Sonntag, 29. Dezember 2013

255 + 192

Der 18. Deutsche Bundestag ist dank der Unfähigkeit der vorherigen schwarzgelben Regierung einen Gesetzentwurf für ein verfassungsgemäßes Wahlrecht vorzulegen auf 631 Parlamentarier aufgebläht.
Amerika kommt trotz einer fast vier Mal so hohen Bevölkerungszahl mit 435 Abgeordneten aus – aber das macht nichts; wie ham’s ja.
Die Kanzlermehrheit liegt also bei 316 Stimmen.
Rechnet man persönliche Animositäten, Ausfälle durch Krankheiten und Querulantentum mit ein, liegt die realistisch notwendige Zahl der Stimmen, die eine Regierung benötigt bei 325 bis 330.
Die aktuelle schwarzrote Koalition verfügt über 504 Sitze. Bei der Kanzlerwahl am 17. Dezember erreichte Merkel aber nur 462 Stimmen – 42 weniger als die Koalition Sitze hat.
Das kann man durchaus einen ganz schlechten Start nennen.
Aber andererseits hatte die Kanzlerin 146 mehr Ja-Stimmen als benötigt.

Was diese Koalition insbesondere überhaupt nicht benötigt ist die CSU. 56 Sitze bringen Crazy Horsts Epigonen auf die ohnehin schon zu schwere Waagschale.
Mit 255 CDU-Sitzen und 193 SPD-Sitzen hätte eine Bayern-befreite Regierungskoalition immer noch satte 448 Stimmen, also sagenhafte 132 Stimmen mehr als die Kanzlermehrheit. 132 Sitze sind sogar mehr als die gesamte jetzige Opposition aus Linken (64) und Grünen (63).

Und keine Angst, liebe Bayern – ihr wäret dennoch in der Bundesregierung vertreten, da die SPD-Fraktion 22 Abgeordnete aus Bayern stellt.

Es gibt keinen einzigen sachlichen Grund dafür, daß Deutschland einen Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, einen Entwicklungshilfeminister Gerd Müller oder gar einen Alexander Doofbrindt als Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur benötigt.
Diese drei CSU’ler sind unqualifiziert und überflüssig. Man sollte sie durch SPD- und CDU-Personal auswechseln. Schlimmer kann es jedenfalls nicht werden.

Die CSU schadet der deutschen Regierung in vielfacher Hinsicht.
Da ist zunächst einmal die psychotische Persönlichkeit des Parteichefs; Horst Seehofer ist ein echter Soziopath, der aus purer Bosheit über Kollegen herfällt.
Außerdem sind die von der CSU erzwungenen politischen Pläne  - Maut für Ausländer, Herdprämie und Hotelsteuermäßigung – allesamt destruktiver Schwachsinn.
Schließlich trägt die CSU erheblich dazu bei Deutschlands Bild in der Welt zu ruinieren.
Die FJS-Nachkommen lassen das Gespenst vom häßlichen Deutschen wieder auferstehen.

Die CSU beschreitet nicht nur einen moralisch verkommenen Weg mit ihrer Ausländer- und Europa-feindlichen Politik, sondern sie begeht damit auch noch eine extreme ökonomische Dummheit.
Kein Land der EU profitiert so von Europa wie die Exportnation Deutschland.
Die europäischen Nachbarn sind unser mit Abstand stärkster Abnehmer.
Indem die Merkel-II-Regierung durch europafeindliche Töne („In Brüssel wird wieder deutsch gesprochen!“) und eine katastrophale aufgezwungene Austeritätspolitik die Ökonomie in den südeuropäischen Ländern abwürgt, sägt Deutschland den Ast ab, auf dem es sitzt.

Während die deutsche Industrie in den vergangenen Jahren ihre starke Stellung weiter ausbauen konnte, erleben viele EU-Staaten eine rasante Deindustrialisierung. Der Abstieg der klassischen Industrieländer Italien, Frankreich und Großbritannien wird zu einer zunehmenden Gefahr für die deutsche Wirtschaft. Dies zeigt eine Studie, die im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) vom Institut der deutschen Wirtschaft Consult erstellt wurde. So hat bereits fast ein Drittel der Unternehmen einen wichtigen Kunden in Westeuropa verloren. Jede zehnte Firma beklagt den Wegfall von Lieferanten.
"Der zunehmende Rückgang der Industrie in Europa ist für unsere heimischen Firmen von Nachteil, weil wichtige Kunden, Lieferanten und Kooperationspartner verloren gehen", warnen die Forscher. Der Wegfall von Konkurrenten falle dagegen weit weniger ins Gewicht. […]
"Europa braucht eine Reindustrialisierung", sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Davon würde auch Deutschland stark profitieren. Hierzulande entfallen 22,3 Prozent der gesamten Wertschöpfung auf die Industrie. Der EU-Durchschnitt liegt dagegen bei rund 15 Prozent. Im Gegensatz zu Deutschland, wo der Industrieanteil seit 1995 sogar leicht gestiegen ist, weisen fast alle anderen EU-Länder sinkende Quoten auf. [….]    Da die EU für die hiesige Wirtschaft eine herausragende Bedeutung hat, sehen die Unternehmen die Deindustrialisierung der Nachbarländer mit Sorge. Knapp zwei Drittel der Betriebe fürchten, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit negativ beeinflusst werden würde, wenn ein Lieferant ihrer Lieferkette ausfiele. [….]
Auch die wichtigsten Kunden der hiesigen Wirtschaft sitzen immer häufiger im Ausland. Dieser Trend wird sich laut Umfrage bis 2016 nochmals deutlich beschleunigen. Besonders der Maschinenbau und die Metallindustrie stellen sich auf eine wachsende Nachfrage in Regionen außerhalb Westeuropas ein. [….]
Die IW-Unternehmensumfrage zeigt, wie stark die hiesige Wirtschaft mit dem EU-Ausland verflochten ist. Rund ein Drittel der Industriebetriebe hat wichtige Kunden in Westeuropa, knapp 13 Prozent beziehen wesentliche Vorprodukte aus Mittel- und Osteuropa. Je größer die Unternehmen sind, desto stärker ist die Verflechtung mit dem europäischen Ausland. Das gilt auch für wichtige Lieferbeziehungen.

Die CSU begreift es entweder nicht – das wäre schlimm – oder aber sie versteht diese Zusammenhänge und bestreitet wider besseren Wissens einen Anti-Ausländer und Anti-Europawahlkampf – das wäre noch schlimmer.

Mit Vollgas in den Anti-Brüssel-Wahlkampf
"Entzugstherapie für Kommissare im Regulierungsrausch": Mit heftiger Kritik an der EU-Kommission und einem härteren Kurs gegen Armutsmigranten startet die CSU in das Wahljahr 2014. […]  Nachdem zuletzt Pläne für einen schärferen Kurs gegen Armutsmigranten aus EU-Staaten bekannt wurden, berichtet nun der Spiegel über die Forderung nach einem Kompetenzgerichtshof zur Überwachung der EU-Kommission.
[…]   "Wer betrügt, der fliegt", mit diesem knackigen Slogan überschrieben die Christsozialen ihre Kampagne gegen Armutsmigration - und zogen damit Spott und Häme vor allem im Netz auf sich. Schließlich fielen den Nutzern sozialer Netzwerke auch so einige CSU-Politiker ein, die schon mal irgendwie betrogen haben - zum Beispiel der über ein Plagiat gestolperte Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder die Beteiligten an der Verwandschaftsaffäre im bayerischen Landtag.
SPD und Opposition warfen der CSU Rechtspopulismus vor. "Wer eine solche Melodie intoniert, bereitet den Tanz für die Rechtsextremen", sagte der SPD-Innenpolitiker Michael Hartmann. Auch Wissenschaftler bezweifeln, dass es vorwiegend zu einer Armutszuwanderung kommen wird. Hartmann sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, die CSU müsse sich noch daran gewöhnen, "dass sie in einer Koalition mit der SPD nicht mehr ohne jede Rücksicht ihre Wahlkampftöne anschlagen kann".
[…] Unterstützung erhält die CSU von CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach, der in der Welt sagt: "Betrug oder Missbrauch dürfen nicht geduldet werden."
Auch der CSU-Spitzenkandidat für die Europawahlen, Markus Ferber, verteidigt die Wortwahl seiner Partei.

Einfach widerlich, diese CSU.

CSU startet Anti-Brüssel-Wahlkampf
[…] Die CSU geht mit drastisch formulierter Kritik an der Brüsseler EU-Kommission ins Europawahljahr 2014. "Wir brauchen eine Entzugstherapie für Kommissare im Regulierungsrausch", heißt es in einem vierseitigen Strategiepapier der CSU-Landesgruppe, das dem SPIEGEL vorliegt. Gegen Kompetenzüberschreitungen der Kommission will die CSU künftig mit Hilfe eines neuen Gerichtshofs schärfer vorgehen. "Streitfälle sollen durch einen europäischen Kompetenzgerichtshof entschieden werden, dem Verfassungsrichter der Mitgliedstaaten angehören."
[…] Die CSU macht sich zudem für "bundesweite Volksabstimmungen" zu europäischen Themen stark und fordert, künftig EU-Kompetenzen an die Mitgliedstaaten zurück zu übertragen. "In Betracht kommen hier Teile des überregulierten Binnenmarkts sowie der Regionalpolitik", heißt es in dem Papier.

Nähme Merkel ihren Amtseid ernst, würde sie bavarisch-barbarischen Brüder-Troglodyten aus ihrer Fraktionsgemeinschaft entfernen.



Samstag, 28. Dezember 2013

Das könnte spannend werden.



Was auch immer man von ihnen halten mag: Es ist schwer vorstellbar, daß die Regierungsmitglieder Gerd Schröder, Joschka Fischer, Otto Schily, Jürgen Trittin, Peter Struck, Franz Müntefering, Herta Däubler-Gmelin eingeschüchtert von Partei, Basis oder Regierungschef mit vollen Hosen im Kabinett gesessen hätten und sich nicht trauten den Mund aufzumachen.

Von der neuen Generation SPD-Bundesminister weiß ich diesbezüglich noch nicht so genau, was ich von ihnen halten soll.
Gabriel war im Jahr 2009 als Bundesumweltminister der einzige, der überhaupt gegen Merkel Wahlkampf gemacht hatte.
 Außenminister Steinmeiner verwechselte als Kanzlerkandidat die Auseinandersetzung mit Merkel mit einer Kuschelparty.
Das Rückgrat von Maas, Schwesig, Hendricks und Nahles läßt sich schwer einschätzen.
Schwesig hatte während der Koalitionsverhandlungen immerhin überhaupt merklich ihre Stimme erhoben und der CSU Kontra gegeben.
Alle miteinander haben aber den inhaltlich mehr als erbärmlichen Koalitionsvertrag gebilligt und gelobt.
Verhandlungsführerin Nahles hat sich offenbar besonders leicht über den Tisch ziehen lassen.
Ich gestehe ihr allerdings zu, daß ihr das nicht aus mangelndem Selbstvertrauen passiert ist, sie verfügt durchaus über Mut und den Willen sich zu präsentieren. Allerdings ist sie – und dafür kann sie nichts - einfach nicht intelligent genug, um zu bemerken, wie Merkel sie auf ihr schwammiges Terrain gezogen hat.

„Die SPD scheißt in jede Hose, die man ihr hinhält!“ sagte der große Dieter Hildebrandt völlig zu Recht. Nur so erklären sich die hasenfüßigen Ausschließerites-Kampagnen und der unambitionierte Minimalkoalitionsvertrag.

Andere Parteien sind da ganz anders. Man erinnere sich an das Auftreten eines Guido W.s von 2009 oder das dauerkraftstrotzende Gorilla-Gehabe der CSU-Parteichefs.
Horst Seehofer jedenfalls ist nie verdruckst und würde nie aus Ängstlichkeit um Umfragewerte oder seinen Parteirückhalt etwas nicht sagen, das er gerne sagen möchte.
Zugegeben; seine Parteimitglieder-Struktur macht es ihm auch viel einfacher.
In der CSU ist man obrigkeitshörig und unkritisch. Da wird die Führung immer bejubelt.
So leicht hat es Nahles nie mit der SPD.

Der Oberbayer bleibt seinem ewigen Zickzack-Kurs treu und verfolgt geradezu manisch immer das diametrale Gegenteil dessen, was er in der Woche zuvor beschlossen hatte.
Kaum war der K.O.alitionsvertrag unterschrieben und die GroKo vereidigt, rückte er schon von den Kern-Vereinbarungen ab. Der ALLGEMEINE Mindestlohn solle bitte schön nicht für die Allgemeinheit gelten, sondern viele Berufsgruppen ausklammern. Schon während der Verhandlungen hatte er es ordentlich krachen lassen, um alle seine Maximalforderungen durchzudrücken. Das war sogar recht erfolgreich.

Zur Zeiten der Gurkentruppler und Wildsäue gebot niemand Crazy Horst Einhalt, wenn er mit wirren, populistischen oder xenophoben Forderungen auffiel.
Die Opposition erregte sich zwar, war aber machtlos.

Nun ist die Situation neu, weil sechs SPD-Minister mit am Kabinettstisch sitzen. Ohne die sechs Sozen können Merkel und Seehofer nicht regieren.

Die widerlichen ausländerfeindlichen Sprüche kommen aber schon wieder aus Bayern.
Mit dem ekelhaften rechtspopulistischen Kurs will Seehofer für ein gutes CSU-Europawahlergebnis sorgen. Hetze gegen Rumänen und Bulgaren gefällt dem bayerischen Urnenpöbel.
Daß der CSU-Chef dabei weit entfernt von den Fakten agiert, stört nicht weiter. Überwiegend gut ausgebildete Rumänen und Bulgaren arbeiten in Deutschland. 75% von ihnen befinden sich in sozialversicherungspflichtigen Festanstellungen und finanzieren so das Deutsche Sozialsystem mit.
Das ist auch nötig, weil die katastrophale Merkelsche Bildungspolitik zu einem verheerenden Fachkräftemangel geführt hat. 7,5 Millionen Deutsche können kaum lesen und schreiben. Bei den meisten von ihnen ahnt nicht einmal das nächste Umfeld etwas davon. Und jedes Jahr verlassen 70.000 – 80.000 Schüler ohne Abschluß und ohne Chancen die Schule. Bei diesem stetigen Nachschub an unvermittelbaren Transferempfängern sind wir auf die besser ausgebildeten Südeuropäer dringend angewiesen.
Die CSU lügt aber wie eh und je und behauptet das Gegenteil.

"Wer betrügt, der fliegt"!
 [….]  Die CSU verlangt einen deutlich härteren Kurs gegenüber Armutsmigranten aus anderen EU-Staaten. Auf der Klausurtagung der Landesgruppe Anfang Januar sollen deshalb scharfe Regeln beschlossen werden. Sie ähneln den umstrittenen Plänen des britischen Premierministers David Cameron.
In der CSU-Beschlussvorlage für Wildbad Kreuth heißt es: "Der fortgesetzte Missbrauch der europäischen Freizügigkeit durch Armutszuwanderung gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Freizügigkeit bei den Bürgern, sondern bringt auch Kommunen an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit." Die CSU werde deshalb "falsche Anreize zur Zuwanderung verringern". Dazu prüfe man "eine generelle Aussetzung des Bezuges von Sozialleistungen für die ersten drei Monate des Aufenthaltes in Deutschland".
Außerdem sollen künftig Wiedereinreise-Sperren verhängt werden können. Dazu heißt es in dem CSU-Papier: "Wenn beispielsweise Dokumente gefälscht wurden oder Sozialleistungsbetrug nachgewiesen wurde, muss es eine Möglichkeit geben, die betroffenen Personen nicht nur auszuweisen, sondern auch an der Wiedereinreise zu hindern." Hier müsse gelten: "Wer betrügt, der fliegt." [….] [CSU-Landesgruppenchefin Gerda] Hasselfeldt sagte, derzeit gebe es noch zu viele Umgehungsmöglichkeiten, mit denen Migranten Sozialleistungen erhalten könnten, obwohl sie eigentlich keinen Anspruch haben - etwa durch Scheinselbständigkeit oder Möglichkeiten der Hartz-IV-Aufstockung. Dies müsse sich ändern. Sie sei zuversichtlich, dass die CSU hier einiges durchsetzen könne, auch "wenn man da dicke Bretter bohrt". Mit den Forderungen will die CSU auch bei den Kommunalwahlen im März und der Europawahl im Mai reüssieren.

Jeder auch nur halbwegs anständige und verantwortungsbewusste Politiker täte das Gegenteil; er würde das Volk aufklären, um die Fremdenfeindlichkeit abzubauen.
Nicht so die CSU – sie gibt dem Rechtsextremismus Zucker und schürt Vorurteile.
Einfach widerlich.

Werden die SPD-Regierungsmitglieder das ähnlich schulterzuckend und desinteressiert wie Angela Merkel hinnehmen?
Oder werden sie sich an ihre Parteigrundsätze erinnern und für die Schwachen und Diskriminierten einsetzen?
Werden sie Rückgrat beweisen und sich der verbalen Drecksschleuder aus der früheren Hauptstadt der Bewegung entgegen stellen?

Ein widerwärtiger Spruch.
Die CSU schlägt schon jetzt laute Töne an, denn schließlich will sie 2014 bei zwei Wahlen punkten. Mit dem widerwärtigen Satz "Wer betrügt, der fliegt" wirbt die Partei für ihre geplante Offensive gegen Arbeitsmigranten - und stellt damit Ausländer aus Bulgarien und Rumänien unter Generalverdacht.
[…]  Die CSU proklamiert […]  (rechts von ihr soll es ja keine andere Partei geben) einen ziemlich widerwärtigen Spruch gegen EU-Ausländer aus Osteuropa: "Wer betrügt, der fliegt."  Der Spruch ist deswegen widerwärtig, weil er Kübel ausschüttet über den Arbeitsmigranten aus Bulgarien und Rumänien, die nach EU-Recht (und langer Übergangszeit) vom 1. Januar an Freizügigkeit haben sollen. Die CSU tut so, als seien "die" alle suspekt und als sei selbst die Inanspruchnahme von Sozialleistungen, die Migranten nach EU-Recht zusteht, strafbar.

Das ist ja mal ein feines Bettchen, in das Ihr Euch gelegt habt, Andrea und Siggi!

Die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoguz is not amused.

"Die Kommunen brauchen keinen Populismus, sondern vor allem schnelle und effektive finanzielle Hilfen. Jetzt die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren ab 1.1.2014 als Schreckgespenst an die Wand zu malen, halte ich für eindimensional und unsachlich." Es sei unverantwortlich, "arme Menschen pauschal zu Kriminellen zu erklären". Damit würde man auch die Leistung hochqualifizierter Rumänen und Bulgaren, die in Deutschland arbeiten, verkennen. "Die CSU sollte ihren Wahlkampfauftakt in Wildbad Kreuth dazu nutzen, das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bleiberecht für langjährig Geduldete zu begrüßen und sich für eine schnelle Umsetzung einzusetzen", so Özoguz.

Laut einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit profitiert Deutschland von der Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien - zu diesem Schluss kommt der Migrationsforscher Klaus Zimmermann. Für den deutschen Arbeitsmarkt sei die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit, die ab Januar 2014 für Bürger dieser Staaten gilt, eine "gute Chance". Die große Mehrheit der Zuwanderer seien gut qualifizierte Fachkräfte wie Ärzte oder Ingenieure, die in Deutschland dringend gebraucht würden.
Auch Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) halten in ihrem neuesten Bericht fest: "Die Zahlen zur Beschäftigung und zum Leistungsbezug rechtfertigen es gegenwärtig nicht, die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien pauschal als 'Armutszuwanderung' zu qualifizieren."

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, hat die CSU wegen ihrer Bestrebungen kritisiert, gegen so genannte Armutsmigranten aus der Europäischen Union schärfer vorzugehen. „Die CSU verlässt den antirassistischen Konsens der Demokraten, den der Bundestag in seiner gemeinsamen Resolution im November 2011 formuliert hat“, sagte er der „Berliner Zeitung“ am Sonnabend. „Wenn eine Regierungspartei gegen Ausländer hetzt, darf man sich nicht wundern, wenn braune Gewaltbanden Taten folgen lassen. Hetze hilft niemandem.“  [….]  „Eine wirklich effektive Maßnahme gegen grenzüberschreitendes Lohndumping wäre die synchrone Einführung eines ausnahmslosen Mindestlohns mit der Freizügigkeit. Ein halber Mindestlohn ist zu spät und zu wenig."
[…]  Der Migrationsforscher Klaus F. Zimmermann weist in einer Studie darauf hin, dass Rumänen und Bulgaren schon jetzt zu den besonders gut integrierten Ausländergruppen zählen.    Laut IAB-Studie waren Mitte 2013 rund 10 Prozent aller Bulgaren und Rumänen in Deutschland auf Hartz-IV-Bezug angewiesen. Der Wert liegt zwar über der Quote der Gesamtbevölkerung (7,5 Prozent), aber deutlich unter der aller Ausländer (15 Prozent).
Die von der CSU angestrebten Maßnahmen bewegen sich schon jetzt im Rahmen der EU-Regeln. So ist ein Gastgeberland nicht verpflichtet, innerhalb der ersten drei Monate des Aufenthalts Sozialleistungen zu gewähren. Auch eine Wiedereinreisesperre ist möglich.


Freitag, 27. Dezember 2013

Quo vadis Femen?



Zugegeben, das war nicht gerade ein Zeichen meiner menschlichen Reife; aber als ich zuerst davon hörte, daß Josephine Witt am ersten Weihnachtstag nackt auf Meisners Altar gesprungen ist, mußte ich lachen.
Die Komik ergibt sich einerseits aus dem Zusammenprall eines extrem mächtigen, konservativen und frauenfeindlichen Kardinals und dem was er offensichtlich hasst wie die Pest: Selbstbewußte junge Frauen.
Andererseits ist es für mich höchst amüsant zu sehen, wie eine Versammlung bei einem kanibalistischen Ritual (sie ESSEN den Leib des Herren und TRINKEN sein Blut) welches zudem auch noch unter einer grausamen Folterszene stattfindet (ein fast nackter ausgemergelter Mann wird von seinem eigenen Vater zu Tode gekreuzigt) ausgerechnet der für Sekunden zu sehende lebendige Oberkörper einer hübschen jungen Frau als „pietätslos“ und „provokant“ angesehen wird.
Die Femen-Aktivistin blieb im Gegensatz zu den Meisner-Leuten übrigens gewaltfrei.

Und noch eine kleine Anmerkung: Was über all dem Entsetzen über die Störung des Stille-Nacht-Taumels überhaupt nicht diskutiert wurde, ist die Brutalität, mit der die Domschweizer und zum Teil auch einzelne Besucher des Gottesdienstes gegen die Frau vorgegangen sind. Der KStA berichtet sogar heute: "Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen die Domschweizer." - das sieht so gar nicht nach jesuanischem "Auch-die-rechte-Wange-Hinhalten" aus ...
(David Berger aus Facebook 27.12.13)

In einer selbst für FJ Wagner-Verhältnisse selten dümmlichen Weise verurteilte der BILD-Chefkommentator diese Tat.

Soweit, so erwartet.
Eigentümlich wurde es, als ausgerechnet die Grünen, welche offensichtlich die neuen Schwarzen werden wollen, durch ihren Chefreligioten Volker Beck in das Boot mit Meisner und FJ Wagner sprangen.

Die Aktion war sicher nicht die Beste, aber das Aufregen der grünen Moralwächter finde ich schlimmer! Früher standen die Grünen mal für Spontanität, Provokation.... heute ist man doch als konservative Kirchentagspartei gelandet ...
(Kommentator M.B. auf Facebook 27.12.13)

Hiermit bekam das Thema einen anderen Spin.
Tatsächlich fing ich auch gerade an mich angesichts der Femen-Proteste zu langweilen. Wie lange kann man eigentlich irgendwo barbusig wie Kai aus der Kiste springen und auf einen großen Schock- und Lerneffekt hoffen?
Jetzt hat das jeder einmal gesehen und die Aufregung darüber erreicht maximal noch das müde Lachen, welches ein Flitzer vor einem Fußballspiel „erregt“.

Müßte Femen nicht dringend neue Protestformen entwickeln, wenn nahezu alle deutschen Pressekommentatoren von ganz links bis ganz rechts auf einmal den gleichen Gedanken runterschreiben?
 Nämlich „ist ja jetzt mal gut, ihr Weiber. Wir haben es begriffen und ihr nervt nur noch!“
Dieser Tenor findet sich genauso bei Katholiban wie bei Grünen.

Tatsächlich sind heutzutage echte römisch-katholische Erzbischöfe sogar milder gestimmt als die GRÜNEN. Erleben wir gerade einen Tradi-Rochade? Werden die Grünen bald für eine generelles Abtreibungsverbot und die Wiedereinführung des §175 streiten?

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen (75) hat die Femen-Aktivistin Josephine Witt (20) nach ihrem umstrittenen Nackt-Protest während des Weihnachtsgottesdienstes im Kölner Dom zu einem Gespräch eingeladen - sie soll dabei aber bitte bekleidet sein...
Thissen erklärt seine Einladung wie folgt: „Wenn eine Hamburgerin im Kölner Dom demonstriert, dann betrifft mich das natürlich.“ Deshalb möchte er mit der Femen-Aktivistin gerne über ihr Verhältnis zur Kirche und zur Gesellschaft diskutieren.

Die Grünen haben das Thema FRAUENRECHTE offenbar gar nicht mehr auf der Agenda.
Daß die Kirchen als größter Arbeitgeber Deutschlands mit rund 1,3 Millionen Angestellten nach Herzenslust diskriminieren dürfen, indem sie mit 100% staatlichem Geld bezahlte Lehrer, Krankenschwestern oder Hausmeister rausschmeißen dürfen, sobald sie verdächtigt werden schwul, atheistisch oder geschieden zu sein, stört niemanden mehr.

Selbst die wirklich extrem gewalttätigen Linken-Proteste am 23.12.13 in Hamburg, als aus purer Zerstörungslust Autos mit zufällig vorbeifahrenden Familien mit Kleinkinder angegriffen und abgefackelt wurden, stießen auf Verständnis bei Teilen der Linken und Grünen.
Man kritisierte die Polizei und freute sich über die Umsatzrückgänge am verkaufsstärksten Tag „Konsumistans“.

Aber für eine friedliche Josephine Witt, die auf die Tatsache hinweist, daß in einer 1,2 Mrd-Mitgliederorganisation Frauen keinerlei geistliches Mitspracherecht haben und von der Regierungsgewalt des Vatikans vollständig ausgeschlossen sind, mag sich keiner mehr aussprechen.
Dabei sind die Femen-Forderung an die 100%-Männerkirche RKK absolut legitim und richtig.

Sextremist of FEMEN Germany Josephine foiled Christmas mass in the main cathedral Kölner Dom of Cologne. In the presence of thousands of audience activist climbed onto the altar of the cathedral, protesting against the Vatican propaganda about criminalization of abortion. FEMEN requires the Vatican elders and their fanatical followers to stop producing medieval chimeras and edit their rotten dogma in accordance with the modern world and human rights. Maniacal desire to control fertility ability of women have in common religion with national socialism, nationalism and other antediluvian anti-humanist ideologies.
Europe, wake up, you have to be an idiot to take seriously these sermons parody inquisitors. Everything smells of rot should be buried immediately! Long live woman! Long live the science!
MY PUSSY MY RULES! I AM GOD!

Was für eine ungeheuerliche Absurdität, daß eine Organisation aus 400.000 zölibatären Männern und keiner einzigen Frau der Welt diktiert, was eine Frau mit ihrem eigenen Uterus anfangen darf.
Das erscheint mir ebenso plausibel, wie die Vorstellung, daß zukünftig allein die Dixie Chicks zu entscheiden hätten, ob und wie sich ein katholischer Pfaff bei Prostata- oder Hodenkrebs behandeln lassen darf.

In den letzten 2000 Jahren hat es bisher ja offensichtlich noch nicht geklappt den Frauen endlich dieselben Rechte wie Männern zuzugestehen.

Daß ob dieser beschämenden Situation über neue Protestformen nachgedacht wird, halte ich für überfällig:

FEMEN’s Tactics Is Sextremism
Sextremism is a fundamentally new form of women’s feminist actionism developed by FEMEN.
Sextremism is female sexuality rebelling against patriarchy and embodied in the extremal political direct action events. Sexist style of the actions is a way to destruct the patriarchal understanding of what is the destination of female sexuality to the benefit of the great revolutionary mission. Extremal nature of sextremism demonstrates intellectual, psychological and physical superiority of female activists from FEMEN over the bandogs of patriarchy. Unsanctioned format of the sextremism events represents the historical right of the woman to make her protest anywhere at any time and not to concert her action with the patriarchal law-enforcing structures. Sextremism is the woman’s mockery of vulgar male extremism and its bloody mayhems and a cult of terror. Sextremism is a non-violent but highly aggressive form of provocation; it is an all-powerful demoralizing weapon undermining the foundations of the old political ethics and rotten patriarchal culture. […]
FEMEN movement stands to the principles of openness and commitment to media to ensure maximum coverage of its revolutionary and advocacy activities in mass media. The movement carries out aggressive awareness-raising and information campaign in the Internet and sees the World Web as an alternative broadcasting medium for its ideology. FEMEN is present in every important social network and internet community.
FEMEN is  responsible only for those acts of sextremism information of which is shared on official web resources of the movement.
Official primary sources on the activities of the women’s movement FEMEN are a website femen.org  and a Facebook page facebook.com/FEMEN.International