Mittwoch, 10. November 2021

Kapitulation vor der Unvernunft.

 In ein paar Stunden geht der rheinische Karneval los. Das Kölner Dreigestirn fällt allerdings aus, weil der Karnevalsprinz Corona hat.

Sich eng zusammenrotten, saufen, einhaken und Rudelbumsen findet aber dennoch statt.

[….]  Trotz stark gestiegener Corona-Inzidenzen soll am Donnerstag um 11.11 Uhr die neue Karnevalssaison mit Tausenden Feiernden eröffnet werden. Dabei gilt in den Hochburgen Köln und Düsseldorf die 2G-Regel: In den abgesperrten Feier-Zonen draußen haben nur Geimpfte und Genesene Zugang. […]

(SPON, 10.11.2021)

Kein Problem für den Innenminister des Inzidenz 150-Bundeslandes NRW.

Der Blick auf Impfquoten und Inzidenzen in Europa zeigt wie sehr es auf entschlossenes Regierungshandeln ankommt.  Deutschland liegt heute mit 39.676 Neuinfektionen an der Spitze Europas. In keinem anderen Land infizieren sich mehr Menschen mit dem Sars-CoV2. 236 Menschen starben in Deutschland innerhalb der letzten 24 Stunden an Covid19.

Spanien, Irland und Belgien hatten keinen einzigen Corona-Todesfall im selben Zeitraum. In Dänemark starben 2, in Norwegen 3, in Schweden und Portugal je 8 Einwohner.

Spanien, Frankreich, Italien und Portugal haben die pandemische Lage dank konsequenter Impfpolitik derzeit im Griff.

Aus den vier Schwurbel-Bundesländern, die an einer Kombination aus AfD-Affinität, Unfähigkeit der Landesregierungen (Aiwanger!) und realitätsnegierenden Esoterikern leiden, gibt es heute wieder grausame Inzidenz-Zahlen: Sachsen 460, Thüringen 455, Bayern 396 und Baden-Württemberg 297.

Ministerpräsident Söder, einst polternder Vorturner der Corona-MPKs („Team Vorsicht“) ist die Lage komplett entglitten; er musste heute den landesweiten Katastrophenfall ausrufen, weil die bayerischen Intensivstation mit intubierten Seuchenfreunden vollgestopft sind.

[….] Neuer Impf-Wirbel um Aiwanger: Eigene Partei zweifelt - „Kann Amt kaum ausüben“ [….] Droht Bayerns Vize-Ministerpräsidenten das politische Abseits? Angesichts der aktuellen Corona-Situation hält Parteifreund Fabian Mehring das – sollte Hubert Aiwanger weiterhin auf eine Corona-Impfung verzichten – für möglich. [….] Aiwanger ist der einzige Minister im bayerischen Kabinett, der sich bisher nicht für eine Corona-Impfung entschieden hat. [….] Im Falle einer landesweiten 2G-Regel wäre Aiwanger diese Möglichkeit aber verwehrt, da dann auch Getestete den Zugangsbeschränkungen bei öffentlichen Veranstaltungen unterliegen. In der Praxis dürfte Aiwanger dieses Prinzip bereits in der kommenden Woche zu spüren bekommen: Beim Presseempfang seiner eigenen Landtagsfraktion gilt dann bereits die 2G-Regel - somit hat Aiwanger hier keinen Zugang. [….]

(DPA, 10.11.2021)

Aber nicht nur der ungeimpfte Aluthut Aiwanger auf dem Stuhl des stellvertretenden Ministerpräsidenten ist ein Armutszeugnis Bayerns.

Sagenhaftes lässt auch der bajuwarische Gesundheitsminister verlautbaren.

[….] Was kommt dabei heraus, wenn Regierungen die Wissenschaft lieber ignorieren und nur noch auf Stimmungen achten? Man sieht's bei der Pandemie, aber nicht nur dort. [….] Nun hat die wohl künftige Regierung in Sachen Corona erstmals konkrete Entscheidungen präsentiert - und damit sogleich das Vertrauen in ihre Zukunftsfähigkeit erschüttert. Denn nach ihrem Willen soll die Corona-Politik künftig nicht mehr aus der Feststellung einer "epidemischen Notlage nationaler Tragweite" erwachsen. [….]  Flankiert wurde dieser Vorschlag noch von der Behauptung, mit Beginn des Frühlings könnten alle Corona-Maßnahmen fallen.  Es ist erschütternd, dieses Potpourri an Fehleinschätzungen zu hören. [….]  Die Vorschläge der Ampel-Koalition scheinen mehr auf Wunschdenken zu fußen denn auf vorausschauender Analyse von Fakten. [….]  Zuletzt behauptete der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), dass die derzeitige Dynamik der Pandemie "wirklich nicht vorhersehbar" gewesen sei. Dabei prophezeien Wissenschaftler seit Monaten, dass die Impfquote nicht reicht, um einen schweren Winter zu verhindern. Und wie schon die große Koalition und die zur Kakophonie neigenden Landesregierungen beginnt nun auch die Ampel als Panikorchester: Ihr Spiel korrigiert sie erst dann, wenn die neueste Welle schon die Notenblätter wegschwemmt. [….]

 (Christina Berndt, 10.11.2021)

Was für ein gewaltiges politisches Versagen nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie! Jeder kann sich leicht informieren. Die bekannten Virologen sind allesamt Stars der sozialen Medien und Talkshows geworden, werden jeden Tag in den großen Zeitungen zitiert – mit dem Hinweis, daß all ihre Prognosen sich später als zutreffend erwiesen.

Man kann die Expertenanalysen, ihre Prognosen und Handlungsempfehlungen überall nachlesen – heute beispielsweise übersichtlich in der Süddeutschen Zeitung topaktuell zusammengestellt.

Aber FDP-Ampelmann Marco Buschmann und der zuständige Gesundheitsminister eines Hochinzidenzlandes im Katastrophenmodus erklären dem staunenden Publikum im November 2021 immer noch Trumpisch, sie wären überrascht von der Entwicklung und die Pandemie werde auf wundersame Weise von ganz allein bald verschwunden sein.

Nein, Corona löst sich nicht in Luft auf, weil wir alle irgendwie keine Lust mehr haben uns an Regeln zu halten, Masken höchstens als Kinnwärmer tragen und bei 2G-Veranstaltungen die Kontrollen auf Zuruf – „Geimpft? – Ju!“ – erfolgen, statt Impfnachweis in Kombination mit dem Personalausweis zu kontrollieren.

Wir brauchen selbstverständlich eine Impfpflicht, wir brauchen bundesweit 2G und wir brauchen selbstverständlich eine Totallockdown für alle Ungeimpften.

Stattdessen versündigen sich Merkel und Spahn durch Untätigkeit an Deutschland. Leider sind auch viele Landesregierung  - insbesondere die der Freistaaten und BWs – nicht fähig, exekutiv einzuspringen.

Und so Leid es mir tut; Olaf Scholz ist amtierender Vizekanzler. Ich nehme auch an, daß er über Merkels und Spahns Telefonnummer verfügt.  Er muss dringend initiativ werden. Ein gewaltiges Problem ist natürlich die unverantwortlich handelnde FDP, die, siehe Buschmann, hanebüchenen Unsinn von sich gibt, oder, noch schlimmer, generell die Tyrannei der Impf-Feinde mit „Freiheits“-Parolen verteidigt.

Durch diese allgemeine politische Doofheit Deutschlands kreieren wir uns gerade 100.000 weitere Tote.

[….] Drosten warnt vor 100.000 weiteren Coronatoten in Deutschland. Noch immer gibt es zu viele Ungeimpfte in Deutschland. Ohne härtere Coronamaßnahmen drohen nach Ansicht des Virologen Christian Drosten viele Opfer. Tests allein könnten die vierte Welle nicht brechen, nur neue Kontaktbeschränkungen. [….]

(SPON, 09.11.2021)

Aber 100.000 Tote scheinen nicht als irgendwie störend empfunden zu werden von der Spezies Homo Demes Teutonis.

Lieber Karneval feiern. Und die Masken sind auch so lästig.

In Bayern sowieso.

[….] Man nehme den Landkreis Miesbach. Schliersee, Tegernsee, Almen, Hütten. Tagelang lag die Corona-Inzidenz dort über 700, die höchste bundesweit. Nun liegt sie schon bei 875, übertroffen nur noch von den Landkreisen Rottal-Inn, Traunstein, Dingolfing-Landau. [….] Die Situation sei außer Kontrolle, heißt es im Landratsamt. Die Infektionsketten können nicht mehr nachverfolgt werden, [….] Was hat zu dieser Situation geführt? [….] Womöglich ist der gewichtigste Faktor: Sorglosigkeit - zu einem beträchtlichen Teil mitgebracht aus einem Sommer, in dem vieles möglich war. Hochzeiten durften stattfinden, doch in manchen Fällen endete das für die Feiernden samt Brautpaar in Quarantäne. Und was man in Vereinen oder Feuerwehren weiß, aber nie einer Behörde melden würde: Es gab häufig größere, private Stadelfeste. Diese wurden auch von Infizierten besucht, die Folgen waren fatal: reihenweise junge, teils schwer Erkrankte. [….]

 (Johanna Pfund, 10.11.2021)

Dienstag, 9. November 2021

Vogelfeinde

Wie die Kinder heute an elektronische Medien herangeführt werden, kann und will ich mir nicht vorstellen.

Durch die Gnade der frühen Geburt, gab es in meiner Vor- und Grundschulzeit weder Computer, noch Internet noch Videogames.

Die Eltern hörten Schallplatten, Radio hatten wir nicht, es gab einen Fernseher, der allerdings fast ausschließlich Erwachsenen-Programme zeigte. Die Anziehungskraft auf uns Kleine war also beschränkt, aber natürlich sah ich die ganz wenigen expliziten „Kindersendungen“, die unterhaltsam waren und gleichzeitig einen pädagogischen Ansatz verfolgten.  Man lernte sehr viel.

Ich mochte die amerikanische „Sesame Street“ mit Bob, Gordon, Mr. Hooper und Big Bird und Oscar in der Mülltonne.

Die Show wurde 1969 entwickelt und so war ich die erste „Sesamstraßen-Generation“. Im deutschen TV gab es ab 1973 synchronisierte Versionen, die täglich liefen. Das war revolutionär; bis dahin gab es Kindersendungen nur wöchentlich, vorzugsweise sonntags.

Eine wichtige bis heute geltende Weisheit begriff ich Anfang 1978, als es erstmals eine „deutsche Sesamstraße“ gab. Die spießigen Deutschen wollten nämlich nicht mehr den häßlichen Oscar in der Mülltonne akzeptieren und dann auch noch die undeutsch-dunkle Hautfarbe von Gordon!

So kamen Samson, Tiffy, Herr von Bödefeld, Finchen und Simson in die Kinderzimmer. Ich lernte ‚deutsche Adaptionen amerikanischen Fernsehens sind großer Mist‘. Was für grausige Viecher das waren.

Die deutschen Figuren mochte ich von Anfang an nicht; allerdings wuchs ich da auch schon aus der Altersgruppe raus, konnte selbst lesen, so daß sich mir eine gewaltige neue Welt der Bücher erschloss.

In den USA leben Big Bird „Bibo“ und Oscar allerdings bis heute.

Die Sendung erfüllt immer noch einen Bildungsauftrag und da Big Bird natürlich inzwischen auch einen Twitter-Account hat, kann er sich auch außerhalb der Sendezeiten an die Kinder wenden.

Da in den USA mit der Unterstützung Joe Bidens Kinder ab fünf Jahren zur Corona-Impfung aufgerufen werden, ließ sich auch Big Bird impfen.

[….] I got the COVID-19 vaccine today! My wing is feeling a little sore, but it'll give my body an extra protective boost that keeps me and others healthy.

Ms. @EricaRHill even said I’ve been getting vaccines since I was a little bird. I had no idea! [….]

(Big Bird, 06.11.2021)

Der US-Präsident reagierte auf den Tweet.

[….] Good on ya, @BigBird. Getting vaccinated is the best way to keep your whole neighborhood safe. […..]

(President Biden @potus, 08.11.2021)

Damit war die Büchse der Pandora geöffnet, denn die oberste Maxime der US-Republikaner lautet bekanntlich, daß jede Ansicht eines Demokraten bis auf’s Blut bekämpft werden muss.

[…..] Nun herrscht gerade ein bisschen Aufregung bei den US-Republikanern, da der große gelbe Vogel auf Twitter verkündet hat, er habe sich gegen Covid-19 impfen lassen. Eine klare Empfehlung der Sesamstraßen-Macher für die derzeit zur Impfung aufgerufenen Fünf- bis Elfjährigen im Land. Unterstützt von US-Präsident Joe Biden, der Big Bird auf Twitter bereits für seinen Einsatz lobte. Da dauerte es freilich nicht lange, bis der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas auf Twitter von "Regierungspropaganda" sprach und die konservative Medienschaffende Lisa Boothe von Fox News die Aktion als "Gehirnwäsche" geißelte. Auch Steve Cortes, ehemaliger Berater von Donald Trump, nannte die Aktion "böse".  [….]

(SZ, 09.11.2021)

Die QTrumpliKKKans eröffnen die Jagdsaison auf den bösen großen Vogel.

There's a big bird over my house

Go away, go away

There's a big bird flying over my house

And it looks like it's decided to stay

It's making a mistake... a big mistake

Big bird

Big bird

Big bird

Big bird

I pinch myself

I think I'm not dreaming

I'm not

I hear screaming!

See'mon! Get it out now

Wants to use me to feather its nest

Now it wants the rest

It's swooping from the branch

It's swooping from the sky

Spreadin' its feathers

Cuttin' out-flying

Montag, 8. November 2021

Wer handelt jetzt mal?

Aus den unrühmlichen Erfahrungen der Weimarer Republik, in der dauernd Regierungen stürzten und von dem ebenso senilen wie mächtigen Reichspräsidenten Hindenburg ersetzt wurden, lernten die Verfassungsväter.  Der deutsche Bundespräsident wird nicht mehr vom Volk gewählt und nimmt eine wesentlich schwächere Rolle ein. Er kann eben nicht, nach seinem Gutdünken Regierungen ein- und absetzen. Einen amtierenden Bundeskanzler wird man außerdem nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum los. Es muss also gleichzeitig die Kanzlermehrheit für einen anderen Kandidaten zustande kommen. Das ist sehr viel schwieriger als eine Mehrheit zu verlieren.

Mit der konstituierenden Sitzung des 20. Bundestags am 26.10.2021 wählten die Abgeordneten eine neue Präsidentin, ein neues Präsidium und Bundespräsident Steinmeier überreichte der Kanzlerin und den Ministern ihre Entlassungsurkunden. Sie bleiben aber laut Verfassung geschäftsführend im Amt. Das kann theoretisch bis zur nächsten Bundestagswahl so bleiben, wenn keine Koalition zustande kommt, die eine Kanzlermehrheit erreicht.

Ja, eine Ampel ist hochwahrscheinlich und mutmaßlich wird im Dezember der nächste Bundeskanzler Scholz gewählt.

Sicher ist das aber nicht. Vielleicht verkrachen sich SPD und Grüne noch so sehr, daß Armin Laschet Jamaika-Kanzler wird, weil die Grünen in der Konstellation viel weniger Gewicht hätten. Oder Lindner und Habeck stellen so unüberwindbare Gegensätze fest, daß Mützenich oder Klingbeil entnervt eine neue Groko mit der Brinkhaus-CDU bilden.

Olaf Scholz ist nicht nur ein intimer Kenner der Berliner Verfassungsorgane, sondern auch selbst Jurist.  Daher hält er sich auffallend und ausdrücklich zurück. Die Journalisten würden über ihn herfallen, wenn er sich lange bevor ein Koalitionsvertrag in Sicht ist und noch in den Sternen steht, ob eine Kanzlermehrheit zu Stande kommt, schon als Regierungschef aufspielte.

Es gibt für ihn auch keinen Anlass initiativ zu werden, denn wir haben eine amtierende, vollfunktionstüchtige Bundesregierung, deren Minister und Kanzlerin alle einen Eid geschworen haben, ihre ganze Kraft einzusetzen.

Soweit die Theorie.

In der Praxis ist es aber leider so, daß Merkel, Seehofer und Spahn schon in den Rentnermodus übergegangen sind. Die Kanzlerin lässt sich auf einer großen Abschiedstournee durch die Welt feiern, kümmert sich einen feuchten Kehricht um die Pandemie. Seehofer sitzt schon lange wieder in seinem Ingolstädter Psychokeller und setzt kleine Merkel-Voodoo-Figuren auf seine Spielzeugbahn. Der irrste von allen ist aber Jens Spahn, der seinen Ministerjob ganz vergessen hat, sich auf den CDU-Parteivorsitz konzentriert und um gute Stimmung zu verbreiten die „epidemiologische Lage“ zum 25.11.2021 auslaufen lässt. In seiner bizarren Selbstwahrnehmung ist er der Superminister, der Corona besiegt hat.  Kann man sich nicht ausdenken.  Spahns Schlamperei, seine Weigerung über Impfpflicht auch nur nachzudenken und die völlige Tatenlosigkeit bei Impf-Werbekampagnen, haben dazu geführt, daß die pandemische Lage schlimmer ist als jemals zuvor.

Die konservativen Freistaaten mit ihren enormen Covidioten-Quoten rasen auf 500er Inzidenzen zu.

08.11.2021
Immerhin wissen wir jetzt einiges sicher: Die panische Angst vornehmlich konservativer Minister vor den Eso-Seuchenfreunden ihrer Bundesländer, die sie gern wie AfD-Wähler nur mit Samthandschuhen anfassen und ihnen versichern, sie ernst zu nehmen, war extrem kontraproduktiv.

Immer wieder die Impfpflicht auszuschließen, nahm nicht etwa den Druck von den „Impfmuffeln“, um mit ihnen im Gespräch zu bleiben, sondern führte nur zu einer katastrophal niedrigen Impfquote mit vollen Intensivstationen und immer neuen Seuchenausbrüchen in Pflegeheimen.

Es gibt keinen konsensorientierten kommunikativen Weg, um mit Antisemiten umzugehen. Man baut Homohassern keine Gesprächsbrücken. Man zeigt kein Verständnis für Rassisten. Man diskutiert nicht mit Evolutionsleugnern oder Flacherdlern, als ob sie bloß einer anderen Theorie anhingen.

Ebenso verhält es sich mit Impfverweigerern, Frau Will! Man lädt nicht Sahra Sarrazin in eine Sonntagabend-Talkshow, um sie dort ihre bekannten Coronaschwurbeleien ausbreiten zu lassen.

Gestern Abend, eine Woche nach der Wagenknecht-Katastrophe bei der beschaulichen Anne Will, platzierte Weltärztepräsident Montgomery einen Trigger-Satz, der so viel Eruptionen der der Covidioten auslöste, daß ich morgens von den Protuberanzen aufgerüttelt wurde, obwohl ich die Sendung gar nicht gesehen hatte.

[…..] Der Vorstandsvorsitzendes des Weltärztebundes, Montgomery, hat die Politik davor gewarnt, neue Lockdowns oder eine Impfpflicht pauschal auszuschließen. Solche „apodiktischen Nie-Aussagen“ seien einfach falsch, sagte er im ARD-Fernsehen. Die Situation könne sich jederzeit ändern. Zudem beklagte Montgomery, man erlebe derzeit eine – Zitat – „Tyrannei der Ungeimpften“ über eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bevölkerung. In Ländern wie Portugal seien 97 Prozent der Über-Zwölfjährigen geimpft. Dort gebe es keine einschränkenden Maßnahmen mehr, weil man sie nicht mehr brauche. […..]

(DLF, 08.11.2021)

Die schlimmsten Verschwörungstheoretiker und Hass-Prediger rasteten erwartungsgemäß aus. Ausgerechnet der PP-Urinduscher warf Montgomery vor, Hass zu predigen und Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Immerhin drei gute Argumente konnte Berger gegen Montgomery vorbringen: Er wäre nur Radiologe (und kein medizinischer Experte wie Theologe Berger), er spreche im gebührenfinanzierten TV und außerdem habe er Übergewicht!

Ätsch, entlarvt!

[….] Dass mit der sich anbahnende Corona-Diktatur gerade das Gegenteil immer mehr zum Problem wird, scheint auf dem engschränkten Röntgenbild des Herrn Doktor nicht erkennbar. [….] In der ARD-Talksendung „Anne Will“ warnte der gelernte Röntgenbildmacher vor einer bereits bestehenden „Tyrannei der Ungeimpften“ unter der die geimpfte Zweidrittelmehrheit der Bevölkerung leide. [….] Mit seinen Aussagen hat Montgomery einen ganz wesentlichen Beitrag für ein weiteres Eskalieren der gegenwärtigen bürgerkriegsvorbereitenden Spaltung der deutschen Gesellschaft geleistet. Bereits jetzt versammeln sich in den sozialen Netzwerken fanatische Hasskommentatoren, die angestachelt von Montgomerys Aussagen, brachiale Maßnahmen (bis hin zu Gefängnisstrafen und zur Vergasung [„Ungeimpfte ins Gas“]) von Ungeimpften fordern. [….] Wenn der sichtbar übergewichtige Vizevorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, einem topfitten Profisportler Kimmich öffentlich eine Impfung aufzwingen will, weißt du, daß du, verflixtnocheins, das Zwangsgebühren-Anstaltsfernsehen eingeschaltet hast. […]

(Philosophia Perennis, 08.11.2021)

Dieses pawlowsche Hetzen der stolzen Ungeimpften zeigt mustergültig, wie aussichtlos Überzeugungsarbeit und Argumentationen mit diesen Fanatikerin sind.  Wir brauchen sofort bundesweit 2G bei allen Veranstaltungen, einen totalen Lockdown für Ungeimpfte und Impfpflicht für alle Menschen, die beruflich in Kontakt mit anderen kommen.

[….] Tschentscher: Pandemie nicht aus Sicht der Ungeimpften beurteilen.  Auf die Frage, ob zwei 2G-Modelle letztlich nicht eine Art Lockdown für Ungeimpfte bedeuteten, sagte der SPD-Politiker: „Wir können diese Pandemie nicht immer aus der Sicht der Ungeimpften beurteilen.“ Die große Zahl der schon geimpften Personen habe schließlich auch Rechte. In vielen Bundesländern gebe es bisher eine zu niedrige Impfquote – „und dort eskaliert jetzt auch die Situation.“ [….]

(MoPo, 08.11.2021)

Ungeheuerlich, nach einer Kaskade von Sterbewellen in Pflegeheimen, in denen immer noch ungeimpfte Pfleger die vulnerabelsten Menschen anstecken, werden diese potentiellen Mörder von ihrer obersten Vertreterin verteidigt!

  […..] Interessanter ist da die Frage nach den Tyrannen, den Ungeimpften etwa in der Pflege – deren Duldung etwa in Altenheimen immer wieder Pflegebedürftigen das Leben kostet. Christine Vogler tut, was sie als Präsidentin des Deutschen Pflegerates tun muss, und würde die Beschäftigten gern »aus dem Fadenkreuz nehmen«.[…..] Eine Impfpflicht für diese Berufsgruppe allein lehnt sie ab. Es gebe »1,2 Millionen Pflegende in diesem Land«, die sich ihrer Verantwortung für die Patienten absolut im Klaren seien. Als Bürgerinnen und Bürger hätte sie aber die gleichen Rechte und Verpflichtungen wie alle anderen auch.  Alena Buyx, Professorin für Medizinethik, widerspricht und befürwortet durchaus »eine Impfpflicht dort, wo eine besondere, auch berufliche Verantwortung besteht«. Ihr sekundiert Montgomery, bei allem Respekt vor der Position Voglers: »Aber der alte Mensch muss doch sicher sein, dass ich nicht eine Bedrohung für ihn bin«. [….]

(Arno Frank, SPON, 08.11.2021)

Die Zeit des Laschetschen Beschwichtigens und Spahnschen Abwartens ist vorbei.

[…..]   Im Herbst und Winter werden sich nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, so gut wie alle Nicht-Geimpften mit Corona infizieren. »Wir werden erleben, dass sich in den nächsten Monaten aller Voraussicht nach jeder, der nicht geimpft wird, infizieren wird«, sagte Gassen am Sonntagabend dem Sender Bild TV.  Andere Maßnahmen als Impfen böten vor dem Coronavirus keinen Schutz. »Es ist eine trügerische Sicherheit, wenn die Leute meinen, weil sie nicht zum Karneval gehen oder noch in der U-Bahn eine Maske tragen, sind sie davor geschützt, sich mit Corona zu infizieren«, sagte Gassen. [….]

(SPON, 11.08.2021)

Wir werden tatsächlich von den Ungeimpften tyrannisiert. Sie sind aber insbesondere auch eine Zumutung für die Pfleger und Ärzte auf den Intensivstationen.

Auf Olaf Scholz kommen enorme Probleme zu, denn neben allerlei Schwurblern, Esoterikern, Nazis, Aluhüten und Konservativen, ist es vor allem sein mutmaßlicher Koalitionspartner FDP, der durch strikte Ablehnung der Impfpflicht die Todesraten nach oben jagen will.

[…..] Mit der Verteidigung der Freiheit lässt sich so viel begründen: ein Nein zum Tempolimit oder zu Steuererhöhungen oder eben zu einer Impfpflicht. Tatsächlich aber ist diese Haltung nur einfältig - und in einer Pandemie gefährlich. […..] Das führende Personal der FDP baut seine Lieblingssätze derzeit gerne so: "Mit uns wird es kein/keine ... geben." Wobei die Leerstelle dann wahlweise mit "Steuererhöhung", "Aufweichung der Schuldenbremse", "Tempolimit" oder "Impfpflicht" gefüllt wird. Das klingt im Ergebnis herrlich entschieden, wie in Stein gemeißelt statt nur in Mikrofone gesprochen. […..] Das Problem ist nur, dass sie den Freiheitsgedanken, aus dem die Liberalen stets ihre Haltung und ihre politischen Forderungen ableiten, an der ein oder anderen Stelle doch arg verkürzen. Beispiel Tempolimit. Das Rasen auf der Autobahn - auf Kosten der Umwelt und der anderen Autofahrer - als eine Art Hochamt der bürgerlichen Freiheit zu verklären, ist eine Beleidigung der Intelligenz all jener, die Freiheit tatsächlich für ein hohes Gut halten.  Noch dramatischer wird ein allzu simpler Freiheitsbegriff beim Thema Impfpflicht. […..] Nun ist es aber so, dass zum Liberalismus neben der Freiheit auch die Verantwortung gehört. Zudem wird die Freiheit des Individuums begrenzt durch die Freiheit all der anderen Individuen. In einer Pandemie, in der die Ansteckung nur einen Hustenanfall des Sitznachbarn im Bus entfernt ist, sind diese anderen nun einmal verdammt nah an jeden Einzelnen herangerückt. Der Radius, innerhalb dessen man tun und lassen kann, was man will, ist enger geworden. Das sollte auch die FDP anerkennen. […..]

(Henrike Roßbach, SZ, 09.11.2021)

Die FDP ist de facto nicht regierungsfähig, aber was soll man machen, wenn der Souverän Rote und Grüne dazu zwingt, sie Industrielobbyvertreter ins Kabinett zu nehmen?

Vielleicht ist es wenigstens möglich, sie aus dem Gesundheitsministerium fernzuhalten und nicht mehr wie das paralysierte Kaninchen vor der Schlange zu kuschen, wenn die Covidioten loszetern.

[…..] Die Angst der Politik vor den Schwurblern

Deutschland steht am Beginn der möglicherweise schlimmsten Corona-Welle der Pandemie. Experten haben das lange vorausgesagt. Und trotzdem ist in der Politik fast nichts passiert. Im Gegenteil: Jens Spahn hat noch vor wenigen Tagen den Eindruck erweckt, als sei Corona vorbei. Vermutlich, um im Kampf um den CDU-Vorsitz seine Bilanz ins rechte Licht zu rücken. Inzwischen hat er sich dafür entschuldigt. Davon haben Corona-Opfer oder das Personal auf den Intensivstationen aber herzlich wenig. Natürlich erschwert der Regierungswechsel die Situation zusätzlich. Trotzdem ist es atemberaubend, wie wenig vorausschauend die Gesundheitspolitiker gehandelt haben. Man kann den Eindruck gewinnen, als hätten sich Spahn & Co. so passiv verhalten, um Schwurbler nicht weiter gegen sich aufzubringen. Deshalb wird noch nicht mal über eine Impfpflicht diskutiert, die eine Mehrheit inzwischen befürwortet. Die Politik hat sich in Geiselhaft einer lauten Minderheit begeben. Das ist politische Feigheit und eine Dummheit noch dazu. […..]

(Christian Burmeister, MoPo, 06.11.2021)

Bei dem Totalversagen, das Merkel, Spahn und die Bundesländer gerade vorexerzieren, muss sich Olaf Scholz vermutlich über die Verfassung hinwegsetzen und als vager Zukünftiger Pflöcke einschlagen.

Es pressiert gewaltig.

[….] Der Abgeordnete Olaf Scholz, geschäftsführender Vizekanzler und wohl bald Bundeskanzler, verfügt ganz gewiss über ausreichend Legitimität, sich zum Verhältnis von Respekt gegenüber Menschen und Rücksichtnahme auf Koalitionspartner zu äußern, im Parlament oder wo auch immer. Gerne wird von Scholz der Spruch zitiert, wer Führung verlange, bekomme sie auch. Also: einmal Führung, bitte. Und zwar am Stück, nicht in Scheiben. [….]

(Nico Fried, SZ, 08.11.2021)

Die eigentliche Wirtschaftskraft.

Wir kannten das Phänomen in Deutschland schon vor 60 Jahren.

Die Wirtschaft wollte brummen, aber es fehlte überall an dem Schmiermittel billiger menschlicher Arbeitskraft.  CDU-Superstar Ludwig Erhard (*1897 †1977), damals Wirtschaftsminister, Vizekanzler und „Vater des deutschen Wirtschaftswunders“ wußte aber was zu tun ist. Als guter Christ hörte er auf die Wünsche der Unternehmer und besorgte ihren Arbeitssklaven, die man nicht wie echte Menschen behandeln musste. Millionen Gastarbeiter, die keine sozialen Ansprüche stellten, nie krank waren, ohne Gejammer über Arbeitsschutz klaglos jede Drecksarbeit ausführten, wenig kosteten und nach getaner Arbeit mit einem Fußtritt in den Hintern wieder in Südeuropa verschwanden.

Nachdem es schon Anwerbeabkommen mit Italien, Spanien und Griechenland gegeben hatte und die deutsche Wirtschaftsmaschine immer noch Hunger nach belastbaren Billigarbeitern hatte, schloß Erhard 1961 das Anwerbeabkommen mit der Türkei.

[….] 60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen

Es war eine leise, pragmatische Vereinbarung – mit ungeahnten und bis heute prägenden Folgen für die deutsche Gesellschaft: In einem zweiseitigen Dokument, deutlich kürzer als jeder Arbeitsvertrag, regelte das Auswärtige Amt in Bonn mit der türkischen Botschaft am 30. Oktober 1961 die Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland.  [….] Auf der Basis dieses Abkommens bewarben sich zwischen 1961 und 1973 mehr als zweieinhalb Millionen Menschen aus der Türkei um eine Arbeitserlaubnis in Deutschland; jeder Vierte wurde genommen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Türkei sollten ein, zwei Jahre in Deutschland bleiben. Später wurde die Aufenthaltsdauer verlängert: Als die deutschen Fabriken feststellten, dass sie es sich nicht leisten konnten, ständig neue Kräfte anzulernen. [….] Es waren Frauen, Männer, Kurden, Tscherkessen, Lasen, Griechen, Armenier, Christen, Juden, Sunniten, Aleviten, Kommunisten, Junge und Alte, meist ungebildet, einige erwähnten bei der Prüfung in der Istanbuler Verbindungsstelle gegenüber den deutschen Beamten lieber nicht, dass sie eine Ausbildung in der Tasche hatten. Das war nicht gewünscht. Gesund und kräftig sollten sie sein. Das wurde in medizinischen Untersuchungen geprüft. [….]

(Heinrich Böll Stiftung, 24.10.2011)

Integration, Bildung, soziale Fürsorge war für die „Gastarbeiter“ nicht vorgesehen. Den christlichen Regierenden in Bonn war gar nicht aufgefallen, daß es sich bei den Millionen Türken um Menschen handelte, deren Würde zu achten war.

In den 1970ern wandelte sich das Bild. Es gab große internationale Krisen, Ölknappheit und weniger Jobs als Arbeitskräfte.

Nun galt es die „Gastarbeiter“ wieder loszuwerden. Bis ins 21.Jahrhundert versicherten konservative deutsche Politiker wider jede Evidenz, Deutschland sei kein Einwanderungsland.

Der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland, zuvor 40 Jahre Mitglied der CDU, phantasierte 2018 davon, Aydan Özoğuz, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages aus Hamburg „in Anatolien zu entsorgen“.

Wer zwischen 1960 und 2000 geboren wurde, assoziiert mit dem Begriff „Arbeitsmarktpolitik“ den ewigen Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit. Mit dem Umbau des Sozialsystems, Bildungsangeboten, mit Druck und Lockmitteln, mit Strafen und vielen statistischen Tricks galt es für jeden Arbeitsminister irgendwie die verdammte Arbeitslosenzahl zu drücken.

Eine hohe Arbeitslosenquote hat allerdings mehrere Gesichter. Da sind die schweren psychosozialen Folgen für die betroffenen Familien, die enormen Kosten für den Steuerzahler und die paradiesischen Verhältnisse für die Arbeitgeber, die sich ihre Mitarbeiter aussuchen können, niedrige Gehälter zahlen und jeden Job mit Zumutungen belasten können. Menschen, die sich „ersetzbar“ fühlen und in ständiger Angst vor dem Jobverlust leben, mucken nicht auf, melden sich nicht leichtfertig krank und machen einen Bogen um Gewerkschaften.

Die deutsche Gesellschaft gewöhnte sich an eine hohe „Sockelarbeitslosigkeit“, ein Millionenheer der „Unvermittelbaren“. Zu alt, zu wenig Erfahrung, zu schlecht gebildet, zu unflexibel. Die Politik beschränkte sich darauf dieses „Menschenmaterial“ irgendwie loszuwerden. Es gab Rückreiseprämien, Grenzen wurden geschlossen, über 50 Jährige wurden aus der Statistik geschrieben, Menschen mit Mikro-Renten verfrüht in den Ruhestand geschickt.

Arbeitgeber, die viele Jobs an ungelernte Kräfte vergeben – Lidl, Schlecker, Amazon, Kaufland, Leiharbeitsfirmen, DHL, GLS, Lieferdienste – konnten ihre Angestellten nach Herzenslust drangsalieren, auspressen und überwachen.

Als Schlecker, auch wegen der bekannt katastrophalen Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, 2012 pleiteging und über 11.000 „Schleckerfrauen“ arbeitslos wurden, profilierte sich die FDP in der Merkel-Regierung mit einem kategorischen Nein gegen jede finanzielle Hilfe.

[….] Rösler sieht in der Schlecker-Entscheidung auch einen Beleg für die wirtschaftspolitische Prinzipientreue seiner Partei. Es sei nicht Aufgabe des Staates, für Transfergesellschaften zu sorgen, betonte Rösler. Er habe "ordnungspolitisch darauf hingewiesen", dass es "viel schneller und viel einfacher" für die Beschäftigten von Schlecker gewesen wäre, auf die Bundesagentur für Arbeit zurückzugreifen. Sie habe die Instrumente, die Möglichkeiten und das Fachwissen. Die Arbeitsmarktsituation im Einzelhandel sei sehr gut. "Jetzt gilt es für die Beschäftigten - mehr als 10.000 vornehmlich Frauen, einzelne Mütter und ältere Frauen - schnellstmöglich eine Anschlussverwendung selber zu finden", riet der FDP-Chef. [….]

(SPON, 29.03.2012)

Dieses zutiefst menschenverachtende Denken ist immer noch im FDP-Selbstverständnis verwurzelt. Ein Konzern, der Tausende, am besten Zehntausende Mitarbeiter feuert, wird an der Börse dafür gefeiert, die Personalkosten zu reduzieren. Die Lufthansa-Technik, Tochter des mit neun Corona-Steuermilliarden gepäppelten Lufthansa-Konzerns, setzt über fünf Milliarden Euro um und glänzt als die Konzernsparte, die durch KnowHow und Weltmarktführerschaft schwarze Zahlen schreibt.

Konzernchef Spohr, der sich selbst das Gehalt gern mal um eine Million Euro aufstockt, prahlt im November 2021 damit 1000 Mitarbeiter losgeworden zu sein.

[….] Lufthansa Technik baut weiter Stellen ab [….]

Die Führung der Lufthansa kann aufatmen [….] „Die Krise ist nicht vorbei, aber wir machen enorme Fortschritte, gestärkt aus der Krise hervorzugehen“, sagte Spohr. Ein Teil des Erfolges geht auch auf das Konto des Hamburger Tochterunternehmens Lufthansa Technik, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet. Statt einem Minus von mehr als 200 Millionen Euro wie 2020 hat der Experte für Reparatur und Wartung von Flugzeugen in diesem Jahr bisher 163 Millionen Euro verdient. [….] „Wir haben vieles richtig gemacht, auch mit der Härte der Restrukturierung“, sagte Firmensprecher Jens Krüger dem „Abendblatt“. Und meint den Abbau von Arbeitsplätzen: Lufthansa Technik kündigte zu Beginn der Krise Leiharbeitern und rund 300 Mitarbeitern in der Probezeit. Etwa 1000 Angestellte gingen deutschlandweit in Altersteilzeit oder gingen freiwillig. [….]

(MOPO, 04.11.2021)

Der politische Blick ist so sehr darauf konzentriert, den Millionenblock der Arbeitslosen als Manövriermasse ohne eigene Würde zu betrachten, daß der Zeitenwandel gar nicht bemerkt wurde.

Seit gut zehn Jahren wissen wir, daß Schavan-Wanka-Karliczek-Deutschland leider keine Bildungspolitik kann. Daher sind die deutschen Schulabgänger bedauerlicherweise  etwas verblödet. Und MINT-Fächer können sie schon mal gar nicht. Aber statt das System zu ändern, versuchte man sich mit „Computer-Indern“ zu behelfen. Asiaten können Ingenieurs- und IT-Berufe eben besser, so das schlichte Denken in der Bildungspolitik. Also muss man wohl zähneknirschend ein paar von ihnen reinlassen. Aber immer nur drei Monate. Und natürlich ohne ihre Familien. Und nur wenn auch wirklich garantiert ist, daß es bundesweit keinen einzigen Deutschen gibt, der den Job auch machen könnte. Deutschland hat sich in dieser Hinsicht seit 1960 nicht weiterentwickelt und wähnt sich immer noch als das gelobte Land, in das sich jeder Facharbeiter zu jeder Bedingung gern verschicken ließe.

Dennoch, der Begriff „Facharbeitermangel“ ist schon seit Jahren ein politischer Begriff. Handwerker finden keine Mitarbeiter mehr, sagen reihenweise Aufträge ab. Offensichtlich ist der finanzielle Druck aber noch nicht groß genug, um gegenzusteuern. Denn immer weniger Handwerksbetriebe geben sich die Mühe junge Leute auszubilden. Erst Recht nicht, wenn diese womöglich mit Sprachbarrieren hadern. Nein, die jungen guten motivierten Mitarbeiter sollten schon möglichst vom Himmel fallen.

Jedes Kind kann inzwischen davon singen welche enormen Probleme der Personalmangel im Gesundheitssystem macht. Krankenschwestern, Altenpfleger sind absolute Mangelware.

Auch hier agieren die Arbeitgeber noch im letzten Jahrhundert. In großen Teilen NRWs, BWs und Bayerns raten die Bildungsinformationszentren jungen Migranten, bitte NICHT Altenpflege zu lernen, da sämtliche Krankenhäuser und Altenheime sich in kirchlicher Trägerschaft befinden und wir leisten uns nach wie vor ein kirchliches Sonderarbeitsrecht, welches Muslime, Atheisten, Juden oder Hindus keine Jobs gibt. Wir halten immer noch an dem Irrglauben fest, die freie Auswahl zu haben, daß Migranten kaum jemals eine Arbeitserlaubnis bekommen und ausländische Abschlüsse kaum jemals anerkannt werden.

Immer wieder vollkommen unglaublich, aber wahr: Trotz des seit Jahren bekannten eklatanten Arbeitskräftemangels im Gesundheitssektor, bilden die meisten Krankenhäuser nicht aus.

(….)     […..] Trotz Fachkräftemangels in der Krankenpflege bildete zuletzt gerade einmal jede zweite Klinik in Deutschland entsprechende Fachkräfte aus. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Demnach beteiligten sich im Jahr 2017 insgesamt 965 von bundesweit 1942 Krankenhäusern an der Ausbildung von Krankenpflege-Fachkräften. Das entspricht einem Anteil von 49,7 Prozent. Laut Gesundheitsministerium gab es 2017 in den Krankenhäusern insgesamt 80.285 entsprechende Ausbildungsplätze.  Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit aus dem Mai ist in fast allen Bundesländern ein Fachkräftemangel in der Krankenpflege zu verzeichnen. [….]

(HAZ, 12.08.2019)

Ich sehe hier zwei Hauptschuldige. Einerseits die schwarzen und grünschwarzen Politiker, die diese Gesundheitsprivatisierungen überhaupt zugelassen haben.

Andererseits natürlich auch die CDU-Gesundheitsminister Gröhe und Spahn, die offenbar nie auf die Idee gekommen sind im Sinne der aus den 1970er Jahren bekannten „Ausbildungsplatzabgabe“ die privaten Krankenhausbetreiber zu bestrafen, wenn sie sich derartig an der Zukunft versündigen, daß sie gar nicht mehr ausbilden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB reagierte schon 2004 zu Schröder-Zeiten höchst allergisch auf „Ausbildungsplatzabgaben“. (….)

(Privatwirtschaftsversagen, 13.09.2019)

Die Personalnot dringt in immer mehr Branchen. Jeder, der schon mal auf einer Eigentümerversammlung war, weiß das.

Es ist schon fast ein Ritual, daß es mindestens eine Beschwerde über Treppenhausreinigung, Gartenpflege oder Hausmeister-Tätigkeiten gibt.

Bezahlen möchte man die Leute nicht, findet sie generell viel zu teuer, glaubt aber, wenn man acht Stunden im Monat bezahlt, sollte in einem Zehnstöckigen Haus täglich jede Fliesenfuge im Flur mit der Zahnbürste gereinigt werden. Die Hausverwaltungen können sich dabei inzwischen bequem zurücklehnen. Man kann Gärtner oder Hausmeister sowieso nicht feuern, weil man keine Neuen findet. Der Markt ist leergefegt.

Als ich 2018 mit gebrochenem Flunk mehrere Wochen außerstande war meine Wohnung selbst sauber zu halten, konnte ich auf eine Putzfrau zurückgreifen, die ich über drei Ecken privat kenne und die daher ausnahmsweise bereit war, mir alle paar Tage zu helfen. Sie nimmt 25 Euro die Stunde und kann sich in Hamburg die Arbeitgeber aussuchen. Weniger als vier Stunden macht sie nicht. Für unter 100 Euro steht sie nicht auf. Ich habe gern gezahlt, weil ich mich freue, daß die Zeiten vorbei sind, in denen man „die Putze“ als Halbsklavin herumkommandierte und mit einem Trinkgeld abfinden konnte.

Wer zu den Millionen Pflegebedürftigen gehört, die noch zu Hause leben und neben den auf Minutenbasis abgerechneten Hetz-Leistungen der ambulanten Pflegedienste eine Pflegekraft anstellen möchte, die Stundenweise in Haus kommt und sich dabei auch noch arbeitsrechtlich völlig legal verhalten möchte, kann das tun.

Von eben auf jetzt klappt das nicht. Aber mit Warteliste bekommt man mit Glück einen zugewandten Pfleger von JWO Hamburg Care, die natürlich auch händeringend Mitarbeiter suchen. Eine großartige Firma, da nicht eine bestimmte Arbeitsleistung gebucht wird, die dann in größter Eile erledigt werden muss, sondern die Zeit des Pflegers.

Pflegeberatung, Grundpflege, Hauswirtschaftliche Versorgung, Seniorenbetreuung, Familienpflege, 24 Stunden Pflege, Persönliche Assistenz/ Assistenzpflege, Nachtwache, Verhinderungspflege, Demenzbetreuung, Alltagsbegleitung kosten über 50 Euro/Stunde.

Auch die vermeidlichen „McJobs“ als Erntehelfer sind längst nicht mehr so leicht mit einem Heer williger billiger Polen zu bestücken.

Sie kennen inzwischen ihren Wert für die Bauern, wissen, daß deutsche Arbeitslose viel zu schwächlich und ungeschickt sind, um als Alternative in Frage zu kommen.

Der schwachsinnige Wahn konservativer Minister wie Horst Seehofer, der sich mit jeder Abschiebung brüstet oder des DDR-Gewächses Ministerpräsident Michael Kretschmer, der den Bau von Mauern fordert, führt zusammen mit dem Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben und Corona zu einem inzwischen so eklatanten Arbeitskräftemangel in Deutschland, daß die Wirtschaftsleistung darunter leidet.

Und zu etwas, das die Gewerkschaften in dem letzten halben Jahrhundert nicht vermochten: Chefs lernen die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter schätzen, nachdem diese so zur Mangelware geworden sind, daß sie sich die Jobs aussuchen können.

Anja Reschke nennt es in ihrem Panorama-Bericht nichts weniger als eine „Revolution“. Der allgemeine Arbeitskräftemangel verschiebt die Macht von den Arbeitgebern zu den Arbeitnehmern. Sie müssen die unattraktiven Jobs in Hotellerie oder Gastronomie nicht mehr nehmen, können sich sicherere Stellungen ohne Nachtdienste und Wochenendarbeit suchen.

[…..] Der deutsche Arbeitsmarkt litt schon vor Corona unter einem massiven Arbeitskräftemangel. Grund dafür ist vor allem der demografische Wandel: die Generation der "Baby-Boomer" geht in Rente, während weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt nachkommen. Seit Jahren weist das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) darauf hin, dass Deutschland eine jährliche Nettozuwanderung von 400.000 Arbeitskräften bräuchte, um dem entgegenzuwirken. Corona habe beim Arbeitskräftemangel in einigen Branchen "wie ein Brandbeschleuniger gewirkt", hat Sell beobachtet. Aktuell besonders betroffen seien Bereiche mit niedriger Vergütung wie in der Hotel- und Gastrobranche. "Sie haben ein sehr niedriges Kurzarbeitergeld bekommen, sodass es einen starken Anreiz gab, während der letzten Monate zu versuchen, sich Jobs in anderen Branchen zu suchen, um über die die Runden zu kommen." [….]

(Panorama, 21.10.2021)

Chefs, die sich während der Lockdowns nicht um ihre kaltgestellten Mitarbeiter kümmerten, erleben jetzt ihr blaues Wunder. Denn in die unattraktiven, schlecht bezahlten Jobs kehren nur wenige zurück.

Panorama Feb 2019


Samstag, 6. November 2021

Freudenspender Köln

Es gibt so viele deprimierende Nachrichten aus Glasgow, vom G20-Gipfel in Rom, dem Wahlverhalten der US-Amerikaner und der Corona-Front, daß ich mich heute auch eine einzige positive Nachricht beschränke. Anderenfalls verfalle ich in Depressionen.

Aber so wie Truman Capotes Romanfigur Holly Golightly bei dunklen Gedanken immer nur zu Tiffany gehen muss, um sich wieder gut zu fühlen, wende ich als Atheist meinen Blick auf den Power-Kardinal Woelki.

Sofort bekomme ich wieder gute Laune, weil dieser effektive Agent der Konfessionsfreien unermüdlich daran arbeitet, immer mehr zahlende Gläubige aus der römisch-katholischen Kirche zu treiben.

(….)  Oh Sanctae Romanae Ecclesiae, Eure Eminenz Rainer Maria Kardinal Woelki, Kardinalpriester von San Giovanni Maria Vianney, Metropolit der Kirchenprovinz Köln, Erzbischof von Köln, Mitglied des „Ständigen Rats“ der Deutschen Bischofskonferenz, Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur, stellvertretender Vorsitzender der Kommission IV „Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste“, Mitglied der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, römisches Kurien-Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der Kongregation für den Klerus, der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Träger der Ehrendoktorwürde der Sophia-Universität in Tokio!  Heute sende ich Ihnen die aufrichtigsten Grüße, Glückwünsche und Gratulationen aus der katholischen Diaspora des ärmlichen Erzbistums Hamburg. (….)

(Offener Brief an meinen Helden, 04.02.2021)

Woelki geht dabei voll in seiner Rolle auf. Mit seiner abstoßenden Physiognomie und durchtriebenen Persönlichkeit beleidigt er die Kirchgänger, greift Unsummen Geld für sich selbst ab, protegiert Kinderfi**er und zeigt ganz Katholistan, wie verkommen und verlogen die Kirchenmoral wirklich ist.

Sein Erzbistum ist heute zum Symbol für den konsequenten Schutz vor Strafverfolgung für Kinderfi**er geworden. Woelki tut alles dafür, um die Aufklärung zu verhindern, die Opfer zu drangsalieren und die pädokriminellen sexuellen Lustgreise unter seine Fittiche zu nehmen. Mehr noch, wann immer Kirchenmitglieder es wagen auch nur darüber nachzudenken, freien Kinder-Missbrauchen zukünftig ein wenig einzuschränken – die PR ist ja doch irgendwie schlecht für die RKK – grätscht der mächtige Kirchenfürst sofort dazwischen, um den bestialischen Kinderquälern ihre Jagdgründe zu erhalten.

Schon vor einem Jahr machte er die „Reformer“ mundtot. Meinungsfreiheit in der RKK – das wäre ja noch schöner!

[….] Erzbistum Köln stellt Katholischer Hochschulgemeinde wegen Kritik an Sexualmoral Internetseite ab - Leitung drohen arbeitsrechtliche Schritte. Wegen fortgesetzter Kritik an der katholischen Sexualmoral und am kirchlichen Lehramt hat das Erzbistum Köln die Webseite der Katholischen Hochschulgemeinde Köln (KHG) abgeschaltet. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstag-Ausgabe) berichtet, hat ein Abteilungsleiter des Generalvikariats kommissarisch die Gemeindeleitung übernommen. Dem Pastoralteam der KHG drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen. Das gesamte Semesterprogramm der KHG ist zurzeit nur noch über einen Solidaritätslink der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Köln zugänglich. Auslöser der spektakulären Strafaktion ist laut Zeitungsbericht ein Positionspapier des KHG-Teams aus dem vorigen Jahr. Es lobt unter anderem die Vielfalt sexueller Beziehungen und beklagt eine immer größer werdende Kluft zwischen der Kirche und der Lebenswirklichkeit junger Menschen. Als "unerträglich" kritisiert das Papier ein "rückständiges und vermeidendes" Auftreten, mit dem führende kirchliche Amtsträger "immer wieder Menschen verletzen". [….]

(Kölner Stadtanzeiger, 18.11.2020)

Ein großartiger Erfolg des stolzen 20-zähnigen Perückenträgers.

Wenn es gut läuft, könnte er im Jahr 2021 erstmals die 20.000-Austritte-Marke allein im Bistum Köln knacken!

[…..] Laut Kölner Amtsgericht sind mehr als dreimal so viele Kölnerinnen und Kölner aus der Kirche ausgetreten als im Vergleichsquartal des letzten Jahres. 2021 steuert auf ein neues Allzeit hoch zu. Die Kirchenaustritte in Köln sind auch im dritten Quartal dieses Jahres stark gestiegen. Von Juli bis Ende September verließen knapp 6.200 Menschen die katholische und evangelische Kirche, wie das Amtsgericht Köln mitteilt. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2019 waren es mit 2.450 Austritten nicht einmal halb so viele wie in diesem Jahr. Auch die übrigen Quartalszahlen liegen 2021 deutlich über den Werten von 2019 und 2020. Im Gesamtjahr 2019 verließen 10.073 Kölnerinnen und Kölner die Kirche. Das Jahr 2019 markierte bis jetzt den Höchststand an Kirchenaustritten. Allein für die ersten drei Quartale 2021 sind schon 15.339 Kirchenaustritte belegt. [……]

(WDR, 08.10.2021)

Wenn doch nur alle Diözesen so erstklassige Oberhirten hätten, wäre die RKK bald marginalisiert!

Freitag, 5. November 2021

Deutschland nicht krisenfähig

Ist das langweilig mit Corona in Deutschland.

Immer tritt genau das ein, was Experten wie Drosten oder Lauterbach prophezeien. Nie kommt es so, wie Wissenschaft-negierende populistische Politiker hoffen.  Immer noch glauben amtierende Ministerpräsidenten und genervte Mitbürger, bei einer ausgewachsenen Pandemie reiche auch ein Laissez-faire-Management.

Es ist, als ob man nach dem Kochen die Küche im Chaos hinterlässt und Mutter einen eindringlich warnt, daß man all das Geschirr und die Töpfe selbst wieder abwaschen muss. Man hat es aber satt, immer auf ihren Rat zu hören, also klammert man sich an den irrigen Gedanken, eingesauigelte Bestecke und verkrustete Pfannen würden sich auf wundersame Weise bei anderen Temperaturen von selbst blitzblank reinigen und in die Schubladen hopsen. Alle paar Tage wagt man einen vorsichtigen Blick in die Küche und ist fürchterlich enttäuscht, wenn alles noch mehr stinkt.

Schon im März 2020 wußten wir alle, daß nur eine wirklich hohe Impfquote von über 80% die Ausbreitung von Sars-CoVII stoppen kann.

Aber bis heute sitzt Gesundheitsminister Spahn die Dringlichkeit gemütlich aus und lehnt auch partielle Impfpflichten kategorisch ab.  Das Ergebnis ist eindeutig.

Während eine Reihe Staaten diese Quote locker erfüllen, dümpelt Deutschland bei einer Impfquote von 66%.

(In Gib. über 100%, wegen der Spanier und Briten, die dort arbeiten, aber nicht da leben)

Blickt man in die Bundesländer, ergibt sich ein recht heterogenes Bild.

Sehr weit vorn liegt der Nordwesten, ganz hinten die Ossis, sowie die beiden Schwurbel-Südstaaten Bayern und Baden-Württemberg.

Wenig überraschend, korrelieren niedrige Impfquoten mit AfD-Hochburgen, bzw dem konservativ-esoterischen Schwurbelgebiet in By/BW.

Genauso wenig überraschend sehen auch die 7-Tage-Inzidenzen aus, die insbesondere in den drei Freistaaten katastrophale Werte erreichen.  Auf Länderebene bewegen sich die Inzidenzen zwischen 73 (Schleswig-Holstein) und 387 (Thüringen).

Die zehn katastrophalsten Landkreise gehören allesamt zu den drei Freistaaten Deutschlands.

Interaktive Karte

Merkel-Deutschland ist schlicht zu doof, um mit Corona fertig zu werden.

[….] Offenbar brauchen wir in Deutschland erst ein Trauma, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Solange wird in Politik und Gesellschaft gestümpert und gespalten. [….] Zwangsmaßnahmen sind häufig ein Eingeständnis der eigenen Hilflosigkeit. Sie polarisieren und spalten eine Gesellschaft. All das wäre in diesem Herbst vermeidbar gewesen, wenn, ja wenn die Politik aus ihren Fehlern und Patzern gelernt hätte. Hat sie aber nicht. Nach wie vor nutzen wir die technischen, wissenschaftlichen, organisatorischen und finanziellen Fähigkeiten dieses Landes nicht aus. Statt die Menschen zu motivieren, werden sie verunsichert. [….] Bislang ist noch jede neue Coronawelle von einem Steuerungsversagen der Politik mit angeschoben worden. Seit Monaten gelingt der Regierung keine funktionierende Impfkampagne. Die schlechten Impfquoten werden mit einem traurigen Schulterzucken hingenommen, der Gesundheitsminister übte sich eine Zeit lang lieber in PR-Sprech zum baldigen »Auslaufen der epidemischen Lage« und suggerierte damit einen Freedom Day. Hinter der schönen Fassade verbarg sich – wieder mal – nichts. [….]

(SPIEGEL-Leitartikel von Sebastian Fischer, 05.11.2021)

Noch ein Blick in den Corona-Abgrund, nämlich den Freistaat Höckingen, der mit Abstand die schlimmsten Zahlen aufweist. Auch in den letzten 24 Stunden ist die Corona-Inzidenz in Thüringen dramatisch angestiegen.

[…..]  Am Freitag lag die Zahl der wöchentlichen Neuansteckungen je 100.000 Einwohner bei 386,9, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Am Vortag hatte sie bei 357,4 gelegen, am Mittwoch bei 338,2. Damit ist Thüringen knapp vor Sachsen (385,7) weiter das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Bundesweit lag die Zahl bei 169,9 (Vortag: 154,5). In Thüringen wurden 1944 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert, zwölf weitere Todesfälle kamen hinzu. Im Landkreis Sonneberg kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz auf 688,9 (Vortag: 632,8). Im Landkreis Gotha ging die Zahl leicht auf 498,7 (Vortag 515,) zurück. Etliche weitere Kommunen lagen über einer Inzidenz von 400, wie etwa der Ilm-Kreis (469,7), das Altenburger Land (436,9), die Landkreise Hildburghausen (430,9) und Schmalkalden-Meiningen (421,0), sowie die Stadt Erfurt (418,8). Am niedrigsten lag der Wert mit 256,1 im Landkreis Sömmerda. […..]

(InSüdthüringen, 05.11.2021)

Wie verhalten sich die Ärztevertreter, die Regierenden dazu, daß sie bei der Impfquote derartig versagt haben?

Nun, sie richten erst mal für 200.000 Euro eine große Sause aus, um sich selbst zu feiern.

Kann man sich nicht ausdenken.

[….] Mit einer exquisiten Fete hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Thüringen die Schließung des Impfzentrums in Erfurt gefeiert. Neben einem üppigen Speisen- und Getränkeangebot ließ man sich auch bei der Unterhaltung der Gäste nicht lumpen.  Zu den gebuchten Showacts gehörte der Künstler Jan Delay. Die Gesamtkosten für den Abend, inklusive Künstlerhonorare oder Catering, beliefen sich auf rund 195.000 Euro. [….] Die Rahmenbedingungen für die Feier (Motto: »Danke fürs Impfen«) waren schwierig: Die Sieben-Tage-Inzidenz der Coronainfektionen in Erfurt lag über 250. [….]

(SPON, 05.11.2021)

Donnerstag, 4. November 2021

Spectacular New Low

Joe Biden schaffte es vor genau einem Jahr immerhin, so viele Wähler wie noch nie zu motivieren, um gegen Trump zu stimmen.

Hillary Clinton hatte 2016 nur knapp drei Millionen Stimmen mehr als Trump bekommen – das reichte nach dem gloriosen US-amerikanischen Wahlrecht bekanntlich nicht, um Präsidentin zu werden.  Biden schaffte sieben Millionen Stimmen mehr als Trump und das reichte dann wenigstens auch, um den orangen Psychopathen und seine lügende korrupte Nazi-Bande aus dem Weißen Haus zu jagen.

Trump flippte dermaßen aus, daß selbst die am tiefsten in seinem Rektum sitzenden Senatoren McConnell und Graham nach dem blutigen Sturm auf den Kongress am 06.01.2021 Signale gaben, sich von ihrem hochgefährlich-debilen Anführer zu trennen. Es war das eine kleine Zeitfenster für die GOP, sich aus dem eisernen Griff des Wahnsinns zu lösen.

Bekanntlich wurde das nichts, weil die republikanische Fraktion von hochgradig debilen Trumpisten geflutet wurden. Die QAnon-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene (MTG) kassierte dieser Tage ihre 20. Geldstrafe im Kongress, weil sie sich nach 772.000 an Covid19 gestorbenen US-Amerikanern immer noch weigert Corona als ersthafte Krankheit anzusehen und im Plenarsaal keine Maske trägt.

[…..] Die republikanische US-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, eine glühende Verehrerin von Ex-Präsident Donald Trump, muss einem CNN-Bericht zufolge Strafen von insgesamt 48.000 Dollar (etwa 41.400 Euro) zahlen, weil sie immer wieder das Tragen einer Schutzmaske im Kongress verweigert. […..]

(Tagesspiegel, 03.11.2021)

Der deutsche Bundestag hat dank der hartnäckig Pöstchen-affinen CSU inzwischen 200 Abgeordnete mehr als das US-House, obwohl die USA viermal so viele Einwohner wie Deutschland haben.  Bei der konstituierenden Sitzung des Bundestages gab es 23 radikale Seuchenfreunde, 100% AfD natürlich, die sich weigerten die G3-Regeln einzuhalten. Sie mußten wie mit einer virtuellen Eselsmütze auf der „Seuchentribüne“ hocken.

Im US-Parlament ist es leider nicht möglich, die Neandertaler-Abgeordneten entsprechend zu separieren, weil es einfach zu viele sind.

Allein 139 von ihnen stimmten nach dem blutigen Angriff auf das Parlament, der fünf Todesopfer forderte, dagegen den Fall überhaupt zu untersuchen und solidarisierten sich mit dem mordenden Nazi-Mob. Auch McConnell und Graham sind blitzartig wieder umgefallen, einmal in den Gleitgel-Bottich auf Mar A Lago getaucht, um erneut ihren Stammplatz tief in Trumps Mastdarm einzunehmen.

Seither wurde es jeden Tag grotesker. Die Republikaner haben erfolgreich den allerletzten Funken Restverstand abgestreift. Neben ihnen wirken die Taliban wie hochseriöse moderate Rationalisten.

Ein Highlight ereignete sich vor zwei Tagen bei einem Event in Dallas; der ewig mit der traumatischen Ermordung der Lichtgestalt John F Kennedy verbundenen Stadt.

MTGs QAnon-Gefolgsleute hatten erkannt, FFKs Sohn werde an diesem Tage von den Toten wieder auferstehen, um ihr Idol Donald Trump erneut als US-Präsident einzusetzen.

 [….]  Hunderte Anhänger der Verschwörungsbewegung QAnon haben sich in der texanischen Großstadt Dallas versammelt und vergeblich auf eine Wiederkehr des 1999 bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen John F. Kennedy Jr. gewartet. Wie die Zeitung »Dallas Morning News« berichtet, kamen die QAnon-Anhänger am Platz Dealey Plaza zusammen – dort, wo am 22. November 1963 der Vater von JFK Jr., der damalige Präsident John F. Kennedy, ermordet worden war.  Im Internet geisterte Medienberichten zufolge die Ankündigung herum, JFK Jr. würde am Dienstag um 12.29 Uhr dort auftauchen. Das würde wiederum zu einer Rückkehr von Ex-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus führen. [….]

(SPON, 02.11.2021)

Wären nicht weite Teile der US-Bevölkerung komplett wahnsinnig, von der Realität entkoppelt und bösartig-verblödet, müssten Joe Biden und seine Demokraten eigentlich leichtes Spiel haben.

Für Europäer ist es kaum vorstellbar, daß 139 Taylor-Greens überhaupt irgendwelche Anhänger haben.

Typen wie Bob Good oder Trumps Jünger Glenn Youngkin dürften eigentlich keine einzige Stimme bekommen und sollte direkt in die geschlossene Abteilung gebracht werden. Stattdessen übertrumpfte Glenn Youngkin bei den vorgestrigen Wahlen von Virginia den demokratischen Gouverneurskandidat Terry McAuliffe und wurde neuer Gouverneur.

[…..] Die Abstimmung in Virginia galt als erster großer Test für Joe Biden - und er hat ihn nicht bestanden. Warum der Präsident das Vertrauen einer entscheidenden Wählergruppe in nur einem Jahr verspielt hat. […..] McAuliffe hatte hingegen gehofft, dass Biden ihm helfen könnte. Aber das war ein Trugschluss. Bidens Umfragewerte sind in Virginia, ebenso wie im Rest des Landes, eingebrochen. Deutlich mehr Menschen sehen ihn negativ als positiv. Viele Amerikaner haben nicht ganz zu Unrecht den Eindruck, dass der Präsident weder die Corona-Pandemie noch die zerstrittenen Flügel seiner eigenen Partei in den Griff bekommt. Umfragen zufolge machten sich die Wähler in Virginia die größten Sorgen über die langsame wirtschaftliche Erholung und die hohe Inflation - Themen, um die sich Biden bisher nur wenig gekümmert hat. […..] Die Demokraten stehen nun vor einem Trümmerhaufen. […..] Und die Niederlage in Virginia könnte ein Vorgeschmack darauf sein, was den Demokraten bei der Kongresswahl im November 2022 blüht - der Verlust ihrer Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat. […..] Die Republikaner hingegen triumphieren. Sie haben den von Trump mitverursachten Niedergang gestoppt. […..] Und sie haben Joe Biden im ersten großen Wahltest seit dessen Amtsantritt besiegt. […..]

(Hubert Wetzel, 03.11.2021)

Die USA sind unrettbar kaputt.

Mittwoch, 3. November 2021

Grüner Sumpf

Auf die Frage, wer der beste Regierungschef aller 16 Bundesländer ist, antworte ich natürlich ‚Peter Tschentscher‘.

Es mag etwas Lokalpatriotismus mitschwingen; als Hamburger mag ich nun mal seine zurückhaltende, ruhige, sachliche, konzentrierte Art. Tschentscher ist in der bestmöglichen Weise das diametrale Gegenteil des selbstverliebten, geltungssüchtigen Polterers Markus Söder.

Kritik an seiner Landespolitik tut mir weh.  Klar, Rot-Grün verfügt in Hamburg über eine riesige Mehrheit, da müssen die winzigen Oppositionsparteien  - das sind die kleinste CDU-Fraktion aller Bundesländer, die kleinste AfD-Fraktion aller Bundesländer, eine einzige FDP-Abgeordnete, die nur durch eine Besonderheit des Hamburger Wahlrechtes in die Bürgerschaft kam und die Linke – schon eine ordentliche Lautstärke entwickeln, um überhaupt gehört zu werden.

CDU-Fraktionschef Thering polterte heute richtig los, forderte die Entlassung mindestens einer Senatorin – in trauter Gemeinsamkeit mit AfD und FDP. Schon in der letzten Legislaturperiode war die FDP damit aufgefallen stets mit der AfD zu stimmen und landete dafür bei unter 5%.

[….] Angesichts des Personalstreits in der Justizbehörde hat die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft die Entlassung von Senatorin Anna Gallina (Grüne) gefordert. Sie sei für das Amt nicht geeignet und habe keine inhaltlichen Erfolge vorzuweisen, erklärte CDU-Fraktionschef Dennis Thering am Mittwoch. Der justizpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Richard Seelmaecker, forderte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) auf: "Entlassen Sie Frau Gallina!" Auch Rednerinnen und Redner der Linken, der AfD und der FDP schlossen sich dieser Forderung an. [….]  

(NDR, 03.11.2021)

Der Reihe nach; Andy Grotes Pimmel-Affäre war natürlich eine Peinlichkeit, aber sicherlich kein Grund, den Senator zu entlassen. Hier übertreibt CDU-Thering maßlos.

Für mich als „Tschentscher-Fan“ sind aber die CDU/FDP/AfD-Attacken auf die Senatoren Gallina und Tjarks sehr viel unangenehmer.  Sehr unangenehm sogar, weil sie zutreffend sind und ich keine Möglichkeit sehe, die beiden Grünen zu verteidigen.

[….] „Der Hamburger Senat ist außer Rand und Band. SPD und Grüne haben einen klassischen Fehlstart hingelegt. Hat Corona das zu Beginn noch überdeckt, nimmt die Zahl der Senatoren, die entweder persönlich und fachlich nicht geeignet sind, zu. Sei es Umweltsenator Jens Kerstan mit seinen politischen Alleingängen als lose Kanone an Deck, Verkehrssenator Anjes Tjarks der vor dem Stau-Chaos kapituliert, Innensenator Andy Grote mit seiner Corona-Party und Pimmelgate oder Anna Gallina, die erst gar nicht Justizsenatorin hätte werden dürfen und jetzt Ihre Staatsrätin nach Dauerstreit als alleinige Fachkraft aus der Behördenleitung rausschmeißen ließ. […..]

(D. Thering, CDU, 03.11.2021)

Anjes Tjarks hat in der Tat die Stadt in ein Verkehrschaos gestürzt, verprasst Millionen für sinnlose Projekte wie das gewaltige Fahrrad-Parkhaus in der Kellinghusenstraße, das niemand nutzt. Drei Millionen Euro gab Tjarks für ein paar Rad-Stellplätze aus und seither steht das Gebäude wegen  akuter Sinnlosigkeit leer.


 In seinem planlosen Radfahrer-Wahn setzt Tjarks auf sogenannte „Todesweichen“, also Radfahrstreifen in Mittellage (RiM), auf denen nahezu im Wochentakt Radfahrer sterben. Die CDU hat leider Recht, wenn sie Tjarks „Kapitulation vor dem Stau“ vorwirft. Wie soll man die Aussagen des ewig grinsenden Sportfanatikers anders auslegen?

[…..]  Tjarks kündigt an: Hamburg wird für Jahre zur Dauerbaustelle  […..]  Tjarks sagte dem NDR, Baustellen könnten nicht so koordiniert werden, dass es keine Staus gibt. […..]  Erst Ende August hatte der Senat auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsfraktionsvorsitzenden Dennis Thering geantwortet, dass es derzeit 715 Baustellen in der Stadt gibt. Der Senat räumte ebenfalls ein, dass nur an zwei davon im Zwei- oder Mehrschichtbetrieb gearbeitet wird. […..]  Auch Brückensanierungen würden die Stadt die nächsten 20 Jahre beschäftigen, sagte Tjarks am Mittwochabend. [….]

(MoPo, 28.10.2021)

Der drastischste Fall von Senatoren-Unfähigkeit ist sicherlich Anna Gallina; jene Jura-Laiin, gegen die schon zwei staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren liefen (eins davon eingestellt), die aber dennoch ausgerechnet Justizsenatorin wurde.

Die Grünen wagten es nicht, ihr diesen Wunsch abzuschlagen, da sie von 2015 bis 2021 Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Hamburg und somit die mächtigste Grüne war.

Das noch laufende Ermittlungsverfahren richtet sich in erster Linie gegen Gallinas Ex-Freund und Vater ihres Kindes, Michael Osterburg, der während seiner Partnerschaft mit der Grünen-Chefin als Fraktionsvorsitzender der Grünen Bezirksfraktion in Hamburg Mitte 68.000 Euro veruntreut hatte und die privaten Hummer-Sausen des Paares mit Fraktionsgeldern bezahlte. Die nahezu wöchentlichen neuen Gallina-Skandälchen werden von den Grünen devot und still akzeptiert.

[…..]  Erst Flüchtlinge retten, dann Hummer schlemmen?   […..]  Bewirtungsanlass Flüchtlingsrettung - wird ein luxuriöses Hummer-Dinner auf Malta Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) zum Verhängnis? Die Hamburger Staatsanwaltschaft ist bei ihren Spesen-Ermittlungen gegen den Ex-Lebensgefährten der Senatorin auf Belege gestoßen, die Gallina weiter in Bedrängnis bringen können. […..]  Michael Osterburg, ehemaliger Fraktionschef der Grünen in Mitte, soll Gelder in Höhe von 67.900 Euro veruntreut haben. Inzwischen ist die Zahl der Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüft, auf rund 4000 gestiegen. Darunter ist auch die Quittung für einen Strauß mit 40 roten Rosen, die Osterburg im Juni 2016 zwei Tage vor Gallinas 40. Geburtstag gekauft hat – und den er sich mutmaßlich von der Bezirksfraktion, also aus Steuergeldern, erstatten ließ. […..]   Besonders dreist […..]  wäre die Abrechnung eines noblen Hummer-Essens im Wert von 250 Euro im Mai 2017 auf Malta. Damals war Gallina Hamburger Grünen-Chefin und nahm an einer Rettungsmission der Sea-Eye auf dem Mittelmeer teil. Im Hafen von Malta ging sie an Bord. Nach MOPO-Informationen stellt der obligatorische Bewirtungsanlass auf dem Luxus-Beleg tatsächlich einen Bezug zum Thema Flüchtlingsrettung her. […..] 

(MoPo, 09.12.20)

Die Grüne Bürgermeisterin und größtes CDU-Fan-Girl findet es OK.

[…..] Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin, äußert sich mit einer Solidaritätsadresse für die Parteifreundin und Mit-Senatorin: „Mir ist wichtig klarzustellen: Das Ermittlungsverfahren gegen Michael Osterburg ist kein Ermittlungsverfahren gegen Anna Gallina.“ […..]

(MoPo, 09.12.20)

Im Lichte der neuesten Gallina-Affäre um ihre Stadträtin Günther, wird aber das andere Ermittlungsverfahren interessanter, weil es auf ein Muster hinweist.

Die Grüne Gallina ist offensichtlich nicht nur fachlich völlig inkompetent, sondern auf der persönlich-menschlichen Ebene derartig unangenehm, daß niemand es aushält, mit ihr zusammen zu arbeiten. Sie greift zu perfiden Mitteln weit unterhalb der Gürtellinie.  Nach der Bezirksversammlungswahl im Mai 2019 war die Grüne Fraktion in Hamburg-Mitte sehr stark geworden, wollte aber nicht mehr Gallinas Mann Michael Osterburg zum Fraktionsvorsitzenden wählen. In maximal undemokratischer Weise übte die Landeschefin nun Druck auf die neuen Abgeordneten aus, um ihrem Osterburg zu wählen. Als zwei von ihnen sich immer noch weigerten, nutzte Gallina deren migrantische Nachnahmen aus, um ihnen Islamismus zu unterstellen.

Ein so ungeheuerliches Vorgehen der Grünen Landes-Chefin, daß sich vier weitere Grüne Abgeordnete mit den beiden Angegriffenen solidarisierten. Die sechs Grüne-II Parlamentarier waren so entsetzt von ihrer eigenen Partei, daß sie geschlossen aus den Grünen austraten. Aber damit nicht genug; die sechs Ehemaligen behalten ihre Sitze und treten geschlossen in die SPD ein.

Dadurch hat die SPD-Fraktion in Hamburg-Mitte sechs Sitze mehr: Kay Dassow, Nicole Kistenbrügger, Miriam Natur, Meryem Celikkol, Shafi Sediqi und Fatih Can Karismaz. Damit ist die SPD wieder stärkste Partei, die Rest-Grünen sind Opposition. (….)

(Wie die SPD in Hamburg-Mitte deutlich zulegt, 02.10.2019)

Die Hamburger Grünen-Führung ging so schäbig vor, daß sie nun von den eigenen Mandatsträgern verklagt wird.

[….. ] Schlammschlacht in Hamburg: Ex-Grüne zeigen Grünenchefin wegen „Hexenjagd“ an. Die Schlammschlacht der Grünen im Bezirk Mitte hat jetzt ein juristisches Nachspiel. Die beiden Männer, denen von Parteikollegen vorgeworfen wurde, sie unterstützen Extremisten und Islamisten, verklagen die Grünen-Parteichefin Anna Gallina und zwei weitere wegen Rufmordes. Die Rede ist von einer „Hexenjagd“ und „Vorverurteilungen“. [….. ]  „Diese medial verbreiteten Vorwürfe zerstörten über Nacht Existenz und Zukunft von zwei jungen Menschen“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Sobald ihre Namen gegoogelt werden, erscheinen sofort unzählige Zeitungsartikel, die sie mit der Unterstützung von Terrorgruppen oder Islamisten in Verbindung bringen.“ Die jetzt gestellte Anzeige richtet sich gegen die Landesvorsitzende Anna Gallina, gegen ihren Stellvertreter Martin Bill und gegen den Ex-Grünen-Fraktionschef in Mitte, Michael Osterburg. Der Vorwurf lautet auf Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens erstattet. [….. ] Schwere Vorwürfe werden in der Pressemitteilung gegen Michael Osterburg erhoben. Weil er seinen erhofften Listenplatz 2 zur Wahl verlor, habe er „Verschwörungstheorien“ geäußert, es habe bei den grünen Neueintritte gegeben, die von parteiinternen Gegnern organisiert worden seien. Und seiner Partnerin, der Landesvorsitzenden Gallina, sei nicht in den Sinn gekommen, „ihre Fürsorgepflichten für Parteimitglieder zu beachten.“ [….]

(Sandra Schäfer, 05.11.2019)

Die Hauptstreitlinie ist offenbar immer noch der CDU-Kurs der Hamburger Grünenführung. Massiv drängen sie darauf endlich die SPD loszuwerden und mit ihrem Lieblingspartner, der CDU ins Koalitionsbettchen zu hüpfen. Es soll endlich Schluss sein mit der sozialen SPD-Politik. Scholz hatte den sozialen Wohnungsbau massiv angekurbelt, Privatisierungen getoppt und Kitas kostenlos gestaltet. Gallina und Fegebank wollen zur neoliberalen Privatisierungs-CDU zurück.

Anschließend schwang sich Gallina zur Senatorin auf.

Ich mag die Grünen. Aber nur die in anderen Landesverbänden. (….)

(Hamburger Hausaufgaben, 16.05.20)

 [….]  Wirbel um Senatorin Kein Jura-Studium: „Justiz schlägt Hände überm Kopf zusammen“   [….] Eine Justizsenatorin, die nicht Jura studiert hat: Die Personalie Anna Gallina (36, Grüne) war der Überraschungscoup im neuen Senat – und sorgt in großen Teilen der Justiz für Unverständnis. Otmar Kury, langjähriger Präsident der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer, fürchtet, dass fachliche Diskussionen auf Augenhöhe nicht möglich sein werden. [….] „Die Justizbehörde ist das einzige Ressort, in dem eine berufliche Qualifikation unabdingbar für die Behördenführung ist“, erklärt Otmar Kury im Gespräch mit der MOPO. Der Grund: „Von einer Justizsenatorin wird erwartet, dass sie eigene Gesetzgebungsvorhaben auf den Weg bringt. Das sind komplexe juristische Anforderungen, dazu ist eigener Sachverstand von Nöten. Da reichen keine Allgemeinplätze zum Rechtsstaat.“[….] An Hamburgs Gerichten sorgt der Hinweis der designierten Senatorin auf den Sachverstand ihrer Mitarbeiter nicht gerade für Respekt. Kury: „Der konfrontative Diskurs unter Wissenden wird fehlen.“ Man könne als Justizsenatorin nicht „alles delegieren und nur den Stempel drunter setzen." Was ebenfalls mit Unverständnis aufgenommen wird: Gallina wird Justizsenatorin, während die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung gegen sie ermittelt. Hintergrund ist die Anzeige von zwei ehemaligen Mitgliedern der Grünen-Fraktion im Bezirk Mitte, die sich zu Unrecht in die Nähe islamistischer Extremisten gerückt fühlten.  Kury: „Die Unschuldsvermutung kämpft selbstverständlich auch für Frau Gallina, dennoch ist es ein schlechtes Vorbild, sich während eines anhängigen Ermittlungsverfahren in den Senat wählen zu lassen.“ [….]   (Mopo, 09.06.20) (…..)

(Quotengrüne, 10.06.2020)

Die Jura-Laiin mit den staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen sich, weil sie nicht nur dem Nepotismus frönt, sondern genau wie Trump offenbar ihre Parteimitglieder nicht als selbstständige Demokraten ansieht, sondern als private Leibeigene, die ihren Willen zu exekutieren haben. Every Day a New Gallina-Low.

In der Justizbehörde traf Gallina auf die ebenfalls Grüne Staatsrätin Katja Günther, die nicht nur eine brillante Juristin ist, sondern als fachkundige Behördenleiterin parteiübergreifend so geschätzt wird, daß sie in Juristischen Fragen meist direkt angesprochen wird. Jeder weiß, daß ihre Vorgesetzte Gallina von der Materie keine Ahnung hat.

Die garstige Gallina konnte es offensichtlich nicht ertragen im Schatten ihrer Untergebenen zu stehen, versuchte alles, um Günther wegzumobben, griff wieder zu perfiden Mitteln, bis Günther drohte an die Öffentlichkeit zu gehen.

Daraufhin wollte Gallina sie rauswerfen lassen.

[…] Justizsenatorin Anna Gallina hat am Freitag Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gebeten, Staatsrätin Katja Günther in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. […..]  „Gegenseitiges Vertrauen ist die Grundlage für eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit in einer Behördenleitung. Dieses Vertrauen ist irreparabel zerstört“, teilte die 38-Jährige auf MOPO-Nachfrage mit. […..]  Gallinas Vorgänger Till Steffen hatte Katja Günther 2015 aus der Staatskanzlei Schleswig-Holsteins nach Hamburg geholt. In Kiel wirkte die 54-Jährige zuvor unter anderem als Referentin für Verwaltungs- und Verfassungsrecht und Referatsleiterin im Justizministerium.  Als Steffen seinen Senatorenstuhl für Anna Gallina freimachen musste, soll sich auch Günther zwischenzeitlich Hoffnungen auf das Amt gemacht haben. Von da an gab es mehrere Reibereien unter den beiden Spitzenfrauen über Interna wie eine Stellenausschreibung. […..]  Erneut muss sich Gallina derweil deutliche Kritik an ihrem Vorgehen und auch ihrer Kompetenz anhören. […..]  Aus der Opposition ist deutliche Kritik an Gallinas Vorgehen zu vernehmen. „Eine fehlbesetzte Grüne feuert eine fachkompetente Grüne“, teilte die FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein mit. Die Justizsenatorin habe „mangels juristischer Qualifikation bis heute keinen Zugang zu rechtspolitischen Kernthemen gefunden“. Katja Günther dagegen genieße als Staatsrätin „bis weit in die Opposition hinein Respekt und Anerkennung für ihre fachliche Kompetenz“, sagte von Treuenfels-Frowein weiter. Insgesamt handle es sich um ein „politisches Trauerspiel“. […..] 

(MoPo, 31.10.2021)

Erneut treibt Gallina einen innerparteilichen Krieg um ihre verletzte Psyche also bis zum Äußersten.

Tschentscher steckt damit in der Zwickmühle. Nur er kann Staatsräte feuern. Er weiß natürlich, daß Günther die kompetente Frau ist und eigentlich Gallina im hohen Bogen gefeuert werden müsste. Da aber laut Koalitionsvertrag die Grünen den Senatorenposten bestimmen, sind ihm die Hände gebunden. Er tat das aus seiner Sicht Bestmögliche. Er gab Gallinas Ansinnen scheinbar nach, warf Günther aber nicht endgültig raus, sondern entband sie lediglich von ihrem Job; schickte sie also gewissermaßen in den Urlaub. Auch Gallinas Wunsch-Nachfolger blockierte er.

[…..]  Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina hat sich im monatelangen Streit mit ihrer Staatsrätin Katja Günther durchgesetzt und sie aus dem Amt entfernen lassen. Nachdem die Grünen-Politikerin bereits am vergangenen Freitag Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gebeten hatte, ihre Parteikollegin in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen, teilte eine Senatssprecherin am Montag mit: "Katja Günther wird von ihren Aufgaben als Staatsrätin der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz entbunden." Derzeit sei diese im Urlaub. Wie es danach weitergeht, sei jedoch noch unklar. Vom einstweiligen Ruhestand Günthers sei zumindest derzeit nicht die Rede. Und auch Gallinas angeblicher Wunschkandidat für die Nachfolge, nämlich ihr Leiter des Präsidialstabs, Thomas Baehr, komme erstmal nicht zum Zuge. [….]

(dpa, 01.11.2021)

Der ultrakonservative Hamburger Grünen-Landesverband findet nach wie vor nicht die Kraft, sich von seiner langjährigen Chefin zu trennen.

Es reichte nur für einen symbolischen Rüffel.

[….] Grüne entmachten eigene Senatorin. Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (38) hat die Entlassung von Staatsrätin Katja Günther (54) veranlasst. Hintergrund ist ein monatelanger Zwist zwischen den beiden Frauen. Aufatmen kann die grüne Senatorin jedoch nicht, denn von vielen Seiten schlägt ihr weiter Kritik entgegen. Selbst in der eigenen Partei konnte Gallina ihren Wunschnachfolger für den Staatsratsposten nicht durchsetzen. […..]  Eine Senatssprecherin verkündete am Montag die Entscheidung: „Katja Günther wird von ihren Aufgaben als Staatsrätin der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz entbunden.“ Derzeit befinde sie sich im Urlaub. Gallina muss jetzt doppelt einstecken: Von einem einstweiligen Ruhestand ist in dem Statement keine Rede. Zusätzlich kann sie ihren angeblicher Wunschnachfolger, den Leiter des Präsidialstabs, Thomas Baehr, nicht ins Amt bringen. Für diesen Vorschlag soll es in den grünen Reihen keine Zustimmung gegeben haben. […..] 

(MoPo, 02.11,2021)

Was für eine peinliche Partei, diese Elb-Grünen!
Liebe Hamburger, bitte nächstes mal Tschentscher so stark machen, daß die SPD wieder mit absoluter Mehrheit regiert.