Sonntag, 13. Oktober 2019

Bischöflicher Bullshit.


Michael Schmidt-Salomons und Carsten Frerks großartige kleine Schrift „Die Kirche im Kopf Von „Ach Herrje!“ bis „Zum Teufel!““ ist nun auch schon 12 Jahre auf dem Markt und hat nichts an ihrer  Aktualität eingebüßt.

Noch immer dominieren christliche Motive die Alltagssprache – Oh Mein Gott! -, noch immer wird „christlich“ als ultimativ positiv konnotiert und Unangenehmes, als „unchristlich“ gebrandmarkt.
Was für eine unchristliche Uhrzeit, ruft man aus, wenn man gezwungen wird sehr früh aufzustehen. Was soll der Quatsch? Sind Gläubige etwa als Langschläfer bekannt?

[…..]  Diese Enzyklopädie für freie Geister und solche, die es werden wollen, nimmt auf vergnüglich-böse Weise die „Kirche im Kopf“ aufs Korn. Analysiert werden Begriffe, Komplexe, Redewendungen, die oftmals erst auf den zweiten Blick ihre religiöse Herkunft verraten. Das Lexikon erklärt, warum im christlichen Kulturkreis angeblich „alles Gute von oben kommt“, warum „Christstollen“ keine Katakomben im alten Rom sind und weshalb „Gott immer bei den stärksten Bataillonen ist“ („Heiliges Kanonenrohr!“).
Dabei setzen die Autoren auf eine wohldosierte Rezeptur aus Information und Witz – denn sie sind überzeugt, dass es nicht ausreicht, die einfältige Saga vom dreifaltigen Gott allein mit vernünftigen Gegenargumenten zu entkräften. Nur wer am Ende über die halsbrecherischen intellektuellen Verrenkungen des Christentums lachen kann, hat es wirklich verstanden. [….]

Wer stolz seine sexuelle Enthaltsamkeit betont, nennt es „mönchisch“ – obwohl wir alle längst wissen, daß katholische Geistliche weit überdurchschnittlich oft Kinder sexuell missbrauchen.
Geistliche werden automatisch als „Würdenträger“ bezeichnet. Schon ein einfacher Pfarrer gilt als „Hochwürden“, bei der deutschen Bischofskonferenz treffen sich Eminenzen und Exzellenzen.
Dabei wissen wir alle längst, daß diese feine Gesellschaft ein weltweites Kindersex-Netz schützt.
Niemals wird man in einer normalen deutschen Zeitung oder einer Nachrichtensendung – von ganz links bis ganz rechts – Freude über Kirchenschließungen oder Mitgliederschwund vernehmen.
Der Rückgang des Christentums wird konsequent immer nur bedauert.
Dabei ist es ganz im Gegenteil, ein Zeichen der Bildung, der Prosperität, der Aufklärung und Selbstbestimmung, wenn Gotteshäuser schließen.
Je höher der Anteil der Atheisten in einer Gesellschaft, desto niedriger die Kriminalität und desto glücklicher die Bevölkerung.

[….] Das Glück der Welt ist in Nordeuropa zu Hause – diesen Eindruck zumindest vermittelt der seit 2012 jährlich vom „Sustainable Development Solutions Network“ (das Netzwerk „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung“) veröffentlichte Weltglücksreport.
Finnland führt, wie auch im vergangenen Jahr, die Liste der glücklichsten Länder an. Dänemark landet dieses Mal auf Platz 2, Norwegen auf Platz 3, gefolgt von Island und den Niederlanden. [….]

Das Ranking der Glücklichsten korreliert perfekt mit dem Ranking des höchsten Atheistenanteils.

In den zehn gläubigsten Nationen ist hingegen das Glück sicher nicht zu Hause.


In den besonders gläubigen Nationen gibt es auch wenig Grund, um glücklich zu sein, da die Kriminalität ebenfalls kausal an Religion gekoppelt ist.

[….] Die wichtigsten Ergebnisse des Global Peace Index 2019:
    Island, das keine eigene Armee besitzt, behält seinen Status als friedlichstes Land der Erde, den es bereits seit 2008 innehat.
    Europa ist auch im GPI 2019 die friedlichste Region der Erde: In den Top Ten finden sich sechs europäische Staaten. [….]
    Dennoch bleiben der Nahe Osten und Nordafrika erneut die am meisten von Konflikten und Gewalt betroffenen Regionen. [….]
    Die USA ist weiter abgerutscht –  von Rang 121 auf 128.
[….] Die 10 am wenigsten friedlichsten Länder im Global Peace Index 2019
[….] 153. Pakistan
154. Russland
155. Demokratische Republik Kongo
156. Libyen
157. Zentralafrikanische Republik
158. Somalia
159. Irak
160. Jemen
161. Südsudan
162. Syrien
163. Afghanistan [….]

Betrachtet man nur die Tötungsrate wird das Bild noch extremer – die 20 Nationen mit dem größten Möderanteil sind allesamt überdurchschnittlich katholische/christliche Länder, während die glücklichen skandinavischen Nationen eine Tötungsrate (Zahl der Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner und Jahr) von unter 1 aufweisen.


Die Menschen, zumindest in den deutschen Großstädten, werden zu klug für den religiösen Unsinn.
Es gab in den letzten Dekaden weltweit Studien über den Einfluß von Religion auf die Menschen.
Die Wissenschaftler Jordan Silberman, Miron Zuckerman und Judith A. Hall von der University of Rochester werteten dieses Jahr 63 Studien aus und konnten klar zeigen, daß ungläubige Menschen tatsächlich intelligenter sind als Religiöse.
Das ist auch erwartbar und in sich logisch, da es Intelligenz erfordert nachzufragen und Zweifel anzustellen, statt einfach zu glauben was behauptet wird.

[…..] Realistischerweise sollten wir davon ausgehen, dass sich hinter dem Auf und Ab der Evolution kein göttlicher Heilsplan verbirgt, sondern nur das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit. Wenn der Mensch tatsächlich von Anfang an von Gott als “Krone der Schöpfung” geplant gewesen wäre, wie der Papst meint, so müsste man sich doch fragen, warum “Gott” zum Erreichen dieses Ziels einen so verrückten Weg eingeschlagen hat: Warum, bitteschön, erschuf er zunächst a.) eine unglaubliche Vielfalt an Dinosauriern, die über Jahrmillionen die Erde beherrschten, dann b.) einen Riesen-Asteroiden, den er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen ließ, damit c.) die Dinosaurier wieder aussterben, um so d.) einigen rattengroßen Säugetieren Platz zu machen, aus denen sich e.) einige Millionen Jahre später die aufrecht gehende Affenart Homo sapiens entwickeln konnte? Ein Gott, der sich so seltsam verhalten würde, würde eher einem intergalaktischen Mister Bean gleichen als einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen Wesen. Kein Unternehmen dieser Welt würde einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen. [….]

Wir sollten uns also grundsätzlich immer und überall über den Rückzug von Religion, das Schließen von Gotteshäusern und die Abkehr von Abrahamitischen Ideologien freuen.

Es reicht aber nicht das nur wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, sondern jeder ist dazu aufgerufen zumindest auf Ehrlichkeit zu achten und Geistliche, die uns immer wieder das Gegenteil der oben genannten Tatsachen verkaufen wollen, zur Ordnung zu rufen.

Ganz besonderen Unsinn gibt gerade der Regensburger Bischof Voderholzer von sich.

[….] Die Zehn Gebote sind unverzichtbarer Bestandteil der politischen Kultur Europas.
Diese Ansicht vertrat der katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.
(…)  „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote“, sagte Voderholzer. Sie schützten die Unversehrtheit des Lebens, Ehe und Familie sowie das Eigentum und den guten Ruf eines Menschen. Wo sie missachtet würden, sei die Menschlichkeit in Gefahr. „Wer die Gebote Gottes nicht beachtet, beleidigt nicht den großen und heiligen Gott, sondern er schadet sich selbst“, so Voderholzer. „Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“
Die Zehn Gebote hätten auch das europäische Verständnis der Grundrechte geprägt. So habe das Prinzip der Menschenwürde seine Begründung in der Vorstellung, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen habe und in Jesus Christus selber Mensch geworden sei. Nur vor diesem Hintergrund sei dieses Prinzip verständlich.“ […..]

Es verwundert wenig, daß die christliche Website IDEA den Bischof mit diesen offensichtlichen Lügen davonkommen lässt.

Aber entweder kennen sie die zehn Gebote nicht oder sie sie haben noch nie etwas von Menschenrechtskonvention und Grundgesetz gehört.
Gleich die ersten drei Gebote sind verfassungswidrig.
1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.

Religionszwang, Sippenhaft und Frauendiskriminierung.
Darauf ist also Herr Voderholzer stolz.

[….] Deutschlandfunk:
Sie halten zum Beispiel die zehn Gebote nicht mehr für zeitgemäß. Wie das? Was kann man haben gegen „Du sollst nicht töten, ehebrechen, falsch Zeugnis reden“?
Schmidt-Salomon:
 Nun, man muss sich ja die zehn Gebote dann wirklich im Original-Wortlaut anschauen, und dann stellt man fest, dass schon das erste der zehn Gebote ein Verstoß ist gegen Verfassungsprinzipien. Da wird ja gesagt: „Ich bin ein eifersüchtiger Gott, und jeder der mir Feind ist, dessen Schuld verfolge ich an den Söhnen in der vierten und fünften Generation“. Hier haben wir schon Religionszwang und Sippenhaft. Das sind keine fortschrittlichen Vorstellungen. Und wenn wir das zehnte Gebot nehmen, da werden Frauen gleichgesetzt mit Sklaven und anderen Besitztümern der Männer. Auch das ist sicherlich nichts, was wir im 21. Jahrhundert noch als vorbildlich verstehen würden – was aber auch völlig verständlich ist, denn die zehn Gebote sind auf einer anderen kulturellen Epoche, also auf einem anderen Stand der kulturellen Evolution der Menschheit entstanden. Wir brauchen heute ganz andere Regelungen. Die Welt ist kompliziert geworden und da können wir nicht mit dem archaischen Instrumentarium einer Hirtenkultur an die Probleme der Zeit herangehen. [….]

Samstag, 12. Oktober 2019

Die Ratte, die das sinkende Schiff nicht verlässt.


Hilfe, jetzt ist es schon so weit, daß ich ob des nerosk tobenden Trumps kleine Anflüge von Mitleid mit Mike Pence bekomme.
Der 60-Jährige hatte nach 12 Jahren im Repräsentantenhaus und vier Jahren als Gouverneur von Indiana sehr viel mehr Glück als Verstand, als er plötzlich zum US-Vizepräsidenten aufstieg und ob des großen Altersunterschiedes zum potus davon zu träumen begann dereinst mächtigster Mann der Welt zu werden.
Ein Job, der ihm wahrlich nicht in die Wiege gelegt wurde.

Der mutmaßlich schwule junge fromme Pence wollte zunächst katholischer Priester werden, aber selbst dazu fehlte ihm alles. Insbesondere Intelligenz und Charisma.
Wie so häufig bei lebenslang unterdrückter Homosexualität in extrem gläubigem Umfeld, blieb ihm nur die Kompensation durch Übererfüllung der Frömmigkeit gepaart mit radikaler öffentlicher Homophobie.
Er konvertierte zu der noch radikaleren und homophoben evangelikalen Grace Evangelical Church, heiratete 1985 Karen Sue Batten und stritt fortan gegen LGBTI-Rechte und für Konversionstherapien.
In einem ultrakonservativen Umfeld musste so ein Mann ohne Charisma, aber mit handfester Hass-Agenda nur abwarten bis 2000 der bisherige GOP Mandatsinhaber David M. McIntosh weiter aufstieg, um dessen Sitz im US-Repräsentantenhaus zu erben.
Ebenso verfuhr der schwulenhassende Evangelikale beim nächsten Karriereschritt im Jahr 2013: Er folgte seinem GOPer Buddy Mitch Daniels, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren durfte.
Als Gouverneur konnte er weiterhin kein Charisma generieren, sorgte aber immerhin weltweit für Aufsehen, als er den Erwartungen seiner evangelikalen Basis entsprechend  2015 eins der homophobsten Gesetze der USA, die „Religious Freedom Bill“ unterzeichnete, mit dem Ladenbesitzer mit Verweis auf ihren Glauben Dienstleistungen an Homosexuellen verweigern können.

So ein verklemmter Ultrakonservativer hat eigentlich kaum Chancen auf ein ganz großes Amt auf nationaler Ebene. Er ist weder originell, noch schlagfertig, noch verfügt er über irgendeine Qualifikation, außer daß er wunschgemäß all die absurden Ansichten der ultraradikalen Evangelikalen nachplappert. Da das hinlänglich bekannt ist, zitiere ich an dieser Stelle ausnahmsweise Wikipedia:

„Er fasste seine Überzeugung mit "Ich bin Christ, konservativ, Republikaner - In dieser Reihenfolge" zusammen.
Als Maßnahme gegen illegale Migration stellt Pence die Birthright Citizenship in Frage, die bei einer Geburt innerhalb der Vereinigten Staaten automatisch zur US-Staatsbürgerschaft berechtigt, da Einwanderer dadurch nicht mehr berechtigt werden, durch die Geburt eines Kindes eine dauerhafte Bleibemöglichkeit in den USA zu erhalten. Pence stimmte 2001 für den USA Patriot Act. Außenpolitisch unterstützte er 2003 den Irakkrieg. Pence befürwortet ein Flat Tax-System.
Sein Abstimmungsverhalten im Repräsentantenhaus weist ihn als Abtreibungsgegner und Gegner von LGBT-Gleichberechtigung aus. Pence akzeptiert den weitgehenden Konsens unter Wissenschaftlern nicht, dass die globale Erwärmung durch menschliches Handeln verursacht wird. Er zweifelt wissenschaftlich erwiesene Fakten wie die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens an. Pence befürwortet, dass neben anerkannter Wissenschaft auch Kreationismus in Schulen gelehrt wird und die Schüler selber entscheiden könnten, was richtig ist. Er unterstützt Intelligent Design, das sich gegen die Evolutionstheorie richtet.
Pence ist Anhänger des Prosperity Gospel und somit der Auffassung, dass entsprechend der Vorstellungen zur Prädestination Gottes materieller Reichtum und persönlicher Erfolg (oder aber Misserfolg) ein Beweis für die Gunst (oder Ungunst) Gottes seien, eine bei Anhängern fundamentalistischer Freikirchen verbreitete und gesamtgesellschaftlich umstrittene Ansicht.“

So einer konnte nach den acht vergleichsweise liberalen Obama-Jahren mit bundesweit erlaubter gay marriage keinen Blumentopf gewinnen.
Aber Pence hatte wieder einmal unverschämtes Glück: Die GOP-Präsidentschaftskandidatur lief auf einen Typen hinaus, der in so ziemlich jeder Hinsicht das Gegenteil des biederen, langweiligen, uncharismatischen, vom Lande stammenden Partei- und Kirchen-Soldaten Klemmschwester Pence war:
Trump, der schillernde New Yorker ohne irgendeine Partei- und Regierungserfahrung, der Pornosternchen vögelte, Behinderte nachäffte, von 19 Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde und damit prahlte Pussys zu grabben.
Traditionell versuchen Parteien ein Ticket zu schaffen, bei dem der VP das ausgleicht, was der Spitzenkandidat nicht hat, um so größere Wählerschichten zu erreichen.
Also passte der biedere, ultrafromme GOP-Mann aus der Provinz perfekt.
Die Show, den Wahlkampf, die Finanzierung würde Trump liefern. Pence musste im Gegenzug nur still sein, durfte Trump niemals kritisieren und so durch seine pure Anwesenheit die evangelikalen und katholischen Wähler bei der Stange halten.

Und wer könnte besser durch öffentliches Schweigen und Verschweigen als PR-Aushängeschild dienen als Mike Pence, der seit über 30 Jahren vorgibt so monogam und heterosexuell zu sein, daß er sich strikt an die Graham-Regel hält, die nun auch Mike-Pence-Regel heißt: Niemals mit einer anderen Frau als der Ehefrau in einem Raum sein.

[….] 2002 [….] erklärte der Politiker, er hätte es sich zur Regel gemacht, niemals alleine mit einer Frau außer Karen Pence in einem Raum zu sein oder essen zu gehen. Außerdem würde er bei allen Veranstaltungen, bei denen Alkohol fließe, seine Ehefrau an seiner Seite wissen wollen oder sonst daheim bleiben. [….]

Pence war also der geborene Meister-Hypocrit, der als christlich-evangelikales Feigenblatt bis zur totalen Selbstaufgabe für den Kandidaten stritt, der sich Jahrzehnten mit Miss-Wahlen beschäftigte, immer wieder Pornodarstellerinnen für Sex und ihr späteres Schweigen bezahlte, mehrere Ehefrauen betrog.

Aus den glorreichen Tagen des 2016-Wahlkampfes und des ersten Trump-Kabinetts aus dem Januar 2017 ist fast niemand mehr geblieben außer den Fanatikern Kellyanne Conway und Stephen Miller hinter den Kulissen, sowie des stets stoisch an Trumps Seite stehenden Pence.
Alle anderen Berater, Sprecher, Minister, Beauftragten sind inzwischen schreiend weggelaufen.
Und zum Ende des Jahres 2019 scheinen sich endlich die drei Jahre Schweigen, die totale Selbstverleugnung, die nie dagewesene Heuchelei, das Lügen auszuzahlen: Trump gerät bei dem angedrohten Impeachment und durch seine radikal verrückte und korrupte Außenpolitik derart unter Druck, daß es nun doch nicht mehr ausgeschlossen scheint ihn vor dem Januar 2021 aus dem Amt zu schieben.
Dann könnte das eigentlich Ungeheuerliche und maximal Unwahrscheinliche passieren: Ein verklemmter, vollkommen ungeeigneter und radikal evangelikaler Provinz-Depp, der immer noch behauptet nicht schwul zu sein, könnte zum mächtigsten Mann der Welt werden.

Aus Pence‘ Sicht ist das nicht so abwegig. Alle anderen Trump-Alliierten wie Scaramucci, Hicks, Sanders mussten das sinkende Schiff verlassen, weil sie mutmaßlich noch viele weitere Jahre einen Job benötigen werden und sich nicht erlauben können durch die Nähe zu Trump für den Rest ihres Lebens so vergiftet zu sein, daß sie niemand mehr einstellen würde.
Pence aber hat nichts zu verlieren. Er ist schon 60, EX-Gouverneur und EX-Abgeordneter aus der Provinz, der nichts kann außer nachzurutschen, wenn der über ihm ausfällt.
Das ist seine Chance. Seine einzige. Wenn er Trump verließe und sich damit den donnergrollenden Zorn des tobenden Orangs zuzöge, hätte er keine Chance aus eigener Kraft noch irgendwo irgendetwas zu werden.
Also hält er weiter seinen Mund und leckt Trump artig dessen Füße.

Aber die ultimativen Karrierepläne des VP könnten zerplatzen, weil er immer noch die destruktive und bösartige Seite seines Chefs unterschätzt. Trump erwartet bedingungslose Loyalität, ist aber selbst radikal illoyal zu seinen Mitarbeitern. Gerät er unter Druck, wirft er mit Freude seine Freunde in das gegnerische Waffenfeuer. Er wollte doch Selenskyj gar nicht anrufen, tat das nur auf Wunsch von Rick Perry. Er wollte doch seinen Fixer Rudy gar nicht nach Kiew schicken; das war Pompeo.
Trump ist schiebt immer die Schuld auf andere und so war es auch sein erster Instinkt Pence mit Dreck zu bewerfen, als sich die Impeachmentscheinwerfer auf ihn gerichtet wurden.

Gut möglich, daß es Nero-Trump aus purer Bosheit gelingt bei einem Amtsenthebungsverfahren auch seinen VP mit in den Abgrund zu ziehen.

[….] Mike Pence ist dieser Tage eher selten in Washington. Der US-Vizepräsident tingelt lieber durch die Provinz, um Wahlkampf zu machen.


Doch selbst 1600 Kilometer von Washington entfernt konnte Pence dem Drama in der US-Hauptstadt nicht entkommen: Die Reporter fragten ihn nicht nach Iowas Landwirtschaft, sondern sofort nach der Ukraineaffäre.
[….]  Ob er gewusst habe, dass Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gedrängt habe, gegen seinen demokratischen Rivalen Joe Biden zu ermitteln, wollte NBC-Korrespondent Vaughn Hillyard wissen. "Das ist Ihre Frage" murrte Pence - ohne sie zu beantworten. [….]  Pence [spielt] weiter den unbedarften Loyalisten, eine Rolle, die er perfektioniert hat, seit Trump ihn zum Vize gemacht hat. Doch die Ukraineaffäre bringt nun auch ihn in die Zwickmühle: Entweder hat er tatsächlich keine Ahnung - oder er ist ein Mitwisser. So oder so: Es scheint immer fraglicher, dass er einen Sturz Trumps schadlos übersteht.
Pence ist tiefer in den Skandal verstrickt, als er zugeben will. Trump wies ihn an, nicht an der Vereidigung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Mai teilzunehmen. Erst im September traf er sich mit Selenskyj, um Trumps Forderungen an die Ukraine zu vertreten. Was genau besprochen wurde, bleibt unklar. Unter Strafandrohung haben die Demokraten nun auch von Pence interne Papiere angefordert, um seine Rolle in der Affäre aufzuklären.
[….]  Bisher hielt sich Pence bei allen Skandalen im Hintergrund, doch in der Ukraineaffäre fällt ihm das immer schwerer. Schon wird gemunkelt, dass der Skandal auch ihn stürzen könnte, ob durch Impeachment oder gerichtliche Anklage - ein Schicksal, das einst auch Richard Nixons Vizepräsident Spiro Agnew drohte. [….]

Freitag, 11. Oktober 2019

Rechts und das ganze Programm!


So wie durchschnittliche Menschen eine Inselbegabung haben können, also ein ganz spezielles Talent, in dem sie unübertroffen sind, diagnostiziert Michael Schmidt-Salomon umgekehrt auch Inselverarmungen.
Religiosität bei Hochgebildeten kann so eine Inselverarmung sein.
Das sind rationale, belesene, denkende Menschen, die dennoch tiefgläubig sind.
Natürlich tritt religiöse Inselverarmung selten auf. Die allermeisten Intellektuellen sind nicht religiös und betrachten metaphysische unüberprüfbare Mythen skeptischer als der Durchschnitt.
Je höher die Bildung, desto geringer die Bindungen an die Kirchen.
Glaube ist umso mehr ausgeprägt, je dümmer, ungebildeter und ärmer Menschen sind.
Das ist auch in sich logisch.

Rechtsradikalismus gibt es hingegen fast nie als Inselverarmung.
Schlaue und integre Menschen wählen nicht NPD.
Es gibt keine sympathischen Altuisten, die xenophob ticken.

Im Gegenteil, Rechtsextreme zeichnen sich nicht nur durch eine politische Einstellung und besonders unangenehme Persönlichkeit aus.
In vielen Fällen vergesellschaftet sich ein rechtsradikales Weltbild auch mit einer Menge anderer kruder Einstellungen.
Wer AfD wählt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch empfänglich für alle anderen menschenverachtenden und/oder debilen Theorien.
Stramm Rechte hassen nicht nur Ausländer, sondern sind auch Rassisten, Homophobe, Misogyne, Antisemiten. In der AfD finden Klimawandelleugner, Impfgegner, Creationisten, Ufologen, Chemtrailer, Fans der Germanischen Neuen Medizin, sogar Geozentristen und Flacherdler zusammen.
Es gibt Überschneidungen zu Reichsbürgern, Identitären, Preppern, Revisionisten und Revanchisten.
AfD zu wählen ist keine Inselverarmung, nein, dabei handelt es sich üblicherweise um eine ganze Inselgruppe, ein Archipel der Hass-Überzeugungen und Doofheit.

Ein typisches Beispiel ist der Harburger AfD-Abgeordnete Harald Feineis in der Hamburger Bürgerschaft.
Feineis, 68, vertritt nicht nur eine rechtsradikale Partei in einem Landesparlament, er ist auch noch Pfarrer und Geistesheiler.

Feineis studierte Bautechnik und ab 1986 studierte er evangelische Theologie. Seit 1991 ist er hauptberuflich Pastor und rückte am 1. Januar 2018 für den ausgeschiedenen Joachim Körner für die inzwischen ganz braune AfD in die Hamburgische Bürgerschaft nach.

Das Gründungsmitglied der AfD ist aber auch ein Medium und behauptet durch Handauflegen heilen zu können.

[….] Als „Scharlatan der AfD“ bezeichnet die Initiative „Keine Stimme den Nazis“ den Hamburger AfD-Abgeordneten Harald Feineis (68) aus Harburg. Denn der Pastor veranstaltet in einer freien Kirchengemeinde in Neugraben Heilungs-Gottesdienste im „Healingroom“, wirbt für heilende Gebete und für die Linderung von Krankheiten durch Handauflegen, wie jetzt der Blog „AfD Watch Hamburg" ans Licht brachte. [….]

[….] In seinem Lebenslauf auf der Bürgerschaftsseite gibt der Abgeordnete eine 2004 erfolgte „Verleihung des D.Min (Doktor of Ministry)“ als Qualifikation an. Ein promovierter Arzt oder Theologe? Weit gefehlt. Neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter ist Feineis als Pastor in der Freien Gemeinde Neugraben (FGN) aktiv, wo er aktuell als Kontaktperson für einen so genannten „Healing Room“ geführt wird. Damit ist er eins von vielen Beispielen für Überschneidungen von AfD und fundamentalistisch-christlichen Gruppen.
[….] Die FGN gehört der Pfingstbewegung an, einer charismatischen Strömung innerhalb der Evangelikalen Kirchen, die die Bibel wortgetreu auslegen. [….] Viele sind Kreationisten und Pro-Life-Aktivist*innen. Sie bieten Konversionstherapie für Homosexuelle an und führen Exorzismen durch. [….]

[….] 2004 bekam Feineis den Titel Doctor of Ministry einer evangelikalen Universität, der „School of Bible Theology Seminary and University (SBTSU)“ mit ebenso fragwürdiger Akkreditierung. AfD-Watch Hamburg  befragte dazu Larry Rosenthal, Professor der Goldman School of Public Policy an der University of Califonia, Berkeley. Er antwortete, dass sowohl die SBTSU, wie auch Akkreditierungsagentur einen sehr zweifelhaften Ruf haben: „Sowohl die SBTSU als auch die Akkreditierungsagentur befinden sich in San Jancinto, einer kleinen Stadt in Riverside County California. Das macht beide Institutionen noch verdächtiger, euer AfD-Mann hat also einen Abschluss von höchst zweifelhaftem Gehalt und Glaubwürdigkeit.“ Feineis‘ spezielle Bibelschule und Universität, die auf Facebook 713 Fans hat, präsentiert sich dort vor allem mit Fotos von pompösen Doktortitel-Verleihungen.
Ein nur bei Evangelikalen gültiger Titel einer unbekannten Fernuni und mangelnde Expertise hindern Feineis allerdings nicht daran pseudo-medizinisch verpackt das zu tun, was die AfD-Abgeordneten gerne machen  – rassistisch konnotierte Anfragen stellen. So behauptete er im November 2018 unter dem Titel „Infektionskrankheiten durch Flüchtlinge und Asylbewerber“, eine angeblich „unkontrollierte Migration nach Deutschland“ (DRS 21/14924) hätte seit 2015 eine Reihe von Infektionskrankheiten nach Deutschland gebracht, „die hier nicht mehr oder nie existierten.“ [….]