Sonntag, 2. Oktober 2016

Homopanik



Wieso haben Populisten, Vereinfacher und Menschenfeinde „im Westen“ gerade so einen Lauf?
Die Frage wird aus vielen wissenschaftlichen Richtungen untersucht. Neben ideologischer und religiöser Indoktrination, neben sozialen und edukativen Schieflagen spielt Angst eine große Rolle.
Viele Menschen fürchten sich vor dem Unbekannten.

Unglücklicherweise stürzen sich Politik und Presse vielfach auf diese Ängste, verstärken sie noch, machen sie gar zum Ratgeber.

Preß- und Online-Profimeiner (deutschlandweit)!
   Wenn Ihr, brav den politischen Konsens nachplappernd, uns nach jedem AfD-Erfolg immer wieder bittet, man müsse „die Ängste der Menschen“, sprich der Rassisten und Fremdenfeinde, ernst nehmen, dann möchten wir Euch einmal ernst nehmen und fragen: Wann wurden eigentlich je vernünftige Entscheidungen aufgrund von Ängsten getroffen? Muß man nicht gerade Ängste überwinden, um nicht sich und andere zu gefährden?
Und wenn Ihr schon dabei seid: Was genau bedeutet eigentlich, wenn Ihr behauptet, die etablierten Parteien hätten die AfD erst erstarken lassen, weil sie die Sorgen und Wünsche der Wähler ignoriert haben? Ist es wirklich so doof wie: Wenn die Union AfD-Politik macht, braucht es keine AfD? Und hätte Merkel demnach also nicht nur, von wenigen Ausnahmen abgesehen, quasi AfD-Politik (Asylpaket II, sichere Herkunftsstaaten, Türkeideal) betreiben, sondern sie genauso dummbratzig herausposaunen sollen, wie die vermeintliche Paria-Partei?
       Will die Antwort lieber nicht wissen:
                   Titanic/Oktober 2016

Nein, ich glaube, wir stünden besser da, wenn veröffentlichte Meinung und Parteien von Linken bis CSU nicht immer wieder rechts geblinkt hätten, um dem Pöbel zu signalisieren „ihr habt schon recht – es sind einfach zu viele Ausländer hier.“

[….] Die empirische Sozialwissenschaft belegt seit Langem, dass es für Fremdenfeindlichkeit keine Migranten braucht. Man muss auch keinen Juden kennen, um Antisemit zu sein. Im Gegenteil: Vorurteile halten sich dann besonders gut, wenn sie nicht mit realen Erfahrungen konkurrieren müssen. In Peenemünde zum Beispiel gab bei der Landtagswahl im September 2016 mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten der AfD ihre Stimme. Im Ort lebt kein einziger Flüchtling." Und in Berlin schnitt die AfD nicht etwa in jenen Bezirken besonders stark ab, in denen ein hoher Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund durchaus auch Probleme mit sich bringt, sondern in den nordöstlichen und südöstlichen Bezirken, wo die wenigsten Migranten wohnen. [….]

Was war das für ein Geschrei im steinreichen Stadtteil Hamburg-Harvesterhude, als vor zwei Jahren der rotgrüne Senat auch in der edlen Sophienterrasse an der Außenalster Flüchtlinge unterbringen wollte.

Anwohner klagten und wehrten sich.
Inzwischen hat sich der Senat aber teilweise durchgesetzt; auch in Harvesterhude leben seit einem Dreivierteljahr Flüchtlinge.
Nun, nachdem die Nachbarn die Neu-Harvesterhuder kennengelernt haben, ist es auf einmal doch vorstellbar, daß eine afghanische Familie durch das edle Pöseldorf-Center spaziert. Die Integration ist zur Erfolgsgeschichte geworden. Man hilft und versteht sich.

Ich glaube schon lange daran, daß der entscheidende Faktor für die zunehmende Akzeptanz Homosexueller in Deutschland nicht Bundestagsdebatten oder CSDs waren. Es waren auch nicht die wenigen, teils schrillen, offen Schwulen, die man aus dem Showbiz kannte.

Wichtiger war die Lindenstraße, die in den 1980ern und 1990ern ein echter Straßenfeger mit 12 Millionen Zuschauer war.
Der erste schwule TV-Kuss 1987 wurde noch übersehen, aber als drei Jahre später erneut Männer bei Mund-zu-Mund-Aktivität gezeigt wurden, brach die Hölle los. Der Bayerische Rundfunk weigerte sich „aus moralischen Gründen“ die Folge auszustrahlen.

Es ging um Folge 225, die am 25. März 1990 lief. Dabei gab es schon vorher zwei Folgen, in denen es zu Zärtlichkeiten kam, für eine Familienserie zu größerer Intimität. Aber Ende März ist es endgültig eskaliert.
Während der Ausstrahlung gab es so viele Anrufer beim WDR, noch Stunden danach noch, dass alles zusammenbrach - man konnte es nicht mal mehr protokollieren. Am Montag drauf fanden Krisentelefonate der ARD-Anstalten auf höchster Ebene statt, mit Hans W. Geißendörfer, denn montags wurde ja in vielen dritten Programmen die Folge wiederholt. Die Folge wurde entschärft, umgeschnitten, kleinere Korrekturen vorgenommen. Aber so etwas hatte es so noch nicht gegeben. Die Folge lief im Original tatsächlich nur einmal.

Ich bin offensichtlich einer der wenigen Menschen, der nie Lindenstraße gesehen hat, aber der Skandal war offensichtlich deshalb so groß, weil sämtliche Spießer der Republik auf einmal mit Schwulen konfrontiert waren. Also diejenigen in kleinen Bayerischen Dörfern, die eben nicht CSDs in Köln mitbekamen oder mal auf einem Frankie-Goes-To-Hollywood-Konzert die überdeutliche Bühnenshow sahen.
Schwule waren dadurch auf einmal im kleinen heimischen Wohnzimmer, kamen durchs Fernsehen aus der Familie, die einem so vertraut war.

Andere Serien zogen nach; bald hatten auch Daily-Soaps wie GZSZ ihr Homopaar und der deutsche Michel erkannte, daß das ganz gewöhnliche Menschen waren, Geschwister, Söhne, die durchschnittliche Frisuren und 0-8-15-Jobs hatten. Das waren also doch keine satanischen Punks, die jeden besprangen, der nicht bei drei auf dem Baum ist.

Genau das ist der Grund weswegen Typen wie Frauke Petry mit schöner Regelmäßigkeit fordern, es müsse weniger Schwule im Fernsehen geben, weswegen „Demo-für-Alle“-Demagogen wie Birgit Kelle und Hedwig Beverfoerde so hysterisch auf Aufklärung in Schulen reagieren.

Sie alle fürchten sich vor der Gewöhnung.
Man kann nur sein braunes politisches Ausgrenzungs-Süppchen kochen, wenn Juden, Schwule und Schwarze Chimären sind, die man noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen hat.
Nur dann lassen sich Ängste und Aggressionen generieren.
Wer aber einen schwarzen Grundschulfreund hat, wer aus dem täglichen Nachmittagsprogramm mit der netten Lesbe von nebenan vertraut ist, ist nicht mehr empfänglich für Parolen der extremen Rechten, der konservativen Kirchler, der US-Republikaner.

Der ultrakonservative Trump-Vizekandidat Mike Pence ist ein Paradebeispiel.
Um seine Agenda durchzudrücken, um genügend Wähler zu gewinnen, muß er die Schwulenschwarzenmuslims nicht nur negativ konnotieren, sondern insbesondere vom weißen heterosexuellen Volk fernhalten.

Wenn man sich erst gegenseitig kennenlernt, könnte sich herausstellen, daß die Homos gar nicht so satanisch sind, womöglich vergewaltigen sie doch nicht auf der Stelle jeden Mann unter 40.

"Homosexuals are not as a group able-bodied. They are known to carry extremely high rates of disease brought on because of the nature of their sexual practices and the promiscuity which is a hallmark of their lifestyle."
Pence also argues in the piece that homosexuality is a "pathological condition."
Pence has also fallen under scrutiny for publishing work in 1993 criticizing gay military members.
Last year as governor of Indiana, he signed the "Religious Freedom Restoration Act," which allows companies to discriminate against LGBT employees and customers based on firmly held religious beliefs. And he's proposed cutting funding for HIV treatment and using the money for "gay cure" therapy.

Homophobie, Xenophobie und Angst vor Juden funktionieren im Sinne von (politisch ausschlachtbarer) Angst nur so lange man keine Schwulen, Flüchtlinge, Juden kennt.

Wenn das Kennenlernen die Angst ablöst, lösen sich viele Probleme in Wohlgefallen auf.

Homophobie, Xenophobie und Antisemitismus im Sinne von Hass auf Minderheiten bleibt hingegen bestehen.
Hasser wie Mike Pence versuchen daher alles, damit ihnen die Angsthasen nicht von der Stange gehen.

Mike Pence’s top seven most homophobic moments (out of many)
[….] Indiana Governor Mike Pence is a darling of the religious right, and with good reason. Over the course of his political career, he has been a crusader (in his white-bread way) for the right’s pet causes. Chief among these, of course, is stopping the “homosexual agenda.”
While Pence is best known for his bumbling attempt to rebrand antigay bigotry as religious liberty last year, that was hardly his first foray into the fields of homophobia. In fact, both as governor and as a Congressman, Pence took the lead in attacking legal equality. He is far and away the most anti-gay candidate to run on a national GOP ticket, which is saying a lot.
[….] 1. Supporting a constitutional amendment to ban marriage equality
[….] 2. Signed a bill to jail same-sex couples for applying for a marriage license
[….] 3. Wanted to divert funding from HIV prevention to conversion therapy
[….] 4. Opposed repeal of Don’t Ask, Don’t Tell
[….] 5. Complained about the passage of the Matthew Shepard Hate Crimes bill
[….] 6. Served on the board of an antigay group
[….] 7. Argued that passing ENDA would ban Bibles from the workplace [….]

Samstag, 1. Oktober 2016

Impudenz des Monats September 2016



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Vorbemerkung:
Unter den meisten Menschen in Deutschland herrscht offenbar Konsens, daß einem aus der rein zufälligen Tatsache der Geburt in Deutschland Privilegien erwachsen, die anderen Menschen mit staatlicher Gewalt verweigert werden müssen.
Wir ärgern uns hier tagtäglich über Stau, Mietensteigerungen, den lokalen Fußballtrainer und natürlich „die Politiker“.
Daß wir uns dabei auf allerhöchstem Niveau ärgern und 90% der Menschheit diese Sorgen gerne hätte, fällt wenigen ein.
Wer hungert oder ethnisch/rassisch/oder-aus-sonstigen-Gründen verfolgt, gefoltert, ermordet wird, hat eben Pech nicht in Deutschland geboren zu sein und soll daher bitte woanders sterben, statt hierher zu kommen.

Ich gehöre zu der kleinen Minderheit, die das anders sieht. Für mich ist es extrem unethisch Wohlstand und Privilegien auf den zufälligen Geburtsort zurück zu führen.


 Unseren Wohlstand und die Sicherheit exklusiv genießen zu wollen, ist zusätzlich unethisch, weil wir sogar vom Elend der anderen profitieren, indem wir Waffen in die Krisengebiete exportieren oder die afrikanische Landwirtschaft ruinieren.

In Wahrheit ist die Rechtslage in Deutschland sogar noch abartiger.
Denn es gilt eben gar nicht das Geburtsrecht, sondern immer noch das völkische Blutrecht, das Ius Sanguinis.
Ich bin auch in Deutschland geboren und habe bis zum heutigen Tage keine deutsche Staatsbürgerschaft, weil mein Vater kein Deutscher war. Meine Mutter war Deutsche, aber Frauen waren damals noch völlig irrelevant für das deutsche Blut und so muß ich bis heute Ausländer sein.
Vielen Dank dafür, CDU.
Man muß sich das mal vorstellen: Die deutsche Staatsbürgerschaft wird mir von einem Mann namens Thomas de Maizière verweigert, dessen Vorfahren bei weitem nicht so lange in Deutschland leben, wie meine. Aber es ist eben die männliche Abstammungslinie, die de Maizière zum deutschen Staatsbürger und somit auch passiv Wahlberechtigten und Innenminister macht.
Ich habe zwar einen viel weiter zurückliegenden Stammbaum als Deutscher, aber leider eben „nur“ über die mütterliche Linie, die, wie schon gesagt, rechtlich immer noch irrelevant ist, weil der Mann mit der männlichen Blutlinie das nicht ändern will.

Das ist also die deutsche Rechtslage – und wenn ich mir die letzten Wahlergebnisse so ansehe, auch die Seelenlage der Nation. Deutschland, den Deutschen, Grenzen schließen, Flüchtlinge abschieben, abkapseln.

Und nun zur Impudenz des Monats September 2016.


Die Flüchtlingspolitik der Groko trifft es diesen Monat zum zweiten Mal – im Mai wurde sie schon einmal geehrt.
Was für eine erbärmliche, amoralische und zynische Politik.

Wir sollten Flüchtlinge nicht abwehren und mit fortwährenden Asylverschärfungs-Gesetzen drangsalieren. Hunderttausenden wird nach wie vor kategorisch verweigert Integrations- und Deutschkurse zu belegen, weil sie aus angeblich sicheren Herkunftsländern kommen, oder aber schlicht und ergreifend nicht entschieden wird, was mit ihnen zu geschehen hat. Hunderttausenden wird nach wie vor die Arbeitserlaubnis verweigert.

Das Bundesamt für Migration wird voraussichtlich bis zu 250.000 Asylanträge in diesem Jahr nicht mehr abarbeiten können - diese Prognose machte Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag in Nürnberg. "Wir werden bis Ende des Jahres etwa 700.000 Anträge entscheiden", sagte der 64-Jährige. "Wir hätten dann einen Überhang von 200.000 bis 250.000 ins neue Jahr".
Ende August waren beim Bamf noch rund 567.500 Asylanträge unerledigt, wie das Bundesinnenministerium Anfang September mitteilte. [….]

Was ist das bitte sehr für eine Behörden- und Verwaltungs-Performance?
Ein Jahr nachdem eine GroKo mit 80%-Sitzmehrheit in der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde mit vor Geld überquellenden Kassen versprach sich verstärkt zu engagieren, sind über eine halbe Million Anträge noch nicht mal angesehen worden??
Ist der Bundesregierung nicht klar welch unzumutbares Leid das über die Menschen bringt, die in Unsicherheit und perspektivlos leben müssen?

Wieso ist der zuständige Bundesinnenminister noch nicht längst entlassen worden?

Nun kommt auch noch heraus, daß statt der bisher immer genannten Zahl von 1,1 Millionen Flüchtlinge im Jahr 2015, in Wahrheit 890.000 kamen, von denen mindestens 50.000 auch nur durchgereist sind und zu Verwandten in anderen Ländern wollten.
Macht unterm Strich rund 840.000 Menschen statt 1,1 Millionen.
Das Bundesinnenministerium und die nachgeordneten Behörden haben sich um eine Viertelmillion Menschen verzählt!
War das Thema „Flüchtlinge“ im letzten Jahr irgendwie minderwichtig und uninteressant, so daß de Maizières Leute nicht so genau hingesehen haben?
Aber mit der 1,1-Millionenzahl wurde Panik verbreitet und Abwehrgesetze begründet.

Wieso ist der zuständige Bundesinnenminister noch nicht längst entlassen worden?

Mehr als eine Million Flüchtlinge - mit dieser Zahl wurde monatelang spekuliert, wenn es um die Einreisen nach Deutschland 2015 ging. Nun korrigierte Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Statistik nach unten: auf 890.000 Flüchtlinge. Mehrfache oder fehlende Erfassung hätten sie verfälscht.
De Maizière  und die Zahlen - kein neues Thema: Im Oktober 2015 behauptete der Bundesinnenminister, ein Drittel der syrischen Flüchtlinge in Deutschland käme gar nicht aus Syrien. Belegen konnte er dies nicht, wie Panorama berichtete. Wie die "Süddeutsche Zeitung" im Mai unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage (Seite 66) der linken Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke berichtet, versucht nur eine verschwindend kleine Zahl von Flüchtlingen, mit gefälschten Papieren Aufnahme in Deutschland zu bekommen.

"Falsche Syrer": Wie der Innenminister Gerüchte schürt


In den ersten drei Monaten des Jahres 2016 stieß das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei der Überprüfung von fast 100.000 Dokumenten auf lediglich 412 Fälle, in denen die Experten die vorgelegten Pässe und Urkunden beanstandeten. Weitere Erkenntnisse, ob und in welchem Umfang überhaupt mit gefälschten oder verfälschten Papieren eine falsche Herkunft vorgetäuscht wurde, liegen den Behörden demnach nicht vor.

Wieso ist der zuständige Bundesinnenminister noch nicht längst entlassen worden?

Freitag, 30. September 2016

Bayerisches Vomitat.



Alexander Dobrindt, der Minister ohne Geschäftsbereich, hat sich endlich neu erfunden:
Er will im Alleingang den Herrenanzug mit großem Karo wieder populär machen.


Es ist schön, daß der Mann mit Modefragen beschäftigt ist; besser als Nichtstun.

[….] Die CSU muss bei der Pkw-Maut ihr Wort brechen
Die Partei sollte sich von ihrem einstigen Lieblingsprojekt verabschieden. [….] Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt erinnert an den Autofahrer in einem alten Witz: Der hört im Radio die Durchsage, es sei ein Geisterfahrer unterwegs, und ruft dann aus: "Was heißt hier einer? Hunderte!" Noch nicht einmal jetzt, nachdem die EU-Kommission ihre Drohung wahr gemacht hat und Deutschland wegen der Pkw-Maut verklagt, kann Dobrindt zugeben, dass er sich mit seinem Mautkonzept verrannt hat. Stattdessen hält er unbeirrt an der Hoffnung fest, der Europäische Gerichtshof werde ihm am Ende recht geben (wofür wenig spricht), und begrüßt die Klage sogar noch.
[….] Insofern ist die Klage gegen die Pkw-Maut nicht nur eine Ohrfeige für Dobrindt. Wobei der wenig Mitleid verdient. Dobrindt ist insgesamt eher eine Fehlbesetzung, wie auch sein Verhalten im VW-Abgas-Skandal zeigt. Da ist er von der Rolle als oberster Aufklärer weit entfernt, die er von Amts wegen einnehmen müsste. Die Klage ist vor allem ein Desaster für Horst Seehofer und damit für die gesamte CSU. Die Partei aus Bayern, die so gerne einen bundesweiten Anspruch erhebt, muss aufpassen, dass sie auf Bundesebene nicht vor allem als Urheberin aller möglichen politischen Schnapsideen wahrgenommen wird, die dann vor Gericht landen. Erst das Betreuungsgeld, das vom Verfassungsgericht gekippt wurde, jetzt die Pkw-Maut, der ein ähnliches Schicksal vor dem Europäischen Gerichtshof droht. [….]

Da die CSU also gerade wieder einmal nichts Sinnvolles zu tun hat, besinnt sie dich auf das einzige, das ihr in den letzten Jahren wirklich gelungen ist: Als xenophobe Rechtsaußen Ressentiments gegen alle Ausländer zu schüren und damit die AfD stark zu machen.
Gerade gibt es einen neuen Vorstoß als Wahlhelfer der Nazis.
CSU und Sachsen-CDU leckten devot den von Frauke Petry hingekotzten Begriff des „Völkischen“ auf.

[….] CSU und Sachsen-CDU preisen "Heimat und Patriotismus" als "Kraftquelle"   Vertreter von Sachsen-CDU und CSU stellen einen "Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur" vor.
[….]  Drei Seiten ist das Papier lang. Nach dem Wunsch der Autoren soll es der Auftakt für eine neue Leitkultur-Debatte in Deutschland sein. Verfasst haben es Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU), der Generalsekretär der Sachsen-CDU, Michael Kretschmer, Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU), der Chef der CSU-Grundsatzkommission, Markus Blume, sowie der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Reinhold Bocklet (CSU). [….] Die Autoren preisen "Heimat und Patriotismus" als "Kraftquelle" der Gesellschaft. [….] Eigentlich hat die Sachsen-CDU derzeit drängendere Probleme als eine neue Leitkultur-Debatte - die sächsische Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla steht gerade wegen ihres Umvolkungs-Tweets in der Kritik. Und Kudlas Kollegin Veronika Bellmann hat mit der Bemerkung, die CDU dürfe Koalitionen mit der AfD nicht ausschließen, für erheblichen Unmut gesorgt. [….]

Die CSU versteht sich nach wie vor als die christliche Partei, die durch ihre kirchliche Orientierung in einem diametral entgegengesetzten Verhältnis zu den gottlosen Linken steht.

Blöd natürlich wenn neuerdings ausgerechnet die Kirchen nicht mehr der Xeno- und Homophobie frönen; wenn Kirchenfürsten es sogar wagen die CSU zu kritisieren.
Das akzeptieren Seehofers Jungs schon mal gar nicht, wenn es gilt sich zwischen Nazis und Kirche zu entscheiden, wählt man die Nazis.

[….] Noch nie zuvor war die Kluft zwischen Katholiken, Protestanten und den Christsozialen so tief wie in den vergangenen Monaten. Bischöfe fordern in der Flüchtlingsfrage mehr Respekt vor der Menschenwürde, CSU-Politiker keilen zurück
[….] Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick will niemandem das Christsein absprechen, natürlich nicht, das gebietet schon die Bibel. Und so sei das C der CSU immer noch gerechtfertigt - "als Zielvorgabe". Die Partei, die sich immer so nah bei der Kirche sah, möge das C beibehalten "und sich danach richten".
Es sind deutliche Worte, die sich die CSU zurzeit von vielen Kirchenmännern anhören muss. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: Alle kritisieren die Flüchtlingspolitik der CSU als unchristlich und die Wortwahl oft als unangemessen. Nun wieder Schick. Es sind die Zeichen einer fortschreitenden Entfremdung.
Die CSU müsse achtsamer sein mit der Sprache, fordert der Erzbischof, "ich habe den Eindruck, dass das zurzeit nicht passiert." Dass die Partei "mit unlauteren Mitteln" versuche, die Wähler am rechten Rand einzufangen und so die AfD klein zu halten, halte er für die falsche Strategie. Der Zweck heilige nicht die Mittel, sagt Schick.
[….] Es sind harte Worte, die Ministerpräsident Horst Seehofer zurückweist. Seine Politik stehe "total" auf dem Boden des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung, sagt der CSU-Chef am Mittwoch. Und dass er sich vom christlichen Menschenbild, vom christlichen Sittengesetz und der christlichen Soziallehre leiten lasse. [….] Umgekehrt wächst auch in der CSU der Grant auf die Kirchen. Justizminister Winfried Bausback, selbst katholischer Christ, nennt die Kritik der Bischöfe auf Facebook "vielfach überzogen, undifferenziert und meines Erachtens auch unchristlich". [….]

Die Irren von der Christ-sozialen Union legen aber noch eine Schippe drauf, indem sie den Maximalspagat inszenieren:
Einerseits ausländerfeindliche Hetze und Blockade aller Maßnahmen, die Flüchtlingen helfen würden und andererseits will sich die CSU aber auch im Glanz der altruistischen Flüchtlingshelfer sonnen, die sich rund um die Uhr ehrenamtlich für die Heimatvertriebenen einsetzen.

Ja, wie eigenartig, daß sich die freiwilligen Helfer jetzt gar nicht so gern von den Karren der CSU spannen lassen wollen, um für Seehofer zu werben!

 [….] Am Samstagvormittag wird Serena Widmann (46) in der Bayernkaserne sein – wie nahezu jeden Tag. Und das, obwohl die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) um 10 Uhr in den Landtag eingeladen wurde.
Dort will Barbara Stamm den Flüchtlingshelfern „ein herzliches Dankeschön“ aussprechen. „Das ist verlorene Zeit und verschwendetes Geld. Ich war einmal bei einem solchen Empfang, weil ich die Hoffnung hatte, mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Doch es gab nur Reden, Sekt und Häppchen. Ich hole mir meine Anerkennung bei den Flüchtlingen“, sagt Serena Widmann.
Bereits im August ging die offene Einladung an Flüchtlingshelfer raus. Doch nachdem Helfer verkündet haben, den Empfang zu boykottieren, sind diese Woche zahlreiche Helfer angerufen und nochmals zum Empfang eingeladen worden.
„Es ist frustrierend, wie uns Ehrenamtlern Steine in den Weg gelegt werden, wenn wir Geflüchteten bei der Integration helfen wollen. Anträge werden nicht bearbeitet, es gibt nicht genug Deutschkurse und undurchsichtige und ständig neue Regelungen, wenn es um Wohnungen und Arbeit geht“, sagt Widmann. [….]