Wir
sind eben nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen!
Die
Evolutionstheorie führt zu der Erkenntnis, dass wir Menschen eine ungeplante,
vorübergehende Randerscheinung in einem sinnleeren Universum sind. Die
religiöse Vorstellung, dass das ganze Universum für uns mühsam aufrecht gehende
Primaten erschaffen wurde, lässt sich nur als Ausdruck eines kolossalen
Grössenwahns bezeichnen. Alles deutet doch darauf hin, dass es nicht so war,
dass «Gott» den Menschen nach seinem Ebenbilde erschuf, sondern dass wir uns
unsere Götter nach unseren Ebenbildern erschaffen haben. Schon vor 2500 Jahren
fiel Xenophanes auf: Völker mit dunkler Hautfarbe hatten dunkelhäutige Götter,
die Götter hellhäutiger Völker waren hellhäutig.
Bei
jeder passenden und unpassenden Gelegenheit betonen Pfaffen, Journalisten und Politiker,
unsere Demokratie beruhe auf Christlichen Werten.
Freiheit,
Solidarität und Gerechtigkeit - das sind die Grundwerte der CDU, die sich aus
dem christlichen Menschenbild ableiten. Sie sind auch Richtschnur meines
Handelns.
(Angela Merkel in „Meine Überzeugungen“)
Im
Thüringer Landtag fänden regelmäßig überkonfessionelle Andachten statt.
"Wer morgens zusammen betet, der geht auch im Laufe des Tages besser
miteinander um", hat Lieberknecht erfahren.
Vom christlichen Menschenbild leitet sie nach eigenem Bekunden politische
Prinzipien wie Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit und das
Subsidiaritätsprinzip, das dem Einzelnen wann immer möglich die Entfaltung
seiner Eigenverantwortung einräumen will, ab.[…] "Ich bete morgens und abends, und
manchmal auch zwischendurch auf einer Autofahrt", sagte sie. "Manchmal
bete ich, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Ich bete einfach, weil es
ein Stück weit entlastet."
Es
erstaunt mich immer wieder wie locker Spitzenpolitiker diese Aussagen
raushauen.
Natürlich dürfen sie so gläubig sein, wie sie wollen, aber was sie
über das „christliche Menschenbild“ behaupten, daß es sogar unsere heutigen
Werte des Grundgesetzes generiert hätte, ist eine faustdicke Lüge.
Das
diametrale Gegenteil ist der Fall.
Das
Neue Testament, also die Lehren Jesu, auf die sich alle so gerne beziehen (vom
Alten Testament will ich gar nicht erst reden) ist grob grundgesetzwidrig.
Jesus
wollte die Ungleichheit der Menschen.
Sklaverei hielt er für eine gute Sache.
Sklaven sollten ihren Herren gehorchen.
Frauen
wurde bedeutet in der Gemeinde zu schweigen und zu tun was ihr Mann von ihnen
verlangte.
Säkularisten,
Linke, Konfessionslose und Aufklärer kämpften nachhaltig, konsequent und mutig
für all die Werte, die von der
organisierten Christenheit vehement abgelehnt wurden:
Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat,
Frauenemanzipation, Aufhebung der Sklaverei, Folterverbot, Abschaffung der
Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Schwulenrechte,
Tierrechte, Aufhebung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Aufhebung des Verbots
gemischtkonfessionellen Ehen, gleiches Wahlrecht für alle,
Selbstbestimmungsrecht der Frauen, etc.
Teilweise blockieren Merkels
und Lieberknechts Christen immer noch die Freiheit; zum Beispiel bei dem
selbstbestimmten Tod, der Patientenverfügung, der PID, dem Adoptionsrecht für
Homosexuelle, etc.
Christen
sind ein einziger Bremsklotz für den Humanismus, für das Wohl der Menschen
insgesamt.
Wieso
gelingt es also den professionellen Religioten immer wieder das Gegenteil zu
behaupten, ohne rot zu werden?
Ein
Grund ist der miserable Bildungsstand des Volkes und zweitens kann man sich den
lieben Gott so schön zurechtbasteln, wie man ihn gerne hätte.
Er
ist nur ein Produkt der Phantasie und somit flexibel.
Ich
will nicht ausschließend, daß man diesen Skydaddy auch mal für einen
fortschrittlichen Kurs einsetzen kann.
Der
Blick auf die Geschichte zeigt aber, daß das Gedankenkonstrukt „Gott“ in der
Regel als Herrschaftsinstrument zur Unterdrückung verwendet wurde.
Mit Gott
läßt sich am leichtesten ein „wir sind besser als die“-Gefühl erzeugen, welches
wiederum die Grundvoraussetzung für Intoleranz und Aggressionen ist.
Werden „die
anderen“ als minderwertig betrachtet (weil „gottlos“), kann man sie umso
einfacher drangsalieren, überfallen, versklaven oder töten.
Im
Namen der Religion wurden in der Weltgeschichte 16.000 bewaffnete Konflikte
angezettelt.
Und
auch heute ist der furchtbare Schoß noch fruchtbar.
Mit
Religion im Gepäck erlangt man auch im kleinen Kreise Macht und Ansehen.
Nur
auf diese Weise konnten sich päderastische Sadisten myriadenfach das Vertrauen
von Eltern erschleichen und anschließend deren Kinder vergewaltigen.
Selbst
die notorisch euphemistischen US-Bischöfe räumten soeben in einem
Zwischenbericht 1.500 sexuelle Übergriffe auf Kinder PRO JAHR ein:
Im
Umgang mit dem Skandal und der Hilfe für Opfer habe es eine "beachtliche
Verbesserung" gegeben, hieß es in einem internen Report, aus dem US-Medien
am Donnerstag zitierten. Das Papier halte aber auch fest, es sei "noch
viel Arbeit zu tun". Die Bilanz der 2002 verabschiedeten "Charta von
Dallas" war Thema während der derzeit in Atlanta tagenden Vollversammlung
der US-Bischofskonferenz. Wie Medien
unter Berufung auf den Report berichteten, erhoben in den vergangenen zehn
Jahren mehr als 15.000 Personen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen
Kirchenmitarbeiter. Bis 2004 seien 4.392 Kleriker sexueller Vergehen
beschuldigt worden; seitdem seien 1.723 hinzugekommen.
Möglich
machte es eine vollkommen diffuse Moral, welche Mord und Kinderficken über
Jahrhunderte für nicht weiter tragisch hielt, aber Scheidung, uneheliche Kinder
und Abweichungen von bestimmten Liturgie-Formen zu unverzeihlichen Todsünden erklärte.
Selbst
Profi-Religioten sind bisweilen von der eigenen Moral, die sie zu vertreten
haben verwirrt.
Der
Katholiban-Pfarrer Konrad Irslinger wagt das Ungeheuerliche und fordert seine
Kirche gemeinsam mit knapp 200 Mitbrüdern dazu auf Geschiedene zum Abendmahl
zuzulassen.
Sapperlot!
Ratzi und Zolli haute das vor Schreck fast das Gebiss aus dem Mund.
SPIEGEL
ONLINE: Erzbischof Robert Zollitsch hat in einem Brief Sie und alle
Unterzeichner der Freiburger Erklärung zum Gehorsam aufgerufen. Werden Sie
wieder gehorchen?
Pfarrer
Irslinger: Das Wort Gehorsam ist ein schwieriges Wort. Aber unabhängig vom
Gehorsam gegenüber dem Bischof gibt es auch einen Gehorsam gegenüber dem
Evangelium.
[…]
SPIEGEL ONLINE: Papst Benedikt XVI. sagte kürzlich, die Kirche habe keine
Patentrezepte für das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen.
Irslinger:
Der römische Gedanke ist folgender: Die Ehe ist ein Sakrament und damit
unauflöslich. Will jemand eine zweite Ehe schließen, dann zerbricht diese
Bindung in der Realität. Aber das Sakrament der Ehe kann man nach Ansicht der
Kirche nicht zerbrechen, weil sie unauflöslich ist. Das heißt, er oder sie geht
eine neue Beziehung ein und lebt damit in Sünde. Ausnahme: Wenn Sie
versprechen, dass die neue Ehe sexuell enthaltsam, das heißt ohne Kinder,
bleibt. Nur das erlaubt das Kirchenrecht. Dann lebt man nicht in Sünde.
SPIEGEL
ONLINE: Nun kann ja jedem Sünder vergeben werden...
Irslinger:
Das ist das Schwierige. Sogar für Mord gibt es Absolution. Eine zweite Ehe kann
dagegen nicht bereut und nicht vergeben werden, das ist unlösbar.
Wiederverheiratete Katholiken leben so bis an ihr Lebensende in Sünde und wir
Pfarrer sollen ihnen alle Sakramente verwehren.
Wie
kommt es, daß zwei Milliarden Christen und eine Milliarde Muslime so vehement
dafür eintreten was ihr Gott ihnen befiehlt, aber gleichzeitig so eine
Unklarheit darüber besteht was das eigentlich ist, das Gott von ihnen verlangt?
Nun,
auch dazu lohnt es sich bei Michael Schmidt-Salomon nachzuschlagen:
Jahwe,
Allah und Gott hatten alle extrem beschissene PR-Berater. So wurde ihre
Botschaft derart missverständlich, daß am Ende gar keiner mehr sicher weiß, was
sie wollen.
„Pikanterweise
liegen die Urheberrechte für diesen verworrenen Text nach islamischem Glauben
bei Allah selbst, der „im Himmel“ (wo immer der auch sein mag, die frühen
Muslime wussten noch nichts vom unendlichen Universum) die Urschrift des Korans
beherbergen soll. In seiner grenzenlosen Barmherzigkeit, so heißt es, wollte
Allah den Text des Korans seinen irdischen Geschöpfen kundtun. Dazu hätte es
natürlich direkte Wege gegeben, Gott hätte als allmächtiges Wesen seine Gebote
mit donnernder Stimme weltweit verkünden oder in unauslöschlichen Lettern in
die Kaaba ritzen können.
Doch aus unerfindlichen Gründen (der muslimische Allah muss einen ähnlich
schlechten PR-Berater haben wie der jüdische Jahwe oder die christliche
Dreifaltigkeit Gottvater/Sohn/Heiliger Geist) zog er es vor, seinen Engel
Gabriel zu entsenden, um eine Kopie des himmlischen Urtextes im Herzen eines
4o-jährigen Mannes namens Mohammed anzulegen, der im Jahr 610 eine Art
„Midlife-Crisis“ durchmachte und sich in die Einöde des Berges Hira
zurückgezogen hatte. Gabriel offenbarte sich Mohammed im Schlaf, was wohl jeden
vernünftigen Menschen stutzig gemacht hätte, nicht jedoch unseren Propheten:
Überzeugt davon, der „Gesandte Gottes“ zu sein, stieg er vom Berg herab und
sammelte erste Anhänger um sich.“
[…]
Das eine Mal berichtet Mohammed, in Begleitung Gabriels mit einer Leiter von
der Kaaba in den Himmel aufgestiegen zu sein.
Ein anderes Mal fliegt er mit al-Buraq, einem weißen, pferdeähnlichen Reittier
mit Flügeln und menschlichem Gesicht, gen Jerusalem, wo er mit Abraham, Moses
und Jesus betet. Selbst dem Allmächtigen darf Mohammed auf seiner Himmelsreise
begegnen. Dank der Unterstützung des Moses gelingt es ihm sogar, Allahs
ursprüngliches Gebot von 5o Gebeten pro Tag (!) auf läppische fünf Gebete
herunterzuhandeln. (Offenbar geht es im Himmel zu wie auf einem orientalischen
Basar, nicht auszudenken, wenn Mohammed weniger Verhandlungsgeschick gezeigt
hätte: Die Muslime kämen heute aus dem Beten gar nicht mehr heraus!)
(„Keine
Macht den Doofen!“, Piper 2012, s. 38)