Donnerstag, 23. November 2023

Rechte Perspektiven

Den Presseclub, bzw die Ausweichsendung „internationaler Frühschoppen“ sollte man Sonntagabend zur Primetime zeigen und dafür „Anne Will“ mittags um 12.03 Uhr, wenn niemand einschaltet.

Der Informationsgehalt der Runde mit den Fachjournalisten ist erheblich höher, als die mit den Parteipolitikern.

Zudem ist Anne Will leider eine sagenhaft schlechte Moderatorin, die völlig unabhängig vom Inhalt des Gesagten in vorgegebener Reihenfolge jeden mal dran nimmt, sich aber nicht für die Antworten interessiert.

Die Presseclub-Moderatoren Ellen Ehni und insbesondere Susan Link sind viel besser informiert, ordnen thematisch.

Unglücklicherweise teilen sie sich die Moderation mit ihrem Chef Jörg Schönenborn, dem Programmdirektor des WDR. Ihm fällt es sichtlich schwer, seine persönlichen erzkonservativen Ansichten zu unterdrücken.

Da müssen die Gäste oder das Thema schon außerordentlich interessant sein, um sich die Sendung anzusehen, wenn er moderiert.

Am 12.11.2023 leitete er den Presseclub zum Thema „Kurswechsel in der Asylpolitik“ und hatte die ebenfalls erzkonservativen Herren Ulrich Reitz, Chefkorrespondent beim rechtspopulistischen „Focus online“ und Gordon Repinski, designierter Deutschland-Chef bei SPRINGERS „Politico“, geladen. Normalerweise möchte man sich das nicht antun, aber als Gegengewichte fungierten taz-Korrespondentin Dinah Riese und die von mir höchstgeschätzte Ärztin und Politikwissenschaftlerin Gilda Sahebi.

Offensichtlich fürchtete Schönenborn die Kraft der Argumente und deckte die Runde a priori mit düsteren Zahlen der xenophoben Stimmung in der Bevölkerung ein. Eine überwältigende Mehrheit der Bundesbürger wünsche sich, die Migranten loszuwerden und so schuf er als Diskussionsgrundlage einen Konsens gegen Flüchtlinge. Es ging nur um Maßnahmen, der Abschreckung, Vertreibung, Grenzschließungen, Drangsalierung, Härte und Grausamkeit.

Daß Migranten möglicherweise gute Gründe haben zu fliehen, daß Deutschland für die Fluchtgründe Mitverantwortung trägt, daß wir ein Grundgesetz haben, daß wir Menschenwürde achten sollten und daß wir schließlich auch dringend Zuwanderung brauchen, sollte gar nicht erst erwähnt werden, um die geifernden AfD-Zuschauer, die sich in den Kommentarspalten austobten, nicht zu verwirren.

Alle Deutschen sind gegen Ausländer, alle Parteien sind gegen Ausländern und alle Ebenen, von Kommunal bis EU, sind gegen Ausländer. Wir sind alle überfordert und können den Ansturm nicht bewältigen. Das war der Rahmen, den Schönenborn zwischen BILD und AfD absteckte.

Die Herren wiesen vor Empörung schnaubend immer wieder auf die Kommunen hin. Anders als die nach Wokistan abgedrifteten Ampelspitzen, leisteten die Landräte und Provinzbürgermeister die eigentliche Integrationsarbeit und sie könnten schlicht nicht mehr. Die Bundespolitik müsse nun endlich auch die Warnungen der Basis, also der Kommunalpolitiker hören, denn sonst marschiere die AfD bei den nächsten Wahlen zur absoluten Mehrheit.

Bedauerlicherweise schlägt dieses, die AfD legitimierenden Narrativ, tatsächlich Wurzeln bei den linkeren und liberaleren Parteien. Alle fürchten sich so sehr vor dem Groll der Wähler, daß sie gar nicht erst Argumente und Fakten einbringen, sondern in vorauseilendem Gehorsam die Politik umsetzen wollen, die von den „HAUT AB“-grölenden ungewaschenenen Wutbürgern auf Ossistans Straßen gefordert wird.

Sahebi und Riese hatten es schwer durchzudringen.

Den Drittstaatenweg über Ruanda, wie ihn Großbritannien gehe, priesen Repinski und Reitz als Königsweg. Dann würden sich viele Flüchtlinge gar nicht auf den Weg machen, wenn sie damit rechnen müssten, in Ruanda festzusitzen. Die Damen mahnten an, die Methode sei mutmaßlich illegal, dazu entscheide der britische Highcourt erst noch. Aber über solche Einwände konnten R&R nur verächtlich lachen; das Gericht werde das Sunaksche Vorhaben schon erlauben.

Drei Tage nach der Ausstrahlung der Sendung sollten Sahebi und Riese Recht behalten; der Oberste Gerichtshof in London erklärte die Ruanda-Regelung für illegal.

Das Framing als „irreguläre“ oder ,“unkontrollierte“ Migration ist gesetzt.

Dabei ist es gerade die grausame Abschottungspolitik, die gar keine legale Möglichkeit offen lässt, legal in Deutschland Asyl zu beantragen; die um ihr Leben laufende Menschen zwingt auf „irreguläre“ Schlepper zurück zu greifen.

Taz-Frau Riese erwähnte, die Afghanen, denen Deutschland versprochen hatte hierher zu kommen, weil sie nun von den Tailban ermordet werden, nachdem sie der deutschen Bundeswehr geholfen hatten. Nur 14 wurden tatsächlich aufgenommen.

Annalena Baerbock sollte sich in Grund und Boden schämen, weil sie alle ihre Versprechen gebrochen hat.

[…..] Rund ein Jahr nach dem Start des Bundesaufnahmeprogramms warten immer noch Tausende gefährdete Afghanen auf ihre Ausreise nach Deutschland. Nach der Rückkehr der Taliban wollte Deutschland 1000 Menschen pro Monat die Flucht auf diesem Weg ermöglichen. Bisher sind allerdings nur 14 Menschen über das Bundesaufnahmeprogramm in Deutschland angekommen. Hilfsorganisationen berichten von chaotischen Zuständen und einer überforderten deutschen Bürokratie.

[…..] Annalena Baerbock (B'90/Grüne), Bundesaußenministerin, 23.12.2021: "Sie sind nicht vergessen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle in Sicherheit zu bringen." […..] Das Ziel der Bundesregierung, im Monat rund 1.000 besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen aufzunehmen. Jetzt, nach einem Jahr, hätten mit dem Bundesaufnahmeprogramm somit rund 12.000 Menschen aus Afghanistan nach Deutschland kommen sollen. Tatsächlich darüber eingereist sind bis heute gerade einmal 14. […..] Tatsächlich aber hätten sich mehrere zehntausend Menschen für das Programm gemeldet, berichten verschiedene Hilfsorganisationen. […..]

Clara Bünger (Die Linke), Bundestagsabgeordnete: "Zum einen müsste erst mal der politische Wille dafür tatsächlich da sein, dass man Menschen aus Afghanistan aufnehmen möchte. Ich sehe zwar nette Worte von Politikerinnen, aber ich sehe kein politisches Handeln, kein tatsächliches Handeln im politischen Bereich, dieses Aufnahmeprogramm auch wirklich umzusetzen, das ist das eine. Das andere ist, dass wir natürlich im letzten Jahr sehr viele bürokratische Hürden auch hatten bei der Etablierung des Programms."

Bürokratische Hürden, die auch Maryam Mozaffari überwinden muss. Warten, hoffen, bangen, das alles mache sie krank. Die Aussichten, dass sie es bald nach Deutschland schafft sind gering. Der Weg dahin – ein bürokratischer Marathon, an dem zahlreiche Bundesbehörden beteiligt sind: Sie muss eine Hilfsanfrage bei einer ausgewählten NGO stellen, es folgt dort erst einmal eine Überprüfung. Ein aufwändiger Fragebogen geht an die Koordinierungsstelle im Auftrag des Bundesinnenministeriums. Wieder wird geprüft. Dann eine Auswahlrunde deutscher Behörden, Innenministerium, Außenministerium. Es folgt eine Dokumentenprüfung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dann braucht sie ein Visum für Pakistan und einen Termin beim Deutschen Konsulat in Islamabad, mit langen Wartezeiten. Dort überprüfen deutsche Sicherheitsbehörden noch einmal. Und erst dann vielleicht wird ein Visum erteilt, wenn es so weit kommt. […..]

(Monitor, 02.11.2023)

Ähnlich verzerrt auch die Schönenbornsche Darstellung der totalen Überforderung aller Kommunen mit den Flüchtlingen.

Tatsächlich gibt es Städte und Gemeinden, die sehr gut mit den Flüchtlingen zusammenarbeiten, die froh sind Fachkräfte und Neubürger zu bekommen. Aber diejenigen, die sich um Migranten kümmern sind nicht laut und auffällig. Dort, wo Integration funktioniert, brennen keine Unterkünfte. Es ziehen keine AfD-Gröl-Mobs durch die Straßen. Diese Beispiele werden von Rechtspopulisten wie Merz und Spahn und Söder nie erwähnt. Monitor nennt einige, insbesondere von CDU-Bürgermeistern verantwortete positive Fälle.

Diese Berichte kommen zwar aus seinem eigenen WDR-Haus, aber davon will Schönenborn offenkundig nichts wissen. Das passt nicht in sein Ausländer-Raus-Narrativ.

[….]  Seit Monaten beklagen Städte, Landkreise und Gemeinden in Deutschland eine massive Überforderung bei der Aufnahme von Geflüchteten. Aber es gibt einige Kommunen in Deutschland, die mit den steigenden Zahlen von Geflüchteten erstaunlich gut klarkommen – sei es bei der Verteilung von Wohnraum oder der Integration in den Arbeitsmarkt. Was machen diese Städte anders? Ist die Überlastung vielerorts hausgemacht?

Georg Restle: "Plötzlich ist allerorten von Überforderung die Rede, von Kommunen vor allem, die alle längst über dem Limit seien. Dass das so nicht stimmt, darüber hatten wir in unserer letzten MONITOR-Ausgabe berichtet. Über eine kleinere Gemeinde in Oberbayern, die mit den steigenden Zahlen von Geflüchteten erstaunlich gut klarkommt. Darauf gab es jede Menge Reaktionen. Das sei ja wohl nur ein Einzelfall, nach dem wir lange gesucht hätten. Deshalb haben wir uns entschieden, nochmal loszuziehen und zu schauen, ob es da nicht doch noch weitere Positivbeispiele gibt.  Und so viel kann ich Ihnen schon verraten, lange suchen mussten wir nicht. Herbert Kordes, Lutz Polanz und Julius Baumeister." […..]

(Monitor, 02.11.2023)

In das Schönenbornsche Ausländer-Raus-Narrativ passen weder gelungene Integration, noch die dringende Notwendigkeit von Zuwanderung nach Deutschland, noch der Hinweis, wieso es ein Asylgrundrecht in Deutschland gibt.

Es waren die grausamen Erfahrungen des mörderischen deutschen Antisemitismus, der zwischen 1933 und 1945 viele Millionen Deutschen – Juden, Sozialdemokraten, Regimegegner, Sinti, Kommunisten, Roma, Schwule, Menschenrechtler, Gewerkschaftler – das Leben kostete. Sie hatten schon deswegen keine Möglichkeit ihr Leben zu retten, weil niemand sie aufnehmen wollte.

Deswegen schufen die Väter des Grundgesetzes das Asylrecht. Damit Menschen, die in durch ihre eigene mörderische Regierung bedroht werden, legal zu uns kommen dürfen. Das ist keine Kleinigkeit, die Merz, Weidel und Co nun mit einem Federstrich wegwischen wollen.

Mittwoch, 22. November 2023

Die gelbe Pest in Lyse

Vor genau sechs Jahren, am 20.11.2017 hatte der intellektuelle und finanzielle Pleitier Christian Lindner einen lichten Moment. 

[…..] Nach Wochen liegt aber heute unverändert ein Papier mit zahllosen Widersprüchen, offenen Fragen und Zielkonflikten vor. Und dort, wo es Übereinkünfte gibt, sind diese Übereinkünfte erkauft mit viel Geld der Bürger oder mit Formelkompromissen. Wir haben gelernt, dass auch durchaus gravierende Unterschiede zwischen CDU und CSU und FDP überbrückbar gewesen wären. Da ist wieder auch eine neue politische Nähe, auch menschliche Nähe, gewachsen. Aber am heutigen Tag wurde keine Bewegung, keine neue Bewegung, keine weitere Bewegung, erreicht, sondern es wurden Rückschritte gemacht, weil auch erzielte Kompromisslinien noch einmal in Frage gestellt worden sind. Es hat sich gezeigt, dass die vier Gesprächspartner keine gemeinsame Vorstellung von der Modernisierung unseres Landes und vor allen Dingen keine gemeinsame Vertrauensbasis entwickeln konnten.  [….] Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Auf Wiedersehen. […]

(Christian Lindner, 20.11.2017)

Lindners Urinstinkt, immer schnell weglaufen, wenn es Probleme gibt und sich bloß niemals der Verantwortung stellen, ersparte Deutschland Jamaika.

Der FDP-Vorsitzende weiß immerhin tief ins sich drin, daß er nichts kann und weder er, noch seine unfähigen Parteifreunde jemals Ministerämter übernehmen dürfen. Diesen strukturellen Mangel überkompensiert der Porsche-Lobbyist aber mit aufgeblasenem Großsprech, welches 2021 unglücklicherweise so viel Urnenpöbel für die FDP stimmten ließ, daß es außer einer Scholz-Laschet-Groko, die schon wegen der rapiden Zerfallserscheinungen der Post-Merkel-CDU ausgeschlossen war, keine Kanzlermehrheit neben der FDP geben konnte.

So wurde die Ampel a priori mit der gelben destruktiven Verhinderer-Partei belastet, die nahezu jede notwendige zukunftsweisende Politik unmöglich macht. Die FDP sagt immer NEIN, wenn Rot und Grün etwas richtig machen möchten (Bürgerversicherung, Reichensteuer, Tempolimit, etc) und es liegt in der Natur des generellen Lindner-Unvermögens, daß erstmals in der Geschichte des Bundesrepublik das Bundesverfassungsgericht den laufenden Haushalt eines Finanzminister stoppte.

[….] Es kann gar nicht oft genug betont werden: Die Ampel hat ein politisches Problem, kein rechtliches. Es wäre möglich, die Schuldenbremse auszusetzen und neue Kredite aufzunehmen. Das Bundesverfassungsgericht hat nur klargestellt, welche Kriterien dafür künftig gelten müssen. Aber die FDP will nicht. Ihr Mantra lautet: (Fast) keine Schulden und keine Steuererhöhungen. Damit ist die Ampel handlungsunfähig. Für die Grünen stellt sich jetzt die Frage, warum sie sich noch an der Ampel beteiligen sollen. Sie wollten in dieser Regierung den Klimaschutz voranbringen, werden nun aber ausgebremst, weil wesentliche Geldmittel fehlen.

Die Grünen sind in der komfortablen Situation, dass sie die Ampel verlassen könnten, ohne Schaden zu nehmen. Denn sie haben eine treue Kernwählerschaft, die längst keine Lust mehr auf faule Kompromisse mit der FDP hat. In den Umfragen liegen die Grünen stabil zwischen 13 und 16 Prozent, haben also trotz Ampelchaos etwa genauso viel Zuspruch wie zur Bundestagswahl 2021. Davon können SPD und FDP nur träumen, die in den Umfragen dramatisch abgerutscht sind.

Vor allem die FDP muss um ihre Existenz bangen. In vielen Ländern ist sie aus den Parlamenten oder der Regierung geflogen, und auch im Bund kommt sie nur noch auf 5,5 bis 6 Prozent der Stimmen. Das ist die Todeszone.

Für die FDP wäre es fatal, wenn die Ampelkoalition auseinanderbricht. Denn damit wäre endgültig bewiesen, dass die Lindner-Partei nicht regieren kann, weil ihr die geistige Flexibilität fehlt. Die Ampel ist für die Liberalen die letzte Chance, sich als Regierungspartei zu profilieren, nachdem die FDP 2017 überhastet aus den Jamaika-Verhandlungen ausgestiegen ist. Übrigens war es auch damals schon das Thema Schulden, an dem Lindner in den Koalitionsgesprächen mit Merkel gescheitert ist.

Die FDP hat sich inhaltlich in eine Sackgasse manövriert: Sie geriert sich zwar als Wirtschaftspartei, aber ihr kommt die Wirtschaft abhanden. Denn die meisten Unternehmen haben längst erkannt, dass Klimaschutz zwingend ist – und sind daher vor allem an der Frage interessiert, wie hoch die Subventionen der Regierung ausfallen. Die Konzerne haben nichts gegen Staatsschulden und finden die Prinzipienreiterei der FDP nur anstrengend. [….]

(Ulrike Herrmann, 21.11.2023)

Nachdem das kapitale Versagertum der Hepatitisgelben nun für jeden ersichtlich offengelegt wurde, erinnert die Basis wieder an den FDP-Urinstinkt des jämmerlichen Fliehens vor der Verantwortung. Das Vaterland in schwerer Not, internationale Megaprobleme, die auf Berlin einprasseln? Da wissen die gelben Hasenfüße nur ein Rezept: Schnell weglaufen und jemand anders die von der FDP eingebrockte Suppe, auslöffeln lassen.

[…..] Die Wahlen in Hessen und Bayern fielen für die FDP enttäuschend aus. Als Konsequenz fordern mehr als 500 Parteimitglieder den Ausstieg aus der Ampel. Die FDP-Spitze muss sich nun einer Mitgliederbefragung stellen.  [….]

(Tagesschau, 22.11.2023)

Der Realitätsverlust der Lindneristen ist total. Einen halbes Dutzend krachender Wahl-Niederlagen hatten sie mit der immer gleichen Fehlerkenntnis analysiert: „Wir sind großartig, machen alles richtig. Schuld haben alle anderen, wenn wir verlieren!“

[….]  FDP nach den Landtagswahlen: Ändern müssen sich nur die anderen!

[….] Die FDP steht nicht gut da. Doch Selbstkritik fällt den Liberalen schwer. [….] Seit ihrem Eintritt in die Ampelkoalition verliert die FDP eine Landtagswahl nach der anderen, macht aber jedes Mal weiter wie zuvor. Zwar ruft Parteichef Christian Lindner regelmäßig dazu auf, die Regierungsarbeit kritisch zu überprüfen, doch er meint damit letztlich nicht sich selbst, sondern die Koalitionspartner SPD und Grüne.

Eigentlich - davon gibt sich Lindner bei der Pressekonferenz am Tag nach den Wahlen in Bayern und Hessen überzeugt - hätten die Bürger ja ganz im Sinn der FDP gestimmt.  


[….]  Nur leider werde die Partei in Mithaftung für das schlechte Image der Ampelkoalition genommen. Und ihr selbst gelinge es in der Ampelkoalition nicht, ihre Positionen sichtbar und glaubwürdig darzustellen. Lindner folgert: "Für die Koalition in Berlin insgesamt ist der gestrige Wahlsonntag jetzt ein Arbeitsauftrag." Schließlich hätten alle drei Koalitionspartner verloren. [….] Zuletzt hatte es eine ähnliche Zitterpartie in Bremen gegeben (5,1 Prozent), aber auch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde im Saarland (4,8 Prozent) und in Niedersachsen (4,7 Prozent) im vergangenen Jahr sowie in Berlin (4,6 Prozent) in diesem Jahr. [….] Schließlich sprechen interne Kritiker der Ampelkoalition wie der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler schon lange davon, dass die Ampel wie ein Mühlstein um den Hals der Partei hänge und diese immer weiter in den Abgrund ziehe. Nicht nur FDP-Wähler "fremdeln" mit der Ampel, wie FDP-Vize Wolfgang Kubicki immer wieder feststellt, sondern auch mehr und mehr Abgeordnete. [….] Zu denjenigen, die für ein eigenständigeres Profil in der Ampel stehen, gehört FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai, der die Grünen wegen ihrer Migrationspolitik vor kurzem als "Sicherheitsrisiko für unser Land" bezeichnet hatte. [….] Allerdings: Welche konkreten Konsequenzen das für das weitere Miteinander der Ampel hat, ob sie sich auch ein vorzeitiges Scheitern der Ampelkoalition vorstellen können - das lassen Kritiker wie Djir-Sarai, Kubicki oder Schäffler offen. [….] Sollte es also zu Neuwahlen kommen, müsste die Partei wie bei vielen Landtagswahlen um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. [….]

(Hans-Joachim Vieweger, ARD, 10.10.2023)

 Kein Schamgefühl, nirgends.

Matthias Nölke, der Stadtkämmerer von Kassel,  Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Kassel-Stadt und Initiator der Raus-aus-der-Ampel-Petition stellt eindeutig klar, was im Spannungsfeld aus staatsbürgerlicher Verantwortung und kurzfristigen parteipolitischen Interessen Priorität genießt. Partei vor Land. Alles anderes wäre für eine reine Millionärslobby-Organisation auch überraschend.

[…]  Nölke hatte schon vor zwei Jahren nach eigenen Angaben gegen den Koalitionsvertrag der Ampel gestimmt und sieht sich in seinen Vorbehalten bestätigt. "Die Ampel kostet uns mindestens zwei Prozentpunkte bei jeder Wahl", betont er, "und ich habe gesagt, zwei bis drei Punkte wird uns das in Hessen wahrscheinlich kosten, und am Ende waren es zweieinhalb." [….] "Viele erkennen nicht, dass für die Ampel nichts mehr zu holen ist, außer vielleicht kosmetischen Korrekturen. Wenn die FDP in der Ampel bleibt, ist das dicke Ende nur aufgeschoben", sagt Nölke.  [….]

(Paul-Anton Krüger, 22.11.2023)

Selbst wenn man die natürliche verminderte Denkleistung eines Porscheparteilobbyisten berücksichtigt, erscheint es rätselhaft, welche Alternativen zur Ampel sich die Nölkes der deutschen Provinz ausmalen. Offenkundig handelt es sich dabei um eine Form des prophylaktischen Selbstmordes aus Angst vor dem Tod.

[…..]  Die Autorinnen und Autoren rufen dazu auf, ihre Koalitionspartner in Berlin "dringend zu überdenken" und sich ernsthaft mit "Alternativen" auseinanderzusetzen. Damit ist man schnell durch. Was wären nämlich die Alternativen? Vorzeitige Neuwahlen dürfte in der FDP keiner wollen, nicht in einem Stadium, in dem die Partei in Umfragen mit knapp fünf Prozent geführt wird. Im derzeitigen Bundestag sind aber neben der Ampel nur zwei andere Koalitionen überhaupt denkbar: Jamaika oder wieder Groko. Bei Jamaika wären erneut die Grünen dabei (abgesehen davon, dass sie natürlich nicht dabei wären, weil sie keinen Grund dazu haben). Also Bahn frei für die nächste Groko? Das hieße, die FDP gäbe eine schwierige Koalition auf, um eine zu ermöglichen, gegen die sie jahrelang angeredet hatte. Hm.  […..]

(Detlef Esslinger, 03.11.2023)

Den Wahnsinnigen des Schlages Kubicki, Schäffler, Wissing oder Nölke sind radikal-autodestruktive Taten, wie ein Ampel-Ausstieg, durchaus zuzutrauen.

Für Neuwahlen gibt es extrem hohen Hürden und angesichts der Umfragen dürften nur AfD und CDU daran interessiert sein. Die Kanzlermehrheit im derzeitigen Bundestag beträgt 369 Stimmen. SPD (206 plus 1 Übertritt), Grüne (118) und SSW (1) erreichen zusammen 326. Es fehlen also 43 Stimmen. Selbst wenn alle verbleibenden Linken (28) außer den Weidelknechten (10) für Scholz stimmten, reicht es also nicht.

Daß die Grünen nach all dem FDP-Ärger, auch nachdem die Hepatitisgelben ihre Unverlässlichkeit mit einem Ampel-Koalitionsbruch erneut bewiesen hätten, in ein Koalition mit der FDP unter Kanzler Merz (der sie zum Hauptgegner erkor) eintreten, kann man getrost ausschließen. Die 207-Sitze-SPD müsste der 197-Sitze CDUCSU ein Koalitionsangebot machen. Ich halte es aber für nahezu undenkbar, daß sich ein selbstverliebter konzeptionsloser Merz, der in Umfragen bei 30% steht, einem richtlinienkompetenten Kanzler Scholz, dessen Partei bei 15% steht, unterordnen würde.

Wie sollten die SPD-Parlamentarier mit den rechtsradikalisierten Spahns und Dobrindts regieren, die sich nicht nur in der Opposition bösartig und destruktiv aufführen, sondern in der Vergangenheit erst die ganzen Megaprobleme anrührten, die Scholz nun aufräumen muss?

Die FDP würde mit der Nölkeschen Flucht aus der Verantwortung eine Staatskrise inmitten einer gewaltigen internationalen Multikrise anzetteln.

Daß die FDP dazu doof genug ist, bezweifele ich nicht. Aber wird der Urnenpöbel anschließend noch mal dumm genug sein, Lindner zu wählen, der dann mehrfach bewiesen hätte, regierungsunfähig zu sein?

Dienstag, 21. November 2023

Schwarzgelb tötet Deutschland

Man muss sich nicht wundern, wenn man Christian Lindner als Finanzminister einsetzt, daß der Haushalt dramatisch gegen die Wand gefahren wird. Das ist sein Signature-Move. Auch seine eigenen beiden Privatunternehmen; einen Stromhandel und die Avatar-Firma Moomax fuhr er zielsicher in die Millionenpleite. Als echter Liberaler, behielt er aber seinen Porsche, während er die 1,2 Mio KfW-Schulden dem Steuerzahler überließ.

Der Mann kann nichts. Und wir können uns nicht damit rausreden, nicht gewarnt worden zu sein. Nobelpreisträger und anderen internationale Top-Ökonomen hatten vor Lindners Eintritt in die Bundesregierung genau das Desaster prophezeit, das Linder auch anrichtete.

[…..] Zwei prominente Wirtschaftswissenschaftler haben davor gewarnt, dass FDP-Chef Christian Lindner in einer künftigen Bundesregierung Finanzminister wird. "Um seiner selbst willen sollte Lindner die unmögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen", schreiben der Brite Adam Tooze und der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz von der Columbia University in New York in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung "Die Zeit". "Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben." Die finanzpolitische Agenda der FDP, für die Lindner steht, sei nicht nur "eine Anhäufung konservativer Klischees", schreiben die Professoren. "Viel wichtiger ist, dass es sich um Klischees einer vergangenen Ära handelt, nämlich um die der Neunzigerjahre. Wir leben nicht länger in der Welt, die sie hervorgebracht hat."  […..]

(STERN, 28.10.2021)

Unglücklicherweise war der Urnenpöbel 2021 zu doof, um diese Warnungen ernst zu nehmen.

Unglücklicherweise ist der Urnenpöbel 2023 so doof, diesen epochalen Fehler zu wiederholen, indem er auf Fritze Merz setzt, der sogar noch destruktivere und abstrusere Ansätze als Lindner verfolgt.

[….] Was Merz hier meint: Zukunft der Stahl- und Chemieindustrie, Wasserstoffhochlauf, Industrieansiedlungen, kurz: Die Zukunft hunderttausender Arbeitsplätze in Deutschland. Die @CDU hat erst mit aller Macht die Solarindustrie in Deutschland vor die Wand gefahren und nun kommen andere Industrien dran und da war die Solarindustrie wahrlich klein.

Der Technologiewandel kostet Unmengen von Geld - siehe Stahlindustrie. Wer hier meint, die geht allein durch Technologie und ohne staatliche Eingriffe, verrät wohl nur, dass er BlackRock und die fossile Agenda sehr liebt. Das wird Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der Industrie vernichten.

Ach so, bevor wieder jemand "aber China" sagt: China wird nächstes Jahr seinen Gipfel der CO2 Emissionen erreichen und erstmal weniger CO2 ausstoßen. China bringt den Wandel viele Jahre früher auf die Straße durch massive staatliche Subventionen. Wir schauen zu und wollen lieber "Technologie", welche in China verbaut wird.  [….]

(Uwe Brückner, 19.11.2023)

[…..] „Wir müssen in Deutschland zu einer neuen Kultur des Fleißes und der Leistung kommen. Es ist jetzt eine riesige Chance, dass wir als die Partei für Arbeitnehmer wahrgenommen werden. Die #SPD hat den Kontakt verloren. Die #Grünen haben ihn nie gehabt.“ (tm) #lpt79 @CDU_BW  […..]

(Friedrich Merz, 18.11.2023)
[….] Die Unionsfraktion steht bekennend für die Interessen von Arbeitgebern und nicht für die der Arbeitnehmer. Deshalb konnten im Laufe der Geschichte Deutschlands die Armut umso stärker wachsen, wie es den Reichsten gelingt, legal im deutschen Steuerparadies immer reicher zu werden.

Deshalb verabscheuen sie auch jede Politik für mehr soziale Gerechtigkeit zugunsten von ärmeren und hilfsbedürftigen Menschen, höhere Mindestlöhne, eine bessere Familienpolitik, Bürgergeld mit mehr Fördermaßnahmen, Kindergrundsicherung und Gewerkschaftsforderungen für die Rechte der Arbeitnehmer:innen.

Alle Schulden, die in den letzten 16 Jahren während der unionsgeführten Regierung entstanden sind, haben einer gerechten Demokratie in Deutschland schweren Schaden und den tatsächlichen Vertrauensverlust in die Politik verursacht. Und nicht die derzeit regierende Ampelpolitik, die sich um soziale Gerechtigkeit und echte Klimapolitik kümmert.

En ewiges Wirtschaftswachstum, welches zunehmende Massenverarmung und den maximalen Profit für Großunternehmen, Banken, Aktionäre, Immobilienbesitzern und reiche Erben generiert, die ihre Gewinne ins Ausland verlagern und damit völlig legal am Fiskus vorbeischieben können, braucht kein Mensch, der hart für seinen Lebensunterhalt arbeitet, solange sich dadurch kein gesamtgesellschaftliche Verbesserung für die Mehrheit der Bevölkerung schaffen lässt.  [….]

(Antje Hofmann, 20.11.2023)

Zum, Glück weiß Merz auch, wer an ALLEM SCHULD hat: Die Grünen! Allesamt junge vorlauter Quietscher ohne Ausbildung.

[….] #Merz, der eklige Lügner und Betrüger, mal wieder mit markigen Sprüchen gegen Demokraten. Der Hauptfeind sind nicht Nazis um Bundestag, sondern erfundene Personen der Grünen. Wie das mit freien Wahlen ist, scheint den Lobbylump einfach mal nicht zu interessieren. Wenn Menschen die Putzfrau oder den Hilfsarbeiter als ihren Vertreter wählen, dass ist es der oder die richtige Vertreterin. Merz sollte seine Fresse einfach halten.

Fakten zu den Grünen im Bundestag: 117 Abgeordnete

105 Akademiker ~ 90% (2 noch im Studium)

Promotionsquote 21,4%

Durchschnittsalter 44,7 Jahre

Jüngster Abgeordneter 25 Jahre (2x im Studium)

Ältester Abgeordneter 71 Jahre

Quelle: Recherche Wikipedia, Bundestag und Grüne Fraktion im Bundestag  [….]

(Uwe Brückner, 19.11.2023)

Es ist ein deutliches Muster bei Merz. Seine totale ökonomische und politische Inkompetenz tarnt er mit rechtsextremen Sprüchen, die nicht nur Hetze und Spaltung bewirken, sondern die auch allesamt pure Lügen sind (zB Zahnarzttermine, Pullfaktoren). Merz ist nicht nur ein Idiot ohne Selbstkontrolle, sondern er ähnelt seinem Vorbild Trump auch durch seine Unfähigkeit, die Wahrheit zu sagen.

Dem Urnenpöbel gefällt das. Die CDU steht demoskopisch besser da als SPD und Grüne zusammen. Die Merzschen antigrünen Horrorstories werden geglaubt und von seinen moralisch verkommenen Partei-Epigonen nachgeplappert.

[…..]  Ganz sicher, Matthias Winkelmann?

Sie sind CDU-Fraktionsvorsitzender im Wernigeroder Stadtrat im Harz. Nun haben Sie es geschafft, bundesweit Schlagzeilen zu produzieren, und zwar im Zuge des Besuchs von Robert Habeck. Der Wirtschaftsminister sollte sich nämlich ins Goldene Buch eintragen, und das veranlasste Sie zu der Aussage, Sie könnten es nicht mit Ihrem Gewissen vereinbaren, mit »diesem Mann in einem Raum« zu sein. Sie fänden es sogar »unerträglich«, der Eintragung beizuwohnen.

Letzteres können wir verstehen: Die zu erwartende lockere Rede Habecks, die aufgesetzten Schmeicheleien der Kolleg/innen aus dem Stadtrat, die sexuelle Spannung im Raum … Alles gute Gründe, die Veranstaltung abzulehnen. Aber Ihr Gewissen, Winkelmann? Wir dachten bisher, dass das gerade bei ostdeutschen CDU-Verbänden nun wahrlich nicht ausschlaggebend für politische Entscheidungen sei. Oder haben Sie Ihr Gewissen einfach neu justiert und arbeiten jetzt an der Brandmauer gegen Mitte-links?

Hat keinerlei Gewissensbisse, Sie das zu fragen:

Titanic […..]

(Titanic, Briefe an die Leser, November 2023)

Montag, 20. November 2023

Deutsche Krieger im Glück

Bei dem Ding geraten sie ins Schwärmen, bekommen funkelnde Augen. Die Panzerhaubitze 2000, (kurz PzH 2000). Das beste und schönste und leistungsfähigste schwere Artillerie-Geschütz der Welt. Mindestens. Die Bundeswehr-Generäle und Obersten bekommen Erektionen, wenn sie die Maße und die Schusskraft der PzH 2000 denken.

Für die weniger Militär-Affinen: Ein Haubitze ist eine Artilleriekanone, die in verschiedenen Winkeln schießen kann; das Rohr ist in der Lage steil nach oben zu zeigen. Die Panzerhaubitze 2000 kann zudem selbstständig mit bis zu 60 Km/h fahren und ist, wie der Name sagt, schwer gepanzert.

A propos Name; traditionell erhalten Panzer in der Bundeswehr martialische Tiernamen (Marder, Leopard, Puma), dabei sollte auch bei dem vor einem Vierteljahrhundert von den deutschen Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall entwickelte Mega-Geschoss bleiben. Die Bundeswehr diskutierte über Rhinozeros, Stier, Nashorn und Rüssel. Da sich die damals schon chaotisierte Trachtentruppe nicht einigen konnte, blieb es schließlich bei der Werksbezeichnung PzH 2000.

Die Maße sind auch ohne Fauna-Begrifflichkeiten beeindruckend; Länge fast 12m, Breite/Höhe dreieinhalb Meter, beladen 58 Tonnen schwer, über 1.000 PS-Dieselmotor, 420 km Reichweite, Beladung mit 60 Geschossen und 48 Beuteltreibladungen oder 288 Treibladungsmodulen und last but not least: Die 155mm-Kaliberkanone, die in Sekundenschnelle Geschosse auf unterschiedlichen Flugbahnen im sogenannten MRSI-Verfahren (Multiple Rounds Simultaneous Impact) abschließen kann, so daß der böse Feind in 50 km Entfernung nicht ausrechnen kann, woher die Schüsse genau kamen und wie viele Haubitzen tatsächlich im Einsatz sind. 15 Millionen Euro kostet eine PzH 2000; insgesamt verfügt die Bundeswehr über etwa 180 Stück.

Im April 2010 forderte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Googleberg „schwere Waffen für Afghanistan“. Einen Monat später wurden drei Panzerhaubitzen 2000 nach Afghanistan verlegt, die nach nur sechs weiteren Wochen einsatzbereit waren.

Leider war da gerade kein heißes Kampfgeschehen mehr, so daß KTG den Befehl „Show of Force“ gab und wenigstens 20 Geschosse Leucht- und Nebelmunition verschossen werden konnten.

Einen Monat später gaben KTGs drei Superhaubitzen sogar insgesamt fünf Schuss mit scharfer Munition ab. Der Krieg wurde damit bekanntlich nicht gewonnen. Aber die Bundeswehr war sehr froh pro PzH 2000 nur ein oder zwei Schüsse abgegeben zu haben, weil diese weltweit führenden Militär-Wunderwaffe eine klitzekleinen Mangel hat: Sie ist eher eine Theoretikerin. Im realen Einsatz geht sie leider fast sofort kaputt und Ersatzteile haben wir nun mal nicht, weil wir ja sparen müssen. Also besser nur angucken und bewundern. Nicht benutzen.

In der Werbeshow „Unsere Bundeswehr“ auf Kabel1, konnte man sehen, wie vier dieser Wunderpanzerhaubitzen in Litauen vom ländlichen Rukla an die Ostsee nach Klaipéda gebracht werden mussten. Falls „der Russe“ von der See angreift.


Nun könnten weniger Bundeswehr-affine Menschen denken; super, das sind 240 km Entfernung und die Panzerhaubitze 2000 kommt mit einer Tankfüllung 420 km weit. Wäre doch eine gute Gelegenheit den Antrieb zu testen.

Aber der Materialverschleiß wäre dann natürlich zu hoch! Über 200 km selbst fahren? Das schaffen die deutschen Wunderwaffen dann doch nicht. Dafür rückt ein Logistik-Bataillon an, das schon nach wenigen Wochen Vorbereitung und Planung, die vier Panzer auf Schwerlasttransporter heben kann.

In Deutschland geht das ja leider nicht, will auf deutschen Straßen zwischen 15.30 und 19.00 keine Schwerlasttransporte erlaubt sind. Zu viel Berufsverkehr. Und im Dunklen zu fahren ist viel zu gefährlich mit den empfindlichen Haubitzen.

Deswegen, liebe Russen, wenn ihr Krieg anfangt, dann bitte im Sommer. Wenn es gerade nicht regnet. Und auch nicht so spät nachmittags. Dann können wir leider nicht. Außerdem müsst Ihr bitte ein, zwei Monate vorher Bescheid sagen. Logistik will ja geplant sein.

Für die Haubitzenfahrer ist Klaipéda eine echte Herausforderung, weil es so nah am Meer feucht ist. Matschiger Boden ist nicht gut für die Mimosen-Geschütze. Was da alles kaputt gehen kann! Und die Rostgefahr!

Wolodymyr Selenskyj ist daher auch nur so mittelzufrieden mit den 14 PzH 2.000, die ihm Berlin rüberschickte.

Schön sind sie zwar, aber die doofen Ukrainer haben sie doch tatsächlich bei echten Gefechten eingesetzt. Schießen lassen. Mit richtiger Munition! Scharfer!

Was denken die sich eigentlich? Dafür sind sie nicht gemacht. Schon vor einem Jahr waren alle kaputt.

[…] Mittlerweile ist ein Großteil der von Deutschland gelieferten Artilleriesysteme durch den intensiven Einsatz an der Front in der Ostukraine reparaturbedürftig. In Bundeswehrkreisen hieß es, die Ukrainer verschössen derzeit täglich um die 300 Granaten, dies nutze die Waffensysteme sehr stark ab Zwar wurden kürzlich sechs deutsche Haubitzen zur technischen Überholung nach Litauen gebracht. Da jedoch die nötigen Ersatzteile für die Haubitzen weder bei der Industrie noch bei der Bundeswehr verfügbar waren, mussten die Techniker eine der Haubitzen ausschlachten und vorerst in Litauen stehen lassen. [….]

(SPON, 18.11.2022)

Schon im Sommer 2022 sah es nicht gut aus, wie der FDP-Verteidigungsexperte Faber nach einem Ukraine-Besuch berichtete.

[…]  Ich habe aus dem Verteidigungsministerium erfahren, dass dort derzeit noch fünf von fünfzehn Panzerhaubitzen einsatzbereit sind. [….] Die werden ja massiv genutzt. Dementsprechend werden Ersatzteile gebraucht. Es sind zwar Ersatzteilpakete mitgeliefert worden, aber offensichtlich nicht immer das richtige. Es reicht auch nicht immer, das Ersatzteil zu haben. Bei größeren Reparaturen braucht man auch die passende Werkstatt dafür. Das geht an der Front nicht immer so einfach. Die Ukrainer sind zwar optimistisch, dass sie die Einsatzbereitschaft wieder nach oben bringen können. Aber sie sagen auch, dass sie in der Ukraine eine eigene Reparaturmöglichkeit bräuchten. Sonst müssten sie die Haubitzen wieder außer Landes schaffen. Derzeit können sie nur kleinere Reparaturen selbst machen. Durch russischen Beschuss zerstört wurde keine.  [….]

(FDP-MdB Markus Faber, 10.08.2022)

Nimm das, Putin! Die Russen konnten keine einzige deutsche Haubitze zerstören.

Unsere Wunderwaffen eben! Unverwundbar!

[…] Die von Deutschland bereitgestellten Waffen erweisen sich im Ukraine-Krieg als äußerst effektiv. „Unsere Waffensysteme sind wirkungsvoll“, erläuterte Generalmajor Christian Freuding im Interviewformat „Nachgefragt“ der Bundeswehr. Der Chef des Planungs- und Führungsstabes sowie Leiter des Sonderstabes Ukraine im Verteidigungsministerium verdeutlichte dies anhand von zwei Beispielen.

Zunächst kam Freuding auf die Panzerhaubitzen 2000 zu sprechen. Das modernste Artilleriegeschütz der Bundeswehr kann Ziele bis zu 40 Kilometer entfernt treffen. Die Haubitze sei schnell in der Bekämpfung und könne nach dem Feuergefecht auch sehr schnell wieder seine Position wechseln, so der Panzergeneral. „Deshalb ist sie unglaublich schwer von den Russen zu bekämpfen.“ Auch die Panzerung spiele dabei eine Rolle.

Tatsächlich scheint die Ukraine voll und ganz auf dieses Artilleriegeschütz vertrauen zu können. „Es ist den russischen Streitkräften noch nicht gelungen, eine Panzerhaubitze 2000 zu zerstören“, erklärte Freuding. Daher steht fest: Obwohl die Panzerhaubitzen laut Freuding ein bevorzugtes Ziel („Top-Target“) der Russen sind, sind alle 14 von Deutschland gelieferten Exemplare nach wie vor unbeschädigt und im Einsatz. [….]

(Christian, Stör, FR, 19.09.2023)

OK, sie sind auch so kaputt gegangen, aber von außen unbeschädigt! Das wird Putin eine Lehre sein!

Sonntag, 19. November 2023

Die klerikalen Ausnahmen

Es ist sehr selten. Diese Fälle kann ich weltweit unter Myriaden an zwei Händen abzählen. Aber es kommt vor: Kirchenfürsten, die nicht unsympathisch wirken. Denen man zuhören mag, ohne mit Brechreiz zu kämpfen.

Kamphaus, Thissen, Jepsen fallen mir zum Beispiel ein. Meistens werden solche extremen Ausnahmen aber, wie Leonardo Boff, Albino Luciani, Hans Küng, Tissa Balasuriya, Jacques Gaillot oder Eugen Drewermann, von den eigenen Leuten auf die ein oder andere Weise ruhiggestellt.

Dennoch vertreten auch diese Ausnahmen ganz freiwillig die historisch größte Verbrecherorganisation. Sie huldigen einer Ideologie, die Misogynie, Sklaverei, Antisemitismus und Homophobie beinhaltet.

Ein wirklich aufgeklärter Humanist kann nicht gleichzeitig Sprossen in der Hierarchie der christlichen Geistlichen erklimmen. Ein guter Mensch kann sich nicht einer weltweiten Kindermissbrauchs-Organisation anschließen.

Natürlich, durch den Zölibat, die aggressive Schwulen-Diskriminierung und das Verbot des Frauenpriestertums, wurde des Vergewaltigen kleiner Jungs durch Männer in Soutane, in den letzten Dekaden zu einem Alleinstellungsmerkmal der Katholiken.

Darüber darf man aber nicht vergessen, welche sadistische Energie auch die evangelische Kirche aufbrachte, um Hunderttausende Heimkinder in der Bundesrepublik Deutschland brutal zu quälen, auszubeuten, sexuell zu misshandeln und lebenslang zu traumatisieren.

[…..] Es ist ein Stück dunkle Nachkriegsgeschichte. Millionen von Kindern wurden zur Erholung ohne ihre Eltern in Kurorte geschickte – viele kamen traumatisiert zurück. Einige „Verschickungskinder“ starben sogar. Daran wird nun in Niedersachsen erinnert. Es sollte ein Erholungsurlaub werden, doch es wurde eine Zeit voller körperlicher und seelischer Qualen, die ihr weiteres Leben prägte: Sabine Schwemm wurde im November 1968 als Vierjährige ohne ihre Eltern zur Kinderkur ins Waldhaus im niedersächsischen Bad Salzdetfurth geschickt. Was sie dort vor 55 Jahren erleiden musste, schildert sie in einem Vortrag beim Jahreskongress der Initiative Verschickungskinder.  [….] „Ich hatte immer Angst. Die Angst habe ich mitgenommen aus dem Waldhaus“, sagt Sabine Schwemm heute. Immer wieder kämpfte sie mit Panikattacken und Angststörungen. […..] Rund 10.000 Berichte hat die Betroffenen-Initiative inzwischen gesammelt. Redeverbot, Schlafzwang, Schikanen beim Essen: Was nach 1945 über Jahrzehnte in deutschen Kinderkurheimen an der Nordsee oder in den Bergen passierte, ist noch nicht umfassend aufgearbeitet worden. […..] Im Waldhaus in Bad Salzdetfurth wurde 1969 innerhalb weniger Monate ein Dreijähriger von drei sechsjährigen Jungen totgeprügelt, ein Siebenjähriger erstickte an Erbrochenem und ein Mädchen starb infolge einer Infektion. […. ]

(MoPo, 19.11.2023)

Typisch; zwar wird nun gelegentlich medial wahrgenommen, welchen bestialischen Qualen Kinder in Heimen ausgesetzt waren. Aber die Mopo erwähnt in dem ausführlichen, weitgehend von einer drei Jahre alten taz-Recherche abgeschriebenen Artikel, nicht einmal, wer das Waldhaus Bad Salzdetfurth betrieb.

[….] Anfang 1935 wurde Wilhelm Luttmann zum Bürgermeister ernannt. Sein erklärtes Ziel war es, „das Leben in den Erholungsstätten künftig nach den Grundsätzen der NSDAP“ zu gestalten. Das gelang ihm auch, indem er alle nicht linientreuen Personen aus dem Vorstand des Vereins für die Kinderheilanstalten herausdrängte und schließlich dessen Auflösung durchsetzte.  [….] Aber 1951 war das Gröbste überstanden. Der Verein wandelte sich in eine „Milde Stiftung für die Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth“ um. Außerdem wurde ein Förderverein

mit dem Namen „Stiftung Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth“ gegründet, dessen Aufgabe es war, die Verbindung zwischen der Stiftung und außenstehenden Kreisen herzustellen. Er unterstand seit 1962 dem „Gesamtausschuss von Innerer Mission und Hilfswerk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers“ […..]

(Studie Fredy Köster)

Träger der Kinderfolteranstalt waren das Diakonische Werk und das

Hilfswerk der Ev. Kirche. In sadistischer Kontinuität mit der NSDAP.

Auch die EKD ist also wie die RKK-Deutschland eine professionelle Massen-Kinderquäler-Vereinigung und wie ihre katholischen Bischofs-Kollegen, sind auch die evangelischen Kirchenführer bis heute an Vertuschungen interessiert.

Auch die Netten.

Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen trat 2010 zurück, weil der Fall eines sexuell übergriffigen Ahrensburger Pfaffs bekannt wurde, von dem sie schon 1999 erfahren hatte, aber nicht angemessen reagierte.

Religiot Heribert Prantl liebt die neue EKD-Chefin Präses Annette Kurschus.

Ich gebe ebenfalls zu: Kurschus wirkt ganz freundlich auf mich.

Verglichen mit ihren beeindruckenden Loser-Vorgängern Wolfgang Huber (2003-2009), Margot Käßmann (2009-2010) oder Heinrich Bedford-Strohm (2014-2021), wirkt Kurschus zwar weniger debil und halbwegs intelligent, aber inhaltlich debakuliert sie ähnlich stark und gibt hanebüchene Aussagen ab.

Wie Kollegin Jepsen, scheint auch diese evangelische Top-Frau beim Thema Missbrauch als Vertuscherin im Sinne der Täter gegen die Opfer gehandelt zu haben.

[….]  Der Druck auf die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, wächst: Die Frage, ob sie von sexuell übergriffigem Verhalten eines mit ihr befreundeten Kirchenmitarbeiters gewusst hat, spaltet die Kirche. In den Achtziger- und Neunzigerjahren soll der verheiratete, inzwischen verrentete Beschuldigte sich mehreren jungen Männern in sexueller Absicht genähert haben. Laut Staatsanwaltschaft haben mehrere Personen unterschiedliche Vorwürfe gegen den Mann erhoben, der wie Kurschus im Kirchenkreis Siegen tätig war.  [….] Die »Siegener Zeitung « hatte zuerst über die Vorwürfe berichtet. Demnach soll die EKD-Ratsvorsitzende Kurschus bereits in den Neunzigerjahren auf einer Gartenparty von Betroffenen über die Vorwürfe informiert worden sein. Kurschus erinnert sich laut eigenen Angaben nicht an das Gespräch, wies die »Andeutungen und Spekulationen« noch während der Tagung der Synode in Ulm Mitte November zurück. [….] Betroffenenvertreter Detlev Zander: [….] Sie sollte von allen Ämtern zurücktreten, nicht nur vom EKD-Ratsvorsitz. Wir sind seit einer Woche im Krisenmodus, Frau Kurschus muss endlich Konsequenzen aus ihrem eklatanten Umgang mit den Vertuschungsvorwürfen ziehen. Sie hat die Missbrauchsaufklärung zur »Chefinnensache« gemacht – und dann kommt so etwas heraus! [….] Es geht nicht nur um die Vorwürfe, es geht vor allem darum, wie sie damit umgeht. Ihre Salamitaktik, dass sie sich nur scheibchenweise dazu äußert, ist schädlich für alle, die sich in der evangelischen Kirche ernsthaft um Aufklärung bemühen. Die Betroffenen sind extrem verärgert. [……]

(SPON, 19.11.2023)

Ich erlebe es seit 20 Jahren, sollte also nicht verwundert sein. Aber ich staune immer noch über die große Toleranz und den Langmut der christlichen Gläubigen beim Thema Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. Sollte es sie nicht ein bißchen mehr stören, wenn ihre geistlichen Anführer pädosexuelle Sadisten sind oder zumindest diese Taten fördern, indem sie verhindern, die Täter aus dem Verkehr zu ziehen?

Ich bringe erheblich weniger Toleranz auf und vertrete die Minderheitenmeinung, daß man Kindervergewaltigungen immer sofort der Polizei melden sollte. Daß man mit Tätern genauso wenig, wie mit den Vertuschern zusammenarbeiten sollte und schon gar nicht ihre Aktivitäten finanzieren sollte.

Und ich mag Kinder noch nicht mal. Aber ich bin eben auch kein Christ. Für Christen gilt offenbar: „Kinderfic**en? Macht doch nichts!“


I don't need your god.

I don't need your eternal, paternal god.

Don't need your reassuringly protective,

good and evil in perspective god.

Don't need no imported, distorted, inflated, updated holy roller, save your soul, or anaesthetisingly opiate god.

Don't need no, "All creatures that on earth do dwell; be good or you go to hell" god.

Don't need no "Hare Krishna! Hare Krishna! Hail Mary! Hail Mary!" god.

Got no yen for zen, Bhagavad Gita, or gurus.

No mormons, methodists, seventh-day adventist gods. No absolutes beyond refute - the reverential, preferential, Judaic, messianic god.

No bibles, no mahajanas, instant dharma gods.

Don't need no spiritual suicide, prefrontal lobotomising god.

Don't need no stoic, sexless, antiseptic god.

Don't need no neon crucifix.

No crusade, no burka, or kabbalah.

No camels, or needles, or papal decrees.

No mail order icons, korans or mandalas.

No Meher Babas.

No imams or ayatollahs.

No sharia.

No opus dei.

No dianetics.

No tarot or beads.

No devadasi.

No immortal, invisible "God's only wise."

(……)

(Anne Clark)

 

Samstag, 18. November 2023

Deutschland-Berserker Merz

In einer perfekten Welt, würden westliche Demokratien so funktionieren, daß zumindest in großen internationalen Krisen, die Volksvertreter im Parlament zum Wohle der Nation und der Menschen zusammenarbeiten. Sie könnten Argumente austauschen, die besten Ideen einbringen. Die Opposition wäre in der Lage, ihren parteitaktischen Vorteil zeitweilig hintan zu stellen.

Bei schweren ökonomischen Verwerfungen, Kriegen, massiven Unruhen auf der Straße, Pandemien und ähnlichen Giga-Problemen wäre es irrelevant, ob Oppositionspartei X oder Oppositionspartei Y in einer der täglichen neuen Umfragen einen halben Prozentpunkt zulegt oder verliert.

Bedauerlicherweise existiert so eine Welt nicht, weil Liberale und Rechte unverantwortliche destruktive mitleidslose Egomanen sind.

So wie die GOPer in den USA, versuchen auch CDUCSUAFD in Deutschland alles, um der Regierung Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
Ihr gemeinsames Interesse ist ein möglichst starker Absturz aller ökonomischen Kennzahlen. Den Bürgern soll es so schlecht wie möglich gehen. Die eigene Nation soll maximal leiden. Denn so generieren sie Wutbürger, die den Hass auf die eigene Regierung derartig anstacheln, daß die Opposition wieder zu mehr Macht, Pfründen und Einfluss kommt.

Die angeblich so militärfreundlichen Patrioten der GOP kennen keinerlei Scham mehr, blockieren aus purer Bosheit hunderte von Beförderungen bei Army und Navy, halten Stellen unbesetzt, stören die Finanzierung. Trumps Vorbild Hitler würde es „Wehrkraftzersetzung“ nennen. Um Präsident Biden und den Demokraten zu schaden, ist ihnen jedes Mittel Recht.

Auch Fritze Merz zeigt seine pure Destruktivität, indem er sich von Schadenfreunde über das Bundesverfassungsgerichtsurteil gegen Lindners Schattenhaushalt, übermannen lässt.

[….] Übertreibt er jetzt?

Friedrich Merz darf sich nach dem Haushaltsurteil gegen die Ampel als Gewinner fühlen. Aber geht er klug damit um?  [….] Da braucht es gar nicht unbedingt einen Oppositionschef, der mit großer Geste auf den Schaden hinweist. Strategisch würden ihm vermutlich mehrere Politikberater derzeit tendenziell raten, die Aufmerksamkeit nicht allzu sehr auf sich selbst zu ziehen und so von der Regierung abzulenken. Mit höflicher Zurückhaltung dabei zuzusehen, wie die Ampel sich zerfleischt, könnte aus reinem Machtkalkül heraus schon genügen. 

Aber Friedrich Merz ist nun mal Friedrich Merz. So ganz kann er sich seine Genugtuung in diesen Tagen nicht verkneifen. [….] Aber Merz belässt es nicht dabei. Die Union hat überdies Reaktionen angekündigt, die ihrerseits umstritten sind. So forderte Merz die Ampel auf, die Haushaltsberatungen für 2024 zu unterbrechen, die derzeit stattfinden. Denn trotz des Karlsruher Urteils berate die Ampel einfach den Etat für 2024 "ungeniert" weiter, als sei nichts gewesen. "An diesem unseriösen Verfahren können wir nicht mitwirken", teilte die Unionsführung mit. Die Haushaltspolitiker von CDU und CSU sollen sich in der Bereinigungssitzung, die am Donnerstag startete, zurückhalten und keine Änderungsanträge einbringen.

Ein Verhalten, das den bisherigen Gepflogenheiten widerspricht und von Vertretern der drei Ampelparteien scharf kritisiert wurde: Die Union dürfe sich "nicht der gemeinsamen Lösungssuche verweigern", betonten die führenden Haushaltspolitiker von SPD, Grünen und FDP am Freitagvormittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Normalerweise sei sich die Union ihrer "staatspolitischen Verantwortung" bewusst. Nun aber versuche sie mit plumper Passivität "politisches Kapital" aus der misslichen Lage zu schlagen.  [….]

(ZEIT, 17.11.2023)

Geradezu im Rausch, will Merz in seinem Wahn der Ampel zu schaden, nun weitere Klagen anstrengen. Er will den "Doppelwumms" (den 200 Milliarden Euro schweren Wirtschaftsstabilisierungsfonds) killen.

Schon der 60-Mrd-Klimafondsschaden ist gewaltig.

Offenbar glaubt der rachsüchtige FTZNFRTZ, Scholz und Lindner wären von dem enormen finanziellen Schaden persönlich betroffen. Er erträgt es nicht, nicht selbst im Bundeskanzleramt zu sitzen; hasst Merkel und Scholz wie die Pest dafür, daß sie ihm den Posten, der seiner Meinung nach nur ihm zusteht, weggeschnappt zu haben.

Wieder staunen Journalisten über die mangelnde Impulskontrolle und das fehlende ökonomische Fachwissen des Friedrich Merz.

[….] Über Merz muss man nicht allzu viele Worte verlieren: Dass die Opposition frohlockt, wenn sie der Regierung eine Niederlage vor Gericht zufügt, ist verständlich. Dennoch hätte er sich das Triumphgeheul besser verkniffen, denn auch künftige unionsgeführte Koalitionen werden nun auf lieb gewonnene Haushaltstricks verzichten müssen. Zudem wissen die Bürger jetzt, bei wem sie sich bedanken dürfen, sollte die Ampel auf die Idee kommen, fehlende Milliarden über Steuererhöhungen wieder hereinzuholen.  [….]

(Claus Hulverscheidt, 17.11.2023)

Merz und die BILD-Leser, die jetzt hämisch über die Ampel wegen des Haushaltsurteils lachen und Neuwahlen fordern, werden sich noch wundern. Denn die 60.000.000.000 Euro werden eben nicht Lindner persönlich weggenommen, sondern das werden die Bürger in IHREN Taschen merken.

[….] Förderprogramme für die Gebäudesanierung und den Austausch von Heizungen wurden bislang über den Klima- und Transformationsfonds finanziert, kurz KTF. Dabei bleibt es. [….] Seit Mitte vergangenen Jahres müssen Stromkundinnen und -kunden keine Ökostrom-Umlage mehr zahlen, der Bund übernimmt sie - aus dem KTF. Das sollte Bürgern einen Teil der Milliarden zurückgeben, die sie inzwischen über den nationalen CO₂-Preis beim Tanken und Heizen zahlen. Gegenüber 2021 spart ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt so gut 200 Euro. Derzeit ist unklar, ob sich daran etwas ändern wird [….]

Was wird aus dem geplanten Klimageld?

[….] Aus diesem Plan dürfte nichts werden, denn das ohnehin wacklige Konzept für die Finanzierung der Kompensation ist nun endgültig kollabiert.

Werden jetzt weniger Ladesäulen für Elektroautos gebaut?

Das ist nicht ausgeschlossen. Denn immerhin sah der Wirtschaftsplan des Fonds für den Ausbau der Tank- und Lade-Infrastruktur im kommenden Jahr Zuschüsse in Höhe von 2,2 Milliarden Euro vor und 2,4 Milliarden in den Jahren darauf. Doch wie bei vielen Posten im Fonds - die meisten richten sich direkt an die Industrie und nicht an Verbraucher - liegt auch die Zukunft dieser Zuschüsse im Nebel. [….]

Kann der Bund im Falle von Katastrophen künftig noch Bürgern helfen?

Ein besonders weitreichender Aspekt des Urteils aus Karlsruhe ist es, dass der Bund künftig grundsätzlich keine Sondervermögen mehr einrichten darf, aus denen er dann erst in den Folgejahren nach und nach Hilfsprogramme finanziert. In Berlin wiesen Regierungsmitglieder nach dem Urteil darauf hin, dass beispielsweise ein Fonds wie der, den die Regierung nach der Flutkatastrophe im Ahrtal eingerichtet hatte, nach dem Urteil so nicht mehr möglich wäre. [….]

(SZ, 16.11.2023)

Aus dem Doppelwumms werden unter anderem die Gas- und Strompreisbremsen finanziert.

Des weiteren fällt Deutschlandhasser Merz seinen Unions-Parteifreunden in den Länderregierungen in den Rücken.

Denn, Überraschung, wie finanzieren die CDU-Regierungschefs die gewaltigen Extraausgaben, die durch die Megakrisenballungen entstanden? Ja, aus Sondervermögen, die ihr Parteichef nun so energisch bekämpft, um Lindner und Habeck und Scholz zu treffen.

[….] Auch in Berlin sollen über ein Sondervermögen die notwendigen Mittel bereitgestellt werden, um die Stadt wirksam auf den Klimawandel einzustellen. "Berlin wird ein Sondervermögen 'Klimaschutz, Resilienz und Transformation' mit einem Volumen von zunächst fünf Milliarden Euro schaffen", heißt es im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD aus dem vergangenen April. Weitere fünf Milliarden seien denkbar.

[….] In Schleswig-Holstein sind Sondervermögen seit Jahren gängige Praxis. Im Zuge der Corona-Pandemie bewilligte der Landtag 2020 einen Corona-Notkredit über bis zu 5,5 Milliarden Euro, reduzierte diesen aber später. Zudem beschloss das Parlament einen Ukraine-Notkredit über insgesamt 1,4 Milliarden Euro, der zumindest teilweise für die Ansiedlung des schwedischen Batterieherstellers Northvolt aufgewendet werden soll. [….] In Nordrhein-Westfalen könnte ausgerechnet der Landesrechnungshof und eine außergewöhnliche Notsituation die Landesregierung vor weiterem Ärger bewahrt haben: Die schwarz-grüne Koalition war im vergangenen Jahr drauf und dran, denselben Weg einzuschlagen wie der Bund. Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) wollte Kredite aus einem Corona-Rettungstopf in ein Sondervermögen "Krisenbewältigung" umschichten, um damit etwa gestiegene Kosten für Energie und den Zuzug von Flüchtlingen abzufedern. Das sei verfassungswidrig, mahnte der Landesrechnungshof. [….]

(SZ, 17.11.2023)

Ein Land, das sich Fritze Merz als Oppositionsführer im Parlament hält, braucht keine äußeren Feinde mehr.

Freitag, 17. November 2023

Die Moslems

Alle Zeitungen, die ich als Print-Abo beziehe, hatten heute das gleiche Titelthema; die Hamburger Blätter sowieso; aber auch die Süddeutsche, berichtet über die bundesweite Razzia gegen islamische Einrichtungen, von denen „die blaue Moschee an der Außenalster“ sicherlich das prominenteste Objekt war.

[…..] Allein in Hamburg waren 300 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Zahlreiche Polizeikräfte durchsuchten die Blaue Moschee an der Alster, den Sitz des IZH. Schwer bewaffnete Polizistinnen und Polizisten sicherten die Zugänge. In der Hansestadt wurden zeitgleich 30 weitere Objekte mit Verbindungen zum IZH durchsucht. Darunter auch ein unscheinbares Bürogebäude in der Nähe des Flughafens, das offenbar Sitz einer islamischen Akademie ist.

Bei der Großrazzia wurden nach Angaben des Innenministeriums größere Bargeldmengen, Mobiltelefone und Laptops sowie Schriftstücke und Flugblätter sichergestellt. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Das beschlagnahmte Material soll nun durch die Sicherheitsbehörden des Bundes ausgewertet werden.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) bezeichnete die Razzia gegen das IZH als "harten Schlag". Die Zeit des IZH sei "erkennbar abgelaufen", sagte er. "Je schneller das IZH nun als Ganzes aus Hamburg verschwindet, umso besser. Mit dem heutigen Tag sind wir dem ein ganzes Stück näher."

Die Verdachtsmomente gegen das IZH wögen schwer, sagte Faeser. Die Aktivitäten des Zentrums seien darauf ausgerichtet, das Revolutionskonzept der obersten iranischen Führer zu verbreiten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz gehe davon aus, dass das IZH auf bestimmte Moscheen und Vereine großen Einfluss bis hin zur vollständigen Kontrolle ausübt. Innerhalb dieser Kreise sei häufig eine antisemitische und antiisraelische Grundeinstellung feststellbar, hieß es in einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums. Faeser sagte: "Gerade jetzt, in einer Zeit, in der sich viele Jüdinnen und Juden besonders bedroht fühlen, gilt: Wir dulden generell keine islamistische Propaganda und keine antisemitische und israelfeindliche Hetze."  [….]

(NDR, 17.11.2023)

Die Mopo titelt reißerisch „MULLAHDÄMMERUNG“ in großen Lettern.

Die Einschläge kommen näher. Ich wohne nur wenige hundert Meter entfernt von der Blauen Moschee. (Aber doch so weit, daß die Mieten erheblich niedriger sind!) Von mir aus gesehen, befindet sich 50m vor der wirklich wunderschönen, beeindruckenden Moschee auch noch das russische Generalkonsulat, welches seit Februar 2022 permanent von Peterwagen eingekreist ist. Das war mal eine der ruhigsten Wohngegenden überhaupt. Auf dem östlichen Außenalsterstreifen zwischen Ufer und Sierichstraße, gibt es keinerlei Geschäfte, keinen ÖPNV. Man geht dort in aller Ruhe spazieren; es ist die Understatement-Seite des großen Stadt-Sees. Die Immobilienpreise sind natürlich enorm, aber es gibt keine protzigen Villen oder riesige Grundstücke. Die meisten Bewohner könnten sich vermutlich Ferraris und Porsches leisten, aber man sieht kaum welche in den Straßen. Wer mit seinem Reichtum angeben will, zieht in andere Gegenden. Hier schätzt man die Unauffälligkeit. Und nun das: Auf Schritt und Tritt schwer bewaffnete Polizisten. Es erinnert ein bißchen an den Juli 2017, den berüchtigten G20, als ebenfalls nur 50 m von der Blauen Moschee entfernt, im Gästehaus des Hamburger Senats, Donald und Melania Trump untergebracht wurden und rund um die Uhr Hubschrauber über mir kreisten.

Natürlich bekamen die Anwohner alle den gewaltigen Einsatz gegen die Moschee mit und so hörte ich mir beim heutigen Freitagseinkauf eine Menge islamophober Meinungen an. Es wäre höchste Zeit, daß endlich gegen die Islamisten durchgegriffen werde.

Erstaunlich, denn in den letzten Jahrzehnten, insbesondere vor 2015, war man sich durchaus bewußt darüber, daß es sich nicht nur um ein architektonisches Juwel, sondern eben auch ein schiitisches Gotteshaus handelte, welches in der edlen Diaspora also nicht von türkischen, kurdischen oder arabischen „Gastarbeitern“ besucht wurde (da die weit überwiegend sunnitisch sind), sondern von Exil-Iranern.

Bei ihnen handelt es sich nach einem weit verbreiteten Klischee um liberale Akademiker-Exilanten, die 1979/1980 nach der islamischen Revolution des Ruhollah Musawi Chomeini den Iran verlassen mussten. Das sind typischerweise Ärzte, Architekten, Ingenieure, mit denen es nie Integrationsprobleme gab.

Ich war immer stolz auf das Hamburger Zeichen der Toleranz; einer auffälligen Moschee an so prominenter Stelle, direkt am Außenalsterufer.

Es gibt kein Problem mit „dem Islam“, wie die bestens integrierten und ökonomisch erfolgreichen Deutsch-Iraner beweisen, die (fast) alle Muslime sind.

Allerdings Muslime, die mit den Mullahs in Teheran nichts zu tun haben möchten.

Insbesondere nach 2015 kamen aber Schiiten aus Syrien und dem Irak nach Hamburg, die aus anderen sozialen Schichten stammen.

Das war in meiner Nachbarschaft immer deutlich zu sehen, weil die Blaue Moschee nicht mit Bus oder Bahn zu erreichen ist. Die freitäglichen Besucher bekam ich in früheren Jahrzehnten am Hofweg, der ersten Straße von der Moschee aus gesehen, an der es wieder Geschäfte und eine Buslinie gibt, nie zu sehen. Natürlich nicht, denn das sind sehr wohlhabende Menschen, die mit der eigenen Limousine bis zur Moschee fahren und die optisch auch nicht auffallen, weil Iranerinnen keine Kopftücher oder gar Schleier tragen. In den letzten acht Jahren veränderte sich das Straßenbild; nun sieht man am Freitagabend auch mal ganze Familien mit mehreren verschleierten Frauen von der weit entfernten nächsten U-Bahnstation Mundsburg, oder der Bushaltestelle Hofweg/Zimmerstraße zu Fuß in Richtung Moschee gehen.

Der extrem rechten Hamburger CDU ist das IZH schon lange ein Dorn im Auge; immer wieder forderte sie, die Moschee zu schließen, das IZH aus der Schura zu werfen; versuchte damit den rotgrünen Senat mit populistischen Tönen, wie beim Gender-Verbot, vor sich her zu treiben. Die Gegenargumente lauteten „mangelnde Zuständigkeit“, oder, durchaus plausibel: solange das IZH legal und Teil der Schura bliebe, könne man es wesentlich besser beobachten, einschätzen und beeinflussen.

Als Quasi-Anwohner hat sich für mich nichts geändert; ich habe nie irgendetwas Verdächtiges bemerkt oder gar politische Aktivitäten wahrgenommen. Ich sehe bloß ganz normale freundliche Leute, die zum Gottesdienst wandern. Einer Aktivität, die mir ganz genauso fremd und nicht nachvollziehbar erscheint, wie eine katholische Messe.

Innenministerin Faeser und Innensenator Grote haben selbstverständlich viel mehr Informationen als ich. Teherans Einfluss auf das IZH scheint demnach beträchtlich gewachsen zu sein. Imame predigen mutmaßlich gefährliche und antisemitische Inhalte.

Nach dem „Schwarzen Schabbat vom 07.10.2023“ gab es in mehreren deutschen Städten propalästinensische Demos, bei denen hunderte Muslime antisemitisches Gedankengut rausschrien.

Das „Tätervolk Deutschland“ reagiert richtigerweise sensibel auf Antisemitismus. Die Ampel geht richtigerweise gegen antisemitische Vereinigungen vor.

Nicht richtig ist es hingegen, von einigen Hundert auf der Straße grölenden Muslimen auf alle sechs Millionen Muslime in Deutschland zu schließen.

Genau das geschieht aber. Die meisten Deutschen mögen generell „den Islam“ nicht. "Allahu akbar"-Rufe, Moschee-Besuche, freie muslimische Glaubensausübung ist grundgesetzlich garantiert. Viele Deutsche möchten es dennoch gern verbieten.

Islam und Islamismus werden munter verquickt. Dabei gehören 99,5% der Muslime in Deutschland nicht zu einer extremistischen Strömung.

[….] Kürzlich fragte mich eine Journalistin, ob nun nicht auch Rufe wie "Allahu akbar" verboten werden sollten. Ich denke, das wäre verhängnisvoll. Damit würde man Islamisten in die Hände spielen. Sie hätten erreicht, was sie wollen - ihre islamistische, radikalpolitische Deutung religiöser Symbole durchzusetzen und einen Keil durch die Gesellschaft zu treiben. "Allahu akbar" ist einer der wichtigsten Glaubensaussprüche im Islam. Mit diesen Worten wird das Gebet eingeleitet. Es bedeutet so viel wie "Gott ist größer" und versteht sich als Ausdruck von Demut. Ein Verbot würde eine Glaubensgemeinschaft pauschal kriminalisieren und "Allahu akbar" zur Kampfformel degradieren - genau das, was die Islamisten daraus machen wollen. Damit würde man befördern, womit sich die muslimische Bevölkerung seit Jahren konfrontiert fühlt: die Gleichsetzung von Islam und Islamismus.

Wie verbreitet dieser Generalverdacht bereits ist, belegen die Zahlen einer bisher unveröffentlichten Auswertung des "Religionsmonitors 2023" der Bertelsmann-Stiftung. Demnach sind 54 Prozent der Nicht-Muslime in Deutschland der Meinung, der Islam sei "in erster Linie" eine politische Ideologie. 73 Prozent glauben, islamistische Terroristen fänden starken Rückhalt im Islam. 57 Prozent sind überzeugt, der Islam rufe zur Gewalt auf. Solche Zahlen sind für die große Mehrheit der deutschen Muslime überaus schmerzvoll. Sie verstärken ihr Gefühl, ausgegrenzt und "Opfer" zu sein. Wenn nun eine Kriminalisierung muslimischer Glaubensformeln diskutiert wird, befeuert das die islamistische Behauptung, Musliminnen, Muslime und ihr Glaube würden in den westlichen Gesellschaften nicht als gleichwertig behandelt. Die Einzigen, denen ein solches Verbot nutzt, wären die Islamisten und andere Extremisten.

Stattdessen muss man sich die Mühe machen, genauer hinzusehen, was legitime Äußerungen von Glauben und humanitären Überzeugungen sind, und wo Äußerungen gegen grundlegende Werte verstoßen. [….]

(Yasemin El-Menouar, "Senior Expert" der Bertelsmann-Stiftung, 16.11.2023)

Pauschalurteile sind immer falsch, ungerecht und perfide.

Es gehört zwar zum allgemeinen Sprachgebrauch zu pauschalisieren, indem man „die Schwaben“ als geizig oder „die Bayern“ als doof oder „die Amerikaner“ als ungebildete waffenfanatische Trumpisten bezeichnet. In geschriebener und offiziellerer Form sollte das nicht vorkommen, denn selbstverständlich sind weder alle Schwaben, noch alle Bayern oder alle Amis gleich. Bei Millionen Individuen ist ein breites Charakterspektrum so selbstverständlich, daß man von meiner US-amerikanischen Staatsbürgerschaft natürlich nicht darauf schließen kann, Trump-Fan zu sein.

Eine solche Unterstellung wäre bösartig und dumm.

Umso erbärmlicher, daß ausgerechnet der Mann des Wortes in Deutschland, der Bundespräsident genau das tut. Hardcore Religiot Steinmeiner geht sogar noch weiter.

[….] Der Bundespräsident ruft Arabischstämmige und Muslime auf, sich von der Hamas und dem Terror zu distanzieren. Hat Steinmeier je etwas von Sippenhaft gehört? [….] Ob Frank-Walter Steinmeier vorhat, eine neue Hotline einzurichten, ist noch nicht bekannt. Leserinnen und Leser, die nach der Lektüre dieses Textes den Drang verspüren, sich von Hass und Gewalt zu distanzieren, finden die bisherige Nummer der Telefonzentrale von Schloss Bellevue jedoch auf bundespraesident.de. [….] Wer zum Beispiel christlichen, hinduistischen oder gar keines Glaubens, italienischstämmig oder blütenweißer Hautfarbe ist, kann diese sachdienlichen Hinweise aber eigentlich getrost schon wieder vergessen. Denn für sich selbst zu sprechen, das hat Steinmeier bei einem "Runden Tisch zum friedlichen Zusammenleben" in dieser Woche nun von Muslimen und Arabern eingefordert, denn, herrje, soviel Differenzierung muss sein: Es gibt ja Muslime, die keine Araber sind und Araber, die keine Muslime sind.

[….] "Erteilen Sie dem Terror eine klare Absage!"

[….]  Von den in der Folge des 7. Oktobers so verdächtig stillen muslimischen Organisationen kann man Stellungnahmen erwarten und wenn sie ausbleiben: einfordern. Dazu sind Verbände da: dass sie für ihre Mitglieder als Gruppe sprechen, dass sie Positionen artikulieren, Ansprechpartner sind, nach innen wie nach außen.  Aber kann und sollte man solche Stellungnahmen auch von jedem einzelnen, tatsächlichen oder auch nur aufgrund irgendwelcher Merkmale vermuteten Mitglied einer eher diffus definierten Gruppe verlangen? Folgt man Steinmeiers Logik, sollen sich also die fünf Millionen in Deutschland lebenden Muslime und die 1,5 Millionen Arabischstämmigen von Verbrechern distanzieren - und das individuell. Sippenhaft nun nicht mehr nur wegen Clankriminalität: Ist das wirklich die Lehre aus den Bildern der gespenstischen Demonstrationen von Hamas-Freunden und Kalifats-Begeisterten auf der Sonnenallee, in Essen und Duisburg? [….]

(Moritz Baumstieger, SZ, 10.11.2023)

Der Mann ist wirklich schlimm!

Natürlich deckt es die Religionsfreiheit, ein Religiot zu sein. Das kann ich ihm nicht vorwerfen.

Aber Steinmeier ist auch Volljurist und ranghöchster Mann im Staate. Da sollte er doch die Verfassung kennen und achten.

Nein, nur weil ich Amerikaner bin, verpflichtet es mich nicht extra dazu, mich von Trump zu distanzieren.

Ich muss mich als Deutscher auch nicht von Steinmeier distanzieren. Ich möchte es aber.