Freitag, 23. Dezember 2022

Januskopf Merz  

Merz macht es wie Trump. Er lügt. Und er lügt nicht stringent.

Er bleibt nicht bei einer Linie, sondern tönt voller Emphase und Empörung immer das, was gerade beim aktuellen Auditorium am besten ankommt. Im Gespräch mit westdeutscher Presse, pfeift er seinen nördlichsten Rivalen Daniel Günther zurück, nachdem dieser verlangte, die deutschen Kernkraftwerke dauerhaft weiterlaufen zu lassen.

[….] Günther erhielt direkt Gegenwind von seinen grünen Koalitionspartnern. Und auch vom eigenen Parteichef gibt es keine Rückendeckung: Laut „Bild“ soll Friedrich Merz das „endgültige AKW-Aus im April 2023 für unumkehrbar“ halten. Als Grund gab er fehlende Brennstäbe an, die nicht bestellt wurden. Somit gebe es keine Voraussetzung für den Weiterbetrieb der Meiler über den April hinaus.   [….]

(Mopo, 21.12.2022)

Man staunt. Ein seriöser Merz, der auf technische Fakten verweist?

Aber es ging darum, Ministerpräsident Günther einzunorden. Noch vor wenigen Wochen machte Merz selbst massiv Propaganda für den Weiterbetrieb der AKWs. Und zwar völlig ohne Rücksicht auf Fakten.

[….] Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat mit einer Aussage zur Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken für Verwirrung gesorgt. Kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen warb Merz für einen Weiterbetrieb des Atomkraftwerks in Lingen. Das Problem: Der Betrieb wurde bereits im Januar 1979 eingestellt.

„Die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler in Niedersachsen am Sonntag ist auch eine Volksabstimmung über einen Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Lingen“, twitterte Merz kurz vor der für CDU und SPD entscheidenden Wahl am Sonntag. Der Weiterbetrieb sei einer von drei Bausteinen, damit zehn Millionen Haushalte weiter sicher mit Strom versorgt werden könnten.  [….]

(Kölnische Rundschau, 07.10.2022)

Der CDU-Chef pöbelt wider die Schwachen und Notleidenden, wenn er (leider zu Recht) annimmt, das komme bei den Wählern gut an.

Befeuert von Springer, werden derzeit die „Klimakleber“ gehasst, wie die Pest.

Keine Talkshow, in der man sich nicht über die Aktivisten empört. Und so wettert auch Merz völlig überzogen gegen die „Klima-RAF“, während er die faschistische AfD schont und umschmeichelt.

Die AfD ist im Osten bis weit in die CDU-Kernwählerschaft sehr beliebt. Merz ist nicht interessiert an Anstand, Moral oder der Erhaltung der Demokratie, sondern nur an vielen Stimmen und seiner eigenen Macht. Da blinkt er immer wieder rechts-braun. 

Als der sächsische Ministerpräsident den inzwischen berüchtigten xenophoben CDU-Landrat Udo Witschas verteidigte, rief Merz ihn demonstrativ nicht zur Raison.

Schelte an den Sachsen kam nur in mildem Ton vom CDU-Generalsekretär.

Denn offiziell, für die Westmedien, hatte Merz eine „Brandmauer“ gegen die AfD installiert.

[….] Im Landesvorstand der sächsischen CDU gibt es Kritik am Bundesgeneralsekretär Mario Czaja. Hintergrund ist dessen klare Distanzierung von den flüchtlingsfeindlichen Aussagen des Bautzner Landrats Udo Witschas.  »Ich sage im Namen des Parteivorsitzenden, des Parteivorstandes und der Christdemokratinnen und Christdemokraten in Deutschland: Wir distanzieren uns mit Nachdruck von der Wortwahl des Bautzener Landrats«, schrieb Czaja auf Twitter. »Menschen, die in unserem Land Schutz suchen, verdienen unsere Hilfe, unsere Fürsorge und werden mit Respekt und Anstand behandelt. Wir sind Demokraten und Christen und stehen zu unserer Verantwortung.« [….] Im sächsischen Landesvorstand sorgt die Distanzierung Czajas von Witschas’ Aussagen für Unmut. Ein entsprechender Screenshot des Gruppenchats der Landesführung liegt dem SPIEGEL vor. »Was soll man von einer CDU halten bei den Äußerungen aus Berlin zu unserem Landrat aus Bautzen? Nicht alles gelesen, nicht zugehört, dem Volk nicht aufs Maul geschaut«, schreibt in dem Chat etwa Klaus Leroff, der frühere Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion. [….] Ebenfalls deutlich im Chat des Landesvorstands wird Matthias Grahl, Mitglied im Landespräsidium, enger Freund des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Vorsitzender der Bautzener Kreistagsfraktion. »Zumindest wäre es klug gewesen, wenn man sich aus Berlin mal die Mühe gemacht hätte und eine klitzekleine Nachfrage bei den Delinquenten riskiert hätte zu Hintergründen und Tatsachen«, schreibt Grahl im Chat. [….]

(Timo Lehmann, 23.12.2022)

Aber diese Brandmauer ist eben nur eine der Merz-Lügen. In Wahrheit kooperiert die CDU dauernd mit der AfD. Und genau das kommt in Ostdeutschland gut an.

Deswegen pestet Merz gegen Günther und läßt Kretschmer Spielraum, um mit den Füßen im faschistischen Sumpf zu plätschern.

[….] Es ist mehr als überfällig, dass sich die Bundesspitze der CDU jetzt von ihren Parteikollegen in Bautzen distanziert. Besser spät als nie, aber deshalb noch lange nicht gut genug. Unter dem Kommando von Parteichef Friedrich Merz gibt es angeblich eine Brandmauer, die dort steht, wo die Grenzen zwischen konservativen und rechtsextremen Positionen verläuft. Das sollte eigentlich auch eine unverhandelbare Grenze zwischen der CDU und der AfD sein. Vor allem im sächsischen Bautzen wird sie aber mutwillig übertreten. [….] Für die CDU ist das aber mit mindestens zwei gravierenden Problemen verbunden. Erstens spielt sie mit ihrem Ruf als christliche, humane Partei, wenn sie das Bautzener Modell duldet und sich dem Verdacht aussetzt, im rechtkonservativen Lager auf Stimmenfang gehen zu wollen. Zweitens haben führende Köpfe der Union eigentlich längst begriffen, dass sie sich damit in eine strategische Sackgasse begeben würden. CSU-Chef Markus Söder brachte diese Erkenntnis einst auf die griffige Formel: Man kann das Stinktier nicht überstinken. Daran sollte sich auch Friedrich Merz jederzeit erinnern.  […..]

(Boris Herrmann, 23.12.2022)

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Viele Generationen Scheiße  

Man weiß immer nicht; sind es die Gene, oder ist es der Einfluss der Umwelt.

Um die Frage zu untersuchen, wieso man so ist, wie man ist, bedarf es außergewöhnlicher Sonderfälle. Zwillingsforschung. Aber wie viele eineiige Zwillinge werden schon zufällig als Säuglinge getrennt, wachsen in unterschiedlichen Verhältnissen auf, treffen sich nach Jahrzehnten zufällig wieder und werden dann auch noch wissenschaftlich ausgewertet?

Erkenntnisreich ist auch eine Konstellation wie in dem französischen Film „La Vie est un long fleuve tranquille“ (Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluß) von Étienne Chatiliez aus dem Jahre 1988.  Eine Krankenschwester vertauscht, um sich an ihrem Chef zu rächen, zwei Säuglinge. Momo aus der wohlhabenden Bildungsbürgertum-Familie Le Quesnoy wächst bei den totalen Proleten Groseilles auf; Bernadette entsprechend umgekehrt.

Niemand merkt etwas, bis die Krankennschwester plaudert. Die reichen Le Quesnoys kaufen für 20.000 Francs ihren leiblichen Sohn, den mittlerweile 12-Jährigen Momo zurück und behalten auch Bernadette. Die White Trash-Groseilles haben noch jede Menge andere Kinder und sind froh über das Geld. Nun könnte alles gut werden. Wird es aber nicht, weil der genetische Le Quesnoy-Momo natürlich seinen nicht biologischen Geschwistern und Eltern mehr verbunden ist und zu deren Gunsten gern seine neue reiche Familie schröpft.

Vor gut 30 Jahren liebte ich den Film, habe ihn aber seither nicht wieder gesehen.

Die Frage, ob man eher genetisch oder durch seine Erziehung bestimmt ist, wird in der Komödie äußerst unterhaltsam durchdekliniert. Aber es ist eine fiktive und kaum realistische Story.

Nachdem ich mehrere Dekaden über die Frage nachgedacht habe und mal mehr in Richtung „Gene“ und mal mehr in Richtung „Umwelt“ lehnte, habe ich inzwischen keine objektiv überzeugenden Erklärungen mehr. Es gibt diese verblüffenden Unterschiede. Mein Vater war ein Zwilling und war in jeder erdenklichen Hinsicht, das diametrale Gegenteil meines Onkels. Man hätte nie geglaubt, daß die überhaupt Brüder sind, geschweige denn, im Abstand von vier Minuten geboren wurden.

Geschwister können extrem unterschiedlich sein. Gleichzeitig gibt es aber, auch in meiner Familie, geradezu groteske äußerliche und charakterliche Ähnlichkeiten von Jüngeren mit verstorbenen Großtanten oder Urgroßeltern, die sie nie kennengelernt hatten, daß ich resigniert denke, man habe vielleicht gar keinen Einfluss auf sich selbst, sondern ist ausschließlich Opfer seiner Gene.

Oft stehen Gene und die Erziehung allerdings ohnehin auf derselben Seite.

Die Trumps sind seit mindestens vier Generationen optisch und charakterlich der schlimmste Abschaum.

Donald Trump, der nicht nur stolz auf seine Pfälzer Gene ist, sondern aus ihnen auch eine grundlegende Überlegenheit seiner Familie ableitet und daraus den Schluß zieht, sich nicht an Gesetze halten zu brauchen, profitiert tatsächlich von der kriminellen Energie seines Vaters und Großvaters. Mit Sicherheit erbte er von ihnen die Methode „Bully“. Durch Gene, Vorleben, praktische Übung.

Opa Friedrich Trump (1869-1918) aus der bayerischen Pfalz kam 1885 als Teenager nach New York, wollte reich werden, wurde kriminell, raubte beim Goldrausch in Klondike andere Claims und betrieb schließlich Bordelle.

Vater Fred Trump (1905-1999) war ein extremer Rassist und Hitler-Freund, der als Immobilienunternehmer gnadenlos die Not seiner Mieter ausnutzte. 

Sohn Donald, geb. 1946 ist interessanterweise kaufmännisch völlig unfähig, reitet alle seine Unternehmungen in die Pleite. Aber er profitiert a) von den Milliarden, die sein Vater ihm hinterließ und der durch Erziehung/Gene angeeigneten Bully-Methode. Er droht, lügt und übervorteilt seine Geschäftspartner.

Die Trump-Gene können kaum verbessert werden, außer durch den Neukombinationszufall. 

Wenn man aber solche grausigen Persönlichkeiten wie Ivana Zelníčková, Lara Lea Yunaska, Jared Kushner, oder demnächst auch noch Kimberly Guilfoyle einkreuzt, machen die es sicher nicht besser.

Aber auch wenn Trumps Enkel wenigstens einen netten Elternteil hätten, wäre es bei der toxischen, rassistischen, kriminellen, xenophoben, Bully-Erziehung ein Wunder, wenn das keine echten Widerlinge, wie die vier Generationen vor ihnen werden.


 Wenn Barron Glück hat, ist Donald Trump nicht sein leiblicher Vater.

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Im Osten gehen die Uhren anders  

Beim Thema AfD sind sich Ost-CDU und West-CDU einig. Man redet wie die Höckianer und kooperiert mit den völkischen Verfassungsfeinden. Und zwar regelmäßig, wie Politikwissenschaftler Hummel nachweist.

 [….] SPIEGEL: Herr Hummel, Sie haben die Zusammenarbeit zwischen der AfD und anderen Parteien in der sächsischen Kommunalpolitik untersucht. Ist die viel beschworene »Brandmauer« zwischen Konservativen und Rechtsextremen in Ostdeutschland längst gefallen?

Hummel: Die Frage ist vielmehr, ob die Brandmauer jemals so existiert hat. Seit der Kommunalwahl 2019 lassen sich zahlreiche Fälle von Kooperationen zwischen demokratischen Parteien und der extremen Rechten finden. Ich habe konkret 21 Fälle recherchiert, die sich zweifelsfrei belegen lassen. [….] Aber einerseits liegt die tatsächliche Zahl vermutlich deutlich höher, weil sich solche Kooperationen oft nicht eindeutig nachweisen lassen [….] Und andererseits waren es eben mindestens 21 Fälle – und schon die können für die Demokratie zum Problem werden. [….] Die AfD ist eine extrem rechte Partei, viele ihrer Mitglieder lehnen die Vorstellung einer freiheitlichen, pluralistischen Demokratie radikal ab. Je häufiger es Zusammenarbeiten mit dieser Partei in Städten und Kreisen gibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es auch auf Landes- und später Bundesebene zu solchen Kooperationen kommen könnte.  [….]

(DER SPIEGEL, 21.12.2022)

Friedrich Merz, dem schwarzbraunen CDU-Bundesparteichef und Hobbyhetzer gefällt das.

[….] CDU-Parteichef Friedrich Merz hat sich [….]  klar und deutlich gegen ein mögliches Verbotsverfahren gegen die AfD ausgesprochen. Offenbar befürchtet er den Verlust eines potenziellen Koalitionspartners.  "Ich halte von solchen Verbotsverfahren gar nichts", sagte Merz am Montagabend gegenüber dem Sender "Welt", während er im Kopf die aktuellen Umfrageergebnisse von CDU und CSU zum Umfrageergebnis der AfD addierte. "Die organisieren sich am nächsten Tag neu und sind in einer anderen Partei. Und dann geht das Spiel von vorne los." Nötig sei eine politische Auseinandersetzung, keine juristische, so Merz, während er gedanklich ergänzte: "Etwa, indem sie in Regierungsverantwortung unter mir als Bundeskanzler eingebunden ist. Oder Reichskanzler, wenn die AfD unbedingt will." [….]

(Postillon, 15.12.2022)

Die ultrarechte Sachsen-CDU gilt nicht ohne Grund als Merz-Fanbase.

Hetze gegen Flüchtlinge, Minderheiten und allgemein Menschen in Not gehört dort zur christdemokratischen DNA.

[….] Kretschmer verteidigt CDU-Landrat nach Aussage über Flüchtlinge. [….]  Stattdessen betreibt er Medienschelte. [….] die Äußerungen des Bautzener Landrats Udo Witschas seien »bewusst aus dem Zusammenhang gerissen« worden, [….] Der Fall zeige, wie Nachrichten »instrumentalisiert« werden könnten.  Witschas hatte in seiner Weihnachtsbotschaft Worte über Flüchtlinge gewählt, die bei der AfD auf Beifall stoßen dürften. Der CDU-Politiker sagte in einem am Dienstagabend auf Facebook veröffentlichten Video unter anderem, dass im Landkreis Flüchtlinge weder in Turnhallen noch in dezentralen Unterkünften untergebracht werden sollen. »Es ist nicht unsere Absicht, den Sport, ob nun den Schul- oder Freizeitsport, jetzt für diese Asylpolitik bluten zu lassen«, sagte Witschas. Zudem wolle das Landratsamt nicht »Menschen, die zu uns kommen, die unsere Kultur nicht kennen, die unsere Regularien nicht kennen, jetzt hier in Mehrfamilienhäusern und frei stehenden Wohnungen unterbringen und dafür die Gefährdung des sozialen Friedens in Kauf nehmen«. [….] Zuvor hatte bereits Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Stellung bezogen: Ein CDU-Mitglied erkläre den Bürgern, warum Schutz suchende Menschen in keine leer stehende Wohnung dürften und wünsche dann »gesegnete Weihnachten«. Witschas habe die Weihnachtsgeschichte nicht verstanden, twitterte Ramelow. Seine Parteikollegin Caren Lay bezeichnete es als unglaublich, wie der Landrat die Angst vor Asylbewerberinnen und Asylbewerbern schüre.

»Eine als Weihnachtsansprache getarnte Hassrede ist das Gegenteil von dem, was wir benötigen«

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sprach am Mittwoch von einem »ungeheuren Vorgang«. [….] »Eine als Weihnachtsansprache getarnte Hassrede ist das Gegenteil von dem, was wir benötigen.« [….]  Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bautzener CDU in der Kritik gestanden, nachdem die CDU im Kreistag von Bautzen einem Antrag der AfD zur Flüchtlingspolitik mehrheitlich zugestimmt hatte.  […]

(Spon, 21.12.2022)

Es herrscht aber nicht nur Friede und Freude zwischen der Bundes-CDU und den AfD-affinen Ost-Landesverbänden.

Friedrich Merz setzt sich ähnlich vehement wie Baerbock und Hofreiter für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ein.

Der sächsische CDU-Ministerpräsident Kretschmer mag aber seinem sympathischen Freund Wladimir Putin nicht in den Rücken fallen und lehnt das ab. Der Konflikt solle „eingefroren“ und nicht durch ukrainische Gegenwehr verlängert werden.

[….] In Sachsen gab es am Dienstag heftige Kritik an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wegen dessen Unterstützung des offenen Briefes von Künstlern und Publizisten an Bundeskanzler Olaf Scholz. In der CDU-Präsidiumssitzung hatte Kretschmer am Montag gesagt, der Brief, der sich auch gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine wendet, „bildet nicht die Mehrheit der veröffentlichten Meinung ab, aber durchaus die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft, auch meine“. [….] Auch bei Kretschmers Koalitionspartner SPD schlugen die Wogen hoch. „Die Ab­lehnung von Michael Kretschmer gegenüber der Lieferung schwerer Waffen ist völlig unverständlich“, schrieb SPD-Landeschef Henning Homann via Twitter. „Kretschmer spricht nicht für die Koalition in Sachsen.“ Die Sache sei vor allem ein Problem für Merz und Kretschmer, wenn sich Letzterer gegen Ersteren stelle.  Bei der Unterstützung für die Ukraine müssten jedoch Haltung und Verantwortung gezeigt werden. „Orientierung an kurzfristige Umfragewerte und Stimmungen sollte nicht Richtschnur von Politik sein“, so Homann. [….] Zustimmung erntete Kretschmer von AfD und Linken. Wer einen Krieg rasch beenden wolle, könne nicht immer mehr Waffen liefern, hieß es aus der AfD-Fraktion. Die Fraktionsführung der Linken wiederum erklärte, dass die Logik des Militärischen durchbrochen werden müsse.  [….]

(FAZ, 03.05.2022)

Immer wieder geben sich Ost-CDU-Landesverbände als Teil der Querfront zu erkennen. Sie sind Covidioten, Putinisten oder auch Anti-Rundfunkgebühr-Populisten.

Während sich die Ost-CDUler für den neuen Putin erwärmen, der gegen Homosexuelle, gegen Migranten, für Weiße und für die Kirche eintritt, schwärmen die Linken aus alter Verbundenheit für den alten Putin aus der einst kommunistischen, anti-imperialistischen UdSSR. Beides ist zwar abwegig und passt nicht zusammen, aber das ist schließlich der Zauber der Querfront. Rechtsextreme und Linksextreme, die gleichermaßen schwer schwurbeln, so daß alles zu einem verschwörungstheoretischen antiwissenschaftlichen postfaktischen Amalgam des Grauens verschmilzt.

Auch wenn viele gute Linke die Partei wegen des Einfluss des völkisch-populistischen Weideknecht-Mobs verlassen haben, gibt es noch prima Leute unter ihnen. Ich empfehle beispielsweise Martina Renner zu folgen; eine wirklich vorbildliche Volksvertreterin.

Da Bodo Ramelow, der Linke im höchsten Amt, so extrem religiös ist, bin ich natürlich kein Fan von ihm. Aber in dem Dreiparteien-Bundesland Thüringen (Linke, AfD, CDU) ist er selbstverständlich das kleinste Übel. Daher bin ich froh, daß er Bernd Höckes Ministerpräsident ist. Da Ramelow kein Verschwörungstheoretiker ist, der sich in postfaktischen Sphären herumtreibt, erkannte er natürlich, daß der zurückhaltende intellektuelle Sowjet-Putin nicht mehr existiert, weil er seine vollständige Metamorphose zum rechtsradikalen Kriegstreiber-Psychopathen vollendet hat.

Eigentlich sind rechtsradikale Oligarchen-Imperialisten, die hunderttauende Menschen bei einem Angriffskrieg töten nicht unbedingt diejenigen, denen eine demokratisch-sozialistische Partei die Daumen drückt. Daher setzt sich auch Ministerpräsident Ramelow für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine ein.

Einigen irren Ossis seiner Partei passt das aber gar nicht, weil sie in ihrem Saxonia-Querfront-Boot mit der Kretschmer-CDU, sowie der AfD hocken und dort gemeinsam die Putinisten-Flagge schwenken.

Ein Linker MP, der sich gegen einen rechtradikalen, homophoben Massenmörder wendet, triggert die sächsischen Genossen derart, daß sie ihn aus der Partei ausschließen wollen.

[….] Zwei Mitglieder der Partei Die Linke aus Sachsen haben den Parteiausschluss von Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow beantragt. Ein entsprechendes Schreiben ist bei der Schiedskommission der Linken in Thüringen eingegangen. Hintergrund ist Ramelows Haltung zum Krieg in der Ukraine. Der Politiker hatte sich kürzlich für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen und erklärt, »jeder, der angegriffen wird, hat das Recht, sich zu verteidigen«. [….] Die Antragsteller schreiben, sie seien vom Glauben an den »›Genossen‹ Ramelow nun vollständig abgefallen«. Zehntausende Menschen seien in dem Krieg bereits umgekommen. »Warum gelten nur amerikanische Interessen… und warum wurden russische Interessen immer wieder ignoriert?« Der linke Spitzengenosse nehme die Vernichtung der Menschheit in einem nuklearen Inferno in Kauf. Ramelow, so die beiden Antragsteller, sei aus der Partei auszuschließen, »denn mit seinem Auftreten spaltet er unsere Partei noch mehr und gefährdet deren Existenz«. Schließlich habe sich selbst Sachsens CDU-Chef Michael Kretschmer gegen Waffenlieferungen ausgesprochen. [….]

(Steffen Winter, 20.12.2022)

An dieser Stelle denke sich jeder noch einen Freistaatophoben Spruch. Bayern, Sachsen, Thüringen sind…

Dienstag, 20. Dezember 2022

So ein Müll  

Vor ein paar Monaten ließ ich mich bei Civey für tägliche Onlineumfragen registrieren und bilde mir seither ein, auf ganz winzige Weise die Politik direkt mitzubestimmen. Viele große Medienhäuser, wie DER SPIEGEL veröffentlichen die Civey-Umfragen. Schlagzeilen wie „Große Mehrheit der Bundesbürger lehnt XY ab“ beindrucken Journalisten und Politier gleichermaßen. Letztere natürlich in negativer Weise, da sie, um ihre Wiederwahlchancen zu verbessern, in Versuchung geführt werden, die jeweils populärere Haltung zu vertreten.

So erklärt sich fast immer das rechtspopulistische Flügelschlagen der Schwarzgelben.

Was eine Mehrheit will, muss aber keineswegs richtig sein. Insbesondere, wenn es sich um ein bildungsphlegmatisches strukturkonservativ-spießiges Volk, wie das Deutsche handelt.

Bei allen Antworten rund um die Themen „Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit, Energie, Tierwohl“ ist mein Erschrecken riesig, aber meine Überraschung winzig.

Eine Mehrheit erkennt die Probleme an, versteht sich selbst aber nicht als Ursache.

Problemlösungen stellt sich der gemeine Deutsche offenbar streng nach dem St. Florians-Prinzip vor. Die anderen sind schuld, die anderen sollen sich ändern, nur man selbst darf keinesfalls belastet werden.

Man versteht sich als sehr tierlieb, guckt voller Empörung auf die abartigen Zustände bei der Massentierhaltung, will aber auf gar keinen Fall, mehr Geld für Fleisch ausgeben, oder gar weniger Fleisch essen.

Man ist geschockt vom Kükenschreddern, findet Eier aber ohnehin schon viel zu teuer, so daß man nicht einen Cent mehr dafür ausgeben will.

Es muss mehr gegen den Klimawandel unternommen werden, aber bei der Frage, welches das wichtigste Kriterium für einen neuen Stromanbieter sind, antworten fast alle „Preis“ und kaum einer „Nachhaltigkeit.“ Die Bahn soll schneller, pünktlicher und luxuriöser werden, aber keinesfalls würde man Streckenneubau in der Nachbarschaft oder höhere Ticketpreise akzeptieren.

Die Treibhausgasemissionen sollen drastisch gesenkt werden, aber man will unter keinen Umständen auf den Billigflug nach Antalya und Mallorca verzichten.

Die Bereitschaft, von sich aus sein Verhalten zu verändern, ist kaum vorhanden.  Das sollen „die Politiker“ tun. Aber Wehe, die Politiker sorgen tatsächlich für Änderungen. Das wäre schreckliche Gängelung und Freiheitsberaubung.

Daher gibt es in Deutschland viele Erkenntnisse darüber, was geschehen müsste, aber bei einem 84-Millionen-Trägheitsmoment ist das ohnehin schwer. Wenn aber diese enorme träge Masse auf kleine Stupser auch noch hysterisch reagiert und bei kleinsten Bewegungen, sofort HAUT AB-grölend auf die Straße rennt und AfD wählen will, wird es nahezu unmöglich, das bräsige Volk zu Verhaltensänderungen zu bringen.

Seit sieben Jahren regieren sehr starke Grüne in Hamburg, stellen den Verkehrssenator, der massiv die Fahrradfahrer fördert und den PKW-Individualverkehr behindert, um die Leute zum Umstieg auf ökologischere Bewegungsmittel zu treiben.  Erreicht wurde das Gegenteil. Jedes Jahr gibt es mehr Autos in Hamburg.

[….] Allen Beschwörungen einer Mobilitätswende zum Trotz: Die Zahl der in Hamburg registrierten Kraftfahrzeuge steigt weiter. Am 1. Januar 2021 waren in Hamburg 799.434 Pkw angemeldet, wie der Senat jetzt in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Richard Seelmaecker mitteilte. Ein Jahr zuvor, am 1. Januar 2020, waren es noch 797.427. Die Zahl der registrierten Lkw wuchs im selben Zeitraum von 65.488 auf 70.319 und die der Krafträder von 53.025 auf 55.353. Für CDU-Politiker Seelmaecker ist das Signal klar: „Die Menschen wollen weiter mit dem Auto fahren.“ [….]

(Abendblatt, 01.02.2021)

Anfang des Jahres 2022 wurden in Hamburg 813.800 Personenkraftwagen gezählt.

Wir Hamburger wissen natürlich, daß dringend weniger Auto gefahren werden muss und sind als Bewohner einer reichen Großstadt in der glücklichen Lage, genügend Alternativen zu haben. Es gibt, Busse und Bahnen, Moia und E-Scooter und viele Strecken sind mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu bewältigen. Aber es sollen eben andere auf ihr Auto verzichten, denken sich immer mehr Hamburger und kaufen immer mehr Autos.

Ein noch erschreckenderes Bild zeigt sich beim Müll.

Seit Jahren werden wir über die Verpackungsmüllberge informiert, sehen täglich die grauenhaften Bilder, wie sich Meeresbewohner in Plastikabfällen verheddert zu Tode quälen. Mikroplastik befindet sich mittlerweile im Trinkwasser. Immer mehr Startups entwickeln Plastik-Alternativen, denn diese Kunststoffe sind nicht nur eine Umweltpest, sondern werden auch noch aus Erdöl hergestellt, welches bekanntlich knapp und teuer ist. Der Gipfel der Perversion: Für viele Plastikverpackungen muss gar keine ökologische Alternative gefunden werden; die sind ohnehin überflüssig und können ersatzlos gestrichen werden.


So entstanden unter anderem die „Zero Waste Shops“ (Unverpackt-Läden), die jetzt aber reihenweise pleitegehen, weil die Deutschen zu bequem sind lieber das billige Zeug in ganz viel Plastik kaufen.

[….] Unverpackt-Läden stehen für nachhaltiges Einkaufen. 2019 rannten die Kunden ihnen die Geschäfte ein, heute schließt ein Laden nach dem anderen. [….] Vor zwei, drei Jahren schossen die Unverpackt-Läden aus dem Boden. Nachdem der offiziell Erste im Jahr 2014 in Kiel eröffnet hatte, folgten weitere. Das Konzept passte zum Zeitgeist, Plastikvermeidung war en vogue, und die Läden, in denen man Reis und Müsli in mitgebrachte Gefäße rieseln lassen kann, kamen mit dem Nachfüllen kaum hinterher. Jetzt, im Jahr 2022, hagelt es wieder Nachrichten aus der Branche, allerdings geht es diesmal oft um das Ende von Träumen. Zuletzt traf es beispielsweise Tante M. in Stuttgart-Sillenbuch. Am 25. November war Schluss. [….]

(Stuttgarter Zeitung, 28.11.2022)

[….] Erst eröffneten sie reihenweise, nun machen sie reihenweise dicht: Hamburgs Ökoläden stecken in der Krise und brauchen dringend Hilfe.  „Der richtig große Umsatzeinbruch kam im Sommer 2021“, heißt es in der verzweifelten Mitteilung der „Ohne Gedöns GmbH“, in der sie auf die momentane Situation der Unverpackt-Läden aufmerksam machen wollen.  […]

(MoPo, 28.05.2022)

Die Folgen der deutschen Doofheit sind klar: Neue Rekorde bei der Müllproduktion.

Eine halbe Tonne Müll produziert jeder einzelne Deutsche derzeit pro Jahr.

[….]  Die Menge an Haushaltsabfällen ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordstand gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, wurden 2021 pro Kopf 483 Kilogramm Abfälle eingesammelt - sechs Kilogramm mehr als im ersten Corona-Jahr 2020. Bei diesen sechs Kilogramm handelt es sich fast ausschließlich um Bioabfälle.  Die Gesamtmenge bei den Haushalten stieg 2021 auf 40,2 Millionen Tonnen Abfälle. Das war ein Anstieg um 1,5 Prozent im Jahresvergleich und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2004.  [….]

(ZDF, 19.12.2022)

Über 40 Millionen Tonnen Müll.

Vielen Dank auch an das Onlineshopping. Vielen Dank, Amazon.

Montag, 19. Dezember 2022

Ideologiefreiheit.  

Die einzige Klimaschutz- und Energiesparmaßnahme, die nichts kostet und per Handstreich einzuführen wäre, ist das Autobahn-Tempolimit.

Es scheitert ausschließlich an der ideologischen Verbohrtheit der FDP.

So wie eine Bürgerversicherung, in die Privat- und Kassenpatienten gleichermaßen einzahlen, oder Vermögenssteuern, gibt es diese politischen eindeutig richtigen Maßnahmen, die nun einmal nicht mit der Millionärs-Lobbypartei FDP machbar sind.

Auch CDU/CSU pflegen ideologische Essentials, die sich ähnlich wie bei der FDP im weitesten Sinne daran orientieren, den Mächtigen und Reichen noch mehr Macht und Reichtum zuzuschaufeln.

Bei genauerer Betrachtung, zeigen sich aber doch Unterschiede zwischen beiden Verbohrtheiten. Während die Gelben von „der Partei der Besserverdienenden“ eher von Hedonismus, Mitleidslosigkeit und Desinteresse geprägt sind, liegt den schwarzen Ideologen ein sadistischer Ansatz im Blut. Sie mögen es, andere zu diskriminieren, zu erniedrigen und schlechter zu stellen. Daher treten sie als Anwälte der Kinderfi**erorganisation RKK auf, diskriminieren Schwule, wollen Suchtkranke zusätzlich mit Strafen belasten, Todkranke mit bestialischen Schmerzen gegen ihren Willen zum Leben zwingen, Tiere in Schlachthöfen quälen, Küken Schreddern, Säuglingsgenitalien verstümmeln, straffrei Ehefrauen vergewaltigen, Kinder schlagen.

Daher gibt es politisch richtige Maßnahmen, die man niemals mit der CDUCSU machen kann, die aber für die FDP irrelevant genug sind, um sie durchzuwinken. Dazu gehören (bei einigen FDP-Abgeordneten) eine Entstaubung des Staatsbürgerschaftsrechtes, das Nachdenken über eine Ablösung der Staatsdotationen an die Kirchen, eine gewisse Offenheit bei der Patientenverfügung, liberale Homopolitik und weniger verbohrte Drogenpolitik.

Es ist eben nicht egal, wer regiert. Es muss immer erst gelingen, die Schwarzen in die Opposition zu schicken, bevor die Bundesregierung längst überfällige richtige Maßnahmen ergreifen kann. Von 1949 bis 1969 regierte ununterbrochen die CDU/CSU. Erst aber 1969 war es daher möglich, die deutsche Kriegsschuld einzugestehen, in Warschau auf die Knie zu fallen, das Verhältnis zur DDR und UdSSR zu entspannen. Frauenrechte und Ostpolitik gingen nur ohne die Schwarzen. Noch wichtiger war die Abwahl der Kohl-Merkel-CDU im Jahr 1998. Erst dann hatte Bundeskanzler Schröder freie Hand für absolut überfällige richtige Entscheidungen: Die Zwangsarbeiterentschädigung, die eingetragene Lebenspartnerschaft, die Rehabilitierung von Wehrmachtsdesterteuren und natürlich die Emanzipation vom großen Bruder USA, mit dem Nein zum illegalen Angriffskrieg auf den Irak, den die gesamte Union von Pflüger über Schäuble und Merz bis Merkel unbedingt mitmachen wollte.

Die Situation für Ampelkanzler Scholz ist in dieser Hinsicht vergleichbar. Die Merz/Laschet/Söder-Parteien mussten erst in die oppositionelle Machtlosigkeit verbannt werden, um den Mindestlohn zu etablieren, die aberwitzige Kriminalisierung von Gelegenheitskiffern zu beenden, Einbürgerungen zu erleichtern oder mit Bürgergeld und Wohngeld, den finanziell Schwachen zu helfen.

Der inzwischen vielgehasste Robert Habeck hat Erstaunliches bei der Energiesicherung geschafft. Die Gasspeicher wurden gefüllt und im Rekordtempo landen nun LNG-Frachter in Deutschland an. Gewaltige Entlastungspakete wurden verabschiedet, die dafür sorgten, daß Deutschland ökonomisch weit besser, als erwartet das Jahr 2022 beendet. Bedauerlicherweise haben sich alle Journalisten darauf geeinigt, die Ampel gnadenlos runterzuschreiben und keinen der unter diesem enormen Druck durchaus erstaunlichen Erfolge zu würdigen.

Die Umfragen spiegeln das: Der deutsche Michl meint, ausschließlich von Versagern regiert zu werden. Es liegt mir fern, die Totalausfälle Buschmann, Wissing und Lindner schön zu reden, aber die Ampel ist viel besser als ihr Ruf, viel besser als die Umfragen suggerieren.

Ein schönes Beispiel für einen Ampel-Erfolg, der nur ohne die CDU möglich wurde und der beinahe ohne geringste Würdigung in der Presse abläuft, ist die Rückgabe der Benin-Bronzen.

Das Königreich Benin, nicht zu verwechseln mit dem heutigen westafrikanischen Staat Benin, lag im heutigen Nigeria. Es wurde 600 n. Chr. von der Ogiso-Dynastie gegründet und stieg vor etwa 550 Jahren zum mächtigsten Staat am Niger auf. Es war eine kosmopolitische Handelsmacht. Im 16. Jahrhundert fielen die Christen ein und raubten aus Westafrika ca 13 Millionen Menschen, die sie als Sklaven verschifften. Im Jahr 1897 wurde das Königreich von den Briten zerschlagen und als Kolonie Victorias Empire einverleibt. Die Queen war entzückt und ihre Offiziere raubten das Land vollständig aus.

[….]  Die britischen Soldaten plünderten den königlichen Palast und die Residenzen von Würdenträgern. Sie raubten Tausende von Kunstobjekten, unter anderem ca. 3.500 bis 4.000 Bronzen, Terrakotta, Elfenbein- und Holzschnitzereien, darunter die kunsthandwerklich virtuosen Gedenkköpfe, deren Entstehungszeit bis in das 15. Jahrhundert zurückreichte. Da die meisten Soldaten den künstlerischen Wert dieser Objekte nicht einschätzen konnten, verkauften sie „ihre Kriegsbeute an fast jeden“.[….]

(Wikipedia)

Die Deutschen waren nicht unmittelbar an diesem Verbrechen beteiligt, kauften aber damals viele der achtlos auf den Mark geworfenen Bronzen auf.

Der legendäre Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Justus Brinckmann (1843-1915), kaufte hunderte Objekte aus den Königspalästen Benins. 179 Objekte befinden sich immer noch in Hamburg.

Erst mit einem SPD-Kanzler und grüner Kulturministerin ist das einzig Richtige möglich: Die Kunstschätze endlich zurück zu geben.

[….] Die Stadt Hamburg hat am Freitag die ersten geraubten Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben. Zuvor war im Rathaus der Vertrag zur vollständigen Eigentumsübertragung und zur Rückgabe der 179 Bronzen aus dem ehemaligen Königreich Benin mit einem Schätzwert von 60 Millionen Euro unterzeichnet worden. „Die heutige Rückgabe der Benin-Bronzen ist ein besonderer Meilenstein der gemeinsamen Verhandlungen zwischen Hamburg und der Bundesrepublik Nigeria“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Der heutige Tag dürfe aber kein Endpunkt sein, sondern solle den Auftakt zu einem vertieften kulturellen Austausch zwischen Europa und Afrika bilden.

Yusuf Maitama Tuggar, Botschafter der Bundesrepublik Nigeria, bezeichnete die Rückgabe der Benin-Bronzen als „Zeitenwende“, die ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen Afrika und Europa aufschlage. Professor Abba Isa Tijani, Generaldirektor der Nationalen Behörde für Museen und Denkmäler, sagte: „Die Rückgabe bedeutet uns sehr viel.“ Deutschland habe Nigeria nicht kolonialisiert und die Kunstschätze entwendet. „Aber heute tut Deutschland das Richtige, weil sie gesehen haben, dass diese Objekte illegal entwendet wurden.“ Dies sei eine großartige Botschaft auch an andere Länder. [….]

(MoPo, 16.12.2022)

Das Richtige tun. Großartige Botschaft senden. Erfreulich, auch mal solche Töne über Deutschland zu hören.

Offenbar interessiert es niemanden außer mir, aber ich bin stolz, daß die deutsche  Außenministerin und die deutsche Kulturstaatsministerin nach Nigeria flogen, um die geraubten Schätze zurück zu bringen. Nach 125 Jahren.

Danke, Ampel.

[….] Außenministerin Annalena Baerbock reist heute nach Nigeria. Bei dem zweitägigen Besuch in Afrikas bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Land geht es vor allem um die Rückgabe der sogenannten Benin-Bronzen. Baerbock hofft, dass dadurch auch eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem rohstoffreichen westafrikanischen Land möglich sein wird. "Gemeinsam mit den Bundesländern, Städten und Museen zeigen wir, dass Deutschland es ernst meint mit der Aufarbeitung seiner dunklen Kolonialgeschichte", erklärte die Grünen-Politikerin vor ihrem Abflug.  Die Außenministerin wird von Kulturstaatsministerin Claudia Roth und mehreren Museumsdirektoren begleitet. Am Dienstag wollen Baerbock und Roth 20 der Benin-Bronzen persönlich zurückgeben. Die wertvollen Tafeln und Skulpturen schmückten einst den Königspalast im Königreich Benin im heutigen Nigeria.  [….]

(Tagesschau, 18.12.2022)

Sonntag, 18. Dezember 2022

Bild-Religion Katholizismus.  

Als Atheisten machen wir uns immer wieder gern über den unglaublichen Pomp des Vatikans lustig. Lachen über die Gold- und Edelstein-besticken CSD-Kostüme der Bischöfe, die 15 Meter lange Cappa Magna des ultrakonservativen Kardinals Burke, die aberwitzigen Inszenierungen mit den pornoesken Schweizer Gardisten.

Im Social Media-Zeitalter drängen sich Heuchelei-Memes mit dem grotesk zur Schau gestellten Reichtum und dem Bekenntnis zu Jesus, dem Prediger der Armut natürlich auf. Was für ein Paradoxon; hier der ausgemergelte Jesus im Lendenschurz, der die Geldverleiher aus dem Tempel prügelte und dort der Vatikan, die reichste Organisation der Welt, mit eigener Bank, unendlichen Kunstschätzen und Immobilien weltweit.

Man wundert sich, wie es den steinreichen Prälaten überhaupt noch möglich ist, den Klingelbeutel mit „einer Spende für die Armen“ rumgehen zu lassen, ohne in schallendes Gelächter auszubrechen.

Tatsächlich war die Geld- und Goldgier der Kirche vor gut 500 Jahren die Haupttriebfeder für die Calvinisten, Erasmus von Rotterdam, Martin Luther und vorher Jan Hus (* um 1370; † 6. Juli 1415) gegen den Vatikan aufzumucken.

Spätere mächtige Protestanten wie die preußischen Könige mit ihrem Berliner Dom oder die Dresdner Bürger mit ihrer Frauenkirche wollten natürlich mit ihren gewaltigen extrem teuren Bauten den Katholiken entgegenprotzen.

Aber dennoch hielt sich in der protestantischen Kirche ein demonstrativ bescheidenes Selbstverständnis. Weniger Titel, weniger Garderobe, kein Weihrauch, schlichtere Gottesdienste.

Durch die Aufhebung des Zölibats und die Einführung des Frauenpriestertums im späten 20. Jahrhundert, wurde auch das Kinderf**ken zum katholischen Alleinstellungsmerkmal.

Man sollte also meinen, die Protestanten wären deutlich beliebter beim gemeinen Volk. Tatsächlich verliert die EKD aber mindestens genauso viele Mitglieder, wie die DBK. Katholiken treten außerdem fast immer ganz aus der Kirche aus und konvertieren nicht zu den Evangelen.

Der Grund ist offenbar genau die Prachtentfaltung, die Atheisten abschreckt. Katholiken bekommen optisch viel mehr geboten für ihr Geld. Die Show ist gewaltig. Verglichen damit, sind die schlichten schwarzen Kostüme einer protestantischen Bischöfin langweilig. Ohne die unendlichen Verästelungen der Hierarchie katholischer Titel mit komplizierten lateinischen Namen, wirkt die Kirche nicht mehr mysteriös. Mit Pfaff, Probst und Bischof als einzigen Titeln, kann man nicht beeindrucken.

Das wußten die Katholiken immer und wehrten sich deswegen auch so gegen die Bibel-Übersetzung. Deswegen kehrte Pappst Ratzinger mit dem Motuproprio  "Summorum Pontificum von 2007 zur tridentinischen Messe zurück, in der den Gläubigen der Arsch zugedreht wird und sie nichts verstehen.

Aber so kann man umso schöner das Gold, den Weihrauch und das Mysterium wirken lassen. Das lässt die Kirche übersinnlich und mächtig erscheinen. Gottes wahre Kirche verlässt man nicht so leicht.

Show ist alles.

Ungünstig ist es, wenn die obersten Zeremonienmeister für jedermann offensichtlich gebrechliche Wracks sind.

Die aktuellsten Ratzinger-Bilder stammen aus dem November 2022 und wenn man bedenkt, daß die Nonnen, die ihn betüdeln, ihn sicherlich nur in bestmöglicher Verfassung veröffentlichten, darf man extrapolieren, wie präfinal er schon ist.

Zum großen Unglück des Vatikans, ist Papst 2 optisch auch schon ein totales Wrack. Der einlungige Argentinier hat ein schlimmes Knie, das auch ihn in den Rollstuhl zwingt. Ein Operation ist wegen der Narkose nicht mehr möglich.

Bergoglio gilt als dramatisch amtsmüde, würde nur allzu gern den Bettel hinwerfen und einen Jüngeren, den lästigen Job machen lassen.

Aber er weiß, wie massiv es dem mystischen Status des Vizegottes auf Erden schadete, wenn gleich drei von ihnen im Vatikan hocken. Daher hofft er schon lange auf die endgültige Abreise Ratzingers, um selbst die Rolle des Ex-Papstes zu übernehmen.

Aber Ratzi, 95, klammert noch, während Bergoglio, 86, auch schon multimorbid im Rollstuhl sitzt. The Show must zwar go on, aber vielleicht geht es bald einfach nicht mehr.

[…] Möglicher Rücktritt von Papst Franziskus Verzichtserklärung für medizinischen Notfall liegt vor.

Seit Papst Franziskus kränkelt, gibt es Gerüchte über einen möglichen Rücktritt. Jetzt sagt der Pontifex: Ein Amtsverzicht im Krankheitsfall sei längst schriftlich hinterlegt. [….]

(Spon, 18.12.2022)

Mit zwei schwachen Altpäpsten wäre die Vatikanoptik empfindlich gestört. Dann hätte sich der unfehlbare göttliche Heilige Geist im Konklave gleich zweimal nacheinander geirrt.


Samstag, 17. Dezember 2022

Parallelwelten  

Wie jeder weiß, herrschte vor 2022, dem heroischen Freiheitskampf der republikanischen Helden Marjorie Traitor Greene, Lauren Poobert und Ted Cruz über Jahrzehnte eine finstere Diktatur in den USA.

Der Höllendämon Anthony Fauci hatte sich zum Imperator aufgeschwungen und sich aus purem Sadismus eine Krankheit ausgedacht, die es nie gab und niemals geben wird. Und an der 1,1 Millionen US-Amerikaner starben. Aber, wie Donald Trump, Top-Wissenschaftler und intelligentester Mann der Erde, nachweisen konnte, lagen die 102 Millionen Covid-Erkrankungen in den USA nur an den vielen Tests, die man nie hätte machen dürfen. Außerdem entwickelte er die hochwirksamen Therapien der analen Glühbirnen-Insertion und die Bleichmittel-Dialyse. Wir hätten alle gerettet werden können, wenn nicht der linksfaschistische Kommunisten-Deep Staate den armen bescheidenen Herrn Trump durch die Sperrung seines Twitteraccounts ganz furchtbar gemein diskriminiert und an der freien Meinungsäußerung gehindert hätte. Die altruistische Orange-Haut hatte dadurch keine Möglichkeit mehr, an die Öffentlichkeit zu gelangen. Er hatte ja nichts zu sagen, kein Amt und wurde durch den bösen Fauci gegängelt.

Nun trug es sich aber zu, daß ein sympathischer Freiheitskämpfer aus Südafrika, den bedrängten Republikanern zur Hilfe eilte, seinen bescheidenen Wohlstand einsetzte, um GOP-Wahlempfehlungen zu twittern. Selbstlos hatte er dafür Twitter gekauft, Donald Trump wieder freigeschaltet und dafür die bösen Linkskommunisten-Lügner von CNN, Washington Post und New York Times gesperrt.

Und, Ta-dah, nach einer Twitter-Abstimmung einige von ihnen wieder FREI gelassen. Das entzückte den deutschen Justizminister von den FREIEN Demokraten.


[….] Es ist fast atemberaubend, wie daneben man liegen kann. Ich versuche das mal für Sie aufzuräumen, lieber Marco Buschmann, Bundesminister der Justiz:

1. Elon Musk hat keinen „Fehler“ korrigiert, das setzt Einsicht über Fehlverhalten voraus. Diese liegt hier erkennbar nicht vor. Ganz im Gegenteil, er hat die (falschen Vorwürfe) mehrfach wiederholt.

2. Musks gehäuft auftretenden, willkürlichen und launenhaften Aktionen sind nicht nur Machtdemonstration, sondern auch Einschüchterungsbotschaft für alle anderen. Ein gelegentliches Einkassieren oder Umentscheiden gehört mit in sein System (wenn man es denn so nennen will).

3. Anscheinend wurden nicht alle betroffenen Accounts, sondern nur einige entsperrt.

4. Warum wollen Sie den Eindruck erzeugen, es ginge hier um „Minderheitenschutz“. Weil Sie den Eindruck erzeugen wollen, dass Journalist:innen (mindestens die hier betroffenen) einer Minderheit angehören?

5. Elon Musks absurde und pseudodemokratischen Umfragen über Dinge, die sich nicht dafür eignen (und die er nach Gutdünken gelten oder nicht gelten lässt), wollen Sie doch nicht allen Ernstes als seriöse Abstimmung bezeichnen, oder?

6. Das Hin und Her eines von sich selbst berauschten Rechtslibertären, Antidemokraten und Netzwerk-Autokraten hat weder etwas mit Größe zu tun, noch hat es Respekt verdient.

7. Es ist zutiefst verstörend und von zweifelhaftem Rechtsverständnis, wenn ausgerechnet ein Justizminister dafür lobende Worte findet.  [….]

(Lorenz Meyer, 17.12.2022)

Minister Buschmanns Held Elon Musk hatte ob seiner überragenden Intelligenz schon vor fast drei Jahren erkannt, daß Imperator Fauci sich dieses „China-Virus“ nur ausgedacht hatte. Daß es bald vorbei sei.

Da der neue Twitter-Chef so eindrucksvoll Recht behalten sollte, machte er sich daran, für Gerechtigkeit zu sorgen, indem er den finsteren Fauci anklagen und einsperren lassen möchte.

Die schlauen US-Amerikaner feiern ihn dafür.

Aber Musks Arm reicht auch nach Deutschland. Seine Privat-Gestapo macht nun Jagd auf deutsche Mitarbeiter mit abweichenden Meinungen.

Das ist nur folgerichtig, denn auch die Merkel-Systemmedien hatten dem Volk der Dichter und Denker mit Masken und Testpflicht zugesetzt. Obwohl doch Corona völlig harmlos ist. Das beweisen ja wohl die gerade mal 160.000 deutschen Covid-Toten.

Glücklicherweise konnte die Merkel-Diktatur überwunden werden. Die Freiheitskämpfer Merz und Kubicki wußten was nun zu tun ist. Den habilitierten Epidemiologen Prof. Karl Lauterbach kanzelte der Gelbe als „Spacken“ ab.

Der Schwarzbraune ging die Pandemie frontal an und beendete sie per order di mufti.

[….] Im Umgang mit der Pandemie mahnt CDU-Chef Merz die Rückkehr in ein weitgehend normales Leben an. Spätestens im Frühjahr sollte Corona offiziell für beendet erklärt werden. […]

(ZDF, 17.11.2022)

So nämlich, ihr Arzt-Spacken!

Schluss mit Impfungen und Testungen und Masken und Isolation. Man kann Corona auch einfach verbieten und dann ist die Pandemie weg.

Kaum gab Fritze Merz diese Order aus, wurden alle Menschen gesund. Man sieht es gerade in Hamburg; hier ist so gut wie niemand mehr krank.

Danke Trump, Musk, Merz und Kubicki. Endlich ist Corona vorbei.

Nur 130 Covid-Tote in Deutschland jeden Tag. Also gerade mal ein Passagierflugzeugabsturz alle 24 Stunden. Ist ja fast nichts.

Auch in den Kliniken gibt es keine Probleme mehr, weil zum Beispiel Kinder gar nicht mehr reinkommen. Hat man ein sterbendes Kind zu Hause, ist das eine WinWin-Situation. Man muss erstens nicht mehr zum langweiligen Kinderarzt nebenan und kann zweitens eine spannende Odyssee auf der Suche nach einer Klinik beginnen.

Die Hamburger Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord, Brigitte Nolte, ist auch froh, daß Corona vorbei und alles wieder wie früher ist!

[….] Corona: Weihnachtsbummel im zweiten Pandemie-Jahr

„Wir sehen, dass die Verbraucher es wunderbar finden, dass sie jetzt ohne Maske, ohne Zugangsbegrenzung und ohne Einschränkungen shoppen gehen, die Weihnachtseinkäufe genießen und dann noch mit einem netten Weihnachtsbummel auf den Weihnachtsmärkten verbinden können“, sagte Nolte. Man merke, dass alles wieder wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie sei – und das sei sicherlich auch positiv für die Besucherfrequenz. [….]

(HH Mopo, 17.12.2022)

Also wenn es positiv für die Umsatzzahlen ist, kann man die sechs Corona-Toten pro Stunde nun wirklich verkraften und muss die armen Konsumenten nicht zu den bösen Masken verpflichten.

Freitag, 16. Dezember 2022

Schwarzbraun ist der Merzelnuss  

AfD-Politiker sind faul, lügen, sie sind Witzfiguren und Proleten, die sich nicht benehmen können und Sitzungssäle zerrockern.

Das sind alles Gründe, um die AfD zu verachten; die Nase zu rümpfen.

Aber das ist das kleinste Problem. Die AfD sollte zumindest akribisch vom Verfassungsschutz überwacht werden. Angebracht wäre aber einer Partei-Verbot, weil die Weidelknechte eine Gefahr für Leib und Leben vieler Menschen darstellen.

Natürlich ist die AfD eine faschistoide, völkische, antidemokratische und staatszersetzende Partei. Sie schürt Hass und ist daher durchaus mitverantwortlich für Brandanschläge und xenophobe Morde.

Die ist die große Enablerin der tauenden gewaltbereiten Rechtsextremen, die als braune Amöben den Bodensatz Deutschlands bilden. Der Nazi-Mob fühl sich von der AfD, so wie die Proud Boys von Donald Trump, dazu aufgerufen, Gewalt gegen Politiker und Minderheiten anzuwenden.

AfD-Politiker sind aber nicht nur Anstifter der Hassverbrechen, sondern auch selbst Täter, wie die Reichsbürgerin Richterin Birgit Malsack-Winkemann beweist, die von 2017 bis 2021 Mitglied des 19. Deutschen Bundestags war und in der Nazi-Terrorgruppe „Patriotische Union“ aktiv ist.

[….]  "Zuerst unser Land!" stand auf dem breiten blauen Transparent. Getragen wurde es im September 2022 von Björn Höcke bei einer Demonstration in Erfurt.

Schulter an Schulter dabei unterstützt, wurde der Thüringer AfD-Landeschef von seinen Fraktionskollegen im Landtag Stefan Möller, Wiebke Muhsahl und Robert Sesselmann sowie von dem extrem rechten Aktivisten Frank Haußner.

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN engagiert sich der Dachdecker aus Zeulenroda für die rechte Vernetzungsplattform "Freies Thüringen" sowie für die Gruppierung "Patrioten Ostthüringen". In deren Namen organisierte Haußner mehrere Treffen bei denen Menschen aus dem Reichsbürger-Milieu zusammenkommen waren.

Bei einem solchen "Informationsabend" in der Nähe von Gera teilte er seinem Publikum im vergangenen Jahr mit: "Das Völkerrechtssubjekt Deutsches Reich ist bis heute erhalten geblieben. Diese BRD war noch nie ein souveränes Land und ist bis heute ein von den Alliierten besetztes Territorium". So klingen klassische Reichsbürger-Positionen.  [….]

(MDR, 16.12.2022)

Statt mitzuhelfen, diese demokratiezersetzende Partei aus dem Verkehr zu ziehen, umschwärmen Teile der Merz-CDU aber die AfD regelrecht. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gibt es zwischen CDU und AfD größere Schnittmengen, als zwischen CDU und den anderen demokratischen Parteien. CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maassen steht sogar eher noch rechts von der AfD.

Während Ampel-Politiker die AfD hart angehen, nimmt Merz das Pack in Schutz.

[….]  Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge sagte: „Wir nehmen das, was wir heute erfahren mussten, sehr ernst. Der rechtsextreme Terrorismus gehört zur größten Gefahr für unsere Demokratie.“ 


FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte, wenn es sich bestätige, dass eine ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete in eine Verschwörung verstrickt sei, zeigt das, in welchem Sumpf sich die AfD als Partei befinde. Dürr: „Denen geht es mitnichten um Deutschland, sondern in Wahrheit um die Zerstörung der parlamentarischen Demokratie. Und gerade als Fraktionsvorsitzende stellen wir uns schützend vor diese parlamentarische Demokratie, die von dieser Seite angegriffen wird.“
[….]

(Wirtschaftswoche, 07.12.2022)

Der CDU-Chef will die AfD auch nicht verbieten, sondern weiter mit ihr schmusen.

[….]  Nach der Antiterror-Razzia gegen "Reichsbürger" lehnt der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz ein AfD-Verbot als nutzlos ab. Zu den Festgenommenen gehört die frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann.

"Ich halte von solchen Verbotsverfahren gar nichts", sagte er dem Sender Welt. "Die organisieren sich am nächsten Tag neu und sind in einer anderen Partei. Und dann geht das Spiel von vorne los", sagte er. Nötig sei eine politische Auseinandersetzung, keine juristische.  [….]

(Tagesschau, 15.12.2022)