Montag, 26. März 2012

Der Vollstrecker.


Wenn man im Loch steckt, sollte man aufhören zu graben.

Staunend hatten die Journalisten zum Ende der Westerwelle-Ära beobachtet, wie sich die 15%-Partei rapide zu einer 5%-Partei runterschrumpfte.

Die Gründe sind lang und breit analysiert, sowie unstrittig: 
Guido hatte seine Partei sträflich inhaltlich ausbluten lassen und aus Faulheit keinerlei Vorbereitung für eine mögliche Regierungsübernahme getroffen.
 Einmal im Amt, trieb ihn seine Arroganz dazu weiterhin die Realität zu ignorieren. 
Die FDP-Minister sonnten sich so sehr im Glanz ihrer vermeidlichen Wichtigkeit, daß sie dachten es genüge nun ihre Klientel mit Steuermilliarden zu beglücken.

Tiefer sinken könne man nun auch nicht mehr und so kam Philip Rösler ins Amt, der dann tatsächlich das nicht für mögliche gehaltene vollbrachte. Er dezimierte den geistig entleerten FDP-Schrumpfkopf auf 1,x-Ergebnisse herunter.

Bremen: 2,4 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern: 2,7 Prozent. Berlin: 1,8 Prozent. Saarland: 1,2 Prozent, das schlechteste Ergebnis eines westdeutschen Landesverbandes in der Geschichte der Bundesrepublik.

 Auf dem zusammengeschrumpften FDP-Soufflee haut der erratische ZdK-Mann so lange rum, bis es nur noch ein Pfannkuchen ist.

Das ganze Ausmaß des Desasters macht erst ein Blick auf die absoluten Wählerzahlen klar:

Von 800.000 Wahlberechtigten konnte die Rösler-Partei gerade mal 5871 Stimmen holen und landete hinter CDU (169.594), SPD (147.160), Linke (77.612), Piraten (35.646), Grünen (24.248) und Familienpartei (8.393) gerade noch ganz knapp vor der NPD (5604 Stimmen) auf Platz sieben.

Dramatisch auch der Vergleich mit dem Saarländer Ergebnis von 2009. 
Damals holte die FDP noch 49.064 Stimmen. Sie schrumpfte also um 90%. Von 49.064 Menschen, die noch vor zwei Jahren FDP gewählt hatten, sind gestern 43.193 abgesprungen.

Es handelt sich dabei definitiv um einen Trend, denn schon bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin sah es ähnlich aus. Hatte die FDP dort noch im Jahr 2006 bei der letzten Landtagswahl 104.584 absolute Stimmen holen können, waren davon gerade noch 26.916 am 18.09.2011 bereit noch mal ein Kreuz bei der FDP zu machen. 77.668 waren von der Fahne gegangen.

FDP-Spitzenkandidat Oliver Luksic ist aus Saarbrücken nach Berlin geflogen und fährt im Fonds einer Bundestagslimousine vom Flughafen Tegel zur FDP-Zentrale. Er zieht sein Boss-Jacket aus, lässt sich erschöpft in den Sitz fallen und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. “Wir haben 1450 FDP-Mitglieder im Saarland. Ich vermute, dass nicht einmal die uns alle gewählt haben”, sagt Luksic. "Aber als Landesvorsitzender musste ich in dieses Selbstmordkommando.” Nun ist die FDP an der Saar tot, aber die Bundespartei zuckt noch.

Abzustreiten, daß das ein Desaster ist, gelingt nur mit einer ordentlichen Portion Realitätsentrückung.
Aber Rösler kann das. 
Der geht jetzt in den Kamikaze-Modus und verspricht die Kanzlerin zu ärgern. Ähnlich furchterregend dürfte ein Mistkäfer auf einen Löwen wirken.
Aber immerhin darf Merkel sich auf Nörgeleien beim erneuten Aufstocken des Rettungsschirms, im Streit über die Vorratsdatenspeicherung, das NPD-Verbot und die Abschaffung der Praxisgebühr einstellen.

Ich halte es nach wie vor für höchst unwahrscheinlich, daß die Bundes-FDP bewußt die Koalition platzen lassen könnte, aber wie man in Saarbrücken und Düsseldorf gesehen hat, sind die FDP’ler derartig unfähig, daß sie durchaus auch mal aus Versehen Neuwahlen herbeiführen.

Ein Rösler im Kabinett ist für Merkel ungefähr das was ein Schimpanse an Obamas Atomkoffer bedeutet: Nicht anzunehmen, daß er die richtigen nuklearen Codes eingibt, aber es kann natürlich accidentally doch passieren.

Er sei trotz der schlechten Resultate gerne FDP-Chef und mit sich im Reinen, sagte er. "Das Amt macht wir nach wie vor noch Freude." Bei zwei weiteren Niederlagen könnten die Parteifreunde der Freude ein Ende setzen. Rösler wollte, als er den Parteivorsitz im vergangenen Jahr von Guido Westerwelle übernahm, die FDP aus der Krise führen. Stattdessen taumelt die Partei von Niederlage zu Niederlage. Und mittlerweile sind es Röslers Misserfolge.
Ihr Heil wollen einige Freidemokraten nun in der Abgrenzung zur Union suchen. Bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen lasse die CDU mit ihrer Positionierung der FDP viel Platz", sagte der designierte Generalsekretär Patrick Döring der ARD. "Und den müssen wir nutzen - auch in Abgrenzung zur Union." Der hessische FDP-Vorsitzende Uwe Hahn sieht das ähnlich: "Wir müssen uns deutlich von der Union absetzen - die FDP darf nicht sozialdemokratisiert werden", sagte er der FTD.

Offensichtlich ist der FDP-Parteichef nun endgültig von der Politik ins Comedy-Fach gewechselt.

So hatte er beispielsweise Konsultationen mit dem Weißen Haus abgesagt und auf einen USA-Trip am 16. März 2012 verzichtet, um in Düsseldorf als unbeteiligter Dorf-Depp im Foyer des NH Hotels zu warten, während oben Lindner, Bahr und Papke zusammen saßen, um die Zukunft der NRW-FDP zu diskutieren.
 In die Entscheidung den Landesvorsitz von Bahr auf Lindner zu übertragen und ihm außerdem die Spitzenkandidatur zu überlassen war Rösler nicht eingebunden.

Das ist unser Vizekanzler! 
Hat weder auf Regierungsebene noch in seiner Partei irgendwas zu melden - aber er findet alles super.
 Vielleicht auch, weil er sich nicht generell nicht für politische Dinge verantwortlich fühlt.
 Man weiß nicht in welche Sphären der konvertierte Katholik mittlerweile abgedriftet ist.

Selbst die Familienpartei schneidet bei der Wahl im Saarland besser ab als die FDP. Aber nein, damit hat er nichts, aber auch gar nichts zu tun - dies ist das Bild, das Parteichef Rösler am Tag nach der 1,2 Prozent-Katastrophe vermitteln will. […] Schuld haben die anderen. Der Erfolg von Parteichefs wird an Wahlerfolgen gemessen. Vier Mal hat Rösler jetzt Wahlen verloren. Im Saarland sogar mit dem schlechtesten Ergebnis, mit dem die Wähler die FDP je in einem West-Bundesland abgestraft haben. Sogar die Familienpartei hat besser abgeschnitten. Manche witzeln, dass nicht mal alle Familienangehörigen der knapp 2000 FDP-Mitglieder an der Saar die Liberalen gewählt haben können.  Und Rösler? Der will dieses Ergebnis auf keinen Fall auf seine Kappe nehmen. Er spricht, von der "enorm schwierigen Vorgeschichte" der Saar-FDP. Spitzenkandidat Oliver Luksic habe zwar ein völlig neues Team zusammengestellt. Aber um das bekannt zu machen, habe die Zeit gefehlt.  Zusammengefasst: Schuld haben die anderen. Er nicht.

Mit Philip Rösler haben sich die Liberalen den Sargnagel zum Vorsitzenden gewählt, den es braucht, um die Partei endgültig ins Klo zu treten.

Es ist ein schlechtes Actionmovie: Die FDP trudelt wie ein brennendes Flugzeug den nächsten Wahlen entgegen - in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, dem Heimatland von Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel, von Daniel Bahr, Christian Lindner und Guido Westerwelle. Zwei weitere Niederlagen steckt Rösler nicht mehr weg, das wäre sein politischer Crash. Er muss nun die Lage stabilisieren. Aber wie? Rösler sagt: "Ich halte es für richtig, sich für Inhalte stark zu machen." Er mahnt Ruhe und Gelassenheit an. Es soll souverän klingen. Aber er klingt wie ein Pilot, der über Lautsprecher die Notlandung ankündigt und versucht, eine Massenpanik zu vermeiden. 

Ich bin nicht traurig.

Sonntag, 25. März 2012

Der arme Heiko - Teil II


Bevor ich kurz was zur Saarlandwahl schreibe, beginne ich mit zwei überraschend guten Neuigkeiten:

Der Sozi Peter Feldmann wird Oberbürgermeister in Frankfurt am Main und damit Nachfolger Petra Roths, die das Amt vorzeitig aufgegeben hatte.
Mit 57,4 Prozent der Stimmen versetzte er damit dem haushohen Favoriten und hessischem CDU-Innenminister Boris Rhein (42,6%) eine ordentliche Klatsche.

Ähnlich lief es bei der Stichwahl in der Rheinland-Pfälzischen Landeshauptstadt Mainz, wo der Bildungsstaatssekretär Michael Ebling von der SPD deutlich mit 58,2 Prozent der Stimmen gegen den Grünen-Politiker Günter Beck gewann.

Soweit das Kommunale. 

Eine Ebene höher, in der Landespolitik, lief es nicht so doll für die Spezialdemokraten, obwohl dort einer meiner absoluten Lieblings-Sozis antrat: Heiko Maas
Einer der meistunterschätzen Genossen der Bundesrepublik, der unter anderen Umständen längst eine wichtige bundespolitische Rolle spielen müßte.

Es ist für einen Sozi natürlich kaum auszuhalten, daß nach Berlin erneut ein Parlament mit einer riesigen linken Mehrheit (SPD+ Grüne + Linke + Piraten) aus dem auch noch zu Recht die 1-Prozentpartei FDP hinauskatapultiert wurde, am Ende doch wieder die CDU regiert, weil sich die anderen untereinander das Leben schwer machen.

Der erste Impuls ist natürlich auf die verdammte scheißdreckspisskackätzende Ausschließeritis zu schimpfen. 
Zu sehr hatten sich die Saar-Sozen vor dem Wahlgang gegen eine Koalition mit Lafontaines Truppe ausgesprochen.


Aber Maas verweist natürlich zu Recht darauf, daß die SPD in Saarbrücken bei der letzten Landtagswahl am 30.08.2009 die Möglichkeit mit der Linken zu koalieren offen ließ.
Prompt landeten die Sozen mit 24,5% weit abgeschlagen und mußten zusehen, wie die mit 30.000 FDP-Silberlingen gekauften Grünen in den schwarzgelben Swingerclub davon liefen.

Meiner Ansicht nach sind die 5,0 Prozent, mit denen die Grünen in den Saarbrücker Landtag ziehen werden auch genau fünf Prozent zu viel. 
Die Wähler hätten den gekauften schwarzgelben Grünen viel deutlicher den Stinkefinger zeigen sollen.
Zweieinhalb Jahre später schloß die SPD ein Zusammengehen mit der Linken aus und gewann sechs Prozent hinzu.


Der wahre Joker der CDU ist der Saar-Napoleon Oskar, der nun schon zum dritten Mal der CDU die Macht sichert.

Vielen Dank an die Linke dafür!

Heiko Maas verweist natürlich auch zu Recht darauf, daß er den Wählern nichts anbieten konnte. Es war ein Dilemma, da die einen keine große Koalition wollten und die anderen keine Kooperation mit der Linken. 
Aufgrund des Polit-Harakiris der Kleinen war aber die einzige realistische Option ein Zusammengehen mit der CDU.

Während die Anhänger von Linken, Grünen und Piraten etwas weniger dämlich gewesen, hätten sie zumindest die SPD die Führung überlassen können, statt indirekt durch die Wahl der Kleinen Maas die benötigten Stimmen dafür wegzunehmen.

Interessantes Detail am Rande:
 Die Demoskopen haben keinen guten Job gemacht. 
Es gab zwar ganz zum Schluß die Prognose „Kopf-an-Kopf“ zwischen CDU und SPD, aber Forsa sah am 09.03.12 noch die SPD mit 37% vor der CDU mit 35%.
Infratest Dimap sah die Sozis am 23.02 mit einem Prozentpunkt vor der CDU und die Forschungsgruppe Wahlen prognostizierte bei ihrer Saar-Umfrage von vor acht Wochen die SPD bei 38% und die CDU bei 34%.

Die SPD hatte also jeden Grund sich Hoffnung zu machen die große Koalition anzuführen! 
Daß am Ende die CDU sogar deutliche vier Prozentpunkte vor der SPD liegt, hatte niemand vorausgesehen.

Vertraue keinen Prognosen, insbesondere nicht, wenn sie die Zukunft betreffen!

Nobby Röttgens Dilettanten-Strategie zeigt in NRW deutliche demoskopische Auswirkungen.
Frau Krafts SPD ist mit 40% davon gezogen und läßt im Moment die CDU (32%) schwach aussehen.

Die politische Stimmung in Nordrhein-Westfalen ist heftig in Bewegung. Es ist nur zehn Tage her, dass mit der Auflösung des Landtags der Wahlkampf eröffnet wurde. Aber die Verschiebungen, die es seither in der Sonntagsfrage gegeben hat, sind ungewöhnlich stark. Das hat nicht nur mit den ersten handfesten Wahlkampfthemen zu tun, sondern auch mit starken Kandidaten und einem offensichtlich sehr hohen Interesse der Wählerinnen und Wähler in NRW.
Gegenüber Mittwoch vergangener Woche legt die SPD zwei Punkte zu und steht nun bei 40 Prozent. Für die Sozialdemokraten im Land ist das der beste Wert seit mehr als zehn Jahren. Die zusätzlichen Stimmen kommen weitgehend aus dem eigenen Lager: Die Grünen geben im Gegenzug zwei Punkte ab und stehen nun bei zwölf Prozent. Nach einem zwischenzeitlichen demoskopischen Hoch ist das nun wieder das Niveau der Landtagswahl 2010.
Auch im sogenannten bürgerlichen Lager scheint es einen Stimmentausch zu geben. Die CDU gibt zwei Punkte ab und steht nun bei 32 Prozent. Dafür kann die FDP sich spürbar erholen und verdoppelt ihren Stimmanteil von zwei auf vier Prozent. Die Linke rangiert nur noch bei drei Prozent (minus eins) und hat aus heutiger Sicht sehr geringe Chancen, erneut in den Landtag einzuziehen. Die Piraten stehen unverändert bei fünf Prozent und sind damit schwächer als in den beiden anderen Ländern, in denen in diesem Jahr gewählt wird.

Mannomann, da muß der CDU-Spitzenkandidat schon gewaltig versagen, wenn sich die Wähler nun sogar wieder dem Politleichnam FDP zuwenden.

Schlußbemerkung:

Da die sterbende FDP von 9,2 % im Jahr 2009 auf 1,2 % heute wegbrach, waren also ganze acht Prozentpunkte neu zu verteilen. 

Davon holte die CDU gerade mal 0,7!
 Es gab also eine lagerübergreifende Verschiebung, die immerhin etwas Hoffnung für Schleswig-Holstein und NRW macht.

Samstag, 24. März 2012

Der Christ des Tages - Teil LIX

Fernsehen ist eine großartige und eine furchtbare Sache. 
Üblicherweise schalte ich die Glotze niemals ungezielt an, sondern habe mich vorher genau über das Programm informiert.
Dazu brauche ich aber mindestens zwei TV-Zeitschriften, die ich zwar abonniert habe, aber denen ich nie wirklich lange treu bleibe.

Ich hatte auch schon die TV Today, die HörZu und TV Hören&Sehen abonniert, bis ich mich eines Tages so entsetzlich über die Verlage ärgerte, daß ich kündigen mußte. 

Im Moment boykottiere ich den Bauer-Verlag komplett und würde eigentlich auch gerne einen Bogen um alle Springer-Produkte machen. 
Letzteres ist in Hamburg allerdings schwerlich möglich, da es neben den Boulevard-Blättern nur zwei andere regionale Tageszeitungen, nämlich „Welt“ und „Hamburger Abendblatt“ gibt. 
Also zwei Mal Springer. 
Das „Hamburger Abendblatt“ ist dabei immerhin noch deutlich weniger rechts als das Schwesterblatt „Welt“. Also, was soll ich machen? Natürlich ist das „Hamburger Abendblatt“ verglichen mit der „Süddeutschen Zeitung“ höchstens drittklassig, aber die SZ hat eben keinen Hamburg-Teil.

Bei den TV-Blättern bin ich mittlerweile beim GONG gelandet, dessen Verlag, der Gong-Verlag seit 2001 eine 100%ige Tochter des WAZ-Konzerns ist. 
Ein Konzern, der verglichen mit Springer, Bauer und Burda politisch eher wie Bertelsmann einzuschätzen ist. 
Also Merkel-freundlich, aber mit immerhin einigen etwas liberaleren Produkten.

Aus alter Tradition findet man im GONG, der mit einem Preis von €1,60 pro Woche zu den Premium-Produkten gehört im Nicht-Programm immer noch trutschigste Kleinbürger-Ideale. 
Die geistigen Väter - München, 50er Jahre - hat man verinnerlicht.

Die im „Wissen“- und „Lebenshilfe“-Teil abgedruckten Tipps sind oft unfreiwillig komisch und so hausbacken, daß man sich immer fragt, ob es wohl überhaupt noch solche Familien gibt, in denen die Hausfrauen solch  gräßliche Rezepte und Dekorationen aus der TV-Zeitschrift nachbasteln. 
So geschmacks- und phantasiebefreit kann doch heute eigentlich keiner mehr sein!
Immerhin hat man beim Durchblättern etwas zum Lachen.

Meistens.

Wenn der Gong allerdings seine religiösen Anwandlungen bekommt, stockt einem der Atem.

Siehe "Die Religion ist wie ein Penis!"


und "Der Christ des Tages XLV"

In der aktuellen Ausgabe (Gong Nr 13 vom 23.03.12) wird im „Familien-Report“ unter der Rubrik „Unsere Zeit“ empfohlen „Christlich leben mit Kindern!

Vorgestellt wird die Familie Weibhauser, die ihre Kinder Anna (8) und Luis (5) nach der Bibel erziehen und stolz verkünden „Gott ist immer auf unserer Seite.

Ihre Brut haben die Steuerberaterin Sabine (47) und der Kaufmann Thomas (49) schon komplett indoktriniert.
Wenig verwunderlich, wenn man außer der Bibel keine Bücher liest.
Das arme Blag Anna verkündet im Gong, daß sie „wochenlang sparte“, um sich endlich die erste eigene richtige Bibel zu kaufen. 

„Ich wollte keine Kinderbibel. Die hatte ich bereits mehrfach gelesen!“
(Anna, 8)

Auch der Kindergottesdienst gefällt der kleinen Schlaumeierin nicht mehr so gut, wie die Erwachsenenversion.

Mir gefällt der Erwachsenengottesdienst mehr! Besonders die Lieder sind viel schöner als beim Kindergottesdienst!
(Anna, 8)

Es ist ekelhaft mit anzusehen, wie die Weibhausers sich mit ihren Leibesfrüchten prostituieren und sie als kleine Bibelautomaten in einer Homestory vorführen. 

Gut möglich, daß sich die Kinder eines Tages fürchterlich für diesen PR-Coup schämen werden, falls sie irgendwann kapieren, für welche Ideologie sie missbraucht wurden.
Aber natürlich kann jeder seine Ableger indoktrinieren, wie er will.

Schlimm sind die Lobhudeleien der WAZ-Zeitschrift, dessen Autorin Corinna Perrevoort herausstellt wie Anna nicht etwa die Bibel zur Hand nimmt, sondern „freudig“ erregt danach angelt. 
Der Glaube sei eine Tugend und habe der Familie „ein neues Leben“ beschert.

„Der Glaube hilft der Familie immer wieder, sich auf die Grundfeste wie Liebe, Freude und Frieden zu besinnen! Wichtig sind die Rituale: Gemeinsam beten am Tisch und vor dem Schlafengehen, Gott Dank sagen für den schönen Tag und für den Schutz der Familie und Freunde. Auch in Stresssituationen ist Gott immer an der Seite der Weibhausers.“
(Gong 13/2012)
Ich komme zum Christen des Tages Nr 59, auf den ich durch den Buchtipp zu diesem Gong-Familien-Report aufmerksam wurde.

Pastor Heino Masemann hat nämlich das passende Buch zum frühkindlichen brainswashing geschrieben. 

Masemann ist außerdem Vorstand des nifbe (Pädagogisches Netzwerk für frühkindliche Bildung und Entwicklung der Region Nordwest-Niedersachsen e.V.) und vermarktet über eine eigene Firma „Alles vom Leben“ weitere Masemann-Produkte, wie von ihm besprochene christliche CDs und Adventskalender.

Corinna Perrevoort ist wie der von ihr gelobte Pfaff auch Hannoveranerin und arbeitete früher für die BILD-Zeitung.

ALLES VOM LEBEN ist eine unabhängige, überkonfessionelle Initiative, die sich dem christlichen Glauben und seinen Kirchen verbunden weiß.
ALLES VOM LEBEN fühlt sich besonders auch den Menschen verpflichtet, denen Kirche und christlicher Glaube fremd (geworden) sind.
ALLES VOM LEBEN möchte Menschen, die nach Sinn, Wegweisung und Werten suchen, dabei begleiten, die Schätze des christlichen Glaubens und der christlichen Tradition für sich zu entdecken.
ALLES VOM LEBEN möchte den Einzelnen ermutigen, durch ein begrenztes persönliches Engagement Verantwortung für Zeit und Gesellschaft zu übernehmen und so unsere Welt ein Stück weit zu verbessern.
(allesvomleben.de)

Schon der Tonfall treibt mich fast dazu ein Hörbuch für € 8,90 zu bestellen, da es mir körperlich weh tut solche Machenschaften zu beobachten:

Hörbuch 3: Hat Leiden Sinn?
(nur noch wenige Hörbücher erhältlich!)
Die Frage „Warum lässt Gott das zu?” gehört zu den ewigen Fragen der Menschheit und ist zugleich für viele Menschen der Grund, mit Gott zu hadern und nicht an ihn zu glauben. P. Heino Masemann spricht zu diesem Thema aus persönlicher Betroffenheit und ermutigt, sich im Vertrauen auf Gott dieser Frage zu stellen.
Corinna Perrevoort schließt ihren Artikel mit vier schlauen Ratschlägen des Pastors zum Thema

 „Mit Kindern lebendig glauben!“

Darin erfahre ich wie Kinder zu erziehen sind.

Der christliche Glaube ist eine lebendige Beziehung zu Gott, Eltern sind Vorbild und sollten den Glauben vorleben!

Es gilt alle christlichen Jahresfeste in der Familientradition zu pflegen und zu begehen.

Gemeinsam beten!

Kinder sollten mit Freude und in Freiheit in den Glauben hineinwachsen.
(Gong 13/2012)

Wird wohl wieder mal Zeit die TV-Zeitschrift zu wechseln!

Freitag, 23. März 2012

Am Thema vorbei.



Der SPIEGEL, bzw in diesem Fall sein Autor Lenz Jacobsen, schafft es mal wieder als Letzter durchs Ziel zu gehen.

Heute ist ihm aufgefallen, daß es irgendwie nicht mehr so recht in die Zeit passt, wenn christlich geführte (aber staatlich bezahlte!!!!!!!!!!!) Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime, etc Mitarbeiter feuern, nur weil sie beispielsweise geschieden sind.

Kann sich der Arbeitgeber-Gigant Kirche mit 1,3 Millionen Angestellten solchen Bibel-Dogmatismus noch leisten?

Guten Morgen!

Jacobson greift hier den Fall Königswinter auf, der in diesem Blog schon vor sechs Wochen ausgebreitet wurde - „Wo die Welt noch in Ordnung ist.

Die Geschichte ist denkbar einfach:
 Ein Kindergarten in Rauschendorf, der zu 100 % von der Kommune und Null % von der Kirche finanziert wird, hat eine Kindergärtnerin namens Bernadette Knecht, 47, von der ohne Ausnahme alle Eltern begeistert sind. 37 Elternpaare von 37 Elternpaaren insgesamt wünschen sich Knechts Verbleib in dem Job. Nur der Pfaff, Udo Maria Schiffers, will das nicht und feuerte Frau Knecht, weil sie gegen das sechste Gebot - Du sollst nicht Ehe brechen - verstieß und sich scheiden ließ.

Ja, und es ist rechtlich ganz klar - der Pfaff darf das, was kein anderer Arbeitgeber sich erlauben dürfte. Kündigungen aussprechen, weil ihm die persönliche Lebensführung einer Angestellten nicht passt. Und das obwohl die Kirche gar nicht der Arbeitgeber ist, sondern nur der Träger ist.

Aber so wollen es unsere Politiker.

Jacobson zitiert den Kirchenrechtler Muckel mit den zwei grundsätzlichen Alternativen, die sich der Kirche nun bieten.

"Da wird allenthalben weggeguckt", erklärt Stefan Muckel, Kölner Professor für Kirchenrecht. In der Kirche sei längst eine Diskussion entbrannt, ob sie sich als Arbeitgeber diesen Dogmatismus noch leisten könne. Muckel sieht nur zwei Auswege: "Entweder schrumpft sich die Kirche sozusagen gesund und entlässt wirklich alle, die sich nicht an ihre Regeln zur Lebensführung halten. Oder sie wird nachsichtiger und setzt darauf, ihre christliche Botschaft so weiterhin möglichst breit zu streuen."

Ein ziemlich erbärmlicher Zugang zu dem Thema:
 Mitleid mit der armen Kirche, die in einem ach so schlimmen Dilemma steckt und sich zwischen verflachter Moral und Schrumpfung entscheiden muß?

Die Frage geht nun wirklich an allen entscheidenden Themen vorbei.

Wen interessiert es in welche Richtung sich die Kirche entwickelt?

Der Skandal ist doch, daß normale Bürger mangels Alternative gezwungen werden auf katholische Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Pflegeheime zurückzugreifen, obwohl sie diese ohnehin als Steuerzahler selbst finanzieren.

Daß die beiden großen Kirchen, insbesondere durch die Ausgrenzungs-Organisationen Caritas und Diakonie, als Träger für so viele Einrichtungen fungieren und dafür auch noch vom Staat gelobt werden, ist der Skandal. 
Sie schmücken sich mit fremden Federn, nutzen neutrales Steuerzahlergeld zur Mitglieder-Rekrutierung für ihre Sekte, die sich nicht um Antidiskriminierungsregeln kümmert.

1,3 Millionen Menschen arbeiten für kirchliche Träger und sind somit Zwangsmitglieder einer homophoben, antisemitischen, misogynen, islamophoben und reaktionären Weltanschauungsgemeinschaft, die bis heute ein imaginäres „Juden unerwünscht“-Schild in ihre Personalabteilungen stellt.

Wer geschieden ist oder sich so wie ich als Atheist geoutet hat, ist von einem Job ausgeschlossen - obwohl die Kirche noch nicht mal selbst den Lohn bezahlt.

"Kann sich der Arbeitgeber-Gigant Kirche mit 1,3 Millionen Angestellten solchen Bibel-Dogmatismus noch leisten?"
BLÖDE FRAGE!

Natürlich kann sich die Kirche das leisten. Sogar in der "Arbeiterpartei" SPD, die sich also eigentlich um diskriminierte Angestellte sorgen sollte, hat es die schweren Religioten Thierse und Nahles an der Spitze, die unablässig die RKK loben und preisen!
Der Chef der FDP ist im ZK der Katholiken.
Die CDU ist sowieso durch und durch kirchenhörig
Und die Grünen sind auch voll auf Christenkurs - Göring-Eckhardt ist EKD-Präsidentin und als der oberste Pädophilen-Beschützer Ratzinger im Bundestag war, haben sie ihm alle stehen applaudiert.

Also JA, solange wir solche Politiker wählen, kann sich die Kirche das leisten!

Lenz Jacobsen nennt das Beharren auf das sechste Gebot „Bibel-Dogmatismus“.

Dabei stellt er die Kirchliche Moral an sich aber nicht in Frage, sondern gibt nur zu bedenken, ob man sich buchstabengetreu daran halten müsse, oder ob „die Kirche“ nicht auch mal ein Auge zudrücken könne.

Das ist aber viel zu kurz gesprungen. 
Die kirchliche Moral ist nichts, das man mehr oder weniger streng auslegen sollte, sondern eine Perversion, die man bekämpfen muß.

Atheisten, Schwule und Geschiedene zu feuern ist ja nur die eine Seite der Medaille. 
Interessant ist doch die Frage, wer NICHT gefeuert wird.
 Zum Beispiel Pastoren, die Kinder misshandeln.

Sie verstoßen nämlich nicht gegen die Kirchenmoral.
 Die „Ehe zu brechen“, wie es die Kindergärtnerin Knecht tat, indem sie ihren Mann verließ, ist eine TODSÜNDE. 
Messdiener zu vergewaltigen oder zu verprügeln ist verglichen damit nur ein minderschweres Problem.
 Einmal beichten und gut is‘!

Eine Kirche, die ernsthaft Menschen feuert, weil sie durch Scheidung moralisch untragbar geworden sind, aber die Kinderficker weiter Kinder ficken lässt, hat keine strenge Moral oder merkwürdige Moral, sondern gar keine Moral.

Wäre der Trierer Bischof Stephan Ackermann eine Führungskraft irgendwo in Wirtschaft oder Politik, dann wäre jetzt wohl der Zeitpunkt für den Rücktritt: Erst kommt im letzten Jahr heraus, dass Ackermann noch im Jahre 2011 im Falle eines Täter-Priesters die eigenen Leitlinien der katholischen Kirche nicht einhält. Und nun sind es mindestens sieben Priester, die in seinem Bistum allerlei priesterlichen Aufgaben nachgehen dürfen – verbunden mit der Hoffnung, sie mögen sich nunmehr von Kindern und Jugendlichen fernhalten. Nach dem Motto: „Du du, nun ist aber Schluss“. Was für eine Verkennung des psychischen Drucks unter dem solche Täter stehen und der sie zu immer neuen Taten treibt!
Ja, Ackermann besitzt sogar die Frechheit zu behaupten, dieses Vorgehen diene der Prävention. Es wäre schlimmer, wenn die Täter nun irgendwo frei herum liefen, ohne dass der Bischof auf sie aufpasste. Bitter kann man dazu nur feststellen: Hätte die Kirche diese Seelsorger nicht solange gedeckt, wären viele von ihnen dort, wo Berufenere auf sie aufpassen würden.
Was Ackermann als Nächstenliebe gegenüber gefallenen Mitbrüdern zu verkaufen sucht, ist nur ein weiteres Beispiel für die Unfähigkeit der Kirche, im eigenen Laden aufzuräumen und sich endlich mit den strukturellen Ursachen auseinanderzusetzen: Neben der verkorksten Sexualmoral ist das Festhalten am Zwangszölibat zu nennen, wodurch das falsche Personal angelockt und ein vergiftetes Binnenklima in der Männerkirche geschaffen wird.

Die Ackermanns kommen damit durch, weil sie von den Religioten in den Bundestagsparteien unterstützt werden.

Wir wählen die!

Ich habe mich schon irgendwie damit abgefunden, daß Nahles und Thierse geistig vollkommen umnachtet sind. Unter 500.000 Parteimitgliedern gibt es eben auch völlig Verrückte.

Viel schlimmer finde ich, daß sie immer mit ihren eigenartigen Kirchenlobeshymnen durchkommen und niemand widerspricht.

Immerhin sind das ja nicht nur "Meinungen", die Thierse von sich gibt, sondern vor Allem auch faustdicke LÜGEN! Kann da nicht mal Gabriel was dazu sagen?

Jedes SPD-Mitglied sollte sich für so einen Menschen wie Wolfgang Thierse schämen.

Der größte Depp der SPD-Bundestagsfraktion sieht übrigens die Zahlungen der Kirchenmitglieder als Wohltätigkeit für den Staat an. 
Die Kinderschänderorganisation, die zehntausende Heranwachsende auf nicht in Worte zu fassende brutale Weise gequält hat, nennt Thierse „moralisch“, die Kirchen wären gar der „moralische Kitt der Gesellschaft“.


Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sieht in der Kirchensteuer eine finanzielle Unterstützung der Gläubigen für den Staat. Denn mit den Mitteln würden jene sozialen und kulturellen Leistungen der Kirchen unterstützt, die sie für die öffentliche Hand übernähmen, schreibt Thierse in einem Beitrag für die in München erscheinende Zeitschrift „Jesuiten“. Dadurch werde auch die Vielfalt von Angeboten und damit auch der soziale und kulturelle Reichtum der Gesellschaft gefördert. Die Eigenbeiträge der Gläubigen müssten daher „mindestens als Gewinn für beide Seiten“ betrachtet werden, so der SPD-Politiker. Gleichzeitig verwies Thierse auch auf die Bedeutung der Kirchen als „moralischer Kitt der Gesellschaft“.

Da man aber in der Politik kaum Hilfe findet, ist es umso erfreulicher, daß wenigstens überhaupt jemand klare Worte findet; in diesem Fall Carsten Frerk, dessen Kommentar ich dringend empfehle:

Das ist schlicht falsch. Auch wenn Thierse es immer wieder so sagt.
Wolfgang Thierse ist ein umtriebiger und entschlossener Lobbyist seiner christlichen Religion, einer der Sprecher des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD und seit langen Jahren hinzugewählte Einzelpersönlichkeit im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Er verunglimpft konsequent u.a. die Thesen der Laizisten in der SPD als „Anachronistische Forderung“. Das ist jedoch Politik und wer nicht gemobbt werden will, sollte wohl nicht in die Politik gehen. Meinungen kann man insofern sagen und ändern, Tatsachen aber bleiben Tatsachen.
[…] Nach der letzten vorliegenden Gesamtdarstellung („Caritas und Diakonie in Deutschland, 2005)) werden aus den kirchlichen Finanzeinnahmen rund 840 Millionen Euro für die von Thierse angesprochenen sozialen Leistungen ausgegeben. Das ist bei einem Jahresvolumen der Caritas und Diakonie von rund 45 Milliarden Euro gerade einmal knapp 2 Prozent der Kosten. Legt man dann noch zugrunde, dass die Kirchensteuer nur rund die Hälfte der Kircheneinnahmen ausmacht, dann stammen also auch nur 420 Millionen Euro aus der Kirchensteuer. Das heißt, nur etwa ein Prozent der Kosten von Caritas und Diakonie werden von den Kirchen selber finanziert.
Das könnte man als kirchlichen Beitrag auffassen, der von anderen Stellen nicht finanziert werden muss, aber das stimmt so einseitig eben nicht.
Diese kirchlichen Beiträge werden von Seiten des Staates dadurch gewürdigt, dass als Ausgleich dafür die gezahlte Kirchensteuer in voller Höhe von der Einkommensteuer abgesetzt werden kann. Diese „Begünstigung anerkannter Religionsgesellschaften und ihnen gleichgestellter Religionsgemeinschaften [erfolgt ] aus kirchen- und sozialpolitischen Erwägungen.“ Der Staat, also Bund und Länder verzichten dadurch nach den Angaben der 23. Subventionsberichts der Bundesregierung (Seite 74) im Jahr 2012 auf Steuereinnahmen in Höhe von 2,88 Milliarden Euro.
Die kirchen- und sozialpolitische Erwägung, den Beitrag der Kirchen durch Stützung der Kirchensteuer auszugleichen, war vielleicht noch in den fünfziger Jahren noch ein Nullsummenspiel für beide Seiten: was die Kirche finanzierte, bekamen die Kirchenmitglieder als Steuererleichterung zurück, so dass sie motivierter waren, die Kirchensteuern zu bezahlen, damit die Kirche „so viel Gutes“ damit tue.
Nun hat sich die Kirche aber seit Jahrzehnten immer mehr aus den selber finanzierten oder mitfinanzierten sozialen Leistungen zurückgezogen. Deutlichstes Beispiel dafür sind die früheren Kirchengemeindeschwestern, die als Diakonissen oder Ordensschwestern im Kirchendienst von den Kirchengemeinden finanziert wurden. Sie waren, als‘ praktische Seelsorge‘, für die soziale und einfache medizinische Betreuung der Gemeindemitglieder bei Wind und Wetter unterwegs. Diese kirchlich finanzieren Gemeindeschwestern gibt es jedoch schon lange nicht mehr, sie sind übergewechselt in die öffentlich finanzierten Sozialstationen von Caritas und Diakonie.
(hpd 23.03.12)

Donnerstag, 22. März 2012

Sich die Kugel geben



Im Dorf Najib Yan Daud in der afghanischen Provinz Kandahar wurden am Sonntag, den 11. März, zwischen zwei und drei Uhr morgens insgesamt 16 Menschen umgebracht.

 Unter den Opfern waren neun Kinder. Ein US-Unteroffizier mit psychischen Problemen war nach Angaben des US-Militärs der Schütze. Er habe seinen Stützpunkt in der Nacht verlassen, sei zu Fuß in das wenige Kilometer entfernte Dorf gelaufen und in drei Häuser eingedrungen. Dort habe er auf die Bewohner geschossen.
Ermittlungen ergaben später, dass einige Leichen von Kindern Brandspuren aufweisen. Der Täter, laut US-Militär der Staff Sergeant Robert Bales, habe versucht, sie anzuzünden.

Wenn NATO-Soldaten Unschuldige massakrieren, weil sie so verroht sind, daß ihnen sämtliche natürlichen Tötungshemmungen fehlen, sind das selbstverständlich nur Einzelfälle.
 Im a posteriori bedauern sind wir im Westen ja immer ganz groß.

 2010: Ein selbst ernanntes Kill-Team – bestehend aus fünf US Soldaten – macht wahllos Jagd auf Zivilisten, präsentiert die Toten wie Trophäen.
Januar 2012: Ein Video geht um die Welt, in dem US Soldaten auf Leichen urinieren.
Februar 2012: Massendemonstrationen. US Soldaten verbrennen Koranbücher. Angeblich versehentlich. Und das in Afghanistan. Alles irre Taten Einzelner? Zeigen diese Vorfälle nicht auch, was Krieg aus Menschen macht?

Die meisten Soldaten sind selbst als Psychowracks noch so freundlich nicht andere Menschen zu erschießen. Sie geben sich dafür dann selbst die Kugel.

Mehr als 200.000 Menschen haben sich seit Beginn der Kriege im Irak und in Afghanistan in Veteranen-Krankenhäusern behandeln lassen - alle wegen PTBS. Diese Zahl veröffentlichte die Tageszeitung "USA Today" im November 2011 unter Berufung auf eine Studie von Veteranen-Vereinigungen. Die Dunkelziffer der Erkrankungen dürfte aber deutlich höher liegen. Scham und Stolz halten noch immer viele Soldaten davon ab, sich professionelle Hilfe zu holen. Das Militär spricht dagegen offiziell von "nur" rund 50.000 PTBS-Fällen.
[…]    Diese können sich in Angstzuständen äußern, in Schlaflosigkeit und Depression. Aber auch spontane Gewaltausbrüche, häusliche Dispute sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch gehören zu den möglichen Folgen einer PTBS-Erkrankung. Seit Jahren beklagen Veteranen-Organisationen steigende Selbstmordraten unter Kriegsheimkehrern mit traumatischen Erfahrungen.   

Das Erstaunliche an den vielen PTBS-Fällen ist das Erstaunen darüber.

Junge Menschen in sinnlose Kriegsszenarien zu versetzen, in denen sämtliche moralischen Grundfesten außer Kraft gesetzt sind, in denen ein bizarrer Rambo-Männer-Kult herrscht, in denen man keine Schwächen zeigen darf und dafür permanent morden muß, soll keine seelischen Schäden verursachen?

So denken ausgerechnet die Amerikaner, von denen ohnehin jeder zweite auf Prozac und Xanax ist, sich psychotherapieren läßt und nach drei Überstunden einem Burn-Out-Syndrom verfällt?

Der Horror des Massakers von Panjwai ist vielen Amerikanern nur als Werk eines Verrückten begreiflich. 'Sergeant Psycho' hat die New York Post den mutmaßlichen Amokläufer genannt.

Ich wundere mich nur, daß nicht viel mehr Menschen Amok laufen.

Wenn der Rückblick auf die Kriege im Irak und Afghanistan, wenn die Aussicht, daß viele Amerikaner und Israelis gerne noch einen Krieg gegen den viel größeren und militärisch viel stärkeren Iran anzetteln wollen, einen nicht in tiefe Verzweiflung stürzt, hat man kein Herz.

Ich kann es nicht verstehen, daß die Apologeten des Krieges, die hoch und sicher in westlichen Büros sitzend dafür plädierten Hunderttausende junge Menschen in organisierte Dauer-Massaker zur Seelentötung schickten, heute immer noch hoch anerkannt sind.

In Deutschland waren es insbesondere Wolfgang Schäuble und Angela Merkel, die sich massiv für diese Kriege ausgesprochen haben. 
Sie sind heute die beliebtesten Politiker der Republik. Das moralische Tötungs-Tabu ist offenbar ausgehebelt.

Warum ist das so?

Weil der Urnenpöbel zu unreif und zu ungeeignet ist Wahlentscheidungen zu treffen. Er blendet die Realität aus.

Die Soldaten mag ich nicht voll und ganz bedauern - immerhin werden sie in Deutschland nicht gegen ihren Willen nach Afghanistan geschickt. 
Aber die Gnade des Verdrängens ist ihnen nicht mehr gegeben.
  Wie ihre Ami-Kollegen müssen sie auch persönlich ausbaden, was die politische Führung von ihnen will.

Interessanterweise trauern Angehörige hüben und drüben ganz anders. 
Deutsche Hinterbliebene fragen sich wozu der Tod ihres Sohnes/Ehemannes/Vaters/Bruders notwendig war. Sie wenden sich durchaus mit beißenden Fragen an die Politiker und sehen sich als Opfer des Krieges.

Die Opfer-Perspektive ist den meisten US-Soldatenfamilien ganz fremd.
 Dort wird der der Sinn des Todes kaum hinterfragt. Selbstverständlich ist der gefallene Sohn/Ehemann/Vater/Bruder ein HELD, der zum Wohle Amerikas starb.
Fragen stellen sich dann eher weniger.

Soldatenfamilien sind die sichersten Anhänger der Republikaner.

Angegriffene Seelen sind da nicht vorgesehen.

Mehr als fünf Millionen Amerikaner haben seit dem 11. September 2001 im Militär gedient, mehr als zwei Millionen Landsleute zogen im Namen der Nation an die Front in Irak oder Afghanistan. Als 'Generation 9/11' preist Präsident Barack Obama diese Landsleute. Mehr als 100000 Männer und Frauen hat das Pentagon, genauso wie Sergeant Bales, gleich dreimal oder noch öfter in den Krieg geschickt. Die wiederholten Einsätze haben viele Soldaten und ihre Familien zermürbt - aber anders geht es nicht in einem Land, das nach dem Fiasko in Vietnam seine Streitkräfte zu einer Armee aus Freiwilligen umbaute. 99 Prozent der US-Bevölkerung ziehen nie eine Uniform an.
Das eine, das kämpfende Prozent steht derweil unter enormem inneren Stress.
[…]  Studien schätzen, bis zu 30 Prozent der US-Veteranen plagten posttraumatischen Belastungsstörungen.
Das sind Ausmaße einer Volkskrankheit. Bisweilen flackern Symptome dieser Krise auf, wenn sich die inneren Qualen in Gewalt entladen. Es sind Einzelfälle, aber schrecklich viele. Anfang März erschoss ein Veteran in Kalifornien seine elfjährige Schwester und die Mutter; vorige Woche stand ein Ex-Soldat (nach drei Einsätzen in Irak) in Pennsylvania wegen zweifachen Mordes vor Gericht. Und im Januar machte Benjamin Barnes Schlagzeilen: Der Kriegsveteran hatte eine Park-Rangerin getötet und war rambogleich in die schneebedeckten Berge im Staat Washington geflüchtet, wo er erfror. Meist aber richten die Heimkehrer die Gewalt gegen sich selbst. Das Kriegstrauma treibt jeden Tag 18 Kriegsteilnehmer in den Suizid, mehr als 6500 der offiziell 25 Millionen US-Veteranen flüchten jedes Jahr in den Selbstmord. Ein Großteil gehört zur 9/11-Generation.

6500 Selbstmorde unter Kriegsheimkehrern pro Jahr.
 Herzlichen Glückwunsch. Das hat Geogre W. Bush ja toll hingekriegt.

Nach wie vor ist er davon überzeugt alles richtig gemacht zu haben und Millionen US-Republikanern jubeln den Kriegstreibern Romney, Gingrich und Santorum zu, wenn sie mehr und schlimmere Kriege ankündigen.