Samstag, 12. November 2016

Und es gibt doch noch Fortschritt.



Einerseits erzähle ich meinen Ami-Verwandten immer voller Stolz, daß in Hamburg nur 0,5% der Bevölkerung zur Kirche gehen (was sie mir natürlich nie glauben), aber andererseits sind die Kirchen hier doch akustisch noch sehr unangenehm präsent.

Kirchengeher muß man in Hamburg mit der Lupe suchen.
Etwas häufiger kommen sie in Bezirken mit kleinen Häuschen und Vorgärten vor, also da wo sich die Menschen mit Kindern ballen.
Da sind die Kirchenkontakte etwas über der üblichen homöopathischen Dosis, weil es kirchliche KITAs gibt und Kinder es wegen der üppigen Geldgeschenke immer noch schätzen konfirmiert zu werden.
Ich hingegen lebe in einem sogar noch kirchenferneren Teil Hamburgs. Hier, zentral gelegen, gibt es viele kleine Wohnungen, so daß beinahe alle meiner Nachbarn Singlehaushalte führen.
Hier sind wir eher selbstständig denkend. Da huldigt niemand „the dead jew on a stick“.
Dennoch bimmeln die Kirchen jeden Sonntag wie die wilde Wurst.
Extrem lästig. An dem einzigen Tag, an dem die meisten auch mal die Chance haben auszuschlafen, klötern diese Sektentypen als wären sie allein auf der Welt.
Wie allen Religioten fehlt es ihnen nicht nur an Unrechtsbewußtsein, sondern sie sind auch völlig schambefreit.
Mir wäre es so ungeheuer peinlich am Sonntagmorgen diese Art Krach zu veranstalten, daß in einem Umkreis von einem Kilometer alle Leute aus dem Bett fallen.
Jeder, der über etwas Anstand verfügt, würde automatisch Rücksicht nehmen und schon deswegen nicht mit dieser sadistischen Freude alle Nachbarn aufwecken.
Aber so ist das bei Religioten; die finden sich selbst so fabelhaft, daß sie ganz selbstverständlich meinen jeder fühle sich geehrt, wenn sie irgendwo hineinplatzen.
Das erinnert mich gleich wieder an das grauenhafte Bet-Huhn, das sensibel wie eine Abrissbirne auf der Intensivstation unerbeten in eine Situation platze, als ich gerade die Chance hatte mich von jemand zu verabschieden. Das setzte sich gleich neben mich und meinte sich einmischen zu müssen, während man gerade seine letzten Worte spricht. Unfassbar; denen geht sämtliches Schamgefühl ab und sie sind scheinbar wirklich psychisch so derart verwirrt, daß sie wirklich glauben, sie wären erwünscht.
Gestern war ich in der Hamburger Innenstadt, Jungfernstieg, also der edelsten Flaniermeile Hamburgs, direkt an der Binnenalster.
Mehrere Gruppen der Zeugen Jehovas grinsten einen zähneklappernd und blaugefroren an. Seit wann stecken die eigentlich wieder die Köpfe aus ihren Löchern? Und haben die nicht früher hauptsächlich Kinder und Jugendliche losgejagt? Gestern waren es aber Gruppen von erwachsenen Frauen. Eine von ihnen war mindestens 80, sehr dürr und so offensichtlich körperlich erschöpft, daß ich ihr liebend gern zehn Euro gegeben hätte, damit sie im nächsten Lokal erst mal einen heißen Tee trinkt, um sich aufzuwärmen.
Aber diese Zeugen sind ja so irre, daß sie nicht mal Geld wollen; die wollen meine Seele retten. Die anderen Damen waren eher von der Wuchtbrummen-Fraktion der Zeugen. Und wieder stellte ich mir vor wie unfassbar peinlich es mir wäre mit diesen albernen Broschüren und Aufstellern die Passanten zu belästigen und dazu auch noch meine klapprige Oma tiefgefroren mitzuzerren.
Dafür muß man offensichtlich die gleiche debile Penetranz besitzen, wie der Pfaff, der hier nebenan jeden Sonntag am Glockenseil herumreißt, bis ihn auch wirklich jeder hasst.

Nach vielen Jahren habe ich allerdings erstmals Anlass zur Hoffnung; möglicherweise hört das sonntägliche Klerikal-Molesting in absehbarer Zeit auf.
„Meine“ Kirche steht nämlich auf der geheimen, aber doch schon veröffentlichten Liste der 39 „Gotteshäuser“, welche der Kirchenkreis Hamburg-Ost schließen/entwidmen/verkaufen will.
Hurra!
Vielleicht hätten die Christen noch mehr Mitglieder, wenn sie nicht so penetrant laut alle Nachbarn genervt hätten.

[…..] Geheime Liste: 39 Hamburger Kirchen vor der Schließung
[…..] Der evangelische Kirchenkreis Ost will 35 Prozent seiner Kirchenstandorte aufgeben. Die Gründe sind der Mitgliederschwund, strukturelle Haushaltsdefizite in den Gemeinden und eine zu optimistische Neubaupolitik vor allem in den 1970er-Jahren. Unter der Hand kursiert eine Gebäudeliste, die dem Abendblatt vorliegt. Sie enthält die Gebäudebewertungen für 148 der insgesamt 158 Standorte des Kreises. Die 53 "C"-Standorte (35,6 Prozent) – darunter 39 Kirchen auf Hamburger Stadtgebiet – sollen perspektivisch aufgegeben werden.
[…..] Die katholische Kirche erklärte, auch sie müsse in Hamburg perspektivisch Gebäude aufgeben. Sie will am Sonnabend im Mariendom mit gut 550 Verantwortlichen einen "Prozess der inhaltlichen und wirtschaftlichen Neuorientierung" einleiten, sagte Erzbistumssprecher Manfred Nielen. […..]

[…..] "Die Kirche bleibt im Dorf" ist zwar ein gern zitiertes, geflügeltes Wort. Künftig aber müssen sich Christen wie Konfessionslose in Hamburgs Osten darauf einstellen, dass längst nicht mehr Kirche drin ist, wo früher einmal Kirche draufstand. Vielleicht wird aus den Gebäuden ein Kulturzen­trum oder eine Wohnanlage für Jung und Alt. Aber evangelische Gottesdienste, Taufen und Trauungen dürfte es in den bisherigen Sakralräumen nicht mehr geben. Auch wird der erneute Verkauf einer Kirche an eine muslimische Gemeinde nach dem umstrittenen Immobiliendeal mit der Horner Kapernaumkirche – auf dem früheren Kirchturm steht jetzt ein Halbmond – gänzlich ausgeschlossen.
[…..] Wenn in einer religiösen Institution, deren Proprium das Evangelium Jesu Christi ist, das Gesetz des Geldes die Oberhand gewinnt, werden die Kirchengemeinden vor Ort gespalten: In jene, die Filetgrundstücke, beste Lagen und Leuchtturmprojekte haben – wie zum Beispiel die Hauptkirchen –, und in jene, die wegen baufälliger, nicht denkmalgeschützter Gebäude und nur drei Gottesdienstbesuchern die großen Verlierer auf der Streichliste sind.
Wenn eine solche Nachkriegskirche auf dem Altar des Gebäudeprozesses geopfert wird, geht den Menschen im Stadtteil ein Stück Heimat verloren. Ein Kirchengebäude, das geschlossen wird, strahlt nicht mehr. Es rufen auch keine Glocken mehr zum Gebet, die jeder morgens beim Frühstück hören kann. [STRIKE! – T.] Und es müssen immer weitere Wege zum nächsten Gottesdienst im Stadtviertel zurückgelegt werden. […..] 


[…..] Eine bisher den Gemeinderäten und dem Kirchenkreis vorbehaltene Gebäudeliste, die dem Abendblatt vorliegt, unterscheidet "A"-, "B"- und "C"-Standorte. 53 der 148 bewerteten Standorte (gut 35 Prozent) wurden als "nicht förderfähig" (C) eingestuft, 62 als "auf jeden Fall förderfähig" (A) und 33 als "förderfähig im Vergleich" (B). Verschiebungen zwischen den Kategorien C und B könne es noch geben, heißt es in den Erläuterungen zur Liste, aber "alle Änderungen müssen im Rahmen des Rückbauziels von 35 Prozent liegen". Als Gründe für den rigiden Sparkurs nennt der Kirchenkreis jahrelangen Mitgliederschwund und strukturelle Haushaltsdefizite in den Gemeinden. […..]

Kein Mitleid von mir. Für mich sind alle Kirchen Kategorie Z!

Geht schon los.



Mit quadratischen Augen, die Hände um den Kaffeebecher geschlungen, krieche ich nach dem Trump-Schock an den Schreibtisch, will mich endlich mal ablenken und schlage dazu das brandneue SZ-Magazin auf.
Den Teil mit den Geschenk-Tipps schnell überblättert, bleibe ich auf s.78 an einem Text von Moritz Baumstieger mit der Überschrift „WÜRG“ hängen.
Schon wieder US-Wahl?
Metaphorisch betrachtet durchaus: Allen Wittman und Andrew Masters, ehemalige Arbeiter eines Lastwagenherstellers im Mike-Pence-Staat Indiana hatten vor 15 Jahren die Millionen-Idee, fulfilling the american dream.
Seither stellen sie äußerst erfolgreich den schlimmsten Gestank der Welt her und füllen ihn in Flaschen ab – Liquid Ass.

[….] Once unleashed, this power–packed, super–concentrated liquid begins to evaporate filling the air with a genuine, foul butt–crack smell with hints of dead animal and fresh poo.  Each spray of this soul shattering liquid summons the ASS Genie to manhandle your senses. [….]

Wie hellsichtig von Wittman and Masters – denn das ist genau das, was jetzt auch der manisch homohassende designierte US-Vizepräsident aus Indiana verbreitet.

Und nein, liebe Deutsche, die Ihr jetzt sagt, man müsse erst mal abwarten was Trump tue. Vielleicht habe das ja auch seine guten Seiten.
Nein.
Der Mann ist nicht nur selbst Rassist und holt sich Blitzbirnen wie Sarah Palin und Ben Carson ins Kabinett, um die USA lächerlich zu machen.
Der Mann ermutigt Rassisten in Amerika und der Welt jetzt aktiv zu werden, das Maul auf zu reißen und zur Tat zu schreiten.
Die Jagd auf Schwarze und Schwule und alle, die irgendwie nicht ins weiße, christliche Idealbild passen, ist eröffnet.

Trump supporters brutally attack gay man in California
Trump supporters shouted slurs at a gay man from Canada who was in a Santa Monica, CA bar Tuesday night watching Trump win the Presidential election, and upon leaving the bar, the man says, these supporters attacked him.
Calgary filmmaker Chris Ball said that he was watching the election results when supporters of the Republican candidate began to lob epithets.  ‘We got a new president you fucking faggots,” they said, Ball told Metro Calgary.
When Ball left the bar alone later in the night, Trump supporters followed him to an alley way and assaulted him, Ball said. The last thing he remembers before awaking bloody on the pavement was having a beer bottle smashed over his head. Friends took him to the hospital. [….]

Wir erleben das seit drei Jahren in Frankreich. Dort herrschte immer ein vergleichsweise liberales Klima gegenüber LGBTIs, aber als dann Franzls Katholiban zusammen mit dem ultrarechten Front National immer wieder zu Großdemonstrationen gegen die „Homoehe“ aufriefen, verschlechterte sich die Stimmung signifikant.

[….] Hetze gegen Homosexuelle nimmt zu
Frankreichs Parlament will am Dienstag der Homo-Ehe zustimmen. Doch die Debatte hat das Land gespalten. Schwulenhetze nimmt zu, Verbände beklagen eine gestiegene Aggressivität. Jüngstes Beispiel: Der Vorsitzende der Nationalversammlung erhielt einen mit Schießpulver gefüllten Drohbrief.
"Das ist das Gesicht der Homophobie", schrieb Wilfred de Bruijn unter das Foto, das er Anfang April auf seinem Facebook-Profil veröffentlichte. Der Niederländer war am Abend zuvor mit einem Freund im 19. Arrondissement von Paris unterwegs, eingehakt, als drei oder vier Personen über die beiden herfielen. "Ach schau mal, Schwule", soll einer von ihnen gesagt haben. Dann verprügelten sie de Bruijn auf brutale Weise.
[….] Schwule und Lesben werden beschimpft, beleidigt, bespuckt. Gerade Jugendliche, von denen viele am Sonntag an der Place de la Bastille gegen die Homophobie demonstrierten, sind verunsichert. "Wir erhalten derzeit mehr und mehr Anrufe von jungen Menschen, die total durcheinander sind", sagt Nicolas Noguier von der Beratungsorganisationen Refuge ("Zuflucht").
[….] "Eine Explosion von Hass und Gewalt", konstatiert der Pariser Verein Act Up, die Organisation SOS Homophobie beklagte eine Woche von Gewalttaten. "Es gibt ein Klima der Homophobie, die zu aggressiven Handlungen veranlasst", so deren Präsidentin Elisabeth Ronzier. Grund für die "Verkrampfung" und die "Radikalisierung" sei die seit Monaten schwelende Debatte über die Homo-Ehe. [….]

Natürlich ist dieser Menschenhass auf Frauen, Schwule, Schwarze, Muslims immanent.
Aber, die allermeisten Menschen unterdrücken diese Gefühle.
Es braucht erst einen, der den Hass entfesselt, die Eisdecke einschlägt, damit er richtig blutig wird.
Das tun rechte Parteien, das tut die katholische Kirche, das tut die AfD, das tut Donald Trump.
Rassisten haben jetzt Oberwasser.

[….] Ku Klux Klan Will Rally in North Carolina to Celebrate Trump's Victory
Following Donald Trump’s win in the 2016 presidential race, the Ku Klux Klan has announced plans for a celebratory rally in North Carolina, an important swing state in which Trump ultimately received 51% of the vote.
[….] On the Loyal White Knights’ website, they write that a “klavalkade Klan parade” at an undisclosed location will be held on December 3.[….]

Den USA droht eine neue Welle des Rassismus
[….] "Aus Nachrichten und Hinweisen haben wir derzeit 80 Vorfälle wie Belästigung, Bedrohung oder Vandalismus", erklärte Rebecca Sturtevant vom Southern Poverty 48 Stunden nach der Wahl der Süddeutschen Zeitung. Das ist eine deutliche Vervielfachung der üblichen Zahlen. Die Bürgerrechtsorganisation sammelt auch über den Hashtag #ReportHate Berichte über Vorfälle. [….]

[….] A University of Wisconsin-Stout student from Saudi Arabia died one day after being assaulted on a street in downtown Menomonie, Wis., about 70 miles east of Minneapolis, police and school officials said.
Hussain Saeed Alnahdi, 24, was a junior majoring in business administration who enrolled in 2015 at UW-Stout, according to a statement from the university, whose campus is in Menomonie.
"Our deepest sympathies, thoughts and prayers go out to Hussain’s family in Buraydah, Saudi Arabia, and his friends at UW-Stout," UW-Stout Chancellor Bob Meyer said Monday in the statement. [….]

Die Jagd auf Menschen ist eröffnet, Trump versprüht Liquid Ass über den gesamten Planeten.

Was will man da noch abwarten?
Der Schaden ist schon eingetreten.
Daher soll man auch nicht mit ihm zusammenarbeiten, sondern a priori klar opponieren.

Donnerstag, 10. November 2016

Millennials – die Kackgeneration.

Nun habe ich mich schon zwei Tage nonstop über meine fellow americans aufgeregt, mich mitgeschämt und mitgegrämt.
Aber die Heul-Videos von den ganz großen amerikanischen Youtubern machen mich fertig.


Nun weinen sie.
Wo ward Ihr den bitte in den letzten 18 Monaten?

Es ist wirklich ein Brexit 2.0.
Die Millennials interessieren sich nicht für Politik, sind zu faul und zu bequem zum Wählen, weil ihnen aufgrund ihrer kurzen Lebensspanne offenbar das Verständnis dafür fehlt, daß die Zeiten nicht immer so nett sein müssen wie sie jetzt sind.

Aber nach einer richtig schief gelaufenen Wahl herrscht dann Heulen und Zähneklappern. Das habe man ja nun nicht gewollt.

Die schöne neue Internet-Medienwelt hat auch Vorteile.
Die Interessen werden internationaler, man kommuniziert mehr und das Internet nivelliert.
Während über Generationen nur die Reichen und Schönen der Highschool beliebt waren und die Kinder ohne Markenklamotten eine demütigende Schulzeit erlebten, kann jetzt jeder mit seinem Twitter-Account, Instagram-Profil oder Youtube-Channel selbst bekannt und bedeutend werden. Die Außenseiter, die Dicken, die Schwulen und die Merkwürdigen müssen nicht mehr einsam leiden, weil sie an ihrer Schule keine Gleichgesinnten finden.
Aus der Socialmedia-Trickkiste lassen sich für jeden noch so bizarr aussehenden Topf die passenden Deckel fischen.
Die einzige Lesbe an der Dorfschule? Kein Problem; mit einem Klugtelefon findet man beliebig viele Mädchen in der gleichen Situation.

Hunderte „Youtuber“ sind inzwischen so Klick-stark, daß die davon leben können, von der Werbeindustrie hofiert werden. (……)

Die Zahlen ihrer Kanal-Abonnenten sind so gewaltig, daß jeder Fernsehmacher, der auf Einschaltquoten achten muß, vor Neid erblasst.

Die nette kleine „Zoella“ aus Brighton, bürgerlich Zoe Sugg, *1990, hat fast elf Millionen Abonnenten, die ihren Schmink- und Modetipps lauschen.
Ihr kleiner Bruder Joe, 24, bringt es als ThatcherJoe auf sieben Millionen Follower.
Das sind jeweils nur ihre Haupt-Youtube-Kanäle. Daneben betreiben sie noch Vloging-, Gaming-, Prank- und sonstige Kanäle, die es auch jeweils auf siebenstelligen Abo-Zahlen bringen.
Joe Suggs Mitbewohner Caspar Lee bringt es auf 6,4 Millionen Follower und Zoellas Boyfriend, Alfie Deyes, 22, kann auf stolze 5,2 Millionen Anhänger verweisen.
Alfies beste Kumpel sind natürlich auch alles britische Youtuber:
Marcus Butler mit 4,5 Millionen Followern, Jim Chapman (2,6 Mio), Oli White (2,4 Mio) und Joe Weller (3,5 Mio).
Jim Chapmans Frau ist Tanya Burr, der 3,5 Millionen Fans folgen.
Wayne Goss begeistert 3,5 Millionen Anhänger mit Make-Up-Tutorials; der 23-Jährige Conor Maynard, ebenfalls aus Brighton singt gern auf Youtube; vor 2,3 Millionen Fans.
Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Ihre Marktmacht ist gewaltig; ich habe jeweils nur die Abonnentenzahl ihres wichtigsten Kanals genannt. (….)

Aber niemand von ihnen kam je auf die Idee irgendetwas zum EU-Referendum zu filmen.
Schminktipps, Haarfarben und die neuesten Videogames waren immer wichtiger.

Nun dasselbe Bild in Amerika.
Die Jugendlichen leben in ihrer poppig-bunten Socialmedia-Welt, fühlen sich zu nichts verpflichtet und meinen auf mysteriöse Weise sorge irgendjemand anderes für ihr Wohlergehen.

Die amerikanischen Social-Media-Personalities haben im letzten Jahr täglich ihre fröhlichen lustigen Postings veröffentlicht, gevloggt, sich zu "Meet-Ups" getroffen und sind alle strikt unpolitsch geblieben.

In den USA hätte Trump bei den 18-24Jährigen nur vier Staaten geholt.
Aber die konnten sich ja nicht aufraffen zu wählen.

Tyler Oakley (schwul, über 8 Millionen Follower), der größte Star unter ihnen, hat ein einziges Mal die Wahl erwähnt – bei einem Q&A.
Shane Dawson, bi 8,4 Millionen Follower hat nicht einmal die Wahlen oder Trump erwähnt:
Marc Miller, schwul, 600.000 Anhänger, hat Trump nie erwähnt.
„Gay God“, eine Million Anhänger – kein Wort zur US-Wahl.
Joey Graceffa, schwul, sieben Millionen Follower, erwähnt die Wahl am 09.11.2016 das erste mal und ist ganz geknickt vom Ergebnis.
Connor Franta, schwul, sechs Millionen Fans, erwähnte einen Tag vor der Wahl bei einem Q&A einmal kurz wie er wählen wird.
Wichtiger war ihm aber erst mal über seinen Doughnut-Geschmack zu sprechen und über ein neues Tattoo zu orakeln.

Was sind denn das für LGBTI-Luschen?
Glauben die, Homorechte fielen einem einfach in den Schoß und man müsse sich nie um irgendwelche Bürgerrechte bemühen?
Glauben sie, es gäbe keine Kräfte in den USA, die das wieder zurückdrehen wollen?

Vielleicht ist das einer der erschreckendsten Aspekte der Trump-Wahl. Nach einem kurzen Aufjaulen der Enttäuschung geht die Linke gleich wieder in ihren gewohnten Tiefschlaf über.

Einer meiner Verwandten in den USA, der mit einer schwarzen Frau verheiratet ist und schon quasi aus familiärer Vorbelastung heraus ein strikter Trump-Gegner ist, sogar eifrig für Hillary Clinton geworben hatte, verkündete heute pathetisch auf seiner Facebook-Seite, nun sei es an der Zeit das Land zu heilen, man dürfe nicht mehr geteilt sein, man wäre „one nation under god“ und solle sich nun hinter den president elect stellen.

Ich finde nicht, daß Trump automatisch Respekt verdient hat, nur weil er mit Stimmenminderheit das Amt bekleiden wird.
Außerdem halte ich den Glauben an eine friedliche Zusammenarbeit von GOPern und Demokraten für naiv. Daher antwortete ich:

Well, in 2009 House GOP whip Eric Cantor (in December 2008) and Senate minority leader Mitch McConnell (in early January 2009) promised to block everything Obama would do to make his presidency a complete failure. There was only one goal: He should have been a one term potus - even if the USA would go down the toilet.
Meanwhile Trump himself was challenging Obamas citizenship and kept on saying he was a Kenyan man.
And Obama had been a nice guy. He didn’t insult millions of Americans.
Plus he was elected by a majority of the people.
Trump NOT – Hillary got more popular votes. Only because of the crazy American system the second time in 16 years a democrat gained more votes than his opponent and the Republican becomes president.
(Impossible in Europe)
Therefore I am pessimistic. Trump won’t unite the USA.

Mein lieber Neffe löschte mein Posting sofort und schrieb mir als Privatnachricht, daß er keine amerikafeindlichen Töne dulde.
Auf seiner Facebook-Seite sollten nur „love and peace“ herrschen.

So schreibt und handelt nun ein halbwegs gebildeter und persönlich sehr netter Demokrat, der selbst schwarze Kinder hat, wenn Rassisten die Regierungsmacht übernehmen.

Das ist schlimm, denn ich habe die destruktive Kraft der Trump-Wähler bisher ganz außer Acht gelassen.
Doch schon die Trump-Gegner bieten ein so desolates Bild, daß man allen Grund zur Sorge und zur Panik hat.

Die eine Hälfte der Menschheit reißt, getrieben von Bos- und Dummheit die Macht an sich, während die andere Hälfte es lethargisch geschehen läßt.

Was ist schlimmer?

So traurig es ist, auch in Deutschland stehen an der Spitze der eher linken Kräfte underperformande Frömmler und Merkel-Liebchen wie Gabriel und Göring-Kirchentag.
Das macht keinen Spaß sich für solche Typen zu engagieren.
Aber auf der anderen Seite stehen Seehofer, Söder, Petry, Gauland, Höcke und Storch.

Da ist phlegmatisch zurücklehnen und Abwarten keine Option.

[….] Wie können so viele Millionen Wähler nicht erkennen, wie viel heiße Luft hinter all den hohlen Phrasen lauert – und wie viel Gefahren hinter der heißen Luft?
Können so viele Menschen wirklich so dumm sein?
Yes, they can!
[….] Egal in welches Land wir schauen, fast überall fühlen sich die Menschen aka Wähler betrogen, unverstanden, ausgenutzt und machtlos.
Und möchten dagegen protestieren.
Dagegen ist rein gar nichts einzuwenden, im Gegenteil.
Denkzettel oder offene Worte sind mehr als nötig.
Nur war es leider schon immer der falscheste aller Wege, gegen Ungerechtigkeit, Korruption und Missstände mit Wut, Hass, Plattitüden und Egoismus vorzugehen.
Denn was die Welt in diesen Zeiten dringend brauchen würde, wären Ehrlichkeit, Weisheit und Vernunft.
Doch was wir bekommen und was die Menschen aus Frust wählen, ist das genaue Gegenteil.
Wer am lautesten schreit und die Realität am unterhaltsamsten vereinfacht, dem folgen die Enttäuschten am schnellsten – denn wichtiger und beruhigender als wirkliche Lösungen sind bei großem Frust und angestauter Verzweiflung zuerst einmal immer simple und laute Versprechungen einer stark erscheinenden Führungspersönlichkeit, dass alles jetzt endlich besser wird und die Anderen dafür bezahlen werden.
Bis man bemerkt, dass man selbst zu den Anderen gehört...
Niemand soll mit Hitler verglichen werden, das ist zu platt und einfach.
Allerdings gemahnt uns die Geschichte daran zu erkennen, dass eine ähnliche Mischung aus Enttäuschung und Frust bei den Wählern gepaart mit großen Gesten, markant wütenden Worten und Schuldzuweisungen an einzelne Bevölkerungsgruppen in der Vergangenheit mehr als nur einmal zu katastrophalen Folgen für die Menschheit geführt haben.
Denn dazu ist die Geschichte da – um aus ihr zu lernen und nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen.
Schaut man sich in der Welt um, scheinen die Menschen jedoch genau dies überall und wiederholt zu tun, fast so als läge ein tückischer Virus des Wahnsinns und der nationalen Selbstüberschätzung in der Luft.
[….] Ich gebe offen zu, die Weltlage macht mir Angst wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.
Wut, Frust, Hass und große Fressen mit dicken Hosen bestimmen das Weltgeschehen.
Könnte ich in eine angenehmere, menschlichere und vernünftigere Parallelwelt auswandern, ich würde es tun. [….]

Mittwoch, 9. November 2016

Schachmatt




Ja, es stimmt; ich bin ein wirklich schlechter Verlierer.
Es gelingt mir überhaupt nicht das amerikanische Desaster als „demokratische Wahl“ zu akzeptieren und dem politischen Kurs, der gestern eingeschlagen wurde, irgendetwas Positives abzugewinnen
Die Wahl Trumps ist der Beweis für die Existenz von „Schwarmdummheit“.


Volksabstimmungen in den Zeiten der sozialen Medien sind zunehmend zum Scheitern verurteilt, weil sich gesteuerte Fehlinformationen, Gerüchte, Ressentiments und Antipathien grundsätzlich schneller im Internet verbreiten, als seriöse Informationen, die erst gecheckt werden und dann den lästigen Fakten-Klotz mit sicher herumschleppen.

Kalifornien, Nebraska, Oklahoma:
Bundesstaaten stimmen für Todesstrafe
Neben der Präsidentenwahl standen in mehreren US-Bundesstaaten auch Entscheidungen zur Todesstrafe an. Durch die Bank stimmten die Bürger für die Wiedereinführung - oder gegen die Abschaffung. […..]

Befreit sich Mensch vom Firnis des Anstands, der Kultur und Zivilisation, so wie das auf Twitter und Facebook möglich ist, ploppen der vergangen geglaubte eitrige Rassismus, die Homophobie und Frauenfeindlichkeit wie Pickel auf.


CNN commentator Van Jones early Wednesday morning called what appears to be a country moving toward a Donald Trump victory a "white-lash," a backlash against "a changing country." In other words, racism.
He says there are parents who are putting their children to bed tonight, "and they're afraid of breakfast. They're afraid of how do I explain this to my children."
Jones added that he has Muslim friends who are asking him if they should leave the country. And families of immigrants who are "terrified tonight."

Jetzt ist das Desaster eingetreten. Wäre die politische Kultur Amerikas unter Beihilfe der Medien nicht über die letzten 20, 30 Jahre so total verrottet, würde jemand, der so extrem lügt und beleidigt von JEDEM Demokraten leicht geschlagen besiegt.

Das Gift des Hasses und der Obstruktion, welches Newt Gingrich als Sprecher des Repräsentantenhauses ab 1995 in die Köpfe der Amerikaner einsickern ließ, machte das Unfassbare möglich:

Trump will 12 Millionen Menschen deportieren, den Multimilliardären die Steuern um Billionen kürzen, sämtliche Umweltschutzrichtlinien aufheben, einen Handelskrieg mit China anzetteln. Er glaubt glaubt nicht an den Klimawandel, will Amerika einmauern, miut Putin gemeinsame Sache machen, die NATO schleifen, alle LGBTI-Rechte streichen, Abtreibung bestrafen, Schüler bewaffnen, ultrakonservative Richter ernennen, 40 Millionen Menschen die Krankenversicherung wegnehmen und Atomwaffen sollte man seiner Ansicht nach ruhig mal einsetzen, Saudi-Arabien sollte auch welche haben!

Genialer Plan, so einen zum Präsidenten zu machen!

Die nächste First Lady
 
In Europa lachte man die vergangen Jahre über verblödeten Evangelikalen, die Radio-hosts, die einem erklären Erdbeben entstünden durch die Homoehe, die extreme Intellektuellenfeindlichkeit, das Homeschooling.

Ich habe mir in diesem Blog immer wieder diese stramm rechten ultrafrommen Amis rausgepickt und sie veralbert, wenn sie erklärten, der Klimawandel sei von den Chinesen erdacht und die Evolution eine Lüge, weil Gott den Menschen vor 6.000 Jahren erschaffen habe.

Jetzt lache ich gar nicht mehr.


Das kommt davon, wenn man die Jugend systematisch verdummen läßt.
Der Staat, noch dazu ein so reicher wie die USA, sollte sehr gute Schulen für jeden finanzieren und sie auch als Schulpflicht für alle Kinder durchsetzen.

Amerika scheint Jahrhunderte zurückzuliegen.

'Nein, ihr braucht nicht zur Schule gehen, es reicht auch, wenn ihr zu Hause bleibt und euch von Moron-Mum aus der Bibel vorlesen lasst!'

In Deutschland versuchen wir der Verdummungsstrategie nachzueifern, indem wir Grundschulen verrotten lassen, seit Jahrzehnten 50.000 Lehrerstellen vakant lassen, Unterricht kürzen, Kinder gleich mit 9 oder 10 Jahren auf Hauptschulen aussortieren und als i-Tüpfelchen der Idiokratie kommt auch noch eine Bundesregierung und möchte extra eine Bildungsfernhalteprämie („Herdprämie“) zahlen – an die Eltern, die ihre Kinder aus den KITAS und Vorschulen abmelden, damit sie noch mehr verdummen.

Gefühlte Wahrheiten, Postfaktizismus und Populismus dürfen nicht mehr achselzuckend in Talkshows ausgebreitet werden, sondern schon im Keim durch Ratio und Fakten erstickt werden.

Was passiert, wenn man sich den Lügnern und Hetzern und Demagogen und Populisten und Rechtsradikalen nicht entgegenstellt, sondern wie die US-Medien tumb und ungeniert Donald Trump kostenlose Sendezeit im Wert von zwei Milliarden Dollar schenkt, indem man jeden seiner Auftritte unkommentiert live überträgt, haben wir gestern miterlebt.

Vor acht Jahren begann Trump seine öffentliche klar rassistische Birther-Kampagne, um Barack Obama zu delegitimieren.
Unter freundlicher Mitwirkung all der Medien, die darüber berichteten, gelang Trump ein genialer Schachzug.
Denn damit schuf er sich eine solide Basis bei den Millionen Amerikanern, die es eben NICHT eine schwarze Familie im Weißen Haus akzeptieren.

Daß "die Neger" Basketball spielen, ganz hübsch singen und tanzen, daß ab und zu mal einer in einer Serie mitspielt (aber nicht zu viele bitte - für Oscars sollen sie nicht nominiert werden), daran haben sich wohl die meisten Amis gewöhnt.
Aber wenn einer von denen ernsthaft mächtig wird, sich sogar erdreistet zum mächtigsten Mann zu werden, geht das doch zu weit.

"I could shoot someone on 5th avenue and would not lose any voters" ... Donald Trump in one of his most honest moments during a pathetic campaign. Just imagine a (watch out politically incorrect - for clarity!) Negro would have spit out such devastating filth ... Just imagine.
(Norman S. auf FB 09.11.2016)

Obama wäre unter normalen Umständen gar nicht gewählt worden wäre - aber die GWB-Misere war so gewaltig und die Gegenkandidaten (Palin!) derart schwach, daß er ausnahmsweise durchrutschen konnte.
Das war aber a posteriori mehr als viele Amis ertragen konnten.
Und anschließend auch noch eine Frau und Emanze, die offensiv für LGBTIs streitet und Abtreibung straffrei stellen will?

Nein, da schritt der weiße Mann unter der Anfeuerung von Evangelikalen und Katholiken zur Tat. Auch in Romney Mormonen-Staat Utah holte Trump 375.000 Stimmen, während Hillary auf nur 222.000 kam.
Vor einer Woche hatte Bill Maher noch die Opposition Romneys und der Mormonen gelobt. Die stellten sich wenigstens nicht wie die Evangelikalen hinter Trump. Nur 19% favorisierten ihn.


Maher ist sicher nicht dumm oder optimistisch, aber selbst er konnte sich nicht vorstellen, wie schlimm es wurde.

Internet und soziale Medien bevorzugen Radikalisierungen und komplette Fehleinschätzungen der Realität.
Ich als Amerikaner kann auf Facebook und Twitter nur den Eindruck gewinnen, Trump werde von nahezu jedem kategorisch abgelehnt.

Auf meiner FB-wall tauchen keinerlei Trump-Fans auf; ich lese nur wie sehr alle von ihm angewidert sind.
Es war vollkommen klar, daß Hillary mit einem Landslide gewinnen würde. Die Demokraten würden zumindest die Mehrheit im Senat übernehmen, aber mit etwas Glück auch die Mehrheit im House erringen.
 Was sollte auch bei dem Gegenkandidaten sonst passieren können?
Die Umfragen sahen auch gut aus und noch viel besser sah das electoral board aus, nachdem es für Trump de facto unmöglich war die 270 Stimmen zu bekommen. Michigan, Wisconsin, Pennsylvania könnten ohnehin nur an Clinton gehen. Ohio mit hoher Wahrscheinlichkeit auch und bis zum Schluß lag Clinton in den Umfragen auch in Florida vorn. Das könne gar nicht anders sein, da dort so viele Latinos leben, die vom GOPer kontunierlich insultet wurden.

Dann kollidiert man auf einmal mit der Realität, die eben nicht so aussieht, wie das, was mir meine sozialen Medien seit anderthalb Jahren zeigen.

Brexit Déjà-vu: Nein, so doof können die Briten gar nicht sein.
Konnten sie aber doch.

AfDler/Reichsbürger/Nazis haben auch ihre inzestuösen Info-Blasen im Netz, so daß sie glauben müssen, jeder denke so wie sie.
Das macht sie mutig, läßt sie alle Hemmungen verlieren.

Hierin liegt die größte Gefahr des Trump-Sieges: Le Pen, Wilders, Farage, Petry – sie alle haben Oberwasser und freuen sich gemeinsam mit Putin.

Wer hätte das gedacht; KGB, KKK und FBI ziehen dirigiert von Julian Assange an einem Strang, um die Demokraten/Multikulti/LGBTI zu stoppen.

Da Trump grundsätzlich lügt und betrügt, ist es naturgemäß schwer zu prognostizieren, wie sich seine Außenpolitik gestalten wird.
Allerdings sind seine Berater – an der Spitze der Breitbart-Verschwörungstheoretiker Stephen Bannon, sowie der busengrabschende Ex-FOX-Chef Roger Ailes – eher noch extremistischer als Trump selbst.
Die vollkommen wahnsinnigen und enthirnten Rudy Giuliani und Sarah Palin dürften Ministerposten erhalten. Der rechtsradikale Senator Jeff Sessions wird ebenso wie Trumps Vize, der radikale Schwulenhasser und Abtreibungsgegner Mike Pence eine große Rolle spielen.

Das wird übel, sehr übel.

[….] Mit dem Wahlsieg von Donald Trump ist für die meisten Mexikaner ein Alptraum wahrgeworden. [….] "Trump ist ein verheerender Hurrikan, vor allem dann, wenn er seine Wahlversprechen einhält", das sagt Augustín Carstens, der Chef der Bank von Mexiko. [….]  Für die mexikanische Wirtschaft wäre das die größte anzunehmende Katastrophe. [….]
Für die Ukraine brechen mit dem designierten Präsidenten der USA mutmaßlich sehr, sehr harte Zeiten an. [….] Donald Trump [….]  gilt als Bewunderer des russischen Präsidenten und hat sich bislang wenig kritisch über die Annexion der Krim geäußert. [….]
Vor allem Trumps Missachtung der Nato, auf deren Präsenz in Mitteleuropa die Ukraine setzt, hat in Kiew besondere Besorgnis ausgelöst; und auch die Tatsache, dass der Berater des pro-russischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch, Paul Manaford, auf Trumps Gehaltsliste stand, trug nicht zur Beruhigung bei.
[….] Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif forderte Trump auf, das Atomabkommen mit seinem Land zu achten. Trump hatte den Vertrag, Kernstück der Außenpolitik der Obama-Regierung, im Wahlkampf als "schlechtestes je ausgehandeltes Abkommen" bezeichnet. [….]
Trump hatte Iran wie auch dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bescheinigt, gegen den IS zu kämpfen und sich kritisch über die syrischen Rebellen geäußert. [….]
Für Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ist die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ein unerwartetes Geschenk. [….]
In vier Wochen sind in Österreich Bundespräsidentenwahlen, und je nach Sichtweise ist der Sieg von Trump ein Omen für einen Sieg des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Zudem will, bei immer wahrscheinlicher werdenden Neuwahlen im kommenden Jahr, die FPÖ auch die Regierung übernehmen.
[….] In Paris reagierte man mit sprachlosem Entsetzen. Nur Marine Le Pen, die Vorsitzende des rechtsextremen Front National (FN) twitterte: "Glückwünsche an den neuen Präsidenten." Noch vor Sonnenaufgang - und mehr als eine Stunde, ehe in New York Hillary Clinton ihre Niederlage eingestand - bejubelte Le Pen bereits die Wahl des "freien amerikanischen Volkes".  Die FN-Chefin betrachtet Donald Trump als ihr Vorbild. [….]
Was dagegen Friedensmissionen oder andere humanitäre Zwecke angeht, glauben Beobachter, dass eine Trump-Administration das US-Engagement deutlich zurückfahren wird. Das würde den Alltag fast aller Afrikaner verändern - schließlich sind die USA nicht nur der wichtigste Geldgeber der UN, sie finanzieren auch zahlreiche Entwicklungsprojekte und die Staatsbudgets armer afrikanischer Staaten.
In vielen Staaten Afrikas hängen die Einwohner von den Geldsendungen ihrer Verwandten im Ausland ab. Trump hat bereits mehrfach angekündigt, dass er in den USA lebende Afrikaner aus dem Land werfen werde, sobald er Präsident sei. Mit den bisher rege genutzten Bildungs- und Jobmöglichkeiten in den USA wäre es für Afrikaner vorbei.
[….] Als einer der ersten europäischen Regierungschefs hatte Viktor Orbán den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump unterstützt. [….]
Jubeln mochte in Italien [….] ein Teil der Opposition. Matteo Salvini, der Chef der fremdenfeindlichen Lega Nord, hatte Trump sogar besucht während dessen Kampagne. [….]



NACHTRAG:

HURRA AMERIKA!

Zum zweiten mal innerhalb von 16 Jahren hat ein Demokrat mehr Stimmen bekommen, aber der Republikaner wird US-Präsident.

Hillary Clinton hat insgesamt mehr Stimmen bekommen als Donald Trump, aber Trump ist Präsident!

Donald Trump may have scored an astonishing upset presidential victory, but Hillary Clinton could still receive more votes.
As of Wednesday evening, hours after Clinton called Trump to concede, the former secretary of state clung to a narrow lead in the popular vote, 47.7%-47.5%.
She had 59,755,284 votes, according to CNN's tally, with 92% of the expected vote counted. Trump had 59,535,522. That difference of 219,762 is razor-thin considering the nearly 120 million votes counted so far. The totals will continue to change as absentee votes trickle in.