Mittwoch, 5. Januar 2022

Großer Geist versus beschränkter Geist

Das Faszinosum Helmut Schmidt, 1918-2015, speist sich aus vielen Aspekten. Seine Lebensgeschichte, sein legendäres Rede-Talent, das enzyklopädische Wissen über die Welt, Wirtschaft, Finanzen.

Als die NATO 2001 Kabul angriff, weil Osama bin Laden dort Zuflucht gefunden hatte, wußten die meisten von uns über Afghanistan nur, daß die Sowjetunion da jahrelang Krieg geführt hatte und daß die Taliban kuriose Steinzeit-Muslime waren, die Frauen das Autofahren verboten hatten und die uralten riesigen Buddha-Statuen sprengten.

Helmut Schmidt hingegen konnte im Alter von 92 Jahren aus dem Kopf sämtliche einzelnen Volksgruppen am Hindukusch und 2500 Jahre Geschichte der Weltregion rekapitulieren.

Was mich aber am meisten an Schmidt begeisterte, ist daß er sich immer weiter entwickelte. Er war nie religiös, weil er humanistisch gebildet war, sah aber bekanntlich nach der totalen Vernichtung Deutschlands 1945 in den Kirchen einen stabilisierenden Faktor, den es zu schützen gelte.

Er schwor seine Eide „so wahr mir Gott helfe“, erlangte aber kontinuierlich zunehmend so viel Wissen über andere Religionen, daß er das Christentum immer mehr relativierte.
Hoch in den 80ern war er Zweifler, Agnostiker, ohne persönlichen Hang zur Metaphysik. Mit über 90 hingegen bekannte er sich klar dazu, Atheist zu sein, sah den überwiegend negativen Einfluss der Kirchen.

Der Mann, der als Kanzler, die sich gründenden Grünen kaum ernst nahm, ihre Anliegen für albern hielt, fand auf seine alten Tage lobende Worte für Joschka Fischer, erkannte den Klimawandel als riesiges Problem.

Als der finanzpolitische Welt-Experte des 20. Jahrhunderts warnte er früher und energischer als alle anderen vor den dramatischen Folgen des Turbo-Kapitalismus, den Machenschaften der Trader von Finanzprodukten.

Er lernte bis zu seinem Tod mit fast 97 Jahren stets dazu.

Das dramatischste Problem unserer Welt erkannte er in der galoppierenden Überbevölkerung und malte die schrecklichen Folgen der rasanten Vermehrung der Gattung Mensch in immer neuen Bildern aus, so beispielsweise im NZZ-Gespräch im Jahr 2009 mit fast 91 Jahren.

Das diametrale Gegenteil eines solchen wachen Geistes, der sich immer weiter entwickelt, findet man in Jorge Bergoglio, geboren 1936, der zurzeit als Papst jobbt.

Bergoglio verfügt über einen gewaltigen diplomatischen Apparat, hat Zugang zu allen Informationen und kann, mehr noch als Helmut Schmidt, mit jedem Regierungschef der Welt, mit jeder Berühmtheit, jedem Wissenschaftler in Kontakt treten.
Es nützt nur nichts, da sein Geist beschränkt ist, er nicht fähig ist außerhalb seiner festen Vorurteile zu denken.

Frauen findet er immer noch minderwertig, das Christentum als alleinseligmachend und nun empfiehlt er zu allem Übel auch noch zur alles zerstörenden katastrophalen Überbevölkerung, die Menschen sollten mehr Kinder bekommen.

Die einzige Möglichkeit unseren Planeten noch zu retten, ist auf Kinder zu verzichten. Und Bergoglio beschimpft Paare für ihre Kinderlosigkeit.

Kann man sich nicht ausdenken. Wie kann in einem Mann so viel Unsinn zusammen kommen? Ausgerechnet einer, der die Flüchtlingsströme anspricht, schon selbst Flüchtlingslager besuchte, in Italien lebt. Italien, das aufgrund seiner Lage nahe Afrika Hauptzielland verzweifelter Migranten ist, von denen im Jahr 2021 über 4.000 Menschen im Mittelmeer ertranken, weil kein europäisches Land noch mehr Menschen aufnehmen will.

[….] Generalaudienz: Papst ermuntert Paare zu Kindern

Vor einem „demografischen Winter“ in den überalterten Gesellschaften Europas hat Papst Franziskus an Weihnachten gewarnt. An diesem Mittwoch legte er nach: „Unsere Zivilisation ist ein wenig verwaist“, sagte er bei seiner Generalaudienz. [….]  Für Gesellschaften, in denen Kinder fast gar nicht mehr vorkommen, hat Franziskus nicht viel übrig, das machte er in seiner Katechese klar. „Viele, viele Paare haben keine Kinder, weil sie nicht wollen, oder sie haben eines und nicht mehr - aber sie haben zwei Hunde, zwei Katzen ... Ja, Hunde und Katzen ersetzen Kinder. Das bringt einen zum Lachen, das verstehe ich, aber es ist die Realität!“ [….]

(Vatikan News, 05.01.2022)

Wir kratzen an der 8 Milliarden Menschen-Marke und zerstören damit die gesamte Umwelt und ausgerechnet der Chef einer Armee von über 400.000 Zölibatären fordert, die Menschen sollten mehr Babys machen!

Wie viel Weihrauch muss man in seine Bong füllen, um auf solche Ideen zu kommen?

Aber Spaß bei Seite: Wozu sich katholische Geistliche dringend mehr kleine Jungs wünschen, wissen wir nur allzu gut.





Dienstag, 4. Januar 2022

Ganz alte Neuigkeiten

Manchmal nervt es, wenn Artikel aus völlig seriösen Zeitungen in den sozialen Medien aufpoppen, die User ganz entrüstet reagieren und dabei handelt es sich um eine Geschichte, die jeder, der ein bißchen Interesse mitbringt, schon längst singen kann.

Homöopathie wirkt gar nicht und wird trotzdem von der Kasse bezahlt?
Donnerschlach!

Christian Lindner ist privat finanziell unfähig, hat mehrere Unternehmen mit Millionenverlust an die Wand gefahren?

Sag bloß!

Von Caritas und Diakonie betriebene Kinderheime und Pflegeeinrichtungen werden gar nicht aus der Kirchensteuer bezahlt?
Ganz was Neues!

Man kann sich mit Corona anstecken, obwohl man geimpft ist? 

Wer hätte das gedacht!

Die stets klammen Bundestagsparteien bekommen noch mal knapp 600 Millionen Euro aus dem Steuersäckel über ihre „parteinahen Stiftungen“?
Ist ja ein Ding!

Heute schwappt wieder so eine Meldung durch den Blätterwald, die ich schon auswendig und rückwärts runterbeten kann: Papst Ratzinger machte sich auch persönlich die Hände schmutzig beim Beschützen von Kinderfic**rn in Soutane.

What else is new?

Das kann man seit 2007 immer wieder auf diesem Blog lesen.

Da Ratzinger allgemein als Kinderfi**erförderer bekannt war, betrübte es mich sehr, als er 2013 keinen Bock mehr hatte, den Bettel hinwarf und ein Nicht-Kurialer auf den Papst-Thron kletterte.

(…..) Seine ersten Worte als Papst waren völlig unprätentiös "Buona Sera", er trug weiterhin seine gemütlichen schwarzen Treter, statt edler Purpur-roter Prada-Slipper, verzichtete auch den Einzug in die päpstliche Palastwohnung und mischte sich gern unter das Volk. Schlagartig war Schluss mit Ratzis Prunksucht, mit Hermelin, güldenen Kleidern und edelsteinbestickten Pracht-Mozetten.

Als Atheist war ich natürlich besorgt. Ratzinger war ein wertvoller Agent der Konfessionsfreien im Herzen der Katholischen Kirche. Er war nicht nur persönlich abstoßend und unfreundlich, sondern holte Holocaustleugner in den Schoß der Kirche zurück, brach den ökumenischen Prozess zu den Protestanten ab, wetterte gegen Kondomgebrauch in der HIV-Krise, versorgte seine Spezis mit Posten, ließ wieder die mittelalterliche tridentinische Messe lesen und schob die Schuld an den Myriaden kinderfi**enden Priestern den liberalen Medien und den 68ern in die Schuhe.

Einfach großartig. So trieb er Millionen gläubige, zahlende Katholiken der westlichen Hemisphäre aus der RKK. Wie sollte da der Neue mithalten?   (….)
(Mein Papst, 25.09.2021)

Das Erzbistum München und Freising ist ein Augiasstall.

Mindestens die letzten drei leitenden Kardinäle, die Metropoliten Ratzinger, Wetter und Marx, haben schwerste Schuld auf sich geladen.

Ratzis Vorgänger Julius August Kardinal Döpfner, 1961-1976 Chef der Erzdiözese des Grauens, erscheint uns mutmaßlich nur deshalb in milderem Licht, weil er schon im Alter von 62 Jahren einen tödlichen Herzinfarkt erlitt und sein Tod annähernd ein halbes Jahrhundert zurückliegt.

Nun wird noch mal der „Fall Pater H.“ aufgewärmt, auch ein ganz alter Hut, über den schon 2005, zum Anfang des Ratzinger-Pontifikats ausführlich berichtet wurde.

[….] Ein Fall in dieser Untersuchung ist so wichtig, dass die Anwälte ihm besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben dürften, der Fall Peter H.: Zwischen 1973 und 1996 soll er als junger Kaplan und Pfarrer im Ruhrgebiet mindestens 23 Jungen im Alter von 8 bis 16 Jahren missbraucht haben, später konnte er seine Macht- und Vertrauensposition als Seelsorger in Bayern ausnutzen. Seine Vorgesetzten taten nichts. Oder jedenfalls nichts, was ihn stoppte. Nun ergeben Recherchen der ZEIT, wie deutlich die Kirche selbst das Verhalten hoher Kleriker einschließlich das von Papst Benedikt moniert hat – und zwar ganz offiziell. Es handelt sich um ein sogenanntes Verwaltungsstrafverfahren der Kirche gegen H. Dessen Ergebnis, ein "Außergerichtliches Dekret" des Kirchlichen Gerichts der Erzdiözese München und Freising, liegt der ZEIT vollständig vor. Es wurde am 9. Mai 2016 ausgefertigt. Unterzeichnet haben es der Münchner Kirchengerichtschef Lorenz Wolf, zwei weitere Kirchenrichter und ein kirchlicher Notar. Die Echtheit des Dokuments bestätigt eine zweite Quelle. Über das Dekret berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits 2018, die Süddeutsche Zeitung 2020.  Die Kirchenrichter beantworteten 2016 die Frage nach den Konsequenzen für Peter H.: Er musste drei Monatsgehälter an die Tabaluga-Kinderstiftung zahlen. Zudem wurde er in den Ruhestand versetzt, er durfte sein Priesteramt nicht mehr ausüben. Nur von der Höchststrafe, der Entlassung aus dem Klerikerstand, blieb er verschont.  [….]

(Die Zeit, 04.01.2022)

Ich habe noch die SPIEGEL-TV-Sendung von vor ca 20 Jahren vor Auge, als Reporter die Gemeindemitglieder von Peter H. informierten und von wütenden frommen Omen und Open weggejagt wurden. „Wer denn nicht?“ schrien sie den fliehenden SPIEGEL-Journalisten hinterher, denn schon damals war allgemein bekannt, daß katholische Pfaffen Kinder sexuell missbrauchten. Es störte aber niemanden in der Gemeinde. Nur wenn eins der Opfer wagte, darüber zu sprechen. Dann wurde es ausgegrenzt. Man hielt zum Täter.

[….] Gutachter werfen Ex-Papst und Kardinal Marx Versäumnisse in Missbrauchsskandal vor.  Ratzinger soll 1980 Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester nicht nachgegangen sein. Auch die Amtszeit von Kardinal Marx wurde untersucht.  [….] Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche sind neue Details über das Handeln des früheren Papstes Benedikt XVI. und des Münchner Kardinals Reinhard Marx ans Licht gekommen. Nach Recherchen der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ wird insbesondere Joseph Ratzinger durch das dem Blatt vorliegende Dekret eines Münchner Kirchengerichts von 2016 belastet. Im Zentrum der Vorwürfe steht der Umgang mit einem Essener Diözesanpriester, der nach sexuellen Vergehen an Minderjährigen 1980 nach München geschickt wurde. Ratzinger, damals Münchner Erzbischof, habe von der Sachlage gewusst und der Aufnahme von Peter H. zugestimmt. Mehrere Bischöfe, darunter auch Ratzinger, hätten „bewusst auf eine Sanktionierung der Straftat verzichtet“. [….] Die beiden Kirchenrechtsprofessoren Norbert Lüdecke (Bonn) und Bernhard Anuth (Tübingen) werfen in einem „Zeit“-Interview auch Kardinal Marx Pflichtverletzungen im Umgang mit dem Missbrauchstäter vor. [….] 

(Tagesspiegel, 04.01.2022) 

Ich muss schon sehr gähnen, diese Meldungen über Ratzinger zu lesen.

Der 94-Jährige wird natürlich nie mehr dafür zur Rechenschaft gezogen, was er Myriaden Kindern weltweit antat. Seit Jahrzehnten wissen die Staatsanwaltschaften und die Gläubigen Bescheid und haben ihn trotzdem wie ein Mann mit Standig Ovations im Bundestag bejubelt. 

Die spätere SPD-Chefin Andrea Nahles applaudierte 2010 dem Kinderfic**rfreund Benedikt so enthusiastisch, daß sie vor Glück einen Eisprung bekam. Dem Grünen Genitalverstümmlungsfan Volker Beck ging es genauso. Nur Christian Ströbele verließ leicht angewidert den Plenarsaal. Offensichtlich gibt es immer noch so sehr hinter dem Mond lebende Menschen, daß sie von diesen uralten „neuen Enthüllungen“ überrascht und empört sind. 

Daher ist es auch richtig und gut, die katholische Missbrauchs-Sau erneut durchs Dorf zu treiben. Gerechtigkeit wird es nie geben. Aber immerhin können wir auf ein paar zusätzliche Kirchenaustritte hoffen. Also freue ich mich, wenn immer mehr Medien den Fall aufgreifen und berichten, daß Marx und Ratzinger persönlich dafür sorgten, daß Priester H. immer mehr Kinder grausam misshandeln konnte.

[….] Peter H. kam 1980 aus dem Bistum Essen, um in Bayern eine Therapie zu machen, nachdem er bereits als Kaplan übergriffig geworden war. Doch kurze Zeit nach seinem Wechsel an die Isar wurde er erneut in der Seelsorge eingesetzt – und erneut übergriffig. Insgesamt 29 Betroffene sind in München und Essen mittlerweile aktenkundig. Es könnten durchaus noch mehr sein, heißt es. Selbst als H. 1986 vom Amtsgericht Ebersberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, hielt das die Verantwortlichen nicht davon ab, ihn wieder in einer Pfarrgemeinde einzusetzen. [….]

(RWM, 04.01.2022)

Montag, 3. Januar 2022

Omikron mit zweimal BioNTech im Arm – Teil VI

Hurra, heute konnte ich in mein Corona-Symptomtagebuch für das Gesundheitsamt eine „leichte Besserung“ eintragen.

Die vom Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne läuft bis zum 04.01. – sofern ich symptomfrei bin. Aber was bedeutet das streng genommen? Bin ich ab morgen frei? In einer Stunde?

Ist das schon der Fall, wenn ich zwar noch ein bißchen Schnupfen und Husten habe, andererseits meine Antigen-Selbsttests von gestern und heute wieder negativ sind?

Mutmaßlich trage ich also nach gut 14 Tagen noch eine kleine Virus-Last mit mir herum, die aber der AG-Test nicht mehr wahrnimmt.

Um ganz sicher zu sein, bräuchte ich noch einen PCR-Test.

Das ist aber gar nicht so einfach, weil das Gesundheitsamt komplett überlastet ist und kaum noch PCR-Test-Termine zu bekommen sind.

[…] In Hamburg bleiben die Corona-Neuinfektionen auf hohem Niveau. Die Fallzahlen sind derzeit so hoch, dass nicht alle Betroffenen vom Gesundheitsamt informiert werden können. Bestimmte Regeln gelten für Infizierte trotzdem.

Im Fall eines positiven Corona-Testergebnisses gilt es einige Dinge zu beachten. Doch viele Menschen sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie sich mit dem Virus angesteckt haben.

Wichtigste Regel: Sie müssen Kontakte vermeiden und zu Hause bleiben. Dazu ist man verpflichtet, sobald der Schnelltest ein positives Ergebnis anzeigt - auch ohne dass das Gesundheitsamt ausdrücklich eine Quarantäne anordnet. Um eine sichere Diagnose zu bekommen, muss ein PCR-Test durchgeführt werden. Einen Termin bekommt man beim Hausarzt, über die Terminvergabe oder an einer der Teststellen der Stadt.   [….]

(NDR, 03.01.2022)

Mein positiver PCR in der Nacht vom 23.12. auf den  24.12. fand in meiner Wohnung statt. Der „Patientenservice 116117“ hatte einen Tester geschickt. Deren Kapazitäten sind aber mittlerweile weitgehend erschöpft. Andererseits kann ich OHNE den PCR nicht die Quarantäne brechen, um irgendwo anders einen PCR zu machen.

In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich bei dem ersten PCR-Test, zu dem ich nach dem positiven AG-Test verpflichtet war, angenommen, das wäre so eine Art „hoheitliche Aufgabe“ und somit wie die Corona-Schutzimpfung kostenlos.

Aber weit gefehlt; die Abrechnungsstelle funktioniert sogar wesentlich schneller als das Gesundheitsamt, von dem ich bisher noch keine offizielle Benachrichtigung per Post bekommen habe.

Die Rechnung von knapp 90 Euro für den PCR-Test flatterte schon am 27.12.21 in meinen Briefkasten.

Auch die Impfkampagne in Hamburg stockt weiterhin, da durch Spahns ungeheuerliches Versagen immer noch nicht genügend Impfstoff geliefert werden kann.

[….] Vorerst keine neuen Termine im Hamburger Kinderimpfzentrum!

Die Stadt Hamburg weiß noch nicht, wie viel Corona-Impfstoff für Kinder in den kommenden Wochen geliefert wird. Vorerst gibt es deshalb keine neuen Termine im Kinderimpfzentrum in der Neustadt. Schon vor dem Jahreswechsel waren alle Termine bis Mitte Januar ausgebucht - sowohl für das Kinderimpfzentrum als auch für die Impfstellen in den Kinderkrankenhäusern. Wer Glück hat, könnte aber noch einen Termin in einer Arzt-Praxis bekommen. Von den rund 110.000 Kindern in Hamburg haben bisher rund 10.000 mindestens eine Impfung bekommen - also weniger als zehn Prozent.  [….]

(NDR, 03.01.22)

Sonntag, 2. Januar 2022

Ausgrenzung

Die rechtsextreme Verschwörungstheoretikerin und Hassfanatikerin Marjorie Taylor Greene, inzwischen so bekannt, daß sie wie „AOC“ Alexandria Ocasio-Cortez  unter einem Akronym - MTG - firmiert, führt ein perfektes Leben.

Die US-Kongressabgeordnete ist so irre, daß sie aus allen Ausschüssen entfernt wurde. Sie muss also nicht arbeiten und kann sich zu 100% ihrer Passion, dem Hass auf andere Menschen widmen.

(….) David Miles Hogg, 21, überlebte am 14. Februar 2018 das Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland (Florida), bei dem 14 seiner Mitschüler und drei Lehrer getötet wurden. Jeder Mensch, der auch nur über einen winzigen Rest menschlichen Anstandes verfügt, empfindet Mitleid mit den „Parkland-Survivors“ und versteht, daß sie keine Waffenfreunde sind.

Marjorie Taylor Greene, 46, republikanische Kongressabgeordnete aus Georgia, gehört nicht dazu.   Die fanatische Christin ist zutiefst bösartig, stürzt sich höhnisch lachend auf Opfer, bei denen sich Schwäche wittert.  Daher verfolgte und belästigte sie 2019 das traumatisierte Opfer David Hogg erneut, versuchte ihn damit zu triggern, daß sie eine Waffe trage.

[……] Rep. Marjorie Taylor Greene, R-Ga., mocked a Florida school shooting survivor as an "idiot" who "only talks when he is scripted" in a 2019 interview with a Georgia gun group, according to a previously unreported video obtained by NBC News.   "He is very trained. He's like a dog. He's completely trained," Greene said of the survivor, David Hogg, now 20, in an interview with Georgia Gun Owners Inc. in April 2019, less than two years before she was elected to Congress.   Videos of Greene, a freshman Republican, berating Hogg in Washington surfaced last week after she was appointed to the House Education and Labor Committee. […..]

(02.02.2021)

Die Schäbigkeit und Brutalität der Retrumplicans lässt sich eigentlich nicht unterschätzen, aber Taylor Greene ist selbst für GOP eine besonders abstoßende Kreatur der Niedertracht.

Sie verhöhnt die Opfer, indem sie  School-shootings als „false flag operations“, also liberale Inszenierungen bezeichnet, um den Waffenbesitzern zu schaden. Demokratische Politiker solle man exekutieren. David Hogg beschimpfte sie als „Feigling“, nachdem dieser sich weigerte auf ihr aggressives Stalking zu reagieren. Die frommen weißen Christen in Georgia waren von solchen Aktionen so begeistert, daß sie die QAnon-Verschwörerin 2020 in den US-Kongress wählten.  (…)

(Abgründe unter Abgründigen, 15.05.2021)

Die Cro-Magnon-Frau lebt ihren zutiefst bösartigen Sadismus nicht nur verbal und politisch aus, sondern wird auch handgreiflich, stachelte den Mord-Mob vom 06.01.2020 an, versorgte die Umstürzler mit logistischen Informationen und bedroht, wie ihre waffenstarrende enthirnte Kollegin Lauren Boebert, ihre Kollegen im Kongress auch physisch.



Demokratische Abgeordnete vom progressiven Flügel wie Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley, Rashida Tlaib, Jamaal Bowman und Cori Bush sind selbst im US-Kapitol, der Herzkammer der amerikanischen Demokratie, ihres Lebens nicht mehr sicher.

Sie werden nicht nur durch Schläge und Schusswaffen einiger GOP-Abgeordneten bedroht, sondern inmitten der Omikronwelle verbreiten MTG und Co auch vorsätzlich Viren.

[….] 2 Georgia Republicans Rack Up Fines for Defying House’s Mask Mandate.  Representatives Marjorie Taylor Greene and Andrew Clyde have incurred more than $100,000 combined in penalties for dozens of violations. [….]

(New York Times, 29.12.2021)

Die 100.000 Dollar Strafe für die Verstöße gegen die Maskenpflicht im US-Kongress sind ein gutes Investment. Dadurch stieg MTG zur Ikone der irren Covidioten auf und sammelte schon in den ersten drei Monaten im Kongress 3,2 Millionen Dollar Spenden ein.

[….] We have a scoop for you this morning: Freshman Rep. Marjorie Taylor Greene (R-Ga.), the controversial MAGA firebrand, raised over $3.2 million in the first three months of this year, according to a source close to her campaign. [….]

(Politico, 04.07.21)

In den USA, dem Land der irren Hassfanatiker mit 75 Millionen Trump-Fans, kann die irrste Hassfanatikerin ihre fanatische Basis bequem ausmelken.

Wie die meisten GOP-Abgeordneten, die radikal das Geld zu dem obersten 1% umschaufeln, gehört auch MTG selbst zum obersten 1%. Sie ist nicht so reich wie Trump, hat aber in ihrem Leben bereits rund 50 Millionen Dollar an sich gerafft. Wie ganz genau, wird derzeit untersucht. Ich lehne mich sicher nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich mutmaße, daß es sich dabei nicht um ehrliche Arbeit als Medizinerin oder Handwerkerin handelte.

Bis zum September 2021 konnte MTG über sechs Millionen Dollar für ihren antisemitischen Hass-Wahnsinn und die Mordaufrufe an Spenden generieren.

Die republikanische Parteiführung stört es nicht, daß MGT wie gedruckt lügt, andere Abgeordnete physisch bedroht, brutal antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und dazu aufruft die Kongress-Sprecherin Nany Pelosi zu hängen.   Trumps GOP lässt sie gern weiter wüten. Die Mordaufrufe, Gewaltphantasien, der Judenhass und die Lügen hatten bisher keinerlei Konsequenzen für die blondierte millionenschwere Furie aus Georgia.

Aber immerhin führten ihre Corona-Lügen nun dazu, daß das private Unternehmen Twitter sie rauswarf.

[….] Marjorie Taylor Greene verglich in einem Interview das Maskentragen mit dem Holocaust. Nun hat Twitter einen Account der Trump-Anhängerin gesperrt – wegen wiederholter Falschinformation. [….] Unter dem Namen @mtgreenee schwurbelte Marjorie Taylor Greene auf Twitter über QAnon, leugnete die Wirkung von Corona-Schutzimpfungen und verharmloste die Krankheit, die von dem Virus ausgeht. Wegen unter anderem dieser Verstöße hat das soziale Netzwerk einen Account der republikanischen Kongressabgeordneten und Trump-Anhängerin nun abgeschaltet. [….] Das Unternehmen habe den Account »wegen wiederholter Verstöße gegen unsere Covid-19-Richtlinie für Fehlinformationen dauerhaft gesperrt«, zitiert etwa CNN einen Twitter-Sprecher. Laut »New York Times« war Greene zuvor bereits viermal vorübergehend gesperrt worden.  Die Politikerin aus dem US-Bundesstaat Georgia neigt auch abseits der sozialen Medien zu Ausfällen. Im Mai hatte sie im Sender Real America's Voice das Maskentragen mit dem Holocaust und der Pflicht des Tragens eines Judensterns verglichen. [….] Ganz aus dem Twitter-Kosmos verschwunden ist Greene nun jedoch nicht. Sie hat weiterhin Zugang zu ihrem offiziellen Kongresskonto @RepMTG. [….]

(SPON, 02.01.2022)

Ein überfälliger Schritt. MGT ist die Apotheose der hochgefährlichen Quer-Schwurbulanten, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, sondern konsequent ausgrenzen muss.

Natürlich kreischen die Rechtsextremen nun, das sei Zensur. Die linke Regierung wolle Konservative zum Schweigen bringen. Natürlich ist das ganz großer Bullshit, denn bei Twitter handelt es sich um ein Privatunternehmen, das ganz im Sinne der Republikaner unbeeinflusst von der Regierung handelt.

[….] Now comes the part where the free enterprise-loving conservatives whine that they’re being silenced and canceled and censored because a private company enforced its own terms of service.  [….]

(Brian Tyler Cohen, 02.01.2022)

Samstag, 1. Januar 2022

Impudenz des Jahres 2021

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender einen „1.1.“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Jahres zu küren.

Auf allen Kontinenten gilt es seit Jahrhunderten als Makel, ungebildet zu sein.  Homo Sapiens soll von Natur aus sehr neugierig sein und daher nahmen und nehmen Kinder große Strapazen auf sich, um zu lernen. Lehrer wurden hochverehrt und viele Eltern gehen erhebliche finanzielle Belastungen ein, um ihren Nachwuchs mit Bildung zu versehen.

Seit Jahren berichtet eine eindrucksvolle ARD-Produktion von den „gefährlichsten Schulwegen der Welt“.

[….] Die gefährlichsten Schulwege der Welt: Philippinen

Die Kinder aus Madibago im Nordwesten der Philippinen müssen auf ihrem Schulweg eine Steilwand mitten im Dschungel erklimmen. Lediglich ein paar Wurzeln geben den Schülern etwas Halt. Schon viele Kinder sind hier abgestürzt und haben sich verletzt. Aber Aible und ihre Mitschüler wagen sich trotzdem jeden Tag erneut an die Wand - getrieben von der Hoffnung, durch ihre Schulbildung ein besseres Leben zu haben. [….]

(3Sat 2021)

[….] Die gefährlichsten Schulwege der Welt: Bolivien

Die Yungas-Täler liegen zwischen den Anden und dem Amazonasbecken. Die Kinder in dieser abgeschiedenen und armen Region Boliviens legen weite und unvorstellbar gefährliche Wege zurück. Sie trotzen Naturgewalten, Hunger und Erschöpfung. Diese kleinen Helden haben ihren Traum immer fest im Blick: durch Bildung die Berge verlassen und in die Stadt ziehen zu können - raus aus der Armut. [….]

(3Sat)

Der SPD-Vorläufer und 1863 von Ferdinand Lassalle gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (1869: Sozialdemokratische Arbeiterpartei, 1875 Zusammenschluss zur Sozialistischen Arbeiterpartei), setzte ganz auf Bildung.

Alle Arbeiter strebten nach Bildung und nahmen nach ihren 12- oder 14-Stunden-Arbeitstagen begierig jedes Angebot an, zu lernen.

[….] Insbesondere während des „Sozialistengesetzes“ (1878–1890) erlebten die meist sozialdemokratischen Arbeiterbildungsvereine einen massenhaften Aufschwung als wichtiger Teil der Arbeiterkulturbewegung.  Während der Weimarer Republik waren die Arbeiterbildungsvereine Teil eines ausdifferenzierten Vereinswesens und des sozialdemokratischen Milieus. Es gab Neugründungen im Bereich der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, aber auch eine Öffnung hin zu pluralistisch eingestellten Bildungseinrichtungen – wie beispielsweise den Volkshochschulen – fand statt. Vorbildhaft hierfür waren die Leipziger Volkshochschule oder auch die Heimvolkshochschule Sachsenburg, hier gelten Hildegard Reisig und Gertrud Hermes als Vorreiterinnen. Sie entwickelten erste theoretische Ansätze zur Arbeiterbildung.  Seit 1945 wird die Arbeiterbildung stark von der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und der Organisation „Arbeit und Leben“ (eine Kooperation von Gewerkschaften und Volkshochschulen) bestimmt. Insbesondere Oskar Negt, Adolf Brock und auch Paul Röhrig entwickelten über einen spezifischen an die „Klasse“ gebundenen exemplarischen Lernbegriff die Theorie der Arbeiterbildung weiter.  Im Rahmen der Geschichte der Erwachsenenbildung haben die Arbeiterbildungsvereine als international bedeutende soziale Bewegung, im Sinne der Selbstorganisation unterdrückter Bildungsinteressen, einen hohen Stellenwert gewonnen. [….]

(Friedrich Ebert Stiftung)

Die Covidioten, die schon zur Impudenz des Jahres 2020 erkoren wurden, stellen dieses Prinzip auf den Kopf.

Sie frönen mit großer Lust ihrer eigenen Borniertheit, verachten Bildung.

So erkämpften sich die Leerdenker, Anti-Impf-Spaziergänger, die mit Fackeln losziehen, um Politiker und Wissenschaftler zu lynchen, auch im Jahr 2021 den großen Pokal als schlimmste Blödmänner des Jahres.

Diese brüllenden Inkarnationen des Dunning-Kruger-Effekts werden durch die Selbst-Anstachlungen in ihren Inkompetenzblasen immer gewalttätiger.

Von den Social-Media-Algorithmen in immer dichtere Aggro-Cluster zusammengepresst, halten sie sich inzwischen nicht nur für klüger, als die „Schlafschafe“, sondern leiten daraus auch einen Anspruch ab, mit Gewalt gegen die Gesellschaft vorzugehen.

Sollte die Corona-Pandemie jemals besiegt werden (und genau diesen Durchbruch blockieren die Impf- und Maskenpflicht-Gegner), besteht leider dennoch keine Hoffnung, dieses brutale Pack der Dummheit loszuwerden.

Denn ihre Themen sind letztendlich austauschbar.

Ob sie nun am 06.01.2020 als mordender Mob den US-Kongress stürmen, voller Hass für den Brexit stimmen, als hasserfüllte Xenophobe den kriminellen PEGIDA-Machern nachlaufen, Asylunterkünfte niederbrennen, Menschen erschießen, die sie auf Maskenpflicht hinweisen, oder als sächsische Covid-Orks nachts durch die Kleinstädte marodieren – es steckt der gleiche hässliche Homo Demens dahinter. Diese Typen sind zwar glücklicherweise keine Mehrheit, aber doch eine lautstarke, sich selbst replizierende Minderheit.

So wie die zutiefst destruktive faschistoide AfD erst gegen den Euro, dann gegen die EU, später gegen Flüchtlinge, anschließend gegen „den Islam“, die „Mainstreammedien“ und schließlich gegen Maskenverordnungen, Impfpflicht und überhaupt alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hetzt, finden auch die Schwurbler immer etwas, das sie hassen.

Sie werden garantiert auch in Zukunft Themen okkupieren, mit denen sie Verschwörungstheorien frönen können und ihrem eigentlichen inneren Antrieb, dem Ausleben ihres inneren Hasses folgen können.

Diese Aluhütigen sind durch Argumente, Fakten und Realität nicht mehr einzufangen. Zig Millionen QTrumpliKKKans sind fest von dem Sieg ihres orangen Idols über Joe Biden überzeugt, obwohl kontinuierlich nachgezählt wurde, republikanische Gouverneure den Sieg Bidens bestätigten und republikanische Richter Dutzende Klagen abschmetterten. Sie sind immun gegen Wahrheit.

Intensivpfleger berichten von schwersten Covid-Fällen, die intubiert und an einem Dutzend Infusionen hängend, auf der Intensivstation die Existenz des Corona-Virus leugnen.

Es gibt keine Gesprächsgrundlage mit diesen Typen, keine Gemeinsamkeiten und eben auch keine Veranlassung der Mehrheitsgesellschaft weiterhin Rücksicht auf die marschierenden Neandertaler zu nehmen.

Denn die kennen keinerlei Anstand und keine Hemmungen. Sie nutzen ihre eigenen Kleinkinder als Schild und stellen eine tödliche Gefahr für die vulnerablen Teile unserer Gesellschaft dar.

Sie müssen strikt ausgegrenzt werden.

Freitag, 31. Dezember 2021

Der Gewinner des Jahres 2021

Die meiner Ansicht nach abscheulichste Meldung des Jahres 2021 in Deutschland, war die investigative SPIEGEL-Recherche über den abgrundtiefen Kindersex-Sumpf im Bistum Trier.

Die Story ist ein absolutes „must read“ und würde in einem funktionierenden Rechtsstaat ein politisches Erdbeben auslösen, umfangreichste Ermittlungen des Bundesanwaltschaft nach sich ziehen und die römisch-katholischen Kirche in Deutschland mindestens die Gemeinnützigkeit entziehen. Die Bundesländer würden solchen Bischöfen nicht mehr ihr Gehalt zahlen und die RKK-Vertreter aus ihren Ethikräten werfen.

(….) Extrem brisant sind die Namen der moralischen Hauptschuldigen:

1.) Der Trierer Bischof Reinhard Marx (2001 bis 2008), dem ausgerechnet einer der perfidesten Kinderfi**er-Schützer Kardinal Degenhardt 1996 die Bischofsweihe spendete.  Später stieg Marx zum Erzbischof von München und Freising, Metropoliten der zugehörigen Kirchenprovinz, Kardinalpriester von San Corbiniano, Präsidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE), Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Großprior der deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Mitglied des Kardinalrates und Papst-Vertrauten auf.

2.) Der seit 2009 amtierende Trierer Bischof Stefan Ackermann, der 2010 zum Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz aufstieg.

3.) Georg Bätzing, ab 1996 Regens des Priesterseminars in Trier, ab 2012 Generalvikar des Bistums Trier, 2016 Franz-Peter Tebartz-van Elst-Nachfolger als 13. Bischof von Limburg und schließlich seit 2020 Nachfolger von Reinhard Kardinal Marx als Chef der deutschen Bischofskonferenz.

Es sind also gewissermaßen die prominentesten deutschen Top-Kleriker überhaupt, die sich die Hände im Missbrauchssumpf von Trier so unfassbar dreckig gemacht haben.

So erklärt sich mutmaßlich auch der von Marx im Juni 2021 angebotene und von Bergoglio prompt verwehrte Rücktritt als Erzbischof von München und Freising. Wahrscheinlich überwältigte ihn die Angst vor weiteren Enthüllungen. (….)

(Der kriminelle Sumpf von Trier, 12.12.2021)

Statt in Schimpf und Schande abgewickelt zu werden, saßen die hochbezahlten zölibatären Moralapostel in den bunten Kleidern, die Enthüllung einfach aus.

Offenbar schert sich keiner der kirchentreuen Politiker um ein paar Zehntausend sexuell missbrauchte und lebenslang brutal psychisch gequälte Kinder.

Besonders erbärmlich fallen in dieser Hinsicht die neuen FDP-Bundesminister auf, die allesamt „so wahr mir Gott helfe“ schworen.

Verkehrsminister Wissing ist tief fromm, spielt im Gottesdienst die Orgel.

Justizminister Buschmann ist überzeugter Katholik und offensichtlich ebenfalls gewillt, die Sextäter seiner Kirche zu beschützen und den Myriaden Opfern den Mittelfinger zu zeigen.

Es gab nach meiner Erinnerung so gut wie gar kein Medienecho auf die Enthüllungen von Trier. Kaum eine andere Zeitung griff das Thema auf, kein namhafter Politiker fühlte sich zu einem Kommentar bemüßigt und die Kinderfi**er-Schützer-Bischöfe gaben erst Recht keine Anzeichen von Scham oder Reue zu erkennen.

Warum auch? Sie haben die schlimmsten überhaupt denkbaren Verbrechen in ihrem Verein gefördert, die Strafverfolgung der Täter behindert und bekommen seit 12 Jahren das eindeutige politische Signal „Ihr dürft das!“.

Wie sollten sie das dröhnende Schweigen der gesamten politischen Klasse und des gesamtes Justizapparates anders verstehen als

„verprügelt, foltert, missbraucht, quält, misshandelt weiter so viele Kinder, wie Ihr mögt. Ihr habt Generalpardon und könnt Euren Sadismus gegenüber Hilflosen und Schwachen mit freundlichen Grüßen aus Parlament und Regierung gern weiter nach Lust und Laune ausleben!“

Georg Bätzing, als Vorsitzender der Bischofskonferenz, Chef der Katholischen Geistlichen in Deutschland, legt sogar noch einen drauf.

Den Hunderttausenden, die als Kinder Opfer von sexuell übergriffigen Priestern wurden oder in katholischen Kinderheimen grausam misshandelt wurden, aber auch den Angehörigen der über 100.000 Covid-Toten in Deutschland ätzt Bätzing entgegen, sie sollten Gott für das Jahr 2021 danken. Die missbrauchten Kinder im Bistum Trier zu seiner Zeit als Generalvikar, als er alles tat, um die Verbrechen zu vertuschen, erwähnte er mit keinem Wort.

Was für eine perfide, vollkommen schamlose Person!

[….] Das zu Ende gehende Jahr war nach Auffassung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nicht nur schlecht. »2021 mit all seiner Beschwer, mit der Dramatik einer weltweiten Pandemie, mit Kriegen, Flucht und Vertreibung, Naturkatastrophen und Hungersnöten, mit politischen Zuspitzungen und neuen Hoffnungsträgern – es war nicht nur ein Jahr großer Zumutungen, wir haben persönlich und im Miteinander manch Gutes erfahren«, sagte der Limburger Bischof  [….] Für die erfahrenen Wohltaten dränge es Christinnen und Christen, Gott am Ende des Jahres zu danken. [….] Bätzing erinnerte daran, dass sich die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Großen Zapfenstreich der Bundeswehr zu ihrem Abschied unter anderem das Kirchenlied »Großer Gott, wir loben dich« gewünscht habe. [….]  Sie habe Gott damit aber auch ganz unbefangen zum Abschied gedankt.  [….]

(SPON, 31.12.2021)

Daß Bätzing von seinen Schäfchen nicht mit Forken und Mistgabeln davon gejagt wurde, macht ihn wahrlich zum großen Gewinner des Jahres.

Immerhin beweist er mit seiner Existenz, seiner Position und der angehäuften Ehrungen, daß es eins offensichtlich nicht gibt: Einen gerechten Gott.

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Omikron mit zweimal BioNTech im Arm – Teil V

Hurra, heute konnte ich in mein Corona-Symptomtagebuch für das Gesundheitsamt eine „leichte Besserung“ eintragen.

Wie sich herausstellte, fehlte auf der von mir empfohlenen Basis-Medikamentenliste für Omikron….

(….)  Darüber hinaus empfehle ich folgende Dinge im Haus zu haben:

Digitales Fieberthermometer, Pulsoxymeter, reichlich Sterillium, Corona-AG-Tests, die üblichen Schmerz/Fiebermittel (Ibuprofen, Paracetamol, ASS), abschwellendes Xylometazolin-Nasenspray, Husten/Schleimlöser (zB Gelomyrtol forte), Hustensäfte/Hustenbonbons, eine ganze Kollektion von Vitamin-Brausetabletten, Instant-Brühe (zB Knorr Delikatessbrühe) und ein Halsdesinfektionsmittel (zB Dequonal-Spray). (….)

(Omikron mit zweimal BioNTech im Arm, 25.12.2021)

….etwas Entscheidendes. Nämlich ein potenter Wirkstoff gegen den sogenannten „unproduktiven Husten“. Dieser trockene Reizhusten ist offenbar typisch für eine Omikron-Infektion und in meinem Fall inzwischen das alles dominierende Symptom. Sämtliche klassische Hustenmittel, die ich kenne, haben dagegen völlig versagt.

Eine kleine Linderung bringen lediglich „GeloRevoice Halstabletten“. Ich nenne sie Zeitlupe-Brausetabletten. Ganz langsam sprudeln sie im Mund vor sich hin und bilden dabei einen zähen Schneckenschleim aus Speichel, Xanthan, Carbomer und Hyaluronsäure. Wenn ich versuche zu schlafen, klebe beim Lutschen ganz gern eine GeloRevoice von innen an den Gaumen. Wenn man nach ein oder zwei Stunden aufwacht, klebt immer noch ein Rest von dieser Schleimquelle im Mund und kleistert das staubtrockene Hustenreizgefühl zu.

Aber die entscheidende Hilfe bringt nur die rezeptpflichtige chemische Keule mit Codein. So war ich überglücklich, heute aus der Apotheke ein Fläschchen „Paracodein N-Tropfen“ zu bekommen. Der Arzt, der mir das verschrieb, klärte umsichtig darüber auf, mit dem Zeug im Organismus, keine schweren Maschinen zu bedienen oder Auto zu fahren, aber glücklicherweise stellt sich die Frage bei einer Quarantäne ohnehin nicht.

Das Omikron-Geschehen rollt unterdessen wieder einmal genauso durch Deutschland, wie es von den Experten seit Wochen prognostiziert wurde.

Allein Hamburg meldet heute 1622 neue Fälle und 14 Tote.

Offiziell lässt sich das nicht so leicht feststellen. Der Anteil der Omikron-Variante der sequenzierten PCR-Test-Proben, liegt aktuell bei 9,5%.
Aber die neusten Zahlen beziehen sich auf vor 14 Tagen genommene Test (!) und aktuell gibt es noch nicht mal Klarheit über die Corona-Infektionslage, weil die digitale und Gesundheitsstruktur in Deutschland nach 12 Jahren FDP/CDU/CSU-Besetzung der für die Gesundheitsämter und Digitalisierung zuständigen Ministerien (Rösler, Bahr, Gröhe, Spahn), technisch hinter dritte-Welt-Ländern zurück liegt.

Die wahre Inzidenz dürfte daher dreimal so hoch sein, wie die offiziell vom RKI festgestellte Zahl.

[….] Weltärzte-Chef: Deutschland ist gerade „mehr als peinlich“

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, hält es für „mehr als peinlich“, dass Deutschland über die Feiertage keine validen Zahlen zur Entwicklung der Corona-Pandemie hat. „Wir haben ein riesiges Digitalisierungsproblem nach wie vor in Deutschland“, sagte er am Donnerstag im Deutschlandfunk. Dass es über die Feiertage keine vernünftigen Zahlen gebe, liege auch am Föderalismus, an unterschiedlichen Meldesystemen in den einzelnen Bundesländern. „Hier hätte man in den letzten eineinhalb Jahren wirklich mehr machen können“, sagte Montgomery. Das Fehlen der Zahlen sei auch ein Problem, weil die Politik auf deren Basis Gesetze mache, die gerichtsfest sein müssten. [….]

(MOPO, 30.12.2021)

Deutschland wird noch lange unter der katastrophalen Merkel-Kanzlerschaft zu leiden haben.

In den nächsten Tagen und Wochen werden sich verdammt viele Menschen in Deutschland mit Impfdurchbrüchen plagen.

An dieser Stelle der Hinweis, daß die Antigen-Selbsttests offenbar wegen der vielen Mutationen am Spike-Protein nicht ganz zuverlässig Omikron detektieren.

Ein kleiner Trick schafft Abhilfe.    Eine noch nicht endgültig überprüfte Studie aus Kapstadt besagt, daß bei Nasenanstrichen nur 86% der PCR-Tests positiv sind, aber 100% der Speichelproben von Omikron-Infizierten. Offenbar ist die Erreger-Konzentration im Speichel also höher als im Nasensekret. Bei den handelsüblichen AG-Selbsttests zum Nasenabstrich, sollte man den Tupfer vorher zusätzlich mit Speichel versehen, dann in die Nasenlöcher gehen und wie üblich fortfahren.

[….] Selbst wenn Omikron deutlich seltener zu schweren Krankheitsverläufen führen sollte, sei eine hohe Zahl der Krankenhauseinweisungen zu erwarten, wenn die Infektionszahlen sehr hoch stiegen. Ohne Verhaltensänderungen der Bevölkerung oder politisch gesetzte Schutzmaßnahmen müsse die Krankheitslast durch das Omikron-Virus 90 Prozent geringer sein als durch Delta, damit ein Kollaps der Gesundheitsversorgung ausbleibe - danach sieht es aber bislang nicht aus. Die Perspektive für die kommenden Wochen ist somit ziemlich düster.   Langfristig könnte Omikron aber auch den Ausweg aus der Pandemie weisen: Ein Virus, dass sich so gut auch in der bereits geimpften oder genesenen Bevölkerung ausbreitet, hat das Potenzial, nahezu alle Menschen zu infizieren. Zudem weisen Daten aus Südafrika darauf hin, dass Menschen nach einer Omikron-Infektion sehr gut auch vor den anderen bekannten Virusvarianten geschützt sind. Für die Geimpften wäre das ein natürlicher Immun-Booster, für die Ungeimpften der mitunter gefährliche Erstkontakt mit dem Erreger.  Was die Impfkampagne nicht hinbekommt, schafft die Natur womöglich auf ihre Weise. [….] Während Geimpfte und Genesene Omikron-Infektionen nach bisherigem Anschein in den allermeisten Fällen gut überstehen, ist die Variante für immun-naive Menschen wahrscheinlich ähnlich gefährlich wie Delta. "Vielleicht auch etwas weniger", sagt der Immunologe Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover. Doch die schiere Anzahl der Patienten kann bei einer massiven Omikron-Welle zu einem Problem werden. [….]

(Hanno Charisius, 30.12.2021)

Es ist, wie Drosten sagte: Omikron schreibt jetzt die Regeln.

Noch. Möglicherweise ruhen wir uns im Sommer auf der Vorstellung einer kontrollierbaren Endemie aus und werden ob unserer egoistischen Kurzsicht, den Entwicklungsländern keine Corona-Vakzine abzugeben, mit einer neuen Mutante konfrontiert, die ansteckender als Omikron und tödlicher als Delta ist. Die nicht von den herkömmlichen Tests erkannt wird und die von Impfungen nicht gebremst wird.

Eins ist jetzt schon sicher: In dem Fall werden wir wieder nicht vorbereitet sein und von vielen Gesundheitsministern hören, daß damit nun wirklich niemand rechnen konnte. Die Schulen werden keine Luftfilter und kein W-Lan haben, immer mehr Intensivstation personell kollabiert sein, die AfD wird die Entwicklung hysterisch als „Panikmache“ diskreditieren und Wolfgang Kubicki wird alle Gegenmaßnahmen als verfassungswidrig brandmarken.

Da wenigstens keine Scheuers, Spahns und Karliczeks mehr amtieren, wird womöglich die Impfkampagne zur vierten und fünften Auffrischung besser funktionieren, aber wenn eine neue Mutante tödlich genug ist, nützt das auch nichts mehr.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Konservative Blitzbirnen

Gerade hatte ich noch „die Politiker“ als im Vergleich zu den Wählern schlau und kompetent gewürdigt.

In ihrer Pauschalität trifft die Aussage auch zu, aber das bedeutet selbstverständlich nicht, daß jeder einzelne Politiker kompetent ist.

Natürlich ist Politik komplex; Abgeordnete können sich nicht in allen Themenfelder gleich sicher bewegen. Daher spezialisieren sie sich und sind in Fachausschüssen aktiv. Ein Haushaltspolitiker muss nicht notwendigerweise jedes Detail der afrikanischen Entwicklungshilfe kennen.

Gelegentlich offenbaren sich aber auch in ihrem ureigenen Fachgebiet eklatante Lücken. Grünen-Chef Habeck hatte im Bundestagswahlkampf keine Ahnung was es mit der Entfernungspauschale auf sich hat und Annalena Baerbock erzählte immer wieder zum Megathema Corona, trotz bestehender Masern-Impfpflicht, daß eine Impflicht in Deutschland rechtlich gar nicht möglich wäre.

Da ist es fast schon sympathisch, wenn Minister, die nichts über ihr eigenes Ministerium und ihre Aufgaben wissen, wie  Kramp-Karrenbauer, Karliczek oder Seehofer lieber schweigen und Däumchen drehend abwarten bis die Legislaturperiode und damit der peinliche Irrtum, der sie zu Ministern machte, abgelaufen ist.

Es gibt aber auch die tolldreisten Vorwitzigen, die trotz ihrer Ahnungslosigkeit, die Öffentlichkeit suchen und mit verblüffender Chuzpe ihre Verblödung demonstrieren.

So fällt Deutschlands ranghöchster Covidiot, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki nicht nur mit hanebüchenen Ansichten und wissenschaftlichen Falschaussagen auf, sondern demonstriert auch sein unterkomplexes Denken, indem er offenbart, die simpelsten Zusammenhänge nie verstanden zu haben.  Kubicki plapperte Mitte November im SPIEGEL-Interview, bei steigender Hospitalisierung durch Ungeimpfte, solle man eben die „Notfallreserve der Intensivbetten“ aktivieren.  Sagenhaft, nach all den Jahren weiß der Mann nicht, daß die Intensivkapazität von der Anzahl der Pflegekräfte abhängt und nicht etwa von den Möbeln.

[…]  FDP*-Politiker Wolfgang Kubicki glaubte, die Lösung des Intensivbetten-Problems zu kennen. Er schlug im Interview mit dem Spiegel vor, schlicht die Notreserve zu aktivieren. […]  „Zur Notfallreserve gehören meistens die Betten, die auf der Intermediate Care Station oder im Aufwachraum stehen“, erklärte Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler dem Spiegel. „Sollen sie zum Einsatz kommen, muss das Personal von der Intensivstation diese Betten zusätzlich bedienen.“  Aufgrund des massiven Mangels an Pflegekräften können einige der vorhandenen Betten gar nicht genutzt werden. Man müsse den Menschen erst erklären, „dass die Betten aus der Notfallreserve nicht pflegen können, sondern dass das Pflegekräfte machen. Und diese fehlen“, sagte Hasseler. Auch auf Twitter regte sich Unmut über Kubickis Lösungsansatz, er wurde vielfach wie blanker Hohn empfunden.  „Diesem Mann gehört in der jetzigen Situation langsam echt der Mund verboten“, schimpfte eine Userin. Und rechnete vor: „Ausbildung zur Pflegekraft drei Jahre. Ausbildung zur Intensivpflegekraft fünf Jahre. Was immer man jetzt lamentiert und an Bonbons draufpackt: es kommt mindestens fünf Jahre zu spät.“ Alexander Eichholtz, der als Personalrat an der Berliner Charité arbeitet, schrieb spöttisch zu einem Foto eines leeren Krankenhausbetts: „Das ist ein Krankenbett. Alleine kann das gar nix, selbst wenn wir das ‚aktivieren‘, Herr Kubicki.“ [….]

(Merkur, 18.11.2021)

Eklatante Wissens-und Verständnislücken gab auch Bayerns Gesundheitsminister, der fromme Augsburger Jurist Klaus Holetschek zu erkennen, als er im November angesichts der anrollenden vierten Welle völlig überrascht war.

(….)   Seit Monaten prophezeien Virologen, Mathematiker, Ärztevertreter unisono, was für ein Desaster wir im Winter erleben werden, wenn die Impfquote nicht drastisch erhöht wird, aber sie werden kollektiv von der politischen Klasse ignoriert. Nachdem nun exakt das eintritt, was alle vorausgesagt haben, erklären die Regierenden; damit habe nun wirklich niemand rechnen können.

  [….] Reihenweise geben sich Politiker jetzt »überrascht von der Dynamik« der Coronazahlen. Wie kann das sein? [….] Das RKI lag bei dem nun eingetretenen, mit der aktuellen, niedrigen Impfquote berechneten Szenario etwa ein bis zwei Wochen daneben, die gegenwärtige Kurve wurde jedoch exakt vorgezeichnet. Die echte oder gekonnt gespielte Überraschtheit auf politischer Ebene ist dementsprechend von fast imponierender Dreistigkeit, »überrascht von der Dynamik« wurde hierbei zu meiner persönlichen Hassformulierung, die von verschiedenen Akteuren nahezu wortgleich übernommen wurde.  Wie kann man bei berechneten Kurven von einer »Dynamik« »überrascht« werden? Der Witz an einer exponentiellen Kurve zum Beispiel ist, dass sie an jeder Stelle exponentiell ist und nicht erst »plötzlich« ganz am Ende. Es gibt wenig Vohersagbareres als exponentielle Kurven (klar: das Amen in der Kirche). Dementsprechend ist es auch eine semantische Albernheit, von explodierenden Zahlen zu sprechen, als seien die Ziffern aus dem Hinterhalt geworfene Blendgranaten. Und rein praktisch: Wie kann man bei exakt derselben Anordnung wie im vorherigen Jahr, bei einer saisonalen Wiederholung mit loseren Kontrollumständen, von einer »Wucht« »überrascht« werden? Auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek performt ohne Not die Überraschtheit einer Person, die in den Wald läuft und dort aufgrund der unerwartet vielen Bäume überfordert ist: »Ich glaube, dass wir eine Dynamik momentan erleben, die wirklich nicht vorhersehbar war.« [….] 14. November 2021. Katrin Göring-Eckardt twittert: »Es bleibt tragisch, dass so wenig vorbereitet war für diese Situation.« Eine Kolumnistin in München wirft ihren Laptop schreiend aus dem Fenster. [….]

(Samita El Ouassil, 18.11.2021)   (….)

(Corona-Parteipolitik, 19.11.2021)

In Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kulminierte all das Nichtwissen und kultivierte sich in einer ministerlichen Borniertheit, die sich regelrecht zu seinem signature move auswuchs. Kostenlose Tests versprechen, ohne darüber nachzudenken, wo die herkommen sollen, Maskendesaster, Impfkampagne verbummelt, Aufforderung zum Boostern, während er gleichzeitig de Vakzin-Bestellungen einstellt und die Impfzentren schließt. Der Mann ist es auch, der in zwei Jahren Pandemie zusah, wie 3.000 Intensivbetten still gelegt wurden, ohne auf die Idee zu kommen, sich um das fehlende Pflegepersonal zu sorgen.

Auch das Triage-Desaster geht auf Spahns Konto. Gestern musste das Bundesverfassungsgericht die Regierung dringend anmahnen, behinderte und schutzbedürftige Menschen bei pandemiebedingter Triage zu schützen.

All das sind elementare Aufgaben des Bundesgesundheitsministers, die Spahn offensichtlich gar nicht intellektuell erfasste.

Ein Paradebeispiel eines fachlich hoffnungslos überforderten Gesundheitsministers ist neben CSU-Mann Holetschek und CDU-Mann Spahn auch der CDU-Kollege in NRW.  Karl-Josef Laumann, 64, amtiert seit 2017 als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Der höchste akademische Grad des stramm konservativen Katholiken ist der Hauptschulabschluss. Als Beruf erlernte er Maschinenschlosser. Seit 1990 sitzt er abwechselnd im Bundestag und Landtag, wurde als erster Hauptschüler unter Hermann Gröhe Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit (2013 bis 2017) und dabei auch Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege.  Während seine Schulbildung also außerordentlich dürftig ist, kann Laumann aber  durchaus auf jahrelange Erfahrungen in Gesundheitsministerien verweisen. Daher gelangte der Mann nach knapp zwei Jahren Pandemie zu einer bahnbrechenden Erkenntnis, die er seinem NRW-Volk diese Woche mitteilte.

Corona wird auch in Form von Aerosolen durch die Luft verbreitet!

"Ich habe heute noch eine Expertise aus dem Gesundheitsamt Köln bekommen, die ganz klar sagen: Das Neue an dieser Omikron-Variante ist, dass sie sich nicht nur durch Tröpfen überträgt, sondern dass sie auch - ähnlich wie Masern - sich durch die Luft überträgt."

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Potzblitz. Wer hätte damit gerechnet!

[….] Zig Millionen Deutsche diskutieren seit Monaten über Corona. In vielen Punkten herrscht nicht immer Einigkeit. Bei Wissenschaftlern ebenso. In dem Punkt, dass sich alle Corona-Varianten in Aerosolen über die Luft verbreiten, gibt es längst keine zwei Meinungen mehr.  Wie viele Interviews und Debatten wurden zur Notwendigkeit von Luftfiltern geführt? Warum stehen an nahezu jeder Ecke im Landtag Luftfilter und warum braucht es sie, wenn erst jetzt klar wird, dass sich Omikron über die Luft verbreitet?  Und als hätte unser Gesundheitsminister hier nicht schon die Glanzleistung vollbracht, mit nur einem Satz die Verwirrung komplett zu machen, kommt der nächste: Seine Quelle ist das Gesundheitsamt in Köln. Was wissen die mehr als das Robert Koch-Institut? [….]

(WDR, 29.12.2021)

Ich fühle mich so müde…