Sonntag, 12. Mai 2024

Israel, Juden, Bibi und der ESC

Es ist nicht antiamerikanisch, Donald Trump einen moralisch völlig verkommenen hochkriminellen rassistischen Demokratiezerstörer zu nennen und seine Anhänger der kompletten Verblödung zu bezichtigen.

Es ist nicht antigermanisch, Fritz Merz für einen rückwärtsgewandten misogynen ökonomisch unterbelichteten Unsympathen zu halten, dessen Politik Deutschland schwer schadet.

Es ist nicht russophob, zu konstatieren, in welchen Abgrund der aggressive Kriegsverbrecher Putin führt.

Es ist nicht antichristlich, festzustellen, was für ein zutiefst heuchlerischer selbstverliebter Menschenfeind Kardinal Woelki ist.

Es ist nicht antisemitisch, die Netanyahu-Regierung, ihre Kriegsführung in Gaza und ihren Kampf zum Abbau des israelischen Demokratie, zutiefst zu verachten und sich zu wünschen, Bibi möge mitsamt seinem rechtsradikalen Sohn Jair und seiner abstoßend korrupten Frau Sara für immer im dunkelsten Knast weggesperrt werden.

Im Gegenteil; ich betrachte mich unterm Strich doch Russland, der USA, Israel und Deutschland gegenüber freundlich gesinnt und wünsche allen vier Nationen eher Frieden und Prosperität. Genau deswegen wünsche ich Merz, Bibi, Putin und Trump die Pest an den Hals. Genau deswegen wünschen sich die Israelis das mehrheitlich für ihren Ministerpräsidenten und die Hälfte der US-Amerikaner für Trump.

Etwas anders verhält es sich bei der katholischen Kirche, für die ich tatsächlich aufgrund ihrer 2.000-jährigen Kriminalgeschichte, ihrer antihumanistischen Agenda und ihrer abscheulichen Rolle im gesellschaftspolitischen Diskurs, keinerlei Sympathien aufbringen kann. Die Welt wäre friedlicher und gerechter ohne die RKK. Daher wünsche ich der Eminenz Woelki noch ein langes Leben und mächtige Posten in seiner Kirche.

(….) Unser wertvollster Agent, ein schwerer Zerstörer der TVE-Mixa-Klasse, bleibt nach der der Beförderung Ratzingers am 31.12.2022 weiterhin der Kölner Metropolit. (….) Umso erfreulicher, daß Papst Franziskus mit Rainer Maria Kardinal Woelki, 66, am 11. Juli 2014 einen so wirkungsmächtigen Säkularisierungsbeschleuniger zum wichtigsten und reichsten deutschen Metropoliten machte. Als Kölner Erzbischof vermochte es Woelki, erst in Köln und dann bundesweit, die Terminvergabe für Kirchenaustrittsgesuche kollabieren zu lassen! Dank seiner Leistung unterschritten protestantische und katholische Kirche zusammen bereits 2022 die 50% Grenze und stellen nun erstmals seit vielen Jahrhunderten eine Minderheit in Deutschland.  Woelki ist mein Held und ich werde ihm für seinen Einfallsreichtum immer dankbar sein.(….)

Einem katholisch aufgewachsenen Teenager, der den Katholizismus mit der Muttermilch einsog und daher an der Kirche hängt, billige ich Religionsfreiheit zu und verstehe auch, wenn ungebildete oder dämliche Leute, die dennoch durchaus gute Menschen sein können, in der Kirche bleiben. Wer aber intelligent und gebildet ist, selbstständig denkt, eigene Entscheidungen trifft und dennoch mit seiner Mitgliedschaft finanziell diese homophob-misogyn-antihumanistische raffgierige Kinderfi**erorganisation unterstützt, verliert meine Sympathie. Man kann schließlich jederzeit aus der Kirche austreten und soll das gefälligst auch tun, weil die Religion eine negativistische Wir-sind-besser-als-die-Ideologie ist.

Nationalität ist aber keine Ideologie, sondern fast immer purer Zufall. Der Pass sagt nichts über Wertvorstellungen aus. Man kann nicht einfach aus seiner Staatsbürgerschaft austreten, weil man irgendeinen Pass braucht. Aus bestimmten Nationalitäten – der türkischen oder iranischen – kann man gar nichts austreten; aus meiner, der US-amerikanischen, nur sehr schwer.

Ich kann also einem erwachsenen denkenden Menschen Vorwürfe dafür machen, Mitglied der Kirche zu sein, aber nicht dafür, Mitglied einer Nation zu sein.

Wer das, was ich hier schreibe, verachtet, kann mich gern hassen. Wer das aber damit begründet, daß ich Amerikaner bin, argumentiert antiamerikanisch.

Wer Anna Netrebko boykottiert, weil sie Russin ist, handelt russophob. Wer in Berlin auf der Straße Menschen beschimpft, die zufällig eine Kippa tragen oder Schläfenlocken haben, agiert antisemitisch.

Wer eine Sängerin beim ESC ausbuht, und ihr physisch so zusetzt, daß sie weggesperrt werden muss, nur weil sie zufällig Israelin ist, handelt antisemitisch.

[…..]  Ausgerechnet Israel. Dass das Land teilnehmen darf trotz des Gazakriegs, war das eigentliche Thema der vergangenen Wochen, auch am Samstag gab es noch Demonstrationen, inklusive Festnahmen.

Um zu zeigen, wie hitzig das Ganze in Skandinavien über Monate diskutiert wurde, nur mal Pars pro Toto die letzten News aus Island: Dort wurde deutlich weniger Werbezeit verkauft als in den Jahren zuvor. Der Songwriter des isländischen Beitrags distanzierte sich von seinem eigenen Song und der Stamm-ESC-Moderator schrieb, er könne wegen der „Aktionen Israels in Gaza und der fehlenden Reaktion des Wettbewerbs darauf“ den Job dieses Jahr nicht machen. Man kann das in Sachen Aufregungsamplitude eins zu eins auf Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland übertragen (allerorten riesige Petitionen, dieses Jahr nicht zu übertragen und großer Absage-Druck in den sozialen Medien auf die jeweils teilnehmenden Künstler).  [….] Der infamste Beitrag der ganzen Woche stammt nicht von einem der Interpreten, sondern von dem polnischen Journalisten, der die Israelin Eden Golan bei ihrer Pressekonferenz am Donnerstag fragte, ob sie sich nie überlegt habe, dass sie die anderen Teilnehmer in Gefahr bringen könnte. Er fragte das, nachdem sie sich die ganze Woche über als einzige Künstlerin hatte verstecken müssen und nur unter Hochsicherheitsvorkehrungen ihr Zimmer verlassen konnte, während alle anderen ihren Spaß hatten. [….] 

(SZ, 12.05.2024)

Ökonomische Sanktionen sind sehr heikel, weil sie ein ganzes Volk treffen, aber nur die Regierung gemeint ist. Die Regierungsmitglieder aber leiden üblicherweise gar nicht, während das Volk es ausbaden muss.

Besonders brutal und dramatisch war es im Irak vor 2003, als hunderttausende Kinder verhungerten oder durch Medikamentenmangel starben. Die Nordkoreanische Kim-Dynastie sitzt nach Jahrzehnten brutalster Sanktionen noch fest im Sattel und lässt es sich gutgehen.

Das Beispiel Russland zeigt, wie ineffektiv Sanktionen sind, wenn sie nicht von allen mitgetragen werden.

Mehr als zwei Jahre nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine, läuft es militärisch prima für Putin; die russische Wirtschaft wächst. Es hilft den Kims, den Mullahs in Teheran und Putin womöglich sogar bei ihrer Propaganda, wenn sie alle Probleme auf die bösen Außenwelt mit ihren angeblich ungerechten Sanktionen schieben können.

Andererseits haben Sanktionen ihre Berechtigung als schärfste Waffe der Staatengemeinschaft unterhalb militärischer Maßnahmen.

Wie will man sonst verbrecherisches Handeln von Atommächten ahnden?

Sanktionen und Boykotte jedoch auf Bereiche auszuweiten, die reine Sport- oder Kulturveranstaltungen sind, halte ich für unnütz. Russische Literatur, Musik, russische Tennisspieler oder Opernsängerinnen oder ESC-Beiträge zu verbieten, um Putin zu treffen, kann keinen Erfolg haben.

Außerdem kann man nicht der Falle der Doppelmoral entgehen. Russland in Malmö ausschließen, aber Israel zulassen? Da wird etwas auf dem Rücken von Musikern ausgetragen, die weder politische, noch militärische Expertise haben und sich ihre Staatsbürgerschaft nicht aussuchen konnten.

Besser wäre es, alle zuzulassen und auch politische Äußerungen zu erlauben, auf daß sich in den Tagen des internationalen Zusammenseins eine fruchtbare Diskussion entwickelt.

Falls das nicht möglich sein sollte, weil sich die ESC-Fans dann wie verfeindete Fußball-Fangruppen gegenseitig verprügeln, hat das jeweilige Event in der demokratischen Welt keine Daseinsberechtigung. Gewalttätige Fußballspiele und Sängerwettstreite gehören ganz verboten und nicht unterstützt.

Samstag, 11. Mai 2024

Unreifes Einwanderungsland

Omid Nouripour wurde 1975 in Teheran in eine wohlhabende Intellektuellen-Familie geboren. Beide Eltern Nouripours sind Luftfahrtingenieure, die Mutter ist außerdem Biologin, der Vater Volkswirt. Mit dem 13-Jährigen Sohn 1988 nach Hessen auszuwandern, war notwendig, da er ein Jahr später wegen des anstehenden Wehrdienstes nicht mehr den Iran verlassen konnte. Omids Onkel war da bereits vom Iranischen Regime hingerichtet worden und seiner Schwester wurde das Studium verweigert.  Schon im Iran hatte der kleine Omid Deutsch gelernt und die Familie besaß eine Ferienwohnung in Frankfurt.

Der intellektuelle Exodus des Irans in Folge der Mullah-Machtübernahme und des Iranisch-Irakischen Golfkrieges (1980-1988) war für die betroffenen Menschen eine Tragödie und für die Islamische Republik eine ökonomische Katastrophe.

Des einen Leid, des anderen Freud: Die muslimischen Einwanderer, die in den 1980ern aus dem früheren Persien nach Deutschland kamen, sind Muster-Migranten, wie man sie sich nicht schöner backen könnte. Fast alles Intellektuelle, die als Ärzte, Architekten und Wissenschaftler, das Land kulturell und ökonomisch bereichern. Iranische Kriminalität in Deutschland ist quasi unbekannt; logisch, denn Kriminalität korreliert nicht mit Ethnie oder Religion, sondern mit Bildung und sozialem Status.

Das Statistische Bundesamt zählt gut „300.000 Menschen mit iranischen Migrationshintergrund im engeren Sinne“ in Deutschland.

Da ist es naheliegend, wenn sich einige von ihnen auch in der deutschen Spitzenpolitik wiederfinden. Nouripour ist seit 2022 Bundesvorsitzender der Grünen, Bijan Djir-Sarai, 1976 in Teheran in eine Akademiker-Familie geboren, amtiert als FDP-Generalsekretär. Niema Movassat, der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken, wurde 1984 in Wuppertal geboren; auch seine Eltern sind beide Akademiker aus dem Iran. Die Sozialwissenschaftlerin Bahar Haghanipour, geboren 1984 in Teheran, amtiert für Bündnis 90/Die Grünen als Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin. Die heutige Vorsitzende des mächtigen Deutschen Gewerkschaftsbundes Yasmin Fahimi, wurde 1967 in Hannover als Tochter eines Iranischen Chemikers geboren, schloß selbst ebenfalls ein Chemiestudium ab, war SPD-Generalsekretärin und Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Nargess Eskandari-Grünberg wurde 1965 in Teheran geboren, flüchtete 1985, wie die Nouripours nach Hessen. Sie wurde in Psychologie promoviert, leitet ihre eigene Psychotherapeutische Praxis, sowie ehrenamtlich eine Beratungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes und amtiert seit 2021 für Bündnis 90/Die Grünen als Bürgermeisterin (Erste Beigeordnete) der Stadt Frankfurt am Main.

Gern zitiere ich in diesem Blog auch die taz-, ARD- und Spiegel-Autorin Gilda Sahebi, die ebenfalls 1984 im Iran als Tochter intellektueller Regimegegner geboren wurde und im Alter von drei Jahren nach Deutschland in Sicherheit gebracht wurde. Auch sie ist eine intellektuelle Überfliegerin, schloß zwei Studiengänge,  Humanmedizin und Politikwissenschaft, erfolgreich ab und ließ sich obendrein zur Journalistin ausbilden.

[…]  Sie hatten ihm Augen und Hände verbunden. Orientierungslos und verängstigt lief mein Onkel im Zelt umher, das die Revolutionsgarde im Gefängnishof aufgestellt hatte. Er war 14 Jahre alt. Seit Monaten war er eingesperrt. Islamische Fundamentalisten hatten Iran nach der Revolution 1979 fest in der Hand und mein Onkel wurde verhaftet, weil er im Frühjahr 1981 Flugblätter einer kommunistischen Jugendgruppe verteilt hatte.  Die Revolutionswächter ließen meinen Onkel so lange blind im Zelt umherirren, bis er gegen einen Samowar mit heißem Wasser stieß und sich den Körper verbrühte. Mein Großvater, den sie auch gefangen genommen hatten, hörte seinen Sohn nach ihm schreien. Er musste hilflos warten, bis seine Schreie verstummten. 

Heute habe ich mit meinem Vater telefoniert. Aufgeregt sagte er mir, er höre Stimmen aus Iran, dass das Ende des Regimes nah sei. Seit fast einer Woche dauern die Proteste dort jetzt schon an. Mein Leben und das meiner ganzen Familie sind von dem Regime bestimmt worden, gegen das gerade demonstriert wird. Ich müsste mich also freuen, dass die Menschen gegen diese Diktatur auf die Straße gehen. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich denken soll.

Als ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal davon las, war ich erst einmal nicht überrascht: Protestieren, das können die Iraner. Sogar mein Vater, der heute Tramübergängen aus dem Weg geht, weil er Angst vor der Kollision mit einer fehlgeleiteten Straßenbahn hat, hat sich 1979 für ein demokratisches Iran in den Kugelhagel gestellt. Und Grund zum Demonstrieren haben die Iraner auch heute noch. Weil Eier inzwischen praktisch zum Luxusgut geworden sind, kursiert der zynische Satz, dass ein iranisches Huhn zur Zeit mehr Wert erzeugt als ein iranischer Mensch. Lebensmittel werden immer teurer, in Apotheken sind die einfachsten Medikamente nicht zu haben. Jeder ist betroffen, je ärmer, desto schwerer. Zensur, Repression, Unfreiheit überall. 

Ich bin 33 Jahre alt und kann seit zwanzig Jahren nicht nach Iran zurückkehren. Mein Vater ist politisch verfolgt und könnte nicht mal den kleinen Zeh über die iranische Grenze setzen, ohne sofort eingebuchtet zu werden. Als ich ein Jahr alt war, musste er Hals über Kopf aus Iran fliehen, meine Mutter und mich ließ das Regime erst ausreisen, als ich drei war. Meinem Onkel haben die Mullahs die Kindheit gestohlen. Wer als Dreizehnjähriger ein Jahr lang in ein Diktatoren-Gefängnis geht, kommt nicht als normaler Vierzehnjähriger wieder heraus. Meine Familie in Iran wurde auseinandergerissen. Und mit ihr unzählige andere iranische Familien.  […]

(Gilda Sahebi 2018)

Katajun Amirpur, 1971, als Tochter des damaligen iranischen Kulturattachés in Köln geboren, kennt man als SZ-Autorin und bedeutende Professorin der Islamwissenschaft, die mehrere Lehrstühle an deutschen Universitäten innehat. Sie war verheiratet mit dem deutsch-iranischen Schriftsteller und Journalisten Navid Kermani, der 1967 in Siegen geboren, nicht nur habilitierter Orientalist ist, sondern auch 2015 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Die Leiterin des Weltspiegels, Isabel Schayani, wurde 1967 in Essen geboren und ist studierte Orientalistin. Golineh Atai, gegenwärtig Leiterin des ZDF-Studios in Kairo, wurde 1974 in Teheran geboren. Ihre Familie flüchtete 1979 wegen der Machtergreifung Khomeinis aus dem Iran. Sie machte an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg drei Magister-Abschlüsse in den Fächern Romanistik, Politologie sowie Iranistik.

Deutsch-Iraner bereichern Deutschland nicht nur akademisch, sondern auch als Unternehmensgründer.

[….] Sohrab Mohammad ist einer von vielen Unternehmern in Deutschland mit ausländischen Wurzeln. Mittlerweile gilt das für etwa jeden sechsten Gründer, ergab eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) und der Universität Mannheim. Gerade in der Start-up-Szene fallen immer wieder iranische Namen auf – so wie der von Sohrab Mohammad.  […..]

(Heike Bensch 2017)

Die sogenannte „Mehrheitsgesellschaft“, welche die CDU so gern als „Leitkultur“ darstellt, hat allen Grund den Deutsch-Iranern zu danken. Man sollte ihnen einen eigenen Feiertag widmen. Sie sind die „Kronjuwelen der Integration“.

Aber Leitkultur ist ein reiner Ausgrenzungsbegriff, dessen positiven Inhalte niemand in der CDU definieren kann.

Aber ich kann „Leitkultur“ definieren: Es ist die den Deutschen eigene bornierte Doofheit, die sie so bräsig werden ließ, daß sie intellektuell und technologisch den Anschluss an die Weltspitze verloren.

Leitkultur ist, wenn sich der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripous anhören muss „Du Scheiß Araber, geh zurück in die Türkei!“

[….] Man könnte einen launigen Leseabend veranstalten mit den Zuschriften, so strotzen manche vor Irrsinn. Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour solle sich "erst mal über fünf Generationen" in unsere "germanisch-keltische Mehrheitsgesellschaft" assimilieren, "dann dürfen Sie mal nachfragen", schreibt einer, der sich "Dr. Rückl" nennt und betont: Er sei "Kerndeutscher". Bei der SPD-Vizevorsitzenden Aydan Özoguz seufzt einer: "Ach, die Moslems sind unverschämt." Und wettert weiter: "Wenn Ihnen das Vorgehen des Innenministers nicht passt, dann verlassen Sie doch unser Land!" Und Serkan Tören von der FDP durfte zur Straffreiheit von Beschneidungen lesen: "Ich nehme stark an, Sie haben sich inzwischen Ihren Schwanz abschneiden lassen und dazu beigetragen, dass sich Ihre Sippe nicht weiter vermehren kann."

Eigentlich ist das Kabarett. Wenn nicht so eine Wut dahinterstecken würde. Und wenn da nicht diese Drohungen wären: Wir wissen, wo Du wohnst, Du solltest auf Deine Gesundheit achten. Solche Sätze. Und es ist nicht unbedingt lustig, wenn auf der Internetseite der Abgeordneten und Mutter Özoguz jemand nach dem Stichwort "Kind" sucht. "Da war ich doch alarmiert", sagt Özoguz. [….] Im Netz konzentriert man sich gerne darauf, dass Özoguz Deutsch-Türkin und gläubige Muslimin ist. "Packen Sie Ihre Koffer und gehen Sie in Ihre Heimat zurück oder am besten ins muslimische Gulag", mailt einer. "Unser Trost ist, dass genügend Lampen in den Straßen stehen, an denen wir euch aufknüpfen werden", ein anderer. [….]  Bei Omid Nouripour [….] laufen solche Wellen auf, Dutzende, Hunderte Mails, je nach Anlass. [….] Er darf sich von allen Seiten beleidigen lassen. Von rechts fasst man eine schlichte Botschaft in immer neue Variationen: Ein "Ausländer" darf hier nicht mitreden, er soll gehen, "zurück ins Ali Land".

Am heftigsten reagiert die Klientel, wenn sich Nouripour der deutschen Geschichte annimmt. Wenn er fordert, Kasernen nicht nach dem Wehrmachts-Helden Erwin Rommel zu benennen, "geht die Post ab". Humor hilft, sagt Nouripour, der Deutsch-Iraner hat eine Lieblingsbeschimpfung, die eines Ahnungslosen: "Du scheiß Araber, geh zurück in die Türkei!" [….] Auch das zählt zum Migranten-Dasein im Bundestag. [….]

(Roland Preuß, 29.06.2013)

Freitag, 10. Mai 2024

Alle Schleusen offen

Wir erleben bei der Serie der tätlichen Angriffe auf Politiker gerade ein selbstverstärkendes System. Erst war da die Hetze der AfD, die mit Zitaten aus „Mein Kampf“ und menschenfeindlicher Sprache – „wir werden sie jagen“ – die Gedanken der Gewaltattacken in die Köpfe ihrer Wähler setzte.

Mögliche verbliebene Hemmungen, ihre Gewaltphantasien in die Tat umzusetzen, beseitigten schließlich CDU, FW und CSU, welche das xenophobe Gedankengut verstärkten und ungeniert lügend insbesondere den Hass auf die Grünen beförderten. Umso herzlicher umschwärmt man den antisemitischen Putinisten Orbán, der drastisch xenophobe Politik in die Tat umsetzt.

[….] Bei Orbán wanzte die CSU sich noch an

Ein gutes Arbeitsverhältnis hat noch nie geschadet, erst recht nicht, wenn man um dessen Grenzen weiß. Den ungarischen Autokraten Orbán hatte die CSU, vor allem in Person von Söders Vorgänger Horst Seehofer, lange hofiert. Und als Orbán zur Winterklausur der CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon eingeladen war, begrüßte deren Vorsitzender Alexander Dobrindt "unseren Freund Viktor".   [….]

(SZ, 10.05.2024)

So lange die physischen Attacken auf Politiker noch einigermaßen vereinzelt sind – Schäuble, Lafontaine, Reker, Lübcke – kann man es psychisch Kranken und Fanatikern in die Schuhe schieben.

Inzwischen aber sind die Gewalttaten, zur Freude der AfD, aber so häufig, daß demokratische parlamentarische Kommunalpolitik partiell zum Erliegen kommt, weil sich keine Kandidaten mehr finden. Statt denjenigen zu danken, die ihre Freizeit für das Allgemeinwohl opfern, werden sie zusammengeschlagen.

Das ist ein Baustein auf dem Weg in den Totalitarismus. Wir nahmen schon seit den 1990ern „national befreite Zonen“ hin. Um die Tourismusindustrie nicht zu gefährden, breitete man den Mantel des Schweigens darüber, daß es insbesondere in Ostdeutschland große Gebiete gibt, in denen man sich als Transsexueller,  Schwarzer, offensichtlich Schwuler, als Bürger mit Kippa, Schläfenlocken oder Turban, nicht sehen lassen darf. Im Gegenteil, Leitkultur-Friedrich und Grünen-Nemesis Maggus gossen fleißig Benzin ins Feuer, indem sie das Pack darin bestätigten, Minderheiten auszugrenzen. Linke, Grüne, Sozis sind in Sachsen Freiwild

[….] Für die Häufung von Angriffen auf Politiker sei nicht zuletzt die "Verrohung des allgemeinen Tons" verantwortlich, meint [die Grünen-Politikerin Yvonne Mosler].

Einen solchen Anstieg beobachtet auch Steffen Kailitz, Privatdozent am Leipziger Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. Aber nicht nur das, es gebe auch einen gewissen Nachahmungseffekt: "Jede einzelne Gewalttat macht die nächste wahrscheinlicher", sagt Kailitz. Die Situation sei vergleichbar mit der in den 1990er-Jahren, als Rechtsextreme vermehrt Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübten. Heute wie damals seien die Täter vor allem junge Männer. Geltungsdrang sei dabei ein auslösendes Motiv, besonders unter Rechtsextremen, die in den Taten ein "Ideal der Männlichkeit" verwirklicht sähen, so der Extremismusforscher. Aber auch für spontane Gewalttaten sei die Hemmschwelle gesunken.

"Die Justiz tritt dem mit allem Nachdruck entgegen und wird die Täter schnellstmöglich zur Verantwortung ziehen", sagte Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB), dem Evangelischen Pressedienst. Für Staatsanwaltschaften und Strafgerichte sei dies aber ein großer Kraftakt. Bei den Staatsanwaltschaften stapelten sich bundesweit inzwischen mehr als 900 000 unerledigte Fälle, und auch viele Strafgerichte arbeiteten am Limit, sodass Prozesse immer länger dauerten. [….]

(SZ, 08.05.2024)

Wenn ein Spitzenpolitiker wie der vor Gericht stehende Faschist Bernd Höcke seit Jahren permanent NS-Slogans zitiert und seine als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei dennoch unangefochten stärkste Kraft in Thüringen zu werden scheint, motiviert das selbstverständlich immer mehr heimliche Nazis sich zu outen.

[….] In einem Weiterbildungskolleg in Würselen ist ein Lehrer mit einem Bild von Adolf Hitler auf dem Shirt im Unterricht erschienen. Der Lehrer darf vorerst nicht mehr unterrichten.

Ein Student des Kollegs in Würselen hatte die Polizei eingeschaltet. Noch am Tag der Anzeige hat die Bezirksregierung Köln den Lehrer vom Unterricht freigestellt. Auf Anfrage teilte die Bezirksregierung mit, dass die Schulleitung den Lehrer aus dem Unterricht geholt und nach Hause geschickt habe. Er darf die Schule bis auf weiteres nicht mehr betreten. Auch der Kontakt zu den Studierenden ist ihm untersagt. Die Bezirksregierung prüft nun ein Disziplinarverfahren gegen den Lehrer.  [….]

(WDR, 08.05.2024)

Die Dämme sind offen.

Ministerpräsident Söder reiste heute demonstrativ zur faschistischen Regierungschefin Italiens, tauschte private Handynummern aus und erklärte Melonis menschenhassenden Kurs zum Vorbild.

[…..] Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat nach einem Treffen mit der italienischen Regierungschefin Georgia Meloni eine große Übereinstimmung bei Fragen zur Energie, dem Verkehr und der Asylpolitik betont. [….]

Er sei sich mit ihr zudem einig gewesen, dass die Europäische Union das Verbrenner-Aus wieder zurücknehmen müsse. Der Plan neuer Gas- und Wasserstoffpipelines über die Alpen findet sich auch in einem aktuellen Aktionsplan von Bundesregierung und italienischer Regierung.

In der Asylpolitik lobte Söder erneut eine Flüchtlingsvereinbarung zwischen Italien und Albanien: Italien will zwei Flüchtlingslager auf albanischem Boden betreiben. Ziel ist, die Migration über das Mittelmeer nach Italien und damit in die EU einzudämmen. "Das könnte auch eine Lösung für ganz Europa sein", bekräftigte der bayerische Ministerpräsident.  [….]

(ZDF, 10.05.2024)

Donnerstag, 9. Mai 2024

Himmelfahrts-Kirche zwischen den Stühlen

Die Kirche will uns auch im Jahr 2024 glauben machen, Jesus, der einzige blauäugige und blonde Jude des Nahen Ostens, sei gekreuzigt, gestorben, nach drei Tagen wieder lebendig geworden, habe anschließend noch paar Wochen in Israel gechillt, bis er keinen Bock mehr hatte, woraufhin er seinen intrakorporalen Raketenantrieb zündete, um aus eigener Kraft in den Himmel zu sausen, wo er nun seit 2.000 Jahren zwischen den Wolken bei -70°C im Lendenschurz den von seinen Anhängern verübten Genoziden zusieht, ihnen eigentlich auch dabei helfen möchte, wie er immer wieder dadurch bekräftigt, daß er in seinem antiken Outfit auf amerikanischen Grillsandwiches erscheint, muss dann aber doch oben bleiben, weil irgendwer masturbiert und er daher gezwungen ist, zur Strafe Tsunamis und Wirbelstürme auszulösen.

Das Gute ist, daß diese Story so gar nicht absurd wirkt.

[…] Es sollte ein freudiger Tag für die Christenheit werden, doch die Himmelfahrt Jesu ist zum Desaster geraten: Wenige Sekunden nach dem Start in die himmlischen Gefilde ging der Messias plötzlich in Flammen auf und explodierte. Ersten Einschätzungen zufolge war Materialermüdung für den Unfall verantwortlich.

Zeugen zufolge lief nach dem Countdown zunächst alles nach Plan, bis kurz nach dem Start plötzlich unter der rechten Sandale Jesu eine Stichflamme hervortrat. Rund zwei Sekunden später kam es dann zur Explosion, deren Feuerball weithin sichtbar war.

Derzeit deutet alles auf einen Materialfehler hin – die Ausstattung des bekanntermaßen bescheidenen Messias war schon deutlich abgenutzt und in die Jahre gekommen. Die Mission Jesu gilt nun vorerst als gescheitert. Eigentlich hatte der 33-Jährige nach Verlassen der Erdatmosphäre innerhalb von 72 Stunden den Himmel erreichen sollen, wo wichtige Forschungsarbeiten für die Erlösung der Menschheit geplant waren.   […]

(dpo, 09.05.2024)

Selbstverständlich rennen solchen Gaga-Vereinen die Mitglieder davon. 600.000 zahlende Schäfchen verlor allein die EKD im Jahr 2023.

Selbst Pfarrer wissen um den Bullshit, den sie erzählen. Man kann nicht aufgeklärte, gebildete Menschen dazu bringen, sich das ewig gleiche Geseire wöchentlich in einer Fullfrontal-Präsentation anzutun.

[….] Der Sonntagsgottesdienst ist vom Aussterben bedroht. Ganz buchstäblich sogar: Als ich vor einigen Jahren noch Gemeindepfarrerin war und regelmäßig sonntagmorgens an der Kirchentür die Gottesdienstbesucher begrüßte, war fast jeder zweite in einem Alter, wo nicht davon auszugehen war, dass derjenige zum Gottesdienstbesuch auch in 10 Jahren noch in der Lage sein würde. Nur sehr vereinzelt sah ich am Sonntagmorgen um 10 Uhr Menschen in meinem Alter in der Kirche sitzen, es gibt quasi keinen Nachwuchs für das, was immer noch das Kernangebot von Kirche ist. Es stellt sich also die Frage, ob man damit – um der wenigen und Älteren willen – kleinlaut weitermachen sollte, bis keiner mehr kommt, oder ob es nicht würdevoller wäre, einen beherzten Schlussstrich zu ziehen und damit Zeit und Energie freizusetzen, die Kirchen so dringend brauchen. Ich bin entschieden für Letzteres. Der Sonntagsgottesdienst hat nicht nur an Zulauf, sondern auch an Strahlkraft verloren. Wer würde heute denn noch seine konfessionslose Nachbarin dorthin mitnehmen?  [….]

(Hanna Jacobs, 07.05.2024)

Die für mich nächste Kirche, nur 300m entfernt, ist ein 1928 fertig gestellter wenig einladender protestantischer Backsteinbau.

In die Gottesdienst möchte keiner mehr kommen, umso lauter nerven die Pastorinnen mit ihrer elenden Bimmelei. Offenkundig verfolgen sie den Ansatz, sich an den 99% Ungläubigen zu rächen, indem sie ihnen wenigstens versauen, Sonntags auszuschlafen. Es beruhigt mich als Anwohner zu wissen, daß der Kirchenkreis die Nerv-Kirche nebenan, genau wie beispielsweise die Kapelle in Hamburg-Todendorf als „nicht förderungswürdig“ ansieht. Ihr Zerfall wird nicht aufgehalten werden.

[….] Architekten schätzten die Sanierungskosten für die kommenden 15 Jahre auf rund 134.000 Euro. Geld, das die zuständige Kirchengemeinde Eichede allein hätte aufbringen müssen. Denn der Kirchenkreis Hamburg-Ost stufte die Kapelle im April 2016 als "nicht förderungswürdig" ein. In einem internen Papier teilte er damals seine 138 Kirchen und 140 Gemeindehäuser in A-, B- und C-Standorte ein. Die Gebäude der Kategorie C, immerhin 35 Prozent, müssen seitdem ohne Hilfe unterhalten werden.

Der Kirchengemeinderat Eichede beschloss daraufhin im Oktober 2016, die Kapelle in Todendorf zu entwidmen. Vorausgegangen seien "viele schlaflose Nächte", betont Pastorin Schumacher bei der Abschiedszeremonie. [….] Die Todendorfer akzeptierten den Beschluss widerstandslos – auch zur Überraschung von Susanne Schumacher. "Ich hatte damit gerechnet, dass sich eine Interessengruppe bildet, die für den Erhalt der Kirche kämpft", sagt sie. "Aber das war nicht der Fall." Zu einem Informationsabend über die Zukunft des Gebäudes seien nur 35 Kirchenmitglieder gekommen – von 2500. So viele Menschen gehören der Kirchengemeinde Eichede an, die für Todendorf und sieben weitere Dörfer zuständig ist. "Ich habe das als Zeichen gewertet, dass ein Erhalt der Kirche nicht gewollt ist", sagt sie. [….]

(Janina Dietrich, Abendblatt, 20.01.18)

Die Kategorie-C-Pfarrerin meiner Nachbarschaft ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht macht und die Situation verschlimmert.

Manisch postet sie in regionalen Social-Media-Gruppen Einladungen zu Kirchenveranstaltungen, bei denen sie ihren Verein als besonders migrantenfreundlich und besonders schwulenfreundlich präsentiert.

Eine heikle Angelegenheit, bedenkt man, wie die Kirche 2.000 Jahre genau das Gegenteil dessen vertrat.

Der Pastorin fehlt allerdings jegliches Fingerspitzengefühl. Sie ist sie völlig überrascht vom Widerspruch in den Sozialen Medien und quiekt im AfD-Opfer-Modus, man dürfe ja nichts mehr sagen, werde mundtot gemacht und erfahre Pöbelei. Wer ihr nicht zustimmt, sei ein „Troll“.

[….] Es ist nun einmal Fakt, das für Christen das sog. Wort Gottes gilt. Und es steht recht klar geschrieben, was „der Herr“ über queere Menschen angeblich denkt. Da können sie noch so viel anbiedernde Folklore veranstalten. Das Problem liegt im Kern dieser Religionslehre und als freier Mensch sollte man die Kirche meiden. Plus der ganzen Sauereien die kirchenintern immer noch nicht angemessen aufgearbeitet sind. Wenn Sie diese Fakten als Pöbelei verunglimpfen wollen, sagt das viel über Sie selbst aus.  [….] "Gott ist queer" - Das ist an Anbiederung, Heuchelei und Bigotterie nicht zu übertreffen, wie man Ihnen hier ja jetzt recht ausführlich dargelegt hat. Gut, dass diese "Geisteshaltung" immer weniger Anklang in der Gesellschaft findet. Nur schade, dass ich Ihren Verein trotzdem weiter mitfinanzieren muss, obwohl dies bereits seit 1919 gegen die erklärte Verfassung verstößt. [….]

(PW, auf FB, 05.05.2024)

[….]  "Don't feed the troll"? Ehrlich? Das ist die lapidare Antwort einer PFARRERIN, wenn es u.a. um das Thema der Tausenden von durch evangelische Pfarrer missbrauchte Kinder geht?

Haben Sie überhaupt kein Schamgefühl? Da läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Kein Wunder, daß Ihnen die Mitglieder in Scharen wegrennen! […] Also rein menschlich bedauere ich es, wie Sie sich gerade reinreiten mit der unangebrachten viktimologischen Schwurbelhaltung ("hu, so viel Häme, man darf ja nichts mehr sagen, man wird mundtot gemacht,..") und das ausgerechnet aus der Perspektive der seit Jahrhunderten mächtigsten und reichsten Organisation, die IMMER auf der falschen Seite der Geschichte stand und verbissen gegen Bürgerrechte kämpfte.

Alle Freiheiten, von Frauenwahlrecht über die Erlaubnis von gemischt konfessionellen Ehen, das Recht auf gewaltfreie Erziehung, die Ächtung von Sklaverei und Folter, Schwulenrechte, Transrechte, Kinderrechte, Abtreibungsrechte, etc pp mussten GEGEN DEN ERBITTERTEN WIDERSTAND der Kirchen erkämpft werden.

Die Kirchen sind die Täterorganisationen, die unendliche Schuld gegenüber Frauen, Kinder, Juden und Schwulen auf sich geladen hat! Meine Oma wurde als protestantisches Kind in Hamburg noch regelmäßig von dem Pfarrer verprügelt, weil sie LINKSHÄNDERIN war und nicht "die Hand des Teufels" zum Schreiben benutzen sollte! Und SIE jammern als Pfarrerin rum, dass SIE schlecht behandelt werden, wenn einer auf FB kommentiert??? Und bezeichnen mich als TROLL?

Kann man sich nicht ausdenken.

Aber als Atheist freue ich mich natürlich über Kirchenvertreter wie Sie, weil so auch die EKD umso schneller marginalisiert wird.

Also machen Sie gern weiter so!  [….]

(Ego, 05.05.2024)

Die Anbiederung an den vermeidlich linken, queeren Zeitgeist misslingt also dramatisch, zumal sich gerade auch die Evangelische Kirche massiv der Aufklärung des sexuellen Kindesmissbrauchs durch ihre Geistlichen verweigert.

Noch unglaubwürdiger wird sie aber durch ihr Rumeiern beim Thema AfD. Eierseits will sie sich schon irgendwie öffentlich von den Nazis distanzieren, die Migranten und rotgrüne Wahlkämpfer überfallen, verprügeln, töten.

Andererseits war man die wichtigste Unterstützerin Adolf Hitlers, lieferte ihm in der Person Martin Luther die antisemitische Blaupause.

Und so wirbt die sächsische Diakonie um Verständnis für ihre AfD-Mitarbeiter.

Man kann sich denken, wie das Schmusen mit der AfD bei den Migranten und Queeren ankommt, um die die Hamburger Diakonie wirbt.

Die AfD-Großsprecher haben allerdings ihrerseits die Geduld mit beiden deutschen Kirchen verloren. Und so kommt es heute zu einem Kirchenaustritts-Hufeisen zwischen dem brauen Troll David Berger und mir.

Der schwule und radikal homophobe Berger verdammt die schwulenfeindliche Kirche für zu viel Schwulenfreundlichkeit.

[….] Daß die einzige ernst zu nehmende Oppositionspartei Deutschlands – die AfD – einem ständigen hetzerischen und diskriminierenden Dauerbeschuß durch die anderen Parteien und die Mainstreammedien ausgesetzt ist, versetzt viele Bürger in große Sorge um den Zustand unserer Demokratie. Daß sich die Kirchen dieses Treiben zu eigen machen, macht fassungslos.

So hatten doch auf der diesjährigen Frühjahrskonferenz in Augsburg die deutschen Bischöfe einstimmig eine Erklärung verabschiedet, wonach ein Christ die AfD nicht wählen könne. Ein freier Christenmensch braucht eine solch unbegründete und arrogante Bevormundung in Bezug auf sein Wahlverhalten nicht. [….] Die AfD ist eine demokratisch legitime Partei in der Parteienlandschaft der Bundesrepublik. [….] Wer aber grundsätzlich wie die deutschen Bischöfe nicht zulassen will, daß man sie wählt, ist kein Demokrat. Und was nun Rüdiger Schuch von der evangelischen Kirche (keine AfDler in der Diakonie) und der BdKJ von der katholischen Kirche (keine Sternsinger für AfDler) von sich geben, hat mit Kirche nicht mehr das Geringste zu tun, sondern ist nach dem Journalisten Harald Martenstein menschenfeindlich und zutiefst widerwärtig. [….] Denn man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß innerhalb dieser Behördenkirche, staatlicherseits gut alimentiert, die Lust am eigenen Untergang geradezu zelebriert wird: Weihrauch bei der Feier der eigenen Bedeutungslosigkeit, Unterwürfigkeit unter die Plausibilitäten der Gesellschaft als Rechtfertigung für kirchliche Wichtigkeit, also perverser Masochismus in religiösem Gewand, der den Herrschenden gefällt. Sie[….]

Aus der Behördenkirche austreten!  [….]

(PP, 09.05.2024)

Man sieht wieder einmal, zu welchen Absurditäten es führt, die gewalttätige, hochverräterische Nazi-Partei AfD nicht zu verbieten.

Nun kann sie sich als „legitime Partei“ selbst beweihräuchern.

Mittwoch, 8. Mai 2024

Personalprobleme – Teil II

Die Constitution of the United States, das deutsche Grundgesetz, das britische Westminster-System, oder die französische Constitution de la Cinquième République muten im Social Media Zeitalter partiell altertümlich an, haben ihre echten Schwächen, an die noch niemand bei der Verabschiedung denken konnte.

Dennoch sind es brauchbare Grundlagen, um demokratisch zu regieren – wenn auch der älteste Text, nämlich der US-Amerikanische von 1787, ein bißchen sehr angestaubt ist und Wahlergebnisse grob verfälscht.

Die extrem mächtigen US-Senatoren, 100 an der Zahl, haben jeder exakt dasselbe Stimmrecht. Aber ein Senator aus Kalifornien repräsentiert fast 20 Millionen US-Bürger, ein Senator aus Wyoming weniger als 300.000 Menschen.

Da müsste längst nachjustiert werden und dem gewaltigen Westküstenbundestaat ein paar mehr Senatoren zugestanden werden.

Es ist vertretbar, ähnlich wie im Bundesrat, die Stimmrechte der Länder nicht linear and die Bevölkerungszahl anzupassen, um die regionalen Eigenheiten der dünnbesiedelten, kleinen Länder stärker zu betonen. So wie im EU-Parlament auch.

Dort hat Deutschland als bevölkerungsreichtes Land auch die meisten Sitze, nämlich 96, aber weniger, als Berlin rechnerisch zustünden, so daß Luxemburg, Malta oder Zypern nicht ganz untergehen.

Aber für gleichmächtige Menschen, wie im US-Senat, mal 20 Millionen, mal nur 300.000 Bewohner zu benötigen, verzerrt den Willen des Volkes allzu sehr.

Es ist darüber hinaus, mit wohlwollenden Parlamentariern, in der Praxis möglich, verfassungsrechtliche Schwächen auszugleichen, indem die 96 deutschen EU-Parlamentarier ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Kollegen aus sehr kleinen Ländern haben.

US-Senatoren aus Wyoming könnten gegenüber ihren kalifornischen Kollegen etwas kompromissbereiter auftreten und damit anerkennen, für eine viel kleinere Zahl von Wählern zu stehen.

Das formuliere ich wohlweislich im Konjunktiv; da in den USA des Jahres 2024 gar keine Kompromisse möglich sind und insbesondere die ultrakonservativen Trumpidioten aus den kleinen „Red States“ gar nicht daran denken, reale Mehrheiten zu berücksichtigen.

Problematisch ist dabei das Vorwahlsystem in einem Zweiparteien-Staat mit Mehrheitswahlrecht.

Da fallen kleinen Minderheiten in winzigen Wahlbezirken entscheidende „Swingstimmen“ zu, die politisch von enormer Bedeutung sind, während beispielsweise meine Stimme  - als registrierter Demokrat im riesigen deep blue state New York, de facto irrelevant ist. Bei den Präsidentschaftswahlen gehen mit absoluter Sicherheit alle 28 New Yorker Stimmen des Electoral College an die Demokraten; völlig irrelevant, wie ich abstimme. Das ist schon frustrierend, wenn wenigstens die Partei siegt, die ich auch gewählt hätte. Aber wie übel wäre es erst, wenn ich beispielsweise in Dallas oder Salt Lake City gemeldet wäre? Dann könnte ich mein Leben lang so viel wählen, wie ich will und die Demokraten erhielten immer genau NULL Stimmen. Es ist bereits in Stein gemeißelt, daß Trump alle 40 Texanischen und alle sechs Stimmen aus Utah erhält.

Dennoch; Länder können eigentlich über Dekaden, oder gar Jahrhunderte, recht gut mit so einem System leben, solange die Führungspersonen nicht völlig irre sind. Kompromissbereit agieren und nicht ihr persönliches Wohl immer über das der Allgemeinheit stellen.

Das ist unglücklicherweise aber immer weniger der Fall. Trump zeigt es gerade am Beispiel des US-Justizsystems, das durchaus brauchbar ist, Jahrhunderte funktionierte, aber eben doch nicht ausgelegt ist für einen Extremisten, der pro Tag 250.000 Dollar für Anwälte ausgibt, jeden noch so absurden juristischen Winkelzug abzieht und aufgrund seiner Macht, seiner Milliarden und seiner Unterstützer, nicht von Richtern einzuhegen ist, so daß alle seine Prozesse endlos verzögert zur Farce werden. Allein im ersten Halbjahr 2013 kosteten Trumps Anwälte 40,2 Millionen Dollar. Dieses Jahr wird er locker die 100-Millionen-Dollar-Marke knacken, um seine Juristen zu bezahlen.

Das sind die Typen, die das US-System hervorbringt, an die aber 1787 garantiert niemand dachte, als die Verfassung zu Papier gebracht wurde.

Zurück zum Beispiel Wyoming, dem erzkonservativen Zwerg-Bundestaat, der im US-Kongress lange von der erzkonservativen Liz Cheney aus der legendär konservativen Republikanerfamilie des GWB-Vize Dick Cheney, vertreten wurde.

2023 flog sie aber aus dem Parlament, weil sie den sicheren red seat während der Vorwahlen an die völlig irre Trump-Jüngerin Harriet Hageman verlor. Trump verfügte es so aus dem fernen Mar A Lago. Cheney hatte keine Chance mehr, sich überhaupt zur Wahl zu stellen.

Hageman, 61, denkt gar nicht daran, alle Wähler ihres Staates zu repräsentieren, wie es für einen Staat mit einem einzigen Kongresssitz notwendig wäre. Sie hat die Zeichen der Zeit erkannt, lügt wie gedruckt und kriecht tief in Trumps Hintern; die einzige Macht im GOP-Universum.

[….] Hageman war 2016 und 2020 Delegierte zur Republican National Convention, dem Parteitag der Republikanischen Partei. Bei der Republican National Convention 2016 stellte sie sich gegen den Kandidaten Donald Trump und für Ted Cruz. Trump sei nämlich Xenophob, Rassist und der schwächste Kandidat, den die Republikanische Partei aufstellen könne. Nachdem Trump jedoch die Präsidentschaftswahl 2016 gegen die Kandidatin der Demokratischen Partei Hillary Clinton gewann und Präsident wurde, unterstützte Hageman ihn bei der Republican National Convention 2020. In einem Interview mit den New York Times aus dem Jahre 2021 kommentierte sie diese Entscheidung damit, dass sie die Lügen der Demokraten und der Trumpkritiker in den Reihen der Republikaner nach dessen Präsidentschaft durchschaut habe. Trump sei nämlich der „beste Präsident ihres Lebens“ (englisch greatest president of my lifetime) gewesen.  […..] Diese Entwicklung beschreibt die Vanity Fair als charakteristisch für die Entwicklung der Republikanischen Partei zur Einmannpartei um Trump, obwohl sie ihn vorher eigentlich kritisierte. [….]

(Wikipedia)

Hageman erkannte ganz richtig, daß Widerspruch gegenüber Trump de facto unmöglich ist, weil man sonst seinen Posten verliert. Sie fügte sich, um weiter aufzusteigen. Schließlich braucht Trump bald einen VP-Kandidaten.

Die Harriet Hageman der Ampel heißt Christian Lindner.

Auch hier bieten Grundgesetz, Wahlergebnis und Koalitionsvertrag eigentlich eine Grundlage, um vernünftig zu regieren.

Der dunkle Fürst der Hepatitisgelben versteht aber die Begriffe Koalition und Kompromiss nicht. Er scheint als Vertreter einer in Rekordtempo schrumpfen Kleinstpartei unter der 5%-Hürde, hartnäckig der Realität entrückt zu sein. Er glaubt offenkundig, über eine absolute FDP-Mehrheit zu verfügen und damit nach Gutdünken allein die Politik mit seinen dubiosen Gaga-Vorstellungen bestimmen zu können: Viel mehr Geld für die Bundeswehr, keine Schulden, viel weniger Einnahmen durch großzügige Steuerstreichungen bei den Superreichen, vollständiges Abwürgen der Konjunktur durch Streichung aller staatlichen Investitionen und ABRAKADABRA füllen sich seine Finanzministerkassen von allein.

Der arme Irre begreift keine äußeren Zwänge. Nein, er herrscht nicht absolutistisch, sondern in einer Koalition aus drei Partnern. In dieser Konstellation hat er nicht nur zwei Parteien gegen sich, sondern er vertritt auch noch die mit Abstand kleinste Partei.

Wäre der Mann einen Hauch schlauer als Hagemann, verstünde er seine Aufgabe, als dem Allgemeinwohl dienliche Angelegenheit, wüßte, daß er mit seinen Mikro-Prozenten nur weniges durchsetzen kann und daß seine Dauerblockade allen Ampelparteien massiv schadet. Am meisten aber seiner Eigenen.

Mit jedem anderen Finanzminister könnte die deutsche Regierung gut funktionieren. Die Verfassung ist nicht das Problem, sondern die Verblödung des Urnenpöbels, der eine so offensichtlich unseriöse Flitzpiepe wie Lindner mit Vetomacht ins Parlament schickt.

[….] Absprachen zum Haushalt aufgekündigt [….] Lindner konterte nun, indem er ebenfalls eine Verabredung mit dem Kanzler aufkündigte: Er stoppte die Verabschiedung des neuen Rentenpakets im Kabinett und setzte die SPD damit seinerseits unter Druck. Für die Sozialdemokraten ist die Reform ein Prestigeobjekt.

Damit herrscht in der Regierung einmal mehr jenes Haushaltschaos, das Scholz nach den Erfahrungen des Vorjahres unbedingt hatte verhindern wollen. [….] Torpediert werden alle Einigungsversuche aber nun durch Lindners Veto gegen die Verabschiedung des Rentenpakets, das er vor einigen Wochen mit Heil selbst vorgestellt hatte. "Aufgrund hoher Anmeldungen für den Haushalt 2025 müssen aktuelle Vorhaben neu in den Gesamtkontext eingeordnet werden", hieß es im Umfeld des Ministers. Mit der Reform soll unter anderem festgeschrieben werden, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2039 nicht unter 48 Prozent eines Durchschnittslohns fallen darf. [….] Lindners schlägt durch sein Veto gegen die Verabschiedung im Kabinett so zwei Fliegen mit einer Klappe: Er trifft die SPD an einer für sie empfindlichen Stelle und setzt sie im Etatstreit unter Druck. Zugleich kann er den eigenen Reihen signalisieren, dass beim Rentenpaket das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. [….]

(Claus Hulverscheidt, 08.05.2024)

Dienstag, 7. Mai 2024

Trumps Bettgeschichten

 Im September 2005, als seine dritte Frau Melania mit Barron schwanger war, traf sich Donald Trump mit Billy Bush in einem Tour-Bush, bevor er in einer Folge der NBC soap opera „Days of Our Lives. Access Hollywood“ auftrat und sprach die Worte, die elf Jahre später weltberühmt werden sollten:

„I moved on her, and I failed. I'll admit it. I did try and fuck her. She was married. And I moved on her very heavily. In fact, I took her out furniture shopping. She wanted to get some furniture. I said, "I'll show you where they have some nice furniture." I took her out furniture—I moved on her like a bitch. But I couldn't get there. And she was married. Then all of a sudden I see her, she's now got the big phony tits and everything. She's totally changed her look. I better use some Tic Tacs just in case I start kissing her. You know I'm automatically attracted to beautiful—I just start kissing them. It's like a magnet. Just kiss. I don't even wait. And when you're a star, they let you do it. You can do anything. Grab 'em by the pussy. You can do anything.”

So zu reden, ist legal und Melania Trump erklärte 2016 abwiegelnd, das sei nun wirklich eine Petitesse, se redeten Männer nun mal untereinander. „Locker Room Talk“.

Im Frühjahr 1996 vergewaltige Trump die Autorin E. Jean Carroll. Das ist selbstverständlich strafbar.

Bis 2024 überzog er E. Jean Carroll mit Hetze und Verleumdungen. Dafür musste er 90 Millionen Dollar Entschädigung zahlen.

Trump missbrauchte und vergewaltigte mutmaßlich mindestens 26 weitere Frauen. Das ist strafbar, natürlich. Er kam aber in allen Fällen mit Drohungen, Schweigegeldzahlungen und juristischen Tricks davon.

Als Trumps dritte Frau Melania mit Barron (geboren am 20. März 2006) schwanger war, schlief er offenkundig mit mehreren Prostituierten und Pornosternchen.

Das ist rechtlich völlig in Ordnung und irrelevant für seine Befähigung als Präsident der USA. 2006, am Rande eines Golfturniers in Lake Tahoe an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada, bestellt er Daniels in sein Hotelzimmer, schlief mit ihr und schickte sie schnell wieder weg.

Auch das ist legal.

Zehn Jahre später, im Wahlkampf, inszenierte sich Trump als treuer Ehemann, ließ daher von David Pecker, einem der abscheulichsten Medienmänner des Planeten, seine Sex-Opfer per „catch and kill“ zum Schweigen bringen.

[….] Der ehemalige Verleger des Klatschblattes National Enquirer hat letzte Woche bestätigt, dass er an einer Schweigegeldzahlung Trumps an das Playmate Karen McDougal beteiligt war. Pecker hat in New York ausgesagt, wie er die Veröffentlichung einer Berichterstattung über eine angebliche Affäre des Republikaners mit einem Playboy-Model verhinderte. „Wir kauften die Geschichte, damit sie niemand anderem veröffentlicht würde“, erklärte der mit Trump befreundete Pecker. „Wir wollten nicht, dass die Geschichte Trump in Verlegenheit bringt oder seinem Wahlkampf schadet.“  [….]

(FR, 01.05.2024)

Auch das ist in den USA legal und wird von Trump nicht bestritten.

Trump überwies das Schweigegeld an Stormy Daniels allerdings nicht direkt, sondern über seinen Anwalt Michael Cohen und fälschte dabei seine Geschäftsbilanz, um die 130.000 Dollar, als Honorar im Zuge des Wahlkampfs zu vertuschen.

Campaign finance violation heißt der Strafbestand. Nicht Fremdgehen oder Schweigegeldzahlungen.  Das ist strafbar und deswegen steht Trump in New York vor Gericht und furzt die Zuschauer ins Koma.

Donald Trump ist der Kandidat der evangelikalen Christen, der aber auch von den Bischöfen und Kardinälen der US-amerikanischen katholischen Kirche wegen seiner Wertvorstellungen empfohlen wird. Den katholischen Präsidenten Biden lehnt die katholische Kirche so radikal ab, daß sie ihn nicht einmal mehr zur Beichte zulässt.

Biden ist den Kirchenmännern zu unmoralisch, weil er für queere Rechte, das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und zu allem Übel auch noch gegen das massenhafte Erschießen Unschuldiger bei Amokläufen eintritt. Das HASSEN die Christen und schlagen sich daher voller Glück auf die Seite des Waffen-liebenden Frauenverstehers Donald Trump.

Seine Abwehrstrategie ist einfach: Lügen und Drohen.

Der orange Rüpel führt sich derartig aggressiv auf, daß er nun schon zehn Geldstrafen vom Richter verhängt bekam, weil er immer wieder öffentlich lügt und mit seinen abstrusen Anschuldigungen Zeugen, Richter, Ermittler, die Geschworenen und auch deren Familien bedroht.

[….] Die Temperatur ist ein Omen. Eiseskälte herrscht im Saal 1530 des Kriminalgerichts von Manhattan. [….] Richter Juan Merchan wird sogar noch frostiger. »Guten Morgen, Mr Trump«, sagt er zum Auftakt des zwölften Verhandlungstags im Schweigegeldprozess gegen den früheren US-Präsidenten – aber das ist dann auch die letzte warme Botschaft, die er für den Angeklagten hat.  Denn bevor Merchan die Geschworenen in den Saal ruft und zum Tagesgeschäft übergeht, hat er noch ein anderes pikantes Anliegen. Vor ihm liegt ein Gesuch der Staatsanwaltschaft, Trump wegen seiner wiederholten Verstöße gegen die Benimmregeln des Gerichts zu bestrafen. Und Merchan, so sieht es aus, verliert tatsächlich die Geduld. [….] Der Hintergrund: Außerhalb des Verhandlungssaals beschimpft Trump immer wieder Zeugen und Geschworene dieses Verfahrens sowie Gerichtsangestellte und ihre Angehörigen – darunter Merchans Tochter Loren . Obwohl ihm Merchan das ausdrücklich untersagt hat, mittels einer »gag order«, eines gerichtlichen Maulkorbs , der die Betroffenen vor Übergriffen, wenn nicht sogar vor Gewalt der Trump-Anhänger schützen soll. [….] Wegen dieser wiederholten Auflagenverstöße wurde Trump von Merchan bereits zu 9000 Dollar Geldbuße verdonnert, 1000 Dollar pro nachgewiesenem Fall – eine eher symbolische Summe für den angeblichen Milliardär, der das auch schnell gezahlt hat. Am Montag legt Merchan noch mal 1000 Dollar drauf, aufgrund eines weiteren Zitats – mit der Warnung: »Ab jetzt wird dieses Gericht Haft erwägen.«

Merchan zieht eine klare rote Linie, die auch er selbst nicht mehr ignorieren kann, sollte Trump sie überschreiten. Ein Raunen geht durch den Gerichtssaal. Beugehaft wäre in der Tat rechtlich die nächste Eskalation, wenn Bußgeld nicht zieht. Doch kaum jemand hat erwartet, dass Merchan damit Ernst machen könnte, nachdem seine Kollegen in den vorherigen Zivilprozessen vermieden hatten, den Angeklagten so herauszufordern. Selbst Trump, der dem Prozedere meist im Halbschlaf folgt, horcht auf. Er schaut Merchan an, der direkt zurückblickt.

»Mr Trump, es ist wichtig, dass Sie das verstehen: Sie ins Gefängnis zu stecken, ist das Letzte, was ich tun will«, sagt Merchan. »Sie sind der frühere Präsident der Vereinigten Staaten und möglicherweise auch der nächste Präsident.« Doch 1000 Dollar Geldbuße reichten offenbar nicht »zur Abschreckung«. Der zehnte Verstoß gegen seine Order, fügt Merchan hinzu, sei eine »direkte Attacke auf die Rechtsstaatlichkeit«.

[….] Es wäre ihm eine Ehre, ins Gefängnis zu gehen, behauptet Trump am Ende des Tages: »Ich opfere mich jederzeit.« Es ist freilich zu bezweifeln, dass ein Mann, der eine Phobie vor Bazillen  hat und jeden Tag grell überschminkt  im Gericht erscheint, allzu viel Spaß in der Haft haben dürfte, selbst als Heil bringender »Orange Jesus« . [….]

(Marc Pitzke, 07.05.2024)

Gut möglich, daß Trump also für ein oder zwei Tage wegen seines fortgesetzten Versuche, den Prozess durch Einschüchterungen zu Fall zu bringen, im Knast landet.

Gut möglich, daß er sogar darauf hofft, weil er sich dann umso mehr als Märtyrer inszenieren könnte und seine Millionen fanatischen Jünger noch mehr Geld spenden würden und noch mehr motiviert wären tödliche Gewalt gegen Trumps Ankläger auszuüben.

Die Umfragen für die US-Präsidentschaftswahlen zeigen ein Patt.

Die Amis können sich nicht zwischen Trump und Biden entscheiden.

Hauptschuldige sind daran die Jungen, die Politikfernen und die Liberalen, die sich am Alter oder der Israel-Politik Bidens stören und generell zu dumm sind, um zu begreifen, was auf dem Spiel steht. Sie sehen keinen Unterschied zwischen den beiden Alten und wählen gar nicht. Sie nehmen einen Wahlsieg Trumps billigend in Kauf und beweisen damit, wie funktionsunfähig die Demokratie im Social Media Zeitalter geworden ist.

Montag, 6. Mai 2024

Vor 1000 Jahren

Kann es sein, daß die Evangeliban immer irrer werden?

Die amtierende Ratsvorsitzende Bischöfin Fehrs kann zwar 14 Jahre nach Canisius noch niemanden finden, der mal die Akten über Tausende von protestantischen Pfarrern sexuell missbrauchte Kinder raussucht, aber dafür karrt sie 17.000 Posaunisten in meine Nachbarschaft, die im Hamburger Stadtpark, wie damals die ersten Kreuzritter im Jahr 1099 vor Jerusalem, versuchen gegen die Hamburger Kalifatsanhänger vorzugehen.

[…]  17.500 Musikbegeisterte zum Deutschen Evangelischen Posaunentag in Hamburg erwartet [….] Am kommenden Wochenende werden in Hamburg rund 17.500 Menschen aus ganz Deutschland mit ihren Blechblasinstrumenten den Ton angeben. Fast drei Tage lang ist Deutscher Evangelischer Posaunentag.  Veranstalter dieses größten ehrenamtlichen Bläsertreffens der Welt ist der Evangelische Posaunendienst in Deutschland (EPiD), der Dachverband aller evangelischen Posaunenchöre in Deutschland. […..] Großes Finale ist der Schlussgottesdienst im Stadtpark auf der Festwiese. Bischöfin Kirsten Fehrs hält die Predigt und wird die Musikerinnen und Musiker abschließend mit dem Segen auf ihren Heimweg senden. „Ich freue mich auf dieses kraftvolle Bild von einem positiven Wir", betonte Bischöfin Fehrs im Vorfeld. „Ein dreitägiges Fest mit Pauken und Trompeten, mit dem auch Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar und vor allem hörbar wird.“  [….]

(Nordkirche, 03.05.2024)

Genau, Gottes Liebe wird ja gerade in der Ukraine und in Gaza wieder besonders sichtbar. Viel dazu gelernt haben die Christidioten ganz offenkundig nicht.

1095 hatte der zutiefst sadistische Hassfanatiker Papst Urban II. Europa zu einem Genozid aufgerufen.

Sie sollten alle Ungläubigen im Heiligen Land (und auf dem Weg dahin) töten. Heute verstehen wir unter den Opfern Juden und insbesondere Muslime. Die Begriffe „Muslim“ oder „Islam“ waren damals aber im  zutiefst wissenschaftsfeindlichen christlichen Hochmittelalter gar nicht bekannt. 99% der Bevölkerung waren landlose Leibeigene, die nicht lesen und schreiben konnte, unter erbärmlichsten Bedingungen hausten, nur eine  Lebenserwartung von 35 Jahren aufwiesen. 40% der Menschen starben bereits als Kinder, weil im Christentum Hygiene verboten war und die Kirche Gelehrte als Ketzer ins Feuer warf. Nur ein Prozent der Menschen, der Adel, durfte sich frei bewegen und besaß den gesamten Boden. Das Problem war aber die adelige Erbfolge. Der älteste Sohn erbte allein den gesamten Besitz und Titel. Die jüngeren Geschwister, der niedere Adel, also die heute so idealisierten Ritter, hatten nichts zu tun, kein Einkommen und zogen daher marodierend und vergewaltigend durch die Gegend. Die christlichen Herren mordeten so exzessiv und willkürlich, daß sie zu einer echten Landplage wurden.

Für Otto von Lagery, Papst Urban II. von 1088 bis 1099, den Herrn aller adeliger Herrn, spielten mutmaßlich weniger religiöse Motive oder der Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. eine Rolle, als die Überlegung endlich eine Beschäftigungstherapie für den westeuropäischen adeligen Mord-Mob zu finden.

Das Pack wußte nichts von Muslimen oder anderen Religionen. Für die waren es schlicht „Ungläubige“, deren unverzügliche Ermordung ihr lieber Gott eindeutig befahl. Es war eine Win-Win-Win-Situation. Urban bekräftigte seinen Suprematieanspruch des Papstamtes, die Adeligen des heutigen Frankreichs und Deutschlands hörten auf, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und der niedere Adel konnte nun darauf hoffen, sich in der Levante ebenfalls Ländereien, Grafschaften, Herzogtümer und Königreiche unter den Nagel zu reißen, die in ihrer Heimat den älterem Bruder vorbehalten waren.

Über eine Sache kann es keinen Dissens geben: Während die Christliche Herrschaft im Europa des Mittelalters ein 1000-Jähriger mörderischer Alptraum für die Bevölkerung war, erlebten die Untertanten der Kalifen goldene Zeiten: Reichtum, religiöse Toleranz, Blüte der Wissenschaft und Kunst.

[….] "Für die Europäer ist der Osten Tausendundeine Nacht und steht für Reichtum, schöne Kleidung, junge Konkubinen, blühendes öffentliches Leben, Lieder und Kultur", sagt Elias al-Kattar, Geschichtsprofessor an der Libanesischen Universität. Während der muslimische Osten in Wohlstand lebte, war Europa relativ arm und von Konflikten gebeutelt.  [….]

(Kriege im Namen Gottes, 2018)

Verblödet, wie Christen vor 1.000 Jahren nur einmal waren, gingen sie vor den Toren Jerusalems zunächst einmal mit der Bischöfin-Fehrs-Methode aus dem Hamburger Stadtpark vor. Die halbdebilen ersten Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon, Robert von Flandern und Raimund Graf von Toulouse dachten, die Stadt ließe sich bestimmt wie in der Bibel bezüglich Jericho beschrieben, einnehmen.

[….] Die Kreuzfahrer umschlossen Jerusalem und richteten sich auf eine langwierige Belagerung ein: Unter dem Gespött der islamischen Garnison zogen sie mit frommen Gesängen und schallenden Trompetensignalen um die Stadt und zum Ölberg. Aber die Trompeten vor Jerusalem waren nicht die Posaunen von Jericho: Die Mauern hielten. Inzwischen war auch Peter der Eremit, Führer des sogenannten Bauernkreuzzuges, mit den Resten seiner armseligen Truppe angekommen und hielt auf dem Ölberg flammende Reden. Auch sie vermochten gegen die "Ungläubigen" nichts. Nun wurden die Karren mit den Belagerungsmaschinen, den Sturmleitern und hölzernen Türmen herangefahren. Der Sturm begann Durch einen alten Einsiedler ermuntert, wagten die inzwischen wieder vereinigten Heere der Kreuzfahrer unter gemeinsamer Führung Gottfrieds, Rolands und Raimunds am 12. Juni 1099 bei tödlicher Hitze und ungenügender Vorbereitung den Sturm. Zwar erreichten einzelne Christen die Zinnen der Mauer, aber die seldschukischen Moslime konnten sich behaupten, die Stadt war nicht zu nehmen. Während Ritter und Fußsoldaten ihren Schock erst überwinden mußten - hatte ihnen doch nicht einmal die legendäre Heilige Lanze geholfen -, begannen die Fürsten bereits darüber zu streiten, welchen Titel der künftige Herrscher Jerusalems tragen sollte.  [….]

(Berliner Zeitung, 25.11.1995)

Für die Kreuzfahrer sollte es durch ihre Übermacht doch noch eine Win-Win-Win-Geschichte werden. Für die Bewohner Jerusalems nicht so. Die adeligen Ritter konnten nicht auseinander halten, wer Jude, wer Christ, wer Muslim war. Es war ihnen auch herzlich egal, weil sie ohnehin alle ermordeten. Je mehr Blut sie vergossen, desto zufriedener waren ihr Gott und ihr Papst. Dadurch erlangten sie völligen Ablass aller Sünden und konnten somit ins Paradies einziehen.

Zehn Tage brauchte die Kreuzritter-Armee. Zehn Tage Morden im Akkord. Vermutlich töteten die Vertreter der christlichen Nächstenliebe bei ihrem Genozid in einer guten Woche bis zu 100.000 Menschen. Frauen und Kinder wurden noch vergewaltigt, aber am Ende wurden alle dahingemetzelt. Natürlich zerstörten sie mit großer Freude auch die Al-Kuds-Moschee; drittheiligste Stätte des Islams, nach Mekka und Medina.

[…..]  Nun stand auch der Herzog selbst auf der höchsten Plattform, erst kletterten zwei seiner Ritter auf die Mauerkrone, dann sprangen auch schon Gottfried und die Männer seiner Leibwache. Und das war das Ende der muslimischen Verteidiger Jerusalems. Was kurz darauf passierte, beschrieben Augenzeugen:

„In die Stadt eingedrungen, verfolgten unserer Pilger die Sarazenen bis zum Tempel des Salomo, wo sie den Unsrigen den wütendsten Kampf lieferten, so dass der ganze Tempel von ihrem Blut überrieselt war. Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten, ergriffen sie im Tempel eine große Zahl Männer und Frauen und töteten oder ließen leben, wie es ihnen gut schien.

Bald durcheilten die Kreuzfahrer die ganze Stadt, sie rafften Gold, Silber, Pferde und Maulesel an sich, sie plünderten die Häuser. Dann glücklich und vor Freude weinend gingen die Unsrigen hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren.

Am folgenden Tag erkletterten die Unsrigen das Dach des Tempels, griffen die Sarazenen an, zogen das Schwert und schlugen ihnen die Köpfe ab. Niemand hat jemals von einem ähnlichen Blutbad unter dem heidnischen Volk gehört. Scheiterhaufen gab es wie Steine, und niemand außer Gott kennt ihre Zahl.“

Das Massaker im Jahr 1099 war der Höhepunkt des ersten Kreuzzugs – und der Auftakt zu einem der mörderischsten Kapitel der katholischen Kirchengeschichte. Der Papst hatte zum Heiligen Krieg aufgerufen, offiziell ging es darum, Christen im Osten vom Joch der Muslime zu befreien – in Wahrheit ging es um mehr Macht für den Vatikan und um das Prestige, die Stadt Jesu zu beherrschen. Natürlich trieb die adligen Ritter auch die Gier nach Land, nach Titeln, nach Fürstentümern.  [….]

(Spiegel Geschichte, 2009)

Ich empfehle bei dieser Gelegenheit dringend die vierteilige Dokumentation „Kriege im Namen Gottes - Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht“ von Bilal Momen aus dem Jahr 2018.

Denn wir kennen die Story nur durch die 1000-jährige Schönfärbung durch die christliche Brille. Und selbst aus der Perspektive ist es nur scheußlich.

[….] Die Kreuzfahrer, nach so viel Leiden und Entbehrungen völlig von Sinnen, rasen wie Besessene durch Straßen, Häuser und Moscheen, schreibt der britische Mediävist Steven Runciman. Er stützt sich dabei auf Augenzeugenberichte wie diesen: „Alle Feinde, die sie finden konnten, streckten sie mit der Schärfe ihrer Schwerter nieder, ohne auf Alter oder Rang Rücksicht zu nehmen, und es lagen überall so viele Erschlagene und solche Haufen abgehauener Köpfe umher, dass man keinen anderen Weg oder Durchgang finden konnte als über Leichen.“ [….]

(Florian Stark, 15.07.2017)

Im 21. Jahrhundert wissen wir allerdings auch diesen auf Päpstliche Anordnung verübten Genozid einzuordnen. Es blieb schließlich nicht dabei. Inquisition, Hexenverbrennung. Die Ausrottung von mehr als der halben Bevölkerung Europas im 30-Jährigen krieg, mehr als 100 Millionen von christlichen Conquistadores ermorde Einwohner Süd- und Nordamerikas. Auch der Holocaust wurde von Christen verübt. Ebenso wie das Massaker in Ruanda 1994.

Genozide können sie, die Christen.

Wer im Mai 2024 in Hamburg junge Muslime nach einem Kalifat schreien hört, denkt an den IS in Syrien und dem Irak und Libyen. Wie irre kann man sein, um sich diese Zustände zu wünschen?

Dem muss man aber zwei Dinge entgegenhalten: Etwa 20.000 der sechs Millionen Muslime in Deutschland, haben islamistische Vorstellungen. Es ist eine winzige Minderheit.  Die Muslime in Deutschland sind eine bessere Stütze der Demokratie, als die Christen.

[…..]  Laut einer Allensbach-Umfrage halten 81 Prozent der muslimischen Bürger in Deutschland die Demokratie für die beste Staatsform – in der Gesamtbevölkerung sind es nur 70 Prozent. Auch mit dem Funktionieren des politischen Systems sind sie überdurchschnittlich zufrieden.

Deutsche Muslime bewerten die Demokratie und das Funktionieren des politischen Systems in Deutschland einer Umfrage zufolge positiver als der Durchschnitt der Bürger. Das geht aus einer veröffentlichten Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hervor. So halten 81 Prozent der muslimischen Bürger die Demokratie für die beste Staatsform, gegenüber 70 Prozent der Gesamtbevölkerung. Während in der Gesamtbevölkerung nur 26 Prozent äußern, sie seien mit dem Funktionieren des politischen Systems in Deutschland sehr zufrieden, sind es unter den Muslimen mit deutscher Staatsangehörigkeit 53 Prozent.  [….]

(Welt, 25.08.2021)

Als Atheist möchte ich in gar keinem religiösen Staat leben und wünsche mir eine völlige Trennung von Staat und Religion.

Vor die Frage gestellt, ob ich in der Gegenwart lieber unter IS-Kontrolle oder unter einem christlichen Präsidenten leben möchte, wähle ich selbstverständlich die Christen.

Vor die Frage gestellt, ob ich im elften Jahrhundert lieber in einem Kalifat oder unter päpstlicher Herrschaft leben möchte, wäre aber meine Antwort ganz eindeutig Kalifat. Dann hätte ich die Posaune-spielenden Christen genau so ausgelacht, wie ich heute die EKD-Blechbläser im Hamburger Stadtpark auslache. Die Kalifenherrschaft war sehr viel humaner, toleranter und wissenschaftsorientierter.

(…..) In den Kalifaten mit Sitz in Bagdad und Konstantinopel, denen Abu Bakr al-Baghdadi nun nacheifert wurde erheblich liberaler geherrscht, als es der IS jetzt tut. Und natürlich auch erheblich liberaler, als es Christliche Herrscher der Zeit taten.

Es gab bei Hofe berühmte schwule Dichter, jüdische Minister und Christliche Gelehrte. Deswegen haben wir ja jetzt in Syrien, Irak und Ägypten Millionen Christen!

 […] Mehr als 750 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Kalif am Tigris regierte. […] Das Leben am Hofe der Kalifen von Bagdad hatte nur wenig gemein mit dem, was die Dschihadisten unter einer islamischen Ordnung verstehen. Die Hauptstadt des Reichs war jahrhundertelang nicht nur das Zentrum der Wissenschaften und Künste, sondern auch ein Sündenbabel.

Viele Kalifen, in deren Fußstapfen nun die ISIS-Terroristen treten wollen, liebten den Wein und junge Männer. Und sie beschäftigten Hofpoeten, die das ausschweifende Leben am Tigris-Ufer in Verse packten. Der bekannteste Dichter jener Zeit war Abu Nuwas, der Ende des achten, Anfang des neunten Jahrhunderts zu Zeiten des legendären Kalifen Harun al-Raschid lebte und ein enger Vertrauter des Herrschers war. Er verfasste viele Wein- und Liebesgedichte, zumeist in homoerotischer Form. […] Der Sohn von Harun al-Raschid und Nachfolger auf dem Kalifenthron, al-Amin, trieb es noch bunter. Laut den Überlieferungen der Hofschreiber unterhielt er einen ganzen Harem mit jungen Männern und ließ allabendlich Eunuchen für sich tanzen und singen. […] Alkohol und Glücksspiel waren keineswegs nur das Privileg der reichen Oberschicht. Auch das gemeine Volk zog es in Trinkhäuser und Cafés, in denen es Wein tranken und Backgammon spielte.

Jenseits dieser Ausschweifungen war Bagdad im achten und neunten Jahrhundert unter den Kalifen die Welthauptstadt für Astrologen und Mediziner, Philosophen und Mathematiker. Christliche und Jüdische Wissenschaftler hatten daran entscheidenden Anteil. Und die Stadt war nicht zuletzt Austragungsort erhitzter innerislamischer Debatten über den Koran. […]

 (Christoph Sydow, 22.06.2014)

„Der Islam“ war tolerant und duldete nicht nur Andersgläubige, sondern fühlte sich verpflichtet sie aus Gastfreundschaft zu schützen.

Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich die Maurische Hochkultur in Spanien, als unter Islamischer Kontrolle Wissenschaft und Kunst aufblühten, weil Christen und Juden akzeptiert waren. Dadurch konnten sich im schönsten Multikulti die Wissenschaften gegenseitig befruchten. Daher waren Astronomie, Mathematik und Medizin in Islamischen Herrschaftsbereich Jahrhunderte vor dem Christentum in Nordeuropa.

Die iberische Halbinsel erlebte in den sieben Jahrhunderten maurischer Herrschaft eine beispiellose kulturelle Blüte, bevor mit Isabella der Katholischen alles zerschlagen wurde, Inquisition und Judenverfolgung das Bild bestimmten.
Blüte ist durchaus wörtlich zu verstehen - die islamischen Einwanderer hatten nämlich auch den Blumentopf erfunden und brachten bunte Pflanzen nach Spanien. Sie legten Gärten an.
Ebenfalls aus Arabien importiert wurde die Gitarre - man stelle sich den Flamenco ohne Gitarren und bunte Stoffe vor - so sähe er wohl heute aus, wenn Spanien nur unter Christlichen Einfluss gestanden hätte.
Weitere heute nicht mehr wegzudenkende islamische Errungenschaften sind:
Mehrstöckige Architektur, Burgenbau, Liedgut, Farbige Stoffe, Zuckerrohranbau, Schulwesen, Übernahme der Papierproduktion aus China, Brieftaubenkommunikation, Schach, Kristallglas, golddurchwirkte Stoffe, Muster.

Im 11. Jahrhundert sind Arabische Erfindungen z.B. Uhren, Messgeräte, Hebegeräte und Energiespender, Linsen für Fernrohre und andere optische, astronomische und medizinische Instrumente und Geräte.
Die Christen sind beleidigt, ob ihrer eigenen Doofheit. Die Araber brachten eine derartige Hochkultur hervor, daß die wissenschaftsfeindlichen Christen im Vatikan dies als eine Bedrohung ansahen, auf die sie mit Gewalt reagierten.

Die Kirche fängt an, Forschung mit arabischen Grundlagen zu verbieten und lässt Forscher deswegen in den Kerker werfen oder sogar mit dem Tod bestrafen.
Die Kirche beginnt ihre Weltzensur gegen die überlegene islamische Lebensweise und technische Entwicklung.

500 Jahre Krise nannte Sebastian Schoepp seine feuilletonistische Analyse dieses destruktiven Christlichen Debakels in Spanien.

(Eviva Espana Teil II – 07.06.2012)

Es ist also unerfreulicher heute im IS zu leben als in einem christlichen Land, aber das liegt NICHT daran, daß „der Islam“ oder „der Koran“ grundsätzlich rückwärtsgewandter oder intoleranter als Christentum und Bibel sind.

Bei den Christen hingegen wurden Anders- und Ungläubige NICHT toleriert. Das konnte man wiederum perfekt nach der Vertreibung der Mauren aus Spanien erleben. Unter Isabella, der Katholischen kamen nämlich alle Ungläubigen, inkl „getaufter Juden“ gleich auch den Scheiterhaufen. (…..)

(Islamophobe Umtriebe, 16.09.2014)