Die Lobby-Organisationen der Superreichen, also beispielsweise
INSM, FDP, GOP, haben zu allen finanzökonomischen Szenarien eine Antwort; eine
Antwort; nämlich immer dieselbe: Steuersenkungen!
Unternehmer könne man nur durch Steuersenkungen
entlasten.
Bei boomender Wirtschaft ist die richtige Zeit, die
Unternehmer zu entlasten, weil der Staat es sich nur dann leisten kann. Bei
schrumpfender Wirtschaft ist die richtige Zeit, die Unternehmer zu entlasten,
weil sie dann mehr investieren und die Nachfrage wieder ankurbeln.
Bei hoher Inflation ist die richtige Zeit, die
Unternehmer zu entlasten, weil sie sonst in Schieflage geraten und Arbeiter
entlassen müssen. Bei Preisstabilität ist die richtige Zeit, die Unternehmer zu
entlasten, weil sie sonst nicht investieren können. Bei sehr hohen Zinsen ist
die richtige Zeit, die Unternehmer zu entlasten, weil sie sich sonst auf dem
Kapitalmarkt kein Geld besorgen können. Bei Negativzinsen ist die richtige
Zeit, die Unternehmer zu entlasten, weil das billige Geld den Wettbewerbern in
Übersee sonst ungerechte Vorteile verschafft.
Ob Regen, ob Sonne; ob Herbst, Winter, Frühling, oder
Sommer: Es ist immer gerade an der Zeit, die Steuern für die Superreichen zu
senken.
Dieser offenkundige Unsinn führt aber nicht nur, ganz wie
zu erwarten, zu rasanter Vermögenszunahme und Vermögenskonzentration, sowie zu
extremer sozialer Ungerechtigkeit, sondern wurde auch ein enormer
Propagandaerfolg.
In den USA und Deutschland wünschen sich in Umfragen große Mehrheiten
Steuersenkungen, halten die aktuellen realen Steuern für viel zu hoch und befürchten
kontinuierlich, mehr Steuern zahlen zu müssen. Dabei sinkt die Steuerlast seit
Jahrzehnten.
Dabei lachen uns nun schon seit zwei Jahrzehnten die
reichsten Konzerne aus, weil sie längst gar keine Steuern mehr zahlen.
Die FDP-Rufe nach Abschaffung des „Soli“ und Senkung von
Einkommens- und Unternehmenssteuern, bekommen auch Applaus von der Hälfte der
Bevölkerung, die ohnehin keine Lohnsteuern zahlt. Überhaupt irgendwelche Steuern zu zahlen, gilt als
allgemeine Zumutung.
Wer (wie ich) für höhere Steuern plädiert, erntet dafür
niemals Zuspruch. Linke Sozis und Linke, die im Wahlkampf für Vermögens-
und Erbschaftssteuer eintreten und den Spitzensteuersatz erhöhen wollen,
bekommen niemals Mehrheiten. Obwohl solche Vorschläge oft für Jahreseinkommen
ab 500.000,- oder 1.000.000 Euro gelten sollen und damit 99,99% der Bürger gar
nicht betroffen wären, reagieren die meisten Menschen schon auf das Wort „Steuererhöhungen“
pawlowsch angewidert und kreuzen schnell CDU/CSU/AfD/FDP an.
(Es gibt rund 30.000 Einkommensmillionäre in Deutschland.
30.000 von 84 Millionen ~ 0,04%)
Ich gehöre zu den Glücklichen, deren Einkommen so hoch
ist, daß sie Einkommensteuer zahlen müssen. Ich musste auch schon einmal
Erbschaftssteuer zahlen. Das geht relativ schnell. Wenn der Erblasser nicht
gerade ein engster Verwandter ist, beträgt der Freibetrag nur 20.000 Euro.
Alles darüber hinaus wird mit 30% versteuert. Und wer zahlt schon gern Geld an
Christian Lindner?
Aber auch wenn ich selbstverständlich nicht glücklich
bin, wenn ich auf meinem Kontoauszug sehe, wie viel die „Kasse.Hamburg“
abgebucht hat und emotional betrachtet, jeden Cent für mich behalten möchte,
bin ich rational in der Lage den Sinn von Steuererhebungen zu verstehen. Es ist
doch offenkundig: In 16 CDU-Jahren wurden staatliche Investitionen sträflich
unterlassen. Digitale Infrastruktur, die Bahnstrecken, Schulen, Universitäten
erfordern gewaltige Investitionen. Dazu kommt der gesamte Energiesektor und es
herrschen beschämende Kinder- und Altersarmut, Pflege. Der Staat bräuchte viele
hunderte Milliarden Euro mehr. Milliarden, die bei den 0,01% der Superreichen
konzentriert sind, die gar nicht mehr wissen, wo sie ihre zehnstelligen Summen
parken können.
Sie können sich dank des Urnenpöbels, der stets eine Superreichen-Beschützerorganisation
(CDU, CSU, FDP) in die Regierung schickt, dem gesamten Abgabe-System entziehen
und ihre Privatier/Privatpatienten-Privilegien genießen.
(….) Wer richtig viel Geld hat und daher bei seinem Tod (oder vorab bei
Schenkungen) hunderte Millionen oder gar Milliarden zu verteilen hat, berechnet
den Teil, der ans Finanzamt abgezwackt werden muss, nicht nach der
Otto-Normalverbraucher-Formel:
(Erbe
– 20.000 €) mal 0,3 = 36.600 €.
Für Superreiche gilt eine
Spezialformal für den Betrag, den Herr Lindner abbekommt:
ErbeSchickimickisteuertrickser
mal 0% = 0 Euro
So machte es BMW-Erbin Johanna
Quandt, als sie zu Lebzeiten Milliarden an ihre Kinder Susanne Klatten und
Stefan Quandt übertrug.
So machten es die Brüder Theo
und Karl Albrecht, als sie Dutzende Milliarden steuerfrei an ihre Kinder Karl
Albrecht jr. und Beate Heister, bzw Berthold und Theo Albrecht. jr. verschoben.
So machten es Friede Springer
und Matthias Döpfner, als die alte Konservative dem jungen Erzkonservativen
Milliarden schenkte. Über die eingangs genannte alte Dame, die von ihren
142.000 Euro tatsächlich fast 30% Steuern an den Staat zahlte, kann Döpfner nur
herzlich lachen.
[….] Verlegerin Friede
Springer (78), die Witwe von Unternehmensgründer Axel Springer, teilte am 24.
September 2020 mit, für wen sie sich als ihren Nachfolger entschieden hat. Der
Glückliche heißt Mathias Döpfner und ist bislang Vorstandsvorsitzender der Axel
Springer SE. Er hat von ihr 4,1 Prozent Konzernaktien für 276 Millionen Euro
gekauft. 2,8 Prozent gehörten ihm schon vorher. Zusätzlich bekam er von seiner
Gönnerin ein Aktienpaket von 15 Prozent geschenkt – ein in diesem Umfang
einmaliger Vorgang. Die großzügige Gabe ist rund eine Milliarde Euro wert,
Döpfners Kapitalanteil an der Gesellschaft europäischen Rechts (SE) liegt
danach bei 21,9 Prozent. Für solche Transaktionen sind grundsätzlich hohe
Einkommen- und Schenkungssteuern fällig. Dazu haben die Dame und der Herr aber
keine Lust. Frau Springer hatte deshalb eine Woche vor dem Verkauf besagte 4,1
Prozent an ihre Friede-Springer-Stiftung übertragen. Die ist als gemeinnützig
anerkannt und muss weder Schenkungs- noch Einkommenssteuer zahlen. Döpfner hat
seine Anteile formal von der Stiftung gekauft, der Fiskus geht leer aus. Bei ihm selbst war es etwas komplizierter. Da
die Schenkung außerhalb der Familie geschah, wäre der höchste Steuersatz von 50
Prozent fällig. [….] Aber für reiche Leute finden sich fast immer Um-
und Auswege. In diesem Fall sind das die sogenannten Poolverträge. Friede
Springer hat Döpfner nicht nur 15 Prozent Aktien geschenkt, sondern ihm auch
das Stimmrecht für ihre verbleibenden Anteile von rund 22 Prozent eingeräumt.
Der Manager kontrolliert damit mehr als 44 Prozent und kommt über die
25-Prozent-Schwelle. Und deshalb kann er eine »Verschonungsbedarfsprüfung«
beantragen. Wenn sein Privatvermögen kleiner ist als der fällige Steuerbetrag,
kann dieser erlassen werden. So wird es wohl kommen, da sind sich alle
Beobachter einig. [….] Der Topmanager – zugleich Präsident des
Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) – ist ja kein armer
Mann. Im vergangenen Jahr hat er Schätzungen zufolge rund 6,6 Millionen Euro
Gehalt, 2,1 Millionen Versorgungszulagen und 15 Millionen Euro Boni kassiert.
Dazu kommen künftige Dividenden: Mit seinen knapp 22 Prozent Kapitalanteil
hätte Döpfner im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro einstreichen
können. Übrigens hat der Trick in ähnlicher
Form schon vor acht Jahren funktioniert. Im August 2012 verschenkte die
Verlegerin ein Aktienpaket von 2,8 Prozent im Wert von 73 Millionen Euro an
ihren Mathias. Auch dafür musste er kaum Schenkungssteuer bezahlen, wie der
Deutsche Steuerberaterverband damals vermutete. [….]
(Verdi, 15.10.2020)
Döpfner und Springers Vorgehen
ist sowohl asozial, als auch im höchsten Maß ungerecht. Superreiche betrügen
den Staat mit legalen Tricks, die aber Ärmeren nicht zur Verfügung
stehen, um Milliarden.
Hinzu kommt aber der
staatszersetzende Aspekt. Denn die Dame, die 36.600 Euro an das Finanzamt
überwies und es bisher auch ganz richtig fand, das zu tun, fühlt sich nun von
Finanzpolitikern, die den Döpfner-Coup ermöglichen, verschaukelt und verliert
das Vertrauen in unseren Staat. (…)
(Die Gelben und die Reichen, 21.04.2023)
Daß ich einst Erbschaftssteuern zahlte, lag daran, daß
ich zwar über 20.000 Euro erbte, aber bedauerlicherweise (ganz knapp) unter der
20 Millionen-Grenze angesiedelt war. Das ist nämlich in Hamburg in etwa die Summe,
ab der man als so superreich gilt, daß man gar keine Erbschaftssteuer mehr
bezahlt.
[….] Erben in Hamburg: Je
höher die Summe, desto niedriger die Steuer
Erben außer Kontrolle! Eine
Große Anfrage (Drs. 22/11381) der Linksfraktion beweist:
Je höher die Erbschaft beziehungsweise Schenkung ausfällt, desto
wahrscheinlicher ist eine steuerliche Begünstigung. Im Jahr 2021 wurden 26,1
Prozent der großen Erbschaften und Schenkungen in Hamburg (über 20 Millionen
Euro) begünstigt. Insgesamt wurden 2020 über 1,1 Milliarden Euro an Erbschaften
sachlich steuerbefreit, was mehr als ein Drittel der gesamten Erbschaften
betrifft und das, obwohl man die persönlichen Freibeträge bei nahen Verwandten
rausrechnet. Im Jahr 2021 wurden sogar 1,2 Milliarden Euro steuerlich befreit!

Dazu David Stoop,
haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen
Bürgerschaft: „Die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen ist extrem
ungerecht: Je höher das Erbe, desto häufiger sind die Beschenkten von der
Steuer befreit, weil sie beispielsweise Betriebsvermögen erben, das Vermögen in
eine Familienstiftung übergeht oder zu anderen Tricks gegriffen wird.“ Auch das
Bundesverfassungsgericht erkannte 2014 in einem Urteil die
Unverhältnismäßigkeit bei steuerlichen Begünstigungen von Unternehmen in
Schenkungen oder Erbschaften an. [….]
(Bürgerschaftsfraktion Die Linke, 12.06.2023)
Wohin die Reise stattdessen gehen muss, ist klar:
Höhere Freibeträge bei der Erbschaftssteuer und dafür
keinerlei Ausnahmen mehr bei den Superreichen.
Entsprechend bei der Einkommensteuer: Deutlich höhere
Steuersätze, die aber erheblich später greifen.
Außerdem muss die Beitragsbemessungsgrenze fallen, die
extrem überproportional die Superreichen begünstigt.
Geht nur nicht mit den Hepatitisgelben.