Sonntag, 26. Dezember 2021

Omikron mit zweimal BioNTech im Arm – Teil III

Normalerweise neige ich gar nicht dazu, mich übermäßig aufzuregen und kann gerade besonders schlechte Nachrichten sehr gefasst und rational aufnehmen.

Ich habe in meinem Leben schon sehr viel Wartezeit vor Intensivstationen verbracht, weil ich mehrfach der alleinige Inhaber der Patientenverfügung und Entscheidungsträger war. Wenn es zum Beispiel um die eigenen Eltern geht – und ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu meiner Mutter – ist es natürlich emotional katastrophal von den Intensivmedizinern zu hören, daß es nun aber wirklich dem Ende entgegen geht.  Die Option, die einige Freunde und Verwandte wählten, nämlich mit dem Hinweis, sie wären zu sensibel, der Situation nicht gewachsen, einfach nicht ins Krankenhaus zu kommen, gab es für mich nie.

Sehr oft beobachtete ich in der Situation, wie Angehörige anderer Patienten von den schlechten Nachrichten eines Arztes völlig überrascht wurden, laut losheulten, hysterisch wurden, die Nachricht einfach verneinten oder gar wegliefen.

Anfangs habe ich mich immer gewundert. Denn es nützt ja nicht nur nichts, sich derartig aufzuregen; es ist im Gegenteil schädlich, weil man gerade in so einer Situation rational besonders gut funktionieren sollte, um konzentriert jede Information aufzunehmen.

Später vermutete ich eine andere kulturelle Prägung. Es könnte womöglich psychologisch heilsam sein, wenn man, wie beispielsweise die Wiener, ein riesiges Brimborium um den Tod veranstaltet. Wenn man, wie orientalische Klageweiber, mal ein paar Stunden alles rauslässt, ist man vielleicht anschließend irgendwie befreit. Als Kind habe ich erlebt, wie eine österreichische Bekannte meiner Eltern, sich bei der Beerdigung ihres Mannes, tatsächlich laut kreischend auf den Sarg warf, die Kiste umklammerte und schrie „Verlass mich nicht, mein Heinz!“  Eine halbe Stunde später beim Leichenschmaus konnte sie schon fast wieder lachen.

Inzwischen glaube ich aber, die Unfähigkeit rational mit dem Tod umzugehen, rührt aus der Verdrängung solcher Gedanken. Die meisten Leute beschäftigen sich nicht mit der eigenen Vergänglichkeit, lagern Krankheiten aus, verbannen jede Vorsorge aus ihren Gedanken. Wenn es aber doch auf sie hereinbricht; und es trifft nun einmal jeden; fallen sie aus allen Wolken vor Schreck.

Daher rate ich schon seit vielen Jahren allen Menschen, auch sehr Jungen, alle Vorbereitungen zu treffen. Ich hatte schon Organspenderausweise und einen Beerdigungsvertrag, bevor ich 30 Jahre alt war.

Inzwischen habe ich längst auch alle anderen Dinge geregelt. Patientenverfügung, Generalvollmacht, Pflegevorsorge, Testament. Zu wissen, daß es dabei keine Ungewissheiten gibt, beruhigt ungemein.

Als ich zuletzt operiert wurde, mir ein Pfund Altmetall aus dem Bein geholt wurde, war das natürlich ein Routineeingriff, der nicht ernsthaft Besorgnis erregte.  Dennoch lagen ein bis zwei Stunden Vollnarkose vor mir. Ich hatte eigentlich ganz gute Laune und freute mich das Zeug los zu werden. Nur buchstäblich auf dem allerletzten Meter, als ich schon nackt auf so einem Metalltisch vor dem OP lag und eine 12-Jährige Anästhesisten kam, die es trotz meiner völlig normalen Venen, einfach nicht schaffte eine Zugang zu legen und zunehmend panisch an den absurdesten Stellen meines Körpers rumpiekste, sagte ich noch freundlich „das ist ja schließlich ein Lehrkrankenhaus“, dachte aber im Stillen ‚verdammt, warum muss ausgerechnet ich jemand erwischen, der das zum ersten mal macht?‘. Aber dann dachte ich an meine Sitzungen im Notariat und war einfach nur beruhigt: Ich habe für alles vorgesorgt. Wenn ich nicht mehr aufwache, gibt es keine Unklarheiten. Irgendwann muss ja Schluss sein und wenn es mich jetzt treffen sollte, hätte ich das Glück ohne Schmerzen und langes Siechtum abzureisen. Aber im nächsten Moment kam ich dann schon im Aufwachraum zu mir.

Als mein Corona-AG-Test positiv war, später auch das positive PCR-Ergebnis kam, war ich verblüffenderweise doch etwas geschockt.

Das passt nicht zu mir und ich erkläre es mir damit, daß ich wegen meiner extrem vorsichtigen Lebensweise offensichtlich insgeheim nie wirklich damit gerechnet hatte, mir selbst Covid einzufangen. Dabei deuteten die Symptome schon sehr stark darauf hin.

Vielleicht war der Moment, es schwarz auf weiß zu sehen, auch nicht schockierend genug, mich in meinen superrationalen Krisenmodus runter zu fahren.

„Ich habe Omikron!“ – wie klingt das denn? Daran muss man sich kurz gewöhnen.

Inzwischen habe ich diese psychische Miniklippe aber überwunden. So ist es nun mal. Liest man die Prognosen über das Omikron-Infektionsgeschehen, die katastrophalen Auswirkungen auf die „kritische Infrastruktur“ nach, könnte man daraus fast schließen, Glück zu haben, ganz am Anfang der supersteilen Welle zu reiten, bevor alles zusammengebrochen ist.

Vom Gesundheitsamt habe ich immer noch keinen Pieps gehört, weder die versprochene Email, noch der Anruf, der mich über die Verhaltensmaßnahmen aufklärte, kam.

Aber wie genau „häusliche Quarantäne“ zu verstehen ist, kann man beispielswiese bei der Verbraucherzentrale nachlesen und sich anschließend wieder einmal freuen, allein zu leben.

Quarantäne mit Mitbewohnern, mit denen man sich Bad und/oder Küche teilt, ist viel schlimmer. Schön allein über Weihnachten, verbringe ich die Covid-Krankheit mutmaßlich noch am angenehmsten.

Das soll bitte aber nicht als Plädoyer für eine dieser grotesken bayerischen Leberkäs-Partys verstanden werden. Es macht keinen Spaß und ist schon deutlich mehr als eine fiebrige Erkältung!

Wie heftig meine Symptomatik ohne meine beiden BioNTech-Spritzen wäre, mag ich mir gar nicht ausmalen.

An Tag sechs klingen die Symptome weiter ab; Nase zu, nur noch leichte Kopfschmerzen, Müdigkeit, ständiger trockener Husten, der ganze Schädel brummt etwas.

Und es brummt gleich noch ein bißchen mehr, wenn ich mich wieder der Nachrichtenlage zuwende.

 Die FDP lädt gerade gewaltige Schuld auf sich, indem sie maßgeblich das unnütze Sterben in dieser Pandemie, durch Blockade der Gegenmaßnahmen, anheizt.

[….]  Es ist vor allem die Rücksicht auf die FDP, die die deutsche Coronapolitik schon seit Wochen prägt und hemmt. Das gibt so gut wie jeder aus dem Kreis der Sozialdemokratie und der Grünen zu, [….]  Schon das Ende der »pandemischen Lage von nationaler Tragweite« wurde vor allem auf Drängen der FDP ausgerufen. Inzwischen bereut fast jeder Fachpolitiker diesen Schritt, [….]  Nun, da es notwendig wäre, sich auf die anstehende Omikron-Welle vorzubereiten, reagiert die Ampelregierung träge. Intern hat die FDP-Führung dem Bundeskanzler längst zu verstehen gegeben, dass sie einen weiteren Lockdown unter keinen Umständen mittragen werde. Nur halten viele Wissenschaftler genau diesen für notwendig. [….]  Die Liberalen haben in der Pandemie ihren Maßnahmenskeptizismus zum Markenkern erhoben und damit im Wahlkampf Stimmen geholt. [….]  Unter Gesundheitspolitikern von SPD und Grünen kursiert hinter vorgehaltener Hand bereits ein Witz: Natürlich tut die FDP in der Coronakrise alles, um das Sterben zu verhindern. Nachsatz: vor allem das Kneipensterben. [….]   Im Wahlkampf hatten prominente Liberale noch einen »Freedom Day« gefordert, also das baldige Ende sämtlicher Maßnahmen. Einer der Lautesten war Parteivize Wolfgang Kubicki. »Wir brauchen den Freedom Day so schnell wie möglich, weil die Menschen mittlerweile mental am Ende sind mit den Maßnahmen«, sagte er im September. Inzwischen hat man den Eindruck, vor allem Kubicki ist mental am Ende. [….]  So hat Kubicki, der auch Bundestagsvizepräsident ist, zusammen mit rund 30 anderen liberalen Abgeordneten einen Gruppenantrag dagegen formuliert. »Vielen Impfpflichtbefürwortern scheint es um Rache und Vergeltung zu gehen«, sagte er nun in einem Interview, fast im Verschwörerjargon. Warum die FDP Kubicki nicht einfangen könne, wollte Bayern-Chef Markus Söder in der Ministerpräsidentenkonferenz vom neuen Justizminister Marco Buschmann wissen. Schließlich rede einer der ranghöchsten Männer im Staate wie ein Querdenker. Buschmann wiegelte ab, er sei in der Runde als Minister, nicht als FDP-Vertreter. Wer mit Kubicki ein Problem habe, solle ihn direkt ansprechen. [….] 

(23.12.2021, DER SPIEGEL 52/2021)

Ganz anders als Leerdenker, Aluhüte, BILD und AfD uns weismachen wollen, diktieren eben keineswegs Wissenschaftler den Corona-Kurs der Regierung, sondern die Bundesregierung, die Landesregierungen und die Parlamente bestimmen das allein auf politischer Ebene.

Christian Drosten klärt darüber in seinem ausführlichen Weihnachtsgespräch mit der Süddeutschen Zeitung auf. Auch dafür gebe ich eine ausdrückliche Leseempfehlung, um beim aktuellen Pandemiegeschehen up to date zu sein.

Am Rande geht es aber auch um die Beschaffung von Patientendaten und die Kommunikation mit den Regierenden.

[…] CD: Großbritannien etwa ist uns immer einige Wochen voraus gewesen bei den neuen Varianten. Die dortige Datenwissenschaft lieferte uns entscheidende Informationen. Dafür sollte sich Deutschland irgendwann einmal ganz ausdrücklich bedanken. [….] In England ist nicht nur die Statistik gut entwickelt, jeder Patient lässt sich durch das ganze medizinische System komplett nachverfolgen. Die Verfügbarkeit von anonymisierten Patientendaten für die Datenwissenschaft würde auch bei uns einiges vereinfachen.

SZ: Großbritannien hatte nicht nur gute Daten, sondern auch von Beginn an einen Expertenrat. Trotzdem ist es nicht besser durch die Pandemie gekommen als Deutschland.

CD: Na ja, Johnson versus Merkel - da muss man nicht mehr viel zu sagen. Und auch mit der neuen deutschen Regierung dürfte es nicht schlechter weitergehen. [….]

(SZ-Interview Drosten, 23.12.2021)

Bleibt zu hoffen, daß Drosten den destruktiven Einfluss der FDP nicht fatal unterschätzt. Politik ist nicht sein Fachgebiet.

Aber es ist wie bei einem positiven PCR-Test; man muss es so hinnehmen! Auch die FDP-Beteiligung an der Bundesregierung ist sehr schlecht, aber real und nicht zu ändern.  Jede andere Kanzlermehrheit würde zu CDU-Ministern führen und das wäre noch schlimmer. Während Myriaden Deutsche in Hamburg und anderswo vergeblich zum Boostern Schlange standen, oder wie ich eben nicht mehr rechtzeitig vor der Infektion einen Termin bekamen, weil Herr Spahn zwei Jahre lang vergessen hatte eine Impfstoff-Logistik aufzubauen, zum Beginn der bisher schwersten Corona-Welle, die Vakzin-Lieferungen blockierte, so daß viele impfbereite Ärzte  nur die Hälfte der benötigten BioNTech- und Moderna-Einheiten bekamen, dachte Deutschlands schlimmster Minus-Minister erst mal an sich.

[….] Nach Rationierung: Bundestag erhielt 10.000 Biontech-Dosen[….] Als Bürger kommt man derzeit nur mit Glück an eine Impfung mit dem Biontech-Vakzin. Der Bundestag hingegen boostert ausschließlich mit dem knappen Impfstoff. Ärztevertreter sind empört.  Lange Schlangen vor Impfzentren, kaum freie Impftermine, eine Impfstoffversorgung, die auf Kante genäht ist: Die Booster-Kampagne gerät kurz vor Weihnachten massiv ins Stocken. [….]  Eine Institution muss sich um solche Probleme nicht scheren: Der Bundestag hat sich frühzeitig mit Biontech-Impfstoff eingedeckt und boostert seine Mitarbeiter ausschließlich mit dem begehrten mRNA-Vakzin des Mainzer Biotechnologieunternehmens. [….] Ende Oktober machte die Bundeswehrkrankenhausapotheke Berlin der Parlamentsärztin des Bundestags ein Angebot über 10.000 Biontech-Dosen, so die Bundestagsverwaltung gegenüber t-online. [….]  Alles sei "in Absprache mit dem Bundesgesundheitsministerium" geschehen. [….] Eine Woche zuvor hatte Spahn die Begrenzung der Biontech-Lieferungen angekündigt. Am 19. November schrieb Spahns Staatssekretär Thomas Steffen an die Länder, dass künftig nur noch 30 Biontech-Dosen pro Impfarzt und Woche zur Verfügung stünden. Der Aufschrei in der Ärzteschaft wurde noch lauter, als Spahn seine Begründung hinterherschickte: Zunächst hieß es, man wolle mit der Begrenzung bald verfallende Moderna-Impfdosen retten. Wenig später legte er den eigentlichen Grund offen: die knappen Vorräte an Biontech-Impfstoff. Dass eine Woche nach Spahns Mangelerklärung die Bundeswehrkrankenhausapotheke Berlin 10.000 Dosen des Biontech-Impfstoffs an den Bundestag ausliefert, wirft ein zweifelhaftes Licht auf Spahns Endphase an der Spitze der deutschen Impfkampagne. Für die Bürger wird der begehrte Impfstoff rationiert, aber für sich und seine Parlamentskollegen hat Spahn ausreichend vorgesorgt? [….]

(T-online.de, 24.12.2021)

Man könnte argumentieren, auf die 10.000 Einheiten käme es in einer weltweiten Pandemie auch nicht an.

Aber die politischen Folgen sind fatal, weil Spahns Verhalten Wasser auf die Mühlen derjenigen ist, die mit einem Bein schon im Verschwörer-Lager stehen, oder Demokratie und Politiker generell ablehnen. So müssen hunderte ehrlich arbeitende Abgeordnete nun ungerechterweise für einen Spahn haften.

Der wütende Mob, der „die da oben“ beschuldigt und „Haut ab“-grölend mit Fackeln zu den Privatwohnungen von Ministern zieht, hat wieder mehr Munition.

Inzwischen hätte ich nach acht Tagen doch mal Lust etwas Warmes zu essen. Ich habe sogar Lebensmittel im Kühlschrank, auf die ich Appetit hätte. Zum Beispiel wunderbare frische Flower Sprouts von Hamburger Bauern. Die gibt es nur zu dieser Jahreszeit und sind eine absolute Delikatesse.

Aber da ich leider keine Domestiken, wie zum Beispiel einen Privatkoch habe, müsste ich schon selbst in die Küche gehen, um die Dinger zu putzen und blanchieren. Dazu bin ich aber noch zu omikronig-lustlos und bleibe erst mal bei einer weiteren Tüte WASA-Paprika-Cracker.

Flower Sprouts sind übrigens im Kühlschrank recht gut haltbar. Die kann ich noch in ein paar Tagen zubereiten.

Samstag, 25. Dezember 2021

Omikron mit zweimal BioNTech im Arm – Teil II

An erster Stelle bedanke ich mich für die Tipps und Ratschläge und guten Wünsche, die ich nach meinem Bericht von gestern bekommen habe.

Mein Eindruck, daß sich die Krankheitssymptome von Omikron und Delta signifikant unterscheiden, manifestiert sich weiter.

Die Medizinredakteurin „Die m. d. Text zickt“ twittert:

[….]  Das Miese an #Omikron ist übrigens die Abwesenheit gelernter Symptome. Geschmacksverlust tritt z.B. quasi nie auf!

Achtet stattdessen auf

- Nachtschweiß (!)

- extreme Müdigkeit

- Halskratzen

- Gliederschmerzen (v.a. im unteren Rücken)

- Schnupfen/Niesen

- Kopfschmerzen [….]

(Textzicke, 23.12.2021)

Meine drei großen Symptome sind

·        Enorme, andauernde Kopfschmerzen.

·        Nase entweder vollständig verstopft oder laufend.

·        Ständiger Hustenreiz, Krampfhusten.

Ich bestätige also drei von sechs. Nachtschweiß war nur zweimal leicht der Fall, als ich allerdings auch mit Fieber um die 39° aufwachte. Das Fieber ging aber jeweils schnell wieder runter. Generell habe ich ein schlechteres Gefühl für meine Körpertemperatur als üblich. Von den ersten 39,1° war ich vollkommen überrascht, hatte höchstens leicht erhöhte Temperatur erwartet. Mehrfach dachte ich auch, einen heftigen Fieberschub zu haben und maß doch nur 37°.

Da ich mich noch vage an meine Pharmakokinetik-Vorlesung im Studium erinnere, meine ich bei üblichen Schmerzmitteln und Fiebersenkern möglichst den therapeutisch wirksamen Konzentrationsbereich halten zu müssen. Also keine Kombi-Präparate, bei denen die einzelnen Wirkstoffe zu niedrig dosiert sind, nicht zu viele Pillen auf einmal, keine zu großen Pausen zwischen den Einnahmen, da der Konzentrationspegel im Blut sonst immer unter den minimal therapeutischen Bereich sinkt.

Meine persönlichen Erkältungserfahrungswerte der letzten 30 Jahre besagen: Auf Acetylsalicylsäure (ASS) konzentrieren, Ibuprofen und Paracetamol weglassen, immer 1000 mg als Einzeldosis und bei heftigen Beschwerden viermal am Tag 1g; immer gleich mit einer Gelomyrtol Forte zusammen, um die Nase frei zu bekommen und Sputum zu lösen.

Überraschenderweise zeigte ASS bei meinen brummenden Omikron-Kopfschmerzen, die insbesondere im Stirnbereich und an den Ohren sitzen und sich wie ein heftiger Überdruck anfühlen, gar keinen Effekt.

Ibuprofen aber schon. Vier Tage habe das Mittel klar über die empfohlene Tagesdosis eingeworfen, fühlte aber auch immer anschließend eine Erleichterung. Heute, Tag 5, nach den ersten deutlichen Symptomen, klingen die Beschwerden erstmals etwas ab und ich kam bisher mit 400 mg Ibuprofen aus.

Offiziell weiß ich noch nicht, ob ich Delta oder Omikron habe, sondern kann nur mein positives Corona-PCR-Test-Ergebnis auf der Befundliste einsehen.

Das sieht heute beispielsweise so aus:

(Laborergebnisse vom 25.12.2021)

Der herkömmliche "Real-time Reverse Transkriptase Polymerase-Kettenreaktion"-Test (PCR) erkennt auch die Omikron-Mutante sicher als Sars-CoV2. Es muss aber anschließend eine Sequenzierung durchgeführt werden, um die Mutante zu bestimmen.

Modifizierte PCR-Tests können aber anhand spezifisch ausgetauschter Aminosäuren am S-Protein auch ohne umständliche Sequenzierung die Mutante bestimmen. Ich weiß aber nicht, welche PCR-Tests das Hamburger Labor, das meine Probe untersuchte, verwendet.

Einen Kontakt zum Gesundheitsamt oder einem Arzt gab es bisher noch nicht. Offenbar herrscht dort noch Chaos.

Die Laborseite der 116117 bittet inständig darum, nicht dort anzurufen.

Also verhalte ich mich gemäß der dort aufgeschriebenen Spiegelstriche:

[….]   Ihr Testergebnis ist positiv

    Bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie, soweit es geht, soziale Kontakte.

    Das Labor informiert das zuständige Gesundheitsamt, das sich bei positiven Befunden mit Ihnen in Verbindung setzt und ruft Sie an.

    Das Gesundheitsamt wird sich telefonisch bei Ihnen melden und Ihren Gesundheitszustand erfragen. Sie bekommen auch Hinweise, wie Sie sich verhalten sollen.

    Bei anhaltenden oder sich verstärkenden Krankheitssymptomen können Sie sich auch an die 116 117 oder an Ihren Hausarzt für eine ärztliche Beratung wenden. Bei keinen oder milden Symptomen sehen Sie bitte von einem Anruf des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116 117) ab, um die Leitung für ambulante Notfälle freizuhalten.

    Wenn sich ihr Gesundheitszustand stark verschlechtert, rufen Sie den Rettungsdienst 112.   [….]

(Laborseite der 116117)

Die letzte Woche hatte ich eher aus Faulheit, denn Unfähigkeit nur kalt gegessen. Der Appetit ist ohnehin eingeschränkt. Bananen, Weintrauben, WASA-Cracker, alles, das Fingerfood-tauglich ist.  Krümelige Konsistenz ist wegen des andauernden Hustenreizes sehr unangenehm.

Am allerliebsten gieße ich kochendes Wasser mit einem Löffel Knorr-Delikatessbrühe in eine große Tasse.  Das schmeckt, rutscht, wärmt, beruhigt den Hals.

Nur der arme Karl Lauterbach tut mir Leid; die fortwährenden konzentrierten heißen Salz-Schübe in meinen Organismus, müssen für den strikt Salzlos lebenden Mann das pure Grauen sein.

Morgen mehr.

Freitag, 24. Dezember 2021

Omikron mit zweimal BioNTech im Arm.

Cyberchondrie ist eine üble Sache; ich rate immer dringend davon ab, Symptome zu googlen und sich selbst zu diagnostizieren.

Obwohl ich mich schon so viel mit dem epidemiologischen und politischen Aspekten des Pandemiebeschäftigt habe, war mir aber nicht ganz klar, welchen Impfdurchbruch-Krankheitsverlauf ich nach meiner Corona-Infektion zu erwarten habe.

Da ich meinem Grundprinzip, nur Freitagsabends oder an Feiertagen krank zu werden, treu blieb, erwischte mich der positive AG-Test am 23.12.2021 um 22.00 Uhr. Das heißt natürlich, erst mal für einige Tage keinen niedergelassenen Arzt erreichen zu können, geschlossene Apotheken und total überlaufene Notaufnahmen, weil sich so viele Betrunkene während des Zwangszusammenseins am „Fest der Liebe“ gegenseitig verletzten und verprügeln.

Also doch Dr. Google. Aber so viele Erfahrungsberichte konnte ich zu Omikron in Deutschland noch nicht finden. Spontan fiel mir nur CDU-Zerstörer Rezo ein, der von seinem Impfdurchbruch berichtete.

[….] Als sein geplanter Livestream am vergangenen Donnerstag ausfiel, dürfte sich so mancher Follower des Youtubers Rezo gewundert haben. Drei Tage lang mussten sie auf eine Erklärung warten. Am Sonntag dann, kurz vor dem nächsten geplanten Livestream, erklärte Rezo dann via Instagram: Er habe sich mit dem Coronavirus infiziert. „Keine Sorge: Mit geht's eigentlich wieder ein ganzes Stück besser“, teilte er mit. „Ich war in meinem erwachsenen Leben noch nie so krank gewesen und bin froh, dass ich geimpft bin.“ Rezo geht davon aus, dass die Infektion ihn deutlich stärker getroffen hätte, wäre er nicht geimpft. Nun will er sich noch einige Tage schonen.  [….]

(Tagesspiegel, 08.11.2021)

Twitterin Frau Lindhold beschreibt in einem Thread vom 21.12.2021 ihre Erfahrungen als Single mit Covid19 und gibt Tipps.

In meinem Bekanntenkreis häufen sich die Omicron-Fälle und wer weiß, vielleicht hilft das hier irgendjemandem. Alsooo... Dinge, die ich vor meiner Coronaerkrankung gerne gewusst hätte, ein Thread:  [….] 1. Überall kursieren tausend Horrorgeschichten über schwere Verläufe, und ich weiß, die sollen Leute zur Vorsicht bewegen, aber in dem Moment, in dem man mit positivem Test allein zu Hause sitzt, hat man die alle plötzlich seeehr präsent und Ruhe bewahren ist nicht leicht. [….]

(Frau Lindhold @Symposiarchin 21.12.2021)

Danke an Frau Lindhold, aber da die Sache mit Omikron wieder ein bißchen anders aussieht und ich offenbar auch zu einer anderen Alterskohorte gehöre, habe ich mich entgegen meines ersten Impulses, nicht über persönliche Wehwehchen zu schreiben, doch dazu entschlossen, meine Krankheitsstory etwas auszubreiten.

Lindhold schreibt beispielsweise über ihren Geschmackssinnverlust „Das liest man nirgendwo aber ist voll das Ding: wenn ihr wie ich Comfort Food als Copingmechanismus habt, sucht euch was anderes!“

Bei diesem Rezo-Denglisch muss ich selbst als Amerikaner erst mal überlegen, was die junge Frau damit bloß meint. Offensichtlich geht es um so eine Art „Frustfressen“, also Schokolade, um die Misere zu kompensieren. Für mich sind weder die Sprache, noch die Begeisterung für Süßes nachvollziehbar. Außerdem scheint bei Omikron der Geschmackssinn gar nicht beeinträchtigt zu sein.

Bei einem anderen Lindhold-Tipp musste ich erst den einzigen U30-Menschen meines Bekanntenkreises fragen, was das überhaupt ist:

[….] Haltet unbedingt Kontakt zur Außenwelt. Dafür ist es egal, ob die Leute weit weg wohnen oder nicht, Hauptsache ihr könnt täglich mit jemanden schreiben/reden. Discord-Server sind ein Segen. Macht das auch, wenn ihr euch eigentlich zu müde fühlt. Mir hat bei aller Panik extrem geholfen, dass ich wusste, wenn es wirklich so schlimm wird, dass ich mich nicht mehr melden kann, merken Leute das schnell. Wenn man zwei Wochen völlig isoliert ist, gibt das eine unglaubliche Sicherheit.  [….]

(Frau Lindhold, 21.12.2021)

Discord-Server? Nachdem ich mir erklären lassen habe, was das ist, also irgendeine App mit Sprachnachrichten, die irgendwie zu Themen gebündelt sind (?), war sofort klar, daß es sich dabei um ein Tool für die digital natives handelt, die davon abhängig sind, unablässig zu kommunizieren und sich selbst in Bild und Ton mitzuteilen. Das trifft auf mich Ü50 natürlich überhaupt nicht zu. Im Gegenteil, ein Discord-Server ist eine Horrorvorstellung. Insbesondere, wenn ich krank bin, will ich meine Ruhe haben. Die Zwangsisolation ist das einzig Gute an der Covid-Erkrankung. Daher nun ein paar persönliche Eindrücke.

To whom it may concern.  Es werden sich in den nächsten Wochen mutmaßlich noch Millionen mit Omikron infizieren, daher könnte es vielleicht einige interessieren „wie das so ist“.

Wichtig:

Das Folgende schreibe ich weitgehend auf meinen persönlichen Erfahrungen basierend. Symptombeschreibungen und Therapien können nicht verallgemeinert werden. Was mir hilft oder nicht hilft, kann bei dem nächsten ganz anders wirken. Ich bin kein Arzt und werde keinem Mediziner dazwischen funken.

Wer nach bald zwei Jahren Pandemie als Single in einem Haushalt mit nur einer Rolle Klopapier, einer halben Tube Zahnpasta und keinerlei Lebensmittelvorrat lebt, bekommt ein Problem.

Natürlich braucht man die genannten Drogerieartikel (Taschentücher!) und haltbare Lebensmittel in solchen Mengen, daß man auch mal zwei oder drei Wochen ohne neuen Einkauf auskommen kann.

In Großstädten gibt es natürlich Lieferservice, aber selbst das kann bei einer Feiertagsballung wie über Weihnachten schwierig werden. Ich habe einige Bestellungen am 22.12. aufgegeben und da gab es keine Termine mehr vor dem 27.12. Darüber hinaus empfehle ich folgende Dinge im Haus zu haben:

Digitales Fieberthermometer, Pulsoxymeter, reichlich Sterillium, Corona-AG-Tests, die üblichen Schmerz/Fiebermittel (Ibuprofen, Paracetamol, ASS), abschwellendes Xylometazolin-Nasenspray, Husten/Schleimlöser (zB Gelomyrtol forte), Hustensäfte/Hustenbonbons, eine ganze Kollektion von Vitamin-Brausetabletten, Instant-Brühe (zB Knorr Delikatessbrühe) und ein Halsdesinfektionsmittel (zB Dequonal-Spray).

Außerdem muss die berüchtigte Krankenhaustasche gepackt sein, die jeder Single immer an der Tür stehen haben sollte, von der er weiß, daß sie da sein muss und die er doch nicht vorbereitet.

Wie ich mich infizierte, bleibt aufgrund meiner extremen Vorsichtigkeit ein Rätsel. Omikron kann das offensichtlich schaffen.

Nach sehr heftigen Erkältungssymptomen und streckenweise hohem Fieber, waren meine Antigen-Selbsttests am 21.12. und 22.12. jeweils negativ. Am 22.12. war ich daher sogar noch selbst kurz einkaufen. Das Fieber war wieder weg, so daß ich als zweifach Geimpfter mit negativem AG-Test verantworten konnte mit FFP-Maske und Abstand einen Laden zu betreten. Die Beschwerden ließen aber gar nicht nach. Ich hatte enorme Kopfschmerzen und einen extrem nervigen Krampfhusten. Das Pulsoxymeter zeigt aber eine gute Sauerstoffsättigung um die 98%. Bei der Alpha- und Delta-Variante ist die zunächst unbemerkte schlechte Sauerstoffsättigung von unter 90% charakteristisch. Dennoch machte ich am 23.12. einen weiteren AG-Test, der auf einmal positiv war.

Für mein Gefühl, ist bisher allgemein nicht ausreichend kommuniziert, was man dann eigentlich zu tun hat. Niemand kann kontrollieren, wie sich derjenige verhält, der möglicherweise mit milden Symptomen allein zu Hause im stillen Kämmerlein einen positiven Selbsttest fabriziert und nicht gewillt ist sich ab sofort zu isolieren.

So ist der weitere Ablauf:
Nach dem positiven AG-Test muss man sich bereits selbst isolieren und den extrem genauen PCR-Test veranlassen, um ein falsch-positives AG-Ergebnis auszuschließen.

Über den allgemeinen Patientenservice 116117 wurde mir ein Termin fünf Tage später offeriert, den ich aus den genannten Gründen ablehnte.

Meine Symptome waren so extrem und ich so offensichtlich ansteckend, daß ich in keinen Warteräumen rumsitzen wollte.

Als bat ich telefonisch unter 116117 um einen Besuch des ambulanten Dienstes der Kassenärztlichen Vereinigung (KV-Dienst). Das ist die allgemeine Anlaufstelle, auch wenn man wie ich, nicht kassenärztlich versichert ist.

Die Dame vom Amt erklärte mir, der Besuch bei mir erfolge in 24 bis 36 Stunden; ich würde aber unmittelbar vor der Ankunft vom Team angerufen werden, solle also das Telefon immer griffbereit haben.

Da war es 22.00 Uhr am 23.12.; ich rechnete also mit einem Besuch in der Nacht auf den ersten Weihnachtstag, duschte sofort und erstellte schon einmal ein sehr detailliertes Kontaktprofil meiner letzten 14 Tage, informierte diejenigen, die ich in den letzten Tagen begegnet war.

Überraschenderweise klingelte es aber schon um kurz nach 5.00 Uhr morgens am 24.12., „KV-Dienst hier, legen Sie bitte ihre Krankenkassenkarte bereit“.

Da standen die Jungs aber schon vor der Tür; man hat nicht etwa Zeit, sich noch repräsentabel zu machen.

Ein Mitarbeiter kam in meine Wohnung, zog sich einen Kittel über und machte einen Rachenabstrich. Meine Kontaktliste interessierte ihn überhaupt nicht. Nicht sein Zuständigkeitsbereich. Das Procedere sei, das Labor informiert das Gesundheitsamt automatisch bei einem positiven PCR-Ergebnis und dann rufe das Gesundheitsamt mich an. Aber nur dann. Negative Ergebnisse würden per Email übermittelt. Ich solle in Quarantäne bleiben bis ich etwas höre, Ibuprofen nehmen und viel Wasser trinken.

Außerdem erhielt ich einen QR-Code für die Corona-Warn-App, die aber auf meinem minderwertigen Klugtelefon ohnehin nicht läuft und eine Code-Nummer, mit der ich auch direkt die Ergebnisse auf der Website des Labors nachsehen könne.

Ein Anruf kam nicht, eine Email kam auch nicht, der QR-Code funktioniert nicht.

Um 19.30 Uhr erschienen dann neue Testergebnisse online.
Meine Nummer ist dabei: Positiv.

Morgen geht es weiter.

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Willkommen Omikron

Ausnahmsweise mal wieder was in eigener Sache:

Blöderweise hatte ich gerade einen positiven Covid19-Antigentest. Das ist insofern bedauerlich, weil ich mich wirklich mies fühle. Es ist wie eine schwere Grippe.

Andererseits kann ich natürlich froh sein doppelt geimpft zu sein; das wird mutmaßlich den Verlauf abmildern und hält meine Sauerstoffsättigung aufrecht.

Mein Booster-Termin ist am 31.12.. Schade, den werde ich mutmaßlich absagen müssen.

Da ich sowohl Sozialphobiker, als auch „Corona-Woke“ bin, verhalte ich mich immer extrem vorsichtig, setzte schon in der Wohnung die FFP-Maske auf, bevor ich raus gehen, fasse keine Türklinke mit bloßen Händen an, halte penibel Abstand und bade meine Hände dauernd in Sterillium. Private Treffen, essen gehen, Kino, Theater, Disco, Fußballstadion oder Gyms sind für mich ohnehin Tabu.

Auch in diesem Blog hatte ich mich schon über die unvorsichtigen Hanseatischen Mitbürger beklagt, die ich meide, wie der Teufel das Weihwasser.

(…..)  Hamburger, die dicht gedrängt wie Ölsardinen den ganzen Abend ohne Masken zusammen am Mühlenkamp in Hamburg-Winterhude Glühwein saufen, sind zwar weniger aggressiv und unangenehm, als die Fackel-Spazierer im sächsischen  Freital oder dem thüringischen Hildburghausen, aber unter Infektions-Gesichtspunkten genauso verblödet. (……)
(Was ist bloß in Hamburg los?, 19.12.2021)

Daß es mich nun trotzdem erwischt hat, zeigt wieder einmal wie verlässlich die Prognosen der Modellierer und Epidemiologen eintreten. Omikron ist so ansteckend, daß es jeden erwischen wird, der nicht völlig isoliert ist.

[….] Nach Einschätzung des Bonner Virologen Hendrik Streeck sollte sich jeder Bürger darauf vorbereiten, in seinem Leben mal positiv auf das Coronavirus getestet zu werden. „Wir müssen uns - so glaube ich - damit abfinden, dass jeder in Deutschland mit dem Virus in den nächsten Jahren immer mal wieder in Kontakt kommen wird“, sagte Streeck der Deutschen Presse-Agentur: „Allerdings sollten Infektionen, die bei Geimpften, Genesenen und gerade in den Sommermonaten auftreten, keine großen Probleme bereiten.“ Auch wenn man nicht jeden schweren Verlauf verhindern könne, sagte Streeck. [….]

(Merkur, 23.12.2021)

Da Omikron sich von Dänemark aus verbreitet, bin ich in Hamburg aufgrund der geographischen Lage und des Weihnachts-Reiseverkehrs natürlich prädestiniert, mir eine Sars-CoV-II einzufangen.

[….] Neue RKI-Daten zeigen: Hamburg ist größter Omikron-Hotspot! Die als besorgniserregend eingestufte Corona-Mutation Omikron verbreitet sich immer stärker in Deutschland. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete von Mittwoch auf Donnerstag 810 weitere Fälle der Variante, die Gesamtzahl liegt bei 3198. Am stärksten ist Omikron laut RKI eindeutig in Hamburg verbreitet.

458 Fälle gibt es demnach bislang in der Hansestadt. Der Großteil, 403 Infektionen, wurde durch eine variantenspezifische PCR-Testung ermittelt, muss aber noch durch eine Sequenzierung bestätigt werden (sog. „Verdachtsfälle“). Bei 55 Hamburger Fällen ist dieser Nachweis bereits erfolgt.

Mit 458 liegt Hamburg bundesweit auf Rang drei, hinter Nordrhein-Westfalen (1108 Fälle) und Bayern (595). Setzt man die Omikron-Infektionen aber ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, ist die Hansestadt klarer Spitzenreiter: In Hamburg entfallen auf 100.000 Einwohner 24,1 Omikron-Fälle, im bundesweiten Durchschnitt sind es nur 3,84. Bremen kommt auf 9,3 Omikron-Fälle pro 100.000 Einwohner, NRW auf 6,2; Bayern auf 4,5. [….]

(MoPo, 23.12.2021)

Den Krankheitsverlauf lasse ich jetzt stoisch über mich ergehen. In den nächsten 36 Stunden bekomme ich Besuch vom Gesundheitsamt, die einen PCR-Test durchführen werden und ggf. weitere Maßnahmen einleiten werden.

Der nächste verfügbare ambulante PCR-Termin wäre erst in vier bis fünf Tagen verfügbar gewesen; in einer Gegend, in der man so gut wie gar nicht parken kann. Ich muss aber allein mit dem Auto fahren, da ich mit Vollbild Corona natürlich nicht zu einem Taxifahrer, oder gar in einen Bus steigen könnte. Sehr weit von der Praxis entfernt zu parken, wollte ich aber nicht riskieren, weil ich nicht gut genug in Form bin, um lange zu Fuß zu gehen.  Daher habe ich das Gesundheitsamt zu mir bestellt und bin sehr froh über die noch funktionierende kritische Infrastruktur.

Das könnte sich aber recht bald ändern, weil es immer noch auf politischer Ebene von Bremsern wimmelt.

Karl Lauterbach, die neue Nummer Drei des Politiker-Beliebtheitsrankings, betont in diesen Tagen richtigerweise, daß nicht „die Wissenschaftler“, sondern die Politik über die Corona-Maßnahmen entscheidet.

Leider gibt es da die bremsende FDP in der Bundesregierung, die Feiglinge in der Ministerpräsidentenkonferenz, die sich nicht trauen, ihren Landeskindern schlechte Nachrichten zu überbringen und zu allem Übel den Wirtschaftslobbyisten Friedrich Merz.

Ein Mitglied der Merz-Partei, der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Mecklenburg-Vorpommerns Sascha Ott, gibt dabei ein besonders erbärmliches Bild ab, indem er die Covidioten und Impfgegner, die uns diese Vierte Welle durch die viel zu niedrige Impfquote überhaupt erst beschert haben, ausdrücklich lobt.

[….] Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landesvize Sascha Ott hat sich mit den Protesten gegen die Coronamaßnahmen solidarisiert [….].  »Ich bin dankbar, dass sich die Mitte der Gesellschaft erhebt und auf die Straße geht«, heißt es laut der Nachrichtenagentur dpa in einer am Donnerstag verbreiteten Mitteilung Otts. Unter dem Deckmantel der Pandemie werde die Freiheit dauerhaft beschnitten und in Berlin ein »Neues Deutschland« aus der Taufe gehoben. »Lassen wir diesen Augenblick also nicht ungenutzt! – ›Wir schaffen das‹ – aber nur in Freiheit!«, schrieb Ott. [….] Bei Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen hatte es zuletzt immer wieder Ausschreitungen gegeben, die Proteste sind vielerorts von Verschwörungsanhängern und Rechtsextremen unterwandert, mehrmals wurden Polizisten verletzt. [….] Ott ist Sprecher des Konservativen Kreises der CDU Mecklenburg-Vorpommerns. [….]

(SPON, 23.12.2021)

Ministerpräsidenten Manuela Schwesig tat offensichtlich das einzig Richtige, als sie nach der Landtagswahl vom 26.09.2021 den bisherigen rechtskonservativen Amthor-Ott-Koalitionspartner CDU in die Opposition verbannte und sich für eine rotrote Landesregierung entschied.

Die Spahn-Scheuer-Laschet-Söder-Merz-Ott-Union muss unbedingt von sämtlichen Regierungsbänken ferngehalten werden.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Nazi-Tiefenpsychologie.

Wenn einer wie Friedrich Merz, auf die „Ehe für alle“ angesprochen, sofort Sex mit Kindern assoziiert, sind natürlich nicht Schwule das Problem, sondern es offenbaren sich abstoßende Abgründe im Charakter des CDU-Vorsitzenden.

Spätestens durch Kreuznet lernte ich, daß bei der Kombination aus „konservativ“ und „religiös“ mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Sexualneurose vorliegt.

(…..) Als Beispiel dafür kann das ewige Mega-Faszinosum „Analverkehr“ für die täglich von Millionen Menschen angeklickte katholische Website „Kreuz.net“, 2004-2012. Jeden Tag kreisten neue „Artikel“ mit kreativen Neologismen um die Sexualpraktiken schwuler Männer im Bett.  Sie wurden in drastischer Anspielung auf die anale Penetration „Kotstecher, Gomorrhisten, Sodomisten, Schokostecher, Widernatürliche, Homoperverse, Praktizierende von Brechreizturnübungen, Bundestagsschwuchtel, Verwender von Gummi-Isolatoren, Homoverrückte“ und vieles andere mehr genannt.

Es war für jeden Leser sofort offensichtlich, daß die Dunkelkatholiken aus dem Umkreis der FSSPX, süddeutschen und österreichischen Diözesen an nichts anderes, als Penisse, die in Mastdärmen stecken denken konnten.

Warum?  Wieso sollte das für heterosexuelle Männer, oder gar Zölibatäre von Interesse sein? Weshalb sprachen sie nie über die tausend weiteren Sexualpraktiken, die sie ebenfalls nicht selbst durchführen?

Eigentlich halte ich es für eine positive Form der Zuwendung und aufmerksames Interesse an den Mitmenschen, wenn man bei Gelegenheit auch mal nachfragt wie sexuelle Vorlieben funktionieren. Übermäßige Verklemmtheit ist kein Wert an sich.

Aber wer über neun Jahre mit erheblichen publizistischem Aufwand, ein Millionenpublikum unterhaltend jeden Tag aufs Neue den Analverkehr thematisiert, sich fasziniert in fäkalen Konnotationen über Schließmuskelstörungen ergeht, handelt es sich eindeutig nicht mehr um ein übliches Grundinteresse an den Mitmenschen, sondern um eine schwere psychische Störung. Die banalste Erklärung; es handele sich dabei in Wahrheit um verdrängte eigene Homosexualität, den unterdrückten und daher überkompensierten Wunsch selbst Analverkehr zu betreiben ist so naheliegend wie vermutlich richtig. (….)

(Manische Abneigungen, 04.05.2020)

Der Kammerherr des Papstes, Enrico Sini Luzi, ist 1998 in einer Vatikanwohnung bei schwulen SM-Spielchen umgekommen.
Der in den römischen Schwulenbars stadtbekannte Papst-Freund hatte sich einen Stricher aufgegabelt und wurde dann in Reizwäsche mit einem Kerzenleuchter erschlagen gefunden – der Videorekorder mit den Homopornos lief noch. (….)

(Die Kirche und der Sex, 21.11.2010)

(….) Die Penis-Fixierung seiner Geistlichen ist auch Jorge Bergoglio ein Dorn im Auge.  Für seine Prälaten stellt der man on man-Analverkehr ein derartiges Faszinosum dar, daß sie seit Jahrhunderten überall in der Welt davon sprechen.    Vermutlich ist Siegmund Freud schon schwindelig von all den Rotationen im Grab: Selbsternannte Zölibatäre, die manisch daran interessiert sind, was andere im Schlafzimmer tun.

Auch während der Pandemie spricht der Papst über Sex und weiß als professioneller Enthaltsamer um die feinen Unterschiede der Lust. (….)

(Frommer Weg in die Unterhose, 11.09.2020)

Manische Beschäftigung mit Kindersexphantasien ist auch ein Hauptcharakteristikum der Q-TrumpliKKKans, die an eine weltumspannende Verschwörung der Demokraten glauben und in ihren einschlägigen Netzwerken verbreiten, diese hielten sich kleine Kinder als Sexsklaven in Kellern.

[….] Hillary Clinton organisiert aus dem Keller einer Pizzeria in Washington einen internationalen Pädophilenring. Diese Verschwörungstheorie kam während der US-Wahl 2016 auf. Auch vier Jahre später ist „Pizzagate“ weiterhin Gesprächsthema.  Als im Dezember 2016 ein bewaffneter Mann in eine Pizzeria in Washington stürmte und mehrere Schüsse abgab, hatte die Verschwörungstheorie um Hillary Clinton und die Demokraten ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Obwohl „Pizzagate“ seitdem mehrfach widerlegt werden konnte, wird es auch im Jahr 2020 immer wieder in sozialen Netzwerken verbreitet und sogar von einigen Promis befeuert.  […..]

(Sebastian Kalenberg, 09.03.2021)

Auch hier gilt wie bei Fritze Merzens scheußlichen Konnotationslinien; nicht Hillary Clinton hat ein Problem, sondern bei denen, die dabei an Pädophilenringe denken, liegt eine Störung vor.

Eine weitere außerordentlich groteske und bizarre Facette der sexuell schwer gestörten Persönlichkeitsbilder rechtsradikaler Verschwörungstheoretiker, offenbart sich in ihrer Trans-Phobie; wiederum in Kombination mit ihrem Signature-Move, sich unablässig andere beim Analverkehr vorstellen zu müssen.

Barack Obama, der im diametralen Gegensatz zu seinem Nachfolger eine lange, glückliche, skandalfreie heterosexuelle Ehe führt, war und ist dennoch andauernden Spekulationen ausgesetzt schwul zu sein und sogar in einer schwulen Ehe zu leben, da Michelle Obama in Wahrheit ein Transvestit wäre.

[….] Bereits kurz nach dem Amtsantritt von Barak Obama als neuer US-Präsident tauchte die Behauptung auf, seine Ehefrau Michelle sei ein Mann oder eine trans Frau.  Lang hörte man davon nichts mehr, bis vor wenigen Tagen ein neuer Artikel auftauchte: 

In jenem Artikel wird behauptet, dass Michelles Mutter, Mary McGillicuddy Robinson, im Alter von 84 Jahren gestorben und (Achtung!) von ihrem Hund, einem Lhasa Apso, gefressen wurde! In ihrem Testament soll stehen, dass sie ihr Vermögen an ihren „Sohn Michael Robinson Obama“ und ihrem „entzückend schwulen Schwiegersohn Barack“ hinterlässt.

Überraschung: Michelles Mutter lebt noch und heißt auch nicht Mary McGillicuddy Robinson, sondern Marian Robertson. Sie wurde 1937 geboren und ist jetzt 82 Jahre alt. [….]

(Mimika.at, 20.08.20)

Was ist das bloß bei den rechten Schwurblern mit ihrem Transen-Wahn?

Erst arbeiten sie sich Jahre an Michelle Obama ab, um Barak Obama zu unterstellen schwul zu sein und nun ist Brigitte Macron dran, um Emanuel Macron als schwulen Analsex-Praktizierenden zu treffen.

Auch die französische First Lady soll eigentlich ein Mann sein.

[….]  Brigitte Macron ergreift rechtliche Schritte gegen eine Verschwörungskampagne, bei der ihr biologisches Geschlecht angezweifelt wird. Das berichtet unter anderem der Sender BBC. »Sie hat sich entschieden, das Verfahren einzuleiten«, bestätigte Macrons Anwalt Jean Ennochi demnach der Nachrichtenagentur AFP. Die Frau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sieht sich seit Wochen der Behauptung ausgesetzt, sie sei eigentlich als Mann mit dem Namen Jean-Michel Trogneux geboren worden und habe sich später einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Troigneux ist Brigitte Macrons Geburtsname.  Die Verschwörungsideologie war laut BBC zuerst auf einer rechten Nachrichtenseite aufgetaucht und verbreitete sich zuletzt rasant in den sozialen Netzwerken. Geteilt wurde die Falschbehauptung dem Sender zufolge vor allem von Accounts aus dem rechtsextremen Spektrum, von Impfgegnern und Anhängern der Verschwörungsideologie QAnon. [….]

(SPON; 22.12.2021)

Das muss tiefenpsychologisch untersucht werden, warum die Konservativen obsessiv solchen extremen Kastrationsphantasien nachgehen.

Vermutlich liegt es an den Microphalli der Nazis.

Ein weiterer grotesker Twist ergibt sich daraus, daß es weder verboten, noch moralisch verwerflich wäre, wenn eine der Präsidentengattinnen eine Geschlechtsangleichung durchgeführt hätte.

Nur in der Geisteskrankenwelt rechter Religiöser, wäre das überhaupt ein Problem.

Brigitte Macron wehrt sich hier also nicht gegen eine Behauptung, weil sie ehrabschneidend wäre, sondern nur weil sie falsch ist.

Dienstag, 21. Dezember 2021

Regieren mit angezogener Handbremse

Wie ich immer wieder betone, können wir von Glück reden, endlich den destruktiven und heillos überforderten Jens Spahn als Gesundheitsminister los zu sein.

Nach wenigen Tagen Amtszeit des Covid-Fachmanns Karl Lauterbach macht sich aber bereits Enttäuschung breit.

Der Mann weiß doch was zu tun ist; wieso stolpert auch er dem Pandemiegeschehen hinterher?
Erneut müssen wir über die getroffenen Maßnahmen einhellig von den Analysten  zu spät, zu wenig, zu halbherzig, zu ineffektiv“ lesen.

Wie konnten wir denn in dem Film wieder aufwachen?

 [….] Wer ernst nimmt, was der neue Expertenrat der Bundesregierung über die Gefahr sagt, die von der Omikron-Variante ausgeht, muss auf das Schlimmste gefasst sein.  Obwohl es schon oft in dieser Pandemie ein bitteres erstes Mal gegeben hat, stand Bundeskanzler Olaf Scholz mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder am Dienstag daher vor einer wirklich neuen, in diesem Ernst noch nicht erlebten Situation. Wenn wegen des Risikos von Millionen gleichzeitig Infizierten neben Krankenhäusern auch Polizei, Feuerwehr, Müllabfuhr oder Stromversorger an den Rand ihrer Arbeitsfähigkeit und darüber hinaus gerieten, träte eine Lage ein, die zu verhindern oberste Verantwortung des Staates ist. Oft ist davon die Rede gewesen, dass Maßnahmen verhältnismäßig sein müssen, also nicht übertrieben sein dürfen. Richtig. Das gilt aber auch umgekehrt. Wer jetzt aus Sorge um den Weihnachts- oder auch nur den Koalitionsfrieden untertreibt, kann das womöglich nicht wieder gut machen. Auffällig war jedenfalls die Diskrepanz zwischen der von Scholz in großem Ernst vorgetragenen Analyse und der von ihm angekündigten Antwort. Bund und Länder setzten zunächst auf Appelle. [….]

(Daniel Brössler, SZ, 21.12.2021)


Aber so rätselhaft ist das alles nicht.

Vor der Bundestagswahl konnte Lauterbach ohne Rücksichten auf Amt und Koalitionspartner erklären, was rein epidemiologisch das Beste wäre.

In seiner ganzen Verblödung gab der Urnenpöbel der SPD aber am 26.09.2021 keine absolute Mehrheit, sondern bloß 25,7%. Er verdammte Scholz und Lauterbach als Minderheit in der eigenen Regierungskoalition zu agieren. Er zwang den Vernunftmensch und Wissenschaftler, sich als zuständiger Fachminister mit regelrechten Covidioten und Seuchenfreunden der FDP abzustimmen.

[….]  Da ist sie noch, die Pegida- und Aluhut-affine Kemmerich-FDP, das stets ganz rechts blinkende AFDP-Wurmfortsätzchen.

An der Spitze dieser „Sektion Hanebüchen“ innerhalb der FDP-Bundestagsfraktion steht immer noch Vizepräsident Wolfgang Kubicki.

Der Mann prahlt damit, sich nicht an die Corona-Maßnahmen zu halten, nennt Karl Lauterbach „einen Spacken“ und mobilisiert auch jetzt seine Truppen wider die Impfpflicht.

[….] Kubicki opponiert gegen Impfpflicht. Der FDP-Vize schart mit einem Abstimmungsantrag gegen eine allgemeine Impfpflicht Parteifreunde um sich - denn die Skepsis ist unter Liberalen größer als beim Rest der Ampel. [….]

(Henrike Roßbach, SZ, 17.12.2021)

Die Kieler Loose Cannon hat schon lange die Koordinaten der seriösen Politik verlassen. […..]

(Die Grenze der Freiheit ist die Unversehrtheit des anderen, 18.12.2021)

Scholz kann in der MPK keineswegs durchgreifen, wie er möchte.

Der Urnenpöbel setzte ihm jede Menge ganz offensichtlich nicht krisentaugliche mächtige C-Partei Corona-Poller in den Weg: Günther, Söder, Hans, Bouffier, Kretschmer, Haseloff und Wüst.

Dazu im Bundeskabinett noch vier FDP-Minister…

[….]  19 Fachleute hatten einstimmig von einer anderen Dimension der Pandemie durch die Omikron-Variante gesprochen. Es gebe "Handlungsbedarf" bereits für die kommenden Tage. Booster-Impfungen alleine bewirkten keine ausreichende Eindämmung der fünften Welle, es seien "zusätzlich" Kontaktbeschränkungen notwendig. Doch ausgerechnet Karl Lauterbach, dem früher vieles oft nicht schnell genug ging und das meiste nicht hart genug war - er bremste. Einen Lockdown werde es in Deutschland vor Weihnachten nicht geben, sagte er in der ARD. [….] Er, nach dessen Maßstäben die Beschlüsse früherer Ministerpräsidentenkonferenzen oft nur das Nötigste hergaben, nicht immer aber das aus seiner Sicht Notwendige, betont nun fortwährend, was alles nicht zu tun sei. [….] Womöglich schimmert da Rücksicht auf den stets Lockdown-skeptischen Koalitionspartner FDP durch. [….]

(Nico Fried, SZ, 21.12.2021)

Das ist eben Demokratie. Da entscheiden die Doofsten über die Zusammensetzung der Regierung und beim Regierungshandeln wird Rücksicht auf irrationale naive Gefühle genommen. Lieber mehr Tote, Triage und Traumata, als den etwas Unterbelichteten zu sagen, daß sie am Heiligabend nicht alle zum Singen in die Kirchen strömen können.

Auch diese Lindner-gebremste SPD-Regierung ist noch Gold gegen das, was uns unter CDU-Herrschaft drohte.

[…] Das ist doch mal beruhigend: Weil sich die Omikron-Variante in Deutschland verglichen mit den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien erst mit deutlicher Verzögerung ausbreitet, können wir es uns leisten, noch ein paar unbeschwerte Tage zu genießen, bevor die Regierung viel zu spät harte Maßnahmen einführen wird. "Das ist schon eine sehr angenehme Situation, wenn man mitansehen kann, wie Nachbarländer von Omikron überrollt werden und handeln müssen, während wir uns hier noch einigermaßen frei bewegen können", erklärt Psychologin Sarah Menotil. "Die Menschen genießen die noch bleibende Zeit sichtlich, bis Deutschland wieder einmal viel zu spät auf die Bedrohung reagiert und dadurch alles viel länger dauert und viel mehr Todesopfer kostet." […]

(dpo, 21.12.2021)


Montag, 20. Dezember 2021

Es mendelt sich weiter aus

Die STIKO funktioniert nicht als Management-Einheit, um den Kampf gegen eine grassierende Pandemie anzuführen. Das kann sie gar nicht.

Unglücklicherweise war der frühere Gesundheitsminister Jens S. zu doof, um dieses Defizit zu begreifen.

Glücklicherweise ist der gegenwärtige Gesundheitsminister Karl Lauterbach vom Fach und nahm den Druck von der STIKO, indem Bundeskanzler Scholz den 19-köpfigen „Expertenrat Corona“ einsetzte.

Das Gremium ist Spinner-frei (kein Alexander Kekulé), vereint aber so unterschiedliche Fachleute wie Christian Drosten und Hendrik Streeck, neben den hochprominenten Covid19-Gurus Lothar Wieler, Melanie Brinkmann Viola Priesemann und Christian Karagiannidis.

Die 19 Weisen grübeln nicht wie die STIKO Monate lang, bis sie ihre Empfehlungen auf eine sichere Studienlage stützen können, sondern haben ihre Augen und Ohren überall, um sehr kurzfristig zu reagieren.

Und nur so kann es angesichts einer Omikron-Mutante mit einem Verdoppelungsfaktor von zwei Tagen gehen.

Erst am 15.12. von Scholz einberufen, legte das Gremium der geballten Intelligenz schon vier Tage später den ersten Bericht zur „Einordnung und Konsequenzen der Omikronwelle“ vor.

Mehrere Aspekte des Berichts finde ich bemerkenswert.

·        Er ist für Laien verständlich geschrieben und umfasst nur zweieinhalb Seiten, so daß sich hoffentlich nicht nur Fachleute auf den Text stürzen.

·        19 von 19 Mitglieder stellen sich hinter den Text; offensichtlich sind die Analysen und Empfehlungen nicht umstritten.

·        Epidemiologisch sieht es ganz düster aus; selbst im optimistischen Szenario, reichen die bisher getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Omikron-Welle nicht aus. Damit steigt der Druck auf die morgen von Scholz und Wüst geleitete MPK enorm; das Virus legt keine Pause ein, nur weil zufällig Weihnachten ist und uns die Pandemie gerade so ungelegen kommt.

Ich bin schon gespannt, wie weit sich die Ampel vorwagt, ob also die FDP von Realpolitik überzeugt werden kann, oder weiterhin in Theurer-Kubicki-Wolkenkuckucksheimen wabert.

Da der protestierenden Covidioten-Mob ohnehin nicht durch sachliche Argumente oder demokratisches Verständnis zu erreichen ist, darf man auch keine Rücksicht auf diese Minderheit der radikalen Seuchenfreunde nehmen.

Es geht vielmehr darum, die vulnerablen Personengruppen und die riesige Mehrheit der Impf-vernünftigen Bürger vor den rabiaten Aluhüten zu schützen.

Die einzige Hoffnung besteht darin, daß sich die faschistoiden Eso-Spinner selbst aus der Evolution ausmendeln. Da leisten die AfD-Impfverweigerer allerdings gute Arbeit. Die braunen Seuchenfreunde leiten mit ihrem Verhalten das große Sterben ein. „Je AfD, desto Corona!“  Heute erwischte es den AfD-Schwabenschwurbler und Pandemieverharmloser Bernd Grimmer.

[…..] Der baden-württembergische AfD-Politiker Bernd Grimmer ist tot. Wie ein Sprecher des AfD-Kreisverbands Pforzheim-Enz bestätigte, starb der Landtagsabgeordnete an Covid-19. Zuvor hatte die »Pforzheimer Zeitung« berichtet. Grimmer saß für den Wahlkreis Pforzheim im Stuttgarter Landtag. […..] In der Vergangenheit hatte sich der Politiker wiederholt kritisch über die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie und die Berichterstattung zu dem Thema geäußert. So beklagte Grimmer auf seiner Facebook-Seite im Juli 2020 etwa eine »Panikmache« durch die Medien. […..]

(SPON, 20.12.2021)

Auch in den USA sind die Impfquoten extrem abhängig von der Parteizugehörigkeit. Dreimal so viele Ungeimpfte sind QTrumpliKKKans, während sich Anhänger der Demokraten fast alle impfen lassen. Dementsprechend sterben auch viel mehr Rechte in den „Red Sates“ als Demokraten in den Blue States.

Aber aus ideologischer Verblendung lassen gerade die rechten Trumpisten ihre eigenen Anhänger sterben. Nur sie könnten die GOP-Anhänger von Impfungen überzeugen, da die semidebilen Rednecks prinzipiell nicht auf die Biden-Regierung hören.

So wird Omikron mutmaßlich vor allem Trump-Fans wegraffen.

[…] Omicron Threatens Red America

In many communities, most adults remain unvaccinated.  Tucker Carlson could do it. So could Laura Ingraham, Mark Levin or Donald Trump himself. One of these conservative figures could go on the air and explain that the Omicron variant has placed much of their audience in grave danger. They could remind people that they have been skeptical of vaccines at times — but that Omicron is different. It is so contagious that it may quickly sweep the country. […] In the U.S., partisanship is the biggest factor determining vaccination rates. If Democratic voters made up their own country, it would be one of the world’s most vaccinated, with more than 91 percent of adults having received at least one shot. Only about 60 percent of Republican adults have done so. This vaccination gap has created a huge gap in death rates, one that has grown sharply during the second half of the year. […]

(NYT, 17.12.2021)

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in England ab.

[….] The first person to die from the Omicron variant in the UK was an unvaccinated conspiracy theorist, it has been claimed.  A man, giving his name only as John, made the claim after phoning in to Nick Ferrari’s radio show on LBC.  John, from Smithfield said his sister told him that his stepfather had died from Omicron in a hospital in Northampton.  […..] “He wasn’t vaccinated at all”, John said of his stepfather.  “My sister, she’s gutted – but on the other hand she’s a little bit angry that he never took these vaccines. […..] “He thought it was a conspiracy. He was an intelligent man but it’s all these different things you are getting from online and different media things – about oh it’s not real – conspiracy theories really.” [….]

(Independent, 16.12.2021)

Verschwörungstheoretiker, Nazis, AfD-Abgeordnete und Trump-Fans sind nicht notwendigerweise diejenigen, denen ich besonders heiße und bittere Tränen nach weine.