Dienstag, 16. März 2021

Ein Gescheiterter aus Würzburg

Ein Psychogramm.

Der AfD-Fanboy David Berger mit seinem verschwörungstheoretischen Hetzblog „Philosophie Perennis“ ist in so vieler Hinsicht ein wandelndes Klischee, daß man wie schon vor zehn Jahren bei Kreuznet, die Titanic oder den Postillon als eigentliche Autoren am Werk sieht. 

Als Alt- und Neu-Rechter passt der früh gealterte Bayer mit der auffällig lederigen Haut, der mangelnden Zahnhygiene und mit dem außergewöhnlich kleinen Schädel perfekt in die Identitätsschwangeren 2020er Jahre. Er empfindet sich als Opfer, als von dubiosen linken Mächten verfolgter Rächer seiner selbst.

[……] Immer mehr Menschen betonen ihre Identität als Mitglied einer diskriminierten Gruppe, grenzen sich so von der Mehrheitsgesellschaft ab und reklamieren besondere Rechte für sich. […..]

(SZ, 16.03.2021)

Der erzkonservative Katholik tat sich von Anfang an schwer.

Mit seiner Schwester und seinen Eltern überwarf sich der frömmelnde Besserwisser schon als Schüler, suchte stattdessen Halt bei seiner erzkatholischen Großmutter, die er bis heute in seinen Postings lobt, während er seine Eltern konsequent verschweigt.

  Früh kristallisierten sich die beiden Passionen des mageren Außenseiters in den 1980er Jahren der Würzburger Provinz. Er wollte ein großer Intellektueller des Vatikanischen Kosmos werden, am liebsten mit den prunkvollen Insignien eines geistlichen Amtes und andererseits als sexuell aktiver Schwuler seinen Gelüsten frönen.

Im Kosmos der ausgestoßenen Piusbrüder, in der Verschwiegenheit der tridentinischen Messe, war weniger die Kombination aus Zölibat und Sex problematisch. Nirgends gibt es so viele Schwule wie unter katholischen Geistlichen.

Als schwieriger hingegen erwies sich, daß der heute 53-Jährige Braunblogger in beiderlei Hinsicht nicht gerade brillierte.

Nur mit großer Mühe schaffte er nach mutmaßlich zweimaligem Sitzenbleiben mit 21 Jahren das Abitur und seine sexuelle Attraktivität war aufgrund seiner mickrigen Statur, des beständigen Hängens an Omas Rockzipfel und den dubios-dunkelkatholischen Umgangsformen soweit unterentwickelt, daß er mit Ende 20 beginnen musste sich manisch Oberkörpermuskeln anzutrainieren, die er sogleich stolz in sämtlichen schwulen Datingportalen präsentierte.

In „Der Heilige Schein“, seinem „Enthüllungsbuch“ von 2010 berichtet der 42-Jährige wie ihn alternde Theologen lüstern auf seine Muskeln und seine Jugend ansprechen.

In einem Umfeld aus notgeilen Klemmschwestern im Gerontenalter mag es an sexuellen Avancen nicht gefehlt haben. Ich halte diese Berger-Schilderungen aufgrund vieler anderer Berichte für glaubwürdig.

Unglücklicherweise entsprechen alte Männer nicht seinem Beuteschema. Ich spekuliere hier nicht, sondern beziehe mich auf Bergers eigene Veröffentlichungen. Im Jahr 2011 betrieb er beispielsweise einen „Familienblog“, in dem er das Zusammenleben mit seinem gleichaltrigen devoten Freund Klaus und ihrem „gemeinsamen Sohn“, nämlich einem 18-Jährigen Berger-Fan bilderreich beschreibt. Aufgekratzt wies er darauf hin, dem Teenager zwar vor seinem ersten Besuch in der Berliner Berger-Wohnung ein Gästebett bereitet zu haben, das aber glücklicherweise nie zum Einsatz gekommen wäre, da der Frischling bereitwillig zur dreisamen Kopulation ins Ehebett gesprungen wäre.

Sein zeitweiliger Ruhm und die Medienöffentlichkeit der frühen 2010ner Jahre führten offensichtlich zu einigen sexuellen Erfolgen mit sehr, sehr jungen Männern, die er stolz in den sozialen Medien vorführte.





Es konnte aber nur schwer darüber hinwegtäuschen, daß seine intellektuelle und finanzielle Karriere in Trümmern lagen.

Er scheiterte immer wieder, wurde entlassen, musste aufgeben oder flog im hohen Bogen.

Der Vatikan warf ihn raus, er verlor den Job als Herausgeber von „Theologisches“, wurde von seinen früheren Kreuznet-Fans angeklagt, musste als einfacher Deutschlehrer eines Kölner Gymnasiums arbeiten, wurde auch dort gefeuert, verdingte sich als Chefredakteur des schwulen Monatsblattes „Männer“, wurde ebenfalls nach kurzer Zeit wieder gefeuert, bis ihm am Ende nur sein privater Blog blieb, in dem er so viel lügt, daß er schon mehrfach Schmerzensgeld zahlen musste.

Heute erscheint unter jedem einzelnen „Artikel“ eine flehentliche Bitte um Spendengelder.

Berger ist gezwungen die ultrarechte Szene zu triggern, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Wie die Chancen eines sichtlichen gealterten Mittfünfzigers, der einen Kopf zu klein ist und über keine finanziellen Mittel verfügt, in der schwulen Datingszene aussehen, weiß ich nicht.

Ich vermute aber, daß er mindestens drei Dekaden außerhalb des besten Alters operiert.

Ähnlich wie sein Idol Donald Trump und dessen Fans, sehnt sich Berger nun in bessere Zeiten zurück und findet sehr viele Ausreden für sein vielfältiges Scheitern.

So viele Mächte sind schuld. Der Zeitgeist, die Mainstreammedien, die Linksgrünversifften, Merkel, der liberale Papst, die Emanzen und Feministen, die Ausländer, die Muslime, die Corona-Pandemie, Bill Gates, Annetta Kahane, natürlich George Soros, geheime Weltverschwörungen und nicht zu vergssen die Illuminaten und Reptiloiden.

So viele bringen Berger um seinen Erfolg und seine sexuelle Attraktivität.

Nur er selbst ist frei von jeder Verantwortung .

(Fortsetzung folgt.)

Montag, 15. März 2021

Der böse Jojo-Effekt

So viel Eigenlob muss sein;

Das was jetzt große Medienhäuser wie der SPIEGEL empfehlen, nämlich Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister zu machen, hatte ich schon vor einem Vierteljahr gefordert.

Schließlich ist da noch der zentrale Minister Spahn, der im Vergleich mit seinem langjährigen SPD-Pendant Lauterbach mit grotesker Fehlplanung und Ahnungslosigkeit auffällt.

(……) Wäre Angela Merkel eine wirklich verantwortungsvolle Kanzlerin, hätte sie Spahn längst mit einem kräftigen Tritt gefeuert und stattdessen Karl Lauterbach zum Bundesgesundheitsminister gemacht.      Aber wir leisten uns lieber Pfeifen an den Schaltstellen und haben dafür ein paar Tausend Tote mehr.     Der heute angesetzte Dezember-Lockdown ist so überraschend wie das Amen in der Kirche, nachdem sich all die C-Politiker ein halbes Jahr öffentlich spreizten. (……)

(Immer noch nicht begriffen, 13.12.2020)

Es ist alles anderes als unwichtig, wer das Gesundheitsministerium führt.

Ob die Bürger „genervt“ von Lauterbach sind, sollte kein Kriterium sein.

Aber er behielt mit seinen Prognosen stets Recht.

Wären Merkel, die Ministerpräsidenten und Deutschland seinen Ratschlägen gefolgt, hätten wir deutlich weniger Tote und den Lockdown womöglich schon hinter uns gelassen.

[…..] Warum nicht Lauterbach?  Viele Bürger mögen genervt sein von seinen ewigen Warnungen. Übersehen wird aber oft, dass Karl Lauterbach auch konstruktive Vorschläge am Fließband produziert. Mit ihm wäre Deutschland vermutlich besser durch die Krise gekommen. […..]

(Markus Feldenkirchen, 12.03.2021)

Die Desorientierung, Halbherzigkeit und Flatterhaftigkeit Laschets, Günthers und der Ministerpräsidenten aus dem Osten, haben zu genau dem Jojo-Effekt geführt, den wir jetzt erleben und den wer prophezeit hatte?
Genau, Lauterbach.

[…..] Infektionszahlen steigen dramatisch – Notbremsen-Lockdown zu Ostern wird wahrscheinlich! RKI-Experten erwarten in der Woche nach Ostern eine Corona-Inzidenz zwischen 200 und 500. Viele Lockerungsschritte dürften deswegen ausfallen. […..] Epidemiologen, darunter der SPD-Politiker Karl Lauterbach, hatten bereits vor einen Jo-Jo-Effekt gewarnt und empfohlen , mit den Lockerungen zu warten, bis die Inzidenz deutlich unter 35 liegt. Ministerpräsidenten und Kanzlerin hatten jedoch eine Kehrtwende weg von der Ziel-Inzidenz 35 vollzogen und die Lockerungen bereits für Inzidenzen zwischen 50 und 100 beschlossen. [….]

(Donata Riedel, Handelsblatt, 15.03.2021)

Der habilitierte Mediziner und Hamburger Regierungschef Peter Tschentscher gehörte nicht zu den Öffnungsfetischisten und argumentierte in der MP-Kanzler-Konferenz strikt dagegen.

Deutschland leidet aber nicht nur unter einem drastischen Strategie-Mangel, sondern auch an sagenhafter Organisationsunfähigkeit der handelnden Minister.

R-Wert und Inzidenz steigen und zudem hören wir auch noch auf Astrazeneca zu verimpfen.

  […..] Intensivärzte fordern sofortige Rückkehr zum Lockdown in Deutschland! Deutschlands Intensivmediziner warnen vor einer heftigen dritten Welle, wenn Lockerungen nicht schnell zurückgenommen werden. Es gelte jetzt, sich in den Sommer zu retten. [….]

(SPON, 15.03.2021)

Jetzt müsste man eine gute Impftaskforce haben.

Blöderweise sind in Berlin mit Scheuer und Spahn ausgerechnet die Minister mit Zimmertemperatur-IQ zuständig.

Man hätte doch lieber Kader Loth oder Joey Heindle den Job geben sollen.

[…..] Nach AstraZeneca-Verwirrung: SPD-Politiker fordert Spahns Entlassung. Die SPD zürnt schon länger über das Krisenmanagement des CDU-Gesundheitsministers. Nun geht NRW-Landeschef Thomas Kutschaty einen Schritt weiter – und bezeichnet Jens Spahn als »nicht mehr tragbar«. […..]

(SPON, 15.03.2021)

Schon ein Jahr haben die Chaoten in den CDU-Ministerien verdaddelt und noch immer ist ihnen nicht aufgefallen, daß sich Viren auch am Wochenende verbreiten. Im Gegensatz zu allen anderen Industrieländern, machen deutsche Gesundheitsämter Freitagnachmittag zu und können dann eben erst am Montag wieder per Fax die aktuellen Corona-Zahlen nachmelden.

Daß es dafür keine Software gibt und Spahns Corona-App nicht funktioniert, muss gar nicht erst erwähnt werden, in einem Land, das nach 15 Jahren Merkel bei den Themen Innovation, Breitbandausbau und digitaler Infrastruktur hinter Rumänien, Albanien und Tansania zurück gefallen ist.

Asien hat uns ohnehin nach Merkels Schlafwagenkanzlerschaft uneinholbar abgehängt.

Aber selbst die Dinge, die man schnell und unbürokratisch ändern könnte, werden nicht umgesetzt, weil die Kanzlerin immer noch stupide auf die Volltrottel Spahn und Scheuer setzt.

Inzwischen horten wir Impfstoff, haben tausende Mediziner bereit stehen, die das Vakzin nur zu gern der Bevölkerung spritzen würden, aber leider sind die Öffnungszeiten der Impfzentren zu kurz!

Und nein, das ist keine Satire; sicherheitshalber muss man das inzwischen bei CDU-Ministern dazu schreiben.

[…..] Oliver Dierssen würde gerne helfen, doch man braucht seine Hilfe gerade nicht. Der Kinderpsychiater aus Gehrden bei Hannover hat wie viele andere Menschen in den vergangenen Wochen zugeschaut, wie die Zahl der täglichen Impfungen in Deutschland nur langsam anstieg, während die Liefermengen der Hersteller in viel größerem Tempo zunahmen. Vielleicht liegt es ja daran, dass es nicht genug Ärzte gibt, die bereit sind, in den Impfzentren Spritze und Oberarm zusammenzubringen, dachte Dierssen - und bot seine Hilfe als Impfarzt an. Doch zu seiner Überraschung teilte man ihm mit: Es stehen über tausend Mediziner vor ihm auf der Liste.  Aber wieso kriegt man dann den Impfstoff nicht schnell an die Frau oder Mann? „Ich wollte wissen, warum das Impfzentrum nicht auch nachts aufmacht oder sonntags“, erzählt Dierssen. Schließlich sei er als Arzt gewohnt, auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten zu arbeiten. Die Antwort des Zuständigen im Impfzentrum, der laut Dierssen von einem städtischen Schwimmbad für diesen Job abgestellt wurde: „Das wissen wir. Aber das Impfzentrum hat knappe Öffnungszeiten.“ […..]

(SZ, 15.03.2021)

Worauf wartet Merkel noch?
Ihre Amtszeit ist bald vorbei, für die CDU ist ohnehin schon lange jemand anders verantwortlich. Begreift sie denn immer noch nicht, was das Totalversagen der C-Minister für verheerende Folgen hat?

Offensichtlich sind die Unionspolitiker alle in einen gemütlichen Dämmerschlaf gefallen, nachdem endlich die Hochbetagten in den Pflegeheimen durchgeimpft wurden.

Das waren die Vulnerablen, also die, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit nach einer Covid19-Erkrankung starben.

Offensichtlich glaube die Unionspolitiker, damit wäre das Schlimmste vorbei, die Intensivstationen entlastet; man könne zum Alltag übergehen, weil die Jungen und insbesondere die Schüler ohnehin nur milde Krankheitsverläufe erwarte.

Das ist aber falsch, weil es ohnehin nie die Uralten waren, die Monatelang auf Intensivstationen behandelt werden mussten.    Total falsch. RKI und Ärzte waren lange davor, Lauterbach warnt davor.   Spahn und Scheuer fehlt aber offensichtlich grundsätzlich der Intellekt, um diese Zusammenhänge zu begreifen.

[….] Eine Gruppe um den Mathematiker Andreas Schuppert von der RWTH Aachen hat untersucht, wie sich das Zusammenspiel von Infektionsgeschehen und Impfungen auf die Belastung der Intensivstationen auswirken. Dazu hat Schuppert Daten zu den Intensivpatienten an den Unikliniken Aachen und Köln ausgewertet. Das zentrale Ergebnis: Noch ist die Impfkampagne längst nicht weit genug, um eine dritte Welle von den Intensivstationen fernzuhalten. „Es ist eine völlig fatale Fehleinschätzung, dass wir aus dem Gröbsten raus sind“, sagt Schuppert. Denn die prioritär Geimpften aus der Altersklasse 80+ haben zwar das höchste Risiko, an Covid-19 zu versterben – für die Intensivmedizin spielen sie aber nicht die Hauptrolle. Hochbetagte werden oft erst gar nicht auf eine Intensivstation gebracht oder liegen dort nur wenige Tage. Das höchste Risiko, in Folge einer Sars-Cov-2-Infektion in Intensivbehandlung zu müssen, haben demnach die 60- bis 79-Jährigen. Diese Gruppe wartet großteils noch auf die Impfung, soll aber in den nächsten Wochen folgen. Schupperts Berechnungen, die in der Fachzeitschrift Medizinische Klinik und beim Intensivmediziner-Verband Divi erschienen sind, berücksichtigen die erhöhte Infektiosität der britischen Mutante B.1.1.7, nicht jedoch neuere Erkenntnisse, dass diese auch vermehrt zu schweren Verläufen führt. […..]

(SZ, 15.03.2021)

Bevor sich Laschet und Merkel dazu entschließen endlich Personal auszutauschen, werden wir also weiter konsequent die Fähigen von den Entscheidungsstellen fernhalten und sehenden Auges in eine gewaltige dritte Welle rutschen.

Sonntag, 14. März 2021

Personenwahl und Links-Ruckeln.

Die grüne Bundesgeschäftsführerin-Vertreterin-parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann erklärte heute in der traditionellen Berliner Runde in schönstem Populisten-Sprech: Ganz viele Menschen in diesem Land hätten kein Interesse an dieser Art der ritualisierten Auseinandersetzung.

„..und die Menschen interessiert doch als allererstes mal, was haben denn die Parteien angeboten, inhaltlich, gab’s den Wunsch, konzeptionell und inhaltlich Themen und Vorstellungen für das jeweilige Land anzubieten..“

Was für ein sagenhafter Blödsinn!

Kein Mensch liest sich Wahlprogramme und Konzeptionen durch!
Sie wählen den, den sie kennen. Am liebsten den, den sie sympathisch finden und manchmal wählen sie auch gegen eine Partei, wenn sie sich akut über etwas ärgern.

Deswegen verlor die CDU heute in Baden Württemberg 3,4 Prozentpunkte und sogar 5,3 Prozentpunkte in Rheinland-Pfalz, landete jeweils bei ihrem historisch schlechtesten Ergebnis.

Schuld waren der fehlende Amtsbonus, die blassen Spitzenkandidaten und natürlich die Maskenaffäre.

Dabei hatte die Union noch sehr große Glück im Unglück, da mindestens die Hälfte der Stimmen per Briefwahl abgegeben wurde und daher schon entschieden worden war, bevor die Maskendeals die Nachrichten bestimmten.

Es zeigt sich wie schon so oft, daß die Wähler auf Amtsinhaber setzen und eben nicht Parteien und Programme analysieren.

Zwei Wochen nach dem Bundestagswahldesaster für die SPD holte SPD-Ministerpräsident Weil am 15.10.2017 fast doppelt so viel wie Schulz; 36,9%.

Einmal bestätigten die Wähler CDU-Amtsinhaberin Merkel, einmal SPD-Amtsinhaber Weil.

Die drei Ost-Bundesländerwahlen, die nahezu gleichzeitig im Herbst 2019 stattfanden zeigten mit drei unterschiedlichen Siegerparteien ebenfalls: In einer wirren Zeit wählen die Bürger schlicht und ergreifend den Amtsinhaber.

01.09.2019 CDU-MP Kretschmer in Sachsen: 32,1%

01.09.2019 SPD-MP Widke in Brandenburg 26,2%

27.10.2019 Linke-MP Ramelow in Thüringen 31,0%

Auch in Hamburg holte sich der SPD-Amtsinhaber Tschentscher am 23.02.2020 mit 39,2% ein Ergebnis weit über dem Bundesniveau seiner Partei.

Im aktuellen SPIEGEL gibt es ein extrem bösartiges Olaf-Scholz-Portrait, „Verschlumpft […..] Besuch bei einem Kanzlerkandidaten, der sich großartig findet“, in dem wirklich alle journalistischen Standards vergessen werden.  Die Autoren Dirk Kurbjuweit und Christian Teevs nutzen alle sprachlichen Mittel, um das Selbstbewußtsein des Vizekanzlers ins Lächerliche zu ziehen.

[…..] Von Selbst­zwei­feln re­det er oh­ne­hin fast nie, aber heu­te ist er in ei­ner Hoch­stim­mung, als wäre dies nicht der 10. März, son­dern der 27. Sep­tem­ber, der Tag nach der Bun­des­tags­wahl, die der ge­won­nen hat, der das als Ein­zi­ger ver­dient.

Er glüht, er sprüht, er spru­delt. Er singt den gro­ßen Song der Ein­zig­ar­tig­keit, ge­spickt mit Ad­jek­ti­ven wie die­sen: loy­al, se­ri­ös, ab­ge­brüht, macht­voll, rit­ter­lich. Nicht ein­fach Po­li­tik ma­chen, son­dern eine neue Welt schaf­fen! Und wenn ei­ner die enor­men Pro­ble­me des Kli­ma­wan­dels in den Griff be­kom­men kann, dann, tja, wer wohl?

Eine mög­li­che Ant­wort auf die­se Fra­ge: der Mann, der sich gern mit ei­nem Schlumpf ver­glei­chen lässt.

Beim letz­ten Gip­fel­tref­fen zur Pan­de­mie­po­li­tik hat der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der den Fi­nanz­mi­nis­ter bei ei­nem Streit er­mahnt, nicht so »schlump­fig« zu grin­sen. Manch ei­ner wäre be­lei­digt, hät­te man ihm Ähn­lich­keit mit je­nen ul­ki­gen We­sen un­ter­stellt, die sich durch wei­ße Zip­fel­müt­ze und blaue Haut aus­zeich­nen, nicht aber Scholz. Der freut sich.

Freut sich wirk­lich, freut sich rie­sig. Es klingt bil­lig, es klingt wie be­stellt, doch es ist die Wahr­heit: Scholz grinst und grinst und grinst, wäh­rend er über die Schlümp­fe spricht. Es packt ei­nen schon die Sor­ge, dass er gleich blau an­läuft. [….]

(SPIEGEL; 13.03.2021)

Tatsächlich zeigte Scholz in Hamburg zweimal durch sensationelle Wahlergebnisse wie man Wahlen gewinnt.

Bei der Wahl zur 20. Hamburgischen Bürgerschaft am 20.02.2011 holte Olaf Scholz für die SPD 48,4% und damit die absolute Mehrheit, 62 von 121 Sitzen.

Bei der Wahl zur Bürgerschaft 2015 wiederholte er mit 45,7% fast den Erfolg.

Die starken Ergebnisse der Ministerpräsidenten Dreyer und Kretschmann heute zeigen einmal mehr wie enorm wichtig ein bekannter und beliebter Amtsinhaber ist.

Im Herbst tritt aber keine bei Liberalen extrem beliebte Amtsinhaberin Merkel an.

Dann wird der erfolgreiche Bundesfinanzminister und Vizekanzler der vertraute Quasi-Amtsinhaber sein, der gegen einen Außenseiter antritt.

Die Wähler werden sich im September nicht in großer Zahl Zeit nehmen, um 70 Seiten Parteiprogramme zu studieren, Schattenkabinette zu analysieren und Steuerkonzeptionen nachzurechnen.

Dafür ist unsere Demokratie viel zu sehr von Apathie, Bequemlichkeit und Desinteresse geprägt.

Viele werden wie immer nach vagem Bauchgefühl entscheiden.

Zudem zeigt sich heute ein Trend, der endlich nicht mehr nach Rechtsdrift aussieht.

In Baden Württemberg verloren die CDU 3,4 und die AfD 5,4 Prozentpunkte.

In Rheinland-Pfalz verloren die CDU 5 und die AfD 4,2 Prozentpunkte nach gegenwärtigem Auszählungsstand.

Es ist extrem wichtig eine Machtperspektive aufzeichnen zu können; niemand wählt gern eine Partei, die ohnehin nicht regieren wird.

Mit der Abnahme der demoskopischen CDU-Dominanz und der Zunehmenden Bereitschaft der FDP sich auf eine Ampel einzulassen, eröffnen sich tatsächlich, genau wie Scholz sagt, endlich Machtperspektiven links von der CDU.

Für Laschet und Söder sind das keine gute Nachrichten, zumal sich auch innerhalb der sehr CDUCSU-freundlichen Hauptstadtpresse immer mehr herumspricht, daß die C-Minister die großen Schwachstellen im Merkel-Kabinett sind.

[…..] Es sind vor allem Unionsminister, die derzeit als Underperformer auffallen.

Da ist Gesundheitsminister Spahn, das Gesicht dieser Krise. Er hat mittlerweile nicht nur eine beachtliche Liste an Versäumnissen vorzuweisen, sondern bringt sich und die Regierung immer wieder mit vorschnellen Zusagen in die Bredouille. […..] Und der Rest von Merkels Mannschaft steht kaum besser da.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) führte in der Mautaffäre den Bundestag hinters Licht und torpedierte die Arbeit des Untersuchungsausschusses.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verhob sich an der Aufgabe, die Coronahilfen für Betriebe auszuzahlen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bekommt weder den pannenanfälligen Rüstungssektor noch die rechtsextremen Umtriebe beim Kommando Spezialkräfte in den Griff.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht hilflos dabei zu, wie die Pandemie die Digitalisierungsdefizite des Schulwesens aufdeckt.

Und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) wirkt in diesen Tagen nicht wie der oberste Coronakoordinator der Bundesregierung, sondern wie ein Dirigent, der keine Ahnung hat, wo sich sein Orchester befindet. […..]

(SPIEGEL, 13.03.2020)

Dabei haben die Autoren freundlicherweise noch den größten Totalausfall Horst Seehofer vergessen.

Die veröffentlichte Meinung ist vor Wahlen mindestens so wichtig wie die öffentliche Meinung.

Erstere ändert sich gerade deutlich.

[…..] Bei der CDU brennt derzeit die Hütte, die sonst so souveräne Dauer-Regierungspartei ist sechs Monate vor der Bundestagswahl in Aufruhr. Ihre Probleme gehen weit über zwei verlorene Landtagswahlen hinaus. Bei der CDU gerät gerade etwas ins Rutschen, ihr Fundament wankt und bekommt Risse. Sie steckt in mehreren Krisen zugleich, die allesamt das Potenzial haben, im Herbst das Kanzleramt zu verlieren. [….]

(Tagesschau, 14.03.2021)

[…..] Tatsächlich steht Laschets Partei vor unübersehbaren Problemen. Die unionsgeführte Bundesregierung versagt beim Impfen. Die eigenen Leute entpuppen sich als gierige Maskenhändler. Zwei Herren rangeln um die Kanzlerkandidatur. Und jetzt gehen die Wahlen in Mainz und Stuttgart auch noch dermaßen schief, dass man sich fragt, wo diese Rutschbahn nach unten eigentlich enden soll. Sechs Monate vor der Bundestagswahl wirkt die Union so desorientiert, ja so blank, dass selbst SPD und FDP wieder ein bisschen an sich glauben. Und das will wirklich etwas heißen. […..]

(Veit Medick, 14.03.2021)

Samstag, 13. März 2021

Bad Timing

Möglicherweise bekommen die CDU-Spitzenkandidaten in Mainz und Stuttgart bei den Landtagswahlen morgen etwas auf die Mütze.

Vielleicht kommen sie mit einem blauen Auge davon, weil die Enthüllungsmaschinerie gerade erst anläuft.

Ich mutmaße aber jetzt schon, daß die Affären-Kaskade um die CDUCSU-Abgeordneten, die sich kaufen lassen, nicht ganz so schnell wie üblich vergessen wird.

Die dreistesten Abzocker-Affären der Bundesrepublik gab es in der CSU und der CDU-Hessen. Die Wähler straften das aber nicht ab, sondern wählten die Parteien stumpf immer wieder in die Regierungsverantwortung.

Noch vor wenigen Wochen gelang es den C-Parteien den Wirecard- und Augustus-Sumpf tolldreist kleinzureden und zu ignorieren.   Der Mann, der mittendrin saß und sich für eine Schwindelfirma mit Aktienoptionen bezahlen ließ, Philipp Amthor, stieg direkt anschließend innerhalb der CDU auf, wurde zum Spitzenkandidaten seines Landesverbandes gekürt.

Keiner der beteiligten ehemaligen CDU- und CSU-Regenten bekam irgendwelche Konsequenzen zu spüren.

CDUCSUler kommen mit diesen Skandalen davon, weil ihre Wähler generell moralisch niedrigere Standards als die aus dem RRG-Kosmos anlegen, weil sie vergesslich sind und weil diese Milliarden-Blamagen abstrakt bleiben.

99% der Wähler können nicht erklären, welche Geschäfte Augustus und Wirecard eigentlich gemacht haben und wie CDUCSU-Politiker dabei halfen.

Selbst so eine Mega-Affäre wie Scheuers Mautdebakel bleibt undurchsichtig, obschon das CSU-Vorhaben, für das Seehofer und Söder so intensiv warben, a priori klar illegal war.

Aber wem hat Scheuer wann genau was zugesagt, das nun eine halbe Milliarde Steuergelder kostet? Auch das wird nur eine Minderheit der Wähler genau nacherzählen können.

Die „Maskendeals“ sind sehr viel einfacher zu verstehen und erregen die Aufmerksamkeit auch der üblicherweise wenig interessierten Wähler, weil jeder genau versteht worum es geht, jeder einzelne von uns schon FFP-Masken organisieren, bezahlen und tragen musste.

Auch wer, wie ich zum Beispiel, die Maskenplicht akzeptiert und dafür eintritt FFP2-Masken statt selbstgenähter Stoffteile zu tragen, tut das schließlich nicht gern. Die Masken sind genauso notwendig wie lästig. Sie sind immer präsent und jeder assoziiert damit sofort Situationen aus seinem persönlichen Alltag.

Daher generiert sich kontinuierlich Aufmerksamkeit für die CDUCSU-Politiker, die bei der Maskenbeschaffung zum Schaden der Steuerzahler die Hand aufhielten.

Daher werden die klassischen investigativen Medien – der Blogger und Social-Media-Nutzer zu Hause wird nichts bewirken – ihre Stärken ausspielen.

Der SPIEGEL kommt heute mit einer großen Titelstory mit vielen neuen Namen.

Die unglückliche BW-CDU muss erleben wie zur Unzeit zwei Figuren ihres Landesverbandes ganz besonders unsympathisch und dreist dastehen:

Nikolas Löbel aus Mannheim

[….] Nikolas Löbel und sein besonderes Gespür für schmieriges Geld

Eine Viertelmillion Euro Provision kassierte Nikolas Löbel als CDU-Abgeordneter für Deals mit Corona-Masken. Seine Vita zeigt: Es ging ihm stets mehr um Geld und Karriere als um politische Ziele. […..]

(Spiegel, 12.03.2021)

und Thomas Bareiß aus Zollernalb-Sigmaringen.

[…..]  Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß (CDU), hat im Auftrag Aserbaidschans bei einem deutschen Hersteller von Medizintechnik den Stand einer Lieferung von rund 150 Beatmungsgeräten abgefragt. Dabei ging es um die Frage, ob Aserbaidschan schneller beliefert werden könnte. Bareiß Verbindungen in die Kaukasusrepublik sind seit Jahren eng. […..]

(Andreas Niesmann, 12.03.2021)

Hektisch versucht nun die CDU sich an die Spitze der Beweghung zu stellen, fordert auf einmal Strenge und Transparenz bei den Lobbykontakten und Nebenjobs der Bundestagsabgeordneten.

Außerordentlich erbärmlich, nachdem es die CDU war, die sich Dekaden gegen ein Lobbyregister sperrte und zehn Jahre im Alleingang verhinderte, daß Abgeordnetenbestechung überhaupt strafbar wird.

Die rotgrüne Schröder-Regierung unterzeichnete im Jahr 2003 die UN-Konvention gegen Korruption, aber Merkels Partei hintertrieb bis zum Jahr 2014 die Ratifizierung im Parlament.

[…..] In der großen Koalition ist ein Streit darüber ausgebrochen, welche Konsequenzen aus der Masken- und der Aserbaidschan-Affäre gezogen werden müssen. Die Unionsfraktion hat am Freitag einen ganzen Katalog an Verschärfungen präsentiert […..] Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, sagte, dass die Unionsfraktion ihre Vorschläge "Transparenzoffensive" nenne, wirke "wie ein schlechter Witz". Denn bei "den ganz wichtigen Punkten" handele es sich "um nichts anderes als ein Feigenblatt". Es zeige sich jetzt einmal mehr: "Die Ankündigungen des Koalitionspartners sind nach jedem Korruptionsskandal groß - daraus sollen aber offensichtlich keine Taten folgen." […..]  

(Robert Roßmann, 13.03.2021)

Freitag, 12. März 2021

Man muss ihn einfach lieben

 Ryan Gosling kann sowas von einpacken; so hübsch wie NRWs First Son Joe Laschet ist er nun mal nicht. 

Daher kann der schönste deutsche Politikersohn auf auf knapp 95.000 Instagramfollower verweisen und nicht nur seine großartigen LOOKS verbreiten, sondern auch ob seiner Qualifikation als Reichen-Söhnchen wertvolle LIFESTYLE-GUIDELINES an die führerlose Proletenjugend weitergeben.

[…..] Die Krawatte ist ein Stück Stoff mit spannender Geschichte und einem wilden Evolutionsverlauf. Laut einer Legende fand sie ihren Ursprung im Jahre 1663. Während einer Militärparade in Frankreich soll ein kroatisches Regiment ein Halstuch getragen haben, was die Aufmerksamkeit des Königs Ludwig XIV auf sich zog. Der dekadente Sonnenkönig, der modisch immer auf dem aktuellsten Stand war, etablierte dann die "Cravate", die sich von Kroate ableitet, innerhalb des Adels. [….] Sie ist ein buntes Accessoire, dass [Orthographie Laschet –T.] dem Träger und anderen Menschen Freude bereiten soll und das für ein Stück Geschichte und Handwerkskunst steht. Sollte man dennoch die Krawatte als Statement und Statussymbol verwenden wollen, dann kann man das selbstverständlich auch tun. Das ist das Schöne an diesem Accessoire. Der Kommunist kann ein rotes Exemplar mit Hammer und Sichel tragen, der Grüne kann eins mit bunten Blumen oder dem Schriftzug „Atomkraft, Nein Danke“ wählen. [Alexander Gauland mit Dackeln] In der Welt der Krawatten gibt es so gut wie alles. Während eingefleischte Fans wie ich die Krawatte anziehen, weil wir es lieben, eine bunte Note in den Anzug-Look zu bringen und italienische Tuchproduktion und Faltkunst feiern, können andere sie aus anderen Gründen tragen. Deswegen nochmal mein Credo: Die Krawatte ist etwas Schönes und ist keineswegs eine Dresscode-Schlinge, wie viele meinen. […..]

(Joe Laschet, 15.09.2020)

Obwohl Joe Laschet kaiserlichen Geblütes ist, sogar wie Armin Laschets Bruder recherchierte in direkter Linie von Karl, dem Großen abstammt, ist sich der Blaublütige nicht zu schade auch dem „Kommunisten“ so raffinierte Mode-Tipps, wie einen roten Schlips mit Hammer und Sichel zu empfehlen. So großherzig.

(…..) Wenn ich mir ein Kind wünschen dürfte, hätte ich gern eins wie Armin Laschets Junior.

Ich wünschte, ich hätte auch so einen supersympathischen Sohn! Joe Laschet ist der Traum eines jeden Vaters.
Einer, der sich ganz auf das SOHN-SEIN konzentriert, mit seinem Reichtum prahlt, sich in Luxus präsentiert und Beziehungen spielen lässt!

Joe, first son of NRW, zeigt seinen 93.000 Instagram-Followern wie die haute volée lebt.

Der 31-Jährige „Student“ hat zwar keine Ausbildung und übt keinen Erwerbsberuf aus, aber dank Papa verfügt er über so viel Vitamin B, daß er auch nicht wie der gewöhnliche Plebs arbeiten muss. Joe Laschet ist qua Geburt wichtig und damit sollten sich auch mal die pingeligen Sozis abfinden.

Es grenzt doch an Majestätsbeleidigung, daß die SPD dem Sohn des Landesvaters nicht gönnen will einen Millionenauftrag aus Landesmitteln eingefädelt zu haben. Prinz Joe ist immerhin INFLUENCER. Das ist die höchste Form der bürgerlichen Existenz; davor soll man Respekt zeigen und dankbar sein, wenn er am Parlament vorbei für einige zig Millionen NRW-Aufträge an seine van Laack-Partner besorgt.

[….] Joe Laschet trägt gern Trenchcoat, Tweedanzug und Hut, und wenn er auf Fotos besonders lässig rüberkommen will, lehnt er sich gegen eine Fassade oder eine Straßenlaterne, steckt eine Hand in die Hosentasche und blickt in die Ferne. Manchmal hat er ein Glas Whisky in der Hand oder raucht Pfeife. Laschet wirkt, als wäre er aus einem Edgar-Wallace-Krimi herausgeplumpst, Inspector Joe von Scotland Yard.   Joe heißt eigentlich Johannes, er ist auch kein britischer Gentleman, sondern stammt aus Aachen-Burtscheid. [….] Als Influencer erlangte er in den vergangenen Jahren vor allem Bekanntheit, weil sein Vater Armin Laschet (CDU) Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist. [….] Zum Problem wird nun ein Deal, den Nordrhein-Westfalen mit dem Textilhersteller van Laack geschlossen hat, für den Laschet junior seit zwei Jahren wirbt, der Firma zufolge im Schnitt für 530 Euro pro Monat. Zugleich hat die Regierung seines Vaters van Laack mehrmals Corona-Schutzausrüstungen abgekauft, im April Kittel im Wert von 38,5 Millionen Euro, später orderte die Polizei von NRW Masken für 4 Millionen Euro. Der Mönchengladbacher Hersteller wird seinen Umsatz in diesem Jahr verdoppeln.  Über all das plauderte Van-Laack-Chef Christian von Daniels in einem Interview mit der »Rheinischen Post«, das am vergangenen Wochenende erschien. Nebenbei erwähnte er auch, wer den Kontakt zur Regierung hergestellt hatte: Influencer Joe. Die Randbemerkung wurde rasch zum Politikum. [….] Im nordrhein-westfälischen Landtag hört man jetzt öfter das Wort »Klüngel«. SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty spricht von einem »dilettantischen Vorgehen.« Bei einem Auftragswert in dieser Höhe sollte ein Ministerpräsident »nicht einfach mal beim Auftraggeber seines Sohnes anrufen, um Vergabegespräche zu führen. Da muss er sich selbst fragen: Bin ich da eventuell befangen?«, sagt Kutschaty. [….]   [Armin Laschets] Bruder, Carsten, gehört dem Präsidium des Fußballvereins Alemannia Aachen an. Vor einigen Wochen hat die Landesregierung für die Viertligisten im Sport, die während des Shutdowns unter fehlenden Zuschauereinnahmen leiden, ein 15-Millionen-Euro-Notprogramm geschaffen. Besonders Fußballvereine sollten davon profitieren, auch die Alemannia. Die Opposition witterte einen Interessenkonflikt, die Staatskanzlei äußert sich auf Anfrage nicht dazu. [….]

(Spon, 04.12.20)

So einen Sohn wie Johannes, äh Joe, hätte ich auch gern.
Bei ihm merkt man richtig deutlich das kaiserliche Blut der Laschets, auf das sich der NRW-Ministerpräsident beruft.

Karl, der Große, Armin und Joe - so stelle ich mir auch die göttliche Dreifaltigkeit vor! (…..)

(Kinderwunsch, 04.12.2020)

Im Dezember 2020 war es nur eine Meldung; Joes Kumpel Van-Laack-Chef Christian von Daniels, bekommt großzügig Staatsaufträge von Papa Armin zugeschustert.

Blöderweise ändert sich gerade das politische Klima, da es in der CDU ein bißchen sehr viele Einzelfälle von Politikern gibt, die ordentlich Kasse machten, als sie eine Chance witterten, die Not der Menschen in der Pandemie auszunutzen.

Nach 12 Monaten Corona liegen die Nerven blank, das Verständnis für die mauschelnden C-Politiker schwindet.

Joe Laschets Papi möchte dieses Jahr Bundeskanzler werden und ist zudem auch noch CDU-Bundesvorsitzender.

Da böte es sich an, angesichts der Maskendeals seiner Parteifreunde richtig auf den Tisch zu schlagen.

[….] Unionspolitiker kassierten Hunderttausende Euro, weil sie überteuerte Corona-Schutzmasken vermittelten – zulasten von Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Die Union zeigt sich bestürzt. Dabei war auch sie es, die schärfere Regeln für Nebeneinkünfte und Transparenz über Jahre blockierte. [….]

(Monitor, 11.03.2021)

Aber wie soll das funktionieren, dabei nicht als Heuchler zu wirken, wenn die Laschet-Familie selbst solche Deals eintütet?

 Sein Model-Sohn gibt sich prophylaktisch empört.

Joe ist „fassungslos und wütend“, daß sein guter Name in diesem Zusammenhang „missbraucht“ wird.

Was fällt dem Plebs eigentlich ein?
Nur, weil er dem Mann, der ihn bezahlt, einen Staatsauftrag über 38,5 Millionen zugeschoben hat, fängt nun das Gemecker an!   Die Verbindung Laschet-Van-Laack war doch ganz was anderes.   Da flossen die Millionen doch nur aus Liebe. Um dem einfachen Volk zu helfen!

Und geschadet hat es auch niemanden.

Naja, außer der politischen Kultur, der Demokratie und der Politiker-Glaubwürdigkeit.

Und dem Steuerzahler.

[….] Johannes Laschet arbeitet seit Jahren für Van Laack als Mode-Influencer - monatlich bekommt er für diese Tätigkeit nach offiziellen Angaben nicht mehr als für einen Minijob, also etwa 5400 Euro jährlich.

Erst im Winter des vergangenen Jahres kam heraus, dass die NRW-Landesregierung mehrfach Schutzausrüstung bei Van Laack bestellt hatte - allerdings ohne dies zuvor öffentlich ausgeschrieben zu haben: Im April waren es Schutzkittel im Wert von 40 Millionen Euro, dann Schutzmasken für die NRW-Polizei für etwa vier Millionen Euro.    Die letzte Bestellung des NRW-Innenministeriums für Stoffmasken war jedoch einige Tage vor Silvester rückabgewickelt und neu ausgeschrieben worden - zum einen, weil sich eine Wuppertaler Unternehmerin über die Bevorzugung Van Laacks beschwert hatte, zum anderen, weil Fehler im Vergabeverfahren festgestellt worden waren. Um die Rechtmäßigkeit des letzten Auftrags zu prüfen, hatte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste sogar eine Kanzlei beauftragt. Die prüfte offenbar ziemlich intensiv - und schrieb für 116,7 Stunden Arbeit 23 380 Euro auf.  [….]  Laut Spiegel erwägt das Textilunternehmen nun, Schadenersatzansprüche gegenüber der NRW-Landesregierung geltend zu machen - falls die Firma den Auftrag über die Maskenlieferung nicht wieder bekommen sollte. Firmenchef Christian von Daniels sagte dem Spiegel, weil die Masken das NRW-Logo trügen, könne er sie ja "nicht einfach an Edeka oder nach Amerika weiterverkaufen."   [….] Die Masken, die die Polizei eigentlich gar nicht mehr braucht, könnten für NRW also noch teuer werden. […..]

(SZ, 12.03.2021)

Das ist doch nur Geld. Da soll sich der NRW-Pöbel mal nicht so anstellen. Dafür versorgt sie Joe Laschet auch mit großartigen Modetipps! Und die sind unbezahlbar! KRAWATTE!!


Donnerstag, 11. März 2021

Typisch CDU

Man kann keinen moralischen Kompass verlieren, den man selbst nie besessen hat.

In CDU und CSU häufen sich die Fälle von Raffgier und Bereicherung durch Ausnutzung größter Not, weil Typen mit einem so egoman-skrupellosen Charakter eben in eine konservative Partei gehen und nicht zu Grünen, Sozis oder Linken.

[…..] Die Union will jetzt zeigen, dass sie den Skandal mit aller Macht aufklärt. Sie will Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Genau deshalb ist es ärgerlich, dass die Abgeordneten nur zu Corona-Geschäften befragt werden. Denn es gibt nicht nur die Masken-Affäre. Unionsabgeordnete sollen bezahlte Lobbyarbeit für das Regime in Aserbaidschan betrieben haben. Wenn die Fraktion es mit der politischen Hygiene absolut ernst meinen würde, hätte sie auch Erklärungen eingefordert, nie Geld aus Aserbaidschan bekommen zu haben. [….]

(Robert Roßmann, 10.03.2021)

CDU und FDP sind die Parteien der Reichen, der Besserverdienenden, der Systemausnutzer.

[…..] „Es ist armselig, dass die Partei- und Fraktionsspitze von CDU und CSU sich der Verantwortung für ihren Maskenskandal nicht stellen will. Wenn eine Fraktion im Bundestag sich seit Jahren mit Händen und Füßen gegen mehr Transparenz, gegen effektive Lobbykontrolle und gegen schärfere Vorschriften für Abgeordnete wehrt, wie es die Union im Bundestag tut, dann kann man von Einzelfällen nicht reden, sondern dann ist das mindestens grob fahrlässig", erklärt Jan Korte, 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE […..]

(PM Die Linke, 11.03.2021)

Das ist eine grundsätzliche Frage von Links und Rechts.

Links ist tendenziell revolutionär, denkt solidarisch, möchte den Schwachen helfen, setzt sich für das Wohl anderer ein.

Rechts ist der Satusbewahrer, der danach trachtet die Schwächsten noch mehr auszunutzen, damit er selbst noch reicher wird.

[….] Die Abgeordneten Georg Nüßlein und Nikolas Löbel haben durch die Vermittlung von Masken lukrative Geschäfte gemacht und die allgemeine Empörung darüber ist sehr groß, insbesondere auch bei der CDU und CSU. Dies verwundert allerdings, denn tatsächlich ist nicht ohne Weiteres zu erkennen, inwieweit die beiden Abgeordneten gegen die von der Union bisher verfolgten Richtlinien verstoßen haben könnten.  Insofern scheint es sich hier bei manchen eher um Krokodilstränen der Empörung zu handeln und es ist offensichtlich, dass hier zweierlei Maß an das Verhalten von Abgeordneten angelegt wird, je nachdem, ob dieses Verhalten den Wahlerfolg der Union bedrohen könnte oder nicht. [….] Denn im durchaus vergleichbaren Fall von Philipp Amthor blieben entsprechende Empörungswellen bei der Union aus, da sie in diesem Fall meinte, davon auszugehen zu können, dass die Empörung in der Öffentlichkeit bis zu den nächsten Wahlen verebbt sein würde. Angesichts der Tatsache, dass Philipp Amthor für die Bundestagswahl sogar von der CDU in Mecklenburg-Vorpommern als Spitzenkandidat nominiert worden ist, scheint die Rechnung ja auch aufgegangen zu sein. Es führt aber ein Weg von Amthor zu Nüßlein und Löbel, und dieser Weg führt über Brinkhaus, Schäuble, Kramp-Karrenbauer und Ziemiak. [….]

 (Joachim Behnke, DER SPIEGEL, 10.03.2021)

Natürlich gibt es auch einzelne Superreiche, die ein ausgesprochen soziales Gewissen haben und nicht danach trachten selbst noch mächtiger und noch reicher zu werden.

Ich erinnere nur an Jan Philipp Reemtsma, dessen Sohn Johann Scheerer gerade sein zweites Buch („Unheimlich Nah“, 2020) über die Zeit unmittelbar nach der Entführung veröffentlicht hat, das ich dringend empfehle zu lesen.  Das ist ein hochintellektueller Mann, der sogar das „Hamburger Institut für Sozialforschung“ gründete und finanziert.

Aber solche Menschen sind trotz ihrer finanziellen Power eben gerade nicht konservativ und verachten die CDU.

Der Grünen-Politiker Tom Königs, geb. 1944, entstammt einer steinreichen Bankiersfamilie, studierte, engagierte sich intensiv in der Studentenbewegung, war Mitglied von Joschka Fischers „Putztruppe“, arbeitete als Schweißer bei Opel.

Als er 1973 das für damalige Verhältnisse enorme Vermögen von rund fünf Millionen DM erbte, schenkte er das gesamte Geld dem Vietcong, um sie im Kampf gegen die US-Invasion zu unterstützen.

Michael May aus Moers, der von seiner Mutter ein Aktienvermögen erbte, arbeitete als Bergmann und spendete 2,5 Millionen Euro an die Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), weil die sich seiner Ansicht nach als einzige in sozialen Fragen kompromisslos auf die Seite der Arbeiter stellt.

Ted Turner, geb. 1938, schwer reicher Medienunternehmer und Gründer von CNN, von 1991 bis 2001 war mit der wegen ihres radikalen Engagements gegen den Vietnamkrieg als „Hanoi Jane“  geschmähten Jane Fonda verheiratet, schloß sich „The Giving Pledge“ an und überwies 1997 eine Milliarde Dollar an die UN.

MacKenzie Scott, geb. 1970, die zusammen mit ihrem Ex-Mann Jeff Bezos Amazon aufbaute, besitzt heute ein Vermögen von rund 60 Milliarden Dollar, schloß sich „The Giving Pledge“ an und ist eifrig dabei ihr gesamtes Vermögen zu spenden „bis der Safe leer ist“. Allein im Jahr 2020 überwies sie 5,9 Milliarden Dollar an insgesamt über 500 kleinere wohltätige Initiativen und Organisationen.

[…..] Hauptmann stolpert über seine Geschäfte  […..]  Der CDU-Abgeordnete Mark Hauptmann hat sein Bundestagsmandat wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen aus Aserbaidschan niedergelegt. Auch seine Vermittlungsangebote für Masken an mindestens zwei Landkreise in Thüringen sowie diverse Geschäfte Hauptmanns im In- und Ausland sind zumindest fragwürdig. […]

(Tagesschau, 11.03.2021)

Die meisten Reichen wollen aber reicher statt ärmer werden und dann sind sie bei CDU und CSU und FDP besser aufgehoben.

[….] Binnen kürzester Zeit zieht sich ein dritter Abgeordneter aus dem Bundestag zurück. [….]  Die Unionsfraktion zahlt nun den Preis dafür, dass sie sich so lange gegen einen verbindlichen Ehrenkodex wehrte. […..]

(Stefan Braun,12.03.2021)

Da versammeln sich die Charaktere, die bei Menschen in Not sofort Ideen entwickeln, wie sie selbst finanziell von dem Elend profitieren können. Oder aber falls es nicht möglich ist damit noch Geld zu machen, zumindest das Elend der anderen noch verschlimmert wird, indem man sie kriminalisiert, drangsaliert oder abschiebt.

Und die auch noch stolz darauf sind wie trickreich und virtuos sie das System auszunutzen vermögen.

[….] CDU und CSU stehen derzeit wegen dubioser Masken-Deals mehrerer Abgeordneter im Dauerfeuer der Kritik. Doch um eine weitere Regierungspartei ist es verdächtig still. Die Frage steht im Raum: Sind Parlamentarier der SPD womöglich zu doof, um ebenfalls von zwielichtigen Geschäften mit Schutzmasken zu profitieren?  "Täglich gibt es neue Nachrichten von Unionspolitikern, die ihr Mandat missbrauchen, um sich selbst Vorteile zu verschaffen", erklärt dazu Politikwissenschaftler Christoph Riemschneider. "Das wirft natürlich auch die Frage auf: Was ist da los bei der SPD? Fehlt es da an der nötigen Cleverness und Skrupellosigkeit?" [….] "Man bekommt nicht einmal mit, woran es lag", so Riemschneider. "Haben SPD-Politiker versucht, sich schmieren zu lassen, sind aber daran mangels politischen Einflusses oder Charismas gescheitert? Oder fehlt es den Genossen komplett an der Fantasie? Sind sie nicht einmal auf die Idee gekommen, ihre Machtposition zu missbrauchen?" [….]

(Postillon, 11.03.2021)

Mittwoch, 10. März 2021

Der Mann an der Spitze

Das Image des George W. Bush unterlag einigen Veränderungen.

 Er war schon vor seiner Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2000 als unangenehmer Sohn des 41. US-Präsidenten George H. Bush (1989-1993) bekannt und der Alptraum aller Liberalen und Friedensbewegten, weil er als texanischer Gouverneur mit der missionarischen Verve eines „wiedergeborenen Christen“ töten ließ wie keiner vor ihm.

Er war das Symbol der Todesstrafe und schien regelrecht Vergnügen zu empfinden möglichst viele Menschen hinzurichten.

Die Urteile unterschrieb er wie am Fließband, ohne sich davon seine gute Laune trüben zu lassen.

[…..] Dort zeigt sich wieder mal ein interessantes Religionsparadoxon:
Während Liberale und Atheisten sehr stark für das fünfte Gebot eintreten, wird Gottes Tötungsverbot umso heftiger bekämpft, je christlicher man ist.
The Chosen One, wie ihn seine Mutter Barbra Bush nannte, der Auserwählte also, ist einer dieser antibiblischen Hardcore-Christen.
Der frömmste US-Präsident so far betete unablässig, belog sein Volk in noch nie dagewesener Weise (8. Gebot - LOL!) und hatte schon in seiner Zeit als Gouverneur des Killerstaates Texas sage und schreibe 152 Hinrichtungen durchführen lassen.
Alle eigenhändig unterschrieben.
Kein einziges mal setzte er eine Todesstrafe aus.
Kein einziges mal hatte er nach eigenem Bekunden auch nur die geringsten Anflüge von schlechtem Gewissen.
George Bush war der Top-Killer unter den amerikanischen Gouverneuren.
Fromm und tötungsfreudig; stramm christlich und waffenvernarrt - das sind in Amerika zwei Seiten einer Medaille. […..]

(Das fünfte Gebot, 28.08.2011)

Das Image als religiöser Killer wurde im Präsidentschaftswahlkampf durch das des ungebildeten Deppen ersetzt.

Er zeigte bis dahin nicht gekannte Wissenslücken, wußte rein gar nichts über die Welt außerhalb der USA und ließ internationale Journalisten ob seiner naiven-trotteligen Sätze staunend zurück.

(…..) Nach ein paar Monaten Amtszeit erschien uns GWB noch als harmloser Irrer, der zwar intellektuell unterbelichtet wäre und mit der Rhetorik allgemein auf Kriegsfuß stände, aber sorgen brauche man sich nicht – er wäre doch ganz “putzig”.

Die Wahl dieses Adjektivs wurde wie folgt belegt:

„GWB: „Ich habe mit meinem kleinen Bruder Jeb gesprochen – ich habe das noch nicht vielen Leuten erzählt, aber er ist der Gouverneur von – ich sollte ihn nicht meinen kleinen Bruder nennen –, also: mein Bruder Jeb, der große Gouverneur von Texas…“ Interviewer: „Florida“. Bush: „Florida. Der Staat von der Florida.“ Es sprudelt nur so aus ihm heraus: Einmal „wachsen Flügeln Träume“, dann wieder „kommt die ganz große Mehrheit unserer Importe aus dem Ausland“. Es gibt fundamentale Erkenntnisse wie: „Wenn es uns nicht gelingt, laufen wir Gefahr zu versagen“, oder Rätselhaftes wie: „Ich habe in der Vergangenheit gute Entscheidungen getroffen, und ich habe in der Zukunft gute Entscheidungen getroffen.“ Unwiderlegbares: „Die Zukunft ist morgen“ steht neben Visionärem: „Die Menschheit ist bereit, das Sonnensystem zu betreten.“

Theorien, die begründen sollten, weshalb der US-Präsident derart enthirnt faselt, wurden auch geliefert; so sei die amerikanische Star-Journalistin Gail Sheehy überzeugt, dass Bush Junior wie sein jüngerer Bruder Neil an einer Leseschwäche leide, die ihn dazu bringe, die Sätze auf seinem Teleprompter gnadenlos zu verwursten. (….)

(Wie sich die Weltsicht ändert, 03.02.2007)

So einer könnte sicherlich nicht gegen den intellektuellen, beliebten und erfahrenen Vizepräsidenten Gore gewinnen; waren wir uns in Europa sicher.

Tatsächlich gewann Al Gore bei der Präsidentschaftswahl von 2000 insgesamt eine halbe Million Stimmen mehr als GWB, aber Präsident wurde er nicht.

Wir Europäer hatten uns geirrt. Die meisten Amerikaner störten sich nicht an GWBs drastischen Wissenslücken, weil sie sich selbst auch nicht für die Welt da draußen interessierten.    Im Gegenteil, für sie machten erst die dümmlichen Sprüche GWB richtig sympathisch. Endlich mal kein abgehobener Intellektueller.

In den ersten acht Monaten seiner Amtszeit wandelte sich sein Image erneut.

Im Weißen Haus wurde unablässig gebetet, aber insbesondere versuchte GWB jeden Hauch von Ausschweifungen zu verhindern. Es gab strenges Alkoholverbot, keinerlei Abendveranstaltungen, gesellschaftliche Anlässe wurden abgesagt. Flirten und Affären waren zutiefst verpönt.

GWB prahlte geradezu mit seiner Provinzialität, bestätigte stolz nie zu lesen, ließ um 17.00 Uhr die Lichter abschalten, um die Mitarbeiter zu ihren Familien zu schicken.  Er selbst verbrachte die meiste Zeit urlaubend auf seiner texanischen Ranch.

 Die republikanischen Falken, das Establishment, freundeten sich mit der Situation an.    Es wäre letztlich doch völlig egal, wer im Oval Office säße. Die Politmaschine Washington funktioniere auch so. Ohnehin wäre die graue Eminenz Dick Cheney, der anders als vorherige VPs, keineswegs nur dekorative Zwecke erfüllte, der eigentliche Strippenzieher.   Eine angenehme Arbeitsteilung für alle Lobbyisten; GWB repräsentierte die Macht, aber wer seine Interessen durchsetzen wollte, konnte sich unter dem öffentlichen Radar mit Cheney absprechen.

Mit dem 11.09.2001 änderte sich auch diese Sicht auf GWB fundamental.

Nun wurde er ein aktiver Präsident, der von sich selbst beeindruckt als „War-President“ sprach.   Die USA wurden mit einer Welle der Solidarität überschwemmt, GWBs Zustimmungsraten schossen auf nie gemessene Rekordwerte.

Aber schon bald begannen das große Lügen und der unbedingte Wille zu militärischen Abenteuern.

(…..) Wie sagte Angela Merkels Lieblingspolitiker GWB noch 2003?
"See, free nations are peaceful nations. Free nations don't attack each other. Free nations don't develop weapons of mass destruction."

Mit 935 öffentlichen Falschaussagen vor dem Irkakkrieg trieb die Bush-Administration die Nation in den Waffengang.


Als er dann Präsident wurde, ging das Killen erst richtig los - aber das ist eine andere Geschichte. (…..)

(Das fünfte Gebot, 28.08.2011)

Im Wahljahr 2008 hatte sich wieder eine andere Sicht auf GWB durchgesetzt.

Er war zweifellos der schlechteste US-Präsident aller Zeiten, würde es sicher für Jahrhunderte bleiben.  Er war in jeder Hinsicht total gescheitert.

Seine Kriege waren verloren, alle Kriegsgründe hatten sich als dreiste Lügen herausgestellt, alle Prognosen waren verfehlt. Keineswegs wurden die US-Truppen mit Jubel und Blumen begrüßt, der Irak war keine Vorzeige-Demokratie nach US-Vorbild geworden. Das Image der USA war weltweit ruiniert, immer mehr GIs starben am Tigris und im Hindukusch.    Dazu hatte GWB auch noch mal eben die größte Weltfinanzkrise seit der großen Depression 1929 verursacht und der USA eine gewaltigen Schuldenberg hinterlassen.

Schlimmer konnte es nicht mehr kommen und eben aus dieser Total-Katastrophe der GOP-Regierung schaffte es tatsächlich ein Schwarzer der nächste US-Präsident zu werden.

War das eine Erleichterung als Nr.44 die Amtsgeschäfte übernahm! In Europa stieg Obama sofort in die höchsten Beliebtheitssphären auf. Insbesondere, weil er nicht GWB war. Da überreichte man schon mal prophylaktisch den Friedensnobelpreis.

Nie, nie, niemals hätte ich mir vorstellen können, nur etwa neun Jahre später milde auf GWB zurück zu blicken, ihm geradezu sympathisch Züge abzugewinnen, weil er immerhin selbstironisch war. Aber verglichen mit dem was uns unter #45 blühte, war #43 tatsächlich eine intellektuelle Lichtgestalt.

Und was sind schon 935 Falschaussagen, die addiert von einer ganzen Administration stammten, gegen 30.573 Lügen, die Trump ganz allein in vier Jahren verbreitete?

Die Misserfolge des Donald J. Trump sind jetzt schon so legendär, daß ich trotz der GWB-Erfahrungen erneut die Prognose wage, in #45 den schlimmsten US-Präsidenten meines Lebens erlebt zu haben.

 Die Theorie aus dem ersten Halbjahr 2001, nach der die gut geölte Regierungsmaschine der US letztlich auch ohne den Mann an der Spitze funktioniere, ist nicht mehr haltbar.

Trump verwandelte alles in ein dysfunktionales Chaos aus nicht besetzten Stellen und zutiefst unfähigen Trotteln, die allein nach ihrer Fähigkeit, dem Chef zu umschmeicheln ausgesucht wurden.

Der manische Golfer war extrem faul, aber diese Absenz wurde von keinem VP kompensiert.   Aktuelle Krisen, die ein Handeln der Regierungsspitze erforderlich gemacht hätten, wurden einfach ignoriert.

Trump war nie in der Lage Empathie für die Opfer der Pandemie zu empfinden und so verweigerte er insbesondere in den drei Monaten nach seiner Abwahl vollständig die Arbeit. Er war beleidigt, nicht wiedergewählt worden zu sein und wollte den Karren für seinen Nachfolger so tief wie möglich in den Dreck fahren.

Die USA wurden zu einer Nation in Agonie. 500.000 Covid19-Tote, Chaos bei den medizinischen und sozialen Maßnahmen, Wirtschaft am Boden, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und nie dagewesene Schulden.

 Biden, die #46, ist wenig glamourös und mit 78 Jahren auch nicht gerade ein Typ, der für Elan und Aufbruch steht.

Aber er ist nicht faul, war sich der Probleme, die auf ihn zukommen sehr bewußt, stützte sich auf eine funktionierende Partei und traf offenbar die richtigen Personalentscheidungen, indem er die Ministerien zwar auch nicht sehr spektakulär, dafür aber mit viel Kompetenz besetzte.

Im 2020er Wahlkampf hatte ich mich immer gefragt wieso eigentlich überhaupt irgendein Demokrat freiwillig Präsident werden möchte. Wozu tat sich Joe Biden das an? Die Trump-Hinterlassenschaften erschienen mir so toxisch, daß man sich fragen musste, ob das überhaupt reparabel ist.

Möglicherweise täuschte ich mich da aber. Nach nur sechs, sieben Wochen Präsidentschaft Biden – also viel zu früh, um wirklich urteilen zu können – scheint er erstaunlich erfolgreich und effektiv vorzugehen.

[….] Während der Mittagspause können sich viele Amerikaner demnächst einen Shot in den Arm holen: Die US-Gesundheitsbehörden erlauben großen Unternehmen, ihre Mitarbeiter selbst und vor Ort zu impfen. Der Pharmakonzern AbbVie und der Fleischverarbeiter Tyson Foods haben bereit losgelegt. [….] Die Corona-Immunisierung in den USA gewinnt an Tempo. 60 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfung erhalten, beim derzeitigen Tempo wäre die Nation im September durchgeimpft. Präsident Joe Biden hat versprochen, dass schon Ende Mai genügend Impfstoff für alle Erwachsenen zur Verfügung steht.  An der Wall Street hat das für einen Stimmungsumschwung gesorgt: Während noch vor nicht allzu langer Zeit die Angst vor einer schleppenden Erholung wie nach der Finanzkrise grassierte, erwarten viele Investoren nun einen Boom [….] Die dynamischste Volkswirtschaft der Welt ist wieder da. [….] Ähnlich positiv sieht auch die Industrieländerorganisation OECD die Rolle Amerikas: Sie hob an diesem Dienstag ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum von 3,2 auf 6,5 Prozent an. [….]

(Ines Zöttl, 09.03.2021)

Was eine funktionierende und aktive Regierung doch ausmacht!
Umso deprimierender ist es das debakulierende Duo Scheuer und Spahn zu beobachten.

[…..]  Was der neue US-Präsident nicht liefert: Drama, Chaos, Twitter-Tiraden. Was er liefert: Hilfe für Menschen, die Hilfe brauchen. [….]  Bei Donald Trump zum Beispiel war vom ersten Tag an klar, dass da ein unfähiger, erratischer Egomane regiert. Joe Biden wiederum hat erst knapp die Hälfte seiner Hundert-Tage-Frist hinter sich. Doch was er in den vergangenen sieben Wochen geschafft hat, ist durchaus bemerkenswert. Biden hat den Amerikanern versprochen, ihnen durch die beiden großen Krisen dieser Zeit zu helfen - durch die Corona-Pandemie und durch den Einbruch der Wirtschaft, den das Virus verursacht hat. In beiden Fällen hat er sein Versprechen gehalten. [….] Biden hat den Amerikanern gezeigt, wie Regieren funktionieren kann, wenn man nicht Donald Trump heißt. Kein Drama, kein Chaos, kein Geschrei, keine Twitter-Tiraden, die immer nur um das eigene fragile Ego kreisen. Stattdessen: Hilfe für Menschen, die Hilfe brauchen, um eine Katastrophe zu überstehen. [….]

(Hubert Wetzels, 08.03.2021)

Es ist also nicht egal, ob man einfach matt wie Angela Merkel alles aussitzt und desinteressiert die erwiesenen Totalversager Spahn und Altmaier weiter wurschteln lässt.

Es ist nicht egal, ob der US-Präsident bloß FOX glotzt und golft, oder ob er sich ins Oval Office setzt und die Dinge in die Hand nimmt.

CDU-Wirtschaftsminister Altmaier ließ die Auszahlungen der Corona-Hilfen gerade stoppen, weil er von Missbrauch und Chaos hilflos überfordert ist.

Biden hingegen holt die ganz ganz große Keule raus und verpasst der US-Ökonomie einen gewaltigen Boost.

[….] Profi schlägt Schwätzer!   Der neue US-Präsident löst mit der Verabschiedung des gigantischen Konjunkturpakets im Kongress ein wichtiges Wahlversprechen ein - und er stellt seinen Amtsvorgänger schon jetzt in den Schatten. […..] Nun ist Joe Biden seit gut 50 Tagen im Amt, und man muss sagen: Für einen Tattergreis ist dieser Präsident ziemlich agil und durchsetzungsstark.  Während Trump die meiste Zeit vor allem seine Eitelkeiten pflegte, Kritiker niedermachte und schon kleinste politische Erfolge prahlerisch als Weltsensation zu verkaufen versuchte, redet Biden wenig, arbeitet hart und liefert bereits nach kürzester Zeit beachtliche Ergebnisse. Kurz gesagt, er tut das, was von einem amerikanischen Präsidenten zu erwarten ist. [….]

(Roland Nelles, 10.03.2021)

Das tun, was man von einer Regierung erwarten würde.

Im Bundeskanzleramt wird das wohl erst mal nichts.

[….] Viele Bundesbürger blicken dieser Tage erstaunt in Richtung USA, jenes Landes, das noch vor wenigen Wochen von einem schrillen Egozentriker regiert wurde und allein von Deppen, Hinterwäldlern und Rechtsradikalen bevölkert zu sein schien. Ausgerechnet dieses Land zeigt den Europäern nun, wie der Umgang mit der Corona-Epidemie auch aussehen kann: entschlossen, effizient, unbürokratisch. Jeden Tag werden zwei Millionen Amerikaner gegen das Virus geimpft, wer einen Test will, bekommt ihn, und hat ein Unternehmer bei der Herstellung wichtiger medizinischer Gerätschaften ein Problem, springt ihm die Regierung oder das Militär binnen 24 Stunden zur Seite.   Auch finanziell können sich die Amerikaner auf weitere tatkräftige Unterstützung einstellen: Nach dem Senat billigte am Mittwoch auch das US-Repräsentantenhaus das Corona-Paket von Präsident Joe Biden, das Hilfen im Gesamtumfang von 1,9 Billionen Dollar vorsieht. Im Mittelpunkt stehen Direktzahlungen an die Bürger von 1400 Dollar pro Kopf, hinzu kommen Steuererleichterungen. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kann so mit bis zu 12 800 Dollar Entlastung rechnen. [….]  Für die EU bedeutet das, dass sie im Konzert der führenden Volkswirtschaften weiter an Stimme und Gewicht einbüßen wird. Das gilt umso mehr, als Biden noch für dieses Jahr ein Paket zum Ausbau von Straßen, Schienen, Wasserwegen, Strom- und Digitalnetzen im Wert von weiteren bis zu vier Billionen Dollar plant, um nach den akuten konjunkturellen auch die langfristigen strukturellen Probleme des Landes anzugehen. Gelingt ihm das, droht Europa endgültig den Anschluss an die Vereinigten Staaten und China zu verlieren. [….]

(Claus Hulverscheidt, 10.03.2021)