Samstag, 3. Oktober 2020

Brief zur deutschen Einheit

 Vermutlich ist es ein Erbe meiner Mutter: Ich bin ein Nachrichtenjunkie, war immer ein Nachrichtenjunkie und werde es wohl bleiben.

Bei wichtigen Ereignissen wie Wahltagen kann ich 24h an den Newssender kleben und kontinuierlich Informationen einsaugen.

Es gibt kaum etwas Politisches, das mich nicht interessiert.

Für besondere Ereignisse lege ich sogar Ordner an, welche die wichtigsten  Reaktionen und Analysen dokumentieren.

Es gibt Aktenordner zum „Historikerstreit“ um Ernst Nolte, zu den US- und Bundestagswahlen, zur Walser-Debatte 1998, zur antisemitischen FDP-Kurs unter Möllemann/Westerwelle, zum Bundesrats-Eklat am 22.03.2002 über das Zuwanderungsrechtsrecht, den Golfkriegen, „Bush at war“ und natürlich 9/11.

Eines der Weltgroßereignisse wie Mondlandung, Queen Elisabeth II-Krönung, Kennedy-Mord oder 9/11 war auch der 09.11.1989, als die Mauer sich öffnete.

Auch das ist einer der Tage, den niemand vergisst und sich erinnert wo und wie er davon erfuhr.

Außer mir.
Ich verstehe das a posteriori gar nicht richtig, aber der 09.11.89 ist an mir vorbei gerutscht. Meine erste intensive Erinnerung ist der 11.11.89, ein Samstag, an dem ich noch mal ins Labor in die Uni musste, annahm dort würde wenig los sein und sofort als ich aus der Haustür ging denn aus Ost-Berlin bekannte Zweitakter-Geruch in die Nase bekam. Ganz Hamburg war auf einmal voller Trabbis, die pausenlos hupten und auch hupend begrüßt wurde.

„Alles voll mit denen“, raunten wir uns desinteressiert im Labor zu.

Ich war damals regelmäßig durch die DDR gefahren, weil ich häufig in Berlin war. Die Teilung Deutschlands und der andere Staat war mir bewußt.

Aber das war eine Realität, die man nicht hinterfragte.

1987 hatte ich eine ausgedehnte Reise entlang der Donau unternommen; war in Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, kurz im Schwarzen Meer und flog schließlich über Istanbul zurück.

Ich bin heute sehr froh Budapest und Bukarest gesehen zu haben, als sie noch hinter dem „Eisernen Vorhang“ lagen und vor den großen Zerstörungen des Jugoslawienkrieges in den 1990ern in Belgrad umhergestreift zu sein.

Ich hielt das aber für eine Art morbides Privatvergnügen. Kein anderer in meinem Alter ohne familiäre Verbindungen reiste dahin. Niemand interessierte sich für diese Länder der stehengebliebenen Zeit.

Ich speicherte viele Erinnerungen ab. Die Schönheit Ungarns, den lockeren Gulasch-Kommunismus. Das Laissez-faire im abendlichen entspannten Belgrad, die bittere Armut und depressive Stimmung in Bukarest, der regelrechte Hass auf die UdSSR, die Wodka-schwangere Feierlaune der Russen an der Schwarzmeerküste. Alles erschien mir in Relation zu den westeuropäischen damaligen EG-Staaten so exotisch und geheimnisvoll; zumal mir nicht verborgen blieb aufgrund meines amerikanischen Passes offensichtlich beobachtet zu werden. Sicher hätte ich mich nicht öffentlich lautstark abfällig über die Regime geäußert.

Mit meinem US-Pass fühlte ich diese unangenehme latente Furcht aber viel stärker an den deutsch-deutschen Grenzübergängen. Alles war dort bedrückender; vermutlich weil die Exotik der Sprache entfiel.

Prägende Erinnerungen aus den wenigen Aufenthalten in der DDR habe ich nur wenige: Der Geruch; insbesondere im Winter, weil alle noch mit Kohle heizten.

Die speziellen DDR-Reinigungsmittel, die plumpen Propaganda-Plakate und das grau in grau.

Ich sollte es nicht laut sagen, aber ehrlich gesagt, wollte ich immer nur schnell durchfahren und zeigte lediglich Interesse an billigem Wodka und Zigaretten aus den Intershops. Westware, aber steuerfrei. Ja, die DDR hatte für viele in meiner Generation hauptsächlich eine Bedeutung als Butterfahrt.

Meine Informationen beschränkten sich auf das politische System, die SED-Staatsregierung, ostdeutsche Schriftsteller und Katharina Witt. Was die immerhin 17 Millionen Menschen dort den ganzen Tag machten, lag unerklärlicherweise außerhalb meines Interesses.

Ab dem November 1989 machten sehr schnell despektierliche Witze über „die Ossis“ die Runde. Ich gebe zu, auch ich lachte herzlich darüber nachdem ich einige durchaus negative Erfahrungen gemacht hatte mit den ersten „Hoppla, jetzt komme ich“-Ossis, die plötzlich in Uni auftauchten und aggressiv auf eine Vorzugsbehandlung bestanden – die hätten schließlich 40 Jahre warten müssen.

Aber niemals hätte ich von einzelnen Menschen auf alle 17 Millionen geschlossen. Das war und ist absurd.

Abfällige humorvolle Bemerkungen über andere Landsmannschaften gab es immer. In meiner Jugend machte man vorwiegend Witze über Ostfriesen (dumm), Schotten (geizig), Schwaben (sparsam) und Bayern (dröge).

Politisch korrekt war das nie, aber erstens gab es den Begriff „political correctness“, zweitens nahm niemand die Witze so ernst, um tatsächlich jeden Ostfriesen für doof zu halten und drittens existieren in anderen Landesteilen genauso Witze über „Saupreißn“ und „Fischköppe“, zu denen ich mich zugehörig fühle und selbstverständlich genauso drüber lache.

Die deutsche Comedy-Szene wäre erledigt, wenn sie nicht mehr über die Saarländer (inzestuös) herziehen könnte.

Ab 1990 wurde die Landespolitik der neuen Bundesländer für mich genauso interessant wie die der alten BRD. Als Politjunkie ist ostdeutsche Parteipolitik genauso faszinierend wie bayerische oder NRW-Landespolitik.

Allerding ging mir schon sehr schnell, also Anfang der 1990er der Pathos auf die Nerven mit der die „Wiedervereinigung“ in der politischen Sphäre behandelt wurde.

Es war aber rechtliche lediglich ein Beitritt zum Geltungsbereich der alten BRD. Es war kulturell und historisch schon deswegen keine Wiedervereinigung, weil die parlamentarische Demokratie der BRD vor 1949 nicht gab und die Landesgrenzen anders waren.

Wer immer wieder mit Stolz und Pathos vom Glück der deutschen Einheit spricht, betont etwas, das also offensichtlich keine Selbstverständlichkeit ist.

Den Deutschen muss erklärt werden wie sie fühlen und wie glücklich sie sind. Von allein stellt sich der Patriotismus und Stolz auf die „friedliche Revolution“ eben nicht ein.

Das hat sich auch heute, am 30. Jahrestag der „Wiedervereinigung“ nicht geändert.

Natürlich sind alle meine Zeitungen voll mit seitenlangen Sonderberichten, endlose Essays der unter 30-Jährigen Ostdeutschen, schwülstige Aufsätze von Zeitzeugen und wie immer räumen die ausschließlich westdeutschen Großverlage großzügig ihre Zeitungsseiten frei, um ostdeutschen Politikern jeder Couleur das Wort zu geben.

Für mich, den Nachrichtenjunkie, der immer mehr zu lesen hat, als man schaffen kann, ist das ein seltener Glücksfall, weil das eins der wenigen Themen ist, die mich einfach nicht interessieren.

Das überblättere ich genauso schnell wie Bundesligaberichte oder Gebrauchtwagenanzeigen.

Etwas mehr als Desinteresse, nämlich echten Ärger, bringe ich für die Rufe nach den „einheitlichen Lebensverhältnissen“, respektive der Klage über „die Mauer in den Köpfen“, den Wunsch nach einem homogenen Deutschland auf.

Das ist ganz großer Blödsinn! Deutschland hat selbstverständlich keine überall gleichen Verhältnisse und ich behaupte, das wäre auch nicht wünschenswert.

Natürlich lebe ich in Hamburg anders als in Wuppertal oder gar in dem Vulkaneifel-Nest Weiler, das Andrea Nahles so liebt.

München ist nicht wie die Lüneburger Heide.

Die Immobilienpreise in Bremerhaven sind völlig anders als in Frankfurt.

Rheinische Frohnaturen und närrisches Treiben findet man nicht in Nordfriesland. Aber dennoch fahren ganze Karawanen Rheinländer Rentner im Sommer nach Cuxhaven in ihre Ferienwohnungen. Die Hamburger Großstadtpflanze begibt sich seit über hundert Jahren zum Strandurlaub nach St. Peter Ording, Hessen zieht es in ihre Ferienidylle auf dem Darß.

Umgekehrt profitieren die Großstädte vom stetigen Touristenstrom aus der Provinz.

Und Überraschung, wer in einem Dorf aufwächst und dort unglücklich ist, kann nach Köln in die Stadt ziehen, genau wie ein von Lärm und hohen Preisen geplagter Berliner sich auf einen Resthof in Niedersachsen zurückziehen mag.

Unterschiedliche Lebensverhältnisse, Idiome, Preise, Kulturen, Vorlieben sind Reichtum Deutschlands und sollen bestehen bleiben.

Der in linken Kreisen bestgehasste Klaus von Dohnanyi, 92, interpretiert die geringeren Löhne in ostdeutschen Landesteilen flugs zum Standortvorteil um und provoziert damit Zeter und Mordio bei Ostbeauftragten und Sozialpolitikern.
Aber natürlich hat er Recht.

Die Löhne können nicht überall gleich sein. Warum sollte dann überhaupt jemand in der Provinz produzieren?

In anderen Ländern versteht man die Unterschiedlichkeit der Regionen viel eher als Reichtum durch Heterogenität und käme nie auf die Idee die Dordogne den Pariser Verhältnissen anzupassen. Schottland ist anders als Wales und das Leben in einer Vorstadt in Alabama hat keine Gemeinsamkeiten mit dem von den Bewohnern Manhattans.

Mein Vater wurde vor dem zweiten Weltkrieg in einem nur wenige hundert Menschen zählenden Kaff in Pennsylvania geboren. Das war eine Art Paradies für coal miner, die es dort zu bescheidenem Wohlstand bringen konnten und nach vielen Generationen erstmal zu einem eigenen Haus brachten.

Saubere Luft, gesunde Lebensmittel, die Kinder spielten auf der Straße und niemand schloss die Haustür ab, weil jeder jeden kannte.

Aber meine Oma, die sehr jung Witwe wurde und daher dringend selbst einen Job brauchte um ihre Söhne durchzubringen, packte eines Tages ihre Gören ein und siedelte nach New York um.

Das war der größte Kulturschock, den man sich vorstellen kann. Aber er war bewußt gewählt. Dort gab es die besseren Jobs und die Kinder konnten ihren Neigungen entsprechend auf die besten Schulen gehen und studieren.

Dank der US-amerikanischen Heterogenität ist so etwas möglich. Die Binnenmigration ist legendär. Sind die Kinder einmal aus dem Haus, aber spätestens wenn die Rente ansteht, setzen sich viele Großstadt-Amis in 60+Siedlungen in den Sonnenstaaten ab.

Heterogenität gibt es auch in den Städten. Hamburg-Niendorf ist nicht wie Mümmelmannsberg.

München-Bogenhausen hat nichts mit Feldmoching-Hasenbergl zu tun.

Und ich liebe Parallelgesellschaften. Zum Glück gibt es sie. Mögen sie weiter blühen und gedeihen, so daß jeder seine Nische findet.

In einer Welt, die auch andere Lebensmodelle wirklich akzeptiert werden, sind Parallelgesellschaften kein Problem. Dort wird Multikulti zu einer echten Bereicherung.

(……) Der Hamburger Steindamm IST zwar eine Parallelgesellschaft, allerdings verstehe ich nicht, wieso Parallelgesellschaften jemand stören.

In den meisten anderen großen Städten in Westeuropa und Amerika ist es ganz normal. In New York gibt es das berühmte „Little Italy“ oder „Chinatown“ und sogar ein deutsches Viertel.

Also für mich geht das völlig OK.

Es gibt ja vielfach in Deutschland reine Schwulenviertel, hier ist es St. Georg, das Uni-Viertel (Rotherbaum, wo nur Studenten sind), das Alternativ-Viertel, wo die  Autonomen und Ökos abhängen (Schanze und Karolinenviertel), das Ibero-Viertel vor der Speicherstadt, wo es all die spanischen und portugiesischen Restaurants gibt, Villenviertel in Harvesterhude  und dann natürlich reine Rotlichtviertel (Reeperbahn!) etc.

Warum soll es kein Türken- oder Italiener-Viertel geben?

Das Eigenartige ist in Hamburg, daß St Gayorg – dazu gehört auch der Steindamm – ausgerechnet ein Kombi-Viertel für Schwule und Muslims ist.

Die haben alle Toleranz gelernt. Kurioserweise ist MITTEN in der schwulsten Gegend von St Georg überhaupt der katholische Mariendom, in dem unserer neuer Erzbischof Stefan Heße hockt.

Katholiken gibt es da so gut wie keine – nur Moslems und Homos.

Aber irgendwie haben die sich offensichtlich arrangiert. So gut sogar, daß die Gegend jetzt so gut funktioniert, daß die Mieten auch so explodieren, weil jeder dahin ziehen will. (…..)

(Privates Tagebuch, 11.02.2016)


Bayern möge nicht wie Hessen werden.

Unterfranken nicht wie München.

Möge Mecklenburg-Vorpommern all seine Unterschiede und Eigenheiten kultivieren und sich nie Hamburg anpassen. Mögen sich Kölner und Düsseldorfer weiterhin beharken.

Möge die „deutsche Einheit“ nie vollendet werden!

Freitag, 2. Oktober 2020

Wer 20.000 mal lügt, dem glaubt man nicht.

Derjenige, der die copyright-Rechte an dem Spruch „karma is a bitch“ hält, dürfte ausgesorgt haben nachdem das heute weltweit milliardenfach zitiert wurde.

Donald Trump, der größte Kleinredner der Pandemie mit einer Million Toten weltweit, ist nun selbst infiziert.

Zwei Tage nachdem er sich bei der großen TV-Debatte noch vor 80 Millionen Zuschauern über das Masken-Tragen seiner Konkurrenten Joe Biden lustig machte, sitzt er mitsamt seiner ebenfalls infizierten rassistischen Komplizin Melania nun in Quarantäne.

 

Die weltweite Häme ist wenig überraschend, wenn man bedenkt wie verantwortungslos IQ45 wider besseres Wissens seit Februar Corona downplayte.

Er ist stolz auf seine superspreader-Massenveranstaltungen, bei denen sich die „Anti-maskers“ zusammenrotten, weigerte sich über Monate öffentlich selbst eine Maske zu tragen, hielt seine Rallys auch weiterhin ab nachdem der ehemalige GOP-Präsidentschaftskandidat, Corona-Leugner und glühender Trump-Fan Hermann Cain bei einer Trump-Wahlveranstaltung infiziert wurde und an Covid19 starb. Rätselhafterweise starb, denn sein Idol verbreite doch all die genialen Therapien gegen die Krankheit:
Taschenlampe mit UV-Licht in den Hintern stecken, Desinfektionsbleiche injizieren und Hydroxychloroquin einnehmen.

Einen Monat vor der US-Wahl muss Trump nun seine Wahlkampfauftritte absagen. Unabhängig von seinem Krankheitsverlauf scheinen die beiden weiteren TV-Duelle mit Joe Biden unmöglich zu werden.

Würde er so schwer krank wie sein europäischer Corona-Leugner-Partner Boris Johnson und landet mit lebensgefährlichen Lungenproblemen auf der Intensivstation, fiele er bis nach dem Wahltag aus und müsste dem negativ getesteten Mike Pence den Platz im Rampenlicht überlassen.

Die Zeit ist zu knapp, um einen völlig neuen Spitzenkandidaten der Republikaner zu bestimmten.

Aber selbst mit nur leichten  Symptomen à la Bolsonaro, die er heute zeigt, könnte er nicht zu einem Treffen mit Biden anreisen, da für den US-Präsidenten ein derartiger logistischer und sicherheitstechnischer Aufwand betrieben wird, daß hunderte Menschen Gefahr liefen sich zu infizieren.

 

Trump würde angesichts der Umfragen sicher gern die Wahl verschieben und einfach noch etwas länger im Amt bleiben bis Corona aus den Schlagzeilen verschwunden wäre.

Aber während es zwar extrem schwierig, aber doch immerhin möglich ist den Wahltag zu verschieben, kann man die Amtszeit des Präsidenten nicht expandieren.

[….] Die Hürden für eine Verschiebung der Präsidentschaftswahl am 3. November sind allerdings extrem hoch, weil der Termin - der Dienstag nach dem ersten Montag im November - seit 1845 gesetzlich festgeschrieben ist. Ändern ließe sich das nur durch den US-Kongress; sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat müssten zustimmen. Und eine solche Verlegung könnte noch vor Gerichten angefochten werden.   Auf diesem Weg könnte man einige Wochen gewinnen. Aber: Auch der weitere Zeitplan ist in der Verfassung festgeschrieben - und starr: Der Starttermin für den neuen Kongress ist der 3. Januar, der Amtsantritt des Präsidenten am 20. Januar. […..]

(Ann-Sophie Schneider, 02.10.20)

 Bei einem völlig skrupellosen Soziopathen wie Trump, der während seiner guter dreieinhalb Amtsjahre bereits 20.000 dokumentierte Lügen auftischte, muss allerdings kein Verschwörungstheoretiker sein, um sich zu fragen, ob der Mann tatsächlich infiziert ist.

Hätte Äsops Hirtenjunge 20.000 mal „Achtung, Wolf!“ geschrien, glaubte man beim 20.001ten mal sicher nicht mehr an einen Wolf.

 Wieso sollte Trump eine Corona-Infektion erfinden; abgesehen davon daß er grundsätzlich fast immer lügt? 

 Dafür gibt es einige verschwörungstheoretische Erklärungsansätze.

1.) Er inszeniert eine Covid19-Krankheit, um in kurzer Zeit angeblich geheilt frisch und gesund wieder aufzutauchen. Er wäre der strahlende Held, den nichts umwerfen kann. Er könnte es auf die Einnahme von Clorox oder Hydroxychloroquin schieben, sich also für seine Weisheit feiern. Außerdem unterstütze das sein Narrativ nach dem die Krankheit halb so schlimm ist und kaum schadet.

2.) Nach dem Desaster der ersten TV-Debatte fürchtet er sich vor den weiteren beiden Auftritten mit einem zunehmend gebrieften Biden, der womöglich noch mehr Nicht fest entschlossene Wähler auf seine Seite zieht. Damit würde er den Herausforderer die große Bühne nehmen, die Trump selbst durch sein Amt und seinen Twitter-Account ohnehin jederzeit hat.

3.) Instinkt-Mensch Trump ahnt, daß er die Wahl ohnehin verlieren wird, will aber nicht als die One-Term-Fliege in die US-Geschichte eingehen. Wenn er schon abtritt, will er eine gute Erklärung für die nachfolgenden Generationen: Trump war ein großartiger Präsident, der dann ganz unschuldig von dem bösen China-Virus niedergestreckt wurde. Ohne die Krankheit hätte er aber selbstverständlich die zweite Wahl gewonnen.

4.) Wegen der bekannten Corona-Langzeitfolgen und seinen Risikofaktoren (alt, fett, unsportlich, Mann) könnte er auch in der Infektion einen Weg sehen, den vielen Prozessen nach dem Ende seiner Immunität als Präsident zu entgehen.

 Ich halte es aber mit David Pakman, der erstens feststellt, daß es wirklich gar keine Belege für diese Theorien gibt und zweitens mutmaßt Trumps Wähler, die ihn als Halbgott adorierten, könnten es eher als Schwäche auslegen, daß sich ihr Idol überhaupt infizieren konnte.

Zudem versucht Trump seit Wochen alles, um Corona aus den Schlagzeilen zu drängen, die 20x.000 Toten zu ignorieren und den Focus auf seine angeblichen ökonomischen Erfolge zu richten.

Das ist mit seiner Infektion Makulatur. Nun wird wieder nur über Covid19 gesprochen.

Außerdem liebt Trump wie kein anderer das Bad in der tobenden Trumpster-Menge, die ihn bejubelt egal was für einen Schwachsinn er erzählt.

Egal wie desaströs diese Massenauftritte rezipiert werden; er selbst lebt dann in der Bubble, in der er der allergrößte Star der Welt und aller Zeiten ist.

Es ist unwahrscheinlich, daß ein so undisziplinierter Prolet wie Trump aus eiskalter Berechnung auf seine Droge verzichtet.

Der Best Case für mich wäre natürlich, wenn Trump zwar nicht todkrank wird (denn das könnte ihm Mitleidspunkte bringen), sondern einfach nur leidend in Quarantäne hockt und keine Wahlkampfgroßveranstaltungen mehr machen kann.

Aus Fairness-Gründen würde der 97-Jährige Joe Biden sich ebenfalls höflich in die zweite Reihe stellen und die letzten drei TV-Debatten Harris und Pence überlassen.

Die Kalifornierin würde den fromm-debilen Homo-Paniker erledigen und könnte nach einem Biden-Wahlsieg von Anfang an eine aktivere Regierungsrolle spielen, während sich Opa Joe auf repräsentative Pflichten beschränkt.

Die Personalisierung des amerikanischen Wahlkampfes ist absurd. Es geht eben nicht nur um die Frage wer der Boss ist sondern um tausend weitere hohe Regierungsbeamte.

Trump und Pence vermochten es in den letzten vier Jahren auch das letzte bißchen Verstand aus der Administration zu vertreiben. Nun sind alle Minister, alle Berater, alle Behördenchefs gleichermaßen verblödete Kriminelle.

Übernähme hingegen die Biden-Harris-Administration, kann Biden ruhig tapsig und senil sein. Aber es zöge der geballte demokratische Sachverstand mit enormer Expertise und Regierungserfahrung ein.

Keine morbiden Spinner, Ex-Models und offensichtlich wahnsinnigen Ex-Bürgermeister mehr.

Außerdem fände ich es ganz schön, daß in einer Biden-Administration die engen Präsidentenberater und Mitarbeiter nicht durchweg kriminell und/oder pädophil wären wie bei der gegenwärtigen Administration.

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Rechtsschwenk, Marsch!

Die deutschen Parteien sind heterogener als gemeinhin angenommen  wird. Zwei Landesverbände der CDU oder der Grünen können völlig unterschiedliche Kulturen ausgebildet haben.
Wie ich immer wieder ausführe sind die Grünen in Hamburg ein rechtslastiger, mauschelnder und unfähiger Alptraum. In anderen Bundesländern sieht es ganz anders aus; ich könnte mir durchaus vorstellen die Berliner oder niedersächsischen Grünen zu wählen.

Die CDU Hamburgs ist ebenfalls sehr unangenehm, stark verfilzt und erzkonservativ.

Sie wurde fälschlicherweise in den letzten 20 Jahren als liberale Großstadt-CDU beschrieben, weil sie zweimal auf offen schwule Spitzenkandidaten setzte und 2008 das schwarzgrüne Landesbündnis eingingen.

Ach der letzte Spitzenkandidat Marcus Weinberg, der im Februar 2020 Bürgermeister werden wollte, stammt keineswegs aus dem schwarzbraun-völkischem Sumpf. Aber diese Personalien überdeckten eine Partei, die 2001 freudig den rechtsradikalen Hetzer Roland Schill zum Bürgermeister machte, später mit den ebenso ultrakonservativen Figuren Justizsenator Roger Kusch, Bürgermeister Christoph Ahlhaus und Innensenator Dirk Nockemann (heute weit rechts außen stehender AfD-Vorsitzender in Hamburg) zusammenarbeitete.

Zudem ist es eine Koalition mit ausgerechnet den Hamburger Grünen kein Ausweis für die Liberalität der CDU.

Insbesondere der Nachwuchs der Hamburger CDU gilt als stramm rechts, geradezu völkisch.

Die Nachbarschaft der CDU-Zentrale am feinen Leinpfad und dem faschistoiden „Germanenhaus“ in der Sierichstraße 23, welches seit mindestens 2017 auch als Treffpunkt der Identitären Bewegung IB dient, versteht sich nicht nur als räumliche, sondern auch als ideologische Nachbarschaft.

Die schlagende Germania-Burschenschaft wurde 2014 vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Mit der JU gibt es Gemeinsamkeiten.

(…..) Immer wieder kommt es zu Verquickungen, Verbrüderungen und Überschneidungen zwischen JU und ausländerfeindlichen Hetzern.

Daß die Hamburger Grünen sich von 2008 bis 2010 ins Bett mit der Hamburger CDU legten, habe ich seinerzeit immer wieder scharf kritisiert.

Leider hat sich die einstige Öko-Partei in diesem Bundesland immer noch nicht von den CDU-affinen Führungsfiguren getrennt und erscheint immer noch unwählbar.

Eben jene GAL koaliert auch freundlich mit der CDU, deren bräunliche Jugend-Truppe sich Gestalten wie den JU-Kreischef Alexander Weiss leistet.
Gegen den 22-jährigen Jungpolitiker wurde wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben und sie dann mit Bierdeckeln beworfen haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.
Neuester Vorfall:
Die JU Hamburg lud den ultrarechten Felix Menzel zu einem Seminar im "Ludwig Erhard Haus", bei dem er unter dem Motto "Mit gleichen Waffen zurückschlagen" die "Konservativ-Subversive Aktion" (KSA) Agitationstechniken des braunen Mobs erklärte.
Der politisch Kacke-farbene Menzel ist ist Mitbegründer der revanchistischen "Pennale Burschenschaft Theodor Körner", Leitspruch: "Deutsch und frei! Kühn und treu".
Die JU sog den braun-national miefenden Handlungsleitfaden gierig auf und setzte die neuen Rüpel-Methoden bereits in destruktiver Weise gegen eine Veranstaltung der Initiative „Eine Schule für alle“ ein.

(Tammox 15.10.2008)

Dieser Felix Menzel, pseudointellektueller Rechts-Aktivist, gründete vor einer knappen Woche in Dresden ein sogenanntes „Bildungszentrum“ und ist auch in der Burschenschaftlerszene fest verankert.

Deren Jugendorganisation versammelte sich heute ganz in meiner Nähe.

Denn an diesem Samstag findet hier das bundesweite Jahrestreffen völkischer Schülerburschenschaften statt. Der Allgemeine Pennäler Ring (APR), ein Dachverband von 13 derartiger Verbindungen, hat geladen. Weil es der APR in Hamburg an eigenen Räumlichkeiten mangelt, stellt die Germania Hamburg - eine studentische Burschenschaft - ihr großzügiges Haus zur Verfügung.

(Spon 06.07.13)  (……..)

(Keine Berührungsängste, 06.07.2013)

Ein anderer bräunlicher Hamburger Jung-CDUler ist Nikolaus Haufler.

(……) Haufler (* 1984 in Tscheljabinsk, Ural, Nachfahre Krim-Deutscher) sitzt in der Hamburger Bürgerschaft und hat wie so viele Hamburger CDU’ler der jüngsten Generation einen starken Hang ins Bräunliche.

Ich erinnere an seinen hanseatischen Kollegen und ehemaligen JU-Kreischef Alexander Weiss.
Gegen den damals 22-jährigen Jungpolitiker wurde wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben und sie dann mit Bierdeckeln beworfen haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.

Für den aktiven CDU-Funktionär kann es gar nicht braun genug sein. Im Internetportal "StudiVZ" ist der Jungpolitiker unter anderem Mitglied in den Gruppen "Gegen Inländerfeindlichkeit durch Ausländer" und "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten" - eine Anspielung auf den Einmarsch der Nazis im Zweiten Weltkrieg.

Nikolaus Haufler gibt auf seinem Facebook-Profil spannende Interessengebiete an.

Junge Union Bremen, CDU/CSU-Bundestagsfraktion, CDU, Kristina Schröder, CSU, Junge Union Thüringen, Wolfgang Schäuble, Bild, RCDS - Hochschulgruppe der HU Berlin, Junge Union Magdeburg, Junge Union Südwestfalen, Hermann Gröhe, Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg, CDU Altona / Elbvororte, CDU Kreisverband Hamburg-Mitte, CDU Lurup - Osdorfer Born, CDU Hamburg, Thalia Theater, Junge Union Bezirksverband Elbe-Weser, Konrad-Adenauer-Stiftung, Christoph Ahlhaus, Junge Union Eimsbüttel/Hoheluft-West, CDU Nordrhein-Westfalen, CDU Winterhude, Junge Union Greifswald, Peter Ramsauer, Karl-Theodor zu Guttenberg, Ludwig Erhard, Helmut Kohl, Angela Merkel, Junge Union Rheinland-Pfalz, Junge Union Hessen, Junge Union Bayern, Junge Union Schleswig-Holstein, Schüler Union Hamburg, Junge Union Hamburg, Junge Union Baden-Württemberg, Junge Union Mecklenburg-Vorpommern, Junge Union Sachsen & Niederschlesien, Junge Union NRW, Junge Union Eimsbüttel, Junge Union Altona/Elbvororte, Junge Union Deutschlands.
(facebook.com/haufler)

Das nenne ich mal ein breit gefächertes Spektrum des Denkens eines 26-Jährigen!

Das neue Hamburger Wahlrecht, mit dem bei der Bürgerschaftswahl am 20.02.2011 reichlich Stimmen kumuliert werden konnten, verhalf dem Jung-CDU’ler mit Faible fürs Rechtsextreme ins Parlament.

Einer, der es durch das neue Wahlrecht auch von ganz hinten nach ganz vorn geschafft hat, ist Nikolaus Haufler, der auf dem eigentlich bedeutungslosen Listenplatz 50 für die CDU antrat. Der 1984 in Tscheljabinsk geborene Wirtschaftsinformatiker lebt seit 1995 in Hamburg. Im Wahlkampf hat er in erster Linie auf Wähler aus seiner alten Heimat gesetzt. Seine Plakate ließ er in kyrillischer Schrift drucken. Auch auf seiner Internetseite kommt der Besucher zunächst auf die russische Variante. Die Aufmachung verrät, dass er sich gezielt an Russlanddeutsche wendet. Der Plan ging auf: Rund 4300 Personenstimmen wurden für ihn abgegeben. Das ist das siebtbeste Ergebnis unter den CDU-Kandidaten. Im Wahlkreis Süderelbe holte der CDU-Mann vom Kreisverband Mitte 1,3 Prozent der Stimmen. In Bergedorf stimmten für ihn mehr CDU-Wähler als für Frank Schira. In beiden Wahlkreisen gibt es einen besonders großen Anteil von Russlanddeutschen. Haufler ist in der CDU nicht unumstritten. 2008 sorgte er für Schlagzeilen, weil er damals in seiner Eigenschaft als Chef der Jungen Union (JU) Mitte den Mitbegründer der vom Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Bestrebungen beobachteten "Pennalen Burschenschaft Theodor Körner", Felix Menzel, als Referenten eingeladen hatte. 2009 gab es Kritik, weil kurz vor der Wahl zum JU-Chef 60 Freunde aus dem russischstämmigen Freundeskreis Hauflers in die Jugendorganisation der CDU eintraten.
(Die Welt 23.02.2011)

Haufler weiß also wie man die demokratisch-plebiszitären Hebel einsetzt und plant soeben seinen neuesten Streich.

Vor zwei Monaten hatte der SPD-Senat Hamburgs ein Alkoholverbot in den Bussen und Bahnen des ÖPNVs durchgedrückt.
Eine wie ich meine letztendlich sinnvolle Maßnahme, die aber auf der politischen Agenda weit hinten angesiedelt ist.

Der Jungrechte sieht nun in einer Saufen-wieder-erlauben-Volksinitiative ein probates Mittel die SPD zu ärgern.

(Auf Mäuler schauen, 09.11.11)

Immerhin, man kann sich insofern zurücklehnen, daß die Hamburger CDU mit diesem Kurs bei 11,2% bei der Bürgerschaftswahl 2020 landete. Das kleine Häuflein sitzt gewissermaßen in einem Meer aus roten und grünen und noch roteren Abgeordneten.

Die CDU Hamburgs ist zwar politisch marginalisiert, aber die Tagespresse ist fast komplett einheitlich konservativ und so wird der just gewählte neue CDU-Landeschef Christoph Ploß auf den Titelblättern gefeiert und als kommender starker Mann Hamburgs gehypt.

[….] 35 und Fan von Friedrich Merz: Das ist der neue starke Mann der Hamburger CDU [….]

(HH Mopo, 26.09.2020

Ploß kenne ich schon lange; er war Ziehkind des höchst dubiosen und kriminellen Ex-Schatzmeisters und Abgeordneten Andreas Wankum und unterstützte Niklaus Haufler immer demonstrativ.

(….)  Die anderen Juden seiner Gemeinde waren es schließlich, die ihn als Chef absetzten, weil er auch in der Funktion großzügig die ihm anvertrauten Gelder in die eigene Tasche wirtschaftete und sich alle weigerten noch einmal mit ihm zusammen zu arbeiten, die ihn kennen gelernt haben.

(Wie sich die Zeiten ändern  - Teil III 06.04.2009)

Wankums Nachfolger wurde der ebenfalls dem ultrarechten Rand der CDU angehörende Christoph Ploß.

Wankums Homunculus Ploß zeigt sich aber auch gern mit CDU-Ganz-rechts-außen Nikolaus Haufler.

Bei der morialogischen BI „Unsere Uhlenhorst“ ist Ploß besonders aktiv und bepöbelt den SPD-Senat dafür, daß Hamburgs berühmte „XXL-Busse“ frühzeitig zusammenbrechen und ausgetauscht werden müssen.

Er vergisst allerdings zu sagen, daß seine heißgeliebte CDU regierte, als die offenbar nicht besonders haltbaren Doppelgelenkbusse angeschafft wurden und somit das Steuergeld der Hamburger aus dem Fenster geworfen wurde.

Ploß ist inkompetent und bemüht sich einzig und allein darum, ein Aufregerthema zu seinen Zwecken zu nutzen.

Ploß, der es mittlerweile zum Bundestagsabgeordneten gebracht hat, werkelt auch in Berlin daran seine Partei noch weiter nach rechts zu rücken, weg von Koalitionen à la Merkel, die auch mit SPD und Grünen arbeiten kann.   Ploß ist einer der Merz-Claqueure.

[….] Bei mir im Wahlkreis sind 80% für Merz [….]

(Christoph Ploß, 13.11.2018)

Merz, der seine unsägliche Rolle auch in den zehn Jahren als Vorsitzender der in Hamburg gegründeten Atlantik-Brücke spielte und nun als der größte politische Feigling Deutschlands gilt, weil er immer nur aus sicherer Deckung und großer Entfernung gegen die CDU-Frontfrauen wettert, sich aber im direkten Aufeinandertreffen mit von der Leyen, Merkel oder Kramp-Karrenbauer sofort einnässt und in ein schnurrendes Kätzchen verwandelt.

Ploß umgarnt auch nachdem AKK Parteivorsitzende wurde, den feigen Bierdeckelmann.

Zur gegenwärtig in Hamburg stattfindenden CDU-Außenpolitik- und Strategie-Klausur meldet er sich auch lieber nur aus dem sicheren Bayern.

[…..] Es ist eine gezielte Botschaft aus den bayerischen Bergen in den hanseatischen Norden.   «Wir müssen mit der bestmöglichen Formation in die nächste Bundestagswahl gehen. Das ist nicht nur eine Person an der Spitze, das ist eine Mannschaft, und ich möchte auch in einer Mannschaft dabei sein», spricht Friedrich Merz auf einer Wirtschaftskonferenz am Tegernsee ins Mikrofon. […..]

(dpa, 17.01.2020)

Der junge Ploß mauschelt derweil im Hintergrund beim neuen LKK Berlin, der neuen antigrünen C-Gang. Wieder einmal ein rechter „Berliner Kreis“ der CDU.

[…..] In Berlin hat sich der "Liberal-konservative Kreis" (LKK) gegründet. Als Sprecher fungieren die Bundestagsabgeordneten Axel E. Fischer (CDU), Torsten Herbst (FDP) und Silke Launert (CSU). Ihm gehören neben Ramsauer auch Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz sowie die CDU-Bundestagsabgeordneten Olav Gutting, Klaus-Peter Willsch und Christoph Ploß an. Etwa ein Dutzend weiterer Abgeordneter aus Union und FDP soll bereits Interesse an einer Mitarbeit signalisiert haben.   Am Dienstag hat der Kreis nun - mit Ramsauers Hilfe - zum ersten Mal seine Positionen vorgestellt. "10-Punkte-Plan für Deutschland" steht über dem Papier. Und wer den Plan liest, merkt schnell, dass die Abgeordneten vor allem von der Sorge getragen sind, dass die Politik in Deutschland zu stark von den Grünen getrieben werden könnte. Eine schwarz-grüne Regierung wäre "der maximale politische GAU", sagt Ramsauer. Man wolle "einen ganz klaren Gegenpol" gegen "schwarz-grüne Fantasien" bilden. [….]

(SZ, 14.01.2020)

Wohin der schwarzbraune Ploß-Kurs der Hamburger CDU, der Fraktion vom ultrarechten Ploß-Freund André Trepoll geleitet wird, führt zeigen die Wahlumfragen: 13-15% nachdem Beust noch vor 15 Jahren die absolute Mehrheit geholt hatte. (……)

(Böses Omen Hamburg, 18.01.2020)

Nun hat es Ploß also geschafft, ist unumstrittener Anführer der 11-Prozent-CDU.

Zum Vorsitzenden gewählt ohne Gegenkandidaten.

[….] Rückt die CDU jetzt nach rechts? [….]   Christoph Ploß ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Hamburger CDU-Chef aller Zeiten.  In seinen Äußerungen klingt der Bundestagsabgeordnete aus Winterhude allerdings gar nicht mal so jung und modern, auch wenn er einen „Neuanfang mit inhaltlich neuer Ausrichtung“ verspricht. Die Schwerpunkte Wirtschaft, innere Sicherheit und Bildung hören sich eher an, als würde der studierte Politologe die Partei zu alten Parolen zurückführen.  So tönte Ploß bereits im Vorfeld des Parteitags im „Spiegel“: „Nur die CDU steht verlässlich auf der Seite der Sicherheitskräfte.“ Und legte nach: „Es braucht mehr Polizeipräsenz statt Misstrauen gegenüber den Sicherheitskräften.“ Was der passionierte Hockeyspieler (mittlerweile kickt er aber auch im FC Bundestag) da äußert, es dürfte Musik sein in den Ohren vieler frustrierter Polizisten.   Harmonieren dürfte das hervorragend mit seinem im Amt bestätigten Vize-Parteichef Christoph de Vries (konservativer Innenpolitiker) und Fraktionschef Dennis Thering, der regelmäßig die Parkplatz-Vernichtung in der Stadt anprangert und Balsam für geplagte Hamburger Autofahrer-Seelen ist. [….]

(Sandra Schäfer, 27.09.2020)

Der Bundestagsabgeordnete Ploß ist umtriebig. Nach nur drei Tagen im Amt gelang ihm ein Coup, auf den er sichtlich stolz ist.

Er holte die ehemalige Schleswig-Holsteinische AfD-Chefin Ulrike Trebesius in die CDU.

Nun wächst zusammen was (zum Beispiel auch in Thüringen) zusammengehört.

Deutlicher kann man wohl nicht sagen wo es hingehen soll, als wenn man als erste Amtshandlung ehemalige AfD-Größen heim ins Reich holt.

[…..] Die frühere schleswig-holsteinische AfD-Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ist der Hamburger CDU beigetreten. Das bestätigte ein Parteisprecher am Mittwochabend. Zuvor hatte das „Abendblatt” darüber berichtet. Trebesius war 2014 auf AfD-Ticket ins EU-Parlament gewählt worden. Gemeinsam mit Parteigründer Bernd Lucke hatte sie die AfD 2015 verlassen und die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch gegründet, zu deren Generalsekretärin und Bundesvorsitzenden sie später gewählt wurde. Vor zwei Jahren war die heute 50-Jährige aus der inzwischen in LKR (Liberal-Konservative Reformer) umbenannten Partei ausgetreten.  „Es muss der Anspruch der CDU sein, Personen wie Ulrike Trebesius eine politische Heimat zu bieten”, sagte Hamburgs neuer CDU-Vorsitzender Christoph Ploß dem „Abendblatt”. „Die CDU war immer dann erfolgreich, wenn sie christlich-soziale, liberale und konservative Strömungen vereint hat.” […..]

(Kölnische Rundschau, 30.09.2020)

Es erinnert ein wenig an Joseph Ratzinger, dessen erste Amtshandlung als Papst war seinem ultrakonservativen Prügel-Kumpel Walter Mixa das große reiche Bistum Augsburg zu geben.

Bekanntlich endete es für beide nicht gut, beide wurden ihre Posten viel schneller wieder los als sie gehofft hatten.

Mögen Ploß und Tresebius bei der nächsten Wahl in Hamburg die gegenwärtigen 11,2% unterschreiten und einstellig werden.

Mittwoch, 30. September 2020

Biden-Trump TV-Duell Nummer 1

Die passendste Zusammenfassung der gestrigen Fernsehdebatte in Ohio stammt von BuzzFeed: „The Great American Shitshow!“

 Es war eine Aneinanderreihung von Tiefpunkten. Der staubtrockene aus Deutschland stammende CNN-Nachrichtenmann Wolf Blitzer, 72, befand direkt nach dem Ende des Kandidaten-Clashs:

"Embarrassment for the United States."

CNN-Staranalystin Dana Bash nannte es “a shit show” und ihr berühmter Kollege Jake Tapper sagte “hot mess, inside a dumpster fire, inside a train wreck. That was the worst debate I have ever seen.”

 Den Faktenprüfern rauchten wieder einmal die Köpfe, weil fast alles, das  Trump hinausposaunte gelogen war.

CNN-factchecker Daniel Dale belegte eindrücklich….

[……] Joe Biden was "largely accurate" during tonight's presidential debate, "we had an avalanche of lying from President Trump."  He says at points during the debate, "almost every single thing (Trump) said ... was inaccurate" […..]

(The Week, 30.09.2020)


Soweit die Stellungnahmen der „neutralen Berichterstatter“. Im Meinungsteil der amerikanischen großen Newssender ging es hoch her.

Auf FOX feierten die Ultrakonservativen den Sieg ihres Idols Trump, der wie ein Bulldozer über Biden gerauscht wäre.

Don Trump Jr., führte einmal mehr vor, daß er ein ernstes Drogenproblem hat, das sich nicht mehr verbergen lässt, offenbar in Vaters Adderall-Schublade gegriffen hatte, während sein Vater aber Bidens Sohn für dessen frühere Drogenprobleme attackierte und vorher immer wieder behauptete auch Joe Biden werde unter Drogen gesetzt für die Debatte.

Auf CNN hingegen gab es ehrliche und engagierte Empörung darüber wie Trump wieder einmal seine faschistische Rassisten-Basis elektrisierte, sich nicht nur nicht von ihnen distanzieren wollte, sondern der faschistoiden hate-group „proud boys“ gleich noch ein neues Kampagnenmotto ersann, welches sie sofort begeistert aufgriffen und in den sozialen Medien als neues Logo – made by Trump – verbreiteten: „PB – Stand back and stand by!"


Diese Shitshow hatte also immerhin einen klaren Sieger – die gewalttätigen paramilitärischen Nazigruppen – und einen klaren Verlierer; nämlich das amerikanische Volk, welches sich wieder einmal in Grund und Boden schämen muss für den peinliches Rüpel an der Staatsspitze.

Gewinner sind aber natürlich auch die politischen Satireformate, denen IQ45 mal wieder Steilvorlagen kostenlos zur Verfügung stellte.



Was ist nun der Einfluss der Debatte auf die Wahlen?


[…..] Die meisten Wähler haben sich längst entschieden. Sie sind entweder für Trump, weil sie Trump großartig finden, oder für Biden, weil sie Trump fürchterlich finden. Insofern ist es wahrscheinlicher, dass die Debatte die Gräben zwischen den Lagern vertieft, als dass sie Wähler dazu verleitet, die Seiten zu wechseln.   Der Washingtoner Journalist Mike Allen jedenfalls, einer der Besten seiner Zunft, zog nach dem Schlagabtausch eine eher hilflose, aber vielleicht deswegen sehr ehrliche Bilanz. "Was das alles bedeutet? Wer zu Hölle weiß das schon", schrieb er in einer E-Mail. "Diese Debatte war so wie das ganze Land: Alle reden. Niemand hört zu. Nichts wird gelernt. Es ist ein Schlamassel." […..]

(SZ, H. Wetzel, 30.09.20)

Es lohnt sich fast gar nicht auf die inhaltlichen Punkte der Debatte einzugehen; Die Debatte wurde selbst zur Debatte. Braucht man so etwas überhaupt noch?
Ein überforderter Moderator, ein Präsident, der lügt, wenn er den Mund aufmacht und keine Beleidigung auslässt, so daß der Herausforderer ohnehin nicht zu Wort kommt?

Blitzer befand, es wäre möglich, wenn man nach diesem New Low der amerikanischen Wahlkampfgeschichte die nächsten TV-Debatten absagt.

Das wird natürlich nicht geschehen, weil beide Kandidaten wissen, daß sich in einer Blase aus ihnen freundlich gesinnten Menschen leben. Die stimmen ihnen alle zu, aber so lassen sich keine zusätzlichen Wähler gewinnen.

Nur beim Aufeinandertreffen beider Blasen in den großen TV-Debatten gibt es die Möglichkeit ausführlich auf die Anhänger des anderen einzuwirken. Das ist eine große Gelegenheit – sofern man selbst nicht so versagt, daß die eigenen Leute abgeschreckt werden.

Das ist in diesem Fall aber nicht geschehen.

Trump hatte einen seiner Adderall-Tage erwischt, wirkte nicht so müde und fahrig, wie es ihm gelegentlich passiert, wenn er sinnlose Satzungetüme aufbaut, laut durch die Nase schnauft und die Aussprache einfacher Worte verballhornt.

Biden wirkt auf mich sehr alt für einen 77-Jährigen. So könnte auch ein 87-Jähriger aussehen. Sich zu verhaspeln, gehört aber schon immer zu ihm. Obwohl er streckenweise abwesend den Blick auf sein Pult richtete, leistete er sich keine gewaltigen Patzer.

Ich mutmaße, daß in dieser Form keiner von beiden Wähler verloren oder hinzugewonnen hat.

Das ist eine gute Nachricht für Biden, denn er führt in allen Umfragen.

Für Trump wäre es wichtiger gewesen außerhalb seiner Hardcore-Basis um zusätzliche Stimmen zu werben.

Das wäre aber nur möglich gewesen, wenn er sich anders als üblich präsentiert hätte. Anständig, höflich, mitfühlend, informiert, kurz: Präsidentiell.

Damit hätte er möglicherweise die Gruppen bei denen er schwächelt, also Frauen, durchschnittliche Vorstadtfamilien, Latinos; anzapfen können und die ein oder andere zaudernde Wählerin auf seine Seite ziehen können.

Das scheint er aber nicht zu können oder nicht zu begreifen.

Biden hat nicht gewonnen, aber Trump hat verloren.

Die Rechtsextremen, Nazis und hate-groups feiern ihn jetzt. Das missversteht der orange Clown als Sieg.

Das ist aber für den Wahlausgang irrelevant, weil die ungebildeten Weißen, die Erzkonservativen, die Rassisten, die weißen Männer, die Superreichen, die Evangelikalen ihn ohnehin wählen. Dadurch gewinnt er keine einzige weitere Stimme.

Biden brauchte nur anwesend sein und keinen blamablen Blackout erleiden, um seinen Vorsprung zu halten.

Das dürfte geklappt haben.

Ich halte Biden immer noch für den falschen Kandidaten, aber immerhin wirkt er offensichtlich weniger abschreckend auf Linke als Hillary Clinton, weil er aufgrund seiner bekannten Geschichte von den meisten gemocht wird.

Clinton ist mit Sicherheit viel intelligenter und qualifizierter für das Präsidentenamt als Biden, aber darum geht es nicht, sondern um die Wahlchancen.

Auch um Biden geht es kaum bei der Wahl, sondern nur um Pro oder Contra Trump. Das Contra-Lager ist offenbar größer.

Ich habe letzte Woche schon per Absentee Ballot gewählt. Das ist als Amerikaner so einfach. Genau wie 2016 ist es für mich irrelevant, welche Namen bei der demokratischen Partei stehen, wenn der Gegenkandidat Trump lautet.

Selbstverständlich bekam Joe Biden meine Stimme und ich fordere alle Amerikaner auf es mir gleich zu tun.

Trump scheint mir immerhin noch so weit rational, daß er auch annimmt nach 2016 erneut die absolute Stimmenmehrheit klar zu verpassen.

Er ist aber so kriminell, skrupellos, amoralisch und schamlos, daß er plant die Verfassung mit Hilfe seiner erbärmlichen Epigonen im SCOTUS und DOJ und Senat einfach niederzutrampeln.

Er wird im Amt bleiben und jedes anderslautende Ergebnis als Betrug diffamieren – stets mit den 65 Millionen bis an die Zähne bewaffneten weißen fanatischen Fans im Rücken.