Mittwoch, 16. Februar 2022

Harter Schlag für Hasse

Die Intoleranz, die Misogynie, die Homophobie, die Lügen, der systematische Kindesmissbrauch, die Raffgier – all das sind für den derzeit frommsten Redakteur des Hamburger Abendblattes nur Petitessen.

Der evangelische Theologe Dr. Edgar S. Hasse, ist aber keiner, dem alles egal ist. Für ihn gibt es durchaus moralische Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Da ist er sich mit seiner strunzfrommen Kollegin Marianne Max ganz einig:

[…..] Ein Kirchenaustritt ist verantwortungslos!

Seit der Vorstellung des Gutachtens zu den Missbrauchsfällen in München und Freising überlegen viele, aus der katholischen Kirche auszutreten. Das ist allerdings der falsche Weg.  [….]

(Marianne Max, 24.01.2022)

Hasse geht mit perfider Eloquenz vor, schreit die Leser nicht primitiv-plump an, wie die Kollegin Max. Sein Anliegen ist Dasselbe. Er geht aber den passiv-aggressiven Weg und kübelt subtil all seine Vorurteile gegen konfessionslose Menschen aus, die in seinem Weltbild alles verdorbene Egoisten sind.

[….] „Wir sind nicht mehr Papst“, wendet sich die „Bild“-Zeitung enttäuscht von Joseph Ratzinger ab. [….] Auch in der evangelischen Kirche, die ihre eigene Missbrauchsgeschichte hat, setzt sich die Austrittsbewegung fort. Dieses Jahr bringt religionssoziologisch einen Kipppunkt. Erstmals in der deutschen Geschichte wird nur noch weniger als die Hälfte der Deutschen einer der beiden großen Kirchen angehören. Christen sind auf dem Weg zur Minderheit in diesem Land.

Ich sehe diese Entwicklung mit Sorge. Die Demokratie braucht funktions­fähige Religionsgemeinschaften, die das jüdisch-christliche Wertefundament unserer Gesellschaft und die Frage nach Gott lebendig halten. Ein Land, das Gott vergisst, wird gottlos und damit unbarmherzig. Wir brauchen Gottes Bodenpersonal, das professionell vom Schöpfer dieser Welt und seiner Liebe erzählt, damit die Geschöpfe nicht selbst zu Göttern werden – im vermeintlichen Glauben, alles im Griff zu haben. Die Pandemie zeigt doch, wie verletzbar, sterblich, endlich wir sind.  Deshalb ist jedem Katholiken, jeder Katholikin Respekt zu zollen, die sagen: Wir bleiben! [….]

(Edgar S. Hasse, 25.01.2022)

Es ist noch nicht einmal klar, ob sich Hasse der ungeheuerlichen Unterstellungen bewußt ist, die er da verbreitet. Bemerkt er eigentlich, wie diskriminierend er sich äußert? Mal ganz abgesehen davon, daß er Lügen verbreitet, denn die Kirchen geben nur einen winzigen Teil ihres Geldes für Wohltätigkeit aus, alle ihre sozialen Einrichtungen werden weitgehend vom Staat finanziert. Wer also Gutes tun will, sollte sein Geld lieber jeder anderen Hilfsorganisation als der Kirche geben.

Gläubige = moralisch und hilfsbereit

Ungläubige = subhumane Egoisten ohne Mitgefühl.

So und nicht anders lauten die Wertvorstellung des typischen „Wir sind besser als die!“-Christen Hasse.

Zu seinem großen Unglück, hören die Menschen aber immer weniger auf die Max/Hoppe-Fehlappelle und kehren der weltgrößten Kinderfi**erorganisation aller Zeiten den Rücken. Zumindest, wenn die noch freie Kirchenaustrittstermine auf den Standesamten ergattern. Die sind überall in Deutschland ausgebucht.

Heute berichtet Dr. Hasse Schockierendes aus Hamburg. Etwas so Verderbtes, wie er es sich bisher noch nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorstellen konnte: ONLINE-KIRCHENAUSTRITT! Vade retro, Satanas!

Bisher brockte man sich die größtmögliche Kirchenstrafe, nämlich die automatisch Exkommunikation und damit Verdammnis in die ewige Hölle ein, indem man gegenüber einer weltlichen Behörde erklärt, fürderhin keine Mitgliedsbeiträge mehr an die Kirche zu bezahlen; vulgo „Kirchenaustritt“ auf dem Standesamt.  Kirchliche Stellen sind bei dem Vorgang gar nicht involviert, da sie offensichtlich das Seelenheil eines Menschen ohnehin nicht interessiert, wenn derjenige nicht mehr zahlen will.

Die (katholische) Exkommunikation ist ein rein staatlicher Akt in diesem bizarren Deutschland, dessen Steuerbehörden freundlicherweise die Mitgliedbeiträge der Gläubigen eintreiben.  Die deutschen Finanzämter sind die Inkasso-Unternehmen der Bischöfe. Der Kirchensteuersatz liegt bei neun Prozent der zu zahlenden Einkommensteuer (in Bayern und Baden-Württemberg sind es acht Prozent), wird ermittelt von den Steuerbehörden. Daher hat sich der Sprachgebrauch „Kirchensteuer“ eingebürgert, obwohl es sich in Wahrheit nur um den Mitgliedsbeitrag eines Vereins handelt, den man anders als eine Steuer eben nicht zahlen muss. Man braucht nur austreten und ist die Gebühr los.

EKD und RKK haben verständlicherweise kein Interesse daran, der Allgemeinheit zu vergegenwärtigen, welch simpler Akt es ist, sich dieser Kosten zu entziehen. Es geht immerhin um 12 bis 13 Milliarden Euro jährlich, die Kirchenmitglieder zusätzlich zu ihrer Einkommenssteuer an die mit Abstand reichste Organisation aller Zeiten überweisen.

Im Zuge der Nachholbemühungen zur Digitalisierung, die 12 Jahre von CSU-Ministern blockiert wurde, aber gerade durch Corona immer dringlicher wurde, prüfen die Bundesländer unter der Federführung des besonderes frommen NRWs, welche der etwa 575 behördlichen Leistungen auch zu Hause mit ein paar Klicks am Computer erledigt werden könnten. Bislang ist in Hamburg für einen Kirchenaustritt ein persönlicher Termin beim Standesamt oder beim Notar notwendig. Zusätzlich ist eine Gebühr von 31 Euro zu zahlen.

Hasse schwant Böses:

[….] Kirchenaustritt per Mausklick? Hamburgs Verwaltung prüft das Onlineverfahren – Mitglieder müssten dann nicht mehr auf dem Standesamt oder vor dem Notar erscheinen.  [….]

(Dr. Edgar S. Hasse, 16.02.2022)

Diese Möglichkeit könnte seiner geliebten Kirche schwersten Schaden – nämlich FINANZIELLEN Schaden – zufügen.

Das Gesetz über den Austritt aus der „Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts“ stammt vom 05.03.1962, als sich niemand vorstellen konnte, daß eines Tages nahezu jeder Bürger mit einem Klugtelefon und Internet hantieren würde.

Ekkehard Wysocki, 60, religionspolitischer Sprecher der Hamburger SPD betont, daß so ein Verfahren bundeseinheitlich geregelt werden sollte. Damit wäre das Schreckensszenario für die Kirchen aufgrund der äußerst frommen katholischen Ministerpräsidenten Günther, Kretschmann und Wüst vom Tisch.

Dieses Verfahren kommt nicht, beruhigt die „Evangelische Zeitung“ unter Hinweis auf das fromme NRW.  Aber Hasse will vorbauen und verbreitet das Schreckensszenario, zitiert zwei schlimme Ketzer. Da ist die FDP-Abgeordnete Treuenfels-Frowein, die das „persönliche Erscheinen“ für „nicht mehr zeitgemäß“ hält und fast noch schlimmer der Hamburger religionspolitische Sprecher der Grünen Michael Gwosdz: „Wenn jemand aus der Kirche austreten möchte, sollte das gebührenfrei möglich sein. Das Standesamt übernimmt hier eine Aufgabe stellvertretend für die Kirche. Entstehen dadurch Kosten, sollten die Kirchen diese ausgleichen, nicht die ausgetretene Person.“

Schock schwere Not! Die Kirche soll 31 Euro zahlen?

Das ist zu viel für den frommen Hasse, der abschließend den Benediktiner-Priester Nikodemus Schnabel zitiert:

„Wir müssen Sehnsuchtsexperten werden und endlich weg von der Moral-Agentur kommen.“

Das gefällt mir. Wenn Priester und Journalisten ausgerechnet die Kinderfic**r von der RKK als Sehnsuchtsexperten bewerben, haben sie offensichtlich den Kontakt zur Realität so weit verloren, daß die Kirchenaustrittszahlen weiter in die Höhe gehen werden.

Dienstag, 15. Februar 2022

Evangelikalioten auf der Jagd nach dem Darwin-Award.

Meine Käseverkäuferin hatte heute richtig gute Laune, als sie meine Auberginen in Knoblauch-Joghurt abwog.

Endlich purzele die elende 2G-Regelung; sogar Lauterbach halte den Omikron-Scheitelpunkt für überschritten und, mal ehrlich, diese Variante sei doch nun wirklich harmlos.

Als Impfdruchbrüchler wundere ich mich immer, mit welcher Selbstverständlichkeit diejenigen, die noch nicht an Covid19 erkrankt waren, das Omikron-Virus für eine niedliche kleine entfernte Cousine des ursprünglichen Virus-Typs halten.

Ich hatte keine Vorerkrankungen, bin noch nicht uralt, und außerdem wurden mir im Spätsommer 2021 zwei BioNTech-Spritzen in den Arm gedrückt. Als mich Ende Dezember dennoch Omikron erwischte, war ich wochenlang richtig krank. Nicht so krank, daß ich befürchtete zu ersticken und ins Krankenhaus gemusst hätte, aber der „harmlose Verlauf“ streckte mich doch für gute drei Wochen so nieder, daß ich wirklich konsequent im Bett lag. Mit bösen Schmerzen ununterbrochenem Husten, Fieber.

Bekanntlich sind die Krankheitsverläufe individuell unterschiedlich, aber ich habe genügend Schilderungen von Omikron-Impfdurchbrüchen gelesen, denen es sogar noch schlechter als mir ging.  Es gibt keinen Anlass, sich plötzlich in Sicherheit zu wiegen, anzunehmen, die Virusbedrohung löse sich einfach in Wohlgefallen auf.

Die knapp 20% ungeimpften Hamburger, die sich in einer Stadt mit zeitweise 200.000 gleichzeitig Infizierten bewegten, spielen mit dem Feuer.

Das kann auch schief gehen. Ungeimpfte können an Omikron sterben.

Wir haben inzwischen 120.000 Corona-Tote in Deutschland.
Wer ist denn heute immer noch so geistesgestört, sich partout nicht impfen zu lassen?
Nun, es gibt sie: Ossis, Ungebildete, Rechtsradikale, AfDioten und Evangelikale.

Während Evangelische in Deutschland liberaler als die RKK erscheinen, ist es in den USA umgekehrt. Dort sind diese sektiererischen Protestanten, die die Bibel wörtlich auslegen, Trump verehren und gegen jedes  bürgerrechtliche Anliegen protestieren, ganz ganz rechts außen im politischen Spektrum angekommen. Die Heimat Palins, Bachmanns, Boeberts und MTGs verfügt über keinerlei Restverstand mehr.

Impfen lassen wollen sie sich nicht, schon allein, weil Menschen mit Bildung und zudem Demokraten eine Impfung dringend empfehlen.

[….] Die Impfquote ist bei weißen Evangelikalen in den Vereinigten Staaten am niedrigsten. Zu dem Ergebnis kommt das „Pew Research Center“ (Washington) in einer repräsentativen Studie. Demnach haben bisher 62 Prozent der erwachsenen weißen Evangelikalen mindestens eine Dosis eines Corona-Vakzins erhalten. Bei den weißen „Mainline“-Protestanten liegt der Wert dagegen bei 77 Prozent, bei Katholiken sogar bei 85 Prozent und damit höher als bei Konfessionslosen (80 Prozent). [….]

(Idea, 12.02.2022)

Das kann schon für den ein oder anderen Darwin-Award reichen, wenn die Maskenverweigerer, die auch noch weit überdurchschnittlich an Adipositas und Diabetes leiden, immer noch hartnäckig eine Impfung verweigern.

Auch in Deutschland konzentrieren sich Schwurbler und Aluhüte auch in den Reihen der Pietisten und Evangelikalen.

[….] Unter evangelischen Pietisten und Evangelikalen gibt es nach Ansicht des ehemaligen Präses des pietistisch geprägten Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, überdurchschnittlich viele Menschen, die dem Impfen skeptisch bis rigide ablehnend gegenüberstehen. Diese Impfgegner seien zwar auch unter den theologisch konservativen Christen eine Minderheit, sagte der Dekan des Pfälzer Kirchenbezirks Germersheim dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch ihr Anteil sei höher als im evangelischen Durchschnitt.  Auf Nachfrage von PRO erklärte Diener am Sonntag, dass er sich bei seiner Einschätzung auf eigene Beobachtungen zu Gebieten mit regionaler Frömmigkeitsprägung – darunter das Erzgebirge, das Siegerland und Teile Württembergs –, Gespräche mit Verantwortlichen, eigenen Begegnungen und Erfahrungen in den sozialen Medien stütze.  [….]

(pro, 13.02.2022)

Wenn Evangelikalioten selbst dazu beitragen, sich aus dem menschlichen Genom auszumendeln, wäre uns allen geholfen.

Montag, 14. Februar 2022

Minister zum Vergessen

Die Gewöhnungseffekte sind enorm.

2005 wurde Angela Merkel nur mit großem Glück Kanzlerin einer Groko, obwohl es lange Zeit so ausgesehen hatte, als ob die CDU/CSU die absolute Mehrheit holen würde.  2009, 2013 und 2017 war es viel leichter für sie, weil die Deutschen sich gar keinen anderen Kanzler vorstellen konnten.

Ich erinnere mich noch sehr genau an 1982, weil ich politisch extrem aufmerksam war, in der Nachrüstungsdebatte aktiv auf vielen Friedensdemonstrationen marschierte. Und dann wurde Helmut Kohl Kanzler. Das war einfach unvorstellbar. Gewählt worden wäre er damals gegen Schmidt aber eben nicht. In den 1990ern hingegen war es schwer sich vorzustellen, Kohl könnte nicht Kanzler sein.

Besonders extrem empfand ich die Zäsur von 2005, als nach 127 Jahren Amtszeit der polnische Kinderfic**rfreund Woytila verstarb. An sein endloses öffentliches Leiden und Kranksein war man derartig gewöhnt, daß man sich nicht vorstellen konnte, einen anderen alten Mann auf dem Posten zu sehen.

Und dann auch noch ausgerechnet Ratzinger, der bei den seit Jahren stattfindenden Papabilitäts-Spekulationen nie in Frage kam:
Als Deutscher, der in der Hitlerjugend war, die Weltkirche leiten? Außerdem galt er als zu alt, zu konservativ und war durch die zwei Jahrzehnte an der Spitze der Glaubenskongregation extrem unbeliebt. Zudem gab es das Vorurteil, Ratzinger zöge lieber im Hintergrund die Fäden und hasse Massenmessen, wie sie JP-II auf Weltjugendtagen veranstaltet hatte.Und noch etwas; Ratzinger war als Kardinalbischof und Präfekt der ranghöchste Kardinal überhaupt, leitete die JP-II-Trauerfeierlichkeiten. Üblicherweise sortierten sich im Konklave die Machtverhältnisse neu.

Ich hatte vor 2005 fleißig mitspekuliert, wer der nächste Papst wird und war vollkommen überrascht, als es auf einmal hieß „habemus Papam….. cardinalem Ratzinger…“

A posteriori ist man immer schlauer. Offensichtlich hatte Ratzinger sorgsam sein Image als frommer Bücherwurm gepflegt, aber in Wahrheit immer voller Ehrgeiz gesteckt, systematisch in seiner Zeit als Chef der Inquisition Abhängigkeiten geschaffen, sich Stimmen im Konklave zusichern lassen und nur darauf gewartet, die in seinen Augen schreckliche Schlichtheit des Woytila-Pontifikats zu beenden.

Kaum auf dem Thron, war Schluß mit bescheidener Barhäuptigkeit und einfachen weißen Gewändern. Ratzi gab ein Vermögen für juwelenbestickte bunte Kleider aus, die er jeweils nur einmal trug, reaktivierte längst vergessen geglaubte, dem Papst vorbehaltene Statussymbole, wie Hermelin verbrämte Samtmozetti, Purpur-Camauri, mit Perlen bestickte breite Gürtel («Zingulum»), Scheitelkäppi («Pileolus»), breitkrempige rote Saturni, edle purpurrote Prada-Slipper und natürlich den «Mantello» in der roten Winter-Version mit teuerstem Hermelinpelz gefüttert. Luxus-Insignien, die seit Johannes XXIII. (1958-1963) nicht mehr im Vatikan gesehen wurden.

Ratzinger hatte richtig Lust, aus dem Vollen zu schöpfen, reaktivierte ebenfalls die von seinem Vorgänger verbannten Holocaust-Leugner der Piusbrüder, ließ wieder die verbotene tridentinische Messe lesen, brach die Ökumene mit den verhassten Protestanten ab und wollte sich wieder allmächtig wie in der Renaissance fühlen.

Ich gerade immer noch ins Schwärmen, wenn ich an Ratzi denke. Wir Atheisten sind ihm zu ewigen Dank verpflichtet! Es war ein kaum vorstellbarer Erfolg, wie dieser kleine Bayer im Alleingang Millionen Gläubige aus der Kirche trieb und es schaffte mit billigen Klopfern wie „Kondome verschlimmern das AIDS-Problem“ oder seinen juristischen Streisand-Effekt-Krieg gegen die „Titanic“ auch die überzeugtesten Katholiken vergraulte.

Für alle Konfessionsfreien war es eine Riesenenttäuschung, als Ratzinger 2013 plötzlich verkündete, keinen Bock mehr zu haben und mit seinem heißen Gänsi ins Castel Gandolfo abflog. Seine Lieblingspalast-Anlage, die Papst Clemens VIII 1596 geraubt hatte und deren drei Teilschlösser Villa del Moro, Villa Cybo und Villa Barberini Anfang des 17. Jahrhunderts mit jedem nur denkbaren päpstlichen Luxus ausgestattet wurden. Auf einer Fläche von 55 Hektar konnten Ratzi und Gänsi so herrlich chillen.

Es ist sehr beruhigend zu sehen, wie Protzi auch noch neun Jahre, nachdem er die Tiara weiterreichte, intensiv für den Säkularismus arbeitet und mit garstigen Lügen zu den übergriffigen Vergewaltigungspriestern, die unter seiner Aufsicht in Bayern immer wieder auf kleine Kinder losgelassen wurden, auch im Jahr 2022 noch intensiv darum bemüht ist, möglichst viele Katholiken zum Austritt zu bewegen.  So schwer es zunächst war, sich an Ratzinger auf dem Papstthron zu gewöhnen, so wertvoll ist er bis heute für die atheistische Sache.

Nachdem man sich so viele Jahre niemand anders im Kanzleramt vorstellen konnte, als Angela Merkel, wundere ich mich nach zwei Monaten Scholz-Regierung, wie vollständig ihre Unionsminister, die schließlich als skandalaffine unfähige Unsympathen maßgeblich zur CDU/CSU-Wahlpleite beitrugen, in der Vergessenheit verschwunden sind.

Schon sinkt der Ampel-Stern, weil das Volk auf den eigenartigen Gedanken verfiel, die Minister wären für das Regieren zuständig.

Die Totalausfälle Karliczek, Klöckner, Seehofer oder Spahn hatte der Urnenpöbel hingegen achselzuckend hingenommen, ohne damit auch nur im Entferntesten die Bundeskanzlerin in Zusammenhang zu bringen.

Dabei sind die gegenwärtigen Hauptprobleme – verschlafene Energiewende, Corona-Chaos an den Schulen, Internet-Steinzeit, leere Gasspeicher, völlig marode Bundeswehr – ganz eindeutig den zuvor ewig amtierenden Unions-Ministern anzulasten.

Aber selbst eben noch omnipräsente Unions-Zampanos wie Altmaier, Spahn, AKK oder Laschet, sind wie vom Erdboden verschluckt und vergessen.

Einfach weg.

Selbstverständlich hatten sie nie etwas Positives für Deutschland geleistet, an das man sich gern erinnerte, aber es wäre doch schön, sie wenigstens als Negativ-Beispiele, gewissermaßen als Abgleich im Bewusstsein zu behalten. Es fällt schon deutlich schwerer Nancy Faeser zu kritisieren, wenn man im Bundestag den ewig schwänzenden AfD/Maaßen-affinen Horst Seehofer als Kontrast erlebt.

Wer waren die allerschlechtesten Minister, die Deutschland seit 1945 hatte?

Ganz vorn sehe ich Guttenberg, Niebel, Strauß, Möllemann, Spahn, Scheuer, Oberländer, Schäuble, Krause, Kanther, de Maizière, Glos, Friedrich, Westerwelle, Rösler, Dobrindt. Einige der Genannten sind noch so jung und aktiv, daß sie durchaus als Negativbeispiele zum Wohle der SPD dienen könnten. Diejenigen, die sich jetzt eine goldene Nase als Lobbyisten verdienen, sind leider alle schon vergessen. Man weiß gar nicht mehr wie schlimm KTG, Niebel oder Rösler waren.

Eine kleine Hoffnung stellt da immerhin Jens Spahn dar. Er könnte seine Funktion als Urnengift noch etwas länger ausfüllen, weil seine größten Mauscheleien erst jetzt, nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, richtig beleuchtet werden.

Seine krummen Maskendeals mit Emix sind  sehr viel übler als bisher bekannt.

[….] Im Zentrum der Affäre steht auch knapp zwei Jahre später die Frage, warum Emix vor allem im Haus des damaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) eine VIP-Behandlung genoss. Schließlich ergatterte die Firma, im Maskengeschäft bis dato unbekannt, dort Aufträge für knapp eine Milliarde Euro. Davon wickelte sie die meisten auch ab, für rund 700 Millionen. Warum so viel, warum Emix?  Der Blick in vertrauliche Papiere zeigt nicht nur, dass Emix offenbar Masken beim Bund loswurde, die anderswo durchgefallen waren.  [….]

(SPIEGEL, 10.02.2022)

Auch die von Spahns reaktionären Freunden stets vorgebrachte Beteuerung, der Minister haben sich immerhin nicht selbst bereichert, ist längst nicht mehr zu halten.

[….] Der frühere Gesundheitsminister hat kurz vor der Bundestagswahl eine seiner wertvollen Immobilien verkauft. Unklar ist allerdings: Wie kann er sich nun als Abgeordneter eine Millionenvilla in Berlin leisten?  Minister mit Millionenvilla, solche Berichte hat Jens Spahn nur ungern gelesen. Und er ist sogar, während seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister, juristisch gegen Veröffentlichungen über seine Immobiliengeschäfte in Berlin vorgegangen. Dort hatte sich der CDU-Politiker seit 2015, teils zusammen mit seinem Ehemann, nach und nach zwei Wohnungen und dann auch noch eine Villa gekauft. Was Fragen aufwarf: Wie konnten sich Spahn und sein Gatte das alles leisten, und warum bekamen sie dafür Kredite in Höhe von insgesamt mehr als sechs Millionen Euro. Fragen, denen Zeitungen zu Recht nachgingen, wie das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg im vergangenen Jahr entschied. Das OLG befand, Spahn und sein Ehemann müssten es hinnehmen, dass über ihre Vermögensverhältnisse in einem "deutlich weiteren Umfang" berichtet werde, als dies für reine Privatpersonen gelte. Spahn sei schließlich einer der "profiliertesten deutschen Politiker". [….] Kann sich Spahn als Bundestagsabgeordneter, ohne Ministeramt, langfristig eine bislang nicht abbezahlte Millionenvilla leisten? Wie kann er mit geringeren Bezügen Zins und Tilgung für Villa sowie die Wohnung in Berlin aufbringen, die ihm noch gehört? [….] Spahn ist seit Ende 2021 nicht mehr Minister. Als Bundestagsabgeordneter bekommt er 10 012,89 Euro brutto im Monat. Einnahmen aus Nebentätigkeiten hat er nach Angaben seines Bundestagsbüros nicht. Vorher, als Bundesgesundheitsminister und Parlamentarier, waren es mehr als 20 000 Euro. [….] Spahn hat seit 2015 zwei Wohnungen und eine Villa in Berlin gekauft; eine Wohnung und die Villa zusammen mit seinem Ehemann Daniel Funke. Allein die Villa hat mehr als vier Millionen Euro gekostet. Die Villa gehört laut Eintrag im Grundbuch zu zwei Dritteln Spahn. Für die Immobilien hatte der CDU-Politiker, teils zusammen mit seinem Ehemann, ursprünglich Kredite in Höhe von insgesamt mehr als sechs Millionen Euro aufgenommen. Eine Wohnung haben die beiden Anfang September 2021, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, für 1,37 Millionen Euro wieder verkauft. Wollte Spahn damals Vorsorge treffen für den möglichen Verlust seines Ministeramtes? [….]

(SZ, 14.02.2022)

Es mag ja holpern oder zu langsam gehen unter Olaf Scholz, aber solche faulen Äpfel, wie die CDUCSU-Minister gibt es nicht mehr im Kabinett.

Sonntag, 13. Februar 2022

Skandal in Singapur.

In autoritären Staaten hat man gern die Kontrolle über die Bilder. Die USA sind ebenfalls partiell totalitär.  Nach dem Megaskandal vom Superbowl 2004, als live bei Maximaleinschaltquote für Sekunden eine Brustwarze zu sehen war – und nichts ist schlimmer und satanische als Brustwarzen im prüden Amerika – müssen LIVE-Übertragungen mit einer Minute Verzögerung gezeigt werden- Nur so bekommen die Zensoren Gelegenheit rechtzeitig einzugreifen, bevor 100 Millionen US-Familien am heimischen Fernseher die Augen bluten, die Mütter sich ihre Brut schützend mit ihrem Leib vor den TV hechten und sich die halbe USA voller Gram in den Schlaf weint.

Vergesst Watergate, den Japanischen Angriff auf Pearl Harbour, die blutige Insurrection vom 06.01.2021 oder den Kennedy-Mord Live im TV – nichts erschütterte God’s Own Country so, wie Timberlakes und Jacksons Nipplegate.

Maximale Nipple-Phobie gilt als der signature move der USA. Wer in den großen sozialen Medien wie Facebook oder Instagram, einen weiblichen Nippel offen zeigt, wird sofort rausgeworfen. Mord, Folter, Nazi-Propaganda wird bei Zuckerberg gern akzeptiert, aber bei einem bloßen Busen ist Schluss mit Meinungsfreiheit.

Die USA sind der weltgrößte Hardcore-Porno-Produzent, kein Pop-Video kommt ohne Frauen aus, die sich wie Prostituierte anziehen, mit Tänzern, die sich in den Schritt greifen und Kopulations-Bewegungen imitieren. Ein Mädchen, das zum Highschoolabschluss noch keine Silikon-Brustimplantate hat, wird schief angesehen und als Präsidenten wählte sich das Volk im Herbst 2016 einen professionellen Titten-Juror, der damit prahlt Frauen die „Pussy“ zu begrabschen. Daher ist es auch so überhaupt nicht heuchlerisch, wie hysterisch die Nation auf den einen Körperteil reagiert: Bei der öffentlichen Darstellung einer weiblichen Brustwarze ist Schluss.

Blöd ist natürlich, daß durch dieses #Neuland möglicherweise dennoch schon der ein oder andere Teenager ein Bild einer entblößten Brustwarze gesehen hat.

Die Zensoren der Welt werden vor ganz neue Herausforderung gestellt.

Orthodoxen Juden verwenden seit zehn Jahren koschere Handys, um den „spirituellen Holokaust“ abzuwenden.

[….] Die sittenstrengen ultraorthodoxen Rabbiner haben schon so manchen Feldzug gegen das Smartphone geführt - mal mit Worten, mal mit dem Hammer, der direkt auf ein böses iPhone niedersauste. Der frommen Gefolgschaft sind nämlich nur "koschere Handys" erlaubt, ohne Zugang zum Internet, das als Ort der Sünde gilt. Über die Einhaltung der Regeln wacht ein eigens geschaffenes "Rabbinisches Komitee für Kommunikationsangelegenheit". Doch nun ist zwischen Israels Regierung und den Religionsführern der Kampf ums koschere Handy wieder voll entbrannt. Grund ist ein Plan des Kommunikationsministers Yoaz Hendel zur weiteren Deregulierung des Mobilfunkmarkts. Seit 2007 können Israelis beim Wechsel des Anbieters ihre alte Telefonnummer mitnehmen. Ausgenommen davon sind bislang die Besitzer der geschätzt rund 500 000 koscheren Mobiltelefone, die über besondere Nummern verfügen. Diese Ausnahme soll nun gestrichen werden, und für die Rabbiner bedeutet das: Kontrollverlust.  Schließlich geht die Aufsicht des Rabbiner-Komitees über die Handys weit über die Verhinderung des Internetzugangs hinaus. Geblockt wird zum Beispiel auch eine lange Liste von Telefonnummern. Für reichlich Kritik sorgte dabei immer wieder, dass darunter nicht nur Sexanbieter sind, sondern auch Informationsstellen der Regierung, Notrufnummern für Opfer von sexueller Gewalt oder Beratungsstellen für diejenigen, die aus der ultraorthodoxen Gemeinschaft aussteigen wollen. [….]

 (SZ, 07.01.2022)

Im Kampf „Autokrat versus Informationstechnik“ steht China ganz weit vorn, versteht es mit „künstlicher Intelligenz“ die Informationen aus dem Internet fernzuhalten, die keiner der 1,4 Millionen Staatsbürger sehen soll.

Im Gegensatz zur deutschen Regierung, ist Herr Xi technisch in der Lage seinen Landsleuten Pornos und freie Presse abzudrehen.

Die gewaltige PR-Show „Olympische Spiele in Peking 2022“ ist allerdings eine Herausforderung an die chinesischen Zensoren, weil so furchtbar viele ausländische Journalisten im Land sind. Jeder einzelne wird überwacht und gegebenenfalls auch mitten in einer LIVE-Übertragung abgeführt, wenn er zu viel sagt.

Der Kampf um die schnellsten LIVE-Bilder führt zu kleinen Lücken im asiatischen Überwachungsmanagement. So ereignete sich ausgerechnet auf Channel News Asia (CNA), dem in 20 asiatischen Ländern ausgestrahlten regierungsnahen Sender aus Singapur, ein Megaskandal, bevor die Zensoren zuschlagen konnten:

Der erste schwule Kuss im asiatischen Free-TV. Sozusagen der chinesische Lindenstraßen-Moment, 32 Jahre nachdem der erste Homokuss in der sonntags ausgestrahlten Vorabendserie die bayerischen CSU-Amigos Stoiber und Tandler, so in Erregung versetzten, daß sie dem BR die Ausstrahlung der Lindenstraße verboten. Die frommen CSU-Männer, die zuvor als FJS-Generäle allabendlich dem bayerischen hochkorrupten Ministerpräsidenten Strauß zwei Nutten aufs Zimmer bringen mussten, weil er sich so gern „sandwichen“ ließ, hatten eben ihre Prinzipien. Das Schöne an den CSU-Granden ist, daß sie so überhaupt nicht heuchlerisch agieren. Zwei Männer, die sich küssen? Was kommt als Nächstes? Ein Frauen-Nippel?

China ist bei Schwulenrechten tatsächlich ungefähr auf dem Stande Bayerns im Jahr 1990. Die Homogays werden nicht mehr sofort ins Zuchthaus gesteckt, aber man findet sie höchst bähbäh und tut alles dafür, um diese schreckliche Unmoral vor dem Volk zu verstecken und beispielsweise in die Abgeschiedenheit eines Beichtstuhls oder einer Sakristei zu verbannen.

[….] Ein Kuss ist nie nur ein Kuss, besonders dann nicht, wenn er vor Kameras stattfindet. So geschehen vor wenigen Tagen, während der Berichterstattung zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Peking. Die Moderatorin Low Minmin stand in einer Bar, um Atmosphäre einzufangen, wie man so sagt. Minmin trug Mundschutz, die vorwiegend männlichen Besucher nicht. Das wird besonders deutlich in dem Moment, in dem zwei Männer sich ins Bild drehen, filmreif miteinander knutschen und dann wieder verschwinden, nicht ohne dass einer der beiden noch mit einer Geste in die Kamera nickt, die man auch als nicht besonders sensibler Beobachter als schwul und stolz wahrnehmen konnte. Und vermutlich sollte. [….] In China sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften zwar nicht unter Strafe gestellt, Homo-Ehen aber nicht möglich. Auch in Singapur werden Menschen, die dem LGBQT-Spektrum angehören, also lesbisch, schwul, trans sind oder sonst wie dem klassischen Geschlechterbild nicht entsprechen, diskriminiert. Die Übertragung von schwulen Zärtlichkeiten im Fernsehen ist verboten. In den Sende-Leitlinien für Singapur ist festgeschrieben, dass Sendungen, die "alternative Sexualitäten, z. B. Homosexualität, darstellen, sensibel gegenüber den Werten der Gemeinschaft sein sollten" - und dass Filmen, die Homosexualität fördern, die Freigabe verweigert wird. "Man sollte solche Lebensstile in keiner Weise fördern, rechtfertigen oder ermutigen", heißt es im Leitfaden für Radioübertragungen. [….]

(SZ, 09.02.2022)

So ein Sündenbabel – und in der Tat, zumindest einer der schwulen Küsser schämt sich noch nicht einmal.

Samstag, 12. Februar 2022

Pfui Schröder?

In „den Medien“, aber auch an der SPD-Basis wird Gerhard Schröder mit drastischen Worten für seine internationalen Aufsichtsratsposten kritisiert. Offensichtlich hat sich die allgemeine Sichtweise „Russland schlecht, Ukraine gut“ allgemein durchgesetzt. Diejenigen, die sich Mühe geben, das größte Land der Erde zu verstehen, werden diffamiert.

Ich bin anderer Meinung; es ist wichtiger denn je, Kommunikationskanäle in den dem Kreml aufrecht zu erhalten.

Ich bin nicht der Ansicht, daß die Ukraine unserer natürlicher Verbündeter sein sollte.

Putins Argumente sind nicht an den Haaren herbeigezogen. Ja, die Ukraine gehörte die längste Zeit zur Sowjetunion, ja, die Krim war fast immer russisch, ja, die Krim wird weit überwiegend von Russen bewohnt, ja, die NATO hat ihre Versprechen gebrochen und ist Russland immer mehr auf die Pelle gerückt und ja, es war nie Russland, das den Westen angriff, sondern es waren immer die westlichen Länder, die tief nach Osten marschierten, um Russland anzugreifen – von Napoleon bis Hitler. Beim letzten mal, dem Unternehmen Barbarossa, als am 22.Juli 1941 Deutschland in die Sowjetunion einmarschierte, starben am Ende 25 Millionen Sowjet-Bürger; eins der Opfer war der in St. Petersburg von Deutschen eingekesselte ältere Bruder Wladimir Putins. Man nenne mich gern „Russland-Versteher“, aber ich finde es tatsächlich nachvollziehbar, daß der Kreml sich nicht ewig lange angucken mag, wie die NATO immer weiter nach Osten vorrückt.

Seit ein paar Tagen richten sich Zorn und Häme auch gegen die aktuelle SPD-Führung, weil sich Martin Schulz, Matthias Platzeck und der Staatssekretär im Bundesinnenministerium Johann Saathoff mit Gerhard Schröder trafen.

[…] Russland: So mauschelt Schröder mit SPD-Promis!

Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist in Sachen Russland-Politik in der SPD völlig isoliert. So ist zumindest die offizielle Darstellung der Parteispitze. Doch in Wahrheit mischt der Gazprom-Lobbyist noch immer kräftig mit, wie nun der „Spiegel“ enthüllt. Am 5. Januar hat es demnach ein Treffen von Schröder mit mehreren SPD-Promis in Hannover gegeben. […] Saathoff und Schulz nahmen wenige Tage später auch an einer von Parteichef Lars Klingbeil organisierten SPD-Klausurtagung zum Thema Russland teil.  […]

(Christian Burmeister, MoPo, 11.02.2022)

Geht es noch, Burmeister? Mauscheln??

Es wäre fahrlässig und borniert, wenn die Bundesregierung gerade jetzt nicht mit Schröder spräche! Gerade wenn die ganze Welt darüber rätselt, was Putin genau vorhat und das Weiße Haus schon von einem dritten Weltkrieg spricht, ist es die Pflicht der Bundesregierung alle Möglichkeiten zu nutzen, um an exklusive Informationen zu kommen.

Internationale Diplomatie definiert sich gerade durch Kontakte und Gesprächsaustausch mit den Mächten, die einem eher feindlich gegenüber stehen.

Wenn europäische Regierungen nur noch mit Nationen sprechen, mit denen sie eng befreundet sind und ohnehin einer Meinung sind, kann man alle Botschaften und Außenministerien gleich schließen und alles von einem Ministerialbeamten im Bundeskanzleramt erledigen lassen.

Es ist gerade jetzt von unschätzbaren Vorteil, in Gerhard Schröder einen Ansprechpartner zu haben, dem Putin vertraut und dem er sich ganz anders öffnet, als einer 40-Jährigen Außenministerin, deren Partei (Habeck! Bütikofer!) darüber orakelt, der Ukraine Waffen zu liefern!

(…..) Diese „lupenreiner Demokrat“-Zitataufsagerei kann ich nicht mehr hören.

Was für eine billige Polemik.  Wenig einfallsreich und auch nicht besonders intelligent ist es hingegen in jedem zweiten Leserbrief und fast jedem Artikel einen hämischen Schröder-Seitenhieb über den „lupenreinen Demokraten“ Putin zu lesen. Das ist unfair.  Zunächst einmal ist das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen. 

 Die Formulierung stammt von Reinhold Beckmann.

Beckmann: "Ist Putin ein lupenreiner Demokrat?"

Gerhard Schröder: "Das sind immer so Begriffe. Ich glaube ihm das und ich bin davon überzeugt, dass er das ist. Dass in Russland nicht alles so ist, wie er sich das vorstellt und gar wie ich oder wir uns das vorstellen würden, das, glaube ich, sollte man verstehen. Dieses Land hat 75 Jahre kommunistische Herrschaft hinter sich und ich würde immer gerne die Fundamentalkritiker daran erinnern, mal darüber nachzudenken, ab wann denn bei uns alles so wunderbar gelaufen ist."

(Deutschlandradio 2004)

Putin war damals Präsident und in der Konfrontation mit dem kriegslüsternen US-Präsidenten GWB ein absolut unverzichtbarer Alliierter.

Ich behaupte, der amtierende Bundeskanzler Schröder hätte in der Situation gar nicht sagen können und gar nicht sagen dürfen, er glaube Putin nicht den Weg der Demokratie einzuschlagen.

Das hätte unermesslichen diplomatischen und außenpolitischen Schaden zur Unzeit angerichtet.  Gerd Schröders Spruch stammt aus einer anderen Zeit, nämlich 2004.  Damals waren alle sehr froh darüber, daß die irren Autokraten um Boris Jelzin, der volltrunken mit dem Atomkoffer rumstolperte, von einem rationalen Mann ersetzt wurden.  Tatsächlich hat Russland unter Putin ökonomisch gewaltige Fortschritte gemacht, wurde stabiler, verlässlicher und sichert nicht zuletzt unsere Energieversorgung.  Russland war vor zehn Jahren ein äußerst wichtiger Partner Deutschlands, um gemeinsam gegen den Irakkrieg zu arbeiten. Das muß man Putin schon hoch anrechnen, daß er so klar für den friedlichen Kurs Frankreichs, Belgiens und Deutschlands gegen die USA, Polen, GB, Italien, Spanien, etc Stellung bezogen hat!  Rußland hat 1999 die Todesstrafe abgeschafft, während Merkels Christenfreund George W. Bush in seiner Amtszeit als Gouverneur 152 (sic!) Todesurteile unterschrieben hat. Der Staat Texas, dem GWB als Gouverneur diente hat in den letzten 30 Jahren sogar 22 Teenager hinrichten lassen.  Auch geistig Behinderte werden in Amerika, dem land oft he free, hingerichtet.2008 unterschrieb Bush noch als amtierender Präsident das Todesurteil gegen den Gefreiten Ronald Gray, einen US-Soldaten.

Tu quoque ist kein absolutes Argument und macht Putins Aktionen gegen Pussy Riot nicht besser. 
Aber wir sollten uns fragen, warum wir immer so hysterisch auf Russland losgehen und alle Augen bei Obama zudrücken. (….)

(Putin, die Pussy, 20.08.2012)

Schröders Kontakt zu Putin ist in der Ukraine-Krise aber auch wegen der nicht vorhandenen Alternativen extrem wichtig.

Krieg ist keine Option. Allein ist die Ukraine, deren Soldaten mangels Ausrüstung derzeit mit Holzgewehren trainieren, Russland hoffnungslos unterlegen.

Sollte Putin tatsächlich einen Angriffsbefehl in Richtung Kiew erteilen, müsste sich schon die NATO der russischen Armee entgegenstellen.

Ich bin kein Militärexperte, aber nachdem die angeblich mit Abstand stärkste Militärmacht der Erde, die USA, zuletzt die Kriege im Irak, in Syrien und in Afghanistan gegen Steinzeitkrieger verlor, glaube ich nicht, daß die NATO Russland besiegen könnte.
Außerdem ist das graue Theorie, denn die Vorstellung, daß GIs und Russen auf einander schießen, würde vermutlich tatsächlich zu einem WK-III führen, der bekanntlich im Atomzeitalter nicht nur der dritte, sondern auch der letzte Weltkrieg wäre. Dann hätte sich Homo Demens final selbst besiegt. Das kann man auch wollen.

Wie sollte man aber sonst einen Aggressor aufhalten, mit dem man nicht mal reden will und schon eine Zusammenkunft von Quasi-Unterhändlern (Schröder, Schulz, Platzeck) in Bausch und Bogen verdammt?

Die russophoben Journalisten und Politiker setzten auf extreme Wirtschaftssanktionen. Also das erprobte vorletzte Mittel vor dem Waffengang.

Mit dem kleinen Nachteil, daß Wirtschaftssanktionen noch nie funktioniert haben.

Sie haben weder Saddam Hussein gestoppt, stürzen nicht Kim Jong Un vom Thron, und haben in den letzten acht Jahren bekanntlich auch Putin nicht einen Millimeter von der Krim geschoben. Zudem sind in einer zunehmend globalisierten Welt, die ökonomischen Schäden nicht nur nicht auf die sanktionierte Nation zu beschränken, sondern können den Sanktions-verhängenden Ländern womöglich noch mehr schaden.

Deswegen ist es auch richtig von Olaf Scholz, eben nicht dauernd von Nordstream II zu sprechen. Die deutschen Gasspeicher sind leer und Russland hat längst im energiehungrigen China einen alternativen Abnehmer.

Sollte es den Kreml etwa beeindrucken, wenn in Deutschland die Lichter ausgehen? Ähnlich brutal würde eine Aussetzung des SWIFT-Finanzabkommens auf Deutschland wirken, während Moskau längst einen Weg gefunden hat, Finanzsanktionen zu umgehen.

[…] "Londongrad" als Schlupfloch?

In Großbritannien waschen viele Russen ihr Geld. Wirkungsvolle Sanktionen gegen Russland seien deswegen kaum möglich, heißt es aus den USA. Doch die Konservative Partei hat offenbar wenig Interesse, gegen Korruption vorzugehen. […] "London ist das Ziel der Wahl für alle Kleptokraten", sagt der außenpolitische Sprecher von Labour, David Lammy. "Hier gibt es Firmen, die korrupten Eliten helfen, ihr unrechtmäßig erworbenes Vermögen zu verstecken."  Labour fordert strengere Gesetze, Transparenzregeln eine Stärkung der Ermittlungsbehörden. Die Forderung ist nicht neu. Schon 2018 hieß es in einem Abschlussbericht eines Untersuchungsausschusses des Parlaments: Die Regierung müsse den Zufluss von schmutzigem Geld ins Vereinigte Königreich beenden. Doch passiert ist nichts: "Wegen des Brexit und wegen eines Desinteresses in der Regierung gab es keine Energie, das Thema anzugehen", sagt Tom Keatinge, Direktor am Zentrum für Wirtschaftskriminalität des Royal United Services Institute. […] Allein herauszufinden, wem was gehört, ist in Großbritannien ziemlich schwierig. Firmenanteile oder Immobilien sind auf Firmen in Übersee registriert. Eine Weiterverfolgung ist kaum möglich. […]

(Tagesschau, 10.02.2022)

Hilfe ist von Trumps Homunculus Johnson kaum zu erwarten.

Zudem sehen wir gerade bei den Olympischen Spielen den Schulterschluss zwischen Russland und China. Präsident Xi ist ebenfalls verärgert über den Westen, stellt sich im UN-Sicherheitsrat schon länger demonstrativ an die Seite Russlands, intensiviert die ökonomischen Verflechtungen mit Russland.

Was machen wir eigentlich bei maximalen antirussischen Sanktionen mit Abschaltung aller Gaspipelines aus dem Osten, wenn China mit Gegenmaßnahmen reagiert und den Westen nicht mehr beliefert?
Wir Europäer sind vollständig von Chinas Importen abhängig und die USA hängen zudem auch noch finanziell an Pekings Haken, weil sie dort mit über 1,1 Billionen Dollar verschuldet sind.

Merkels verblödeter Wirtschaftsminister Peter Altmaier hatte sich bei den Gaseinkäufen vollständig auf den Nordstream-Angaben verlassen. Er wurde nach Strich und Faden übertölpelt und nun ist die deutsche Abhängigkeit vom russischen Gas größer, denn je.

Präsident Putin übernahm 2000 eine marode, demotivierte russische Armee, die auf weitgehend schrottreifen Panzern saß. Er erkannte das Problem, investierte, entwickelte, modernisierte. 20 Jahren später ist sein Militär stärker denn je und überrascht westliche Beobachter mit sagenhafter Beweglichkeit, kann in kürzester Zeit in Kasachstan oder der Ukraine sein, während Deutschland zu doof ist, sich auch nur Transportflugzeige zuzulegen.

Das kommt eben davon, wenn man dämliche CDU-Regierungen wählt, in denen Altmaier, von der Leyen, Scheuer oder Annegret Kramp-Karrenbauer für solche Mega-Probleme zuständig sind. Wir werden abgehängt und stehen nun international als unfähige Idioten da. Die Deutschen können kein Handy bauen, setzen beim Autobau auf seit 20 Jahren veraltete Techniken, werden für Armee und erst recht die Geheimdienste international ausgelacht.

Wladimir Putin ist dem Westen einige Schritte voraus. Natürlich gefällt uns das nicht. Aber es hilft nicht, sich wie ein Kleinkind auf den Supermarktboden zu werfen, mit den Fäusten auf den Boden zu trommeln, daß wir auch volle Gasspeicher und funktionierende Panzer wollen.

Wir müssen die militärische und geopolitische Lage so anerkennen wie sie ist.

Viele Trümpfe hat Deutschland gerade nicht in der Hand. Da darf man nicht wählerisch sein und sollte froh sein, über den einen Vorteil, den man hat: Gerd Schröder. Den Mann mit den Kontakten, die er schon mehrfach zum Wohle Deutschlands einsetzte.

[….] Altkanzler Schröder vermittelte bei Erdogan

Die Freilassung von Peter Steudtner geht auf eine geheime Mission von Altkanzler Schröder zurück. Nach SPIEGEL-Informationen reiste er auf Bitten von Außenminister Gabriel und mit Wissen der Kanzlerin zu Staatspräsident Erdogan. [….]

(Christoph Schult, 26.10.2017)

Baerbock, Lindner und Scholz sollten Gerhard Schröder zu ihrem offiziellen Moskau-Unterhändler benennen und hätten damit endlich einen direkten Draht zu Putin, der nicht nur zuhören würde, sondern seinem Freund Gerd auch vertraut.

Freitag, 11. Februar 2022

Der Donald der Themse.

Die vielen Lügen, der ungenierte Populismus, die Frisur, das Drangsalieren der seriösen Medien, der enorme Schaden, den sie für ihr Land anrichten – Boris Johnson und Donald Trump zu vergleichen ist mehr als naheliegend. Beide Orange-Haarigen wurden an einem Juni-Morgen in New York City geboren, entstammen der Oberschicht und sind bekannt für ihren Frauenverschleiß.

Es gibt aber auch signifikante Unterschiede.

Der ehemalige US-amerikanische Regierungschef ist im klassischen Sinne doof. Er hat einen so niedrigen IQ, daß er nicht in der Lage ist, Informationen aufzunehmen. Seine enorm schlechte Bildung in Kombination mit seiner soziopathischen Persönlichkeit führt zu sagenhafter Borniertheit. Trump will gar nichts wissen, weil er ohnehin schon den maximalen Dunning-Kruger-Grad erreicht hat.  Der gegenwärtige britische Regierungschef hingegen genoss eine Eliteausbildung in Eton, war Präsident des Debattierzirkels Oxford Union und machte einen Master an der Universität Oxford.  Sein radikaler Einsatz für den Brexit entspringt, anders als bei Trump also nicht seiner Dummheit, sondern Kalkül und Skrupellosigkeit. Dumm sein oder vorgeben dumm zu sein, ist für den Regierungschef einer Atommacht ein enormer Unterschied.

Trump musste eingehegt werden, weil er plante, einen Hurrikan mit einer Atombombe zu stoppen, Chlorbleiche als Covid-Kur vorschlug und sicher auch gern einen Krieg gegen den Iran oder Nordkorea angezettelt hätte.

Johnson redet sich gern um Kopf und Kragen; so begann er seinen gestrigen NATO-Besuch bei Generalsekretär Stoltenberg mit den Worten "Als die Nato vor mehr als 75 Jahren gegründet wurde...."obwohl die NATO erst 72 Jahre alt ist.

Aber er wird sicherlich nicht so Trumpig verblödet sein, die britischen Atom-U-Boote Vanguard (Spitze), Victorious (Sieger), Vigilance (Wachsamkeit) und Vengeance (Vergeltung) gegen Wetterphänomene einzusetzen.

Johnson sammelte bevor er Downing St. 10 bezog journalistische und politische Erfahrungen. Trump war vor seinem Einzug in das Weiße Haus Titten-Juror und Pornodarstellerin-Mieter.

Daß Johnson England ebenso tief, wie Trump die USA in den Dreck fuhr, liegt eher an seiner totalen Skrupellosigkeit und Zocker-Mentalität. Höchstwahrscheinlich wußte Johnson immer, daß der Brexit eine Schnapsidee ist, aber sie eignete sich dafür, die eigene Karriere voran zu treiben. Tatsächlich wurde er so letztendlich Premierminister.

Das Blöde an dem Brexit oder auch der Trump/Johnsonschen  Corona-Politik ist wie so oft die brutale Vorhersagbarkeit der Katastrophe. Sehenden Auges spazieren Amis und Briten in diese Abgründe.

[….] Nun stellt ihm ein Parlamentsbericht auch noch ein vernichtendes Zeugnis über sein politisches Hauptanliegen aus: den Brexit.  Die „einzigen feststellbaren Auswirkungen“ des Brexits auf britische Unternehmen, heißt es in dem Bericht des Unterhauses, seien „höhere Kosten, mehr Bürokratie und Verzögerungen an den Grenzen“. Praktisch nichts von dem, was Johnson vor dem EU-Austritt versprochen habe, sei eingetreten. Das Parlament rechnet mit weiteren Schwierigkeiten  [….]

(Mopo, 10.02.2022)

Seine Lügen und seine Planlosigkeit haben Johnson in derartige Schwierigkeiten gebracht, daß er nun auch moralisch dem irren Rentner in Mar A Lago um nichts nachsteht.

[….] Mit den Mitteln eines Donald Trump

Der schwer angeschlagene Premier Boris Johnson verbreitet im Parlament eine rechte Verschwörungstheorie. Sein Angriff auf Labourchef Keir Starmer zeigt: Zum Machterhalt ist dem Premier inzwischen jedes Mittel recht. [….] Neu in der langen Reihe der Fehltritte des britischen Premiers: sein Angriff auf Oppositionsführer Keir Starmer. In der wöchentlichen Fragestunde im Unterhaus hatte Johnson seinem Gegenspieler vorgeworfen, in seiner Zeit als Direktor der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend zu den Sexualstraftaten des BBC-Moderators Jimmy Savile ermittelt zu haben.

Der Vorwurf ist hart – und er ist nicht wahr. [….] Konservative Abgeordnete drängten den Premier darauf, sich zu entschuldigen. Über das Wochenende schien sich die Lage wieder zu beruhigen. Bis am Montagabend ein wütender Mob den diffamierten Labourchef Starmer und Schattenaußenminister David Lammy vor dem Parlament attackierte. Eine Gruppe von Impfgegnern rief dem Oppositionsführer »Verräter« und »Jimmy Savile« entgegen. Zwei Menschen wurden festgenommen, weil sie Verkehrspylonen in Richtung der Polizei schleuderten. Starmer und Lammy blieben unverletzt, mussten jedoch in Sicherheit gebracht werden. [….]

 (SPON, 09.02.2022)

Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten sind/waren bedauerlicherweise beide mit sehr schwachen Oppositionsführern gestraft, die es nicht schaff(t)en, so eine unterirdische Regierungsperformance in haushohe Oppositionssiege zu verwandeln.

In den USA erreichte Joe Biden zwar einen mühevollen Sieg über Donald Trump, verlor aber Sitze im Kongress und muss sich von einem de facto QtrumpliKKKanischen US-Senat vorführen lassen

Immerhin scheint Labor-Chef Keir Starmer nicht ganz so unfähig wie sein Vorgänger Jeremy Corbyn zu sein, der von 2015 bis 2020 Labour klein hielt.

Wenn aber Labour und Demokraten sich gleichermaßen trottelig aufführen und nicht in der Lage sind Torys und GOP niederzuringen, muss man außerhalb der Politik jemand finden, der die passenden Worte an die brandgefährlichen Strohköpfe findet.

Da gibt es beispielsweise die großartigen US-Youtuber David Pakman und Brian Tyler Cohen, oder den grandiosen britischen Journalisten Jonathan Pie.

Der großartige schottische Schriftstellerin Alison Louise Kennedy, 56, beschreibt ihren Regierungschef ebenfalls kühl und euphemistisch.

[….] Ich weiß, es ist ein Rätsel: Boris Johnson, unser Killerclown, der Hundehaufen auf dem Kaminsims unserer Nation - ist immer noch Premierminister. Warum? Je klarer die Antworten auf diese Frage werden, desto klarer wird auch, dass wir uns in unaufhaltsamer Fahrt auf einer Rodelbahn aus gefrorenem Erbrochenen befinden, hinunter in den Abgrund des Faschismus, der die Form einer Farce angenommen hat - Farceismus? Während Boris sich mit käuflichen Freaks umgeben hat, die er erpressen, einschüchtern und bestechen kann, zerstören Korruption und ideologischer Vandalismus unsere Infrastruktur und unseren Sozialstaat. Unserer Regierung geht rapide das Geld aus, und die wirtschaftlich verheerenden Folgen des Brexit zeigen sich ja erst schemenhaft. Unser nächster Premierminister wird eine Landschaft der Schmerzen regieren. Nur ein unrettbar verdorbener, unendlich dummer Sadist würde diesen Job wollen. [….] Wahrheit ist hier in Großbritannien Fiktion, weil Pressebarone und Redaktionen, die dem Clickbait verfallen sind, unseren öffentlichen Diskurs verzerren. [….] Und natürlich ist ein Hundehaufen kein Hundehaufen. Also bleibt er auf dem Kaminsims und stinkt weiter vor sich hin. [….]

(A.L. Kennedy, 11.02.2022)

Donnerstag, 10. Februar 2022

Wähler, ein Trauerspiel.

Ob nun „Wunderwuzzi Kurz“ oder KT von und zu Guttenberg. Diese extrem konservativen Alpen-Populisten können noch so abwegig handeln und noch so hanebüchenes Verhalten an den Tag legen: Der Urnenpöbel, der sich so viel auf seinen „gesunden Menschenverstand“ einbildet, liebt solche Typen.

Gerade superreiche Reaktionäre, die wie Donald Trump, Andrej Babiš, George W. Bush, Silvio Berlusconi oder eben Baron KTG, die seit vielen Generationen keinerlei Berührungspunkte zum gemeinen Volk hatten und nichts anderes als ein Leben voller exklusiver Privilegien kannten, so daß sich die feste Überzeugung ausbildete, Gesetze wären nur für die anderen da, während man sich selbst ungeniert bedienen und bereichern dürfe, gelten den Wählern oft als besonders volksnah.

Anders als der intellektuelle und polyglotte John Kerry, der wirklich aus armen Verhältnissen stammt, galt GWB den Amis 2004 als Kumpeltyp, in dem sie sich selbst wiedererkannten: Ungebildet, tölpelhaft und vulgär.

So wurde auch das unterbelichtete Reichensöhnchen Donald Trump, der als legendär schlechter Geschäftsmann, immer von seinem Milliardär-Papi rausgeholt wurde, gegen die rein meritokratisch aufgestiegene Hillary Clinton Präsident.

Auf der konservativen Seite des politischen Wählerspektrums ist sehr viel Dunning-Kruger zu Hause. Je mehr ihnen das intellektuelle Rüstzeug fehlt, um komplexe politische Vorgänge zu beurteilen, desto sicherer sind sie, mit „gesunden Menschenverstand“ die Welt klarer durchschauen zu können als „die Politiker.“ Sie laufen umso lieber rechten Lügner und Betrügern hinterher, weil sie so doof sind, sich einfach betrügen zu lassen. Sie gehen den KTGs, Höckes, Kurz‘, Trumps und Johnsons auf den Leim, weil der „gesunde Menschenverstand“ meistens nur eins ist: Ungesund!

Wer wie Olaf Scholz nicht zu Übertreibungen und falschen Versprechen neigt, sondern lieber Tag und Nacht Informationen aufsaugt und nach tragbaren Lösungen sucht, hat beim Urnenpöbel wenig Chancen gegen die unseriösen und rein destruktiv agierenden Populisten.

Friedrich Merz und Markus Söder haben sich mit der CSU und CDU aus der seriösen Politik verabschiedet.  Sie erwecken gar nicht erst den Eindruck, an der Lösung von Deutschlands größten Problemen, die weitgehend von ihren C-Parteien angerichtet wurden, mitzuarbeiten. Sie haben kein Interesse daran die Corona-Pandemie, die täglich 200 bis 400 Todesopfer fordert, zu beenden. Sie machen es wie Trumps GOP und wollen nur der Ampel schaden. Je schlimmer die Omikron-Welle, desto mehr ökonomische und soziale Schäden, desto besser für Merz und Söder, weil Lauterbach und Scholz mit schlechten demoskopischen Zahlen büßen müssen. Also talibanisieren CDU und CSU die bundeseinheitliche Corona-Politik.

Wie bei Trump, der Quelle ihrer Inspiration, sind Recht und Gesetz dabei nur störend und werden nur befolgt, wenn sie gerade politisch opportun sind.

Die selbst mitbeschlossene, einrichtungsbezogene Impflicht soll in Bayern nicht gelten. Es gilt das alte Södersche Motto: Legal, illegal, scheißegal.

[…..]  Aus der Bundesregierung hingegen gab es scharfe Kritik an Söders Vorgehen. »Im Rechtsstaat gelten Gesetze. Wenn sich die Regierenden selbst aussuchen, an welche Gesetze sie sich halten und an welche nicht, ist die Tyrannei nicht mehr fern«, twitterte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). Dazu stellte er einen Zeitungskommentar mit der Überschrift: »Söder gehört in politische Quarantäne.« [….]

(SPON, 10.01.2022)

Auch Söders Pendant in der CDU, der konzeptarme Friedrich Merz, versucht es gar nicht erst mit inhaltlicher Politik, mit konstruktiver Mitarbeit, sondern geht voll AfD.

[….] Friedrich Merz war noch gar nicht offiziell zum Parteichef der CDU gewählt, da gab er im Spiegel schon den Aufräumer: "Die Landesverbände, vor allem im Osten, bekommen von uns eine glasklare Ansage: Wenn irgendjemand von uns die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am nächsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an." [….] Was aber ist mit Christdemokraten, die der AfD den Boden bereiten? So wie der Vize-Landrat aus Bautzen, der ankündigte, die gesetzliche Impfpflicht nicht umzusetzen, sich dafür von Corona-Protestlern feiern ließ wie einst Hans-Dietrich Genscher von ausreisewilligen DDR-Bürgern vor der Prager Botschaft. Oder der Baubürgermeister aus Freiberg, der den Umgang mit Ungeimpften mit dem Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich verglich. Seine Abwahl im Stadtrat scheiterte, größte Fraktion dort: die AfD.  [….] In Sachsen, wo das gesellschaftliche Klima seit Jahren aufgeheizt ist, hat die Regierungspartei CDU lange, zu lange, keine nennenswerten Maßnahmen ergriffen. Jetzt kippt es eben: auf der Straße, in den Kommunalparlamenten, in den eigenen Reihen. [….] In Sachsen sind ja gern mal "die da oben" schuld, die Union ist da keine Ausnahme. Die Landräte revoltieren inzwischen geschlossen gegen die Impfpflicht. Kretschmer, jüngst ins Stellvertreterteam um Merz gewählt, genießt in der Hauptstadt offenbar mehr Rückhalt als daheim. Seine Strategie - mit allen über alles reden - muss als gescheitert gelten. Fackelzüge, Morddrohungen, wann sind Demokratiefeinde zuletzt so selbstbewusst aufgetreten? [….] Friedrich Merz kann den Zeigefinger heben, wie er will: Wenn die Parteiverantwortlichen im Osten ihr verhaltensauffälliges Personal nicht maßregeln, werden seine "glasklaren Ansagen" ohne Folgen bleiben. Sei es Hans-Georg Maaßens Fanklub in Südthüringen oder der Rundfunkkrieg in Sachsen-Anhalt [….] Bautzens Vize-Landrat ist jedenfalls noch im Amt und noch in der CDU. Er sei "fehlinterpretiert" worden, sagt Udo Witschas. Im Juni will er sich trotz allem zum Landrat wählen lassen. Die AfD kann sich keinen besseren Wahlkämpfer wünschen.  […]

(SZ, 07.02.2022)

So eine extrem unseriöse und völkisch angehauchte Politik schadet dem Land, aber hilft der Partei, die sie verbreitet.

Der Urnenpöbel ist leider so doof, diese zerstörerische Linie mit hohen Zustimmungsraten zu honorieren.


Mittwoch, 9. Februar 2022

Im Slope-Curling-Wahn

Bekanntlich interessiere ich mich nicht für Sport und finde daher Olympische Spiele oder Fußball-WM immer ganz angenehm: Da präsentieren die Zeitungen große Sport-Strecken. In der SZ gibt es täglich sechs oder acht Seiten Sonderberichterstattung zu den Olympischen Spielen, die ich gleich ungelesen auf den Stapel für die Altpapiertonne wandern lasse.  Die täglich auf mich einprasselnde Informationsflut ist ohnehin nicht zu bewältigen; da bin ich froh über jeden Artikel, den ich auslassen kann. Wenn es gleich mehrere Seiten am Stück sind, umso besser.

Üblicherweise kann ich dennoch nicht verhindern, daß über die Peripherie meiner Aufmerksamkeit auch sportliche Meldungen zu mir vordringen. Das Feuilleton sinniert über sportliche Leistungen, Medienpolitik in China wird zum Riesenthema und in ihrer albernen Manie volksnah zu wirken, verwenden Politiker olympische Metaphorik, versuche auf den Gold-Zug aufzuspringen, wenn irgendeine deutsche Figur Medaillen erringt. Menschenrechte? Irrelevant.

[….] „Wenn ein Schauspieler in einem Theater Hamlet spielt, fragt auch keiner, ob er während des Stücks politische Meinungen äußern kann“, wird Bach bei der Tagesschau zitiert. Dieser ungewöhnliche Vergleich von Thomas Bach vor Olympia 2022 sorgt für Kritik. Biathlon-Olympiasieger Arnd Peiffer sagte im Interview mit dem NDR, Bach mache sich „zum Komplizen eines Systems, das Menschenrechte nicht achtet“. „Ich denke da an die Uiguren, an Hongkong und an die fehlende Meinungsfreiheit. Menschen, die sich frei äußern, oder Aktivisten werden mundtot gemacht. Und es gibt auch Leute, die verschwinden. Thomas Bach argumentiert immer, die Olympischen Spiele seien unpolitisch. Das ist aus meiner Sicht Augenwischerei“, sagte der 34-Jährige weiter.   […]

(FR, 04.02.2022)

Auch ohne das geringste Interesse an Fußball, bekomme ich nebenher mit, wenn die deutsche Mannschaft aus einem internationalen Turnier fliegt und registriere die Spielergebnisse der Hamburger Bundesligavereine, weil sie nun einmal auf den Titelseiten der Hamburger Zeitungen auftauchen.

So selektiv kann ich (leider noch) nicht lesen, daß nicht irgendeine Hirnzelle unterbewußt mit abspeichert, wenn auf der Titelseite des Hamburger Abendblattes „HSV verliert viertes Spiel in Folge!“ steht.

In der Idiotie-Hierarchie der Sportarten stehen für mich die Tiersportarten ganz oben, weil die Pferde natürlich gequält werden und es ökologisch vollkommen absurd ist, eine Flotte von Jumbo-Jets zu chartern, um sedierte Spring- oder Polopferde um die ganze Welt zu fliegen.
Anschließend kommen alle Mannschaftssportarten, weil es bei ihnen generell nicht um messbare sportliche Leistungen, sondern um Nationalismus geht.
Hoch absurd und an dritter Stelle der Sportidiotie sind die Tätigkeiten, die wie Formel1 oder Hochsee-Segeln oder Bobfahren nur für Multimillionäre möglich sind, weil das Sportgerät völlig unbezahlbar ist.

Generell erscheint mir Wintersport, Platz 4, eine Umdrehung absurder als die sommerlichen Aktivitäten, weil Trickski-Pisten, Bobbahnen oder Skiflugschanzen völlig unnatürlich sind, nicht nur zig Millionen Dollar kosten, sondern im höchsten Maße energiefressend und klimaschädlich sind.

Dieses Jahr gebe ich mir mehr Mühe als sonst schon, jede sportliche Meldung aus Peking konsequent auszublenden, explizit sofort umzuschalten, wenn in einer Nachrichtensendung der Sportblock beginnt.

Das Thema „Olympische Spiele“ werde ich dennoch nicht los, da gerade aus deutscher Perspektive die Korruption, die Raffgier und Heuchelei relevant sind. Der neben FIFA-Chef Gianni Infantino peinlichste Sportfunktionär der Welt, ist ein Deutscher: FDP-Mitglied und IOC-Chef Thomas Bach, der lächelnd den Genozid an den Uiguren zukleistert, sich den schlimmsten Diktatoren vor die Füße wirft und sämtliche Prinzipien der Demokratie und Fairness mit Füßen tritt.

[…] Nun […] berichten vor allem westliche Medien, wie sie während Olympia bei ihrer Arbeit behindert werden - symbolisch dafür steht der niederländische Reporter Sjoerd den Haas: Das Video, wie er am Freitagabend während einer Liveschalte nach Peking von einem Security-Mitarbeiter weggezerrt wird, verbreitete sich rasend im Internet. Das IOC sprach danach von einem Einzelfall, den Haas schrieb bei Twitter jedoch, dass er und Kollegen in den vergangenen Wochen oft bei ihrer Arbeit behindert worden seien. Von einem Einzelfall könne man nur schwer sprechen; auch die Behauptung des IOC, man habe mit Haas' Arbeitgeber gesprochen, dem öffentlich-rechtlichen TV-Sender NOS, könne nicht bestätigt werden. Am 31. Januar hatte der Foreign Correspondents' Club of China, ein Zusammenschluss der Auslandskorrespondenten in China, einen Report veröffentlicht mit dem Vorwurf, dass sie an ihrer Arbeit gehindert werden - inklusive Einschüchterung und Belästigung: "Der chinesische Staat findet immer neue Mittel, Korrespondenten, ihre chinesischen Kollegen und auch Leute, mit denen die Presse reden will, über Online-Belästigung, physische Angriffe, abgelehnte Visa-Anträge und Cyber-Hacking einzuschüchtern." [….]

(Jürgen Schmieder, SZ, 07.02.2022)

Wenn Deutsche als Funktionäre ganz oben in einer Weltorganisation ankommen, muss ich mich, auch wenn ich keinen deutschen Pass habe, fast immer in Grund und Boden schämen:
Reinhard Grindel, Günther Oettinger, Joseph Ratzinger, Ursula von der Leyen, Thomas Bach – man möchte sich sofort ein tiefes Loch graben und darin verschwinden, wenn diese Leute auftreten.

[…] Thomas Bach sollte sich schämen!

Schon der Gedanke an die Besetzung der Ehrentribüne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele lässt einen erschaudern. Wladimir Putin wird dort sitzen, Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien und mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Jamal Khashoggi, wird seinen beiden Skifahrern zuwinken, auch die Diktatoren aus Kasachstan und Turkmenistan erweisen Xi Jinping die Ehre – und dem deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach.  […]

(Mopo, 03.02.2022)

Aber natürlich kennt FDP-Mann (Partei der Freiheit!) Bach eben keinerlei Schamgefühl. Diese Spiele sind so eine Schande, daß ich selbst ohne das geringste Sportinteresse davon behelligt werde.

[…] Die Winterspiele in Peking sind schon vor Beginn eine einzige Farce. Die IOC-Funktionäre um Thomas Bach haben die Olympische Idee verraten. Profiteur ist Chinas menschenverachtendes Unrechtsregime. Nie zuvor haben Olympische Spiele Sportfans weltweit so kalt gelassen wie diesmal. Von Vorfreude ist nirgendwo etwas zu spüren, und dafür gab es selten so viele Gründe.  In China ist man stolz, als erster Austragungsort überhaupt sowohl Winter- als auch Sommerspiele durchzuführen. Doch das größte Sportereignis der Welt hat in Peking nichts zu suchen. Zum einen, weil es absurd ist, dass nur 14 Jahre zwischen den beiden Events liegen.  Zum anderen aber und vor allem, weil die Hauptstadt kein Wintersportort ist - und die weit entfernten anderen Wettkampfstätten Zhangjiakou (u.a. Ski Alpin und Nordisch, 180 Kilometer von Peking) sowie Yanqing (u.a. Rodeln, Bob, 75 Kilometer entfernt) auch nicht. Denn in Peking wie in den vermeintlichen Wintersportgebieten liegt kein Schnee, was angesichts der anhaltenden Trockenheit in der Nähe der Wüste Gobi dort nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Fast so absurd wie eine Fußball-Weltmeisterschaft in der Wüste... […] So laufen seit Wochen hunderte Schneekanonen nahezu rund um die Uhr, da der Kunstschnee durch den Wüstenwind meist sofort wieder weggeweht wird. Dafür müssen Tonnen von Wasser aus weit entfernten Reservoirs transportiert werden. Zudem wurde das Umweltschutzgebiet, in dem sowohl Yanqing als auch Zhangjiakou liegen, um 25 Prozent reduziert, um dort die neuen Wettkampfstätten hinzusetzen. So wie die gigantische Bobbahn, die sich die chinesische Führung für mehr als zwei Milliarden Euro schenkte - und die nach den Spielen nicht mehr regelmäßig genutzt werden wird. Experten wie die renommierte Geowissenschaftlerin Carmen de Jong sprechen daher von den "unnachhaltigsten Spielen aller Zeiten".[…] Angesichts der hoch ansteckenden Omikron-Welle kann die fast paranoide Null-Covid-Strategie im seit zwei Jahren beinahe hermetisch abgeriegelten Reich der Mitte nicht aufgehen. Stattdessen steigen schon jetzt die Zahlen der infizierten Sportler, Teammitglieder und Journalisten in der von der "normalen Welt" in Peking abgeschotteten Olympia-Blase wie erwartet rasant an. Die Folge ist eine einzige Farce: Wegsperren in schäbigen Unterkünften, die mehr an ein Gefängnis denn an ein Hotel erinnern. Frustrierte Athleten, deren hart erarbeitete Medaillenträume wegen eines positiven Testergebnisses platzen. […] "Die Winterspiele 2022 werden als Genozid-Spiele in Erinnerung bleiben", hat der chinesische Oppositionelle Teng Biao gesagt. […]. Dass sich die geschichtsvergessenen IOC-Funktionäre mit Bach an der Spitze zu Claqueuren der Schreckensherrschaft von Machthaber Xi Jingping und seinen Spießgesellen machen, ist eine Schande und eine Perversion der Olympischen Idee.  [….]

(Martin Volkmar, 04.02.2022)

Dienstag, 8. Februar 2022

Wer sich Immobilien noch leisten kann.

Klimapolitik kostet. Der Fokus der öffentlichen Debatte richtet sich zu Recht auf die Wohnungsnot und die Millionen Menschen, die immer mehr Probleme bekommen, ihre Miete zu bezahlen oder schon lange nicht mehr da wohnen können, wo sie möchten.

Klimapolitik kostet. Alle deutschen Wohnaltbauten zu sanieren, wird nicht nur aberwitzig teuer und benötigt ein Vielfaches an Handwerkern und Materialien, die wir haben. Klimapolitik, die den Energieverbrauch beim Wohnen so reduziert, daß die Menschen mit 55% oder 40% der Strom/Heizungsrechnung auskommen, wird mutmaßlich die Mieten so drastisch erhöhen, daß die Ersparnis mehrfach aufgefressen wird.

Klimapolitik kostet aber nicht nur die Mieter viel Geld, sondern bringt auch die gut 24 Millionen Immobilienbesitzer in Deutschland in größte Schwierigkeiten.

Der weit überwiegende Teil von ihnen verdient sich keine goldene Nase damit, sondern bewohnt die Wohnung oder das Haus selbst, vermietet vielleicht eine einzelne Wohnung als Alterssicherung.

Wer aber nicht zufällig eine schwer reiche megamilliardenschwere Immobilienholding ist, hat weder Rücklagen, noch die Kompetenz, um enorme Summen für Energieberatung, Dämmung, vierfach verglaste Fenster, neue Heizungsanlagen und klimafreundliche Dächer aufzubringen.

Klimapolitik kostet und dadurch werden Immobilien teurer. Unruhen an den Börsen, ökonomische Panik durch Pandemie und Negativzinsen auf der Bank, verursachen eine geradezu aberwitzige Nachfrage nach Immobilien.

In Hamburg ist ein „Kaufpreisfaktor“ von 45 oder 50 keine Seltenheit mehr. Die Mieten steigen zwar, aber sehr viel langsamer als die Kaufpreise. Das heißt, man benötigt die Mieteinnahmen von 45 oder mehr Jahren, um den Kaufpreis wieder reinzuholen. Da es viel Reichtum in Deutschland gibt, ist der Immobilienmarkt wie leergefegt, aber es gibt immer weniger Immobilienbesitzer; 2017 besaßen 24,95 Millionen Menschen eine Immobilien, vier Jahre später nur noch 24,39 Millionen.

Was auf den ersten Blick paradox klingt, ist leicht erklärt: Der Reichtum konzentriert sich in immer weniger Händen. Während Normalverdiener gezwungen sind, ihre Wohnungen zu verkaufen, weil sie die horrenden Sanierungen nicht mehr bezahlen können, nutzen Superreiche die Notlage aus und raffen immer mehr Wohneinheiten an sich.

Klimapolitik kostet und deswegen stiegen die Preise von Neubau-Immobilien in Hamburg laut einer Grossmann und Berger-Berechnung im Jahr 2021 um knapp 17% auf nun durchschnittlich 8.480 Euro pro Quadratmeter, während sich im selben Zeitraum die Immobilien aus dem Bestand „nur“ um knapp 8% verteuerten. Selbst die Makler sind fassungslos, ob der Preisanstiege der Neubauten.Die Käufer haben Angst vor den Energiekosten und fürchten energetische Sanierungen, also kaufen sie lieber gleich klimafreundlicher gebaute Buden.

[….] Um eine 80 Quadratmeter große Wohnung in Hamburg zu kaufen, mussten potenzielle Käufer im vierten Quartal 2021 im Schnitt 538.000 Euro bezahlen. Das sind 14 Prozent mehr, als noch ein Jahr zuvor. Das berichtet das Abendblatt unter Berufung auf das Portal Immowelt. Demnach war eine solche Wohnung 2020 zur Weihnachtszeit noch für unter 475.000 Euro zu haben – und zwar nicht nur in Hamburg. [….] Jan-Carl Mehles, Marktexperte bei Immowelt, nennt im Abendblatt die Gründe für die jüngste Entwicklung. „Der erneute Preisanstieg in diesem Jahr liegt vor allem am geringen Angebot an Bestandsimmobilien bei gleichzeitig hoher Nachfrage“, sagt Mehles. [….]

(24Hamburg, 04.02.2022)

Das Betongoldfieber scheint keine Grenzen zu kennen, die reichen Immobilienbesitzer werden im Rekordtempo immer reicher.  In guten Gegenden Hamburgs kann eine Wohnung 20.000 Euro pro Quadratmeter kosten.

[….] Direkt an der Außenalster in Uhlenhorst gelegen, sechs Zimmer und 430 Quadratmeter groß – und 8,9 Millionen Euro teuer. Keine andere Wohnung in Deutschland wechselte laut „Immowelt“ zwischen Januar und November für so viel Geld den Besitzer. Der Quadratmeterpreis liegt somit bei rund 20.700 Euro. Auf dem 2. Platz folgt eine 275 Quadratmeter große Wohnung im Frankfurter „Grand Tower“. Für 8,4 Millionen Euro ging diese über den Ladentisch – ein einzelner Quadratmeter kostete den neuen Eigentümer also 30.545 Euro. [….]

(Mopo, 15.12.2021)

Die Frage „wer kann sich das noch leisten?“ erübrigt sich bei einem Quadratmeterpreis von 30.000 Euro. Eine durchschnittliche Wohnung mit 80 qm für ein Paar mit einem Kind kostet in dem Fall 2,4 Millionen plus Nebenkosten. Das ist also weit jenseits dessen, das man durch normale Arbeit verdienen kann.

Das geht nur, wenn man schon steinreich geboren wurde, geerbt hat.

Die womöglich allerteuerste Wohnanlage aller Zeiten in Hamburg entsteht in der megateuren Hafencity. Die Terragon AG baut auf dem exklusivsten Baugrund zusammen mit der Garbe Immobilienprojekte GmbH 186 Seniorenwohnungen für die Superreichen. „Vilvif Hamburg“ wird das mutmaßlich Ende 2023 fertiggestellte nach modernsten klimatischen Kriterien erbaute Krösus-Projekt heißen.

[….] Das außergewöhnliche Konzept gilt als innovative Antwort auf gesellschaftliche und städtebauliche Entwicklungen und Trends, indem es den zukunftsweisenden Mixed-use-Gedanken konsequent zu Ende führt: Ein multifunktionales Wohngebäude innerhalb eines gemischt genutzten Quartiers kombiniert mit der Mehrgenerationen-Idee des gesamten Projekts. Oberhalb der Retailflächen werden nach aktuellem Planungsstand auf einer Bruttogeschossfläche von 20.400 Quadratmetern 186 speziell für Best-Ager konzipierte Wohnungen im Premium-Bereich realisiert. Neben einem umfassenden Serviceangebot werden unter anderem ein Spa- und Fitnessbereich, ein Atelier, ein Restaurant sowie integrierte Community-Flächen Teil des Gesamtkonzeptes. Das Investitionsvolumen der Joint-Venture-Partner Garbe Immobilien-Projekte und TERRAGON liegt im niedrigen dreistelligen Euro-Millionenbereich. [….]

(Terragon)

Klimapolitik kostet. Wer wird den hohen Kaufpreis aufbringen können? Wer hat über hunderte Millionen für „Best-Ager“ in „Senior-Community-Living-Apartments“ im „zukunftsweisenden Mixed-use-Gedanken“ übrig?

Die Terragon muss sich darüber keine Gedanken machen. Alle 186 Megaluxuswohnungen wurden bereits verkauft. Es gibt schließlich genügend Superreiche in Deutschland.

In diesem Fall schlug die Reichste der der Superreichen zu: Die katholische Kirche!

Die „Aachener Grundvermögen“ kaufte die 186 Hafencity-Wohnungen. Die Firma ist eine 100%ige Tochter der „Aachener Siedlungs und Wohnungsgesellschaft“, die wiederum unter anderem den Erzbistümern Köln und Paderborn gehört.

[….] TERRAGON AG: Verkauf von VILVIF Hamburg an Aachener Grundvermögen

Leuchtturmprojekt im Überseequartier der HafenCity per Forward-Deal veräußert! Aktuell in Umsetzung befindliches Projektvolumen bei insgesamt rund 0,8 Mrd. €! VILVIF Ahrensburg bereits vorzeitig an den Investor übergeben

- Im Rahmen eines Forward-Deals hat die TERRAGON AG, führende Projektentwicklerin im Marktsegment Service-Wohnen für Senioren, gemeinsam mit ihrem Joint Venture Partner Garbe Immobilien-Projekte die Projektentwicklung "VILVIF Hamburg" an die Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft verkauft. Nach Marktinformation ist es die bisher größte Einzeltransaktion für Service-Wohnen in Deutschland.  [….]

(DGAP, 31.12.2021)

800 Millionen Euro – bei diesen Preisen mag Otto Normalverbraucher etwas überfordert sein. Für Rainer Kardinal Woelki kommt das Projekt gerade passend. Sein Milliarden-schweres Erzbistum schwimmt im Geld und da er sich erfolgreich dagegen wehrt, Entschädigungen an die von seinen Priestern sexuelle missbrauchten Opfer zu zahlen, bleibt auch genügend Kapital für Luxusimmobilien übrig.

[….] Die GmbH Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft (ASW) ist im Besitz der Erzbistümer Köln und Paderborn und der Bistümer Trier, Münster und Aachen. Das Stammkapital beträgt 37 Mio. Euro. Dem Erzbistum Köln gehören 41,5 Prozent des Grundkapitals. [….]

(Wikipedia)

Auf ihrer Website beschreibt die den Bistümern gehörende Immobilien-Gesellschaft unter dem Bild eins drollig mit Fingerfarben spielenden Kindes ihre „christlich soziale Verantwortung“:

[…] Soziale Verantwortung

Unser Leitbild ist Grundlage unseres Handelns. Es bestimmt unser Selbstverständnis, unsere Ziele und unsere Werteorientierung.

Seit ihrer Gründung hat die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH eine sozial-christliche Ausrichtung. Die soziale Verantwortung gegenüber den einzelnen Menschen und der Gesellschaft im Allgemeinen steht im Vordergrund unserer Immobilienleistungen:

Wir versorgen breite Bevölkerungskreise mit preiswertem Wohnraum. [….]

(Aachener SWG)

Die freundlichen 23 Millionen Kirchensteuerzahler machen es möglich: Drastische Umverteilung von unten nach oben. Luxusimmobilien für die Superreichen.