Mittwoch, 22. Februar 2023

Moore, Alabama

Es gibt keine offizielle US-amerikanische Definition dafür, was genau ein „Mass Shooting“ ist. Daher sehen die Listen mit den Multi-Morden unterschiedlich aus. Deutsche Journalisten zählen üblicherweise Schießereien zu Mass Shootings, wenn es mehr als vier Tote gibt und die Opfer nicht gezielt, sondern wahllos starben.

Bei der Zählweise kommt man auf etwa zwei Ereignisse pro Tag. Nimmt man alle Schießereien mit der Absicht Unbeteiligte zu töten mit auf, wird es eine lange Liste.

Ein Vielfaches der Opferzahlen aller anderen westlichen Staaten.

Bei 30.000 – 40.000 Schußwaffentoten im Jahr, wird natürlich ordentlich rumgeballert. Kaum ein Tag in den USA, an dem nicht ein Kind erschossen wird.

Es ist müßig, sich über das massenhafte Kinder-Erschießen zu echauffieren, weil es kein neues Problem ist. Wir kennen die Ursachen der Mass-Shooting (Waffenfetischismus der US-Amerikaner, allgemeine Verfügbarkeit von Waffen), die Rezepte dagegen (gun control) und wissen auch, wer intensiv für gun violence kämpft (NRA, GOP).

Die Wähler haben es also in der Hand, die Mass Shootings drastisch zu reduzieren; allein, sie wollen es nicht. Ihnen sind die Toten einfach zu unwichtig. Hinzu kommt, daß die Kirchen immer noch enormen Einfluß auf die Christennation USA ausüben. Die mächtige katholische Kirche (70 Millionen Mitglieder in den Vereinigten Staaten) verlangte 2020 von ihren Schäfchen ausdrücklich, nicht den Mann zu wählen, der gegen gun violence vorgehen wollte – BIDEN – sondern stellte sich auf die Seite des Killerfetischisten Trump. Die CONTRA LIFE-Kräfte (Kirche, GOP, NRA) holten 2022 wieder die Mehrheit im US-House, die schlimmsten Waffenfreunde – Sarah Sanders, Greg Abbott, Ron Deathsantis – wurden triumphal zu Gouverneuren gemacht.

DIE US-Amerikaner; also nicht etwa individuell jeder einzelne, aber doch die Mehrheit von ihnen; ergreifen Partei für die Mörder und nicht für die Opfer.

Aus humanistischer Sicht ist das eine widerliche Erkenntnis, aber es sollte uns nicht überraschen. Auch die katholische Kirche in Deutschland stellt sich bis heute an die Seite der Kindersex-Täter und gegen die Opfer, wird aber vom Staat mit Privilegien und Geld überschüttet.

Als Sozialdemokrat und Atheist mag man sich eins fragen: Kann man als konservativer Christ moralisch noch tiefer sinken, als sich für Kinderfi**er und Mass Shootings zu engagieren?

Ja, das kann man. Wenn man Republikaner aus Alabama ist und Moore heißt.

Im ultraerzkonservativen Alabama trat die GOP 2018 mit dem pädophilen Lügner Roy Moore als Kandidaten für den US-Senat an. Auch bei erwiesenen pädophilen Übergriffen, wollten die Republikaner für ihn stimmen. 

Namensvetter Barry Moore, geb. 1966, vom ultrarechten Freedom Caucus gewann bei der US-Kongresswahl 2020 im zweiten Wahlbezirk von Alabama. Der radikale misogyne und homophobe GOPer gehört zur Hillcrest Baptist Church in Enterprise, Alabama und bezieht dezidiert Stellung zu den unzähligen mit AR15s begannen Mass Shootings.

Moore erregen die mit AR15s niedergemähten US-Kinder so sehr, daß er die Waffen zu einem nationalen Heiligtum aufwerten will.

[….] Alabama Representative Barry Moore, a staunch gun-rights supporter, is proposing that the AR-15 rifle should be the "National Gun of America."

"The #SecondAmendment is as American a right as freedom of speech, religion, & the press," Moore wrote on Twitter Tuesday evening. "Today I unveiled my bill to make the AR-15 the National Gun of America. We must send a message that we will meet every attack on any of our constitutional rights."  Along with the tweet, Moore shared photos of himself speaking with a gun shop clerk. AL.com reported that the store is in Troy, Alabama.  [….]

(Newsweek, 21.02.20233)

Die Alabamianer wählen sowas als ihren Repräsentanten in den Kongress. So wie auch Lauren Boebert in Colorado und Marjorie Traitor Green in Georgia Mehrheiten fanden.


Dann darf man sich auch anschließend nicht beschweren, wenn die eigenen Kinder in der Schule abgeknallt werden.

[….] The House has not been given the full text of the bill, according to congressional records, but the legislation would “declare an AR-15 style rifle chambered in a .223 Remington round or a 5.56x45mm NATO round to be the National Gun of the United States.”

Sonny Parker, owner of Family Firearms, thanked Moore for his Second Amendment stance and the bill. “Every day we are battling those in Washington trying to take away our Second Amendment rights,” Parker said in a statement. “We’re extremely thankful for men like Congressman Barry Moore who are willing to go to war for us, stand up for our Second Amendment rights and battle those who continue to take those away from us.”  [….]

(AL, 21.02.2023)



Dienstag, 21. Februar 2023

Putin lacht

In den USA ist es schön. Wenn man reich ist und sich eine private Krankenversicherung leisten kann, die alles abdeckt.

Wenn man überhaupt nichts hat, gibt es immerhin private Hilfsprogramme, die einen beispielsweise mit medizinischen Leistungen versorgen. Richtig übel ist es aber für die „Working Poor“, von denen es immer mehr gibt. Sie haben zwei bis drei Jobs, arbeiten bis zur Erschöpfung, aber die wöchentlichen Paychecks reichen immer nur für das Notwendigste. Die 2.000 Dollar Miese auf den Kreditkarten, die von der letzten Zahnarztbehandlung stammen, wird man damit nie abtragen können.

Ein ähnliches Phänomen gibt es in Deutschland bezüglich der Altersvorsorge in den Zeiten von 10% Inflation und Mikrozinsen. Für Millionäre ist das kein Problem. Sie können sich Immobilien anschaffen oder sich an internationale Anlageprofis wenden, die ihnen gemanagte Fonds vermitteln. Wer gar nichts hat, muss sich auch nicht um Zinsniveaus sorgen und findet ohnehin keine Wohnung auf den freien Markt. Man wird immer „vom Amt“ versorgt werden müssen.

Blöd sind diejenigen dran, die ein bißchen was gespart haben. Vielleicht liegen nach einen längeren Arbeitsleben, 20.000 Euro oder 50.000 oder 70.000 auf dem Konto. Geld, das man dringend brauchen wird, wenn man alt und pflegebedürftig wird. Seinen Notgroschen sieht man nicht so gern durch Inflation wegschmelzen.

Was also tun damit? Für eine  Immobilie reicht es nicht, ein professioneller Anlageberater, lacht einen für die Summe aus, Aktien sind viel zu riskant, um sein gesamtes Erspartes einzusetzen. Viele kaufen sich ein paar Goldmünzen.

Aber erstens werfen sie gar keine Erträge ab und zweitens schwankt der Goldpreis so sehr, daß 20.000 Euro umgewandelt in 350g Gold in ein paar Jahren womöglich  keine 20.000 Euro mehr sind.

Eine Alternative wäre ein Diamant. Da schwankt der Preis nicht so sehr und bei einem seriösen Händler bekommt man alle Zertifikate, Gutachten und Garantien; muss sich also nicht selbst mühsam Knowhow aneignen. Man findet sogar sympathische Verkäufer.

Juwelier CHRIST gehörte bis vor zehn Jahren als Teil der Douglas-AG der Advent International Corporation und wurde später zur Gewinnmaximierung an das Private-Equity-Unternehmen „3i“ verkauft. Das ist ähnlich unsympathisch wie Jeff Bezos oder Elon Musk. Zu denen würde ich mein Geld nicht tragen. Aber man kann zB zu Juwelier WEMPE gehen. Das ist noch ein reines Familienunternehmen mit persönlich haftenden und sozial engagierten Besitzern. Ihre Diamanten werden ausschließlich nach den Regeln des Kimberley-Prozesses gehandelt und individuell gekennzeichnet. 


Echte Diamanten bekommen per Mikro-Laser eine individuelle Gravur als Qualitätssiegel, das nur unter Verwendung eines Mikroskops oder einer Diamantlupe zu sehen ist.

[…] Wenn Sie bei Wempe Diamantschmuck kaufen, können Sie sich bei der Qualität und Herkunft der Edelsteine sicher sein. Alle Diamanten sind konfliktfrei und jedes Schmuckstück wird mit einem Echtheitszertifikat ausgeliefert.

Die Herkunft unserer Diamanten

Sie sind das Highlight vieler unserer Schmuckstücke: Diamanten. So sorgfältig wir bei der Verarbeitung der funkelnden Edelsteine sind, so bewusst sind wir uns auch über unsere Verantwortung, wenn es um ihre Herkunft geht. Wir versichern Ihnen, dass wir ausschließlich natürliche, konfliktfreie Diamanten ein- und verkaufen. Unsere langjährigen Lieferanten gewährleisten uns, dass die edlen Steine aus konfliktfreien Quellen kommen. Diese Garantie finden Sie auch auf jeder Rechnung, die Sie beim Kauf eines Diamantschmuckstücks erhalten.

Ein Diamant ist ein Stein der Superlative: Kein beziehungsweise kaum ein Material ist so hart wie er und selbst der jüngste bislang entdeckte Edelstein dieser Art ist wahrscheinlich über 100 Millionen Jahre alt. Zudem ist der natürliche Vorrat begrenzt – dementsprechend hart umkämpft war einst der Markt und der Handel in den Herkunftsländern, wie Afrika und Südamerika, verlief alles andere als friedlich. Heute gehören solche Konfliktsteine, auch Blutdiamanten genannt, fast komplett der Vergangenheit an: 99,8 Prozent aller natürlichen Diamanten sind entsprechend des Kimberley-Prozesses zertifiziert, bei Wempe sind es 100 Prozent.

Was sind Konfliktdiamanten?

Als Konfliktdiamanten bezeichnet man nach der Definition der Vereinten Nationen "Rohdiamanten […], mit denen Rebellenbewegungen ihre militärischen Aktivitäten finanzieren, so auch Versuche, rechtmäßige Regierungen zu untergraben oder zu stürzen."

(Resolution 55/56; verabschiedet auf der 79. Plenarsitzung am 1. Dezember 2000)

Prominente wie ebenso bestürzende Beispiele für die Auswirkungen der Konfliktdiamanten auf die Entwicklung der Herkunftsländer sind die Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone. Ein Großteil der Kämpfe wurde durch den Handel mit illegal geschürften Diamanten finanziert.  [….]

(Wempe)

Nun mag man wenig Probleme damit haben, einen Diamanten zu kaufen, der aus Afrika, Kanada oder Australien stammt.

Allerdings werden ein Drittel aller Rohdiamanten weltweit in Russland geschürft.

Niemand möchte mit einem Diamanten Wladimir Putins Kassen füllen.

Kauft man Gold, kann man nicht wissen, ob es aus Russland stammt. Gold kann beliebig oft eingeschmolzen werden und ist nicht zurück verfolgbar. Diamanten hingegen sind individuelle Einzelstücke.

In Europa werden sie üblicherweise über die altehrwürdige Diamantenbörse in Antwerpen gehandelt. Dort geht es sehr exklusiv, aber auch sehr persönlich zu. Jeder kennt jeden, Verkäufe werden mit Handschlag besiegelt. Es gibt auch andere Diamantenbörsen, aber:

[….] Am wichtigsten bleibt weiterhin Antwerpen.

Dies sind Handelsplätze, die nur Fachleuten zugänglich sind, die eine Mitgliedschaft dafür besitzen, und wo verschiedene Akteure des Diamantenhandels anzutreffen sind: Diamantenhändler, Makler und Hersteller. Die Börsen sind nicht für Privatpersonen zugänglich. In Antwerpen in Belgien dürfte es über 1 500 Unternehmen geben, die in der Diamantenindustrie tätig sind.

 Diese Unternehmen sind praktisch alle im berühmten Diamantenviertel ansässig, das in der Nähe des Hauptbahnhofs zwischen den Straßen Hoveniersstraat, Schupstraat, Rijfstraat und Pelikaanstraat liegt.

Die wichtigsten Diamanten-Börsen sind:

    Beurs voor Diamanthandel: Antwerpen, Geschliffener Diamant.

    Diamantclub van Antwerpen: Antwerpen, Geschliffener Diamant und Rohdiamant.

    Vrije Diamanthandel: Antwerpen, Geschliffener Diamant und Rohdiamant.

    Antwerpse Diamantkring: Antwerpen, Rohdiamant.

    Diamond Dealers Club: New York, Geschliffener Diamant und Rohdiamant.

    The Israel Diamond Exchange Ltd.: Ramat-Gan, Geschliffener Diamant und Rohdiamant.

Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass dieses Viertel unter besonders strenger Überwachung durch die örtliche Polizei und private Sicherheitsdienste steht. Die Voraussetzungen, um Mitglied einer dieser Börsen zu werden, sind äußerst streng.  [….]

(Diamanten-infos)

Es sind enorme Werte, die dort täglich über die Ladentischchen gehen.

[….] Antwerpen ist einer der ältesten und größten Umschlagplätze für Diamanten in der Welt. Gut 80 Prozent aller Rohdiamanten werden hier gehandelt, dazu die Hälfte aller geschliffenen Steine - ein Milliardengeschäft. "Allein bei uns gehen jeden Tag Steine im Wert von 200 Millionen Dollar rein und raus", sagt Tom Neys, der für das Antwerp World Diamond Centre (AWDC) arbeitet, eines der Handelshäuser an der Hoveniersstraat, das zugleich die politischen Interessen der Branche vertritt.  [….]

(Hubert Wetzel, 21.02.2023)

Wempe hat Zugang zu den Antwerpener Börsen, kauft nur dort ein.

Die schlechte Nachricht ist; Belgien blockiert hartnäckig alle Bemühungen der EU, den Import von russischen Diamanten zu verbieten. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Die gute Nachricht ist: Europäische Käufer wie Wempe wollen auch keine Diamanten aus Russland und daher bricht der Umsatz russischer Rohdiamanten in Antwerpen ohnehin zusammen. Vor drei Jahren stammten noch ein Viertel aller von Belgien eingeführten Diamanten aus Russland; Steine im Wert von knapp zwei Milliarden Euro – direkte Devisen für den russischen Staat. 2022 kamen nur noch zwei Prozent der Antwerpener Diamanten aus Putins Reich. Ein Einbruch um 90%.

Wie schlimm trifft nun Putin dieser Umsatzverlust? Es sind rechnerisch 1,8 Milliarden Euro weniger Einnahmen aus dem Diamantenexport nach Europa. Tut ihm das sehr weh? Die Antwort lautet „Nein“. Denn es sind nur die EU und die  USA, die derartige Skrupel hegen, einen Kriegstreiber wie Putin weiter zu finanzieren.

Zum Putins großem Glück, tragen die afrikanischen Staaten, Indien und China die Sanktionen nicht mit. Diamanten sind knapp, sehr begehrt und sehr teuer. Die anderen Diamantenbörsen nehmen gern das, was Antwerpen verschmäht.

[….] Einen Teil des Russland-Geschäfts hat die Stadt bereits an die konkurrierenden Handelsplätze Dubai und Mumbai verloren. Dort könne man jetzt mit Rubel bezahlen, sagt Neys. Und es braucht nicht viel, um die Steine umzuleiten. Bei keinem Rohstoff ist der Wert derart hoch und zugleich die Menge und der Aufwand beim Transport derart gering. "Um Erdöl zu befördern, sind Pipelines nötig, oder Schiffe, die Milliarden kosten", sagt Neys. "Um Diamanten zu befördern, reicht ein Flugticket." [….]

(Hubert Wetzel, 21.02.2023)


 

Montag, 20. Februar 2023

Die Ost-CDU ist nicht zu retten

Natürlich haben die braunen Maaßen-Fans der Rechtsdeutschen Christenunion Oberwasser, nachdem sie die beiden verhassten, angeblich zu liberalen Bundeschefinnen Merkel und Kramp-Karrenbauer, auf das Abschiebegleis schieben konnten.

Nachfolger Laschet war aus nationalkonservativer Sicht ein Fortschritt, weil er nicht nach Erfurt fuhr, um die Rechtschristen zu bitten, weniger gegen Ausländer und Juden zu polemisieren. Er akzeptierte die Ost-CDUler, die mit der AfD stimmten, das „Nationale mit dem Sozialen zu versöhnen“ trachteten, Verschwörungstheorien streuten und antisemitische Stereotype verbreiteten. Dem frommen Opus-Dei-Witzbold aus Aachen war es Wurscht, wenn seine Partei auf Minderheiten losging. Schließlich hatte er sich schon ausdrücklichen einen Hardcore-Homophoben als engsten Berater in die Staatskanzlei geholt.

Der nächste CDU-Parteichef war ein weiterer konsequenter Schritt nach rechts.

Merz duldet nicht nur die schwarzbraunen Klänge, sondern macht aktiv mit.

Merz begreift noch nicht einmal, welches die drängenden Themen der Welt sind und setzt daher in kleinstmöglicher Kleingeistigkeit auf Ressentiments gegen Minderheiten, wettert xenophob und transphob und homophob daher.

Da fühlen sich die dunkeldeutschen CDUler bestätigt und wollen sich endgültig von den Fesseln der Rechtsstaatlichkeit und des Anstands lösen. Über den vier Jahre zu spät geäußerten Wunsch der Parteiführung, Hans-Georg Maaßen aus der Partei auszuschließend, lachen sie nur.

[….] CDU-Kreisverband fordert Ausschluss von Prien.  Eine Äußerung in der ZDF-Sendung vor knapp eineinhalb Jahren könnte der CDU-Vizevorsitzenden Karin Prien auf die Füße fallen: Ein Kreisverband fordert ihren Parteiausschluss. Zu den 21 Unterzeichnern gehören auch Mitglieder des Kreisverbands Schmalkalden Meiningen (Thüringen), dem Hans Georg Maaßen angehört. [….] Verschickt hat das Schreiben an den Bundesvorstand der Thüringer CDU-Kreisvorsitzende von Hildburghausen, Christopher Other. Er behauptet, die Aussagen Karin Priens seien parteischädigend, und bezieht sich dabei auf das Statut der CDU Deutschlands. [….]

(ZDF, 16.02.2023)

Zum Karneval legten der Ex-CDU-Chef aus Höckestan noch einen drauf, trat im Indianer-Kostüm auf und pöbelte los.

[….] In diesem Jahr bewirbt sich Mike Mohring (51, CDU) zusammen mit der Jungen Union Weimarer Land auf den Shit Storm. Beim Umzug in Apolda (Thüringen) sorgte die CDU mit kontroversen Kostümen und einem Motivwagen für ein Beben. [….] Andere halten die Aktion im besten Falle geschmacklos und vermuten darin sogar einen „rechten Kulturkampf“.  Vielleicht hätte es niemand wirklich mitbekommen, hätte es Mohring nicht am Samstag (18. Februar) auf seinem Facebook-Kanal breitgetreten. Er teilte ein Bild vom Marktplatz, bei dem er zusammen mit Landrätin Christiane Schmidtz-Rose und Thomas Gottweiss (CDU) zu sehen ist. Dass er mit seinem Kostüm dabei provozieren wird, nimmt er offenbar billigend in Kauf. Zuvor nahm er nach eigenen Angaben auf dem Motivwagen der Jungen Union am Umzug teil. Das Motto darauf: „‚Zigeunerschnitzel‘ soll man nicht sagen – mit ‚Gender- Sternchen’ sich dafür rumplagen. Wir pfeifen auf die Sprachpolizei – und fahrn als ‚Indianer’ an Euch vorbei.“ [….]

(Thüringen 24, 20.02.2023)

Nazis zu erfreuen, ist für die Ost-CDU wichtiger, als Rücksicht auf diskriminierte Minderheiten zu nehmen.

[….] Auch die Verwendung des Begriffs »Sprachpolizei« sowie die Attacken gegen eine genderneutrale Sprache sind problematisch, weil sie rechtes Gedankengut widerspiegeln. [….] Mohrings Provokationen ernteten bei den Thüringer Grünen heftige Kritik. »Wann begreifen #Mohring  & Co endlich, dass sie mit derlei Aktionen & rechtem Sprech die rechtspopulistische Stimmung in #Thüringen  nur noch weiter anheizen?«, schrieb die Grünen-Landessprecherin Ann-Sophie Bohm auf Twitter. Mit solchen Aktionen treibe die CDU immer mehr in die Arme der AfD.

Auch ihre Parteikollegin Astrid Rothe-Beinlich kritisierte die Aktion. Sie warf der CDU vor, den »Kulturkampf von rechts« anzufeuern. »Und das leider nicht nur an Karneval«, tweetete die Landtagsabgeordnete .

Die Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss warf der Thüringer CDU Rassismus und Nähe zur AfD vor: »Antiziganistische Hetze, zahlreiche rassistische Übergriffe und die CDU positioniert sich auf Seite des rechten Kulturkampfs. Entsprechende Kommentare aus #AfD -Spektrum bleiben stehen«, schrieb sie ebenfalls auf Twitter. Der niedersächsische Grünenpolitiker Michael Lühmann unterstrich, dass der Post am Vorabend des dritten Jahrestages des rechtsextremistischen und rassistisch motivierten Anschlags von Hanau. »Rassistische Sprache als Politikersatz«, kommentierte Lühmann Mohrings Post . [….]

(SPON, 20.02.2023)


 

Sonntag, 19. Februar 2023

Ukrainischer Braindrain

Eine der erstaunlichsten Zahlen zum Fachkräftemangel, der gerade die deutsche Wirtschaft abwürgt, lautet „2/3“.

Zwei Drittel der Pfleger, die gekündigt haben, mögen den Beruf und würden morgen wieder anfangen, wenn die Träger der Pflegeeinrichtungen – weitüberwiegend Kirchen – nicht so grauenvolle Arbeitsbedingungen böten.

Es ist ein Totalversagen der Arbeitgeber, die ihre Angestellten dazu treiben, in Scharen zu kündigen und damit ihr eigenes Geschäftsmodell abwürgen.

Man nagele mich auf keinen genauen Prozentsatz fest. Die Uni Bremen ermittelte 2021 ein Potential von 170.000 Pflegefachkräften, die wieder einsteigen könnten.  Die gewerkschaftsnahe HBS sieht noch wesentliche größere Zahlen.

[….] Mindestens 300.000 Vollzeit-Pflegekräfte stünden in Deutschland durch Rückkehr in den Beruf oder Aufstockung der Arbeitszeit zusätzlich zur Verfügung – sofern sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege deutlich verbessern. Das ergibt die neue Studie „Ich pflege wieder, wenn…“. Die Untersuchung macht auf Basis einer großen bundesweiten Befragung mehrere Modellrechnungen auf und rechnet das Potenzial für alle aufstockungswilligen Teilzeit-Pflegefachkräfte sowie erstmals auch für Beschäftigte in der Pflege hoch, die ihrem Beruf in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben und sich eine Rückkehr vorstellen können. So ergibt sich ein rechnerisches Potenzial von 300.000 Pflegekräften in Vollzeit bei sehr vorsichtiger Kalkulation, in einem optimistischen Szenario sogar von bis zu 660.000 Vollzeitkräften. Mehr als 80 Prozent dieses Potenzials beruht auf der Rückkehr „ausgestiegener“ Fachkräfte. An der Online-Befragung haben im vergangenen Jahr rund 12.700 „ausgestiegene“ sowie in Teilzeit beschäftigte Pflegekräfte teilgenommen. Die Studie baut auf einer Bremer Pilotstudie auf und ist Ergebnis einer Kooperation der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer im Saarland und des Instituts Arbeit und Technik (IAT), Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen. […]

(Hans Böckler Stiftung, 22.05.2022)

Wenn Friseure, Restaurantchefs oder Logistiker nur so mickrige Löhne bieten, daß selbst für Doppelverdiener keine Wohnungsmiete in der Stadt zu bezahlen ist, muss man von Ausbeutung sprechen. Insbesondere, wenn der Job auch noch so anstrengend ist, daß die Angestellten in Burnout und Verzweiflung getrieben werden. Man darf das nicht über einen Kamm scheren; sicher gibt es auch Betriebe mit kleinen Gewinnmargen, die sich keine Vervielfachung der Lohnkosten leisten können. Aber wenn man die explodierende Gewinne der Großunternehmen betrachtet und die reichsten 10% der Bevölkerung so schnell noch reicher werden, gibt es offensichtlich durchaus die Möglichkeit, seine Mitarbeiter besser zu behandeln.

Die Robert Lindner GmbH („Butter Lindner“) existiert seit 70 Jahren, beschäftigt 800 Mitarbeiter, betreibt 38 Filialen in Hamburg und Berlin an den exklusivsten Lagen. Angela Merkel ist Stammkundin. Lindner ist irrsinnig teuer, aber auch extrem gut. Zum Glück bin ich Single und muss nicht für mehrere Leute einkaufen; also konnte ich ab und zu dort einkehren. Bis Ende 2021 die für mich nächste Filiale zu meinem größten Bedauern für immer schloss. Aus Personalmangel. Selbstverständlich kenne ich die Geschäftszahlen nicht, aber ich habe 22 Jahre beobachtet, daß immer Kunden im Laden waren und abends alles ausverkauft war. Ich spekuliere also, wenn ich sehr skeptisch bin, daß es so einem Unternehmen nicht möglich sein soll, ihren Verkäufern so ein Gehalt zu zahlen, daß sich jemand für den Job finden lässt.

Arbeitskräfte total auszubeuten, mag aus Sicht einiger Arbeitgeber, ein wunderbares Geschäftsmodell sein, um möglichst viel Reibach zu machen. So kann man Milliardengewinne an die Shareholder ausschütten. Den von den Angestellten erwirtschafteten Mehrwert, bekommen also diejenigen, die nicht arbeiten, sondern einfach nur besitzen. Aber das funktioniert nur, so lange es Arbeitsplatzmangel gibt. Plus ein paar Jahre, die es dauert, bis die unterbezahlten Arbeiter bemerken, wie wertvoll sie geworden sind. Wenn sich dieser Erkenntnisprozess, beispielsweise durch eine Pandemie, beschleunigt, stellen die bisher von ihren Chefs angebrüllten Kellner fest, daß sie auch einen viel ruhigeren Job zu viel zivileren Zeiten mit netterem Umgangston und mehr Gehalt bekommen.

Oder zuvor wie Dreck behandelte Angestellte bleiben in ihrer Branche, lassen sich aber, beispielsweise als Freelancer oder über Zeitarbeit, erheblich besser bezahlen.

Die Krankenhausträger – Kirchen und Multimilliardäre wie Asklepios-Betreiber Bernd Broermann – sind sehr schlechte Unternehmer.

Sie tricksen arglistig, um die gesetzlichen Vorgaben zur Mindestbezahlung zu unterbieten.

(….) Der Konzern drückt seinen Pflegern den Hals sogar noch mehr zu, indem er den ohnehin schon völlig überlasteten Pflegern nun auch noch die Krankentransporte innerhalb der riesigen Kliniken aufbürdet.

[….] Die Pflege-Profis bei Asklepios sind in Sorge: Ab Januar sollen die Patiententransporte von Station zu Station nicht mehr von Hilfskräften aus den Dienstleistungsgesellschaften ausgeführt werden, sondern von qualifizierten Pflegeassistenten oder Pflegehelfern. Examinierte Krankenpfleger befürchten, dass die Transporte angesichts des Personalnotstands am Ende auf sie zurückfallen – zu Lasten der Patienten. „Wir wissen nicht, wie das noch zu schaffen sein soll“, erklärt Claudia Nest, Pflegekraft mit mehrjähriger Erfahrung in Notaufnahmen.. „Wie sollen wir dann die Leute noch auf die Stationen transportieren? Oder zu speziellen Untersuchungen?“ [….]

(Mopo, 01.01.2023)

Wie kann auf seine irre und menschenfeindliche Idee, zu Lasten von Krankenschwestern und Patienten kommen?

Die Antwort ist wenig überraschend und beinhaltet mal wieder die Stichworte „Geldgier“ und „CDU-Politiker“.

Jens Spahns „Pflegepersonal-Stärkungsgesetz“ erlaubt es, pflegerische Leistungen in bestimmten Fällen aus der Fallpauschalen-Abrechnung zu nehmen und darüber hinaus von den Krankenkassen, bzw Privatzahlern finanziert zu werden. Aber nur Leistungen der Pfleger. Nicht die der Reinigungskräfte, der Küchenmannschaft oder eben der besonders schlecht von Subunternehmern bezahlten Patiententransporteure. Indem Asklepios all diese Aufgaben nun auch noch den Pflegern aufhalst, kann Broermann mehr abkassieren. Pfleger und Krankenschwestern zahlen die Zeche. (….)

(Gesundheitsgeschäft, 03.01.2023)

Diese Unternehmer behandeln aber nicht nur ihre Mitarbeiter so schlecht, daß sie in Scharen kündigen, sondern drücken sich auch noch um die teure Ausbildung.

[….] 965 der 1.942 Krankenhäuser in Deutschland haben im Jahr 2017 Pflegefach­kräfte ausgebildet. Das sind weniger als 50 Prozent, wie aus der Antwort des Bundes­ge­sundheitsministeriums auf eine schriftliche Anfrage der pflegepolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Bun­destag, Pia Zimmermann, hervorgeht. Die Zahlen stammen aus der Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamts. Dabei wurden an 199 Ausbildungsstätten Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie an 914 Ausbildungsstätten Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet. Die Gesamtzahl der Ausbildungsplätze für diese beiden Berufsgruppen lag bei 80.285. […]

(Ärzteblatt, 12.08.2019)

Schlechte Arbeitsbedingungen, mieses Gehalt und keinen Nachwuchs ausbilden  - die langfristigen Konsequenzen liegen auf der Hand:

[….] Für Deutschland sehen die Zahlen nicht anders aus: Berufe in der Pflege und im Klinikbereich gelten als extrem unattraktiv, der Fachkräftemangel ist hoch. Vor Ausbruch von Corona prognostizierten Experten des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in einem Gutachten ("Fachkräftebedarf im Gesundheits- und Sozialwesen"), dass im Jahr 2030 die Nachfrage nach Fachkräften im Gesundheits- und Sozialwesen mit 4,9 Millionen Vollkräften um 1,3 Millionen Vollkräfte höher liegen wird als das verfügbare Angebot (Worst-Case-Szenario). Nach einer Analyse von PWC fehlen aktuell im Gesundheitswesen annähernd 56.000 Ärzte und gut 140.000 nichtärztliche Fachkräfte, die Personallücke bis 2030 schätzt das Beratungsunternehmen etwas kleiner ein als das Worst-Case-Szenario des RWI, aber immerhin auch auf eine Million.  [….]

(Haufe, 14.04.21)

Im Moment haben die deutschen Arbeitgeber noch Glück. Sie profitieren vom Braindrain der ärmeren Nachbarländer. Sollen doch Griechenland, Spanien oder Portugal die teuren Ausbildungen finanzieren – die Deutschen nehmen dann die fertigen Fachkräfte. Das ist unmoralisch und nicht nachhaltig. Der Braindrain funktioniert allerdings nicht so gut, wie es sein könnte, da die meisten Unternehmer zu doof sind, adäquat für sich zu werben. Sie hängen immer noch dem Irrglauben an, Deutschland wäre für alle anderen Menschen das gelobte Land, so daß die Arbeitswilligen von ganz allein hineinströmen, wenn man nur kurz die Grenze öffnet.

1,1 Millionen Ukrainer hatten allerdings nicht den Luxus, sich in Ruhe zu überlegen, ob sie ihr Land verlassen und wohin es ihnen am liebsten wäre. Sie fliehen um ihr Leben und boosten damit, wieder einmal, die deutsche Ökonomie. Schon 2015 hatte Deutschland wirtschaftlich von den Flüchtlingen profitiert, weil erst mehr Nachfrage und Arbeitsplätze generiert wurden, dann willige Arbeitnehmer auftauchten.

Das wiederholt sich jetzt.

[….] Ukraine-Flüchtlinge entlasten Arbeitsmarkt

[….] Gut ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben aus dem Land Geflüchtete den deutschen Arbeitsmarkt spürbar entlastet. Dies meldet die Bundesagentur für Arbeit.

Schon jetzt seien seit Beginn des Krieges rund 65.000 Ukrainerinnen und Ukrainer mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt als vor Beginn der Invasion, sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg. Zudem seien rund 21.000 Ukrainerinnen und Ukrainer derzeit in Minijobs tätig. Auch das diene der Bekämpfung des Personalmangels in der deutschen Wirtschaft. "Der deutsche Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig", sagte Terzenbach. [….] Es werde erwartet, dass die Zahl der Beschäftigten aus der Ukraine in den nächsten Wochen und Monaten deutlich steige - nämlich dann, wenn die Frauen und Männer die Integrations- und Berufssprachkurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge absolviert hätten. […]

(Tagesschau, 19.02.2023)

Viele Deutsche, CDU, Merz, Wegner, AfD, BILD, CSU und Maaßen sind entweder zu doof, um zu begreifen, wie sehr wir auf Zuwanderung angewiesen sind – oder noch schlimmer; sie hetzen wider besseres Wissens xenophob daher, um wie die CDU in Berlin bei Wahlen zu reüssieren.

Erschreckend viele Deutschen plädieren immer noch für Abschottung.

Mit der Grenzen-dicht-Einstellung outet man sich natürlich als mieser Charakter. Aber man schadet auch der Wirtschaft, schreckt Migranten ab, macht Deutschland damit als Arbeitsland unattraktiver und schadet damit der Ökonomie noch mehr.

Samstag, 18. Februar 2023

Kässi als Krönung

 

Die Spiegel-Redaktion scheint nicht sehr von der Sahra-Sarrazin/AfD/Schwarzer Petition überzeugt zu sein und stellt den beiden transphoben Initiatorinnen garstige Fragen.

Auf Change.org feiern die ehemalige BILD-Kolumnistin und die völkische Linken-Renegatin zwar enorme Erfolge – 535.000 Unterschriften (Stand 18.02.2023) – aber umso klarer ist die Ablehnungsfront in fast allen Redaktionsstuben und der Ampel. Während sich in der Bevölkerung die Befürworter und Gegner von Waffenlieferungen die Waage halten, spielt den beiden Damen der unterschiedliche Enthusiasmus in die Hände.

99% der Deutschen führen nicht gern Krieg. Niemand fühlt sich wohl dabei, Waffen zu liefern. Außer Strack-Zimmermann, Hofreiter und den Rüstungskonzernen würde jeder lieber so eine Situation vermeiden. Wer für die Panzerlieferungen votiert, tut das ungern, aber aus rationalen Überlegungen. So eine Position feiert man nicht voller Begeisterung in der Öffentlichkeit, während man „Ich bin für Verhandlungen und Frieden“ gern laut rausschreit. Jede Zeitung schreibt im Moment über das Thema. Daher wäre es unsinnig, an dieser Stelle, alle Argumente zu wiederholen.

Ganz ausgewogen, verweise ich stellvertretend auf drei Stellungnahmen zu Wagenknecht-Schwarzer:

1.) Pro: Jürgen Habermas „Plädoyer für Verhandlungen

2.) Neutral: Kurt Kister „Zur Diskurslage in Deutschland

3.) Contra: Cornelius Dickmann.

[…..] Der Text gipfelt in dem Satz: „Es ist Zeit, uns zuzuhören!“

Uns! Nicht: den Ukrainern. Ausgerechnet die politische Linke, historischer Garant für berechtigte und notwendige Kritik an der Verordnungsarroganz imperial auftretender Staaten wie USA oder Großbritannien, macht sich kaltes Großmachtdenken zu eigen. Dabei gehört es zum demokratischen Einmaleins, keine Forderungen über von Unrecht betroffene Gruppen hinweg zu stellen. Das ist eine der zentralen Lehren des 20. Jahrhunderts.

Als der britische Premierminister Neville Chamberlain und Frankreichs Premier Édouard Daladier 1938 in München den Diktatoren Hitler und Mussolini zusagten, Deutschland dürfe sich den als Sudetenland bezeichneten Teil der Tschechoslowakei einverleiben, fehlte am Tisch: die Tschechoslowakei. „Über uns, ohne uns“, so fühlte man in Prag. Im fernen London feierte man „Frieden für unsere Zeit“.  […..]

(Tagesspiegel, 11.02.2023)

Die Argumente sind mehr oder weniger redlich, die Unterzeichner mehr oder weniger intelligent.

Aber auf eine Person ist immer Verlass, wenn eine große öffentliche Debatte stattfindet und ein Chronist die dümmste aller möglichen Stellungnahmen aussuchen müßte: Margot Käßmann, die als Lutherbotschafterin jahrelang auf weltweite Werbetour für einen der hasserfülltesten Antisemiten der Weltgeschichte ging, kennt sich aus mit Kriegen und wußte schon den goldenen Ausweg, um Afghanistan in ein friedliches Paradies zu überführen.

„Nichts ist gut in Afghanistan!“ - so lautete der Slogan der Populistin Bizarra Käßmann.

Mit solchen Sprüchen macht man sich natürlich beliebt beim Volk - denn wer würde den Militäreinsatz am Hindukusch nicht lieber heute als morgen beenden?

Eine Menge Afghanistan-Experten und Vertreter von Hilfsorganisationen ärgerten sich gar sehr über die Talkshow-affine Ex-Oberbischöfin.

 Was sie denn stattdessen in Afghanistan tun würde, fragte man sie öffentlich.  Wenig überraschenderweise hatte Käßmann darauf aber keine Antwort und gab nur Allgemeinplätzchen ab. Sie würde mit den Taliban reden und gemeinsam mit ihnen beten.    Schade eigentlich, daß der damalige Superverteidigungsminister Guttenberg zu beschäftigt damit war für Sat1 mit J.B. Kerner eine Modenschau mit seiner Frau als Mannequin in Afghanistan zu inszenieren. Ich hätte es gern gesehen, wenn er Frau Käßmann am Hindukusch entsorgt hätte. Eine Frau in kurzer Bluse mit der Bibel in der Hand wäre sicher gut angekommen bei den Taliban. In Wahrheit ist es wohl eher so, daß Käßmann genauso wenig von Afghanistan versteht wie die meisten Politiker. [….]

(Tammox 08.08.12)

Käßmann bläst ihre Erkenntnisse so ungefiltert in die Welt, weil sie intellektuell gar nicht in der Lage ist, zu erfassen, wie perfide und überheblich sie auf die von den Taliban massakrierten Frauen und Mädchen oder auf die von russischer Artillerie zerfetzten ukrainischen Zivilisten klingt.

Potentieller Wahnsinn liegt in den berühmten Käßmann-Worten vom Fall in Gottes Arme.

Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar."

(Dr. Margot Käßmann, 24. Februar 2010)

Aber ich habe tatsächlich viele Menschen in großem Frieden sterben gesehen, die ihr Leben losgelassen und zurückgelegt haben in Gottes Hand.

(Dr. Margot Käßmann, 03.06.2018)

Ist es Dummheit oder eher doch Borniertheit, die sie so etwas immer wiederholen lässt?  Ich bin jedenfalls beeindruckt davon, wie eine sehr reiche Frau, die mit 60 Jahren ihre üppige 11.000-Euro-Pension genießt, solche Sprüche von sich gibt, während ihr Gott beispielsweise im Jemen 85.000 Kleinkinder unter grauenvollen Umständen elend und langsam an Hunger krepieren ließ.  Aber was soll man schon von einer Bischöfin erwarten, die fünf Jahre als Botschafterin für einen der widerlichsten Antisemiten der Weltgeschichte arbeitete?

(Tiefer fallen, als in Gottes Arme, 22.11.2018)

Den Ukrainern schreibt Deutschlands peinlichste Theologen nun auch, aus der sicheren Wärme Hannovers, ins Stammbuch, sie sollten verhandeln und keine Waffenhilfe aus Deutschland mehr erhalten.

Ganz Kolonialherrin kommt ihr scheinbar gar nicht in den Sinn, daß die angegriffenen Ukrainer womöglich selbst über ihr Schicksal bestimmen möchten. Sie will es ihnen stattdessen vom Westen vorschreiben lassen.

[….] Das Reden vom Sieg der Ukraine bringe keine Perspektiven, sagte die Theologin: "Die westlichen Bündnispartner müssen der Ukraine sagen, was ihre Ziele sind." Es gehe um Fragen, wie lange der Krieg dauern werde oder was das Ende sein solle, an dem dann Verhandlungen beginnen müssten. "Ich sage: Das Ende muss schnellstmöglich kommen." Ein Waffenstillstand sei derzeit das "vordringliche Ziel".[….] Den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill, der den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine als metaphysischen Kampf für das Gute rechtfertigt, nannte Käßmann einen Verräter an christlichen Grundüberzeugungen. Sie sei davon überzeugt, dass sich aus dem Evangelium keine Legitimation für Gewalt ableiten lasse. "Die Kirchen sind immer in die Irre gegangen, wenn sie Waffen gesegnet haben", erklärte die Theologin. […]

(epd, 18.02.2023)

Die Ukrainer haben mit so einer deutschen Bischöfin sicher nichts zu lachen.

Ganz amüsant ist aber ihr Beef mit Kyrill. Immer lustig, wenn zwei Vertreter derselben Lehre, die beide erst 2.000 Jahre nach ihrem Religionsstifter geboren wurden und über rein gar keine seriösen Quellen verfügen, so sicher sind, ganz allein zu wissen, was Jesus wollte und die anderen als „Verräter“, Ketzer oder Häretiker niedermachen. Schade, daß Scheiterhaufen aus der Mode gekommen sind. Und schade, daß Kässi nicht noch mal in ihrer Bibel nachliest, was „das Christum“ von Frauen hält, die überhaupt in der Gemeinde reden.

Freitag, 17. Februar 2023

Überflüssige Studien – Teil XI

Politiker müssen andauernd reden, werden dabei andauernd aufgezeichnet und ebenso sicher, andauernd von einer anonymen social-Media angegriffen. Verständlicherweise entwickeln sie aufgrund dieser Anforderung, die Fähigkeit inhaltsfreie, aber intelligent klingende Satzfetzen immer aufs Neue zu kombinieren. „Wir gehen davon aus, dass…“  „unser gemeinsames Interesse….“  „ein Eckpunkte-Dialog abstecken…“ Dadurch können sie flüssig daher plaudern, ohne etwas zu sagen, auf das man sie festnageln könne.

Angeblich wünschen sich die Deutschen keine Schwafler, sondern „Klartextpolitiker“.

Das ist aber eine große Selbsttäuschung, denn in Wahrheit werden Meister der endlosen und zweckfreien Schwafelei  - Merkel, Kohl – immer wiedergewählt, weil man alles auf sie projizieren kann und sie niemanden Angst machen. Wer den Bürgern reinen Wein einschenkt (Lafontaine 1990), oder ihnen klar sagt, was notwendig ist und wie er konkret Politik betreiben wird (Steinbrück 2013), kommt gar nicht erst ins Kanzleramt. Steinbrücks schnörkellose Art, direkt die Wahrheit auszusprechen, kam nie an.

Wer nichts zu sagen hat, oder nichts sagen will, beginnt Statements gern mit einem Random Zitat.

Der junge Hugo von Hofmannsthal sagte einmal, daß …. Von Oscar Wilde stammt die berühmte Erkenntnis,….laut einer Umfrage, sind x von y Deutschen der Ansicht…. Studien besagen, dass….

All das klingt nach Bildung Redlichkeit. Da hat einer sich selbst zurückgenommen und vertraut auf qualifiziertere Quellen. All das ist aber auch Bullshit, der nur dazu dient, sich um einen klaren Satz oder seine wahren Absichten zu drücken.

Jeder Mensch mit einem Klugtelefon, kann sich in Sekunden ein passendes Zitat aus jedem Zusammenhang reißen. Umfragedaten sind volatil und selbst die seriösen Umfragen ersetzen keine Fakten. Und wissenschaftliche Studien werden entweder nicht gelesen, oder nicht verstanden. Oder sind generell überflüssig.

Drei Tage nach meinem Bericht über meine eigene Führerscheinprüfung, poppen Berichte über die aktuellen Durchfallquoten auf.

[….]  Der Wunsch nach einem Führerschein in Deutschland bleibt bestehen - 2022 wurde sogar ein Vor-Corona-Stand gerissen. Nach Angaben des TÜV-Verbands wurde ein Rekord bei der Zahl der Fahrerlaubnisprüfungen erreicht. Auffällig aber auch: Die Durchfallquoten sind kräftig gestiegen.  Demnach bestanden Fahrwillige im vergangenen Jahr 39 Prozent der theoretischen Prüfungen für alle Fahrerlaubnisklassen nicht - zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, zehn Prozentpunkte mehr als noch 2013. Bei den praktischen Prüfungen für einen normalen Autoführerschein waren es - wie bereits 2021 - 37 Prozent.

Suche nach Gründen für gestiegene Durchfallquote. "Jede nicht bestandene Prüfung belastet die Fahrschülerinnen und Fahrschüler mental und finanziell", sagte Richard Goebelt, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. Noch sind die Gründe für die gestiegene Quote nicht ganz klar - dazu brauche es mehr Untersuchungen. Einer ist aus Sicht der Prüforganisationen der komplexer und dichter werdende Straßenverkehr.  [….]

(BR24, 17.02.2023)

Als Mensch aus dem Prä-Klugtelefon-Zeitalter, kann ich mir schon denken, wieso heutige Teenager sich beim Fahren so dämlich anstellen: Weil sie als Kinder ungefähr 15 Jahre lang vom dem elterlichen Autorücksitz auf ihren Minibildschirm starren. Für meine Generation hingegen, war es üblich, das Verhalten der Eltern am Steuer und den Straßenverkehr genau zu beobachten. Wir wurden mit einbezogen, guckten hinten raus, halfen beim Abschätzen von Lücken zum Spurwechsel, achteten darauf, wann man losfahren durfte. Als man so alt war, endlich vorn zu sitzen, ließ einen die Mutter auch mal schalten oder einen Scheibenwischerhebel bedienen. Die Fahrer-Sicht auf den Stadtverkehr war also seit vielen Jahren eingeübt und vertraut, während das für klein Leon-Noah und Emma-Sophie des Jahrgangs 2005 eine völlig neue Perspektive und ungewohnte Situation ist.

Eine heute ebenfalls durch die News schwappende Metastudie, berichtet von einem wahrgewordenen Traum der Männerwelt: Auf wundersame Weise verlängerte sich der Durchschnittspenis in den letzte Jahren um in Viertel!

Konnte Mann noch vor 30 Jahren durchschnittlich 12 erigierte Zentimeter, bewundern, sind es nach Erkenntnissen der Stanford University in Kalifornien nun, passend zum Dickpick-Zeitalter, bereits 15 cm.

Wie praktisch. Genau mit der ersten Teenager-Generation, die per Dick-Pick das Flirten praktiziert, fangen ihre Schniedel an, kräftig anzuwachsen.

Ähnlich wie bei den Führerschein-Durchfallquoten, erigiert.., ich meine, eruiert man erstaunliche Erklärungen.

[….] Über die Gründe für den Anstieg können die Forscher, allesamt Männer, nur spekulieren. Möglicherweise spiele eine Rolle, dass immer mehr Menschen sitzende Tätigkeiten ausüben. Und auch Umwelteinflüsse haben die Forscher im Blick.  Schadstoffe wie Pestizide könnten sich auf das männliche Hormonsystem auswirken – die Wissenschaft spricht von sogenannten endokrinen Disruptionen, die gehäuft in der Umwelt und in Nahrungsmitteln oder Hygieneprodukten vorkommen.  [….]

(SPON, 17.02.2023)

Vom bloßen Sitzen metamorphorisiert also eine Ringelnatter zur Boa?

Als Mensch aus dem Prä-Klugtelefon-Zeitalter, kann ich mir schon denken, was los ist. Wir haben als Teenager zum Mädchen-Kennenlernen üblicherweise, ganz wie Maher mahnt, mit den Objekten unserer Begierde gesprochen. Und das auch noch in 99,9% der Fälle, völlig angezogen. In Ermangelung von Klugtelefon und Kopulations-Apps, fotografierten wir zwecks Kontaktanbahnung niemals unsere Phalli, so daß dessen genaues Maß auch nicht zum Kriterium dafür wurde, ob jemand mit uns gehen wollte. Der social-Media-Druck, bei der Ausstattung untenrum kräftig zu übertreiben, ist also neu.

Noch eine dritte Tageserkenntnis: Wer nichts weiß, gelangt schneller zu konkreten Überzeugungen:


[…] Zucker und Salz sind schlimme Gifte. Gentechnik ist des Teufels. Und die Corona-Impfung macht alle krank. Man kennt diese Alles-Checker, die immer genau Bescheid wissen. Schließlich geht nichts über gepflegte Vorurteile, mit größter Selbstsicherheit vorgetragen. Gerade in Zeiten, da Menschen ungefragt zu Ernährungs- und Gesundheitsfragen Stellung beziehen, macht es sich gut, den Anschein profunder Sachkenntnis zu vermitteln. Das Problem daran: Je entschiedener Position bezogen wird, desto weniger Ahnung steckt meist dahinter. Inkompetenz und eine unerschütterliche Meinung sind ein unzertrennliches Paar.

Die krude Kombination aus Unkenntnis und breitbeinigem Sendungsbewusstsein findet sich besonders oft bei Fragen zu neuen Technologien und medizinischen Erkenntnissen. Britische Forscher um Cristina Fonseca haben gerade gezeigt, dass Extrempositionen zu Wissenschaftsthemen häufiger von jenen eingenommen werden, die gar nicht verstehen, worum es geht - aber dennoch der Überzeugung sind, den Durchblick zu haben. Im Fachblatt Plos Biology belegen die Wissenschaftler aus England dies am Beispiel gentechnologischer Anwendungen, darunter der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. […]

(Werner Bartens, 17.02.2023)

Donnerstag, 16. Februar 2023

CSU, die Konstante im Wandel der Zeit.

Vieles ist jetzt so merkwürdig, daß in den 1980ern sozialisierte Menschen wie ich, noch heftig schlucken müssen:

Frauen als CDU-Parteichefin, offen schwule CDU-Minister, Parteien, die mit 18%-Wahlergebnis den Regierungschef stellen, ein Grüner Ministerpräsident im tiefschwarzen Baden Württemberg, Grüne bilden lieber Koalitionen mit der CDU, als mit der SPD. Grüne, die am lautesten nach Waffenexporten schreien und AKW-Laufzeiten verlängern. Linke vertreten völkische queerfeindliche Positionen, die prominenteste Linke ist Darling der AfD und Nazi-Blogs, die EMMA hetzt gegen (Trans-)Frauen. Der erzkonservative schwarze Scheriff und ehemalige bayerische Ministerpräsident Beckstein pflegt eine tiefe Freundschaft zu Claudia Roth, ein FDP-Finanzminister bläht den Schuldenstand mit gewaltigen Schattenhaushalten auf, der CSU-Ministerpräsident umarmt Bäume, die kalten Krieger und Falken der US-Republikaner sind Moskau-Fans. Die Demokraten, Partei der Jugend, treten mit einem Ü80-Kandidaten an, der SPIEGEL wirbt für die CDU, schreibt die SPD runter. Die deutschen Autobauer sind technisch international abgehängt, ein Muslim regiert London, ein Hindu regiert Großbritannien, auf dem Thron sitzt ein Mann und die DDR-Ossis sehnen sich wieder nach russische Kontrolle.

 Wer soll sich da noch auskennen?

Da freut man sich über jede alte Gewissheit, wie kinderfi**ende Katholiken, den ewigen letzten Platz der Deutschen beim ESC oder eben die mauschelnde Amigo-CSU, die sich wie eh und je über rechtsstaatliche Regeln hinwegsetzt und ihre Herrschaft in Bayern dazu nutzt, ihren Funktionären die Taschen zu füllen.

Ein immer noch agiles Prachtexemplar dieser debil-raffgierigen Provinzpartei ist Peter Gauweiler, der berüchtigte ehemalige Schwulenjäger von München. Heute, mit 73 Jahren, unterzeichnet der langjährige Vize-CSU-Vorsitzende, Staatsminister und Bundestagsabgeordnete das Putin-freundliche „Manifest“ der Linken Sahra Sarrazin, bleibt aber immer einer der Top-Handaufhalter der deutschen Politik.

[….] Im März 2014 wurde bekannt, dass Gauweiler neben seinem Einkommen für seine Tätigkeit als Abgeordneter pro Jahr mehr als 500.000 Euro für Nebentätigkeiten erhält. Er stand damit mit Abstand an der Spitze der deutschen Abgeordneten. Im Juli 2014 wurde die geschätzte Höhe der Nebeneinkünfte auf mindestens 967.500 Euro beziffert. […]

(Wikipedia)

Allein von dem rechtsradikalen Milliardär Finck kassierte der klagefreundliche Münchner für seine Lobby-Dienste im Bundestag 12 Millionen Euro.  

[….] Der Rechtsanwalt und CSU-Politiker Peter Gauweiler hat während seiner Zeit im Bundestag als Anwalt Beraterhonorare in Höhe von mehr als elf Millionen Euro beim Milliardär August von Finck abgerechnet. Gauweiler schickte von 2008 bis 2015 regelmäßig Rechnungen über ein "vereinbartes Pauschalhonorar" an Finck.  [….]

(Süddeutsche Zeitung, 25.03.2021)

Seine politischen Dienste ließ sich Gauweiler also in Andrea-Tandler-Dimensionen (48 Millionen Euro) vergolden.

Das Schöne ist; anders als CSU-Rentner Beckstein (79), der seine Freundschaft mit einer Grünen pflegt und selbstironisch bei „Reschke Fernsehen“ auftritt, bleibt sich Gauweiler treu.

Er kämpft für korrupte fiese rechte Oligarchen, so wie es sich für die Ur-CSU gehört. Franz Josef Strauß knüpfte engste Verbindungen zu den burischen Rassisten in Südafrika und den faschistischen Terror-Regimen Südamerikas.

Nur natürlich, daß auch Wladimir Putin stets von den CSU-Größen umschmeichelt wurde.


Das Rektum, in welches Gauweiler zur Zeit intensiv strebt, gehört dem sympathischen Tegernseer Alischer Burchanowitsch Usmanow, geboren am 9. September 1953 in Chust, Usbekische SSR, Sowjetunion. Was den Putin-Freund für Gauweiler so interessant macht, ist sein Vermögen, dessen Höhe niemand genau kennt, das mutmaßlich zwischen 15 und 25 Milliarden Dollar beträgt.

Ein Mann nach dem Geschmack eines Christsozialen.

Blöd nur, daß der nette Herr von Tegernsee als einer der engsten Putin-Finanziers schon wenige Tage nach Beginn des Ukrainekrieges mit der …

DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) 2022/336 DES RATES vom 28. Februar 2022

zur Durchführung der Verordnung (EU) Nr. 269/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts von Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine untergraben oder bedrohen.

… mit schweren Sanktionen belegt wurde. Gauweiler is not amused.

[….] Gauweiler kämpft für den Oligarchen vom Tegernsee. Der Ex-CSU-Politiker will als Anwalt erreichen, dass deutsche Behörden vom Milliardär Usmanow ablassen. Der steht als Putin-Vertrauter auf den EU-Sanktionslisten. [….] Die Münchner Anwaltskanzlei Gauweiler & Sauter hat im vergangenen Jahr einen etwas ungewöhnlichen Klienten bekommen. Einen Mandanten, der mitten hinein in die Weltpolitik führt. Und dessen Auftrag an frühere Zeiten erinnert, als die CSU noch gute Beziehungen zum russischen Machthaber Wladimir Putin pflegte.

Bei dem Mandanten handelt es sich um die deutsche Botschaft der Republik Usbekistan. Die Botschaft hat einen Spezialauftrag erteilt. Die Kanzlei Gauweiler & Sauter möge die Botschaft bei der Aufgabe, die Interessen des usbekischen Staatsbürgers Alischer Usmanow in der Bundesrepublik zu schützen, anwaltlich beraten und unterstützen. [….] [….] Usmanows Vermögen in Deutschland ist eingefroren. Dazu zählen auch drei Villen am Tegernsee, die dem Usbeken zugerechnet werden. Gesamtpreis für alle Anwesen zusammen: mehr als 23 Millionen Euro. Außerdem ermitteln die Staatsanwaltschaft München II und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wegen mutmaßlicher Delikte gegen Usmanow. Unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Der Milliardär soll sich jahrelang so oft in Deutschland aufgehalten haben, dass er hier steuerpflichtig gewesen sei und dem Fiskus mehr als eine halbe Milliarde Euro schulde. [….]  Gauweilers Brief zufolge ergibt sich aus den Dokumenten, dass Usmanow in Großbritannien Immobilien für mehr als 200 Millionen Dollar, in Italien für 130 Millionen Dollar und in Frankreich für rund 50 Millionen Dollar zuzurechnen seien. Im Vergleich dazu würden die deutschen Immobilien, unabhängig von ihrer Zuordnung, geradezu untergeordnet erscheinen. Mit der These einer deutschen Steuerpflicht Usmanows sei das nicht vereinbar. [….]

(SZ, 16.02.2023)

Bei Gauweiler und der CSU weiß man noch, woran man ist. Sie setzen sich für die richtigen Menschen ein und nicht für blöde Deutsche ohne Geld, das dumme Klima oder gar Flüchtlinge.