Dienstag, 8. Oktober 2013

Von der Gnade der augenblicklichen Geburt




 Wieso sind wir eigentlich da, wo wir sind, im glücksseligen Kontinent Europa? Weil wir da zufällig geboren sind. Sich etwas auf den eigenen Geburtsort einzubilden, ist allerdings grotesk, weil man das noch weniger als seine Größe oder Augenfarbe beeinflussen kann.
Der Geburtsort hängt nur damit zusammen, wo sich die Mutter zufällig gerade aufhielt. Und das kann gerade bei unseren Vorfahren sehr unterschiedlich sein.
Seit die Kimbern, Teutonen und Ambronen vor 2200 Jahren von Island oder Jütland südlich zogen, um die Römer zu vertreiben, wandern Europas Völker unablässig umher.
Man ist heute in Polen, Russland und Norddeutschland nicht vom Anbeginn der Zeit so arisch blond, sondern weil Gustav-Adolfs schwedische Soldaten im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 so ziemlich alles poppten, das nicht bei drei auf dem Baum war.
Auch die Namen Buschkowski oder Sarrazin zeigen, daß deren Vorfahren Einwanderer waren.
Und die ach so stolzen „Mir-san-mir“-Bayern entstammen einem wilden Gemisch aus umherwandernden Merowingern, Franken, Kelten, Goten, Germanen und Romanen.

Was bildet sich eigentlich der widerlich-xenophobe Innenminister Friedrich ein Flüchtlinge grundsätzlich zu kriminalisieren und es dabei zu belassen „Schleuser“ zu bekämpfen?
Als ob die Fluchtursachen dadurch verändert würden. Es ist aber gerade Deutschland, das auf EU-Ebene auf eine Militarisierung der Grenzschutzes besteht und das Wohl der Flüchtlinge blockiert.
Den Notleidenden, die wirklich Schutz brauchen, zeigt die an Christlichen Werten orientierten Kanzlerin den Stinkefinger.

Nicht das Boot ist voll, sondern das Maß, Herr Friedrich!
Zu den Äußerungen von Bundesinnenminister Friedrich und zur Flüchtlingspolitik der EU erklärt Renate Künast, Fraktionsvorsitzende:
Wenn ein Innenminister, der immer auch Verfassungsminister ist, über einen angeblichen Missbrauch von Grundrechten schwadroniert, dann müssen bei allen Verfassungspatrioten die Alarmglocken schrillen. Herr Friedrich glaubt offenbar, er könne das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU auf Wohlhabende beschränken. Das ist kein demokratisches Verständnis von Grundrechten, sondern allertiefstes Stammtischniveau.
Angesichts der Tragödie von Lampedusa ist es beschämend, dass der deutsche Innenminister seine "Das Boot ist voll"-Rhetorik pflegt, statt darüber nachzudenken, was unser Land mehr tun kann, um Flüchtlingen zu helfen.
Wir erwarten von der Sitzung der EU-Innenminister heute Taten: Die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot muss unverzüglich verbessert werden. Flüchtlingsboote dürfen nicht mehr zur Umkehr gezwungen werden. Besatzungen, die Flüchtlingen in Seenot helfen, dürfen nicht mehr mit Strafe bedroht werden. Darüber hinaus muss den Flüchtlingen ein effektiver Zugang zum europäischen Asylsystem gewährleistet werden.

"Der Bundesinnenminister wirft Nebelkerzen, statt Flüchtlingen konkret zu helfen und das Sterben an Europas Grenzen zu beenden", so Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf das EU-Innenministertreffen. Jelpke weiter:
"Friedrich erteilt jeder konkreten Verbesserung der Situation für die Flüchtlinge in und an den Grenzen der EU eine Absage. Er lehnt eine solidarische Lastenteilung innerhalb der EU ab und ist so mitverantwortlich für die miserablen Zustände in den Aufnahmelagern in Griechenland und Italien. Zur angeblichen Rettung von Bootsflüchtlingen will er ausgerechnet Frontex weiter aufrüsten und verweist auf das neue Überwachungssystem EUROSUR. Doch diese Einrichtungen dienen nicht der Hilfe für Flüchtlinge, sondern ihrem Fernhalten von den europäischen Grenzen. Den Vorschlag des Europäischen Parlaments, die Aufgaben von EUROSUR auf die Seenotrettung auszuweiten, haben die europäischen Innenminister geschlossen abgelehnt.
Auch die Forderung nach einer Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern von Flüchtlingen verstellt den Blick auf die eigentlichen Probleme. Es ist die aggressive Freihandelspolitik der EU, die die lokalen Märkte in Afrika zerstört. Es ist die Fischereipolitik, die den afrikanischen Fischern ihre Lebensgrundlage raubt. Doch den schwarzen Peter für die Folgen der neokolonialen Ausbeutung Afrikas will Friedrich den betroffenen Staaten selbst zuschieben"

Bevor die Grünen überhaupt in Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU gehen, verlangen sie ZU RECHT erst einmal eine Entschuldigung für Dobrindts widerliche Angriffe unter der Gürtellinie.

Roth forderte eine Entschuldigung von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der im Wahlkampf von einem "Pädophilen-Kartell" bei den Grünen gesprochen hatte. "Nach all den Entgleisungen Dobrindts wäre eine Entschuldigung des Generalsekretärs als vertrauensbildende Maßnahme notwendig", sagte sie. "Er hat wirklich unter die Gürtellinie gegriffen."
Der Co-Vorsitzende Cem Özdemir betonte, für die Union sei es leichter, eine Koalition mit der SPD einzugehen als mit den Grünen.

Aber abgesehen vom Entschuldigen:
Kann man es überhaupt moralisch vertreten mit so einer inhumanen, fremdenfeindlichen Union ins K.O.alitionsbett zu steigen?
Ich meine nein. Politisch  vielleicht schon.

Die CSU’ler, die gegen Minderheiten und Ausländer hetzten sind jedenfalls nicht diejenigen, die ich mir als Regierungspartner meiner Partei wünsche.

Als Konsequenz aus der jüngsten Flüchtlingstragödie vor Lampedusa fordert die CSU die Einführung einer Maut für illegale Mittelmeer­über­querungen. […] Innenminister Hans-Peter Friedrich und Verkehrsminister Peter Ramsauer erklärten heute bei einer Pressekonferenz, warum die CSU die Maut schnellstmöglich im EU-Parlament beschließen lassen will.
"Es kann nicht sein, dass diese Ausländer unser schönes Mittelmeer mit Leichen zumüllen und nichts für die Bergung bezahlen", wetterte Ramsauer, während Friedrich zu bedenken gab: "Was für Sattelschlepper auf deutschen Autobahnen gilt, muss auch für Menschenschlepper auf dem Mittelmeer gelten."
Sobald die Mittelmeerüberquerungsmaut beschlossen ist, kann in allen größeren nordafrikanischen Städten eine Vignette erworben werden, die gut sichtbar am Boot befestigt werden muss. Wochen- (25 Euro), Monats- (50 Euro) und Jahresvignetten (200 Euro) sollen dabei jeweils günstiger sein als Vignetten für eine einmalige Überfahrt (10 Euro). Booten in Seenot wird nur dann von der Küstenwache geholfen, wenn sie über eine gültige Vignette verfügen und diese noch gut sichtbar aus dem Wasser ragt.

Dem Verfassungsminister aus Bayern ist die Würde der Menschen einerlei. Er will sie nur wegschicken. Nur ein toter Flüchtling ist ein guter Flüchtling in seinen Augen

Der Bundesinnenminister heizt die Stimmung gegen Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien an. Auch einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen steht er im Weg.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verlangt von Brüssel grünes Licht für ein härteres Vorgehen gegen sogenannte Armutseinwanderer aus Ländern der Union. EU-Justizkommissarin Viviane Reding dürfe nicht „länger um den heißen Brei herum reden“, ob Wiedereinreiseverbote bei Missbrauch des Sozialsystems möglich seien, sagte Friedrich am Dienstag bei einem Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg. Die EU-Kommission bezeichnete Klagen über steigende Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien als vielfach „hoch übertrieben“.
[….]  Die harte Haltung Deutschlands in der Flüchtlingspolitik zeigt sich auch im Streit um eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen, die nach dem Schiffsunglück von Lampedusa mit über 230 Toten entstanden ist. Eine geforderte Neuausrichtung der EU-Politik scheitert am Widerstand mehrerer Staaten, darunter der Bundesrepublik. Beim Treffen der EU-Innenminister am Dienstag in Luxemburg zeichnete sich keine Mehrheit für eine Änderung der umstrittenen Regeln ab, wonach in Europa das Land, in dem ein Flüchtling die EU erreicht, für das Asylverfahren und die Unterbringung verantwortlich ist.

So hart es klingt:
Die Möglichkeit den Ausländer-verachtenden Friedrich aus dem Kabinett zu werfen, macht eine Große Koalition schon wieder attraktiv.

Montag, 7. Oktober 2013

Wie sich die Zeiten ändern – Teil III



Die Erregungspotentiale sind generell sehr unterschiedlich.
Sigmar Gabriels allgemeine Aussage, Steuererhöhungen wären kein Selbstzweck, sondern dienten bestimmten Zwecken, regte die notorisch aufgeregten Linken auf.
War das nicht ein Umfaller? Darauf warten die Anti-Agenda-Adepten sehnsüchtig und stimmen schon mal ihre lautstarkes „I told you so!“ an.
Daß es der Wahlgewinner Schäuble, von der Steuererhöhungen-nie-und-nimmer-CDU war, der 36 Stunden nach der Wahl  in den Raum warf man könne ruhig mal die Steuern erhöhen, führte hingegen zu keinerlei Aufruhr in der CDU. Einige der Unions-freundlichen  Journalisten beschrieben sogar Schäubles taktisches Geschick. Elegant versuche er die ohnehin notwendigen Einnahmeverbesserungen dem künftigen K.O.alitionspartner in die Schuhe zu schieben.
Parteien stehen ohnehin nicht mehr für feste Grundüberzeugungen. Merkel hatte schon so gut wie alle CDU-Überzeugungen auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Würde Merkel morgen das Ende der Heteroehe verkünden, wären Kauder und Pofalla binnen einer Woche mit Männern verheiratet.
Parteien eben.

Im Unterschied dazu wird in jeder Sonntagsrede die Unverzichtbarkeit der kirchlichen Moral damit begründet, daß sie eben nicht Zeitgeist-abhängig  sei, sondern seit 2000 Jahren unverändert gemäß der Worte des Gottes und Gottessohnes gelte.

Dafür hat sich extra die Wissenschaft der „Dogmatik“ entwickelt. In der Kirche herrschen nämlich unveränderliche Dogmen.

Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative (Lehr-) Meinung, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird.
Insbesondere in der christlichen Theologie wird der Begriff Dogma wertneutral für einen Lehrsatz gebraucht, der, unter Berufung auf göttliche Offenbarung, die Autorität der kirchlichen Gemeinschaft bzw. des kirchlichen Lehramts oder auf besondere Erkenntnisse als wahr und relevant gilt. Die systematische Entfaltung und Interpretation der Dogmen wird Dogmatik genannt.


Zu den Glaubensinhalten der RKK gehören viele "unfehlbare" und damit "irrtumslose" Lehrsätze, die laut katholischem Glauben für alle Zeit gelten und nicht geändert werden dürfen.

"Maßgebend für die bindende Kraft einer Lehrentscheidung ist immer der Wille der Kirche, soweit er in der Urkunde ausgedrückt ist. Nicht immer lässt sich daher die Frage nach dem dogmatischen Wert ganz eindeutig beantworten. Es gilt hier der Grundsatz des kirchlichen Rechtsbuches: Wo die Absicht der Kirche, endgültig zu binden, nicht klar ausgesprochen ist, da hat man auch kein Recht, von einer unfehlbaren Entscheidung zu sprechen.“ - zitiert nach Neuner Josef, Heinrich Roos, Karl Rahner, Karl-Heinz Weger.

Unabänderliche, für alle Zeiten feststehende Lehrsätze, nennt man „Dogma“.
Insbesondere die drei jüngsten Dogmen sind weltbekannt:

1854 - die Lehre von der angeblich "unbefleckten" "Empfängnis" Marias im Leib ihrer Mutter Anna [also zum Zeitpunkt, als Anna beim Sex mit ihrem Mann mit Maria schwanger wurde]. Dies bedeutet, dass Maria bei ihrem Gezeugt-Werden nicht mit der "Erbsünde" behaftet worden sein soll - im Gegensatz zu allen anderen Menschen.
1870 - die angebliche Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes, wenn eine Entscheidung als "ex cathedra" (= "vom Lehrstuhl aus" = unfehlbar) definiert wird
1950 - die angebliche leibliche Himmelfahrt Marias.

Die Sinnhaftigkeit dessen, einen Mann wie Ratzinger, der erklärt, Kondome VERSCHLIMMERTEN das AIDS-Problem mit Unfehlbarkeitsgarantie auszustatten, erschließt sich Konfessionslosen nicht.
Aber Nahles, Thierse, Matussek, Andrea Fischer und Co finden das vermutlich einleuchtend.
Auch Franziskus repräsentiert weitere gültige Glaubenswahrheiten der Kirche zur ewigen Verdammnis (nummeriert nach dem römisch-katholischen Standardwerk Der Glaube der Kirche):

56 Wer sagt, die menschlichen Wissenschaften müssten mit solcher Freiheit behandelt werden, dass ihre Behauptungen als wahr festgehalten und von der Kirche nicht verworfen werden könnten, auch wenn sie der geoffenbarten Lehre widersprächen, der sei ausgeschlossen.

195 - Wer nicht mit den heiligen Vätern im eigentlichen und wahren Sinne die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugte, in den letzten Zeiten, ohne Samen, vom Heiligen Geiste empfangen und unversehrt geboren hat, indem unverletzt blieb ihrer Jungfrauschaft auch nach der Geburt: der sei verworfen.

Mit dem Hinweis auf die Dogmatik können Kirchisten erklären, weswegen Frauen niemals Priester werden dürfen, weswegen praktizierende Schwule in die Hölle kommen und warum Geschiedene Todsünder sind, die keine Kommunion mehr erhalten dürfen.
Wegen der unabänderlichen Werte Jesu verdammt die Kirche auch Zinsen und Banken, die sie erheben.

Die Apotheose der Dogmen sind gewissermaßen die sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe), also katholische Riten, bei denen Jesus direkt anwesend ist.
Wenn Gott einen Vertrag besiegelt, darf man logischerweise nicht irgendwann sagen „ist mir doch egal. Scheiß drauf“. Sakramente sind heilig und unauflösbar. Enttaufungen, Plaudereien aus dem Beichtstuhl oder Ehescheidungen kennt die RKK nicht. Wer geschieden ist, wird als Angestellter des Diakonischen Werkes gefeuert, weil man eine derartige Sittenlosigkeit als kirchlicher Arbeitgeber nicht dulden kann.

In den Sakramenten wirkt Jesus Christus selbst und handelt durch seine Kirche, so dass das Zweite Vatikanische Konzil auch die Kirche als Ganzes in analoger Weise als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ bezeichnet hat. Das Verständnis der Sakramente setzt den Glauben voraus, die Sakramente fördern und stärken aber zugleich auch den Glauben.

Die Kirche kann also Mord und Kinderficken ohne Probleme verzeihen, aber Ehebruch eben nicht. Die Ehe ist nämlich ein heiliges Sakrament. Sie zu brechen ist eine Sünde, von der man sich nicht reinwaschen kann.

Nur wer sich vorher von der Sünde gereinigt hat, darf die hohe Päpstliche Ehre der Kommunion empfangen.
Dabei wird nicht etwa nur eine Oblate in den Mund gestopft, sondern es handelt sich um einen extrem wichtigen Ritus, bei dem gemäß der Vatikanischen Transsubstantationslehre eine zuvor geweihte Hostie mit den Worten „HOC EST CORPUS MEUM“ (dt: das ist mein Leib, vulgo: Hokuspokus) das Fleisch von Jesus in eine Oblate umgewandelt wird, die man dann verspeisen soll.
Da man buchstäblich Jesus isst, kann natürlich nicht irgendein Sünder an einer Päpstlichen Kommunion teilnehmen.
Daher wurde am 22.September 2011 der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der so böse war sein Ehegelübde zu brechen vom Papst ausgeschlossen.
Er erhielt in der Hauptstadt Berlin keine Kommunion und Thierse fand es auch gut so.
Ratzinger muß da klar unterscheiden und gibt deswegen nur Staatschefs, die ihm nicht als so üble Sünder wie Wulff erscheinen, die Hostie.

Wulff hatte sich immerhin in eine andere Frau verliebt und das noch nicht mal heimlich, sondern er steht auch noch öffentlich zu der Kebse.

Moralisch nicht zu beanstanden ist für den Papst hingegen ein anderer Staatschef, nämlich der Präsident Simbabwes, Robert Mugabe, dem er am 01. Mai 2011 in Rom die Kommunion gewährte.
Mugabe, 87, Ministerpräsident 1980-1987 und seit 1987 Präsident des Landes ist natürlich nicht so sündig wie Christian Wulff.
Nun mögen die nörgelnden Gutmenschen darauf hinweisen, daß Mugabe ein grausamer Diktator ist, der so abartige Menschenrechtsverbrechen beging, daß sein Land aus dem Commonwealth ausgeschlossen wurde und ihm die Einreise in die EU verboten wurde.
Naja, er frönt einer gewissen Mordlust und hat Zehntausende Regierungsgegner umbringen lassen.
OK, er hat das Land völlig verelenden lassen, während er selbst in unfassbaren Luxus schwelgt.

Aber das ist doch Pipifax, denn für den Papst zählen die echten moralischen Werte und die sprechen eindeutig FÜR Mugabe und GEGEN Wulff.

Mugabe ist strenger Katholik, Jesuitenzögling und steht treu zu seiner Frau Grace, die schon mal an einem Tag 500.000 Dollar für Kaviar und Champagner ausgibt.

Nicht zu vergessen Mugabes Vatikan-gemäßer Umgang mit den Schwulen.
Würde Wulff je so klar handeln?

1991 eröffnete er eine Kampagne gegen Homosexualität, die „unnatürlich“ und „unafrikanisch“ sei. Homosexuelle – für Mugabe „minderwertiger als Schweine“ – können seitdem mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden. Mugabe begründete sein Vorgehen u. a. mit der Absicht, gegen Aids vorzugehen. Mugabes Vorgänger im Amt des Präsidenten Canaan Banana wurde wegen Homosexualität verurteilt und floh nach Südafrika, weil er um sein Leben fürchtete.
(Wikipedia)

Daher also ganz klar Kommunion für Mugabe JA, für Wulff NEIN.

Nun ist es aber so, daß wir einen neuen Papst haben, dem die gesamte Weltpresse jubilierend zu Füßen liegt. Man hält ihn hartnäckig für aufgeschlossen und liberal.
Begeistert applaudiert man seinen bahnbrechenden Personalentscheidungen, die man nur dann als progressiv ansehen kann, wenn man vorher sein Gehirn in eine Moulinette gesteckt hat.
Zur vielbeachteten achtköpfigen „Kardinalskommission“, die Franzi einsetzte, um die Kurie zu reformieren, gehören der prunkvolle und im Luxus schwelgende Kardinal Marx aus München und der intensive Vertuscher von Kinderfickereien australischer Priester, Kardinal Pell.
Zu seinen beiden persönlichen Stellvertretern in bestimmten Angelegenheiten ernannte der aktuelle Papst die beiden erzkonservativsten Kardinäle Meisner und Brandmüller.

Papst Franziskus hat zwei deutsche Kardinäle zu Sondergesandten für bevorstehende große Kirchenereignisse ernannt.
Den Kölner Kardinal Joachim Meisner (79) beauftragte er, ihn am 13. Oktober bei den 750-Jahrfeiern der Grundsteinlegung des Doms in Xanten zu vertreten.
Den in Rom lebenden Kurienkardinal Walter Brandmüller (84) ernannte Franziskus zum Päpstlichen Sondergesandten für die 450-Jahrfeiern des Abschlusses des Konzils von Trient.

Aber auch ganz ohne Belege für einen neuen Kurs reicht für die RKK schon ein bißchen „Stimmung“, um von den unverrückbarsten 2000 Jahre alten Sakramenten abzurücken.

[…] Auch als Papst blieb sich Ratzinger bekanntlich treu: Die Kommunion für Menschen, die in schwerer Sünde leben, lehnte er ab. Da änderte es auch nichts daran, dass er bei seinem Deutschland-Besuch vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff willkommen geheißen wurde, Katholik, geschieden, in zweiter Ehe lebend.
[…] Nun wagt man in Freiburg den nächsten Vorstoß, dieses Mal allerdings unter anderen Vorzeichen. Ein Papst hat das sagen, der seine Kirche davor warnt, seinen Gläubigen "ohne Unterscheidung eine Menge von Lehren aufzudrängen". Unter Franziskus schöpfen in Deutschland jene, die sich von alten Hemmnissen befreien wollen, neues Selbstbewusstsein.
Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte sich mehrmals offen für einen neuen Weg gezeigt, zuletzt Ende September. […]  "In der Folge einer verantwortlich getroffenen Gewissensentscheidung kann in der konkreten Situation aber auch die Möglichkeit gegeben sein, die Sakramente der Taufe, der Heiligen Kommunion, der Firmung, der Versöhnung und der Krankensalbung zu empfangen, insofern die erforderliche konkrete Glaubensdisposition vorhanden ist."
"Im Kontakt mit Geschiedenen und zivilrechtlich Wiederverheirateten geht es darum, dass die menschenfreundliche und respektvolle Grundhaltung Jesu erfahrbar wird", sagt der Leiter des Seelsorgeamtes in Freiburg, Domdekan Andreas Möhrle. "Die Treue und Barmherzigkeit Gottes gilt auch für diejenigen, deren Lebensentwurf gescheitert ist."

Sonntag, 6. Oktober 2013

Wie sich die Zeiten ändern – Teil II



Beweisen kann ich es natürlich nicht. Und ein Anhänger von Verschwörungstheorien war ich nie.
Aber nach allem was ich so gelesen habe – insbesondere natürlich Yallops Buch* - halte ich es für außerordentlich wahrscheinlich, daß Papst Albino Luciani von Kurialen ermordet wurde, nachdem er großes Interesse an den Vorgängen in der Vatikanbank zeigte.
Man wollte unbedingt den Deckel auf den mafiösen Geschäften halten.

30 Jahre später; inzwischen wurde das Internet entwickelt und die weltliche Macht der RKK schwand; weiß ohnehin jeder, der es wissen will, welche kriminellen Machenschaften hinter Vatikanmauern getätigt werden.
Papst Bergoglio muß deswegen wohl nicht mit seiner baldigen Ermordung rechnen. Die Katze ist aus dem Sack und man kann das Interesse an den IOR-Geldströmen nicht zurück in die Zahnpastatube stecken.
Nach dem großen Finanzcrash von 2008 kann auch die Bank des Vizegotts nicht mehr so tun, als wären ihre Spekulationen allesamt moralisch und ökonomisch vernünftig.
Die Finanzskandale des Vatikans – inzwischen Gegenstand vieler Bücher - lassen selbst mich erblassen - und ich habe einiges Zutrauen in die kriminelle Energie der Vatikaniskis.
Gianluigi Nuzzis „Die Vatikan AG“ (2010) zeigt Strukturen des organisierten Verbrechens auf, Curzio Malteses „Scheinheilige Geschäfte“ (2009) dokumentiert die Intransparenz der stets am Rande der Legalität operierenden Gottesmänner.

Der Zehenlutscher hat nach einem halben Jahr im Amt nun das getan, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Er läßt seine Finanzjongleure nun nicht mehr bar jedes Anstandes und aller internationalen Gepflogenheiten  geheime Deals mit unseriösen Geldgebern eingehen. Franzi will auf einmal Transparenz.
Potzblitz! Während des achtjährigen Benedikt-Pontifikats stand es noch nie zur Debatte die päpstliche Bank zu seriösen Geschäftspraktiken zu verdonnern.
Erste Details sickern durch und können nur die allernaivsten Religioten überraschen:

Keine drei Monate ist es her, dass Papst Franziskus "Ehrlichkeit und Transparenz" von der Vatikanbank einforderte. Interne Prüfungen fördern nun Details über die Geschäftsmethoden des skandalumwitterten Instituts zutage. Sie zeigen, dass es mit ebenjener Ehrlichkeit bei dem päpstlichen Bankhaus offenbar lange nicht weit her war.
Nach Informationen des SPIEGEL unterhielten mehr als tausend Menschen jahrelang Konten bei dem Institut, obwohl ihnen dies nach den Regeln der Bank nicht erlaubt war. Auf diesen Konten befanden sich bis Sommer 2013 insgesamt mehr als 300 Millionen Euro. Vatikanbank-Insider gehen davon aus, dass es sich dabei "zum allergrößten Teil" um Schwarzgeld handelt.  […]
Als Kontoinhaber bei der Vatikanbank profitierten diese Personen über Jahre von mehreren Besonderheiten im Vatikan: Zum einen gibt es dort keinerlei Steuern, die sie auf ihr Vermögen oder ihre Zinseinkünfte hätten abführen müssen. Zum anderen ist Geldwäsche im Vatikan überhaupt erst seit dem Jahr 2011 verboten. Bis zuletzt gab sich die Vatikanbank zudem äußerst schmallippig, wenn weltliche Strafverfolgungsbehörden um Auskunft baten - ganz im Stil eines Offshore-Paradieses wie den Cayman Islands.
[…] Grund für die Aufräumaktion sind die Skandale, die die Vatikanbank seit Jahren produziert und die dem Ansehen der katholischen Kirche schaden. So sollen Gelder der sizilianischen Mafia gewaschen, der italienische Aktienmarkt manipuliert und illegale Transaktionen in Milliardenhöhe durchgeführt worden sein. Eine zentrale Rolle spielte die Vatikanbank auch 1982 beim Zusammenbruch der Mailänder Banco Ambrosiano, dem bis dahin größten Banken-Crash in der Geschichte Italiens. Deren Präsident Roberto Calvi wurde kurz darauf erhängt unter einer Londoner Brücke gefunden - ermordet, wie sich herausstellte.

Die Empörung in der Weltöffentlichkeit findet nicht statt.
 Niemand hatte etwas anderes als Mafia, Schwarzgeld und Korruption erwartet bei der Bank der RRK. Es ist genau wie beim Kinderficken durch katholische Geistliche – jeden Tag neue Fälle, aber da ohnehin niemand etwas anderes von den zölibatären Männlein im Kleid erwartet, werden auch keine Konsequenzen gezogen.

Während es im Islam heute noch  Zakat und Zinsverbot gibt, ist völlig in Vergessenheit geraten, daß die  Katholische Kirche die längste Zeit ihrer Existenz kein Herz für Kredithaie und Wuchergeschäfte hatte.

Im Gegenteil; die Bibel verbietet dies.

35 Wenn dein Bruder verarmt und sich neben dir nicht halten kann, sollst du ihn, auch einen Fremden oder Halbbürger, unterstützen, damit er neben dir leben kann. 36 Nimm von ihm keinen Zins und Wucher! Fürchte deinen Gott und dein Bruder soll neben dir leben können. 37 Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben.
(Levitikus 25)

20 Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen. 21 Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. 22 Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. 23 Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden. 24 Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern.
(Exodus 22)

20 Du darfst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt. 21 Von einem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, von deinem Bruder darfst du keine Zinsen nehmen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem, was deine Hände schaffen, in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen
(Deuteronium 23)

Insbesondere ab dem 12. Jahrhundert hat eine Vielzahl unfehlbarer Päpste das Zinsverbot als „unveränderliches kirchliches Gebot“ bestätigt.

Seinen Ausgangspunkt nahm das schon altkirchliche Zinsverbot im Mittelalter mit dem Zweiten Laterankonzil von 1139, dem Decretum Gratiani, einem ausdrücklichen Zinsnahmeverbot durch Papst Innozenz III. von 1215 und dem Konzil von Vienne von 1311. Danach war es verboten, Zinsen auf geliehenes Geld zu verlangen.
[…] Noch 1745 wandte sich Papst Benedikt XIV. in der an die hohe Geistlichkeit Italiens adressierte Enzyklika Vix pervenit entschieden gegen den Zins. In § 3, Absatz I heißt es: Die Sünde, die usura heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, dass jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat […] Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch.
(Wiki)

In den nächsten Jahrhunderten fand man allerdings auch im Vatikan heraus wie wunderbar einfach man sich mit Geldverleih eine goldene Nase verdienen kann.
Insbesondere katholische Ritterorden waren extrem kreativ dabei die biblischen und Vatikanischen Regeln zu umgehen.
Im 19. Jahrhundert waren Zinsen dann inzwischen so alltäglich geworden, daß es überhaupt keinem mehr auffiel als Papst Pius VIII. am 18. August 1830 alle vorherigen Zins-Gesetze aufhob.

In der Bibel stehen eben sehr viele zeitbedingte Ansichten, die heute vom Vatikan willkürlich ignoriert werden.
So stört es spätestens seit der Erfindung des Kühlschrankes keinen Papst mehr, daß laut Bibel der Verzehr von Schalentieren und Schweinefleisch eine schwere Sünde ist.

Viele kirchliche Lehrvorstellungen wurden inzwischen vom Vatikan beerdigt.
Uralte Schwachsinnregelungen, wie Zölibat, neutestamentarischer Antisemitismus und Sklaverei, werden heute noch nicht mal mehr von den Piusbrüdern oder amerikanischen Evangelikalen im Sinne der Bibel akzeptiert.  Mehrere Jahrhunderte nach dem Rest der Welt und 99% aller Wissenschaftler ebenfalls auf Heliozentrismus umzuschwenken ist einfach zu spät.
Zölibat, Weiheverbot für Frauen, todsündige Ehescheidungen und Homohass lebten allerdings zumindest bis zum letzten Papst unvermindert weiter.

Das Zins- und Wucherverbot hat man ganz vergessen. Scheiß auf die Bibel. Was kümmert die Kirchen schon Gottes Wort.
Nun beklagt man Zinsen nicht mehr, sondern besitzt selbst Banken und erhebt Zinsen.
Höhere Moral à la Christentum.
Auch in Deutschland existieren mehrere kircheneigene Banken.
Zum Beispiel die „Pax-Bank“ der Caritas , die „Bank für Kirche und Diakonie“ (KD Bank) und die „Bank für Kirche und Caritas“.

Auch bei der Pax-Bank herrschen keine Skrupel.

Den Frieden trägt die katholische Pax-Bank im Namen - und investierte dennoch in einen Rüstungskonzern.
[…] Das Geldhaus mit Kunden aus Kirchenkreisen hatte gemeinsam mit der kirchlichen Liga-Bank Fondsgelder von insgesamt gut 1,6 Millionen Euro "ethisch zweifelhaft" investiert. Nach SPIEGEL-Informationen legten die beiden Institute fast 578.000 Euro beim Rüstungskonzern BAE Systems an. Rund 159.000 Euro steckten sie in Wertpapiere des US-Pharma-Produzenten Wyeth, der auch Anti-Baby-Pillen herstellt - deren Gebrauch die katholische Kirchen ihren Gläubigen untersagt. Weitere 871.000 Euro waren in Aktien der Tabakkonzerne British American Tobacco (BAT) und Imperial Tobacco Group investiert worden.
(Der SPIEGEL 03.08.09)

Naja, warum auch nicht? Die Gläubigen Schäfchen stören sich nicht an dem bibelwidrigen Agieren ihrer Kirche.

1964 von den Steyler Missionaren gegründet, ist die Steyler Bank die einzige Missionsbank in Deutschland. Neben dem Best-in-class-Prinzip werden mögliche Investments in Unternehmen auch nach dem Öko-Rating des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens geprüft. Zudem gehört die Steyler Bank dem Corporate Responsibility Interface Center, einem Verein für ethisch orientierte Investoren, an. Grundsätzliche Kriterien für die Geldanlage sind Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. […]
Die Steyler Bank bietet Privatkunden ein “Missions®-Girokonto” für 2,50 Euro pro Monat mit MasterCard Kreditkarte (20,00 Euro p.a.), ein “Missions®-Sparbuch”, einen “Missions®-Sparbrief”, “Missions®-Festgeld”, “Missions®-Wachstumssparen”, Afrika- und Indien-Sparbriefe sowie ein Tagesgeldkonto.
[…] Die Bank für Kirche und Caritas mit Sitz in Paderborn ist laut Handelsblatt.com nach der Liga-Bank in Regensburg und der Pax-Bank in Köln eine der größten katholischen Banken in Deutschland. Ihr Geschäftsvolumen lag im Jahr 2009 bei rund drei Milliarden Euro. Der Spiegel hat auch bei der Bank für Kirche und Caritas aufgedeckt, dass über den Investmentsparplan Uniprofirente Gelder in Tabakkonzerne und Rüstungsfirmen investiert wurden und sich im BKC Treuhand Portfolio Alkoholproduzenten wie Carlsberg fanden. Besonders pikant die Stellungsnahme eines BKC-Vertreters dazu:

    Wir können uns mit unseren Vorstellungen von ethischer Geldanlage nicht komplett durchsetzen.

Eigene Geldanlagen sollten also auch bei den kirchlichen Banken genau überprüft werden, denn leider werden die strengen ethischen Kriterien und Versprechungen anscheinend nicht immer eingehalten.