Demokratische Regeln, Parlamentarismus und die altbackene
Verfassung betrachtet Friedrich Merz als minderwichtige Petitessen. Alles easy.
Ebenso lässig schätzte er Donald Trump ein; dieser werde
ihn, Merz, der „die Amerikaner“ kennt, den konservativen Blackrocker, schon
respektieren und ihm auf Augenhöhe begegnen.
[….] Ob er als deutscher
Kanzler mit einer zweiten Amtszeit Donald Trumps zurecht käme, wollte ein
„Bild“-Journalist vom Kandidaten für den CDU-Vorsitz wissen. „Ich weiß, wie die
Amerikaner ticken“, gab Merz zurück. „Wir kämen schon klar.“
Der Satz stach schräg aus
den vorsichtig-skeptischen Reaktionen der übrigen deutschen Politik und selbst
aus dem sonstigen Ton des Interviews hervor. Aber Merz tippte zu dem Zeitpunkt
auf Trump, und außerdem lockte ihn erkennbar die Gelegenheit, sich als einen
darzustellen, der mit dem Amerikaner mit „Selbstbewusstsein“ und „aus einer
Position der Stärke“ heraus schon auf kumpeliger Augenhöhe umgehen würde..
Seine Konkurrenten
kritisierten die Teufelskerl-Pose damals schon. „Ich finde: Jeder sollte sich
zurückhalten, mit wem er klarkommt“, rügte Armin Laschet – erst recht, wenn die
Stimmen noch gar nicht ausgezählt seien.
Norbert Röttgen zeigte sich „überrascht“, wieso sich der Mitbewerber
„ohne Not“ so schnell positioniert habe, und spottete gallig: „Ich hätte
Friedrich Merz diese Aussage von mir aus nicht unterstellt.“ [….]
(Robert Birnbaum, 07.01.2021)
Es ist eine dieser typischen Merzschen
Fehleinschätzungen, die in seiner mangelnden Intelligenz begründet liegen. Sein
Denken zeigt sich für einen Spitzenpolitiker immer wieder bemerkenswert
unterkomplex.
Bekanntlich brachte es Merz 2021 noch nicht einmal zum
Kanzlerkandidaten. Aber auch in den folgenden vier Jahren war nicht der
geringste Lern-Effekt beim CDU-Partei- und Fraktionschef zu beobachten.
Hoppla, jetzt komme ich, bleibt seine Attitüde.
Weiter, als bis zur Nasenspitze zu denken, eher nicht. Seine finanzpolitischen
Vorstellungen sind mehr als schlicht: Veränderungen an der Schuldenbremse
sind schlecht, Geldmangel gibt es nur, weil die Linksgrünversifften nicht damit
umgehen können und den faulen Arbeitslosen zu viel abgeben.
So begreift er auch das Bundestagswahlergebnis vom
23.02.2025:
„Jetzt bin ich Bundeskanzler und bestimme hier ganz
allein wo es langgeht.“
Er empfindet es daher auch als Affront, Olaf Scholz
überhaupt noch im Amt zu sehen. Der sollte sich einfach in Luft auflösen. Daher
dinierte Merz schon als selbsternannter Herrscher, im Élysée mit Präsident
Macron und will nun auch ins Weiße Haus, um Trump mal eben zu erklären, wie der
Hase läuft. Merkel, Scholz, Starmer, Macron, Selenskyj und all die anderen
Staatschefs sind eben nicht so großartig, wie er. „Wir kämen schon klar“.
[….] Unionsfraktionschef
Friedrich Merz strebt nach Angaben seines Stellvertreters Johann Wadephul ein
baldiges Treffen mit US-Präsident Donald Trump an. "Merz wird Trump so
schnell wie möglich treffen und dann hoffentlich schon höhere
Verteidigungsausgaben im Gepäck haben", sagte Wadephul dem
"Tagesspiegel". Dies könne in den angespannten Beziehungen helfen,
"auch wenn wir wissen, dass es alle Europäer gerade schwer haben in
Washington". [….]
(STERN, 02.03.2025)
Easy, easy. Von Merz wird Trump natürlich so beeindruckt
sein, daß er fürderhin als großer EU-Freund auf der Seite der Ukraine stehen
wird, sich allen internationalen Verträgen unterwirft und verlässlich an der
Seite der demokratischen Staaten stehend, den Autokraten die Stirn bietet.
Der geniale Masterplan des Merz dahinter, besteht in der
Abschaffung des viel zu üppigen Bürgergeldes für deutsche Faulpelze, dem Entzug
der Mittel für die „Omas gegen rechts“ und dem Gender-Verbot. Dadurch wird
sofort eine Billion Euro frei.
Mit diesen 1.000 Milliarden Euro im Handgepäck, muss
Trump ihn noch mehr lieben als Musk, der bloß 400 Milliarden hat.
Er hat in seinem Leben noch keinen Tag regiert, nicht mal als
Bürgermeister, fällt nun auch dem scholzophoben SPIEGEL
in seiner Titelstory über Merz auf. Ja, man merkt es. Selbst in der CDU stellen
sie überrascht fest; huch, da sind keine 1.000 Milliarden freie Mittel, die
nur darauf warten, um von uns genialen Tripledownern an die Superreichen
verteilt zu werden. Das Geld wird man sich wohl „aus der Zukunft leihen
müssen“, also das diametrale Gegenteil dessen tun, was CDUCSU seit drei Jahren
hoch und heilig versprechen.
[….] Bei den Wahlverlierern
hätte [die SPD] eigentlich lieber eine rasche Reform der Schuldenbremse,
zum Beispiel mit Herausnahme der beiden Bereiche, die dann keiner Obergrenze
unterliegen würden. Aber für solch eine grundlegende Reform fehlt
offensichtlich die Zeit. Allerdings sind Sondervermögen auch neue Schulden, der
Begriff verschleiert das etwas.
Im Gespräch sind nun
Summen, die vor einer Woche noch unvorstellbar waren, von 800 Milliarden bis zu
einer Billion ist die Rede, ungefähr doppelt so viel wie der reguläre
Bundeshaushalt, der im vergangenen Jahr 465,7 Milliarden Euro betrug. Die gesamte Staatsverschuldung des Bundes
seit 1949 liegt bisher bei rund 1,7 Billionen Euro. Aber wohlgemerkt, das sind Überlegungen, die
überwiegend von außen an die Verhandler herangetragen werden.
Es wird gerade viel
gerechnet und geprüft. Am Ende wird es auf den Handschlag zwischen CDU-Chef
Merz, CSU-Chef Markus Söder und SPD-Chef Lars Klingbeil ankommen – und auf
nicht triviale, komplizierte
verfassungsrechtliche Prüfungen.
Merz hatte monatelang ein
Lockern der Schuldenbremse oder Schulden über neue Schattenhaushalte abgelehnt.
Aber nun lernt der mögliche künftige Kanzler die Zwänge im Haushalt und die
Zwänge durch die Stürme da draußen im Eiltempo kennen. Doch ob Sondervermögen
oder Reform der Schuldenbremse – für beides braucht es eine
Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag. Ein Sondervermögen ist sicher der
einfachere Weg. Bis der neu gewählte Bundestag zusammentritt, ist der bisherige
weiter handlungsfähig. Über eine Sondersitzung des Deutschen Bundestags in der
Woche ab dem 10. März wird bereits spekuliert. […]
(SZ, 03.03.2025)
Mit diesen ungeheuerlichen Zahlen betrügt Bundeskanzler Merz
nicht nur alle seine Wähler, sondern reizt die SPD zur Weißglut. Denn mit der
Merzschen Finanzblockade und der Klage gegen die Aufweichung der Schuldenbremse,
trug er wesentlich dazu bei, die SPD-Regierung zum Einsturz zu bringen und
maximierte die Probleme Deutschlands. Bundeskanzler Merz startete also schon
Jahre vor seiner Amtszeit damit, Deutschland in den Abgrund zu reiten. Damit
komme ich auf das eingangs genannte Problem zurück: Bundeskanzler Merz hält
sich zwar schon für den Bundeskanzler. Er ist es aber nicht! Der deutsche
Bundeskanzler heißt Olaf Scholz und wird auch im Amt bleiben, bis es eine
andere Kanzlermehrheit gibt.
Merz braucht 316 Stimmen. Seine CDUCSU bringt es, wenn niemand
krank ist, niemand gegen ihn stimmt und sich niemand enthält (erfahrungsgemäß
gibt es immer ein paar frustrierte Abweichler), auf 208 Stimmen. Er benötigt
also mindestens weitere 108 Stimmen der Sozialdemokraten, die aber nur
insgesamt 120 Sitze haben. Maximal 12 Abweichler kann Merz sich leisten. Im
best case.
[….] In den Reihen der SPD gibt es derzeit
mindestens acht Bundestagsabgeordnete, die den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz
nicht zum Bundeskanzler wählen wollen. Das ist das Ergebnis einer Abfrage unter
allen 120 Mitgliedern der neuen SPD-Fraktion, wie die "Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtet.
Demnach gibt es vier
sozialdemokratische Abgeordnete, die grundsätzliche Bedenken gegen Merz haben.
Vier weitere Fraktionsmitglieder würden laut FAS - Stand jetzt - ebenfalls
nicht für Merz stimmen. Sie würden das demnach auch künftig nicht tun, wenn sich
das zuletzt angespannte Verhältnis zu den konservativen Unionsparteien CDU und
CSU nicht bessere.
Sebastian Roloff, einer der
Abgeordneten, sagte dazu der Zeitung, er kenne noch weitere mögliche
Abweichler: "Ich weiß von deutlich mehr als drei Händen voll - womit die
Mehrheit ja schon wackeln würde -, die sich mit einer schwarz-roten Koalition sehr
schwer tun." Er müsse Merz seine Stimme nicht geben, so Roloff weiter.
"Ich bin nur meinem Gewissen verpflichtet."
Ähnlich äußerte sich die
SPD-Parlamentarierin Annika Klose: "Wie soll ich meine Hand für Friedrich
Merz heben? Die politischen Gräben sind sehr tief. Das ist nicht mehr die
Merkel-CDU." Merz und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann seien "sehr
weit rechts, sehr konservativ, sehr neoliberal". Klose erwähnte in diesem
Zusammenhang die gemeinsame Bundestagsabstimmung von CDU/CSU und AfD zur
Migrationspolitik sowie die "Kleine Anfrage" der Union zu staatlich
geförderten NGOs. [….]
(Deutsche Welle, 01.03.2025)
Wäre Merz auch nur etwas intelligenter und erfahrener, behandelte
er die SPD jetzt mit größtem Respekt. Allein, er ist es nicht und fährt damit
fort, die SPD mit maximaler Arroganz zu demütigen.
Ausgerechnet bei dieser ultra-heiklen Finanzierungsfrage, überfährt er Esken
und Klingbeil.
[…]
Mitten in die
SPD-Pressekonferenz platzt eine Meldung, wonach Friedrich Merz im CDU-Vorstand
bereits über eine mögliche Sondersitzung des Deutschen Bundestags in der Woche
ab 10. März gesprochen habe. SPD-Chefin Saskia Esken wird darauf angesprochen –
und ist sauer. Die Veröffentlichung eines solchen Termins sei nicht
abgesprochen, das sei „keine vertrauensbildende Maßnahme“ der Union. […]
(SZ, 03.03.2025)
Ganz sicher war ich nie ein Angela Merkel-Fan, aber
immerhin verhielt sie sich nie derart dumm, wie Friedrich Merz, der in seiner
Phantasiewelt bereits als ewiger Kanzler und Trump-Flüsterer herrscht, während
er mit seinen Sauerländer Trampelfüßen das SPD-Kanzlerwahlstimmvieh tritt.
Selbst wenn Merz die SPD-Parlamentarier noch auf Linie bringen sollte; davor
muss er noch mich fragen. OK, genauer gesagt; mich und 400.000 weitere
SPD-Mitglieder. Wir verstehen selbstverständlich den Ernst der Lage, aber Merz,
Linnemann und Spahn sind bei uns beliebt, wie Fußpilz oder Mundfäule. Unendlich
demütigend darf ein K.O.alitionsvertrag nicht ausfallen.
[…] Eine Koalition der SPD
mit der Merz-Union? Direkt nach der Bundestagswahl waren vor allem aus der
Bayern-SPD prominente Stimmen zu hören, die starke Vorbehalte gegen einen
erneuten Eintritt der Sozialdemokraten in eine Bundesregierung äußerten. […]
Anil Altun, Co-Vorsitzender der Nürnberger Jusos, sieht die SPD in einer
„äußerst schwierigen Lage“. Man habe die Bundestagswahl verloren, ganz klar.
Stehe nun aber trotzdem wieder vor einer möglichen Regierungsverantwortung.
Eine Koalition mit der Union? „Das wird kein Selbstläufer“, warnt Altun. Zumal
Friedrich Merz in den Wochen vor der Wahl „eine scheiß Vorlage geliefert“ habe
für eine Koalition mit der Sozialdemokratie. Auch sehe er die Gefahr, dass die
SPD als kleinerer Koalitionspartner weiter Stimmen verlieren könnte bei
kommenden Wahlen, womöglich an Grüne und Linke, die als künftige Opposition
linke Politik in Reinkultur verkörpern können. Nur, fragt sich Altun: „Was ist
denn, wenn wir das nicht tun?“ […] „Es wird nichts Anderes übrig
bleiben“, sagt Maria Lell zu einer Koalition mit der Union. Wenn ihre Partei
nein sage, gebe es wohl Neuwahlen, mutmaßt die Schriftführerin des
SPD-Stadtverbandes Schwandorf. „Und das will ich auf keinen Fall. Die zwei
sollen sich jetzt zusammenraufen.“ […] „Wir stecken in einer
Zwickmühle“, sagt Anja König, SPD-Stadträtin in Landshut und bayerische
Co-Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 (DL21). „Wir sind abgewählt,
die Opposition würde uns nicht schaden“, aber man sei sich der
staatspolitischen Aufgabe „absolut bewusst“. Deshalb müsse die SPD „eventuell
gegen unsere innerste Einstellung“ eine Koalition mit der Union bilden. […]
Manfred Paul, SPD-Chef im unterfränkischen Kitzingen, hält eine Koalition
mit der Union nicht für wünschenswert: „Weil da ziehen wir wieder den
Kürzeren.“ Notwendig aber sei sie allemal: „Wer jetzt den Knall nicht gehört
hat, dem ist nicht mehr zu helfen.“ Einfach allerdings werde die
Koalitionsbildung ganz sicher nicht: „Der Merz macht’s uns Sozialdemokraten
nicht einfach.“ Erst die Bundestagsabstimmung mit der AfD. Dann „sein Wort von
den linken Spinnern“. Jetzt noch die 551 Fragen der Union zu den Nichtregierungsorganisationen,
bei denen Paul „die Wortwahl zum Teil an die AfD“ erinnere. Und trotzdem sei
nun „keine Zeit für linke Utopien, sondern für pragmatische Lösungen“. Ob ein
SPD-Mitgliederentscheid einer Koalition noch gefährlich werden könne? Glaube er
nicht. „Es werden viele sagen: Ich habe Kopf- und Bauchschmerzen mit Merz – und
die Füße tun mir auch weh.“ […] Nach den letzten Wochen blickt Katharina
Schrader, Vorsitzende der SPD Kempten, mit gemischten Gefühlen auf eine
mögliche Koalition. Das In-Kauf-Nehmen von AfD-Stimmen beim
Zustrombegrenzungsgesetz, Aussagen von Merz über „linke und grüne Spinner“ –
all das erschwere eine gute Grundhaltung bei den Gesprächen. […]
(SZ, 03.03.2025)
Wie Merz die SPD behandelt, ist
die eine Sache. Auf einem anderen Blatt steht, wie man von seinen Tabubrüchen und
Lügen als Oppositionsführer, seinen extremistischen Demütigungen im Wahlkampf
und seinen irren Tölpeleien während der Koalitionsverhandlungen, auf seine
Fähigkeiten als Kanzler schließt.
Ich zahle nicht
SPD-Mitgliedsbeiträge, um für CDU-Kanzler zu stimmen, sondern im Gegenteil, um
CDU-Kanzler zu verhindern. Gleichwohl bin ich Demokrat, respektiere Wahlergebnisse und die politische Realität.
Natürlich können Situationen entstehen, bei denen man für eine Koalition unter
CDU-Führung stimmen muss. Aber ausgerechnet Merz? Meine Bauschmerzen mit Daniel
Günther wären geringer.