Donnerstag, 13. August 2020

Der Covidiot des Tages – Teil I


Klar, als der Pandemie-Schlamassel Anfang des Jahres losging, wußte man noch nicht genau wie die Übertragungswege des Sars-CoV-II sind, wie leicht man sich ansteckt, wie Ansteckungen vermieden werden und welche Gegenmaßnahmen sinnvoll sind. Es wurde viel probiert und geforscht, es wurde geirrt und geprüft.

Über den Verlauf einer Covid19-Infektion ist immer noch vieles rätselhaft. Werden die Leute, die krank waren immun? Und bleiben sie immun? Wieso trifft es einige so viel schlimmer als andere?
Welche Medikamente wirken und wann könnte ein Impfstoff allgemein verfügbar sein?

Aber wir, bzw die Wissenschaftler sind im August viel schlauer als vor einem halben Jahr.
Für die politische Seite ist völlig klar: Lockdown, soziale Distanzierungen, Hygienemaßnahmen und Masken helfen dabei die Verbreitung deutlich zu verlangsamen. „Flatten the curve“ funktioniert, wenn sich die Masse der Bevölkerung strikt an die Maßnahmen hält.
In den von rechtspopulistischen Spinnern regierten Nationen, die anders als Italien voll von Corona getroffen wurden, nachdem diese Erkenntnisse da sind, gab es kein konsequentes social distancing. Folgerichtig explodieren die Fallzahlen in Brasilien, England und den USA.

In den europäischen Ländern mit klügeren Regierungen ließ sich der Lockdown nicht lange genug durchhalten. Die Wirtschaft machte Druck. Schlimmer ist aber der Schlendrian, der sich bei der gesund gebliebenen Bevölkerung einstellt. Auf zwei Meter Abstand im Supermarkt achtet schon lange keiner mehr, immer weniger tragen Masken oder gehen sehr nachlässig damit um, indem sie die Nase freilassen. Die Leute verreisen wieder, fliegen nach Mallorca.
Als Konsequenz schlittern wir nun in die „zweite Welle“. Die Doofheit der Bevölkerung könnte einen zweiten totalen Shutdown notwendig machen.
In den asiatischen Ländern Korea, Taiwan oder Japan ist die Bevölkerung viel disziplinierter. Dementsprechend niedrig sind die Neuinfektionsraten.

In den USA gibt es ebenfalls eine zweite Welle, insbesondere weil Trump vor der Wahl die Ökonomie anheizen will.
Die finanziellen Coronahilfen laufen aus, dadurch wird die ärmere Bevölkerung schneller zurück in ihre infektiösen Mac-Jobs gezwungen und zudem beginnt auf Befehl der Trump-Administration wieder der Schulunterricht. Außer natürlich für reiche Söhnchen auf Privatschulen wie Barron Trump.
Auch in den USA gibt es eine zweite Welle, aber auf sehr viel höherem Niveau als in der EU; täglich kommen 60.000 bis 70.000 neue Infizierte und deutlich über 1.000 Tote hinzu.
Unter diesen Umständen sind Masken und Abstandsregeln natürlich besonders wichtig und sollten von den Ordnungskräften konsequent eingefordert werden.

Der Covidiot des Tages #1 sieht das ganz anders. Er heißt Billy Woods und ist ein vielfach ausgezeichneter Polizist im Corona-Todesstaat Florida. Dort verursacht der glühende Trumpfan Gouverneur DiSantis „DeathSantis“ ein regelrechtes Massensterben, indem er sogar aktiv gegen Maskenregelungen vorgeht.

[…..] Born and raised in Marion County, Sheriff Billy Woods has devoted his life to serving his community. Prior to becoming the Sheriff of Marion County, Sheriff Woods spent over 26 years at the Ocala Police Department (OPD), holding various positions within the department. Several key positions Sheriff Woods held during his tenure at OPD include: Watch Commander, Lieutenant, Special Operations Supervisor, Traffic Homicide Investigator, and Undercover Officer for the Drug Task Force as well as many other positions. During Sheriff Woods’ years of service, he received multiple commendations and was also a Medal of Valor and Medal of Distinction recipient.
Sheriff Woods is a board member of various organizations and recently became the Chairman of the Florida Sheriffs Youth Ranches Enterprises and Vice Chair of Marion Senior Services which are two organizations that are dear to his heart.
Sheriff Woods holds a B.S. in Criminal Justice Administration/Business Management from Columbia Southern University. He has also attended the Florida Department of Law Enforcement Executive Senior Leadership Program and was the Class President of the Leadership of Ocala/Marion Class XXVII. [….]

Es ist nicht bekannt, ob Sheriff Woods schon den Rat seines Idols Trump befolgte und sich eine Glühbirne in den Hinter steckte, Clorox injizierte oder Hydroxychloroquin lutscht. Aber Masken kann er gar nicht leiden und hält sich an seinen tödlichen Gouverneur.


[….]  Masken im Dienst sollen die Polizisten des Bezirks Marion im US-Bundesstaat Florida nicht tragen – das hat der Sheriff ausdrücklich angeordnet. Auch für Besucher in der Polizeibehörde gilt das Trage-Verbot. [….]
(STERN, 13.08.2020)

Er verbietet sogar ausdrücklich Masken zu tragen, da man mit ihnen nicht kommunizieren könne. Florida, 21 Millionen Menschen, der Staat mit bereits 550.000 Infizierten und fast 10.000 Toten – also mehr als in der gesamten Bundesrepublik Deutschland – wird offensichtlich von Irren regiert.

[….] The sheriff forbade his deputies from wearing masks while on duty, with some exceptions, and also barred visitors to his offices from wearing them. [….]


[….]  And at a time when more states and cities are requiring face coverings, Sheriff Woods’s decision was unusual — he forbade his deputies from wearing masks while on duty, with some exceptions, and barred visitors to his offices from wearing them. [….] He wrote that “in light of the current events when it comes to the sentiment and/or hatred toward law enforcement,” an apparent reference to nationwide protests over police brutality this summer, that it would be better if officers’ voices were not muffled behind masks and that citizens’ faces were not obscured. [….] (New York Times, 12.08.2020)

Mittwoch, 12. August 2020

Hüben wie drüben


Wenn ich mir was wünschen könnte….
Dann würde ich ein Wahlvolk in Deutschland wünschen, das meine Wunschregierung wählt.
Ideal passt keine derzeitige Partei zu mir; mein Traum wäre eine neue linke demokratische Kraft, die

-viel konsequenter als die Grünen Klima- und Umweltschutz durchsetzt. Habeck hatte 2017 vor lauter Begeisterung mit der CDU zu regieren a priori freiwillig den Klimaschutz über Bord geworfen.

-sozialpolitisch in etwa auf Linie der SPD ist

-finanzpolitisch etwas links von der SPD ist. Es gäbe eine Tobinsteuer, die Tricksereien, mit denen Einkommensmillionäre sich so arm rechnen, daß sie gar keine Steuern bezahlen, wären vorbei, Steuerflüchtlinge würden drastisch verfolgt (bis zum Staatsbürgerschaftsentzug)

-wirtschaftspolitisch etwas links von der SPD ist. Es gäbe klare Forderungen an die Konzerne, es wäre Schluss mit Milliardensubventionen für die Lobbyisten, die am lautesten schreien. Öffentliche Versorger dürften nicht privatisiert werden.

-gesellschaftspolitisch extrem weit links von der SPD ist: Drogenfreigabe, totale rechtliche und finanzielle Trennung von Kirche und Staat, Patientenverfügung, Recht auf assistierten Suizid, Schluss mit dem Blasphemieparagraphen, PID legalisieren, Leihmutterschaften, Ehe für wirklich alle, Ius Soli statt Ius Sanguinis.

Unglücklicherweise lebe ich aber in der Realität und nicht in einer Traumwelt.
Konkret geht es für mich um zwei Nationen. Erstens die USA, das Land, dessen Staatsbürgerschaft ich innehabe und in dem ich wähle und zweitens Deutschland, das Land, in dem ich lebe und parteipolitisch gebunden bin.

In beiden Staaten gibt es keine Partei, die mich zu 100% begeistert, wohl aber jeweils eine, die unter den im Parlament Vertretenen die meisten Überschneidungen mit meinen Vorstellungen hat. Das sind die US-Demokraten und die deutschen Sozialdemokraten.

Die Demokraten wären, wie Alexandria Ocasio-Cortez kürzlich feststellte in jedem Land ohne Mehrheitswahlrecht mehrere Parteien. In Deutschland wäre Joe Biden vielleicht ein liberaler CDUler und AOC bei den Grünen oder den Linken.
Da das US-amerikanische politische Spektrum aber bis ins Rechts-Gaga-Moor reicht, als Trump und die Republikaner die Gegner sind, ist es durchaus sinnvoll AOC und Biden in einer Partei und Fraktion gemeinsam kämpfen zu lassen.
Die USA sind natürlich strukturkonservativ. Eine Partei auf der Linie der deutschen SPD oder gar links davon gilt der überwältigenden Mehrheit der USAner als stalinistisch-kommunistische Verirrung.

  Das Deutsche repräsentative Wahlrecht ist überlegen, das Parteienspektrum bildet mehr Vielfalt ab. Auch Deutschland ist strukturkonservativ. Es wird kaum jemals eine linke Mehrheit geben. Die Partei Die Linke, die sich seit 20 Jahren gegen HartzIV positioniert erreicht maximal 10%, weil 90% der Deutschen Gerhard Schröders Agenda 2020 eben nicht rückgängig machen wollen.
Die CDU ist traditionell stärkste Partei, die Wähler mögen Kohl- und Merkel-Typen, die ihnen durch Bräsigkeit suggerieren, es bleibe alles irgendwie so ähnlich wie es immer war.

Die linkeste Regierung, die man in Deutschland praktisch an die Macht kommen kann, ist mitte-links, linksliberal, sozialdemokratisch-bürgerlich.

Vielleicht könnte man das Volk an etwas linkere Politik gewöhnen. Dafür müsste es aber erst mal eine Mehrheit geben und die wird leider gerade von der ganz linken Seite stets torpediert, indem sie die Realität ignoriert und stur auf ihren Wunschvorstellungen beharrt.
Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht sind daher die effizientesten Helfer der CDU. Sie tragen Streit auf die RRG-Seite, attackieren die SPD zehn Mal so viel wie die politische Rechte.

(…..)  Trump, GWB, Merkel, aber auch Hitler wären nicht demokratisch an die Macht gekommen, wenn sich die politisch Linke einig gewesen wäre.
Das Sektierertum auf der linken Seite ist der Joker, mit dem Konservative in die Regierungen gedrückt werden.
Ihnen ist der erbitterte Kampf gegen die politischen Verbündeten wichtiger als die Gemeinsamkeit und der konservative Gegner.
USPD, Ralph Nader, Jill Stein und Oscar Lafontaine heißen diese Überzeugungstäter.
Letzterer ging sogar soweit, daß er sich jahrelang von der BILD-Zeitung, dem mächtigsten Frontschwein der CDU bezahlen ließ, um in seinen Kolumnen so lange auf Rot und Grün einzudreschen, bis seine persönlichen Rachegelüste gestillt waren und wieder die CDU im Kanzleramt saß.
Was für eine groteske Schmierenkomödie. Erst verriet Lafontaine seine eigene Partei, deren Vorsitzender er war, um als Linker in ihrem Fleisch zu sektieren, dann heiratete er die Linke Sahra Wagenknecht, die nun etwas Ähnliches in ihrer Partei abzieht: Die Linke in zwei Hälften zu zerteilen.
 (……)

Die Linken nehmen der SPD übel SPD zu sein und nicht deckungsgleich mit der Linken.
Dabei sollten sie froh sein, daß die SPD ganz andere Wähler anspricht und als Zehnprozentpartei einkalkulieren, daß sie selbst bei einer Beteiligung in der Bundesregierung die allermeisten ihrer Ziele eben nicht durchsetzen werden.

In den USA und Deutschland wurden fast gleichzeitig wichtige Personalentscheidungen meiner Parteien für die nächsten Wahlen gestellt.

Olaf Scholz wird Kanzlerkandidat der SPD und Kamala Harris vervollständigt das Biden-Ticket.
Damit heißt auch die mutmaßliche übernächste US-Präsidentin Kamala Harris.
Als #47 wird sie wohl im Januar 2025 eingeschworen.
Eine gute Wahl, Joe Biden. Es musste nach 300 Jahren weißer Männer in den Zeiten von #MEETOO und #BLM eine Woman of Color sein.
Als ehemalige Staatsanwältin ist Harris nicht die Lieblingswahl der schwarzen Bürgerrechtler und es heißt auch, daß der harmoniebedürftige Biden etwas mit ihr fremdelt, seit sie ihn im Wahlkampf scharf angriff.
Daß er sie dennoch nominiert, halte ich für ein Zeichen von Stärke. Er setzt somit nicht auf reine PR und bequeme Ja-Sager in seinem Umfeld, sondern auf diejenige, die am besten qualifiziert ist.
Gratulation! Sie wird dem Job gewachsen sein.

In einer Traumwelt, würde ich nicht auf Harris und Scholz setzen.
In der echten wirklichen und tatsächlichen Realität sind sie aber die jeweils beste Wahl, weil sie die größten Chancen darstellen endlich ohne die CDUCSU/ohne die GOP zu regieren.

Natürlich machen sich aber Linke Sozialdemokraten und linke US-Demokraten sogleich daran mit aller Energie den Rechten, den Söders/Trumps/Merz‘ zu helfen, indem sie an dem eigenen Kandidaten rummaulen.
Bernie Sanders-Manager kritisieren Harris, maulen jetzt schon dann möglicherweise nicht zu wählen (und damit Trump zu helfen).
Das gleiche Bild in den linken SPD-Gruppen, die voller Hass auf Scholz austeilen und damit die besten Wahlkämpfer für CDUCSU darstellen.


Zum Glück sind diese Zersetzungserscheinungen bisher überschaubar.
Die Parteilinken Elisabeth Warren und AOC stellen sich klar hinter Biden/Harris.
Kevin Kühnert und Saskia Esken stellen sich hinter Olaf Scholz.

Mal sehen, wie lange das hält.

Dienstag, 11. August 2020

Der große Historiker


Niemand weiß so viel über die Weltgeschichte wie Donald Trump.
IQ45 ist eben in jeder Hinsicht ein außergewöhnlich stabiles Genie.
Ich beschäftige mich seit 40 Jahren intensiv mit dem „dritten Reich“ und dem Zweiten Weltkrieg. Ein ungeheuer komplexes Thema, zu dem es auch 80 Jahre später immer wieder neue Erkenntnisse durch bisher unzugängliche Quellen gibt.
Als allgemein akzeptierte These gilt die „Schlacht von Stalingrad“ vom 23. August 1942 bis 2. Februar 1943 als Wendepunkt des deutschen „Kriegsglücks“.
Die vollständige Vernichtung der damals so glorreichen sechsten Armee unter Generalfeldmarschall Friedrich Paulus ist Gegenstand unzähliger Dokumentationen, Bücher, Verfilmungen und privater Erzählungen.
Dieser Großverband des Heeres, Armeeoberkommando 6 (AOK 6) hatte sich an unzähligen Kriegsverbrechen schuldig gemacht, bevor die verbliebenen 300.000 Mann 1942 in Stalingrad eingekesselt wurden.
100.000 Soldaten wurden bis Februar 1943 getötet. Weitere knapp 100.000 ergaben sich anschließend der Roten Armee. Sie waren aber durch Hunger und Seuchen in so jämmerlichen Zustand, daß nur noch ein Drittel von ihnen lebend ein sowjetisches Arbeitslager erreichte. Insgesamt überlebten etwa 6.000 Deutsche die Gefangenschaft. Von den verbliebenen Angehörigen der 6. Armee wurde ein Teil ausgeflogen, ein Teil floh, ein Teil kämpfte noch Monate im Untergrund weiter. Die Spuren verlieren sich.
Hitler und Goebbels verklärten die epische Niederlage zu einem Heldenepos und waren damit so erfolgreich, daß die meisten Deutschen bis Anfang 1945 noch an „den Endsieg“ glaubten und die wenigstens kapitulierten.
Die Gebildeteren und die Offiziere hingegen wußten seit Stalingrad sicher, daß Hitler den Krieg verlieren würde. Das gab dem Widerstand Auftrieb und so konnte der Kreisauer Kreis Verbündete für den schließlich am 20.07.1944 von Graf Stauffenberg durchgeführten Attentatsversuch gewinnen.
Die Tragik des Scheiterns bestand darin, daß Hitler nur durch eine Kette von Zufällen überlebte und nur durch seinen Tod der Krieg hätte vorzeitig beendet werden können.
In den folgenden zehn Monaten bis zum Ende des Krieges in Europa starben mehr Zivilisten und mehr Soldaten als in den fünf Jahren (September 1939 bis Juli 1944) zuvor.
Dieser pervertierte Durchhaltewillen führte nicht nur zu dem Millionenfachen Tod der Deutschen, sondern auch zur Zerstörung aller großen deutschen Städte und natürlich der Durchführung des Holocausts.
Es ist also nicht nur Militärgeschichte, die wir da betrachten, sondern außerordentlich interessant die psychologischen, sozialen und propagandistischen Aspekte der Jahre 1943-45 zu erforschen. Ungebildete Menschen voller Vorurteile und Propaganda im Kopf folgen einem „Führer“, der enorme militärische Erfolge erringt und einen ökonomischen Aufstieg erreicht. Anfang 1941 soll die Zustimmung zu Hitler das Maximum erreicht haben. Über 90% der Bevölkerung verehrten ihn. Ganz Europa war erobert und die Entbehrungen der Soldatenfamilien wurden durch großzügig erscheinende Sozialleistungen kompensiert. Freilich wurde nicht öffentlich darüber gesprochen, daß diese sozialen Wohltaten durch einen europaweiten Genozid und Massen-Raubmord finanziert wurden.
Aber warum kämpften die Deutschen eigentlich das ganze Jahr 1943, 1944 und noch bis Mai 1945 weiter? Als die Alliierten nicht nur alles zurück erobert hatten, sondern auf deutschen Boden standen, als Millionen Häuser zerstört waren und jede Familie Tote zu beklagen hatte?
Kommen wir an dieser Stelle auf das historische Genie im Weißen Haus zurück.
Donald Trump weiß nämlich wieso der Zweite Weltkrieg endete: Es war die Spanische Grippe 1917 (der Rest der Welt denkt, die wütete 1918, aber Trump kennt die Wahrheit). Dadurch wären so viele deutsche Soldaten krank geworden, daß sie nicht mehr weiterkämpfen konnten.

[….] Trump rewrites history with claim 1917 Spanish flu (it was 1918) probably ended WWII (it didn't)
The US president suggests the pandemic, which began in 1918, brought an end to the conflict that lasted from 1939 to 1945. [….]


Trump, der sich im Juni 2020 schon ganz bescheiden unter dem Applaus der FOX-Fans als „the most perfect person“ bezeichnete, ist daher völlig im Recht wenn er bei der republikanischen Gouverneurin Kristi Noem von South Dakota anfragen lässt, wie er neben George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt am Mount Rushmore verewigt werden kann.

  [….] Laut eines Berichts der New York Times ist das Weiße Haus im vergangenen Jahr auf die republikanische Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, mit einer ungewöhnlichen Frage zugekommen. Dem Bericht zufolge ging es um den Prozess, einen weiteren Präsidenten zu Mount Rushmore hinzuzufügen. Offenbar hat US-Präsident Donald Trump den Traum, sein Konterfei an dem Felsen im US-Bundesstaat South Dakota zu sehen. [….] Anschließend soll Trump noch zu Noem gesagt haben, es sei sein Traum, sein Gesicht am Mount Rushmore zu sehen. Bei seinem diesjährigen Besuch am Mount Rushmore in South Dakota zum Independence Day (4. Juli, Nationalfeiertag der USA) soll Noem Donald Trump deshalb auch laut eines Insiders eine kleine Nachbildung der Skulpturen geschenkt haben, bei der das Gesicht des US-Präsidenten hinzugefügt wurde. [….]

Trump ist ein wahres Universalgenie. 


Verständlich, daß bei so viel Genialität seine oberste Beraterin und Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway gefragt nach Trumps Haupteigenschaft seine Bescheidenheit nennt: President Trump Exemplifies Humility!


In den bisherigen dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit kam aber bei all der Genialität Trumps fundiertes Wissen als Historiker zu kurz. 
Es blitzte nur gelegentlich auf, wie man am Beispiel seiner These zur Beendigung des Zweiten Weltkrieges sehen konnte.

Es wird Zeit ihn als das zu würdigen was er ist: Den allergrößten und allerbesten Präsidenten aller Zeiten, aller Länder und aller Galaxien!

[….] Donald Trump glaubt, Abraham Lincoln sei sein einzig ebenbürtiger Vorgänger: Niemand habe so viel getan für Amerika wie Lincoln und er. [….] Lincoln ist der einzige Vorgänger, dem Trump gelegentlich etwas Anerkennung zollt, wenn er sich in Reden oder Interviews selbst lobt. Seit Lincoln habe niemand mehr für Amerika getan und sei trotzdem gemeiner behandelt worden, behauptet Trump gerne. Abraham Lincoln, das muss man vielleicht dazusagen, wurde 1865 von einem weißen Rassisten ermordet.
Am Montag stalkte Trump den armen toten Lincoln - der in Wahrheit all das nicht war, was Trump ist, der sich aber nicht mehr wehren kann - wieder einmal. Er erwäge, seine Rede, in der er in der letzten Augustwoche die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat annehmen wird, auf dem Schlachtfeld in Gettysburg zu halten, twitterte Trump. Auf den Feldern rund um die Kleinstadt in Pennsylvania fand im Juli 1863 eine der blutigsten Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs statt. 100 000 Soldaten des Nordens traten gegen 70 000 Soldaten des Südens an, nach drei Tagen Gemetzel waren um die 50 000 Männer tot oder verwundet. Der Kommandeur der Südstaaten-Armee, Robert E. Lee, musste sich geschlagen zurückziehen.
Einige Monate später hielt Präsident Lincoln bei der Einweihung eines Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld seine berühmte "Gettysburg Address" eine der wohl wichtigsten und besten politischen Reden, die je gehalten wurden. Die Gefallenen hätten ihr Leben gegeben, "damit die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk nicht von der Erde verschwindet", sagte Lincoln damals - ein Satz der bis heute nachhallt. Das, so mag Trump sich denken, sollte er doch auch hinbekommen. [….]

Montag, 10. August 2020

Kalt erwischt.


Die Grünen haben de facto einen Kanzlerkandidaten. An Robert Habeck, der nordischen Sphinx ohne Eigenschaften führt kein Weg vorbei. Die AfD zerlegt sich selbst, wird in der nächsten Koalition nicht mitspielen – auch wenn viele CDU/CSUler das gern hätten.
Ebenso ergeht es der Lobby-Liste Lindner, die 2021 womöglich gar nicht über die 5%-Hürde kriechen wird nach der blamablen Corona-Performance des Posterboys im Porsche, der eigentlich nur damit auffiel Steffen Göpel, seinem Millionärs-Gönner und Honorarkonsuls des sympathischen Lukaschenko-Regimes in Belarus ohne Maske und Abstand herzend und küssend um den Hals gefallen zu sein. Ein passendes Statement zu den so fairen Wahlen in Belarus und den Corona-Regeln, das der Parteichef der Liberalen in größtmöglicher Öffentlichkeit im Medienhotspot der Berliner Promitreffs „Borchardt“ abgab.
Ebenfalls selbst erledigt haben sich die Linken, die nicht nur nicht vom angeblich so großen Frust über die erneute Groko profitieren konnten, sondern sich so dämlich dabei anstellten eine Alternative aufzuzeigen, daß sie demoskopisch noch unter dem dramatisch schlechten Bundestagswahlergebnis von 2017 liegen, während die Groko enorme Zustimmungswerte genießt.
So schwächliche Linke werden kaum gestalten können, sondern nur immer allerbesten denkbaren Fall ab Ende 2021 schmalbrüstiger Koalitionspartner einer Grün-rot-roten Bundesregierung sein.
Der Fall ist unwahrscheinlich, zumal fast alle maßgeblichen Grünen sehr stark zur CDU tendieren, die Außenpolitik der Linken strikt ablehnen und als „Bündnis90“ im Osten eine natürliche Feindschaft zum Personal der Ost-Linkspartei pflegen.
Habeck oder Barbock werden Schwarzgrün anstreben.

Bei den ehemaligen Volksparteien, den „großen Parteien“ CDU und SPD gibt es enorme Schwankungen und Fragezeichen.
Die CDU ist nur temporär wieder groß, weil Frau Merkel in den Unsicherheiten der Pandemie und des Lockdowns all das sehnsüchtige Vertrauen auf die Regierung auf ihre Partei zieht.
Aber sie wird (zumindest höchstwahrscheinlich) nicht noch einmal als Kanzlerkandidatin antreten. Aus der Parteiführung hat sie sich lange zurückgezogen und ihre Nachfolgerin als CDU-Chefin ist bereits krachend gescheitert.
Die SPD hat diese große Verunsicherung bereits hinter sich und ist trotz vorbildlicher Regierungsarbeit und beliebter Minister bereits im Reich der Kleinparteien angekommen. Der Negativschock von 2017, als Basis-Liebling, Mr. 100% Schulz mit dem Tiefstergebnis von 20,5% einlief, erscheint nach den erbärmlichen Parteiführungsversuchen von Nahles, Esken und Walter-Borjans wie ein Traumziel. Über 20% sind noch weit weg.

(…..) Das Umfrageinstitut Kantar befragte vom 22.07.-24.07.2020 knapp 1.100 repräsentativ ausgewählte Bürger welche SPD-Politiker sich zum Kanzlerkandidaten eigneten.
Das Ergebnis ist für die Parteiführung ebenso vernichtend wie plausibel.

Scholz 42%
Heil 19%
Giffey 16%
Klingbeil: 12%
Walter-Borjans: 11%
Esken: 11%
Mützenich: 6%

[….] Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird laut einer Umfrage von Wählerinnen und Wählern als Kanzlerkandidat der SPD favorisiert. [….] Die SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wiederum konnte sich gerade einmal ein Zehntel der Befragten als Kanzlerkandidaten vorstellen. Weit mehr als die Hälfte bezeichnete sowohl Esken als auch Walter-Borjans als ungeeignet für das Amt an der Spitze der Bundesregierung. [….]
Unter den Anhängern der SPD sprachen sich in der Umfrage 72 Prozent für Scholz als Kanzlerkandidaten aus. Bei Giffey und Heil waren es jeweils 34 Prozent. Anhänger anderer Parteien sehen demnach ebenfalls in Scholz denjenigen Sozialdemokraten, der sich am ehesten für eine Kanzlerkandidatur eignet. [….]

Jede Parteiführung mit auch nur rudimentärem Restverstand würde nun schnellstmöglich Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausrufen, um damit den einmaligen Vorteil zu nutzen gegenüber der chaotisierten CDU-Kandidatensuche mit geklärter Führungsfrage dazustehen.

Viele in der SPD verstehend die Situation. Daher haben sich bereits Außenminister Heiko Maas, Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, der Schleswig-Holsteinische SPD-Linksaußen Ralf Stegner, der ehemalige Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz, Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, Fraktionsvize Achim Post, SPD-Haushaltsexperte Dennis Rohde, Seeheimer-Chefin Siemtje Möller, Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte und auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer für einen Kanzlerkandidaten Scholz ausgesprochen. Beileibe nicht alles Scholz-Freunde, aber doch soweit rational denkend, daß sie keine andere Möglichkeit sehen.

Nur die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans stehen auf dem Schlauch und fragen sich offenbar nur eins: Wie kann man die SPD weiter in den Abgrund treiben? Wie kann man sie von 14% in Richtung Einstelligkeit bewegen? (…..)

Heute aber verblüffte die SPD-Parteiführung mit dem einzig richtigen und dem einzig möglichen Schritt. Einen Schritt, der so vorzeitig kam, daß er sich sogar zum Vorteil entwickeln könnte.
Sie setzen voll auf Olaf Scholz und das ist auch gut so!

[….] Deutschland braucht einen Kanzler, der entschlossen ist und erfahren. Mutig auch in Krisen, sie kraftvoll überwinden kann. Mit Respekt vor jeder und jedem Einzelnen. Und mit einem klaren Bild von einer guten und gerechten Zukunft für alle.
Wir sind überzeugt: Olaf Scholz kann das! Deshalb haben wir heute dem Präsidium und dem Parteivorstand vorgeschlagen, dass er unser Kanzlerkandidat sein soll. Wir freuen uns, dass Präsidium und Parteivorstand unserem Vorschlag einstimmig zugestimmt haben!
In den vergangenen Monaten haben wir an der Spitze der SPD gemeinsam mit der Fraktionsführung und Olaf an der Spitze unserer Ministerinnen und Minister im Bund sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet – mit gutem Erfolg, denn die Regierungsarbeit trägt eine deutliche sozialdemokratische Handschrift!
Die Entscheidung für den Kanzlerkandidaten haben wir in den vergangenen Wochen gründlich vorbereitet, viele Gespräche geführt, vertraulich beraten. Wir sind gemeinsam zu der Überzeugung gekommen, dass wir in einem einigen Führungsteam und mit einem Kanzlerkandidaten, dem die Menschen vertrauen, die SPD zu neuer Stärke führen können. Als führende politische Kraft streben wir ein progressives Bündnis an, das das Land nach vorne bringt – für alle Menschen. [….]
(Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans , 10.08.20)

Hut ab für meine Parteiführung. Der Schritt mag ihr nicht leicht gefallen sein, aber er macht aus ihrer Not eine Tugend.
In einer für die SPD nahezu aussichtslosen Lage um das Kanzleramtsrennen setzten sie nun auf denjenigen, der immerhin die am wenigsten schlechten Chancen hat und im Gegensatz zu den linken JuSo-Träumern schon mehrfach bewies wie man erfolgreich Wahlen gewinnen kann.
Fast noch wichtiger ist aber die helle Aufregung, die der Schritt im CDUCSU-Lager auslöst. Ausgerechnet die notorisch zerstrittene SPD hat alle ihre Personalfragen gelöst, während die Union auf Hühnerhaufen-Modus gestellt hat, ein neuer CDU-Parteichef in den Sternen steht und man noch nicht mal ahnt von welcher Partei eigentlich der Unions-Kanzlerkandidat gestellt werden wird.
16 Jahre war das Merkel-Erfolgsgeheimnis „sie kennen mich/keine Experimente“ und nun ist es der SPD-Mann, der für Seriosität, Erfahrung und Vertrauen steht. Die Menschen kennen Scholz, niemand bezweifelt ernsthaft seine Eignung zum Kanzler und keiner muss unter seiner Führung Chaos befürchten.
Nichts mögen konservative Wähler weniger als Streit und Unsicherheit.
Markus Söder, der noch nicht mal wagt klar zu sagen, ob er überhaupt zur Verfügung stünde ist kalt erwischt.

  […..] Die SPD schickt mit Olaf Scholz den Mann ins Rennen, der ausweislich seiner Bekanntheit und seiner Popularitätswerte allein in der Lage ist, eine Chance zu nutzen, die die SPD nicht hat: die Chance aufs Kanzleramt. […..] Die SPD wollte mit ihrer schnellen Entscheidung Klarheit demonstrieren. Gefährlicher als eine zu frühe Nominierung erschien ihr eine zu späte. Denn mit jedem weiteren Tag wäre der Eindruck gewachsen, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, die gegen Scholz an die Parteispitze gelangt waren, versuchten nun, das Unumgängliche doch noch zu umgehen: mit Scholz in den Wahlkampf zu ziehen.
Die SPD verspricht sich von dieser Klarheit einen Wettbewerbsvorteil, gerade in Corona-Zeiten: Zumindest die Kandidatenfrage soll die Sozialdemokraten nun nicht mehr von der Krisenbewältigung ablenken. Während die Grünen noch rätseln, wie sie ihre Doppelspitze zu einer Spitzenperson verschmelzen könnten, macht die Doppelspitze der SPD den Weg frei für einen Dritten; während in der Union der Ausgang der Kandidatensuche völlig offen ist, küren die Sozialdemokraten jenen Mann für das höchste Amt der Regierung, den sie an der Spitze ihrer Partei nicht wollten. Dass ausgerechnet CSU-Chef und Dauerwahlkämpfer Markus Söder gleich aufheulte, es sei jetzt keine Zeit für Wahlkampf, bestätigt, dass die SPD einen wunden Punkt der Union getroffen hat. […..]

Möglicherweise kann es auch der SPD zum Vorteil gereichen, daß anders als vor fünf Jahren die Vorsitzenden bezüglich der Kanzlerkandidatur keine eigenen Absichten haben.
Gabriel setzte erst auf Schulz, als ihm klar war, daß er selbst keine Chancen hat. Es war nie klar was der beständig schwankende Gabriel eigentlich inhaltlich von dem rechten Seeheimer Martin Schulz hielt, der über gar keine Regierungserfahrungen verfügte.
Bei Esken und Nowabo ist es genau umgekehrt. An ihrer Positionierung im SPD-Spektrum besteht kein Zweifel.
Sie setzen nicht auf Scholz, weil sie denken, sie könnten ihn inhaltlich schon irgendwie in ihre Richtung lenken, sondern weil sie wissen, daß er regieren kann, daß er genügend Erfahrung hat, daß er anders als Schulz (es 2016 war) bekannt ist und sie haben in dem Dreivierteljahr ihres Parteivorsitzes gelernt wie absolut verlässlich Scholz ist. SPD-Absprachen setzte er im Kabinett konsequent durch, auch wenn er persönlich die Angelegenheit anders sah. Man munkelt, er habe auf der Weil-Linie durchaus eine KfZ-Kaufprämie ins Corona-Paket nehmen wollen, aber in den Koalitionsverhandlungen parteitreu gegen die CDU und CSU die Linie Eskens durchgepaukt.

Das Aufschreien derjenigen Linken an der SPD-Basis, die lieber ihr Klientel total im Stich lassen in die einstellige Opposition rutschen und dann tatenlos zusehen, wie AFDP/CDUCSU asoziale Politik betreiben, aber dafür das wohlige Gefühl genießen im Recht zu sein, zeigt noch mehr wie richtig die Entscheidung für Olaf Scholz ist.
Niemand kann der Parteiführung ernsthaft vorwerfen in vorrauseilendem Gehorsam vor König Olaf auf die Füße gefallen zu sein.
Nein, Esken und Nowabo wurden überzeugt.
Bevor es der praxisferne Kühnert-Flügel bemerkte, ahnt die politische Konkurrenz durchaus, daß die SPD mit dem Vizekanzler ihr schwerstes Geschütz auffuhr und ein Friedrich Merz, der überhaupt gar keine Erfahrung in der Regierung hat, ideologisch seit 20 Jahren krachend auf dem Holzweg ist, genauso unglücklich über den Gegner ist wie der Rest der Unionskandidaten.

[…..] Zu früh, falscher Kandidat, rein taktisch: Führende Unionspolitiker reagieren mit Kritik auf die Nominierung von Olaf Scholz zum SPD-Kanzlerkandidaten - dabei könnte er CDU und CSU durchaus gefährlich werden. […..] Die ersten prominenten Stimmen aus der Union klingen skeptisch. Friedrich Merz, der Ende des Jahres erst CDU-Chef werden und anschließend für die Union das Kanzleramt erobern will, sagt: "Der Kandidat passt nicht zur Partei." Sein Parteifreund Norbert Röttgen, ebenfalls Bewerber für den CDU-Vorsitz, nennt die Nominierung von Vizekanzler Scholz eine "taktische Lösung, die nicht glaubwürdig ist". Und Bayerns Ministerpräsident, der CSU-Vorsitzende Markus Söder, kritisiert die Personalie, weil damit aus seiner Sicht der Wahlkampf zu früh beginne. […..] Wen die Unionsparteien ihrerseits als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken, ist völlig offen. […..] Für Unruhe wird das ungeklärte Personaltableau noch monatelang sorgen, möglicherweise bis weit ins Wahljahr hinein. Die SPD hat sich dagegen früh sortiert und kann derweil in aller Ruhe an der Scholz-Kampagne basteln. […..] Und dann ist da das strategische Problem, vor das ein Kanzlerkandidat Scholz die Union stellt: Scholz' einzige Machtoption, um Merkel in der Regierungszentrale nachzufolgen, ist zwar Rot-Rot-Grün, falls die SPD vor den Grünen landet – aber niemand könnte R2G, wie das Links-Bündnis genannt wird, auch derart den politischen Schrecken nehmen wie Scholz. […..]

Als Sozialdemokrat begrüße ich einen SPD-Kanzlerkandidaten, auf den die Union mit Knieschlottern reagiert sehr viel mehr als einen, der ohnehin nicht ernst genommen wird.

So wie nur der angebliche Wirtschaftsmann Schröder die Angst vor RotGrün nehmen konnte, so wie nur die SPD eine grundlegende Sozialreform durchführen konnte, so wie nur Kohl-CDU die bei konservativen so beliebte DMark, so wie nur die Merkel-CDU die konservativen heiligen Kühe Atomkraft und Wehrpflicht abräumen konnte, ohne daß es das Land zerreißt, ist es wohl nur Olaf Scholz, der den Deutschen die Angst für einer Beteiligung der Linkspartei nehmen kann.
Selbst wenn die Grünen stärkste Partei werden sollten, würden sie bei einer reinen Esken-SPD viel zu viel Vorbehalte gegenüber der Linken haben, um nicht lieber auf Schwarz-Grün zu setzen.
Mit Olaf Scholz als Vizekanzler und Bundesfinanzminister könnte hingegen auch ein Kanzler Habeck zusammenarbeiten.
Mit Olaf Scholz als Kanzlerkandidat ist endlich die Tür auf für eine Bundesregierung jenseits der Union.