen, wird gar nicht mehr erwähnt, obwohl das eine so eklatante
Ungerechtigkeit ist, daß Nahles selbst immer forderte die Renten aus dem
Bundeshaushalt zu zahlen – aber da war sie noch nicht Ministerin.
Und
was bedeutet überhaupt „5% Erhöhung“? Prozentual heißt, daß diejenigen mit der
höchsten Rente auch die größten Aufschlag bekommen.
Eine
arme Rentnerin mit 500 Euro im Monat bekommt dann 25 Euro mehr, ist also immer
noch richtig arm, während der Luxusrentner mit 10.000 Euro Rente, der also
keineswegs eine Erhöhung nötig hätte, gleich 500 Euro dazu bekommt.
Das
sind 475 mehr.
Faire
Sozialpolitik würde wenn sie etwas zu verteilen hat lieber Pauschalbeträge
aufschlagen. 250 Euro mehr für jeden, beispielsweise. (….)
Die
Linke ist hier auf demselben Holzweg wie GroKo-Nahles (vor 2013 hatte die
fromme Katholikin etwas radikal anderes gefordert, als das was sie selbst als
Ministerin umsetzte.)
Mehr Zeit zum Leben
statt schuften bis zum Umfallen: Wir wollen die Rente ab 65 oder nach
mindestens 40 Jahren Beitragsjahren. Wir wollen Arbeit so umverteilen, dass
nicht mehr die einen in Stress und Überstunden untergehen und die anderen nicht
so viel Arbeit finden, wie sie wollen. Kürzere Vollzeit mit guten Standards:
Wir wollen ein neues Normalarbeitsverhältnis und ein Recht auf Feierabend. Und
eine gerechtere Verteilung der Tätigkeiten zwischen den Geschlechtern.
Die Linke
goes 1950er. Das ist doch weit an der Lebenswirklichkeit im Jahr 2017 vorbei.
Starre Regelungen können nicht mehr das Mittel der Wahl sein. Stattdessen muß
ein Ingenieur oder Controller, der seinen Job auch noch mit 70 oder 75 gern tun,
weiterhin arbeiten können, während andereMenschen (insbesondere in physisch sehr anstrengenden Berufen) eventuell
schon mit 50 oder 45 nicht mehr können.
Wir wollen ein
Programm für die Zukunft, das sich am Bedarf und den Bedürfnissen der Menschen
orientiert: Wir investieren in Bildung und Gesundheit, mehr Personal in Pflege
und Erziehung, in sozialen Wohnungsbau und einen sozialen und ökologischen
Umbau der Wirtschaft, in Barrierefreiheit. Wir wollen die Massenerwerbslosigkeit
bekämpfen und neue Arbeitsplätze in kurzer Vollzeit schaffen.
Bitte 5
EURO ins Phrasenschwein. Solche Absichtserklärungen finden sich wortgleich bei
so ziemlich jeder Partei. Wer würde nicht gern die Massenarbeitslosigkeit
abschaffen und die Engpässe in der Pflege überwinden. Nur wie??
Wir finanzieren dieses
Zukunftsprogramm, indem wir Reichtum begrenzen: Vermögen oberhalb einer Million
Euro wollen wir besteuern, auch hohe Erbschaften.
Mit
welchen Parteien gedenkt die LINKE dafür Mehrheiten im Bundesrat zu bekommen?
Und wie will sie das auf internationaler Ebene implementieren?
Die richtig Reichen entziehen sich doch längst den nationalen Steuergesetzen.
Auch in der
Einkommensteuer wollen wir die unteren und mittleren Einkommen entlasten, die
oberen stärker belasten: Wir erhöhen den monatlichen Grundfreibetrag auf 1.050
Euro zu versteuerndes Einkommen. Der Steuerverlauf wird abgeflacht bis 53
Prozent für die Einkommen oberhalb von 70.000 Euro. […..]
Über 50%
der Menschen zahlen gar keine Einkommenssteuer, weil sie unter den Freibeträgen
liegen. Die haben also auch nichts von Einkommenssteuersenkungen oder
Kurvenabflachungen.
Das gibt
erhebliche Probleme mit dem Grundgesetz und wird sehr viele Menschen, die in
bescheidenen Verhältnissen leben und sich in 40 jähriger Erwerbstätigkeit eine
Eigentumswohnung als Alterssicherung angeschafft haben, wenig gefallen.
Ich bin
ein ausdrücklicher Anhänger von R2G und würde ein paar linke
Minister in der Bundesregierung durchaus begrüßen.
Aber
programmatisch haben sie kaum etwas zu bieten, das als Blaupause für ein
Regierungsprogramm tauglich wäre.
Die
Linken sind erstaunlich einfallslos und altbacken.
Und
dabei habe ich die wirklich heiklen Punkte in der Außen- und Sicherheitspolitik
noch gar nicht erwähnt.
In so
einer Welt sind kritische Medien Feinde oder Fake-News. Wer sich nicht anpassen
will, anderen Idealen, Moden, Religionen anhängt, ist potentiell kriminell.
In
deutlicher Unkenntnis oder bewußter Verfälschung der Realität poltert Staatssekretär
Spahn, der aufstrebende Rechtsaußen der CDU gegen eine Großstadt, die nicht so
aussieht wie sein konservatives Heimatkaff im Münsterland.
[…..]
Jens Spahn von der CDU und AfDler Björn
Höcke haben Angst vor Berlin-Neukölln. Ihr Problem? Die hohe Anzahl an
Migranten. Dabei kommt die Gewalt von rechts.
[…..]
Einfach nur "Neukölln" als
abschreckendes Beispiel in den Ring zu werfen, wo es um schlecht laufendes
Zusammenleben verschiedener Kulturen geht, so als sei damit schon alles gesagt,
zeugt bisweilen von auffällig schlechtem Fingerspitzengefühl.
Der
CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn und der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende
Björn Höcke haben beide bezeichnenderweise kurz nacheinander ins selbe
Fettnäpfchen gegriffen, denn das Näpfchen ist groß und an seinem rechten Rand
kann man gut sitzen und angeln.
Jens Spahn hat im
Interview mit der "Zeit" gesagt: "Wenn ich durch Neukölln laufe,
sehe ich in manchen Straßen kaum noch Frauen - und wenn, dann mit Kopftüchern.
In einem freien Land muss ich das akzeptieren. Aber ich lasse mir nicht
einreden, dass das eine kulturelle Bereicherung ist. Positive Vielfalt sieht
für mich jedenfalls anders aus." Eine Gesellschaft brauche kulturelle
Vielfalt, findet Spahn, und das wisse man inzwischen auch in seinem Heimatdorf
im Münsterland, aber in Neukölln sehe das alles irgendwie nicht so aus, wie er
es gern hätte. Man könnte, wie das in Berlin üblich ist, einfach noch einmal
machen, was schon mal nicht geklappt hat: eine Umbenennung.
"Neuspahnstein" böte sich an.
Dieser Spahn ist aber
auch ein vom Schicksal gebeutelter Flaneur. Bei Ikea kamen ihm mal "Frauen
in Vollverschleierung entgegen", in seinem Fitnessstudio dürfen
"arabische Muskelmachos" seit einer Weile mit Badehose duschen, und
jetzt sieht er "kaum noch Frauen". Keine Ahnung, wo er sich
rumtreibt. Ich bin in Neukölln aufgewachsen und immer noch alle paar Tage dort,
und ich sehe ständig Frauen dort, viele sogar. Es war schon immer so, dass da
einige dabei sind, die Kleidung tragen, die ich nicht anziehen würde, aber da
sind Leopardenleggings und Kopftücher nur zwei Beispiele aus einem sehr breiten
Spektrum. […..]
Konservative
wie Spahn stört es gewaltig mit Menschen in einem Land zu leben, denen sie
nicht ihren Stil aufoktroyieren können.
Auch
wenn man gar nicht zusammentrifft, regt Religioten der reine Gedanke an
Menschen, die anders sein könnten, fürchterlich auf.
Das
klassische Beispiel dafür ist die Homoehe, die von Hetero-Religioten offenbar
als Angriff empfunden wird. Das führt zu der grotesken Argumentation, ihre
eigene, alte, herkömmliche Heteroehe würde in irgendeiner Form abgewertet.
Konservative
können nicht ertragen, daß andere irgendwo anders, anders sind, auch wenn sie
es gar nicht merken.
Daher
forderte die CSU im Dezember 2014 jeder in Deutschland müsse zu Hause auch
deutsch sprechen.
[…..]
Die CSU hat eine Idee: „Wer dauerhaft
hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der
Familie deutsch zu sprechen“, heißt es im Entwurf des Leitantrags für den
Parteitag Ende kommender Woche. Dies berichtete die Nachrichtenagentur dpa am
Freitag, am Montag will der Parteivorstand darüber entscheiden.
Man könnte sagen: Es
entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieser Vorschlag ausgerechnet aus
Bayern kommt. Aber ihr würdet es nicht verstehen. Deshalb in aller
Deutlichkeit: Hallo CSU, ihr seid so blöd, wie ihr auf dem Oktoberfest breit
seid.
Denn wenn es nicht so
wäre, würdet ihr selber darauf kommen, dass sich diese Forderung bei anderen
Leuten nach obrigkeitsstaatlicher Bevormundung anhören würde, aus eurem Munde
aber grotesk ist. Ihr würdet ahnen, dass die Leute euch auslachen werden. Dass
sie euch zurufen: „Lernt erstmal selber Deutsch!“ Dass sie schnippisch fragen:
„In welcher, der Erst- oder der Zweitfamilie?“ Dass sie feststellen: „Und so
was will eine konservative Familienpartei sein.“ Dass sie genüsslich die Reden
eures Ministers Alexander Dobrindt hervorkramen oder sich der Gestammelten
Werke eures früheren Vorsitzenden Edmund Stoiber erinnern.
Kurz: Wenn ihr nicht
so blöd wie breit wärt, hätte euch gedämmert, dass ihr euch mit so einer Idee
noch mehr zum Horst machen würdet als man es von euch ohnehin gewohnt ist. […..][…..]
Der
grundsätzliche Mangel an Toleranz, Mitgefühl und Großzügigkeit ist
Religions-immanent.
Studien
zeigen, daß schon Kleinkinder aus religiösen Elternhäusern grausamer und
geiziger gegenüber anderen sind, als Kinder aus atheistischen Haushalten.
Religion macht Kinder
unsozial und intolerant.
An über 1.000 Kindern
aus verschiedenen Kulturkreisen haben Forscher nun nachgewiesen, dass religiös
erzogene Kinder unsozialer sind als atheistisch erzogene Kinder. So teilen christlich
und muslimisch erzogene Kinder seltener mit Altersgenossen, wollen im Gegenzug
aber unsoziales Verhalten härter bestrafen. Je religiöser die Familien waren,
desto ausgeprägter war dieses Verhalten zu beobachten. [……]
Die Menschen
müssen sich also den Einfluss der Religionen überwinden, um tolerant zu werden.
In einer
Welt, die auch andere Lebensmodelle wirklich akzeptiert werden, sind Parallelgesellschaften
kein Problem. Dort wird Multikulti zu einer echten Bereicherung.
(……)
Der Hamburger Steindamm IST zwar eine Parallelgesellschaft, allerdings verstehe
ich nicht, wieso Parallelgesellschaften jemand stören.
In
den meisten anderen großen Städten in Westeuropa und Amerika ist es ganz
normal. In New York gibt es das berühmte „Little Italy“ oder „Chinatown“ und
sogar ein deutsches Viertel.
Also
für mich geht das völlig OK.
Es
gibt ja vielfach in Deutschland reine Schwulenviertel, hier ist es St. Georg,
das Uni-Viertel (Rotherbaum, wo nur Studenten sind), das Alternativ-Viertel, wo
dieAutonomen und Ökos abhängen (Schanze
und Karolinenviertel), das Ibero-Viertel vor der Speicherstadt, wo es all die
spanischen und portugiesischen Restaurants gibt, Villenviertel in Harvesterhudeund dann natürlich reine Rotlichtviertel
(Reeperbahn!) etc.
Warum
soll es kein Türken- oder Italiener-Viertel geben?
Das
Eigenartige ist in Hamburg, daß St Gayorg – dazu gehört auch der Steindamm –
ausgerechnet ein Kombi-Viertel für Schwule und Muslims ist.
Die
haben alle Toleranz gelernt. Kurioserweise ist MITTEN in der schwulsten Gegend
von St Georg überhaupt der katholische Mariendom, in dem unserer neuer
Erzbischof Stefan Heße hockt.
Katholiken
gibt es da so gut wie keine – nur Moslems und Homos.
Aber
irgendwie haben die sich offensichtlich arrangiert. So gut sogar, daß die
Gegend jetzt so gut funktioniert, daß die Mieten auch so explodieren, weil
jeder dahin ziehen will. (…..)
Jens
Spahn, der sich offenbar mehr in mehr in der Reinkarnation als Pim Fortuyn
gefällt – stramm konservativ, Glatze, eitel, schwul, Rampensau – kommt zunehmend
völkisch daher; sieht sich selbst als Rollenmodel für alle anderen.
Multikulti
lehnt er ab.
Jetzt müssen wir die inhaltlichen Unterschiede, die CDU und CSU gemeinsam
gegenüber der SPD haben, klar herausarbeiten, etwa beim Thema Leitkultur.
[…..]
Ich erwarte von jemandem, der nach Deutschland kommt,
um hier zu leben, mehr, als dass er sich nur an Recht und Gesetz hält. Denn das
muss auch jeder Tourist. Er muss mit uns leben und unsere gemeinsame Zukunft im
Sinne unserer Werte gestalten wollen. […..]
Und sicher auch die Bereitschaft, durch Leistung Anerkennung
zu bekommen und nicht durch möglichst lautes Schreien. Uns als Union geht es
aber auch um Sicherheit im klassischen Sinn, von der steigenden Zahl der
Einbrüche bis zu den Bedrohungen des islamistischen Terrors.
[…..]
Letztes Wochenende war ich mit Freunden in Köln
unterwegs, da wirste auf der Straße schon auch frech angemacht. Der Türsteher
eines schwulen Clubs wurde niedergestochen. Der Täter stammte aus dem Irak. […..]
Nein, Herr
Spahn!
Leitkultur einzufordern ist keine Lösung, sondern gerade der Sprengstoff
unserer Gesellschaft.
Wenn
einer meint den anderen leiten zu müssen; sei es auch nur kulturell, ist das
der Beginn von Unterdrückung. Darin steckt auch schon der Keim einer
Gegenreaktion.
Unterdrückte
Gruppen der Gesellschaft könnten eines Tages durchaus aggressiv ihre Rechte
einfordern.
Unter
Rechten ist es Konsens die sogenannte Verzuiling,
also das Nebeneinander-Leben, statt des Alle-Zusammenleben als Wurzel allen
Übels anzusehen.
Mit Verzuiling
(Versäulung) bezeichnet man vor allem in den Niederlanden einen konfessionell
begründeten besonderen Partikularismus. Im „versäulten“ sozio-politischen System
lebten religiös, sozial und kulturell definierte Gruppen nebeneinander her und
hatten parallele soziale Organisationen (Kirchengemeinden, Bildungsanstalten,
Volksbanken, Kammern und andere mehr). In den Niederlanden wird zwischen einer
christlich-protestantischen (calvinistischen), einer katholischen, einer
sozialistischen und der neutralen oder allgemeinen Säule unterschieden.
Seine Blüte hatte das
System in der Zeit von 1920 bis 1970, überstand also auch den Zweiten Weltkrieg
unbeschädigt trotz der entgegenstrebenden Bemühungen in der Nachkriegszeit. Die
Bevölkerungsgruppen haben in einer Art „freiwilligen Apartheid“ nebeneinander
gelebt, um soeverein in eigen kring, „souverän im eigenen Milieu“ (Abraham
Kuyper), sein zu können. Die notwendige Zusammenarbeit zwischen den Säulen fand
vor allem auf der Ebene der Eliten statt.
Fortuyn,
Spahn und Wilders wollen nicht, daß außerhalb der eigenen Säule noch
irgendetwas anderes existiert.
Damit
legen sie die Axt an die Wurzel des gesellschaftlichen Friedens.
Immerhin,
das läßt sich nach den gestrigen Wahlen in Holland bereits sagen, befindet sich
Wilders damit in einer Minderheit.
Mit insgesamt 13% der Stimmen steht seine PVV nicht unmittelbar
vor der Machtübernahme. (Wilders Idol Trump holte 46%) Der blondierte Geert
kann also aufhören von sich selbst als „der nächste Ministerpräsident der
Niederlande“ zu sprechen.
Der
große Gewinner der Wahl ist der gerade mal 30-Jährige Jesse Klaver; das
Alptraum-Balg der Rechten: Gutaussehend, links, liberal, Vater aus Marokko,
Mutter aus Indonesien.
[…..]
Klaver ist Vorsitzender der
niederländischen Grün-Links-Partei, und er hat die Zahl ihrer Parlamentssitze
fast vervierfacht. In Amsterdam, der größten Stadt der Niederlande, einst eine
uneinnehmbare Hochburg der Sozialdemokraten, ist Grün-Links nun sogar die
stärkste Partei. Eine Überraschung? Eine Sensation.
Klaver liegt insofern
im Trend, als er so wenig Polit-Establishment verkörpert wie kein anderer
seiner angetretenen Konkurrenten. Geert Wilders poltert immerhin schon seit
mehr als zehn Jahren gegen Europa und den Islam. Die niederländischen Medien
können sich nicht daran erinnern, dass jemals ein Parteichef derart jung war
wie Jesse Klaver. Und er versprüht eine neue Lust auf alte landestypische
Eigenschaften: Weltoffenheit, Toleranz, radikales Umweltbewusstsein. [….]
Frauke
Petry und Marine Le Pen haben Grund heute die Köpfe hängen zu lassen. Der
ultrarechte Durchmarsch in Europa ist zumindest erst einmal verschoben worden.
[….]
Die Nationalisten sind gebremst, aber
nicht gestoppt.
Das heißt nicht, dass
die EU beruhigt in alten Trott zurückfallen darf. Die Rechtsnationalisten sind
bei der Präsidentenwahl im Dezember in Österreich und jetzt bei der
Parlamentswahl in den Niederlanden gebremst worden. Doch gestoppt sind sie
nicht. Vielmehr lauern sie auf die nächste Gelegenheit, wieder loszustürmen.
Die Moderaten, die Pro-Europäer haben nur Zeit gewonnen, die Probleme
anzugehen, welche die Bürger drücken. […..]