Mittwoch, 2. Mai 2012

Hassende Sachsen - Teil III




Das stimmte schon, was einige Piraten angesichts der hirnbefreiten Mitglieder, die über NSdAP-Vergleiche schwadronierten, feststellten:
Jede Partei hat einen gewissen Prozentsatz Idioten.
Wer wüßte das nicht besser, als ein leidgeprüfter Sozialdemokrat, wie ich?

Wir Sozen sortieren allerdings traditionell die dümmsten Schwätzer aus, separieren sie von der Basis und geben ihnen Posten als Generalsekretär oder Senator.

Die Grünen sind da schlauer, behalten die Deppen in den Ländern und besetzen die Führungsmannschaft des Bundes mit Leuten, die zumindest nicht vollkommen auf den Kopf gefallen sind.

Bei der CDU ist das Bild ausgewogen. Da sind die Vollidioten auf allen Ebenen gleichmäßig verteilt. Keine Probleme mit der Idiotenverteilung hat die FDP, da ihre Vollidiotenquote bei 99,99% liegt.

Im Ernst; wenn irgendein Hinterwäldlerix Stuß redet, lassen sich dadurch noch nicht Rückschlüsse auf seine Partei oder sein Land ziehen.

In Sachsen kommt allerdings etwas viel zusammen. 
Angefangen beim sogenannten „Sachsensumpf“, jenem dubiosen Geflecht aus Puffs, Nutten, Immobilienspekulanten, Sächsischen CDU-Politikern und der Justiz.

Daß die beiden Journalisten Thomas Datt und Arndt Ginzel es wagten in dieser Geschichte zu ermitteln, ließ das Justizministerium durchdrehen. 
Die Journalisten wurden angeklagt und nach 13 Verhandlungstagen zu Geldstrafen verurteilt. 

Pressefreiheit ja, aber bitte außerhalb Sachsens.

Für Pressefreiheit muss man in Sachsen wieder kämpfen. Ginzel und Datt werden Berufung einlegen gegen ein offenkundig absurdes Urteil.
Arndt Ginzel: "Wir finden dieses Urteil ungerecht. Es würde uns als Journalisten beeinträchtigen in unserer Arbeit. Und wenn wir, wenn wir unsere Arbeit und unsere Aufgaben erfüllen wollen, dann muss dieses Urteil gekippt werden. Dann muss dieser, diese Verurteilung gekippt werden. Und das bedeutet: Es muss erlaubt sein, kritische Fragen zu stellen."

Recherche ist im Freistaat nach wie vor unerwünscht.




Und dann ist da noch das besondere Verhältnis der Sächsischen CDU und der Sächsischen FDP zu den Neonazis, deren Anträge im Landtag immer mal wieder mehr Stimmen als die aus der eigenen Fraktion bekommen.

Der Gipfel der braunen Heranrobbung war vor sechs Monaten erreicht, als der Landtag gegen André Hahn vorging.
Das passt der NPD natürlich nicht. Aber auch nicht der FDP und der CDU!

Daß Hahn eine Gegendemo gegen eine NPD-Kundgebung organisierte war ihnen Anlass den Linken zu verklagen - schwarz und gelb fanden es gut und stellten sich an die Seite der Neonazis!!!!

Der sächsische Landtag hat trotz rechtlicher Bedenken die Immunität von Linke-Fraktionschef André Hahn aufgehoben. Die CDU/FDP-Koalition und die rechtsextreme NPD stimmten am späten Mittwochabend dafür. Linke, SPD und Grüne stimmten dagegen. Mit dem Votum steht einer Anklage gegen Hahn wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz nichts mehr im Wege.
Die Staatsanwaltschaft Dresden sieht in Hahn einen "Rädelsführer" von Protesten gegen Neonazis im Februar 2010 in Dresden. Damals waren Tausende in Dresden auf die Straße gegangen und hatten einen genehmigten Aufmarsch Rechtsextremer blockiert.
Hahn verteidigte erneut den friedlichen Protest. "Es ist legitim und richtig, sich gegen derartige Aufmärsche mit friedlichen Mitteln zur Wehr zu setzen." Er sehe den dringenden Verdacht einer Missbrauchsverfolgung. Wenn von 12.000 Gegendemonstranten nur einer aus Sachsen vor Gericht gestellt werden solle, sei die politische Absicht deutlich.

War der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ auf dem rechten Auge blind, oder sah er, aber handelte nicht? Menschen stellen sich gegen den Rechtsextremismus, wenden sich gegen ihn und werden verfolgt, auch unser Fraktionsvorsitzender im Landtag von Sachsen, André Hahn. Der Sächsische Landtag hob mit den Stimmen von Union, FDP und NPD seine Immunität auf. Ich bitte Sie: Denken Sie darüber nach. Mit welchem Eifer und mit welcher Akribie die sächsischen Ermittlungsbehörden vorgehen, zeigt, dass sie die Wohnung des Jenaer Jugendpfarrers Lothar König durchsuchten, jenes Pfarrers, der sehr frühzeitig vor dem Treiben der Jenaer Neonaziszene und dem Heimatschutzbund warnte. Nun stellt sich weiter heraus, dass Holger Apfel, Landtagsabgeordneter der NPD im Sächsischen Landtag und neuer Bundesvorsitzender der NPD, ein Wahlkreisbüro in Chemnitz eröffnete. Der Eigentümer des Hauses dieses Wahlkreisbüros ist zugleich der Produzent der Nazirock-CD, auf der die sogenannten Döner-Morde verherrlicht und gefeiert werden.
(Gregor Gysi 22.11.2011)

Und nun zu den hassbetriebenen Dumpf-Konservativen von der Hinterbank Sachsens, die wir unglücklicherweise immer wieder kennenlernen.

Da gibt es den sächsischen CDU-Politiker und homophoben Hetzer Thomas Schneider aus Breitenbrunn:
„Als “menschenrechtspolitischer Sprecher” der Grünen spricht er nicht für Menschenrechte, sondern proklamiert ein modernes diktatorisches Gedankengut. Nur derjenige, der sich Beck`s Ideologie zur sexuellen Orientierung unterordnet, wird gesellschaftstauglich. Wer sich nicht fügt, wird mit allen Mitteln bekämpft. Doch die eine Freiheit, seinen Glauben ohne Zwang wechseln zu können, schließt die andere Freiheit nicht aus, dass ein ver(w)irrter Mensch seinem homo-, bi-, trans- oder pansexuellen Lebensstil den Rücken kehrt und zur schöpfungsgemäßen Ordnung zurückfindet.
In Deutschland gab es bereits zwei Diktaturen. Die Dritte ist im Anmarsch.“

Schneider war der sächsischen FDP-Frau Cordula Drechsler beigesprungen, die ebenfalls gegen den schwulen Grünen Gift und Galle spie:

"Es gibt noch westliche Länder (wie Rußland), von den islamischen Ländern mal ganz zu schweigen, die Farbe bekennen zu Homosexualität. Auch in Deutschland denkt die Mehrheit der Bevölkerung so, sie getraut es sich nur (noch nicht) zu sagen. (...) Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht. Mit heterosexuellen Grüßen aus dem erzkonservativen Freistaat Sachsen"
(Cordula Drechsler; Hassende Sächsin Nr. 1)

In die gleiche Kerbe haut nun wieder ein schwarzgelber Sachse, und zwar der Plauener CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt, der sich binnen kürzester Zeit als dritter Hass-Sasche bundesweit in die Schlagzeilen bringt.
 „Homosexuelle sind krank“ befand Merkels Mann aus der Provinz.

In einem Beitrag in einem Internetforum sagte der Politiker, dass "Lesben und Schwule nichts für ihre Krankheit können" und den "Betroffenen Hilfe angeboten werden muss". Bereits zuvor hatte sich der 50-Jährige, der auch Pressesprecher der Plauener CDU ist, als Abgeordneter im vogtländischen Kreistag sitzt und Ortsvorsteher von Straßberg ist, generell gegen die Besetzung von Pfarrerstellen durch Homosexuelle ausgesprochen. In einem Leserbrief an die "Freie Presse" schrieb er, dass Schwule zwar Christen und Kirchenmitglieder sein dürften, "nur eben nicht Pfarrer".
 […] Zugleich bekräftigte der Christdemokrat seine schwulenfeindlichen Aussagen und verglich Homosexualität mit der Alkoholkrankheit. "Schwulsein ist kein körperliches Leiden, sondern hat psychische Ursachen", sagte er.   Blechschmidt äußerte sich auch zum deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der aufgrund seiner Homosexualität "keine gute Wahl" für das Amt sei. Er frage sich, "wie ein Schwuler Deutschland in Arabien repräsentieren will, wenn dort Homosexuellen die Todesstrafe droht", sagte Blechschmidt.

Werden langsam eine Menge „Einzelfälle“ in Sachsen.

Der Beifall aus der ganz kackbraunen Ecke ist Blechschmidt allerdings gewiss.


Mutiger CDU-Stadtrat durchbricht den Homo-Maulkorb
Blechschmidt läßt sich von der Homo-Propaganda in HS-Deutschland nicht den Mund verbieten.  […] Blechschmidt äußerte sich zuerst in der Chemnitzer Tageszeitung ‘Freie Presse’ zur Diskussion um homo-gestörte Protestunten-Prediger.  […] Der Politiker erklärte sich anschließend in einem ‘Facebook’-Eintrag:     „Bitte nicht falsch verstehen – natürlich können Schwule und Lesben zunächst mal nichts für ihre Krankheit, und niemand darf sie dafür verurteilen. Doch eine Krankheit sollte nicht zur gesellschaftlichen Normalität erhoben werden, sondern den Betroffenen sollte Hilfe angeboten werden.“
Doch so etwas darf man im homo-hirngewaschenen Deutschland nicht sagen.
Homo-Hexenjäger schüren jetzt die blinde Empörung gegen Blechschmidt.
[…] Der von den Homo-Revolutionswächtern bedrohte Blechschmidt ließ sich von der Empörungsaktion nicht beeindrucken.
(Hakenkreuznet 02.05.12)

Schwule haben keine Familien - sie werden offenbar in Reagenzgläsern gezeugt und in künstlichen Uteri ausgetragen; sind also elternlos, haben aber auch nie Geschwister und dementsprechend keine Nichten, Neffen, Cousins oder gar eigene Kinder. Sie können auch nicht wissen was überhaupt eine Familie ist, geschweige denn können sie sich für Familien einsetzen.
So sieht es aber nicht nur Herr Blechschmidt in Plauen.

Den Hass-Sachsen Nr. Vier findet man ebenfalls in seiner Fraktion. Und zwar als Chef.

Zu homo-gestörten Protestunten-Predigern erklärte [Plauener CDU-Fraktionschef Hansjoachim ] Weiß, daß er es für problematisch halte, wenn ein Prediger, „der sich für die Familie starkmachen soll, homosexuelle Neigungen hat“.
(Hakenkreuznet 02.05.12)

Dienstag, 1. Mai 2012

Impudenz des Monats April 2012.




Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Mehr als ohnehin üblich ist in letzten Monat der Urnenpöbel in NRW und Schleswig-Holstein dem Wahnsinn anheimgefallen und konnte somit klar den Titel als größter Depp des Monats erringen.
Herzlichen Glückwunsch.

In beiden Bundesländern gibt es die wunderbaren Gelegenheiten, a) eine klare rotgrüne Regierung zu wählen, b) ein deutliches Signal an die Bundesregierung zu senden, was von Schwarzgelb generell zu halten ist und c) der Röslerischen Rabulistik-Rasselbande endgültig den Todesstoß zu versetzen.

Lange Zeit gaben die Umfrage auch genau das her, aber in den letzten Wochen dreht sich das Bild. 
Der rotgrüne Block schrumpft und die FDP klettert über die 5%-Hürde.
Unfassbar!

Weswegen?

Hat es bundespolitische Gründe, weil Brüderle lügt, daß sich die Balken biegen?

Liegt es gar an der Performance des großen Ex-Vorsitzenden Guido Westerwelle, der die Bedeutung eines einst hochangesehenen Ministeriums in Rekordtempo wegschrumpft?

Lange Zeit galt das Außenministerium als wichtigstes Ressort nach dem Kanzleramt. Der Außenminister war fast immer auch Vizekanzler. Er war üblicherweise Parteivorsitzender und dem Kanzler auf dieser Ebene ebenbürtig.
Der Außenminister war das Neidobjekt seiner Kabinettskollegen. Kein anderer Politiker war in der Regel so beliebt und geachtet. […]
Nun sind die Diplomaten kleinlaut geworden, und das liegt auch am Minister. Guido Westerwelle ist nicht mehr Vizekanzler, weil seine eigene Partei ihn als Vorsitzenden nicht mehr haben wollte. Bei den wichtigen außenpolitischen Fragen, der Euro-Rettung oder dem Bau eines neuen Europa, spielt er nur eine Nebenrolle. […] Das Ausland hat gemerkt, dass der deutsche Außenminister keine starke Figur mehr ist. Als der Kronprinz von Abu Dhabi Ende Februar zu einem Besuch nach Berlin kam, bat Westerwelle um einen Gesprächstermin. Doch Scheich Mohammed Bin Sajid Al Nahajan wollte nur mit der Kanzlerin sprechen.
Das hat auf das Selbstverständnis der Diplomaten abgefärbt. Plötzlich macht der Finanzminister die Europapolitik, und der Entwicklungsminister gilt als besserer Außenminister. Das ist nicht schön.
[…..Planungschef ] Bagger litt mit, als Westerwelle zum ersten Mal nicht an einem EU-Gipfel teilnehmen durfte, weil der Vertrag von Lissabon das nicht mehr vorsah. Der Minister tobte, er wollte sich nicht einfach ausschließen lassen. Er werde seinen Staatsminister Werner Hoyer nach Brüssel schicken, ließ er dem Kanzleramt mitteilen. Hoyer könne gern kommen, erwiderte Merkel süffisant. Dann müsse er eben zusammen mit ihren Personenschützern vor der Tür warten.
(Der SPIEGEL 30.04.12)

Aber kontinuierlich steigen die FDP-Werte an. 


Angesichts des Dauerdebakels der Bundes-FDP fragt man sich, ob der Aufschwung an Ruhr und Förde landespolitische Gründe haben könnte.
Aber in Düsseldorf ist der Privat- und Polit-Pleitier Lindner der Spitzenkandidat! 
Ein Mann, der finanziell und strategisch so sehr auf den Bauch gefallen ist wie keiner. 


 Der Mann, der während einer FDP-induzierten Ausgaben-Orgie (Pendlerpauschale) mit einer Anti-Schuldenpolitik wirbt.

Noch ungeheuerlicher sehen die Zahlen aus Kiel aus; dort sind die Hepatitis-Gelben schon bei sagenhaften SIEBEN Prozent weit vor Linker und SSW auf Augenhöhe mit den Piraten!

Warum bloß?
Weil Möllemann-Freund Kubicki, der selbst von seiner eigenen Partei als „Quartalsirrer“ bezeichnet wird, sich über seinen Bundesvorsitzenden Rösler am besten lustig macht?

Nein, rational ist das nicht zu erklären. 
Mehr und mehr Wähler scheinen endgültig den Verstand zu verlieren.

 Glück für die FDP.

Montag, 30. April 2012

Personal-Primat, nein danke?




Das war mal eine gute Idee, als der Spiegel vor Jahrzehnten damit begann seine Artikel namentlich zu kennzeichnen.

Ich schätze den Meinungsjournalismus sehr und lese am liebsten die politischen Kommentare und Kolumnen in den Zeitungen und Wochenblättern.
Da wird man mit der Zeit so richtig warm mit der Redaktion, wenn man die einzelnen Schreiberlinge einschätzen, schätzen und geringschätzen kann.

Wenn einer meiner Lieblinge einen Meinungsartikel unterschrieben hat, freue ich mich gleich schon mal.
Und außerdem spart die Namenskennzeichnung Zeit, weil man aussortieren kann.
 Ich meine zwar, daß man unbedingt auch Artikel lesen muß, die der eigenen Auffassung widersprechen, aber einige Schreiberlinge sind einfach zu doof, zu einseitig und zu vorhersehbar, um sich das anzutun.
Jan Fleischauer von Spiegel-online zum Beispiel. 
Seine linken Widerparts Jakob Augstein und Wolfgang Münchau sind hingegen fast immer interessant.
Die beiden mittleren Augsteins sind überhaupt klasse. 

Allerdings ist Franziska, 47, die Kolumnistin bei der Süddeutschen („das politische Buch“), meiner Ansicht nach noch deutlich intelligenter und gebildeter als ihr Halbbruder.
Was sie schreibt, hat immer Hand und Fuß.

Jakob, 44, der löblicherweise Besitzer und Herausgeber der links-alternativen Wochenzeitung „der Freitag“ ist, leistet sich schon eher Meinungen, die ich nicht teilen kann. 
Zum Beispiel stand er im Gegensatz zu Franziska fest an der Seite Stephan Austs und konnte überhaupt nicht verstehen, wieso seine Schwester das Niveau des SPIEGELs für „verflacht“ hielt.

Heute schreibt Jakob Augstein über die Piraten, die er für populistisch im positiven Sinne hält.
 In den Nachbarländern sammelten rechte Populisten wie Frau Le Pen oder Herr Wilders die populistischen Stimmungen ein, während hierzulande ZUM GLÜCK die Piraten das Protestpotential abschöpften und es in ein interessantes Politexperiment metamorphorisierten.

Daß sie damit am Ende Frau Merkel die Macht sicherten, dürfe man aber den Politneulingen nicht vorwerfen.

Es heißt, sie zementierten Merkels Macht und ebneten einer Großen Koalition den Weg. Warum? Weil es in einem Sechs-Parteien-Parlament für Rot-Grün keine Mehrheit gebe. Das ist Polit-Zynismus. Wähler, die die Wahl haben wollen, dürfen nicht ignoriert werden. Wer mit solchen Argumenten gegen die Piraten vorgeht, folgt dem Kalkül genau jener wählerverachtenden Polit-Arithmetik, gegen die früher die Grünen kämpften und gegen die sich jetzt die Piratenpartei wendet.

Augsteins Darstellung stimmt hinten und vorn nicht.

 Wähler haben immer eine Wahl; die fünf „Altparteien“ sind schließlich kein monolithischer Block, von dem sich nur die Piraten unterschieden.
 Außerdem sichern nicht „die Piraten“ Merkel die Macht, sondern die (potentiellen oppositionellen) Wähler, die von Rot und Grün abwandern. 
Das ist auch nicht etwa Zynismus, sondern eine ganz schlichte Tatsache. 
Ursache und Wirkung.
 Jeder, der nicht rot oder grün wählt, macht es Schwarz um eine Stimme leichter an die Kanzlermehrheit zu kommen. 
Das ist zunächst einmal kein Vorwurf, sondern eine schlichte Frage der Mathematik.

Völlig unverständlich ist aber insbesondere der Vorwurf, daß „Polit-Arithmetik“ den Wähler verachtete. 
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer die Polit-Arithmetik ignoriert, indem er beispielsweise mit roten Stimmen einen schwarzen Kanzler wählt (2005!) oder mit klaren Helmut-Schmidt-Zweitstimmen (von 1980) schließlich Kohl ins Kanzleramt hebt, verhält sich wählerverachtend.

Und wann haben bitte schön, die Grünen gegen Polit-Arithmetik gekämpft?

Heute kann ich Jakob Augstein in seiner piratophilen Altwählerschelte überhaupt nicht folgen: 
Er unterstellt hier immerhin, daß Grüne und Linke den Wählerwillen verachteten und dem Urnenpöbel die Alternativen rauben wollten.
Also, ich habe seit Jahren die newsletter aller Oppositionsparteien abonniert - mir ist noch nie aufgefallen, daß die LINKE-Bundestagsfraktion sich darum bemühte CDU und FDP alternativlos erscheinen zu lassen.
Und selbstverständlich kommen auch von Grünen und der SPD diametral entgegen gesetzte Konzepte zur Regierungspolitik.

In Augsteins Kosmos ist aber offenbar nur Konzeptlosigkeit eine Alternative zu jeder Konzeption.
Schließlich idealisiert der junge Augsteinspross auch noch die augenblickliche Personalnot der Piraten.
Als ob nicht gerade bei FDP, Linken (und gewisser Weise auch bei Grünen und SPD) das Spitzenpersonal derzeit auf Schleudersitzen säße!

Aber bei den Piraten gibt es keine Spur von Führerkult. Im Gegenteil: Politische Geschäftsführerin Marina Weisband, Star der Partei, hat sich auf dem Parteitag in Neumünster zurückgezogen, um ihr Psychologie-Studium in Münster fertig zu machen, und die Amtszeit des Parteichefs bleibt auf ein Jahr begrenzt.

Klaus Ernst und Fipsi Rösler überhaupt mit dem Begriff „Führerkult“ in einen Satz zu bringen, fällt schon schwer. 
Die beiden werden in weiten Teilen ihrer eigenen Partei als Schießbudenfiguren angesehen, die man lieber heute als morgen los wäre. 
 Fest im Sattel sitzt eigentlich nur Frau Merkel. 
Auch die Parteichefs von Grünen und SPD können mitnichten als Führer Personalien bestimmen. 
Beide eiern mit der Idee einer Spitzenkandidaten-Urwahl umher und Frau Nahles hat in der SPD ungefähr die Autorität wie eine Opel-Putzfrau beim CEO von General Motors.

Ob Frau Weisband (eine der Piraten, die ich sogar sehr sympathisch finde) nur wegen ihres Psychologiestudiums den Geschäftsführerposten abgibt, wage ich auch sehr zu bezweifeln. Da gibt es seit vielen Wochen auch ganz andere Gerüchte.

Daß eine so junge Partei wie die Piraten noch keine Persönlichkeiten wie Kohl oder Brandt, die über Dekaden die Parteiführung dominierten, herangezüchtet hat ist auch kein konzeptioneller Ausstieg aus dem Prinzip „Führerkult“, sondern ganz normal für Neulinge. 
Bei Linken und Grünen gab (und gibt) es das in der Anfangsphase genauso.

Selbst in der FDP kann man kaum von Führerkult sprechen; dazu haben sich Bangemann, Lambsdorff, Kinkel und Gerhard viel zu schnell an der Bundesspitze abgelöst.

Noch beeindruckender ist die Länge der Sozi-Vorsitzenden-Liste allein seit der deutschen Vereinigung:

 Hans-Jochen Vogel, Björn Engholm, Johannes Rau kommissarischer Vorsitzender, Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine, Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Matthias Platzeck, Kurt Beck, Frank-Walter Steinmeier kommissarischer Vorsitzender, Franz Müntefering, Sigmar Gabriel.
Führerkult?

Im Gegensatz zu Augsteins Idealbild von den selbstlosen Kurzzeit-Vorsitzenden, die es nur bei Piraten gäbe, ist die Führungsfigur einer großen Organisation mit Nichten egal. 
Auf sie wird alles projiziert. 

Einen Deppen an der Spitze vertragen weder Daimler-Benz, noch der Vatikan noch die FDP, ohne ziemlich schnell zu schrumpfen.

Ich prophezeie hiermit, daß der neue Oberpirat Bernd Schlömer auch keine irrelevante Projektionsfläche sein wird, sondern eine Person, die als Symbol der jüngsten Partei eine Menge Leute ernüchtern wird.

Ich gebe zu; bis vor ein paar Tagen kannte ich den Namen Schlömer auch noch nicht. 
Aber nun wird man auf ihn achten.

Und wäre ich Piraten-Fan, würde mir nach den ersten Beschreibungen des Neuen in der Runde der Parteivorsitzenden ganz schön mulmig.

We’ll see. 
Vielleicht überrascht mich Schlömer ja auch positiv.

Aber zunächst einmal senke ich meine Daumen:

Schlömer, 41, Katholik, ist Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium. Der in Berlin lebende gebürtige Meppener hat Frau und zwei Kinder und ist kerniger Ex-Panzergrenadier.
Auslandseinsätze der Bundeswehr unterstützt er leidenschaftlich und tritt auch für deutsche Waffenexporte ein. (Wahlausschlußkriterium!)

 Die totale Offenheit der Piraten, möchte die von Augstein hochgelobte einzige Politalternative gleich mal einschränken.

Darüber hinaus ist Schlömer kein Vertreter der totalen Transparenz – und damit anschlussfähig an die Maßgaben anderer Parteien. Ein vertrauliches Gespräch müsse etwa in Koalitionsverhandlungen möglich sein, sagte er im Vorfeld des Parteitags dem Tagesspiegel. Spannend wird zu beobachten sein, wie Schlömer sich in dem parteiintern schwelenden Streit um die Bedeutung der Abstimmungssoftware Liquid Feedback verhalten wird: dazu, ob sie weiterhin nur zum Einholen von Meinungsbildern oder als vollgültiges Entscheidungssystem genutzt werden soll.
[…] Nerven könnte er darüber hinaus in der öffentlichen Debatte mit der Sprache des Sozialwissenschaftlers, die bei ihm oft wie ein Versuch wirkt, derartige Zahnlosigkeit zu kaschieren. Denn zwar steht Schlömers kumpeliges Auftreten in angenehmem Kontrast zu dem seines extrem konzilianten Vorgängers Sebastian Nerz. Wer aber Rechtsextremismus in der Partei mit „gesprächsbasiertem Monitoring“ bekämpfen will, darüber hinaus einen „Masterplan“ für den Weg der Partei zur Bundestagswahl 2013 auflegen möchte und zugleich darauf verweist, dass die Programmfindung natürlich ein „Bottom-up-Prozess“ sei, wird früher oder später den Spott der Medien auf sich ziehen. Was Schlömer dann helfen wird: der große Rückhalt in der eigenen Partei.


Dr. Friedrich W. Pohl meinte am  28.04.2012 um 16:52 Folgendes:
Wie kann man so bekloppt sein, und eine Pfeife mit Pseudostudium aus dem Öffentlichen Dienst zum Vorsitzenden wählen?
Da ist doch sofort alle Glaubwürdigkeit dahin! Es geht doch genau darum, diese Staats-Schmarotzer abzuwürgen, oder habe ich da etwas mißverstanden?
Piraten haben fertig. Bereits im Ansatz.

Frank meinte am 28.04.2012 um 21:11 Folgendes:
Das Problem ist nicht sein öffentlicher Dienst – er betreibt und lebt Kriegspropaganda für den Kriegsminister.
Das ist weder sozial noch in irgendeiner Art und Weise neu.
Solange die Piraten so stinkbürgerlich und ideenfrei bleiben – werden sie auch ganz schnell verschwinden – oder zur Ersatz-FDP mutieren…
Gewollt..??
 

Tenkamp meinte am  29.04.2012 um 06:25 Folgendes:
Ja ich finde die Wahl von Herrn Schlömer auch sehr bedenklich, schon hat man wieder Beamte an der Spitze. Und gerade das Beamtentum in Deutschland kostet uns Milliarden und gehört abgeschafft, das wird mit einem Beamten an der Spitze wohl nicht möglich sein überhaupt in diese Richtung zu denken. Es verwundert mich zutiefst das hier soviel Blauäugigkeit im Spiel ist..

hanz meinte am  28.04.2012 um 17:05 Folgendes:
Die Herrschenden haben die Piratenpartei nun endgültig als auch nur halbwegs oppositionelle Kraft liquidiert und sich einverleibt. Neuer Vorsitzender ist ein Militärbürokrat (Mitarbeiter im BMVg). Das ist schon ziemlich widerlich. Widerlich ist auch, dass seine Arbeitsstelle hier verschwiegen wird.

gerhard baumann meinte am  28.04.2012 um 20:10 Folgendes:
Musste es unbedingt einer aus dem Kriegsapparat sein? Und komme mir bitte niemand mit “Der betreut ja nur die Bundeswehrhochschulen”. Damit ist er genau so ein Rad in der Mordmaschienerie.
 
Libertarian meinte am 28.04.2012 um 22:01 Folgendes:
Gibt’s eigentlich schon eine interne Gruppierung “Piraten für Krieg und Imperialismus”. Obwohl, jetzt, da ein Kriegs- und Militarismusprofiteuer mit großer Mehrheit gewählt wurde, ist wohl die gesamte Partei ohnehin auf Linie gebracht.
 
Uwe meinte am 29.04.2012 um 11:55 Folgendes:
Schöne neue EU-Welt..:-)
Während die paramilitärisch gesonnene Machtelite Spaniens das Kommunikationsmedium Internet in Demonstrationsfragen zu “organisierter Kriminalität” erklärt und EU-Aktivisten-abwährend das schengener Grenz-Abkommen ausser Kraft setzt, wählt die e-learning deutsche Polit-Sektion des “europäischen Frühlings” in vorauseilendem EU-Gehorsam dann doch lieber einen DIPLOM-KRIMINOLOGEN im Range eines Regierungsdirektors des bundesdeutschen VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS an ihre Spitze…:-))
P.S:
„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“

Sonntag, 29. April 2012

Kamerageilheit.



Ein guter Politiker muß Eigenschaften haben, die ihn automatisch unsympathisch machen.
Das ist das Problem.
Ein bescheidener, rücksichtsvoller und hilfsbereiter Mensch hat eben nicht die „hoppla, jetzt komm ich“-Attitüde, um sich selbst immer in den Vordergrund zu schieben. 
Also wird er im Ortsverband hocken bleiben, nicht die Ellbogen ausfahren und sich auf der berüchtigten Partei-Ochsentour nicht nach oben kämpfen.
Und selbst die, die es bis ganz nach oben geschafft haben und beispielsweise einen Ministerjob ergattert haben, können den letzten Schritt an die Spitze nur durch massive Kamerageilheit erklimmen.
Geht man die Beliebtheitslisten der Top-Politiker durch, sind an der Spitze stets nur diejenigen, die eher unseriös arbeiten, durch die Talkshows tingeln, bei Wetten, daß auftreten, homestories für die BUNTE machen und die BILD mit privaten Sinnlosigkeiten füttern.
 Darauf stehen die Wähler und man kann nun mal nicht ohne das Wohlwollen der Wähler im Job bleiben.
Es gab schon sehr effektive Minister, die zweifellos Fachkompetenz hatten und fleißig arbeiteten, die aber stets ihr Privatleben aus den Medien raushielten und nicht jeden Schnickschnack in Unterhaltungsshows mitmachten. 
Sozialminister Scholz, Umweltminister Trittin oder der Hamburger Superminister Mirow waren solche Typen. Sie waren gute Minister - und deswegen fast automatisch auch nicht in den TopTen der Beliebtheitslisten zu finden.
 Sie hatten gar keine Zeit sich um ihre Beliebtheit zu kümmern, weil sie sattdessen ihren Job machten.
Gegenbeispiele sind die adeligen von und zu Guttenberg oder von der Leyen oder auch Christian Wulff, die sobald konkrete Politik gefragt ist, sofort in Deckung gehen, aber dafür zu gerne in Quizshows und bei Thomas Gottschalck Plattitüden absondern.
 Das mag das Volk. Die reinen Showminister, die nur Fassade sind und über keinerlei intellektuelle Tiefe verfügen.

Nicht anders ist es in der Kirche.
 Auch hier werden die Top-Jobs nicht an diejenigen vergeben, die sich uneitel und bescheiden in den Dienst der Sache oder gar für die „Nächstenliebe“ einsetzen. 
Ausnahmen, wie Bischof Franz Kamphaus bestätigen die Regel. 
Und die evangelische Kirche ist keinen Deut besser - auch hier schafften es mit Herrn Huber und Frau Käßmann die wohl selbstverliebtesten mediengeilsten und menschlich leichtgewichtigsten Typen an die EKD-Spitze.
Plappermäulchen Käßmann konnte es noch nicht mal unterdrücken die intimsten medizinischen Dinge, wie ihre einsetzende Menopause oder ihre Brustkrebserkrankungen sofort in der BILD auszuplaudern.

Ihre Mitteilungswut konterkariert notwendigerweise ihre geistige Schlichtheit.
 Ihr fortwährend erscheinenden Bücher (80 Stück bisher!) sind derart platt und inhaltsleer, daß professionelle Buchkritiker wie Denis Scheck vor echte Herausforderungen gestellt werden, wenn sie die neuesten Käßmannschen Plattitüden-Ansammlungen beschreiben müssen.

Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"


Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.


Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.

Lustig ist es natürlich, wenn das Hannoveraner Hohlgeschoss auf andere überzeugte Meinungsführer trifft, die keine Ahnung haben - davon aber sehr viel. 

Fetzen sich Käßmann und Matussek, kann man sich entspannt zurück lehnen und abwarten wie sich zwei intellektuelle Blasen gegenseitig die Luft rauslassen.

Ein anderes Beispiel war Käßmanns inzwischen legendärer Populismus-Kniefall beim Thema Afghanistan, als sie in Günter-Grass’scher „man wird doch wohl mal kritisieren dürfen…“-Attitüde großspurig verkündete, nichts sei gut in Afghanistan.

Als ob es irgendeinen Menschen auf der Erde gäbe, der das Gegenteil behauptet hätte!
 Aber Käßmann stellt sich ins Fernsehen, verkündet, daß zwei und zwei vier sei und läßt sich dafür als neue Margot Ries feiern. 
Das geht so lange gut, bis ein Grundschüler vorbei kommt und sich mit der IQ-Nebelgranate über das kleine Einmaleins unterhalten will. 
Da schrumpft die Frau von der Kanzel dann in Windeseile auf das Niveau einer geistigen Zwergin.
 Von Afghanistan hat sie natürlich keine Ahnung. Es stört sie aber auch gar nicht und so hörte man sie schon in Talkshows auf die Frage was sie denn am Hindukusch besser machen wolle, daß die „mit den Taliban“ beten wolle.
Guter Plan. Ich schlage vor Frau Käßmann über der Afghanisch-Pakistanischen Grenze mit einem Fallschirm abzuwerfen. Dort soll sie sich auf die Suche nach Mullah Omar machen, ein paar Gebete mit ihm sprechen und schon wird sie Afghanistan in ein blühendes Land ohne Ungerechtigkeit und Gewalt transformieren.

Die Dümmlichkeiten der beliebtesten deutschen Geistlichen haben sogar den nicht eben als Kriegsfanatiker bekannten ehemaligen Bremer Grünen-Chef und heutigen Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Ralf Fücks die Füße über dem Kopf zusammen schlagen lassen. 
Er formulierte im Januar 2010 einen Offenen Brief „wider die Käßmannschen Afghanistan-Banalitäten“

„So rasch wie möglich“ sollen die deutschen Truppen abziehen (wer sollte da widersprechen?), aber „nicht völlig überhastet“, nein, vielmehr sollte über einen „ruhigen und geordneten Rückzug nachgedacht werden“. Irgendjemand soll freilich den „Waffen- und Drogenschmuggel“ unterbinden, alldieweil „religiös motivierte Vermittler“ zwischen den Fronten pendeln und eine friedliche Lösung stiften. So malt sich die Ratsvorsitzende der EKD den Weg zum Frieden aus.
[…] Dass „Afghanistan nicht allein mit Waffen zu befrieden ist“, ist eine Binsenweisheit. Aber wie soll der Rückfall in eine menschenverachtende Gewaltherrschaft verhindert werden, ohne jenen auch mit Waffengewalt entgegenzutreten, die ihre Ziele mit Bomben und Gewehren verfolgen?
[….]  Sie haben „große Mühe zu akzeptieren, dass deutsche Soldaten außerhalb des Landes, der Nato eingesetzt werden“, und stören sich daran, „dass Deutschland nach den USA und Großbritannien die drittstärkste Militärmacht im Rahmen der Eingreiftruppe Isaf ist“. Sehen wir davon ab, dass es sich bei der „International Security Assistance Force“ nicht um eine „Eingreiftruppe“ handelt, sondern um den Auftrag, ein sicheres Umfeld für den zivilen Aufbau zu schaffen: Sollen andere Nationen das Leben ihrer Soldaten riskieren, während die Deutschen aus ihrer Geschichte das Privileg ableiten, sich von Auslandseinsätzen im Rahmen der Vereinten Nationen fernzuhalten? Wie halten Sie es mit der „Responsibility to Protect“, der Verpflichtung zu internationalem Handeln, wenn Menschenrechtsverletzungen und Völkermord drohen?

Käßmann kann aber nicht ohne Amt und ohne Kamera und so drängelt sie sich immer noch vor jedes Rotlicht, um ihre Kindergarten-Niveau-Binsen von sich zu geben.

Ihr neustes Amt ist das der „Lutherbotschafterin“, genau gesagt: "Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017". 
Ein schöner Titel. Ein Titel, der aber kaum interessiert und so stand die heilige Margot bei ihrer Amtseinführung in der Berliner Gedächtniskirche vor vielen leeren Reihen.

Bei deren Anblick sah die zurückgetretene Landesbischöfin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, die sonst jeden Saal füllt und mit vielen ihrer gut 80 Bücher auf die Beststellerlisten kommt, einmal die christliche Normalität.
[…]  Zudem haben die leeren Stühle auch insofern etwas Gutes, als sie das Ende des Rummels um die Pastorin signalisieren könnten, die spätestens nach ihrem Rücktritt wegen der Trunkenheitsfahrt 2010 zum evangelischen Popstar wurde.
[…]  Käßmann zeigte, dass der jüdisch-christliche Gott ein redender, durchs Wort wirkender Gott ist: "Gott spricht, tut sich kund", sagte Käßmann und hob ihn damit klar ab von anderen Vorstellungen, nach denen Gott ein "unergründlicher Weltenherrscher" oder eine "diffuse Seinskraft" sei.
 Danach entfaltete sie, wie sehr die Reformatoren im Bezug aufs Wort das "Denken, Reflektieren, Nachdenken, Verstehen und Fragen-Dürfen" betont hätten. […Sie mokierte] sich über jene, "die der Intellektualität des Protestantismus nachtrauern". Sie feierte das Körper-Erleben beim Joggen und lobte die "Spiritualität" des Musizierens, als sei dieses nur eine Sache des Gefühls und nicht des Verstandes.   Ja, Käßmann verfiel sogar darauf, die derzeit in Berlin ausgestellten Bilder des Malers Gerhard Richter dem "Sinnlichen" in Abgrenzung vom "Kopflastigen" zuzuordnen. Als seien Worte nicht sinnlich und als seien Richters Bilder nicht auch intellektuell.

Wieder so ein Fall à la Käßmann versus Matussek, bei dem zwei Religioten aufeinander eindreschen.
 Matthias Kamann, Springers Mann für „Grüne, Bioethik und Evangelische Kirchepromovierte über das griffige ThemaEpigonalität als ästhetisches Vermögen2 und fällt stets mit besonders absurden Ansichten zur Religion auf.

Interessanter wäre es meiner Ansicht nach aber zu hinterfragen, ob sich Käßmann eigentlich gar nicht daran stört als Botschafterin für das sexistische Schwein, für den antisemitischen Großhetzer und Liebling Adolf Hitlers als Botschafterin zu wirken.

"Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams!"
(Martin Luther, Tischreden)

Daß sich Deutschlands beliebteste Bischöfin so für Luther (1483-1546), einen der übelsten Antisemiten der Weltgeschichte, dessen eleminatorischer Juden-Ausrottungswahn Hitler inspirierte, begeistert, sollte eigentlich verwundern, verwundert aber nicht.

So wenig wie sich Fleisch und Blut, Mark und Bein ändern können, so wenig können die Jüden sich ändern. Sie müssen bleiben und verderben.
(Martin Luther)

Im offiziellen Lebenslauf des Reformators, herausgegeben von der EKD, findet sich nicht ein einziger Hinweis auf sein Verhältnis zu den Juden, die er in zahlreichen Schriften zu vernichten trachtete.

Der Stammvater aller Protestanten, den die Käßmanns und Göring-Eckhardts dauernd loben und preisen, war einer der fanatischsten Antisemiten der Weltgeschichte.

Luthers 7-Punkte-Plan zur Judenverfolgung: Originaltext
1.
"Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien"
2.
“Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande“
3.
“Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird“
4.
“Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren“
5.
“Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe“
6.
“Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren“
7.
“Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen“
(Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

Es ist und bleibt eine Schande ersten Ranges, daß sich die protestantischen Kirchen nicht entschieden von diesem Apologten des Hasses distanzieren und immer noch stolz an jeder dritten Kirche „Lutherkirche“ prangen haben.

Darum wisse Du lieber Christ und zweifle nicht daran, daß Du nähest dem Teufel keinen giftigeren, bittereren, heftigeren Feind hast, denn einen rechten Juden.
(Martin Luther)
"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird ... die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden."
(Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!", Freiburg 1938)

Als „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher sich kurz vor seiner Hinrichtung in Nürnberg 1946 rechtfertigte, bezog er sich ganz selbstverständlich auf Luther.
STREICHER: Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde. In dem Buch »Die Juden und ihre Lügen« schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man soll sie vernichten...
(29.04.1946)

"So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."
(Der Katholik Adolf Hitler)

Es ist strenge Gewissenspflicht eines jeden Christen, das entartete Judentum zu bekämpfen.
(Bischof Gföllner von Linz)

Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher.
(Der Katholik Adolf Hitler)

Die heutige EKD kann an dem judenhassenden Mönch, der so gern vom fressen, furzen und ficken dozierte, nur Gutes finden.
"Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, daß die Männer durch sie geboren werden."
(Martin Luther, dt. Theologe)

"Will die Frau nicht, so komm' die Magd!"
(Martin Luther, Frauenfreund)

"Darum hat das Maidlein ihr Punzlein, daß es dem Manne ein Heilmittel bringe."
(Martin Luther)

"...wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben...es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, daß sie sich äffen und trügen lassen."
(Martin Luther)

Ehe ist Arznei für Hurerei.
(Martin Luther)

"Ob sie sich aber auch müde und zuletzt todt tragen, das schadet nichts, laß' sie nur todt tragen, sie sind darumb da."
(Martin Luther, Schwangerschaftsberater)

Luther hatte aber nicht nur Fans unter Evangelischen:

"Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen."
(Der Katholik Adolf Hitler)

Frau Käßmann scheint das alles nicht zu stören.

Die Offenen Briefe schreiben wieder einmal andere. 
Zum Beispiel Reinhold Schlotz.

Liebe Frau Käßmann,
heute treten Sie ihr Amt als „Lutherbotschafterin“ für das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 an, […]  Sie setzen sich aber auch ein für einen Mann, der die „Freyheith eines Christenmenschen“ eben nur als Freiheit eines Christenmenschen verstand und in den Anhängern des jüdischen Glaubens ein von Gott „verdammtes Volk“ erblickte. Es war Martin Luther, der in seinem Buch „Von den Jüden und iren Lügen“ (1543) seinen treuen Rat gab, wie mit den Juden umzugehen sei: er ruft u.a. auf zum Niederbrennen ihrer Synagogen, sie unter ein Dach oder Stall zu tun, ihnen ihre Religion zu verbieten, ihren Besitz abzunehmen und die jungen Juden und Jüdinnen zur Arbeit zu zwingen. Der heidelberger Philosoph Karl Jaspers schreibt 1962 hierzu (1): „Luthers … Ratschläge gegen die Juden (die Hitler genau ausgeführt hat)“ und weist darauf hin, dass Luthers „treuer Rat“ in der Zeit des Nationalsozialismus in seinem Sinne Punkt für Punkt umgesetzt wurde.
[…]  Es ist sicherlich schwer für Sie, ihren eigenen Kirchenvater als Judenhasser und geistigen Brandstifter zu erkennen und als solchen öffentlich zu benennen. Dennoch soll dies ein Appell an Sie sein, den ganzen, und nicht nur den zensierten Luther in der Öffentlichkeit darzustellen und ihre Einschätzung, Feierlichkeiten zu Ehren Martin Luthers seien eine „Erinnerung für die Zukunft“, zu überdenken. Sie sagen: „Martin Luther ist Vorbild für uns heute, aus dem Glauben heraus, Standpunkte zu finden“. Wenn Sie aus Luthers Lebenswerk eine Gesamtbilanz ziehen, dann gehört neben der Reformation und der Bibelübersetzung eben auch sein Verrat an den Bauern, seine Befürwortung der Hexenverfolgungen, seine menschenverachtende Einstellung zu Behinderten und, nicht zuletzt, sein abgrundtiefer und folgenschwerer Hass gegen die Juden mit hinein. Auch der Dreißigjährige Krieg als Folge der Reformation darf hier nicht vergessen werden. Martin Luther als ein Vorbild für uns heute darzustellen, wäre in der Tat ein fatales Signal für die Zukunft. In Luthers eigener Sprache kann das Gesamturteil über ihn nur lauten: Summa, wir haben einen rechten Teufel an ihm!
(Reinhold Schlotz 27.04.12)