Donnerstag, 12. Dezember 2024

Bet-Anleitungen.

Schon klar, wenn Gläubige für sich beten, gibt es messbare physiologische Effekte. Der Cortisolspiegel kann sinken und weniger Stress macht weniger krankheitsanfällig. Gebete wirken in dem Fall, wie auch andere psychologische Techniken, mit denen man seine eigene Hirnchemie beeinflusst: Placebos, Meditation u.ä.

Natürlich hat dieser „Wohlfühleffekt“ rein gar nichts mit einem höheren Wesen zu tun, welches das Gebet erhört und daraufhin eingreift. Fromme Gruppen in den USA glauben das nicht und so kam es 2006 zur inzwischen berühmten STEP-Studie, bei der unter wissenschaftlichen Bedingungen untersucht wurde, ob von anderen gesprochene Gebete, Patienten bei Herz-Operationen helfen.

Die Kirche bejaht das selbstverständlich. Deswegen gibt es Fürbitten, Wunder und ganze religiöse Orden, die nonstop auf Wunsch für bestimmte Anliegen beten. Ihnen gefielen die Ergebnisse der STEP-Studie gar nicht.

[…] Sie ist die größte Studie dieser Art bisher. Einige andere, kleinere von anderen Forschern, gibt es bereits. Bezahlt wurde STEP von der steinreichen John-Templeton-Stiftung, die alles unterstützt, was Wissenschaft und Religion oder anderes Spirituelles auf einen Nenner zu bringen versucht und die ebenfalls in Deutschland schon für Schlagzeilen gesorgt hat.

Ungläubige in Sachen Religion und übernatürliche Erscheinungen würden selbstverständlich prophezeit haben, daß ein Nutzen durch Gebete für Patienten nicht nachgewiesen werden kann. Und sie hätten recht damit gehabt. Die Fürbitten anderer Leute haben den STEP-Patienten tatsächlich nicht geholfen.

Zur großen Überraschung von Gläubigen und Nicht-Gläubigen ist jedoch das Gegenteil von dem herausgekommen, was die Studien-Ärzte erwartet haben: Die Gebete haben mit 14 Prozent einen statistisch signifikanten (!) Schaden angerichtet in der Gruppe, in der die Patienten gewußt haben, daß beim lieben Gott ein gutes Wort für sie eingelegt wird. Verglichen mit der Ausgangshypothese der Forscher erlitten sogar fast doppelt so viele Patienten nach der Bypass-Op Komplikationen. Wo die Patienten sich der Gebete nicht sicher sein konnten, war der Schaden geringer und nicht signifikant. Am besten aber schnitt die Gruppe der Patienten ab, für die nicht gebetet wurde. Das zumindest ist das streng wissenschaftliche Ergebnis von STEP, das im vorvergangenen Monat im "American Heart Journal" veröffentlicht worden ist.

Was nun? Welche Konsequenzen muß man daraus ziehen? Daß man um Himmelswillen nicht für kranke Menschen beten sollte, auf jeden Fall dann nicht, wenn sie einen Bypass bekommen? Und wenn man das Beten partout nicht lassen kann, daß man dann wenigstens die Patienten nicht darüber informiert?

Auf den ersten Blick würden solche Überlegungen nur folgerichtig sein. Immerhin handelt es sich bei STEP um eine Studie mit allen Goldstandard-Schikanen: Sie ist prospektiv, randomisiert, kontrolliert und verblindet, und mehrere Kliniken waren einbezogen.  Evidence Based Medicine eben.  [….]

(Ärztezeitung, 07.06.2006)

Nein, ich bin nicht überrascht. Zu wissen, daß andere, fremde Menschen, Zeit investieren, um für einen zu beten, kann einen Gläubigen unter Stress setzen und da es Gott nicht gibt, wird diese zusätzliche psychische Belastung ursächlich für Komplikationen bei der Heilung.

Gläubige machen es ihrer Phantasiefigur in den Wolken leicht: Wird ihr oranger Held bei einem Attentatsversuch von einer Kugel nur am Ohr gestreift, oder bleibt das eigene Haus bei einem Hurrikan im Gegensatz zu denen der Nachbarn stehen, schreibt man den positiven Ausgang auf das Konto des Gottes, an den man glaubt.

Geht die Sache schlecht aus, indem man beispielsweise Corey Comperatore ist, der am 13. Juli 2024 in Butler von der für Trump bestimmten Kugel tödlich getroffen wurde, oder zu den 19 Kindern gehörte, die am 24. Mai 2022 in Uvalde erschossen wurden, oder das eigene Haus bei einem Hurrikan komplett zerstört wurde, wird dafür eben nicht Gott verantwortlich gemacht.

Offensichtlich nicht funktionierende Gebete erschüttern den Glauben nicht. Tritt aber zufällig etwas ein, für das man gebetet hatte, wertet das Religiotengehirn es als Beweis für die Wirksamkeit.

Religioten schützen ihr eigenes abstruses Glaubenssystem, indem sie immer nur für etwas beten, das statistisch möglich passieren kann. Spontanremission bei Krebs, Lottogewinn, Autoschlüssel wiederfinden, Meisterschaftstitel für den Lieblingssportverein. Die Wahrscheinlichkeit mag klein sein, aber sie ist vorhanden.

Nicht gebetet wird für in der gottlosen Realität unmögliche Dinge, obwohl diese für einen allmächtigen Gott selbstverständlich ebenso möglich wären: Verstorbene wieder lebendig machen, Nachwachsen amputierter Gliedmaßen.

Auch Gläubige wissen unterbewußt, daß Gebete sinnlos sind, indem sie Gott keine unmöglichen Aufgaben stellen. Aber sie gestehen es sich nicht bewußt ein.

(….) Rudolf Gehrig (* 1993), Hardcore-Katholiban beim Cringe-Sender EWTN, wurde im radikalen Anti-Abtreibungs-Milieu sozialisiert, demonstrierte schon als Kind bei den „Marsch für das Leben“-Fanatikern. 

Aber im zarten Alter von 17 Jahren kam ihm und einigen Freunden plötzlich die Erleuchtung, wie man ein für allemal Schwangerschaftsunterbrechungen stoppt. Mit täglichen „Gebetsstürmen“ gemeinsam um 20 Uhr. Sein Motto: „Gebete sind die radikalste Form der Einmischung“.

[….]  Beten ist die radikalste Form, sich einzumischen. Dies sagte der 18-jährige Rudolf Gehrig aus Würzburg, als er in Meran den Preis des Lebens 2012 verliehen bekam. Er hatte mit zwei weiteren Jugendlichen im sozialen Netzwerk Facebook die Aktion AIAC (Abortion Is A Crime - Abtreibung ist ein Verbrechen) gestartet und eine Seite zum Lebensschutz eingerichtet. Seit über einem Jahr beten aufgrund dieser Initiative jeden Abend Jugendliche ein Vaterunser für das ungeborene Leben, für die Frauen, die den verhängnisvollen Schritt der Kindstötung schon getan haben, für alle, deren Leben bedroht ist [….]

(Kathnet, 25.05.2012)

Aus seiner Sicht offenbar logisch. Denn Gott liest nicht die Süddeutsche Zeitung oder folgt Rudis Facebook-Postings, aber er hört beruflich auf Gebete. Rudi musste ihm also nur mitteilen, daß einige Teenager in Unterfranken diese Vorbehalte wider des Abruptio graviditatis hätten und mit einem Fingerschnipp könnte Gott das Problem abschaffen.

Dann geschah allerdings etwas völlig Unvorhergesehenes: Trotz der Gebetsstürme aus dem Lager der Pickligen und dieser radikalsten Einmischung in Gottes Angelegenheit, hörten die Abtreibung NICHT von eben auf jetzt auf!
Wie konnte das sein?

Wie sich herausstellte, soll man zwar dauernd beten, aber offenbar ist der einzige Zweck des Unterfangens, damit die Hände vom Masturbieren abzuhalten. Die Handlungen des Allmächtigen kann man aber nicht damit beeinflussen, da dieser a) ohnehin allwissend ist und somit gar nicht der Wunschübermittlung per Gebet bedarf, da er das ohnehin alles schon weiß und b) ist der Lauf der Dinge grundsätzlich nicht per Gebet zu beeinflussen, weil alles schon vorbestimmt ist.

Wer das als widersprüchlich empfindet, hat damit, c), einen weiteren Beweis der generellen Vorbestimmtheit, da Gottes Wege unergründlich sind. (…)

(Der Weg zu Gott, 19.06.2024)

Die offenkundige Unwirksamkeit von Gebeten, schieben Religioten in ihrer intellektuellen Beschränktheit, auf Qualität und Quantität der Beterei.

Gewinnt man trotz Gebete nicht bei der Spanischen Weihnachtslotterie den El Gordo mit vier Millionen Euro, liegt es demnach daran, zu wenig oder nicht intensiv genug gebetet zu haben. Vielleicht hätten auch viel mehr Menschen für ein Anliegen beten müssen. Der Gewinn kommt womöglich erst ab 10.000, einer Million oder drei Milliarden gleichlautender Gebete. Was die Sache erschwert: Die Regeln für die richtige Gebetskonzentration sind vage. „Viel hilft viel“ ist laut Bibel nicht die Antwort. Man kann auch zu viel beten; da ist Gott aber genervt und erfüllt den Wunsch schon mal gar nicht.

[….] Ein stilles Stoßgebet hat genauso viel Gewicht wie ein lang ausformuliertes Gebet. Diese Ansicht vertritt der Theologieprofessor Joel White in der aktuellen Folge des IDEA-Podcasts „Zwischen Tür und Himmel“. Für Gott komme es nicht auf die Anzahl der Worte an, sondern auf die Aufrichtigkeit des Beters. „Jedes Gebet ist gleich viel wert, das aus ehrlichem Herzen kommt, an Gott gerichtet ist und diese Abhängigkeit von unserem Schöpfer und Heiland zum Ausdruck bringt“, so White.

Anlass war eine Zuhörerfrage zum vermeintlichen Widerspruch zwischen der Aufforderung Jesu, nicht viele Worte im Gebet zu machen (Matthäus 6,7), und dem Gebot des unablässigen Betens (1. Thessalonicher 5,17).

Eine Obergrenze für Gebete gebe es nicht, sagte der Dozent für Neues Testament an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen. Eine Untergrenze gebe es insofern, als dass Gebet zum Christsein dazugehöre und nicht vernachlässigt werden solle. Jesus wende sich gegen floskelhaftes Beten und öffentliche Selbstdarstellung. [….]

(Idea, 12.12.2024)

Es gibt nichts, für das sich Theogioten zu doof sind.

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Neubeurteilung der Grünen vor der Bundestagswahl 2025

Im 2021er Bundestagswahlkampf war ich sehr Grünen-kritisch, weil ich sie a) ob ihrer Umfragewerte unangenehm arrogant empfand und weil sie b) auf die völlig falsche, unerfahrene Kanzlerkandidatin Baerbock gesetzt hatten. Ein schwerer Fehler. Mit Habeck an der Spitze, wären sie womöglich wirklich in Kanzleramt eingezogen. Die Kaskade des Baerbockschen Wahlkampffehler – das nicht selbst geschriebene Buch, der frisierte Lebenslauf, Wissenslücken in Interviews – deutete ich damals als Überforderung und Unerfahrenheit. Von Null auf Kanzlerin würde jeden überfordern. Mit einigen Jahren Erfahrungen in Landes- und Bundesregierungen könnte sich das aber ändern. Dann wäre sie durchaus kanzlerinnentauglich. Dachte ich. Nach drei Jahren als Außenministerin, revidiere ich diese Position. Ihre Fehler und Inkonsequenzen haben nie aufgehört. Immer wieder peinliche Versprecher und ein kontinuierlicher Wackelkurs bei Menschenrechten. Ich erkenne keine deutliche Lernkurve. Die absoluten Spitzenämter sind wohl doch eine Nummer zu groß für sie. 

Aber um auch das einzuordnen: Außer Fischers erster Amtszeit, hatte es vermutlich nie ein deutscher Außenminister mit so extrem komplizierten Problemen zu tun. Und selbstverständlich schlägt sich Baerbock als Ministerin um Längen besser, als die meisten schwarzen und gelben Kollegen der letzten Jahre. Spahn, Scheuer, Lindner und Dobrindt waren, verglichen mit Baerbock, echte Vollkatastrophen. Während aber Kollege Fischer von 1998 an, über sich hinaus wuchs, Deutschlands Ansehen in der Welt erheblich mehrte und international zu einem wichtigen Player aufstieg, auf dessen Meinung auch in Washington wert gelegt wurde, zeigte seine Grüne Nachfolgerin, daß sie dieses Potential nicht in sich hat. Deutschlands Stimme in der Welt ist heute weitgehend irrelevant.

Umso höher rechne ich Baerbock an, sich immerhin selbst inzwischen realistisch einzuschätzen und ohne Mucken diesmal Robert Habeck den Vortritt zu lassen.

Nur schade, daß es drei Jahre zu spät kommt. Inzwischen hatten Springer, Nius und Co Zeit genug, sein Image mit Lügen-Narrativen kaputtzuschießen. Von der BILDschen „Heizungshammer“-Kampagne erholt man sich nicht so leicht. Ganz vergessen wird dabei, daß er als Wirtschaftsminister erfolgreicher war, als man angesichts der katastrophalen Umstände – Krieg – Klima - Gas – erwarten konnte. Niemand fror im Winter, der Umbau zu erneuerbarer Energie geht schneller als geplant voran und wenn man mal die ganze schwarzgelbe Hetze und innerkoalitionäre Obstruktion durch Linocchios Leute beiseite läßt, wird man eines Tages auch erkennen, daß sein Heizungsgesetz natürlich historisch richtig ist.

Der Vizekanzler hat vielleicht keine Chance, aber er nutzt sie. Die Wahlkampagne startete vom Tag des Lindner-Rausschmisses auf 100%. Sein Konterfei schwirrt durch alle sozialen Medien, die Grünen vermelden seither über 20.000 Parteieintritte – beeindruckend! Anders als bei seiner grünen Kanzlerkandidatenvorgängerin, habe ich auch keine Bedenken hinsichtlich seiner persönlichen Eignung. Er hat das Zeug dazu, Kanzler zu sein. Er ist intelligent und aktiv genug, kann kommunizieren und überzeugen. Leider mangelt es ihm am Potential, Kanzler zu werden.

Bei Fritz Merz ist es umgekehrt. Weitgehend ohne sein Zutun, ist sein Potential Kanzler zu werden enorm hoch. Aber er ist viel zu unbeherrscht, unerfahren und unqualifiziert, um Kanzler zu sein.

Der xenophobe CDU-Mann Merz ist auch der Grund, weshalb ich trotz all meiner Grundsympathie für Habeck, Olaf Scholz wählen werden. Habeck ist viel zu CDU-affin und wird, wie schon einige grünen Landesverbände, schwarzgrün vorziehen, bevor er eine Koalition mit der SPD erwägt. Das Werben um Merz und Linnemann, betreiben Habeck und seine Staatssekretärin Franziska Brantner – im Nebenjob Grünen-Vorsitzende – so offensiv, daß der Preis für grüne Merzstimmen bei der Bundeskanzlerwahl, jetzt schon rapide abstürzt.

Obschon ich großer Felix Banaszak-Fan bin, ist der CDU-Vorliebe unter den Spitzengrünen des Bundestages (auch Özdemir, Göring-Kirchentag) nicht zu trauen.

Die letzten Parteitage zeigten, wie mühelos sich die schwarzaffine Spitze durchsetzen kann. Einige Landesverbände – Hessen, Saar, Schleswig-Holstein, NRW, BW und der superrechte CDU-Fanclub der Grünen in Hamburg – muss Habeck ohnehin nicht überzeugen, im Zweifelsfall lieber mit Merz als mit Scholz zu regieren.

Andere Landesverbände versinken im Chaos.

[….] Zweieinhalb Monate vor der geplanten Bundestagswahl ist die hessische Grünen-Vorsitzende Kathrin Anders zurückgetreten. Sie begründete den Schritt „mit sofortiger Wirkung“ in einer Erklärung mit einer aus ihrer Sicht unzureichenden Aufarbeitung einer angeblichen Parteispendenaffäre bei den hessischen Grünen. Es geht dabei um Auslandsreisen des Co-Landesvorsitzenden Andreas Ewald auf Einladung und Kosten Dritter nach Israel und in die USA.    [….]

(SZ, 09.12.2024)

[…..] Es kracht im für die Grünen wichtigen Landesverband Hessen: Die Vorsitzende Anders wirft ihrer Partei Intransparenz und unzulässige Zuwendungen vor. […] In ihrem Rücktrittsschreiben erinnerte Anders daran, dass Reisen, die als geldwerter Vorteil bewertet werden, Zuwendungen an die Partei darstellen könnten. „Solche Zuwendungen durch gemeinnützige Organisationen oder Staaten außerhalb der EU sind unzulässig“, so Anders. Deswegen könne sie die bei den Grünen aktuell „notwendige Veränderung und die Wiederherstellung des Vertrauens nicht vorantreiben“. Mit Blick auf Strafanzeigen gegen Vorstände und Prüfungen durch die Staatsanwaltschaft sehe sie sich nicht in der Lage, den Reformprozess mit der erforderlichen Glaubwürdigkeit zu führen. […..] Nach der Wahl will der Vorstand den Weg für neue Vorstandswahlen frei machen. Ewald will sein Amt dann aufgeben – könnte aber als möglicher Nachrücker in den hessischen Landtag weich fallen: Am kommenden Samstag werden die hessischen Grünen in Marburg ihre Landesliste aufstellen.   […]

(Yağmur Ekim Çay, 10.12.2024)

[….] Nur einen Tag, nachdem sie zur Landesvorsitzenden der Grünen in Sachsen gewählt wurde, hat Christin Furtenbacher ihren Rücktritt erklärt. Ihr Ergebnis bei der Wahl habe sie schwer getroffen, teilte Furtenbacher mit. »Ich musste für mich die Schlussfolgerung ziehen, dass ich keinen ausreichenden Rückhalt als Landesvorsitzende in unserem Landesverband mehr habe.« Lediglich 57 Prozent der Delegierten hatten Furtenbacher am Samstag im Amt bestätigt. Dafür benötigte sie zwei Wahlgänge, im ersten war sie noch durchgefallen. Nach dem schlechten Abschneiden der sächsischen Grünen bei der zurückliegenden Landtagswahl hatte die Landesversammlung in Chemnitz am Samstag alle bisherigen Mitglieder der Parteispitze im Amt bestätigt. Die Co-Vorsitzende Marie Müser kam im ersten Wahlgang dabei auf 63,5 Prozent, wie die Grünen am Samstag mitteilten. Der Landesvorstand als Gremium sollte die Verantwortung allerdings ohnehin nur auf Zeit übernehmen. [….]

(Spiegel, 09.12.2024)

[….] In Baden-Württemberg sind die Grünen so etwas wie eine Volkspartei, zumindest sah es sehr lange Zeit so aus. Schließlich stellen sie seit 2011 in Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten, bei der Landtagswahl 2021 kamen sie auf 32,6 Prozent Zustimmung. [….] In Baden-Württemberg liegen die Grünen in den Umfragen aktuell 16 Prozentpunkte hinter der CDU, auf Bundesebene unter den Werten der Bundestagswahl 2021[….] Brantner will die Grünen als moderne Partei der Mitte positionieren, sie wirbt in ihrer Rede für Digitalisierung, mehr Bürgerbeteiligung und beschleunigte Genehmigungen für Windräder. Und sie stichelt gegen den verbliebenen Koalitionspartner in Berlin, die SPD und Bundeskanzler Olaf Scholz. [….] Bei der Bundestagswahl 2021 kamen die Grünen in Baden-Württemberg auf 17,2 Prozent der Zweitstimmen. Sie gewannen vier Direktmandate, in Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg, zudem kamen die ersten 14 Listenbewerber zum Zug. Und nun? Ist die Unsicherheit groß, ob sich das Wahlergebnis wiederholen lässt, der Gewinn von Direktmandaten. Und wie sich das neue Wahlrecht auf die Zahl der grünen Mandate auswirken wird. Aktuelle Prognose: eher nicht positiv. Das alles so bleibt, wie es ist, darauf will jedenfalls niemand seine politische Zukunft verwetten. Dass am Vortag des Parteitags eine Landtagsabgeordnete angekündigt hat, von den Grünen zur CDU zu wechseln, passt irgendwie ins Bild. Im Sommer hatte bereits die Bundestagsabgeordnete Melis Sekmen die Grünen verlassen, sie kämpft bei der Bundestagswahl im Februar nun als CDU-Kandidatin in Mannheim um das Direktmandat. [….] Ab Listenplatz sieben kommt es am Samstag zu Kampfkandidaturen, [….]

(Roland Meuschel, 07.12.2024)

[…..] Die Grünen-Spitze zieht nach den schlechten Ergebnissen der Partei bei mehreren Wahlen personelle Konsequenzen. Die Co-Vorsitzenden Ricarda Lang und Omid Nouripour gaben den Rücktritt des gesamten Parteivorstandes bekannt. "Wir sind zum Ergebnis gekommen: Es braucht einen Neustart", sagte Nouripour. [….]

(Tagesschau, 25.09.2024)

[…..]  Grüne Jugend: Vorstand tritt aus Partei aus

Bei den Grünen kracht es richtig: Nach dem Rücktritt des Parteivorstands kündigt auch der Vorstand der Grünen Jugend den Rücktritt an - und zugleich den Austritt aus der Partei. [….]

(ZDF, 25.09.2024)

Niemand wünscht sich Politiker, die so wie Lindner oder Esken ewig an ihren Parteiposten kleben. Aber ganz so leicht wie die Grünen, sollte man die Jobs auch nicht aufgeben.

Dienstag, 10. Dezember 2024

Der Promifaktor

Die fantastische Groundwalk-Kampagne, die Spendenflut, der perfekte viertägige Nominierungsparteitag DNC mit den weltbesten Rednern in Topform, die grandiose Stimmung. Beyoncé, Taylor Swift, Madonna, Lady Gaga, mit ihren hunderten Millionen Social-Media-Followern, die für die Demokraten trommelten. Die riesigen Wahlkampfveranstaltungen, bei denen die größten Superstars des Planeten auftraten.  Da war was los bei Kamala Harris! Die Leute standen den ganzen Tag Schlange, um sie zu sehen und feierten sie enthusiastisch. Im diametralen Gegensatz dazu die lahmen Trump-Rallys, bei denen er immer denselben Unsinn erzählte, die Hälfte der Plätze leer blieb und das gähnende Publikum, noch während Trump sprach, in Scharen die Halle verließ. Und dazu noch der begnadete Stimmungsmacher „Coach“ Walz, der Lichtjahre besser, als der cringe Lügner Vance performte.

Sicher, die Umfragen sahen nur einen kleinen Harris-Vorsprung, aber die mussten doch eigentlich irren, weil die Demokraten so enthusiastisch waren. Die gesamte Auslandspresse war sowieso für Harris, Influencer warben für sie, während bei Trump nur debile (Roseanne Barr) oder drittklassige (Kid Rock) „Künstler“ auftraten.

Ich bin grundsätzlich kein optimistischer Typ, hätte mich aber, ehrlich gesagt, angesichts der Stimmung und des Optimismus‘ nicht gewundert, wenn Harris einen deutlichen Sieg eingefahren hätte. Allein die 300 Millionen „Swifties“ müssten doch für den Ausschlag reichen.

Es kam bekanntlich ganz anders. Die Angst-Kampagne siegte gegen die Joy-Kampagne, die Lüge gegen die Wahrheit, das düstere unmusikalische Double-jerkoff- Gehampel gegen Kamalas Rhythmus. Die Misogynie, der Rassismus und die Desinformation waren stärker, als Vernunft, Anstand und Wahrheit.

Trump siegte sogar so klar, daß die Demokraten gar nicht erst irgendwelche Ergebnisse anfochten. Seither spricht der notorische Lügner von einem „Landslide“ – das war seine Wahlergebnis freilich nicht.

Er blieb unter 50% und holte eine der schwächsten „popular vote margin“ der US-Geschichte. Den Negativ-Rekord – mit 2,5 Prozentpunkten Stimmenminderheit zum, Präsident gewählt zu werden – hält ebenfalls Trump; mit seiner Niederlage gegen Hillary Clinton 2016.

Celebrities, Glamour und Show können die Demokraten!

Aber die Republikaner haben Recht, wenn sie darauf hinweisen, daß die breite Masse des Volkes viel primitiver ist und konservativer denkt.

Man darf sich in Deutschland ebenfalls nicht von Promi-Unterstützung blenden lassen.

Auch hierzulande haben Linke, Sozis und Grüne die sehr viel größere Starpower hinter sich, während sich Reality-Trashtypen und unterbelichtete Sportler für die CDU engagieren.

Das ist in sich logisch, da „Künstler“ überdurchschnittlich polyglott, international und multikulti sind. Sie sind weniger spießig, als der Durchschnitt, sensibler, kommen mehr rum, lernen mehr kennen viel mehr unterschiedliche Leute. So einer wirbt nicht für dumpfe Vorurteile, die Spahn oder Merz repräsentieren.

Die Union versammelt Diether Bohlen, Sohia Thomalla und Titten-Prahlerin Micaela Schäfer auf der Haben-Seite. Linocchios Liste schmückt sich mit den rechten Millionären Georg Kofler und Frank Thelen, sowie DJ MB Sounds (aka Marco Buschmann) Kollegen Paul van Dyk.

Grünen-Unterstützer sind AMK-Sänger Henning May, Sebastian Vettel, Bela B., Frank Schätzing, Wolfgang Niedecken, Judith Holofernes, Sven Regener, Balbina, Leander Haußmann, Milan Peschel, Michael Mittermaier und viele andere mehr.

Die Sozis haben wie immer Roland Kaiser, Juli Zeh, Anne Rabe, Iris Berben, Armin Mueller-Stahl, Katja Ebstein, Leonard Lansik, Sebastian Krumbiegel, Sebastian Ströbel.

Aber die USA lehren: Auch wenn die Konservativen nur mit Promis der B-Klasse antreten, wird sie das vermutlich nicht aufhalten.

Montag, 9. Dezember 2024

Syrien und die deutschen Sadisten

Natürlich freue ich  mich auch über den peinlichen Abgang der Assads nach Moskau.

Natürlich ist das ein Grund zu großem Jubel bei den Regime-Gegnern. Die sind in Feierlaune. Häme über Putins Schmach empfinde ich nicht, weil ich seine schlechte Laune fürchte. Das wird sich nicht gerade in Milderung gegenüber der Ukraine auswirken.

Was wir aber ganz sicher nicht haben, sind geordnete stabile Verhältnisse. Der Iran steckt noch drin, Kurden stecken noch drin, islamischen Terroristen stecken noch drin und gleich drei Nationen bombardieren syrisches Staatsgebiet von außen: Israel, die Türkei und die USA. Der neue gegenwärtig starke Mann, Islamistenführer Abu Muhammad al-Dschaulani ist sicher kein Olaf Scholz, bei dem man demokratische Überzeugungen und besonnenes Verhalten voraussetzen darf.

Nach über zehn Jahren des absoluten Grauens, ist das Land ideologisch zersplittert.

In Syrien ist mit allem zu rechnen – außer mit Stabilität, schreibt Thomas Avenarius.

Das ist eine verdammt fragile Kiste, bei der die geschundene Nation sehr viel Hilfe von dem Rest der Welt benötigt. Hilfe, die aus Deutschland wohl eher nicht kommt, denn hier wird mutmaßlich die CDUCSU die nächste Regierung anführen und die CHRIST-Demokraten haben, statt Nächstenliebe, nur Hass und Verachtung für Menschen in der Not.

Sofort meldet sich der rechtsextreme Hetzer Jens Spahn zu Wort und kocht sein ekelerregendes xenophobes Süppchen.

[…..] Kaum war die Nachricht über den Sturz des syrischen Diktators Assad in Deutschland angekommen, drängten bereits die ersten Unions-Politiker auf die Rückführung syrischer Geflüchteter. Jens Spahn zog Montagmorgen mit der eiligen Forderung nach einem „Startgeld“ als Ausreiseanreiz und Charterflügen für Geflüchtete die Kritik von Kommentatoren auf sich. […..] Meier zitierte dann den Hamburger Autor Sasa Stanisic, der sich auf dem Social-Netzwerk „Bluesky“ zu der Debatte geäußert hatte: „Das war damals nach dem Bosnienkrieg genau gleich: Man hat nicht eine Sekunde gezögert nach dem letzten Schuss, und auch egal wie die individuelle Lage vor Ort für die Menschen war, um uns abzuschieben. Das ist also nicht eine neue Menschenverachtung, beeinflusst von Rechts, Deutschland IST so.“   […]

(MoPo, 09.12.2024)

Jens Spahn, die CDUCSU und leider eben auch zuverlässig die FDP, sind moralisch völlig verkommen. Lindner betreibt ganz ungeniert rechtsradikale Hetze. Natürlich macht sein Buddy Buschmann mit.

Lindners Busenfreund und Vermieter Jens Spahn wurde in den letzten Monaten so oft bei dreisten Lügen ertappt, daß er inzwischen alle Hemmungen verloren hat und die AfD im Vergleich zu ihm, redlich und besonnen erscheinen lässt.

[…..] Man kann Debatten auch aus dem Stand vergiften. Der Spezialist für griffige Formulierungen bei der CDU Jens Spahn hatte da am Montagfrüh in der ntv-Sendung „Frühstart“ so eine Idee. Jeder syrische Flüchtling, der aus Deutschland nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad in seine Heimat zurückkehren will, bekommt einen Freiflug und tausend Euro Startgeld, was sofort als Handgeld kolportiert wurde. […..]  Auf den Empörungsmaschinen wie X und Facebook konnte man innerhalb von Minuten zuschauen, wie sich die Wellen aufbauten. Einen Freiflug und tausend Euro für Syrer, und was ist mit den deutschen Rentnern, Kindern, Wohnungslosen? […..] Bei der Wortwahl ist diese Wut buchstäblich eingepreist. Hinter der Pseudovernunft der Idee steckt eine dieser Hundepfeifen, wie man versteckte Botschaften in Politikerzitaten nennt. Handgeld ist ein eingeführter Begriff. […..] Die Idee evoziert mit einem einzigen Wort aber auch die Aussicht, dass in Syrien mit dem Sturz des Diktators Ruhe, Frieden und sogar Rechtsstaatlichkeit Einzug halten könnten. Dann würde der sogenannte subsidiäre Schutz des Asylrechts nicht mehr greifen. Spahn formuliert das so: „Wenn sich im Heimatland die Dinge normalisieren, stabilisieren, wenn es dort Perspektive gibt, dann gibt es die Erwartung, auch zurückzukehren.“

Da also steckt die eigentliche Stoßrichtung der Spahn-Idee. Diese Erwartung ist Zunder für Ressentiments und Volkszorn. Denn auch die Einschränkung, dass man die Lage in Syrien erst in Tagen oder Wochen einschätzen könnte, ist so eine rhetorische Stinkbombe. Niemand wird die Lage in Tagen oder Wochen einschätzen können. […..] Nur Spahns Äußerungen liefern eine [Perspektive]. Und zwar, dass sich in den kommenden elf Wochen auch in der bürgerlichen Mitte offenbar die Frage stellt, ist das noch Wahlkampf oder schon Hetze? […..]

(Andrian Kreye, 09.12.2024)

Die Schäbigkeit der rechten CDU-Zündler kann man nicht mehr in Worte fassen. Ohne jede Hemmungen zeigen sie, daß ihnen humanistische Werte und Anstand genauso wenig bedeuten, wie jegliche Versuche, das Leben der Menschen zu verbessern. Sie wollen nur Hass säen, Menschen gegeneinander aufhetzen und von den xenophobe-faschistischen Stimmungen, die sie selbst angefacht haben, in Regierungsämter getragen werden. Absolut widerlich.

[….] Eine geschmacklose Migrationsdebatte

Nach dem Machtwechsel in Syrien wird in Deutschland über den Umgang mit Geflüchteten diskutiert. Statt reflexhaft über Asylbescheide, sollte man über Wiederaufbau, Unterstützung und kluge Diplomatie reden.

Warum differenziert, wenn es auch einfach geht? Warum menschlich, wenn der Reflex, die niedersten Instinkte zu bedienen, so übermächtig ist? In Syrien ist der Schlächter Bashar al-Assad Geschichte. Und hier? Wird über Rückführungen und Abschiebungen geredet und darüber, wie wir die Syrer bei uns jetzt möglichst schnell loswerden.  Warum eigentlich ist es hierzulande so schwer, sich über den Fall Assads zu freuen? Vielleicht auch mit den vielen Hunderttausend Syrerinnen und Syrern einfach mal zu feiern? […..] Dann ist der Schlächter von Damaskus plötzlich Geschichte und wir denken zuerst darüber nach, jetzt Flüchtlinge rauswerfen zu können? Alice Weidel, der AfD-Kanzlerkandidatin, fällt lediglich ein, dass, wer in Deutschland das freie Syrien feiere, ja keinen Fluchtgrund mehr habe und umgehend zurück nach Syrien soll. Raus jetzt, soll das wohl heißen.

Andrea Lindholz, von der Christlich Sozialen Union, kommt zuallererst in den Sinn, dass Deutschland in den vergangenen Jahren seine humanitären Verpflichtungen "übererfüllt" habe. Jens Spahn von der Christlich Demokratischen Union, jener Großmeister des populistischen Spürsinns, will für alle, die nach Syrien zurück wollen, Flugzeuge chartern und ihnen ein Startgeld von 1.000 Euro in die Hand drücken - willkommen im Deutschland des Jahres 2024.

Wer heute in die sozialen Medien schaut, dem muss übel werden vor so viel Hass und Boshaftigkeit. "Gute Heimreise" wünschen hämisch tapfere Deutsche den bei uns lebenden syrischen Menschen. […..] Assad ist Geschichte. Das ist gerade die Geschichte. Die geschmacklose Migrationsdebatte hierzulande auf dem Rücken von Syrern ist es sicher nicht. […..]

(Georg Schwarte, 09.12.2024)

Sonntag, 8. Dezember 2024

Mit der Merz-CDU in den ökonomischen Untergang

Deutschlands ökonomischer Erfolg beruht auf vielen Lebenslügen und zehrte von der Substanz. Mit der Weltfinanzkrise von 2008 hätten wir gewarnt sein müssen. Unsere Weltmarktabhängigkeit wurde für jeden nur zu offensichtlich. Wir hatten noch Geld in der Kasse und damit die Möglichkeit umzusteuern; in die Zukunft zu investieren. Genau da wählte der Urnenpöbel aber die schwarzgelbe Alptraum-Koalition, die von 2009-2013 alle Weichen katastrophal falsch stellte. Ausstieg aus der Windenergie, Ausstieg aus der Solarbranche, Ausstieg aus dem Atomausstieg und Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Atomausstieg, Ausbau der Abhängigkeit von Putins billigem Gas. Bis 2021 debakulierten CDUCSU-Minister und Kanzlerin in jeder erdenklichen Hinsicht. Die Namen des ganz großen deutschen Versagens, die Wegbereiter des internationalen Abstiegs, lauten Glos, de Maizière, Guttenberg, Ramsauer, Dobrindt, Scheuer, Bär, Spahn, Schäuble, Altmaier und natürlich Merkel.

Deutschland verschlief die Digitalisierung, ließ Infrastruktur und Schulen verrotten, verabschiedete sich von allen Zukunftstechnologien, wie E-Mobilität, Green Energy, KI, Smartphones, Computer. Für die Schwarzen und Gelben hieß Industriepolitik: Anträge per Fax, immer schwerere teurere Verbrenner-PKWs, Kohlekraftwerke.

Genauso wie die Bundeswehr, wurden das Bahnnetz, erneuerbare Energien und die gesamte IT-Branche auf Eis gelegt.
Die Energie kam billig aus Russland, die Soldaten billig aus den USA, der Rest Europas kaufte unsere teuren Waren ab und wir prahlten mit dem Exportüberschuss. Gleichzeitig prangerten wir mit maximaler Überheblichkeit in Brüssel die Importüberschüsse und Schulden unserer Partner an, ohne zu begreifen, daß es nur zwei Seiten derselben Medaille sind: Wenn im Euroraum eine Nation erheblich mehr exportiert als importiert, müssen andere den Preis zahlen.

Wir litten an drastischer Importschwäche, vernachlässigten die deutsche Binnennachfrage. Das schrieb uns schon Barack Obama ab 2009 regelmäßig ins Stammbuch, aber Merkel hörte nicht zu und die Wähler wählten beharrlich den absoluten Stillstand.

Es kam, wie es kommen musste: Nach 16 Jahren Dornröschenschlaf, brauchen wir doch mal neue innovative Produkte, wird der Gashahn zu Putin abgedreht, fällt uns eine total marode und von 16 Jahren CDUCSU-Führung zerstörte Bundeswehr auf die Füße, stellt sich in der Pandemie heraus, daß es vielleicht doch ganz gut wäre, wenn wir, wie alle anderen Nationen, funktionierendes schnelles Internet hätten.

Schlimmer noch: Überraschenderweise haben alle anderen Industrienationen die letzten 20 Jahre NICHT im Dornröschenschlaf verbracht! Die haben schon Wärmepumpen, stabiles landesweites superschnelles Handynetz, Digitalisierung, KI. Die können effiziente, günstige E-Autos, Klugtelefone und Computer bauen. Die haben einsatzfähige Armeen und investieren massiv in Green Energy.

Wir haben dagegen unseren Fetisch Wachstumsbremse und ein so verrottetes Land, daß es GenZ und GenAlpha ein Vielfaches der jetzt vermiedenen Schulden kosten wird, auch nur ansatzweise zu den anderen Ländern aufzuholen. Natürlich nur vorausgesetzt, es wird überhaupt gewollt. Dafür müsste der Urnenpöbel aber auf Rot und Grün setzen, was aber offenkundig nicht der Fall ist. Die Jungen wählen gar nicht erst.

Wieder wird auf die ewig-gestrigen Zukunftsnegierer gesetzt. CDU, CSU, BSW, AfD, FDP und FW kommen zusammen aus ¾ der Stimmen. Der Souverän mutiert zum Un-Souverän; lässt sich einlullen. Wir brauchen keine Klimaschutzpolitik, keine E-Autos, keine Investitionen. Es kann alles bleiben wie es ist. Wir reaktivieren einfach die Technologie, die fast 100 Jahre alt ist: Verbrenner, Atomkraft, Fax, Ölheizung.

China hat jetzt schon gewonnen. Mit dem vermerzten und versöderten Wahlvolk wird Deutschlands finaler Abstieg garantiert. Mit den Ansichten des 70-Jährigen Polit-Laien Merz, der über NULL Regierungserfahrung verfügt, sind wir auf dem globalen Markt verloren.

Antonin Bergeaud, Professor an der École des hautes études commerciales (HEC) Paris, ist Spezialist für das Thema „Produktivität“, führt in der aktuellen SZ aus:

[….] Deutschlands Automobilbranche war lange Zeit ein Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft, aber ihre Abhängigkeit von Verbrennungsmotoren ist zur Bürde geworden[….]  Unsere Industrieproduktion ist strukturell auf Technologien ausgerichtet, die langsam obsolet werden. Das hat uns über die Jahre Wettbewerbsfähigkeit gekostet. [….] Wir müssen verstehen, dass wir verglichen mit den USA immer ärmer werden und China uns überholt. Betrachtet man die Gesamtproduktivität, ist die Kluft zwischen Europa und den USA frappierend. [….] Wir dachten, dass Europäer weniger Stunden arbeiten und dennoch produktiver sein könnten als die Amerikaner. Doch in den 1990er-Jahren begann sich das zu ändern. Die USA vollzogen den Wandel zur digitalen Wirtschaft, indem sie IT, Software und das Internet in einem Ausmaß und Tempo einsetzten, das Europa nicht erreichte. Die digitale Transformation schuf völlig neue Industrien und steigerte die Produktivität in den USA erheblich, während Europa zurückblieb. [….] [….] Eine Lösung besteht darin, öffentliche Mittel für Forschung und Entwicklung gezielt auf Programme umzulenken, die die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Universitäten fördern. Derzeit wird ein Großteil der öffentlichen Mittel als breite Steuervergünstigungen verteilt, die nicht immer zu sinnvollen Innovationen führen. Indem man Unternehmen verpflichtet, mit akademischen Einrichtungen zusammenzuarbeiten, kann sichergestellt werden, dass öffentliche Gelder für hochwertige Projekte verwendet werden. Außerdem brauchen wir einen echten Binnenmarkt für Branchen wie Telekommunikation – und auch zum Beispiel für das Bankwesen. [….] [….] Und schließlich ist da noch das Problem mit dem „Brain-Drain“. Viele talentierte europäische Forscher und Gründer wandern in die USA oder nach China ab. Gleichzeitig wird das private Geld der Europäer, also die Ersparnisse der Bürger, oft in amerikanische Tech-Firmen investiert, was deren Wachstum weiter ankurbelt, während europäische Firmen unterfinanziert bleiben.

[….] Ich weiß, dass ich pessimistisch klinge, weil es auch Grund dazu gibt. Aber es gibt immer noch viel Potenzial in Europa. Wir müssen akzeptieren, was gerade passiert, und kluge Entscheidungen für die Zukunft treffen. Es ist nicht zu spät. Europa ist nicht dem Untergang geweiht.  [….]

(Antonin Bergeaud, 08.12.2024)

Deutschland steigt ab, weil der Urnenpöbel zu doof ist, um zu durchschauen, auf welchem Holzweg sich die Braunen, Blauen, Schwarzen und Gelben befinden.

Er will Friedrich Merz als nächsten Kanzler. Einen Geronten, der sich ausgerechnet an Trumps Irrsinns-Ideen orientiert. Klima- und wissenschaftsfeindliche Ideologien mit der CDU und FDP:

[….] Es ist ein spätsommerlicher Morgen in der Eventlocation „Alte Münze“ in Berlin-Mitte, der erahnen lässt, wie führende marktradikale Ökonomen und Klimaleugner aus den USA und Deutschland an einer neuen globalen Klima- und Energiepolitik basteln wollen. Wortwörtlich.  An diesem Tag haben das liberale Prometheus Institut und einer dessen Gründer, Frank Schäffler, zu einer Veranstaltung geladen, die sie selbst als „Gipfeltreffen der Freiheit“ bezeichnen. Schäffler ist FDP-Politiker und bekennender Klimaskeptiker. [….] CORRECTIV hat Geldflüsse verfolgt, ist politischen und wirtschaftlichen Verbindungen nachgegangen, die von den USA über Ungarn bis hinein in die Spitzenpositionen der deutschen Politik reichen. Das Ergebnis: In Deutschland gehört zu diesem Netzwerk nicht nur das Prometheus Institut von Frank Schäffler. Auch CDU-nahe Verbände, wirtschaftsliberale Institutionen wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und Politiker der FDP und CDU sind eng mit umstrittenen Organisationen in den USA verbandelt – einige profitieren offenbar auch finanziell. [….] Die Wahlsiege von Milei und Trump beflügeln den Schulterschluss von rechtskonservativen und liberalen Denkfabriken in den USA und Deutschland, Politikern und Lobbyisten der Großindustrie. Diese fühlen sich darin bestärkt, ihre Agenda politisch durchzusetzen. Sie wollen staatliche Maßnahmen wie Sozialhilfen, Krankenkassen und Gesetze zum Klimaschutz möglichst klein halten. Deshalb loben Trump und Lindner den Argentinier gleichermaßen. 

 [….] Viele stehen der FDP und, wie unsere Recherche zeigt, zunehmend auch der CDU nahe. [….] Die Ziele der häufig reinen Männerzirkel: Sie fordern einen ungebremsten Markt. Und wenden sich gegen schnell wirksame, klimapolitische Maßnahmen wie ein Verbrenner-Verkaufsverbot, ein Tempolimit oder einen Ausstieg aus Gas und Kohle. [….] Wie deutsche Organisationen von ihren Verbindungen zu den umstrittenen Verbänden in die USA profitieren, zeigt das Beispiel Prometheus Institut: Für eines seiner Programme hat das Institut über 250.000 Dollar von der US-amerikanischen Templeton Foundation bekommen. [….] Geld von der Templeton Foundation fließt auch an ein US-amerikanisches Netzwerk, das internationale Klimaleugner unterstützt: zuletzt zahlte sie mehr als zwei Millionen Dollar an das Atlas-Netzwerk und seine Partner. [….] Das Atlas-Netzwerk ist ein Dachverband für nach eigenen Angaben mehr als 600 libertäre und neoliberale Denkfabriken weltweit. Dazu gehören Thinktanks, die den Klimawandel leugnen: etwa das Cato Institute [….]  Die Klimaskepsis kommt nicht von ungefähr. Atlas erhielt laut Recherchen von Nichtregierungsorganisationen Geld aus dem Donors Trust und finanzierte sich über viele Jahre aus der amerikanischen, fossilen Großindustrie wie  ExxonMobile und den Koch Brothers. [….] Diese Wut gegen NGOs wie Fridays for Future oder die Letzte Generation äußern oder verbreiten Mitglieder des Atlas-Netzwerks schon viele Jahre. [….] [….] Zu diesem Zirkel gehört auch Lars Feld, Chefberater von Christian Lindner und Sprecher des Kronberger Kreises, eines Beirats des Lobbyvereins Stiftung Marktwirtschaft. [….]

 [….] Auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), ist – wenig überraschend – ebenfalls keine Unbekannte im Atlas-Universum. Sie ist eine Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist. Das IW war als Partner bei Atlas gelistet. Die INSM ist eine weitere Denkfabrik, die den meisten noch von der harschen Kampagne gegen die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bekannt sein dürfte. [….] Und an dieser Stelle ist wieder ein Muster vieler neoliberaler Thinktanks zu erkennen: Ihre Nähe zur Industrie. Die INSM wird finanziert von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie, also der Autoindustrie, an ihrer Spitze steht der Christdemokrat Thorsten Alsleben, der früher Geschäftsführer der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU war. [….] Ein Teil der CDU/CSU kokettiert mit einem weiteren US-amerikanischen marktradikalen Institut: Der Heritage Foundation. Jenem Institut also, welches das sogenannte „Project 2025“ verfasste. [….]  Über den Berliner Thinktank The Republic, ergibt sich eine Nähe der Union zur Heritage Foundation. Auf einem Event von The Republic im September sprach die Kampagnenmanagerin der CDU, Christine Carboni. [….] Aber wer verbirgt sich hinter The Republic, dem Verband, dem viele zutrauen, die Politik von CDU und Friedrich Merz weiter nach rechts zu ziehen, weg von Klimazielenund Erneuerbaren Energien? Der Verband, auf dessen Website Klimaaktivisten als „skrupellos“  und „übergeschnappt“ bezeichnet werden. An seiner Spitze steht der CSUler Armin Petschner-Multari. Er freue sich sehr über die enge Partnerschaft mit der Heritage-Foundation, sagte dieser gegenüber CORRECTIV bereits im September. Der transatlantische Austausch stehe für The Republic im Fokus. Und CDU-Chef Friedrich Merz unterstützt die neue Denkfabrik offenbar. Er wünsche den Initiatoren „viel Erfolg“, sagte er gegenüber dem Handelsblatt. [….]

(Annika Joeres, Elena Kolb, Katarina Huth, Corr. 06. Dezember 2024)

Samstag, 7. Dezember 2024

Zeitlupeneskalation

In meinem Greisenalter hat man diese alten Freunde aus Schulzeiten, bei denen man sich nur einmal im Jahr zum Geburtstag meldet, gemeinsam kurz durchdekliniert, ob es in den vergangenen 12 Monaten private Veränderungen gab und schließlich seinem Pessimismus über die Lage der Welt freien Lauf lässt. Nirgends sind Hoffnungsschimmer zu erkennen, ständig kommen neue, unlösbare Dramen hinzu, man hat das Vertrauen in die Wähler und die Problemlösungskompetenz der politischen Generation verloren. Man wird beim Gedanken an GenZ und GenAlpha noch frustrierter. Nicht belastbar, hedonistisch, eskapistisch, ungebildet, unkonzentriert, oberflächlich ist die Jugend.

Spätestens an diesem Punkt kommt die Frage auf, ob diese Perspektive der typische altersentsprechende Kulturpessimismus ist.
Haben nicht unsere Eltern genauso gedacht, als wir Teenager waren und erst aus dem Haus gingen, nachdem wir uns eine Dose Gard-Extrastarkfestigend in die Haare gesprüht hatten und Neue Deutsche Welle hörten? Da-da-da-ich-lieb-dich-nicht-du-liebst-mich-nicht-da-da-da war offenkundig auch keine Sternstunde deutscher Hochkultur. Als wir plötzlich alles als „geil“ bezeichneten?

Oder ist der pessimistische Blick meiner Generation im Jahr 2024 fundamental anders, als vor vier Dekaden?

Die Antwort lautet: Beides!

Jugendmoden, Jugendsprache, jugendlicher Musikgeschmack haben die Vorgängergeneration meistens erschreckt und waren auch genauso gemeint: Abgrenzung zu den Eltern. Ob Elvis-Tollen in den 1950ern, Miniröcke in den 1960ern, Vokuhilas und Schlaghosen in den 1970er – vor meiner 80er Jahre Jugend gab es ähnlich schlimme modische Ausfälle, wie in den anschließenden Jahrzehnten, als ich mich vor Tattoos, Piercings, Deutsch-Repp, Vollbart in Kombination mit penibel enthaarten Körpern gruselte.

Ich darf heute verstört über die, in meinen Ohren, grausame Jugendsprache sein. Genau das möchte die Jugend. Deswegen spreche ich auch anders, als mein Opa.

Es gibt aber mindestens zwei Mega-Entwicklungen, die sich nicht mit dem üblichen Dekadenwandel erklären lassen. Einerseits Internet/Socialmedia und andererseits der Klimawandel. Das sind fundamentale Zeitenwenden, die meines Erachtens echten Pessimismus rechtfertigen, weil sie das Zusammenleben der Menschen zunehmend unmöglich machen. Beide sind unumkehrbar.

Menschen leben nun in ihren eigenen subjektiven Fake-Realitäten, werden daher immer radikaler, wenden sich von demokratischen, solidarischen Prinzipien ab, lassen sich manipulieren.

Die Flacherdler, Covidioten, Aluhüte, Trumpisten, AfD-Wähler, Klimawandelleugner, Chemtrailer, Reichsbürger, Identitären, Rechtsradikalen lassen sich nie mehr einfangen. Im Gegenteil, ungeniert springen CDUCSUFDP auf die Züge auf, rennen zu Hetzplattformen wie NIUS und füttern den anti-humanitären Extremismus.

Wie auch der Klimawandel , kommt die Socialmediasierung nicht überraschend. Davor wird seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten gewarnt; dringender Handlungsbedarf angemahnt. Aber anders als „zu meiner Zeit“, als dringend notwendige Kurswechsel, zwar auch lange Debatten und Kämpfe auslösten – aber am Ende auch erfolgreich vollzogen wurden, gehen wir heute rückwärts.

Die Kämpfe meiner Jugend hingegen gewann man meistens irgendwann: Verbot von bleihaltigem Benzin. Katalysatorpflicht. Weltweites FCKS-Verbot. Ende der Prügeljagd auf Robbenbabys. Ende der Delphinmorde beim Thunfischfang. Legalisierung von gleichgeschlechtlicher Liebe. Einführung von Airbags und Anschnallpflicht. Ausstieg aus der Atomkraft. Schengen-Freizügigkeit. Rauchverbote. Verbot von Dünnsäureverklappung in der Nordsee.

In all diesen Fällen waren auch erst Mehrheiten dagegen. Aber es gab noch die „Macht des Faktischen“. Es war möglich, mit Fakten zu argumentieren und so peu à peu immer mehr Leute ins Boot zu holen.

Das geht heute nicht mehr. Impfungen, Wärmepumpen, Elektroautos, Schluß mit Homöopathie als Kassenleistung, sind in Demokratien kaum noch umsetzbar, weil zu viele Bürger hermetisch abgeriegelt in ihren braunen Info-Blasen hocken und von Scharfmachern bei kleinsten Veränderungen ihrer Lebensgewohnheiten in die völlige Eskalation getrieben werden.

Der klassische Citoyen kann nur noch resigniert zugucken, wie die Orbáns, Trumps, Putins, Melonis, Merzens, Bibis übernehmen. Wie Klima- und Umweltschutz einfach abgeschafft werden.

Wir als Gesellschaft sehen achselzuckend zu, wie die Giga-Konflikte eskalieren. Syrien, Jemen, Sudan, Israel, Ukraine.

Wie die extremistischen Autokraten ihre Agenda durchprügeln. Wie die einst befriedeten Konflikte wieder aufreißen.

Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen. Was mich erschreckt, ist nicht die Zerstörungskraft der Bombe, sondern die Explosionskraft des menschlichen Herzens zum Bösen.

(Albert Einstein)

Die jungen Generationen sind zu schwach und zu müde, um sich dagegen zu stellen.

Und so schliddern wir langsam aber sicher in einen dritten Weltkrieg. Danach wird es duster.

[….] Russland kämpft in der Ukraine mit Waffen aus Iran und Soldaten aus Nordkorea. Peking unterstützt Moskau, und chinesische Schiffe zerstören EU-Infrastruktur in der Ostsee. In Europa fragt man sich, ob der Krieg nicht längst zu etwas Furchterregendem eskaliert ist. [….] Ist der Krieg in der Ukraine noch ein regionaler Konflikt, oder hat er sich nicht in Wahrheit längst zu einem Weltkrieg ausgewachsen, gemäß der historischen Nomenklatur dem Dritten? [….] Vielleicht sei es noch nicht ganz so weit, sagt ein Diplomat in Brüssel. „Aber man kann schon das Gefühl haben, zumindest in einer Art Vorkriegszeit zu leben. Als seien wir wieder in den Jahren 1912/13, als die Balkankriege stattgefunden haben“ – die Vorboten des großen europäischen Gemetzels, das dann 1914 begann. Das ist keine besonders erfreuliche Feststellung. [….] mit einem simplen Regionalkonflikt hat der Krieg auch nicht mehr viel zu tun. Die Front verläuft zwar im Osten der Ukraine, dort findet der Großteil des Tötens und Sterbens statt. Aber Kiew wird sowohl von der Nato als auch der EU umfassend militärisch und finanziell unterstützt. Das heißt: Gut dreißig Staaten aus Nordamerika und Europa – darunter die Atommächte USA, Frankreich und Großbritannien – sind auf ukrainischer Seite an dem Krieg beteiligt, sie liefern Ausrüstung, Waffen, Munition und geben Geld. Ohne diese Hilfe wären der ukrainische Staat und seine Armee längst kollabiert.

Auf der russischen Seite, die ebenfalls über jede Menge Atomwaffen verfügt, sieht es ähnlich aus. Moskau bekommt Militärdrohnen aus Iran und Artilleriegranaten aus Nordkorea, das dortige Regime hat zudem Tausende Soldaten an die Front bei Kursk geschickt. Am wichtigsten ist für Russland aber die Unterstützung durch China. Peking kauft Russland Rohstoffe ab, ermöglicht die Umgehung der westlichen Sanktionen und liefert selbst verbotene Güter. „Es ist völlig klar, dass Russland diesen Krieg ohne China so nicht führen könnte“, sagt ein europäischer Diplomat.

In der Ukraine habe es bisher zwar keine „vertikale Eskalation hin zu einem großen, nuklearen Dritten Weltkrieg gegeben“, sagt die Sicherheitsexpertin Minna Ålander von Finnish Institute of International Affairs in Helsinki. Aber es habe eine „schleichende horizontale Eskalation“ stattgefunden – immer mehr Länder sind verstrickt. Einen Grund dafür sieht Ålander darin, dass der Westen ein „falsches Eskalationsmanagement“ betrieben habe: Aus Angst vor Russlands Atomwaffen wurde die Ukraine zu zögerlich militärisch unterstützt, sodass andere Akteure wie China ermutigt worden seien, sich einzumischen. Der Ukrainekrieg sei damit vielleicht nicht der Dritte Weltkrieg, sagt Ålander, aber doch so etwas wie ein dritter Weltkrieg.

Es ist vor allem das Bündnis zwischen Moskau und Peking – ergänzt um die Helfershelfer Teheran und Pjöngjang –, die Kallas und Rutte meinen, wenn sie davon reden, der Ukrainekrieg sei „global“ geworden. [….]

(Hubert Wetzels, 07.12.2024)

Freitag, 6. Dezember 2024

Subjektive Fragen

Gestern erklärte Ellen Ehni im neuen Deutschlandtrend, was die Deutschen vor der nächsten Bundestagswahl am meisten bewegt. Im Vergleich zum September 2021, also ähnlich weit vor der damaligen Bundestagswahlen, gibt es zwei deutliche Unterschiede. Wirtschaft steht nun ganz oben auf der Agenda. Migration bleibt unverändert, aber Klima spielt kaum noch eine Rolle.

Offenkundig vermochten es Linocchio, Merz und Söder erfolgreich, dem Urnenpöbel einzureden, daß wir in einer schrecklichen ökonomischen Misere hocken, an der die Grünen Schuld sind. Den lästigen Klimaschutz brauchen wir hingegen nicht, weil ja laut Merz „morgen nun wirklich noch nicht die Welt untergeht“.

Der 96-Jährige, wahrlich nicht Grünen-freundliche Nadelstreifen-Sozialdemokrat Klaus von Dohnanyi ist da Meilen weiter.

[….] Dohnanyi: Die größten Gefahren für uns  Menschen drohen aus dem Klimawandel und seinen Folgen, nicht  von Putin. Mit Putin könnte man  über seine Sicht und seine Interessen verhandeln - mit dem Wetter  aber nicht! So müssten also auch  unsere Prioritäten ausgerichtet sein: Warum führen wir eine Debatte über die Erweiterung der Nato und nicht über den langfristigen Schutz Deutschlands vor den inzwischen unvermeidlichen Folgen des  Klimawandels? Zum Beispiel: Werden unsere Enkel in den großen Städten noch genug Wasser haben? 

Iken: Wenn die AfD noch stärker wird - halten dann die Brandmauern oder stürzen sie wie in Holland, Schweden oder Osterreich ein?

Dohnanyi: Das hoffe ich nicht. Aber ich fürchte, dass die doch sehr einfache Sicht der Union auf die Komplexität unserer Welt uns politisch nur weiter in eine gefährliche Sackgasse lenken könnte. Unsere größte Gefahr ist der Klimawandel. Der Union fehlt nach meiner Meinung der Mut, die Wahrheiten dieser politischen Dynamik, die heute unsere Welt bewegt, nüchtern anzuschauen und sich dieser Erkenntnis dann mit dem Maßstab deutscher Interessen zu stellen. Mich erinnert die heutige Union, die Generation nach Merkel, allzu sehr an die Union, der ich im Bundestag gegenübersaß, als sie Brandts Verhandlungs- und Entspannungspolitik verketzerte. Wie kurzsichtig war damals die Union - und wie kurzsichtig ist sie heute! Später nutzte nämlich Bundeskanzler Kohl dann diese „Vorarbeit“ von Willy Brandt übrigens sehr erfolgreich für die Wiedervereinigung. [….]

(HH Abla, 06.12.2024)

Nicht nur ist der Urnenpöbel offenkundig sehr manipulierbar – wie das irre US-Wahlergebnis vom 05.11.2024 zeigt.

Ich hadere auch immer mehr mit der Rolle der Demoskopen, die manipulative Fragen stellen und Themen vorgeben. Wenn ich mich durch die Civey-Umfragen klicke, werde ich fortwährend nach den mir wichtigsten politischen Themen gefragt. Es wäre zwar korrekt, wenn ich dort „Migration“ anklicke, aber ich tue es nie, weil natürlich klar ist, wie so ein Ergebnis interpretiert wird – in der Presse, in der Tagesschau und bei den Parteien:

 Der sorgt sich vor Zuwanderung, wir müssen die Grenzen schließen und härtere Asylpolitik durchsetzen. So erklären sich auch die rigorosen Töne des Bundeskanzlers, der meint, nur so überhaupt noch Wiederwahlchancen zu haben.

Tatsächlich meine ich aber das diametrale Gegenteil, wenn ich Migration als eins meiner wichtigsten Themen angebe: Ich sorge mich extrem um den rechtspopulistischen Missbrauch des Themas, halte die xenophobe Einwanderungspolitik für katastrophal falsch. Ich plädiere dringend für offene Grenzen! Der Humanismus und die deutsche Vergangenheit gebieten es, Schutzsuchende aufzunehmen, zumal deutsche Export-, Agrar- und Klimapolitik mitursächlich dafür ist, Fluchtursachen zu schaffen. Außerdem brauchen wir aus ökonomischen und demographischen Gründen dringend viel mehr Einwanderer.

Genauso werden Fragen nach Lindner oder Woelki missinterpretiert.


Nein, ich will nicht, daß Lügen-Lindner zurücktritt! Und zwar gerade eben NICHT, weil ich ihn schätze. Die Frage ist absolut missverständlich formuliert.

Ich würde "eindeutig richtig" ankreuzen, da ich darauf hoffe, daß Linocchio die FDP auf unter 5% steuert. Die FDP hat endgültig fertig und soll aus allen deutschen Parlamenten verschwinden. Da wäre ein neuer, womöglich sympathischer und überzeugender FDP-Spitzenkandidat sehr hinderlich!

Ich hasse die hepatitisgelbe Pest! Lindner ist für die FDP das, was Woelki für die katholische Kirche ist. Als Atheist wünsche ich mir auch, daß Woelki bleibt, um noch möglichst viele Gläubige zu vertreiben.

Wenn ich aber tatsächlich "eindeutig richtig" anklicke, legen Civey und Latrinen-Lindner mir das diametral falsch aus: Nämlich als Zustimmung zur Person Lindner. Als ob ich hoffen würde, eine Lindner-Kandidatur HELFE der FDP bei der kommenden Bundestagswahl. Ich hoffe aber, Lindner schadet den eitergelben Lügnern noch mehr.

Michael Schmidt-Salomon beklagte sich schon vor Jahren, daß seine Bücher in Buchhandlungen unter „Religion“ einsortiert werden, daß die Bertelsmannstiftung aus der Bejahung der Frage, ob man sich für Religion interessiere, den Schluß ziehe, man sei gläubig, beklage den Bedeutungsverlust der Kirchen, habe spirituelle Bedürfnisse.

Ich erlebe das in abgewandelter Form immer mal wieder, wenn ein Heizungsableser oder Getränkelieferant in meine Wohnung kommt und eine ganze Bücherwand voller Theologie, sowie eine Sammlung kitschiger Jesus- und Papst-Figuren sieht: „Ach, sie sind wohl sehr religiös!?“

Nein. Verdammt! Religiös sind diejenigen, die sich eben nicht intensiver mit religiöser Ideologie und der Kriminalgeschichte der Kirche beschäftigen. Unwissenheit macht gläubig. Ich aber weiß so viel über Religion, interessiere mich so sehr für das Thema, daß ich selbstverständlich Atheist bin.

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Linnemann im Merz-Stress

Für die Nazi-Schwurbler à la David Berger ist es auch nicht leicht. Da wettert er drei Jahre lang mit den abstrusesten antisemitischen Aluhut-Theorien gehen die Ampel, freut sich wie ein Meth-König, als diese endlich platzt und muss entsetzt feststellen, daß mutmaßlich doch nicht sein Held Bernd Höcke Reichskanzler des Vierten Reiches wird. Als zweitschönste Zukunft hatte er sich den grünophoben Antiausländerhetzer Merz als Bundeskanzler vorgestellt. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich so eintreten, aber mit minimaler Wahrscheinlichkeit für eine CDUCSU-Alleinregierung oder einer AfD-Koalition.

Sogar Merz begreift, daß er wohl mit Sozis oder Grünen an seiner Seite regieren muss und blinkt daher neuerdings grün. Die braun-alternativen Hetzblogs sind schwer genervt.

[……] „Merz schließt Habeck als Wirtschaftsminister nicht aus“, titelt die „Bild“. [….] Auch jene, die angesichts halbstarker Ankündigungen von Söder noch auf das Veto aus Bayern hoffen, desillusionierte Merz mit einigen wenigen Worten: Söder „habe sich in den vergangenen Tagen sehr viel differenzierter geäußert“, so Merz. Was ganz konkret heißt, dass auch er auf den Kurs von Merz einschwenken wird und alles andere derzeit nur Wahlkampfgetöse für die klassischen CSU-Wähler ist. Die sollen treudoof glauben, dass die Partei, die sie wählen, noch irgendetwas mit den goldenen Zeiten eines Franz Josef Strauß zu tun hat.  Auch inhaltlich zeigt sich Merz ganz d’accord mit den verhängnisvollen Entscheidungen eines Robert Habeck. So etwa bei dessen Zerstörungsplänen für Hauseigentümer über völlig sinnbefreite Klimaschutzmaßnahmen: Auch eine Regierung mit ihm als Bundeskanzler „wird das Aus für Öl- und Gasheizungen bedeuten“, versicherte er. […..]

(David Berger, PP, 05.12.2024)

Fast unnötig zu erwähnen: Der PP-Text ist gespickt mit Lügen. Natürlich zetert und pöbelt Markus Söder vor Entsetzen. Das angeblich nie erfolgende Veto aus Bayern, kam umgehend.

[…..] Angesprochen auf Söder erklärte Merz, dass dieser sich zuletzt ja deutlich differenzierter ausgesprochen habe. Es also auch für Söder gar nicht ausgeschlossen ist, mit den Grünen zu koalieren? Da hat Merz den Plan scheinbar ohne den CSU-Chef gemacht, denn der feuerte am Donnerstag, 5. Dezember, dagegen. In einem Video auf Instagram erklärte er: „Robert Habeck kann keine Wirtschaftspolitik. Warum sollen die Grünen, warum soll Robert Habeck weiter in der Regierung bleiben? Mit der CSU gibt's kein Schwarz-Grün, kein Robert Habeck mehr als Wirtschaftsminister.“

Merz spricht Söder in dem Video mit keinem Wort an. Doch die Botschaft ist klar: Sagte der CDU-Kanzlerkandidat am Vorabend noch, dass Schwarz-Grün als Koalition und Habeck als Wirtschaftsminister nicht ausgeschlossen seien, gab Söder das Gegenteil für die CSU vor. Wer setzt sich da durch? Vor Kurzem war Söder bei der ARD-Sendung Caren Miosga und stellte nüchtern fest: „Ohne mich gibt es keine Regierung.“   [….]

(Merkur, 05.12.2024)

Ich frage mich, ob die infinitesimal winzige Chance für Olaf Scholz, Merz doch noch zu schlagen, gerade etwas realer wird.

Der CDUCSU-Kanzlerkandidat laschetet sich genauso verblödet durch den Wahlkampf, wie ich es gestern an einem halben Dutzend Beispielen zeigte.

Es ist DER Signature-Move des Friedrich Merz, irgendetwas öffentlich in großer Emphase zu behaupten, nur um anschließend viel Zeit darauf zu verwenden, alles umzuinterpretieren. Hinterher will er es immer nicht so gemeint haben, wie er es alle verstanden haben.

·        Die Grünen ließ er erst als „Hauptgegner“ verdammen; nun sind sie seine Wunschkoalitionspartner.

·        Er bauschte die Schuldenbremse zum unantastbaren Popanz auf, verklagte die Bundesregierung, dagegen zu verstoßen, nur um sie jetzt beiläufig „reformieren“ zu wollen.

·        Vor 25 Jahren kämpfte er für die Straffreiheit von Vergewaltigung in der Ehe; jetzt läßt er verkünden, ganz anders abzustimmen.

·        Vor einem Jahr lehnte er Wärmepumpen in Bausch und Bogen ab; mutierte über Nacht zum Fan und beklagte im Juni 2024 urplötzlich, es würden viel zu wenig Wärmepumpen eingebaut.

·        Zeit seines Lebens lehnte er die „Homo-Ehe“ ab, stimmte immer dagegen; nun will er sie bestehen lassen.

Seine Unverlässlichkeit ist ein Merzsches Muster.

Merz hat keine Kontrolle über sein Mundwerk; ist unfähig sich klar auszudrücken. Nach jedem TV-Auftritt müssen seine CDU-Unterlinge ausschwärmen, um den Merzschen Unsinn wieder einzufangen.

Tags zuvor war es noch Merzens Lüge über das Ultimatum an Putin, das er nie gestellt haben will, obwohl er genau das sehr wohl nachdrücklich zweimal im Bundestag tat.

Keine 24 Stunden später verkündete er, Habeck könne sein Wirtschaftsminister werden, nur um kurz danach, genau das wieder dementieren zu lassen. Sein Homunculus Carsten Lügemann wird den Tag verfluchen, als er zustimmte, CDU-Generalsekretär zu werden.

[…] Der CDU ist in einem Wahlkampfspot zur anstehenden Bundestagswahl offenbar eine Panne unterlaufen. Unter dem Slogan "Deutschland wieder nach vorne" veröffentlichte die Partei am Dienstag auf ihrem Youtube-Kanal einen Clip, in dem neben deutschen Landschaften auch ein dänischer See zu sehen ist. Auch bei den gezeigten Komparsen handelt es sich laut Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) um ausländische Darsteller.

Zu Beginn des Clips sieht man neben Kanzlerkandidat Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann Landschaften in Sachsen und westdeutsche Städte. Auch der Berliner Reichstag ist zu sehen. Bei Sekunde 53 fliegt die Kamera über den Boden einer Holzterrasse auf einen See zu - doch dieser liegt nicht in Deutschland. Nach Angaben der FAZ ist die Szene seit Längerem auf einer dänischen Webseite zur Eigentumsteilung von Ferienhäusern zu sehen. […] Zudem sollen zwei der in dem CDU-Video gezeigten Komparsen, ein Junge mit dicker Randbrille und eine Frau mit Mond-Tattoo, aus den USA sein. […] Es ist nicht das erste Mal, dass der CDU in einem Video ein Fauxpas unterläuft. Im September vergangenen Jahres veröffentlichten die Christdemokraten einen Clip, in dem statt des Reichstagsgebäudes der ehemalige georgische Präsidentenpalast in Tiflis zu sehen ist. […]

(NTV, 30.11.2014)

Wenn er nicht gerade Pannenvideos mit georgischen Palastkuppeln oder dänischen Landschaften verzapft, die er als Deutschland ausgibt, muss er regelrecht rotieren, um all das richtigzustellen, was sein plappermäuliger Chef wieder einmal rausgehauen hat.

[….] CDU-Wackelkurs: Linnemann relativiert erneut Merz-Aussagen über Zusammenarbeit mit den Grünen[…] CDU-Chef Friedrich Merz zeigte sich neulich im Hinblick auf die Schuldenbremse gesprächsbereit und schloss sogar nicht aus, dass Robert Habeck (Grüne) in einer künftigen Koalition unter Beteiligung der Union wieder als Wirtschaftsminister fungieren könnte. Nun hat CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann die Aussagen des Parteichefs relativiert. »Mit diesen Grünen können wir gar nicht regieren«, antwortete er auf eine Frage des Senders Welt TV  über Merz’ Aussagen. »Und das sagt auch Friedrich Merz«, fügte er hinzu. […] Bemerkenswert waren auch Merz’ Aussagen über Wirtschaftsminister und Grünen-Kanzlerkandidat Habeck. »Wir brauchen vor allem in der Wirtschaftspolitik einen Politikwechsel, mit oder ohne Habeck«, hatte Merz gesagt. Ob das mit dem derzeitigen Minister möglich sei, müsse »Habeck entscheiden, wenn er noch dabei ist«.

Linnemann griff Habeck dagegen scharf an: »Die Wirtschaftspolitik von Robert Habeck führt dazu, dass niemand in Deutschland mehr investiert«, sagte er. »Es ist ein ziemlicher Wahnsinn, was Habeck angerichtet hat«, fügte Linnemann hinzu. Habeck sei dafür verantwortlich, dass Deutschland in der Rezession stecke. Es ist nicht das erste Mal, dass Merz sich rhetorisch den Grünen annähert und Linnemann die Aussagen relativiert. Bereits im Mai hatte der Generalsekretär eine künftige Koalition mit den Grünen ausgeschlossen, nachdem Parteichef Merz dies ins Spiel gebracht hatte. […]

(SPON, 05.12.2024)

Ich finde es sehr nett von Friedrich Merz, daß er unfreiwillig Olaf Scholz so eifrig hilft, Bundeskanzler zu bleiben.

Im Konrad-Adenauerhaus finden sie es nicht so lustig und basteln vermutlich schon an einem Maulkorb für ihren Kandidaten. Man darf Merz einfach nicht allein rauslassen.