Montag, 9. April 2012

Generalsekretärlicher Geschäftssinn.



Wie wir gestern gelernt haben, besaß die FDP 2009 - 2011 einen echten Wirtschaftsexperten als Generalsekretär. Christian Lindner hatte den deutschen Steuerzahler seine privaten geschäftlichen Aktivitäten ruhmreich spüren lassen.

Aber auch sein 38-Jähriger Nachfolger Döring, der am 14. Dezember 2011 als Generalsekretär der FDP nominiert wurde, hat schon Beeindruckendes zum deutschen Unternehmertum beigetragen.

24-jährig verließ er als Diplom-Ökonom die Uni und wurde Versicherungsvertreter, sowie seit 2002 Vorstandsmitglied der Agila Haustierversicherung AG.
 Ein echter FDP’ler, wie er im Buche steht.
 Als fanatischer Anhänger der privaten Krankenversicherung verscherbelte er solche Privat-Policen auch noch für Hamster und Goldfische!

Im liberalen Weltbild dürfen auch Haustiere ihre Vorsorge nicht vernachlässigen und spätrömische Dekadenz einschleichen lassen!
 Man kann ja nicht immer nur nach dem starken Staat rufen, nicht wahr?

Die Idee einer Krankenversicherung für Haustiere kommt ursprünglich wohl aus Schweden.  […] 1988 versuchten es dann hierzulande die Uelzener und die Vereinigten Tierversicherungen zunächst mit mäßigem Erfolg. Ein paar Jahre später kam mit der Agila aus Hannover ein dritter deutscher Anbieter auf den Markt.  […] Heute ist Agila die Nr.2 auf dem deutschen Markt. Ca. 27 000 Hunde und Katzen sind hier versichert, 7 Mitarbeiter sind für das Unternehmen tätig. Geschäftsführer Patrick Döring ist stolz auf das Erreichte:
Das heutige Ergebnis zeigt, dass wir mit unserem Angebot richtig liegen. Neue Leistungen sind dazugekommen. Besonders attraktiv ist für viele die Versicherung für Ersttierbesitzer, die noch nicht wissen, was später auf sie zukommt

Als FDP-Größe bekam Döring selbstverständlich mit der Zeit noch weitere Pöstchen zugeschoben: 
Er sitzt seit 2005 im Vorstand der Wertgarantie Technische Versicherung AG und gehört seit 2010 dem Aufsichtsrat der Deutsche Bahn AG an.

Lustig ist aber auch Christian Lindners Amtsvorgänger Dirk Niebel, der nach mehreren Wehrübungen genau wie Lindner Hauptmann der Reserve wurde.

Der 49-Jährige geborene Hamburger ist Diplom-Verwaltungswirt und versuchte sich zunächst in der CDU Baden-Württembergs. 
Die Idee haben in BW natürlich noch einige andere Leute und so wechselte der dralle Dirk lieber zur FDP, die ihn auch tatsächlich 1998 in den Bundestag schickte.
Ab 2005 wurde der Schirmherr des Deutschen Rugby-Verbandes als FDP-Bundesgeneralsekretär Guidos Mann für’s Grobe und forderte markig die Abschaffung des Entwicklungshilfeministeriums. 

Bis er selbst Entwicklungshilfeminister wurde.

Endlich saß der aus ärmlichen Verhältnissen Stammende auch mal an der Spritze und konnte Wirtschaftspolitik à la FDP betreiben; nämlich die wirtschaftliche Absicherung möglichst vieler FDP-Kader in die Wege leiten.

Den Liberalen droht die politische Bedeutungslosigkeit. Deshalb versorgen sie ihre Getreuen noch schnell mit Jobs.    In keiner Partei sind Jobangebote derzeit so gefragt wie in der FDP. Nach der nächsten Bundestagswahl könnten die Liberalen aus dem Bundestag fliegen, bei den Mitarbeitern geht die Angst um. Da kam ein Angebot von FDP-Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz gerade recht.
Auf dem Parteitag in Frankfurt am Main Mitte November, berichten Teilnehmer, habe der Vertraute von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel FDP-Kollegen ermuntert, sich auf eine der 180 Stellen zu bewerben, die gerade in Niebels Ministerium geschaffen worden sind. FDP-nahe Kandidaten, so der Tenor, würden bevorzugt.
In der Existenzkrise der Liberalen werden die FDP-Ministerien offenbar zu Rettungsinseln umfunktioniert: Wer kann, flüchtet sich auf eine sichere Beamtenstelle. Als besonders hilfsbereit erweist sich dabei Entwicklungshilfeminister Niebel. Zwar sparte er durch die Zusammenlegung verschiedener Entwicklungshilfeinstitutionen 180 Stellen ein, streichen aber will er die Posten nicht. Stattdessen sollen sie möglichst mit FDP-nahen Getreuen besetzt werden.
[…] 
Bereits im November schrieb die Personalratschefin des Wirtschaftsministeriums einen Brief, in dem sie sich darüber beklagte, dass Spitzenposten systematisch mit externen Kandidaten besetzt würden, ohne ordentliche Ausschreibung. Dem Minister kommt es augenscheinlich vor allem auf das richtige Parteibuch an.


Keine Sorge übrigens wegen der mangelnden Fachkompetenz der Mitarbeiter in FDP-Ministerien. Ja, es wird zwar nur nach Parteibuch befördert und eingestellt, aber die laufende Arbeit haben die Lobbyisten-hörigen Liberalen sowieso schon direkt an die zu Fördernden übergeben.

Mehrere Mitarbeiter von Wirtschafts- und Interessenverbänden arbeiten in FDP-geführten Bundesministerien als Berater mit. Dies geht aus dem achten Lobbyistenbericht des Bundesinnenministeriums hervor. […] Laut dem Bericht arbeitet im Entwicklungsministerium ein Mitarbeiter des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) - ebenso im Auswärtigen Amt, wo ein BDI-Mitarbeiter sich mit Projekten zur Außenwirtschaftsförderung beschäftigt. Vom 1.Juli bis zum 31. Dezember 2011 waren insgesamt 70 externe Mitarbeiter in fünf obersten Bundesbehörden beschäftigt, um dort ihr Fachwissen einzubringen.
(dpa 05.04.12)

Sonntag, 8. April 2012

Des Wahnsinns fette Beute!




Matthias Kamann, Springers Mann für „Grüne, Bioethik und Evangelische Kirche“ promovierte über das griffige Thema „Epigonalität als ästhetisches Vermögen in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts“ und beeindruckte mich mit seinen Karfreitaglichen Weisheiten.

Daß einige böse Piraten es wagen wollten am heiligen Karfreitag trotz gesetzlichen Verbots ZU TANZEN, wies er empört zurück.

„Zunächst einmal ist es verlogen, dass die Jux-Säkularisten zwar die Annehmlichkeiten der Arbeitsbefreiung am christlichen Feiertag in Anspruch nehmen, aber dessen religiösen Gehalt aktiv bekämpfen wollen. Zudem wirkt es so pubertär wie realitätsblind, wenn in Zeiten kirchlichen Relevanzverlustes noch so getan wird, als müssten die Christen endlich mal provoziert werden. Und was soll man im Übrigen von einem Atheismus halten, der stets als Jubel, Trubel, Heiterkeit daherkommt? Es würde die Gottlosigkeit deutlich attraktiver machen, wenn Atheisten wenigstens an einem Tag im Jahr zu jener kollektiven Trauer fähig wären, der sich Christen in der Karwoche unterziehen.“

Um mich ein wenig mehr in die „kollektive Trauer“ hinein zu fühlen, habe ich mich heute gleich zweimal selbst so nachhaltig gemartert, daß ich jetzt angemessen deprimiert bin, um mich selbst kreuzigen zu lassen.

Zuerst habe ich mir ab 10.00 Uhr morgens im TV den Päpstlichen Ostergottesdienst reingezogen. Sagenhaft. Bei der Gattung Menschen handelt es sich tatsächlich um einen „HOMO DEMENS.“

Wie könnte es anders möglich sein, daß so eine riesige Ansammlung von Geronto-Transen mit brennenden Handtäschchen wirres Zeug murmelnd über Stunden ihrem neurotischen Treiben nachgeht, ohne von den Männern in den weißen Kitteln abgeholt zu werden?

Besonders bizarr dabei: Die dementen Dragqueens hatten sich ausnahmslos in der falschen Reihgenfolge gekleidet und trugen ihre weißen Spitzen-Unterröckchen über den roten Kleidern!

Dabei war mein Gehirn ohnehin schon von Sauerstoffunterversorgung geplagt.

Als Atheist kann ich nämlich nicht atmen.

„Am Osterhalleluja ist der Atheismus zerbrochen. Das war nicht nur in der Vergangenheit so, das wird auch in der Gegenwart so bleiben.“

„Denn kein Mensch kann ohne diese Osterhoffnung wirklich leben. Was der Sauerstoff für die Lunge ist, das bedeutet Ostern für die menschliche Existenz. Nimmt man den Sauerstoff weg, so tritt der Tod durch Ersticken ein, nimmt man die Osterhoffnung weg, so kommt die Atemnot über die Menschen, die Verzweiflung heißt, die Lähmung der seelisch-geistlichen Spannkraft durch ein Gefühl der Nichtigkeit, der Sinnlosigkeit des Daseins. Der Vorrat an Sauerstoff entscheidet über das Schicksal der Organismen. Der Vorrat an Osterhoffnung entscheidet über das Schicksal der Menschheit.“
(Predigt von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zur Osternacht 2012 im Hohen Dom zu Köln am 7. April 2012)

Dieser kollektive Irrsinn hatte mich dann mental dermaßen zermürbt, daß ich zu schwach war auf der Fernbedienung den Aus-Knopf zu finden, nachdem ich aus Versehen zu NTVs „Bei Brender“ gezappt hatte.
Zu Gast war unter der Überschrift "In NRW geht es nicht um mich" der wiederauferstandene Christian Lindner.

Nikolaus Brender empfängt Christian Lindner in einer neuen Ausgabe "Bei Brender!". Der ehemalige Generalsekretär der FDP und jetzige Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in NRW steht Brender sowie Ulrike Winkelmann ("taz"), Stephan-Andreas Casdorff ("Der Tagesspiegel") und Nikolaus Blome ("Bild") Rede und Antwort. Neben der bevorstehenden Wahl geht es unter anderem auch um Lindners politisches Comeback in der FDP sowie um die derzeitige Situation seiner Partei.

Brender erklärte die FDP mache ebenfalls die Ostergeschichte durch - erst das Hosianna, dann die Kreuzigung. Fraglich sei, ob jetzt die Auferstehung folge.

(„Ulrike Winkelmann“ war in Wirklichkeit übrigens Bascha Mika, aber es wundert nicht, daß schon die NTV-Gästeliste ein Fehler ist.)

Eieieiei, das war auch was. 
Linder erklärte dabei unter anderem, daß der politische Liberalismus nicht untergehen dürfe, da die FDP die einzige Partei sei, die nicht immer gleich nach dem Staat rufe, sondern daran interessiert sei selbstständig Lösungen zu finden.

Der „freidemokratische Messias“ (394 von 395 FDP-Delegierten stimmten für ihn) müsse nun „für ein Wunder sorgen“ erklärte Frau Mika.

Das sei aber möglich, so Lindner, weil die FDP als einzige für „haushaltspolitische Solidität in NRW“ sorgen würde.

Haha. Das sagt also die Partei, die für Ausgabenorgien wie die Erhöhung der „Pendlerpauschale“ steht.

Wer ist eigentlich dieser grandiose Marktliberale Herr Lindner, der so für Selbstständigkeit und Staatsferne spricht?

Außer seinen eng sitzenden Anzügen erinnert man sich nur noch, daß er vor ein paar Monaten die Bettel hinwarf und ohne Begründung als Bundes-Generalsekretär abgehauen war.

Was hat er eigentlich vorher gemacht?

Christian Lindner war nach allgemeinen Empfinden schon immer in der Politik. Quasi seit seiner Geburt hopste „Bambi“ auf der großen Bühne umher.
Das stimmt aber nicht ganz. Der Katholik Lindner erwarb beispielsweise eine Rennfahrerlizenz.
 Tatsächlich hatte der  glühende Fan schneller Autos auch eine Phase, in der er versuchte in der Wirtschaft groß rauszukommen.

Unter dem Motto „Leistung muss sich wieder lohnen“ hatte der blutjunge Lindner nach seinem Landtagseinzug 2000 mit seinem Bekannten Hartmut Knüppel am 29.Mai 2000 die Internet-Firma „Moomax“ gegründet
Das Internet boomte und der schlaue Lindner wollte ein großes Stück vom Kuchen. 
Er brachte 30.000 Euro Eigenkapital auf  und holte sich weitere 1,2 Millionen Euro von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Erfolg war rekordverdächtig. 
In nur 18 Monaten hatte Lindi das gesamte Kapital verbrannt.

„Das Kölner Team zog lange mit hübschen Powerpoints durch die Marketing-Etagen dieser Republik, um dummdröge animierte Helferlein zu verkaufen.
Das Buchstabengekürzel CRM ersetzte dabei jede logische Argumentation
Das ganz dolle Team "von Informatikern, Drehbuchautoren, Psychologen, Linguisten, Journalisten und Betriebswirten" wird sich jetzt wohl was anderes suchen müssen, weil der Markt für Avatare, offen gesagt, ziemlich tot ist. Auch ein Bernd Kolb ruiniert sich m. E. mit sowas gerade trefflich.
Im Internet hatte man sich sogar den Spass geleistet, eine Flash- und eine HTML-Seite zu haben: Ein Inhalt, 4-facher Preis - das freut doch den spendablen Investor, oder, äh, in diesem Fall wohl eher nicht mehr.“

Knüppel und Lindner wurden gefeuert. Der Staat blieb auf den 1,2 Millionen Linder-Miesen sitzen, für seine Eselei blecht nun der Steuerzahler und Lindner machte Karriere in der Marktwirtschaftspartei FDP. 
Für Bankrotteure aller Art hat diese Partei ein Herz! Die größten Versager spült sie dabei mit Vorliebe in die Bundesministerien.

Lindner gründete noch die zunächst als knüppel lindner communications gmbh firmierende Unternehmensberatung Königsmacher GmbH, die er auch sofort in den Sand setzte.

Einen jüngeren Generalsekretär als ihn hat es noch nicht gegeben, und von Wirtschaft versteht er zudem einiges - allerdings vor allem von Pleiten: Was Parteichef Andreas Pinkwart als "Achterbahnfahrt der New Economy" beschrieb, ist für Lindner peinlich. Seine Internet-Firma Moomax GmbH ging nach 17 Monaten mit dem Neuen Markt unter. Dabei verflüchtigten sich weit über eine Million Euro öffentlicher Fördergelder. Andere Lindner-Firmen, wie die Unternehmensberatung "die Königsmacher GmbH", kamen erst gar nicht gut genug in Gang, um so viel Geld verbrennen zu können.

Immerhin brachte es der Porsche-fahrende Zivildienstleistende durch seine politischen Verbindungen bis zum Luftwaffen-Hauptmann der Reserve! 
Irgendwann hatte er offenbar genug vom Zivildienst und stiegt um auf eine Laufbahn als Reserveoffizier, für die er einmal jährlich eine zweiwöchige Reserveübung absolviert. 

Freunde muß man haben.

Politisch war Lindner bekanntlich ähnlich erfolgreich! Unter seiner inhaltlichen Führung als FDP-Generalsekretär surrte die FDP von 15% auf 4% zurück.

Das ist also der heißgeliebte Liberale Messias der NRW-FDP.

Samstag, 7. April 2012

Bleibt alles gleich




Wie schon gelegentlich erwähnt, gucke ich sehr gerne die „Tagesschau vor 20 Jahren“ im TV. 
Das ist amüsant, lehrreich und auch immer wieder verstörend.

Es wirft kein allzu gutes Licht auf die Gattung Homo Sapiens. Denn die Themen sind sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene erstaunlich gleich geblieben. 

Die Themen von 1992 lauteten:
Darf man mit der PDS zusammenarbeiten? Müßten wir nicht mal das Steuersystem vereinfachen und gerechter machen? Ist die Rente noch sicher? Wie werden wir der Kostenexplosion im Gesundheitswesen Herr? Wohin tun wir bloß den ganzen Atommüll? Und wir verteilt man die finanziellen Lasten zwischen den Bundesländern?

International hat es gerade gewaltig am Golf gekracht, weil die Amis im Irak einmarschiert sind. 
In Russland ist die Kreml-gesteuerte Demokratie irgendwie fraglich und Israel ist im Dauerkonflikt mit den Nachbarn; fanatisierte jüdische Siedler stellen ein offensichtlich unüberwindbares Hindernis bei Verhandlungen mit den Palästinensern dar.

Deutschland  mischt insofern mit, als es fleißig Waffen in die Krisengebiete liefert und den aggressiven Kurs des US-Militärs unterstützt.

Und dann waren da noch diese naiven deutschen Schriftsteller, bzw „Intellektuellen“, die sich öffentlich gegen auch nur indirekte Beteiligung Deutschlands an Kriegen aussprachen. 1990/1991 hieß das „Frankfurter Appell.“

Den kriegsunlustigen Schriftstellern schlug eine breite politische und publizistische Front der Empörung entgegen. 
Sie würden die Gefahren für Israel verkennen und überhaupt zeugten ihre Friedensappelle bloß von Naivität.

Die damalige Kohl-Merkel-Regierung überwies 18 Milliarden DM als deutschen Beitrag in die US-Kriegskassen.

Damit wurden dann 42 Tage und Nächte pausenlose Bombardements der Irakischen Bürger mitfinanziert. Mindestens 150 000 Menschen starben unter den angeblich "sauberen, chirurgischen" Schlägen.
Anschließend kam die Weltgemeinschaft auf die grandiose Idee das ungeliebte Regime mit harten Sanktionen mürbe zu machen.
Mehr als 1 Million Opfer, vor allem Kinder, forderte das bis 2003 andauernde Embargo. 

Tolle Leistung, lieber Westen.

2012 haben wir es soweit gebracht, daß wieder ein „Intellektueller“ öffentlich rumnörgelt, daß die von Deutschland unterstützte Nahost-Strategie kontraproduktiv wäre. 

An der Form, die Günter Grass wählte könnte ich viel kritisieren. 

Und ja, er haute auch diesmal viele Fehler in sein „Gedicht“. 

Ein Déjà-vu ist die Diskussion dennoch.

Es ist natürlich Unsinn ein „Tabu“ zu konstruieren, das nur der tapfere Grass breche. 

Israels derzeitiger Regierungskurs wird nicht nur überhaupt kritisiert, sondern nach meinem Empfinden wird Netanjahu sogar nahezu ausschließlich kritisiert. 
Welches Land stellt sich denn hinter den augenblicklichen Kurs?

Selbst mit dem allerengsten Verbündeten, nämlich der USA, herrscht Eiszeit. 
Obama und Netanjahu können sich ganz offensichtlich nicht leiden. Obama straft den Israelischen Kollegen damit ab, daß er sich beharrlich weigert einen Fuß auf Israelischen Boden zu setzen.

Beim G20-Gipfel in Cannes im November 2011 bekam man einen aufschlussreichen Eindruck davon, wie Bibis Verbündete über ihn denken.

Sarkozy zog in dem Gespräch mit Obama über den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu her. "Ich kann Netanjahu nicht ausstehen, er ist ein Lügner", sagte Sarkozy dem US-Präsidenten in dem eigentlich vertraulichen Gespräch. Obama erklärte darauf offenbar nur lakonisch: "Du hast ihn satt, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun!"

Die internationale Lähmung gegenüber der Kriegsgefahr am Golf ist heute genauso groß wie eh und je.
Alle Zeichen stehen auf „war“, jeder weiß es, viele sagen es. Aber keiner hat eine Idee oder den Mut den Wahnsinn aufzuhalten.

Der Nahost-Experte Michael Lüders ist einer derjenigen, die den Israelischen Militärschlag für  "fast schon sicher" halten und dies (anders als Grass suggeriert) auch deutlich kundtun.

Michael Lüders: Es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem solchen Angriff Israels kommen. Deutschland wird dann auf der Seite Israels indirekt in diesen Krieg mit einbezogen, vermutlich in Form einer symbolischen Unterstützung.    Die Regierenden in Berlin werden das allerdings nur mit großen Bauchschmerzen tun. Denn ein Krieg gegen den Iran, egal wie man ihn begründet, wäre ein völkerrechtlicher Angriffskrieg. Und das verbietet das Grundgesetz. Man wird vermutlich versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen, indem man es als Präventivkrieg darstellt.
[…]
tagesschau.de: 2008 hat Kanzlerin Merkel bei ihrer Rede in der Knesset erklärt, die Sicherheit Israels sei deutsche Staatsräson und für die Bundesregierung "nicht verhandelbar". Wäre es vorstellbar, dass sich Deutschland im Falle eines Krieges militärisch beteiligt?

Lüders: Ich traue, ehrlich gesagt, keinem deutschen Politiker diese Dummheit zu. Militärisch gesehen brauchen die Israelis eine deutsche Unterstützung nicht. Man kann nur hoffen, dass sich die Bundesregierung hier sehr zurückhaltend zeigt. […]
Wenn sich Deutschland mit Israel solidarisch zeigen möchte, wäre die Bundesregierung gut beraten, den Israelis diesen Krieg auszureden, der in jeder Hinsicht der helle Wahnsinn ist. Sowohl US-amerikanische als auch israelische Geheimdienstler und führende Militärs warnen vor den Folgen eines Angriffs auf den Iran. Vor diesem Hintergrund wäre es geradezu aberwitzig, wenn sich Deutschland auf diesen Krieg einlassen würde.
[…]
tagesschau.de: Israelische Verteidigungsexperten gehen davon aus, dass der Iran innerhalb von sechs Monaten über waffenfähiges Uran verfügen könnte. Ist diese Einschätzung realistisch?

Lüders: Nein, das ist absoluter Unfug. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Iran nach der Atombombe greift. Der ranghöchste amerikanische General Martin Dempsey hat im vorigen Monat in einem CNN-Interview gesagt, die USA hätten keinen Beweis dafür, dass der Iran an einer Bombe baut und sie hielten den Iran für einen rationalen Akteur.

[…] tagesschau.de: Sie sagen, ein Angriff Israels ist fast schon sicher. Wann rechnen Sie damit?

Lüders: Wann genau es passiert oder nicht, weiß natürlich niemand. Bei dem Treffen von Netanjahu und Obama am 5. März in Washington war die Rede davon, dass beide Seiten noch ein Zeitfenster von zwei Monaten einräumen, um zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Aber wenn mal eine solche Dynamik greift, wie wir sie jetzt erleben, dann ist nicht davon auszugehen, dass eine der Parteien einen Rückzieher macht.
[…]  Ahmadinedschad ist ein furchtbarer Demagoge, er ist wiederholt durch antiisraelische Polemik aufgefallen und hat den Holocaust geleugnet. Er hat seinem eigenen Land einen Bärendienst erwiesen, denn er hat den Kriegstreibern in Israel und den USA damit eine Steilvorlage geliefert. Aber dieses Zitat, was immer wieder in den deutschen Medien zu vernehmen ist, ist sachlich falsch. Der Iran hat nicht damit gedroht, Israel zu vernichten. Das ist eine falsche Übersetzung einer Rede von 2005, wo Ahmadinedschad erklärte, dass der Zionismus vor der Geschichte keinen Bestand haben werde. Er hat gesagt, das Besatzerregime müsse Geschichte werden, so wie das Apartheitsregime in Südafrika Geschichte geworden ist.
Der Iran hat keinen Grund, Israel anzugreifen, es gibt keine territorialen Konflikte mit Israel, die beiden Länder liegen 2000 Kilometer auseinander. Es ist hier viel Ideologie im Spiel und es geht um Machtansprüche.

tagesschau.de: Aber warum macht Teheran keine Zugeständnisse, um zu deeskalieren?

Lüders: Welches Zugeständnis sollen die Iraner denn machen? Durch die wirtschaftlichen Sanktionen setzt man ihnen die Pistole auf die Brust. Und egal, welche Zugeständnisse sie in der Vergangenheit gemacht haben, es wurde ihnen immer negativ ausgelegt ...

Wir segeln also mal wieder sehenden Auges in die mögliche Apokalypse.

In meinen persönlichen Unterlagen (1990/1991 war ich gegen den Golfkrieg sehr aktiv) habe ich auch die Friedensblaupause wiederentdeckt, die am 23.02.1991 in der „taz“ als Anzeige erschien.


Der „TITANIC-Friedensplan für den Golf IV“

Sei:

Saddam = Hitler

Dann:

Saddam/ Gandhi X Saddat + (A. Schweitzer)2    =  √ Allen Übels

Damit aber auch:

Saddam = Hussein

Also:
Frieden = Krieg

Genau!
Krieg = Frieden!

Aber auch 

Freiheit = Unfreiheit! 

Denn dies wurde gestern noch einmal von dem allseits geschätzten brillanten Intellektuellen Benedikt XVI festgestellt.
Erst wenn wir auf unseren freien Willen verzichten, nicht mehr selbstständig denken, sondern das tun was Gott befiehlt, sind wir frei! Wer sich nicht Gottes Befehlen fügt, sondern eigenen moralischen Werten folgt, leugnet die Wahrheit und macht sich zum Sklaven.

Genau.
 Man versteht schon, wieso sich der gesamte Bundestag zu Standing Ovations bemüßig fühlte, als Ratzi seine gagaeskes Weltbild ausbreitete.


Der natürliche Wille des Menschen Jesus schreckt vor dem Ungeheueren zurück. Er bittet, daß ihm dies erspart bleibe. Aber als Sohn legt er diesen menschlichen Willen in den Willen des Vaters hinein: Nicht ich, sondern du. Damit hat er die Haltung Adams, die Ursünde des Menschen umgewandelt und so den Menschen geheilt. Die Haltung Adams war gewesen: Nicht was, du Gott, gewollt hast, sondern ich selber will Gott sein. Dieser Hochmut ist das eigentliche Wesen der Sünde. Wir denken, wir seien erst frei und wahrhaft wir selber, wenn wir nur noch dem eigenen Willen folgen. Gott erscheint als Gegensatz unserer Freiheit. Von ihm müssen wir uns befreien, so denken wir: Dann erst seien wir frei. Dies ist die grundlegende Rebellion, die die Geschichte durchzieht und die grundliegende Lüge, die unser Leben verfälscht. Wenn der Mensch gegen Gott steht, steht er gegen seine Wahrheit und wird daher nicht frei, sondern entfremdet. Frei sind wir erst, wenn wir in unserer Wahrheit sind, wenn wir eins mit Gott sind. Dann werden wir wirklich „wie Gott“ - nicht indem wir uns Gott entgegensetzen, ihn abschaffen oder leugnen. Im ringenden Gebet des Ölbergs hat Jesus den falschen Gegensatz zwischen Gehorsam und Freiheit aufgelöst und den Weg in die Freiheit eröffnet. Bitten wir den Herrn, daß er uns in dieses Ja zum Willen Gottes hineinführt und uns so wahrhaft frei werden läßt. Amen.
(Radio Vatikan 05.04.2012)

Freitag, 6. April 2012

Allein zu zweit.




Als eine der biedersten und seriösesten Figuren im deutschen Polit-Journalismus gilt Ulrich Deppendorf; der viel parodierte „Bericht aus Berlin“-Mann von der ARD. 

Wenn es gilt die Bundeskanzlerin zum Sommerinterview zu bitten, oder den deutschen Bundespräsidenten exklusiv im Schloss Bellevue zu befragen, ist stets der Mann mit der zu großen Rotzbremse am drannsten.
Für alle direkt Beteiligten ist das angenehm, da sich Deppendorf durchaus im Berliner Politbetrieb auskennt, aber nicht so krass parteipolitisch gefärbt ist, wie die ZDF-Kollegen und dennoch die Großen und Mächtigen stets gut aussehen läßt. 
Kein Regierungsmitglied muß bei Deppedorf befürchten tatsächlich mit Fragen in die Enge getrieben zu werden, oder daß er auf Antworten insistiert.
Hauptsache seriös ist das Motto der ARD-Nachrichten.

Umso erstaunlicher, daß selbst so ein altes Schlachtross die Beherrschung verlieren kann, wie in der letzten Ausgabe von „Deppendorfs Woche“, als er vor Schauder über die unterirdische Performance der Schwarzgelben verzweifelt ausrief, die Koalition könne schneller als man denke am Ende sein, wenn „die nicht endlich mal die Arschbacken zusammenkneifen.

Äh, huch?  Was sind denn das für Ausdrücke für die ARD?

Aber wie kann man auch von einem Menschen mit mehr als drei Gehirnzellen verlangen noch einigermaßen normalen Blutdruck zu behalten angesichts des alltäglichen Desasters, das Angela Merkels Mannen und insbesondere die in Lyse befindliche Gurkentruppe des Philipp R. abliefern?

Die Liberalen haben keine Wähler mehr, wie man bei den Wahlergebnissen, die sich kontinuierlich der Null-Prozent-Hürde annähern, ablesen kann.

Fast noch schlimmer: Die Lobbygruppe verliert ihre überdurchschnittliche aktive Fangemeinschaft unter den Publizisten und Journalisten.
Über viele Dekaden war es selbstverständlich, daß der Pünktchenpartei weit überproportionale Aufmerksamkeit zuteilwurde.

Aber zwei Freunde hat die präfinalen FDP’ler noch.

Zwei Männer, die einem nicht gerade als erstes einfielen, wenn man über geistige Gesundheit spräche.

Zunächst einmal ist da der nach rechts-wirr abgedriftete Ex-SPD-Minister Wolfgang Clement.

Sein überragendes Urteilsvermögen hatte er bereits vor zweieinhalb Jahren unter Beweis gestellt, als er zur Wahl des sagenhaft erfolgreichen Guidos Westerwelles aufrief.

 Der frühere Sozialdemokrat Wolfgang Clement will im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf die FDP unterstützen. Nach SPIEGEL-Informationen klären Clement und Spitzenkandidat Christian Lindner derzeit die Einzelheiten der Zusammenarbeit. Die beiden Politiker kennen sich noch aus der gemeinsamen Zeit im Düsseldorfer Landtag.  […] Schon im Bundestagswahlkampf 2009 hatte er den damaligen FDP-Chef Guido Westerwelle unterstützt. Ein Jahr später nahm Clement zudem an einem "Freiheitskongress" der Liberalen statt, der über die künftige Politik der Liberalen beriet.

Der zweite Mann ist psychisch in einer noch bedenklicheren Verfassung:
 WELT-Tausendsassa Ulf Poschardt, den Jens Berger vor drei Jahren treffend analysiert hatte.

Ihn als blasierten Parvenü abzukanzeln, wäre jedoch zu einfach. Poschardt ist ein Gesamtkunstwerk. Er ist so cool, dass man ihn auf lauen Sommerpartys am liebsten zu den Bieren in die Wanne setzen würde. Er ist so arrogant und ignorant, dass man vermuten könnte, er benutze zum masturbieren einen Spiegel. Poschardt ist einerseits der personifizierte Größenwahn und andererseits auch wieder so banal, dass man eigentlich Mitleid mit ihm haben müsste. Ulf Poschardt ist die Paris Hilton des deutschen Journalismus, ein selbsternannter Leistungsträger einer selbsternannten Elite. Leider ist Poschardts Inkompetenz ähnlich ausgeprägt wie sein Ego.

Poschardt ist immer noch ein glühender Fan der Rösler-Truppe.



Der bereits in diesem Blog als Vollpfosten demaskierten Ulf Poschardt, 44, hatte schon 2005 enthusiastisch für Westerwelle geworben und die goldene Zeit unter SchwarzGelb kommen sehen.

Anschließend durfte er für SPRINGER die Deutsche VANITY FAIR leiten.
In nur 12 Monaten als Chefredakteur versenkte er 50 Millionen Euro, ruinierte das Projekt und durfte zur Belohnung als Herausgeber von Rolling Stone, Musikexpress und Metal Hammer werden sowie der WELT am Sonntag als stellvertretender Chefredakteur dienen.

Fünf Monate vor der letzten Bundestagswahl bejubelte er die nicht nur die „Konzepte“ der FDP, sondern strich auch noch heraus, die FDP habe als einzige Partei Konzepte.

Schon lustig, daß einer so über die vollkommen Konzept-freie FDP schreiben konnte!

Die Rückkehr der Steuerpolitik als ein Instrument zur Bevollmächtigung von staatlichen Allmachtsfantasien geschieht nach Jahren der kritischen Hinterfragung denkbar pompös. Bis auf die FDP hat keine der großen Parteien ein Konzept zur Vereinfachung des Steuer- und Abgabenberges vorgelegt. Allerdings profitiert die bis vor Kurzem ebenfalls nach links gerutschte Union vom Kurs der SPD. Die Mitte ist wieder frei und kann besetzt werden. Bei denen, die etwas zu verlieren haben, wächst das Unbehagen.
Sie ahnen, dass es populär werden könnte, ihnen möglichst viel von dem zu nehmen, was sie sich unter Mühen und Entbehrung geschaffen haben. [Mir kommen die Tränen. Sind damit Spekulationsgewinne gemeint? -Anmerkung T.] Folgt man der Logik der neuen Linkspartei SPD, gehört auch ein Handwerksmeister, der mit 70-Stunden-Wochen am Ende 130.000 Euro verdient, zu den Reichen. Ihn zu bestrafen, schädigt das ganze Land. Diese Menschen sind das ökonomische und oft genug auch das ethische Rückgrat des Landes.
(Poschardt in der WELT, 18.04.2009)

Man könnte meinen, daß der größte Fan der FDP heute in Sack und Asche geht und wie so viele andere ein öffentliches „Mea Culpa“ ob seiner FDP-Lobpreisungen ausspricht.
Aber weit gefehlt.
Seine heiße Liebe und Hingabe für Angie und Guido blieb bis heute ungetrübt. Von Fakten läßt sich ein Poschardt nicht verwirren und bejubelt ungerührt die Heldentaten seiner adorierten FDP-Minister.

Über die zutiefst gagaeske und gleichzeitig ungreifbar vage Steuersenkungsplanung des neuen FDP-Chefs gerät der WELT-Mann in Verzückung.
Rösler, den er hartnäckig als "Augenarzt" beschreibt (Rösler ist Allgemeinarzt) fand er natürlich schon vor zweieinhalb Jahren einfach zum Niederknien.

„Rösler gilt vielen als die Verheißung einer neuen alten Form des Liberalismus, die deutlich mehr kann als klare Ordnungspolitik und fiskalische Innovation. Anders als den mittlerweile mehr respektierten denn geliebten Chefliberalen Guido Westerwelle umgibt Rösler die Aura des Wertesicheren.
[….] So glimmt in ihm ein Funken jenes Obama-Optimismus, nach dem sich die politischen Beobachter und so einige Wähler im Lande sehnen: Märchenstunde in der Politik und ein Fabelwesen wie Rösler als deren Hauptakteur. Man kann Stunden am Telefon verbringen, um etwas über die Schwächen des Mannes herausfinden zu wollen. Er scheint keine zu haben. Das ist neu. Und irgendwie unheimlich. Genannt werden seine bizarre Leidenschaft für Lakritze, mitunter zu funkelnde Rhetorik und die Begeisterung für den Blackberry, die ihm gerade von den Sicherheitsbeamten des Wirtschaftsministeriums ausgetrieben werden soll. Ansonsten: nur Gutes.
(Poschardt 19.02.2009)

Jetzt, zweieinhalb Jahre später, nachdem diese Regierung am absoluten Tiefpunkt angelangt ist und von links bis rechts einmütig als „schlechteste Bundesregierung aller Zeiten“ beschrieben wird, bekommt Poschardt immer noch ein feuchtes Höschen, wenn er über seine Idole schreibt.

Steuerreform ist Befreiungsschlag der Regierung!
Schwarz-Gelb will doch noch die Bürger entlasten. Damit profiliert sich vor allem die FDP. Die Opposition lässt dagegen erkennen, wes Geistes Kind sie ist.
[…] Damit profilieren sich insbesondere die Liberalen, die bislang von Finanzminister Wolfgang Schäuble mit Hingebung gequält wurden. Doch der erste Coup des neuen Vizekanzlers Philipp Rösler wird nicht nur von der Opposition torpediert, sondern auch von den wirtschaftlich erfolglosen Ministerpräsidenten der Union. Der Widerstand gegen die bescheiden dimensionierte Steuerreform wird getragen von kaufmännischem Unvermögen.
Für die Bundesregierung ist der Entschluss, noch vor der Sommerpause die Mittelschicht zu entlasten, ein Befreiungsschlag. Er beweist, dass die Union den Glauben an eine bürgerlich-liberale Zukunft noch nicht ganz aufgegeben hat, und er zeigt, dass Rösler und die neue Parteiführung geschickter vorgehen, wenn es darum geht, sich im Regierungsgeschäft zu profilieren und durchzusetzen. Für die Liberalen ist dieser Vorstoß jetzt schon ein Erfolg, schließlich wird deutlich, dass diese Partei die einzige ist, die unumschränkt für Steuersenkungen eintritt.
(Ulf Poschardt, 22.06.2011, welt.de)

Dem Analysten und Kommentator der WELT-Gruppe (dort ist auch Hendryk M. Broder als Exklusiv-Kommentator fest angestellt) blutete sein neoliberales Herz, als er aus Frankreich Blasphemisches hörte.

Der sozialistische Präsidentschaftskandidat will die Regierungsgehälter um 30% kürzen, den EU-Fiskalpakt aufschnüren und zudem auch noch die Millionäre deutlich stärker besteuern.

Skandal!

Poschardt ist geradezu außer sich vor Wut.
 Damit wolle Francois Hollande in klassisch-sozialistischer Weise sein eigenes Land ruinieren!

Der „linkspopulistische“ Kandidat wolle „den deutsch-französischen Stabilitätsmotor, wenn er denn je rund lief, vollends abwürgen.“
Natürlich. 
„Hollande und der Geist des Gerechtigkeitsterrors.“ Anders kann man es nicht nennen. 
 Alle Sozialisten laufen bekanntlich im „Self-destruct“-Modus und zerstören die Ökonomie. Ihre perfide Waffe dabei ist die „Gerechtigkeit.“
Ein ganz schlimmes Wort, das im Poschardt-Universum verboten werden müßte. 
Womöglich gefährdet nämlich dieses destruktive Gerechtigkeitsdenken die sich kontinuierlich weiter aufspreizende Vermögensverteilung. 

Dabei ist es doch gottgewollt, daß das reichste Prozent der Gesellschaft dereinst alle Vermögenswerte besitzen soll und der Rest verelendet und sklavenartig als Billigarbeiter Frondienste leistet.

Hollandes Pläne sind für Springers FDP-Freund „eine Art Enteignung der Bestverdiener.“  
 Den Topmanagern bliebe „eigentlich nur die Flucht aus dem Lande.“ 

Grölend in den Staatssozialismus.
Da mag man sich über den Rechtspopulismus in Ungarn aufregen und über den Dilettantismus der Griechen, aber ein größeres Desaster wäre, wenn die zweitgrößte Macht Kontinentaleuropas lauthals grölend den Weg in einen Staatssozialismus geht, der Umverteilung eine neue Dimension verschafft. Hollande verkörpert den giftigen Geist des Gerechtigkeitsterrors auf eine neue, aufgeräumte Art.
Er geht den Weg Mitterrands – und man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass auch er mit tiefroter Folklore das Land an den Rand des Ruins treiben wird. Anders als bei Mitterand wird er aber nicht zwei Jahre haben, um aus Schaden klug zu werden, die Euro-Krise könnte sich in Tageseile verschärfen, sollte zum Steuerirrsinn auch noch die Aufkündigung der Schuldensperre und die Absenkung des Renteneintrittsalters folgen.

Der SPD bliebe angesichts dieses französischen Irrsinns nun nur die Möglichkeit zusammen mit der grandiosen CDU-FDP-Regierung dem Präsidenten Sarkozy die Daumen zu drücken.


Ja, ganz sicher, Ulf.

Ich werde neben Philipp Rösler nun auch Nicolas Sarkozy in meine Gebete einschließen!

Donnerstag, 5. April 2012

Bad Lausick.



Die kleine Kurstadt Bad Lausick in Sachsen ist mit 8000 Einwohner nicht unbedingt der bekannteste und berühmteste Ort Deutschlands.
Ich war noch nie da.

Nur gehört.

Das erste Mal war das im Jahr 2004 als ich Michy Reinckes neue CD „mach dein herz laut“ hörte und mich über seinen Sieben-Minuten-Text „Konsequent Psycho“ halb totlachen mußte. 

Reincke beschreibt darin einen vollkommen missglückten Auftritt seiner Band in Bad Lausick am Fuße des Erzgebirges. 
Sie spielten wie es dort so häufig der Fall sei „zwischen mehreren Trinkversehrten, Alkoholakrobaten, professionellen Arbeitslosen, psychiatrischen Fällen und versuchten unsere Musik an den Mann zu bringen“
Schön war das nicht.
 Reincke entschuldigt sich aber sogleich.  Es solle „hier kein Volksstamm beleidigt werden, es hätte genauso gut in Oldesloe oder in Buchholz passieren können. Ich hab‘ selbst Freunde in Sachsen. Die sind sonst nicht so!“

Gerne würde ich der Fairness halber nun auch ein paar positive Ereignisse aus Bad Lausick referieren, damit nicht der sicherlich ungerechte Eindruck bleibt bei den 8000 Bewohner handele es sich um ein Agglomerat aus versoffenen Randständigen ohne Manieren.

Unglücklicherweise führte die Google-Suche zu keinem Ergebnis. 
Da scheint echt nichts los zu sein.

Aber gestern geisterte der Begriff „Bad Lausick“ doch überraschend wieder durch die Presse.

Da gibt es neben der sächsischen CDU-Abgeordneten Monika Reichardt (1994-2004) noch eine weitere große Tochter der „Stadt“, nämlich die sächsische Stadträtin Cordula Drechsler. 
Die 39-Jährige Bankkauffrau ist zwar mittlerweile angeblich aus der FDP ausgetreten, sitzt aber nach wie vor in der FDP-Fraktion und holt sich ihren geistigen Input offensichtlich von Kreuznet.

Daß der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen Bundestagsfraktion es erreicht hatte den Verfassungsschutzpräsidenten Heinz Fromm in einem Schreiben an Beck die „homophobe, muslimfeindliche und antisemitische“ Gesinnung Kreuznets ausdrücklich festzustellen, gefiel den Hetzern gar nicht. 

Das klingt dann so:

Genosse Bundestagsschwuchtel Beck, deutschen Bundestagsschwuchtel, Genosse Volker Beck, Homo-Tageszeitung ‘Kölner Stadtanzeiger’, Bundestagsschwuchtel Beck ist sauer auf ‘kreuz.net’, weil es im Juli 2011 deren Sex- und Drogenprobleme ans Licht holte, Verfassung der Deutschen Dekadenz-Republik (DDR), Diese Litanei wird in Naziwahn-Deutschland standardmässig gegen Regimekritiker verwendet, Homo-Dekadenz, Begrenzte Maulkorb-Deutsche, Der Homo-Kirchenhasser als Sprecher der Altliberalen, Heuchlerisch erklärt der infame Kirchenhasser, …
.
Frau Drechsler sieht den prominenten Grünen ganz ähnlich und verfasste einen Brief an ihn, in dem sie feststellte:

"Es gibt noch westliche Länder (wie Rußland), von den islamischen Ländern mal ganz zu schweigen, die Farbe bekennen zu Homosexualität. Auch in Deutschland denkt die Mehrheit der Bevölkerung so, sie getraut es sich nur (noch nicht) zu sagen. (...) Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht. Mit heterosexuellen Grüßen aus dem erzkonservativen Freistaat Sachsen"

Beck wehrt sich, schrieb an Philipp Rösler und stellte klar was er jetzt erwartet:

Die FDP muss diese Frau aus ihrer Fraktion werfen und jede Zusammenarbeit mit ihr beenden. Unverbesserlicher Menschenhass hat im demokratischen Parteienspektrum nichts verloren!
(Volker Beck auf Facebook)

FDP-Generalsekretär Patrick Döring zeigte sich in einem Antwortschreiben entsetzt über die "Art der verbalen, unmenschlichen und zutiefst unliberalen Entgleisungen". Seine Partei werde dies unter keinen Umständen tolerieren.

Im Übrigen sei Frau Drechsler gar nicht mehr Mitglied der FDP-Fraktion. 

Davon weiß man allerdings in Bad Lausick noch nichts; dort ist sie noch als FDP-Parlamentarierin aufgelistet.

Hakenkreuznet freut sich natürlich über den Zuspruch von der FDP-Frau.

Eine tapfere Stadträtin hat die weinerliche Homo-Ikone Volker Beck kritisiert. Für letztere war das eine unsägliche Majestätsbeleidigung.  […] Genosse Beck ist der Homo-Unzucht verfallen und soll ein Drogen-Problem haben.    Er ist Bundestagsabgeordneter für eine extremistische Antifa-Neonazi-Gruppierung.   Auf die Kritik der Stadträtin reagierte er mit überbordender Hysterie.   Die Realität läßt Homos durchdrehen   Menschenverächter Beck bezeichnete das Schreiben der Stadträtin wutschnaubend – und jenseits aller Proportionen – als „menschenverachtendes Drohmail“.   Er sei „wegen seiner Homosexualität beschimpft“ worden – heulte er tränenaufgelöst mit der bekannten Homo-Weinerlichkeit. 

 Etc  pp…