Dienstag, 28. Januar 2014

Die Legende vom braven Z.



Ach ja, das ist ja jetzt oft so enttäuschend, wenn der SPIEGEL mit Geschichten über die katholische Kirche titelt.
Da freut man sich über ein lustiges Leseerlebnis und dann werden nur olle Kamellen aufbereitet, die man schon aus Tageszeitungen kennt.
Oder noch schlimmer: Es wimmelt von sachlichen Fehlern und abstrusen Fehleinschätzungen -  dafür steht die Titelstory aus dem Februar 2013 über das Konklave.
Die aktuelle Titelgeschichte vom 27.01.2014 über den Papst und den Sex gab auch das Erwartbare wider: Nein, nicht alle Katholiken halten sich vollständig an die sexualmoralischen Lehren der RKK.



Jakob Augstein fasste das gesamte Ergebnis der weltweiten Studie in einem Wort zusammen – „nichts“.

Diese Erfahrung macht die katholische Kirche gerade, die von ihren Gläubigen wissen wollte, was sie von der kirchlichen Sexualmoral halten. Das Ergebnis - nichts - ist weniger überraschend als die Tatsache der Umfrage selbst, über die der neue SPIEGEL berichtet.

Man fragt sich wirklich, wieso die Kurie um Franzl überhaupt gefragt hat. Hätten nicht 30 Minuten Zappen, Internet oder das Lesen einer beliebigen Zeitung dazu gereicht, um zu wissen, daß niemand die moralischen Vorgaben aus dem KKK ernst nimmt – und auch nie ernst genommen hat?

„Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht miteinander verheiratet sind. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen“, heißt es zum Beispiel im katholischen Katechismus. „Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch junge Menschen sittlich verdorben werden.“ Masturbation („eine schwere ordnungswidrige Handlung“) wird ebenso verdammt wie Homosexualität („in keinem Fall zu  billigen“). Ganz schlimm, sogar „unsittlich“, verhält es sich überdies mit der Ehescheidung – „weil sie in die Familie Unordnung bringt … und für die Gesellschaft aufgrund ihrer ansteckenden Wirkung zu einer tiefen Wunde wird“.
(DER SPIEGEL 5/14 s.38)

Wenig überraschend, daß sich kaum einer der jungen Katholiken daran hält.
Lange geklärt ist auch der Zusammenhang zwischen Wissen und Religiosität. Am besten wissen die Atheisten über die Kirche Bescheid. Deswegen sind sie ja Atheisten.
Kirchenkritiker aus „meiner Szene“ haben Uta Ranke-Heinemann und andere gelesen und kennen daher ganz selbstverständlich die Entzyklika „Humanae vitae“ sowie ihre Entstehungsgeschichte und die heutige Bedeutung. Unter den praktizierenden Katholiken sind solche Lehrschreiben hingegen gänzlich unbekannt.
Nur durch Unwissen können sie ihr schizophrenes Leben, beispielsweise als Frau in der RKK (Andrea Nahles!) aushalten.

Große Verwirrung löste auch die Frage aus, wie gut die Gläubigen die Lehre von „Humanae vitae“ kennen. „10 von 10 spontan Befragten dachten an eine vitalisierende Körperlotion“, heißt es in einem in Mainz eingegangenen Fragebogen. Tatsächlich gemeint war aber das päpstliche Lehrschreiben „Über die Weitergabe des Lebens“: Die Pillen-Enzyklika von Paul VI. hatte 1968 den Gebrauch von Verhütungsmitteln verboten und verursachte damals einen tiefen Spalt zwischen Amtskirche und Gläubigen.
(DER SPIEGEL 5/14 s.36f.)

Dennoch erfuhr ich in der SPIEGEL-Story diesmal doch etwas Neues.
Zunächst einmal ist die erfreuliche Tatsache zu registrieren, daß auch DER SPIEGEL gemerkt hat, daß Franziskus in einem Jahr Pontifikat keine einzige der widerlichen und menschendiskriminierenden Regelungen der RKK zurück genommen hat. Die Macht dazu hätte er.
Er plappert aber nur und denkt offenbar nicht daran seinen Schäfchen wirklich zu helfen.
Recht geglückt erscheint mir der Vergleich der pontifikalen Amtsübergabe mit dem Wechsel von GWB auf Obama.
Der jeweilige Vorgänger war so extrem unsympathisch, daß der Neue mit Vorschusslorbeeren überschüttet wurde und man ganz entzückt auf seine moderaten Töne reagierte.
 Bis man irgendwann merkten, daß der Neue auch nur das tut, was der Alte tat.

Auch die Informationen aus meinem Blog, daß nämlich der Papst ein Heuchler ist  und beispielsweise mit der Erhebung des Abschaum-Bischofs Müller in den Kardinalsstand eine ultrakonservative Stahlhelmlinie vorgibt, finden nun Eingang in den SPIEGEL. Die Titelgeschichte thematisiert die Gräben zwischen den Traditionalisten um Papst Benedikt, der immer noch im Vatikanstaat hockt und den unkonventionellen Franziskus-Fans.

Schließlich bekommt auch der deutsche Chefbischof Zollitsch eine Breitseite ab.

Er steht für eine deutsche RKK, die mit Macht die Aufklärung des Kinderfickertums verhindern will – Stichwort „Pfeiffer-Studie“.
Zollitsch forderte die missliebigen Pfaffen ultimativ zum Gehorsam auf, die es wagten darüber nachzudenken, ob sie auch Geschiedenen die Kommunion erteilen könnten.
Dazu erdreistete sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auch noch, denjenigen Bundestagsabgeordneten, die der Papstrede im Bundestag nicht zuhören wollten, vorzuwerfen keine Demokraten zu sein. Er forderte Anwesenheitspflicht.
Sagenhaft, der oberste deutsche Vertreter einer absolutistischen Monarchie, die sich weigert die Menschenrechte anzuerkennen und Myriadenfachen Kindesmissbrauch gestattet hatte, wirft demokratisch gewählten Volksvertretern vor nicht demokratisch zu sein.

Der Mann, der Katholo-Romantikern wie dem Buchautoren und schwulen Kirchenkritiker Daniel Bühling („Das 11. Gebot: Du sollst nicht darüber sprechen“) als „scharfsinniger Theologe und guter Hirte“ gilt, ist in Wahrheit natürlich auch nur ein verlogener Karrierist.

Als ein im positiven Sinne Geistlicher der alten Schule ist [Erzbischof Zollitsch] eben KEIN Erzkonservativer, wie es heute gerade die jüngeren Priester gerne sind, sondern steht für den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils: für Aufbruch, Erneuerung, Zukunft. Er nimmt die Gläubigen und die gemeinsame Gestaltung der Kirche ernst und tritt für einen bewussten Fortschritt ein, um die Kirche lebendig zu halten. Der Welt zugewandt, reformfreudig und doch diplomatisch und tolerant genug, um auch die konservativsten Bischöfe für sich zu gewinnen…
(D. Bühling „Das 11. Gebot: Du sollst nicht darüber sprechen“, s. 173 f.)

Der Mann, der angeblich für Aufbruch und Erneuerung steht, ist den ultrakonservativen Traditionen so sehr verpflichtet, daß er dafür sorgen wollte den Gläubigen die heiklen Fragen gar nicht erst zu stellen. Dreist wollte er die Ergebnisse der vatikanischen Umfrage fälschen, indem er die Fragen zur Homosexualität selbst beantwortete und sie gar nicht erst den Schäfchen vorlegte.
Das ist verlogen, zutiefst antidemokratisch und zudem auch noch über alle Maßen dumm, wenn er tatsächlich glaubte damit durchzukommen.

Entscheidungsfreudiger zeigte sich Zollitsch in einem anderen, allerdings sehr bedeutsamen Punkt: „Die Fragen 1, 2, 5, 7 und 8“, ließ er seinen Sekretär in einem Schreiben an die deutschen Bischöfe verkünden, „werden zentral vom Sekretariat beantwortet.“ Um Zeit zu sparen, sollten bereits vorliegende Positionen verwendet werden. Tatsächlich wurden besonders  strittige Themen dem Kirchenvolk damit vorenthalten. Der Fragenkomplex 5 zum Beispiel befasst sich mit homosexuellen Paaren, die Fragen zu Punkt 7 mit Verhütung und Abtreibung. In einer Welt ohne Internet hätte der etwas tollpatschige Zensurversuch vielleicht funktioniert.
(DER SPIEGEL 5/14 s.34f.)

Das konservative deutsche Episkopat versucht natürlich die sie schockierenden Ergebnisse der Befragungen möglichst geheim zu halten und nur in sehr entschärfter und aufgefrommter Form nach Rom zu übermitteln.
Top-Kleriker hassen Transparenz.

Zollitsch zittert.

Unter deutschen Katholiken wird über den Fragebogen des Vatikans kontrovers diskutiert: Ihre Sexualmoral hat mit der kirchlichen Lehre wenig gemein. Wie sieht es in anderen Teilen der Welt aus? Eindrücke aus sechs Ländern.
"Die Kirche ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen", das sagte Jorge Mario Bergoglio zu den Kardinälen, bevor die ihn zum Papst wählten. Krank sei die Kirche, verpestet durch die Selbstbezogenheit von Personal und Institutionen. Papst Franziskus hat die Heilung zur Mission erhoben: Er predigt die Abkehr von weltlichem Prunk, er fordert zur offenen Diskussion auf, auch Reizthemen sollen auf den Tisch.
[….]   Doch der Dialog mit der Basis bleibt den meisten Kirchenoberen fremd: In kaum einem Land wird der Fragebogen derart kontrovers diskutiert, wie in Deutschland. In anderen Teilen der Welt werden die Fragen oft in den Diensträumen der Bistümer beantwortet, die Lebenswirklichkeit der Gläubigen bleibt außen vor.




Montag, 27. Januar 2014

Der Christ des Tages - Teil LXII-B



In der von mir geliebten US-Serie „Sons Of Anarchy“ (jetzt gibt es sicher Ärger…) spielt der Charakter Chuck "Chuckie" Marstein (Michael Marisi Ornstein) einen zwanghaften Masturbanten. Er leidet an „ZMS“ (Zwanghafte Masturbationsstörung) und muß Tourette-artig in den unpassendsten Situationen anfangen zu onanieren.
Eine schöne Idee der Drehbuchautoren so eine psychische Störung unter den ultraharten Rockern zu platzieren.
Piermont "Piney" Winstons (William Lucking) reagiert immerhin mit einem guten Spruch, als er von “ZMS” hört. „Das hatte ich auch mal! Und dann wurde ich 13.“
Da ich im Zeitalter von Google lebe, wollte ich natürlich wissen, ob sowas tatsächlich existiert.
Im englischen Originaltext heißt es:

Chuck proved to be rather paranoid and also afflicted with compulsive masturbation disorder that reared itself at inopportune times.

Eine Suche im Internet nach compulsive masturbation disorder, CMD, kommt zu keinem rechten Ergebnis. Offenbar streiten Sexualwissenschaftler darüber, ob so ein Syndrom existiert, oder ob es lediglich eine Form der Hypersexualität ist.
In seriösen Portalen wird aber eifrig darauf hingewiesen, daß Masturbation an sich nicht krankhaft, sondern vielmehr a) ganz normal und b) sogar gesund ist. (Offenbar wirkt Masturbation prophylaktisch gegen Hodenkrebs)

Warum diese eilfertigen Rechtfertigungen?
Ganz klar, im religiösen Umfeld und insbesondere in Amerika ist Masturbation immer noch verpönt und wird sogar zunehmend bekämpft.

Die mormonischen Anti-Wichs-Verhaltensregeln, aufgestellt in den 1970ern von Mark E. Petersen, einem der zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) gelten immer noch und ein echter amerikanischer Präsidentschaftskandidat wie der frühere Mormonen-Bischof Mitt Romney lebt danach.
Der Apostel hatte gütig und einfühlsam auf die Masturbanten eingewirkt.

Be assured that you can be cured of your difficulty. Many have been, both male and female, and you can be also if you determine that it must be so.
This determination is the first step. That is where we begin. You must decide that you will end this practice, and when you make that decision, the problem will be greatly reduced at once.

Petersen stellt einen “Guide To Self-Control” auf und fügt im Anschluß wertvolle Tipps für hartnäckige Wichser hinzu.
Das sollte das Leben aus jeder Nudel vertreiben.

[…] 3. When the temptation to masturbate is strong, yell STOP to those thoughts as loudly as you can in your mind and then recite a prechosen Scripture or sing an inspirational hymn. […]
11. In the field of psychotherapy there is a very effective technique called aversion therapy. […] For example, if you are tempted to masturbate, think of having to bathe in a tub of worms, and eat several of them as you do the act.
12. During your toileting and shower activities leave the bathroom door or shower curtain partly open, to discourage being alone in total privacy. Take cool brief showers.
[…] 15. Reduce the amount of spices and condiments in your food. Eat as lightly as possible at night.
16. Wear pajamas that are difficult to open, yet loose and not binding.
[…] 18. It is sometimes helpful to have a physical object to use in overcoming this problem. A Book of Mormon, firmly held in hand, even in bed at night has proven helpful in extreme cases.
19. In very severe cases it may be necessary to tie a hand to the bed frame with a tie in order that the habit of masturbating in a semi-sleep condition can be broken. This can also be accomplished by wearing several layers of clothing which would be difficult to remove while half asleep.[…]

In der Tat. Man muß das eigentlich für einen Witz halten.
Aber weit gefehlt.
Ähnlich der Promise-Keeper-Bewegung, der in Amerika Millionen Teenager angehören und damit schwören keinen Sex vor der Ehe zu haben, gibt es jetzt vermehrt auch eine „NoFap“-Bewegung!

Interessanterweise zeichnen sich die Promisekeeper durch rapide vermehrte Teenagerschwangerschaften aus, weil sie aus einem Umfeld kommen, in dem Sexualität einerseits so tabuisiert ist, daß niemand über Verhütung Bescheid weiß. Andererseits breiten sich unter den Jungfräulichen Geschlechtskrankheiten aus, weil nach Clinton-Vorbild „Sex“ streng als vaginale Penetration interpretiert wird und Teenager auf exzessiven Anal- und Oralverkehr ausweichen.

Die „NoFaps“ hingegen sind echte Abstinenzler.
 Und sie kommen gewaltig.
100.000 junge Männer haben sich bei in einer Web-Community namens „No Fap“ zusammengeschlossen und versprechen sich gegenseitig die Hand von der Nudel zu lassen!

The benefits listed here are based on the anecdotal reports of NoFap community members. They range from zero to life-changing. Individual results will vary; they are absolutely not guaranteed.

Abstaining from PMO (Porn, Masturbation, Orgasm) has often resulted in…

    Recovery from porn-induced sexual dysfunction. Many fapstronauts report that NoFap’s programs have cured erectile dysfunction and delayed ejaculation, along with other sexual issues.
    Increased self-control. Some fapstronauts do not feel like they have a pornography or masturbation problem. They are here to put their willpower to the test by facing their own instincts to pursue easy sexual arousal or indulge in certain sexual behaviors.
    More hard-drive space. Some of the larger porn collections we’ve heard about can take up terabytes of information. No more hoarding. Permanently deleting it will free up a lot of hard drive space. As an added bonus, you won’t be hesitant to let people borrow your computer anymore.
    More time. No more spending hours at the computer looking for that one video to get you off. That time can be better spent pursuing  your passions, bettering your life, and spending time with friends or a significant other. The possibilities are endless.
    Improved attitude. Many nofappers described increased happiness throughout their lives, especially in their attitudes towards sex and interpersonal relationships.

The preceding was only a brief overview and we recommend that you browse through the various sections of the website to gain a fuller understanding on what you may have to gain by participating in a challenge.

In der Süddeutschen Zeitung erschien heute ein Interview mit dem “NoFap”-Gründer Alexander Rhodes, 24, einem Programmierer aus Pittsburgh, der darauf schwört, sein Leben habe sich ohne Onanie enorm verbessert.

Alexander Rhodes: Pornos brachten mich dazu, meine Lust über alles andere zu stellen – über Liebe, Zuneigung, Einfühlungsvermögen. Keine Pornos mehr zu schauen war der Versuch, diese Fähigkeiten zurückzubekommen.

SZ: Wie schwer ist dir das Aufhören gefallen?

Alexander Rhodes: Ich war ein wirklich hypersexualisierter Junge. Ich habe mindestens sechs mal am Tag masturbiert. Eine Woche oder ein Monat Pause sind da eine harte Nummer. Oh Mann, das war ’ne krasse Zeit! Der Slogan auf der Website heißt: „Mach mit bei der ultimativen Herausforderung“. Den habe ich nicht einfach so gewählt.

SZ: Auf der Seite heißt es außerdem: „Erlange die Kontrolle über deine Sexualität und verwandle sie in Superkräfte!“

Alexander Rhodes: Das ist keinesfalls nur lustig gemeint. [….]  Viele haben berichtet, dass ihr Leben sich dramatisch zum Besseren gewendet hat. Für manche sind die Veränderungen minimal, aber für jemanden, der süchtig nach Pornos war und sehr viel masturbiert hat, fühlen sie sich an wie Superkräfte. Außerdem spielt es auf das Konzept der sexuellen Transformation an: Das Umlenken der Energie des menschlichen Sexualtriebs in andere Bahnen, um dein Leben insgesamt zu verbessern.

SZ:  […] Die meisten Fapstronauten sind in deinem Alter oder jünger. Warum ist das Thema vor allem für Teenager und Jungs bis 25 so attraktiv?

Alexander Rhodes: […] Wir sind mit Youporn erwachsen geworden. Und jetzt haben wir mit den Auswirkungen davon zu kämpfen. Ich glaube, dass „NoFap“ noch ganz schön wachsen wird. […]

Vor meinem geistigen Auge sehe ich den Hamburger Weihbischof Jaschke frohlocken und jubilieren. Das Konzept der sexuellen Transformation, nämlich das Umlenken der Energie des menschlichen Sexualtriebs in andere Bahnen, um dein Leben insgesamt zu verbessern, hatte er in Talkshows schon auf seinen Zölibat angewendet und behauptet die „Sublimation“ seines Sexualtriebes in geistige Kraft helfe ihm sehr.

Rhodes‘ Aussagen klingen im SZ-Interview allerdings wenig fanatisch und nicht religiös.
So weit, so gut.
 Wer einer Angewohnheit frönt, die ihm wenig Spaß macht und zu viel Zeit kostet, mag tatsächlich froh sein, sich wieder anderen Dingen zuwenden zu können.

Die Religioten dieser Welt werden aber entzückt auf den Zug aufspringen.
Und damit komme ich auf den bereits portraitierten Christen des Tages Nummer 62.

Es ist der erst 18-Jährige Würzburger Katholik Rudolf Gehrig, der passende Worte findet, um Papst Benedikt XVI. zu beschrieben:

Verzeihen Sie, wenn ich das so flapsig sage, aber ich finde den Kerl einfach nur genial!     Er ist genau der Richtige zur richtigen Zeit! Er ist der einzige auf Gottes weiter Erde, der keiner politischen Lobby verpflichtet ist, sondern ganz allein Gott und der ihm anvertrauten Herde. Und er macht seine Sache gut.

Der Abiturient ist nicht irgendein Christ, sondern ein von Kath.net international preisgekrönter „Lebensschützer“, welcher bei der Preisverleihung eine bemerkenswerte Rede hielt.

Die Einleitung war ein selbstgedichtetes Poem, welches Günther Grass locker in den Schatten stellt.
 
Revolution frisst ihre Kinder -
Vater Staat treibt sie ab.
Der Staat ist so entsetzlich dumm
täglich bringt er seine Kinder um
mit den Steuern staatlich subventioniert
werden tausende Frauen traumatisiert
Vater Staat ist höchst kriminell
Er mordet lautlos und professionell
Anderseits ist er wieder entsetzt
Wenn man Babyleichen im Müll entdeckt
Vater Staat ist so selbstgerecht
Spricht arrogant vom „Selbstbestimmungsrecht“
„mein Bauch gehört mir“, wie man gerne spricht
Doch Eigentum verpflichtet, oder nicht?
Weil Vater Staat seine Kinder gar nicht will
Heißt das Motto „I’m not born but killed“
Und so redet er uns ständig ein
Herr über Leben und Tod zu sein.

Den Preis der katholischen Ultras bekam er für die von ihm gegründete Facebook-Gruppe, AIAC: ABORTION IS A CRIME ("Abtreibung ist ein Verbrechen"), welche jeden Abend um 20.00 Uhr (wenn die bösen Atheisten die Tagesschau gucken) einen Gebetssturm auslöst, um die ungeborenen Kinder zu retten.



Der fromme Rudi, mittlerweile 20 Jahre alt, arbeitet inzwischen für den katholischen Sender EWTN, den die amerikanischen Nonne „Angelica“ gründete.


Mutter Angelica, 90, Klarissin vom Orden der Poor Clares of Perpetual Adoration (Arme Klarissen der ewigen Anbetung) wurde in Canton, Ohio, geboren und gründete 1976 den religiösen Sender Eternal Word Television Network, EWTN.
Der Erfolg ist enorm, nach eigenen Angaben erreicht das inzwischen auch in deutscher Sprache gesendete Programm 200 Millionen Haushalte und ist damit der weltweit größte katholische Privatsender.
Man orientiert sich streng am päpstlichen Lehramt, lehnt Frauenpriestertum, Homosexualität, Ehescheidungen und andere Perversionen strikt ab.
Aber man muß der lieben Mutter Angelica einfach zustimmen, weil sie so sympathisch ist.

Der fromme Rudi betätigt sich für EWTN unter anderem als Aktivist, der wider die Sexualaufklärung an Schulen agitiert.
Daß die Baden-Württembergische Landesregierung nun sogar in der Schule zu einer toleranten Sicht auf Homosexuelle einwirken will, geht dem Ex-Würzburger gegen den katholischen Strich.
Der fromme Rudi hat noch nie masturbiert und will auch nicht, daß andere Kinder mit solchen Perversionen konfrontiert werden.


Der fromme Rudi schreibt mitreißende Reportagen von Anti-Sex-Demos auf Kath.net, die den Schülern ihre masturbationsfreie Jugend ohne Gedanken an Homoperversion erlauben sollen.
Denn eins ist für den frommen Rudi ganz klar: SEX IST SCHECHT!
Amen.

'Kinder brauchen Liebe, keinen Sex!'
Die Initiative „Besorgte Eltern NRW“ hat am vergangenen Wochenende zu einer Demonstration in Köln aufgerufen, um gegen den Sexualkunde-Zwang an deutschen Grundschulen zu protestieren. Das Aktionsbündnis um Mathias Ebert wollte darauf aufmerksam machen, dass der Staat auch beim Thema „Aufklärung“ die Erziehungsrechte der Eltern zu respektieren habe, die in Artikel 6 des Grundgesetzes festgelegt sind. Dort heißt es unter anderem: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
[….]  Am Rande der Veranstaltung bekundeten auch andere Organisationen ihre Solidarität mit den Demonstranten von „Besorgte Eltern NRW“. Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin der „Initiative Familienschutz“ erklärte: „Diese Demonstration ist Teil einer wachsenden Bewegung. Immer mehr Eltern wehren sich endlich gegen die massive Zwangsindoktrinierung unserer Kinder mit einer zerstörerischen Sexualisierungsideologie, die über das staatliche Bildungssystem rücksichtslos in das intimste Empfinden der Kinder eingreift und die Werterziehung der Eltern gezielt unterminiert."
Angela Doose von der „Jugend für das Leben Deutschland“ unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit der Elternrechte in Erziehungsfragen: "Ein so sensibles Thema wie Sexualität gehört in das vertraute Umfeld einer Familie. Fürsorgliche und verantwortungsbewusste Eltern wissen am besten, wann ihre Kinder in welchem Ausmaß aufgeklärt werden müssen. Sexualkunde gehört nunmal zur Erziehung und das Recht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen, garantiert das Grundgesetz!" [….]








Sonntag, 26. Januar 2014

Überflüssige Studien – Teil VIII



Wieder einmal eine sinnlose Befragung.

Jetzt habe ich schon so viele Simpel-Zusammenhänge dargestellt - Religiöse haben einen niedrigeren IQ als Atheisten, Dümmere sind auch konservativer und Konservative sind religiöser - und wieder einmal hat sich jemand die Mühe gemacht einen zu erwartenden Zusammenhang empirisch zu untermauern.

Heute wissen wir auch aus der Hirnforschung, daß religiöse Menschen einen signifikant niedrigeren IQ als Atheisten haben.

Je höher die Bildung, desto größer die Neigung kritisch zu hinterfragen, selbst zu denken und nicht einfach blind den Vorgaben eines Predigers zu folgen.


Diesen Beobachtungen schloss sich nun Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen an und veröffentlichte eine Sonderauswertung der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Autoren Prof. Beate Küpper, Hochschule Niederrhein und Prof. Andreas Zick, Universität Bielefeld.

Die Ergebnisse sind wie immer:

Schwulenhass ist umso verbreiteter, je ungebildeter und religiöser man ist.

Ein Fünftel der Befragten in Nordrhein-Westfalen neigt zu homophoben Einstellungen.
Homophobie ist bei den Älteren, in der Tendenz auch bei den weniger Gebildeten, Männern, Befragten mit Migrationsgeschichte und auf dem Land verbreiteter.
Grundlegende Werthaltungen fördern oder schützen vor Homophobie: Mit zunehmender Religiosität, einer ablehnenden Haltung gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt und einer autoritären Grundhaltung nehmen homophobe Einstellungen zu.
Mit der politischen Selbstpositionierung von Links über die Mitte nach Rechts nehmen homophobe Einstellungen zu. Wer sich politisch machtlos fühlt, neigt eher zu Homophobie. Darüber hinaus sind politische Einstellungen etwa zur Demokratie für Homophobie unbedeutend.
Eine gewisse Rolle spielt zudem die Abschätzung sozialer Beziehungen. Wer seine sozialen Beziehungen nach Kosten-Nutzen bewertet und wer über mangelnde soziale Unterstützung klagt, tendiert eher zu Homophobie.
Mit zunehmendem Einkommen sinken homophobe Einstellungen. Allerdings spielt die eigene finanzielle Lage verglichen mit anderen Einflussfaktoren insgesamt kaum eine Rolle für das individuelle Ausmaß von Homophobie. So ist beispielsweise die Angst vor der eigenen Arbeitslosigkeit unerheblich.
Homophobie ist mit anderen Vorurteilen signifikant verknüpft. Wer homosexuelle Menschen abwertet, wertet mit größerer Wahrscheinlichkeit insbesondere auch Frauen, aber auch Migrantinnen und Migranten im Allgemeinen, Juden und Muslime und in der Tendenz sogar Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Menschen mit Behinderung stärker ab. 


Der beliebteste Papst aller Zeiten begibt sich ins „Neuland“ und will wissen was seine Schäfchen eigentlich von der Moral seiner Kirche halten.
Moral der Kirche kennt ihr nicht?
Macht nichts, erklär‘ ich euch:

Homoehe bähbähbäh, Sex mit Kindern schlecht, wird aber verziehen und vertuscht, wenn Geistliche die Täter waren. Frauen auch bähbähbäh, dürfen nicht den Altarraum betreten, weil sie unrein sind. Verhütungsmittel auch bähbäh, Sex ist nur was für die Ehe und die Ehe ist nur was zum Kinderbekommen. Wer keine Kinder will, darf nicht heiraten – das gilt auch für Gelähmte oder Impotente. Masturbation ist Sünde. Und AIDS wird durch Kondome verbreitet. Psychisch Kranke sind von Dämonen besessen, so daß ihnen am besten ein Exorzist helfen kann.

Knapp 25 Millionen Deutsche sind immer noch Mitglied in diesem Verein, der 27 Fürstentümer im Lande unterhält, in denen sonderbar kostümierte Männer in langen Kleidern wie kleine Könige absolutistisch herrschen und nach Herzenslust vom Steuerzahler finanzierten Lehrern an staatlichen Schulen die Lehrerlaubnis entziehen oder lesbischen Reinigungskräften im Krankenhaus die Kündigung schicken.

Im Jahr 2013; Deutschland hatte einen schwulen Außenminister, verkaufte Kondome an Unverheiratete und wählte sogar ein minderes Weibsbild, das zudem noch geschieden war, zur Regierungschefin; wollte Papst Franziskus wissen, ob sich seine allemannischen Untertanen eigentlich noch buchstabengetreu an die Worte der Bibel und die Verfügungen des Kathechismus der Katholischen Kirche (KKK) halten.

Mit Spannung blickte der Vatikan auf die Ergebnisse. Sollte es wirklich möglich sein, daß in Deutschland onaniert würde? Ist es womöglich vorstellbar, daß sogar nicht miteinander Verheiratete Geschlechtsverkehr, also Unzucht, ausübten???
Also nein, allein schon die Vorstellung ist zu schrecklich.

Die Katholiken in Deutschland leben nicht nach der Lehre ihrer Kirche. Das ist nach SPIEGEL-Informationen das Teilergebnis einer Umfrage, die der Vatikan in Auftrag gegeben hat. [….] Laut Alois Glück, dem Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat die Umfrage eine starke Diskrepanz zwischen Lehramt und Wirklichkeit ergeben. "Die Umfrage hat eine Dynamik ausgelöst, die nicht mehr zu stoppen ist", sagt die Präsidentin des Familienbunds der Katholiken, Elisabeth Bußmann.
[….] Vom Familienbund der Katholiken in Bayern erhobene Daten haben allerdings gezeigt, dass 69 Prozent der Gläubigen nicht nach der Lehre der Kirche leben und 86 Prozent künstliche Empfängnisverhütung nicht für eine Sünde halten - obwohl sie vom Papst verboten ist. Der Bund der Katholischen Jugend fand heraus, dass die kirchliche Sexualmoral für neun von zehn katholischen Jugendlichen keine Rolle spielt.