Montag, 9. März 2015

Fremde in Deutschland


Forsa entscheidet offenbar darüber wo die Olympischen Sommerspiele 2024 stattfinden.
Glücklicherweise gibt es ja beim IOC, DOSB und Demoskopen nur ehrliche und seriöse Menschen, so daß wir eine Entscheidung frei von Bestechungseinflüssen erwarten können.
Nun soll sich also die Stadt um den größten Kommerzirrsinn bewerben, die am wenigsten Gegner aufweist. Das zeigten zuletzt die negativen Entscheidungen aus München und Oslo. Die Bürger haben gar keine Lust auf das Milliardenteure Spektakel.

In einer Ende Juli veröffentlichten Umfrage unter Hamburger Bürgern fanden mehr als 70 Prozent, die Ausrichtung sei zu teuer und die Stadt solle lieber in andere Projekte investieren. In beiden Städten sind ja jüngere Bau- und Finanzdesaster dauerpräsent: in Berlin der Flughafen, in Hamburg die Elbphilharmonie. In beiden lebt auch noch die Erinnerung an grandios gescheiterte Olympia-Kandidaturen: Berlin lieferte bei der Wahl für die Spiele 2000 eine kabarettreife Pannenshow, Hamburg verlor für die Spiele 2012 schon in der nationalen Vorauswahl gegen Leipzig.

Objektive Informationen über die hanseatische Olympiaplanung zu bekommen, ist gar nicht leicht, da alle Hamburger Zeitungen glühenden Unterstützer der Bewerbung sind und ausschließlich Jubelmeldungen zum Thema veröffentlichen.
Kritiker kommen überhaupt nicht zu Wort. (Watch ab 03:00)
Die proolympische PR Hamburgs ist gar nicht ungeschickt.
Daß Städte ökonomisch von der Ausrichtung solcher Spiele profitierten, ist inzwischen als Märchen enttarnt.
Stattdessen sonnen sich Hamburgs Olympiabefürworter in ihrem weltoffenen Selbstbild.
Klar, im Osten, Leipzig oder Dresden, aber auch in Berlin sind die Leute ohnehin geistig verengt und xenophob eingestellt.
Pegida beweist es und Berlin fällt schon seit Jahren durch Touristenfeindlichkeit, Pogrome gegen Schwaben und Rollkofferhetze auf.
Wir Hamburger hingegen sind traditionell durch den Hafen weltoffen und mit allen Kulturen verbunden und verquickt.
Wer würde das nicht gerne über sich hören?
Ich glaube sogar, daß es stimmt – als klassische Handelsstadt ist Hamburg mehr als alle anderen deutschen Städte an Multikulti und Exotik gewöhnt.
Da sind wir unserer Städtepartnerstadt Dresden um Meilen voraus.
Allerdings ist das noch lange kein Grund deswegen Milliarden für eine zweiwöchige Jetset-Doping-Messe rauszuwerfen.

Es wäre sinniger die Milliarden für Aufklärungskampagnen und Bildung auszugeben, so daß dem ostdeutschen braunen Bodensatz seine widerwärtige Deutschtümelei ausgetrieben wird.
Da ich von Hamburg sprach; die hiesige und hirnfreie AfD-Kandidatin Tatjana Festerling, die durch ihre Hooligan-Begeisterung von sich reden machte, hat inzwischen rübergemacht zu ihrem Idol, dem Hobby-Hitler Lutz Bachmann.
Auf der heutigen Gida-Demo in Dresden durfte die finstere Festerling sogar eine Rede halten und entwarf dort unter dem Jubel des dumpfen Mobs ihre Version von einem Wiederaufbau einer Mauer – aber „diesmal besonders hoch!“
Hinter der Mauer könnten die Deutschen dann genetisch-inzestuös ohne irgendwelche Einflüsse aus dem Ausland den deutschen Tugenden frönen.


Es geschehen noch Zeichen und Wunder!
Ja, ich stimme mit dieser Pegida-Forderung überein.
Baut eine Mauer um Sachsen, sperrt alle Gedinesen Deutschlands dahinter weg und dann bitte den Schlüssel wegwerfen.

Ach ja, und bitte nicht vergessen die CDU hinter der Mauer zu entsorgen. Die kuschelt immer mehr mit den Rechtsradikalen, die sich hinter ihrem kriminellen Führer Lutz Bachmann zusammenrotten.

[…]  Die Pegida-Sympathisanten Andreas Dietrich, Gerd Gerull, Heiko Müller, Heide Herrmann und Reiko Beil (v. l. n. r.) wollen politisch etwas bewegen. Drei von ihnen werden Ende März in Berlin Staatssekretär Friedrich Kitschelt treffen, der auch schon im Bundeskanzleramt das Referat Nord-Süd-Beziehungen leitete.
[…] Mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete der sächsischen CDU unterstützen eine 14-köpfige Gruppe von Pegida-Sympathisanten. Diese versteht sich als „Scharnier zwischen den Pegida-Organisatoren und der Politik“, sie hat sich bereits mehrfach mit den christdemokratischen Politikern getroffen.
Pegida-Vereinschef Lutz Bachmann begrüßte die Dialogbereitschaft der CDU. […] Koordinator der Gespräche ist der CDU-Landtagsabgeordnete Lars Rohwer. Er sei positiv überrascht von der Pegida-Gruppe. Die könnte in ihrer Zusammensetzung zwar unterschiedlicher kaum sein, aber „wir müssen doch konstatieren, dass Pegida es geschafft hat, die Systemfrage wieder auf die Tagesordnung zu setzen,“ sagte er. […] Er bestätigte ein Treffen der Pegida-Gruppe mit sechs Dresdner CDU-Abgeordneten am 28. Januar im Landtag. Dieser Zusammenkunft folgten weitere Gespräche, unter anderem auch mit Sachsens Innenminister Markus Ulbig und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz. […]

Sonntag, 8. März 2015

Don Camillo und Don Camillo


Der Papst ist genauso wenig eindeutig Argentinier wie Obama ein Schwarzer ist.
Obama ist halb und halb, 50:50. So wie man ihn aufgrund eines Elternteil als „schwarz“ betrachtet, könnte man ihn auch aufgrund des anderen Elternteils als „weiß“ ansehen.
Der Papst-Vater José Mario Francisco Bergoglio ist Italiener und stammt aus der piemontesischen Ortschaft Portacomaro nahe Asti. Jorge Mario Bergoglio spricht italienisch als Muttersprache und hatte immer einen Italienischen Pass.
Des Papstes Verhalten auf seine vermeidlich exotische Herkunft zu schieben ist also nicht ganz richtig.

Ich meine Franzl könnte seine hemdsärmelige Art auch von seinem Vater José Mario Francisco geerbt haben.
Fußballverrückt, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und bei Meinungsverschiedenheiten gibt es gleich eins auf’s Maul.


Die Ähnlichkeiten zu Giovannino Guareschis Priesterfigur „Don Camillo“ sind sicher kein Zufall.
Guareschi (* 1. Mai 1908 in † 22. Juli 1968) gehört zur selben Generation wie Franziskus‘ Vater José Mario Francisco und wurde nur ein paar Dörfer weiter im norditalienischen Fontanelle di Roccabianca geboren.
Wie in den Don Camillo und Peppone-Romanen prägten auch die Bergoglios die Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Faschisten.

Don Camillo Tarocci und Bürgermeister Giuseppe Bottazzi, genannt Peppone, sind in den Guareschi-Büchern in einem fiktiven Dorf in der norditalienischen Po-Ebene angesiedelt. Sie kennen sich durch ihre Partisanenzeit und dem gemeinsamen Kampf gegen die Mussolini-Faschisten.
Nach dem Ende des rechtsradikalen Regimes ringen sie maximal ruppig um die sozialen Fragen des verarmten Dorfes.

Franzikus benimmt sich ganz ähnlich, wenn er lustig daher plaudert, wie er jemand umrockern würde, der seine Mutter beleidigt oder freudig erregt erzählt wie schön es ist Kinder zu schlagen.


Ein Satz heiße Ohren war auch immer das Rezept von Giovannino Guareschis Don Camillo.

Italien eben.

Don Massimiliano Pusceddu, Exorzist und Kaplan der italienischen Staatspolizei, ist ebenfalls ein Mann nach Bergoglios Zuschnitt. Als ehemaliger Italienischer Boxchampion ist er es wirklich nicht gewöhnt die andere Wange hinzuhalten, sondern teilt ordentlich mit den Fäusten aus.
So ein kampferprobter Geistlicher eignet sich natürlich am besten dazu, auch in vorderster Front den Kampf gegen Satan und seine Dämonen aufzunehmen.

 Der Teufel lauert immer und überall. Da muß man sich zu helfen wissen.
Massimiliano Pusceddu:

"Es muss erst einmal eines klar gestellt werden: wenn man mit dem Teufel zu tun hat, gibt es nichts zu scherzen. Deshalb hat die Aufmerksamkeit der Kirche dem Bösen gegenüber nie nachgelassen.“
[…] Seit einiger Zeit werden innerhalb der katholischen Kirche wieder mehr Exorzisten ausgebildet und eingestellt. Das gilt vor allem für italienische Diözesen. Erst kürzlich wurden in der Diözese Neapel drei neue Exorzisten ernannt. In Mailand waren es sogar sechs neue Teufelsaustreiber auf einmal. Ähnliche Zahlen kommen auch aus zahlreichen anderen italienischen Diözesen. Insgesamt sind in ihnen mehr als 250 ausgebildete Exorzisten im Einsatz. Vor einigen Jahren war es nur die Hälfte.
Gabriele Amorth weiß, warum das so ist. Der 88-jährige Priester, der heute in einem römischen Altersheim lebt, gilt immer noch als Doyen der katholischen Exorzisten. 1990 gründete Amorth, der nach eigenem Bekunden rund 50.000 Teufelsaustreibungen vorgenommen hat, die Internationale Exorzistenvereinigung:
"Es gibt ja auch Parawissenschaften und die Kirche hat diesen Aspekt viel zu lange ausgeklammert. Es gab eine Zeit, die gar nicht mal so lange zurückliegt, da hat die katholische Kirche alles, was mit Exorzismen zu tun hatte, ins Abseits stellen wollen. Das hat sich radikal geändert. Vor allem unter Benedikt XVI. hat sich die Idee eines quasi wissenschaftlichen Umgangs mit Teufelsaustreibungen in der Kirche durchgesetzt. Es ist eine - sagen wir - moderne Vorstellung von Exorzismus."
[…] "Heute findet sich der Teufelskult an immer mehr Orten in der Gesellschaft. Sogar im Kirchenstaat. […]  Italien weist mit über 500 Satanssekten eine besonders hohe Anzahl solcher Gruppierungen in Europa auf. […]

Und wie kommt der Teufel zu den Menschen?
Durch das Weib! Weil es schwach um Glauben ist!
Das hat schon Heinrich Kramer im Malleus Maleficarum (Hexenhammer) bewiesen.

Als Polizeikaplan Pusceddu Ende letzten Jahres zu einem Ehekrach in seiner Pfarrei Vallermosa gerufen wurde, zog er gleich die Knarre und hielt den Streitenden den geladenen Revolver an den Kopp.

Weil er einen Ehestreit mit der Pistole geschlichtet haben soll, ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft gegen einen katholischen Priester auf Sardinien.

Samstag, 7. März 2015

Drei Deutsche Doofe!


Deutschland hat bekanntlich im 20. Jahrhundert mehrfach weltweite Verbrechen und Desaster angezettelt, die Zig Millionen Menschenleben kosteten und bis heute unübertroffen sind.
1945 war Deutschland, nachdem es unter anderem Europa auch ökonomisch total ausgeraubt hatte nicht nur zerstört und demoralisiert, sondern auch pleite.
Eine Buchempfehlung dazu ist Götz Alys „Hitlers Volksstaat“ von 2005.
Mit dem Werk habe ich vor zehn Jahren erstmals damit begonnen mich auch mit diesem Aspekt der NS-Diktatur zu beschäftigen. Ja, natürlich wußte ich von den Arisierungen, aber vorher hatte ich nie so ausführlich Deutschland als Raubstaat analysiert bekommen.
Nach Kriegsende war Deutschland wirtschaftlich so am Boden, daß von 1948 bis 1952 das European Recovery Program (bekannt als „Marshallplan“) in Kraft trat. In diesen Vier Jahren pumpten allein die USA nach heutigem Wert rund 130 Milliarden Dollar über den Atlantik.
Deutschland wurde das gewährt, was man heute einen „Schuldenschnitt“ nennt.
Bis heute hat die Bundesrepublik Deutschland zwangseingetriebene Kredite aus Griechenland nicht zurückgezahlt.

Bekanntlich hat Deutschland aber auch schon wieder weit über zwei Billionen neue Schulden angehäuft.
Es gibt verschiedene Berechnungen; meist wird auf die des Bundes der Steuerzahler verwiesen.
 Demnach wachsen Deutschlands Schulden PRO SEKUNDE um 175 Euro und betragen derzeit rund 2.050 Milliarden Euro = 2.050.000 Millionen Euro = 2.050.000.000.000 Euro.
Das entspricht rund 25.000 Euro pro Kopf.
Zurückgezahlt wird das sicherlich nie, denn Schulden sind auch etwas Gutes. Darauf werden Zinsen gezahlt und von den Zinsen leben diejenigen, die behaupten ihr Geld arbeite für sie. Von den Schulden leben auch diejenigen, die eine kapitalgedeckte Rentenversicherung oder eine Lebensversicherung abgeschlossen haben.

Die Schuldenuhr der USA steht gegenwärtig bei etwa 18,5 Billionen Dollar, also bei 57.000 Dollar pro Kopf und wächst um 34.000 Dollar pro Sekunde.
Das entspricht 17 Billionen Euro. 17.000 Milliarden = 17.000.000 Millionen = 17.000.000.000.000 Euro.

Griechenland hat rund 300 Milliarden Euro Schulden.
Das sind etwa 15% der Deutschen Schulden.
Das sind knapp 2% der amerikanischen Schulden.

Die Griechen werden diese vergleichsweise mickrigen 300 Milliarden vermutlich nie zurückzahlen können. Genauso wenig wie Deutschland oder Amerika ihre Schulden jemals loswerden.

Dabei arbeiten die Griechen hart.

"Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig. Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen."

Anders als Merkel und die BILD einst behaupteten, sind „die Griechen“ in jeder Hinsicht fleißiger als die Deutschen.

Griechen arbeiten pro Jahr und Person 2.034 Stunden und sind somit die fleißigsten Europäer. Die Deutschen kommen lediglich auf 1.393 Stunden und sind damit zusammen mit den Holländern die faulsten Europäer nach OSZE-Zahlen.

That said, komme ich zu drei Zitaten von Deutschen Doofen.

Da ist zunächst der CSU-Generalsekretär Scheuer, der selbst zu doof dafür war eine Promotionsschrift vorzulegen und stattdessen einen „Kleinen Doktor“ aus Prag fälschlicherweise als „Dr.“ führte.
Er hat aber eine Meinung zum weltweit anerkannten Ökonomie-Professor Varoufakis, der in drei verschiedenen Kontinenten Professuren innehatte:

“Und ich rate dem Herrn auf dem flotten Motorrad seine frechen Forderungen einzustellen, sonst riskiert er einen Totalschaden für unser Land…
Den griechischen Halbstarken, liebe Froinde, mit dem heraushängenden Hemd, sage ich: Hemd rein, Gürtel enger schnallen. Die Zeit der Feten mit griechischem Wein ist vorbei. Jetzt wird endlich gearbeitet.”

Parteichef Seehofer kümmerte sich noch nie um Fakten und gibt ebenso gerne den xenophoben Stammtischtäter.
Während in Deutschland die rassistischen Übergriffe auf Flüchtlinge stark zunehmen und TÄGLICH drei antisemitische Straftaten verübt werden, gibt Crazy Horst den Nazis Zucker.

"Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt", sagte Seehofer. Er spielte damit auf die Flüchtlinge aus Kosovo an, die aus seiner Sicht nach Deutschland kommen, um sich in der sozialen Hängematte auszuruhen.

Der dritte Sympath des Tages kommt aus Seehofers Schwesterpartei CDU.
Volkswirt Klaus-Peter Willsch (*28.02.1961 in Bad Schwalbach), evangelisch, verheiratet, 5 Kinder, seit 1998 als Hinterbänkler für die rechte Hessen-CDU im Bundestag, Vorstand der Stiftung für politische und christliche Jugendbildung e.V., Meckenheim, brillierte ebenfalls mit einer sehr sachlichen Einschätzung der neuen griechischen Regierung.

Den Abweichlern in der Union gab der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch eine Stimme und plädierte erneut für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. "Schauen Sie sich Tsipras an, schauen Sie sich Varoufakis an: Würden Sie von denen einen Gebrauchtwagen kaufen? Wenn die Antwort darauf Nein ist, dann stimmen Sie auch mit Nein heute. Das Elend wird weitergehen", sagte Willsch.

Freitag, 6. März 2015

Zeitlos



Es gibt nichts Besseres als auf Papier gedruckte Texte.
Dabei geht es nicht nur um das haptische und sinnliche Erlebnis des Lesens, sondern auch um die Aufnahmefähigkeit.
Studien haben ergeben, daß man viel mehr Details des Inhalts im Kopf behält, wenn man einen Text auf Papier und nicht auf einem Bildschirm gelesen hat.
Für mich kommt hinzu, daß ich immer mit Texten „arbeite“, also alles kommentiere und bewerte. Ich kannte das schon als Jugendlicher aus meiner ganzen Familie – wenn man ein Buch auslieh oder verlieh, hieß es meistens dazu „das habe ich aber mit Stift gelesen.“
Einen Text, den man eifrig kommentiert und unterstreicht, behält man intensiver in Erinnerung.
Das macht es manchmal etwas unangenehm Bücher zu verleihen, weil man nicht unbedingt bei jedem möchte, daß er die Gedanken des Erstlesers gleich mitverfolgen kann.
Mit Stift gelesene Bücher haben aber den Vorteil, daß man bestimmte wichtige Passagen schnell wiederfindet und ermöglichen eine kritische Selbstreflexion, wenn man beispielsweise ein Buch nach 10 Jahren noch einmal liest und dann staunt welche Stellen einen früher beeindruckt haben.
Es gibt Romane, die mich inhaltlich kaum noch interessieren, die aber einen oder wenig mehr wunderschön geschriebene Absätze haben, so daß man das Buch von Zeit zur Zeit aus dem Regal zieht und nur einige Sätze daraus laut vorliest.

Am liebsten würde ich jeden Text aus dem Internet ausdrucken, bevor ich ihn lese, da ich nur so meine maximale Aufmerksamkeit erreiche.

Ein Abonnement einer Print-Zeitungsausgabe zu kündigen ist und bleibt für mich eine Katastrophe.
Zehn Monate ist es jetzt her, daß ich mit viel Gewissenbissen und Bauchschmerzen mein ZEIT-Abo aufgab. Elf Seiten lang in Verdana-10 war meine Erklärung an die ZEIT-Redaktion, man wird mir schwerlich vorwerfen den Schritt voreilig oder unbegründet getan zu haben.
Unnötig zu erwähnen, daß ich bis heute keinerlei Reaktion bekommen habe. Giovanni di Lorenzos Leute am Speersort 1 können offenbar kein Interesse dafür aufbringen, weswegen über Dekaden treue Leser ihr Abo hinwerfen.

Aber ich trauere DER ZEIT hinterher und gucke immer wieder in Kiosken die Themen der Titelseite an, klicke die Online-Ausgabe an.
Das ist manchmal wirklich nicht schön.
Zum Beispiel gestern.

Da stieß ich auch einen Meinungsartikel des Politredakteurs und Volljuristen Dr. Jochen Bittner, der wir sein Chef Josef Joffe gerade erst peinlich aufgefallen war, als er beim Hamburger Oberlandesgericht durchsetzen wollte, daß man nicht mehr behaupten dürfe er schriebe für Joachim Gauck – und scheiterte.
Der bestens atlantisch vernetzte 41-Jährige beschreibt sich selbst wie folgt:

Er kümmert sich vor allem um Europa- und sicherheitspolitische Themen.
Bittner studierte Jura und Philosophie an der Universität Kiel. Bis 2001 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Lehrstuhl für Staatsrecht und Rechtsphilosophie und promovierte nach einem Aufenthalt in Belfast mit einer Arbeit über das Rechtssystems der Irisch-Republikanischen Armee (IRA). Nebenbei freie Mitarbeit für die Kieler Nachrichten, die FAZ und die Welt.
Von 2001 an kümmerte er sich in der ZEIT-Redaktion vor allem um die Themengebiete Terrorismus, Geheimdienste und Sicherheitspolitik.

In seinem neuesten Artikel beschäftigt er sich mit der „Kirchensteuer“, so daß ich sofort hellhörig wurde.
Statt dem seit 96 Jahren bestehenden Verfassungsauftrag zu folgen und die elenden Verquickungen zwischen Staat und Kirche endlich aufzulösen, will Bittner die Kirchensteuer, die in Wahrheit nur ein Konstrukt ist, um die Vereinsbeiträge der Kirche eV einzutreiben, wobei der Staat als Inkassounternehmen auftritt, ausweiten.
Sie soll durch eine allgemeine Religionssteuer ersetzt werden, so daß auch Juden und Muslime zahlen müssen.

Es gibt letztlich keinen guten Grund dafür, dass – wenn der Staat schon eine Kirchensteuer eintreibt – er diesen Service ausschließlich für Protestanten und Katholiken leistet. Das deutsche Kirchensteuermodell war rechtlich schon immer fragwürdig. Mittlerweile hat die religiös-gesellschaftliche Wirklichkeit es komplett überholt.
Juristisch konsequent und gesellschaftlich zeitgemäß wäre es, die Kirchensteuer durch eine Religionssteuer zu ersetzen. Jeder Steuerzahler könnte dann ein Häkchen hinter diejenige Religionsgemeinschaft setzen, die er mit seinem Anteil bedenken möchte.

So weit, so erstaunlich.
Der richtige Weg wäre natürlich genau der Umgekehrte. Angesichts des schädlichen Einflusses der Religionen auf die Gesellschaft, müßte die staatliche Unterstützung ganz abgeschafft werden, statt auch noch ausgeweitet zu werden.

Richtig ist, daß die christlichen Religionen weitreichende Privilegien genießen und insofern stark bevorzugt werden. Statt aber die anderen nun ebenso absurd zu pampern, sollten lieber die Bevorzugungen der Christen abgebaut werden.

Bis hierhin habe ich Bittner und der ZEIT allerdings nichts vorzuwerfen. Er vertritt eine mir diametral entgegen gesetzte Meinung. Das ist selbstverständlich in Ordnung und kein Grund der ZEIT zu zürnen. Daß die Hamburger unter di Lorenzo und insbesondere unter dem Holtzbrinck-Dach stark pro-religiotisch orientiert sind, weiß schließlich jeder.

Was aber nicht geht ist, daß Bittner bei dem Versuch seine These zu begründen glatte Falschinformationen auftischt.
Entweder er lügt bewußt, was für einen Journalisten des Edelefedernblattes ZEIT verwerflich ist, oder aber er ist katastrophal schlecht informiert und es gibt außerdem keinerlei Dokumentation in der Redaktion, so daß seine Falschaussagen ungefiltert durchrutschen – das wäre genauso schlimm für die ZEIT.

Beispiele:

1.)

Bittner behauptet die deutschen Imame wäre deswegen radikal, weil sie nicht in Deutschland ausbildet würden. „Der Islam“ brauche daher Steuereinnahmen, um die Ausbildung hier zu bewerkstelligen, um nicht auf fundamentalistische Import-Imame aus Tschetschenien oder dem arabischen Raum angewiesen zu sein.

Wer es zulässt, dass der saudische oder türkische Staat Imame in Deutschland finanziert, die weder Deutsch sprechen noch kritisch-aufgeklärt denken, darf sich nicht wundern, wenn die Glaubenspraxis vieler Muslime mit einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung weiterhin schwer vereinbar bleibt. Ein anderer Islam, einer, der auch normativ zu Deutschland gehörte, würde eine paar Euros kosten. Aber es wäre eine lohnende Investition.

Bittner tut so, als ob Christliche Kirchen die Priesterausbildung aus den Kirchensteuern bezahlten und daher eine Islamsteuer entsprechend einem staatliche kontrollierte Imam-Ausbildung in Deutschland ermögliche.
Das stimmt aber NICHT.
Denn das Theologiestudium wird in Deutschland vom Staat bezahlt. Die Bundesländer tragen die Kosten für die theologischen Lehrstühle und stellen die akademische Infrastruktur an den Unis.
Die Kirchen geben NULL EURO dazu.
Eine allgemeine Religionssteuer für den Islam würde also auf Imam-Ausbildung gar keinen Einfluss haben. Es bliebe Aufgabe der Länder entsprechende Strukturen und Lehrstühle aufzubauen.

2.)

Sehr plump wischt Bittner die Idee generell den Kirchensteuereinzug durch den Staat abzuschaffen vom Tisch. Mit keinem Wort geht er darauf ein, daß in jedem Land der Erde – außer Österreich und Deutschland, wo noch das Hitler-Konkordat gilt – die christlichen Kirchen ganz ohne Kirchensteuer finanziert werden.
Bekanntlich hat das in Polen, Spanien, Italien, der USA, Malta, den Philippinen, Argentinien, Mexiko oder Brasilien nicht zum Aussterben der Christlichen Kirchen geführt.

Aber die Abschaffung der Kirchensteuer ist, realistisch betrachtet, keine Alternative. Mit den knapp zehn Milliarden Euro jährlich werden in Deutschland so viele Kinderheime, Altenheime, Krankenhäuser und diakonische Dienste mitfinanziert, dass ohne diese verlässliche Finanzquelle eine essentielle Versorgungsstruktur wegbrechen würde.

Ich staune! Was für eine Frechheit. Denn gerade für die Kinderheime, Altenheime, Krankenhäuser werden durch die Kirchensteuer so gut wie gar keine Mittel aufgebracht. Weder durch die Diakonie, noch durch die katholische Caritas, die Bittner offensichtlich aus Unwissenheit gleich unter den Tisch fallen lässt.
Bis vor fünf oder zehn Jahren war tatsächlich wenig darüber bekannt, daß Kirchen eben NICHT ihre Kindergärten oder ihre Bischofsgehälter aus dem Kirchensteueraufkommen finanzieren. Inzwischen gab es darüber aber derartig viele Publikationen, Bücher, Zeitungsartikel, TV-Dokumentationen, daß eigentlich jeder wissen müßte, daß diese sozialen Einrichtungen vom Staat und somit hauptsächlich von der relativen Mehrheit der Atheisten und Muslime in diesem Lande finanziert werden.

Auf Topkleriker wie Kardinal Marx versuchen immer noch gerne den Eindruck zu erwecken die Kirchensteuermilliarden würden für soziale Zwecke ausgegeben. Wahrer wird es dadurch auch nicht.

Man muß es immer wieder betonen: Das gilt auch für Schulen und Kindergärten, die zu 100% staatliche finanziert werden.

Herr Marx, ich danke Ihnen. Ihre frechen Lügen machen es uns Atheisten sehr einfach gegen Sie und die RKK zu argumentieren.

Null Prozent Finanzierung durch die Kirche, aber 100 Prozent Hoheit über die private Lebensführung der dort Beschäftigten! Das dürfe wohl nicht sein! […]  Kirchliche Krankenhäuser werden nicht etwa aus der Kirchensteuer finanziert – wie die meisten Menschen glauben. Die Investitionen zahlt der Staat nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, die laufenden Kosten der Behandlung werden durch Beiträge der Versicherten über die Krankenkassen oder Zusatzbeiträge bezahlt. Damit ist es völlig unvereinbar, dass einer vergewaltigten Frau die Hilfe verweigert wird. […]  Die Eingriffe der Kirchen und ihrer Einrichtungen wie Caritas und Diakonie in die private Lebensführung ihrer rund 1,3 Millionen Beschäftigten passen nicht in die moderne Demokratie. Sie verstoßen auch gegen Grund- und Menschenrechte: Zum Beispiel gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Artikel 3 Grundgesetz, wie das Bundesarbeitsgericht im Falle der Kündigung eines Chefarztes in einem katholischen Krankenhaus wegen Wiederverheiratung als Geschiedener entschieden hat.  Oder die Diskriminierung Homosexueller. Oder sie verstoßen gegen das Recht auf Streik nach Artikel 9 GG, wie mehrere Landesarbeitsgerichte und das Bundesarbeitsgericht entschieden haben.
Oder gegen die Menschenrechtskonvention, so der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, als einem Organisten nach 14 Jahren untadeliger Arbeit wegen Ehebruch gekündigt wurde. Dieser Mann musste sich 13 Jahre lang durch 7 (!) Instanzen quälen, bevor er Recht bekam. Und dann der dauernde Verstoß gegen die Glaubensfreiheit nach Art. 4 GG, wenn zum Beispiel Krankenschwestern oder Pfleger in kirchlichen Krankenhäusern aus der Kirche austreten und dann gekündigt werden. Oder als Konfessionslose oder Muslime erst gar nicht hineinkommen. […]  Es ist doch geradezu absurd, dass bei den Kirchen für das ganze Personal inklusive Putzfrau, technisches Personal, Laborkräfte wichtige arbeitsrechtliche Schutzrechte und Mitbestimmung ausgeschlossen sind. Und wenn – wie zum Beispiel im Rheinland – weit über die Hälfte der Krankenhäuser kirchlich sind, dann führt das eben dazu, dass bei der Berufsberatung eine Mitarbeiterin jungen Muslimen, die sich für eine Ausbildung im pflegerischen Bereich interessieren, davon abrät, weil sie in der Gegend hier keine Arbeitsstelle finden würden!!
[…]  In vielen Gegenden finden Sie überhaupt keine nichtkonfessionellen bzw. städtischen Kindergärten. Mein Mann und ich haben das selbst erlebt, dass unsere Kinder im katholischen Kindergarten in Königswinter nicht aufgenommen wurden, weil wir und die Kinder nicht in der Kirche waren. Das ist nun wirklich toll: Mit meinen Lohn- und Einkommensteuerzahlungen als Konfessionsfreie bezahlt die Stadt den katholischen Kindergarten fast oder ganz komplett mit der Folge, dass man danach seiner Kinder nicht hineinbekommt.
[…]  Den Kirchen ist es gelungen, diesen Irrglauben zu verbreiten. Dabei steht fest, dass die Kirchensteuer nur zu einem Bruchteil von unter 5 % für soziale Zwecke ausgegeben wird. Der frühere Caritasdirektor und Finanzdirektor der Erzdiözese Köln, Norbert Feldhoff, hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Kirche die Kirchensteuer nicht benötigt, um die Sozialarbeit zu finanzieren. […] 

Ich kritisiere also keineswegs die transportierte MEINUNG der ZEIT.
Ich kann es aber nicht akzeptieren, wenn wieder und wieder massive Falschinformationen verbreitet werden.
Lesen Sie zur Einführung Carsten Frerks „Violettbuch Kirchenfinanzen“ und legen Sie sich etwas Faktenkenntnis zu, bevor Sie wieder ihre Ausführungen zur Kirchensteuer kundtun.
Oder wenn Sie kein ganzes Buch lesen mögen, sehen sie sich wenigstens zum Beispiel die 45-Minuten-ARD-Reportage Vergelt's Gott: Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche an.

Und lieber Herr di Lorenzo – auch wenn ich immer noch monatlich Briefe bekomme, die mir ein ZEIT-Abo anpreisen: Das wird nichts, solange ich nicht den Eindruck habe, daß sich die journalistische Qualität verbessert.