Mittwoch, 22. Juni 2016

Marxens Milliarden



Es sind vielleicht immer noch nicht genügend Witze über die Armutspredigten des Papstes und die Milliardenvermögen seiner Diözesen gemacht worden.
Reinhard Superprasser Kardinal Marx, 62, der womöglich auf dem größten Geldschatz aller Bischöfe  - nach dem Bistum Rom natürlich – hockt, ist jedenfalls kein Anhänger des spartanischen Lebensstils.

Kardinal Marx, der wegen seines ultraprächtigen Bischofsitzes, dem Rokoko-Palais Holnstein ohnehin schon eine 12 auf der Tebartz-Skala ist, braucht als ranghöchster Bischof in Deutschland eben einen gewissen Standard.

Für Luxus-Marx, der offenbar auf einem gewaltigen Geldspeicher sitzt und die Millionen nur so um sich wirft, kommt ein FIAT Panda jedenfalls nicht in Frage.

Just zum Rücktritt Ratzingers hatte der Münchner Erzbischof noch demonstriert, wie wichtig ihm sein persönliches Wohl ist.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Würden die Bischöfe Franzis bescheidenheits-Demonstrationen ernst nehmen, könnten sie sich nicht für Marx als Vorsitzenden entscheiden.
Daß sie es heute dennoch taten, hat einen Grund:
Sie wissen, daß der Papst Marx toll findet, weil er schon mit neuen Ehrungen und Ämtern aus Rom überhäuft wurde.
  [….]

So viel Leidenschaft für Prunk, Protz und Glamour wird auch in Rom bemerkt.
Der Pontifex spricht Klartext, wenn es um Reichtum und Armut geht.

„Für die Kirche ist die Option für die Armen in erster Linie eine theologische Kategorie und erst an zweiter Stelle eine kulturelle, soziologische, politische oder philosophische Frage.“
(aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 198)

„Wir alle sind gerufen, arm zu sein, uns von uns selbst zu entäußern; und deshalb müssen wir lernen, den Armen nah zu sein, mit den Menschen zu teilen, denen das Notwendigste fehlt, das Fleisch Christi zu berühren! Ein Christ beschränkt sich nicht darauf, über die Armen zu reden, nein! Ein Christ geht auf sie zu, er sieht ihnen in die Augen, er berührt sie.“ 
(Begegnung mit den von der Caritas betreuten Armen in Assisi, 04.10.2013)

“Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!" (Begegnung mit den Medienvertretern am 16.03.2013)

„Der Aufruf, auf den Schrei der Armen zu hören, nimmt in uns menschliche Gestalt an, wenn uns das Leiden anderer zutiefst erschüttert.“
(aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 193)

„Die Armen. Die Armen stehen im Mittelpunkt des Evangeliums, sind das Herzstück des Evangeliums. Wenn wir die Armen aus dem Evangelium herausnehmen, können wir die gesamte Botschaft Jesu Christi nicht verstehen.“ (Eucharistiefeier mit Bischöfen, Priestern und Ordensleuten, Mariä-Empfängnis-Kathedrale, Manila, 16.01.2015)

„Es gibt immer jemanden in unserer Nähe, der in Not ist, materiell, emotional oder spirituell. Das größte Geschenk, das wir ihnen machen können, ist unsere Freundschaft, unser Interesse, unsere zärtliche Zuwendung, unsere Liebe zu Jesus. Ihn zu empfangen bedeutet, alles zu besitzen; ihn zu schenken bedeutet, das größte aller Geschenke zu machen.“
(Begegnung mit den Jugendlichen, Sportplatz der Santo-Tomas-Universität, Manila, 18.01.2015)

Folgt man diesen päpstlichen Vorgaben ist der Erzbischof von München und Freising sowie Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) Reinhard Kardinal Marx der perfekte Topkleriker.

[….] Es ist ein Rekord für die katholische Kirche in Deutschland. Das Erzbistum München und Freising hat am Montag erstmals sein Vermögen offengelegt. Es beläuft sich zusammengerechnet auf fast 6,3 Milliarden Euro, vor allem in Form von Immobilien und Geldanlagen. [….]  Das Erzbistum Paderborn hatte vergangenes Jahr ein Vermögen von vier Milliarden Euro ausgewiesen, das Erzbistum Köln 3,42 Milliarden. [….] Generalvikar Beer erklärte bei der Vorstellung der Bilanz, dass auch diese Zahlen das Vermögen seines Erzbistums insgesamt nur unvollständig wiedergeben - so seien zum Beispiel die Werte der 750 Pfarrkirchenstiftungen noch nicht erfasst. [….]

Da der wohlgenährte bayerische Kardinal so gut in das päpstliche Profil einer armen Kirche passt, wurde er mehrfach befördert.
Ehre wem Ehre gebührt; so ist Reinhard Kardinal Marx nun:

·        Mitglied des achtköpfigen Kardinalsrates, der den Papst bei der Leitung der Weltkirche beraten und im Hinblick auf eine Reform der Kurie Änderungen der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus. (April 2013)
·        Mitglied im Päpstlichen Rat für die Laien (seit 2014)
·        Mitglied in der Kongregation für das Katholische Bildungswesen (seit 2010)
·        Mitglied im Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden (seit 2010)
·        Mitglied der Kongregation für die orientalischen Kirchen (bestätigt 2014)
·        Mitglied des Päpstlichen Wirtschaftsratssekretariat (seit 2014), dessen Kardinal-Koordinator.

Die aberwitzigen Milliardenvermögen der Bistümer wachsen dank der sprudelnden Kirchensteuereinnahmen und der grundsätzlichen Steuerbefreiung immer weiter.

Rekord durch Steuereinnahmen Geldsegen für die Kirche
Trotz sinkender Mitgliederzahlen haben christliche Kirchen in Deutschland im vergangenen Jahr so viel Geld wie noch nie eingenommen. Die Kirchensteuer für das Jahr 2015: 11,5 Milliarden Euro.
[….] Die Angaben beziehen sich auf Veröffentlichungen der Evangelischen Kirche Deutschland sowie der Steuerkommission des Verbandes der Diözesen Deutschlands. Danach nahm die katholische Kirche rund 6,1 Milliarden Euro ein. Die evangelische Kirche erhielt knapp 5,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 6,4 Prozent.
[….] Die Rekordeinnahmen konnten trotz sinkender Mitgliederzahlen erzielt werden. Seit Anfang der 1970er-Jahre geht die Zahl der Mitglieder sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelischen Kirche fast kontinuierlich zurück. [….] Seit der deutschen Wiedervereinigung hat die evangelische Kirche 4,9 Millionen Mitglieder verloren. Die römisch-katholische Kirche verlor seit 1990 3,1 Millionen Mitglieder.

Man kann die Schuld für diese Milliardenverschiebungen zu Gunsten der Kirche noch nicht mal bei den zahlenden Schafen abladen, denn viele von ihnen sind Zwangsmitglieder.
Millionen Menschen, die bei Caritas oder Diakonie arbeiten, die ihre Kinder in christlichen Schulen oder Kindergärten betreuen lassen, weil die Kirchen in vielen Gegenden Monopole haben (obwohl die Einrichtungen zu 100% staatlich finanziert werden), können gar nicht austreten.

Ärgerlich sind aber die vielen frommen Journalisten, die sofort den Kirchen beispringen.
Matthias Drobinski, der überzeugte Katholik und oberste Kirchenschreiberling der Süddeutschen Zeitung, drückt schon mal auf die Tränendrüse angesichts des märchenhaften Reichtums. Denn, OH GRAUS, die Einnahmen könnten auch wieder sinken! Herr Gott, hilf!

Die Kirchen sind also nicht auf dem Weg in den märchenhaften Reichtum - sie gewinnen gerade Zeit, sich auf einen Wandel einzustellen, der unabwendbar kommen wird: auf die Zeit, in der vielleicht nicht einmal mehr die Hälfte der Deutschen einer Kirche angehört, in der die Kirchen zwar die größten Institutionen des Landes bleiben, die Christen aber doch zur Minderheit werden. Deshalb füllen die Kirchen nun ihre Rücklagen, bauen und sanieren jetzt, was sie sich möglicherweise in 20 Jahren nicht mehr leisten können.

Ebenso unerträglich sind unsere Volksvertreter, die darüber wachen daß 550 Millionen dubiose Dotationen zusätzlich aus den Portemonnaies ALLER BÜRGER – also auch Atheisten und Muslims – in die Geldsäcke der Bischöfe umgeleitet werden.

[….] Etwa 6,3 Milliarden Euro Vermögen hat das Erzbistum München und Freising, das damit eine der reichsten Diözesen weltweit sein dürfte. [….] Selbst Gruppen, die der Amtskirche an sich kritisch gegenüberstehen, loben die Transparenz, mit der die Kirche ihre Vermögensverhältnisse offengelegt hat. Und für die bayerische Staatsregierung ist das Milliardenvermögen noch lange kein Grund, die Millionensummen, die der Freistaat jährlich an die katholische Kirche überweist, infrage zu stellen. Im Gegenteil: "Staatliche Transferleistungen an die Kirchen und Religionsgemeinschaften sind sinnvoll", sagt der für Kirchenfragen zuständige Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).
[….] Im Vergleich zu den evangelischen Brüdern und Schwestern im Freistaat ist das tatsächlich viel: Die evangelisch-lutherische Landeskirche Bayern hat bereits für 2014 eine vergleichbare Bilanz vorgelegt, die Vermögenswerte im gesamten Freistaat umfasst. Sie kommt auf rund 3,1 Milliarden Euro, wovon etwa 1,8 Milliarden in Versorgungsfonds für die Pensionen gebunden sind. Wie beim Erzbistum ist das Vermögen der einzelnen Kirchengemeinden nicht mitgerechnet.
[….] Im Vergleich mit der Stadt zeigt sich aber auch, dass die Gesamtsummen leicht trügen können. Das Erzbistum etwa hat Kirchengebäude nur mit symbolischen Ein- und Zwei-Euro-Werten miteingerechnet, die Stadt dagegen allein das Neue Rathaus mit insgesamt 148 Millionen Euro - obwohl es wohl nie verkauft werden wird. [….]

Liebe Mitbürger, die nicht aus der Kirche austreten können: Würdet Ihr bitte wenigstens solche Typen wie Spaenle nicht mehr wiederwählen?

Dienstag, 21. Juni 2016

Ungleichzeitige Entwicklungen



In vielen Islamischen Ländern gibt es eine schockierende Rechtsungleichheit für Schwule oder Frauen.
Zu Recht empören wir uns darüber.
Und es gibt noch eine Menge himmelschreiende verfassungsrechtliche Skandale in der Welt.
Man denke nur an schlicht nicht vorhandene Tierrechte in den meisten Ländern oder das nicht vorhandene Bewußtsein für die Bewahrung der Umwelt.
Daran wie in vielen asiatischen Ländern Kinder unter erbärmlichen hygienischen Umständen arbeiten müssen.
Ein bekanntes großes Land, in dem im Herbst ein Präsident gewählt wird, unterhält Folterlager und praktiziert die Todesstrafe.
Wir haben allen Grund uns zu empören. Unkontrollierter Waffenexport, Nahrungsmittelspekulationen. Zensur. Keine Pressfreiheit.
Fast 40 Millionen Menschen arbeiten de facto als Sklaven.

Heute leben mehr Menschen in der Sklaverei als jemals zuvor in der Geschichte.
Unter Zwangsarbeit (engl.: Forced Labor Slavery) versteht man jede Art von Arbeit, die unter Anwendung von Täuschung, Drohungen oder Gewalt von jemandem verlangt wird. Zwangsarbeiter werden für ihre Arbeit nicht oder nur sehr gering entlohnt und können somit kein unabhängiges Leben führen.
Obwohl diese Form der Sklaverei in den meisten Ländern der Welt verboten ist, arbeiten Millionen Kinder, Frauen und Männer unter diesen Bedingungen in Steinbrüchen, Reismühlen, Ziegelbrennereien, Fischereien, Bekleidungsfabriken und anderen Gewerben.

Wir sollten uns noch viel mehr empören, statt gemütlich ein Bier zu zischen, den Grill anzuwerfen und Fußball zu gucken.

Unangebracht ist es aber hochnäsig zu werden und andere Länder als unterentwickelt zu betrachten.

In China, Mesopotamien, der Levante, Persien, Südamerika und natürlich Ägypten gab es viele Jahrhunderte Hochkulturen und fortschrittliche Wissenschaft, als die Menschen in Germanien noch auf den Bäumen hausten und sich gegenseitig mit Keulen auf den Kopf schlugen.

1000 Jahre lang war die muslimische Welt dem im finsteren Mittelalter versunkenen Christentum wissenschaftlich weit voraus.

China hat 5.000 Jahre als Hochkultur zugebracht  und dabei die Welt weder unterjocht, versklavt, kolonial ausgebeutet, noch die Umwelt ruiniert oder gar Weltkriege angezettelt.
All das hat Deutschland in gerade mal 100 Jahren mehrfach geschafft.

Ja, es ist empörend wie Schwule im Iran, Frauen in Katar behandelt werden.
Aber Deutschland hängt bei den Homorechten dem Rest Europas und auch Amerika weit hinterher.
Die Unionsparteien stehen durchaus noch im Mittelalter und verweigern sich im Jahr 2016 immer noch allen Menschen die gleichen Rechte zuzusprechen, weil sie offenbar von dumpfen Vorurteilen getrieben Millionen Mitbürger als minderwertig erachten.

Und ja, hört, hört, in Deutschland ist eine Frau Regierungschefin, während Herr Erdogan Frauen wieder unter das Kopftuch verbannen will.

Konservative deutsche Politiker mögen die Türkei nicht.
Vor allem wegen der Türken.
Die sind so rückständig.
Frauen dürfen da nicht in der ersten Reihe der Politik mitmachen.
 In Deutschland wurde hingegen FRAU Merkel Kanzlerin.
(Das war im Jahr 2005 - also nur 17 Jahre nachdem im islamischen Staat Pakistan Benazir Bhutto Regierungschefin wurde und 12 Jahre nachdem in der islamischen Türkei Tansu Çiller Ministerpräsidentin wurde.)
Die leben da irgendwie noch auf dem Dorf.
(Istanbul hat 14,5 Millionen Einwohner)
Die türkische Wirtschaft ist so rückständig.
(Kontinuierlich über 5% BIP-Wachstum seit 1980)

Der verdammte Erdogan. Der reagiert immer so empfindlich mittelalterlich, wenn es um seine Ehre geht.
Majestätsbeleidigung. Wo gibt es denn sowas?

Nun zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland. CDU, CSU und FDP ließen Kritiker der Regierung ins Gefängnis stecken.

Konrad Adenauer und seine Minister haben auf vermeintliche Beleidigungen nach SPIEGEL-Recherchen mit teils empfindlichen Strafen reagiert. Der Kanzler wollte sogar einen Psychiatriepatienten belangen.
Die Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer (1949 bis 1963) stellte Hunderte Strafanträge wegen "politischer Beleidigung". Diese führten allein bis Ende 1952 zu mehreren Dutzend Gefängnisstrafen von durchschnittlich drei Monaten. Das geht aus Akten im Bundesarchiv hervor, die der SPIEGEL eingesehen hat. Betroffen waren Journalisten, Linke, Kommunisten, aber auch unverbesserliche Nazis und pöbelnde Wutbürger.
Adenauer stellte schon Strafanträge, wenn er als "Lakai" von Briten und Amerikanern oder die Bundesregierung als Ansammlung von "Feiglingen und Lumpen" bezeichnet worden war. Der Kanzler wollte sogar einen Psychiatriepatienten belangen, der ihn als "Oberpharisäer des 20. Jahrhunderts" beschimpft hatte.
Zeitweise nahm die Beschäftigung der Regierung mit Beleidigungen fast groteske Ausmaße an. Das Justizministerium führte eine "Beleidigungskartei" der Übeltäter; in umfangreichem Schriftverkehr koordinierten der Kanzler, die Minister und ihre Mitarbeiter das Vorgehen.
  
Wir sollten uns auch daran erinnern, daß unsere deutsche Demokratie nach 1945 zwangsverordnet werden mußte, nachdem die Deutschen einen Genozid und dazu noch einen Weltkrieg mit 65 Millionen Toten angezettelt hatten.

Erst 1949 trat das Grundgesetz, auf welches wir heute so stolz sind in Kraft.
Das war 270 Jahre nach der britischen Habeas Corpus Akte (1679), 260 Jahre nach der Bill of Rights und 162 Jahre nach der Constitution der USA.

Und mit unserer wunderbaren deutschen Verfassung durften Frauen weder ohne Zustimmung des Mannes eine Arbeitsstelle annehmen, noch ein Konto eröffnen. Sie durften sogar in der Ehe straflos vergewaltigt werden.

Wussten Sie, [….] dass eine Ehefrau bis in die 50er Jahre hinein nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten durfte? Unglaublich, aus heutiger Sicht, dass wir diese Rechte erst seit ein oder zwei Generationen besitzen. Denn für uns sind das Recht auf Arbeit sowie das Wahlrecht mittlerweile selbstverständlich.
[….] Die Möglichkeit zu arbeiten und selbst über das eigene Leben zu entscheiden war in der Jugend unserer Eltern und Großeltern noch alles anderes als selbstverständlich. Großmutters Satz "Das hätte es früher nicht gegeben!" ist in vielen Fällen leider traurige Wahrheit.
So galt bis Ende der 50er Jahre das "Letztentscheidungsrecht" des Ehemannes in allen Eheangelegenheiten. Und dieses Recht hatte es in sich: Beruf, Führerschein, Kindererziehung, eigenes Geld und Konto - all das wurde per Gesetz zu Gunsten des Mannes geregelt. So hatte der Ehemann das Recht, über das Geld seiner Ehefrau frei zu verfügen. Und das betraf nicht nur ihr Einkommen, sondern auch das Geld, das sie mit in die Ehe gebracht hatte. Frauen konnten noch nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Der Mann konnte sogar den Job seiner Frau ohne deren Zustimmung kündigen.
Diesen Missständen wurde erstmals am 1. Juli 1958 begegnet, als das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf Grundlage des bürgerlichen Rechts in Kraft trat. Mit dem neuen Gesetz wurden unter anderem die Vorrechte des Vaters bei der Kindererziehung eingeschränkt. Es sollte jedoch noch bis zum Jahr 1977 dauern, bis Frauen ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein durften und es keine gesetzlich vorgeschrieben Aufgabenteilung in der Ehe mehr gab.
[….] Frauen durften  [….]  bis 1958 nur dann ihren Führerschein machen, wenn ihr Mann oder ihr Vater die Erlaubnis dazu erteilte.

Wir sind also noch ziemlich neu im Werte-Geschäft.
Schwule rechtlich schlechter zu stellen, Waffen in Krisengebiete zu schicken, jährlich 60 Millionen Küken zu schreddern finden wir aber immer noch OK.

Montag, 20. Juni 2016

Homopower



Während früher die schwulen Stadtviertel eher „bähbäh“ waren, gelten sie inzwischen als schick.
Das hängt nicht unbedingt damit zusammen, daß Homosexuelle von allen geliebt würden, sondern weil die Wirtschaft die schwule Kaufkraft entdeckt hat.
Schwule sind nicht nur besser gebildet als heterosexuelle Männer, sondern sie verdienen mehr und geben davon auch noch mehr für Konsumartikel und Reisen aus.
Der Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida hat die „kreative Klasse“, zu der LGBTIs gezählt werden, als Standortvorteil definiert.

Kulturwirtschaft? Nein, "Creative Industries" ist doch inzwischen der angesagte Begriff - und auch in Mitteleuropa schon Gegenstand eigener "Kreativwirtschaftsberichte". Warum halten wir uns dann nicht gleich an den immer noch einflussreichen amerikanischen Guru Richard Florida, der seine ökonomischen Theorien zum Beschäftigungswachstum wirkungsvoll als Aufstieg einer neuen, "kreativen Klasse" inszeniert?
[….] Das Kernargument von Florida ist von eher schlichter Natur: Seit es mit traditionellen Industriezweigen bergab geht, sei die "creative economy" mit einer neuen Klasse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei, ihren Platz zu übernehmen. [….] Floridas Konzept enthält - ähnlich wie andere Theorien zur wirtschaftlichen Entwicklung - statistische Indikatoren. Dies hat den Vorteil, dass man das Konzept empirisch "testen" kann, was auch bereits in verschiedenen Regionen geschehen ist. [….]  Manche von Floridas Argumenten werden etwa in einer niederländischen Studie bestätigt, so vor allem die These, dass es zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums weniger darum gehe, "welche oder wie viel Bildung Menschen mitbringen, sondern wo sie tatsächlich arbeiten".

Bildung und Wohlstand gehen mit Liberalität und Religionsferne einher.
Das ist auch das große Problem von ultraultraorthodoxen Juden in Israel.
Da sie durchschnittlich zehn Kinder bekommen, müßten sie eigentlich schon die Bevölkerungsmehrheit stellen.
In der Praxis klappt das nicht, da immer wieder Kinder abtrünnig werden.
Ich glaube, dafür gibt es sehr profane Gründe. Ultraultraorthodoxe leben sehr ärmlich und beengt.
Wie sollte es auch anders sein? Die Männer arbeiten nicht, verdienen kein Geld, sondern beschäftigen sich ausschließlich mit Poppen und Thora-Studium. Den Lebensunterhalt müssen die Frauen verdienen, die aber grundsätzlich nur eine mindere Schulbildung bekommen und zudem auch noch ständig ausfallen, weil sie wieder einen Braten in der Röhre haben.
Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, ob Kinder in diesem Umfeld nicht doch sehr glücklich und geborgen aufwachsen.
Aber in Israel müssen sie nur ein paar Minuten zu Fuß gehen, um Menschen im Wohlstand und mit ungeahnten Freiheiten zu treffen. Der Gedanke, daß säkulare Israelis offenbar das bessere Leben führen liegt dann nahe.
So können stramm religiöse, konservative Menschen vom Mammon verführt werden.

Ohne Richard Floridas Wirtschaftstheorien genauer auszubreiten, läßt sich doch sagen, daß die neue Homo-Affinität der ökonomischen Elite auf dem gleichen Prinzip beruht.
Die Chefs der DAX-Konzerne sind jetzt nett zu ihren schwulen Mitarbeitern. Nicht weil sie über Nacht links-multikulti ticken, sondern weil sie erkannten, daß LGBTIs nicht nur eine wertvolle Ressource sind, sondern auch ein Machtfaktor.

Karma is a bitch.
Nun müssen sich ausgerechnet die konservativen Parteien, die den Reichen und der Wirtschaft zuarbeiten von ihrem gesellschaftsideologischen Überbau trennen.
Sie tun das nicht aus Einsicht, oder weil sie gute Menschen sind, sondern weil sie dem Mammon frönen.
In diesen Fall werden sie aber durch das Geld in die richtige Richtung gedrückt.

Andere Minderheiten wie Behinderte oder Schwarze verfügen leider nicht über diese ökonomischen Hebel, weswegen Donald Trump auch weiterhin auf sie eindrischt.

Vor den Schwulen aber muß er Angst haben und bemüht sich jetzt ausgerechnet als Ober-GOPer um die queeren Stimmen.
Ob das klappen kann?

Während man nach dem Orlando-Shooting zunächst dachte, Trump schlüge mit seiner antimuslimischen Suada politisches Kapital daraus, scheint sich nun aber Unbill über dem Sohn eines Orangs zusammenzubrauen.
Die US-Schwulen sind aufgerüttelt und besinnen sich ihres Einflusses.
Man kennt das aus dem „Herrn der Ringe“; es ist schwer Ents und Hurons aufzurütteln, aber wenn das einmal geschafft ist, sind sie extrem mächtig.

Donald Trumps Waffenwahn – er versprach immerhin, daß es unter seiner Präsidentschaft keine „Gun-free zones“ mehr geben werden, auch nicht an Schulen – entwickelt sich zum Wahl-Mühlstein um den GOP-Hals.

[….] "Glückwunsch, ihr Mörder. Ihr habt euch mit uns angelegt": Nach dem Blutbad von Orlando stellt sich Amerikas LGBT-Gemeinde gegen die NRA. Die Schwulenlobby hat Geld, ist selbstbewusst - und sehr laut.
[….] Und diesen geballten Widerstand bekommt jetzt ein Feind zu spüren, dem hier über Generationen kaum jemand etwas anhaben konnte - die US-Waffenlobby.
[….] Tausende Tote, verzweifelte Hinterbliebene, frustrierte Politiker: Nichts und niemand war bisher in der Lage, die Macht der National Rifle Association (NRA) zu brechen. Doch nach Orlando, wo Homophobie, islamistischer Terror und laxe US-Waffengesetze zusammenkamen, gibt es einen ganz neuen Gegner. Und der hält sich mit Kampfansagen nicht zurück.
"Ihr habt euch mit uns angelegt", droht der Aktivist und Schauspieler George Takei ("Raumschiff Enterprise") auf der Website "Daily Beast". "Wenn es in diesem Land eine Gruppe gibt, die mehr Willenskraft, Erfahrung und Hartnäckigkeit hat als die NRA, dann ist es die LGBT-Gemeinde." Der Kampf gegen die NRA, so Takei, sei "das nächste Kapitel in der LGBT-Geschichte".
[….] "Die Schwulengemeinde", sagte Dave Garcia, der politische Direktor des Los Angeles LGBT-Centers, der Website "The Wrap", "ist extrem einfallsreich."
Nun nehmen sie sich also die Waffenlobby vor. In einem offenen Brief erklärten mehr als 50 LGBT-Gruppen der NRA den Krieg: Die "Schwelle der Toleranz" sei erreicht. "Die Sicherheit unserer Gemeinschaft hängt davon ab, dass wir sowohl den Hass gegen uns als auch die Epidemie der Waffengewalt beenden, die außer Kontrolle geraten ist", erklärte Chad Griffin, der Chef der großen LGBT-Menschenrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC). [….]

Trumps ist sehr nervös; seine Umfragewerte befinden sich ohnehin im freien Fall, da kommt ein Krieg mit den Schwulen denkbar ungelegen.

Der Apple-Konzern hat dem republikanischen Spitzenkandidaten für den US-Wahlkampf eine deutliche Absage erteilt: Wegen Donald Trump werde der Konzern nicht wie bei den letzten Wahlen üblich technisch und materiell den republikanischen Parteitag unterstützen. [….] Trump hatte im Wahlkampf wiederholt Tim Cook, der seit 2011 den Apple-Konzern anführt und sich 2014 outete, persönlich angegriffen. Kritisiert hatte er insbesondere die Weigerung des Konzerns, für die amerikanischen Sicherheitsbehörden Nutzerdaten zu entschlüsseln. So rief Trump vor einigen Monaten zu einem Apple-Boykott auf.

Trump, der mutmaßliche Milliardär, der sich aber weigert seine Einkommenssteuererklärung zu veröffentlichen, weil er mutmaßlich gar keine Milliarden hat, bekommt dadurch ein Problem.
Anders als behauptet, zahlt er nämlich nicht seinen Wahlkampf selbst, sondern ist auf Spenden angewiesen – und die fließen spärlich.

Many of the major companies that helped fund the 2012 GOP National Convention have declined to sponsor the 2016 event in Cleveland this year.
Bloomberg confirmed yesterday that Wells Fargo & Co., United Parcel Service Inc., Motorola Solutions Inc., JPMorgan Chase & Co., Ford Motor Co., and Walgreens Boots Alliance Inc. will all be pulling their funds for next month’s gathering at Quicken Loans Arena.
[….] The enormous controversy emerging over Trump’s likely nomination in July does, however, provide a clear risk for many companies, who fear that their association with Trump will be potentially harmful to their brand.

Dann mal los, liebe US-LGBTIs: Macht mal ordentlich Druck, droht mit Boykotten, damit weitere Firmen sich von Trump distanzieren.
Facebook unterstützt immer noch die GOPer.

[….] Apple ist nicht die erste Firma aus der amerikanischen Tech- und Medienbranche, die wegen Trump zuletzt die Unterstützung der Republikaner einstellte. Der Schritt ist aber dennoch bemerkenswert, weil das Silicon Valley bislang, auch wenn hier tendenziell linke Vordenker den Ton angeben, Demokraten und Republikaner im gleichen Maße unterstützt hat.
[….] Die Entscheidung des größten Tech-Konzerns hat eine hohe Symbolkraft und dürfte die Spannungen im Silicon Valley im Umgang mit Trump weiter anheizen. Zuletzt hatte das Portal "BuzzFeed" einen Werbedeal mit den Republikanern platzen lassen, auch dies aus Protest gegen Trump.
[….] Trotz der Kritik an Trump planen etwa Google und Facebook weiterhin, den Nominierungsparteitag der Republikaner ebenso zu unterstützen wie jenen der Demokraten, die nach derzeitigem Stand Hillary Clinton ins Rennen schicken werden. [….] Auch bei Facebook sorgt die Frage, wie man es denn nun mit Trump hält, für Konflikte. Verwaltungsratsmitglied Peter Thiel, zugleich einer der mächtigsten Tech-Investoren, ist gar einer der Delegierten Trumps beim Parteitag. [….] (SPON 20.06.16)