Montag, 27. April 2020

Danger House


In einer der großartigen, aber apokalyptische Reportagen, die New Yorker Journalisten über ihre Stadt schreiben, erwähnt SZ-Korrespondent Christian Zaschke (lebt seit 2016 in NY) auch die große US-Kernfrage.
In diesem Fall stellt sie der mit ihm befreundete Schriftsteller Gary Shteyngart.

[…..] Er will wissen, wie sie sich jetzt gerade anfühlt. Ich erzähle ihm von der erdrückenden Leere. "Das ist deprimierend", sagt er. Er überlegt kurz. "Das Ganze ist aus zwei Gründen so schlimm", sagt er schließlich: "Zum einen wissen wir nicht, wann wir einen Impfstoff haben. Zum anderen haben wir ausgerechnet jetzt einen Idioten als Präsidenten. Man weiß immer nicht, ob er zuerst ein Idiot ist oder zuerst ein Arschloch. Klar, er ist beides, aber vermutlich doch zuerst ein Arschloch." [….]

Klar, er ist beides, aber nach den letzten Tagen neige ich anders als Shteyngart dazu die totale Verblödung als Trumps primäre Eigenschaft anzusehen.

Das sind zwar ideale Voraussetzungen für Satiriker…..


….aber angesichts einer Million Sars-Cov2-Infizierter und über 50.000 Toter in den USA, wäre es ganz schön, wenn nicht ausgerechnet der US-Präsident dazu beitrüge mehr Amerikaner zu töten, indem er ihnen empfiehlt Desinfektionsmittel zu trinken.


Klar, die meisten Menschen lachen über derartige Trump-Idiotien, aber 62 Millionen Amerikaner waren so unendlich doof ihn zu wählen; da verwundert es wenig, daß einige von ihnen auch beherzt zur Domestos-Flasche greifen, um sich einen kräftigen Schluck zu gönnen.

[…..] Infolge der Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über mögliche Desinfektionsmittel-Injektionen gegen das Coronavirus hat die Giftzentrale im US-Bundesstaat Illinois eine Zunahme an Notrufen verzeichnet. In den vergangenen zwei Tagen habe es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen „signifikanten Anstieg“ der Anrufe im Zusammenhang mit Reinigungsmitteln gegeben, sagte die Direktorin des Gesundheitsamtes, Ngozi Ezike, am Samstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Beispielsweise sei mit einer Mischung aus Bleichmittel und Mundwasser gegurgelt worden, „in einem Versuch, das Coronavirus zu töten“. Ezike warnte eindringlich vor der Einnahme von Haushaltsreinigern. [……]

Offenbar versuchen auch die Berater im Weißen Haus – allesamt glühende Trump-Fans – ihren Chef davon abzubringen bei seinen täglichen Briefings stundenlang sinnfrei in die TV-Kameras zu plappern, weil sogar sie sehen welchen Schaden er anrichtet.

Nach dem katastrophalen Feedback zu seiner „Inject desinfesction“-Pressekonferenz, reagierte Trump wie üblich auf dem Niveau eines debilen Vierjährigen, der auf eine heiße Herdplatte fasste.


Jammernd und zeternd schmollte er auf Twitter, er werde nun gar nicht mehr mit der Presse reden. Natürlich hielt er sein Vorhaben nur einen Tag durch.

   […..] Verwirrung um die regelmäßigen Pressekonferenzen von US-Präsident Donald Trump in der Coronakrise: Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, teilte mit, Trump werde am Montag um 17.00 Uhr (Ortszeit/23.00 MESZ) nun doch vor die Medien treten. Das Weiße Haus hatte zunächst eine Pressekonferenz für diese Zeit am Montag angekündigt, sie dann aber wieder abgesagt. McEnany schrieb nun, bei Trumps Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses werde es um zusätzliche Richtlinien für Coronavirus-Tests und um "andere Ankündigungen" zur Wiedereröffnung der Wirtschaft gehen. [….]

Ohne seine Rallys und Golftouren ist Trump aber einfach frustriert. Der Mann liest nicht, informiert sich nicht, will nichts wissen. Stattdessen sitzt er den ganzen Tag vor den FOX-News und stopft sich Pommes und Diät-Cola rein.

[…..] Donald Trump is spending lockdown obsessively watching TV, worrying about his faltering re-election prospects, and eating junk food, according to a new report in The New York Times. Trump has reportedly maintained a routine of rising as early as 5 a.m., watching news channels for several hours, and often becoming enraged by the coverage even on friendlier networks. He also reportedly keeps a keen eye on Gov. Andrew Cuomo’s briefings from New York, from which he takes note of any compliments of criticisms. The report states that Trump is “more sensitive to criticism than at nearly any other point in his presidency.” His one bright spot is his daily press conference, for which he reportedly doesn’t prepare. He regards the press conferences as “the best substitute for the rallies he can no longer attend but craves.” Trump ends the day with more TV and in his private dining room off the Oval Office, where he is joined by aides, and junk food including French fries and Diet Coke is “readily available.” […..]



Nach dem NYT-Bericht flippte Trump mal wieder vollkommen aus.
Die Zeitung hasst er ohnehin wie die Pest, da er als New Yorker Geschäftsmann so lange vergeblich um die Gunst dieser weltweit renommierten Zeitung warb.
Für ein Lob in der NYT hätte er alles getan. Aber es kam nie.
Rasend vor Wut versucht er nun wieder alles der Zeitung zu schaden, indem er diesmal verlangt die journalistischen Preise müsste ihr aberkannt werden.
Er meinte offenbar die Pulitzer-Preise der NYT, verwechselte das aber mit dem Nobel-Preis.


Sein entsprechender Tweet wurde doppelt peinlich, da es nicht nur bei diesem einen fundamentalen Irrtum blieb, sondern er auch noch vom NOBLE-prize  schrieb. Offenbar hält er den wichtigsten Preis der Erde für etwas, das dem amerikanischen Adjektiv „noble“ (reich, vornehm, edelmütig) angepasst ist und hat keine Ahnung davon, daß der Name des Preises von Alfred Nobel, dem Erfinder des Dynamits stammt.


[…..] Nach seiner wiederholten Schelte gegen die "New York Times" legte Trump noch nach. Er forderte Journalisten, die für ihre "Arbeit über Russland" Nobelpreise erhalten hätten, auf, diese zurückzugeben. "Wann wird das Nobel-Komitee reagieren?", fragte Trump. Kommentatoren auf Twitter mutmaßten daraufhin, Trump meine wohl den Pulitzerpreis, da es keinen Nobelpreis für Journalismus gebe.
Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken waren eindeutig. Neben der scheinbaren Verwechslung Pulitzer/Nobel hatte Trump den Nobelpreis konsequent falsch geschrieben ("Noble" statt "Nobel"). [….]


Dummheit an sich ist kein Problem für den Betroffenen.
Handelt es sich dabei aber zufällig um den US-Präsidenten, dem jeder zuhört und dem (bedauerlicherweise) Millionen Menschen glauben, wird es gemeingefährlich.
Der Irre muss dringend in eine Gummizelle weggesperrt werden.



Sonntag, 26. April 2020

Musikalische Omnipräsenz


Es liegt zum einen an meinem Alter und den geschulteren Ohren und zum anderen an den diversifizierten Vermarktungswegen, daß ich von den heutigen Hits kaum noch etwas mitbekomme.
In meiner Jugendzeit hatten die Singlecharts noch eine andere Bedeutung. Sie wurden nur an den verkauften Tonträgern gemessen. Heute werden viel mehr Daten und Vertriebswege berücksichtigt.
In den USA reichten daher letztes Jahr lediglich 823 verkaufte Alben "A Boogie wit da Hoodie", um Platz 1 der Charts zu erreichen.
Die Rap-Songs waren 83 Millionen Mal gestreamt und mittels eines Marketingschlüssels in 58.000 theoretisch verkaufte Alben umgerechnet worden.
823 verkaufte CDs reichen zu Platz 1 in den USA – man vergleiche das mit den vielen Millionen verkauften Tonträgern, die in den 80er Jahren mit einem Nummer1-Hit verbunden waren.

Goldene Schallplatten bekommt man heute für weit weniger Alben als vor dem Internetzeitalter.

[…..]  War die Ehre früher noch mit Erfolg und Respekt gleichzusetzen, hat man heute das Gefühl, dass die Goldenen Schallplatten jedem Hobby-DJ hinterhergeworfen werden. Das Problem sind die veralteten Regelungen, die sich seit Jahren nicht geändert haben – anders als der Musikkonsum.
Der entscheidende Unterschied zu früher sind die Streamingdienste. Noch vor zehn Jahren musste jede Platte beziehungsweise Single über den Ladentisch gehen und somit auch wirklich gekauft werden. Im Zeitalter von Spotify, Deezer und Apple Music, die den modernen Musikmarkt weitestgehend übernommen haben, kann nicht wirklich von gekauften Einheiten die Rede sein.
Seit dem vergangenen Jahr werden Streams in die Ermittlung der Chartplatzierungen einbezogen. Gewertet werden Streams ab 31 Sekunden. Dabei sind 100 Streams äquivalent zu dem Kauf einer Single. 20 Millionen Streams ergeben somit 200.000 verkaufte Einheiten und somit eine Goldene Schallplatte. […..]

Zu meiner Jugendzeit in den 1980ern waren die großen Charthits dagegen weltweite Massenphänomene. Michael Jacksons „Thriller“ von 1982 wurde 66 Millionen mal verkauft. ACDCs „Back in Black“ (1980) 50 Millionen mal, Michael Jacksons „Bad“ (1987) 45 Millionen mal.
Es gab Schallplatten, die in jedem Haushalt standen, wie „The Dark Side oft he Moon“ (Pink Floyd 1973), „Saturday Night Fever“ (BeeGees 1977) und weitere Megaseller von U2, Queen, Barbra Streisand, Simon and Garfunkel, Elton John, Beatles, Rolling Stones Aretha Franklin, Carol King, Joni Mitchell, Cat Stevens oder Elvis Presley.

Die Verbreitungswege für Musik waren weitgehend auf das Radio beschränkt. Im TV gab es vor der Erfindung MTVs so wenige Formate für moderne Musik, daß man sie an einer Hand abzählen konnte.
Entweder ließ man sich also mit dem berieseln was alle hörten, oder aber man musste einen erheblichen Aufwand betreiben.
Das hieß nicht bloß in die Plattenabteilung des nächsten Kaufhauses zu gehen, welches die Top 50 der Charts führte, sondern lange in Bus und S-Bahn zu sitzen, um in den wenigen spezielleren oder größeren Schallplattenläden viel Zeit zu verbringen. Endlos durch die Alben zu stöbern und immer wieder einzelne Stücke über Kopfhörer probezuhören, bzw den Ladeninhaber bitten den Titel laut zu spielen, den man kennenlernen wollte.
Gelegentlich hatte man Glück und es war ein ausgesprochener Musikkenner unter den Kunden, der zur Freude des Verkäufers eine tolle Platte nach der nächsten auflegen ließ, so daß man sehr viel kennenlernte, das man sich aufschrieb oder aber, sofern man genügend Geld hatte auch gleich kaufte.
Neue Platten zu erstehen war etwas wirklich Besonderes.  Dazu lud man gern Freunde ein, um sie zusammen zu hören und gegebenenfalls Aufnahmen auf Musikcassette anzufertigen.
Live-Konzerte waren damals noch relativ erschwinglich, aber um die Songs öfter zu hören, brauchte man den physischen Tonträger, der zudem auch noch pfleglich behandelt werden musste.
Die Anschaffung so einer Schallplatte war, verglichen mit dem profanen und lächerlich billigen Download von heute eine bedeutende Angelegenheit.
In der Regel bekam man dafür auch mit acht oder zehn hochwertigen und durchdachten Songs, statt der heute üblichen billig zusammengeschusterten Füll-Songs zu dem einem halbwegs radiotauglichen Hit.

Einen einigermaßen fundierte Musikgeschmack zu entwickeln erforderte ständig seine Fühler auszustrecken.
Man ging in bestimmte Discos, um dort gezielt ganz neue Musik zu hören. In Hamburg war es zu meiner Zeit natürlich das FRONT. Dort war eine der Keimzelle der DJs, die Songs ineinander mixten und außerdem hörte man dort das erste mal in Deutschland Chicago House. Das Front blieb zwar ein Geheimtipp, war aber doch unter Musikkenner so bekannt, daß am Wochenende die Partygäste auch aus Berlin oder sogar England einflogen.
WAS man da hörte war aber gar nicht so leicht herauszufinden. Man musste Kontakte haben zu den wenigen Privilegierten haben, die so gut mit Klaus Stockhausen, dem Mann hinter den Turntablen, bekannt waren, daß sie eine MC mit den Aufnahmen des Abends erhielten.
Es war schon ein großer Erfolg überhaupt herauszufinden wie die Songs hießen, die man so gern mochte. Das bedeutete aber noch lange nicht, daß man die entsprechende Schallplatte auch im nächsten Plattenladen bekommen hätte.
Tatsächlich war es das erste mal, daß ich meine familiäre Verbindung nach New York nutze, indem ich Verwandte gezielt bat mir in amerikanischen Läden bestimmte Platten zu kaufen.
Wenn das gelang war, es ein großer Erfolg. In vielen Fällen aber hatte man über Jahre nur Melodien, bestimmte Baselines, spezielle Hooks und Refrains im Kopf ohne zu wissen wer da eigentlich sang oder das Ganze produziert hatte.
Einige dieser nach meinem damaligen Empfinden Meisterwerke habe ich erst in den letzten fünf bis zehn Jahren identifiziert vollständig in Ruhe hören können.
In der Regel ist das mit etwas Enttäuschung verbunden, weil die allgemeine Verfügbarkeit von ALLEM zu JEDERZEIT selbstverständlich die Aura der Besonderheit killt.
Spargel und Erdbeeren zu essen ist viel schmackhafter, wenn es ein seltenes saisonales Vergnügen ist, das das man ein Jahr warten musste. Gibt es das Zeug immer und billig das ganze Jahr im Supermarkt, geht der Reiz verloren.

Ich vermisse also das geheimnisvolle und die Schwierigkeiten bei der Musikauswahl, die detektivische Notwendigkeit bei jeder Gelegenheit in den Plattensammlungen anderer zu stöbern, etwas auszuleihen, zu verleihen, auf Flohmärkte und spezielle Messen zu gehen.
Wenn ich heute ansetze eine Twen von einem aus meiner Sicht ungeheuer bedeutenden Musiker zu erzählen und die Entstehungsgeschichte ein wenig erläutern möchte, hat mein gegenüber das schon über sein Handy downgeloaded und zwischen seinen 97.000 anderen Downloads genauso schnell wieder vergessen.
Bis vor einigen Jahren versuchte ich es in solchen Fällen mit etwas mehr Überzeugungsarbeit. „Du musst mal genau hinhören und bedenke, daß….“
Inzwischen spare ich mir den Aufwand. Das ist vergebliche Liebesmüh in der hochfrequenten Download-Ära, in der jeder mit diesen weißen spermaartigen i-Pod-Plugs im Ohr herumläuft und gar nicht zu schätzen weiß welche Möglichkeiten er hat.

Im Gegensatz zu Karl Kardinal Lehmann gehörte ich nie zu den ABBA-Fans, aber den Schweden ist es zweifellos gelungen einen weltweit wiedererkennbaren Sound zu kreieren, der offenbar auch schlecht zu kopieren ist.
Original-ABBA erkennt auch der Laie sofort.
„Dancing Queen“, das Benny Andersson, Björn Ulvaeus Stikkan Anderson 1975 für ABBA schrieben und einer der größten Hits der Popmusikgeschichte wurde, erforderte anderthalb Jahre der Tüftelei und Konzeption.
An die 100 bekannte Bands und Solokünstler coverten das Lied inzwischen – darunter so illustre Namen wie Cher, U2 oder Belinda Carlisle.

Die Hits der 70er und 80er waren durch die wenigen, aber umso üblicheren Verbreitungswege so omnipräsent, daß ich sie heute immer noch im Ohr habe.
Das ist nicht nur schön, da sich auch der Mist im Hirn einbrannte, denn ich damals schon genauso grauenhaft fand wie heute.

Lese ich zu Beginn der erste Corona-Lockerungen die Befürchtungen vieler Ladenbesitzer, die Kunden könnten sich an das „weniger Konsumieren“ gewöhnt haben, fällt mir ebenfalls etwas Ungeliebtes aus den frühen 1980ern ein.

Ich hab' schon alles
ich will noch mehr
alles hält ewig
jetzt muß was Neues her

Ich könnt im Angebot ersaufen
mich um Sonderposten raufen
hab' diverse Kredite laufen
oh  was geht's mir gut

Oh
ich kauf' mir was
kaufen macht soviel Spaß
ich könnte ständig kaufen gehn
kaufen ist wunderschön
ich könnte ständig kaufen gehn
kaufen ist wunderschön
ich kauf'
ich kauf'
was ist egal

Hat das Fräulein dann bei mir abkassiert
was jetzt meins ist
schon nicht mehr interessiert

Bin ich erst im Kaufrausch
frag' ich gleich nach Umtausch
weil ich an sich nichts brauch'
kaufen tut gut [……]

Samstag, 25. April 2020

Schere


Die Hamburger Morgenpost wurde heute mit einem WIR-Aufkleber vor meine Tür gelegt.
Man bappe sich das sichtbar an Auto, Haustür oder auf die Kleidung, um so den Zusammenhalt Hamburgs während der Krise zu demonstrieren. Und Werbung für die darbende Mopo zu machen.
Das ständige Preisen des Gemeinsinns geht mir schon deswegen auf die Nerven, weil die Metaphern so schief sind.
„Zusammenstehen“, sich „unterhaken“ oder „unterstützen“, zusammenstehen, zusammenrücken. Gemeinsamkeit spüren, sich die Hand reichen, Wir-Gefühl.
Dabei sind das gerade die Dinge, die wird unter epidemiologischen Gesichtspunkten dringend vermeiden sollten.
Nun sind Einzelkämpfer, Solisten, Eremiten, Sozialphobiker, Eskapisten, Eigenbrödler, Troglodyten, Nichtgesellige, Bücherwürmer, Asexuelle gefragt.

Die EU zeigt es doch so schön unter der nicht vorhandenen Führung von der Leyens: Keine Solidarität, jeder gegen jeden, Nationalismus.
Die Nationen, die besser durch die Krise kommen, wollen nichts abgeben und die schwerer getroffenen Landstriche im Stich lassen. „Eurobonds, nein danke“ lautet das Credo von Deutschlands hochverehrten Kanzlerin.
                                                                                                     
Die Gewinne des reichsten Mannes der Welt, Jeff Bezos gehen durch die Decke, weil auch die deutschen Verbraucher aus mangelnder Solidarität lieber alles bei Amazon bestellen, statt die sterbenden lokalen Läden zu unterstützen.
Amazon verdient 10.000 Euro in der Sekunde (!), weil sich die EU-Staaten immer noch so sehr auf der Nase herumtanzen lassen, daß Bezos keine nennenswerten Steuern zahlen muss, während der kleine Laden um die Ecke, der mit viel Glück 10.000 Euro im Monat macht, steuerlich zur Kasse gebeten wird.

Wir sind keine solidarische Gesellschaft, sondern eine Bande egoistischer Denkfauler.
Der Deutschen allerliebste Partei, die CDU setzt sich intensiv für Steuergeschenke für die Superreichen ein – Soli-Abschaffung auch für die obersten 10 Prozent – während eben diese Partei auch meint, die um 21.00 Uhr so eifrig beklatschten Geringverdiener von der Supermarktkasse und aus den Pflegeheimen, von denen viele aufstocken müssen, sollten sich mit der Grundrente noch gedulden. Lieber Altersarmut als auf neue Millionengeschenke für die Superreichen zu verzichten.

Das deutschlandweit seit Wochen angeordnete Homeschooling ist ebenfalls ein Element der sozialen Spaltung.
Reiche Kinder bekommen massiv bessere Chancen, während die Jugendlichen aus ärmeren Familien stärker denn je benachteiligt werden.

Freitag, 24. April 2020

Weitere Ausfälle


Mein Steuerberater schickt mir wöchentlich eine Email, in der er alle Corona-Hilfsmaßnahmen beschreibt und erklärt wie und unter welchen Umständen man sie in Anspruch nehmen kann.
(Fast überflüssig zu erwähnen: Ich bin natürlich der Sonderfall Kleinstselbstständiger, der zwischen alle Maschen fällt und keinerlei Hilfen bekommt.)
Natürlich bin ich ihm sehr dankbar und habe auch schon meine Steuervorauszahlungen anpassen lassen.
Im Moment erleben wir leider mal wieder die Schattenseiten des Föderalismus.
In Hamburg sieht man derzeit wieder viele Kennzeichen aus den umliegenden Bundesländern – PI, SE, WL, IZ, OD – aber die HH dürfen nach wie vor nicht nach Schleswig Holstein, um auf ihrem Campingplatz oder der Ferienwohnung nach dem Rechten zu sehen.


Keiner weiß wann seine Kinder wieder wann wo zur Schule gehen.
Für das Chaos gebührt der große Dank immer noch dem CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber, der in der großen Föderalismuskommission von 2004 die vielen Sonderrechte der Länder festzurrte.
Natürlich haben wir immer noch diese sagenhaft idiotischen Länderzuständigkeiten, die nun in der Megakrise nicht nur die üblichen Verdächtigen, die man sowieso immer ignoriert – Schüler oder Pflegepersonal – in den Wahnsinn treiben, sondern auch die Unternehmer.

Formale Länderzuständigkeiten sind das eine, aber das muss keinen Bundesminister daran hindern Initiative zu zeigen und zumindest seine/ihre Länderkollegen an einen Tisch zu holen.
Dummerweise gibt es in der Bundesregierung aber nicht nur die allesamt fähigen SPD-Minister, sondern auch die vielen C-Pfeifen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, CDU, war von ihrer Ernennung zur Selben so überraschet, daß sie sich immer noch nicht erholt hat und sich auch im Jahr 2020 fragt was sie in diesem Amt mit der irh vollkommen fremden Thematik eigentlich soll.

Erfahrungsjurist Seehofer hat zwar kein Abitur, hält sich aber üblicherweise für so generalkompetent, daß er ganz Trumpisch alles kommentiert.
Im Nebenberuf ist er Bundesinnenminister, also derjenige, an dem es läge das oben genannte Öffnungschaos zwischen den Ländern zu vereinheitlichen und zu koordinieren.
Aber Crazy Horst ist seit Beginn der Corona-Maßnahmen untergetaucht.
Man weiß gar nicht, ob er noch amtiert. Sitz er womöglich in seinem Ingolstädter Keller und spielt manisch mit seiner Modeleisenbahn?
Es ist ein Rätsel; der Mann betreibt radikale Arbeitsverweigerung.

Unfreiwillig lustig ist sein gewohnt debiler Parteifreund Andreas Scheuer, der auch in der Corona-Krise das tut was er kann: Total versagen und gewaltige Steuergeldsummen verschwenden.

[…..]  Andreas Scheuer und der Corona-Nepp aus China: "Elf Millionen Masken, alle Schrott" […..]  Auf die Frachtmaschine der Lufthansa, die am 7. April um kurz vor 18 Uhr auf dem Münchner Flughafen aufsetzte, wartete eine prominente Menschengruppe. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (beide CSU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr standen auf dem Rollfeld, als Paletten voller Schutzmasken aus dem Bauch der Boeing 777F geladen wurden. "Das ist gute Logistik", jubelte Scheuer: "Auftrag, Entscheidung, Verlässlichkeit – das passt."
Um die Lieferung von acht Millionen medizinischen Masken hatte er sich persönlich gekümmert. Weitere Paletten aus China würden folgen, versprach Scheuer, in Kürze erwarte er auch die hochbegehrten FFP2-Masken mit Filter, die medizinisches Personal vor dem Coronavirus schützen sollen. Von mehreren Hundert Millionen Masken träumte er in der Lokalpresse. […..]  Für den Maskennachschub hatte er die Firma F&E Protective aus Passau auserkoren. Nach Angaben seines Ministeriums kennt man sich aus Scheuers Wahlkreis. […..] 
Geschäftsführer Michael Bogner[…..]  wollte […..]  Lagerware in China kaufen: "Da haben wir elf Millionen Masken gesichtet, die waren alle Schrott", sagt Bogner. Die Filter seien schlecht gewesen, die Bänder rissen ab. […..]