Freitag, 4. Dezember 2015

Der Minusmann – Teil XV




Allein die paar Zeilen, die ich gestern aus dem SPIEGEL der letzten Woche zitierte, sollten voll ausreichen, damit Thomas de Maizière in hohem Bogen aus seinem Amt fliegt.
Seit zwei Jahren wendete sich das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtling, BAMF, mit immer dramatischeren Appellen an das Bundesinnenministerium und bat um Personalaufstockungen, weil die aufgestapelten Asylanträge buchstäblich inzwischen ganzen Räume füllten und keine „Entscheider“ vorhanden waren, um diese zu bearbeiten.

De Maizière kümmerte sich nicht drum, verschleppte, verheimlichte, verschleierte, bis es zu der bekannten Situation kam, daß mehrere Hunderttausende unbearbeitete Asylanträge im BAMF liegen und darüber hinaus weitere Hunderttausende Flüchtlinge Monate warten müssen, bis sie überhaupt einen Antrag stellen können.
Um seinen Antrag zu stellen, werden derzeit Termine im Sommer 2016 vergeben.
So vergehen Jahre und Monate der Unsicherheit. So lange dürfen syrische Akademiker nicht arbeiten, bekommen keine Deutschkurse, unterliegen der Residenzpflicht, werden zwangsweise frustriert mit lauter anderen Männern zusammengepfercht und dürfen ihre Familien nicht wiedersehen.

Ob der unfassbaren Tatenlosigkeit des phlegmatischen Innenministers hatte ihn Bundeskanzlerin Merkel vor genau zwei Monaten entmachtet und die Verantwortung für Flüchtlinge Peter Altmaier übertragen.


Minister Altmaier ist seitdem auch auf Tauchstation gegangen. Für den Dauertalkshowgast sagt es schon einiges aus, wenn er auf einmal das Kameralicht scheut.

Der einzige, der noch arbeitet ist offenbar der Regierungspressesprecher, der immerzu von Bekämpfung der Fluchtursachen und Verteilungsquoten innerhalb der EU spricht.
Schöne Idee; aber de facto geschieht das diametrale Gegenteil.

Das UNHCR wird nicht finanziert, so daß die Flüchtlinge innerhalb Syriens oder in den direkten Nachbarstaaten nicht mehr versorgt werden können und sie zur Weiterflucht nach Europa gezwungen werden.
Außerdem erfüllt die Bundesregierung dem sogenannten Kalifat den sehnlichsten Wunsch, nämlich militärisch einzugreifen. Damit wird Daesh a) zum Staat aufgewertet und b) mit neuen freiwilligen Rekruten versorgt.


Auch die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU ist durch deutsche Mangelkommunikation („In Brüssel wird wieder deutsch gesprochen!“) in weitere Ferne gerückt. Die Rechtsextremen werden in allen Nationen stärker. Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei sperren sich inzwischen sogar grundsätzlich Menschen in Not aufzunehmen.
Offenbar erreicht Thomas de Maizière auf der Ebene der nationalen Innenminister der EU genauso viel wie in Deutschland: Nämlich weniger als nichts; er verschlimmert die Situation auch noch aktiv.


Da die Bundesregierung also ihre internationalen Hausaufgaben nicht macht und auch der Bundesinnenminister seit Monaten keinerlei Willen erkennen läßt das BAMF anzutreiben, nahmen heute die Innenminister der Bundesländer Frank Jürgen Weise, den Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit zur Brust.
De Maiziere hatte CDU-Mitglied Weise (der 1951 in SACHSEN geboren wurde…) im September auch zum BAMF-Leiter erkoren, so als ob die Flüchtlingsangelegenheit minderwichtige Priorität habe und gemächlich im Nebenjob erledigt werden können.
Und wie läuft es jetzt unter dem Oberst der Reserve Weise und dem Oberleutnant der Reserve de Maizière so im Bamf?
(Das war eine rhetorische Frage.)
Natürlich mies. Täglich werden etwa halb so viele Anträge bearbeitet wie neu reinkommen.
Das heißt der Bearbeitungsrückstand vergrößert sich rasant.
Ein bißchen auf’s Tempo zu drücken, Extraschichten einzulegen, Überstunden zu machen, ist aber bisher niemand eingefallen.
Weise, das Kuratoriumsmitglied von ProChrist, betet möglicherweise statt zu arbeiten. Das hat er mit dem Mitglied des deutschen evangelischen Kirchentages de Maizière gemeinsam.

[….] Den Innenministern der Länder gehen die geplanten Änderungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nicht schnell genug. Zurzeit würden 1.600 Anträge pro Tag bearbeitet, was nicht mal die Hälfte der Zahl der Neuankömmlinge sei, hieß es auf der Herbsttagung der Ressortchefs in Koblenz. Zudem dauere es oft acht Monate, bis das Asylverfahren beginne – es gebe Bundesländer, in denen die Neuankömmlinge erst im Februar Termine für ihre Registrierung bekämen. Die Teilnehmer befürchteten, dass es am Ende des Jahres einen Stau von einer Million Anträgen geben werde. [….] "Wir fordern den Bund eindringlich auf, für eine Beschleunigung der Asylverfahren zu sorgen", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), zum Abschluss der Konferenz. Weise habe den Ländern auf wichtige Fragen keine Antwort gegeben, sagte Lewentz. [….] Der nordrhein-westfälische Ressortchef Ralf Jäger (SPD) sagte, von Weise seien Antworten erwartet worden, was Deutschland in der Krise leisten könne. Sein Vortrag sei "weitgehend enttäuschend, in manchen Teilen sogar erschreckend" gewesen.
[….] Neue Unruhe hatte der Plan des Bamf verursacht, bei syrischen Flüchtlingen vom schriftlichen Asylverfahren zur Einzelfallprüfung zurückzukehren. Dabei wird jeder Asylbewerber einzeln interviewt – mit Dolmetscher. [….]
(Die Zeit, 04.12.15)


 Das BAMF soll 4000 zusätzliche Stellen bekommen (derzeit gibt es 3300 Stellen), das wurde schon vor Wochen vom Bundesinnenministerium als Aufsichtsbehörde des Bamf beschlossen - und öffentlichkeitswirksam verkündet. Nur passiert ist offenbar noch nicht viel. [Gemach, gemach, es gibt ja keinen Grund zur Eile – T.]  [….]
Die BAMF-Mitarbeiter sollen nach Ansicht der Länder-Innenminister flexibler arbeiten - nach dem Vorbild von Ländern und Kommunen. "Flüchtlinge können sich nicht nur an Bürozeiten von 8 bis 16 Uhr halten", sagte Jäger, der Sprecher der SPD-Minister ist. Der Innenminister aus Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, der für die Unionsseite spricht, sagte: "Im Zweifelsfall sind sogar im öffentlichen Dienst mal Überstunden möglich." Der derzeitige Chef der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), verwies auf ein Zwei-Schichten-Modell im Saarland. Und: "Man kann auch samstags und sonntags durchaus tätig werden."
Die vom Bund durchgesetzte Rückkehr zu Einzelfallprüfungen bei syrischen Flüchtlingen dürfe nun nicht zu noch längeren Verfahrensdauern führen, forderte NRW-Innenminister Jäger. Gestern hatten die Länder-Ressortchefs dem Drängen des Bundes nachgegeben und die Rückkehr zur Einzelfallprüfung bei Syrern akzeptiert. Dabei hatten die seit einem Jahr geltenden vereinfachten Verfahren durchaus Sinn: nämlich, die Asylverfahren für die größte Gruppe unter den Flüchtlingen, die Syrer, zu beschleunigen und das BAMF zu entlasten.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Der Minusmann – Teil XIV



Da war doch glatt schon wieder eine Woche vergangen, ohne daß ich Thomas de Maizière für eine besondere Blamage oder Perfidie lobpreisen mußte.
Dieser Minusmann ist nah dran zum schlechtesten deutschen Minister aller Zeiten zu avancieren.
Wenn der Innenminister in seinen ganzen Unfähigkeit noch unfreiwillig komisch ist, wie bei seiner inzwischen berühmten „Ein Teil der Antwort würde sie nur verunsichern“-Nichtaussage zur Terrorgefahr, hat man wenigstens noch was zu lachen.


Meistens ist er aber noch nicht mal witzig.

Langsam mache ich mir Sorgen um Angela Merkels Halswirbel.
Werden die nicht langsam in Mitleidenschaft gezogen von dem ganzen Kopfschütteln, das ihr Thomas de Maizière verursacht?

Unglaublich, dieser Thomas de Maizière.
Völlig schmerzfrei. Immer und immer wieder der dreistesten Lügen überführt, als ausländerfeindlicher Hetzer peinlich aufgefallen und politisch so unfähig, daß sogar die ihm zu tiefer Dankbarkeit verpflichtete Merkel ihn partiell entmachten mußte, weil er so offensichtlich überfordert ist in seinem Job.

Jeder Politiker mit einem Funken Anstand und Ehrgefühl würde nun zurücktreten, oder aber sich zumindest ganz fürchterlich schämen.
Da ohnehin Peter Altmaier de Maizières Job mitmacht, sollte sich der Innenminister, wenn er schon drei Liter Superkleber auf seinen Ministersessel gegossen hat, still und unauffällig verhalten.
Aber nein, de Maizière denkt sich sofort eine neue perfide Gemeinheit aus.

Der Innenminister verstört nicht nur durch Lügen, Heucheln und Hetzen; nein er generiert auch durch demonstratives Nichtstun Probleme und bekommt zunehmend seine destruktive Ader nicht unter Kontrolle.
Seit Merkel ihn entmachtete, steht ihm offensichtlich der Sinn nach neroesken Handeln. Nun will er auch die Bundesregierung insgesamt schlecht aussehen lassen.

Für die Flüchtlinge in Deutschland wird die Lage derweil immer unerträglicher, weil es einfach zu kalt, nass und stürmisch ist, um weiterhin in Behelfsunterkünften, ungeheizten Containern oder gar Zelten zu Leben.
Die Lage zu Füßen de Maizieres, direkt in Berlin ist den Behörden inzwischen völlig entglitten. Der Minusmann tut alles dafür, um das Drama zu verschärfen und die Menschen in noch größere Not zu treiben, indem er das leerstehende alte Innenministerium mit 860 Räumen nicht freigeben will.
Der fromme de Maizière exerziert hier den totalen moralischen Shutdown vor.

Ursächlich für das dramatische Behördenversagen ist de Maizières Weigerung das BAMF personell ausreichend auszustatten.

In der Behörde liegt tatsächlich einiges im Argen, Weise spricht von „gruseligen Arbeitsabläufen“. Aber auch die Vorwürfe der Mitarbeiter sind nicht falsch. Die schwarz-rote Bundesregierung hat lange zugesehen, wie sich im Bamf von Monat zu Monat immer mehr unerledigte Asylanträge auftürmten – inzwischen sind es weit mehr als 300000. Wie interne Dokumente belegen, die dem SPIEGEL vorliegen, beklagte sich das Bamf seit Anfang vergangenen Jahres im zuständigen Bundesinnenministerium wiederholt heftig über Personalnot. Schon im Januar 2014 forderte die Behörde in einem Schreiben nach Berlin 900 zusätzliche Stellen, wegen der „exorbitanten Steigerung des Geschäftsvolumens“. Eine „zeitnahe Bearbeitung“ der Anträge sei „nicht (mehr) möglich“. Die Koalition bewilligte dem Bamf nur 300 Extrastellen. Der Antragsstau nahm weiter zu. Am 9. August 2014 formulierte der damalige Bamf-Chef Manfred Schmidt ein Schreiben an das Innenministerium, adressiert an den Leiter der Unterabteilung M I für Migration und Flüchtlinge. „Die bewilligten 300 Stellen werden nicht ausreichen, den gegenwärtigen starken Anstieg zu bewältigen“, schrieb Schmidt. Dem Bundesinnenminister, Thomas de Maizière (CDU), war die kritische Lage beim Bamf demnach schon damals bekannt. „Unterstreiche ausdrücklich die besorgte Prognose“, schrieb einer seiner Leute handschriftlich an das Ende einer Vorlage für den Minister. Rund 1440 Stellen würden für 2015 benötigt, rechnete der Bamf-Chef kurz darauf vor – ein Dreivierteljahr bevor die Flüchtlingszahlen diesen Sommer dramatisch in die Höhe schossen. [….] Sollten die Personalforderungen in Zukunft „nicht vollumfänglich erfüllt werden“, schrieb das Bamf diesen Februar dem Innenministerium, dann sei das Ziel im Koalitionsvertrag, die Asylverfahren zu verkürzen, kaum einzuhalten. Noch deutlicher wurden einige Wochen später Beamtengewerkschafter: Ohne drastische Personalverstärkung werde „die deutsche Asylpolitik scheitern“. [….]
 Zu den Hunderttausenden unerledigten Asylanträgen, die im Amt bereits ganze Räume füllen, kommen Hunderttausende, die das Bamf noch gar nicht entgegengenommen hat; die Flüchtlinge warten mitunter Monate, bevor sie überhaupt einen Antrag stellen können. Die Wirklichkeit ist noch dramatischer, als die Statistik offenbart. [….]
(Wolf Wiedmann-Schmidt, Spiegel 28.11.2015, s.44f)

Wäre der Minusmann auch nur ansatzweise mit Anstand und Gewissen ausgestattet würde er schon wegen seiner BAMF-Lahmlegung demütig den Hut nehmen.

Theoretisch könnte seine Vorgesetzte, die Kanzlerin die Zügel anziehen.
Aber erstens mischt sie sich ja grundsätzlich niemals in die Politik ein, zweitens hätte sie keine personelle Alternative für den sakrischen Sachsen und drittens stolpert sie selbst halt- und hilflos hinter der der CDU-Stahlhelmfraktion her.


De Maizière bleibt also im Amt und tut das was er am besten kann: Eine bereits schlimm ausgeuferte Situation weiter zu talibanisieren.

Herzlos, brutal und amoralisch will der Innenminister nun Menschen zurück in die Bürgerkriegshöllen Syriens und Afghanistans schicken, um sie dort unter anderem von deutschen Tornados und Eurofightern zu Hackfleisch zerbomben zu lassen.

(Falls die Dinger überhaupt abheben - ein gewisser Ex-Verteidigungsminister Thomas d.M. hatte die Flugzeuge völlig verkommen lassen, indem er den Ersatzteilnachschub beendete.)


Perverser Nebeneffekt:
Das ohnehin mit vielen Hunderttausend Anträgen und weiteren hunderttausenden Wartenden, die noch nicht mal einen Asylantrag stellen konnten, überlastete BAMF wird durch de Maizière nun final lahmgelegt, weil auch alle Syrer und Afghanen die BAMF-Bürokratie durchlaufen müssen, wenn sie nicht mehr automatisch anerkannt werden.

Es ist beachtlich, wie der Bundesinnenminister nicht nur Fehlentscheidungen trifft, sondern dabei auch noch größtmögliches Chaos stiftet und ein höchstes Maß an Menschenverachtung auffährt.

[….]Syrer werden in Deutschland nicht mehr pauschal als Flüchtlinge anerkannt - diese Regelung gilt laut Innenminister De Maizière "unverzüglich". [….] Nach den Worten von Innenminister Thomas de Maizière will Deutschland "unverzüglich" wieder zur Einzelfallprüfung für syrische Flüchtlinge zurückkehren. [….] Der Innenminister zeigte sich zuversichtlich, dass die Bereitschaft anderer EU-Länder, Flüchtlinge umzuverteilen, steigen werde, wenn klar sei, dass deren Zahl begrenzt werde. Bisher waren Syrer pauschal nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt worden.
Außerdem beschlossen die Innenminister, Flüchtlinge aus Afghanistan in Zukunft abzuschieben. [….] Für alle Asylbewerber - auch aus Syrien und Afghanistan - solle es wieder Einzelfallprüfungen geben. [….] Bisher herrscht ein faktischer Abschiebestopp für Afghanen. Das Land galt als zu gefährlich, um die Menschen dorthin zurückzuschicken.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Auf den größten Haufen scheißen – Teil II

Während die gute alte westeuropäische Nachkriegswelt wie wir sie kennen zerbröselt, gibt es doch einige Konstanten in dieser Phase der Orientierungslosigkeit: Die Kirchen und die erbärmliche Haltung des Staates zu ihnen.

In Hildesheim wehrt sich das katholische Bistum Norbert Trelles wie eh und je gegen die Aufklärung sexuellen Missbrauchs durch Geistliche an Kindern.

Das Hildesheimer Bistum sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt. Eine junge Frau gibt an, im Alter von elf Jahren von dem Pater R. sexuell bedrängt worden zu sein. Das hatte sie nach eigenen Aussagen 2010 dem Bistum mitgeteilt. Die Übergabe an die Staatsanwaltschaft erfolgte allerdings erst im November des Jahres durch die Großeltern - und nicht durch die Kirche. Ferner arbeitete das Bistum nicht mit den Behörden zusammen und verschwieg, dass der beschuldigte Geistliche sich bereits am Canisius-Kolleg an Kindern vergangen haben soll.
Die Opferinitiative "Eckiger Tisch" fordert nun den Rücktritt des mit dem Fall befassten Hildesheimer Bischofs Norbert Trelle.

Die evangelisch-reformierten Kollegen arbeiten sich unterdessen weiterhin an Schwulen und Lesben ab.
Wir befinden uns wohlgemerkt im Jahr 2015.
Sechs Jahre nachdem eine konservative Regierung einen offen Schwulen zum Vizekanzler gemacht hat.

[…] Zwei evangelische Pfarrer wehren sich öffentlich gegen die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften durch die Lippische Landeskirche. Peter Busse und Matthias Köhler […] haben den […] Beschluss, verpartnerte Paare zu segnen, scharf kritisiert.
Im Gemeindeblatt druckten die Pfarrer eine von ihnen mitverfasste Stellungnahme aus dem Jahr 2002 ab, in der sie unter anderem für die Homo-"Heilung" werben. Die gleichgeschlechtliche Liebe sei demnach "kein unveränderliches Schicksal, das ausgelebt werden muss". Wird sie doch ausgelebt, sei das eine "Sünde".
Auch setzten die Pfarrer Schwule und Lesben mit Menschen gleich, die sexuelle Beziehungen mit Tieren unterhalten oder sexuelles Interesse an Kindern haben: "Wenn Homosexualität als berechtigter Weg zur Sexualität anerkannt wird, besteht dann nicht die Gefahr, dass in Zukunft auch andere Arten fehlgeleiteter Sexualität (Pädophilie, Polygamie, Sodomie…) als normal anerkannt, gefördert und 'abgesegnet' werden?"
[…] In den letzten Monaten waren einige evangelische Pfarrer durch homophobe Tiraden aufgefallen: Erst im August hatte ein fränkischer Gottesdiener die Ehe-Öffnung als "dekadent und pervers" bezeichnet und mit Eheschließungen zwischen Tieren und Menschen verglichen […]. In Sachsen erklärte sogar der Landesbischof öffentlich, dass sexuell aktive Schwule und Lesben "gegen den Willen Gottes" verstießen. […]

Die Meldungen über die Rekordaustrittszahlen beider großen Kirchen in Deutschland verwundern wenig.
Organisationen, die gegen LGBTIs hetzen und ihre eigenen Pädo-Skandale vertuschen stehen im Jahr 2015 aber auch gut da. Jedenfalls finanziell.
Sie werden geradezu zugeschüttet mit Milliarden.

Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben im vergangenen Jahr einen neuen Rekord bei den Kirchensteuereinnahmen erzielt. Das gaben die Pressestellen der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover am Dienstag bekannt.
Demnach übersprangen die Einnahmen bei der katholischen Kirche 2014 mit rund 5,68 Milliarden Euro zum dritten Mal in Folge die Fünf-Milliarden-Grenze. Gegenüber 2013 bedeutet das ein Plus von 4,24 Prozent. Die EKD verzeichnete erstmals Einnahmen von mehr als 5 Milliarden Euro, was einem Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
(FAZ 10.03.2015)

Die Zahlen, die jetzt langsam für das laufende Jahr eintrudeln, vermelden wieder Rekorde.

Einen besseren Abschied hätte sich Klaus Winterhoff, der für die Kirchenfinanzen zuständige Juristische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen (EvKW), kaum vorstellen können: Er konnte der Synode der Landeskirche verkünden, dass die EvKW in diesem Jahr einen neuen Rekord bei den Kirchensteuereinnahmen erzielen dürfte. Mit 505 Millionen Euro rechnet Winterhoff, der im April 2016 nach 20 Jahren im Amt in den Ruhestand geht. Das sind noch einmal 50 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant.

Fünf Milliarden Euro Einnahmen – diese stolze Summe hatte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Friedrich Vogelbusch, zu verkünden. Damit sind die Einnahmen der EKD innerhalb von zehn Jahren um eine Milliarde Euro gestiegen.

Es gibt viele Gründe für den sagenhaften Reichtum der Kirchen.
So kommen klamme Gemeinden für die Ausrichtungen der Kirchentage der Multimilliardenkonzerne aus.
Und wenn man mal ein Gebäude sanieren muß, werden die hochverschuldeten Länderhaushalte und Kommunen zur Kasse gebeten, statt in die eigenen prall gefüllten Kassen zu greifen.

17,3 Millionen Euro wird die Sanierung des Schleswiger St. Petri-Doms kosten. 

Die Predigtkirche des Bischofs des Sprengels Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland hat einen wackeligen Turm.
Errichtet im Jahr 1894 gehörte das Gebäude zunächst dem Preußischen Staat und ging nach 1945 an das Land Schleswig-Holstein über.
Erst 1957 wurde er der Landeskirche Schleswig-Holstein geschenkt, die inzwischen in der steinreichen Nordkirche aufgegangen ist.
Das ist schon eine eklatante Frechheit so ein gewaltiges Gebäude vom Staat an einen milliardenschweren Konzern zu verschenken.
Daß dieser dann aber bei anfallenden Kosten gleich wieder beim Staat angelaufen kommt, um die Hand aufzuhalten, setzt noch einen drauf.
Und schließlich das i-Tüpfelchen: Der verschuldete Staat zahlt auch noch bereitwillig.

Der 112 Meter hohe Turm und die Westfassade des historischen Schleswiger St. Petri-Doms werde ab Ende 2016 saniert. Die Kosten sind mit 17,3 Millionen Euro veranschlagt. Der Haushaltsausschuss des Bundestages habe eine Förderung von 50 Prozent zugesagt, teilte der Schleswiger Bischof Gothart Magaard am Dienstag in Schleswig mit.
Weitere Gelder sollen vom Land, der Stadt Schleswig und der evangelischen Nordkirche kommen. [….]

Dienstag, 1. Dezember 2015

Ehre, wem Ehre gebührt.



Vor fast genau 30 Jahren wurde Boris Becker 18 Jahre alt und verkündete der erstaunten deutschen Öffentlichkeit, er müsse nicht zur Bundeswehr gehen, er habe schließlich genug für Deutschland geleistet.
Ich erinnere das noch sehr genau, weil ich zur selben Alterskohorte gehöre und viele meiner damaligen Freunde sich mit Wehrdienstverweigerung und Zivildienst plagten.
Damals war das „Verweigern“ durchaus noch nicht akzeptiert und auch nicht für jeden möglich, weil die „Gewissensprüfung“ oft schief ging. Man kann das alles sehr gut in Sven Regeners „Neue Vahr Süd“ nachlesen, wenn man ein Zeitkolorit der damaligen Bundeswehr/Zivi-Generation erleben will.
Der Zivildienst Anfang der 1980er Jahre dauerte übrigens 20 Monate (Grundwehrdienst 15 Monate) und sollte zum 01.06.1989 sogar auf 24 Monate verlängert werden.
Die nachfolgende Generation kann sich vermutlich gar nicht mehr vorstellen wie lästig es ist nach der Schule erst mal zu zwei Jahren Dienst verdonnert zu werden; ein Dienst, der durchaus an der Waffe sein konnte, wenn die Gewissensprüfung misslang.
Boris Beckers Einlassung, er müsse nicht zur Bundeswehr stieß bei seinen Altersgenossen, die zufällig keine millionenschweren Superstars waren nicht auf viel Gegenliebe.

Ich meine nach wie vor, Becker unterlag da einem fundamentalen Missverständnis: Er war schon über alle Maßen privilegiert! Konnte durch die Welt reisen, war als Teenager schon Multimillionär und Liebling der Massen.

Wenn man schon so viele Vorteile genießt, ist dies kein Grund deswegen noch mehr Belohnungen zu verlangen.
Wofür? Etwa dafür, daß er auf einem kleinen Stück Rasen stundenlang hinter einem kleinen Filzball hinterher rennt?
Das war doch seine Entscheidung sich damit zu beschäftigen, es war nicht Verteidigungsminister Manfred Wörner, der Becker darum gebeten hätte.

Höchstprivilegierte Menschen sind in der Fußballernation Deutschland natürlich die Nationalspieler.
Kaum einer von ihnen brachte es je auf mehr Bildung als den Hauptschulabschluss und doch verdienen sie alle mindestens siebenstellig.
OK, sie leiden alle am Smallpenis-Syndrom; das zeigen die grotesken Lamborghini- und Ferrari-Flotten auf den Clubparkplätzen.
Anders als die zumeist studierten Minister, die nur ein Bruchteil eines Fußballergehaltes verdienen, wird den Rasenrabauken ihr absurder Reichtum aber nicht geneidet.
Nein, sie werden überall bewundert und adoriert.
Als höchste Ehre bei ihnen gilt es Mitglied der Nationalmannschaft zu werden. Dann steigt der Marktwert ins Unermessliche, dann wird der Ruhm verewigt.
Nun könnte man annehmen ein Mensch, der höchst geehrt wird und Millionen Euro dafür bekommt Tore zu schießen, würde das erst Recht tun, wenn er im Fokus der Weltöffentlichkeit steht.
Aber weit gefehlt. Getreu des Prinzips „der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ verteilen DFB und Innenministerium weitere Millionen als Siegprämien, um die Gripsbefreiten mit den strammen Waden überhaupt in Gang zu setzen.

Der Deutsche Fußball-Bund und die Nationalspieler haben sich auf die Prämien für die WM 2014 in Brasilien geeinigt. Im Falle eines Triumphs bei der Weltmeisterschaft erhält jeder Kicker 300.000 Euro.
Der Spielerrat der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um Kapitän Philipp Lahm hat mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Prämien für die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Brasilien ausgehandelt. Bei einem Aus in der Vorrunde und im Achtelfinale würden die DFB-Stars leer ausgehen. Erst bei Erreichen des Viertelfinales bekommt jeder Spieler 50.000 Euro, für den Halbfinaleinzug 100.000 Euro und für die Endspielteilnahme 150.000 Euro. Die gleiche Regelung hatte es bereits bei der Europameisterschaft 2012 gegeben.
Auf der DFB-Homepage sagte Präsident Wolfgang Niersbach: "Die Spieler bekennen sich mit dieser stark erfolgsabhängigen Regelung wieder ganz klar zum Leistungsprinzip. Ich danke besonders Helmut Sandrock und Philipp Lahm für dieses gute Ergebnis."

Ohne die 300.000 Euro pro Nase hätte einige offenbar gar nicht gewußt wofür sie nach Brasilien fliegen sollten.

Die Prämien des Trainerteams um Joachim Löw sind nicht bekannt, dürften sich aber in einem ähnlichen Rahmen bewegen.  Im Fall des Titelgewinns würde der DFB insgesamt fast sieben Millionen Euro an Prämien ausschütten.
Bis zu 22 Millionen Euro kann den DFB das WM-Unternehmen kosten.
Die Einnahmen durch den Weltverband FIFA richten sich nach dem sportlichen Erfolg der DFB-Auswahl.
Der Weltmeister kassiert 35 Millionen Dollar (25,5). Jeder der 32 teilnehmenden Verbände erhält von der FIFA zudem einen Kostenzuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Dollar (1,1). Die Höhe der FIFA-Preisgelder beläuft sich auf insgesamt 358 Millionen Dollar (261,1).

Profisportler sind Menschen, die sich freiwillig dafür entscheiden sich nur ihrem eigenen Ruhm zu verschreiben.
Irrigerweise meinen sie, dafür gebühre ihnen Dank.
Das haben sie mit anderen Egomanen gemein, die ohne Sinn und Verstand beispielsweise aus Flugzeugen springen, Meeresarme durchschwimmen, Berge erkraxeln, durch Höhlen robben, sich zu Fuß durch die Arktis schleppen oder mit dem Fahrrad nach China fahren.
Ich frage mich warum.
Niemand hat sie gezwungen.
Sie können das ja alles gerne tun, aber es ist ihr Privatvergnügen.
Solche sportlichen Leistungen mögen zwar im physischen Sinne durchaus bemerkenswert sein, aber es sind auch Leistungen, die purem Egoismus entspringen und keinerlei Sinn für die Allgemeinheit haben.
Es sind also Leistungen, die als allerletztes auf der Liste der vom Staat belohnten Dinge stehen sollten.
Ihnen stünde Lob und Anerkennung zu, posaunen nun Sportskanonen nach dem NEIN zu Hamburgs Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 aus.
Das ist reine Hybris!
Ein Hamburger Desaster - welche Vision von sportlicher Zukunft verfolgen die Menschen in dem Land für das ich kämpfe überhaupt noch? Der Vision von McDonalds und unbeweglichen Kindern, von dicken Kindern? Wahrscheinlich. Und was ist mit Geld? Geld? Ein oder zwei Milliarden - lächerlich wenn wir Hunderte von Milliarden in andere Länder investieren um deren Zukunft zu retten? Oder so ähnlich... Ich bin maßlos enttäuscht. Wirklich. Viel Spaß noch.
(Diskus-Olympiasieger Robert Harting, 30.11.15  Facebook, 12.565 anderen gefällt das.)
Harting findet es angesichts der Tausenden deutschen Soldaten im Kosovo, in Afghanistan und nun bald auch in Syrien also angebracht zu sagen, ER kämpfe für Deutschland und das solle Deutschland auch mal ein bis zwei lächerliche Milliarden wert sein?

Harting kämpft FÜR SICH!

Für Deutschland ist es völlig irrelevant, ob so ein Wurstpellenkleidungs-Fetischist irgendwelche Metallklumpen über den Acker schmeißt oder nicht.

Möglicherweise haben ihm Steroide die Synapsen verklebt, daß er sich anmaßt irgendjemand wäre ihm dafür zu Dank verpflichtet.
Deutschland müßte gar 11,2 Mrd rausprassen, damit er noch mehr im Rampenlicht stehen kann?

Herr Harting, Sie sind bereits reich und berühmt: Das Internet ist voller Bilder von Ihnen. Und das alles wegen eines Egotrips ohne Mehrwert.
Reicht es nicht?

Wenn Deutschland eine Diskussion darüber führen sollte welchen Menschen man für „ihren Kampf“ zu einem 11,2-Milliarden-Euro-Dank verpflichtet ist, fallen mir Millionen andere ein, bevor ich an so eine Muskel-Hulk denke, der manisch seine Nippel präsentiert.

Zum Beispiel jede einzelne Altenpflegerin, die 10 Stunden pro Tag für ein albernes 1000-Euro-Monatsgehalt umhersaust, um hilflose Senioren zu waschen.
Zum Beispiel jeder Straßenkehrer, der bei Wind und Wetter jeden Morgen loszieht, um die Feierrückstände zu beseitigen, die Partydeutschland auf den Straßen hinterläßt, wenn ein Fußballspiel gewonnen wurde.
Zum Beispiel jeder Krankenpfleger, der unter rasant steigendem Kostendruck auf den Stationen rotiert und versucht Menschen in Not beizustehen.
Zum Beispiel jeder freiwillige Helfer, der sich am Hauptbahnhof verängstigter Flüchtlinge aus Syrien annimmt.
Zum Beispiel jeder Bäcker und Gemüsemann, der um 4.00 Uhr aufsteht, um dafür zu sorgen, daß wir alle mit frischen Lebensmitteln versorgt sind.

Herr Harting soll sich bitte ganz hinten anstellen.