Montag, 4. Mai 2020

Manische Abneigungen


Die meisten von uns haben irgendwelche irrationale Abneigungen, die sich nicht auf reale Gefahren wie Waffenexporte oder Kriminalität beziehen.
Man kann sie genauso wenig erklären wie besondere Zuneigungen. Man muss es auch nicht.
Während meine Freundin den ganzen Tag voller Entzückung Katzenvideos anguckt, liebe ich Zicklein, Lämmer und Vögel viel mehr.
Na und?
Zu den vielen vielen politisch unbedeutenden Dingen, die ich subjektiv nicht mag gehören so unterschiedliche und irrelevante Dinge wie Countrymusik, die Worte „lecker“ und „Stulle“, Sandalen, Tattoos, Litschis, Piercings, die Kombination aus Früchten und Schokolade, Vollbärte, Sächsisch, nackte Füße, Comics oder Schuhe mit dicken Sohlen.
Natürlich weiß ich aber wie persönlich diese Empfindungen sind bin daher völlig zufrieden damit sie zu meiden.
Nie käme ich auf die Idee anderen Menschen Schwarzwälder Kirschtorte, Taylor-Swift-Songs oder Arschgeweihe zu missgönnen oder gar zu verbieten.
Schließlich handelt es sich nur um zufällige, persönliche Abneigungen.

Wenn Abneigungen hingegen so stark werden, daß man sie immer wieder artikuliert und die abgelehnten Dinge/Personen/Phänomene aktiv bekämpft, muß man an einer Art Trauma leiden oder auf andere Art zutiefst persönlich betroffen sein.

Noch mal zur Erinnerung; ich spreche nicht über reale Gefahren wie Trump, die AfD oder Angriffe auf die Pressefreiheit – dagegen sollte man starke Abneigungen empfinden und sie im Interesse der Allgemeinheit aktiv bekämpfen.
Ich betrachte hier lediglich harmlose Dinge, deren Existenz einen gar nicht tangiert.

Abneigungen, die so manisch werden, daß derjenige, der sie empfindet nicht aufhören kann darüber zu sprechen, sie zu verdammen, haben eine tiefenpsychologische Komponente.

Als Beispiel dafür kann das ewige Mega-Faszinosum „Analverkehr“ für die täglich von Millionen Menschen angeklickte katholische Website „Kreuz.net“, 2004-2012.
Jeden Tag kreisten neue „Artikel“ mit kreativen Neologismen um die Sexualpraktiken schwuler Männer im Bett.
Sie wurden in drastischer Anspielung auf die anale Penetration „Kotstecher, Gomorrhisten, Sodomisten, Schokostecher, Widernatürliche, Homoperverse, Praktizierende von Brechreizturnübungen, Bundestagsschwuchtel, Verwender von Gummi-Isolatoren, Homoverrückte“ und vieles andere mehr genannt.
Es war für jeden Leser sofort offensichtlich, daß die Dunkelkatholiken aus dem Umkreis der FSSPX, süddeutschen und österreichischen Diözesen an nichts anderes, als Penisse, die in Mastdärmen stecken denken konnten.
Warum?
Wieso sollte das für heterosexuelle Männer, oder gar Zölibatäre von Interesse sein? Weshalb sprachen sie nie über die tausend weiteren Sexualpraktiken, die sie ebenfalls nicht selbst durchführen?

Eigentlich halte ich es für eine positive Form der Zuwendung und aufmerksames Interesse an den Mitmenschen, wenn man bei Gelegenheit auch mal nachfragt wie sexuelle Vorlieben funktionieren. Übermäßige Verklemmtheit ist kein Wert an sich.
Aber wer über neun Jahre mit erheblichen publizistischem Aufwand, ein Millionenpublikum unterhaltend jeden Tag aufs Neue den Analverkehr thematisiert, sich fasziniert in fäkalen Konnotationen über Schließmuskelstörungen ergeht, handelt es sich eindeutig nicht mehr um ein übliches Grundinteresse an den Mitmenschen, sondern um eine schwere psychische Störung. Die banalste Erklärung; es handele sich dabei in Wahrheit um verdrängte eigene Homosexualität, den unterdrückten und daher überkompensierten Wunsch selbst Analverkehr zu betreiben ist so naheliegend wie vermutlich richtig.

Joseph Ratzinger ist so etwas wie die menschliche Inkarnation Kreuznets.
Der heute 93-Jährige wurde vor fast genau 15 Jahren zum Papst gewählt. 

Nach katholischem Verständnis führte im Konklave der Heilige Geist – also Gott selbst – den Kardinälen die Hand.
So wurde der vorher schon in der RKK nahezu allmächtige „Panzerkardinal“ unfehlbar. Die päpstliche Unfehlbarkeit – Infallibilitas - ist ein von Pio Nono 1870 eingeführtes Dogma und daher auch nicht zu ändern.
Der Stellvertreter Gottes auf Erden irrt sich nicht.
Eine prima Sache für den bayerischen Geronten, der vor 69 Jahren zum Priester geweiht wurde.

(……) Das Papstamt steht für maximale Machtfülle.
Er wird direkt vom Heiligen Geist (=Gott) ausgesucht, amtiert folglich auf Lebenszeit als Stellvertreter Gottes auf Erden.
Weltlich betrachtet ist es ein absolutistisches Amt. Ein Papst ist nicht nur oberster Chef der Exekutive, Judikative und Legislative, sondern er ist praktischerweise auch noch unfehlbar.
Noch beindruckender ist seine kirchenrechtliche Stellung.

   Franzi verfügt über Primatialgewalt (der Primatsanspruch des Papstes ergibt sich aus Matthäus 16 : Als Nachfolger des Apostels Petrus, irdischer Stellvertreter Jesu Christi und Hirte der Universalkirche verfügt der Papst in der römisch-katholischen Kirche „über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“ (can. 331 CIC).
Der Papst ist Träger der Höchstgewalt (potestas suprema); es steht also nichts und niemand über ihm; und der
 Vollgewalt (potestas plena), also maximale Gewaltenfülle in materieller und formeller Hinsicht. Materiell meint, daß sich päpstliche Gewalt über absolut alle Sachgebiete der Kirche erstreckt. Formal heißt Amtsgewalt des Papstes über Exekutive, Legislative und Judikative umfasst.
Franzi ist oberster Richter der Kirche und zwar ohne sich selbst an kirchliches Recht halten zu müssen (prima sedes a nemine iudicatur). Was er entscheidet ist daher automatisch letztinstanzlich und unanfechtbar.
Die Primatialgewalt ist unmittelbar (potestas immediata), so daß sich der argentinische Einlunger willkürlich in alles was ihm beliebt einschalten kann ohne irgendwelche Vorinstanzen abwarten zu müssen.
Ferner verfügt Bergoglio über Universalgewalt (potestas universalis), kann also seine Primatialgewalt auch auf alle Teile wie Bistümer, Klöster, Pfarren anwenden; und:
bischöfliche Gewalt (potestas vere episcopalis) und frei ausübbare Gewalt. Kein Kardinal, kein Kirchengericht, noch nicht mal alle 4.000 Bischöfe der RKK zusammen können Franzi bei seinem Machtgebrauch hindern. (…..)

Er rehabilitierte die antisemitischen Holocaustleugner der FFSPX, ließ die uralte tridentinische Messe wieder zu, trat allen an der Ökumene Arbeitenden kräftig in den Hintern, beleidigte andere Religionen, erklärte Kondome zu Schuldigen an der HIV-Seuche und bekräftigte die Absage an jede Aufwertung von Frauen in der RKK.
Was man eben so macht als Stellvertreter Gottes.
Aber er hatte ein Thema, das ihn über alle Maßen faszinierte und das er bis heute nicht loslassen kann: Homosexualität.


Er hasst Schwule wie die Pest und kann einfach nicht aufhören sich über Homoehe, homophil veranlagte Priester oder Homo-Toleranz zu beklagen.
Während zu Zeiten JP-IIs (1978-2005) schwul veranlagte Priesteramtskandidaten durchaus studieren durften, weil die sexuelle Vorliebe für Frauen und/oder Männer irrelevant ist, wenn man ohnehin im Zölibat lebt und niemals im Leben Sex hat, verbot Ratzinger weltweit Männern mit den leisesten schwulen Gedanken schon ins Priesterseminar aufgenommen zu werden.
Der Effekt ist natürlich klar: Menschen mit verdrängter eigenen Homosexualität zieht es nun noch mehr in Priesterseminare, weil sie dort die Sicherheit haben, daß niemals drüber gesprochen werden darf.
Da Ratzinger anders als seine Fanseite Kreuznet (im Dezember 2012) bei seinem nur wenige Wochen später im Februar 2013 folgenden Rücktritt aber nicht untertauchte, sondern als unfehlbarer Papst weiterhin im Vatikan sitzt, kann er auch nicht von seinem Lieblingsthema lassen.
Geiferig achtet der Altpapst darauf weiterhin Machtworte sprechen zu können.

  (…….)  Die schlichten weißen Gewänder des Polens verachtet Ratzinger und schwelgte im Luxus. Nun konnte es gar nicht genug Gold und Edelsteinig sein.
Benedikt trug Hermelin, rote Prada-Schühchen, verschiedene Camauri in Samt, Seide und Damast – stets mit teuerster Hermelinfütterung. Goldene Luxus-Roben, die er aber stets nur einmal trug.
 Und natürlich immer wieder seine heißgeliebten Pracht-Mozzetti: Die Mozzetta aus weißem Seidendamast mit Hermelin gefüttert, die Mozzetta aus rotem Tuch mit Hermelin gefüttert, seine Mozzetta aus rotem Samt mit Hermelin gefüttert.

Ganz sicher ist immer noch nicht, weswegen Benedikt XVI. im Jahr 2013 zurücktrat. Ich kenne viele Gerüchte, er wäre von dunkeln Kräften rund um den Opus Dei mit Schwulen-Geschichten erpresst worden. Das kann ich aber a) nicht verifizieren und b) wäre es aus Sicht der Legionäre Christi oder des Opus Dei kontraproduktiv einen derart konservativen Papst abzusägen.
Möglicherweise hatte er wirklich einfach keinen Bock mehr. 

Seinem Nachfolger versprach er aufgrund der ungeklärten Machtverhältnisse zwischen zwei Päpsten auf engstem Raum im Vatikan-Kloster Mater Ecclesiae ein Leben in Stille und Gebet zu führen.

Bergoglio wußte aber bald Bescheid. Wieder einmal hatte Joseph Ratzinger gelogen. Keineswegs würde er auf die Insignien seiner Macht verzichten.
Der Ex-Papst nennt nicht wieder „Pater Ratzinger“, verzichtet auf keine Privilegien und schon gar nicht denkt er daran wie andere ehemalige Kardinäle eine einfache schwarze Soutane zu tragen. 


Ratzi fährt das volle Protz- und Prunk-Programm weiter.

[……] Leb­te Ratz­in­ger tat­säch­lich wie ein Ere­mit in sei­nem Klos­ter, wäre vie­les ein­fa­cher. Aber der Mann aus Marktl am Inn un­ter­zeich­net sei­ne Post be­harr­lich mit »Papa eme­ri­tus«, trägt wei­ter die wei­ße Sou­ta­ne und das Schei­tel­käpp­chen ei­nes Pon­ti­fex und er­teilt den apos­to­li­schen Se­gen. Sich nicht von den äu­ße­ren An­zei­chen des Pap­st­amts tren­nen zu wol­len, sei ein Aus­druck un­er­hör­ter Ar­ro­ganz, zürnt ein Ratz­in­ger-kri­ti­scher Kar­di­nal. [….]
(DER SPIEGEL, 01.02.2020) (……)

 
Als Stellvertreter Gottes hackt Ratzinger auch im Jahr 2020 wie eh und je auf Schwule ein.

[…..] Der emeritierte Papst Benedikt XVI. distanziert sich in einer neuen Biografie deutlich von Ehen zwischen Homosexuellen. „Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen.“
Heute sei gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstelle, so der ehemalige Papst. […..] „Die moderne Gesellschaft ist dabei, ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird. Die Furcht vor dieser geistigen Macht des Antichrist ist dann nur allzu natürlich.“ Nach Ansicht des früheren Kardinals Joseph Ratzinger liegt „die eigentliche Bedrohung der Kirche“ in einer „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien“. […..]

 
Ich behaupte: Kein heterosexueller Mann kann über so viele Jahrzehnte eine derart manische Abneigung gegen Schwule kultivieren, wenn er nicht selbst halbschul ist und stets mit entsprechenden Gelüsten hadert.
Auch mit 93 scheint den alten Mann homosexuelle Liebe enorm zu triggern.

[……] Während seiner Amtszeit von 2005 bis 2013 hatte Ratzinger immer wieder vor eine Ausweitung von LGBTI-Rechten gewarnt. So behauptete er 2012, die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sei eine "Manipulation der Natur" und führe zum Verlust der "Würde des Menschen" (queer.de berichtete). […..]


Soso, der Mann, der den ganzen Tag bunte Kleider trägt, nie was mit einer Frau hatte, aber glücklich mit seinem hübschen Gänsi in einem Staat mit einer mutmaßlichen Zweidrittel-Schwulenquote lebt, ist gegen die Homoehe.
Was ist er so garstig? Hat ihm wieder ein Messdiener in die Eichel gebissen?


Sonntag, 3. Mai 2020

Nicht weiter so


Gemessen an den kriminell-tödlichen Schreihälsen in Brasilia, London oder Washington ist es ganz schön eine Bundeskanzlerin zu haben, die in ganzen Sätzen sprechen kann und die im Gegensatz zu Beispielsweise Ministerpräsident Laschet auch weiß was ein „R-Wert“ ist.

Quelle: "Spiegel" Nr. 19 vom 2.5.2020, S.26

Kein Journalist im deutschen Sprachraum schreibt über den erratisch lügenden Trump und seine vollkommen irren Presse-Rallies, ohne im Angela Merkels moderierende Methode lobend zu erwähnen.
„Moderierend“ ist ihr signature-move, um es neudeutsch auszudrücken.
Der Terminus ist insofern passend, daß die Kanzlerin tatsächlich allgemeine Ruhe bevorzugt und aufbrausende Charaktere wie Johnson, Erdoğan, Berlusconi, Seehofer oder Trump gern an sich abtropfen lässt, indem sie deren Attacken stoisch ignoriert und zumindest öffentlich vollkommen unfähig ist zu schmollen, beleidigt zu sein oder Ehrverletzungen zu fühlen.
Typischerweise wendet sie sich bei den nun so üblichen Bund-Länder-Konferenzen an sachorientierte, ruhige, kompetente Player wie Tschentscher und Scholz, während sie ADHS-Armin wie ein Kindergarten-Blag nach einem Pfund Zucker unter die stille Treppe stellt.
Diese moderierende Merkel-Methode (MMM) ist sehr nützlich, wenn man beispielsweise als Mediatorin für frisch zerstrittene Scheidungspaare arbeitet. Oder es als Kindergärtnerin mit zu vielen verhaltensauffälligen Gören zu tun hat.
Während andere Kindergärtnerinnen darüber Burnout und Depressionen entwickeln, würde Merkel den Job einfach aussitzen.

Tatsächlich ist Angela Merkel allerdings Bundeskanzlerin und entschied sich damit für einen wesentlich verantwortungsvolleren Job.
Die Wähler mögen „moderierend“ und wählen sie gerade wegen MMM immer wieder. Tritt sie von dem Rücktritt 2021 zurück, könnte sie locker auch noch zehn Jahre weiter amtieren.
Während Laschet, AKK, Schulz, Nahles, Merz und Co sich so sehr aufregen, daß sie allesamt beweisen viel zu kleine Füße für die Bundeskanzlerschuhe zu haben, könnte Merkel einfach vor sich hindämmern.
Diese Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben. Das sieht man insbesondere seit Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember 2018 CDU-Bundesvorsitzende wurde.
Merkel tauchte bei allen innenpolitischen Fragen endgültig ab. Sie hielt sich aus allem raus, sagte kein Wort mehr zu den Landtagswahlen, gab keine Kommentare zu ihrer Partei ab, war manchmal wochenlang überhaupt nicht mehr zu sehen. Ob sie dabei auf ausgedehnten Afrikareisen war oder in der Uckermark Kartoffelsuppe kochte, merkte das Merkel-Volk gar nicht.
Nach anderthalb Jahren Bundesvorsitz ist AKK inzwischen erledigt, Merkels möglicher Nach-Nachfolger Laschet erledigt sich ebenfalls schon selbst und ausgerechnet ihr langjähriger Erzfeind Seehofer, der spätestens ab 2015 alles unternahm, um Merkel zu schaden, empfiehlt ihr nun eine fünfte Amtszeit anzustreben.

MMM ist also hervorragend geeignet zum persönlichen und parteipolitischen Machterhalt.
Für Deutschlands Zukunft ist MMM allerdings ganz großer Mist, da „moderierend“ in der Praxis auch bedeutet dreisten Lobbyforderungen immer nachzugeben, alle notwendigen Reformen zu verschlafen, keine Weichen zu stellen und die Zukunftsfähigkeit zu verspielen.

Derzeit wird intensiv darüber diskutiert wann und unter welchen Umständen die Kinder wieder in die Schule können. Dabei wird ernsthaft empfohlen Seife und Handtücher mitzunehmen, da die hygienischen Verhältnisse in deutschen Schulen so mangelhaft sind, daß außer kaltem Wasser in vollkommen verdreckten Klos gar nicht geboten wird.
Das fällt nicht vom Himmel, sondern wird seit vielen Jahren immer wieder in großen Kampagnen, Reportagen und Büchern angeprangert. In ihren 15 Jahren Kanzlerschaft veranstaltete Merkel daher auch schon viele Bildungsgipfel, auf denen sie moderierte.
Sie erzielte aber nie Ergebnisse, weil sie einerseits selbst keine Idee von der Zukunft der deutschen Bildung hat und andererseits nie die Energie aufbrachte, das Grundproblem der föderalen Zuständigkeiten anzupacken.

Entsprechendes lässt sich auch über Klimapolitik, erneuerbare Energien, Infrastruktur, schnelles Internet, Steuersystem und Alterssicherung sagen.
Es gab allerlei Gipfel und sehr viel Merkelsche Moderation, aber nie Ergebnisse, weil sie nicht entschieden wollte und nie die Kraft entwickelte etwas Gefordertes auch durchzusetzen.

Die Automobilkonzerne wünschen sich jetzt eine neue staatliche Abwrackprämie.
Aber ökologisch betrachtet geht das nicht, da BMW, Mercedes und VW am langen lockeren Arm der Auto-Lobbyisten aus Merkels Kanzleramt alle modernen Techniken verschlafen haben.

„Merkel kann Krise“ heißt es jetzt wieder überall. Aber das ist falsch. Nur weil sie während des Corona-Peaks nicht debakuliert wie Trump, ist sie noch lange nicht in der Lage nun die einmalige Gelegenheit zu nutzen, um seit mindestens einer Dekade überfällige Zukunftsentscheidungen zu treffen, geschweige denn diese auch durchzusetzen.

[….] Wenn das Haus voll Was­ser läuft, muss erst ein­mal der Kel­ler leer ge­pumpt wer­den. Aber dann? Wenn die Schä­den be­sich­tigt sind, baut man das Ei­gen­heim dann ex­akt wie­der auf, wie es war? Mit un­dich­ten Fens­tern und Ölhei­zung? In der Hoff­nung, die alte Mu­cke­lig­keit kommt mit den al­ten Mö­beln zu­rück?

Die Po­li­tik re­agiert ge­ra­de ge­nau so. Mit der wie­der­be­leb­ten Idee ei­ner Ab­wrack­prä­mie, da­mit die Deut­schen in die Au­to­häu­ser lau­fen und VW, BMW und Mer­ce­des kau­fen, egal ob Elek­tro­mo­to­ren oder Kli­ma­kil­ler un­ter der Hau­be ste­cken. Mit Ret­tungs­mil­li­ar­den für Luft­han­sa und für TUI, egal ob der Mas­sen­tou­ris­mus mit am meis­ten zur Um­welt­zer­stö­rung bei­trägt. Was kommt als Nächs­tes? Eine Prä­mie für Plas­tik­tü­ten? Frei­flü­ge? […..]
(SPIEGEL-Leitartikel, 02.05.2020)

Kann es ernsthaft eine Option sein nach Corona einfach zu den verschlafenen Uralt-Techniken zurück zu kehren?
Aber Tranquilizer-Merkel scheint entschlossen zu sein auch diesmal auf Arbeitsverweigerung zu setzen und will anders als alle Vorgänger partout keine Initiativen ergreifen. Schon gar nicht international.
Dabei ist gerade durch Corona mehr als offensichtlich geworden, welchen gewaltigen Schaden Spahns und Merkels Desinteresse an den Strukturen irgendetwas zu ändern Deutschland schadet.
Wollen wir sofort wieder in den Dämmerschlaf verfallen und uns lethargisch in chinesische Abhängigkeit begeben?

[….] Diese Virus-Krise ist ein guter Zeitpunkt für die Frage, wofür Unternehmen da sind. Sind sie allein den Interessen ihrer Aktionäre verpflichtet? Sollten sie sich auch für Belange interessieren, die außerhalb ihrer eigenen Bilanz liegen, und sich auch um Interessen anderer kümmern, um die Mitarbeiter, um einen fairen Umgang mit Lieferanten, um die Gesellschaft drum herum und nicht zuletzt um Klima und Umwelt? Schon nach der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren war der Turbo-Kapitalismus mit seinen Superrenditen für Konzerne in schwere Kritik geraten, und die Frage wurde aufgeworfen, ob diese Wirtschaftsordnung ausreichend den Menschen dient. Jetzt kommt die Frage wieder.
Warum kann diese Marktwirtschaft hohe Gewinne und Börsenkurse erzeugen, aber warum kriegt sie es nicht hin, der reichsten Industrienation in Europa dringend benötigte medizinische Geräte zur Verfügung zu stellen? Warum ist die Industrie dieses Landes so abhängig von ausländischen Zulieferprodukten, dass viele Fabriken sofort stillstehen, wenn die Grenzen wegen einer Epidemie geschlossen werden müssen?
Offenbar hat das Shareholder-Value-Denken, wie das betonte Profit- und Kostendenken der Unternehmen genannt wird, fragwürdige Seiten. Es reicht nicht, wenn Manager nur daran gemessen werden, wie stark sie die Kosten senken und einen Börsenkurs in die Höhe treiben. […..]

Nun, da die grandiosen deutschen Manager, die nicht für genügend Masken, Desinfektionsmittel sorgen können, nicht in der Lage sind ein vernünftiges Elektroauto herzustellen, geschweige denn dazu fähig wären so etwas wie ein Smartphone herzustellen – von Großprojekten rede ich erst gar nicht – allesamt so auf die Nase gefallen sind, daß sie hunderte Milliarden Steuergelder – VON UNS ALLEN  wollen, muss die Bundesregierung verdammt noch mal strenge Vorgaben entwickeln, die keine vagen Absichtserklärungen à la Klöckner sind (die auch 2020 noch Glyphosat, Ferkelkastration ohne Betäubung und Kükenschreddern großzügig erlaubt).
Jetzt hat die Kanzlerin zu regieren und durchzugreifen. Steuermilliarden bekommen die Software-Betrüger-Autobosse, die selbst aber keine Steuern zahlen, selbstverständlich nur, wenn sie die Ruder vollständig umlegen und Schluss machen mit ihrer Technik der Riesenverbrenner aus dem letzten Jahrtausend.

Wie viele Jahre diskutieren wir schon über die Energiewende?
Wie lange will Merkel noch alles laufen lassen, den Lobbyisten freie Hand lassen und Deutschland um Jahrzehnte hinter Asien zurück fallen lassen?
Nun ist der ganz große Masterplan gefordert, bei dem ein(e) starke(r) Kanzler(in) fest die Zügel in die Hand nimmt, die Industrie zu ganz neuen Strategien verdonnert. Den Pharmakonzernen Vorgaben für eine medikamentöse Grundversorgung diktiert, erneuerbare Energien tatsächlich einführt und verdammt noch mal endlich eine digitale Infrastruktur schafft, so daß Deutschlands Internet nicht mehr lahmer als das Albanische ist.
Moderieren nützt da gar nichts.

[…..] Es wäre doch end­lich an der Zeit, dass der Staat die Be­din­gun­gen schafft für eine neue Form des Wirt­schaf­tens. In­dem er Kon­sum be­lohnt, der kli­ma­freund­lich ist. In­dem er In­no­va­tio­nen för­dert, die die­sen Kon­sum mög­lich ma­chen. In­dem er end­lich die En­er­gie­wen­de ernst­haft in An­griff nimmt, die Ver­kehrs­wen­de und all die an­de­ren Wen­den, die seit Jah­ren ver­spro­chen und dann in Ar­beits­krei­se ver­la­gert wer­den, wo sie un­ter dem Ein­fluss der Lob­by­grup­pen auf die Grö­ße ei­nes Ak­ten­de­ckels schrump­fen. Und wo, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen, ein Jahr­hun­dert­pro­jekt wie die En­er­gie­wen­de an der Fra­ge zer­brö­selt, wie viel Ab­stand zu ei­nem Wind­rad dem Bür­ger zu­zu­mu­ten ist.
[…..] Der Job des Staa­tes ist der des gro­ßen Len­kers, und er ist es mehr denn je. Er zeigt ja ge­ra­de, wel­che Kraft er hat, und er muss, wenn er ernst ge­nom­men wer­den will, die­se Macht­fül­le nicht nur ein­set­zen, wenn es um die Fol­gen ei­ner Na­tur­ge­walt wie die­ser Pan­de­mie geht, son­dern auch wenn sie Kli­ma­wan­del heißt. War­um also legt die Re­gie­rung nicht end­lich ein­fach den Schal­ter um? [….]

Samstag, 2. Mai 2020

Corona-Geld

Immerhin, der Unsinn von der „schwarzen Null“ hat sich nun erledigt.
Olaf Scholz öffnet alle Schleusentore und die Unionsminister nicken es ab.
Deswegen ist es gut in einem modernen Staat und nicht in einem imaginären Prepper-Traum zu leben, indem nur noch das Recht des Stärkeren gilt.
Millionen Menschen geraten in Schwierigkeiten und der Staat, den sie mal mehr, mal weniger missmutig bilden, gibt ihnen Sicherheit.
Die überwältigende Mehrheit der Bürger muss nicht hungern oder obdachlos werden. Sie frieren nicht und kommen weiterhin in den Genuss moderner Krankenversorgung.
Sehr viele von uns waren bisher außerdem relativ (zu anderen Generationen und den meisten anderen Ländern) wohlhabend und möchten das trotz des deutlichen Wirtschaftseinbruchs auch bleiben.
Wie also die hunderten Milliarden Euro, womöglich sogar Billionen verteilen?
Bekommt der am meisten, der am meisten verloren hat? Oder der, der am lautesten schreit? Der, der es am dringendsten benötigt? Derjenige, der wichtig ist?
Keine leichte Aufgabe.
Wenn es etwas umsonst gibt, verlieren Menschen jede Rationalität. Jeder kennt das von „All-you-can-eat-Buffets“.
Dann fressen die Leute so viel sie können. Auf jeden Fall mehr als sie mögen, aber noch wichtiger: Möglichst mehr als die anderen und auf jeden Fall das Teuerste.
Jetzt sind ganz altmodische, eben noch antiquierte Werte der Sozialdemokratie gefordert: Solidarität und Gerechtigkeit.
Man kauft bei knappem Angebot nicht noch ein 20er Pack Klopapier, wenn man es nicht benötigt. Man behilft sich lieber mit handgemachten Stoffmasken, damit die hygienischeren Profi-Atemmasken für das medizinische Personal bleiben.
Man greift nicht in den Corona-Hilfsmitteltopf, wenn man gar nicht in Not geraten ist.
In der echten Welt sind wir aber nicht alle gute Sozialdemokraten. Es herrscht eher Sozialdarwinismus und einige schreien viel lauter als andere.
Den Krankenpflegern hatte man einen Einmal-Bonus von 1.500 Euro zugesagt.
Der ist aber nie geflossen. Sie sollen sich eher mit Applaus begnügen.

Die Reichsten und Mächtigsten geben sich nicht mit solchen Summen ab. Sie wollen Milliarden und dafür kaufen sie die effektivsten Lautsprecher direkt aus Merkels Kanzleramt.

Eckart von Klaeden, 54, Top-Lobbyist der Daimler AG („Leiter der Abteilung Politik und Außenbeziehungen“). Von Oktober 2009 bis 2013, Staatsminister des Bundeskanzleramts bei Angela Merkel. Setzte sich damals schon so dreist für Daimler-Interessen bei der EU ein, daß die Staatsanwaltschaft Berlin gegen von Klaeden ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme einleitete.

Hildegard Müller, 52, von 2005 bis 2008 Staatsministerin im Bundeskanzleramt bei Angela Merkel. Schon vor ihrer Zeit im Kanzleramt mit jährlich 20.000 Euro von der Deutschen Bank geschmiert und Lobbyistin zahlreicher Industrievereinigungen, amtiert sie nun als Präsidentin des mächtigsten Lobbyverbandes überhaupt; dem Verband der Automobilindustrie (VDA).

Ihre Kontakte sind wertvoll.

Morgen, am Sonntagabend sitzt in der wichtigsten Talkshow nicht etwa ein Vertreter der Altenpfleger oder Reinigungskräfte, sondern wie selbstverständlich wieder einmal Hildegard Müller. Harte Fragen der CDU-affinen Anne Will braucht sie nicht zu fürchten.

Es sind tatsächlich nur Linke und Sozialdemokraten, sowie einige seriöse Medien, die sich fragen wieso eigentlich DAX-Konzerne, die Milliardendividenden an ihre Eigentümer auszahlen und darüber hinaus außerordentlich kreativ dabei sind den deutschen Staat zu betrügen, indem sie sich in karibischen Steueroasen ansiedeln, überhaupt Solidarität vom Staat verdient haben.
Milliarden aus dem System ziehen, selbst keine Steuern zahlen und sofort die Hand aufhalten, damit die Steuerzahler ihnen Milliarden geben?

[….] Die Linksfraktion im Bundestag hat die 30 größten Unternehmen in Deutschland in unter die Lupe genommen, von denen viele nun staatliche Hilfe in der Corona-Krise beanspruchen wollen. Die Auswertung der Geschäftsberichte liegt dem ARD-Magazin Monitor und der "Süddeutschen Zeitung" vor. Ergebnis: Die 30 Dax-Unternehmen insgesamt haben 3847 Beteiligungen und Tochterunternehmen in Steueroasen.
Auch europäische Länder werden in der Untersuchung als Steueroasen gewertet, die Einstufung orientiert sich an Analysen der internationalen NGO “Tax Justice Network”, die gegen internationale Steuervermeidung kämpft. So liegt knapp ein Drittel der Beteiligungen laut der Linksfraktion-Auswertung in Europa. Vor allem in den Niederlanden (527), Luxemburg (281) und der Schweiz (187) haben die Dax-Unternehmen viele Tochtergesellschaften. Mit 2075 Beteiligungen liegt jedoch mehr als die Hälfte aller Beteiligungen im US-amerikanischen Delaware, einem Mekka für Steuervermeider.
Aber auch in Steueroasen, die die EU auf einer so genannten Schwarzen Liste führt, sind Dax-Unternehmen noch immer aktiv: 30 Firmenbeteiligungen gibt es in Panama, 67 im Steuerparadies auf den Kaimaninseln.
"Wenn man immer noch Geschäfte macht in Steueroasen, dann hat man offensichtlich überhaupt keine Furcht vor Druck aus der Politik", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Fabio De Masi Monitor. Sein Büro hat die Daten ausgewertet. "Wer als Unternehmen nun Hilfe vom Staat will, der darf den Staat nicht permanent an der Nase herumführen. Und genau dies passiert ja, wenn alle 30 deutschen Dax-Konzerne stark in Steueroasen präsent sind", so De Masi. […..]

Wieder einmal muss man dankbar sein, daß die SPD doch noch in diese Groko eintrat. Der Bundesfinanzminister ist ein Sozialdemokrat und dazu auch noch sehr klug.
Steuersenkungen für Superreiche erteilt er eine harsche Absage.
Besonders hat der debakulierende zutiefst unsolidarische Lufthansa-Chef Spohr unter ihm zu leiden. Er möchte um seinen Konzern zu retten gern Milliarden von Scholz einfach so geschenkt bekommen und dann weiter so wirtschaften wie bisher: Arbeitsplätze nach Manila und Rumänien outsourcen, selbst Millionen-Boni einstreichen. Scholz aber beharrt auf einer Staatsbeteiligung am Konzern im Gegensatz für die Milliardenhilfe. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit; wenn die Steuerzahlergemeinschaft derart viel Geld an einen privaten Konzern überweist, muss sie als Gegenleistung auch mitreden können.
Spohr wehrt sich nach Kräften und die CDU warnt vor Sozialisierungen. Aber zum Glück sitzt die SPD in der Groko.

Unterstützung gibt es sogar von den wirtschaftsfreundlichen DIW-Ökonomen:
Steuertricks, Steuervermeidung und dann als erstes die Hand aufhalten wird nicht gehen.
Deutsche Staatshilfe ja, aber dann muss zukünftig Schluß damit sein in Krisenzeiten Milliarden an die Quandts zu überweisen und die Gewinne auf den Caymans zu parken.

[….] Wirtschaftsexperten fordern jedenfalls, die Finanzhilfen in der Corona-Krise zu nutzen, um Steuervermeidung stärker zu bekämpfen.
Marcel Fratzscher, Präsident Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Da sollte der Staat sehr klar sagen, dass solche Steuervermeidung in der Zukunft nicht mehr toleriert wird. Dass gerade Unternehmen, die jetzt massive Hilfe vom Staat bekommen, auch nach der Krise ihre gesamte Steuerlast in Deutschland zahlen sollten.“ […..]

Freitag, 1. Mai 2020

Impudenz des Monats April 2020


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

In den letzten Wochen gab es einen besonders heftigen Konkurrenzkampf  um die Krone der Doofheit, aber schließlich setzte sich der fanatisch-rechtsradikale Trumpproleten-Mob durch, der mit automatischen Waffen das Parlament von Michigan stürmte und versuchte die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer zu lynchen.

   [….] Während einer Protestaktion gegen Alltagsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie sind im US-Bundesstaat Michigan bewaffnete Demonstranten ins Parlament in der Hauptstadt Lansing eingedrungen. Mehrere hundert Menschen versammelten sich US-Medien zufolge im Eingangsbereich des Gebäudes, das auch Amtssitz der Gouverneurin Gretchen Whitmer ist. Zum Teil bewaffnet, maskiert und Plakate-und-Fahne-schwenkend forderten sie das Ende des Notstandes in dem Bundesstaat. Abgeordnete waren zu einer Parlamentssitzung zusammengekommen. "Direkt über mir schreien uns Männer mit Waffen an", beschrieb die anwesende Senatorin Dayna Polehanki die Situation in einem Tweet.
Die Demokratin Whitmer hat mit zunehmend erbittertem Widerstand der republikanischen Mehrheit im Parlament gegen die Ausgangsbeschränkungen zu kämpfen. Sie wurde zum Ziel von Attacken, nicht nur in Michigan, sondern etwa auch vom US-Präsidenten. Donald Trump sprach den Demonstranten in Michigan seine Unterstützung aus. "Dies sind sehr gute Leute, aber sie sind wütend", schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Der Präsident rief Whitmer auf, das Gespräch mit den Protestierern zu suchen. [….]

Der US-Präsident verhält sich nun also offen wie eine feindliche Macht und geht mit paramilitärischen Mitteln gegen seinen eigenen Staat vor.


Dabei kann er sich auf ein Heer Zimmertemperatur-Amerikaner stützen, die glauben mit ihren Assault-weapons wie der AR15 gegen einen Virus vorgehen zu können. Mit Bleiprojektilen auf den CoV-Sras-2 zu feuern ist ungefähr so sinnvoll wie die Hand in einen Gartenhäcksler zu stecken, um die Fingernägel zu reinigen.


Aus Trumps Sicht könnte es nicht besser laufen; mit den paramilitärischen Stürmen auf die Parlamente lenkt er von seinem eigenen Totalversagen ab und außerdem hasst er die Gouverneurin von Michigan wie die Pest.
Mit guten Gründen: Sie ist eine Frau, intelligent und lobt ihn nicht!
Außerdem befürchtet IQ45 Joe Biden könne sie als Vizepräsidentenkandidatin auswählen. Ein Grund mehr sie zu diffamieren und zu beschädigen.

[….] Gretchen Whitmer ist jetzt zum Ziel geworden. Für wütende Demonstranten mit Transparenten, auf denen "Stoppt die Tyrannei" und "Heil Whitmer" steht. Und für US-Präsident Donald Trump, der sie "diese Frau aus Michigan" nennt oder "Half-Whitmer" (ein halfwit ist auf Englisch ein Schwachkopf). Die Abneigung rührt daher, dass Gretchen Whitmer Gouverneurin von Michigan ist, einem Bundesstaat, der mit strengen Vorschriften gegen den Ausbruch des Coronavirus vorgeht. Und die 48-Jährige gilt als aussichtsreiche Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft. Joe Biden, Trumps demokratischer Herausforderer, zieht sie dafür nach eigenem Bekunden in Betracht.
In den USA bringt der Kampf gegen das Virus fast jeden Gouverneur an seine Grenzen. Doch im Fall von Whitmer ist die Herausforderung noch etwas größer. Michigan zählt zu den Bundesstaaten, die zu Beginn des Ausbruchs sehr viele Fälle verzeichneten. In Detroit richtet das Virus besonders unter den afroamerikanischen Einwohnern großes Leid an. Whitmer erließ deshalb eine Ausgangssperre. [….] Es sind solche Vorschriften, die zu Protesten gegen die Politik der Gouverneurin geführt haben - gegen die "Tyrannei". Proteste, die Trump noch ermunterte, und Proteste, die von konservativen Lobbyorganisationen unterstützt wurden. [….]


 Der Redneck-Sturmtrupp, der sich nun dicht gedrängt zur Covid19-Party in Lansing grölend und zeternd zusammenrottet, steht metaphorisch für alles Schlechte in den USA.
Er ist die Apotheose des verantwortungslosen Trumpismus; Sinnbild der Bildungskrise.
Organisierter, abgrundtiefer, mörderischer Hass gegen Amerikaner – das zeichnet die Impudenz des Monats April 2020 aus.

[…..] Nicht zum ersten Mal richtet sich die - öffentlichkeitswirksam inszenierte - Wut jener, die eine Aufhebung der Beschränkungen forderten, gegen die demokratische Regierungschefin des Bundesstaats an den Great Lakes. Einige der mehreren Hundert Protestierenden, die am Donnerstag zum state capitol gezogen waren, skandierten Hitler-Vergleiche; einer trug ein Transparent über den Rasen vor dem Gebäude - die Aufschrift: "Tyrannen bekommen den Strick". […..] Unter denjenigen, die sich Zugang zum state capitol verschafften, waren auch Mitglieder bewaffneter Milizen. […..] Eine Handvoll vermummter, schwer bewaffnete Männer positionierte sich demonstrativ vor Whitmers Büro. Mehrere Abgeordnete nahmen offenbar nur mit schusssicheren Westen an der Sitzung teil.
Die republikanische Mehrheit stimmte gegen eine Verlängerung des Notstands, der der Gouverneurin weitreichende Befugnisse verleiht. […..] Für Whitmer dürften die Szenen in ihrer Geburtsstadt besonders verstörend sein. Denn eigentlich ist die Gouverneurin eine Art Inbegriff von Heimatverbundenheit. Ihr Vater Richard war Handelsminister von Michigan. Sie studierte an der Michigan State University. […..]

Mit den von Trump aufgehetzten Killern befinden sich die USA in einem Plot einer absurden TV-Endzeitserie. Nur daß in der Realität die Invasoren/Zombis/Außerirdischen /Mutanten/Vampire vom eigenen Präsidenten gelenkt werden.

[…..] Trump: Domestic Terrorists Who Stormed Michigan Capitol ‘Are Very Good People’
Defending the Indefensible: President Trump praises the heavily armed domestic terrorists that stormed the Michigan Capitol on Thursday to fight Governor Gretchen Whitmer’s stay-at-home order.
[…..] Trump was praising the heavily armed protesters (domestic terrorists) who stormed Michigan’s state capitol building Thursday in an attempt to intimidate lawmakers who were deliberating on extending the state’s stay-at-home order.
Adding insult to injury, Trump was suggesting that Governor Whitmer should negotiate with the terrorists he calls “very good people.” […..]