Mittwoch, 18. November 2020

Lebensfern

Die Deutsch-Rumänin Birgit Kelle, 45, dunkelkatholische Hass-Aktivistin vom äußersten rechten Rand der CDU, ist überall zur Stelle, wenn es gilt auf Minderheiten einzudreschen und Freiheitsrechte zu kappen.

Sie ist Kreuznets Reinkarnation des Homohasses und posaunt ihre antihumanistischen Botschaften auf allen dubiosen rechtsbraunen Plattformen heraus, die gerade noch nicht von Horst Seehofer verboten wurden:
VERS1, The European, Focus, kath.net, Die Freie Welt, Kopp Verlag, Bayernkurier, eigentümlich frei und Junge Freiheit.

Die großen Talkshowredaktionen von ARD und ZDF mit ihrem deutlich rechten und christlichen Überhang hatten schon quasi im Alleingang Pegida und AfD groß gemacht, indem sie extrem überproportional migrantenfeindliche Themen setzen.

Sie lernen nicht dazu und so luden Plasberg, Maischberger, Illner, Beckmann, aber auch der Presseclub Kelle ein, um ihren extremistischen Thesen eine Plattform zu bieten.

Schande über die Sender!

Kelle ist verheiratet mit dem 16 Jahre älteren ebenso extrem konservativen Medienunternehmer Klaus Kelle, der in der CDU, Werteunion und als Mitglied des OMCT Tempelritterordens aktiv ist und als stellvertretender BILD-Redaktionsleiter für journalistische Qualität steht.

Was diese hochgradig politisch vernetzten, wohlhabenden, privilegierten und medial umschmeichelten Cis-Hetero-Erzkatholiken dazu prädestiniert für, bzw gegen Frauen, Schwule oder Kinder zu sprechen, bleibt Plasbergs und Maischbergers Geheimnis.

 Katholiban Birgit Kelle kennt als klassische Religiotin überhaupt keine Zweifel, sondern hält ihre Ansichten für alleinseligmachend.

Als Qualifikation nennt sie ihre vierfache Uterus-Besetzung.

Zu RECHT, denn bekanntlich ist Geschlechtsverkehr eine intellektuelle Großtat, die nur von Genies durchführbar ist.

Daher ist es in der 6.000-jährigen Geschichte des Homo Sapiens kaum jemals einer Frau gelungen schwanger zu werden.

Kelle ist dementsprechend furchtbar stolz darauf, sich ihrem Klaus schon (mindestens) viermal dargeboten zu haben. Sie wird öffentlich fuchsteufelswild, wenn sie den Eindruck hat, als kopulative Koryphäe geringgeschätzt zu werden.

[….]  Ich habe vier Kinder geboren. Wahrscheinlich sind sie das Beste, was ich je zustande bekommen habe. #Kinder sind Zukunft. Es kotzt mich an, wie Kinder und damit Familien diffamiert werden als Untergang des Planeten. Meine Kinder zahlen eure Rente. […..]

(Birgit Kelle, 17. Nov.2020)

Zunächst einmal bezahle ich als Atheist und Konfessionsloser Kelles Kirche und außerdem bezahle ich als Kinderloser Schule, Uni, Ehegattensplitting und Kindergeld für Kelles Leibesfrüchte.

Ob ihre vier Ableger überhaupt je Steuern zahlen, bleibt abzuwarten. Meine Rente zahlen sie aber schon mal nicht, da ich als Selbstständiger ohnehin keine Leistungen der BfA erhalte.

Aber das ist ein katholisches Tatmuster – sie halten sich generell für alles zuständig; insbesondere für die Dinge, die sie nicht aus eigener Erfahrung kennen.

So bestimmen zölibatäre, kinderlose und sexlose alte Männer, die noch nie eine Nacht mit einer Frau verbrachten, die katholische Sexualmoral, dirigieren Uteri und verbieten Verhütungsmethoden.

Dabei können Messdiener gar nicht schwanger werden.

Die kirchliche Sexualmoral ist das bekannteste religiotische Paradox.

Sex unterliegt grundsätzlich nicht kirchlicher Moral, sondern betrifft – sofern die Beteiligten erwachsen sind und freiwillig partizipieren überhaupt keinen Außenstehenden.

Die katholische Kirche ist aufgrund ihrer 2.000 Jahre währenden exorbitanten Kriminalgeschichte voller unvorstellbarer Grausamkeiten aber generell für alle moralischen Fragen disqualifiziert.

Wer auch im Jahr 2020 noch dafür sorgt, daß weltweit die Kindersextäter in Myriaden Fällen vor der Strafverfolgung geschützt werden und sich damit klar gegen die Opfer auf die Seite der Täter stellt, sollte beim Thema „Moral“ sofort sein praktisches Taschengrab-Set herausholen und anfangen ein tiefes Loch zu buddeln, in das er verschwinden kann.

Die Kirche ist so vieles nicht. Sie ist keine Sex-Autorität, keine Beziehungsexpertin, keine Erziehungsratgeberin, keine Moral-Beraterin.

Sie ist noch nicht mal seelsorgerisch qualifiziert.

[….] Manchmal offenbart sich das ganze Elend in einem einzigen Satz. Manchmal ist es ein Satz, dessen Bedeutung derjenige, der ihn spricht, gar nicht erkennt. Heinrich Mussinghoff, der emeritierte Bischof von Aachen, hat vor wenigen Tagen einen solchen Satz in die Welt gesetzt. Eine Münchner Anwaltskanzlei war von seinem Nachfolger um einen Bericht gebeten worden, wie das Bistum Aachen jahrzehntelang damit umgegangen war, dass etliche Mitglieder seines Klerus sexuelle Gewalt ausgeübt hatten. Mussinghoff sagte den Aachener Nachrichten: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Opfergesprächen."

Echt jetzt? Muss man die Vorstellung als naiv beerdigen, für den Priesterberuf entschieden sich doch gewiss jene Menschen, die mit besonders viel Einfühlungsvermögen, Wärme und Zugewandtheit gesegnet sind? Gibt es für diesen Beruf nicht ein schönes Synonym: Seelsorger? Und hier offenbart ein Bischof, dass er mit der Sorge um Seelen überfordert war. Das ist ungefähr so, als würde eine Friseurin sagen: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Haareschneiden."

Allein im Bistum Aachen werden 81 Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.

Es ist zum Verzweifeln mit der katholischen Kirche. […..]

(Delef Esslinger, 18.11.20)

Klappe, Kelle! Klappe, Kirche!

Dienstag, 17. November 2020

Genau zwei Wochen nach der US-Wahl

Joe Biden wird, wenn alles ausgezählt ist, deutlich über 80 Millionen Stimmen bekommen haben, Trump mit etwa 51% zu 47% geschlagen haben, also sechs Millionen Stimmen vorn liegen. Das entspricht nach dem grotesken amerikanischen Wahlrecht 306 zu 232 Wahlmännern. Biden bekommt also 36 Wahlmänner mehr als er für seine Wahl zum US-Präsidenten braucht; eine deutliche Mehrheit.

Natürlich, wenn in den USA nicht mindestens die Hälfte der Bürger total verblödet wären und sie „nur“ den Verdummungsgrad Deutschland aufwiese, also inklusive all der Lindner- und AfD-Fans, hätte Biden mit 89% statt 51% gewonnen.

Ich grusele mich schon bei den 11% der Menschen, die in Deutschland nicht klar Biden präferieren. Aber 47%? In Wyoming erhielt Trump 70% der Stimmen; in West Virginia 69%, in North Dakota und Oklahoma 65%, in Idaho 64%, in Kentucky, South Dakota, Alabama und Arkansas jeweils 62%.

Aus diesen ländlichen, evangelikalen, religiösen und extrem bildungsfeindlichen Bundesstaaten speisen sich Realitätsverweigerung, Gewalttätigkeit, Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit und die extremste Form der Heuchelei.


Trumps tiefe Bösartigkeit, seine Rücksichtslosigkeit und sein Antiamerikanismus sind dabei keineswegs überraschend.

In Kombination mit der Brutalität seiner bis an die Zähne bewaffneten Anhängern und der absolut ruchlosen republikanischen Partei  steht 14 Tage nach der überraschend ruhigen Wahlnacht und den friedlichen Freudenkundgebungen der Biden-Fans doch zu befürchten, daß Donald Nero seine Nation lieber in einem großen Bürgerkrieg zieht, bevor er seine Niederlage eingesteht.

[….] Trumps Unterstützer haben deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für den Präsidenten zu kämpfen, wenn er sie dazu aufruft. Was das in einem Land bedeutet, in dem sich 393 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz befinden, kann man sich leicht ausmalen. Und nein, das ist keine Schwarzmalerei. Den USA droht ganz real ein neuer Bürgerkrieg, und es ist jetzt an den Republikanern, das zu verhindern.  Wahlen sind das Herz der Demokratie, und Wahlen funktionieren nur, wenn die unterlegene Seite ihre Niederlage anerkennt. Dass Trump das nicht fertigbringen würde, war abzusehen. Er ist ein pathologischer Narzisst, er ist ein rücksichtsloser, ein dummer Mann. Aber dass die Republikanische Partei ihn in seinem Wahn nicht nur toleriert, sondern unterstützt, ist Verrat an den Idealen des Landes. [……]

(Christian Zaschke, SZ, 17.11.20)

Während der Noch-Präsident Fastfood-fressend schmollend vor dem Fernseher hockt und seine zersetzenden, hochverräterischen Lügen-Tweets in die Welt setzt, hat nur einer gut Lachen: Das Sars-CoV-II.

Schon seit fünf Monaten erschien Trump bei keiner Sitzung seiner Corona-Taskforce und scheint nun proaktiv-neroesk die dritte Pandemiewelle anzuheizen, damit es Biden und sein Volk möglichst mit unlösbaren Problemen zu tun bekommen. Die Situation ist schlimmer denn je; 11 Millionen Infizierte in den USA, eine Viertelmillion Tote, jeden Tag sterben wieder über 1.000 US-Amerikaner, die Notaufnahmen und Intensivstationen sind total überlastet und nun sind es die Red States, die Kühllaster anmieten müssen, um die ganzen Leichen vor den Krankenhäusern zwischenzulagern.

Trump genießt es; wenn er schon untergeht, soll es allen schlecht gehen.

Und eine gesamte Partei macht mit.

[….] In den vergangenen zwei Wochen stiegen die US-Infektionszahlen dramatisch. Der November begann mit 76.771 Neuinfektionen an einem Tag; drei Tage später wurde erstmals die 100.000-Marke überschritten. Am Sonntag waren es dann 166.555 – wohlgemerkt an einem einzigen Tag. [….] Als Wahlverlierer ignoriert [Trump] die Krise jetzt erst recht. [….]  Seit seiner Wahlniederlage zeigt Trump an den Amtsgeschäften kein Interesse mehr. [….] Unterdessen eskaliert die Lage überall. Am bedenklichsten ist aus Sicht der Experten die rasant wachsende Zahl der Krankenhauspatienten mit Covid-19. Zurzeit sind das nach Angaben des unabhängigen Covid Tracking Projects fast 70.000, so viele wie nie zuvor in Amerika – und doppelt so viele wie noch vor fünf Wochen.  [….] »Unsere Krankenhäuser sind voll«, sagte Megan Ranney, eine Professorin für Notfallmedizin an der Brown University in Rhode Island, der »Washington Post«. »Unsere Mitarbeiter werden krank. Und das überwältigt das System einfach.«  [….] Virologen befürchten, dass die Zahl der Corona-Toten in den USA zum Jahreswechsel 400.000 überschreiten könnte. [….] Der Epidemiologe Michael Osterholm, der der neuen Coronavirus-Arbeitsgruppe des designierten US-Präsidenten Joe Biden angehört, prophezeite den Amerikanern für die kommenden Wochen sogar eine »Covid-Hölle«.   »Das ganze Land ist außer Kontrolle«, sagte die Medizinprofessorin Dara Kass der »New York Times«. »Ein humanitäres Desaster«, so CNN-Medizinkorrespondent Sanjay Gupta. »Womöglich die furchtbarste Story, über die ich in meiner Karriere hier bei CNN berichtet habe.«  [….] Nichts davon überrascht. Seit dem Sommer warnen Experten vor dieser Entwicklung. [….] Joe Biden wird es dank Trump auch nicht leicht haben. Da der scheidende Präsident seinem designierten Nachfolger den eigentlich üblichen Zugang zu allen Regierungsstellen verbaut, können Bidens Corona-Berater sich nicht mit der Taskforce koordinieren. Das wiederum könnte die Auslieferung des neuen Impfstoffs verzögern. [….]

 (Mark Pitzke, 16.11.2020)

Kein Feind, nicht Nordkorea, nicht der IS, nicht die Taliban hätten die USA so schwer treffen können wie die Donald Trump und die moralisch bankrotte GOP; die ihm auch 14 Tage nach der Wahl noch bereitwillig zu Füßen liegt.

Osama bin Laden ist ein harmloses Kind verglichen mit Trump, dem Toxischen.

[…..] Es gibt keinerlei Hinweise auf Betrug. Selbst das unter Leitung von Trump-Leuten stehende Heimatschutzministerium nannte die Abstimmung die sicherste Wahl der Geschichte. Doch Trump twittert unermüdlich darüber, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, dass ihm die Wahl gestohlen worden sei. Seit dem Wochenende in noch höherer Frequenz, man kann ihm öffentlich dabei zusehen, wie er heiß läuft.   Die Vereinigten Staaten befinden sich in der gefährlichsten Phase ihrer Geschichte seit Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1865. Im Weißen Haus sitzt ein Mann mit dem Lebens- und Weltverständnis eines präpubertären Teenagers, der mutmaßlich nicht einmal ansatzweise einen Begriff davon hat, was er da gerade anrichten könnte. [….] Mehr denn je ist nicht auszuschließen, dass die USA einen anderen Weg einschlagen, vielleicht einen Weg der Gewalt. Es ist an der Republikanischen Partei, den Präsidenten jetzt zurück in die Wirklichkeit zu holen. Zu ihrem Wohle, zum Wohle der USA und zum Wohle der Welt. [….]

(Christian Zaschke, SZ, 17.11.20)



Montag, 16. November 2020

Geschäftsmodell kaputt

Zum Glück bin ich „Digital Immigrant“.

So kann ich heute von den Vorteilen der Vernetzung profitieren, das Internet als Recherchequelle anzapfen, hatte aber andererseits eine Social Media-freie Kindheit, in der ich meine eigene Phantasie benutzte, statt passiv vor einem Bildschirm geparkt zu werden. Wir verschlangen sämtliche Enid-Blyten-Bücher, malten und eigene Abenteuer aus, bastelten, malten und natürlich war ich ein Draußen-Kind, das im sumpfigen Teich schwamm, durch Gebüsche kroch, auf Bäume kletterte, Baggermatsch-Skulpturen anfertigte und abends als es zum Abendbrot reingerufen wurde gar nicht verstehen konnte, wieso es schon wieder in Badewanne gestopft wurde.

Meine Mutter war sehr liberal; ich spielte auch eine Zeit lang mit Barbie-Puppen. Aber es gab auch Tabus: Kein Kriegsspielzeug, keine Cola, kein Fastfood und möglichst kein Fernsehen in der Woche. Nur Sonntagsmittags Kinderprogramm, das irgendwie als Bildungs-TV daher kam.

Kinder sollten nicht vor dem Monitor hocken.

Ich war auch kein Kleinkind mehr als ich mich neben Sielmann und Grzimek in ein paar amerikanische Heile-Welt-Serien verliebte: Lassie (1954-1973), Flipper (1964-1967), Unsere kleine Farm (1974-1984) und am tollsten fand ich die Waltons (1972-1981), weil das immer so rührend war und man zum Schluß der Folge, wenn sich das Problem aufgelöst hatte, ergriffen eine Träne verdrückte.

Bei den Familien Walton und Ingalls gab es, ohne das jetzt zu recherchieren, nach meiner kindlichen Erinnerung viele sanft sozialkritische Themen.

Es tauchten Fremde auf, zB Indianer oder Schwarze oder Ausländer, die durch irgendeinen Vorfall in den Verdacht gerieten ein Huhn gestohlen zu haben.

Die Guten in der jeweiligen Serie hatten aber etwas weniger Vorurteile, gingen der Geschichte nach, während die anderen schon zum Lynchen ansetzten.

Am Ende stellte sich alles als Missverständnis heraus und die Fremden wurden am nächsten Sonntag ebenfalls in der Kirche begrüßt.

Denn das war der ultimative Lackmus-Test: Wer fleißig und regelmäßig in die Kirche ging, jeden Sonntag laut mitsang, war gut.

Wer hingegen verdächtig war, hörte sich in Ike Godseys Laden vorwurfsvoll „ich habe sie aber letzten Sonntag nicht in der Kirche gesehen“ an.

Da wußte man schon: Der hat Dreck am Stecken.

Dieses Prinzip der Glückliche-amerikanische-Familie-Serie wird immer wieder erfolgreich vermarktet.

Ein Hauch von Himmel (Touched By An Angel, 1994-2003) oder Eine himmlische Familie (7th Heaven, 1996-2007) führen das Prinzip weiter.

Die glückliche Maincast-Familie besteht aus frommen, fleißigen Kirchgängern, die ganz furchtbar aufgeschlossen sind, wenn etwas Fremdes in ihre heile Welt eindringt.

Nur daß die Probleme extremer als bei den Vorgänger-Serien aus den 1970ern sind. Statt eines Huhns wird mal ein Auto gestohlen, der Fremde ist nicht nur schwarz, sondern womöglich sogar Demokrat und statt eines vorehelichen Kusses wird die sonderbare Neue gleich schwanger.

Aber auch in diesen Fällen gelingt es immer alternierend einem Familienmitglied das schwarze Schaf in die Gemeinde zu integrieren, sich dem Pastor zu offenbaren und schließlich als Climax der Folge am Sonntag zum Gottesdienst zu erscheinen.

Das ist eine der Kernfunktionen der Religion: Die Kontrolle aller aufmüpfigen Bürger. Keiner darf aus der Reihe tanzen und durch den erheblichen Aufwand trotz aller Widrigkeiten im Sonntagsdress jede Woche in der Kirchen zu erscheinen, sich dort stundenlang die Predigten des Pastors anzuhören, zeigt jedes Gemeindemitglied den anderen seine Bereitschaft finanzielle und zeitliche Opfer zu erbringen, um seine Zugehörigkeit und Stromlinienförmigkeit zu beweisen.

Ich bin überzeugt davon, daß dieses Prinzip in kleinen bayerischen Dörfern immer noch so  funktioniert.

Wer nicht regelmäßig in der Kirche, beim Schützenfest und im CSU-Ortsverein erscheint, macht sich verdächtig.

Genau deswegen fliehen kritische Geister, Individualisten, Ungläubige oder LGBTIs auch nachdem sie 18 geworden sind in die Großstadt.

Berlin ist voll von Teens und Twens aus der Provinz, die viel Aufwand betreiben, um ihr verräterisches Idiom aus einem süddeutschen oder rheinischen Kaff zu vertuschen.

Kirche kann keine echte Kontrolle ausüben, wenn sich die Gläubigen sich nicht regelmäßig zu nivellierenden Vollversammlungen treffen, um vom Vorbeter eingenordet zu werden.

Man muss die potentiellen Abweichler stets im Blick haben. Die soziale Kontrolle sorgt dafür, daß niemand auf dumme Ideen kommt.

Insbesondere ist das regelmäßige Erscheinen aller Schäfchen aber wichtig für den Hauptzweck des Christentums: Die Kirche reich zu machen.

Die reichste Organisation der Welt und aller Zeiten ist eine Profi-Geldsammlerin, die weit über das Klingelbeutel-Herumgehenlassen-Stadium hinaus gewachsen ist.

Wenn in Deutschland ein Kirchenmitglied länger nicht zum Gottesdienst erscheint, bedeutet das Alarmstufe Rot für den Pfaff oder die Pfäffin: Das Gemeindemitglied könnte sich nämlich dran gewöhnen und womöglich auf den ketzerischen Gedanken kommen, daß man am Sonntag nicht nur viel bequemer ausschläft, sondern auch enorm viel Geld spart, wenn man aus der Kirche austritt.

Bei meinen katholischen Verwandten in den USA gibt es bekanntlich keine Kirchensteuer, aber das amerikanische Episkopat ist sogar noch reicher als das Deutsche, weil das Geldeinsammeln ganz auf öffentliche Bloßstellung und sozialen Druck setzt.

Man muss nicht nur jeden Sonntag einen Scheck abgeben, sondern die die Spendensumme jedes Spenders wird auch umgehend im Gemeindeblatt veröffentlicht.

Wie steht man da, wenn  man Woche für Woche nur fünf oder zehn Dollar spendet, während die Millers, Smiths und Bushs zuverlässig 300 bis 500 Dollar abgeben?

Der Präsenzgottesdienst, das persönliche Erscheinen ist daher das Kernelement der abrahamitischen Religionen.
So funktionierte es über Jahrtausende.

Bis 2020.

2020 kam die Pandemie und auf einmal sind Treffen aller Gemeindemitglieder hochgefährliche Superspreader-Ereignisse, die sogar gefährlicher als Rudelbumsen im Swingerclub sind, weil in christlichen Gottesdiensten kollektiv gesungen wird und somit ein maximaler Sars-CoV-II-Aerosol-Ausstoß garantiert wird.

Zum Glück für die Kirchenoberen sitzen in der christlichen Bundesregierung und den Landesregierungen lauter christliche Lobbyisten, die im gegenwärtigen Lockdown-light zwar Gyms, Nagelstudios, Kulturveranstaltungen und Restaurants schließen, aber Gottesdienste weiter erlauben.

Ich erspare mir an dieser Stelle den Kommentar welche Bereiche ich für relevanter als Gottesdienste halte.

Aber selbst (einige) Christen sind schlau genug, um zu erkennen, daß man sich während einer Pandemie den Besuch in der Kirche lieber sparen sollte.

Für die Geistlichen ergeben sich daraus drastische Konsequenzen: Ihnen brechen die Einnahmen weg.

[….]  Corona-Krise - Milliardenverlust bei Kirchensteuer

Die Kirchen in Deutschland nehmen in der Corona-Krise deutlich weniger Steuern ein. Laut einer Umfrage fehlen über eine Milliarde Euro - mehr noch als während der Finanzkrise 2009.  Die großen Kirchen in Deutschland rechnen während der Corona-Krise mit deutlich sinkenden Einnahmen. Dies berichtet die "Welt am Sonntag" nach einer Umfrage. Die Einnahmen könnten um mehr als eine Milliarde Euro zurückgehen. Das wäre ein Minus von rund acht Prozent und damit doppelt so viel wie in der Finanzkrise 2009.   Die Kirchensteuereinnahmen lägen demnach 2020 bei 11,69 Milliarden Euro, nach 12,71 Milliarden im Vorjahr. 2019 entfielen 6,76 Milliarden Euro auf die Katholische Kirche und 5,95 Milliarden Euro auf die Evangelische Kirche.  "Derzeit gehen wir für die Evangelische Kirche in Deutschland von einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen in einer Höhe von acht bis elf Prozent aus", sagte Carsten Simmer, Leiter der Finanzabteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland, der "Welt am Sonntag". Die katholischen Bistümer sprechen von Rückgängen zwischen vier und 13 Prozent. […..]

(ZDF, 15.11.2020)

Es ist also tatsächlich nicht alles schlecht an Corona.

Sonntag, 15. November 2020

Früher war Kinder zu vergewaltigen einfacher

Der extrem beliebte selige und heilige Superpapst Wojtila, der es nach dem berüchtigtem Antisemiten und Erfinder der päpstlichen Unfehlbarkeit Pio Nono mit 27 Jahren zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte brachte, faszinierte die Welt.

500 Jahre lang hatten sich italienische, zumeist  adelige Kuriale das Pontifikat durch Simonie gegenseitig zugeschanzt.

Nach einem halben Jahrtausend war 1978 plötzlich eins Ausländer Papst, der auch noch aus einem kommunistischen Staates des Warschauer Paktes stammte.

Damit war der 1920 in Wadowice geborene Karol Józef Wojtyła außerdem der erste Slawe überhaupt auf dem Papstthron. Er blickte auf keine lange klerikale Ahnenreihe zurück und benahm sich ganz anderes als bisherige Päpste des 20.Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu allen anderen Kurialen und insbesondere auch im krassen Kontrast zu seiner rechten Hand und Nachfolger Ratzinger, machte sich Wojtyła nichts aus Gold, Perlen, Juwelen oder Hermelin-Stolas. Er kannte wenig Dünkel und interessierte sich ohnehin wenig für die Pracht und Herrlichkeit des Vatikans.

Lieber ging er hinaus in die Welt und sprach mit katholischen Laien.

Dabei halfen ihm sein Kommunikationstalent, seine Theaterausbildung, sein Chrisma und seine extreme Vielsprachigkeit.

Johannes Paul II. sprach fließend neun Sprachen: Polnisch, Latein, Altgriechisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Außerdem war er mit 12 weiteren Sprachen soweit vertraut, daß er sie lesen und verstehen konnte.

Durch seine Erfahrungen im von den Nazis besetzten Polen und seine jüdische Verlobte war er einer der wenigen nicht antisemitischen und überhaupt an der Ökumene interessierten Päpste. Er pflege freundschaftlichen Umgang mit nicht katholischen Religionsführern, traf jede Woche zum Essen mit Besuchern aus anderen Teilen seiner katholischen Welt zusammen. Diese persönlichen Begegnungen sind nicht zu unterschätzen für sein Weltbild; er soll dabei kaum doziert, sondern vor allem zugehört haben, ein sehr aufmerksamer Gastgeber gewesen sein.

Der Unterschied zu seinem Nachfolger könnte insbesondere in diesem Habitus nicht größer sein; der prachtverliebte Benedikt XVI. speiste ausschließlich mit Gänsi und seine drei Haushaltsnonnen. Dabei wurde geschwiegen. Selbst Kurienkardinäle hatten über Jahre keinen Zugang zu ihm, weil er stets abgekapselt war.

Die nichtkatholische Welt erinnert sich insbesondere an die enorme Reisetätigkeit des Rekordpapstes. Er besuchte 129 verschiedene Länder, trat dabei immer vor gewaltigem Millionen-Publikum auf. Gern wurden diese Mega-Happenings mit Heiligsprechungen garniert. Er führte eine Art Polytheismus light ein, indem er mehr Menschen heilig und selig sprach als alle 263 Päpste vor ihm zusammen. Kein Papst erhob so viele Geistliche zu Kardinälen wie er.

Der Kontrast zwischen dem Wojtyła-Habitus und seiner pontifikalen Vorgänger war so groß, daß man ihn irgendwie mögen mußte.

Während er starb, brüllten seine fanatischen Fans auf dem Petersplatz schon „Santo Subito“ und genau das funktionierte auch im für katholische Verhältnisse blitzartigem Tempo. Sofort fanden sich Wunder, die er als Toter bewirkt haben sollte.

2011 sprach ihn Ratzi in Rom selig. 2014 sprach ihn Franzi heilig. Aber selbst das reicht seinen Fans noch nicht; sie fordern mehr.

[…..] Erzbischof Stanislaw Gadecki bittet Papst Franziskus im Namen der Polnischen Bischofskonferenz, den heiligen Papst Johannes Paul II. zum Kirchenlehrer und zum Schutzpatron Europas auszurufen. Die Bitte des Präsidenten der Bischofskonferenz wird auch von Kardinal Stanisław Dziwisz unterstützt. [….]

(Kathpedia)

Bemerkenswert ist diese positive Sichtweise Wojtyłas nicht wegen seiner erzkonservativen politischen und kirchenpolitischen Haltungen.

Als Papst ließ er die südamerikanischen Befreiungstheologie zerschmettern, setzte die Bischöfe ab, die sich für die Armen stark machten und verortete seine Kirche fest an der Seite der rechtsextremen und faschistischen Diktatoren, die tausende Regimegegner einfach „verschwinden“ ließen.

Frauen sollten an den Herd, Schwule waren Igitt und kirchliche Mitbestimmung durch Laien kam für ihn gar nicht in Frage.

In den Fragen der Familienpolitik, Verhütung, Feminismus und Sozialpolitik stand Wojtyła nicht nur extrem rechts, sondern duldete auch keine andere Meinung.
Theologie-Professoren, Bischöfe, Priester, die es auch nur wagten Fragen zu stellen, wurden vom ewigen Papst gnadenlos verfolgt.

Professor Uta Ranke-Heinemann: Entzug der katholischen Lehrerlaubnis 1987.

Bischof Jacques Gaillot, der sich für AIDS-Infizierte engagierte: 1995 aus dem Amt entfernt.

Eugen Drewermann: 1991 Entzug der katholischen Lehrbefugnis; 1992 Entzug der Predigtbefugnis und Suspension vom Priesteramt.

Prof. Hans Küng: 1979 Entzug seiner kirchlichen Lehrbefugnis.

JP-II duldete nicht nur keinen Widerspruch, sondern griff schon bei vorsichtigen Fragestellern grausam durch, zerstörte theologische Existenzen.

Aber Wojtyła war nicht in jeder Hinsicht so pingelig.

Er hatte ein großes Herz für Kinderficker und förderte auf der ganzen Welt demonstrativ jene Sadisten und Vergewaltiger, die sich massenhaft an kleinen Jungs vergriffen.

Der heilige Papst, der jetzt schon „Johannes-Paul der Große“ genannt wird und bald auch als Kirchenlehrer und Patron Europas gelten soll, liebte die grausamsten Kinderquäler und pädosexuellen Vergewaltiger. Daran ließ er gar keinen Zweifel, indem er sie systematisch förderte und aggressiv deren Opfer mundtot machen ließ.

(….)  Die große Enthüllungs-Welle der Sexualstraftäter-Priester in den USA warf 2002 ihre Schockwellen durch die katholische Welt. Anschließend wurde es nur noch schlimmer. In immer mehr Ländern wurden ungeheuerlichen Zahlen katholischen Klerikern bekannt, die kleine Kinder gequält, geschlagen und vergewaltigt hatten. 2010 erreichte die Welle Deutschland, das Heimatland des nächsten Papstes.

Unglaublich, aber wahr, während der Kindersex-Marathonenthüllungen am 1. Mai 2011 sprach Ratzinger den großen Kinderfickerfreund Wojtyła selig. Bergoglio legte noch einen drauf und sprach Johannes Paul II. am 27. April 2014 heilig.

Damit ist dreifach unfehlbar ex cathedra gesagt „wir ficken kleine Jungs und das ist gut so!“

(…..)  Die Rede ist, mal wieder, von den Legionären Christi, LC, die römisch-katholische Kongregation päpstlichen Rechts und ihrem legendären Gründer Marcial Maciel Degollado.

Kinderfickende Nazis ersetzten auf Geheiß Woytilas und Ratzingers die verhassten südamerikanischen „Befreiungstheologen“, die sich für die Armen einsetzen und den faschistischen Mörder-Diktatoren kritisch gegenüberstanden.

Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Chef der LC und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II.
Da er sagenhafte Summen in die Kasse der RKK spülte, drückte der Wächter der Glaubenslehre Ratzinger alle Augen zu.
Maciel Marcial Degollado hatte mindestens fünf Kinder von zwei Frauen und vergewaltigte darüber hinaus mehrere Dutzend (bis zu 100) Jungs.
Die Vorgehensweise war laut STERN immer gleich:

Vater Maciel rief die ca 12-Jährigen Jungs zu sich, klagte über „schmerzhaften Samenstau in den Hoden“, müsse sich zur Abhilfe masturbieren lassen und dabei auch Kinder penetrieren.
Er erklärte dazu, er habe eine persönliche Erlaubnis von Papst Pius XII „die Schmerzen im uro-genitalen Bereich“ derart zu behandeln.
Hochwürden Samenstau bevorzugte dabei blonde und hellhäutige kleine Jungs, die ihm seine „Legionäre“ weltweit suchten und zuführten.
Seit 1976 wurden Berichte über diese Kindesvergewaltigungen nach Rom geschickt.

Man hielt dort immer die schützende Hand über Maciel.

JP-II ("Maciel ist ein vorbildlicher Priester") würdigte ihn 2004 mit einem Empfang im Petersdom, Ratzinger stellte die Untersuchungen gegen ihn bereits 1999 ein.

Dokumente aus den Vatikan-Archiven belegen laut AP, dass der Heilige Stuhl schon in den fünfziger Jahren Beweise hatte, wonach Maciel drogenabhängig und pädophil gewesen sein soll. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ermittelten damals drei sogenannte Visitatoren, das Ergebnis sei jedoch bis heute nicht veröffentlicht worden. 1998 sollen sogar einige seiner Opfer Anzeige erstattet haben.    Doch Papst Johannes Paul II. verband eine enge Freundschaft mit Maciel, die sich seit dem ersten Zusammentreffen im Januar 1978 entwickelt hatte. Der Papst verehrte den Mexikaner, führte ihn gern als Vorbild an und widmete ihm noch 2001 eine Festmesse auf dem Petersplatz.

(Simone Utler 11. Mai 2012)

Der gegenwärtige Papst, der im Bundestag mit standing Ovations bedacht wurde, ist der Beschützer eines der perfidesten pädosexuellen Gewalttäter.

 Die seit Dekaden bekannten Untersuchungsergebnisse über den brutalen Päderastensumpf seiner Legionäre hält Ratzinger bis heute unter Verschluß.

Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.
Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklage gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte.
(Tagesanzeiger 02.05.2010)

Ratzinger führt also die Tradition seines Vorgängers fort und ermutigt die Legionäre geradezu weiterhin Kinder zu ficken und zu quälen. Rom weiß schließlich Bescheid und hat noch nie etwas unternommen.

Im Gegenteil, mit der Rapid-Seligsprechung des größten Marcial Maciel Degollado-Fans Woytila, hat Ratzinger noch mal unterstrichen, daß er fest an der Seite der Sextäter steht und nicht an die Opfer zu denken gewillt ist.

 Sein ganzes Mitgefühl gilt nur den LC. Er ernannte nach Maciels Tod 2008 einen neuen Chef und ließ mitteilen Benedikt XVI. werde den Ordensmitgliedern "auf dem Weg der Reinigung" beistehen und sie nicht alleinlassen.

 (Mein Freund, der Papst, 11.05.2012)

Marcial Maciel Degollado ist nur ein Fall; es läßt sich durchaus ein Beförderungsmuster erkennen.

[…..] Der frühere Kardinal und Erzbischof von Washington, Theodore Edgar McCarrick, hat systematisch Priesteranwärter und Seminaristen sexuell missbraucht. […..] Theodore Edgar McCarrick, 90, der trotz Gerüchten über sexuelle Vergehen an jungen Männern eine steile Karriere machen konnte in der katholischen Kirche. […..] "Uncle Ted", wie sich McCarrick in den 80er-Jahren gerne nennen ließ, bahnte immer wieder Kontakte zu Priesterseminaristen an, um sie ins Bett zu bringen. Er lud sie ein in ein Strandhaus in New Jersey, immer nahm er einen jungen Mann mehr mit, als das Haus Betten hatte: Der ohne Bett musste beim Erzbischof übernachten. Auf Dienstreisen nahm er Knaben im Highschool-Alter mit. Er nannte sie "Neffen".  […..]  Zeugen und Gerichtsdokumente belegten, dass McCarrick seit den 1970er-Jahren systematisch seine hohe Position ausgenutzt hatte, um Priesteranwärter und Seminaristen sexuell auszubeuten. Immer wieder habe er Opfer oder Zeugen zum Schweigen gebracht. […..]

(Süddeutsche Zeitung, 10.11.2020)

Während Berichte über Theodore Edgar McCarricks Treiben kontinuierlich nach Rom gemeldet wurden, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. 1982 zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Metuchen, machte ihn 1986 zum Erzbischof von Newark. 2000 ernannte JP-II ihn zum Erzbischof von Washington und erhob ihn schließlich im Februar 2001 zum Kardinalpriester der Titelkirche Santi Nereo e Achilleo.

Ratzi und Franzi kennen Wojtyła sehr gut und segnen seine Kinderficker-Begeisterung demonstrativ ab, indem sie ihn ehren und seine Pädosexuellen-freundliche Linie weiterführen.

Die RKK des Jahres 2020 räumt zwar vereinzelt „Versäumnisse“ ein, wenn wieder einmal in einer Diözese hunderte oder Tausende Opfer sexueller Übergriffe durch Priester bekannt werden, aber das dann wischen sie es auch schon mit einem „Das waren andere Zeiten“ weg – also ob es 1950, 1970 oder 1990 völlig in Ordnung gewesen wäre kleine Jungs zu penetrieren.

Sich von Wojtyła, dem Großen, dem Heiligen zu distanzieren, kommt schon mal gar nicht in Frage für den Vatikan des Jahres 2020.

[…..] Days after his death in 2005, cardinals eager to uphold his conservative policies had already begun discussing putting him on a fast track to sainthood while devotees in Rome and beyond clamored for his immediate canonization, drowning out notes of caution from survivors of sexual abuse and historians that John Paul had persistently turned a blind eye to the crimes in his church.  Now, after more than a decade of doubts, his reputation has fallen under its darkest cloud yet, after the very Vatican that rushed to canonize him released an extraordinary report this week that laid at the saint’s feet the blame for the advancement of the disgraced former prelate Theodore E. McCarrick.  The investigation, commissioned by Pope Francis, who canonized John Paul in 2014, revealed how John Paul chose not to believe longstanding accusations of sexual abuse against Mr. McCarrick, including pedophilia, allowing him to climb the hierarchy’s ladder.

[…..] “Saints make errors of judgment, this was clearly an error of judgment,” said George Weigel, a biographer of Pope John Paul II and an official witness during his beatification process. “McCarrick was a pathological liar. And pathological liars fool people including saints.”  […..] John Paul first met Mr. McCarrick in 1976. Mr. McCarrick, the report says, “was on a fishing trip in the Bahamas with teenagers from some of the Catholic families” when a telegram told him to come back immediately to help translate for Pope John Paul II, then known as Karol Jozef Wojtyla, a rising star in the church. Mr. McCarrick joked that Cardinal Wojtyła had ruined his vacation and they struck up a friendship. […..]

(NEW YORK TIMES, 14.11.2020)

 

Samstag, 14. November 2020

Das rechte Auge – Teil II

Ach ja, eins noch zum Thema „auf dem rechten Auge blöd“ und antimuslimische Sicht auf Gewalttaten.

(…..) Ich werde mich nicht an einem Wettbewerb um die schlimmsten Fanatiker-Terroristen nach Religion beteiligen.

Jeder religiöse Fanatismus ist gleichermaßen zu verachten.

Aber ich befürchte, Herr Kühnert wird sich sehr wundern wie sein antimuslimischer Vorstoß wegkommt, wenn er außer den Alice-Weidelschen „Messermännern“ alle weißen christlichen Attentäter in seine Überlegung einbezieht.

Die stellen nämlich die quantitativ größere Bedrohung dar:

Christchurch 2019, Utøya 2011, El Paso 2019, Parkland 2018, Las Vegas 2017.

Betrachtet mal alle Opfer des Terrorismus weltweit, ist eins klar: Muslime stellen die mit Abstand größte Gruppe unter den Opfern. Herr Kühnert.(….)

(Das rechte Auge, 12.11.2020)

Jacinda Ardern, um die ich Neuseeland zutiefst beneide, weil es bedauerlicherweise in den USA und Deutschland keine Führungsfigur von solchem Format gibt, setzte unter anderem auch dadurch ein extrem starkes Zeichen, daß sie als Regierungschefin erklärte den Namen des Massenmörders von 50 muslimischen Neuseeländern demonstrativ nicht aussprach.

Die meisten Offiziellen folgten ihrem Beispiel und so ist der Name des Killers öffentlich nicht geläufig.

Jacinda Ardern, die (wie Jens Stoltenberg nach dem Massaker von Utøya) im März 2019 mit Kopftuch bei den Angehörigen des schweren Terroranschlages von Christchurch erschien, produzierte weltweit ikonographische Bilder.

Sie machte alles goldrichtig, verließ ihre Rolle als Regierungschefin und erschien als Freundin, als Trösterin, als eine von den um die 50 Toten Trauernde.

 [….]Wie kann man auf Menschen zugehen, die fassungslos, wütend und traurig zurückbleiben? Was können wir ihnen sagen und wie können wir ihnen Trost und Geborgenheit spenden? Auch Politiker*innen stehen vor dieser Herausforderung, gerade die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Seit Oktober 2017 hat die 37-Jährige das Amt inne. Am Samstag reiste sie nach Christchurch, ins Canterbury Refugee Center, um dort Menschen aus der muslimischen Gemeinde zu treffen. Dabei trug sie ein schwarzes Kopftuch. Ardern hat viel richtig gemacht in den letzten Tagen.

Von manchen deutschen Politiker*innen kann man dies hingegen nicht behaupten: „Egal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder“, twitterte etwa die CDU-Bundesvorsitzende und mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Kanzlerkandidatin ihrer Partei Annegret Kramp-Karrenbauer. Nein, es ist nicht egal, gegen wen sich der Hass und Terror richtet. Mucad Ibrahim und Ara Parvin wurden aus einem bestimmten Grund ermordet: Ein 28-jähriger Australier tötete sie, weil er diese Menschen, ganz unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Biografien, die lediglich ihr Glauben vereint, für seine Feind*innen hielt. [….]

(Seyda Kurt, 18.03.2019)

Natürlich könnte ich googeln, wie der Hass-Fanatiker heißt, aber es gefällt mir, anders als im Fall Utøya weder Gesicht noch Namen vor Augen zu haben, wenn das Thema „Christchurch-Attentat“ auftaucht.

Wäre ich Mitarbeiter einer Behörde, die sich mit der Verhinderung und Aufklärung von Kriminalität beschäftigt, könnte ich mir diesen Luxus des Nichtwissens und die Genugtuung darüber, daß der rechtsextreme Terrorist ebenen nicht so berühmt wurde, wie er es sich offensichtlich erhoffte, nicht leisten.

Das ist der Nachteil des Internets; die falschen Leute suchen sich falsche Inspiration für ihre falsche Weltsicht aus dem Netz.

Es ist leider zu spät Arderns Beispiel im Fall des Attentäters von Halle zu folgen – die deutschen Medien berichteten allesamt über Ste­phan Bal­liet, der am 09.10.2019 mit Sprengsätzen und Waffen ein Massaker an betenden Juden in der Synagoge veranstalten wollte, glücklicherweise aber an der massiven Holztür scheiterte und daraufhin aus Frust zwei Passanten ermordete und weitere zwei Menschen schwer verletze.

Balliet ist genauso alt wie der Massenkiller von Christchurch, wurde durch dessen gestreamte Tat inspiriert, beruft sich auch seine „berühmten“ rechtsradikalen Massenmörder-Vorgänger.

Natürlich ist es für „den Staat“ wichtig zu wissen wie so ein eigentlich aus normalen Verhältnissen stammender unscheinbarer Typ – Mutter Lehrerin im Fach „Ethik“, Vater Fernsehmechaniker – vor dem Computer sitzend immer radikaler wird.

Es ist ein klassischer Fall von „Antisemitismus ohne Juden“. Ste­phan Bal­liet kennt keine Juden persönlich, sagte sich sein zutiefst verschwörungstheoretisches antisemitisches Weltbild aus dem Internet.

Er generierte derartigen Hass, daß er auch ein Jahr nach der Tat nicht die geringste Reue empfindet, aber es bedauert nicht in die Synagoge vorgedrungen zu sein, um noch viel mehr Menschen zu töten.

Polizei, Kriminologen, Soziologen, Bildungsexperten, Politiker müssen verstehen, wie so etwas passiert, um das zu verhindern.

Balliet ist offensichtlich einer dieser INCELS und auch Q-Anon-Jünger, begann sein Tatvideo mit den verstörenden Worten…

[…..] "Hi my name is Anon, and I think the holocaust never happened. Feminism is the cause of the decline of the West which acts as a scapegoat for mass immigration. And the root of all these problems is the jew. Would you like to be friends?" [….]

(zitiert nach ADL, 09.10.2019)

Der Strafprozess ist extrem abscheulich, weil die Horrortaten alle in Wort und Bild dokumentiert wurden und nun im Gerichtssaal den Angehörigen der Opfer und den Nebenklägern präsentiert werden. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord und 68-fachen Mordversuch, Holocaustleugnung, Körperverletzung, erpresserischen Raub und anderes mehr. Balliet genießt die Medienaufmerksamkeit.

Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens macht offenbar einen sehr guten Job, möchte ebenfalls herausfinden, wie man so wird.

Dafür bestellte sie BKA-Experten als Zeugen, die die Online-Vergangenheit des Killers untersuchten.

Dabei kommt aber ein Skandal im Skandal zum Vorscheinen.

[…..] Auf­trit­te der Be­am­ten des Bun­des­kri­mi­nal­amts füh­ren re­gel­mä­ßig zu Be­frem­den. Die Ne­ben­kla­ge­ver­tre­ter in­ter­es­siert vor al­lem, was die Be­am­ten un­ter­nom­men ha­ben, um et­was über mög­li­che Kon­tak­te Bal­liets her­aus­zu­fin­den. Gab es nicht doch Mit­wis­ser?

Eine Be­am­tin hat sich mit den Spie­len be­schäf­tigt: »Im We­sent­li­chen spiel­te Herr Bal­liet Ego-Shoo­ter und Rol­len­spie­le.« Spiel­part­ner sei­en nicht be­kannt; »Chat­da­ten wer­den nur 14 Tage ge­spei­chert.«

»Wel­che Kennt­nis­se habe Sie dar­über, wie bei Steam Spiel­ver­läu­fe ge­spei­chert wer­den?«, fragt Rechts­an­wäl­tin Kati Lang. »Kei­ne Kennt­nis­se«, sagt die Be­am­tin, »da­für gibt es Ex­per­ten beim BKA.« – »Ha­ben Sie mal auf Steam ein Spiel ge­spielt?« Die Be­am­tin ver­neint: »Ich bin kein Ga­mer.«

Lang hakt nach: »Das BKA hat Sie, die kei­ne Ah­nung von Ga­ming und Steam hat, da­mit be­auf­tragt, die Aus­wer­tung vor­zu­neh­men?« Die Frau zö­gert mit ih­rer Ant­wort: »Ja.« Ein an­de­rer Be­am­ter hat sich das Image­board 4chan an­ge­se­hen. Ob es da eine Mo­dera­to­ren­funk­ti­on gebe? Weiß er nicht. Wer dazu Nä­he­res mit­tei­len könn­te? Weiß er auch nicht.

»Wenn Sie ei­nen in­ter­netaf­fi­nen 18-Jäh­ri­gen dran­ge­setzt hät­ten«, em­pört sich An­walt Da­vid Herr­mann, »hät­te der mehr raus­ge­kriegt. Ich bin maß­los ent­täuscht und ent­setzt über die man­geln­de Kom­pe­tenz beim BKA.« Ober­staats­an­walt Ste­fan Schmidt re­agiert ge­reizt: Für das Straf­maß sei­en die­se Fra­gen egal. [….]

(Beate Lakotta, SPIEGEL 07.11.2020)

Das ist das Ergebnis von Jahrzehnten CDU-geführten Innenministerien und konservativer Polizeiführung.

Offensichtlich wurde seit dem NSU nichts gelernt.

Erbärmlich.

Es wäre schön, wenn sich Kevin Kühnert als aufstrebender Toppolitiker mit dem Totalversagen deutscher Behörden wie des BKAs beschäftigt, statt antimuslimische Ressentiments zu schüren.

Freitag, 13. November 2020

Es war doch alles schlecht.

Die große Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln, durchgeführt von der renommierten Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl (WSW) führte zu einem Ergebnis, das die langjährigen Kirchenfürsten in keinem guten Licht darstellte.

Kardinäle, Bischöfe, Generalvikare, die das massenhafte Kinderficken ermöglicht, akzeptiert und sogar durch Verschickung der bekanntermaßen pädosexuellen Priester förderten wollte der aktuelle Metropolit der Kirchenprovinz aber um jeden Preis schützen. Auch im Jahr 2020 gilt für den reichsten Kardinal außerhalb Roms die katholische Maxime „Täterschutz geht vor Mitleid mit den Opfern“.

Und so warf sich Woelki auch diesmal sofort in die Bresche für die Kinderficker.

[…..] Nachdem Kardinal Woelki aber tolldreist den Missbrauchsopfern seines Sprengels mit voller Wucht in den Rücken trat, weil er lieber die ehemaligen Kardinäle Höffner und Meisner, sowie den Hamburger Erzbischof Heße schützt, fiel auch dem SZ-Mann nichts mehr ein, um seine Kirchenfürsten zu verteidigen.

[…..] Selbst wenn im Text des Kölner Missbrauchsberichts nicht jeder Satz gelungen sein sollte - der Versuch, die Erkenntnisse zum systematischen Versagen der Leitung des katholischen Erzbistums im Umgang mit Fällen von sexueller Gewalt unter Verschluss zu halten, ist falsch. Die Art und Weise, wie dies gerade geschieht, macht ihn zur Katastrophe. […..]  Aus dem furchtlosen Aufklärer im Bischofsamt ist innerhalb eines halben Jahres der verzagte Hirte geworden, der - statt um die Wahrheit zu ringen - die verstorbenen Kardinäle Joseph Höffner und Joachim Meisner schützt, ihre noch lebenden Generalvikare und Personalchefs, von denen einer heute Erzbischof von Hamburg ist, Stefan Heße. Es hat das alte System gesiegt. […..] Wieder einmal sind die Betroffenen der sexuellen Gewalt die Opfer. Den Betroffenenbeirat des Erzbistums über den Tisch zu ziehen und ihn ein Gutachten kritisieren zu lassen, das er selber nicht kennt, war eine infame Aktion. Man sollte die Mitglieder das weggesperrte Gutachten lesen lassen - und sehen, welche Meinung sich diese dann bilden. [……]

(Matthias Drobinski, 02.11.2020)

Willkommen auf der dunklen Seite der Macht, Herr SZ-Redakteur!
„Infame Aktion“ – endlich eine gute Wortwahl. [……]

(Den toten Gaul reiten, 02.11.2020)

Dieselbe Münchener Kanzlei WSW arbeitete auch an einer ähnlichen Untersuchung für Kölns kleines Suffragan-Bistum Aachen.

Das Ergebnis war das zu Erwartende; wie in jedem katholischen Bistum, hatten Priester systematisch und ungehindert vor allem kleine Jungen vergewaltigt und sexuell gequält.

[…..] Die Gutachter fanden bei ihren Recherchen Hinweise auf 175 Missbrauchsopfer im Bistum Aachen bis 2019, die meisten davon Jungen, besonders aus der Altersgruppe der Acht- bis 14-Jährigen. In mehreren Fällen seien Priester, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht und teilweise dafür Haftstrafen abgesessen hätten, wieder in Gemeinden eingesetzt worden. Dort hätten sie dann teilweise erneut Kinder missbraucht.   Für die Reaktion der Bistumsführung auf die Missbrauchsfälle sehen die Gutachter "systemische Ursachen". [….]

(DPA, 12.11.2020)

Ungewöhnlich am Fall Aachen ist allerdings, daß Bischof Dr. Helmut Dieser und Generalvikar Dr. Andreas Frick im Gegensatz zu ihrem Vorgesetzten Woelki das Gutachten annahmen und veröffentlichten, obwohl deren bischöflichen Vorgänger darüber nicht glücklich waren.

Dieser beschreitet ganz neue Wege, indem er erstmals die Wünsche der Opfer der priesterlichen Päderasten über die der Täter stellte.

Woelki hatte die Prioritäten noch genau anders herum gesetzt.

[…..] Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die früheren Aachener Bischöfe Johannes Pohlschneider, Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff sowie gegen die Generalvikare Karlheinz Collas und Manfred von Holtum. Heinrich Mussinghoff, 80, und Manfred von Holtum, 76, sind die einzigen noch lebenden der im Gutachten belasteten Personen.   Es geht in dem Gutachten um Aachen - und um viel mehr. Es geht um die Frage, wie die katholische Kirche in Deutschland das Handeln und Unterlassen ihrer Bischöfe und Generalvikare bei Missbrauchsfällen aufklären und bewerten soll. Die Kanzlei WSW betont, dass sie nicht nur rechtliche und kirchenrechtliche Aspekte bewerten will, sondern vor allem, ob der Umgang mit den Betroffenen des Missbrauchs dem kirchlichen Selbstverständnis entspricht. […..] Aus den Aachener Bistumsakten der Jahre 1965 bis 2019 identifizierten die Anwälte 81 beschuldigte Kleriker. Anhand von 14 Fallbeispielen haben sie das Handeln der Verantwortlichen exemplarisch rekonstruiert. Das habe sich "primär am Täterschutz" ausgerichtet. "Bis zum Jahr 2010 sind in den Akten nahezu keinerlei Bemühungen des Bistums zu entnehmen, auf die Opfer aktiv seelsorgerisch zuzugehen", heißt es, und: "Demgegenüber ist das Verhalten der Bistumsleitung häufig von einer kaum noch nachvollziehbaren Zuwendung zu den Tätern geprägt." [……]

(SZ, 12.11.2020)

Es mussten nur ein paar Millionen Kirchenmitglieder austreten und zwanzig Jahre die Kinderfickerförderung der RKK in der internationalen Presse angeprangert werden bis nun doch immerhin ein Bischof auf die Idee kam die Angelegenheit auch einmal aus der Perspektive anzusehen.

[…..]  Skandale mussten um jeden Preis vermieden werden, auch wenn dafür mal ein Kirchenzeitungs-Chefredakteur gemaßregelt wurde. Problem-Priester wurden einfach versetzt, ins Nachbarbistum, ins Ausland, wo sie weitere Taten begingen. Der Bund der Brüder schützte sie. Es schützte sie die Unfähigkeit ihrer Vorgesetzten, über Sexualität zu reden. Es schützte sie der Irrglaube, dass die Kirche heilig, rein und unbeschmutzt bleiben müsse. Persönliche Fehler? Keinesfalls! […..]

(Matthias Drobinski, 12.11.2020)

Altbischof Mussinghof ist allerdings entsetzt. Der Mann kann als tiefgläubiger Katholik ins schon mal ganz bestimmt nicht: Reue empfinden.

Ja, das ein paar Hundert Kinder von seinen Priestern  vergewaltigt wurden und er das ermöglichte wäre nicht unbedingt schön, aber sicher auch nicht sein Schuld. Und überhaupt wäre doch nicht alles schlecht gewesen in der RKK, nur weil innerhalb ihrer Strukturen weltweit Zigtausende Kinder sexuell missbraucht, Millionen zu Brei geprügelt, psychisch zerstört, in den Selbstmord getrieben, kastriert (in Belgien) und finanziell ausgenutzt wurden.

[…..] Das sind keine neuen Erkenntnisse. Neu ist, dass die Münchner Anwälte Fehler und Versäumnisse mit konkreten Namen und Gesichtern verbinden. Liest man die Antwort von Bischof Mussinghoff - es ist ein Gebot der Fairness, sie mitzuveröffentlichen -, dann endet hier seine Akzeptanz. Ja, es gab Fehler, so war die Zeit. Aber ich persönlich? Keinesfalls!   Der Aachener Bischof [Missinghof] war nicht schlechter als seine Amtsbrüder. […..] Er durchbrach aber nicht das System, ihm fehlte der Mut dazu. Dass er bis heute keinen Fehler zugeben kann, zeigt, wie stark dieses System noch ist. […..] Geht das nicht freundlicher? Mit mehr Distanz? Warum berücksichtigt ihr nicht die Zeitumstände? Es war doch nicht alles schlecht! […..]

(Matthias Drobinski, 12.11.2020)

Doch Missinghof.

Was (unter anderem auch) in Deinem Bistum vorkam, ist eben nicht zu entschuldigen.

In so einer Kirche ist alles schlecht.

Donnerstag, 12. November 2020

Das rechte Auge

Als Antinatalist, Atheist und Humanist sind mir aller drei großen abrahamitischen Religionen gleichermaßen unsympathisch.

Alle drei propagieren in dieser total überbevölkerten Welt das Kindermachen, alle drei diskriminieren Teile der Bevölkerung (Frauen, Schwule, Kinder,..) und alle drei frönen der „Wir sind besser als die“-Ideologie, die sie ermächtigt gewalttätig gegenüber Un- oder Andersgläubigen zu sein.

Das Judentum ist mir etwas sympathischer als der Islam oder das Christentum, weil sie wenigstens nicht missionieren.

Betrachtet man die gesamte Geschichte der abrahamitischen Religionen, war das Christentum die tödlichste und kriminellste von den dreien.

Christen waren die längste Zeit zutiefst intolerant, haben generalstabsmäßig Nicht-Christen getötet, Pogrome inszeniert, Genozide durchgeführt.

Die historischen Kalifate in Bagdad und Konstantinopel, ließen ebenso wie die muslimischen Mauren während ihrer Jahrhunderte langen Herrschaft in Spanien Toleranz walten, duldeten auch Christen und Juden unter ihnen, profitierten vom Kultur-Mix.

Es ist nur den muslimischen Gelehrten zu verdanken, daß antike Schriften überliefert sind.

Im finsteren Mittelalter vernichteten Christen 1.000 Jahre lang alles, das ihnen als unchristlich erschien, während Muslime die Wissenschaft und auch Kulturgüter anderer Religionen achteten.

Da Juden sich nicht wie ihre Muslimischen und Christlichen Vettern 2000 Jahre mit gewalttätigen Missionierungsmaßnahmen beschäftigten, gab es immer viel weniger Juden. Sie waren vor der Gründung des Staates Israel überall nur eine Minderheit und insofern ohnehin zu Toleranz und zur Co-Existenz mit anderen Religionen gezwungen.

In den Kalifaten mit Sitz in Bagdad und Konstantinopel, denen Abu Bakr al-Baghdadi nun nacheifert wurde erheblich liberaler geherrscht, als es der IS jetzt tut. Und natürlich auch erheblich liberaler, als es Christliche Herrscher der Zeit taten.

Es gab bei Hofe berühmte schwule Dichter, jüdische Minister und Christliche Gelehrte. Deswegen haben wir ja jetzt in Syrien, Irak und Ägypten Millionen Christen!

 […] Mehr als 750 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Kalif am Tigris regierte. […] Das Leben am Hofe der Kalifen von Bagdad hatte nur wenig gemein mit dem, was die Dschihadisten unter einer islamischen Ordnung verstehen. Die Hauptstadt des Reichs war jahrhundertelang nicht nur das Zentrum der Wissenschaften und Künste, sondern auch ein Sündenbabel.   Viele Kalifen, in deren Fußstapfen nun die ISIS-Terroristen treten wollen, liebten den Wein und junge Männer. Und sie beschäftigten Hofpoeten, die das ausschweifende Leben am Tigris-Ufer in Verse packten. Der bekannteste Dichter jener Zeit war Abu Nuwas, der Ende des achten, Anfang des neunten Jahrhunderts zu Zeiten des legendären Kalifen Harun al-Raschid lebte und ein enger Vertrauter des Herrschers war. Er verfasste viele Wein- und Liebesgedichte, zumeist in homoerotischer Form. […] Der Sohn von Harun al-Raschid und Nachfolger auf dem Kalifenthron, al-Amin, trieb es noch bunter. Laut den Überlieferungen der Hofschreiber unterhielt er einen ganzen Harem mit jungen Männern und ließ allabendlich Eunuchen für sich tanzen und singen. […] Alkohol und Glücksspiel waren keineswegs nur das Privileg der reichen Oberschicht. Auch das gemeine Volk zog es in Trinkhäuser und Cafés, in denen es Wein tranken und Backgammon spielte.   Jenseits dieser Ausschweifungen war Bagdad im achten und neunten Jahrhundert unter den Kalifen die Welthauptstadt für Astrologen und Mediziner, Philosophen und Mathematiker. Christliche und Jüdische Wissenschaftler hatten daran entscheidenden Anteil. Und die Stadt war nicht zuletzt Austragungsort erhitzter innerislamischer Debatten über den Koran. […]

 (Christoph Sydow, 22.06.2014)

„Der Islam“ war tolerant und duldete nicht nur Andersgläubige, sondern fühlte sich verpflichtet sie aus Gastfreundschaft zu schützen.

Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich die Maurische Hochkultur in Spanien, als unter Islamischer Kontrolle Wissenschaft und Kunst aufblühten, weil Christen und Juden akzeptiert waren. Dadurch konnten sich im schönsten Multikulti die Wissenschaften gegenseitig befruchten. Daher waren Astronomie, Mathematik und Medizin in Islamischen Herrschaftsbereich Jahrhunderte vor dem Christentum in Nordeuropa.

Die iberische Halbinsel erlebte in den sieben Jahrhunderten maurischer Herrschaft eine beispiellose kulturelle Blüte, bevor mit Isabella der Katholischen alles zerschlagen wurde, Inquisition und Judenverfolgung das Bild bestimmten.
Blüte ist durchaus wörtlich zu verstehen - die islamischen Einwanderer hatten nämlich auch den Blumentopf erfunden und brachten bunte Pflanzen nach Spanien. Sie legten Gärten an.
Ebenfalls aus Arabien importiert wurde die Gitarre - man stelle sich den Flamenco ohne Gitarren und bunte Stoffe vor - so sähe er wohl heute aus, wenn Spanien nur unter Christlichen Einfluss gestanden hätte.

Weitere heute nicht mehr wegzudenkende islamische Errungenschaften sind:
Mehrstöckige Architektur, Burgenbau, Liedgut, Farbige Stoffe, Zuckerrohranbau, Schulwesen, Übernahme der Papierproduktion aus China, Brieftaubenkommunikation, Schach, Kristallglas, golddurchwirkte Stoffe, Muster.

Im 11. Jahrhundert sind Arabische Erfindungen z.B. Uhren, Messgeräte, Hebegeräte und Energiespender, Linsen für Fernrohre und andere optische, astronomische und medizinische Instrumente und Geräte.

Die Christen sind beleidigt, ob ihrer eigenen Doofheit.

Die Araber brachten eine derartige Hochkultur hervor, daß die wissenschaftsfeindlichen Christen im Vatikan dies als eine Bedrohung ansahen, auf die sie mit Gewalt reagierten.

Die Kirche fängt an, Forschung mit arabischen Grundlagen zu verbieten und lässt Forscher deswegen in den Kerker werfen oder sogar mit dem Tod bestrafen.
Die Kirche beginnt ihre Weltzensur gegen die überlegene islamische Lebensweise und technische Entwicklung.

500 Jahre Krise nannte Sebastian Schoepp seine feuilletonistische Analyse dieses destruktiven Christlichen Debakels in Spanien.

(Eviva Espana Teil II – 07.06.2012)

Unglücklicherweise gerieten die sunnitischen Herrscher im Arabien des 18. Jahrhunderts in große ökonomische Schwierigkeiten und ließen sich in ihrer Not auf Ibn Abd al-Wahhab (1702; gestorben 1792) ein.

Der Gelehrte führte Missernten und Unglücke auf eine zu lasche Auslegung des Korans zurück und propagierte eine totalitär-fundamentalistische Auslegung des Islams, die er zusammen mit dem späteren Königshaus Saud in praktische Politik umsetzte.

Wahabitische Muslime sind allerdings sehr viel intoleranter als ihre Vorgänger über viele Jahrhunderte.

Im Christentum hingegen entglitt den Kirchenfürsten im 19. Jahrhundert die totale Kontrolle. Die Aufklärung begann, Wissenschaftler und Künstler der christlichen Welt versuchten zunehmend unabhängig von den Fesseln ihrer Kleriker zu werden.

Alle aufklärerischen Gedanken, die Menschenrechte, jeder gesellschaftliche Fortschritt – Frauenrechte, Kinderrechte, Schwulenrechte, etc pp – mussten gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirche über 200 Jahre erkämpft werden.

Dier Kampf ist keineswegs zu Ende; auch im 21. Jahrhundert sind es die christlichen Politiker und Kirchen, die sich vehement gegen die gleichen Rechte für alle Menschen stemmen, gegen PID und Sterbehilfe wettern, in Polen die Abtreibung verbieten, in den USA gay marriage verbieten wollen.

Unter Liberalen und Säkularen des Jahres 2020 stellt sich oft die Frage „wie hältst du es mit dem Islam?“

Rechte politische Gruppen werfen den Linken routinemäßig Islam-Appeasement vor, man solle sich stärker distanzieren.

Interessanterweise stehen die organisierten Christen in säkularen Ländern eher auf der Seite ihrer muslimischen Erzfeinde, gegen die sie einst Jahrhunderte Kreuzzüge organisierten.

Als sich in Deutschland des Jahres 2012 die Mehrheit der Parlamentarier über die UN-Kinderrechtscharta hinwegsetzte und es aus religiösen Gründen erlaubte Kleinstkindern körperliche Gewalt anzutun, stellten sich die christlichen Kirchen nicht etwa an die Seite der Opfer – zumal Christen keine Beschneidungspflicht kennen – sondern hielten 100%ig zu Muslimen und Juden, weil es gemeinsam gegen Humanisten und Atheisten ging.

Ich benötige keine Entscheidungshilfe, wenn es darum geht den Islam zu kritisieren.

(…..) Ich lehne alle Religionen ab. Aber ich räume den polytheistischen Lehren grundsätzlich ein größeres Maß an Toleranz ein, als den monotheistischen Extra-Ecclesiam-Nulla-Salus-Lehren ein.

Der spezifisch destruktive Kern der abrahamitischen Religionen liegt ja gerade in ihrem exkludierenden Geist.

"Wir sind besser als die“ zum Dogma erhoben, muss zu dem Unfrieden und Krieg führen, den wir auch tatsächlich als Dauerzustand erleben seit Pharao Echnaton, der von 1353–1336 v. Chr. regierte, das erste mal erklärte es gäbe nur einen Gott, nämlich Aton und damit alle anderen zum Abschuss freigab.

Christentum, Islam und Judentum sind für mich die unangenehmsten Religionen.

Von den Dreien klammere ich aber oft das Judentum aus, weil es wenigstens auf den brutalsten Aspekt, die Missionierung verzichtet.

Juden sind nie losgezogen, um sich ganze Kontinente untertan zu machen, Völker zu versklaven, Genozide anzuzetteln.

Juden werfen keine Ungläubigen auf Scheiterhaufen, halten keine Auto Dafés ab, führen keine Inquisitionen durch, ziehen nicht zu Kreuzzügen los, um über 200 Jahre ganze Landstriche leerzumetzeln. (……)

(Verteidigung einer Religion, 21.04.2018)

Ich fühle mich von Kevin Kühnerts Opportunismus, Populismus und historischer Unwissenheit belästigt, wenn er als SPD-Topfunktionär auf einmal Islamophobie von seinen Parteigenossen verlangt.

[…..] Insbesondere die politische Linke sollte ihr unangenehm auffälliges Schweigen beenden. Nicht, weil sie von rechts mit durchschaubaren Argumenten dafür kritisiert wird. Sie muss das Wort erheben, weil es auch und insbesondere ihre proklamierten Werte sind, die bei ausnahmslos jedem Terroranschlag mit Füßen getreten, mit Messern erdolcht und mit Sprengsätzen in die Luft gejagt werden. […..]

 (Kevin Kühnert, 21.10.2020)

Tumbe Pauschalisierungen und allgemeine religiöse Unkenntnis der ganz üblen Sorte breitete Kühnert mit seinem viel kritisierten Essay aus.

Ja, es herrscht mehr politische Toleranz in Deutschland, als in Saudi Arabien; das zu bestreiten wäre absurd.

Aber das ist nicht das Verdienst der Christen, sondern der Atheisten, die mühsam diese Toleranz erkämpften.

Es waren fast ausschließlich Christen, die Mitte des 20. Jahrhunderts sechs Millionen Juden umbrachten.

Da ich in einem christlich geprägten Land lebe, kehre ich natürlich vor meiner Haustür und uns kritisieren zwar auch, aber nicht so häufig die Religionen, die in anderen Weltgegenden dominieren.

Ich bin aber anders als Rechte (und Kevin Kühnert) in der Lage zwischen Gläubigen und ihrer Religion zu unterscheiden.

Die streng katholische Portugiesin, die im Pflegeheim nebenan das Essen serviert, meine sehr fromme katholische Tante in New York, mein muslimischer iranischer Zahnarzt, Mohammed aus meinem Zeitungskiosk – sie alle sind großartige, liebevolle Menschen, die ich jederzeit gegen alle Anfeindungen verteidige, obwohl ich allen vier Fällen Ihre Religion und ihren Glauben total ablehne.

Das ist aber das Wesen des Humanismus, auch Andersgläubige genauso zu ehren.

Es bleibt mein Ziel die organisierten Religionen der Welt allesamt zurück zu drängen.

[….] Solange nämlich Religioten das Sagen auf unserem Planeten haben - und das haben sie leider, Mensch sei’s geklagt, in vielen Teilen der Welt -, sind alle Versuche, das Zusammenleben der Menschen vernünftiger, freier, gerechter zu gestalten, notwendigerweise zum Scheitern verurteilt. (Denken Sie nur an die muslimischen Extremisten in Somalia, die 2011 dringend benötigte internationale Hilfe für die hungernde Bevölkerung nicht zuließen.) Versuchen wir also angesichts der Bedeutung dieses Phänomens eine kurze Definition des religiotischen Syndroms:
Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….]

(Keine Macht den Doofen, s.42f)

Ich werde mich nicht an einem Wettbewerb um die schlimmsten Fanatiker-Terroristen nach Religion beteiligen.

Jeder religiöse Fanatismus ist gleichermaßen zu verachten.

Aber ich befürchte, Herr Kühnert wird sich sehr wundern wie sein antimuslimischer Vorstoß wegkommt, wenn er außer den Alice-Weidelschen „Messermännern“ alle weißen christlichen Attentäter in seine Überlegung einbezieht.

Die stellen nämlich die quantitativ größere Bedrohung dar:
Christchurch 2019, Utøya 2011, El Paso 2019, Parkland 2018, Las Vegas 2017.

Betrachtet mal alle Opfer des Terrorismus weltweit, ist eins klar: Muslime stellen die mit Abstand größte Gruppe unter den Opfern. Herr Kühnert.