Freitag, 18. Oktober 2013

Die Informationsunwucht.


Das von mir geschätzte Medienmagazin ZAPP (NDR) berichtet hin und wieder über Nachrichten, die nicht in den Nachrichten vorkommen.
Themen müssen nämlich „Konjunktur“ haben.
Spätestens seit das Internet jedem zugänglich ist, liegen die Informationen mit echtem Nachrichtenwert theoretisch jedem vor. Im stetigen Bestreben die Faktenentropie zu vergrößern, breitet sich ein gigantisches Gewusel vor dem Otto Normal-User aus.
In dieser Flut strebt er zum Seichten.
Wieso die Konzepte der Parteien zum Gesundheitssystem nachlesen, wenn man einen Klick weiter Boris-Becker-Tweets oder Dieter-Bohlen-Tiraden konsumieren kann?
„Meinungsmacher“ wie beispielsweise Leitartikler der großen Print-Periodika können zwar Themen setzen und so versuchen bestimmten Problemen eine größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Aber wieso sie einige tote Pferde immer wieder aufgreifen (ich erinnere an 734 SPIEGEL-Artikel über ohnehin eingeräumte Stasi-Kontakte Manfred Stolpes) und dafür echte Megaskandale (bsp das Ignorieren des Verfassungsauftrages der Ablösung der Staatskirchenleistungen oder die Weigerung Merkels Abgeordnetenbestechung zu verbieten) stiefmütterlich behandeln, entzieht sich meiner Kenntnis.
In diesem Blog wurden immer wieder Beispiele für längst aufgedeckte Skandale beschrieben, die aber über Jahre fern der Öffentlichkeit und des Medieninteresses schlummerten.

Da veröffentlicht ein Berliner Jesuit im Jahr 2010 Informationen über sexuellen Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg und es beginnt das Jahr NULL beim Thema „kinderfickende Pfaffen.“
Auf einmal sind alle elektrisiert, plötzlich richten Politiker runde Tische ein, schlagartig wird über Entschädigungszahlungen nachgedacht und sogar die RKK selbst gibt sich Verhaltensmaßregeln, nach denen man sexuellen Missbrauch an kleinen Jungs nicht vertuschen darf (Sensation!).

Der extrem fakenphobische Weihbischof Laun entblödete sich nicht 2010 in einer TV-Runde zu erklären, die RKK habe vorher gar nichts gegen sexuellen Missbrauch unternehmen KÖNNEN, weil sie davon ja gar nichts geahnt hätte.
Daß ganz normale kleine Blogger und ganz normale Mainstreammedien schon seit vielen Jahren über übergriffige Priester berichteten, die anschließend einfach vom Bischof zu den nächsten Opfern versetzt wurden, sollen also die katholischen Bischöfe selbst gar nicht gewußt haben können?
Bischof Müllers persönlicher Pädosexskandal datiert im Jahr 3 v. C. (2007, drei Jahre „vor Canisius“). Er vertuschte Kindersex, zwang die Opfer mit einem Anwalt zum Schweigen, den er später als „Aufklärer“ einsetzte und führte dem „stark auf Buben fixierten“ Päderasten Kaplan K. neue Jungs zu, die dieser auch gleich wieder vergewaltigte. Entschuldigen wollte sich Abschaumbischof Müller nicht und wurde zur Belohnung zum drittmächtigsten Mann des Vatikans befördert. Unfassbare Zustände, die es aber Jahrelang nicht zu einer Welle der Empörung und Kirchenaustritte schafften.

Anfang 2009 begann das kollektive Bejubeln der Wirtschaftskompetenz des Karl-Theodor von und zu Guttenberg.
Er habe schließlich viel Erfahrungen und im familiären Betrieb viel geleistet.
Daß diese Geschichte glatt gelogen war und Googleberg ein unseriöses Windei ist, hatte ZAPP von Anfang an aufgeklärt, aber diese Informationen drangen über zwei Jahre lang nicht durch, obwohl sie jedem zugänglich waren.

Drittes Beispiel; Kreuznet. Eine ganze Bloggergemeinschaft hatte sich gegründet, um den Nazi-affinen Dunkelkatholiken das Handwerk zu legen. Allein der Tammox-I-Blog zeigt unter dem Tag „Kreuznet“ 92 Treffer an. Immer und immer wieder hatte man die offizielle RKK, Staatsanwaltschaften und Politiker um Hilfe gegen das Hetzportal gebeten. Es interessierte niemanden.
Erst eine für Kreuznet völlig durchschnittliche Beleidigung des Komikers Dirk Bach, brachte die Medien in Wallung und führte recht bald zum Aus von Kreuznet.

Ein ähnliches Phänomen zeichnet sich bei den Kirchenfinanzen ab.
Ich kann nicht mehr zählen wie oft ich mich in der Situation wiederfand erklären zu müssen, daß „die Kirchen“ eben nicht „nur Gutes“ im sozialen Bereich mit ihren Kirchensteuern anstellten.
Da ich stets atheistische Buttons am Revers trage, werde ich immer wieder öffentlich darauf angesprochen und ernte jedesmal baffes Erstaunen, wenn ich erzähle, daß es geheime Vermögen in den Bischöflichen Stühlen gibt, daß der Staat Bischofsgehälter bezahlt und daß die Kirchen so gut wie gar nichts bei der Finanzierung ihrer Kindergärten beisteuern.
Zu diesen Themen gibt es hunderte Bücher. Immer wieder haben sich Intellektuelle, die sich über die Apathie der Gesellschaft und die Verlogenheit der Kirchen ärgern, daran gemacht die finanziellen und juristischen Zusammenhänge aufzuklären.
Es gibt aber keine großen Auflagen. Kirchenkritische Bücher führen ein inzestuöses Leben; sie werden fast ausschließlich von denjenigen gekauft, die ohnehin schon sehr gut darüber informiert sind.
Die plump-pathetischen Plattitüden-Bücher der Schwaflerin Margot Käßmann hingegen kommen allesamt in die Bestsellerlisten.
Viele TV-Diskussionsrunden zum Thema Kirche sind zu 100% mit Kirchenfreunden besetzt (so zum Beispiel die letzte Jauch-Sendung zum Thema TVE).

Verirrt sich doch mal ein Schmidt-Salomon oder ein Frerk in so eine Talkshow, wird er leicht mit dem Hinweis auf die transparenten Haushalte der Bistümer ausgekontert. „Können sie alles nachlesen auf der Homepage der DBK“.
Die schwarzen Kassen der Bischöflichen Stühle fallen dabei jedes Mal unter den Tisch.

Faszinierenderweise hat es aber ausgerechnet dieser recht unwichtige Tebartz-van-Elst, der zwar in meinem Blog seit vielen Jahren begeistert beschrieben wird, aber verglichen mit einem Mixa, Laun, Müller oder Meisner auch nicht übermäßig mies ist, geschafft die Medien aufzurütteln. Plötzlich erscheinen überall Hintergrundberichte, die aufdröseln, was das eigentlich für Staatskirchenleistungen sind, die neben der Kirchensteuer noch fließen und was in den ominösen Bischöflichen Stühlen steckt.

Dabei ist der Nachholbedarf auch groß. Vor einigen Tagen erschien ein Übersichtsartikel aus einem Verlagspool in mehreren Zeitungen, der nur so von Fehlern strotze.
Ich hatte das Vergnügen den Schwachsinn in der Hamburger Morgenpost zu lesen.

Warum kassieren Kirchen eigentlich Kirchensteuer?
Sie wird in den deutschen Ländern seit 1803 erhoben, der Staat zieht sie ein. Grund: eine Entschädigung für die Beschlagnahme kirchlichen Eigentums.
Das nimmt die Kirche in Deutschland ein: Die Katholische Kirche nimmt rund 5,2 Milliarden Euro pro Jahr ein, die Evangelische Kirche 4,8 Milliarden.

Hier werden die Mitgliedsbeiträge der Kirchenmitglieder, für die der Staat als Inkassounternehmen auftritt mit den zusätzlichen Staatskirchenleistungen verwechselt.
Jeder einigermaßen engagierte Atheist weiß das selbstverständlich.
Journalisten kommen aber offenbar noch ins Schwimmen.

Grundsätzlich staune ich aber. Sogar die Katholikin Anne Will, die immer freundlich zu den Kirchen war, lädt auf einmal gleich mehrere Kritiker in ihre Sendung und läßt die GROSSARTIGE INGRID MATTHÄUS-MAIER sogar ausführlich ausreden.


Nun hat ausgerechnet der konservative TVE geschafft was die Tradis der RKK unbedingt verhindern wollten: Das Volk interessiert sich für Kirchenprivilegien und Kirchenfinanzen.
Ein Treppenwitz der Geschichte.

Die deutsche Neidgesellschaft macht es möglich. Daß sich ein Bischof eine millionenschwere Unterkunft baut, gefällt dem deutschen Michel nicht.

Dabei ist auch das alles andere als eine Neuigkeit. Kein Bischof wohnt in einer Sozialwohnung oder fährt einen Mittelklassewagen.

Interessanterweise sind die problematischeren Aspekte der Person TVE weit weniger geeignet die Menschen zu echauffieren.
Seine Homophobie, seine Lügen, seine herablassende Behandlung Untergebener stört wenig.
Auch die meiner Ansicht nach widerlichste Episode der TVE-Story, nämlich seine rassistischen Dünkel, finden in der Öffentlichkeit noch kaum statt.

In Südafrika soll Tebartz-van Elst sich "beschämend" verhalten haben
Die deutschsprachige „SüdafrikaNews“ erinnerte unterdessen an „Tebartz-van Elsts Eskapaden“ während einer Südafrika-Reise der deutschen Bischöfe 2006. Damals war er Weihbischof in Münster. Im Mittelpunkt der Afrika-Reise stand das Schicksal von Aidskranken. Die deutschen Gäste hörten Vorträge und sollten sich in mehreren Townships ein Bild von der Wirklichkeit machen. Tebartz-van Elst habe sich „beschämend“ verhalten, zitiert die Zeitung Vertreter von damals besuchten Kirchengemeinden, die die Delegation begleitet haben. Im Township Mfuleni bei Kapstadt habe sich Tebartz-van Elst an seinem ersten Südafrika-Tag „sichtlich über die Menschen dieser Siedlung geekelt“. Der Delegation sei aufgefallen, „dass sich der Weihbischof von den Ärmsten deutlich distanzierte und jeglichen Kontakt von sich aus unterbunden hatte“. Bei den Township-Bewohnern sei es als Abwertung gesehen worden, dass er den schwarzen Gläubigen nicht die Hand gab.
Auch der damalige Kölner Weihbischof Heiner Koch, heute Bischof von Dresden, sei über die Situation vor Ort entsetzt gewesen, schreibt die Zeitung. Anders als Tebartz-van Elst habe er aber Kontakt zu den Menschen gesucht und sich für ihr Leben unter diesen Umständen interessiert.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Ferien



Dieses Blog muß leider für ein paar Tage pausieren.

Hoffentlich kann ich wieder etwas schreiben, bevor TVEs Kopf gerollt ist oder Angie einen Ehevertrag mit Siggi aufgesetzt hat!

LG

Tammox



Mittwoch, 9. Oktober 2013

Neues von TVE - Teil IV


Das nennt man wohl „Opfer der eigenen Erfolgs werden.“
Da ich immer ein Kamphaus-Fan war; sofern man überhaupt einen katholischen Pfaff nett finden kann – aber immerhin hat er sich hart gegen Ratzinger gewehrt – beobachtete ich seinen Nachfolger TVE natürlich sehr genau.
Ratzinger erhob während seines Pontifikats ohnehin nur erzkonservative Fundis in höhere Positionen. Daß er aber in Limburg nach dem renitenten Franz Kamphaus, der sich hartnäckig weigerte schwangere Frauen, die Hilfe suchten, wie vom Vatikan gewünscht mit einem Fußtritt vor die Tür zu setzen, ein Exempel statuieren würde, erwartete ich von Anfang an.
Der Papst mit den Panzerknackeraugenringen, der Palpatine-Optik, dem scharfen Verstand („Kondome verschlimmern das Aidsproblem“), dem Herz für Kinderficker und Holocaustleugner ernannte einen Bischof, der schon bald auf Limburger Ebene ebenso viele Christen aus der Kirche treiben sollte, wie Ratzi auf europäischem Niveau.

Der schönste und bescheidenste Bischof Deutschlands ist natürlich mein Lieblingsbischof; der hier schon viel zitierte Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Er liebt Prunk und Protz, er hat keine Skrupel zu lügen oder gar falsche Eidesstattliche Erklärungen abzugeben und ist zudem auch noch stramm konservativ.
Das Bistum Limburg brachte er wieder auf strammen Vatikankurs.

Einsam, einsamer, Franz-Peter Tebartz-van Elst: Erst distanzierten sich ranghohe Kirchenleute von dem Bischof. Jetzt laufen ihm auch noch seine Schäfchen davon: Nach Informationen des SPIEGEL hat die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Limburg angesichts des anhaltenden Skandals um den Bischof erheblich zugenommen; das zeigen die Zahlen mehrerer Amtsgerichte. Insgesamt haben seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn 2008 bis Ende vergangenen Jahres rund 25.000 Katholiken die Limburger Kirche verlassen.  So war die Zahl der Austritte beim Amtsgericht Limburg im Jahr 2012 mehr als doppelt so hoch wie 2004, als Tebartz-van Elst noch nicht im Amt war. Eigentlich müssen Katholiken ihren Austritt aus der Kirche nicht begründen und dennoch tun es manche: Sie stören sich demnach am "Protzbau" des Bischofs, an seinem autoritären Führungsstil, an seinem Erste-Klasse-Flug nach Indien. […]

Während für Normalsterbliche ein Flug in der Business Class schon wie der pure Luxus erscheint und man über die enorme Beinfreiheit und den Service staunt, ist dieser um ein vielfaches als die Holzklasse teurere Flug noch lange nicht gut genug für TVE. Exzellenz fliegt First Class in die Indischen Elendsviertel zu den hungernden Kinderchen und kann das auch sehr gut begründen.


Es ist doch schön, daß nach dem politischen Aus der Bundes-FDP wenigstens noch einer Futter für die Satiriker liefert.

Stellt man die Ironiemodus mal kurz aus, ist TVE tatsächlich ein Glücksfall für die Atheisten. Selbstherrliche völlig abgehobene Lebensweise, kombiniert mit absolut nicht mehr zeitgemäßen Ansichten und einer geradezu abstoßenden Physionomie.
Natürlich kann TVE nichts dafür wie er aussieht und seine Häßlichkeit hat auch keinerlei Relevanz für seinen Charakter.
Aber in der Metaphysik des Glaubens spielt Sympathie zwischen Gläubigen und ihrem Hirten eine enorme Rolle. Welche Religion ein Führer propagiert ist geradezu nachrangig, wenn er nur gemocht und adoriert wird.
Ich behaupte, daß einem schönen Bischof wie Gänswein, dem „George Clooney des Vatikans“ (ungerechterweise) die Herzen leichter zufliegen als den phänotypisch zumindest stark benachteiligten Gestalten wie Bischof Haas, Krenn oder TVE.

Ein TVE, der fest auf dem Bischofsthron verankert ist und kontinuierlich sein katholisches Unwesen treibt, während man von satirischer und atheistischer Perspektive über seine Machenschaften aufklärt, ist ideal. Schon im kleinen Limburg trieb er 25.000 zahlenden Kirchenmitglieder aus der RKK! Was hätte Er erst als Erzbischof, Kardinal und Apostolischer Legat von Köln erreichen können?
Es war eine ideale Symbiose .
TVE lieferte Vorlage um Vorlage und die atheistische Gemeinde hatte beständig etwas zu lachen. Es gibt atheistische TVE-Fangruppen auf YouTube und auch der Postillion entdeckt die Witzfigur des deutschen Episkopats.
Ein TVE im Bistum wirkt wie eine Buttersäuregranate, die man in eine Hochzeitsgesellschaft wirft.
Was haben wir schon über IHN  gelacht.
Unglücklicherweise haben die TVE-Witze ihre Nische verlassen und breiten sich im Mainstreambereich aus. Oliver Welkes Heute Show berichtet ebenso zuverlässig über TVE wie der Postillon, das Titanic-Magazin oder Boulevardmagazine.


Ähnlich sieht es im seriösen Fach aus. Die liberaleren Journalisten der SZ senken ebenso die Daumen über TVE, wie die stramm konservativen Kollegen von WELT und FAZ.

Autoritätsverlust eines überforderten Bischofs […]
Seit Monaten steht Tebartz wegen eines umstrittenen Neubaus in der Kritik. Auf dem Limburger Domberg ließ er ein "Diözesanes Zentrum" mit Bischofswohnung, einem Schwesternhaus und weiteren Räumen bauen. Ursprünglich sollte der Komplex, der 2010 begonnen und im vergangenen Juni fertig gestellt wurde, 5,5 Millionen Euro kosten.
Nachdem schon länger absehbar war, dass die Summe in Wahrheit viel höher liegen würde, teilte das Bistum nun am Montagabend mit, das Ganze werde insgesamt rund 31 Millionen Euro teuer.
Das ist mehr als fünf Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt. Damit steht Tebartz einmal mehr als überforderter Behördenleiter da, der ein Großprojekt nicht überblicken kann. Als Liebhaber von Protz und Pomp , der sich ein millionenschweres Luxusanwesen genehmigt hat. Als Problembischof, der nicht einmal mehr einen öffentlichen Auftritt in der hessischen Landeszentrale für politische Bildung wagen kann, aus Angst vor der Empörung der Menschen.   […]   Der Autoritätsverlust des Franz-Peter Tebartz-van Elst setzt sich damit fort. Gläubige unterschreiben Protestbriefe gegen ihn, Priester begehren öffentlich gegen ihn auf, Amtsbrüder wie die Kardinäle Reinhard Marx und Karl Lehmann gingen öffentlich auf Distanz. Der Sprecher des Limburger Priesterrats, Reinhold Kalteier, sagte der "Welt": "Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Bischof in dieser Situation sein Amt noch ausfüllen kann." Werner Otto, Frankfurter Pfarrer und Sprecher des bischofskritischen "Hofheimer Kreises", forderte den Rücktritt des Oberhirten.

Bischof Tebartz-van Elst „Er ist entweder ein Betrüger oder krank“
[…] Der Priesterrat in Limburg befürwortet den Rücktritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Sprecher des Priesterrates, Reinhold Kalteier, sagte am Dienstag im Hessischen Rundfunk: „Den Rücktritt zu fordern, das ist Sache des Papstes. Ich persönlich wüsste, was ich zu tun habe.“
Zuvor war bekanntgeworden, dass sich die Kosten für die Errichtung des Bischofshauses auf dem Limburger Domberg auf mindestens 31 Millionen Euro belaufen – das ist mehr als das Fünfzehnfache des ursprünglich vorgesehenen Betrags. Aus welchen Quellen das Geld stammt, ist bislang nicht bekannt. […] In der F.A.Z. ließen sich die drei Mitglieder des Rates, darunter der vormalige Chef der hessischen Staatskanzlei Riebel (CDU) und der Vorstandsprecher der in Köln ansässigen Josefs-Gesellschaft, einem der bundesweit größten kirchlichen Träger von Sozialeinrichtungen, daraufhin mit den Worten zitieren, sie seien  „durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt worden“. Riebel sagte der F.A.Z. am Dienstagabend über das Verhalten des Bischofs: „Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist.“
Auf die Frage nach den Konsequenzen, die der Bischof ziehen solle, sagte der frühere Politiker, das müssten der Bischof und der Heilige Vater in Rom entscheiden. „Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar.“   […]

Die Kritik an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen der Kostenexplosion beim Bau des Limburger Bischofssitzes reißt nicht ab. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller forderte jetzt den Papst auf, eine Amtsenthebung gegen Tebartz-van Elst einzuleiten. "Der Bischof wird vermutlich an seinem Stuhl kleben, da gibt es nur noch einen Weg: die Amtsenthebung durch den Papst. Das ist eindeutig", sagte der Münsteraner Professor dem Kölner Stadt-Anzeiger. Den Bischof bezeichnete Schüller als "unfähig, uneinsichtig und offensichtlich krank".
[….]   Auch Jochen Riebel, Mitglied im Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls in Limburg, sagte: "Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist." Auf die Frage, welche Konsequenzen Tebartz-van Elst ziehen sollte, antwortete Riebel: "Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar." Obwohl er mehrfach dazu aufgefordert worden sei, habe der Bischof weder Haushalte für 2012 und 2013 noch Einzelprojekte zur Genehmigung vorgelegt, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sagte Riebel, ehemals Leiter der Hessischen Staatskanzlei, der Mittwochsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. [….]  In Anspielung auf die Zehn Gebote projizierte der Lichtkünstler Oliver Bienkowski am Dienstagabend die Worte "Du sollst nicht stehlen" auf das Domportal. Er habe in der Zeitung von den hohen Mehrkosten für den neuen Bischofssitz gelesen und angesichts der Ungerechtigkeit ein Zeichen setzen wollen, sagte Bienkowski. In Afrika hungerten die Menschen - in Limburg hingegen würden 31 Millionen Euro für einen Privatbau ausgegeben.

Dies sind alles wunderbare Artikel für einen Atheisten! Denn welcher halbwegs anständige Christ würde jetzt nicht den Austritt aus der RKK erwägen?
Allerdings ist der Bogen langsam überspannt. Die Vorwürfe sind so massiv, daß ich jetzt ernsthaft befürchte der Bischof von Limburg könnte TATSÄCHLICH zurück treten!
Auch konservative Religioten müssen zugeben sich bei dem Satz zu gruseln:

„Er selbst traut sich nicht mehr vors Publikum."

Na, das sind ja ideale Voraussetzungen für das Amt eines Oberhirten!
Da werden Marx und Zollitsch bald ein Köpferollen wie damals mit Mixa veranstalten.
Und dann ist es am R4-fahrenden Zehenlutscher einen TVE-Nachfolger zu benennen.
Der römische Einlunger wird womöglich einen sehr bescheidenen und sympathischen Mann als Post-TVE aussuchen.
VERDAMMT!
So einer würde womöglich wieder  Gläubige zurück in die Kirche holen.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Von der Gnade der augenblicklichen Geburt




 Wieso sind wir eigentlich da, wo wir sind, im glücksseligen Kontinent Europa? Weil wir da zufällig geboren sind. Sich etwas auf den eigenen Geburtsort einzubilden, ist allerdings grotesk, weil man das noch weniger als seine Größe oder Augenfarbe beeinflussen kann.
Der Geburtsort hängt nur damit zusammen, wo sich die Mutter zufällig gerade aufhielt. Und das kann gerade bei unseren Vorfahren sehr unterschiedlich sein.
Seit die Kimbern, Teutonen und Ambronen vor 2200 Jahren von Island oder Jütland südlich zogen, um die Römer zu vertreiben, wandern Europas Völker unablässig umher.
Man ist heute in Polen, Russland und Norddeutschland nicht vom Anbeginn der Zeit so arisch blond, sondern weil Gustav-Adolfs schwedische Soldaten im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 so ziemlich alles poppten, das nicht bei drei auf dem Baum war.
Auch die Namen Buschkowski oder Sarrazin zeigen, daß deren Vorfahren Einwanderer waren.
Und die ach so stolzen „Mir-san-mir“-Bayern entstammen einem wilden Gemisch aus umherwandernden Merowingern, Franken, Kelten, Goten, Germanen und Romanen.

Was bildet sich eigentlich der widerlich-xenophobe Innenminister Friedrich ein Flüchtlinge grundsätzlich zu kriminalisieren und es dabei zu belassen „Schleuser“ zu bekämpfen?
Als ob die Fluchtursachen dadurch verändert würden. Es ist aber gerade Deutschland, das auf EU-Ebene auf eine Militarisierung der Grenzschutzes besteht und das Wohl der Flüchtlinge blockiert.
Den Notleidenden, die wirklich Schutz brauchen, zeigt die an Christlichen Werten orientierten Kanzlerin den Stinkefinger.

Nicht das Boot ist voll, sondern das Maß, Herr Friedrich!
Zu den Äußerungen von Bundesinnenminister Friedrich und zur Flüchtlingspolitik der EU erklärt Renate Künast, Fraktionsvorsitzende:
Wenn ein Innenminister, der immer auch Verfassungsminister ist, über einen angeblichen Missbrauch von Grundrechten schwadroniert, dann müssen bei allen Verfassungspatrioten die Alarmglocken schrillen. Herr Friedrich glaubt offenbar, er könne das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU auf Wohlhabende beschränken. Das ist kein demokratisches Verständnis von Grundrechten, sondern allertiefstes Stammtischniveau.
Angesichts der Tragödie von Lampedusa ist es beschämend, dass der deutsche Innenminister seine "Das Boot ist voll"-Rhetorik pflegt, statt darüber nachzudenken, was unser Land mehr tun kann, um Flüchtlingen zu helfen.
Wir erwarten von der Sitzung der EU-Innenminister heute Taten: Die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot muss unverzüglich verbessert werden. Flüchtlingsboote dürfen nicht mehr zur Umkehr gezwungen werden. Besatzungen, die Flüchtlingen in Seenot helfen, dürfen nicht mehr mit Strafe bedroht werden. Darüber hinaus muss den Flüchtlingen ein effektiver Zugang zum europäischen Asylsystem gewährleistet werden.

"Der Bundesinnenminister wirft Nebelkerzen, statt Flüchtlingen konkret zu helfen und das Sterben an Europas Grenzen zu beenden", so Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf das EU-Innenministertreffen. Jelpke weiter:
"Friedrich erteilt jeder konkreten Verbesserung der Situation für die Flüchtlinge in und an den Grenzen der EU eine Absage. Er lehnt eine solidarische Lastenteilung innerhalb der EU ab und ist so mitverantwortlich für die miserablen Zustände in den Aufnahmelagern in Griechenland und Italien. Zur angeblichen Rettung von Bootsflüchtlingen will er ausgerechnet Frontex weiter aufrüsten und verweist auf das neue Überwachungssystem EUROSUR. Doch diese Einrichtungen dienen nicht der Hilfe für Flüchtlinge, sondern ihrem Fernhalten von den europäischen Grenzen. Den Vorschlag des Europäischen Parlaments, die Aufgaben von EUROSUR auf die Seenotrettung auszuweiten, haben die europäischen Innenminister geschlossen abgelehnt.
Auch die Forderung nach einer Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern von Flüchtlingen verstellt den Blick auf die eigentlichen Probleme. Es ist die aggressive Freihandelspolitik der EU, die die lokalen Märkte in Afrika zerstört. Es ist die Fischereipolitik, die den afrikanischen Fischern ihre Lebensgrundlage raubt. Doch den schwarzen Peter für die Folgen der neokolonialen Ausbeutung Afrikas will Friedrich den betroffenen Staaten selbst zuschieben"

Bevor die Grünen überhaupt in Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU gehen, verlangen sie ZU RECHT erst einmal eine Entschuldigung für Dobrindts widerliche Angriffe unter der Gürtellinie.

Roth forderte eine Entschuldigung von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der im Wahlkampf von einem "Pädophilen-Kartell" bei den Grünen gesprochen hatte. "Nach all den Entgleisungen Dobrindts wäre eine Entschuldigung des Generalsekretärs als vertrauensbildende Maßnahme notwendig", sagte sie. "Er hat wirklich unter die Gürtellinie gegriffen."
Der Co-Vorsitzende Cem Özdemir betonte, für die Union sei es leichter, eine Koalition mit der SPD einzugehen als mit den Grünen.

Aber abgesehen vom Entschuldigen:
Kann man es überhaupt moralisch vertreten mit so einer inhumanen, fremdenfeindlichen Union ins K.O.alitionsbett zu steigen?
Ich meine nein. Politisch  vielleicht schon.

Die CSU’ler, die gegen Minderheiten und Ausländer hetzten sind jedenfalls nicht diejenigen, die ich mir als Regierungspartner meiner Partei wünsche.

Als Konsequenz aus der jüngsten Flüchtlingstragödie vor Lampedusa fordert die CSU die Einführung einer Maut für illegale Mittelmeer­über­querungen. […] Innenminister Hans-Peter Friedrich und Verkehrsminister Peter Ramsauer erklärten heute bei einer Pressekonferenz, warum die CSU die Maut schnellstmöglich im EU-Parlament beschließen lassen will.
"Es kann nicht sein, dass diese Ausländer unser schönes Mittelmeer mit Leichen zumüllen und nichts für die Bergung bezahlen", wetterte Ramsauer, während Friedrich zu bedenken gab: "Was für Sattelschlepper auf deutschen Autobahnen gilt, muss auch für Menschenschlepper auf dem Mittelmeer gelten."
Sobald die Mittelmeerüberquerungsmaut beschlossen ist, kann in allen größeren nordafrikanischen Städten eine Vignette erworben werden, die gut sichtbar am Boot befestigt werden muss. Wochen- (25 Euro), Monats- (50 Euro) und Jahresvignetten (200 Euro) sollen dabei jeweils günstiger sein als Vignetten für eine einmalige Überfahrt (10 Euro). Booten in Seenot wird nur dann von der Küstenwache geholfen, wenn sie über eine gültige Vignette verfügen und diese noch gut sichtbar aus dem Wasser ragt.

Dem Verfassungsminister aus Bayern ist die Würde der Menschen einerlei. Er will sie nur wegschicken. Nur ein toter Flüchtling ist ein guter Flüchtling in seinen Augen

Der Bundesinnenminister heizt die Stimmung gegen Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien an. Auch einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen steht er im Weg.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verlangt von Brüssel grünes Licht für ein härteres Vorgehen gegen sogenannte Armutseinwanderer aus Ländern der Union. EU-Justizkommissarin Viviane Reding dürfe nicht „länger um den heißen Brei herum reden“, ob Wiedereinreiseverbote bei Missbrauch des Sozialsystems möglich seien, sagte Friedrich am Dienstag bei einem Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg. Die EU-Kommission bezeichnete Klagen über steigende Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien als vielfach „hoch übertrieben“.
[….]  Die harte Haltung Deutschlands in der Flüchtlingspolitik zeigt sich auch im Streit um eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen, die nach dem Schiffsunglück von Lampedusa mit über 230 Toten entstanden ist. Eine geforderte Neuausrichtung der EU-Politik scheitert am Widerstand mehrerer Staaten, darunter der Bundesrepublik. Beim Treffen der EU-Innenminister am Dienstag in Luxemburg zeichnete sich keine Mehrheit für eine Änderung der umstrittenen Regeln ab, wonach in Europa das Land, in dem ein Flüchtling die EU erreicht, für das Asylverfahren und die Unterbringung verantwortlich ist.

So hart es klingt:
Die Möglichkeit den Ausländer-verachtenden Friedrich aus dem Kabinett zu werfen, macht eine Große Koalition schon wieder attraktiv.