Mittwoch, 6. Mai 2020

Prioritäten


Morgen früh gehe ich zum Friseur. Nach zehn Wochen das erste mal wieder.
Lebensnotwendig ist das nicht, nein. Ich mag Haareschneiden sowieso gar nicht, weil ich als Sozialphobiker leide, wenn man mir so nahe kommt und an mir rumfummelt.
Andererseits bin ich nach zweieinhalb Monaten wirklich fällig und doch eitel genug, um nicht mit dem Jetzt-Zustand länger rumlaufen zu wollen.
Der wichtigste Grund ist aber, daß ich die Inhaberin als schon länger kenne und sie mir als Kleinunternehmerin mit drastischen Existenzsorgen sehr Leid tut. Da trage ich gern zu ihrem Umsatz bei. Normalerweise bin ich kein finanziell attraktiver Kunde, da ich nur selten hingehe, einen billigen Herrentrockenschnitt bekomme und lediglich noch ein veganes Shampoo kaufe.
Aufgrund der neuen behördlichen Auflagen wird es morgen etwas teurer, weil jedem Kunden vorher die Haare gewaschen werden müssen. Den zusätzlichen Umsatz gönne ich ihnen von Herzen.

Unter epidemiologischer Perspektive sind Friseursalons trotz Handschuhen, Masken, Haare waschen und ständiger Arbeitsplatzdesinfektion nicht ideal, weil die nicht medizinischen Stoffmasken keinen absoluten Schutz bieten.
Wenn sich ein Covid19-Vollbild-Kunde unter seiner verkeimten T-Shirt-Maske durch den Laden niest, kriegen wir es alle.
Andererseits sind kürzere Haare und geschorene Bärte ohnehin ein hygienischer Fortschritt im Kampf gegen den Sars-CoV-2.
Der Beschluss ab dieser Woche unter Auflagen den Friseurbetrieb wieder aufzunehmen, ist also zu rechtfertigen. Auch weil der Wirtschaftskreislauf wieder in Gang kommt, knapp 150.000 sozialversicherungspflichtig Angestellte wieder Geld verdienen können.
Nach irgendwelchen Kriterien muss man ja entscheiden welche Teile der deutschen Ökonomie nach den essentiellen Branchen (Lebensmittel, Apotheken) peu à peu wieder gelockert werden.

[…..] Lockerung auf eigenes Risiko
[…..] Die Länder treiben die Öffnung voran, die Kanzlerin lässt sie weitgehend gewähren. Allerdings übernehmen die Ministerpräsidenten damit auch die Verantwortung, wenn es schiefgeht. […..]
Reihenweise hatten zahlreiche Ministerpräsidenten in den vergangenen Tagen im Alleingang für ihre Bundesländer Lockerungen verkündet, Fahrpläne für den Weg in eine neue Normalität mit Corona beschrieben, Perspektiven aufgezeigt, einen Bayern-Plan präsentiert. Umfang und Eile der Alleingänge wirkten wie ein Aufstand gegen Angela Merkels Politik der Behutsamkeit, für die sie noch vor einer Woche geworben hatte. Die Kanzlerin wollte Schritt für Schritt vorgehen, immer wieder abwarten, welche Folgen einzelne Lockerungen auf die Infektionszahlen haben würden.
Die meisten Ministerpräsidenten wollten das nicht. Nicht mehr.
[…..] Vieles geht jetzt schneller und nach dem Willen der Länder. Von der Kinderbetreuung bis zur Gastronomie, alles wird jetzt in den Landeshauptstädten geregelt. Andererseits übernehmen die Länder damit auch die Verantwortung, "eine große Verantwortung", wie Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) fast ein bisschen ehrfürchtig sagt. […..]

 Der von seinen Karriere-Ambitionen gejagte NRW-MP Laschet geht besonders forsch heran, um sich als Erfüllungsgehilfe der Wirtschaftslobbyisten zu profilieren.
Ausgerechnet die hygienischen Infernos der Muskelbuden lässt er wieder eröffnen.

Die Umfragewerte der CDU erreichen derzeit Rekordhöhen. Bundesweit um die 40% und viele CDU-MPs könnten bei Landtagswahlen nach heutigem Stand die absolute Mehrheit erreichen.
Im diametral entgegengesetzten Maß dazu debakulieren die CDU-Bundesminister umso mehr. Karliczek, Scheuer und Seehofer sind weitgehend abgetaucht. Spahn springt von Fettnapf zu Fettnapf, blamierte sich erst bei der Maskenbeschaffung, scheiterte dann an der Tracking-App und musste gestern nach bundesweitem Entsetzen seine Schnapsidee von den Immunitätsausweisen begraben.

Einen drauf setzte die deutsche Kriegsministerin Annegret Nero-Karrenbauer, die in der Kakophonie der C-Minister dafür plädiert die volkswirtschaftlich irrelevanten Seuchenherde Gottesdienst wieder aufzunehmen.

[…..] AKK: Gottesdienste „regelmäßig und häufig“ besuchen
Wie systemrelevant ist der Tod? Darüber haben die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Jesuitenpater Klaus Mertes im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen diskutiert. Für die Politikerin ist der Glaube an Gott in dieser Zeit besonders tröstend.
(…)  Sie forderte dazu auf, Kirchen „regelmäßig und häufig“ zu besuchen. Auch Pater Mertes sagte: „Die Politik kann uns nicht vor allen Lebensrisiken schützen. Das kann nur der liebe Gott.“ [….]

Die fromme Homophobe aus dem Saarland und der Geront im Kleid erklärten allerdings nicht näher wie Gottes Schutz für das Lebensrisiko Covid19 für die bis zum heutigen Tag 263.376 an Corona Gestorbenen funktioniert hat.
Millionen trauernde Angehörige dürften von Gottes Schutz-Performance weniger beeindruckt sein.

Dienstag, 5. Mai 2020

Bedauern überwiegt.


Johannes Kahrs, 56, SPD-Urgestein, Seeheimer-Boss, Strippenzieher und mächtiger Haushaltspolitiker ist vielleicht der schillerndste Abgeordnete des Bundestags.
Zufällig ist er auch zweifach mein Abgeordneter; ich lebe in dem Bundestagswahlkreis, den er in Berlin vertritt und bin außerdem auch noch seit Jahrzehnten SPD-Mitglied, so daß ich Kahrs schon sehr sehr lange auf kommunaler Ebene hautnah erlebe. Er ist Kreisvorsitzender in Hamburg-Mitte.

Rückblick:
(……) Es ist wohlfeil über Eitelkeiten und Geltungsbewußtsein von Politikern zu klagen.
Menschen mit sympathischen Eigenschaften wie Zurückhaltung, Bescheidenheit, Altruismus, Introvertiertheit, Kontemplation und Besonnenheit werden gar nicht erst Spitzenpolitiker, weil man sich mit so einem Rüstzeug nicht auf der Ochsentour nach Oben durchsetzen kann.
Ja, genau. Das System ist schuld. Und natürlich der Urnenpöbel, der solche unerschütterlichen Typen mit genügend Selbstbewußtsein für eine ganze Stadt offensichtlich so toll findet, daß er sie immer wieder wählt.

Ein solcher Mann mit sehr breitem Kreuz und der unerschütterlichen Überzeugung selbst der beste zu sein, ist mein direkter Vertreter im Parlament.

Es fällt mir immer noch schwer ein Urteil über meinen Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs aus Hamburg-Mitte zu fällen.

Kahrs, 51, Oberst der Reserve, Rechtsanwalt dürfte bundesweit vor allem durch seine Rolle als Sprecher des Seeheimer Kreises bekannt geworden sein.
Der Sohn zweier sozialdemokratischer Senatoren in Bremen, saß zunächst ab 1993 fünf Jahre in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, bevor er 1998 in rabiater Weise einen meiner absoluten Lieblingspolitiker, nämlich den Bundestagsabgeordneten von Hamburg-Mitte, Freimut Duve verdrängte.
Duve war einer dieser Ausnahmepolitiker, der 100% integer und frei von Eitelkeit agierte. Hochgebildet und bescheiden zugleich, gehörte er zu der kleinen Gruppe Parlamentarier, die ihre komplette Steuererklärung veröffentlichten, Diäten spendete und sich stets für die Schwächsten einsetzte.
Ich war sehr wütend, als ich Kahrs vor die Nase gesetzt bekam, zumal Duve 1998 sehr gern weiter gemacht hätte!
Aber, das muß man zugeben; Kahrs sitzt fest im Sattel. Er wurde seit 17 Jahren immer wieder direkt und mit Hamburger Rekordergebnis in den Bundestag geschickt.

Warum sollte ich unzufrieden sein?

In solchen Fällen hilft eine stichwortige Pro- und Contra-Liste (….)
WEITERLESEN: (Komplexe Persönlichkeit, 31.01.2015)

Man kann in epischer Breite seine schlechten Seiten aufzählen. Kahrs ist sicher nicht zimperlich, nutzt jeden Trick und soll Gerüchten zu Folge vor keiner Gemeinheit zurück schrecken.
Andererseits ist er aber auch ein Naturtalent. Kaum einer kann so druckreif und eindrucksvoll ohne Manuskript reden, niemand ist so mutig und legt sich im Dienst der Sache mit der Konkurrenz an.
Und Kahrs ist effektiv für seinen Wahlkreis. Immer wieder schaffte er es große Summen Bundesmittel für Hamburg locker zu machen und beteiligte seine Schäfchen an der Basis vorbildlich. Ich kenne keinen so fleißigen Abgeordneten, der im Wahlkreis so präsent ist, Myriaden Hausbesuche – zu denen er selbstgebackenen Kuchen mitbringt – absolviert hat und unablässig Busladungen voller interessierter Hamburger nach Berlin karren lässt, um ihnen zu zeigen wie der Bundestag arbeitet.

Weniger informierte Linke neigen dazu Kahrs übergroße Nähe zur Union zu attestieren, weil sie „die Seeheimer“ generell für „rechts“ halten.
Nichts könnte falscher sein.
Johannes Kahrs ist im Bundestag als härtester Kritiker Merkels bekannt und schleuderte ihr am Rednerpult des Bundestags nach der Einführung der „Ehe für alle“, die Merkel bekanntlich immer ablehnte, wütend ein „Danke für nichts“ entgegen.


Zudem ist Kahrs einer der ganz wenigen Volksvertreter, der so offensiv die AfD angreift, daß die wirklich getroffen aufjaulen.


So sehr, daß sie schon heulend aus dem Bundestag gingen, wenn sie vom Seeheimer-Boss eins übergebraten bekamen.


Johannes Kahrs, 22 Jahre Bundestagsabgeordneter, von 1998 bis 2020 immer mit hervorragenden Ergebnissen direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages, Sprecher der Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss warf heute überraschend alles hin. Keinen Bock mehr?

Ich bin irritiert. Angeblich schlug er schon oft Regierungsämter aus, weil er gar nicht so gierig drauf ist im Rampenlicht zu stehen, sondern es lieber genießt der mächtige Strippenzieher hinter den Kulissen zu sein.
Öffentlich pflegte er dann zu sagen, daß er ohne ein Regierungsamt viel offener sprechen könne und ohne weitere Karriereabsichten nicht erpressbar wäre. Das genieße er, so könne er frei nach Schnauze reden.
Nun heißt es, werfe er hin, weil die SPD Eva Högl als neue Wehrbeauftragte durchsetzte, obwohl Kahrs seit Monaten darauf hinarbeitete Herrn Bartels abzulösen.

[…..] „Ich wollte einen Neuanfang in der Politik. Da mir die Bundeswehr sehr am Herzen liegt, als Oberst der Reserve, ehemaliges Mitglied im Verteidigungsausschuss oder als langjähriger Berichterstatter für das Verteidigungsministerium im Haushaltsausschuss, hätte ich gerne für das Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages kandidiert“, so Kahrs.
„Für das Amt des Wehrbeauftragten bewirbt man sich nicht, man wird vorgeschlagen. Der Fraktionsvorsitzende hat Eva Högl vorgeschlagen. Ich akzeptiere dies und wünsche ihr viel Erfolg“, sagt er. Nun suche er außerhalb der Politik einen Neuanfang – und tritt noch am Dienstag von seinem Mandat und allen politischen Ämtern zurück.
Johannes Kahrs wünscht der SPD Glück und Erfolg
„Ich danke all meinen Weggefährten, meinen Freunden und politischen Begleitern vieler Jahre. Ich bin meiner Partei zutiefst verbunden und wünsche ihr von ganzem Herzen Glück und Erfolg", sagt er. […..]

Kann das sein?
Kahrs gilt als uneitel und unkaputtbar. So einer soll so angefasst sein, daß er den Lafo macht?
Insofern passt es einfach nicht, daß er aus Gram um einen Posten alles hinwirft.

Die Causa Bartels/Högl ist ohnehin undurchsichtig.

Offiziell heißt es, die SPD-Bundestagsfraktion habe Högl statt Kahrs vorgeschlagen, da sich CDU und CSU kategorisch geweigert hätten Kahrs auf dem Posten zu akzeptieren.
Das ist möglich; wie wir gesehen haben, ist Kahrs nicht zimperlich mit der Union und zudem ist Bundeswehr sein Fachgebiet.

Anderseits ist unklar, wieso Bartels überhaupt abgelöst wurde. Die Soldaten vertrauten ihm und er wollte gern weitermachen.
Eva Högl ist zwar kompetent und durchsetzungsfähig, aber doch in dem Politikfeld fremd. Was soll also diese Personalrochade?

[…..] Beim Wechsel im Amt des Wehrbeauftragten ist das Problem nicht die Nachfolgekandidatin selbst. Die Sozialdemokratin Eva Högl gilt als hochkompetente Expertin, allerdings nicht für das Militär, sondern für Justiz und innere Sicherheit. Wer im NSU-Untersuchungsausschuss erlebt hat, mit welcher Toughness und Energie sie auftrat, wenn wieder mal ein Polizeiführer insistierte, er habe doch alles richtig gemacht, nur halt leider nicht an Rechtsterroristen glauben wollen, der weiß: Diese SPD-Abgeordnete lässt sich von niemandem auf der Nase herumtanzen. Nicht sie ist eine falsche Wahl - die Wahl selbst ist falsch.
Der Amtsinhaber, Hans-Peter Bartels, ebenfalls Genosse, wäre gern geblieben, und es gab keinerlei Grund, ihn durch eine Person zu ersetzen, der die Materie völlig neu ist. Bartels hat über Jahre einen guten Job gemacht, kennt Fallstricke und Widersacher und nahm keine falschen Rücksichten, wenn sich Soldaten an ihn wandten, deren Anwalt im Bundestag er ist. Weder er noch die Bundeswehr jedoch haben für diese Personalie eine Rolle gespielt. […..]

In der Schlangengrube SPD-Fraktion ist etwas gründlich schief gelaufen.
Eigenartig, daß es nun mit Kahrs ein Opfer fordert, das selbst als Meister der Strippenzieher gilt.
Ich warte auf weitere Informationen.

Bis jetzt bedauere ich den Rückzug des Johannes Kahrs sehr. Er wird im Bundestag fehlen.

Montag, 4. Mai 2020

Manische Abneigungen


Die meisten von uns haben irgendwelche irrationale Abneigungen, die sich nicht auf reale Gefahren wie Waffenexporte oder Kriminalität beziehen.
Man kann sie genauso wenig erklären wie besondere Zuneigungen. Man muss es auch nicht.
Während meine Freundin den ganzen Tag voller Entzückung Katzenvideos anguckt, liebe ich Zicklein, Lämmer und Vögel viel mehr.
Na und?
Zu den vielen vielen politisch unbedeutenden Dingen, die ich subjektiv nicht mag gehören so unterschiedliche und irrelevante Dinge wie Countrymusik, die Worte „lecker“ und „Stulle“, Sandalen, Tattoos, Litschis, Piercings, die Kombination aus Früchten und Schokolade, Vollbärte, Sächsisch, nackte Füße, Comics oder Schuhe mit dicken Sohlen.
Natürlich weiß ich aber wie persönlich diese Empfindungen sind bin daher völlig zufrieden damit sie zu meiden.
Nie käme ich auf die Idee anderen Menschen Schwarzwälder Kirschtorte, Taylor-Swift-Songs oder Arschgeweihe zu missgönnen oder gar zu verbieten.
Schließlich handelt es sich nur um zufällige, persönliche Abneigungen.

Wenn Abneigungen hingegen so stark werden, daß man sie immer wieder artikuliert und die abgelehnten Dinge/Personen/Phänomene aktiv bekämpft, muß man an einer Art Trauma leiden oder auf andere Art zutiefst persönlich betroffen sein.

Noch mal zur Erinnerung; ich spreche nicht über reale Gefahren wie Trump, die AfD oder Angriffe auf die Pressefreiheit – dagegen sollte man starke Abneigungen empfinden und sie im Interesse der Allgemeinheit aktiv bekämpfen.
Ich betrachte hier lediglich harmlose Dinge, deren Existenz einen gar nicht tangiert.

Abneigungen, die so manisch werden, daß derjenige, der sie empfindet nicht aufhören kann darüber zu sprechen, sie zu verdammen, haben eine tiefenpsychologische Komponente.

Als Beispiel dafür kann das ewige Mega-Faszinosum „Analverkehr“ für die täglich von Millionen Menschen angeklickte katholische Website „Kreuz.net“, 2004-2012.
Jeden Tag kreisten neue „Artikel“ mit kreativen Neologismen um die Sexualpraktiken schwuler Männer im Bett.
Sie wurden in drastischer Anspielung auf die anale Penetration „Kotstecher, Gomorrhisten, Sodomisten, Schokostecher, Widernatürliche, Homoperverse, Praktizierende von Brechreizturnübungen, Bundestagsschwuchtel, Verwender von Gummi-Isolatoren, Homoverrückte“ und vieles andere mehr genannt.
Es war für jeden Leser sofort offensichtlich, daß die Dunkelkatholiken aus dem Umkreis der FSSPX, süddeutschen und österreichischen Diözesen an nichts anderes, als Penisse, die in Mastdärmen stecken denken konnten.
Warum?
Wieso sollte das für heterosexuelle Männer, oder gar Zölibatäre von Interesse sein? Weshalb sprachen sie nie über die tausend weiteren Sexualpraktiken, die sie ebenfalls nicht selbst durchführen?

Eigentlich halte ich es für eine positive Form der Zuwendung und aufmerksames Interesse an den Mitmenschen, wenn man bei Gelegenheit auch mal nachfragt wie sexuelle Vorlieben funktionieren. Übermäßige Verklemmtheit ist kein Wert an sich.
Aber wer über neun Jahre mit erheblichen publizistischem Aufwand, ein Millionenpublikum unterhaltend jeden Tag aufs Neue den Analverkehr thematisiert, sich fasziniert in fäkalen Konnotationen über Schließmuskelstörungen ergeht, handelt es sich eindeutig nicht mehr um ein übliches Grundinteresse an den Mitmenschen, sondern um eine schwere psychische Störung. Die banalste Erklärung; es handele sich dabei in Wahrheit um verdrängte eigene Homosexualität, den unterdrückten und daher überkompensierten Wunsch selbst Analverkehr zu betreiben ist so naheliegend wie vermutlich richtig.

Joseph Ratzinger ist so etwas wie die menschliche Inkarnation Kreuznets.
Der heute 93-Jährige wurde vor fast genau 15 Jahren zum Papst gewählt. 

Nach katholischem Verständnis führte im Konklave der Heilige Geist – also Gott selbst – den Kardinälen die Hand.
So wurde der vorher schon in der RKK nahezu allmächtige „Panzerkardinal“ unfehlbar. Die päpstliche Unfehlbarkeit – Infallibilitas - ist ein von Pio Nono 1870 eingeführtes Dogma und daher auch nicht zu ändern.
Der Stellvertreter Gottes auf Erden irrt sich nicht.
Eine prima Sache für den bayerischen Geronten, der vor 69 Jahren zum Priester geweiht wurde.

(……) Das Papstamt steht für maximale Machtfülle.
Er wird direkt vom Heiligen Geist (=Gott) ausgesucht, amtiert folglich auf Lebenszeit als Stellvertreter Gottes auf Erden.
Weltlich betrachtet ist es ein absolutistisches Amt. Ein Papst ist nicht nur oberster Chef der Exekutive, Judikative und Legislative, sondern er ist praktischerweise auch noch unfehlbar.
Noch beindruckender ist seine kirchenrechtliche Stellung.

   Franzi verfügt über Primatialgewalt (der Primatsanspruch des Papstes ergibt sich aus Matthäus 16 : Als Nachfolger des Apostels Petrus, irdischer Stellvertreter Jesu Christi und Hirte der Universalkirche verfügt der Papst in der römisch-katholischen Kirche „über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“ (can. 331 CIC).
Der Papst ist Träger der Höchstgewalt (potestas suprema); es steht also nichts und niemand über ihm; und der
 Vollgewalt (potestas plena), also maximale Gewaltenfülle in materieller und formeller Hinsicht. Materiell meint, daß sich päpstliche Gewalt über absolut alle Sachgebiete der Kirche erstreckt. Formal heißt Amtsgewalt des Papstes über Exekutive, Legislative und Judikative umfasst.
Franzi ist oberster Richter der Kirche und zwar ohne sich selbst an kirchliches Recht halten zu müssen (prima sedes a nemine iudicatur). Was er entscheidet ist daher automatisch letztinstanzlich und unanfechtbar.
Die Primatialgewalt ist unmittelbar (potestas immediata), so daß sich der argentinische Einlunger willkürlich in alles was ihm beliebt einschalten kann ohne irgendwelche Vorinstanzen abwarten zu müssen.
Ferner verfügt Bergoglio über Universalgewalt (potestas universalis), kann also seine Primatialgewalt auch auf alle Teile wie Bistümer, Klöster, Pfarren anwenden; und:
bischöfliche Gewalt (potestas vere episcopalis) und frei ausübbare Gewalt. Kein Kardinal, kein Kirchengericht, noch nicht mal alle 4.000 Bischöfe der RKK zusammen können Franzi bei seinem Machtgebrauch hindern. (…..)

Er rehabilitierte die antisemitischen Holocaustleugner der FFSPX, ließ die uralte tridentinische Messe wieder zu, trat allen an der Ökumene Arbeitenden kräftig in den Hintern, beleidigte andere Religionen, erklärte Kondome zu Schuldigen an der HIV-Seuche und bekräftigte die Absage an jede Aufwertung von Frauen in der RKK.
Was man eben so macht als Stellvertreter Gottes.
Aber er hatte ein Thema, das ihn über alle Maßen faszinierte und das er bis heute nicht loslassen kann: Homosexualität.


Er hasst Schwule wie die Pest und kann einfach nicht aufhören sich über Homoehe, homophil veranlagte Priester oder Homo-Toleranz zu beklagen.
Während zu Zeiten JP-IIs (1978-2005) schwul veranlagte Priesteramtskandidaten durchaus studieren durften, weil die sexuelle Vorliebe für Frauen und/oder Männer irrelevant ist, wenn man ohnehin im Zölibat lebt und niemals im Leben Sex hat, verbot Ratzinger weltweit Männern mit den leisesten schwulen Gedanken schon ins Priesterseminar aufgenommen zu werden.
Der Effekt ist natürlich klar: Menschen mit verdrängter eigenen Homosexualität zieht es nun noch mehr in Priesterseminare, weil sie dort die Sicherheit haben, daß niemals drüber gesprochen werden darf.
Da Ratzinger anders als seine Fanseite Kreuznet (im Dezember 2012) bei seinem nur wenige Wochen später im Februar 2013 folgenden Rücktritt aber nicht untertauchte, sondern als unfehlbarer Papst weiterhin im Vatikan sitzt, kann er auch nicht von seinem Lieblingsthema lassen.
Geiferig achtet der Altpapst darauf weiterhin Machtworte sprechen zu können.

  (…….)  Die schlichten weißen Gewänder des Polens verachtet Ratzinger und schwelgte im Luxus. Nun konnte es gar nicht genug Gold und Edelsteinig sein.
Benedikt trug Hermelin, rote Prada-Schühchen, verschiedene Camauri in Samt, Seide und Damast – stets mit teuerster Hermelinfütterung. Goldene Luxus-Roben, die er aber stets nur einmal trug.
 Und natürlich immer wieder seine heißgeliebten Pracht-Mozzetti: Die Mozzetta aus weißem Seidendamast mit Hermelin gefüttert, die Mozzetta aus rotem Tuch mit Hermelin gefüttert, seine Mozzetta aus rotem Samt mit Hermelin gefüttert.

Ganz sicher ist immer noch nicht, weswegen Benedikt XVI. im Jahr 2013 zurücktrat. Ich kenne viele Gerüchte, er wäre von dunkeln Kräften rund um den Opus Dei mit Schwulen-Geschichten erpresst worden. Das kann ich aber a) nicht verifizieren und b) wäre es aus Sicht der Legionäre Christi oder des Opus Dei kontraproduktiv einen derart konservativen Papst abzusägen.
Möglicherweise hatte er wirklich einfach keinen Bock mehr. 

Seinem Nachfolger versprach er aufgrund der ungeklärten Machtverhältnisse zwischen zwei Päpsten auf engstem Raum im Vatikan-Kloster Mater Ecclesiae ein Leben in Stille und Gebet zu führen.

Bergoglio wußte aber bald Bescheid. Wieder einmal hatte Joseph Ratzinger gelogen. Keineswegs würde er auf die Insignien seiner Macht verzichten.
Der Ex-Papst nennt nicht wieder „Pater Ratzinger“, verzichtet auf keine Privilegien und schon gar nicht denkt er daran wie andere ehemalige Kardinäle eine einfache schwarze Soutane zu tragen. 


Ratzi fährt das volle Protz- und Prunk-Programm weiter.

[……] Leb­te Ratz­in­ger tat­säch­lich wie ein Ere­mit in sei­nem Klos­ter, wäre vie­les ein­fa­cher. Aber der Mann aus Marktl am Inn un­ter­zeich­net sei­ne Post be­harr­lich mit »Papa eme­ri­tus«, trägt wei­ter die wei­ße Sou­ta­ne und das Schei­tel­käpp­chen ei­nes Pon­ti­fex und er­teilt den apos­to­li­schen Se­gen. Sich nicht von den äu­ße­ren An­zei­chen des Pap­st­amts tren­nen zu wol­len, sei ein Aus­druck un­er­hör­ter Ar­ro­ganz, zürnt ein Ratz­in­ger-kri­ti­scher Kar­di­nal. [….]
(DER SPIEGEL, 01.02.2020) (……)

 
Als Stellvertreter Gottes hackt Ratzinger auch im Jahr 2020 wie eh und je auf Schwule ein.

[…..] Der emeritierte Papst Benedikt XVI. distanziert sich in einer neuen Biografie deutlich von Ehen zwischen Homosexuellen. „Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen.“
Heute sei gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstelle, so der ehemalige Papst. […..] „Die moderne Gesellschaft ist dabei, ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird. Die Furcht vor dieser geistigen Macht des Antichrist ist dann nur allzu natürlich.“ Nach Ansicht des früheren Kardinals Joseph Ratzinger liegt „die eigentliche Bedrohung der Kirche“ in einer „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien“. […..]

 
Ich behaupte: Kein heterosexueller Mann kann über so viele Jahrzehnte eine derart manische Abneigung gegen Schwule kultivieren, wenn er nicht selbst halbschul ist und stets mit entsprechenden Gelüsten hadert.
Auch mit 93 scheint den alten Mann homosexuelle Liebe enorm zu triggern.

[……] Während seiner Amtszeit von 2005 bis 2013 hatte Ratzinger immer wieder vor eine Ausweitung von LGBTI-Rechten gewarnt. So behauptete er 2012, die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sei eine "Manipulation der Natur" und führe zum Verlust der "Würde des Menschen" (queer.de berichtete). […..]


Soso, der Mann, der den ganzen Tag bunte Kleider trägt, nie was mit einer Frau hatte, aber glücklich mit seinem hübschen Gänsi in einem Staat mit einer mutmaßlichen Zweidrittel-Schwulenquote lebt, ist gegen die Homoehe.
Was ist er so garstig? Hat ihm wieder ein Messdiener in die Eichel gebissen?