Samstag, 28. Dezember 2024

Deutscher Präfaschismus.

Schon seit Teenager-Zeiten beschäftigt mich die Frage, wie 1933-1945 möglich war.

Natürlich fängt man in der eigenen Familie an. Väterlicherseits gab es keine Erkenntnisse zu gewinnen, weil das alles Amerikaner sind, die auf Seiten der Alliierten gegen Hitlerdeutschland kämpften. Mein Opa mütterlicherseits war kurze Zeit im WK-I Soldat, daher Kriegsgegner und für WK-II zu alt. Opa starb fünf Jahre vor meiner Geburt. Aber meine Oma erzählte viel aus dem Alltag, so daß ich als Kind eine ausführlichen Eindruck des Grauens bekam. Sie gehörte nicht zu einer Opfer-Gruppe, viele Familienmitglieder überlebten. Aber zwei Söhne meiner Oma und ihr Bruder gingen „verloren“. Ein Onkel wurde 1944, am Tag seiner Ankunft, in Russland gefangen genommen, bevor er einen Schuss abgeben konnte, lebte bis mindestens 1955 und verschwand für immer. Sein ältester Bruder krepierte schon als Säugling am Ende des ersten Weltkrieges, weil keine Medikamente zu bekommen waren. Mein Großonkel war Funker in einem Flugzeug und wurde über Frankreich abgeschossen.

Meine Oma tat mir so furchtbar Leid, aber sie war, wie so viele Frauen ihrer Generation tough und hatte sich notgedrungen das Überleben antrainiert. Im hohen Alter, war es ihr ein Trost zu wissen, daß ihre beiden verlorenen Kinder und ihr Bruder, wenigstens nicht selbst morden mussten und umkamen, bevor sie womöglich gezwungen gewesen wären, einen anderen Menschen zu erschießen. Das war „Glück“. Leider war ich noch nicht einmal 14 Jahre alt, als meine Oma starb und somit war meine Augenzeugen-Verbindung abgerissen, bevor ich erwachsen wurde und die richtigen Fragen stellte. Meine Mutter war das Küken der Familie, hatte die Nazi-Zeit als Mädchen erlebt und war enorm an Zeitgeschichte interessiert. Sie konnte mir viel erklären, war aber eben nicht selbst erwachsen, bevor Hitler demokratisch an die Macht gewählt wurde. In den folgenden Jahrzehnten ging ich dieser Frage intensiv nach, las Regal-weise Bücher zu dem Thema, befragte jeden, der alt genug war. Die Antworten schienen widersprüchlich zu sein: Man konnte von den Verbrechen gar nichts wissen – man wußte genug, um zu wissen, daß man nicht mehr wissen wollte – man wußte durchaus, was sich tat – man wußte und stimmte auch zu, weil man beispielsweise von den „Arisierungen“ profitierte.

Das betrifft auch die Fragen, ob man während des Naziregimes Widerstand leisten konnte: „Nein, wer sich widersetzte, wurde erschossen“, lautet die eine Überzeugung. Andererseits gibt es Berichte (beispielsweise vom gut erforschten Hamburger Polizeibataillon 101) über diejenigen, die zu Juden-Massenerschießungen abkommandiert wurden. Einige ganz wenige weigerten sich mit Hinweis auf ihr Gewissen und wurde ohne irgendeine Strafe wieder von der Aufgabe freigestellt. Die allermeisten Polizisten weigerten sich aber nicht.

Also, was stimmt denn nun? Die Antwort ist: Alles. Es war eben kein homogenes Regime. Was der eine Nazi-Kommandeur durchgehen ließ, bestrafte sein Kollege im Nachbarort drakonisch.

Irmgard von zur Mühlen befragte 1995 Marion Gräfin Dönhoff (*1909) nach ihrer Flucht aus Ostpreußen und wollte wissen, wie stark dort der der Einfluss der Propaganda war. Was wußten die Leute?

[…..] Die Leute waren furchtbar aufgeregt und hatten keine Ahnung; das war das Merkwürdige. Also nicht nur die Opfer waren, wie auch die Täter waren vollkommen ahnungslos […..]   Ja, Also immer gab es natürlich politisch interessierte Leute, die wussten mindestens seit Stalingrad, dass der Krieg verloren ist und waren sehr skeptisch. Aber die breite Masse des Volkes, vor allem auf dem Lande hatte natürlich keine Ahnung. Die waren eingehüllt durch die Radiopropaganda und die Zeitung, wo alles bestens war. Also der Slogan der damals Umlauf hatte, war der Sieg ist eine Frage des Willens. Also wenn man das wirklich will dann siegt man immer und wenn man das nicht glaubte, war man eben eigentlich ein Verräter. Die Realität kam gar nicht an die Leute heran auf dem Lande. Die hörten eben ihren Rundfunk abends und manche lasen morgens das Blättchen, was da eben erschien und natürlich in allen dasselbe stand und immer hatte der Führer für alles gesorgt. Das was an Kraft fehlte um diese Illusion hin zur Realität werden zu lassen, das wurde durch Agitation ersetzt, durch Propaganda. Wenn man eben Jahre lang einer gewissen Propaganda unterliegt, dann kann man nicht mehr unterscheiden, was ist Realität und was ist von irgendwem zurecht gemacht. [….]

(Marion Dönhoff 1995)

Faszinierend, zur selben Zeit, am selben Ort, nehmen Menschen die Realität völlig anders wahr. Während Marion Dönhoff selbst schon vor 1933 klar erkannte, was Hitler will und später aktiv den ostpreußischen Widerstand gegen das Regime mitorganisierte, lebten mit ihr unter einem Dach erwachsene Leute, die gar nichts davon begriffen.

Bis vor ungefähr zehn, fünfzehn Jahren gruselte ich mich zwar, ob der Rechtsradikalen in Deutschland, verabscheute DVU und NPD, empörte mich über Franz Schönhuber und Jörg Haider und Jean Marie Le Pen. Aber ich hatte keine Angst vor einer Rückkehr des Faschismus in Deutschland. Denn anders als 1933, ging man nicht mehr ahnungslos mit der Gefahr um, sondern war gewarnt. Außerdem schien es dank Internet und freier Presse nicht mehr möglich, die Menschen durch rechtsradikale menschenfeindlichen Propaganda von der Realität zu entfernen und sie durch gezielte Massen-Agitation Unsinn glauben zu lassen. Schließlich war auch noch ein stabiler Parteienstaat da, dessen Vertreter von CDU oder FDP ich zwar gar nicht mochte, die sich aber im Zweifelsfall doch gegen Antisemitismus und Autokratie stellen würden.

Bedauerlicherweise hat sich mein Optimismus inzwischen vollständig zerschlagen.

Social Media und die entsprechenden Algorithmen schieben fast alle Wähler in Info-Blasen, die teilweise keinerlei Berührungspunkte mehr mit der Realität haben. Eine faschistische Partei liegt bundesweit bei 20% und konnte sich in einigen Bundesländern zur stärksten Kraft aufschwingen.

CSU, CDU und FDP halten eben nicht Stand, um die Demokratie zu verteidigen, sondern robben sich ungeniert an die Faschisten heran. Der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat übernimmt teilweise wörtlich AfD-Propaganda, die nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat. Offen wird mit Menschenhass geworben.

Wir sehen in den USA, wie die Medien – CNN zum Beispiel – vor Trump kriechen und insbesondere die Megareichen – Musk, Bezos, Zuckerberg – nicht widerständig, sondern willig nach Mar a Lago pilgern. Ja, sogar begeistert Millionen für Trumps Amtseinführung für die Sprengung von Verfassung, Demokratie und Pressefreiheit  spenden. Möglich wird es durch eine absolut groteske Medienkonzentration in der Hand einiger weniger Multimilliardäre, die auf ihren weltumspannenden Plattformen ungeniert rechtsradikale antidemokratische Propaganda betreiben.

Ein ähnliches Bild gibt der deutsche Döpfner-Konzern ab, der sich daran berauscht, die Regierung zu sprengen und nun sogar dem reichsten Mann des Planeten Platz einräumt, um für die verfassungsfeindliche faschistische AfD zu werben. 

Ein 400 bis 500 Milliarden schwerer Mann, der vom Chef der einst liberalen Ex-Regierungspartei FDP ohne jede Scham umworben wird.

[….] Wer wissen will, wie viel Macht Elon Musk auch in Deutschland hat, der kann das an diesem Wochenende beobachten. Vorgezogenes Fazit: Viel. In der aktuellen Ausgabe der Welt am Sonntag steht auf der Meinungsseite ein Gastbeitrag von Elon Musk. Eine starke Meinung zu Deutschland hat der Superunternehmer. Er schreibt, Deutschland taumle „am Rande des wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenbruchs“. Und wiederholt dann ausführlich, was er am 20. Dezember mit einem Satz auf seinem Kurznachrichtendienst X proklamiert hatte: „Nur die AfD kann Deutschland retten.“ Er attestiert der Partei politischen Realismus, eine vernünftige Energie- und Wirtschaftspolitik, den Willen zur Innovation, die Zukunftstauglichkeit, vor allem aber bestreitet er, dass die AfD eine rechtsradikale Partei sei.  […]

(Andrian Kreye, 28.12.2024)

Zu Trumps erster Amtszeit gab es schon gehässige Kommentare und Memes – wer sich wundere, wie der Faschismus 1933 gewinnen konnte, könne das nun in Echtzeit in den USA miterleben.

2024 kippt nun auch Deutschlands selbst zunehmend in den braunen Abgrund.

[….]  Der Tech-Milliardär, Polit-Hau-Drauf und Trump-Buddy Elon Musk sorgt nun auch für einen Eklat in der deutschen Medienlandschaft. Eva Marie Kogel, Chefin der Meinungsredaktion der Zeitung Welt, hat ihren Job hingeschmissen, nachdem das Blatt einen Text von Musk in der Sonntagsausgabe veröffentlicht hat. [….]  

Musks offensive Wahlwerbung für die AfD hatte laut dem Branchenportal medieninsider schon Tage vor der Veröffentlichung zu heftigen Debatten in der Redaktion geführt. Am Samstag verkündete Eva Marie Kogel, Meinungschefin der Welt: „Ich habe immer gerne das Meinungsressort von WELT und WAMS geleitet. Heute ist in der Welt am Sonntag ein Text von Elon Musk erschienen. Ich habe gestern nach Andruck meine Kündigung eingereicht“. Ihr Post erschien wohlgemerkt per Tweet bei X (vormals Twitter), dem Kurznachrichtendienst des Tech-Milliardärs. [….]  


Die auf X vorherrschende rechte Bubble kriegt sich jedoch gar nicht mehr ein. Annabel Schunke, einst selbst Welt-Kolumnistin, ereiferte sich: „Die Welt sollt solchen Journalistendarstellern, die ein Problem mit der Meinungsfreiheit hätten, keine Träne nachweinen.“ Kogel solle doch „bei der TAZ anheuern“.
[….]  

Und Julian Reichelt, Ex-Chef der Bild und heutige Leiter des extrem rechten Mediums Nius, twitterte: „Wenn man als Leiterin Meinung kündigt, weil man andere Meinungen nicht aushält, war man für den Job eher ungeeignet“.
[….]

Und was sagt Ulf Poschardt, bis Jahresende noch Chefredakteur der Welt und danach Herausgeber einer neuen Springer-„Premium“-Marke? Er ergötzt sich auf Twitter wie gewohnt in Sottisen, die vieles offen lassen: „Der größte Witz der Gegenwart: dass die Opportunisten im Rebellengewand durchs Leben laufen“. Wenig später legt er nach und repostet einen Tweet zum Musk-Text. […..]

(Gereon Asmuth, 28.12.2024)




 

Freitag, 27. Dezember 2024

Männer und Merz

Ich muss nun wirklich keine Frau sein, um nachzuvollziehen, daß Friedrich Merz wegen seiner chauvinistisch-misogynen Grundeinstellung absolut unwählbar ist und niemals ins Kanzleramt gelangen darf.

Ich muss aber auch kein Jude zu sein, um ganz sicher niemals einen Antisemiten zu wählen. Ich muss nicht schwul sein, um einem Homophoben meine Stimme zu verweigern. Ich muss nicht schwarz sein, um Rassisten zu verachten

Aber offenbar spielt für viele Menschen die Gruppenzugehörigkeit eine große Rolle, wie wir zuletzt am geschlechterspezifisch extrem unterschiedlichen Wahlverhalten der US-Amerikaner sahen. Daher bin ich der Initiative „Frauen gegen Merz“ ausgesprochen dankbar, explizit die Unwählbarkeit des CDU-Chefs aus weiblicher Perspektive zu betonen.

Es gibt auch Wähler, die Identitätsfragen ablehnen; sich stattdessen um die „harten Themen“ Wirtschaft und Geld sorgen.

Für solche Wähler ist es noch einfacher. Denn Fritze Merz versteht noch nicht einmal simpelste volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Er vertritt mit dem CDU-Wahlprogramm gleichermaßen abstruse, wie einander widersprechende Dinge, die niemals funktionieren werden: gewaltige Steuergeschenke an die Superreichen, Trickle Down, Schuldenbremse, Abwürgen der Nachfrage durch Bürgergeldstopp.


Tatsächlich ist der Merkel-Stillstand Schuld an der deutschen Wachstumsmisere. 16 Jahre CDU im Kanzleramt. Von dieser unsinnig-bräsigen schwäbische Hausfrau-Politik erholt sich keine Industrienation mehr.

Mit dem Ökonomie-Verständnis des Merz würde man Deutschland endgültig den Rest geben. Die klassischen Industriezweige KfZ und Maschinenbau, schwächeln, weil ihre Produkte zu schlecht und zu altbacken für den Weltmarkt werden. Deutschland lebt aber vom Exportüberschuss. Die Binnenkonjunktur wird ob der tumb-neoliberalen Politik immer mehr geschrumpft.

[….]  Die Chinesen [….] verfügen über einen Binnenmarkt mit 1,4 Milliarden Menschen. Ihre Unternehmen können also riesige Mengen direkt vor Ort absetzen – und entsprechend gigantische Werke bauen. Die Chinesen profitieren daher von enormen Skaleneffekten: Je mehr Stücke von einem Produkt hergestellt werden, desto günstiger wird die Ware. Die EU hat hingegen nur 449 Millionen Einwohner – und ist auch noch damit konfrontiert, dass der künftige US-Präsident Donald Trump mit Zollschranken droht. [….] Die Exportaussichten sind also trübe. Trotzdem wäre es übertrieben, in Existenzangst zu verfallen. Denn Deutschland verbucht immer noch Exportüberschüsse, führt also mehr Waren aus, als es importiert. Im ersten Halbjahr 2024 betrug dieses Plus 138,8 Milliarden Euro.

Die Exporte sind nicht verschwunden, schrumpfen aber leicht – was sich sofort bemerkbar macht, weil die gesamte deutsche Wirtschaft darauf ausgerichtet ist, dass die Ausfuhren ständig steigen. Die Binnenwirtschaft wurde vernachlässigt in der Hoffnung, Exporte würden alles richten.

Diese ignorante Attitüde hat einen Namen: Schuldenbremse. Bis heute verstehen FDP und Union nicht, warum Schulden gut sein sollen, wenn sie in Investitionen fließen. Dabei ist es schlicht: Investitionen lassen sich nur durch Kredite finanzieren. Müsste man immer erst sparen, bevor neue Maschinen angeschafft oder neue Produkte entwickelt werden, würde die Nachfrage einbrechen, weil ja gespart wird, sodass sich neue Maschinen gar nicht mehr rechnen.

Eigentlich einfach. Aber diese Zusammenhänge fallen nicht auf, jedenfalls nicht den selbst ernannten Wirtschaftsexperten in FDP und Union, weil es ja die Exportüberschüsse gibt, die die deutsche Wirtschaft am Laufen halten. Dieses Plus bedeutet letztlich, dass das Ausland jene Schulden aufnimmt, die Deutschland meidet. Ohne Kredite wäre es nämlich unmöglich, dass das Ausland ständig mehr in Deutschland einkauft, als wir umgekehrt erwerben. Denn woher sollten die anderen Länder das nötige Geld haben, wenn nicht durch Schulden?

Dieses seltsame Geschäftsmodell kommt nun langsam an sein Ende. Die Exporte schwächeln, und die deutschen Firmen verlieren den technologischen Anschluss. Der aktuelle Wahlkampf wäre eine gute Gelegenheit, um nach Lösungen zu suchen. Stichworte wären: Klimatechnologien, eine bessere Infrastruktur, Forschungsförderung. Diese Programme würden staatliches Geld kosten – doch FDP und Union wollen es lieber verschleudern, um die Wohlhabenden zu beglücken. [….]

(Ulrike Herrmann, 27.12.2024)

Wem Merzens abenteuerliches Ökonomieverständnis und seine vorsintflutlichen gesellschaftspolitischen Ansichten nicht ausreichen, um ihn nicht so wählen, der könnte sich immer noch davon abhalten lassen, daß Merz so ein rechtsradikales Arschloch ist.

[….] Wie sehr Merz gerade strategisch hilflos herumeiert, merkt man an dem Fall #Magdeburg. Da wollte er ja erst nicht die Rassistenkarte spielen, wie man intern hörte. So hatte Merz seine Mannen zur Zurückhaltung in der Kommentierung aufgerufen - wie auch: Der Täter war ja eben ein Sympathisant rechtsradikaler und rechtsextremer Weltbilder. Also genau da, wo #Merz selbst zu Hause ist bzw. gern drin fischt.

Ein paar Tage nach der #Amokfahrt fragt der Kanzlerkandidat der CDU jetzt in absolut gehässiger Wortwahl, wie man „solche Leute“ los werde. Es geht also nicht um innere Sicherheit, wie man meinen möchte - dann hätte man ja nach #Polizei, Haft oder ähnlichem gefragt. Nein, Merz rückt Migration in den Mittelpunkt. Abschiebung. Bei einem Täter, der als Arzt tätig war. Und den die Behörden im #CDU-regierten Sachsen-Anhalt bereits kannten, aber offenbar nicht tätig wurden; für Abschiebungen sind immer noch die Bundesländer zuständig. Mit anderen Worten: Merz fällt seinen eigenen CDU-Leuten in den Rücken.

Man schüttelt sich inzwischen vor der Widerwärtigkeit, mit der Merz an Tag eins nach den Weihnachtstagen den Auftakt in jene Phase des Wahlkampfes einläutet, die ich - bis zum 23.2. und darüber hinaus - als „#Wahlschlacht“ bezeichnen möchte. Diese Schlacht wird das Land nachhaltig zeichnen - und das nicht zum Guten. Meine Prognose: Merz, seine Mannen und Vorfeldorganisationen (MIT, INSM etc.) geraten völlig außer Kontrolle, werden sich an den niedersten Instinkten der Menschen bedienen - nur um Merz‘ Mission #Kanzleramt zu erfüllen. Ihm ist das Land egal.

Die CDU bereitet damit nicht nur ideologisch den Weg für die A*D; sie bereitet ihn auch faktisch: Wenn dann die CDU (mögen wir es alle noch verhindern) in die Regierung käme und dort dann zwischen „Kreise fressen“ und „Versagen vor der Übermacht der Probleme“ taumeln würde, würden die enttäuschten CDUler endgültig zur A*D wechseln. [….]

(Marc Raschke, 27.12.2024)

Die letzten verbliebenen anständigen CDU-Mitglieder wenden sich gruselnd ab und verlassen die reaktionäre Merz-Linnemann-Bande.

[….] Der ehemalige Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Kai Voet van Vormizeele (62) ist mit einem Knall bei den Christdemokraten ausgetreten. In einem Schreiben rechnet er nun hart mit seiner ehemaligen Partei ab.

„Nach über 46 Jahren Mitgliedschaft in der Hamburger CDU habe ich mich jetzt zu diesem Schritt entschlossen”, schreibt van Vormizeele auf seiner Facebook-Seite. Von den politischen Leitzielen der liberalen Großstadt-CDU sei nicht mehr viel übrig geblieben, kritisiert er.

Die Hamburger Kandidaten für den Bundestag seien „nicht müde, das Geschäft der ultrakonservativen Kreise zu betreiben”. [….] CDU-Bundeschef Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann wirft van Vormizeele vor, eher die „neoliberalen Thesen der FDP” zu vertreten. Dann kommt es noch dicker: Die CDU hasche nach „wohlfeiler öffentlicher Zustimmung”, ihre Verkehrspolitik sei „antiquiert” und sie würde versuchen, sich dem Wählerpotenzial der AfD „anzubiedern”. Die Forderung nach einer Abschaffung des Bürgergelds nennt er „Unkenntnis der Realität unseres Landes oder aber bewussten Populismus”.  [….]

(MoPo, 19.12.2024)

Wir haben nun also ökonomisches Irrlichtern, gesellschaftliche Vorstellungen aus dem Mittelalter und rechtsradikale Umtriebe. Falls das immer noch nicht ausreicht: Dazu kommen noch wissenschaftsantagonistische deftige Lügen zum Klimaschutz und abenteuerliche Phantasien zur Energiepolitik. Es ist abstrus, absurd und aberwitzig, was sich CDU, CSU und AFDP zur Kernkraft zusammenphantasieren.

Auch wegen dieser hanebüchenen Merz-Querschüsse fliehen anständige Mitglieder aus der Partei.

[….]  Heinrich Strößenreuther [….] gehört zu einer besonderen Spezies von Klimaaktivisten; er initiierte mit anderen den Berliner Fahrrad-Volksentscheid und war einer der Gründer von „German Zero“, einem Verein, in dem Expertinnen und Experten an Plänen und Vorgaben für eine klimaneutrale Zukunft arbeiten. Doch für die Gründung der Klima-Union ging Strößenreuther noch einen Schritt weiter: Er trat in die CDU ein. [….] Und aus der tritt er nun wieder aus. „2021 hatte ich den Eindruck, es lohnt sich, in der CDU für mehr Klimapolitik zu werben“, sagt Strößenreuther der Süddeutschen Zeitung. Tatsächlich aber sei es schon mit der Katastrophe im Ahrtal bergab gegangen. Dabei sei gerade das der Augenblick gewesen, mit dem Klimaschutz ernst zu machen. „Inzwischen kann ich die populistische Haltung, die Friedrich Merz und Markus Söder einnehmen, einfach nicht mehr ertragen“, sagt er. So plädiere die Union bei jeder Gelegenheit für  „Technologieoffenheit“, etwa mit Blick auf die Energiepolitik oder die hiesige Autoindustrie mit ihrem Verbrennungsmotor. Die Partei habe „in Größenordnungen“ nicht verstanden, wie sich globale Märkte veränderten, hin zu mehr Klimaschutz, sagt Strößenreuther. „Während der deutschen Wirtschaft die Felle davonschwimmen.

Von der Gründung 2021 bis Anfang 2022 war Strößenreuther selbst Vorsitzender der Klima-Union gewesen. Seinerzeit veranstaltete man noch Energiedialoge mit Friedrich Merz, im Wahlkampf 2021 war der Verein Teil des Klima-Teams von Kanzlerkandidat Armin Laschet. Der Plan schien aufzugehen. Bis heute ziert ein Foto von CSU-Chef Markus Söder die Rubrik „Unterstützer“ im Internet-Auftritt. Im Februar 2022 beerbte der CDU-Abgeordnete und Klimapolitiker Thomas Heilmann Strößenreuther an der Spitze, der Verein war damit endgültig in der Partei angekommen. Doch die Aufbruchstimmung rund ums Klima verebbte, nicht nur in der Union.

[….] Innerhalb der Union habe er mit seinen Botschaften kaum noch durchdringen können, sagt Strößenreuther. „Dann lieber Robert Habeck.“ [….] (SZ, 27.12.2024)

Nein, man kann die CDUCSU einfach nicht wählen, wenn man auch nur rudimentär bei Verstand ist!

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Noch mehr nette Evangeliban in Hamburg

Toll, meine Lieblingspfäffin aus der Kirche nebenan, die mich pausenlos aus dem Schlaf bimmelt, ist so verzweifelt, daß sie heute Tiersegnungen anbietet. Mögen doch wenigstens die Einsamen mit ihren Haustieren kommen.

Da die örtliche Pfäffin wirklich besonders unerträglich ist, konnte ich mir einen hämischen, aber dennoch eher harmlosen, Kommentar zu ihrem Weihnachtsposting in meiner Stadtteilgruppe nicht verkneifen. Ihr offenbar einzig verbliebenes Gemeindemitglied, in diesem eher wohlhabenden Stadtteil, attestierte mir daraufhin (in ihrer für Christen so typischen unbeholfenen Rechtschreibung), offenbar „ein Zugereister aus dem Gruselland“ zu sein, während sie eine wahre Angehörige des Edelstadtteils sei.

Ich bin natürlich begeistert, wenn Christen so bereitwillig ihre Xenophobie und die Verachtung von Nächstenliebe bestätigen. Christen eben. Das sind die Leute, die mit überwältigender Mehrheit für den perfiden menschenhassenden Rassisten Trump stimmen.

Um aber das Bild aus Hamburg etwas abzurunden, nun ein Blick auf zwei Stadtteile am anderen Ende der Einkommensskala: Osdorf und Lurup.

Für diejenigen, die Hamburg nicht so gut kennen: Der Stadtteil Osdorf liegt im westlichen Bezirk Altona, etwas oberhalb der Nobelquartiere Blankenese und Nienstedten. Aber weiter vom Elbblick sinkt das Durchschnitteinkommen rapide. 

Vor rund 60 Jahren wurde der inzwischen berüchtigte „Osdorfer Born“ errichtet. Eine der künstlichen Plattenbausiedlungen aus der Zeit, in der alle heute bekannten sozialen und städtebaulichen Fehler auf einmal gemacht wurden. Auf einer Fläche von 0,7 km² leben 11.000 Menschen in bis zu 20-stöckigen deprimierenden Betonburgen zwischen Osdorf und Lurup.

[….] Das Fördergebiet ist ein multidiverses Quartier mit rund 12.500 Einwohnern. Besonders auffallend ist der überdurchschnittlich hohe Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. 53,6% der Bewohnerschaft haben ausländische Wurzeln. Mit jeweils 25% bilden Migranten aus dem türkischsprachigem Raum und der ehemaligen Sowjetunion die größten Migrantengruppen. Die drittgrößte Gruppe wird durch Bewohner mit polnischen Wurzeln vertreten (9,6%).  Die Altersstruktur wird von zwei Altersgruppen dominiert. Einerseits ist es ein sehr junges Gebiet. Knapp 2.750 Bewohner/innen sind unter 18 Jahre alt (22%). Hiervon haben 71,7% einen Migrationshintergrund. Andererseits ist der Anteil über 64-Jährigen Migranten mit 20,8% überdurchschnittlich hoch (Bezirk Altona: 13,3 / Hamburg: 13,2%). Der Anteil an Menschen im Erwerbsalter liegt mit 58% im Vergleich zur Gesamtstadt Hamburg unter dem Durchschnitt. Der Anteil an 30- bis 40-Jährigen ist mit 12% gemessen an der Gebietsbewohnerschaft relativ gering. 12,8% der Bewohner im erwerbsfähigen Alter sind arbeitssuchend (Bezirk Altona: 5,9%). 29,2% beziehen SGB II Leistungen (Bezirk Altona: 9,5%).  [….]

(Lawaetz Stiftung)

Die Christen fassten dort 1972 Fuß und gründeten die Maria-Magdalena-Gemeinde.

Passend zum Baujahr handelt es sich um ein extra scheußliches Bauwerk mit schlechten Vibes. Der nach dem Brand von 1990 neu errichtete Glockenturm macht es nicht besser.

Dem Pastor gefallen die vielen Migranten dort gar nicht und so tickt er offenbar regelmäßig mit drastisch-xenophoben Sprüchen aus.

[….] Er soll Sinti als „Zigeunerpack“ beschimpft haben. Außerdem soll er Afrikanern empfohlen haben, nach Afrika zurückzukehren und „Bananen zu fressen“. Dass der Mann, dem diese rassistischen Beleidigungen vorgeworfen werden, Pastor einer evangelischen Gemeinde im Westen Hamburgs ist, macht die Sache doppelt skandalös.  [….]

(MoPo, 20.12.2024)

Dem ebenfalls in der Gemeinde engagierten Sinti-Verein und seinem Vorsitzenden Christian Rosenberg, bedeutete der Pfaff, er solle wegblieben mit seiner Steinzeitkultur. Ein bißchen unangenehm war das selbst der Evangelischen Nordkirche, die letztes Jahr den Pastor suspendierte und bei der Staatsanwaltschaft meldete.

[….]  Die evangelisch-lutherische Kirche in Norddeutschland hat Strafanzeige gegen einen ihrer eigenen Pastoren erstattet. Bis zur Klärung aller Vorwürfe werde der Pastor seine Amtsgeschäfte ruhen lassen, heißt es. Dieter Schulz, Pressesprecher der Nordkirche, bestätigte gegenüber der MOPO, dass gegen den betreffenden Seelsorger Rassismus-Vorwürfe erhoben werden. [….]

(Mopo, 23.05.2023)

In der chronisch unterbesetzten Hamburger Justiz dauert so eine Prüfung und da die Staatsanwaltschaft nach anderthalb Jahren immer noch prüft, dachte sich Bischöfin Fehrs‘ EKD, „scheiß drauf“; jetzt ist genug Gras über die Sache gewachsen. Und stellte den Rassisten wieder ein.

[….] Auf Antrag des Beschuldigten hat jetzt das Kirchengericht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) seine vorläufige Dienstenthebung in der Maria-Magdalena-Gemeinde ausgesetzt, wie die Nordkirche am Montag bestätigte. Der Sinti-Verein, der die Vorwürfe gegen den Pastor erhoben hatte, äußerte sich „entsetzt“ über die Entscheidung der EKD.

„Die Nordkirche hätte sich ein anderes Urteil gewünscht“, sie respektiere aber die Entscheidung der Disziplinarkammer des Kirchengerichtes der EKD, sagte der Sprecher der Nordkirche, Dieter Schulz, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er betonte, dass unabhängig von dieser Entscheidung das Disziplinarverfahren gegen den betroffenen Pastor fortgesetzt werde. Für den Fortgang des Verfahrens warte die Nordkirche auf das Ergebnis der Ermittlungen der staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Bislang sei „kein Zeitrahmen für einen Abschluss der Ermittlungen“ bekannt, hieß es.

Dass der Geistliche wieder in seiner Gemeinde eingesetzt werden soll, bezeichnet der Sinti-Verein als „Hohn“. Es sei mehr als beschämend, dass sich eine Kirche, die für Nächstenliebe und Respekt gegenüber Menschen stehen soll, mit so einem Verhalten so widerspreche. Dabei habe sich die EKD „in vielen öffentlichen Statements immer dazu verpflichtet gerade auch für unsere Community da zu sein, wenn Antiziganismus betrieben wird“, teilte der Verein mit. Die EKD hat sich bislang nicht dazu geäußert.

„Gerade in der aktuellen Situation unserer Gesellschaft, in dem der Rechtspopulismus enorm zunimmt, setzt die EKD damit ein fürchterliches Signal“, hieß es vom Sinti-Verein. Er will gemeinsam mit der Community, EU-Politikern, anderen Vereinen und Verbänden gegen das Urteil der EKD vorgehen. „So etwas darf nicht umgesetzt werden“, hieß es.  [….]

(WELT, 16.12.2024)

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Ende Dezember Spaß

Für mich, Atheist und Verächter aller Rituale, sind die Weihnachtstage natürlich immer ein Grund zu großer Freude. Weil nahezu alle anderen schwer beschäftigt sind und ich völlig in Ruhe gelassen werde. Ein paar Tage, an denen absolut nichts passiert, sind mir stets hochwillkommen. Zudem freut es mich diebisch, in den Wochen zuvor die mannigfachen Klagen über den Weihnachtsstress und das Geschenke-Kaufen zu hören. Alles selbst eingebrockte Probleme, derer ich mich schon vor Jahrzehnten völlig entledigt habe. Keine meiner Wohnungen sah je auch noch den geringsten Hauch einer Weihnachtsdekoration oder hörte ein Weihnachtslied.

Mit großem Amüsement lese ich die Leitartikel und Kolumnen zum „Heiligen Abend“ und bedaure die Journalisten, die teilweise seit Jahrzehnten immer wieder vor der unlösbaren Aufgabe stehen, sich irgendetwas Neues zum Thema aus den Fingern zu saugen, das in den hunderten Weihnachtskolumnen ihrer Zeitung zuvor noch nicht geschrieben wurde. Natürlich kann das gar nicht gelingen und so scheitern sie allesamt. Sichtlich müde werden die Halbseiter aus dem immer gleichen Bausteinen zusammengerührt:

-      Alle Menschen sehnen sich nach Gemeinschaft, fürchten Alleinsein

-      Weihnachten ist so viel mehr als Konsum

-      Ja, das letzte Jahr war scheiße, umso wichtiger ist die Hoffnung

-      Jesus war ein Kind, Weihnachten ist für alle Kinder, Kinder sind so wichtig

-      Großzügig denken wir auch an die armen Tropfe, die Weihnachten arbeiten

Noch schwieriger gestaltet sich die Angelegenheit für Päpste, Staatschefs und Bischöfe, die öffentliche Weihnachtsansprachen verfassen und verlesen müssen.

Kirsten Fehrs, die Hamburger Bischöfin und Vorsitzende der EKD, rührte aus dem oben genannten Zutaten dieses Jahr einen besonders abstoßend banal-pathetischen Brei, dem keine Metapher zu peinlich geraten konnte.

[….] Die Wahrheit des Kindes - sie steht Weihnachten im Mittelpunkt. Zuerst natürlich die des kleinen  zarten, jüdischen Kindes in der Krippe.  Aber auch die aller anderen Kinder. Jedes Kind ist Gottes Kind, und in  jedem dieser kleinen Menschen  können wir Gottes Zukunftsvision  für die Welt erkennen  Dabei lässt sich viel von den Kleinen lernen, gerade in diesen verunsichernden Zeiten. Etwa mit Mut  und unverzagt Zukunft zu denken  Denn Kinder nehmen mit offenen  Augen Dinge wahr, die wir als Erwachsene niemals entdeckt hätten  Mit ihren unzähligen ,Warums"  treiben sie uns bisweilen in die Enge  und stellen die ganze Erwachsenenwelt infrage, Ist tatsächlich alles gut  und richtig, was wir gerade tun und  denken? Und wir werden gewahr,  wie wichtig es ist, einen Raum der  Liebe zu hüten, der das Fragen zulässt, Und den Dialog, Einen Raum wie eine Herberge, in dem man einander schützt und manchmal  auch zumutet, In dem man zärtlich bleibt.  [….]  Sich nicht irre machen lassen vom Irrsinn der Welt - das ist die  Botschaft des kleinen Kindes in  Bethlehem. Geboren in Armut, die  Todesschwadronen des Herodes  schon im Anmarsch - all dieses  Elend tritt in der Heiligen Nacht zurück hinter die Verheißung, die wie  ein heller Schein über 2000 Jahre  hinweg die Herzen der Christenmenschen erreicht hat: ..Fürchtet  euch nicht!" steht da mit großen  Lettern. ..Euch ist heute der Heiland geboren!"  Wo heute eine hoffnungsverstörende acht Meter hohe Mauer das von Gewalt gezeichnete Heilige  Land teilt und zu zementieren scheint, genau an  diesem Ort Bethlehem hat damals  die Hoffnung Beine bekommen  Vielleicht haben Sie schon einmal  ein Bild dieser uralten Geburtskirche gesehen: Ihr Haupteingang  wurde im Mittelalter verkleinert auf  1,20 Meter Höhe. Erwachsene müssen sich bücken, um hineinzukommen. Nur Kinder können aufrecht  hineingehen.  Gibt es ein passenderes Symbol  für das Himmelreich? Ganz klein werden sollen die Unterschiede. […..]

(Weihnachtsansprache Fehrs 2024)

Was für eine Schamlosigkeit der obersten Deutschen Evangelin angesichts der Hunderttausenden Kinder, die von ihrer Kirche in den letzten Jahrzehnten missbraucht, gequält, geschlagen und gedemütigt wurden.

Was für eine Schamlosigkeit der obersten Deutschen Evangelin, die immer noch die Aufklärung über die Massenverbrechen an Kindern in ihrer Kirche blockiert.

Was für eine Schamlosigkeit der obersten Deutschen Evangelin angesichts der Zehntausenden Kinder, die gerade in Gaza und dem Jemen massakriert werden oder verhungern.

Was für eine Schamlosigkeit der obersten Deutschen Evangelin angesichts der Myriaden Opfer unter 14 Jahren für die jede Hoffnung des Heilands nie gekommen ist.

Was für eine Schamlosigkeit der obersten Deutschen Evangelin angesichts der mehr als fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren, die jedes Jahr auf der Welt verhungern, während die christlichen Kirchen auf gewaltigen Vermögen hocken.

Wenig überraschend ist das Ansehen der evangelischen Kirche in Deutschland auf dem absoluten Tiefpunkt angekommen.

[….] Die Reputation der christlichen Institutionen ist gering. Das Ansehen der evangelischen Kirche ist 2024 auf ein Rekordtief gesunken. Das ist ein Ergebnis des Rankings des Vertrauens zu Institutionen, das Forsa seit fast zwei Jahrzehnten für stern, RTL und ntv ermittelt. Während der evangelischen Kirche 2005 noch 42 Prozent der Deutschen vertrauten und 2017 zwischenzeitlich sogar 48 Prozent, ist der Wert nun auf 27 Prozent gesunken. Das ist zum bisherigen Tiefstand von 28 Prozent im Jahr 2023 nochmal ein Verlust um einen Prozentpunkt. Die evangelische Kirche stand zuletzt wegen ihres zögerlichen Umgangs mit Missbrauchsfällen in der Kritik.

Das Vertrauen in die katholische Kirche ist deutlich geringer, aber hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Der Wert ist gegenüber dem bisherigen Tiefstand im vergangenen Jahr leicht von 10 auf 11 Prozent gestiegen. 2005 dagegen vertrauten der katholischen Kirch noch 24 Prozent. Der höchste Wert wurde 2017 mit 29 Prozent erreicht. Damit hat sich das Ergebnis im Lauf der Zeit mehr als halbiert. Das Ansehen des Papstes ist mit 16 Prozent nur geringfügig höher. [….] Vergleichsweise hoch ist mit 36 Prozent das Ansehen des Zentralrates der Juden. [….]

(STERN, 23.12.2024)

Wohl verdient, Fehrs!

Dienstag, 24. Dezember 2024

Und täglich hetzt der Weiße Mann

Das nervt viele größenbesessene Amerikaner schon sehr – unter den „Seven Summits“, also den jeweils höchsten Bergen eines Kontinents, belegt der alaskanische Denali mit 6190 Metern nur Platz Drei. Das ist deutlich hinter dem argentinischen Aconcagua mit 6961 Metern und dem nepalesischen Sagarmatha (tibetisch Chomolungma) mit 8848 Metern, den Westler tumb Mount Everest nennen.

Schlimmer noch; in der vollständigen Liste der höchsten Gipfel der Welt, in der allein 14 Berge über 8.000 Meter über dem Meeresspiegel liegen und weitere 53 über 7.000 Meter, schafft es der US-Amerikaner nicht mal unter die Top 100.

Welch Schmach.

Er ist aber die höchste Erhebung der „Alaska Range“, die im südlichen Teil der alaskanischen Kordilleren liegt. Sie ist ein typisches „Faltengebirge“, das entstand, als sich die pazifische Platte auf ihrer Wanderung nach Norden unter die Amerikanische schob. Das Gebirge ist sehr aktiv und mit knapp 300 Millionen Jahren noch recht jung.

[….] The backbone of the range is composed of sedimentary and metamorphic rocks dating from the early Paleozoic. Younger sedimentary rocks, from the Permian Period (about 299 to 252 million years ago) and from the Mesozoic Era (about 252 to 66 million years ago), flank the range.  [….]

(Britannica)

Irgendwie ist es ganz putzig, wenn sich der seit ein paar Myriaden Jahren anwesende Homo Sapiens anmaßt, Berge nach seinesgleichen zu benennen.

Umso verständlicher, daß die Parkbehörde Alaskas bereits 1975 dazu überging, den damaligen „Mount McKinley“, wenigstens wieder mit dem traditionelleren Namen „Denali“ zu bezeichnen, ein Wort aus der athapaskischen Sprache des nordamerikanischen Indianerstammes Koyukon, das „der Große“ oder „der Hohe“ bedeutet.

Der zwischenzeitliche Name war um die vorletzte Jahrhundertwende von rassistischen Goldgräbern erfunden worden und bezog sich auf William McKinley, den 25. US-Präsidenten. Der Republikaner William McKinley, Jr. (*1843; † 1901) trat das Amt 1897 an und wurde im Jahr nach seiner Wiederwahl (1900) erschossen. Für die Innenpolitik hatte er nicht viel übrig; seine Präsidentschaft gilt als unbedeutend.

Aber er führte höhere Zölle ein, baute die Streitkräfte aus und setzte auf eine aggressive imperialistische Außenpolitik.

[….] Unter McKinleys Präsidentschaft billigte der Kongress einen weiten Ausbau der Seestreitkräfte. Deren Aufgabe sollte unter anderem auch darin bestehen, den Überseehandel zu schützen. Imperialistische Strömungen in der amerikanischen Politik zielten in besonderem Maße auf die Erschließung neuer Wirtschaftsmärkte. Der Präsident stimmte mit den Positionen der Imperialisten im Wesentlichen überein. So führte er das Land in den Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898). Im Friedensvertrag von Paris hatten die Vereinigten Staaten, wie schon in der im April 1898 ausgesprochenen Kriegserklärung an Spanien, auf eine Annexion Kubas verzichtet, doch fielen ihnen die Philippinen, Puerto Rico und Guam zu. Unter McKinleys Präsidentschaft annektierten die Vereinigten Staaten das Königreich Hawaiʻi und wurden zu einer Kolonialmacht. Nachdem die Amerikaner auf den Philippinen angekommen waren, brach der Philippinisch-Amerikanische Krieg mit der Ersten Philippinischen Republik aus, die zuvor ihre Unabhängigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft erklärt hatte. Der Konflikt verursachte großes Leid für die Zivilbevölkerung, die US-Streitkräfte verübten Massaker, Folter und andere Gräueltaten. Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtzahl der philippinischen Todesopfer zwischen 200.000 und 250.000 liegt, hauptsächlich aufgrund von Cholera und Hungersnot; einige Schätzungen gehen sogar von 1,5 Millionen Todesfällen aus. Danach waren die Philippinen bis zum Zweiten Weltkrieg faktisch eine amerikanische Kolonie. Insgesamt schlugen die Vereinigten Staaten außenpolitisch unter McKinleys Präsidentschaft einen imperialistischen Kurs ein und wurden Weltmacht. In diese Phase fiel auch das Ende der Binnenkolonisation im Westen des Landes. […..]

(Wikipedia)

Zu seinen Ehren wurde der Denali 1917 nach ihm benannt.

Zölle, internationale Aggression, 1,5 Millionen Tote, Republikaner – ein Mann nach dem Geschmack Donald Trumps, der bereits vor seinem Amtsantritt erklärt, sich, bzw. der USA, den Panama-Kanal und Grönland einzuverleiben.

Zu den Hauptcharaktermerkmalen Trumps gehört, neben Gier und Größenwahn, auch der rasende Hass auf seinen schwarzen Vorgänger Obama, der schlanker, schlauer und beliebter als er selbst ist. Schon in seiner ersten Amtszeit zerstörte Trump manisch alles, das an Obama erinnerte. Auch wenn er nach neun Jahren immer noch nicht den geringsten Schimmer hat, womit er den verhassten "Affordable Care Act" ersetzen könnte, tobt er bei dem Gedanken an das auch „Obama-Care“ genannte Gesetz vor Wut.

Gestern fand er eine weitere Obama-Hinterlassenschaft, die er ausradieren will.

Es war Obamas Innenministerin Sally Jewell, die abgestimmt mit ihm, den „Mount McKinley“ im Jahr 2015 offiziell wieder in DENALI umbenennen ließ.

Ein Schwarzer und eine Frau gegen einen weißen republikanischen Mann!

Ein Schwarzer und eine Frau gegen einen weißen republikanischen Präsidenten!

Ein Schwarzer und eine Frau ersetzen einen weißen republikanischen Namen mit einem athapaskischen Wort der Koyukon!

Das triggert den rasenden Rassisten Trump über alle Maßen.

[…] Der designierte US-Präsident Donald Trump plant, die Umbenennung des höchsten Berges Nordamerikas rückgängig zu machen. „Sie haben dem Mount McKinley seinen Namen genommen“, sagte Trump am Sonntag in einer Rede vor Anhängern in Phoenix. [….]

(Tagesspiegel, 23.12.2024)

In seinen Augen also eine Schwarze Verschwörung. Mit dem Namen „Denali“ wurde ihm persönlich etwas weggenommen, das er sich nun zurückholt.

Montag, 23. Dezember 2024

Der Ego-Clash

Donald Trump fühlte sich schon immer allmächtig; überlegen. Als Kopf einer Familie mit privilegierten Genen. Die Trumps sind seiner Ansicht nach so viel besser und wertvoller, als alle andere Menschen, daß er selbstverständlich auch nicht an schnöde Regeln wie Fakten oder Strafgesetze gebunden ist.

Daher log er schon immer das Blaue vom Himmel herunter. Insbesondere bezüglich seiner Assets, die er völlig schamlos aufblähte. Als er 2015 seine Ambitionen als Präsidentschaftskandidat ankündigte, besaß er laut der gängigen Fachmagazine um die vier Milliarden Dollar. Man wußte von seinen vielen Pleiten, ahnte aber noch nicht, wie dreist er seine Zahlen frisiert. Aber als er damals behauptete, in Wahrheit sogar eher bis zu „zehn Milliarden Dollar schwer zu sein“, weil der Name „Trump“ schon allein Milliarden bedeute, hielt man das allgemein für hanebüchen.

Wie wir neun Jahre später gesichert durch Prozesse wissen, waren schon die ursprünglich angenommenen vier Milliarden wüst übertrieben. Seine Millionenstrafe konnte er nie bezahlen und fand noch nicht mal Kreditgeber.

[…] Erst kürzlich musste Ex-US-Präsident Trump eine Strafe von mehr als 80 Millionen Dollar hinnehmen. Jetzt wird es noch teurer für ihn: Wegen Finanzbetrugs ist er zu einer Geldstrafe von mehr als 350 Millionen Dollar verurteilt worden. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist in einem Betrugsprozess zu einer Strafzahlung von mehr als 350 Millionen Dollar verurteilt worden - umgerechnet etwa 325 Millionen Euro. Das teilte Richter Arthur Engoron in New York mit. Zudem darf Trump drei Jahre lang keine Firma im Bundesstaat New York führen. Engoron verzichtete jedoch darauf, die Auflösung von Trumps Unternehmen anzuordnen.

Der Richter befand Trump für schuldig, über Jahre hinweg die Vermögenswerte des Familien-Immobilienimperiums um Milliardenbeträge künstlich aufgebläht zu haben, um so bessere Konditionen für Kredite und Versicherungen zu bekommen.

Generalstaatsanwältin Letitia James hatte in dem Fall eine Strafe in Höhe von 370 Millionen Dollar gefordert. Auch Trumps ebenfalls beschuldigte Söhne Eric und Donald Trump Junior wurden für haftbar befunden und zur Zahlung von jeweils vier Millionen Dollar verurteilt. Zudem verhängte das Gericht ein zweijähriges Verbot von Führungspositionen in Unternehmen des Staates New York. [….]

(Tagesschau, 16.02.2024)

Logischerweise war Trump, als in Schande gegangener Ex-Präsident, mit hoher Wahrscheinlichkeit, im Knast zu enden, an der Böse weniger wert. Staatsgäste stiegen nicht mehr in den Trump-Motels ab. Weniger Speichellecker wollten in horrend überteuerten Trump-Golfclubs Mitglied sein.

Als seine Wiederwahl wahrscheinlicher wurde, stiegen seine Börsenkurse wieder und nach dem 05.11.2024 war Trump saniert. Nun wollen sie alle wieder Trump-Produkte kaufen, auf „Truth Social“ aktiv sein und sich die Nähe zu ihm richtig was kosten lassen. Nun kann man wieder durch Trump reich werden. Die Viertel-Milliarde Dollar, die sich Elon Musk Trumps Wahlsieg kosten ließ, war finanziell betrachtet, die beste Investition seines Lebens. Er ist nun fast eine halbe Billion schwer; legte in anderthalb Monaten um 260 Milliarden zu.

So funktioniert Kapitalismus. So wählen die Bürger.

Trumps Größenwahn wurde durch den erneuten Wahlsieg ins Unermessliche gehoben. Die Prozesse sind Geschichte, die Milliarden fließen in seine Taschen und alle Superreichen drängeln sich, um seinen Hintern zu küssen.

Die letzten unabhängigen Journalisten kapitulieren vor Imperator Trump – sie schalten sich freiwillig gleich.

Endlich die Bestätigung, die er seiner Meinung nach verdient hat. Er hält sich nun erst Recht an keine Regeln mehr, wartet gar nicht mehr bis zur Amtsübernahme ab. Trump tritt die Weltherrschaft an, glaubt er könne sich nach Gutdünken auf dem Planeten bedienen. Nicht nur die US-Demokratie und Verfassung haben sich seinem Willen unterzuordnen. Auch alle anderen Nationen haben gefälligst nach seiner Pfeife zu tanzen.

[….] Der designierte US-Präsident Donald Trump möchte Grönland den USA einverleiben. »Im Interesse der nationalen Sicherheit und der Freiheit in der Welt sind die USA der Ansicht, dass der Besitz und die Kontrolle von Grönland eine absolute Notwendigkeit sind«, schrieb Trump am Sonntagabend auf der von ihm mitbegründeten Onlineplattform Truth Social.

In dem Post nannte Trump auch seinen neuen Botschafter für Dänemark: Ken Howery, Mitgründer des US-Zahlungsdienstleisters PayPal und Botschafter in Schweden während Trumps erster Amtszeit. »Ken wird bei der Vertretung der Interessen der Vereinigten Staaten hervorragende Arbeit leisten«, so Trump.  […..]

(SPON, 23.12.2024)

Daß die Grönländer keineswegs zur USA gehören wollen, tangiert IQ47 kein bißchen.

Trumpmerica verleibt sich alles ein. Weltpolitik ohne Regeln.

[….] Vor 25 Jahren hat Panama den Kanal von den USA übernommen. Nun droht der künftige US-Präsident Trump damit, die Kontrolle über die Wasserstraße wieder an sich zu reißen. [….]

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat Panama damit gedroht, die Kontrolle des Panamakanals zurückzunehmen. "Die von Panama verlangten Gebühren sind lächerlich, zumal die USA Panama außergewöhnliche Großzügigkeit entgegengebracht haben", schrieb Trump am Samstagabend auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. Die "Abzocke" seines Landes müsse sofort aufhören. [….] Panamas Präsident José Raúl Mulino wies über den Kurznachrichtendienst X die Drohung von Trump zurück. "Jeder Quadratmeter des Panamakanals und des umliegenden Gebiets gehört zu Panama und wird es auch weiter tun", erklärte er. "Die Souveränität und Unabhängigkeit unseres Landes sind nicht verhandelbar."  [….]

(Tagesschau, 23.12.2024)

Wir haben alle schon vergessen, wie knapp der Trump-Wahlsieg war, weil die Republikaner es hartnäckig als Erdrutschsieg verkaufen, obwohl er bei den absoluten Stimmen gerade mal 1,5 Prozentpunkte vor Harris lag.

Gut möglich, daß Musk Recht hat, wenn er glaubt, seine 250 Millionen hätten Trump entscheidend über die Ziellinie getragen.

Der rechtsradikale Südafrikaner ist kaum weniger größenwahnsinnig, als der von ihm unterstützte nächste Präsident und spielt sich daher ebenfalls als zukünftiger Herrscher auf. Für den reichsten Mann des Sonnensystems gelten schon gar keine demokratischen und juristischen Fesseln.

[….] In der neuen Realität Amerikas ist Musk nicht der Schattenpräsident, sondern viel eher der Sonnenkönig. In seinem Größenwahn tut er so, als sei sein Wille der Wille des Volkes. Der Staat bin ich und meine Follower. Trump ist 78, in spätestens vier Jahren dürfte die Welt seine Zeit als Politiker überstanden haben. Musk, 53, scheint dagegen gerade erst anzufangen. Die Gefahr, die von ihm ausgeht, kann kaum überschätzt werden.

Ein Kompromiss wurde abgeräumt, weil er einem Unternehmer nicht gefiel

Man muss sich vielleicht noch einmal kurz vor Augen führen, was da in den zurückliegenden Tagen in Washington vor sich ging: Ein Mann, den niemand gewählt hat, nahm sich heraus, den Abgeordneten am Capitol Hill zu diktieren, wo es langgeht. In einem Stakkato von Kurznachrichten auf einer Plattform, deren Inhaber und eifrigster Nutzer er ist, gab er seine Kommandos, und das wohl wichtigste Parlament der Welt warf sich zumindest zeitweise vor ihm in den Staub. Ein mühsam ausgehandelter Kompromiss zwischen beiden Parteien wurde abgeräumt, weil er einem Unternehmer nicht gefiel.  Es ist nicht entscheidend, dass drei Chaostage später schließlich doch ein Übergangshaushalt verabschiedet wurde, der dem ursprünglichen zum Verwechseln ähnlich sieht. Entscheidend ist, dass sich der politische Betrieb der Willkür von Musk unterworfen hat. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass es das letzte Mal war. [….] Elon Musk hat sich diesen Einfluss erkauft. Er steckte eine Viertelmilliarde Dollar in den Wahlkampf von Trump, erhielt dafür einen exklusiven Zugang zum kommenden US-Präsidenten und kann jetzt Dinge mitentscheiden, die ihn als Geschäftsmann noch reicher machen. Er platziert seine Kumpels in zentralen Regierungsämtern, er sitzt bei Gesprächen mit ausländischen Staatschefs dabei, er räumt mal eben einen Übergangshaushalt der USA ab, und er darf ungestraft republikanischen Abgeordneten drohen, wenn sie ihm nicht klaglos folgen. [….]

(Boris Herrmann, 23.12.2024)

Die letzten Widerständler, darunter der verjagte GOP-Abgeordnete Adam Kinzinger, sprechen konsequent von „Präsident Musk“. Zahllose Memes zeigen Trump als Musks Unterling. Die Absicht ist offenkundig. Man will Trump damit bis zur Weißglut reizen, bis ihm der Kragen platzt und er sich gegen Musk wendet.

Eine Strategie, die meines Erachtens aufgehen könnte. Es muss Trump enorm triggern, immer neben einem Typen zu sitzen, der so viel reicher als er selbst ist. Neben 500 Milliarden sehen Trumps drei oder vier Milliarden stets mickrig aus.

[….]  In Trump und Musk haben sich zwei gefunden, die neben ihrer Abneigung gegen die regelbasierte Ordnung auch ihre Selbstverliebtheit verbindet. Und genau an der Stelle könnte diese gefährliche Freundschaft auch bald wieder zerbrechen. Musk hat weit mehr Geld und mehr Follower als Trump, und zuletzt hatte er auch mehr Schlagzeilen. Es gibt aber nichts, was der nächste US-Präsident mehr hasst als Leute, die ihm das Sonnenlicht stehlen. [….]

(Boris Herrmann, 23.12.2024)

Sonntag, 22. Dezember 2024

Prantl biegt wieder falsch ab.

Daß Gläubige in Kirchen, auf Pilgerreisen oder Weihnachtsmärkten weggerafft werden, sind nur besonders augenfällige Varianten des altbekannten Theodizee-Beweises der Nicht-Existenz Gottes. Der geht stark vereinfacht so: Die beiden Definitionen des abrahamitischen Gottes; einerseits Güte und andererseits Allmacht; schließen sich angesichts des Leides auf der Welt aus.

Seit ein paar Tausend Jahren überlegen die schlausten Köpfe der Welt, wie sich die Existenz eines Gottes beweisen ließe. Eine Antwort fiel niemand ein.

Für uns Atheisten ist es viel einfacher; wir brauchen keine Jahrtausende, sondern nur eine Minute, um den Glauben an Gott in ein Paradoxon zu führen.

Gott kann keinen Stein erschaffen, der so schwer ist, daß er ihn nicht heben kann.  Könnte er so einen Stein machen, könnte er ihn nicht anheben und wäre damit nicht allmächtig, also auch kein Gott. Könnte er nicht so einen Stein machen, wäre er nicht allmächtig und damit kein Gott.

Gott heilt keine Amputierten, sondern nur solche Krankheiten, bei denen einen Spontanremission möglich ist.

Aber auch diese Abwandlungen der Theodizee-Frage sind eine Jahrtausende bekannte Problematik, die nie ein Theologe oder Geistlicher beantworten konnte.

(….) Gerätselt darüber wurde aber schon vor 3.000 Jahren im alten China, bei den Sumerern, in Indien, im Iran, Babylonien und Ägypten. Eine Antwort fiel nie einem ein. Zu offensichtlich ist die Tatsache, daß ein Gott nicht gleichzeitig allmächtig und gut sein kann.

Fall A) Ein allmächtiger Gott existiert nicht.

Fall B) Ein allmächtiger Gott existiert. Dann zeigen aber Auschwitz und die weiteren bekannten Genozide, daß er ein Arschloch sein muß und das ist per Definition eben nicht göttlich. Also existiert eben doch kein (lieber) Gott.

Was ich hier wieder einmal skizziere, ist das alte Theodizee-Problem.

Der Begriff wurde durch Gottfried Wilhelm Leibniz, dem letzten Universalgelehrten der Geschichte in seiner Abhandlung  „Essai de Théodicée“ (1710) geprägt. Damit griff er aber einen Jahrtausende alten Gedankengang auf. Die große Theodizee-Frage („Rechtfertigung Gottes“) wird immer wieder gestellt - seit Jahrtausenden, seit Epicur.
Sextus Empiricus, der Arzt und Philosoph des 2. Jahrhunderts, formulierte das Dilemma folgendermaßen:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Ich persönlich halte mich da an die Antwort des Ausschwitzüberlebenden Yehuda Bauers- die ich logisch einfach bestechend finde.
„In letzter Zeit war die Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade überwältigend." Er könne nicht zugleich allmächtig und gerecht sein - denn wäre er es, hätte er Ausschwitz nicht zugelassen. Doch offensichtlich konnte er es nicht verhindern.
Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber nicht konnte?
Auch dazu hat Bauer eine einfache Antwort: „Ein armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß - einen solchen Gott brauche ich nicht!“
Interessanter als die große Theodizee-Frage an sich finde ich die Tatsache, daß professionelle Priester, Ordensleute und klerikaler Hochadel nach 2000 Jahren Kopfzerbrechen immer noch keine Alibi-Antwort gefunden haben.

(Die Christen des Tages – Teil XIII und Teil XIV – 07.01.2010)  (….)

(Theodizee 2017, 31.10.2017)

Corona, Ukraine, Gaza haben es in jüngster Zeit besonders eindrücklich gezeigt: Gott kann nicht existieren. Genau die Belege dafür listet auch SZ-Chef-Religiot Heribert Prantl auf. In den letzten Monaten schien er wieder zur Vernunft gekommen zu sein, schrieb einige sehr gute politische Kolumnen.
Würde er angesichts der Schrecken der Welt und der offensichtlichen „Gottverlassenheit“ endlich die Kurve bekommen?

[….] Auf jedem Weihnachtsmarkt gibt es eine Menge von Engeln, auf dem in Magdeburg auch. Und es gibt den berühmten Vers aus dem Psalm 91, der der beliebteste aller Bibelsprüche ist: „Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.“ Sie haben das nicht getan, als ein Attentäter am Freitag fünf Menschen totgefahren und über zweihundert verletzt hat. Sie haben das auch nicht getan, als ein Terrorist vor acht Jahren einen Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz lenkte und 13 Menschen tötete. [….] Es war auch das Jahr, in dem sich ein junger, psychisch kranker Co-Pilot auf dem Rückflug von Spanien nach Deutschland im Cockpit seines Flugzeugs eingeschlossen hatte, um den Airbus A 320 zum Absturz zu bringen und sich auf diese Weise umzubringen. Er steuerte das Flugzeug gegen einen Berg, alle 150 Insassen kamen ums Leben – darunter eine Schulklasse des Joseph-König-Gymnasiums Haltern am See in Nordrhein-Westfalen.   Mir war dazu der schon zitierte Satz aus dem Psalm 91 eingefallen, der angesichts so eines Wahnsinns wie ein Hohn klingt: „Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.“ Über die böse Trostlosigkeit des Satzes habe ich deshalb meinem Freund, dem Pfarrer Franz, geklagt – und dann in meinem Weihnachtstext darüber geschrieben: Wo waren die Engel beim Germanwings-Flug 4 U 9525? Wo waren sie? Genau das habe ich dann am Dreikönigstag des jetzt ablaufenden Jahres 2024 wiederum ganz bitterlich gefragt, als mein Freund Franz bei einem furchtbaren Unglück ums Leben kam: Wo waren die Engel an seinem schrecklichen Todesabend? Warum lässt ein Gott, wenn er denn existiert, geschehen, dass ein Mensch auf grausamste Weise umkommt? [….] Die große Frage lautet: Warum lässt Gott, wenn er denn existiert, so unendlich viel Leid, warum lässt er Vernichtung und Ausrottung zu? Wo ist die göttliche Allmacht in den Folterkellern der Diktatoren? Wo ist sie in den Trümmerwüsten von Gaza? Wo ist sie, wenn Millionen von Menschen vor Hunger krepieren? Oder gibt es sie gar nicht, die göttliche Allmacht? Müsste man sich verabschieden von der Vorstellung eines allmächtigen Gottes? Braucht man eigentlich so einen Gott, mit dem man die Welt erklären und jedes Leid verklären kann? [….]

(Heribert Prantl, 22.12.2024)

Sehr schön herausgearbeitet, Prantl. Die einzig logische Konsequenz dieser Betrachtung ist die: Gott existiert nicht. Religion ist Bullshit.

Wird also auch Prantl vom Glauben abfallen? Oder glaubt er ernsthaft, nach 3.000 Jahren der vergebliche Suche, eine Antwort auf die WARUM DAS LEID-Frage gefunden zu haben? Weiß Prantl, wieso ein GUTER und ALLMÄCHTIGER Gott seelenruhig zusah, als sechs Millionen Juden in deutschen KZs massakriert wurden?

Da müsste schon eine Knaller-Erklärung kommen, wenn Prantl weiterhin an einen gütigen Gott glaubt. Aber es kommt nur das:

[….] Wo waren die Engel bei der Katastrophe, die in Bethlehem immerhin da waren? Die Frage schmerzt, sie kann einen verrückt machen. Klar, wir kennen die Antwort, mein Freund Franz kannte sie natürlich auch: Die Engel sind keine himmlische Eingreiftruppe. Das Neue Testament lehrt es so: erst Krippe, dann Kreuz. Und unsere Lebenserfahrung lehrt das auch: erst Krippe, dann Kreuz. Wir alle spüren, dass die Lebensrisiken größer werden, und wollen sie abwenden. Statt gegen die Ursachen zu rebellieren, hoffen wir, ob wir gläubig oder ungläubig sind, auf Engel oder sonstige Heilbringer, die es wieder richten. Das tun sie nicht. Wir verlernen dabei, wer die wahren Engel sind: Die wahren Engel sind Leute, die fest daran glauben, dass Menschlichkeit und Gewaltlosigkeit möglich sind, und die danach handeln. [….]

(Heribert Prantl, 22.12.2024)

 

Und da ist sie wieder, die Inselverarmung der klugen Religösen!

 

(….)  Es gibt eindeutig Korrelationen zwischen Bildung und IQ einerseits und Spiritualität und Religiotie andererseits.

Unzählige Umfragen zeigen, daß die Religiosität mit höherer Bildung abnimmt.  Typischerweise sind die amerikanischen Eliteunis Hochburgen des Atheismus, während die Highschool-Dropouts im Biblebelt, die auch glauben in Brasilien spreche man brasilianisch und der Kanzler von Deutschland hieße Hitler, jedes Wort der Bibel ernst nehmen.

Unter Intellektuellen gibt es die höchste Atheistenquote.  Aber genauso wie einige Atheisten dennoch Idioten sein können, gibt es auch Hochgebildete, die trotzdem sehr überzeugte Christen/Juden/Moslems sind. Warum bloß?

Die einzige Erklärung, die ich bisher für dieses scheinbare paradox habe ist die gewissermaßen neurologische Argumentation Michael Schmidt-Salomons. Stichwort „Inselverarmung“

Solange nämlich Religioten das Sagen auf unserem Planeten haben - und das haben sie leider, Mensch sei’s geklagt, in vielen Teilen der Welt -, sind alle Versuche, das Zusammenleben der Menschen vernünftiger, freier, gerechter zu gestalten, notwendigerweise zum Scheitern verurteilt. (Denken Sie nur an die muslimischen Extremisten in Somalia, die 2011 dringend benötigte internationale Hilfe für die hungernde Bevölkerung nicht zuließen.) Versuchen wir also angesichts der Bedeutung dieses Phänomens eine kurze Definition des religiotischen Syndroms:
Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen.

(Keine Macht den Doofen, s.42f)  (….)

 (Das ewige Rätsel 23.04.2014)