Mittwoch, 17. November 2021

Keinen Bock mehr – Teil II

Während CDU (will im Bundesrat die Ampel-Corona-Pläne blockieren) und CSU (Söder attackiert Scholz) weiterhin Parteipolitik betreiben, kollabiert das Gesundheitssystem in den ersten Landkreisen.

[….] Wir haben es geschafft! Der erste Kreis in Deutschland hebt die weiße Fahne, nichts geht mehr. Durch politische Versagen, ständiges Zuhören bei Covidioten, nicht Durchgreifen und kompletter Ignoranz durch die Covidioten und deren Helfer in der Politik AfD und FDP. Das Ergebnis der so gepriesenen Eigenverantwortung.

ZDF Bayern: Bilder des bayerischen Kollaps: Via Instagram berichten die Rottal Inn-Kliniken von der Verlegung von 23 Patienten nach Nordbayern, darunter 4 Intensivpatienten. Wegen der hohen Inzidenzen sind die Kliniken des Landkreises an ihren Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Das ist nicht Bergamo, Delhi oder Bratislava. Das ist #RottalInn in #Bayern, in einem Land mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt. Per Instagram-Aufruf (!) werden verzweifelt Ärzte und Pflegekräfte zur akuten Unterstützung gesucht, 23 Patienten verlegt. [….]

(Frank Stollberg, 17.11.2021)

Das kommt davon, wenn in den großen täglichen Talkshows mit Millionenpublikum immer wieder die Schwurbler neue Impfgegner schöpfen können.

Plasberg, Lanz und Will haben große Schuld auf sich geladen, indem sie die gefährlichen Faseler wie Sahra Wagenknecht, Alexander Kissler, Svenja Flaßpöhler, Wolfgang Kubicki einladen.

Die noch extremistischeren Hildmann, Naidoo und Berger treiben zwar auch ihr Unwesen, bleiben aber weitgehend in ihren jeweiligen braunen Telegram-Blasen, in die eine durchschnittliche Familie nicht ganz so leicht nach dem Abendessen hineinstolpert.

Daher ist Sahra Sarrazin mit ihrem enormen Bekanntheitsgrad, ihrer gebildeten Ausstrahlung und der Spagat-Fanbase von ganz links bis ganz rechts, viel gefährlicher als die weitgehend geistesgestörten Sonderlinge, die in verschwörungstheoretischen Blogs wie PP wider Gates, „Impf-Apartheid“ und Adenochrom-Spritzen wettern.

Das breite Publikum mit Kisslers pervertierten Freiheits-Aufrufen (für Ungeimpfte) zu verwirren, entfaltet zwei Jahre nach den ersten Corona-Toten in der so viel ansteckenderen Delta-Zeit eine perfide Wirkung.

Werner Bartens, der Gesundheitsexperte der SZ, spricht von „Corona-Alzheimer“; wir hätten verlernt, was wir vor anderthalb Jahren über Sars-CoV2 wußten. Die Inzidenz von heute, ist die Intensivbelegung in drei Wochen. 50.000 Neuinfektionen an einem Tage bedeuteten 3.000 Krankenhauseinweisungen und 200 Menschen, die in drei Wochen tot sein werden. Flatten the Curve und die Verzögerung der Todesraten wären offensichtlich vergessen.

  Es wird also schlimmer!

Sicher wissen wir immerhin eins: Die demokratisch wünschenswerte Einsicht und Vernunft der Bürger, die kompetent die Fakten abwägen, sich überzeugen lassen und dann verantwortungsbewusst handeln, indem sie sich impfen lassen, trifft auf ein Drittel der Menschen nicht zu. Sie sind nicht erreichbar durch Argumente.

Porno-Expertin Svenja Flaßpöhler, neue Heldin von Bergers Pipi-Blog, richtet Schaden an, wenn sie ihren Unsinn bei Plasberg einem Millionenpublikum unterbreitet.

[….]  Die Philosophin Svenja Flaßpöhler setzt den unerfreulichen Fakten jede Menge gefühlte Wahrheiten entgegen, gewissermaßen eine große Portion "Heiteitei" für die Impfverweigerer. Sie finde es "falsch und fatal", Ungeimpfte "zu kriminalisieren". Es werde jetzt das politische Versagen auf die Menschen übertragen, die sich nicht impfen lassen wollten und dafür eben ganz unterschiedliche Motive hätten. [….]  Die Fehler verortet Flaßpöhler in Politik und Medien. "Die Politik der Bevormundung führt dazu, dass die Leute verlernen, sich vernünftig zu verhalten." Dass es womöglich genau umgekehrt ist, dass nämlich die Politik den Leuten Vorschriften machen muss, weil diese sich nicht vernünftig verhalten, kommt ihr nicht in den Sinn. [….]

(Peter Fahrenholz, 17.11.2021)

So wie man nicht mit Pegidioten sprechen kann, sind auch Covidioten für den Diskurs verloren.

Das Personal in den Krankenhäusern ist am Ende der Kräfte. Die Dresdner Intensivpflegerin Michaela Strätz berichtet.

[….] Der Sommer und die damit verbundene Erholung sei schnell vergessen, berichtet Strätz. Dazu käme die psychische Belastung, weil wieder täglich Patienten versterben. "Wir sind Intensivpflegekräfte. Wir sind immer mit dem Tod konfrontiert, aber nicht in dieser Hülle und Fülle."  Auf der Dresdner Corona-Intensivstation liegen derzeit 19 Patienten, von denen 18 ungeimpft sind. Für das Team ist das eine mentale Herausforderung. Immer wieder haben sie mit Patienten zu tun, die Corona immer noch nicht ernst nehmen. Angehörige würden manchmal anrufen und fragen, ob ihr Angehöriger wirklich Corona habe, obwohl es im Labor nachgewiesen wurde. Intensivpflegerin Strätz hat dafür wenig Verständnis. [….]

(Tagesschau, 17.11.2021)

Geboosterte Menschen, die sich halbwegs sicher vor Covid19 fühlen, können aber auch jederzeit einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie oder einen schweren Unfall haben, der sie auf die Intensivstation zwingt. Intensivmedizin, die womöglich aber nicht mehr zu leisten ist. Die womöglich viel zu langsam ist – bei Infarkten und Schlaganfällen kommt es auf Minuten an. Das kann ganz böse enden, wenn man nicht in zehn Minuten in der nächsten Klinik ist, sondern wie jetzt schon in Bayern und Sachsen möglicherweise ins Ausland geflogen werden muss.

Bartens berichtet von bayerischen Rettungshubschraubern, die so gerade eben noch lebende schwerverletzte Verkehrsunfallopfer aufnahmen und anschließend 30 Minuten am Boden bleiben mussten, weil die Leitstelle nicht in der Lage war, ihnen ein Krankenhaus in der Nähe zu finden, das den Patienten aufnehmen konnte.

Diese Dinge sind real. Die Zeit, in der man voller Hoffnung auf Vernunft der Bürger setzten konnte, ist vorbei.

Nun hilft nur noch staatlicher Zwang.

[…] Sehenden Auges gegen die Wand. „Nur damit Sie sich das vorstellen können“, sagte der Abgesandte der Berliner Charité zu Journalisten: „Wenn wir heute an einem Tag in Deutschland 50.000 identifizierte Erkrankte haben und nach derzeitigem Stand etwa 0,8 Prozent davon nach drei Wochen auf der Intensivstation landen, erwarten uns an einem Tag Anfang Dezember 350 bis 400 neue Intensivpatienten.“ Und dies sei unumkehrbar.  Diese Leute werden kommen, egal welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden, denn die greifen für die Kliniken mit der gleichen zeitlichen Verzögerung. Jeder Tag mit hohen Infektionszahlen lässt also die auf die Kliniken anbrandende Flut der Covid-Patienten anwachsen. Überschlägt man das grob, wird klar, dass wir Anfang Dezember den bisherigen Höchststand aus dem Januar übertroffen haben werden. […] Diese Weihnachtzeit wird für viele alles andere als besinnlich werden. Und das ist empörend. Weil wir wieder zu spät zu wenig machen, wieder hinterherhecheln. Wo zum Beispiel bleibt die massive Booster-Offensive? […]

(Maik Koltermann, MoPo, 17.11.2021)

Dienstag, 16. November 2021

Typisch Deutschland

Selbst der fromme Frank-Walter Steinmeier, der sich eigentlich immer zurückhält, ist offenkundig entnervt.

[….] Die vierte Welle trifft unser Land härter, als sie uns treffen müsste. Denn wir wissen doch, was zu tun ist, um diese Pandemie endlich hinter uns zu lassen. Wir können es alle wissen. Die allermeisten Menschen in unserem Land lassen sich impfen, um sich und andere zu schützen. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen, setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, und sie gefährden andere. Es sind vor allem Ungeimpfte, die sich in diesem Herbst mit dem Virus infizieren. Es sind vor allem Ungeimpfte, die auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen.  Wenn ich höre, dass Menschen, die im Krankenhaus mit dem Virus ringen, noch immer bestreiten, dass es dieses Virus gibt, dann erschüttert mich das zutiefst. Es ist tragisch und besorgt mich zutiefst! Wer jetzt immer noch zögert, sich impfen zu lassen, den will ich heute ganz direkt fragen: Was muss eigentlich noch geschehen, um Sie zu überzeugen? Ich bitte Sie noch einmal: Lassen Sie sich impfen! Es geht um Ihre Gesundheit, und es geht um die Zukunft unseres Landes! [….]

(Bundespräsident Steinmeier, 15.11.2021)

Jeder muss sich impfen lassen, jeder muss sich auch boostern lassen; klar.

Da aber die Impfquote so grottenschlecht ist, könnten wir selbst dann nicht die vierte Welle mit Triage-Teams auf dem Intensivstationen aufhalten, wenn jetzt auf wundersame Weise plötzlich alle Ungeimpften zur Einsicht kämen, sich das Vakzin zu spritzen. Es dauert einfach zu lange, weil die Abstände zwischen den Impfungen eingehalten werden müssen und der volle Impfschutz auch erst zwei Wochen nach der zweiten Impfung gewährleistet ist.

Aber, wie sollte es auch anders sein; es ist schließlich „Deutschland hier“ (Guido W.); da funktioniert noch nicht mal diese elementare Maßnahme.

[…] Deutlich zu wenige Booster Impfungen in Norddeutschland

Bei den Booster-Impfungen im Norden hakt es gerade generell. Stand 15. November hätten in Norddeutschland 2,3 Millionen Menschen Anspruch auf einen Booster gehabt. Tatsächlich bekommen hatten sie bis zu diesem Datum jedoch erst rund 760.000 Menschen - also lediglich jeder Dritte, der Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung hätte. [….]

(NDR, 16.11.2021)

Außer einer funktionierenden Impfkampagne, brauchen wir auch noch folgende Sofortmaßnahmen:

1.) Bundesweit 2G, vermutlich sogar 2G+, also einen zusätzlichen Antigentest.

2.) Lockdown für Ungeimpfte.

3.) Mindestens Masken- und Testpflicht in den Schulen; vermutlich auch Abkehr vom Präsenzunterricht.

4.) Impfpflicht für alle Berufsangehörigen, die es mit vulnerablen Menschen zu tun haben.

5.) Restaurants, Kulturveranstalter, Lebensmittelläden, die 2G nicht leisten können, weil sie immer noch so viele ungeimpfte Mitarbeiter haben, auf die sie in Zeiten der Personalknappheit nicht verzichten können, müssen schließen. Wer elf Monate nach der Verfügbarkeit von BioNTech immer noch auf Ungeimpfte setzt, hat keine Rücksicht mehr verdient.

All das kann ich schon singen, weil ich das in den letzten Wochen so oft geschrieben habe. Allein; im gegenwärtigen Politvakuum mit einer wissenschaftsfeindlichen Querdenker-affinen FDP wird eben leider nicht das getan, was a) sein werden muss und das b) auch von einer deutlichen Mehrheit der Bürger so gefordert wird.

[….] Der Ampel-Koalition droht ein kolossaler Fehlstart. Und das liegt vor allem an der FDP. Denn die Partei wandelt in der Corona-Bekämpfung auf Pfaden, die fast zwangsläufig in eine Katastrophe führen müssen. Nun hat FDP-Chef Christian Lindner in Zweifel gezogen, dass Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren überhaupt einen Effekt auf die Ansteckungszahlen haben. So begründet er die Tatsache, dass die Ampel-Parteien – getrieben von der FDP – den Einsatz dieser Werkzeuge deutlich erschweren werden. [….] Für die jetzige angespannte Corona-Situation sind vor allem die Versäumnisse der scheidenden GroKo verantwortlich. Die FDP tut aber gerade alles dafür, dass man am Ende eines möglicherweise tragischen Corona-Winters vor allem ihr die Verantwortung dafür zuschieben wird. In Sachen Corona wirkt die Partei momentan nur bedingt regierungsfähig. [….]

(Christian Burmeister, Mopo, 15.11.2021)

Das Vertrauen in Olaf Scholz habe ich nicht verloren. Er hat als Hamburger Regierungschef immer wieder gezeigt, wie effektiv er sich durchsetzt und Dinge antreiben kann, die jahrelang stockten.

Ich denke, es ist sein juristischer Respekt vor der Verfassung, daß er sich vor einer Koalitionsvereinbarung – es könnte schließlich rechnerisch immer noch Armin Laschet Bundeskanzler werden – nicht in ein grundgesetzliches Vakuum begeben will. Daher passiert in Deutschland nichts.

Wir haben allerdings eine amtierende Kanzlerin, die angesichts der in südlichen und östlichen Landkreisen grotesk explodierenden Inzidenzen, aktiv werden sollte und all die oben genannten Maßnahmen per order die mufti durchdrücken sollte. Es wird sie kaum einer aufhalten – die meisten Parlamentarier wissen schließlich, daß es gar nicht anders geht.

Warum versündigt sich Angela Merkel also so sehr an Deutschlands Zukunft, nachdem sie schon ihre Entlassungsurkunde erhalten hat?

    Es ist nun einmal ihre Art. Die Frau ist viel leichter zu durchschauen, als es ihr Sphinx-artiges Image suggeriert. Sie mag einfach gern Kanzlerin sein und bombige Beliebtheitswerte genießen.

Daher läßt sie wie keine andere Politikerin manisch Umfragen erstellen, versucht nicht anzuecken und richtet sich letztlich nur danach, was ihr am meisten demoskopische Punkte bringt.

Merkel ist moralisch und charakterlich nicht zu einer Führungsrolle geeignet.  Sie ist zwar intelligent genug, um zu begreifen, welche Dinge anstehen, aber wenn das nicht ganz leicht funktioniert, verliert sie schnell das Interesse und verschwendet keine Energie mehr drauf.

Bildungsgipfel, Afghanistan, europäische Flüchtlingspolitik, Klimawandel, Beziehungen zu Russland, Dialog mit China, Steuerreform, Energiewende,  – alles tickte sie in den letzten 16 Jahren irgendwann mal an, gab aber gleich wieder auf, als sie auf Schwierigkeiten stieß. Dem Urnenpöbel spielte dieses Verhalten in die Hände, denn er mag keine Veränderungen. Das belegt die Unzufriedenheit all der Konservativen mit dem Flüchtlingsjahr 2015.

Wohlmeinende Merkelianer interpretieren die damals offen gehaltenen Grenzen als Merkels christlichen Moment, als den einen Beleg dafür, daß sie auch für ihre Überzeugungen eintrete, wenn es sein müsse.

Aber das ist natürlich kompletter Unsinn. Die Grenzen waren nie zu, also konnte Merkel sie nicht aufmachen. Sie konnte sie gar nicht schließen, wie Stefan Kornelius in wenigen klaren Sätzen darlegt.

[….] AMANPOUR: [….] Because clearly, you remember way back in 2000, you quoted it, she quoted it, she talked about her vision as being the market plus humanity. So, she's obviously a conservative economist, if I could put it that way, but she has tried to have a compassionate, Christian, humane government and policy.  And of course, we saw that when she allowed these immigrants fleeing war and devastation in their own country in 2015 to come in. That seems to have backfired on her. How does she go forward with that very issue now?

KORNELIUS: Well, on immigration issue, you are right. It totally backfired and she not only was liberal or welcoming to those migrants because she was liberal mind or had an open heart, but because she's a very pragmatic and clear-thinking woman. Not the German chancellor, not a single politician in Europe would have been able to stop 15,000 migrants a day crossing the German border.
So, I guess she didn't close the borders or didn't send them back for several reasons. She would have destabilized vast parts of east and southeast Europe, she would have sent an extremely devastating message about Germany's culture to the outside world. And she couldn't have lived up to the promises in the end anyway because those people would have turned around and come through the back door. You cannot seal off Germany. This is not possible.
So, what she did is she put in policies in place with Turkey, with other neighboring countries across the Mediterranean and Northern Africa to
basically channel this flow of migrants and actually trickle it down. It's definitely it's too many people coming to Europe. Now, that took time.
And that was the basic mistake, she communicated badly and she now pays a huge price for that.  She lost power for that in Germany. This is the single issue which has turned against her and it will be the issue which she will be compelled to deal with for the remaining time in her office. But
[….] things she could do or have to do with European unity, with the rise of populism in Europe.
[….]

(CNN, 02.11.2018)

Die Probleme entstanden nicht durch eine Millionen Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kamen. Die Bevölkerung war nämlich enthusiastisch dabei zu helfen. Haarig wurde es durch das totale Behördenversagen, das wieder einmal entstand, weil Merkel das Interesse verlor und nie auf BAMF und Integrationsbemühungen einwirkte, wie es ein Regierungschef hätte tun müssen.

Die Raute, einst lesbisches Erkennungssignal in dunkleren Zeiten, nun „Merkel-Raute“, gilt in Deutschland als der Signature Move Angela Merkels.  Dabei ist sie lediglich ein von Karikaturisten verwendetes Vehikel ohne Bedeutung. Als Merkel 1990, vor 31 Jahren, erstmals als Ministerin Teil der Bundesregierung wurde, fiel

sie als schlecht angezogen, eigenartig frisiert und zu allem Übel etwas ungehobelt auf. Legendär Helmut Kohls Lästereien darüber, sie habe nicht mal ordentlich mit Messer und Gabel essen können.

Eine gewisse Schlampigkeit erkennt man bis heute an ihren schlecht gepflegten Fingernägeln. Andere finden es durchaus sympathisch, daß sie so uneitel ist. Immerhin war sie klug genug, das Problem zu erkennen und eine pragmatische Lösung zu finden, die ihr leidige Diskussionen über ihre Erscheinung ersparte.

Schmuddel-Opa Joop, beschreibt es im aktuellen SPIEGEL-Interview zutreffend.

[…..] SPIEGEL: Sie trägt immer das gleiche Outfit.

Joop: Ja, und ihre Blazer sitzen einfach nicht. Die sind schlecht geschnitten. Sie kriechen hinten hoch, und die Brust wird unter den Arm gedrückt.

SPIEGEL: Trotzdem verzeihen Sie Frau Merkel das. Warum?

Joop: Weil sie schlau ist. Diese festgefrorene Outfitstrategie bei Merkel sagt: Man braucht keine Veränderung zu fürchten. Wenn sie etwas anderes getragen hätte, hätten die Leute gedacht: Jetzt fängt sie an, sich mit ihrer Kleidung zu beschäftigen. Dass sie das bis heute nicht tut, beruhigt. Merkels Blazer signalisieren Stabilität. Allerdings ist es ein kluger Marketingcoup. Mit diesem Jackenschnitt, in circa 117 Farben, ist sie aus jeder Outfitfrage raus. [….]

(DER SPIEGEL, 13.11.2021)

So ähnlich war es auch mit ihren Händen. Früher wußte sie bei Fototerminen einfach nichts mit ihren Armen anzufangen und stand mit ihrer etwas unglücklichen Figur da, wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Sie befragte dazu ihre jüngere Schwester Irene, die Ergo-Therapeutin ist und erhielt von ihr den einfachen Tipp, die Fingerspitzen unter dem Bauch zusammenzudrücken. Das funktionierte und somit änderte Merkel es nie mehr.

Ihr eigentlicher Signature-Move ist etwas anderes, nämlich daß Deutschland in ihrer „Ära“ in fast jeder Hinsicht den Anschluss verloren hat.

Jeden Vorsprung, den wir international in der Schröderzeit aufgebaut hatten – eingetragene Lebenspartnerschaft, exzellente Nachbarschaftsverhältnisse mit Polen, Russland und Frankreich, herausragende Kontakte in die arabische Welt, ökologische Steuerreform, Sozialreformen, Maschinenbau, Grüne Technologien – verspielte Merkel.

Nun hängt Deutschland geradezu grotesk hinterher, ist wieder „der kranke Mann“ aus der Kohl-Zeit. Wir können nichts mehr.

(….) Dafür verlor Deutschland während der 16 Merkel-Jahre bei nahezu jeder Zukunftstechnologie den Anschluss.

Deutschland kann weder Off Shore Windräder aufbauen (weil es kein  einziges deutsches Errichterschiff mehr gibt), noch Computer, Smartphones oder weltmarkttaugliche Elektroautos bauen. Let alone „5G“ oder künstliche Intelligenzen – Dank Merkel sind wir überall abgehängt. Deutsche Großprojekte (BER, Stuttgart21) sind internationale Lachnummern und die Bundeswehr ist ein Schrotthaufen. Dafür haben wir das langsamste Internet Europas, das ungerechteste und altmodischste Schulsystem und verarmte Universitäten, die Spitzenforschung längst aufgegeben haben.

16 Jahre lang verantwortete Merkel den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr. Sie ließ sich allerdings so gut wie nie dort blicken und kümmerte sich auf internationaler Ebene kaum um das Thema. Es endet nun im Desaster; Merkels Desaster. Durch ihr Führungsversagen irrlichterten gleich zwei politische Freundinnen ohne jede Expertise als Verteidigungsministerinnen durch den Krieg am Hindukusch. Auch das ist typisch Merkel: Personalpolitik kann sie nicht. In 16 Jahren gab sie nur zwei Regierungserklärungen zu Afghanistan ab. (….)

(Aus und Verklärung, 21.08.2021)

Nach 16 Jahren Merkel ist natürlich auch die auf Fax-Geräten basierende Verwaltung hoffnungslos veraltet. Nach zwei Jahren Pandemie klappt immer noch nicht.


Die Intensivstationen überlastet, die Ossis und Bayern ungeimpft, das Pflegepersonal ausgelaugt. Hunderttausende fehlende Heimplätze, hunderttausende unbesetzte Stellen in der Gesundheitsbranche, hunderttausende fehlende Lehrer und Pädagogen.

Merkel war und ist eine Geißel Deutschlands.

Und die bis heute mit Abstand beliebteste Politikerin des Urnenpöbels.

Wie der Herr, so sein Gescherr.

Die Wähler sind zu doof, um zu erkennen, was sie mit ihrer Merkel-Affinität angerichtet haben und Merkel ist so klug, all das Negative nicht an sich haften zu lassen und dafür auch noch so unverdientes Lob einzustreichen.

Bei der Laudatio zur Verleihung ihrer letzten Ehrenwürde in den USA, wurde Merkels Einsatz für ein modernes Deutschland gelobt, dabei ausdrücklich die „Ehe für alle“ gepriesen.  Hanebüchen, denn bei der Ehe für alle war Deutschland viel später dran als die USA und die westeuropäischen Nachbarländer. Spät dran, weil Merkel selbst jeden Fortschritt blockierte und bis zuletzt dagegen stimmte.

Aber das ist eben typisch. Merkel kennt die Umfragen, weiß wie die Mehrheit inzwischen tickt und streicht frech die Lorbeeren ein.

Montag, 15. November 2021

Der Christ des Tages – Teil XCIV

Wir befinden uns in Edenkoben, der kleinen Weinstraßenstadt mit 6698 Einwohnern im Süden von Rheinland-Pfalz. CDU-Bürgermeister Ludwig Lintz regiert mit absoluter Mehrheit, SPD und Grüne werden bei den Stadtratswahlen regelmäßig marginalisiert. Ein gutes Drittel der Bürger gehört zur Protestantischen Landeskirche Pfalz, ein weiteres gutes Drittel zum katholischen Bistum Speyer.

Aber auch in der tiefen südpfälzischen Provinz, fast 200 km von der Nahles-pfälzischen Provinz Mendig entfernt, bröckelt der Glauben.

Die Edenkobenerin Caroline Gutting, eine aufgeschlossene junge Yogalehrerin mit Nasenpiercing, war offensichtlich nicht mehr ganz zufrieden mit der homophob-misogynen Raffke-Kinderfi**er-Performance ihrer katholischen Gemeinde.

Der zuständige Pfarrer Matthias Pfeiffer von der Pfarrei Heilige Anna ist der Christ des Tages Nr. 94!  Als heimlicher Helfer der atheistischen Bewegung, nutzte er den berüchtigten DBK-Musterbrief von 2012, mit dem die deutschen Bischöfe den verlorenen Schäfchen noch ein paar Messer in den Rücken rammen.

[…..] Die  Erklärung  des  Kirchenaustritts  vor  der  zuständigen  zivilen  Behörde  stellt als  öffentlicher  Akt  eine  willentliche  und  wissentliche  Distanzierung  von  der Kirche dar und ist eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft. Wer vor der zuständigen Behörde seinen Kirchenaustritt erklärt, verstößt gegen die Pflicht, die Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren (c. 209 §  1  CIC)  und  seinen  finanziellen  Beitrag  zu  leisten,  dass  die  Kirche  ihre Sendung erfüllen kann (c. 222 § 1 CIC i.V.m. 1263 CIC). 

Die Erklärung des Kirchenaustritts zieht folgende Rechtsfolgen nach sich: 

Als aus der Kirche ausgetretene Person

- dürfen Sie die Sakramente der Buße, Eucharistie, Firmung und

Krankensalbung – außer in Todesgefahr -  nicht empfangen, 

- können Sie keine kirchlichen Ämter bekleiden und keine Funktionen

in der Kirche wahrnehmen,

- können Sie nicht Taufpate und nicht Firmpate sein,

- können  Sie  nicht  Mitglied  in  pfarrlichen  und  in  diözesanen  Räten  sein (z.B. Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand bzw. Vermögensverwaltungsrat, Diözesanpastoralrat etc.),

- verlieren Sie das aktive und passive Wahlrecht in der Kirche,

- können Sie nicht Mitglied in öffentlichen kirchlichen Vereinen sein.

Wenn Sie eine kirchliche Ehe schließen möchten, muss zuvor eine Erlaubnis zur Eheschließungsassistenz beim Ortsordinarius eingeholt werden. Diese setzt Versprechen über die Bewahrung des Glaubens und die katholische Kindererziehung voraus.

Ebenso  kann  Ihnen,  falls  Sie  nicht  vor  dem  Tod  irgendein  Zeichen  der  Reue  gezeigt  haben,  das kirchliche Begräbnis verweigert werden.

Vielleicht  haben  Sie  die  Tragweite  Ihrer  Entscheidung  nicht  ermessen  und  möchten  diesen  Schritt  rückgängig  machen. […..]

(PM DBK, 20.09.2012)

So klingt wahre Nächstenliebe! Ich bin begeistert.


Statt selbst Reue zu zeigen, sich zu fragen, wieso Hunderttausende jedes Jahr das Weite suchen, reagiert die RKK mit ziemlich perfiden Drohungen, bis hin zu Szenearien von sozialer Isolation und familiären Zerwürfnissen. Sie gibt den Ex-Mitgliedern a posteriori noch mal eine Bestätigung dafür, wie überfällig es war, sich von dem Verein zu trennen.

Über diese garstigen Briefe lacht die atheistische Szene schon seit Jahren. Die Edenkobenerin Caroline Gutting weiß als typisches Kirchenmitglied natürlich nichts von diesen Dingen und hält dieses Schreiben für ein spezielles Machwerk ihrer Pfarrei oder ihres Pfarrers Pfeiffer.

Aber das ist ja das Schöne an Religion: Man kann dazulernen und je mehr man weiß, desto eher lässt man die Kirche hinter sich.

Fromme Gläubige bleiben nur die Doofen.

Gutting ist Instagrammerin und konnte mit Ihrer Empörung über ihren Austritts-Reaktionsbrief immerhin ein paar Hunderttausend Klicks generieren.

[….] „Drohbrief von der Kirche“ - so beschreibt Caroline Gutting den Brief, den sie kurz nach ihrem Kirchenaustritt von der Pfarrei Heilige Anna erhalten hat. Es sind insbesondere Stil und Inhalt des Briefs, die die junge Edenkobenerin verärgern. „Ich weiß jetzt nicht, ob das ‘ne Kampagne ist von der Kirche beziehungsweise von der Pfarrei Heilige Anna, um auf die ganzen austretenden Leute zu reagieren, aber DAMIT erreicht man, glaub ich, nichts!“, kritisiert Caroline Gutting.

Gutting sei aus verschiedenen Gründen aus der katholischen Kirche ausgetreten: Dazu zählen etwa finanzielle, aber auch die Skandale um die katholische Kirche hätten sie zu ihrem Austritt bewegt. Zudem identifiziere sie sich nicht mehr mit dem christlichen Glauben im katholischen Sinne, wie sie in ihrem Video auf Instagram erklärt. 30 Euro habe die Yoga- und Fitnesslehrerin bezahlt, um aus der Kirche auszutreten. „Eine Unverschämtheit sondergleichen“, empört sich Caroline Gutting über den Brief. Er diene lediglich dazu, die Austretenden zu verunsichern und ihnen Angst einzujagen. In einem Hashtag fordert Gutting deshalb ganz klar: „#kirchenaustrittjetzt“. [….]

(Ludwigshafen24, 14.11.2021)

Und so trägt Pfarrer Pfeiffer dazu bei, die Gründe für den Kirchenaustritt zu multiplizieren. Statt nur ein zahlendes Schäfchen zu verlieren, generiert der Mikro-Wölki genügend Empörung, um seine Gemeinde zu entvölkern!

Sonntag, 14. November 2021

Nicht canceln

Als großer Heribert Prantl-Fan habe ich fast alle seine Bücher im Regal stehen, lese mit Genuss seine politischen Kommentare, habe ihn hunderte Male in diesem Blog zitiert.

Prantl, Kurt Kister, Gustav Seibt, Evelyn Roll, Sonja Zekri, Andrian Kreye, Cerstin Gammelin, Constanze von Bullion und Franziska Augstein sind die Namen, die ich mit dem Begriff „Edelfedern“ assoziiere.

Das sind hochgebildete Leute mit viel Gefühl für die Sprache, die einen erheblichen Mehrwert über die eigentliche Informations-Übermittlung hinaus bieten. Sauber recherchierte Fakten findet man auch im DPA- oder Reuters-Newskanal. Aber die SZ-Edelfedern zaubern daraus einerseits ein Lesevergnügen und regen andererseits die Intelligenz an, weil sie einordnen, vergleichen, verweisen, illustrieren und vertiefen.

Daher zahle ich nicht nur gern für das Süddeutsche Zeitung-Abo, sondern empfehle bei jeder Gelegenheit, es mir gleichzutun, damit diese Form des Spitzenjournalismus nicht ausstirbt.

Es gibt auch in anderen überregionalen Periodika Edelfedern, aber um ehrlich zu sein, liebe ich diejenigen mehr, die an einer ähnlichen Stelle des politischen Koordinatensystems stehen wie ich. Also lieber SZ als WELT.

Hinzu kommen bestimmte Stil-Vorlieben. Die SZ-Autoren schreiben lebendiger und einfallsreicher als die ebenfalls sehr guten FAZ-Leute, die sich aber gern in Monotonie und knochentrockenen Ewig-Texten ergehen.

Über Jahrzehnte liebte ich den ganz spezifischen SPIEGEL-Stil, der in jedem Artikel mit einem neuen Fremdwort spielte, eine wahrnehmbare Sub-Ebene transportierte, so daß der Kenner durchaus verstand, wenn suggeriert wurde, daß ein Politiker fremdging, ohne daß es so deutlich geschrieben wurde, daß der flüchtige Leser damit behelligt wurde. Es gab herrlich konstruierte Einleitungsabsätze und einen unverwechselbaren Humor, den man sich beim Lesen mit einem Filzstift anstrich, um sich die gekonnte Formulierung zu merken.

All das ging aber mit dem Ende der Chefredakteurszeit Böhme verloren. Heute sind SPIEGEL-Texte verwechselbarer. Das liegt aber auch daran, daß ZEIT und SPIEGEL ihr über Jahrzehnte bestehendes Alleinstellungsmerkmal „Topjournalismus und Prägung von Debatten“ verloren haben. Die Tageszeitungen sind besser geworden. Lange war der SPIEGEL das Leitmedium für mich; die Tageszeitungen fungierten als Ergänzung oder regionale Besonderheiten.  Inzwischen stellt die Süddeutsche Zeitung meine Hauptinformationsquelle dar und der SPIEGEL kommt am Samstag eben hinzu. Dieses Wochenende übrigens mit sehr empfehlenswerter Titelgeschichte über das Pandemie-Totalversagen der deutschen Politik und Gesellschaft: „Idiotische Lage von nationaler Tragweite“.

Es macht natürlich auch Spaß, die Redaktion durch viele Jahre Leseerfahrungen gut zu kennen und nicht nur einen Artikel zu lesen, sondern dabei auch den bekannten Autor mitzudenken. Es ist eine zusätzliche Qualitäts- und Vergnügens-Ebene mit Erwartungshaltungen an die Journalisten heran zu gehen.

Marc Pitzke, 58, aus NRW, seit 1993 in den USA, ist insofern eine Wohltat, wenn er über die amerikanische Parteipolitik schreibt, weil er mir immer aus der Seele spricht. Es ist eine enorme Verlässlichkeit; genau wie er es beschreibt, sehe ich es auch.

Andere gute Autoren, wie Kurt Kister, der langjährige SZ-Chefredakteur, sind hingegen eher selten deckungsgleich mit meinen parteipolitischen Ansichten, aber so klug, daß ich gerne seinen Gedankengängen folge.

Heribert Prantl, mittlerweile 68 Jahre alt, 1995 bis 2017 SZ-Innenpolitikchef und 2011 bis 2019 Mitglied der Chefredaktion, gebürtiger Oberpfälzer, stammt aus einem tiefgläubigen katholischen Elternhaus. Seine Karriere begann er als Spitzenjurist. Er war zunächst Rechtsanwalt, dann Richter und schließlich bayerischer Staatsanwalt und Sprecher des Regensburger Landgerichts.

Erst dann kam seine journalistische Karriere, die so weit reichte, daß er sich die Jobs quasi aussuchen konnte. Der SPIEGEL wollte ihn mehrfach als Chefredakteur nach Hamburg locken. Prantl blieb aber in München und betätigt sich bis heute als Tausendsassa.  Er ist Dozent verschiedener Journalistenschulen, Mitglied des Ethikrates der Hamburger Akademie für Publizistik. Aktiv im Pen-Zentrum, Rotarier, Jura-Honorarprofessor der Universität Bielefeld, Theodor-Herzl-Dozent der Universität Wien und in einem Dutzend weiterer hochgradiger akademischer Institutionen tätig. Es lohnt sich immer hinzuhören, wenn dieser hochintelligente fromme Bayer als im besten Sinne liberaler und sozialer Denker etwas sagt.

Prantl ist aber nicht berechenbar und befindet sich eben nicht in völliger Kongruenz zu meinen Ansichten. Er ist natürlich viel zu klug, um ein gläubiger Anhänger der Papstkirche und ihrer Morallehren zu sein. Aber der Atheismus ist im habituell so fremd, daß ihn der Bedeutungsverlust der Kirchen schmerzt. Er ist, meiner Ansicht nach, so sehr im Katholizismus verwurzelt, daß er letztlich nicht so frei denken kann wie ich. Er wird das sicher anders sehen und hat mehr akademische Ehren als ich zu bieten.

Gelegentlich führt dieser religiöse Hintergrund dazu, daß Prantl sogar Forderungen stellt, die ich geradezu haarsträubend finde. So ist er ein ausgesprochener Anhänger des muslimisch-jüdischen Sonderrechtes, kleinen Kindern gegen ihren Willen Stücke des Penis abzuschneiden. Das ist seine Verbeugung vor der 3000-jährigen Religionsgeschichte; oder wie ich es ausdrücken würde: Ein durch eine Inselverarmung generierter Kotau vor dem systematischen Kindesmissbrauch. Massenhafte Genitalverstümmelung von Kleinkindern halte ich für absolut nicht zu rechtfertigen.

Ähnlich leide ich an Prantl, wenn es um die Corona-Bekämpfung geht. Natürlich ist er kein aluhütiger Schwurbler, der Falschinformationen verbreitet. Aber er ist offenbar so sehr ein (liberaler) Jurist, daß er unabhängig von den fatalen Konsequenzen, keinerlei Einschränkungen in die persönlichen Freiheiten zulassen will. Maskenpflicht, Ausgangssperren oder gar Impfpflicht lassen bei ihm die Alarmglocken schrillen. Offensichtlich diskutiert er darüber auch mit seiner Lebensgefährtin Franziska Augstein, die meiner Ansicht nach sogar noch intelligenter und gebildeter als er ist und unglücklicherweise auch die Coronamaßnahmen so kritisiert, daß sie Applaus von der falschen Seite bekommt.

In der SZ vom Wochenende preist Heribert Prantl in seiner Kolumne „Prantls Blick“ nicht nur die neue EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus, als brillante Rednerin, sondern verwendet ihren Satz „Hoffnung ist ein rares Gut geworden", als Steilvorlage für eine Suada wider die Wissenschaft.

[….] In der Corona-Krise werden oft apokalyptische Szenarien, Panikmache und Diffamierungen verwendet. Doch sie sind hoffnungslos, weil sie Beziehungen vergiften - und den Willen zur Zukunft brechen.  [….]

(Prantl, SZ, 14.11.2021)

Hier sieht man den liberalen Katholiken, der eine kluge Frau und die Evangelen lobt.  Und hier taucht gleichzeitig der gnadenlos prinzipientreue Jurist Prantl auf, der sich Breitseiten gegen die von ihm als so störend unjuristisch empfundenen Mahner Drosten und Lauterbach nicht verkneifen kann.

Er liegt hier auf FDP-Linie, folgt der apokalyptischen Kubicki-Linder-Buschmann-Argumentation, die lieber mindestens 100.000 zusätzliche Tote akzeptiert, als an ihren hehren Rechtsgrundsätzen zu rütteln.

[…..] Angst ist ein schlechter Ratgeber. Mit dem Schüren von Angst, der Beschimpfung der Ungeimpften (denen Frank Ulrich Montgomery, der Ehrenpräsident der Bundesärztekammer, "Tyrannei" vorgeworfen hat) macht man nichts besser. Wie steht es mit einer Impfpflicht, jedenfalls für bestimmte Berufsgruppen? Wie steht es mit einer generellen Impfpflicht? Ich habe letztere, aus guten Gründen, wie ich meine, stets abgelehnt - unter anderem deswegen, weil so ein Impfzwang viele Impfzögerer und Impfskeptiker in die Impfverweigerung treiben könnte. Eine Impfpflicht setzt sich ja nicht von selbst um. Wer ihr nicht nachkommt, muss also gezwungen werden. Werden da Bußgelder reichen? Was, wenn nicht? Wie sollen die Zwangsmaßnahmen aussehen, mit denen die dezidiert Unwilligen zum Piks gezwungen werden? Das waren und sind meine Überlegungen. Die Impfung braucht Werbung. Drohung und Beschimpfung sind keine Werbung. Ein Lockdown für die Ungeimpften wird jetzt diskutiert. Ich halte das für grundfalsch und grundgefährlich. Warum? Weil so das Reden von der Freiwilligkeit der Impfung ad absurdum geführt wird. Da würde ja eine Impfpflicht vielleicht weniger Aggressionen hervorrufen - weil sie ehrlicher ist als Gerede von Freiwilligkeit bei gleichzeitigen Repressionen. […..]

(Prantl, SZ, 14.11.2021)

Es sind ungeheuerliche Sätze. 98.000 Corona-Tote gibt es schon in Deutschland und es wird fleißig weitergestorben. Alle fünf Minuten ein Toter. Myriadenfaches Elend auf den Intensivstationen, total überlastetes medizinisches Personal.

Aber statt das zu tun, was in anderen Ländern das Sterben aufhielt – nämlich drastische Impfaktionen - setzt Prantl aus juristischer Verbohrtheit lieber auf das Mittel der Überzeugung und Einsicht. Dabei wissen wir nach 11 Monaten BionNTech eins ganz sicher: Covidioten sind eben gerade nicht durch Argumente überzeugbar.

Ich halte es für absolut hanebüchen, in dieser tödlichen vierten Welle des Wahnsinns auf Freiwilligkeit zu setzen.
Das wird uns weitere Myriaden Tote bescheren.

Aber das muss ich jetzt aushalten.

Ich werde ihn nicht canceln.

Samstag, 13. November 2021

Das Elend der nächsten Regierung.

Nach einem aktuellen Bericht der Süddeutschen Zeitung, sieht es bei den Ampelverhandlungen nach einem Finanzminister Lindner aus. Damit erhielte er das nach dem Kanzler wichtigste Amt, weil es in alle anderen Geschäftsbereiche eingreift.

Eigentlich stünde es der zweitgrößten Partei, den Grünen zu, aber die wollen verzichten und sich dieses erneute Einknicken mit einem Zusatzministerium bezahlen lassen. Statt vier oder fünf Ministerien, bekämen sie sogar sechs.

Die SPD beschränke sich demnach neben dem Kanzleramt auf die Klassiker Innen, Verteidigung und Soziales.

Genügend Verteilungsmasse gäbe es schon deshalb, weil das total gefloppte ineffektive Ministeriums-Sammelsurium Seehofers in mehrere Häuser zerschlagen würde.

Damit zeigt sich ein Muster: Wie schon bei den Koalitionsverhandlungen von 2017, sind die Grünen widerstandlos bereit, sich von klimapolitischen und sozialen Inhalten zu trennen, wenn dafür lukrative Posten winken.

Ein Muster gibt es aber auch bei der FDP. Wie 2009 wurde sie ohne eigene Substanz durch glückliche Umstände in die Regierung gespült, obwohl sie personell und inhaltlich gar nicht regierungsfähig ist. Christian Linder kristallisiert sich als der Andreas Scheuer der FDP heraus. Der große Blender mit der bekannten Affinität zur AfD redet allerlei Unsinn.

[…] Christian Lindner hat mit einem Interview in den ARD-»Tagesthemen« für Irritationen gesorgt. In der Sendung war der FDP-Chef von Moderator Ingo Zamperoni gefragt worden, warum mit dem Auslaufen des Rechtsstatus der Epidemischen Notlage nationaler Tragweite auf Eindämmungsmöglichkeiten wie Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen verzichtet werde.  Lindner antwortete: »Weil diese Maßnahmen nach wissenschaftlichen Untersuchungen keine Wirksamkeit haben und weil auch deutsche Gerichte solche Ausgangsbeschränkungen ja bereits verworfen haben.« Auf Zamperonis ungläubige Nachfrage, ob er wirklich behaupte, dass Kontaktbeschränkungen und Ausgehverbote nicht wirksam seien, sagte er: »Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit von Ausgangsbeschränkungen zum Beispiel für geimpfte Menschen, die eben nicht das Infektionsgeschehen eindämmen.«  […]

(SPON, 13.11.2021)

Das ist natürlich haarsträubender Schwachsinn, für den der Kemmerich-Fan nun von den Aluhüten der Republik gefeiert wird.

[…..] Die Wissenschaftlerin Viola Priesemann hat Äußerungen von FDP-Chef Christian Lindner zur angeblichen Unwirksamkeit bestimmter Corona-Maßnahmen entschieden zurückgewiesen. Auf Twitter verbreitete Priesemann am Samstag drei „Klarstellungen“ zu einem Interview Lindners in den „ARD-Tagesthemen“ vom Vorabend.  Wörtlich schrieb die Physikerin, die sich mit Corona-Themen befasst: „(1) Die Aussage Geimpfte trügen nicht zur Übertragung bei ist und war nie korrekt. (2) Kontaktbeschränkungen haben natürlich eine Wirksamkeit gegen eine Übertragung. (3) Je nach Umsetzung haben auch Ausgangsbeschränkungen eine Wirksamkeit.“ [….]

(TS, 13.11.2021)

Schon bevor ein Koalitionsvertrag vorliegt, lange bevor eine Regierung gebildet ist, talibanisiert die FDP durch hochgradig unsinnige Anliegen (ungehindertes Rasen auf der Autobahn, kein Druck auf Ungeimpfte) die Arbeit der Exekutive.

Gurkentruppe 2.0 ante portas.

Natürlich brauchen wir G2, Lockdown für Ungeimpfte, überfällige Impfpflicht und die Betriebe ungeimpfter Gastronomen/Lebensmittelhändler/Kulturschaffender müssen geschlossen werden.

An den Schlangen vor österreichischen Impfzentren sehen wir, wie effektiv dieser starke Druck auf Covidioten wirkt.

FDP-Volljurist Marco Buschmann, möglicher nächster Bundesjustizminister, setzt stattdessen darauf, daß Corona wie von Zauberhand im März 2022 von ganz allein verschwindet. 100.000 zusätzliche weitere Tote nimmt der parlamentarische Geschäftsführer der FDP offensichtlich tatenlos in Kauf.

 [….] Man muss sich aber die Frage stellen, was mit einer allgemeinen Impflicht gewonnen wird. Verantwortungsethisch muss man berücksichtigen, dass viele Gesundheitsminister vortragen, dass sie mit einer solchen Pflicht Personal verlieren würden. Da wäre eine harte Testpflicht das bessere Instrument. Zudem könnte man eine allgemeine Impfpflicht kaum durchsetzen. Ich kann mir in unserem Rechtsstaat nicht vorstellen, dass die Polizei bei jemandem vorfährt, ihn ins Auto packt und die Person dann unter Zwang geimpft wird. [….]

(M. Buschmann, 08.11.2021)

Ebenso hanebüchen argumentiert der FDP-Vizebundestagspräsident Kubicki angesichts 1000er-Inzidenzen in mehreren Landkreisen, eines Covid-Toten jede fünf Minuten in Deutschland, hoffnungslos überlasteten Pflegepersonals und Triage auf den Intensivstationen.

[….] SPIEGEL: Herr Kubicki, die Zahl der Coronainfektionen und Todesfälle steigt rapide. [….] Wie kann man angesichts der Zahlen zu dem Schluss kommen, es gebe keine epidemische Notlage von nationaler Tragweite mehr?

Kubicki: [….] die sogenannte epidemische Notlage von nationaler Tragweite ist ein Rechtskonstrukt, das die vorige Bundesregierung dazu benutzt hat, um Bund und Länder zu sehr weitreichenden Verordnungen zu ermächtigen. [….]

SPIEGEL: Ihre Partei hat schon im Sommer 2020 dafür plädiert, die epidemische Notlage aufzuheben. Hat sich die FDP in dieser Frage ideologisch verrannt und nimmt sich in einer künftigen Regierung die Flexibilität, auf die Coronalage angemessen zu reagieren?

Kubicki: Die Frage verstehe ich nicht. [….]

SPIEGEL: Eine allgemeine Impfpflicht schließen Sie aus, eine Impfpflicht für Bedienstete im Gesundheit- und Pflegebereich ebenfalls. [….]

Kubicki: Es bringt nichts, Druck auf Ungeimpfte auszuüben. [….]

SPIEGEL: Was spricht dagegen, Ungeimpfte auszuschließen, das könnte Menschen dazu bringen, doch noch über eine Impfung nachzudenken?

Kubicki: [….] Wenn auch von Geimpften ein Infektionsrisiko ausgeht, dürfen Sie Ungeimpfte nicht schlechter stellen. [….][….]

SPIEGEL: Warum sind Sie eigentlich gegen die Maskenpflicht an Schulen?

Kubicki: Weil dort ohnehin schon regelmäßig getestet wird. [….]

(SPON, 13.11.2021)

Offensichtlich ist von den drei Ampelparteien nur die SPD wirklich regierungsfähig. Die Grünen haben Potenzial, die FDP ist wie schon 2009-2013 ein hoffnungsloser Fall. Sie besteht ausschließlich aus inkompetenten Lobbyisten der Superreichen.

Aber unglücklicherweise verlangt der Urnenpöbel eine Regierungsbeteiligung dieser unseriösen Lindner-Truppe. Ohne ihn ginge rechnerisch nur eine Groko; dann säßen wieder Klöckner, Scheuer und Spahn in der Regierung. Das kann sich auch im Ernst niemand wünschen.

Armer Olaf Scholz.

[….] Der Gesetzentwurf für neue Corona-Regeln trägt die Handschrift der Liberalen. Er könnte zu einem Kontrollverlust in der Pandemie führen. Ein Zwischenruf. [….] Die Liberalen beklagten schon länger die Übergriffigkeit der Exekutive bei der Coronabekämpfung. Und diesen Geist atmet auch der Entwurf. [….][Man kann] den Eindruck bekommen, dass die Ampelparteien - und hier vor allem die FDP - den Ernst der Lage nicht erkannt haben. Sie regieren an der Realität vorbei. Deutlich wurde das schon Anfang der Woche. „Unser Gesundheitssystem ist stabil, die Gesundheitsversorgung der Bürger gesichert, die ‚epidemische Notlage von nationaler Tragweite’ kann aufgehoben werden“, twitterte da FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Konkret soll die Notlage am 25. November enden. [….] Der Sturm der Entrüstung war heftig. Wissing löschte den Tweet. Er ahnte wohl, dass die Aussage vom stabilen Gesundheitssystem schlecht altern würde. [….] So sind die Coronapläne der Ampel ein Scheitern mit Ansage. Die FDP hat sich, ihren Partnerinnen und dem Land im Kampf gegen Corona Fesseln angelegt. Wie die ohne Schaden für das neue Bündnis wieder zu lösen sind, ist schleierhaft. [….]

(Benjamin Reuter, Tagesspiegel, 10.11.2021)

Freitag, 12. November 2021

Es wäre so schön, eine funktionierende Opposition zu haben.

Jutta Ditfurth und ich warnen schon seit mindestens sechs Jahren vor den kontinuierlichen AfD-affinen querfrontigen Ausfällen Sahra Wagenknechts und ihres Ehemanns.

Gegen beide, Sarah Sarrazin selbst und auch Oskar Lafontaine, laufen Parteiausschlussverfahren, weil sie der Linken schwer schaden, indem sie rechtsradikale Verschwörungsstories ventilieren.

[….] #Wagenknecht bei #AnneWill

@MMittermeier nennt sie „diese Thermomixvirologin“. Wagenknecht bleibt ungeimpft, versucht Querfront-Mist schlau zu formulieren. Sie versteht weder Impfung noch #Corona Sie versteht naturwiss Ergebnisse nicht. Sie leugnet sogar #LongCovid #coronavirus [….]

(Jutta Ditfurth, 01.11.2021)

Es stellt sich, wie so oft, die Frage nach der Mitverantwortung.

2014 und 2015 machten die deutschen Talkshows Pegida und die AfD groß, indem sie ununterbrochen rechten Ideologen den roten Teppich ausrollten, um über die „Flüchtlingsflut“ zu schwadronieren.

2021 werden sie zur Multiplikatoren der Aluhut-Szene, indem sie ungefiltert Seuchenfreunden ein Podium bieten.



Lafontaine, der Destruktive, wird wohl als der einzige Mann der Welt in die Geschichte eingehen, der als Vorsitzender gleich zweier großer und regierender Parteien, alles tat, um sie zu zerstören.


[….]  Im Saarland kämpft die Opposition mit sich selbst, dabei wird in gut vier Monaten ein neuer Landtag gewählt. [….]  die Staatsanwaltschaft, die wegen mutmaßlicher Urkundenfälschung gegen drei Mitglieder der Linken ermittelt. [….]  Es waren noch etwas mehr als drei Monate bis zur Bundestagswahl, als der Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine den Saarländerinnen und Saarländern riet, die Linke nicht zu wählen. Und es waren nur wenige Stunden nach der Wahl vergangen, als er ankündigte, bei der Landtagswahl im März nicht mehr antreten zu wollen.  Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit mit dem Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze. Gegen den ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen mutmaßlicher Urkundenfälschung.

[….]  Lutze habe jedem Mitglied, das ihn wählt, 50 Euro geben wollen, braune Umschläge mit Geld hätten dann auch den Besitzer, die Besitzerin gewechselt. Lutze bestreitet die Vorwürfe. Darüber hinaus laufen Vorermittlungen gegen ihn wegen mutmaßlicher Untreue, auch diese Vorwürfe bestreitet er. Seine Anhänger vermuten stattdessen eine "innerparteiliche Schlammschlacht" von Lafontaine.  Lutze gegen Lafontaine, dieser Streit beschäftigt nicht nur das Gericht, er hat die Linke unter anderem einen Geschäftsführer, einen Vorsitzenden, eine stellvertretende Vorsitzende gekostet. Und es geht weiter: Vor einigen Tagen hat die Landtagsfraktion (Lafontaine-Lager) eine langjährige Abgeordnete ausgeschlossen, weil sie sich nicht entschieden genug gegen die Angriffe des Landesvorstands (Lutze-Lager) gewehrt haben soll. Die Antwort kam postwendend: Einige Mitglieder aus dem Landesvorstand haben den Parteiausschluss von Lafontaine beantragt. Die ausgeschlossene Abgeordnete hat wiederum eine neue Fraktion gegründet, die "Fraktion Saar-Linke".[….] 

(Gianna Niewel, 12.11.2021)

Das Saar-Paar Sahra/Oscar ist wie eine schmutzige Atombombe. Sie sind die gemeinsame Reinkarnation des Römers Tullius Destructivus aus „Streit um Asterix“, jener Comicfigur von 1970, deren Superkraft es war, in jeder Gruppe unweigerlich Streit hervorzurufen. Hoffentlich treten sie wirklich bald in den AfD ein. In zwei, drei Jahren hätten sie die Nazis auch unter 5% gedrückt.

Nun kann jede liberale Partei mit prominenten Mitgliedern Pech haben. Die Sozis hatten Sarrazin und Clement, haben Griese und Thierse. Die Grünen hatten Metzger, haben Palmer und Beck. Den Linken kleben Wagenknecht und Lafontaine am Leib.

Das ist alles verzeihlich, wenn es sich um einzelne handelt und die Partei in der Lage ist, die Abgedrifteten rauszuschmeißen, oder wenigstens wie in den quälenden Jahren vor Sarrazins Rausschmiss, glaubhaft aussagt, ihn loswerden zu wollen.

Die Linke findet aber seit Jahren nicht diese Kraft. 2021 inszenierten die beiden Bundeschefinnen Susanne Hennig-Wellsow Janine Wissler einen Monat vor der entscheidenden Bundestagswahl die große öffentliche Versöhnung mit dem völkischen Schwurbel-Paar. Der mächtigste Landesverband, die Linke NRW, kürte Wagenknecht sogar zur Spitzenkandidatin. Das gab selbstverständlich die Quittung vom Wähler. Wieder erkannte Jutta Ditfurth klar das Problem.

@GildaSahebi 26. Sep.2021

Sarah Wagenknecht sagt in der ARD, dass man jetzt nach den Ursachen für das schlechte Abschneiden der Linken suchen müsse. Dass sie eine der Ursachen sein könnte, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen. #btw21

@jutta_ditfurth Ob Sahra #Wagenknecht begreift, was ihr Anteil an Wahlniederlage ist, ist mir egal. Wichtiger ist, dass die Linkspartei es endlich begreift + ihre Querfront rauswirft. Großen Teil der gesellschaftl Linken haben sie verloren und vermeiden off Diskussionen.

(Twitter, 26.09., Bundestagswahl)

Wenn sowohl die alte Noch-Groko, als auch die Noch-Nicht-Ampel so eklatant schwächeln, wie im Moment dieser Corona-Katastrophe, wäre es umso wichtiger, daß die einzige ernst zu nehmende Opposition – nämlich die Linke – sich profiliert, indem sie den politisch Verantwortlichen schonungslos die Fehler aufzeigt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Das wäre umso wirkungsvoller, als die zweite Oppositionspartei, die AfD, mit einer infizierten ungeimpften Vorsitzenden da steht und zwei Dutzend fanatische Covidioten-Mitglieder auf der Seuchentribüne parken muss.

Unglücklicherweise hat sich die Linke selbst politisch kastriert, weil ihre prominenteste Abgeordnete und langjährige Fraktionsvorsitzende selbst zur Ikone der Aluhüte mutierte.

[….] Heldin der Ungeimpften: Sahra Wagenknecht fasziniert Linke, Rechte und Desorientierte [….]  Warum sie sich nicht impfen lasse, fragte die Moderatorin Anne Will ihren Gast Sahra Wagenknecht in ihrer Talkshow. Es war der Sonntag vor zwei Wochen. »Ich finde es ein Problem, dass man das öffentlich begründen muss«, antwortete die 52-jährige Politikerin der Linken. Sie habe Angst vor Corona, »keine Frage«. Aber jeder müsse selbst abwägen, ob er einem neuartigen Impfstoff traue.

Der Gast, der neben ihr saß, räusperte sich, seine Mundwinkel zuckten, er rutschte im Sessel hin und her. Als der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach das Wort bekam, sagte er: »Man darf die Menschen nicht verunsichern, die wir jetzt zur Impfung bitten. Die Impfstoffe sind sicher. Man muss vorsichtig sein, dass keine Räuberpistolen auf den Tisch gelegt werden.« Für Lauterbach ist Sahra Wagenknecht eine Frau mit gezückter Räuberpistole.

Sie hörte zu, saß aufrecht, die Beine übereinandergeschlagen, ihre Augen konzentriert auf ihren Nebenmann gerichtet. Es sind die Momente, in denen die Politikerin so vornehm wirkt, so überlegen, dass die Sätze, die sie sagt, in ihrer Härte kaum zu fassen sind. Wagenknecht warf Lauterbach Alarmismus vor, »Long Covid«, die Langzeitfolgen der Corona-Erkrankung, sagte sie, sei umstritten. Ein harter Schlag und noch einer und noch einer. Sie traf damit nicht nur Lauterbach, sondern auch Leute ihrer eigenen Partei. Nur wenige Stunden nach dem Ende der Sendung rief Daphne Weber, Mitglied im Linken-Parteivorstand, zur Impfung auf. »Sahra Wagenknecht hat komplett den Kontakt zur Partei, den Positionen und Aktiven verloren.« Long Covid zu bestreiten sei ein »Schlag ins Gesicht Tausender und Abertausender Menschen«, schrieb Niema Movassat, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Parteivorstands. Er schäme sich, dass Wagenknecht sich im Namen seiner Partei so äußere. [….]  Nicht erst seit ihrem Auftritt bei Anne Will ist Wagenknecht eine harte Kritikerin der Coronapolitik der Bundesregierung. Auf YouTube betreibt sie den Blog »Wagenknechts Wochenschau«, der Hunderttausende Zuschauer findet und auf dem sie seit Monaten dieselben Thesen verbreitet. Schon im März äußerte sie sich skeptisch zu den neuartigen Impfstoffen und warnte vor zu hohem Druck auf Nichtgeimpfte. [….] 

(Spon, 12.11.2021)

Die Linke muss sich an Ditfurths Worte erinnern: Bevor sie Wagenknecht nicht loswird, ist sie nicht wieder ernst zu nehmen.

Immerhin begreifen es einige.

[….]  Das Linken-Vorstandsmitglied Maximilian Becker legt der früheren Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht nahe, die Linke zu verlassen und der AfD beizutreten. »Also ich finde, wenn eine Person haargenau die gleichen Positionen wie die AfD vertritt, sollte sie sich der Partei auch anschließen und der Linken den Rücken kehren. Es reicht!«, schrieb Becker auf Twitter. Darunter sind Äußerungen von Wagenknecht und eines AfD-Politikers zu sehen. Beide sprechen mit Blick auf die hohen Corona-Infektionszahlen von einer »Pandemie der Geimpften«.[….]  Unterstützung für Beckers Tweet kommt von der stellvertretenden Parteivorsitzenden Martina Renner. Sie stimme Becker »voll und ganz« zu, schrieb Renner als Reaktion auf dessen Post. Es gehe um »Ignoranz von Fakten«.[….] 

(SPON, 12.11.2021)