Montag, 12. Juni 2023

Die Flugmafia

Die Anliegen der „Letzten Generation“ (LG) sind moderat und vernünftig. Außerdem habe ich volles Verständnis dafür, ob der katastrophalen Untätigkeit gerade in Deutschland frustriert zu sein. Was für ein absoluter Irrsinn, daß es kein Tempolimit, dafür aber gewaltige Subventionen für Verbrennungsmotoren und eine Flotte von Privatjets gibt.



Die LG schaffte aber da absolute Kunststück, sich mit der Art ihrer Kampagnen derartig unbeliebt zu machen, daß sie den Klimaschutz inzwischen weit mehr diskreditieren, als Sympathien für diese richtige Idee zu generieren.

Es ist ähnlich wie mit militanten Veganern. Wie kann in einem Land voller Tierfreunde, die vollkommen richtige Idee, weniger Tiere zu essen, so diskreditiert werden, daß die große Majorität Veganer hasst und schon allein, um die zu ärgern extra viel Currywurst und anderes Billigfleisch frisst?

Blickt man ohne ideologische Scheuklappen auf den zunehmenden Flugverkehr, bleibt keine andere Möglichkeit, als die Zahl der Starts und Landungen weltweit drastisch zu reduzieren. Stattdessen haben Boeing und Airbus so volle Auftragsbücher, daß jetzt bestellte Jets, erst in vielen Jahren ausgeliefert werden können.

Der Klimaschaden ist gewaltig und wird eben nicht nur durch die ausgestoßene Menge des durch Kerosin-Verbrennung entstandenen CO2 definiert – wie es die Fluggesellschaften gern behaupten.

Der Dreck wird nämlich direkt in der problematischen Höhe ausgestoßen. Es entstehen Kondensstreifen, die ihrerseits noch mal extra stark die Wärmeabstrahlung der Erdoberfläche behindern. Ob es Flugzwerg Merz und Porscheboy Lindner gefällt oder nicht: Wir müssen und wir werden weniger fliegen.

[….]     Frankreich hat gerade Inlandsflüge verboten, sofern eine Strecke innerhalb von 2,5 Stunden per Zug zu schaffen ist.

    Schweden und Dänemark haben angekündigt, dass alle Inlandsflüge ab 2030 emissionsfrei sein müssen, obwohl entsprechende Verkehrsflugzeuge noch nicht existieren. Norwegen will bis 2040 nachziehen.

    Israel hat seine Airports für besonders emissionsstarke Maschinen wie den Jumbojet oder den A380 gesperrt

    Der Amsterdamer Flughafen Schiphol will allen Privatflugzeugen Start- und Landeverbot erteilen, das war eine Forderung von Klimaaktivisten. Überdies will die Regierung die Maximalzahl der kommerziellen Flüge reduzieren. [….]

(Marco Evers, 09.06.2023, DER SPIEGEL 24/2023)

Was aber tun, wenn die Menschen weiter fliegen wollen?

Fluggesellschaften haben sich von Christian Lindner das EFuels-Gerede abgeguckt. Mit ökologisch erzeugtem Kerosin könne man doch umweltfreundlich fliegen.

Das ist aber unsinnig, denn erstens gibt es bei Weitem nicht die Kapazitäten, um genügen Flugtreibstoff zu erzeugen und zweitens muss man dafür immer, wie beim „E10“ Pflanzen abhacken, dafür womöglich erst Urwälder roden, um dann aus dem Holz und Fasern, die aus nichts anderem, als gespeicherten CO2 bestehen, das klimaschädliche Gas wieder freilassen und zudem die Photosynthese, also den Prozess, der CO2 aus der Luft holt und Sauerstoff erzeugt, beenden. Es bleibt also Irrsinn.

Wasserstoff bleibt ebenfalls erst einmal Utopie, da beim besten Willen nicht genug H2 auf ökologische Weise erzeugt werden kann und an den Flughäfen eine gewaltige H2-Logistik entstehen müsste. Aberwitzige Mengen des hochexplosiven Gases müssten an den menschlichen Hauptverkehrsknotenpunkten gelagert werden. Das wäre unter Sicherheitsaspekten aber völlig unmöglich.

Blieben noch Elektroflugzeuge, die tatsächlich in der Entwicklung sind; teilweise schon Testflüge absolvieren. Das klingt gut, setzt aber Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen voraus. Außerdem sind die Speichermöglichkeiten der besten Batterien immer noch so begrenzt, daß E-Flugzeuge nur sechs oder sieben Passagiere aufnehmen können – bei einer Reichweite von wenigen hundert Kilometern. Möglicherweise in naher Zukunft also tauglich, um reiche Leute schnell ökologisch von Hamburg nach Berlin zu bringen.

Nach Mallorca reicht es aber sicher nicht.

Es hilft also alles nichts; der Massenflugtourismus muss eingeschränkt werden. Die simpelste Maßnahme, um das zu erreichen, wären natürlich drastische Preiserhöhungen.

Nur, wie gestaltet man das sozial gerecht?

(….) Träfe das zu, was die AfD-Fans den Grünen unterstellten – Autos, Flugreisen, Fleisch nur noch für Bonzen und andere Superreiche, während das arme deutsche Volk zu Hause bleiben und Salat fressen muss – wäre der Umwelt und dem Klima übrigens tatsächlich geholfen.

Ein Steak 1000 Euro. Ein Flug nach Mallorca 50.000 Euro. Kinder bekommen nur gegen eine Gebühr von 1.000.000 Euro.

Ja, das wäre eine klimapolitisch höchst effektive Maßnahme, die allen Lebewesen letztendlich zu Gute käme.

Gerecht wäre das natürlich nicht, aber es ist nicht sehr schwer sich sozialverträgliche Modelle zu überlegen, die zu einer ähnlichen Konsumeinschränkung führten.

Man könnte beispielsweise ähnlich wie beim Emissionshandel jedem Menschen auf der Welt jährlich die Erlaubnis zum Verzehr einer geringen Menge Fleisch, ein paar Flugmeilen und alle 10 Jahre ein Kind zusprechen.

Diese individuellen Kontingente wären verkäuflich.

Wer sein Jahreskilo Rindfleisch nicht isst, könnte das Recht dazu an einen reichen Menschen verkaufen. Wer seine Flugmeilen nicht nutzen will, ebenso.

Damit könnte ein Superreicher immer noch nach Australien fliegen. Aber er wäre gezwungen seinen Reichtum erheblich nach unten umzuverteilen. (…)

(Fliegen, Flirten, Fleisch, 03.01.2019)

Bei der Kontingent-Idee ging ich allerdings davon aus, daß die allermeisten Leute gerne fliegen und verreisen. Aber die Flugmeilen sind noch sehr viel mehr auf ganz wenige Menschen konzentriert.

[….] So groß der Schaden, so winzig der Kreis der Verursacher: 89 Prozent der Menschheit sind im Jahr 2018 am Boden geblieben, die allermeisten davon waren sogar noch nie in der Luft. Etwa vier Prozent aller Menschen flog 2018 in andere Länder. Und nur rund ein Prozent der Erdenbürger nutzte das Flugzeug intensiv.

Diese ungefähr 80 Millionen Leute sind für mindestens die Hälfte der Umweltschäden durch die Fliegerei verantwortlich, wie der deutsche Mobilitätsforscher Stefan Gössling, 52, von der Linnaeus-Universität in Schweden vorrechnet.

In einer gerechten Welt müssten die Frequent Travellers nach dem Verursacherprinzip für das Malheur aufkommen, etwa in Form von steil ansteigenden Gebühren für jedes weitere Ticket. Mit diesem Geld könnte sogar die grüne Verwandlung der Luftfahrt finanziert werden. Doch die Realität ist anders: Die Airlines schenken ihren Vielfliegern Upgrades auf bequemere Sitze und Anreize, noch mehr zu reisen und noch mehr zu emittieren. [….]

(Marco Evers, 09.06.2023, DER SPIEGEL 24/2023)

Wir brauchen also weder eine teure Lösung, noch eine Technische.

Das Problem ließe sich politisch anpacken. Verbot der Bonusmeilenprogramme und die Ticketpreise könnten im quadratischen Verhältnis zu den jährlich zurückgelegten Meilen steigen.

Ein Flug nach Mallorca pro Jahre wäre beispielsweise so günstig, oder sogar günstiger als bisher sein.

Wer aber das vierte mal im Jahr zum Ballermann will, muss dann den achtfachen Ticketpreis löhnen. Der sechste Flug 32-fach usw.

So käme man schnell in Dimensionen, die auch Multimillionären wie Merz die Bahn schmackhaft machen.

Sonntag, 11. Juni 2023

Diplomatisch wie eine Abrissbirne.

Wenn man Teil der Elite eines absolutistischen Systems ist, in dem alles um einen allmächtigen Herrscher kreist, so daß jeder von seiner Gunst abhängt, muss man sich gut mit der Person an der Spitze stellen.

Öffentliches Lobpreisen ist das Mindeste. Wer sich nicht so gut, wie zum Beispiel Miss Lindsey Graham oder Ted-My-wife is ugly-Cruz, auf Arschkriechen versteht, kann natürlich auch außerhalb des absolutistischen Systems leben. Als Gärtner. Oder Bäcker. Aber dann eben ohne Macht und Gold aus der Hand des absoluten Monarchen.

Zwei Sonderfälle sind der britische Prince Henry Windsor und der vatikanische Kurienerzbischof Georg Gänswein. Beide waren extrem nah am Herrscher; Mitglieder des innersten Zirkels der Macht; entschlossen sich dann aber, dem Chef auf den Schreibtisch zu scheißen.

Das war; wenig überraschend, ziemlich kontraproduktiv beim Betteln um weitere Titel und Gunstbeweise.

(….) Prince Henry Charles Albert David, Duke of Sussex und Georg Gänswein, Kurienerzbischof der römisch-katholischen Kirche, weisen erstaunliche Parallelen auf.

Beide reiten auf ihren Titeln rum, die sie unbedingt versilbern wollen.

Beide sind extrem Ruhm-süchtig.

Beide sind sofort beleidigt, wenn man jemand anders im Rampenlicht steht.

Beide sind ein bißchen dämlich.

[….] [Prinz Harry ist] Einer der nervigsten Menschen dieses Planeten. Sein Buch habe ich nicht gelesen, aber ich habe ihn öfter im Fernsehen gesehen, er war ja eine Woche lang nicht zu vermeiden. Es ist grotesk, worüber er sich beschwert. Sein Bruder habe ihn geschlagen, sein Vater sei kalt zu ihm gewesen. Meine Güte, so ist das in Familien. So wie er jammert, könnte man meinen, der Junge wäre in einem syrischen Flüchtlingslager zur Welt gekommen. Allerdings hat sich wohl noch nie ein Flüchtling in diesem Ausmaß beklagt. [….] Es gibt genug wirkliche Opfer in dieser Welt. Vermutlich ist sogar die Mehrheit aller Menschen Opfer schrecklicher Umstände, insbesondere gerade jetzt, wo es so viele fürchterliche, gewalttätige Unruhen und Kriege gibt. Aber Prinz Harry ein Opfer? Nein. Es hat sich übrigens in der Geschichte des amerikanischen Verlagswesens noch nie ein Buch so schnell verkauft. Das bedeutet, dass es auch von Leuten gekauft wird, die nie zuvor ein Buch gekauft haben. Sie werden anschließend auch nie wieder eines kaufen. Für den Verlag ist das Ganze natürlich sehr gut – es ist, nebenbei bemerkt, auch mein Verlag. Man wünscht sich, sie möchten das ganze Geld dazu verwenden, auch Werke von Schriftstellern zu veröffentlichen. [….]

(Fran Lebowitz, 21.04.2023)

Beide sind eher wegen ihrer phänotypischen Erscheinung für die Damen-, bzw Männerwelt interessant.

Beide sollen weit überdurchschnittlich bestückt sein.

Beide können es nicht ertragen, daß ihre Gönner, die jeweiligen ehemaligen Oberhäupter ihres Vereins, den Löffel abgegeben haben.

Beide legten ein wirklich, wirklich schlechtes, wenig selbst geschriebenes Buch vor, mit dem sie reichlich Schmutz auf den jeweils neuen starken Mann warfen.

[…..] Saverio Gaeta und Georg Gänswein: "Nichts als die Wahrheit". Kritik an Benedikt XVI? Alles Polemik, sagt Georg Gänswein. Lassen Sie mich also ganz unpolemisch sagen: Dieses Buch erinnert mich sehr an die vor 21 Jahren unter demselben Titel "Nichts als die Wahrheit" erschienene Autobiografie eines gewissen Dieter Bohlen. Erkenntniswert und Klatschfaktor beider Bücher sind in etwa derselbe, auch die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion ist bei beiden Autoren ähnlich ausgeprägt, und daher muss natürlich auch die literaturkritische Bewertung ihrer Bücher ähnlich ausfallen … Wie sagte schon der aktuelle Papst zu Georg Gänswein: "Erniedrigung tut gut".  [….]  ()

Beide sind so blöd, nicht zu bedenken, daß sie einem absolutistisch organisierten Verein angehören.

Beide vergessen, daß ihre zukünftige Karriere nun ausschließlich von dem neuen Chef abhängt, den beide so kräftig mit ihrem jeweiligen Buch angepisst haben. (….)

(Wenn Geltungssucht mit Doofheit kollidiert, 24.04.2023)

Papas Krönung am 06.05.2023 verlief für Harry auch nicht so toll. Seine geldgierige Frau und die beiden Blagen musste er in L.A. lassen und er selbst bekam nur einen Platz in der dritten Reihe, verborgen hinter dem Hut seiner Tante. Vater und Bruder sagten nicht mal Guten Tag und bevor Charles III. auf dem Buckingham-Palastbalkon erschien, um sich zujubeln zu lassen, saß Harry bereits wieder im Flieger in die USA.

Außerdem musste er in seinem langweiligen Konfirmationsanzug kommen, während sein älterer Bruder ein prächtiges buntes Kleid mit vielen schrillen Broschen trug.

Noch unerfreulicher landete Gänsi auf dem Boden der Tatsachen.

Mit nur 66 Jahren im besten Geistlichen-Alter, hatte er offenbar erwartet, zumindest bald zum Kardinal erhoben zu werden. Als ehemaliger Präfekt zweier Päpstlicher Häuser, war er so nah an der Macht, daß ihm ein weiterer Aufstieg in der Kurie zustände. Dachte er.

Nachdem er aber durch einige Interviews und das genannte Buch Bergoglio zur Weißglut gebracht hatte, spekulierte man schon auf eine deutsche Diözese. Nur welche bloß? Da Gänsi bereits Erzbischof ist, käme nur eine der sieben Erzdiözesen in Frage. Und selbst das wäre ein Abstieg im Vergleich zu einer Kurienpräfektur.

Chef eines einfaches Bistums galt als nicht vorstellbar; das wäre eine zu undiplomatische Ohrfeige des Papstes gewesen. Es kam aber sogar noch schlimmer für Ratzis ultrarechten Freund:

[….]  Der langjährige Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Georg Gänswein, soll nach Informationen der "Welt" in sein Heimatbistum Freiburg zurückkehren - als Privatmann. Papst Franziskus habe den 66-Jährigen angewiesen, Rom bis spätestens 1. Juli zu verlassen, berichtet die Zeitung. [….]  Die Entscheidung dazu sei schon im Mai bei einer Privataudienz am 19. Mai gefallen, berichtet die "Welt" und beruft sich auf mehrere hochrangige Kirchenquellen. Der Entscheidung soll "ein mehrwöchiges Hin und Her" vorausgegangen sein. Gänswein soll verschiedene Aufgaben vorgeschlagen haben. Franziskus dagegen habe an eine Tätigkeit als Theologieprofessor gedacht. Noch am 17. Mai, also zwei Tage vor der mutmaßlichen Entscheidung des Papstes, hatte sich Gänswein bei einer Veranstaltung des Presseclubs Wiesbaden offen über seine Zukunft geäußert. Damals sprach er von einer "Phase des Überlegens", in der sowohl er als auch der Papst Vorschläge machten. [….]

(ZDF, 02.06.2023)

Gänswein wird also nichts; GAR nichts. Eine solche Blamage hatte er sich nicht vorstellen können.

A posteriori wurde erst bekannt, wie giftspuckend Gänsi mit Gottes Stellvertreter auf Erden verfahren war. Er bewies, über keinerlei diplomatische Fähigkeiten oder menschlichen Anstand zu verfügen. Er ging wie Donald Trump nach einer Bundesanklage, in den Rage-Modus und attackierte, verbal wild um sich schlagend, seine Heiligkeit selbst.

Angelo Kardinal Scola (*1941), emeritierter Erzbischof von Mailand, wäre sowieso der bessere Papst gewesen- Ätschibätschi. Und alle anderen Kardinäle finden Dich auch doof, blöder Franzi.

Kann man sich nicht ausdenken, Gänswein als öffentlich lästernde Zicke. Bösartig, wie eine Kombination aus Brigitte Seebacher-Brandt, Maike Kohl und Gloria Thurn und Taxis – allerdings zu seinem großen Bedauern mittellos, da er enterbt wurde.

[….] Father Georg: "Many cardinals today would be in harmony with Angelo Scola as Pope"  Gänswein, Ratzinger's secretary: "I have personal esteem and sympathy for the former cardinal of Milan. But I can't say anything else, in Santa Marta there is great sensitivity"

"I think quite a few cardinals would have comfortably lived with Angelo Scola being Pope". The words seem to flow comfortably in the broad smile that accompanies them. Father Georg Gänswein, personal secretary of Joseph Ratzinger for almost twenty years, does not look for polemical ideas or catchphrases, but does not shy away from and does not get around the questions, except one. Looking back on it now, on a Milanese spring afternoon in 2023, would you personally have appreciated the election as Pope of the then archbishop of Milan, Cardinal Angelo Scola?

"I cannot say that I was a friend of Cardinal Scola, but I am bound by a great personal sympathy and profound esteem for him. But to say certain things today, knowing that there is great sensitivity in Santa Marta...".  […..]

(CathCon, 23.03.2023)


Nun ist Ratzis Toyboy also Privatmann. Selbst schuld.

Samstag, 10. Juni 2023

Faschisten fördern

Als ob es nicht seit Jahren offensichtlich wäre, fragt sich Deutschland gerade, wie es denn bloß angehen könne, daß die AfD ganz ohne Realität-taugliches Programm, ohne jeden Lösungsvorschlag, mit purer Verbreitung von Angst und Hetze zur zweitstärksten Partei Deutschlands werden konnte.

Selbstverständlich öffnen die Sudelpolitiker der Union; Spahn, Merz, Söder, Dobrindt, Amthor; die Fluttore zu den Faschisten, indem sie die AfD-Hetze auf eine immer breitere Basis stellen.

[….] Friedrich Merz hat einmal gesagt, als Vorsitzender der CDU könne er die AfD halbieren. Bislang hat es nicht geklappt. Und es ist fraglich, dass er es noch schaffen kann. "Es gibt einen großen Teil der AfD-Wählerschaft, den die Union nicht erreichen kann", sagt Anna-Sophie Heinze, Politikwissenschaftlerin an der Universität Trier. Auch nicht, wenn es die Union mit verschärfter Rhetorik versucht. Im Gegenteil. In einer Rundmail sprach Merz am vergangenen Wochenende vom "Justemilieu der Regierungsparteien", bei dem "die ganz normalen Bürgerinnen und Bürger" kein Gehör mehr fänden. Der Politikwissenschaftler und Populismus-Experte Marcel Lewandowsky sieht in solchen Äußerungen eine Kulturkampfrhetorik, wie man sie etwa von den Republikanern aus Florida kenne: "Studien zeigen aber, dass man damit eher zur Etablierung und zur Wählbarkeit der Rechtsradikalen beiträgt."  [….]

(Max Ferstl und Tim Frehler, SZ, 10.06.2023)

Auf bundespolitischer Ebene, wie dem gerade vom sächsischen CDU-Hardliner Thomas de Maizière (der als Innenminister dafür plädierte, mehr Kinder im Mittelmeer ersaufen zu lassen, da bei ihrer Rettung das „Abschreckungspotential verloren“ ginge) als Präsident geleiteten Evangelischen Kirchentag, spricht sich Merz gegen eine CDU-AfD-Koalition aus. Aber seine Parteifreunde, insbesondere die Ossis, verstehen das zutreffenderweise als Sonntagsreden, die keine Bedeutung für den politischen Alltag haben. Und so stimmen immer wieder CDU und AfD in Landtagen gemeinsam ab, bringen gemeinsame Kandidaten durch, stellen Typen, wie den antisemitischen Verschwörungstheoretiker Maaßen als CDU-Kandidaten auf.

[…] Hingegen will der Präsident des Thüringer Gemeinde- und Städtebunds, Michael Brychcy (CDU), Gespräche mit der AfD nicht ausschließen. "Nicht alle in dieser Partei sind Faschisten", sagte er am Freitag dem MDR Thüringen. Mit denen, die extremistisch sind, könne man aber nicht reden, sagte er zur Deutschen Presse-Agentur. In der Thüringer CDU hatte es immer wieder Stimmen gegeben, die sich für eine zumindest partielle Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen hatten - auch nach der Landtagswahl 2019, deren Ergebnisse eine äußerst schwierige Regierungsbildung in Erfurt zur Folge hatte.   [….]

(dpa infocom, 10.06.2023)

Selbstverständlich haben große Medienhäuser mit ihren Themensetzungen einen erheblichen Anteil am Erstarken der AfD.

Die Kardinalfehler von 2015/2016 beim Umgang mit Trump – nämlich ihm, in der Hoffnung auf Einschaltquoten, unbegrenzt Sendezeit einzuräumen, in der er seine Hetze und seine Lügen ausbreiten konnte, werden 2023 von CNN wiederholt. Werden auch von den deutschen Talkshows wiederholt, die AfD-Vertreter in einem falschen Verständnis von Ausgewogenheit hetzten lassen.

Wenn ein Politiker behauptet, die Erde sei flach und ein anderer, die Erde als Kugel ansieht, ist es nicht Aufgabe eine Talkshowredaktion, beiden gleich viel Sendezeit zuzuteilen, damit der Zuschauer beide Seiten ausgewogen dargestellt bekommt.

[….] Wen ich gerne mal in einer Deutschen Talkshow sehen würde:

Ein Däne der zeigt wie Ölheizung-Aus seit 2013 geht

Ein Norweger der zeigt wie 80% E-Autos gehen

Ein Niederländer der zeigt wie Tempo 100 geht

Wen ich stattdessen sehe:

Philip Amthor, Christian Dürr. Robin Alexander, Jens Spahn […..] Und natürlich eine weitere Person aus den Niederlanden, die zeigt, wie eine Verkehrspolitik für Menschen und nicht für Autos geht:)  [….]  Oder einen Luxemburger, der zeigt wie gratis ÖPNV geht. Oder einer aus Estland, der zeigt wie Digitalisierung geht. Es gibt so viele positive Beispiele aus dem Ausland. Darauf sollten wir uns viel mehr konzentrieren, anstatt in Talkshows immer nur zerreden, was nicht geht. [….]

(Politikwissenschaftler Ingwar Perowanowitsch, 07.06.2023)

Wie man mit der Übernahme von AfD-Themen die eigene Partei marginalisiert und dafür die Braunen doppelt so stark macht, zeigt im plumpen Merz-Stil auch Sahra Wagenknecht, die seit Jahren durch die Talkshows zieht, um für Putin Propaganda zu betreiben, gegen die Corona-Impfungen, LGBTIQ-Gleichberechtigung, erneuerbare Energien und Ausländer zu wettern. Die Wahlergebnisse der letzten beiden Jahre sind mehr als eine Katastrophe: Die 5%-Hürde scheint bis auf die Stadtstaaten-Sonderfälle, außer Reichweite.

(….) Für so ein Gedankengut des Schwurbel-Schwachsinns gibt es außerhalb der AfD und eines kleinen Kreises um Sahra Sarrazin selbstverständlich keine Zustimmung.

Nachdem die Linke nach der Bundestagswahl (4,9%), weitere viermal bei Landtagswahlen für ihre elende Schwurbelei und Unfähigkeit, sich von der Querfront zu trennen, schwer abgestraft wurde – 27.03. im Saarland 2,6%, 08.05. Schleswig-Holstein 1,7%, 15.05. NRW 2,1%, 09.10. Niedersachsen 2,7% - und bundesweit klar unter 5% entlangkrebst, demonstriert sie weiterhin ihre völlige Politikunfähigkeit. Geradezu erbärmlich, wie sich die einst so stolze Partei von ihrer völkischen AfD-Freundin Sahra Sarrazin und dem doppelten Partei-Zerstörer Lafontaine zerhacken lässt.

Aber auch die Reaktion innerhalb der Linken ist deutlich. Prominente Mitglieder treten demonstrativ aus, mehrere Landesverbände befinden sich in Auflösung. Eine Irre wie Sahra Sarrazin wäre als Parteimitglied auszuhalten, wenn sie denn parteiintern isoliert würde.

Aber sowohl Partei-, als auch Bundestagsfraktionsführung geben dem Nazi-Fangirl Rückendeckung. Mohamed Ali, Bartsch, Wissler und Schirdewan wissen es und lassen die Wagenknechte gewähren. Die Linke ist unrettbar verloren. Wer nicht hören will, muss fühlen. Der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker David Berger ging bereits dazu über, Sahra Wagenknechts Youtube-Reden ungekürzt direkt in seiner völkischen Covidiotenseite PP einzubetten.  (…)

(Völkisch-Fascholinks, 16.10.2022)

Mindestens fünf Jahre zu spät, vermutlich zu spät, um das Ruder noch herumzureißen, will sich die auf Größe der „sonstigen Parteien“ geschrumpfte Linke, während die Wagenknecht-bejubelnde AfD an der 20%-Marke kratzt, nun von Sahra Sarrazin trennen.

[….] Im Parteivorstand der Linken ist klar: Dies ist ein guter Tag. Endlich ist entschieden: "Die Zukunft der Linken ist eine Zukunft ohne Sahra Wagenknecht", sagt der Parteivorsitzende Martin Schirdewan in der gleißenden Sonne vor dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin.

Und damit könnte ein jahrelanges kräftezehrendes Hin und Her zu Ende gehen. Sarah Wagenknecht und die Linkspartei, die unendliche Geschichte - scheinbar letztes Kapitel. Nicht nur die Parteivorsitzende Janine Wissler hat genug von den Eskapaden der Wagenknecht.

"Ich will betonen, dass wir in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Gespräche mit ihr geführt haben, gerade seit es um die Gründung einer Konkurrenzpartei geht", sagt Wissler. "Zuletzt vor zwei Wochen, wo wir als Parteivorstand sehr deutlich gemacht haben, dass sie öffentlich und zeitnah Abstand nimmt von dem Plan der Gründung einer konkurrierenden Partei."

Zeitnah hieß: Bis zum Wochenende sollte Wagenknecht sich für oder gegen die Linke entscheiden. Und sie hat reagiert - auf ihre Art. Beim Fernsehsender "Welt" redet sie am Freitag lange um den heißen Brei herum, die Moderatorin fragt immer wieder nach, aber am Ende bleibt es bei einem dünnen Satz: "Ich habe ja schon gesagt: Bis Ende des Jahres muss das entschieden sein, zumindest, was meine Rolle angeht."

"Bis Ende des Jahres" - zu diesem Zeitrahmen wird Janine Wissler einen Tag später sehr deutlich: "Wir sind der Meinung, dass das ein Damoklesschwert ist, das über der Partei hängt, was wir nicht hinnehmen werden, dass bis Ende des Jahres unsere Mitglieder und Wähler dermaßen verunsichert werden." Die Entscheidung des Parteivorstandes ist einstimmig gefallen - und die Erleichterung darüber ist allen anzusehen. Zum ersten Mal wird die Partei so deutlich, nicht nur im Beschlusspapier, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Auch Janine Wissler formuliert nicht mehr drum herum: "Aus unserer Sicht ist klar: Sahra hat sich entschieden. Sie hat entschieden, sie wird nicht mehr antreten für die Partei, sie hat entschieden, ein Konkurrenzprojekt zumindest zu prüfen und das auch kundzutun. Und deswegen ist für uns klar: Wir planen die Zukunft der Partei ohne sie." [….]

(Tagesschau, 10.06.2023)

Ich hoffe aus drei Gründen auf eine baldige Gründung der „Wagenknecht-Partei:“

Erstens wird die Linke dadurch (womöglich) wieder wählbar und wir brauchen sie dringend, um mit dem RGR-Modell eine rechnerische Alternative zur nicht regierungsfähigen FDP zu haben.

Zweitens streiten Wagenknecht und Weidel um dieselben Wähler. Die beiden Rechtsaußen-Parteien könnten sich gegenseitig kannibalisieren und schaden.

Drittens zeigte das „Projekt Aufstehen“ eindrucksvoll, wie unfähig Wagenknecht als Organisatorin ist; insbesondere da sie auf persönlicher Ebene so abstoßend und arrogant zu sein scheint, daß niemand mit ihr zusammenarbeiten kann. Daher könnte sie einen großen Scherbenhaufen bei den Schwurblern anrichten und womöglich einige (wenige) zu den demokratischen Parteien zurücktreiben.

Freitag, 9. Juni 2023

Dark-MAGA hyperventiliert

Das hat ja nicht so gut geklappt, als Mike Pence, der nun für den „Hang Mike Pence“-Mob als Präsidentschaftskandidat kandidiert, im CNN-Interview mit Dana Bash als Law-And-Order-Mann auftrat, erklärte, das Gesetz müsse für jeden gelten. Gleichzeitig scheißt sich der homophobe ultrakonservative Christ aber beim Gedanken an Trump so kräftig in die Hosen, daß er betonte, die ausnahmslos für jeden maßgeblichen Gesetze dürften aber nicht gegen Trump eingesetzt werden. Equal justice ja, aber niemals für den orangen Messias. „Noone is above the law“ spricht Pence voller Pathos – aber wegen der “unique circumstances” sei Trump eben “above the law.” So geht Logik.

“Am I living in the twilight zone here?”

(Brian Tyler Cohen, 08.06.2023)

 Und nun das: Trump wird schon wieder angeklagt und das nur, weil er sieben Schwerverbrechen beging!

[…..] Diesmal geht es um den Vorwurf des siebenfachen Bruchs von Bundesgesetzen, weil Trump Geheimakten aus dem Weißen Haus mitgehen ließ und das vertuscht haben soll. Das ist deutlich schwerwiegender als die Vorwürfe neulich im New Yorker Verfahren wegen des Schweigegelds an eine Nacktdarstellerin.  [….]

(Fabian Fellmann, 09.06.2023)

 Unerhört. Die orangen Jünger drehen frei.

Das ist nun also die neueste Ausgeburt der MAGA-Hirne: Macht nichts, wenn Trump ein Schwerverbrecher ist, macht nichts, wenn er angeklagt wird, macht nichts, wenn er ins Gefängnis kommt: Denn er kann auch im Knast zum US-Präsidenten gewählt werden und würde sich dann unmittelbar nach der Vereidigung, als erste Amtshandlung selbst begnadigen.

Nur eins ist ausgeschlossen: Daß er die Wahl verlieren könnte.

Niemand kann sich mehr über die fanatischen Trumpisten Illusionen machen. Dieser Moron-Cult hält unerschütterlich zu seinem debil-kriminellen Messias, wird ihn immer wählen. Die Anklagen gegen ihn, sind für IQ45 sogar außerordentlich lukrativ, weil 50 Millionen irre Gläubige dann noch mehr Geld spenden.

Trump selbst reagiert trotz der guten Entwicklung – durch die Anklagen werden seine Werte innerhalb des GOP-Kandidatenfeldes noch besser und er wird noch reicher – dünnhäutig. Die Vorstellung, in einem Bundesgefängnis landen zu können, behagt ihm offenbar gar nicht. Online eskaliert er im Versalien-Modus vor sich hin.







Rachel Maddows rückt den Vorgang in die richtige Perspektive. Solche Dinge geschehen. Menschen machen Fehler. Die Justiz kann ein Auge zudrücken. Menschen begehen schwere Verbrechen. Die Justiz klagt sie an, verurteilt sie. All das ist völlig normal. Nicht normal, ist hingegen, daß sich eine gesamte Partei hinter so einen Verbrecher stellt, ihn erneut zu ihrem Präsidentschaftskandidaten macht und daß die Amerikaner so einen zum US-Präsidenten wählen.

Donnerstag, 8. Juni 2023

Mainz, wie es singt und lacht

Bei den Mainzer Katholiken war es etwas ruhig geworden, nachdem Deutschlands beliebtester Kardinal, der große ABBA-Fan Kalle Lehmann, am 11.03.2018 den bischöflichen Löffel abgegeben hatte.

Die Pfälzer Närrin Nahles trauerte gar fürchterlich um ihren geliebten Kinderfi**erfreund.

Der 1936 in Sigmaringen geborene Pädosex-Förderer war endlose 33 Jahre (1983-2016) Mainzer Bischof, davon 21 Jahre Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz (1987-2008). Wojtyła konnte den jovialen Deutschen allerdings partout nicht leiden, weswegen er ihm 14 Jahre die traditionell damit verbundene Kardinalswürde verweigerte. Bis 2001 musste Lehmann als einfacher Bischof ausharren, um in Rom bei seinen erzkonservativen Gegenspielern, wie zB Präfekt Ratzinger, im für jeden deutlich sichtbar rangniederen Kleid aufzutreten.

Das deutsche Episkopat gehört mit dem Italienischen und dem US-Amerikanischen zu den drei Reichsten der Welt. Zudem steht Deutschlands katholische Kirche als Ausgangspunkt der Reformation üblicherweise in der besonderen Gunst des Vatikans. Schließlich soll den renitenten Germanen stets vor Augen geführt werden, wieso die Papstkirche prächtiger und schöner ist, als die Lutheraner, die laut Ratzinger noch nicht einmal als Kirche firmieren dürfen – Extra Ecclesiam Nulla Salus.

Der oberste Chef der deutschen Katholiken, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, erscheint regelmäßig zum Rapport in Rom. Da war es ein klares Zeichen eiskalter Demütigung, daß Lehmann 14 Jahre immer in seinem einfach schwarzen Abendkleid antanzen musste, während seine Gesprächspartner in prächtigen Purpur-Roben so aufgebrezelt waren, daß Olivia Jones daneben schlicht wirkt.


Wieso sich Ratzi und Jay Pee Two an Lehmann störten, ist a posteriori; alle drei Kurial-Geronten sind zur Zeit tot; insofern schwer nachzuvollziehen, da Lehmann genau wie die beiden Päpste stets alles unternahm, um Kindersexopfer zu demütigen und die Taten seiner Sexual-Sadisten in Soutane vertuschte.

(….) Im Jahr 2023, also 28 Jahre nach Groer, 21 Jahre nach Law, 13 Jahre nach Canisius und 5 Jahre nach Lehmanns Tod, ergibt eine weitere Studie für die Öffentlichkeit völlig Überraschendes: Karl Kardinal Lehmann war moralisch genauso verkommen. Wer hätte das bloß ahnen können?

[…] Doch posthum fällt nun ein Schatten auf das Lebenswerk des Kardinals, der im Jahr 2018 im Alter von 81 Jahren in Mainz gestorben war: Beim Umgang mit Missbrauchsfällen in seinem Bistum sei Lehmann "seinem eigenen Anspruch zu keiner Zeit gerecht geworden" - so lautet das harte Urteil des Regensburger Rechtsanwalts Ulrich Weber, der am Freitag im Auftrag des Bistums Mainz eine Untersuchung vorgelegt hat.  Weber […] unterteilte die Bischofszeit Lehmanns in drei Phasen: Von "Abwehren und Vortäuschen" in den Anfangsjahren über "Herausreden und Verteidigen" von 2002 bis 2009 bis zum "Eingestehen und Bewältigen" nach 2010. […]  Insgesamt kamen Weber und sein Co-Autor Johannes Baumeister am Ende auf 401 Betroffene und 181 Beschuldigte. Während sie dem amtierenden Mainzer Bischof Peter Kohlgraf echten Aufarbeitungswillen attestieren, fällt ihr Urteil über die Bischöfe Albert Stohr (1935 bis 1961) und Hermann Volk (1962 bis 1982) ähnlich verheerend aus. […]  Die Studie für Mainz, aber auch die Mitte Februar für das Bistum Essen vorgestellte Untersuchung des Münchner IPP-Instituts, weiten außerdem den Blick auf die Rolle der Gemeinden: Pfarrgemeinden, so sagt es Ulrich Weber, hätten mit einer Solidarisierung mit Beschuldigten und der Diskreditierung von Opfern eine Aufklärung erschwert und weitere Vorfälle ermöglicht. […]

(Annette Zoch, 04.03.2023)

Natürlich, ich verstehe; gläubige Katholiklen verdrängen das Thema, wollen nicht gern daran erinnert werden, daß sie ein Kinderfic*ersystem unterstützen und finanzieren. Sie lesen nicht jeden Bericht und wollen mit den missbrauchten und gefolterten Kindern nicht konfrontiert werden, weil es unangenehme moralische Fragen aufwirft, die nur zu einem Ergebnis führen können: SOFORT AUS DER KIRCHE AUSTRETEN. (…)

(Was einen Atheisten so richtig aufregt, 04.03.2023)

Der grausame Kindermissbrauchs-Förderer Lehmann war eindeutig einer der ihren. Da hätte Karol Józef Wojtyła ihm auch wirklich früher ein bunteres schickeres Drag-Kleid gönnen können.



A propos Drag-Kleid; der Urinduscher regt sich heute ganz fürchterlich auf, weil am 09.06.2023 im Rahmen des „Hessentages“ eine zum Bistum Mainz gehörende Kirche, einen seiner Ansicht nach abscheulichen Frevel anbietet: Männer im Kleid! Schock, schwere Not!

[…..]  Rund um und in der Kirche St. Antonius erwartet Euch am Tag "Queer in Church"  ein informatives, kreatives und vielfältiges Programm für Groß und Klein. Gemeinsam mit den queeren Netzwerken der Region werden die beiden Queer–Beauftragten des Bistums Mainz den Tag gestalten. Am Nachmittag wird uns die Performance–Künstlerin Corinna Ramona Ratzel  in die Welt der großen Träume mit  Mega-Seifenblasen entführen. Regenbogenfarbene Windräder werden gebastelt und Gesichter farbenfroh geschminkt, dazu weitere Überraschungen. Wir wünschen uns persönliche Begegnungen, informative Gespräche und einen lebendigen Austausch. Schaut einfach mal vorbei! […..]

(Katholische Kirche St. Antonius, Pfungstadt)

Deutschlands Chef-Homohasserin Hedwig Beverfoerde, 60, bis 2016 in der CDU, dann Verpartnerung mit Trixi Storch, ist so empört, daß ihr der Bußgürtel platzt.

[….]  Manchen ist im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr heilig: Am Freitag, den 9. Juni, treten in der Kirche St. Antonius in Pfungstadt im Rahmen des Hessentags zwei „Drag Queens“ auf. Ausgerechnet ein Altarraum soll als Bühne für die Show zweier Männer in freizügigen und pseudo-weiblichen Kostümen mißbraucht werden.  Die Verantwortlichen in der katholischen Pfarrei scheint es auch nicht zu stören, daß einer der beiden „Drag Queen“-Männer sich in einem Video über die kirchliche Sexualmoral lustig macht und scheinbar auch Abtreibung befürwortet.

Und das ist nicht alles: Das gesamte Freitagsprogramm in der Pfarrei steht unter dem Motto „Queer in Church“ und wird von den beiden „Queer-Beauftragten“ des Bistums Mainz (!) organisiert, die dazu auch die regionalen LSBT-Gruppen eingeladen haben.

[….] Die LSBT-Propaganda durchdringt unsere Gesellschaft offenbar so tief, daß sie selbst vor der Kirche nicht Halt macht. Aber wie gelingt das den Meinungsmachern und Sprachrohren der LSBT-Lobby? Welche Methoden wenden sie an? Und wie können wir diese Entwicklung umkehren? [….] 

(Hedwig Freifrau von Beverfoerde, 03.06.2023)

Die wackeren Kämpfer wider die Verweiblichung des katholischen Mannes dürften allerdings noch viel Arbeit vor sich haben, bis der letzte Geistliche aus seinem bunten Kleid steigt.

Mittwoch, 7. Juni 2023

Die Kapitulation des Porsche-Boy

Es ist der Signature-Move des Christian Lindner: Feige weglaufen, wenn es brenzlig wird. Der breiten Öffentlichkeit wurde dieses Verhaltensmuster erst im November 2017 klar, als Lindner vor der Verantwortung in einer Merkel-Jamaika-Koalition weglief. Dabei hätte man es längst erkennen müssen.

(….) Linders Flucht vor der Verantwortung wächst sich zu seinem Hauptcharaktermerkmal aus. Schon im Jahr 2000 nach seiner Moomax-Pleite lief Lindner weg und stand nicht für sein finanzielles Desaster gerade.

 

 [….] Unter dem Motto „Leistung muss sich wieder lohnen“ hatte der blutjunge Lindner nach seinem Landtagseinzug 2000 mit seinem Bekannten Hartmut Knüppel am 29.Mai 2000 die Internet-Firma „Moomax“ gegründet

Das Internet boomte und der schlaue Lindner wollte ein großes Stück vom Kuchen.  Er brachte 30.000 Euro Eigenkapital auf  und holte sich weitere 1,2 Millionen Euro von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Erfolg war rekordverdächtig. 

In nur 18 Monaten hatte Lindi das gesamte Kapital verbrannt.

 

[….] Das ganz dolle Team "von Informatikern, Drehbuchautoren, Psychologen, Linguisten, Journalisten und Betriebswirten" wird sich jetzt wohl was anderes suchen müssen, weil der Markt für Avatare, offen gesagt, ziemlich tot ist. [….]

(boocompany.com14.12.2001)

 

Knüppel und Lindner wurden gefeuert. Der Staat blieb auf den 1,2 Millionen Linder-Miesen sitzen, für seine Eselei blecht nun der Steuerzahler und Lindner machte Karriere in der Marktwirtschaftspartei FDP. 

[….] Lindner gründete noch die zunächst als knüppel lindner communications gmbh firmierende Unternehmensberatung Königsmacher GmbH, die er auch sofort in den Sand setzte. [….] Was Parteichef Andreas Pinkwart als "Achterbahnfahrt der New Economy" beschrieb, ist für Lindner peinlich. Seine Internet-Firma Moomax GmbH ging nach 17 Monaten mit dem Neuen Markt unter. Dabei verflüchtigten sich weit über eine Million Euro öffentlicher Fördergelder. Andere Lindner-Firmen, wie die Unternehmensberatung "die Königsmacher GmbH", kamen erst gar nicht gut genug in Gang, um so viel Geld verbrennen zu können.

(SPIEGEL13.12.2004)

 

Immerhin brachte es der Porsche-fahrende Zivildienstleistende durch seine politischen Verbindungen bis zum Luftwaffen-Hauptmann der Reserve! 

[….] Die Beförderung zum Hauptmann erfolgte im September 2011 durch den Verteidigungsminister de Maiziere persönlich.

Freunde muß man haben.
Politisch war Lindner bekanntlich ähnlich erfolgreich! Unter seiner inhaltlichen Führung als FDP-Generalsekretär surrte die FDP von 15% auf 4% zurück. [….]

(Des Wahnsinns fette Beute, 08.04.2012)

 

2011, als die schwarzgelbe Bundesregierung strauchelte, die er 2009 mitorganisiert hatte, lief er weg, warf sein Generalsekretärsamt hin.

 

Als die FDP bei der Nordrheinwestfälischen Landtagswahl am 14.05.2017 in Lindners Heimatbundesland sagenhafte 12,6% errang und sich zur allgemeinen Überraschung eine komplette Ablösung von RotGrün ergab, lief Lindner wieder weg, wollte als Landtagsfraktionsvorsitzender keinesfalls ein Ministeramt übernehmen oder der Regierung angehören.

 

Landtagswahl in Niedersachsen am 15.10.17, die SPD schneidet überraschend gut ab, aber ganz knapp reicht es nicht für Rotgrün. Um die verhasste Groko zu vermeiden, möchte die amtierende rotgrüne Minderheitsregierung eine Ampel mit der FDP bilden. Lindners Jungs laufen wieder weg, entziehen sich der Verantwortung, wollen um keinen Preis in eine Regierung eintreten.

 

Und nun, am 19.11.17 kurz vor Mitternacht, man hatte sich fast mit Union und Grünen geeignet, steht Lindner wortlos auf und läuft weg.

Der Hepatitisgelben mutieren von der Partei der Besserverdienenden über den Status der Null-Themenpartei zur Eskapismuspartei.

 

 Lindner geht es um - Lindner

FDP-Chef Christian Lindner hat sich aus der Verantwortung gestohlen und leichtfertig mit Grundsätzen deutscher Politik gebrochen. […..]

 (Antje Sirleschtov, Tagesspiegel, 20.11.17)

 

Lindner, der sich mehr und mehr als Gauland 2.0 präsentierte, tat alles, um die Jamaika-Sondierungen zu torpedieren.

CSU und FDP frönten ihrer Destruktivität im Glauben den Grünen anschließend den Schwarzen Peter zuschieben zu können. (….)

(FDP, die Eskapisten 20.11.2017)

Ob es so sinnvoll ist, reiche, weiße, deutsche, heterosexuelle Cis-Männer, wie Lindner, in der Kategorie Mut/Feigheit zu beschreiben, ist eine andere Frage. „Mut“ spreche ich eher einer afghanischen Frauenrechtlerin, einem schwulen Jungen, der sich vor seiner MAGA-Familie in Alabama outet, oder einem ein Sudanesischen Kind zu, das jeden Tag stundenlang zu Fuß zur Schule geht, zu.

Vielleicht ist es sogar mutig, zu seiner Feigheit zu stehen. Denn Lindners Scheu vor der Verantwortung ist schließlich wohlbegründet:

1.

Er verfügt über nicht die geringste Regierungserfahrung. Weder auf kommunaler, noch auf Landes- oder gar Bundesebene.

2.

Seine beruflichen Erfahrungen in der Privatwirtschaft waren ausschließlich Total-Desaster.

3.

Als Parteipolitiker machte er es sich immer so leicht und angenehm, wie möglich, indem er ausschließlich die Reichsten und Mächtigsten – Springer, Porsche, Banken – vertrat.

Lindner war also weniger feige oder mutig, immer wegzurennen, wenn Verantwortung drohte, sondern einfach realistisch. Er schätze seine eigenen Fähigkeiten, seine Partei und das FDP-Personal – Wissing – Kubicki – Stark-Watzinger – Dürr – Buschmann – korrekt ein; nämlich als intellektuell und moralisch nicht regierungsfähige Populisten, die als Minister großen Schaden anrichten.

Blöderweise kam 2021 allerhand zusammen: Merkels Rückzug, der dramatisch abschmierende Armin Laschet, eine starke AfD, eine debakulierende Linke und die von 2017 nachhängende Jamaika-Schande.  Es gab schlicht und ergreifend keine realistische Koalitionsmöglichkeit jenseits der FDP mehr.

Lindner musste nun über das Verantwortungsstöckchen springen. Sicher, ihm gefallen die Statussymbole, die Macht, die Möglichkeit einer maximal beachteten Luxus-Regierungshochzeit auf Sylt.

Leider lässt sich aber die konkrete Regierungsarbeit nicht völlig vermeiden.

Derartig ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt, kam es so, wie es kommen musste: Totales Amtsversagen aller FDP-Minister, Absturz in den bundesweiten Umfragen und kräftige Wähler-Tritte in die gelben Ärsche bei allen Landtagswahlen.

Glück im Unglück für Lindner: Die globalen Megakrisen Pandemie, Krieg, Migration kaschieren die handwerklichen Stümpereien, bzw völlige Untätigkeit (Verkehr/Digitales, Bildung, Justiz) der gelben Minister.

Als Finanzminister verantwortet er allerdings nicht bloß ein Ministerium unter vielen, sondern legt den Rahmen für alle Kollegen fest. Ohne ordnungsgemäße Arbeit des Finanzministers können auch die roten und grünen Kabinettsmitglieder nicht handeln. In einer Dreier-Koalition erfordert das viel Koordination und Fachwissen des Amtsinhabers. Da Lindner damit nicht dienen kann, schreibt er lieber Mahnbriefe an die Kollegen, die er gleichzeitig via Ehefrau Franca an SPRINGER durchsteckt, um die BILD-Hetzpropaganda anzuwerfen.

Das sind zwar effektive gelbe Nebelkerzen; sie lösen aber kein Problem, sondern legen letztlich die Regierungsarbeit lahm. Arbeit, die jetzt völlig zum Erliegen kommt, weil Lindner es einfach nicht kann.

Der Gelbenchef kapitulierte. Sein Vorgänger als Finanzminister muss übernehmen.

[…..] Christian Lindner hatte sich stets bemüht, am Ende aber blieb ihm nichts anderes übrig, als beim Kanzler um Hilfe nachzusuchen: Weil sich der Kassenwart mit den 

Kabinettskollegen in monatelangen Verhandlungen nicht auf einen Haushaltsentwurf für das Jahr 2024 einigen konnte, hat nun also Olaf Scholz die sogenannten "Chefgespräche" mit den Fachressorts übernommen. Das bedeutet konkret: Wer mit dem Ausgabendeckel, den der Bundesfinanzminister vergangene Woche jedem einzelnen Haus verordnet hatte, unzufrieden ist, muss nach Angaben aus Regierungskreisen jetzt bei einem Dreiertreffen mit Scholz (SPD) und Lindner (FDP) versuchen, mehr für sich herauszuschlagen. Auch Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) hat dem Verfahren zugestimmt. […..] Dass sich der Bundeskanzler auf diese Weise in die Haushaltsgespräche einschalten muss, ist ein absolut ungewöhnlicher Vorgang. Er macht nicht nur deutlich, dass Lindner mit seiner Verhandlungsstrategie Schiffbruch erlitten hat. […..]

Die Etatverhandlungen dieses Jahres hatten von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Im März musste Lindner die sonst übliche Vorstellung von Haushaltseckwerten absagen, weil die Ministerinnen und Minister zu keinem gemeinsamen Vorgehen in der Lage waren. Im Gegenteil: Die Ausgabenwünsche der Ressorts lagen zeitweise um rund 70 Milliarden Euro über den vorherigen Planungen; gleichzeitig fehlten wegen der schlechteren Wirtschaftslage und Lindners Steuersenkungen des Jahres 2023 Einnahmen in Milliardenhöhe. […..] Dennoch kamen die Gespräche weiter kaum voran. Lindner versandte deshalb in der vergangenen Woche Briefe an jedes Ministerium, in dem er den Kolleginnen und Kollegen mitteilt, wie hoch ihre Ausgaben im kommenden Jahr höchstens sein dürfen. Alles Weitere liegt nun beim Kanzler. [….]

(Claus Hulverscheidt, 07.06.2023)

Dienstag, 6. Juni 2023

Evangelisch auserzählt.

Wäre man ein Freund der evangelischen Kirche, könnte man froh sein, mit der gegenwärtigen Chefin, jemanden an der Spitze zu haben, die über einen nicht ganz so niedrigen IQ, wie ihre Vorgänger Heinrich Bedford-Strohm, oder gar Margot Käßmann, verfügt.

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschuss wirkt zudem persönlich nicht so abstoßend, wie die BILD-Kolumnistin Käßmann, da sie nicht so eitel ist und weniger mit ihrem persönlichen Klimbim in die Yellow-Press drängt.

Präses Kurschus, 60, geboren in Fulda, Tochter eines Pfarrers, ist seit November 2021 EKD-Chefin. Sie vermied bisher jedes Fettnäpfchen und lädt nicht durch viel zu kurz gedachte öffentliche Äußerungen dazu ein, kollektiv ausgelacht zu werden. Immerhin.

Hätte ich Interesse am Wohlergehen der Kirche, würde ich eine Person mit solchen Eigenschaften an der Spitze empfehlen. Tatsächlich geht es auch unter Kurschus-Führung rapide bergab. In dem mittlerweile von 84 Millionen Menschen bevölkerten Deutschland, gehören weniger als 20 Millionen der evangelischen Kirche an.

[….] Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat heute ihre Mitgliederzahlen für das Jahr 2021 veröffentlicht. Nach den aktuellen Berechnungen auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen aus den Gliedkirchen der EKD gehörten zum Stichtag 31.12.2021 insgesamt 19.725.000 Menschen einer der 20 Gliedkirchen der EKD an. Das sind rund 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr.  [….]

(EKD PM, 09.03.2022)

Die Gläubigen laufen in Scharen davon, obwohl Kurschus sie nicht aktiv vertreibt, wie es Käßmann oder Woelki so wunderbar verstehen.

Die Ursachen dafür werden deutlich, wenn man einen anderen Aspekt der Peron Kurschus betrachtet.

Die arme Frau ist, wenig überraschend, eine Vollblutreligiotin. Sie ist nicht nur Theologin mit lila Genen, Pfarrerin und Präses, sondern auch Herausgeberin des evangelischen Trottel-Magazins chrismon und der evangelischen Monatszeitschrift zeitzeichen. Zudem fungiert sie als Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Presseverbandes, des Aufsichtsrats der Deutschen Bibelgesellschaft und spricht Beiträge zur Morgenandacht im WDR-Radio.

Den morgen beginnenden evangelischen Kirchentag in Nürnberg, ihr wichtigstes Event des Jahres, kann sie überraschend nicht besuchen, weil der liebe Gott ihr heute eine Covid19-Erkrankung verpasste. Ausgerechnet die Chefin kommt nicht; Gott hat vielleicht doch Humor.

Kurschus gab aber „im Vorfeld“ jede Menge Interviews, in denen sie zwei Dinge klarstellte: Erstens bietet die christliche Ideologie keinerlei Mehrwert im Jahr 2023. Zweitens bemerken die Theologen aber genau das nicht, weil ihre Inselverarmung an dieser Stelle nicht erkennen kann, wie albern, altmodisch und lächerlich ihr Kirchensprech klingt.

Ein Running-Gag erster Klasse ist ihre Erläuterung zum Kirchentagsmotto „Jetzt ist die Zeit“. Kirchisten müssen sich ständig Motti für irgendwelcher Events ausdenken. Dafür bedienen sie sich immer in der Bibel und bevorzugen krude-rudimentäre Verse, die zuverlässig jedes Mal vom Publikum als völlig aus altmodische Sinnlosigkeiten empfunden werden. In einem religiotisch dadaistischen Zirkelschluss, erklären anschließend die Kirchenoberen völlig entrückt; gerade das Alte sei so modern und passe daher so gut in die Gegenwart.

[….] Warum das größte christliche Laientreffen Deutschlands diesmal mit dem Leitsatz "Jetzt ist die Zeit" überschrieben ist, erklärt Annette Kurschus, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

SZ: Frau Präses Kurschus, das Motto basiert auf einem Vers aus dem Markusevangelium: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahegekommen, tut Buße und glaubt an das Evangelium". Ruft die evangelische Kirche jetzt die Apokalypse aus?

Annette Kurschus: Nein, überhaupt nicht. Dieses Wort ist ein Werben für das Jetzt. Jesus sagt ja: Wartet nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag und klebt auch nicht an der Vergangenheit, sondern jetzt habt ihr die Chance, umzukehren und es anders zu machen. Für einen Kirchentag in diesen Zeiten könnte es kaum ein besseres Motto geben. Wir durchleben gerade eine Krise nach der anderen. In diese Stimmung hinein kommt der Kirchentag mit seinem Motto: Jetzt ist die Zeit, mutige Aufbrüche zu wagen. Auch und gerade in der Kirche.  [….]

(Kurschus-Interview SZ, 06.06.2023)

Herrliche Realsatire. Die SZ legt den Finger in die Wunde, daß die Kirche seit 2.000 Jahren von der Wiederkehr Jesu spricht, dieser aber ganz offensichtlich eins nicht tut – nämlich noch mal auf der Erde zu erscheinen. Statt zuzugeben, daß nach 2.000 Jahren die Glaubwürdigkeit von „Jesus kommt jetzt“ bei Null angekommen ist, antwortet sie mit einem Theologiotischen Schwall-Satz: „Ein Werben für das jetzt!“ Mehr Pathos geht kaum und offenbar erfreut sich Kurschus so sehr an ihrem vermeidlichen linguistischen Geniestreich, daß sie gar nicht bemerkt, wie vollkommen sinnfrei der Satz ist.

Theologensprech kann die EKD-Chefin offenbar wie am Fließband produzieren. Typisch realitätsentrückte Protestantenkirchen-Fürstin: Gaga-Sätze das Fenster zum Himmel offen halten mit soviel hanebüchenen Annahmen verquicken, daß die Interviewer gar nicht nachkommen, ihre Prämissen in Frage zu stellen.

[….] SZ: Und was erwarten Menschen von der Kirche?

Annette Kurschus: Wir sollen das Fenster zum Himmel offen halten. Die Menschen brauchen Transzendenz, also eine Dimension, die über unsere Erfahrung hinausgeht. Das ist ein tiefes Bedürfnis in einer Zeit, in der wir alle merken, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind und an wie vielen Stellen wir nicht mehr wissen, wie es weitergeht. In der Gewissheit zu leben und sie zu vermitteln, da gibt es noch etwas über unsere eigenen Denkhorizonte hinaus, das ist eine große Stärke der Kirche. Wir sind uns nicht selbst genug, unser Leben und die Welt liegen in Gottes Hand.  [….]

(Kurschus-Interview SZ, 06.06.2023)

Nein, „die“ Menschen brauchen keine Transzendenz, nein, das ist kein tiefes Bedürfnis „der Zeit.“

Die arme Frau glaubt aber offenbar tatsächlich, damit einen Nerv getroffen zu haben, „die Menschen“ abzuholen, indem sie deren innerste Bedürfnisse nicht nur erkennt, sondern gleich auch feststellt, es sei die große Stärke der Kirche, diese Wünsche zu erfüllen.

Ich schätze, die bombardierten Menschen in Bachmut, Cherson, im Jemen oder Syrien, die im Mittelmeer ersaufenden Kinder, haben eins nicht: Ein tiefes Bedürfnis nach Transzendenz. Und ich auch nicht.