Montag, 17. Januar 2022

Woke in Russland

Helen Mirren, 76,  gehört für mich in eine Kategorie mit Meryl Streep oder Glenn Close. Schauspielerische Klasse A+ und daher lohnt es sich auch für mich, als Nicht-Cineast, drauf zu achten, was für Filme sie macht.

In ihrem neuesten Projekt „Golda“ spielt sie die legendäre israelische Ministerpräsidentin Golda Meir, die eine faszinierende historische Figur ist. Hätte mich durchaus interessiert. Das Werk des israelisch-amerikanischen Regisseurs und Produzenten Guy Nattiv ist fertig und soll in die Kinos kommen.

Nur ist es leider 2022 und da sind wir ja woke.

Meir war Jüdin, Mirren nicht. Da kommen sofort Bedenkenträger, die so eine Besetzung glatt ablehnen. Man müsse auf „Authentische Besetzung“ achten.

[….] Die britische Schauspielerin Maureen Lipman ist der Ansicht, die Besetzung der Hauptrolle des Films Golda über das Leben der israelischen Außenministerin und späteren Ministerpräsidentin Golda Meir mit ihrer Schauspielerkollegin Helen Mirren sei falsch. Ihre Landsfrau zwar eine hervorragende Schauspielerin und habe die Aufgabe sicher mit Bravour gemeistert, sagte sie dem »Jewish Chronicle«. Als Nichtjüdin sei Mirren aber nicht die Richtige, um Meir zu verkörpern.  »Das Jüdische an der Figur ist so wesentlich«, meinte Lipman und fügte hinzu: »Ich bin sicher, dass sie großartig sein wird, aber es wäre Ben Kingsley niemals gestattet worden, Nelson Mandela zu spielen.« […]

(Jüdische Allgemeine, 06.01.2022)

Darren Criss, 34, kalifornischer Schauspieler ist ein sehr guter Tänzer und Sänger, wurde einige Niveau-Klassen niedriger als Mirren/Streep in der semi-queeren Teenagerserie „Glee“  bekannt. Er spielte 2009–2015 für das

Produktionsunternehmen 20th Century Fox Television den schwulen Musical-Sänger Blaine so gut, daß weltweit die Fans orakelten, Criss wäre vermutlich selbst schwul.  Jahrelang äußerte er sich nicht zu seiner eigenen sexuellen Identität. Zu Recht, denn das geht niemanden etwas an und bei diesen Serienhypes steht der fiktionale Charakter im Vordergrund. Ich hörte vor ein paar Jahren erstmals von der Angelegenheit, als im Feuilleton zu lesen war, Criss habe sich zur Überraschung seiner Fans als „hetero“ geoutet. Ich fand es sympathisch. Wir sind also gesellschaftlich so weit, daß sich niemand mehr für seine Sexualität schämen muss und ein Darsteller einer schwulen Figur nicht mehr hysterisch betonen muss, selbst aber auf gar keinen Fall schwul zu sein.

Nur ist es leider 2022 und da sind wir ja woke.

Die Glee-Figur „Blaine“ ist schwul, Criss nicht. Da kommen sofort Bedenkenträger, die so eine Besetzung glatt ablehnen. Man müsse auf „Authentische Besetzung“ achten.

Criss erkannte es schon vor drei Jahren, entschuldigte sich dafür, so gut schwule Rollen gespielt zu haben und gelobte, nun nur noch Heteros darzustellen.

[….] Darren Criss has played numerous characters on TV, film, and stage, but he is best known for his roles as Blaine in Glee and his recent turn as the real-life Andrew Cunanan in The Assassination Of Gianni Versace: American Crime Story for which he has won an Emmy and, most recently, a Golden Globe nomination. In addition, he played the titular character in Broadway’s Hedwig and the Angry Inch. The characters are members of the LGBTQ community and Criss, who identifies as heterosexual, said that those will be the last queer characters he will play.  During a recent event for Clorox’s What Comes Next in New York, Criss said that the gay roles that he has played are wonderful. He followed that up with saying, “But I want to make sure I won’t be another straight boy taking a gay man’s role.” Hollywood is currently in transition when it comes to authentic representation of LGBTQ characters, people of color and other members from marginalized communities — and Criss is very cognizant of that. He admits that he no longer feels comfortable playing these roles and that it is “unfortunate.” [….]

(Dino-Ray Ramos, 24.12.2018)

An dieser Stelle muss ich Bill Maher ins Spiel bringen, der seit Jahren vor dem Wahnsinn der WOKENESS warnt. Schon 2015 sagte er den „Social Justice Warriern“ den Kampf an.

Die Linken trieben es mit ihrem Betroffenheitskult und der „Cancel Culture“ viel zu weit, machten sich lächerlich und wären ein Grund für den Erfolg Donald Trumps. Die Wähler wären dermaßen von der political correctness genervt, daß sie Trump schon dafür liebten, daß er sich darum nicht schere.

Heute wären so viele Menschen in Angst vor dem „woke mob“, daß sie sich von liberalen Ideen abwendeten.

Eine fatale Entwicklung, denn, die „linken Anliegen“ Gleichberechtigung, Kampf gegen Rassismus und Sexismus und Homophobie sind absolut berechtigt. Aber wenn man es derartig übertreibt, daß sich Mirren und Criss grämend für ihre Rollen entschuldigen, spielt das nur den Rechten in die Hände, die lieber weiterhin Frauen, Schwule und Schwarze diskriminieren wollen.

In Deutschland brauen sowohl AfD, als auch der rechte CDU/CSU-Flügel (Merz, Ploß) ihr antiliberales Süppchen, indem sie gegen Gendersprache agitieren.

Es ist inzwischen leider so leicht, sich über die Linken, die Woken, die Gutmenschen lustig zu machen, daß sich sogar einst Linke wie Lafontaine, Wagenknecht, Schwan und Thierse so sehr über sie aufregen, daß sie viel Applaus bekommen, wenn sie 30 Jahre zurück gehen und gegen Schwule. Lesben und „noch so skurrile Minderheiten“ wettern.

Es ist etwas gewaltig schief gelaufen auf der Wokeness-Seite, wenn religiotische Geronten wie Thierse vom gesamten Feuilleton dafür gefeiert werden, sich gegen den angeblich schwulen Mainstream aufzulehnen.

(….) Auf dieser Welle surft nun leider auch Wolfgang Thierse, der seiner Methode treu bleibt, stets nun mit den ultrakonservativsten Organen der rechten Presse zu reden – gestern im Cicero – um dann pathetisch-unschuldig damit zu prahlen wie viel Zuspruch er bekomme. Seine erste Attacke gegen die Queer-Community, fand genau wie seine NS-Pöbelei wider das Bundesverfassungsgericht in der rechten FAZ statt. In der konservativen weißen männlichen Mehrheitsgesellschaft fühlt Thierse sich am wohlsten.

[….] Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) erlebt im Streit mit der Parteispitze um den richtigen Dialog mit sexuellen und anderen Minderheiten nach eigenen Worten „überwältigende Zustimmung“. In einem Interview des Magazins „Cicero“ bekräftigte er zugleich Kritik an der Gesprächs- und Debattenkultur einer sogenannten Identitätspolitik, weil diese nicht auf Versöhnung und konkrete Fortschritte ziele. […..]

(TS, 06.03.2021)

Nach dieser Logik darf man also Schwule und Lesben diskriminieren, weil sie so wenig sind?  Man darf andere mobben, wenn man in der Mehrheit ist?  Da hatte ich das Wort "Solidarität" wohl bisher völlig falsch verstanden.  Die quantitative Argumentation der Thierse-Fans ist abstoßend. Queere wären ja nur eine kleine Minderheit,  vielleicht 5% der Menschen in Deutschland; die Majorität sehe es wie Thierse. Nein, sozialdemokratische Solidarität gilt nicht nur den Starken und den Mehrheiten! Auch als weißer Cis-Hetero fühlt man sich absolut solidarisch mit LGBTIQs und stellt sich vor sie, wenn Thierse auf sie losgeht.

[…..] Falls die SPD-Legenden Gesine Schwan und Wolfgang Thierse wirklich vorhatten, mit ihren Thesen zu Identitäten und Minderheiten dem Auseinanderdriften der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, dann scheinen sie zumindest in einer Hinsicht einen Erfolg verbuchen zu können: Selten war sich – zumindest in der veröffentlichten Meinung – die Mehrheitsgesellschaft in der letzten Zeit so einig: In ihrer Empörung gegen Minderheiten. […..]

(Johannes Kram, 06.03.2021)

Die Mehrheit hat nicht automatisch auch Recht.  Große Mehrheiten wählten Hitler, Berlusconi, Orbán.   Wir wissen doch, wie noch vor ein paar Jahrzehnten große Mehrheiten über Schwulenrechte, Sinti und Roma, Feministinnen und Schwarze dachten. (….)

(Thierse, Social Media und Sprachpolizei, 07.03.2021)

Die woken Grünen finden ausgerechnet im antisemitischen, homophoben Nationalisten Alexander Nawalny einen geistigen Verbündeten.

[….] Nawalny [….] sind anti-liberale und fremdenfeindliche Positionen mindestens genauso wichtig. Mit seiner Agenda unterscheidet er sich nicht besonders von europäischen Rechtspopulisten: die Hetze gegen Moslems, Migranten oder kritische Medien. Menschenrechte oder Rechtstaatlichkeit kommen bei ihm überhaupt nicht vor. Er hat die Grenzen des Zulässigen und Tolerierbaren in liberalen Kreisen unglaublich erweitert und machte offene Fremdenfeindlichkeit hoffähig. Rechtlose Arbeitsmigranten aus Zentralasien, aber auch russische Bürger aus dem Nordkaukasus, die häufig Opfer von Polizeigewalt und Erpressung werden, stellt er als eine wichtige Quelle eben dieser Missstände dar. [….]

(Nikolai Klimeniouk, MDR, 05.03.2021)

Nicht auszudenken, wie sie über einen Deutschen urteilen würden, der so klar extremistische und antisemitische Positionen bezieht, wie Nawalny, herziehen würden.

[….] Freiheit für Nawalny! [….] Dass das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für geistige Freiheit zuletzt an Alexej Nawalny verlieh, bleibt ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass wir an der Seite der Menschen in Russland stehen, dass wir keine Gräben zur Gesellschaft ziehen lassen wollen und einen ehrlichen und zugewandten Austausch mit den Menschen wollen. Der Preis demonstriert, dass die offene und demokratische Zivilgesellschaft Russland gesehen und nie vergessen wird. Denn sie leben unsere Werte und tragen die europäische Idee. [….]

(Robin Wagener, AG EU, PM DIE GRÜNEN; 15.01.2022)

In Russland selbst gibt es natürlich auch eine liberale Opposition gegen Putin. Menschen, die unter Lebensgefahr für Pressefreiheit und Demokratie eintreten.  Von der aus den USA nach Europa geschwappten Wokeness sind aber viele von ihnen derart genervt, daß sie sich bei den Themen LGBTI-Rechte, Me Too und Sexismus auf die Seite Putins schlagen.

Es bahnt sich also der gleiche fatale querfrontische Zusammenschluss gegen die Liberalen an, der schon in den USA Trump an die Macht brachte.

[….] Regimekritiker diffamieren alles, was im Westen als "woke" gilt: Schwule, Queer-Aktivisten, Feministinnen. [….] Viktor Schenderowitsch gibt auf. Er, der Satiriker, verkündet seine Flucht aus Russland standesgemäß kühl-ironisch. Er habe sich entschlossen, "draußen zu warten", [….]  Für die russische Intelligenzia ist Schenderowitsch eine Legende. In den Neunzigern schrieb er das Drehbuch zu der Puppen-TV-Show "Kukly", die den damaligen Premier Wladimir Putin als Gnom mit winzigen Äuglein und Riesenhänden zeigte. Bei den Duma-Wahlen sprang Schenderowitsch als Kandidat für den gerade verurteilten Michail Chodorkowskij ein, er kritisierte sogar, was wenige wagten, die Annexion der Krim. [….] Insofern ist es also durchaus überraschend, dass es einen Punkt gibt, in dem Schenderowitsch und und Putin übereinstimmen. Von der "Neuen Ethik" halten beide gar nichts. "Nowaja Etika" ist ein Kampfbegriff, unter den Russlands Kulturschaffende, Intellektuelle, Wissenschaftler, aber eben auch Politiker nicht nur all das fassen, was im Westen als "woke" rubriziert gilt - Feminismus und LGBT-Aktivismus, Minderheitenrechte, Gender- und rassismussensible Sprache -, sondern vor allem Cancel Culture, westliches Denkdiktat, Dekadenzphänomen. [….] Spätestens seit der Regisseur Konstantin Bogomolow vor einem Jahr ein "Manifest" verfasst hatte, in dem er proklamierte, dass der Westen zwar den Nationalsozialismus hinter sich gelassen habe, aber dafür aufs Aggressivste einen neuen "ethischen Sozialismus" propagiere, dass "Queer-Aktivisten, Fem-Fanatiker und Ökopsychopathen" eine neue "totale Umformatierung der Welt" anstrebten, hatte das Thema ein Publikum gefunden. [….] Der Topos der drohenden "Revolution" durch den moralischen Terror des Westens aber ist inzwischen ein Standard der Putin-Rhetorik, den man bei seinem Auftritt im Waldai-Klub in Sotschi ebenso hören kann wie auf seiner jährlichen mehrstündigen Pressekonferenz. Dort verglich er die Gender- und Gleichstellungsdebatte mit dem Coronavirus. Beides komme von außen und sei bedauerlicherweise nicht aufzuhalten. [….]

(Sonjia Zekri, SZ, 13.01.2022)

Wenn sich die Kulturschaffenden, Intellektuellen und Aktivisten bei Kampf gegen die "Nowaja Etika", Neue Ethik aus dem woken Westen lieber auf die homophobe Seite Putins schlagen, haben wir wirklich versagt.

Sonntag, 16. Januar 2022

Gold Satan, die Fortsetzung

Er ist der beste Agent der Atheisten, den wir derzeit in den katholischen Reihen haben: 006, Woelki, Rainer Woelki, Doppel-Null-Agent des DI6 (Dawkins Intelligence, Section Sex).

(….) Sofort bekomme ich wieder gute Laune, weil dieser effektive Agent der Konfessionsfreien unermüdlich daran arbeitet, immer mehr zahlende Gläubige aus der römisch-katholischen Kirche zu treiben.

(….)  Oh Sanctae Romanae Ecclesiae, Eure Eminenz Rainer Maria Kardinal Woelki, Kardinalpriester von San Giovanni Maria Vianney, Metropolit der Kirchenprovinz Köln, Erzbischof von Köln, Mitglied des „Ständigen Rats“ der Deutschen Bischofskonferenz, Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur, stellvertretender Vorsitzender der Kommission IV „Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste“, Mitglied der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, römisches Kurien-Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der Kongregation für den Klerus, der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Träger der Ehrendoktorwürde der Sophia-Universität in Tokio!  Heute sende ich Ihnen die aufrichtigsten Grüße, Glückwünsche und Gratulationen aus der katholischen Diaspora des ärmlichen Erzbistums Hamburg. (….)

(Offener Brief an meinen Helden, 04.02.2021)

Woelki geht dabei voll in seiner Rolle auf. Mit seiner abstoßenden Physiognomie und durchtriebenen Persönlichkeit beleidigt er die Kirchgänger, greift Unsummen Geld für sich selbst ab, protegiert Kinderfi**er und zeigt ganz Katholistan, wie verkommen und verlogen die Kirchenmoral wirklich ist.

Sein Erzbistum ist heute zum Symbol für den konsequenten Schutz vor Strafverfolgung für Kinderfi**er geworden. Woelki tut alles dafür, um die Aufklärung zu verhindern, die Opfer zu drangsalieren und die pädokriminellen sexuellen Lustgreise unter seine Fittiche zu nehmen. Mehr noch, wann immer Kirchenmitglieder es wagen auch nur darüber nachzudenken, freien Kinder-Missbrauchen zukünftig ein wenig einzuschränken – die PR ist ja doch irgendwie schlecht für die RKK – grätscht der mächtige Kirchenfürst sofort dazwischen, um den bestialischen Kinderquälern ihre Jagdgründe zu erhalten. (….)

(Freudenspender Köln, 06.11.2021)

Im Jahr 2021 lieferte 006 seine beste Arbeit ab und trieb im Alleingang 20.000 zahlende Gläubige aus seinem Bistum!

[…..] Immer mehr Kölnerinnen und Kölner wenden sich von der Kirche ab. 2021 verzeichnete das Amtsgericht Köln 19.340 Kirchenaustritte – so viele wie noch nie zuvor in einem Jahr. Das sind annähernd doppelt so viele als im bisherigen Rekordjahr 2019, als 10.073 Kölnerinnen und Kölner ihre Mitgliedschaft kündigten. […..] Allein im letzten Quartal 2021 kehrten nach Angaben des Amtsgerichts 4001 Menschen der Kirche den Rücken. […..] Ein Grund für den Exodus der Gläubigen dürfte der Umgang im Erzbistum und von Kardinal Rainer Woelki mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle sein. Immer wieder beklagten verschiedene Institutionen und Betroffene mangelnde Transparenz und Aufklärungsbemühungen. […..] Das Erzbistum wollte die niederschmetternde Bilanz der Ausritte auf Anfrage nicht kommentieren. „Wir sind keine Volkskirche mehr“, sagt Gregor Stiels, Vorsitzender des Kölner Katholikenausschusses. Die Kirche müsse sich die Frage stellen, was sie den Menschen bieten wolle, fordert der Chef der Laienvertretung. „Wir befinden uns in einer Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise. Die Kirche bietet keine Glaubensheimat“, resümiert er. […..]

(KSTA, 13.01.2022)

Ein so großartiger Erfolg eines einzelnen Agenten wie 006 birgt natürlich gleichzeitig die große Gefahr seiner Enttarnung.

Wenn einer aus dem innersten Führungszirkels eine Verbrecherorganisation derartig schwächt, werden auch der Don und der Consigliere in Rom aufmerksam.

Wenn im Sprengel Köln, ausgerechnet dem nach Rom reichsten Zweig der Herrenbande, so offensichtlich alles den Bach runtergeht, obwohl Polizei und Justiz so gut geschmiert wurden, daß von ihnen keine Gefahr ausgeht, scheint der Segundo von Köln und seine Capos unfähig zu sein oder eben mutwillig Schaden anzurichten. Würden also Don Bergoglio und Consigliere Ladaria die Geduld verlieren und Woelkis Kopf fordern?

Zum Glück müssen wir das aber nicht befürchten, da der DI6 in größter Heimlichkeit Don Bergoglio selbst rekrutiert hat. Somit hält ein Agent der Kirchenaustrittsbewegung seine schützende Hand über den großen Auskärcher von Köln.

[….] Der im Erzbistum umstrittene Woelki befindet sich derzeit in einer »geistlichen Auszeit«, die noch bis Anfang März dauern soll. Papst Franziskus hatte ihm Fehler attestiert, ihn aber vor dem Vorwurf in Schutz genommen, Defizite bei der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester vertuscht zu haben. […]

(SPON, 16.01.2022)

Irgendwie rührt mich die Naivität der RKK-Soldaten an, die nach 2.000 Jahren immer noch glauben, sie hätten so eine Art Mitspracherecht und dürften sich selbst aussuchen, wer ihre Capos und Segundos werden.

Süß.

[….] Das Erzbistum Köln hat in dieser Woche angekündigt, dass Kardinal Woelki zu Aschermittwoch wieder einen Gottesdienst leiten wird. Damit widersprach die Kirchenverwaltung Spekulationen, dass der 65-Jährige nach seiner viereinhalb Monate langen "geistlichen Auszeit" vielleicht nicht mehr ins Erzbistum Köln zurückkehren könnte. […..] Viele Kritiker wollen die Rückkehr des 65-jährigen umstrittenen Kölner Bischofs auf keinen Fall akzeptieren. "Der hat verbrannte Erde hinterlassen", heißt es aus Teilnehmerkreisen. "Er ist fachlich ungeeignet, ein Bistum in einer so schwierigen Situation zu leiten", sagten andere. Fürsprecher fürchten, dass der Kölner Erzbischof zum allgemeinen Sündenbock abgestempelt wird. Von den Kritikern fordern sie, ihren Beitrag zur Versöhnung zu leisten. […..] Der derzeitige Woelki-Vertreter, der apostolische Administrator Rolf Steinhäuser, ließ nach starken Forderungen aus dem Kreis der Teilnehmer, darüber anonym abstimmen, ob sie sich für oder gegen die Rückkehr Woelkis auf den Kölner Bischofsstuhl aussprechen.  Auf die Stimmzettel konnten auch Begründungen geschrieben werden. Die Ergebnisse will Steinhäuser in Kürze im Vatikan vorlegen. Die Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses ist aber weder für die Mitglieder des Diözesanpastoralrats noch an die Öffentlichkeit geplant. [Transparanz  - harharhar!!!][…..] Die Untersuchung aller Auftragsvergaben war auf Weisung des Vatikans zunächst gestoppt worden. Sie soll nach Weisung aus Rom erst nach Rückkehr von Kardinal Woelki wieder aufgenommen werden. Der hatte die Gründung der eigenen Kölner Hochschule für die Priesterausbildung trotz hoher Kosten und entgegen der Empfehlung vieler katholischer Hochschullehrer entschieden. Im letzten Jahr begann der Lehrbetrieb. Kritiker werfen Woelki vor, dass er dort Theologie aus seinem konservativen Verständnis heraus lehren lassen möchte. Die Frage, ob er für die Hochschulgründung und den Betrieb alle Gremien des Erzbistums entsprechend den Vorschriften beteiligt hat, soll die Untersuchung ergeben. Kirchenexperten erwarten hier weiteres Konfliktpotenzial. […..]

(WDR, 15.01.2022)

Möge Don Bergoglio dem einfachen Fußvolk diese Flausen austreiben und den großen 006 Woelki stützen.

Samstag, 15. Januar 2022

Schaffen zu überraschen

Schon in den Jahren der GWB-Präsidentschaft, 2001-2009, mit seinem albernen britischen Pudel Blair, konnte man das neue weltpolitische Grundprinzip „Schlimmer geht immer“ erkennen.

 Auf europäischer Ebene war damals Silvio Berlusconi der groteskeste Regierungschef (1994–1995, 2001–2005, 2005–2006 und 2008–2011). Der reichste Mann Italien hatte sich nicht nur in das Amt gekauft und die Medienlandschaft in seinem Sinne beherrscht, sondern nutzte die Amtszeit auch gnadenlos aus, um persönlichen Profit zu machen. 2005 bestieg dann auch noch der prunkverliebte homophobe Holocaustleugner-Freund Ratzinger den Papst-Thron. Das Ausmaß der Lügen und Selbstbereicherung (Kriegstreiber VP Dick Cheney war vorher Aufsichtsratsvorsitzender und CEO von Halliburton) schockte uns alle.

Aus heutiger Sicht, waren das aber die guten alten Zeiten. Blair und Bush wirken wie Ikonen der Seriosität, wenn man Johnson, Duterte, Netanjahu, Orbán, Erdoğan, Trump, Bolsonaro daneben hält.

Schlimmer geht wirklich immer.

Hielten wir vor 30 Jahren noch BILD und SUN für den Gipfel der unseriösen Presse, sind wir heute mit den Fakenews-Schleudern AON, Newsmax, FOX, RT und den unendlich vielen rechtsradikalen Verschwörungstheoretischen Blogs wie Bergers „Philosophia Perennis“, PI oder „Unser Mitteleuropa“ mit einer gefährlichen Pseudo-Presse-Pest konfrontiert, die nicht etwa nur wie früher einseitig parteipolitisch agitiert, sondern eine radikal destruktive Agenda verfolgt.

Trumps Epigonen Boebert, Greene, Hannity und Carlson legen ebenso wie David Berger täglich neue so abartige infame und perfide Lügengeschichten auf, daß man instinktiv immer wieder glaubt, nun im untersten Niveau-Keller angekommen zu sein. Das könne einfach nicht mehr unterboten werden.

Nur um dann 24 Stunden später zu beobachten, wie erneut im tiefsten Untergeschoss gebaggert wurde, um noch mehr abzusinken.

Schlimmer geht immer gilt genauso für die Kleriker-Bande, die inzwischen weltweit als Kinderfi**er-Schutzvereinigung dasteht. Die dreckigsten Pfoten hat dabei Papst Ratzinger höchstselbst.

Wenn heute in schöner Regelmäßigkeit Meldungen durch die Welt gehen, wie katholische Heime im Myriaden-Maßstab Kinder nicht nur sexuell gefoltert und zu Tode gequält haben, sondern diese auch noch anonym in Massengräbern verscharrten, ist das kaum noch eine Meldung wert. So kennt man sie, die Römisch-katholische Kirche.

(….) Ein Abscheulichkeits-Maximum erreichte die kirchliche Kinderfolter im 19. und 20. Jahrhundert in Kanada. Dort wurden in 139. katholischen Einrichtungen rund 150.000 indigene Kinder gefoltert und tausende davon umgebracht.

Im Mai 2021 entdeckte man in der westkanadischen katholischen „Residential School“ bei Kamloops (British Columbia), die bis 1978 betrieben wurde, 215 Kinderleichen, die die Geistlichen einfach heimlich verscharrt hatten.

Wenige Wochen später, der nächste Fund. Diesmal waren es 751 anonyme Kindergräber bei einem katholischen Kinderheim in der Provinz Saskatchewan. (….)

(Wenn das Mitleid aufgebraucht ist, 05.07.2021)

Wenige Tage nach dem dritten entdeckten Kinder-Massengrab auf dem Gelände Katholischer Einrichtungen, fand man gestern das Vierte.

[….] In Kanada sind erneut dutzende anonyme Gräber auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Ureinwohnern gefunden worden. Mehr als 160 Gräber seien auf dem früheren Schulgelände auf Penelakut Island entdeckt worden, teilte der Chef des Stammes der Penelakut, Joan Brown, mit. In dem Internat auf der Insel westlich von Vancouver waren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1975 Kinder von Ureinwohnern unterrichtet worden.   "Es bricht mir das Herz", sagte Kanadas Regierungschef Justin Trudeau zu dem neuen Fund. "Wir können diejenigen, die umgekommen sind, nicht zurückbringen, aber wir können und werden die Wahrheit ans Licht bringen und weiterhin mit den indigenen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um Diskriminierung und strukturellen Rassismus zu bekämpfen."  In den vergangenen Wochen waren in Kanada mehr als tausend anonyme Massengräber indigener Kinder nahe vier verschiedenen Internaten entdeckt worden. Die Funde sorgten landesweit für Entsetzen.  In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. [….]

(DIE ZEIT, 14.07.2021)

Bis hierhin ist alles  - leider – überhaupt nicht verblüffend. Das passiert eben, wenn Christen-Institutionen zu Macht kommen. Insbesondere mit Schwachen, wie Kindern, gehen sie sagenhaft grausam um.

Es fehlt wirklich an Phantasie, wie katholische Prälaten diesen sexuell sadistischen Massenmord an Kindern noch unterbieten könnten.

Man kann doch nicht noch tiefer sinken.

Kann man eben doch. Das zeigte in der letzten Woche die polnische katholische Kirche, der festen Stütze des Demokratie zerstörenden radikal xenophoben PiS-Regimes in Gestalt ihres Fürsten Roman Pindel, dem Bischof von Bielsko-Żywiec in Südpolen.

Der heute 48-jährige Janusz Szymik war 12-jähriger Messdiener,als Priester Jan W. ihn zu vergewaltigen begann.  Die Tat ist kirchenrechtlich aufgeklärt. Priester Jan W. gestand und wurde von der vatikanischen Glaubenskongregation wegen des Verstoßes gegen den Zölibat verurteilt. Szymik befindet sich aber  noch in einem zivilrechtlichen Streit mit der Diözese Bielsko-Żywiec, will eine Entschädigung für das erlittene Leid einklagen. Der Bischof denkt aber gar nicht dran.



Nun kommt es; Bischof Roman Pindel verlangte zu erfahren, ob Szymik schwul wäre, denn in dem Fall könne man nicht von einer Vergewaltigung sprechen, sondern dann habe er die Taten als 12-Jähriger womöglich genossen!

Ja, das ist die weltweit agierende Organisation, die sich als „Hüterin der Moral“ versteht. Vergewaltigte Kinder finden das auch noch geil.

[…] Die Kirche reagierte mit einem Gegenangriff: Sie verlangte vom Gericht festzustellen, ob der Kläger schwul sei und ob er deshalb durch den Missbrauch sexuelle Befriedigung empfunden habe. Zudem mutmaßte das Bistum, der Kläger habe wohl "freiwillig" an den sexuellen Handlungen teilgenommen.  Anwalt Artur Nowak kritisierte die Strategie der Kirche scharf: "Auf die sexuelle Orientierung von Janusz anzuspielen hat nur ein Ziel: ihn zu blamieren." Er frage sich, was in den Köpfen mancher Kirchenleute vorgehe, wenn sie einen traumatisierten Menschen erneut traumatisierten.

Auch der Kläger zeigte sich überrascht über die Strategie von Bischof Roman Pindel: "Vorher hatte er Schmerz und Bedauern geäußert und mich um Vergebung gebeten, jetzt will er beweisen, dass ich homosexuell bin", so Szymik gegenüber dem Nachrichtensender TVN24. […]

(Queer.de, 14,01.2022)

Nach dieser Lesart der RKK 2022, sollten sich Kinder also noch bei den Priestern bedanken, die sie vergewaltigt haben, weil sie dadurch so viel „Genuss“ erlebt haben und „finanzielle Vorteile“ erwarben.

Schlimmer geht immer. Und was kommt morgen?

Freitag, 14. Januar 2022

Humankapital

Wenn durch äußere Einflüsse ein bestimmtes Konsumverlangen entsteht, verknappt sich das Angebot und die Ware wird teurer.

Das Gute am Kapitalismus ist aber, daß die ominöse unsichtbare Hand des Marktes diese Unwucht sogleich wieder korrigiert.

Wenn eine Ware teurer ist, lohnt es sich umso mehr, sie herzustellen, also wandert das Produktionskapital dahin, fabriziert mehr von dem gewünschten Produkt, so daß das Angebot wieder größer wird und die Preise damit sinken. Bei solchen Kausalketten bekommt Christian Lindner eine Erektion, weil das in der Theorie so geil klingt.

In der Praxis kommt es blöderweise meist doch anders, als in der schönen neoliberalen Theorie. Das bemerkte der betrübte Klein-Lindi, der schon als 18-Jähriger im geliehenen Mercedes, mit Kuh-Krawatte und XXL-Anzug den Unternehmensberater gab, am eigenen Leib.

 [….] Unter dem Motto „Leistung muss sich wieder lohnen“ hatte der blutjunge Lindner nach seinem Landtagseinzug 2000 mit seinem Bekannten Hartmut Knüppel am 29.Mai 2000 die Internet-Firma „Moomax“ gegründet

Das Internet boomte und der schlaue Lindner wollte ein großes Stück vom Kuchen. 

Er brachte 30.000 Euro Eigenkapital auf  und holte sich weitere 1,2 Millionen Euro von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Erfolg war rekordverdächtig. 

In nur 18 Monaten hatte Lindi das gesamte Kapital verbrannt.

 

[….] Das ganz dolle Team "von Informatikern, Drehbuchautoren, Psychologen, Linguisten, Journalisten und Betriebswirten" wird sich jetzt wohl was anderes suchen müssen, weil der Markt für Avatare, offen gesagt, ziemlich tot ist. [….]

(boocompany.com14.12.2001)

 

Knüppel und Lindner wurden gefeuert. Der Staat blieb auf den 1,2 Millionen Linder-Miesen sitzen, für seine Eselei blecht nun der Steuerzahler und Lindner machte Karriere in der Marktwirtschaftspartei FDP. 

[….] Lindner gründete noch die zunächst als knüppel lindner communications gmbh firmierende Unternehmensberatung Königsmacher GmbH, die er auch sofort in den Sand setzte.

 

[….] Was Parteichef Andreas Pinkwart als "Achterbahnfahrt der New Economy" beschrieb, ist für Lindner peinlich. Seine Internet-Firma Moomax GmbH ging nach 17 Monaten mit dem Neuen Markt unter. Dabei verflüchtigten sich weit über eine Million Euro öffentlicher Fördergelder. Andere Lindner-Firmen, wie die Unternehmensberatung "die Königsmacher GmbH", kamen erst gar nicht gut genug in Gang, um so viel Geld verbrennen zu können.

(SPIEGEL13.12.2004)

 

Immerhin brachte es der Porsche-fahrende Zivildienstleistende durch seine politischen Verbindungen bis zum Luftwaffen-Hauptmann der Reserve! 

[….] Die Beförderung zum Hauptmann erfolgte im September 2011 durch den Verteidigungsminister de Maiziere persönlich.

Freunde muß man haben.
Politisch war Lindner bekanntlich ähnlich erfolgreich! Unter seiner inhaltlichen Führung als FDP-Generalsekretär surrte die FDP von 15% auf 4% zurück. [….]

(Des Wahnsinns fette Beute, 08.04.2012)

Die verdammte Realität zwang Kapital-Christian immer wieder dazu, wegzurennen, wenn es ihm zu heiß wurde.

Ein Treppenwitz der Geschichte, daß dieser Mann bar auch nur eines Hauches von Regierungserfahrung, der privat nur finanzielle Totalpleiten aufweisen kann, Bundesfinanzminister wurde.

Noch bizarrer: Linder versteht sich als „Sparkommissar“, der für Schuldenbremse und „Schwarze Null“ steht – in einer Kapitalismus-kaputt-Zeit der Negativzinsen, in der man als Belohnung Geld dazu bekommt, wenn man Schulden macht und bestraft wird, wenn man Geld übrig hat.

(….)  Schon Ende 2014 war der Kern des Kapitalismus durch die Negativ-Zinsen implodiert. Den durchaus auch Marktwirtschafts-freundlichen Zentralbanken blieb angesichts der durch die Finanzspekulanten angerichteten Mega-Schuldenkrise gar nichts anderes übrig, als diese Billionen-Verluste in den Staatshaushalten wegzuinflationieren und den Markt  mit ultrabilligem Geld zu überschwemmen. Jakob Augstein brachte es damals auf die wunderbare Formel „Kapitalismus kaputt“!

[….] Kapitalismus kaputt

Die Commerzbank hat bekannt gegeben, dass sie bei "einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern" eine "Guthabengebühr" berechnen will. Was damit gemeint ist: negative Zinsen. Geld bringt kein Geld mehr. Geld kostet Geld. Das ist die Implosion des Kapitalismus. [….] Worum geht es beim Zins? Verzicht wird belohnt. Aber Buße soll tun, wer heute schon ausgeben will, was er erst morgen hat. Das Problem ist: In einer alternden Gesellschaft kippt das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Geld. Früher liehen sich junge Leute Geld, das sie später zurückzahlten. Heute sparen alte Leute für ihr längeres Leben. Die Folge ist das, was Ökonomen "säkulare Stagnation" nennen: Auf den Konten verstaubt das Geld, ungenutzt. Wie zwingt man die Leute dazu, von ihrer Sparsucht zu lassen? Negativzinsen. Die Europäische Zentralbank hat sich schon vor Monaten auf diesen Weg begeben, die Geschäftsbanken folgen jetzt langsam nach. Für Vertreter der reinen Lehre ist das Teufelszeug: "Ein negativer Marktzins ist ein Frontalangriff auf die Marktwirtschaft", hat der Volkswirt Thorsten Polleit geschrieben: "Die Idee, den Zins abzuschaffen, hatten schon die Marxisten und Nationalsozialisten. Ein negativer Marktzins würde das ,antikapitalistische' Zerstörungswerk perfektionieren." Das wäre natürlich furchtbar. [….]

(Jakob Augstein, 24.11.2014)

Während die Kanzlerin noch von der sagenhaft schwachsinnigen und falschen Metapher „der schwäbischen Hausfrau“ spricht, wissen wir heute: Sparen ist schlecht und sollte verboten werden. Die Marktwirtschaft funktioniert nicht ohne einen starken Staat, der sie einhegt, reguliert, kontrolliert.

Neu ist die Erkenntnis natürlich nicht. Die Herausgeber der ZEIT, Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt verfassten darüber schon vor einem Vierteljahrhundert treffende und weitsichtige Analysen, die wie wir heute, nach dem Tod der beiden, wissen erschreckend real sind. Der Wahnsinn des Urnenpöbels zeigt sich darin, daß der Mann, der mit „Mehr Kapitalismus wagen“ dagegenhielt, heute als fähigster Kanzlerkandidat der CDU gilt. (….)

(Neoliberalismus kaputt, 02.08.2020)

Kapitalistisch erwartungsgemäß reagiert „der Markt“ auf Geldschwemme, den Verlust von Anlagemöglichkeiten und die Corona-Lockdowns.
Die reichen Deutschen können ihr Geld kaum noch durch Reisen, Restaurants und Revuen ausgeben, also investieren sie in ihre Immobilien. So weit, so normal. In Folge dessen wurden Baumaterialien wie Holz oder Zement irrsinnig teuer und noch dazu die Handwerker so knapp, daß man Jahre warten muss, bis einem das Traumbad eingebaut wird. Auch das entspricht noch der reinen Lehre.

Nun sollte aber die unsichtbare Hand des Marktes eingreifen.

Findige Unternehmer würden viel mehr Ziegel, Dachpappen, Eichenholz-Dielen und Trockenestrich produzieren, Handwerker viel besser verdienen, so daß die Schulabgänger in Scharen Tischler- oder Maurer-Lehren begännen.

In der echten Realität sind aber Sand und Erdöl knapp. Das Zeug wächst nicht nach und selbst bei typisch nachwachsenden Baustoffen wie Holz, grätscht die Natur hinein, indem sie mit Orkanen junge Bäume entwurzelt oder beim weltweit größten Holzproduzenten Kanada den garstigen Latschenkäfer vorbeischickt, der in kurzer Zeit Holzanbauflächen viermal so groß wie die Schweiz zerstört.

Noch trauriger versagt der Kapitalismus beim „Humankapital“ Handwerker, wie jeder weiß, der versucht einen Termin beim Klempner zu bekommen.

Alle Gewerke suchen händeringend nach Nachwuchs. Der Job ist nicht so schlecht, weil er sicher ist, man inzwischen recht gut verdient und außerdem flexibel bleibt. Ein Maler- oder Elektrikergeselle, der in Wanne-Eickel gelernt hat, kann mit dem Know How auch in St Petersburg, Oregon, Oslo oder Dubai arbeiten.

In der Praxis klappt das aber nicht, weil die bräsige Instagram-Jugend gar keinen Bock hat, sich bei einem Gas-Wasser-Scheiße-Betrieb zu bewerben. Körperliche Arbeit ist anstrengender, als auf dem Hintern zu sitzen und mit der Playstation zu daddeln. Außerdem fehlt es an gesellschaftlicher Anerkennung. Heute will die Mehrheit studieren und blickt verächtlich auf die Typen herab, die in der Baustelle die Straße teeren.

Nun will die Ampel aber nicht nur landesweit Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien aufstellen, sondern auch 400.000 statt knapp 300.000 Wohnungen jährlich bauen lassen. Eine hübsche Idee, aber mit welchen Materialen und welchen Architekten und welchen Handwerkern soll das passieren?

Noch schlimmer sieht es im Bereich der Medizin und Pflege aus.

Seit Jahren wird immer schriller vor dem dramatischen Personalengpass in diesen Berufen gewarnt. Unsere Gesellschaft überaltert rapide. Immer mehr Senioren werden in Heime gesteckt. Dies liegt, anders als Jorge Bergoglio behauptet, nicht nur daran, daß junge Menschen lieber Katzen halten, statt zu kopulieren, sondern ist auch ein Zeichen unseres Reichtums und unserer Freiheit.

Vor hundert Jahren lebte eine Arbeiterfamilie schon deswegen beengt zu mehreren Generationen in einer Wohnung, weil man sich niemals hätte mehrere Wohnungen leisten können. Natürlich pflegt man da die lahme Oma und demente Tante, wenn ohnehin zehn Leute in zwei Zimmern hausen.  Heute ist in den deutschen Großstädten vielfach schon die Mehrheit der Haushalte Singlehaushalte.

Bevor sie alle gestorben sind, bestand meine engere deutsche Familie aus sechs Personen in einer Stadt, die in sechs Wohnungen lebten.

Das waren insgesamt zehn Fernseher, sieben Autos, sechs Waschmaschinen, fünf Trockner, drei Geschirrspülmaschinen, fünf Mikrowellen, zehn Kühlschränke, zehn Betten, unzählige Bügelbretter, Staubsauger, Haartrockner, Badewannen, elf Schreibtische, sowie Wäsche und Geschirr für eine ganze Kompanie. Ökologisch der helle Wahnsinn.

Wenn einer dieser Singles malade wird, ist nicht nur niemand da, der einen aufs Klo bringt und den Schritt abwischt, sondern der Pflegling will das auch gar nicht, weil man sich so an seine persönliche Freiheit gewöhnt hat, daß Intimität einen ganz anderen Stellenwert bekommt. Dieser moderne Mensch wird im Alter professionell gepflegt werden müssen. Und es werden mehr. Viel mehr.

Der Markt sollte nun eigentlich als Reaktion auf die enorme Nachfrage nach Pflegekräften, dafür sorgen, daß dieses Humankapital sehr viel teurer (= wertvoller) wird. Man würde die Pflegekräfte nicht nur sonntags beklatschen, sondern sie so gut bezahlen, bis der Beruf so attraktiv wird, daß genügend junge Leute ihn ergreifen wollen.

In der Praxis klappt auch das nicht, weil wir auf Pflegekräfte herabsehen, sie eben nicht würdigen, beschissen bezahlen und schließlich auch noch durch den Wahnsinn des kirchlichen Arbeitsrechtes und der vielen Heime in kirchlicher Trägerschaft, Tarifverträge und Streiks verboten sind. Noch irrer: Es werden nur Kirchenmitglieder eingestellt, so daß muslimische Migranten oder engagierten Atheisten gar nicht erlaubt wird in einem katholischen Heim zu arbeiten.

[….]  Pflegekräfte fliehen massenhaft aus dem Job

[….]  40 Prozent der Befragten erwögen, aus dem Beruf auszusteigen, sagte Bernadette Klapper, Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, am Donnerstag zu der gemeinsam mit dem Altenpflege-Fachverlag Vincentz Network initiierten Studie «Altenpflege im Fokus». «Das ist alarmierend. Wir brauchen eine Trendwende in der Altenpflege.» [….]  Nach Angaben des Fachverlags errechneten Experten, dass rund 500.000 Pflegekräfte bis 2030 fehlen werden. 73 Prozent der Befragten meinten, der Personalmangel habe sich in den vergangenen zwei Jahren, also mitten in der Corona-Pandemie, verschärft. 2018 sagten dies noch 71 Prozent. 68 (2018: 60) Prozent urteilten, es werde immer schwerer, eine gute Pflege zu gewährleisten. Das hänge auch damit zusammen, dass zu wenig Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner bleibe, meinten 67 (2018: 65) Prozent der Befragten. 56 Prozent sagten, neue Regeln zur Qualitätsprüfung sorgten für mehr Bürokratie. Die Beschäftigten trügen diese Sorgen nach Hause, denn mehr als jeder oder jede Zweite verspüre negative Auswirkungen auf das Familien- und Privatleben, ergab die Studie. Zusätzlich belasteten seit zwei Jahren die Herausforderungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie. 96 Prozent der Befragten glaubten den Angaben zufolge nicht einmal, dass die Politik die Lage verstanden habe und bemüht sei, sie zu verbessern.  [….]

(dpa, 13.01.2022)

Humankapitalismus kaputt.

Mal sehen, wie Finanzminister Lindner das Problem mit Unternehmenssteuersenkungen und Einsparhaushalt lösen wird.




Donnerstag, 13. Januar 2022

Unterschiedliche Wahrnehmungen.

Heute hatte ich ein Business-Meeting und trug während der Besprechung auf einer Baustelle selbstverständlich meine schwarze FFP2-Maske. Die Akustik war natürlich schlecht und da ich manchmal durch die Maske nicht gut zu verstehen war, rückten einige der Anwesenden immer näher an mich ran.

„Ach, nun stellen Sie sich nicht so an. Corona ist nicht mehr als eine Grippe. Daran sterben auch 28.000 Menschen im Jahr und niemand flippt deshalb aus“, herrschte mich irgendwann der Bauleiter an.

„Als jemand, der gerade Omikron hatte und in die subakute Phase geht, muss ich dem widersprechen“, erklärte ich. Aber er fand, man sollte wegen zwei Wochen Schnupfen kein so ein Drama machen; mir ginge es doch offensichtlich wieder gut. Keine Frage, es könnte schlimmer sein, wenn ich nicht geimpft gewesen wäre. Aber viele sind nicht geimpft.

Das zweite Problem ist ein Mathematisches: Ja, bei der Omikron-Variante gibt es weniger Hospitalisierung. Ein deutlich kleinerer Anteil der Omikron-Infizierten landet auf der Intensivstation, als es bei der Delta-Variante der Fall war.

Nimmt man als stark vereinfachte Zahlen an, daß 4% der Delta-Infizierten ins Krankenhaus müssen und 0,4% sterben, klingen die Vergleichszahlen bei Omikron viel harmloser: 25% weniger Infizierte müssen ins Krankenhaus. Also nur noch 3%.  Die Krankenhausaufenthalte sind auch kürzer als bei Delta.

Was zunächst einmal erfreulich klingt, bedeutet aber nur, daß Omikron so gefährlich ist wie die Alpha-Variante. Unglücklicherweise ist Omikron aber sehr viel ansteckender.

[….] Anthony Fauci, Chefberater von Präsident Joe Biden in Sachen Coronavirus, sagte am Dienstag, dass das Virus „am Ende so ziemlich jeden finden“ werde. Besonders hart werde es die Ungeimpften treffen. Die meisten Menschen würden Covid-19 bekommen, sagte auch Janet Woodcock, amtierende Vorsitzende der nationalen Behörde für Ernährung und Medikamentenversorgung, bei einer Anhörung im Senat.  […]

(FAZ, 13.01.2022)

Hatten wir noch vor ein paar Monaten mal 10.000 neue Ansteckungen pro Tag und damit 400 Krankenhauseinweisungen eine Woche später, sind es bei Omikron nun aber fast schon 100.000 Neuinfizierte am Tag, die 3.000 Krankenhauseinweisungen mit sich bringen. Für diejenigen, die nur Klatschen und Singen in der Schule hatten: 3.000 ist mehr als 400! Omikron ist also prozentual harmloser als Delta, bringt aber absolut viel mehr Menschen ins Krankenhaus und ins Grab.

Die Omikron-Inzidenzen – also Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner liegen in Frankreich bei 4.000. In anderen Nachbarländern sieht es ähnlich grausig aus: Dänemark 2.400, Griechenland 2.100, Schweiz 2.000, Italien 2.000, Spanien 1750, GB 1.600. Sachsen und Bayern werden nicht bei ihren augenblicklichen angenehmen 200 bleiben.

Während aber beispielsweise die Iberer und Franzosen enorm hohe Impfquoten haben und damit die schweren Verläufe minimieren, sieht es in Osteuropa, Ost- und Süddeutschland, sowie den von Republikanern regierten südöstlichen US-Staaten düster aus.

Je niedriger die Impfquote, desto tot.

Die Unterschiede in den USA sind gewaltig. Während fast jeder erwachsene Anhänger der Demokraten geimpft ist, ist es in den Bible-belt-Staaten der Trump-Fans nur etwas über die Hälfte.

[…] Im Wochendurchschnitt fangen sich in den USA gerade fünf Millionen Menschen das Coronavirus ein, berichtet die Johns-Hopkins-Universität. Tendenz steigend. An einzelnen Tagen sind es bis zu 1,4 Millionen Neuinfektionen. Die sich rasend schnell verbreitende Omikron-Variante hat für einen neuen Rekord bei Hospitalisierungen gesorgt und zwingt das Gesundheitswesen jeden Tag mehr in die Knie.  Rund 150.000 Amerikaner liegen heute in Krankenhäusern, darunter 4500 Kinder. 24.000 Menschen werden auf Intensivstationen behandelt. 90 Prozent der Neueinweisungen, meist jünger als 60 Jahre, gehen auf Ungeimpfte zurück. Epidemiologen sagen bis zu 300.000 Krankenhausfälle in wenigen Wochen voraus. […]  Zuletzt starben alle 24 Stunden etwa 1700 Menschen in den Vereinigten Staaten an den Folgen von Corona. […] Größtes Sorgenkind ist für Epidemiologen der Südosten des Landes. Republikanisch beherrschte Bundesstaaten wie Florida, Georgia, Louisiana und Mississippi haben die geringsten Impfquoten. Politisch wird dort, ein Relikt der Trump-Präsidentschaft, aktiv gegen Vorsichtsmaßnahmen wie Maskentragen agitiert. Hier ist der Anstieg bei Krankenhauseinweisungen am steilsten. In ländlichen Gebieten mit schlechter Krankenhausversorgung werden kurzfristig „katastrophale Zustände“ erwartet, heißt es bei der Gesundheitsbehörde CDC. […]

(Dirk Hautkapp, HH Abendblatt, 13.01.2022)

Die wahnsinnigen US-Republikaner weigern sich schon deswegen Masken zu tragen und sich impfen zu lassen, weil Joe Biden danach trachtet. Er will möglichst viele Amerikaner am Leben erhalten.

Offenbar klingt das in den Ohren der QTrumpliKKKans so absurd, daß sie schon deswegen die Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie kategorisch verweigern, weil die Demokraten es empfehlen. Ihre angebeteten republikanischen Gouverneure und Senatoren versuchen, wie Idol Trump, möglichst viele Landsleute schnell ins Grab zu bringen.

US-Präsident Biden, der ohnehin schon durch anderthalb Überläufer im US-Senat lahmgelegt ist, versucht es nun mit der Brechstange; will immer mehr Amerikaner dazu zwingen, die lebensrettende Covid-Impfung zu bekommen.

In den USA gibt es aber nicht nur eine zur Hälfte debile Bevölkerung, eine destruktive Killer-Partei und ein höchst ungerechtes, dysfunktionales, anachronistisches Wahlrecht, sondern auch eine korrupte Justiz mit hunderten ultrakonservativen unqualifizierten von Trump auf Lebenszeit ernannten Bundesrichtern.

[…..] Die US-Regierung wollte eine Vorschrift erlassen, nach der sich Angestellte von großen Unternehmen impfen oder regelmäßig testen lassen müssen. Wegen Problemen mit dem Verfahren kann sie nun nicht erlassen werden.  Der Oberste Gerichtshof der USA hat eine Corona-Vorschrift der Regierung gestoppt. Große Unternehmen sollten laut der Vorschrift ab dieser Woche dafür sorgen, dass ihre Angestellten gegen das Coronavirus geimpft sind oder sich wöchentlichen Tests unterziehen. Mehrere republikanisch regierte Bundesstaaten hatten geklagt.  Die Regelung sollte für Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten gelten. Mehr als 80 Millionen Menschen wären in den USA davon betroffen gewesen. Auch die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist mit dem Gerichtsurteil vorerst auf Eis gelegt.  [….]

(Tagesschau, 13.01.2022)

Nach diesen Zahlen, nach 116.000 Corona-Toten in Deutschland und hüben wie drüben ausgezehrten Gesundheitssystem – auch in den US haben innerhalb des letzten Jahres 20% der Krankenhaus-Angestellten gekündigt, weil sie diese chronische Überbelastung nicht mehr ertragen konnten – ist Corona nach meiner Wahrnehmung durchaus ein Problem.

Erschreckend viele Menschen nehmen die letzten beiden Jahre aber so wahr, daß sie immer noch behaupten, Corona sei bloß sowas wie ein heftiger Schnupfen.