Dienstag, 19. Juni 2012

In festen Händen….




Das war ein Schockerwochende für die Austeritäts-Epigonen Berlin und Brüssel.

Es hätte ja auch schief gehen können in Athen. 
Den schlimmen Linken, der offenbar lediglich von Jutta Dithfurth gemocht wird und stets bramarbasierend als der „radikale Sozialist Alexis Tsipras“ beschrieben wird, hatte man gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

Das Griechische Wahlrecht hätte es möglich machen können, da die stärkste Fraktion freundlicherweise einen Aufschlag von 50 Sitzen bekommt (!).
Seine Syriza hatte mit 28,89 % satte 10,1 Prozentpunkte hinzugewonnen. Macht 71 Sitze. Die konservative Neo Dimokratia landete mit 29,66 % nur knapp davor und bekam wegen des 50-Sitze Bonus‘ 129 Sitze.
 Einen lumpigen Prozentpunkt mehr für Tsipras und er hätte den 50-Sitze-Bonus bekommen, während die Konservativen auf 79 Stimmen geschrumpft worden wären. Gerade mal 170 350 Stimmen mehr als die SYRIZA hatten die Rechten erfochten.

Das war knapp und Merkel atmet durch.

Eigentümlicherweise ist die „Euro-Krise“ dennoch nicht vorbei.

Die Finanzmärkte geben Europa keine Atempause: Selbst 100 Milliarden Euro für Spaniens Banken und die eigentlich beruhigenden Wahlergebnisse in Griechenland sorgen derzeit nur stundenweise für Entspannung.

Meiner Ansicht ist das eine faszinierende Betrachtungsweise der Krise, die sehr viel über die handelnden Personen und Kommentatoren offenbart.

Es steckt offensichtlich immer noch das Denken dahinter „die Linken können nicht mit Geld umgehen; nur die Konservativen bringen die Finanzen in Ordnung“

Dabei waren es doch zweifelsfrei die neoliberalen „alle-Macht-den-Märkten“-Strategien, die das Desaster angerichtet hatten.

Statt endlich jemanden ans Ruder zu lassen, der die Banken an die Kandare nähme, freuen sich die Merkel-Europäer über einen hellenischen Wahlsieg, der genau die Typen stärkt, die schuldig an der katastrophalen Lage sind.

Der Sieg der Konservativen in Griechenland beruhigt Europa. Fragt sich nur: warum eigentlich? Immerhin sind sie für das Elend mitverantwortlich.  […]  Wer sich erinnert, wie die Anhänger der Nea Dimokratia einst gejubelt haben, wie sie in Athen die Nacht zum Tag gemacht haben nach ihrem Triumph bei den Wahlen im Olympiajahr 2004, dem muss das jetzt vorkommen wie ein kleinlauter Sieg. Von 2004 bis 2009 durfte die ND schon mal das Land verwalten, und sie hat in dieser Zeit das Haushaltsdefizit von fünf auf 15 Prozent hochgetrieben. Vergessen haben das die Griechen nicht. Auch nicht die Skandale, in die Politiker der Konservativen verwickelt waren.
(Christiane Schlötzer 19.06.12, SZ)

Als Deutschlands Wirtschaft nach dem Krisenjahr 2008 wegtaumelte, befand der Urnenpöbel allerdings auch, es sei nun der richtige Zeitpunkt ausgerechnet die Markt-schreienden antiregulatorischen FDP’ler Westerwelles mit dem 15%-Rekordergebnis in die Regierung zu schicken.
Das ist so, als ob der Dachstuhl brennt und man Brandstifter dagegen engagiert, um mal ein ordentliches Feuerchen zu machen.

Die beliebteste Kanzlerin der Deutschen tut unterdessen das, was sie am besten kann: Umverteilen - von unten nach oben. Unten gibt es ein Heer der Billig- und Leiharbeiter, der Aufstocker und Ein-Euro-Jobber. Und Oben....

Deutschland wird zur Hochburg der Millionäre.
In Deutschland ist die Zahl der Wohlhabenden stark gestiegen - trotz Euro-Krise. Nur in zwei Ländern der Welt gibt es mehr Dollar-Millionäre als in der Bundesrepublik. […]
Der Club der Reichen bekommt in Deutschland immer mehr Mitglieder. Die Euro-Krise kann den Vermögenden hierzulande offenbar nichts anhaben. Die Zahl der Millionäre ist überdurchschnittlich gestiegen, heißt es im aktuellem "World Wealth Report 2012".
 […] Der größte Anteil dieses Wachstums kann den vermögenden Privatanlegern zugeordnet werden, die zwischen einer und fünf Millionen Dollar besitzen.
 (Spon 19.06.12)

Montag, 18. Juni 2012

Die famose Koalition Teil III




Man muß sie einfach lieben, die deutsche Bundesregierung.
Ungefähr alle zwei Wochen hat sie sich beim Mäandern um die tatsächlichen Probleme so dermaßen festgefahren, daß Krisengipfel einberufen werden.

Dort ist dank eines genialen Tricks immer recht schnell Einigkeit angesagt.

Alles dufte, so lautete hinterher die Botschaft. Die Atmosphäre zwischen Angela Merkel, Horst Seehofer und Philipp Rösler wurde als konstruktiv, entspannt und freundschaftlich beschrieben.
(SZ 18.06.12)

Der Trick dabei ist folgender: Alle strittigen Themen werden ausgeklammert und auf den St Nimmerleintag verschoben.

Blöd ist nur, daß nach diesen üblichen Treffen der drei Oberparteikasper im Wolkenkuckuckskanzleramt irgendwann wieder die echte Realität einsetzt und dann passiert so etwas wie das Hammelsprungdesaster am letzten Freitag
Die Parlamentarier machen es ihren Ministern nach und begehen Arbeitsverweigerung.

Zur ersten Lesung des Herdprämiengesetzes der Miniministerin Schröder erschienen 128 Abgeordnete inklusive der zuständigen Ministerin gar nicht erst im Bundestag. Als auch noch die Opposition nicht zurück in den Plenarsaal hammelsprang, mußten die blamierten Schwarzgelben ausgerechnet auf Weisung der LINKEn Präsidentin Petra Pau nach Hause gehen: Beschlussunfähigkeit.

Da ging Horror-Horst natürlich wieder der Hut hoch.
Wenn es nicht ganz schnell mal was werde mit der extra sinnlosen Bildungsfernhalteprämie, sei aber Schluß mit der K.O.alition.
Aber der erratische Bayer ist wie das Kind, das immerzu „Feuer“ rief. Irgendwann hört man auf in Panik zu geraten.

Niko Fried hat auch nur noch ein müdes Achselzucken für solche Drohungen übrig.

An diesem Wochenende hat Seehofer mal wieder mehr oder weniger direkt mit dem Ende der Koalition in Berlin gedroht, sollte das Betreuungsgeld nicht durchgesetzt werden. Da liegt es nahe zu sagen: Mach doch! Dann hätten sich nämlich gleich zwei Dinge erledigt, die niemand wirklich dringend braucht: das Betreuungsgeld und die schwarz-gelbe Koalition.   So wird es natürlich nicht kommen. Machterhalt hat schon ganz andere Nöte gelindert als den Gewissensbiss, der sich bei einigen Koalitionären ob der Aussicht einstellt, dass eine Familie fürs Kind 150 Euro bekommen soll.
(SZ 18.06.12)

 Nun ist aber erst einmal die Zwischen-Friedensgipfel-Phase angebrochen, in der die Hebel wieder auf den Modus „Hühnerhaufen“ gestellt worden.

In der FDP jedenfalls brach nach dem Hammelsprung-Freitag das große Chaos aus. Parteichef Rösler forderte in der Bild am Sonntag, dass eine gleichzeitige Auszahlung von Elterngeld und Betreuungsgeld vermieden werden solle. Der Sprecher des Familienministeriums reagierte darauf mit dem Hinweis, dass die ebenfalls der FDP zugehörige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in der Ressortabstimmung des Gesetzentwurfes genau das gefordert hatte.
Christian Lindner wiederum, liberaler Wahlheld aus Nordrhein-Westfalen, sieht nun noch einmal ausreichend Zeit, 'sich um eine seriöse Gegenfinanzierung zu kümmern'. Für FDP-Vorstandsmitglied Cornelia Pieper dagegen ist jetzt schon alles zu spät: Sie kündigte an, das Betreuungsgeld im Bundestag abzulehnen. Es sei aus 'haushalts- und bildungspolitischer Sicht unverantwortlich', sagte Pieper dem Focus.
(SZ 18.06.12)

Froschvergleich-Fipsi hat es nun aber in seiner unendlichen Unfähigkeit geschafft den Disput zwischenden beiden Kleinparteien noch einmal hochzujazzen.

Wenn es an irgendwelchen Krisenherden der Desasterkoalition brennt, kommt der Spaßparteivorsitzende sofort mit einem Kanister Kerosin angerast.

Es könne nicht angehen das Betreuungs- und Elterngeld im 13. und 14. Lebensmonat des Kindes gleichzeitig ausgezahlt werden.
Das versetzte die Schröder-Epigonen in Rage; schließlich habe die FDP-Ministerin genau das gefordert.
Alles Lüge polterten die Justiz-Ministerialen zurück. Es wurde ein lustiges Schreidull - natürlich coram publico. Gestritten wird in dieser Koalition grundsätzlich vor Kameras.

Das CDU-geführte Familienressort bekräftigte dagegen, das von FDP-Vize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geleitete Justizressort habe ausdrücklich auf dem Nebeneinander der Sozialleistungen bestanden.   Das Justizministerium widersprach dieser Darstellung bei der Pressekonferenz am Montag entschieden. "Das ist falsch. Das Justizministerium hat zu keinem Zeitpunkt gefordert, dass Elterngeld und Betreuungsgeld parallel laufen", sagte Sprecher Anders Mertzlufft. Offenbar handele es sich um ein Missverständnis.  Sein Sprecherkollege Christoph Steegmans vom Familienressort sagte dagegen, die Darstellung seines Hauses sei "absolut korrekt". Ein hoher Beamter des Justizministeriums habe am 30. Mai in einer Runde ungefragt den Parallelbezug aus verfassungsrechtlichen Gründen als unverzichtbar bezeichnet.

Schon lustig. Aber statt der kakophonen Kabale schlage ich vor endlich in der Bundespressekonferenz Schlammcatch-Ringe zu installieren. 
Dann hat das Publikum viel mehr von dieser Koalition und die Politikerverdrossenheit könnte abgebaut werden.

Wer befürchtet, der große Spaß könne so kurz vor der Sommerpause schon vorbei sein und es breche wieder die Zeit der Hinterbänklerianer an, die den Aufkauf Mallorcas als 17. Bundesland fordern, der kann sich entspannt zurück lehnen.
Jeder Merkel-Minister hat Springteufelpotential und vermag es jederzeit das Regierungshandeln aufs Neue zu chaotisieren.

Kaum hatte sich bei Frau Merkel nach dem konservativen Wahlsieg für drei Sekunden Erleichterung beim Blick nach Athen eingestellt, plapperte ihr irrlichternder Außenminister in Deutschlandfunk und beim „ARD-Bericht aus Berlin“ davon, daß man angesichts des von Deutschland gewünschten Wahlergebnisses bereit sei die Kredite doch nicht so schnell zurück zu fordern. 
Griechenland könne sich Zeit lassen.

Angie haute es fast aus dem Hosenrock und selbst der „nette Herr Rösler“ setzte seine Mr.-Hyde-Mine auf.

Alle gegen Guido lautet das Motto der Stunde.
Nur die Opposition mag ihn.

Seine Äußerungen seien nicht abgestimmt gewesen, hieß es dazu aus Koalitionskreisen. Regierungssprecher Streiter sprach von einer "Gespensterdebatte". Es mache "keinen Sinn, jetzt über Zeitpläne zu spekulieren", sagte er. "Es ist jetzt nicht die Zeit für irgendwelche Rabatte." Es seien sich, mit "unterschiedlicher Akzentuierung", aber alle einig, dass es jetzt keinen Sinn mache, über einen Zeitplan zu sprechen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel machte ganz allgemein deutlich, an den Reformschritten könnten keine Abstriche gemacht werden. Merkel erklärte, sie spreche jetzt "ausdrücklich nicht über ein neues Griechenland-Paket". Wichtig sei, dass die neue Regierung die Verpflichtungen auch einhalte.
Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler setzte sich von den Äußerungen seines FDP-Parteikollegen ab. "Es kann keine Rabatte geben, es kann keine Abstriche geben, sondern die vereinbarten Ziele müssen erreicht werden", sagte Rösler.
Bei den Koalitionspartnern der CDU und CSU stieß Westerwelle ebenfalls auf Widerspruch. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt lehnte zeitliche Zugeständnisse ab und verwies in der "Rheinischen Post" darauf, dass die EU Athen bereits "weit entgegengekommen" sei.

Daß Merkel immer wieder Guidos Blödsinn geradebiegen muß, ist für sie alltägliche Übung. 
Siehe Libyen-Politik, siehe Botschafterstatus für die Vertreter Palästinas in Berlin.
Vermutlich nimmt sie ihm es noch nicht mal übel. 
Mit Außenpolitik kennt er sich nun einmal nicht aus. Da geht dann logischerweise immer was schief.

Der nächste Showdown kündigt sich schon an. 

Das misogyne, homophobe, antidemokratische und menschenrechtsantagonistische Regime in Saudi-Arabien kündigte nämlich an statt der von Angie nicht wirklich legal genehmigten 300 deutschen Leopard-II-Panzer zum Niederschießen der Opposition doch lieber 800 der Kampfkettenfahrzeuge nehmen zu wollen.

Das gäbe viel Geld für die heimische Rüstungsindustrie, widerspräche aber jeder humanen Richtlinie. 
Wie wollen die selbsternannten Moralapostel Rösler und Merkel, die nach „christlichen Werten“ zu handeln vorgeben, dies rechtfertigen?
Wie üblich.
 Sie gehen auf Tauchstation. Kein Wort, nirgends.

Wie beim Thema "Rüstungsexporte der Bundesrepublik Deutschland" üblich, schaltete die Bundesregierung auch heute auf Autopilot - und damit gewissermaßen auf den "Weder bestätigen, noch dementieren, noch sagen wir etwas"-Modus: "Dazu kann ich Ihnen folgendes sagen: Das ist eine Fragestellung, die den Bundessicherheitsrat betrifft, dazu nehmen wir grundsätzlich keine Stellung“, so die spärliche Auskunft des stellvertretenden Regierungssprechers Georg Streiter am Mittag.
(TS 18.06.12)

Sonntag, 17. Juni 2012

Der Christ des Tages - Teil LXII


Heute ist mir schon wieder in einem Kommentar vorgeworfen worden Christen gegenüber nicht tolerant zu sein.
Bevor man mir auch noch unterstellt möglicherweise Antipathien für Joseph Ratzinger zu hegen, möchte ich heute den Christen des Tages Nr. 62 ehren.

Es ist der erst 18-Jährige Würzburger Katholik Rudolf Gehrig, der passende Worte findet, um Papst Benedikt XVI. zu beschrieben:

Verzeihen Sie, wenn ich das so flapsig sage, aber ich finde den Kerl einfach nur genial!     Er ist genau der Richtige zur richtigen Zeit! Er ist der einzige auf Gottes weiter Erde, der keiner politischen Lobby verpflichtet ist, sondern ganz allein Gott und der ihm anvertrauten Herde. Und er macht seine Sache gut.

Der Abiturient ist nicht irgendein Christ, sondern ein von Kath.net international preisgekrönter „Lebensschützer“, welcher bei der Preisverleihung eine bemerkenswerte Rede hielt.

Die Einleitung war ein selbstgedichtetes Poem, welches Günther Grass locker in den Schatten stellt.
 
Revolution frisst ihre Kinder -
Vater Staat treibt sie ab.

Der Staat ist so entsetzlich dumm
täglich bringt er seine Kinder um
mit den Steuern staatlich subventioniert
werden tausende Frauen traumatisiert
Vater Staat ist höchst kriminell
Er mordet lautlos und professionell
Anderseits ist er wieder entsetzt
Wenn man Babyleichen im Müll entdeckt
Vater Staat ist so selbstgerecht
Spricht arrogant vom „Selbstbestimmungsrecht“
„mein Bauch gehört mir“, wie man gerne spricht
Doch Eigentum verpflichtet, oder nicht?
Weil Vater Staat seine Kinder gar nicht will
Heißt das Motto „I’m not born but killed“
Und so redet er uns ständig ein
Herr über Leben und Tod zu sein.

Den Preis der katholischen Ultras bekam er für die von ihm gegründete Facebook-Gruppe, AIAC: ABORTION IS A CRIME ("Abtreibung ist ein Verbrechen"), welche jeden Abend um 20.00 Uhr (wenn die bösen Atheisten die Tagesschau gucken) einen Gebetssturm auslöst, um die ungeborenen Kinder zu retten.

Nun könnte man angesichts des größten Problems dieses Planeten, der Überschwemmung mit Homo Sapiens, lange darüber diskutieren, ob nicht jede Form der Geburtenkontrolle zu begrüßen wäre.
Schwangerschaftsunterbrechungen sind dabei allerdings zweifellos die körperlich aufwändigste Methode. Verhütung ist allemal vorzuziehen.
Insbesondere die perverse Sexualmoral der katholischen Kirche, die Pille, Kondom und Abtreibung gleichermaßen verdammt, kann aber bei pragmatischen strenggläubigen Katholiken dazu führen, daß sie sich denken lieber ein-, zweimal im Jahr die Todsünde einer Abtreibung als jeden Tag die ebenso schwerwiegende Todsünde einer Anti-Baby-Pille.

Wenn man sich als gemeinsames Ziel darauf einigt möglichst wenige Abtreibungen durchzuführen, gibt es dafür ein klares Konzept, das in vielen Ländern die Abtreibungen dramatisch sinken lassen hat:
Aufklärung, Liberalisierung und Entkriminalisierung!
Logischerweise hat eine Frau, die sich gar nicht „legal“ für eine Abtreibung entscheiden kann, einen enormen Druck auf sich lasten eine „illegale Methode“ zu finden.
Sie muß ihre Überlegungen darauf konzentrieren - für den Fall eines Falles - überhaupt eine Möglichkeit zu finden die Schwangerschaft zu beenden. Oft bedeutet das Abtreibungstourismus. Die Frage „Abtreiben wo und wie?“ dominiert das Denken, so daß für die Frage "Abtreibung ja oder nein" wenig Zeit bleibt.

Den Christen des Tages Nr. 62 kümmert das wenig. Er ist einfach „dagegen“ und zwar ganz konkret.

wir wollen durch das tägliche Gebet einen Beitrag leisten, dem Mord an unseren schwächsten Mitmenschen
- egal ob im Mutterleib oder auf dem Bett der Schwerkranken -
entgegenzuwirken.
Es geht dabei NICHT darum, Frauen, die ihr Kind abgetrieben haben, zu verurteilen, sondern ihnen lediglich eine Stütze durch unser Gebet zu sein.

WAS WIR KONKRET TUN:

JEDEN ABEND   um 20:00 UHR   ein VATERUNSER

WARUM ALLE UM 20:00 UHR?

Weil es ein besonderes Gefühl ist, mit über 100 anderen Leuten im Rücken verteilt auf verschiedenste Teile der Welt einen "Gebetssturm" zu entfesseln!
Wenn du dich entschlossen hast, diese Aktion mit deinem Gebet zu unterstützen, kannst du gerne eine E-Mail mit deinem Namen an

Dieses überaus „konkrete“ Tun beeindruckt durch seinen Erfolg. 
Wie man hört, sind weltweit die Schwangerschaftsunterbrechungen sofort eingestellt worden, denn Gott hört auf die süddeutsche Jugend!

Kathnet ist so entzückt vom neuen Träger des „Preises des Lebens 2012“, daß ein langes Gehrig-Interview verbreitet wird, in dem er bahnbrechende Erkenntnisse darlegt.

Sehr positiv fällt mir an den Burschen auf, wie er Woytilas Enzyklika des Leidens verinnerlicht hat.
Als seine drei Monate alte Schwester starb, konnte er der Angelegenheit sofort etwas Positives abgewinnen, nämlich daß er sich gleich noch mehr von Jesus angenommen fühlte.
„Das hat Jesus und mich noch mehr zusammengeschweißt.
Schließlich war es auch der Tod meiner drei Monate alten Schwester vor drei Jahren, als ich ganz intensiv gespürt habe, dass erstens jedes Leid einen göttlichen Sinn hat und zweitens jedes Menschenleben – und sei es noch so kurz - ein gottgewolltes ist!“

(RG 14. Juni 2012)

Gut zu wissen für den Himmel und den Vatikan! Sollte der kleine Rudi jemals am Glauben zweifeln, könnte man noch seine Eltern oder weitere Geschwister töten, um ihn wieder die direkte Liebe Jesu spüren zu lassen!

Interessant ist es einmal einen echten Menschen vorgeführt zu bekommen, der tatsächlich Kreuznet liest und die entsprechende Diktion übernimmt.

"Diese Bestialität schreit zum Himmel! Diese traumatisierten und seelisch zerstörten Frauen schreien doch zum Himmel! Diese unschuldigen, millionenfachen Opfer schreien doch zum Himmel! Warum - und diese Frage stand eines Nachts während einer solchen Wut-Verzweiflungs-Resignations-Attacke so verblüffend einfach im Raum - warum schreie ICH nicht zum Himmel?"

Ein guter Junge, dieser Würzburger Vorzeige-Christ.
Möglicherweise wird er eine steile Karriere im Klerus machen.

Während er den Mond ob der Abtreibungen anheult, sollte er allerdings eine Person besonders in seine Gebete einschließen:

Der Staat ist so entsetzlich dumm
täglich bringt er seine Kinder um
Einer ist noch dümmer
Macht aus Kindern Trümmer
Nur einer bringt mehr Kinder aufs Schafott
und das ist und bleibt der liebe Gott
Nach Berechnungen von Gregory Paul (THEODICY’S PROBLEM: A STATISTICAL LOOK AT THE HOLOCAUST OF THE CHILDREN, AND THE IMPLICATIONS OF NATURAL EVIL FOR THE FREE WILL AND BEST OF ALL WORLDS HYPOTHESES*) führen rund 75 % der Zeugungen nicht zu einer Einnistung im Uterus und von den wenigen, die es doch schaffen, erreichen wiederum viele niemals das Erwachsenenalter.
Früher Kindstod, Hunger, Fehlgeburten und andere Krankheiten, die der liebe Gott geschaffen hat, rotten einen großen Teil der Zellhäufchen, die den Piushanseln so wichtig sind, aus.
Letztendlich werden weniger als 20% der befruchteten Eizellen zu Kindern.
Der Grund ist eine fatale Fehlkonstruktion der menschlichen Anatomie. Meiner Meinung nach eine Folge der Evolution, aber die Hardcore-Christen glauben bekanntlich nicht an Evolution.

The female body was not well-designed for childbirth, either, since the ratio of fetal skull size to female hip size doesn’t make for great odds for the mother. Every year, more than half a million women die in pregnancy or childbirth. Natural evolution, not religion, explains the tough compromises forced on the human body, and why few embryos make it to infancy and so many mothers die in the process.
(centerforinquiry.net)

Nur die moderne Medizin in säkularen Staaten kann etwas mehr Kindern das Überleben retten.
In religiösen Ländern, die sich auf Gott verlassen, überleben die wenigstens Föten:

And worship and prayer does nothing to help these terrible odds against life. Only in modern industrialized countries using secular scientific medicine do we see infant mortality rates dramatically reduced. However, it remains generally true that countries with higher rates of religious faith have higher rates of infant mortality. Is that part of God’s plan too?
(centerforinquiry.net)

Samstag, 16. Juni 2012

Langsam reicht es - Teil III



Wochenend und kein Sonnenschein, da nahm ich mir zum Glück allein die aktuelle ZEIT vor.

Es ist nicht neu, daß in der einst so vorbildlichen Qualitätszeitung konservative Leitartikel und schwer religiotische Kirchenhuldigungen stattfinden.

Inzwischen vergeht aber keine Woche, in der die ZEIT nicht schwere Religiotie verbreitet.
Grundsätzlich freue ich mich natürlich darüber, wenn religiöse Themen von einer ernstzunehmenden Warte aus erörtert werden; erst recht wenn es sich um Papst und Kurie dreht.
Der Katholizismus ist eine unerschöpfliche Quelle des Wahnsinns. 
Aber eben nicht nur das, denn die Christlich-totalitäre Megaorganisation beeinflusst auch alles andere - Politik, Kultur, Psychologie, gesellschaftliche Debatten.
 Die kurialen Kabale, die wir im Moment erleben sind dabei ein Sahnehäubchen.

In der ZEIT vom 14.06.12 darf Religiotin Evelyn Finger nicht nur ihre Rubrik „Glauben und Zweifeln“ auf eine Doppelseite aufblasen, sondern sie schreibt auch noch den Leitartikel der Titelseite: „Rettet den Papst.“

Bis hierhin habe ich immer noch keinerlei Einwände. Es interessiert mich sogar in besonderem Maße, was eine so klar prokatholisch positionierte Redaktion zum kalten Bürgerkrieg im Vatikan zu vermelden haben.

Auf die Argumente bin ich gespannt.

Manchmal muss man fast Mitleid haben mit dem mächtigsten Mann der Welt. Der kleine alte Herr in Weiß und Purpur, der auf dem Kirchenthron oft so verloren wirkt und der über seine Wahl zum Heiligen Vater von mehr als einer Milliarde Katholiken nie besonders glücklich schien, muss jetzt ganz allein die Kirche retten. […] Man möchte rufen: Rettet den Papst!

1.)  Mitleid mit dem Mann, der 30 Jahre lang systematisch dafür sorgte, daß Myriaden Kinder weiterhin von ihren Priestern sexuell belästigt wurden konnten, indem er alle Ermittlungen an sich zog und die Strafverfolgung blockierte? Nein, Mitleid muss man gar nicht haben.
2.)  Die mächtigsten Männer der Erde sind vielleicht Herr Obama oder Herr Hú Jǐntāo oder Herr Gates oder Herr Zuckerberg. Das kann man verschieden definieren. Aber Ratzinger hat nicht nur keine Armeen, sondern es hören nicht mal seine eigenen Anhänger auf ihn. 98% der katholischen Frauen praktizieren Verhütungsmethoden, die der Papst streng verbietet.
3.)  Insbesondere dieser Papst praktiziert einen Faible für Prachtentfaltung wie es ihn hunderte Jahre nicht mehr gab. Seine Kostüme sind eher goldbeladen, mit Perlen bestickt.
4.)  Wenn Ratzinger so verloren wirkte, würde er nicht ständig massiv auf Treue zum Papstamt und Gehorsam bestehen.
5.)  Selbstverständlich war Ratzinger glücklich, als er Papst wurde. Darauf hatte er systematisch hingearbeitet und gleich bei seinem ersten großen Auftritt beim Weltjugendtag von Köln sah man ihn, wie er sich strahlend feiern ließ. Als Vorgänger JP-II starb, brachte sich der Panzerkardinal mit einer „Bewerbungsrede“ in Stellung.  Das haben  damals alle so beurteilt, als sich Ratzi mit Macht in das Sedivakanz-Vakuum gedrängt hat. Er war Dekan der Kurie, also der formal höchste Kardinal außerhalb der Regierung (Kardinalstaatssekretär) und normalerweise sitzt der zwar dem ganzen Prä-Konklave-Ablauf vor, verhält sich aber traditionell ganz neutral. Davon ist Ratzi stark abgewichen, indem er bei der Beerdigung diese lange und programmatische Rede hielt, die in der Tat allen Kardinälen signalisierte „So würde ICH das machen“
6.)  Natürlich muss Benedikt nicht die Kirche retten. Im Gegenteil. Er ist doch offenbar schwer damit beschäftigt die Gläubigen zu Millionen zu vertreiben und sich massiv unbeliebt zu machen, indem er seinen Verein politisch nach rechtsaußen und gesellschaftlich in finstere Mittelalter führt.


Und wer hilft ihm künftig, die Glaubensgemeinschaft der Christen zu führen, die ihn zwar nicht alle lieben (Reformkatholiken) und auch nicht alle brauchen (Protestanten), aber deren Religion er nun mal personifiziert?

1.)  Hat Frau Finger noch nie etwas von schweren Religionskriegen gehört? Im 30-Jährigen Krieg wurde halb Europa entvölkert und der gesamte Kontinent ein Jahrhundert zurück geworfen. Katholiken haben regelrechte Genozide vollführt, beispielsweise unter Tilly Magdeburg inklusive Kinder und Frauen ausgerottet. Die Protestanten möchten sicherlich nicht ausgerechnet vom Papst symbolisiert werden. Im Gegenteil - der Papst ist ja gerade das Symbol der Kirchenspaltung. Die Gehorsamspflicht gegenüber Rom ist DAS Hindernis für jede Ökumene.

 Finger fährt fort, der Papst sei „sehr verärgert […] über sein Staatssekretariat, weil es sich nur noch mit VatiLeaks beschäftigt, aber kaum etwas zu den jüngsten Massakern an nigerianischen Christen gesagt hat. Er ärgert sich auch über die Untätigkeit der päpstlichen Nuntiaturen.“

1.)  Es stimmt zwar - wenn man den Vikileaks-Quellen glaubt - daß sich der Papst über die Nuntiatur in Berlin ärgerte. Aber es ging dabei wieder einmal um den unbedingten Gehorsam, den er einfordert. Sein Nuntius hat sich nicht massiv gegen Angela Merkel gestellt, als sie es wagte die Holocaustleugnerentscheidung des Papstes zu kritisieren.
2.)  Ratzinger mag sich über Massaker an Christen ärgern. Ich kann das nicht beurteilen. Aber bevor die ZEIT das einfach so widergibt, sollte sie lieber daran erinnern, daß die Christen keinen Deut besser sind. Wieso sagt der Papst nichts dazu?

Nach den tödlichen Anschlägen auf zwei christliche Kirchen in Nigeria haben christliche Jugendliche Rache geübt. Mindestens fünf Muslime wurden getötet. Dies bestätigte der Sprecher der Spezialeinheit der nigerianischen Armee (STF), Markus Mdahyelya, am Montag. Bei den Opfern der Vergeltungsaktion handele es sich um Motorrad-Taxifahrer aus der Stadt Jos, hieß es. Die Attentäter reagierten mit dem Racheakt auf zwei Attacken auf Kirchen, bei denen am Wochenende mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden waren.

Schließlich holt Finger zum Rundumschlag gegen die Papstkritiker aus, die ihrer Meinung nach alle Unrecht hätten.

Viele Kommentatoren finden, der Professor Joseph Ratzinger sei selbst schuld, weil er kein Politiker werden, sondern ein Intellektueller bleiben wolle. Er komme von seinen theologischen Steckenpferden nicht herunter. Er könne und wolle nicht führen. Fahrlässig vergrabe er sich in die Bücher. Glaubensfragen interessierten ihn allemal mehr als Macht. Und deshalb sei er unfähig zur Politik. Ja, er ruiniere sein Amt. Wer aber das Papstamt ruiniert, der muss sich nicht wundern, wenn ihm die Geheimakten um die Ohren fliegen und ihn die Denunzianten überrennen. So geht die Logik der aktuellen Papstkritik.

1.)  Jein, Frau Finger. Solche Papstbeschreibungen sind in der Tat immer gleich und wenig überzeugend. Daß sich der kometenhaft in der vatikanischen Hierarchie Aufgestiegene gar nicht für Macht interessiere, halte ich ebenfalls für ausgemachten Blödsinn. Vielmehr hatte sich der jetzige Papst systematisch die Macht im Vatikan erobert. Er ist schon 30 Jahre de facto am Drücker, weil JP-II entweder verreist oder senil war, daß er vermutlich sämtliche Kardinalserhebungen zu verantworten hatte. Er wußte also genau was das für ein Konklave ist, wie sich das zusammensetzt und vermutlich hatten die auch fast alle Grund ihm dankbar zu sein.    Daß der oberste Glaubenswächter von 1,2 Milliarden Christen so naiv war, um nicht zu wissen, wie diese Bewerbungsrede ankommt und wie das seine Chancen steigert, ist wenig wahrscheinlich. Außerdem hatte er ein gutes Alter. Nach einem solchen Mammut-Potifikat wird immer ein ziemlich alter Kardinal gewählt, weil man nicht wieder so lange mit einem Typ alles blockiert haben will. So wird Ratzi gegenüber den Kollegen in der Sixtina argumentiert haben:

„Ey Leute, ich bin schon fast 80, aber noch einigermaßen fit. Also kann ich hier mal ein paar Jahre einhüten. Verdient hätte ich es ja nach all der Zeit. Ihr könnt sicher sein, daß ich hier keine Revolutionen vom Zaun breche, die Euch verwirren oder zum neu Nachdenken zwingen. Ich schreibe nur ein paar hochgeistige Texte und ihr könnt Euch derweil sortieren, in welche Richtung es dann nach mir weitergehen soll…“

Das hat er ja auch eingehalten. Keine Reformen! Dafür aber den doofen Säkularen mal gezeigt was eine Harke ist und diese eigenartigen Ökumene-Bestrebungen vom ollen Karol zurück genommen.

Evelyn Finger spricht den Katholischen Papstkritikern aber sogar ab in Sinne ihrer Kirchen handeln zu wollen:

So ist es aber nicht. Denn Geheimnisverrat wird nicht unbedingt von den Guten begangen. Und Datenklau ist zunächst einmal kriminell. Das Problem von VatiLeaks ist das Problem von WikiLeaks: Die Enthüller haben nicht unbedingt das moralische Recht auf ihrer Seite. Und Leaken führt nicht automatisch zu mehr Demokratie. »Die Lüge hat sich als Wahrheit verkleidet«, schimpft jetzt der Papst und nennt den Abdruck der Geheimakten in der Presse teuflisch. Tatsächlich sind die Papiere für Uneingeweihte kaum verständlich.

1.)  Das soll offensichtlich heißen nur der Papst und seine Getreuen hätten das moralische Recht auf ihrer Seite.
2.)  Die Wahrheit ans Licht zu bringen sei also amoralisch.
3.)  Das ist eine steile These angesichts der Tatsache, daß im siebten Jahr des Pontifikats Ratzingers und nach einem Vierteljahrhundert Ratzinger an der Spitze der Glaubenskongregation Kirchenleitungen immer noch verheimlichen und vermauscheln, wenn ihre Leute Kinder ficken. Allein die US-amerikanische Bischofskonferenz  räumte in ihrem euphemistischen Bericht zehn Jahre nach dem Hochkochen der Missbrauchsfälle ein, daß in den USA 1500 Kinder PRO JAHR von Priestern befummelt werden.

Wie Medien unter Berufung auf den Report berichteten, erhoben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 15.000 Personen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Kirchenmitarbeiter. Bis 2004 seien 4.392 Kleriker sexueller Vergehen beschuldigt worden; seitdem seien 1.723 hinzugekommen. Die Vorfälle, auf die sich die Anschuldigungen bezogen, seien in den 1960er-Jahren angestiegen. In den 1970er-Jahren hätten sie ihren Höhepunkt erreicht. In den 1980er-Jahren sei die Zahl der Übergriffe zurückgegangen.
Das "National Review Board", eine 2002 eingerichtete kirchliche Laienkommission zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, bemängelte den Berichten zufolge die Kommunikation zwischen Diözesen und Orden über Missbrauchsverdächtige. So würden Diözesen von Ordensleitungen teils noch immer nicht über pädophile Mitglieder informiert, die in der Diözese tätig seien.

Die Autorin der ZEIT-Titelgeschichte steht gegen Transparenz und Ehrlichkeit im Vatikan. Das hülfe nämlich nicht. Reformen, wie sie aufmüpfige Priester und die Gläubigen wollten, wären ein Weg in die Sackgasse.

 Wie kommt man da raus? Gar nicht. Wenn man den Vatikan reformiert, und davor hat Benedikt Angst, dann ist der hinterher vielleicht kein Vatikan mehr. Aber wenn man ihn nicht reformiert, dann geht er an falschem Traditionalismus zugrunde oder zerstört sich in kurialen Richtungskämpfen selbst. Kurzum: Wer den Vatikan reformiert, schafft ihn ab. Wer den Vatikan nicht reformiert, leistet seinem Zusammenbruch Vorschub. Wie rettet man also den Papst? Indem man sagt: Der Papst ist nicht an allem schuld. Geheimniskrämerei gehört zur absolutistischen Struktur der katholischen Kirche. Am besten, sie schafft den Vatikan ab und behält nur den Papst.

Vielen Dank für diesen bahnbrechenden Vorschlag auf Seite Eins von Deutschlands renommiertes Qualitätszeitung!

Wir kennen das schon von Frau Finger.


Als Joseph Ratzinger noch Chef der Glaubenskongregation war, erklärte er, warum Rom keine innerbetriebliche Demokratisierung braucht: »Wir wissen ja, dass die Demokratie selbst ein gewagter Versuch ist, dass das Entscheiden nach dem Mehrheitsprinzip nur einen bestimmten Rahmen menschlicher Dinge regulieren kann. Es wird zum Unding, wenn es auf Fragen der Wahrheit, des Guten selbst ausgedehnt würde.« Was wahr und gut ist, ist nicht diskutierbar? Das ist der Kern einer despotischen Theologie.
[…] Benedikt fürchtet die Demokratie. Seine Kirche soll so autokratisch werden, wie sie angeblich immer war.
(Evelyn Finger 25.9.2011)




Freitag, 15. Juni 2012

Bayerische Analnachschau - Teil III.



 Niemand mag Salafisten.

Wer würde der Ansicht widersprechen, daß Pierre Vogel nicht gerade der Typ ist, den man sich als Schwiegersohn wünscht?

Dabei hat der Begriff erstaunlich schnell Karriere gemacht.
 Noch vor ein, zwei Jahren konnten genauso wenig Menschen etwas mit dem Wort „Salafismus“ anfangen wie mit „Wahabismus.“
Inzwischen weiß aber jede Oma auf der Straße Salafisten zu konnotieren.
Salafisten sind schlecht und das ist wiederum gut für Innenminister Friedrich und das BKA.

Indem sie nun mal so richtig mit dem Knüppel draufhauen, Großrazzien durchführen und Verbote aussprechen, können sie die peinliche Pleite mit dem massenmörderischen Uwe-Uwe-Zschäpe-Trio vergessen machen.

Über viele Jahre hatte niemand die offensichtlichen Zusammenhänge erkannt, die Opfer zu mutmaßlichen Tätern hochstilisiert, völlig untätige V-Leute finanziert und die zehn Opferfamilien des „NSU“ mit dem Begriff „Dönermorde“ a posteriori diffamiert.

Es ist aber nicht so, daß die Polizei nicht gesucht hätte.

Nein, insbesondere die Bayerische Polizei war sehr agil und akribisch, als sie unter Vorhäuten und hinter analen Schließmuskeln Kontrollen durchführte.

Als 2001 die CDU die Regierungsmacht in Hamburg erlangte, holten sie sich folgerichtig einen Münchner Polizisten zunächst als Polizeipräsident und dann sogar als Innensenator in die Hansestadt.
Aber der Reihe nach:

Um den Kriminellen in der schönsten Stadt der Welt mal zu zeigen, daß man sie im Auge hat, holte sich die CDU gerne Innensenatoren, die selbst mit dem Gesetz in Konflikt kamen.

Ab 31. Oktober 2001 war das der inzwischen nach Brasilien geflüchtete Kokser und Erpresser Ronald Schill. 
Ihm folgte am 3. September 2003 sein Büroleiter Dirk Nockemann, der anschließend selbst ankündigte mit dem PI-Held Udo Ulfkotte eine rechte Partei zu gründen und schließlich beim „Zentrum“ landete. Nur fünf Monate konnte sich Nockemann im Amt halten.

Am 17. März 2004 berief Ole von Beust den ehemaligen Münchner Kriminaldirektor Udo Nagel zum Innensenator. Er wurde bekannt als großer Abschieber und Hindukusch-Experte.

Im April 2005 flog Nagel als Innensenator für vier Tage nach Kabul, um selbst Druck auf die afghanische Regierung auszuüben, damit diese der Abschiebung afghanischer Flüchtlinge in Hamburg zustimme. Nach seiner Rückkehr erklärte Nagel: „Die Sicherheitslage in Afghanistan ist stabil. In viele Provinzen kann man zurückkehren.“  […] Mit den Äußerungen des Hamburger Innensenators konfrontiert, erklärte Dadfar Anfang Mai gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel: „Ich habe ausdrücklich gesagt, dass wir für sie [die Flüchtlinge] keine Verantwortung tragen können.“ Die geplanten Abschiebungen bezeichnete er als „kontraproduktiv“.
(Wikipedia)

Im Jahr 2010 veranstaltete Nagel zusammen mit Stefanie von und zu Guttenberg die bizarre und rechtlich fragwürdige RTL-II-Prangersendung „Tatort Internet“.

Am 7. Mai 2008 wurde der spätere Kurzzeit-Bürgermeister Christoph Ahlhaus Innensenator. 
Er machte sich mit seinen skandalösen Verhalten so unbeliebt, daß er als CDU-Spitzenkandidat anschließend die Partei halbierte.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Beamte der Staatsanwaltschaft haben im Zuge eines Ermittlungsverfahrens die Villa von Christoph Ahlhaus (CDU) in den Elbvororten durchsucht. Wie das Abendblatt erfuhr, fand die Razzia bereits am vergangenen Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr statt. "Wir haben schriftliche Unterlagen und elektronische Daten sichergestellt und werten diese jetzt aus", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers auf Nachfrage.  Erstmals bestätigte die Staatsanwaltschaft auch das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Regierungschef. Gegen Ahlhaus werde wegen des Verdachts der Vorteilsannahme im Zusammenhang mit dem Kauf seines Hauses ermittelt, sagte Möllers.

Der letzte CDU-Innensenator, bevor ab 2011 wieder ein vernünftiger SPD-Mann den Job übernahm, war Heino Vahldieck, der am 25.10.2010 sein fragwürdiges Wirken begann. 

Endlich auch für die Hamburger Polizei Computer anzuschaffen, schaffte zwar auch Vahldieck  bis 2011 nicht, aber dafür setzte er andere Duftmarken.

Seine Frau, die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Susanne Rahardt-Vahldieck, hatte als stadtbekannte Säuferin die ein oder andere Alkohol-Unfallfahrt unternommen.

Als der damalige SPD-Senat einige Monate später damit vorpreschte die 0,8 ‰-Grenze auf 0,5 ‰ abzusenken und gar ins Spiel brachte, daß man eigentlich gar keinen Alkohol trinken solle, wenn man noch ans Steuer wolle, reagierte die Hamburger CDU-Opposition über alle Maßen empört.
Na, so ein Zufall, daß der zuständige innenpolitische Sprecher der CDU damals Heino Vahldieck hieß.
Ja genau, der Ehemann, der bekannten Hamburger Schnapsdrossel.
"0,0 Promille, das hieße ja, jede Weinbrandbohne und jedes Bier zum Abendbrot wäre schon zu viel", reagiert der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Heino Vahldieck, auf Wrocklages Vorstoß. Auch er äußert Bedenken wegen einer unzulässigen Kriminalisierung von Autofahrern, die geringe Mengen Alkohol konsumiert hätten. "Es kann nicht darum gehen, die Gesetze zu verschärfen, sondern die Einhaltung der bestehenden Gesetze besser zu überwachen. Stattdessen würde in Hamburg seit Jahren bei der Verkehrsüberwachung gespart und Personal abgebaut. "
(Die WELT März 1997)

Das Saufen übernahmen die Polizisten unter CDU-Herrschaft gleich selbst.
So geschehen im Juli 2010 im Nobelhotel "Steigenberger Treudelberg" (vier Sterne) in Hamburg-Lemsahl:

Polizei-Party im Luxus-Hotel: Saufen, pöbeln, kotzen! 
 (MoPo)

Die Beamten hämmerten sich so dermaßen zu, daß sie am Ende das ganze Hotel in in ein Trinker-Asyl verwandelten. Sie zogen grölend und aggressiv durch die Flure und mischten die anderen Hotelgäste auf.

Eine Augenzeugin zur MOPO: "Es waren etwa 15 Beamte. Die stark angetrunkenen Männer haben die Gäste, darunter auch eine Hochzeitsgesellschaft, bepöbelt. Selbst die Angestellten wurden verbal angegriffen. Das ging bis in die Morgenstunden." Einer der uniformierten Ordnungshüter soll sich nach der "Polizei-Party" sogar sturzbetrunken auf dem Flur erbrochen haben.
(Mopo)

Da passte es doch, daß Heino Vahldieck 2010 selbst Innensenator wurde.

Er wollte den Job schon seit sechs Jahren - nur traute ihm seine eigene Partei den Posten nicht zu:

Lange hat es gedauert, bis Heino Vahldieck endlich Innensenator wurde. Schon 2004 soll der Chef des Verfassungsschutzes Ambitionen auf das Amt gehabt haben – doch Ole von Beust entschied sich für den beliebten Udo Nagel aus Bayern. 2008 stieg dann Staatsrat Christoph Ahlhaus an Vahldieck vorbei zum Senator auf.
(Mopo 20.08.2010)

Sich so richtig fachlich blamieren und offensichtlich der Materie nicht gewachsen zu sein, schien für den grünschwarzen Senat Hamburgs geradezu ein Einstellungskriterium zu sein.

Daß die Hamburger Polizei nicht über Computer und das Anal- und Vorhaut-Know-How der Münchner Polizei verfügte, verstand sie aber durch geniale Ermittlungsmethoden zu kompensieren. 
Auch ohne PC und Weltnetz oder wie dieser moderne Kram heißt.
Es waren Hamburger Kripo-Beamte, die inspiriert von ihrer politischen Führung ganz neue Wege gingen, um endlich die „Dönermorde“ aufzuklären.

 So geschehen während der Amtszeit des Innensenators Nagel auf der Suche nach dem damals noch unbekannten NSU-Trio.

Die Hamburger Polizei setzte […] in ihren Ermittlungen auf unkonventionelle Hilfe: Ein iranischer "Metaphysiker" bot den hanseatischen Beamten im Januar 2008 an, über ein "Medium" Kontakt zu dem sieben Jahre zuvor ermordeten Gemüsehändler Süleyman T. aufzunehmen. Die Verantwortlichen der "Soko 061" willigten den Akten zufolge ein. Im April 2008 teilte der Iraner ihnen die angeblichen Ergebnisse seiner metaphysischen "Befragung" des Mordopfers mit, woraufhin die Beamten einen entsprechenden Vermerk anlegten.
Über eine Mittelsfrau ließ der Geisterbeschwörer demnach die Hamburger Polizisten wissen, dass er während eines Aufenthalts in der Hansestadt in einer angemieteten Wohnung für zehn bis fünfzehn Minuten Kontakt zu dem getöteten Gemüsehändler habe aufnehmen können. […] Das Opfer habe "mit einer Bande in Kontakt" gestanden, die aus bis zu acht Personen mit "Motorrädern/Rockern" bestehe, polizeibekannt sei, jedoch "keinen hohen Organisationsgrad" habe.
Auffällig sei eine Person mit Kopftuch. Ein Mitglied der Bande heiße "Armin" oder "Amin", ein weiteres heiße Mustafa "Horgh". Auch eine Beschreibung des Mörders habe das Opfer geliefert: "Der Täter soll einen dunklen Teint (Südländer), braune Augen und schwarze Haare haben. Er soll sehr jung sein, und es könnte sich um einen Türken handeln." […] Damals  […] schienen die Informationen aus dem Jenseits den Hamburger Beamten offenbar immerhin so interessant, dass sie sie mit ihrem internen Informationssystem abgleichen ließen.

Hamburgs Polizeisprecher Mirko Streiber bestätigt, dass die Ermittler Kontakt zu dem iranischen Medium aufgenommen haben: "Sie haben das Gespräch auch gesucht, um festzustellen, ob der Mann möglicherweise über Zeugen- oder gar Täterwissen verfügt. Bei der Befragung stellte sich dann aber heraus, dass die Angaben nicht hilfreich" [ÜBERRASCHUNG!!! - T.] sein würden.

Der Vorsitzende des NSU-Ermittlungsausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD): „Unglaublich, dass die Hamburger Kripo Geisterbeschwörer eingesetzt hat, statt einer Rechtsextremismus-Spur nachzugehen.“

Donnerstag, 14. Juni 2012

Wenn Gott sich nicht verständlich ausdrückt.




Wir sind eben nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen!
Die Evolutionstheorie führt zu der Erkenntnis, dass wir Menschen eine ungeplante, vorübergehende Randerscheinung in einem sinnleeren Universum sind. Die religiöse Vorstellung, dass das ganze Universum für uns mühsam aufrecht gehende Primaten erschaffen wurde, lässt sich nur als Ausdruck eines kolossalen Grössenwahns bezeichnen. Alles deutet doch darauf hin, dass es nicht so war, dass «Gott» den Menschen nach seinem Ebenbilde erschuf, sondern dass wir uns unsere Götter nach unseren Ebenbildern erschaffen haben. Schon vor 2500 Jahren fiel Xenophanes auf: Völker mit dunkler Hautfarbe hatten dunkelhäutige Götter, die Götter hellhäutiger Völker waren hellhäutig.

Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit betonen Pfaffen, Journalisten und Politiker, unsere Demokratie beruhe auf Christlichen Werten.

Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit - das sind die Grundwerte der CDU, die sich aus dem christlichen Menschenbild ableiten. Sie sind auch Richtschnur meines Handelns.
(Angela Merkel in „Meine Überzeugungen“)

Die Erfurter CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht formuliert es noch ausführlicher.

Im Thüringer Landtag fänden regelmäßig überkonfessionelle Andachten statt. "Wer morgens zusammen betet, der geht auch im Laufe des Tages besser miteinander um", hat Lieberknecht erfahren.
Vom christlichen Menschenbild leitet sie nach eigenem Bekunden politische Prinzipien wie Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit und das Subsidiaritätsprinzip, das dem Einzelnen wann immer möglich die Entfaltung seiner Eigenverantwortung einräumen will, ab.
[…]  "Ich bete morgens und abends, und manchmal auch zwischendurch auf einer Autofahrt", sagte sie. "Manchmal bete ich, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Ich bete einfach, weil es ein Stück weit entlastet."

Es erstaunt mich immer wieder wie locker Spitzenpolitiker diese Aussagen raushauen. 
Natürlich dürfen sie so gläubig sein, wie sie wollen, aber was sie über das „christliche Menschenbild“ behaupten, daß es sogar unsere heutigen Werte des Grundgesetzes generiert hätte, ist eine faustdicke Lüge. 
Das diametrale Gegenteil ist der Fall.

Das Neue Testament, also die Lehren Jesu, auf die sich alle so gerne beziehen (vom Alten Testament will ich gar nicht erst reden) ist grob grundgesetzwidrig. 
Jesus wollte die Ungleichheit der Menschen. 
Sklaverei hielt er für eine gute Sache. Sklaven sollten ihren Herren gehorchen.
Frauen wurde bedeutet in der Gemeinde zu schweigen und zu tun was ihr Mann von ihnen verlangte.

Säkularisten, Linke, Konfessionslose und Aufklärer kämpften nachhaltig, konsequent und mutig für all die Werte, die von der organisierten Christenheit vehement abgelehnt wurden:

Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Aufhebung der Sklaverei, Folterverbot, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Schwulenrechte, Tierrechte, Aufhebung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Aufhebung des Verbots gemischtkonfessionellen Ehen, gleiches Wahlrecht für alle, Selbstbestimmungsrecht der Frauen, etc.
 Teilweise blockieren Merkels und Lieberknechts Christen immer noch die Freiheit; zum Beispiel bei dem selbstbestimmten Tod, der Patientenverfügung, der PID, dem Adoptionsrecht für Homosexuelle, etc.

Christen sind ein einziger Bremsklotz für den Humanismus, für das Wohl der Menschen insgesamt.

Wieso gelingt es also den professionellen Religioten immer wieder das Gegenteil zu behaupten, ohne rot zu werden?
Ein Grund ist der miserable Bildungsstand des Volkes und zweitens kann man sich den lieben Gott so schön zurechtbasteln, wie man ihn gerne hätte.

Er ist nur ein Produkt der Phantasie und somit flexibel.
Ich will nicht ausschließend, daß man diesen Skydaddy auch mal für einen fortschrittlichen Kurs einsetzen kann.
Der Blick auf die Geschichte zeigt aber, daß das Gedankenkonstrukt „Gott“ in der Regel als Herrschaftsinstrument zur Unterdrückung verwendet wurde. 
Mit Gott läßt sich am leichtesten ein „wir sind besser als die“-Gefühl erzeugen, welches wiederum die Grundvoraussetzung für Intoleranz und Aggressionen ist. 
Werden „die anderen“ als minderwertig betrachtet (weil „gottlos“), kann man sie umso einfacher drangsalieren, überfallen, versklaven oder töten.

Im Namen der Religion wurden in der Weltgeschichte 16.000 bewaffnete Konflikte angezettelt.
Und auch heute ist der furchtbare Schoß noch fruchtbar. 
Mit Religion fliegt man in Hochhäuser und begeht Rache-Attentate.

Mit Religion im Gepäck erlangt man auch im kleinen Kreise Macht und Ansehen. 
Nur auf diese Weise konnten sich päderastische Sadisten myriadenfach das Vertrauen von Eltern erschleichen und anschließend deren Kinder vergewaltigen.

Selbst die notorisch euphemistischen US-Bischöfe räumten soeben in einem Zwischenbericht 1.500 sexuelle Übergriffe auf Kinder PRO JAHR ein:

Im Umgang mit dem Skandal und der Hilfe für Opfer habe es eine "beachtliche Verbesserung" gegeben, hieß es in einem internen Report, aus dem US-Medien am Donnerstag zitierten. Das Papier halte aber auch fest, es sei "noch viel Arbeit zu tun". Die Bilanz der 2002 verabschiedeten "Charta von Dallas" war Thema während der derzeit in Atlanta tagenden Vollversammlung der US-Bischofskonferenz.  Wie Medien unter Berufung auf den Report berichteten, erhoben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 15.000 Personen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Kirchenmitarbeiter. Bis 2004 seien 4.392 Kleriker sexueller Vergehen beschuldigt worden; seitdem seien 1.723 hinzugekommen.

Möglich machte es eine vollkommen diffuse Moral, welche Mord und Kinderficken über Jahrhunderte für nicht weiter tragisch hielt, aber Scheidung, uneheliche Kinder und Abweichungen von bestimmten Liturgie-Formen zu unverzeihlichen Todsünden erklärte.

Selbst Profi-Religioten sind bisweilen von der eigenen Moral, die sie zu vertreten haben verwirrt.

Der Katholiban-Pfarrer Konrad Irslinger wagt das Ungeheuerliche und fordert seine Kirche gemeinsam mit knapp 200 Mitbrüdern dazu auf Geschiedene zum Abendmahl zuzulassen.

Sapperlot! Ratzi und Zolli haute das vor Schreck fast das Gebiss aus dem Mund.

SPIEGEL ONLINE: Erzbischof Robert Zollitsch hat in einem Brief Sie und alle Unterzeichner der Freiburger Erklärung zum Gehorsam aufgerufen. Werden Sie wieder gehorchen?
Pfarrer Irslinger: Das Wort Gehorsam ist ein schwieriges Wort. Aber unabhängig vom Gehorsam gegenüber dem Bischof gibt es auch einen Gehorsam gegenüber dem Evangelium.
[…] SPIEGEL ONLINE: Papst Benedikt XVI. sagte kürzlich, die Kirche habe keine Patentrezepte für das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen.
Irslinger: Der römische Gedanke ist folgender: Die Ehe ist ein Sakrament und damit unauflöslich. Will jemand eine zweite Ehe schließen, dann zerbricht diese Bindung in der Realität. Aber das Sakrament der Ehe kann man nach Ansicht der Kirche nicht zerbrechen, weil sie unauflöslich ist. Das heißt, er oder sie geht eine neue Beziehung ein und lebt damit in Sünde. Ausnahme: Wenn Sie versprechen, dass die neue Ehe sexuell enthaltsam, das heißt ohne Kinder, bleibt. Nur das erlaubt das Kirchenrecht. Dann lebt man nicht in Sünde.
SPIEGEL ONLINE: Nun kann ja jedem Sünder vergeben werden...
Irslinger: Das ist das Schwierige. Sogar für Mord gibt es Absolution. Eine zweite Ehe kann dagegen nicht bereut und nicht vergeben werden, das ist unlösbar. Wiederverheiratete Katholiken leben so bis an ihr Lebensende in Sünde und wir Pfarrer sollen ihnen alle Sakramente verwehren.

Wie kommt es, daß zwei Milliarden Christen und eine Milliarde Muslime so vehement dafür eintreten was ihr Gott ihnen befiehlt, aber gleichzeitig so eine Unklarheit darüber besteht was das eigentlich ist, das Gott von ihnen verlangt?

Nun, auch dazu lohnt es sich bei Michael Schmidt-Salomon nachzuschlagen:

Jahwe, Allah und Gott hatten alle extrem beschissene PR-Berater. So wurde ihre Botschaft derart missverständlich, daß am Ende gar keiner mehr sicher weiß, was sie wollen.

„Pikanterweise liegen die Urheberrechte für diesen verworrenen Text nach islamischem Glauben bei Allah selbst, der „im Himmel“ (wo immer der auch sein mag, die frühen Muslime wussten noch nichts vom unendlichen Universum) die Urschrift des Korans beherbergen soll. In seiner grenzenlosen Barmherzigkeit, so heißt es, wollte Allah den Text des Korans seinen irdischen Geschöpfen kundtun. Dazu hätte es natürlich direkte Wege gegeben, Gott hätte als allmächtiges Wesen seine Gebote mit donnernder Stimme weltweit verkünden oder in unauslöschlichen Lettern in die Kaaba ritzen können.
Doch aus unerfindlichen Gründen (der muslimische Allah muss einen ähnlich schlechten PR-Berater haben wie der jüdische Jahwe oder die christliche Dreifaltigkeit Gottvater/Sohn/Heiliger Geist) zog er es vor, seinen Engel Gabriel zu entsenden, um eine Kopie des himmlischen Urtextes im Herzen eines 4o-jährigen Mannes namens Mohammed anzulegen, der im Jahr 610 eine Art „Midlife-Crisis“ durchmachte und sich in die Einöde des Berges Hira zurückgezogen hatte. Gabriel offenbarte sich Mohammed im Schlaf, was wohl jeden vernünftigen Menschen stutzig gemacht hätte, nicht jedoch unseren Propheten: Überzeugt davon, der „Gesandte Gottes“ zu sein, stieg er vom Berg herab und sammelte erste Anhänger um sich.“
[…] Das eine Mal berichtet Mohammed, in Begleitung Gabriels mit einer Leiter von der Kaaba in den Himmel aufgestiegen zu sein.
Ein anderes Mal fliegt er mit al-Buraq, einem weißen, pferdeähnlichen Reittier mit Flügeln und menschlichem Gesicht, gen Jerusalem, wo er mit Abraham, Moses und Jesus betet. Selbst dem Allmächtigen darf Mohammed auf seiner Himmelsreise begegnen. Dank der Unterstützung des Moses gelingt es ihm sogar, Allahs ursprüngliches Gebot von 5o Gebeten pro Tag (!) auf läppische fünf Gebete herunterzuhandeln. (Offenbar geht es im Himmel zu wie auf einem orientalischen Basar, nicht auszudenken, wenn Mohammed weniger Verhandlungsgeschick gezeigt hätte: Die Muslime kämen heute aus dem Beten gar nicht mehr heraus!)
(„Keine Macht den Doofen!“, Piper 2012, s. 38)