Donnerstag, 24. September 2020

Die Pis- und Fidesz-Freundin an der EU-Spitze

Als Amerikaner bin ich es gewöhnt mich für „meine“ Spitzenpolitiker zu schämen.

Sollte ich jemals einen deutschen Pass bekommen, wird dieses Training hilfreich sein, denn auch für die deutschen Top-Politiker muss man sich international schämen.

Die Installierung der homophoben Orbán und Kaczyński-Freundin von der Leyen als EU-Kommissionspräsidenten ließ nie etwas Gutes ahnen.

Nun agiert sie offen menschenverachtend.

(…….) Neben ihrer großen Begeisterung für sich selbst, setzt sich von der Leyen aber auch noch für das Christentum ein – und zwar das Radikale.

Sie selbst gehört einer radikalen evangelikalen Freikirche an, in der schon ihr Vater als Ministerpräsident aktiv war.

[…..] Ein gelegentlicher Auftritt am "äußerst rechten Rand" des Christentums kann die bibeltreuen Christen bei der nächsten Wahl gewogen stimmen, die restliche Bevölkerung wird diesen Ausflug zu den Fundamentalisten nicht bemerken, so scheint das Kalkül. [….] Auch vor Küngeleien mit Vereinigungen wie dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP), der schon 1991 vom Spiegel als "Gemengsel freikirchlicher Eiferer, das gern Politiker vor seinen missionarischen Karren spannt", bezeichnet wurde, wird da nicht zurückgeschreckt. [….]  Unionspolitiker wie Volker Kauder oder Ursula von der Leyen lassen sich vom ACP einspannen. Bei letzterer gehört eine gewisse Nähe zum ACP schon geradewegs zur Familientradition. Von der Leyen und Co nehmen dabei bewusst in Kauf, dass sie die religiöse Rechte aufwerten und in ihren Vorstellungen bestärken.

Seinen letzten Auftritt im Zusammenhang mit dem ACP absolvierte Christian Wulff am 19. Mai im Bibelzentrum Bad Gandersheim. Laut seinem Sprecher ging es Wulff vor allem darum, an der Ehrung seines Freundes Ernst Albrecht teilzunehmen [….] Die Ehrung des CDU-Mannes Albrecht kommt nicht von ungefähr, seit Jahrzehnten ist der ehemalige Ministerpräsident und Vater von Arbeitsministerin von der Leyen ein gern gesehener Gast bei den "christlichen Publizisten". […..]

(Silvio Duwe, 02.08.2010)

Diese Evangelikalen, die sich auch für das Recht Kinder zu schlagen und die Heilung von Homosexuellen einsetzen, betrachtet von der Leyen keineswegs als Privatsache. Auch als Bundesministerin förderte sie die homophoben Extremisten auf dem Festival „Christival“ mit EUR 250.000,- Steuergeld, damit dort über „Wege aus den homosexuellen Empfindungen“ diskutiert werden konnte.

[…..] Ihre Anhänger wettern gegen Homosexuelle und predigen ein ekstatisches Glaubensverständnis: Evangelikale Gruppen, organisiert nach amerikanischem Vorbild, haben sich auch in Deutschland ausgebreitet. Nun suchen sie Einfluss auf die Politik.  Ein Hauch von Kulturkampf liegt über der Hansestadt Bremen. […..] "Christival" nennt sich das Event. Am kommenden Mittwoch soll es beginnen, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist Schirmherrin, ihr Haus gab einen Zuschuss von 250 000 Euro. Doch so kirchentagsharmlos wie sie selbst finden nicht alle den geplanten Jugendkongress. Christival, das sei "finsteres Mittelalter", warnt der Bremer Grünen-Fraktionsvize Klaus Möhle. […..] (SPIEGEL, 28.04.2008)

Von der Leyen  schritt vehement gegen humanistische Ansätze ein.

(…..) Unwillkürlich muß man an das humanistische Schmidt-Salomon-Kinderbuch von 2007 Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel denken, dessen bloße Existenz die fromme Familienministerin von der Leyen aufheulen ließ.

Wenn eine atheistische Organisation das Ferkel-Buch an Schulanfänger verteilte, würden die Kirchen und Parteien die Aktion sofort verbieten lassen.
Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge die frommen Katholiken Wolfgang Thierse und Annette Schavan durch die Talkshows ziehen und mit bebender Stimme MSS verdammen.

Die Familienministerin, die auch schon im Duo mit Bischöfin Käßmann dazu aufforderte, daß Elter mit ihren Kindern mehr beten sollten, übernahm jüngst die Schirmherrschaft für den ultrarechten christlichen Kongress "Christival 2008" in Bremen.
Die gebärfreudige Familienministerin, die doch tatsächlich einen Weg gefunden hat den PREKÄREN Kindern noch mehr Chancen zu nehmen, indem sie ihr Rückgrad beim Pförtner abgab und der ewig gestrigen CSU auf dem Weg zur Herdprämie folgte.  […..][…..]

Der Autor des Buches ist völlig fassungslos:

Die Argumentation des Ministeriums sei über weite Strecken derart grotesk, dass er am Anfang gedacht habe, es handle sich um einen „dummen Scherz", erklärt Schmidt-Salomon: „So wird uns vom Ministerium doch allen Ernstes vorgeworfen, dass während der Sintflut Omas, Babys und Meerschweinchen ertrinken! Ja, um alles in der Welt, haben diese Leute denn noch nie die Bibel gelesen?! Wenn dies ein Grund sein sollte, um ein Buch zu verbieten, so müsste man doch zuerst einmal die Bibel auf den Index der jugendgefährdenden Schriften stellen! […..]

Gunnar Schedel, der Leiter des Alibri Verlags, in dem das Kinderbuch erschienen ist, spricht von einem „Anschlag auf die Meinungsfreiheit"  […..]  (Ferkeleien 03.02.2008)

In den folgenden sechs Jahren hat sich nichts geändert. (…..)

(Es gibt noch viel zu tun, 22.06.2014)

Es ist nur folgerichtig, daß von der Leyen sich Dank ihrer Selbstdarstellungsbemühungen und mit der Hilfe radikal homophober Christenparteien zur EU-Kommissionspräsidentin aufschwang – auf Vorschlag der rechtsextremen und weitgehend autokratischen Regierungen in Polen und Ungarn.

Sie amtiert von Gnaden Viktor Orbáns zutiefst homophober, antisemitischer und rechtsextremer Fidesz und Kaczyńskis ultrakatholischen schwulenhassenden Prawo i Sprawiedliwość (PiS).

Ihre Kampagne war organisiert von der Agentur des xenophoben Ex-BILD-Chefs Kai Diekmann.

Kann man noch tiefer sinken?

[…..] Ursula von der Leyen setzt darauf, mit den Stimmen der Europagegner gewählt zu werden. [….] Sie zeigt keine klare Kante gegen rechts, sagt nicht, dass sie europäisches Recht konsequent durchsetzen will. Oder, dass sie gegen den Verfall der Grundrechte in Staaten wie Ungarn, Malta, Rumänien oder Polen entschlossen entgegentreten will. Stattdessen versucht sie, genau diesen Ländern zu gefallen.   […..][…..]

(Sven Giegold, Grünen-Spitzenkandidat bei der Europawahl)

Orbán und Kaczyński hoben von der Leyen natürlich nicht nur aus Herzensgüte auf den Schild.

Sie wußten um ihre evangelikalen Verbindungen und erwarten natürlich Gegenleistungen.

[…..] Die Rechnung kommt noch [….]  Es sieht so aus, als habe die Deutsche ihren Posten auch der Unterstützung des Lagers der Europaskeptiker aus Polen und Ungarn zu verdanken.  Es ist fraglich, ob die Bundesregierung nun weiter darauf drängen wird, die Vergabe von EU-Fördergeldern an den Zustand der Rechtsstaatlichkeit in den Mitgliedsländern zu koppeln. [….][…..] Das ist vor allem deshalb relevant, weil von der Leyen nach ihrer Wahl gesagt hat, dass es gelungen sei, eine "proeuropäische Mehrheit" zu formen. Doch wenn sie damit jene Mehrheit meint, die sie nun offenbar gewählt hat, liegt sie falsch. Denn Fidesz und PiS hatten zuletzt eher einen Feldzug gegen die europäische Demokratie gestartet. Beide Parteien regieren alleine, beide Parteien sind der Grund dafür, dass gegen ihre Länder Strafverfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrags laufen. In beiden Ländern ist die Rechtsstaatlichkeit in Gefahr. Insofern stellt sich die Frage, welchen Preis von der Leyen für die Unterstützung dieser Parteien zahlen muss. Wird sie künftig nachsichtiger mit Polen und Ungarn umgehen? [….]

 (SZ vom 18.07.2019) 

Die Rechnung kam sogar recht schnell.

Im von Fidesz und PiS aufgeheizten Klima müssen LGBTI in ihren Ländern wieder um ihr Leben fürchten, können sich zudem immer weniger auf den Rechtsstaat verlassen. Weil in Ungarn und Polen sowohl Medien als auch Justiz zunehmend gleichgeschaltet werden.

Natürlich ermutigt das radikale Christen und Politextremisten.

[….]  Nach Ausschreitungen bei einer Regenbogenparade in der ostpolnischen Stadt Bialystok sind 25 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Hooligans und extrem rechte Aktivisten hätten die Teilnehmer eines Marsches für Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen (LGBT) attackiert und versucht, den Umzug zu blockieren, berichtete die Agentur PAP unter Berufung auf das Warschauer Innenministerium.  Demnach hatten Randalierer die Teilnehmer des Marsches am Samstag unter anderem mit Steinen, Eiern und Böllern beworfen. […..]

(SPON, 21.07.19)

Seit vielen Jahren lässt sich Brüssel von den osteuropäischen Autokraten auf der Nase herumtanzen, wird ganz still, wenn es um die Verteidigung der europäischen Werte dieser Wertegemeinschaft geht.

Und was sagt die neue EU-Kommissionschefin von der Leyen? Stellt sie sich endlich mal vor die Attackierten? Fordert sie von Warschau die Einhaltung der Menschenrechte ein? Verhängt sie endlich EU-Strafen?

Im Gegenteil, sie verteidigt Orbán und Kaczyński. […..]

(Eine Kommissionspräsidentin im Dienste der PIS-Partei, 21.07.2019)

In Zuge der Corona-Krise stellte von der Leyen ihre generelle Politik-Unfähigkeit zur Schau; das war das Pflichtprogramm.

Nun folgt die Kür – sie will die antihumanistische Asylpolitik der schwulenfeindlichen Antisemiten in Warschau und Budapest für die gesamte EU implementieren. Sie stellte den sogenannten »New Pact on Migration and Asylum« vor, einen Neuaufschlag für ein Gemeinsames Europäisches Asylsystem (GEAS).

[……] Auch aus dem EU-Parlament kam deutliche Kritik an den neuen Vorschlägen. Mehrere Abgeordnete warnten davor, dass am Rande der EU erneut Lager wie das zuletzt abgebrannte Moria auf Lesbos entstehen könnten. Sie habe den Eindruck, dass Länder an den Außengrenzen noch immer unter großem Druck stehen würden, sagte die SPD-Abgeordnete Birgit Sippel. Die Linken-Politikerin Cornelia Ernst sagte, es handele sich um einen Pakt für maximale Abschiebungen. […..]

(dpa, 24.09.20)

Den Friedensnobelpreis sollte von der Leyen sofort aus dem Fenster werfen.

[…..] Von der Leyens neuer EU-Migrationspakt, der auch sogenannte Abschiebepatenschaften umfasst - Staaten, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, sollen stattdessen abgewiesene Asylsuchende aus der EU abtransportieren -, wird weithin scharf kritisiert. So urteilt etwa die liberale niederländische Europaabgeordnete Sophie in 't Veld (D66): "Die äußerste Rechte hat die EU-Migrationspolitik gekapert." "Das Jahr 2020", konstatiert Pro Asyl, müsse ohnehin "als weiterer Tiefpunkt in der europäischen Geschichte" bezüglich der "Einhaltung von Menschenrechten und des Flüchtlingsschutzes gesehen werden": "Schüsse an der griechisch-türkischen Grenze; die zeitweise Aussetzung des Asylrechts in Griechenland; gewalttätige Push-Backs auf der Balkanroute; Flüchtlingsboote, die von der griechischen Küstenwache zurück in türkische Gewässer gezerrt werden" - und zuletzt habe die EU nach dem Brand des Lagers Moria auch noch die Aufnahme von 12.000 obdachlosen Flüchtlingen verweigert. […..]

(GFP, 24.09.20)

[….] Der jüngste Vorschlag der EU-Kommission zur Flüchtlingspolitik fällt ziemlich exakt so aus, wie man erwarten konnte. Sie setzt mehr denn je auf Abschottung und Abschiebung. […..] Das Paket ist humanitär so desaströs, wie es praktisch zweifelhaft ist. Denn ob die „Grenzverfahren“durchführbar sein werden, ist offen. […..]  Letztlich geht es um ein Signal an Menschen in Afghanistan oder Syrien: Bleibt, wo ihr seid! [….]

(Markus Decker, RND, 24.09.20)

[…..] Das Jahr 2020 musste schon bis jetzt als weiterer Tiefpunkt in der europäischen Geschichte bezüglich der Einhaltung von Menschenrechten und des Flüchtlingsschutzes gesehen werden:  Schüsse an der griechisch-türkischen Grenze; die zeitweise Aussetzung des Asylrechts in Griechenland; gewalttätige Push-Backs auf der Balkanroute; Flüchtlingsboote, die von der griechischen Küstenwache zurück in türkische Gewässer gezerrt werden – und schließlich der Brand von Moria und die unwürdige Verweigerung der Aufnahme von 12.000 Menschen, die alles verloren haben, in einer Union mit einer Bevölkerungszahl von 446 Millionen Menschen. […..] Die EU-Kommission will mit ihren Plänen de facto ein Zwei-Klassen-Asylsystem einführen: Die einen bekommen ein Schnellverfahren an der Grenze, die anderen ein reguläres Asylverfahren. […..] Das Ziel dieses Verfahrens ist es, schnell abzulehnen und dann schnell abzuschieben. Grenzverfahren sind aber keine fairen Asylverfahren, denn sie ermöglichen keine gründliche Prüfung der Asylanträge – hier ist auch explizit ein »beschleunigtes Verfahren« für die inhaltliche Prüfung vorgesehen. […..]

Abschiebungen, Abschiebungen, Abschiebungen…

…das scheint mittlerweile der einzige gemeinsame Nenner in der europäischen Flüchtlingspolitik zu sein, weshalb die EU-Kommission auch einen solchen Fokus auf diesen Themenbereich legt. Schon jetzt sind viele Abschiebungen »europäisch« und werden von Frontex, der europäischen Grenzschutzagentur, durchgeführt oder Kosten werden von Frontex erstattet (vgl. BT-Drs. 19/18201).

Jetzt schlägt die EU-Kommission noch die Einführung eines europäischen »Abschiebe-Koordinators« vor. Besonders absurd: Mitgliedstaaten, die sich weigern Schutzsuchende aufzunehmen, sollen dies über »Abschiebe-Patenschaften« ausgleichen können und andere Staaten bei Abschiebungen unterstützen. Zukünftig darf also z.B. Ungarn unter Ministerpräsident Orbán sich um Abschiebungen kümmern, um möglichst keine Flüchtlinge aufnehmen zu müssen. […..]

 (Pro Asyl, 23.09.2020)

Mit der homophoben Freundin der antidemokratischen Diktatorin von der Leyen wird jede Menschlichkeit der EU abgeschafft.

[.....]   Der neue EU-Migrationspakt von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übernimmt rechtswidrige Elemente der berüchtigten ungarischen Flüchtlingsabwehr und wird von Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. Dem Pakt zufolge sollen Flüchtlinge, die aus Staaten mit geringer Asylanerkennungsquote kommen, in Lagern interniert werden. Die Haftdauer kann sich offiziell auf ein halbes Jahr addieren. Lager dieser Art ("Transitlager") hatte zuvor Ungarn errichtet, im Frühjahr aber ankündigen müssen, sie umgehend zu schließen, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) die ungarische Internierungspraxis für illegal erklärt hatte. Die EU hat mit dem Bau entsprechender Lager bereits begonnen; eines ist auf der griechischen Insel Samos in Arbeit, ein weiteres soll auf Lesbos entstehen. Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen üben scharfe Kritik; von einem "teuflischen Pakt der Entrechtung" ist die Rede. Unterdessen schaffen die westlichen Mächte neue Fluchtursachen: Brutale Sanktionen hungern die Bevölkerung Syriens aus. [.......]

(GFP, 24.09.20)

Mittwoch, 23. September 2020

Und noch einmal CDU-Sexismus in Reinkultur.

Der schreibende Nazi-Mob wettert in Blogs und sozialen Medien gegen alle, die nicht genauso denken wie sie selbst und nicht genauso aussehen wie sie selbst.

Diese Leute, die David Bergers, NeverforgetNikis, Jürgen Elsässers, Hildmans, Kubischecks, Stürzenbergers, van Laacks, Lengsfelds verfügen über einen unendlichen Vorrat von Hass und Häme.

Die Hetze sprudelt jeden Tag wieder neu aus ihnen heraus und jeder kann ein Opfer dessen werden. Insbesondere auch diejenigen, mit denen sie eben noch Seite an Seite standen.

Die Hetzte trifft aber nicht jeden gleich intensiv. Sie haben eine Handvoll „Lieblinge“, die sie über alle Maßen triggern, wenn nämlich viele verschiedene Trigger in einer Person vereint sind.

Zu dem Personen, deren Namen nur erwähnt werden muss, um diese rechtsextremen Hetzer pawlowsch zu sabbern und knurren zu bringen gehören George Soros (reich, liberal, Jude, Trump-Gegner, Philanthrop), Claudia Roth (Grün, Frau, bunte Kleidung, LGBTI-freundlich, Menschenrechtsaktivistin), Sawan Chebli (SPD, Frau, Muslima, ärmliche Herkunft, Aufsteigerin), Anetta Kahane (Jüdin, links, Aktivistin, Einsatz für Migranten) und Greta Thunberg (jung, Frau, unangepasst, Klima).

Es sind also insbesondere Frauen, auf die neben den wirklich gefährlichen oben genannten Hetzern auch die bekannten publizistischen Figuren des rechten Randes der Demokratie, also Maaßen, Tichy, Matussek, Broder, Sarrazin, losgehen wie ein Knallfrosch im Nitroglycerin-Bad.

Das lässt sich zweifellos psychologisch mit einer tief verunsicherten Männlichkeit erklären; diese alten konservativen Männer fühlen sich bedroht, wenn eine Frau sich nicht gehorsam in die zweite Reihe einordnet, womöglich aus eigener Kraft gegen Widerstände Karriere macht und auch noch selbstbewußt auftritt.

(…..)  Sawsan Chebli, 40, geboren in Berlin, ist dafür ein Paradebeispiel.

Sie ist Tochter palästinensischer Flüchtlinge, die lange Zeit in Deutschland nur geduldet wurden und sich als Staatenlose vieler Rechte beraubt durchschlugen. Erst mit 15 Jahren bekam Chebli ihren ersten Pass – und damit die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit zehn Geschwistern hauste sie in einem Moabiter Zimmer; insgesamt waren sie 12 arme, ungebildete Kinder. Erst in der Schule hörte sie das erste mal deutsch. Die Chancen standen katastrophal schlecht.

Aber sie ist schlau.

 Was dann folgte ist nicht das typische Flüchtlingsschicksal:


1999 Abitur am Lessing-Gymnasium.

2004 Abschluss an der FU Berlin als Diplom-Politologin und Expertin für internationale Beziehungen.

2010 bis 2014 war sie Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport

2014 bis 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts.

2016 ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund.

2016 Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.

Man ahnt schon, Chebli passt nicht gut in Schubladen. Sie ist überzeugte Muslimin, aber säkular, trägt kein Kopftuch, macht Karriere als deutsche Beamtin. Sie engagiert sich in der SPD, tritt für Frauenrechte ein, hält aber ihr Privatleben radikal aus der Öffentlichkeit fern.

Im Vergleich zu vor Selbstbewußtsein platzenden Politikern des Schlages Spahn, Söder oder Altmaier ist sie scheu und unauffällig.

Aber im Gegensatz zu vielen deutschen Karrierepolitikerinnen ist sie nicht auf den Mund gefallen, vertritt ihre Meinungen auch dort wo es wehtut und inszeniert ganz gern mal ihren Erfolg.

Meiner Ansicht nach ist es das Normalste der Welt, daß eine Frau mit dem Hintergrund zwischen Zurückhaltung und Vorlautheit mäandert.

Ihre Kollegen sehen das scheinbar nicht so; sie wird leidenschaftlich gehasst dafür, daß man sie so schlecht einordnen kann.

[….] Viele ehemalige Kollegen verdrehen bei Erwähnung ihres Namens mindestens die Augen. Chebli erregt Misstrauen, Abneigung, Wut, Neid. Als sie vor eineinhalb Jahren als Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement ins Berliner Rote Rathaus wechselte, gingen bei ihr Morddrohungen ein. Im Netz wurde sie als "trojanisches Pferd der Muslimbrüder" bezeichnet und als "Migranten-Aschenputtel" beschimpft. [….]

(DER SPIEGEL, 13.07.2018)

Zu allem Übel ist die zierliche Staatssekretärin auch noch attraktiv und zieht sich gern sehr schick an.

Weißhaarige Alpha-Männer mit Testosteronüberschuss verwirrt das. Sowas kennt Seehofer nicht aus Bayern. (…….)

(Gutmenschenmob, 22.10.2018)

Derzeit wird Chebli einem starken Shitstorm ausgesetzt, weil sie wieder einmal etwas tat, was „sich für eine kleine, junge Frau aus der Unterschicht nicht gehört“.

Ihr Chef, der notorisch erfolglose und Charisma-freie Berliner Bürgermeister Müller, der es vermochte nach 20 Jahren unangefochtener SPD-Herrschaft in Berlin seine Partei auf Platz vier zu drücken, hat keinen Bock mehr auf den Stress und verkündete 2021 in den Bundestag wechseln zu wollen.

Da er in seinem Heimat-Wahlkreis Berlin-Tempelhof-Schöneberg aber keine Chance gegen Kevin Kühnert hat, beschloss er kurzerhand sich in Charlottenburg-Wilmersdorf aufstellen zu lassen. Per order die mufti.

Das ist aber der Heimat-Kreisverband Cheblis; sie möchte dort selbst gern für den Bundestag kandidieren und keineswegs kampflos Müller den Platz überlassen, nur weil er weiß, älter, ein Mann und ihr Chef ist.

Sie fordert eine Kampfabstimmung der SPD-Basis um den Kandidatenplatz und wird sie auch bekommen.

Wieder ist Chebli also „die Aufmüpfige“, die nicht devot in die zweite Reihe tritt und dem Mann den Vortritt lässt.

Das braun-konservative Weltbild einiger Berliner Publizisten geriet dadurch in so schwere Schwingungen, daß folgender Satz in „Tichys Einblick“ über die Staatssekretärin geschrieben wurde:

   "Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer."

(TE, 22.09.2020)

Ab hier bekam die Geschichte einen besonderen Twist; denn ausgerechnet die CSU-Staatssekretärin im Bund Dorothee Bär las dieses Zitat und entgegnete "Das ist widerlicher Dreck! Wo steht denn so ein Müll?", offensichtlich nichtahnend, daß a) der „widerliche Dreck“ von Roland Tichy stammt und b) eben dieser Tichy auch Vorsitzender der Ludwig-Ehrhard-Stiftung ist, in der auch Bär selbst aktiv ist.

Da sich die konservative CSU-Frau nun aber öffentlich so weit aus dem Fenster gelehnt hatte, blieb ihr nur übrig konsequent zu sein: Sie verkündete ihre Mitarbeit in der LES zu beenden. 

[…..] Die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), hat ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung aus Protest gegen deren Vorsitzenden Roland Tichy beendet. "Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin Tichys Einblick, die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält", sagte Bär dem Handelsblatt. […..] "Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar", sagte Bär, Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren. "Sofern die Stiftung einen Vorsitzenden hat, unter dessen Federführung solche Texte veröffentlicht werden, kann und will ich sie nicht weiter unterstützen. Es zeigt eine gesellschaftspolitische Geisteshaltung, die ich nicht akzeptiere." […..]

(ZEIT, 23.09.20

Die 1967 gegründete erzkonservative LE-Stiftung soll gemäß Satzung „der Fortentwicklung und Stärkung der Sozialen Marktwirtschaft“ dienen und verschreibt sich der Aufgabe „freiheitliche Grundsätze in Politik und Wirtschaft durch staatsbürgerliche Erziehungs- und Bildungsarbeit im In- und Ausland sowie durch wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Wirtschaft und Ordnungspolitik“ zu fördern. Ihr gehören 75 Mitglieder an.

Damit richtet sich nun aber der Fokus auf die weiteren Angehörigen der Stiftung.

 


Wie halten sie es eigentlich mit ihrem Chef und Vorsitzenden Roland Tichy, der im Namen der Stiftung gegen Klimaschutz wettert und in seinem Blatt über den „G-Punkt“ von SPD-Politikerinnen mit Migrationshintergrund orakeln lässt.

Selbstverständlich gehört auch Multifunktionär Friedrich Merz, der selbst mit multiplen Shitstorms kämpft  zur Ludwig-Erhard-Stiftung.

Es wäre eine Gelegenheit von seinen eigenen schwulenfeindlichen Sprüchen abzulenken. Aber der Mann ist nicht lernfähig.

Einer der Merzschen Helden, Donald Rumsfeld, dem damals die CDU-Größen Merkel, Schäuble, Merz und Pflüger begeistert in den Irak-Krieg folgen wollten, sagte im Jahr 2002 an die Adresse der Kriegsgegner „Wenn du in einem Loch sitzt, solltest du aufhören zu graben“.

Friedrich Merz nimmt sich den Ratschlag allerdings nicht zu Herzen und gräbt sich nach seiner schwulenfeindlichen Attacke tiefer in sein Loch der Uneinsichtigkeit.

Obwohl man ihm bundesweit erklärte, wie diskriminierend, missachtend, falsch und ungehörig seine gedankliche Verknüpfung von Homosexualität und Pädophilie ist, gibt sich der renitente Multimillionär absolut beratungsresistent und unterstreicht tags darauf noch einmal explizit diesen angeblichen Zusammenhang.

[…..] Merz sagte der “Welt” weiter: “Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.” Das werde er auch in Zukunft so sagen, “selbst wenn es offenbar dem einen oder anderen nicht gefällt”. [….]

(RND, 22.09.2020)

Das ist schon interessant; der Mann, der so gern Kanzler werden will ist nicht nur ganz offensichtlich intellektuell nicht in der Lage seinen Irrtum zu bemerken, sondern ihn verlassen auch alle politischen Instinkte. Selbst wenn er anderer Meinung ist, sollte er doch erkennen sich total verrannt zu haben, weil ihm niemand, auch nicht aus seinem engsten Umkreis beispringt. Kein CDUler will ihn noch verteidigen.

[…..] Friedrich Merz hat sich „verplappert“. Okay, das kann passieren. Zumal, wenn man zu verbaler Inkontinenz neigt, die Worte einem mitunter unkontrolliert entgleiten. Doch statt sich zu entschuldigen, behauptet er jetzt in der „Welt“, da sei etwas „bösartig konstruiert“worden. Um dann nochmals sein eigentliches Motiv zu unterstreichen: „Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.“ Was es fast noch schlimmer macht. Denn wieder konstruiert er diese merkwürdige Assoziation zwischen Homosexualität und Pädophilie. Und profiliert sich darüber hinaus als selbstloser Tugendwächter, dem es doch nur um das Wohl der Kinder geht. Damit begibt sich Merz in schlechteste Gesellschaft: Donald Trump hatte Hillary Clinton unterstellt, als Mitglied einer „Pizza-Connection“einem Pädophilenring anzugehören. […..][…..]

(H. Stutte, Mopo.de, 23.09.2020)

Von diesem Merz kann man nicht erwarten, daß er den Tichy-Affront begreift und sich aus Solidarität mit Chebli ebenfalls aus der LES zurückzieht.

Gut so; dann erkennt auch der Begriffsstutzige woran er bei Merz ist.

Dienstag, 22. September 2020

Nicht lernfähig.

Margarete Stokowski beschreibt heute in einer wie so oft wunderbaren Kolumne das Problem mit alten weißen, nicht lernfähigen Männern wie Merz und Lindner.

Sie müssen eben mit den „Methoden eines Hundetrainers“ mühsam dazu gebracht werden ihre eigene Borniertheit und Bequemlichkeit zu erkennen.

Als weiße, heterosexuelle, konservative christliche, sehr reiche Cis-Männer können sie sich einfach nicht vorstellen wie es ist in einer Minderheitenposition zu sein und grundlos diskriminiert zu werden.

Das gilt natürlich nicht für alle weißen, heterosexuellen, konservativen christlichen Cis-Männer; denn auch solche Menschen können sensibel sein.

Die Lindners und Merzen sind aber zu borniert, um lernen zu wollen und leiden zudem unter einem Umfeld, welches nicht korrigierend wirkt. Als Alphas wird ihnen in ihren eigenen Blasen nicht widersprochen.

[…..] Das Bittere ist, dass diese "Witze" von Umstehenden, die nicht einverstanden sind, oft mit einem gequälten Lächeln quittiert werden. Das ist, wie wenn man einem bettelnden Hund am Tisch etwas abgibt: Er kommt wieder. Männer, die diese Art von Pointen machen, werden jedes unsichere Lachen als Beweis für ihren edgy Mut werten und glauben, die anderen trauen sich nur nicht, richtig zu lachen. Sie glauben eher entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, dass alle um sie herum etwas schwerhörig oder dumm sind, als dass ihr Gag einfach schlecht war.  Die einzige Lösung ist, es als demokratische Aufgabe anzusehen, konsequent nicht mehr über diesen peinlichen Humor von Männern zu lachen. Wenn man sie auslacht, werden sie denken, man lacht mit ihnen. Da unterscheidet sich Feminismus nicht von Hundetraining: Es braucht klare Signale. Mit gekränkten Männeregos dieser Sorte ist zwar nicht zu spaßen, aber wann immer man die Chance hat, sollte man sie ein bisschen brechen. […..]

(Margarete Stokowski, 22.09.20)

Was aber bei CDU- und FDP-Männern nicht funktioniert, obwohl das Parteien sind, in denen auch Frauen Führungspositionen übernehmen dürfen, kann erst Recht nicht im uralten Männerbund katholische Kirche.

Hier sind Männer noch ganz unter sich. 400.000 Geistliche, 4.000 Bischöfe, 120 Kardinäle, zwei Päpste und darunter genau Null Frauen.

Nur daran zu denken weibliche Diakone einzusetzen ist für Kardinal Woelki schon Frevel.

Seit zwei Jahrzehnten wird weltweit öffentlich über den massenhaften sexuellen Missbrauch an Kindern durch katholische Geistliche diskutiert.

Seit einem vollen Jahrzehnt, Canisius 2010, beherrscht das Thema die deutschen Schlagzeilen.

Immer wieder kommen neue Horrorzahlen über die schiere Anzahl gequälter kleiner Jungs und die Vertuschung durch die Bischöfe ans Licht.

Aber es ist wie im Merzschen Sumpf und Lindners Blase: Wenn die mächtigen alten Männer stets unter sich bleiben, stellt sich keine andere Perspektive ein.

Und leider, auch das eine Parallele, lassen die Öffentlichkeit und die Politik sie gewähren.

25 Millionen Mitglieder der RKK sind eben noch nicht ausgetreten, die Einnahmen der Kirche sprudeln üppiger denn je und weder Exekutive noch Legislative denken daran wie in anderen Nationen die Ermittlungen an sich zu ziehen und damit dafür zu sorgen, daß Myriaden misshandelten Kindern a posteriori Gerechtigkeit widerfährt.

[…..] H. ist ein Symbolfall im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche. 1980 kam er von Essen nach München. Eltern warfen ihm vor, er habe ihre Kinder missbraucht; in München sollte er in Therapie. Der Erzbischof dort hieß Joseph Ratzinger - der spätere Papst Benedikt XVI. In München wurde H. wieder als Seelsorger eingesetzt. Er missbrauchte Jungen und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er wurde Pfarrer und beging weitere Taten. […..] Ein brisantes kircheninternes Dokument, das die Süddeutsche Zeitung einsehen konnte, belegt, wie die Kirchenleitung bis hin zur Glaubenskongregation den gewalttätigen Priester schützte, vor Strafe bewahrte - und seine Opfer alleinließ. Und wie sie sich bis heute schwertut, H. zu bestrafen. Es zeigt, wie wenig bislang die Verantwortung von Kardinälen, Bischöfen, Generalvikaren und Personalchefs im Missbrauchsskandal aufgearbeitet ist.

Es lässt ahnen, welch schmerzhaften Prozess die katholische Kirche noch vor sich hat, wenn sie nun in vielen Bistümern die Akten erneut durchforsten lässt: Wer wusste von den Taten und schwieg? Zwei Kardinäle sind in den Fall des Priesters H. involviert, der verstorbene Essener Kardinal Franz Hengsbach sowie der emeritierte Kardinal Friedrich Wetter in München. Und eben Benedikt XVI., der emeritierte Papst.  […..] Das Dekret stellt fest: Peter H. habe sich in fünf Fällen des mittelschweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht, indem er nackt mit Minderjährigen in einem Bett geschlafen und sich so sexuell erregt habe. Er habe sich in zwei weiteren Fällen einer geringfügigen Straftat schuldig gemacht, indem er Jungen Pornos vorgeführt habe.   Drei Monatsgehälter muss H. an die Kinderstiftung "Tabaluga" zahlen. Er darf sich nicht mehr "Pfarrer im Ruhestand" nennen. Aber: Er bleibt Priester der katholischen Kirche. […..][…..] Es fällt auf, wie misstrauisch das Dekret gegenüber den möglichen Opfern ist. In einem Fall mutmaßt Wolf, ein Therapeut habe einem Patienten eine Missbrauchsgeschichte eingeredet. Um die möglichen Opfer geht es nicht. Es geht nur darum, ob und wie H. sein Keuschheitsversprechen gebrochen hat.   Es heißt, der Münchner Kardinal Marx und sein damaliger Generalvikar Peter Beer seien 2016 erzürnt gewesen über das Dekret. Weder Marx noch Beer wollen sich äußern - Beer ist mittlerweile in Rom Professor am vatikanischen Zentrum für Kinderschutz. […..]  

(SZ vom 22.09.2020)

Es nervt mich.

Es nervt mich sogar ungeheuer, weil unter anderem ich auch seit 15 Jahren immer wieder darüber berichte und insbesondere auch ausführlich über den Fall „Pater H. und Ratzinger“.

Es bleibt aber ohne Konsequenzen, weil wir als Gesellschaft die RKK lassen, weil man ihr eben nicht vehement widerspricht und weil die alten weißen Männer unter sich eben nicht von allein einsichtig werden.

Montag, 21. September 2020

Der fiese Richter von der Seitenlinie

Markus Söder ist ohnehin immer Gespräch als CSU-Chef und durch die Fülle der bayerischen Corona-Pannen.

Außenpolitiker Norbert Röttgen rückt wegen Nordstream-2, Nawalny und Belarus mehr in den öffentlichen Focus.

Armin Laschet schließlich machte Schlagzeilen mit der gut überstandenen NRW-Kommunalwahl und der Erkenntnis, die Laschet-Familie stamme in direkter Linie von Karl, dem Großen ab. Im CDU-Armin fließe also kaiserliches Blut.


 Da wollte und konnte F*tzenfritz nicht weiter tatenlos daneben stehen. Friedrich Merz wandte sich also wie sein Vorbild Donald Trump an ein Presseorgan, welches keine kritischen Fragen stellen würde und an dessen Begeisterung für Merz kein Zweifel besteht: Die BILD!

Dem Multimillionär, der nie ein Regierungsamt innehatte und nie eine Wahl gewann gelang wie dem großen Orangen in Washington eindrucksvoll auch unter diesen freundlichsten Umständen ein Interview so zu verhunzen, daß gleich zwei Shitstorms folgten.

Privatier Merz, der zwei Flugzeuge besitzt und Millionen für seine Aufsichtsratssitze kassiert, also sicher nie wieder im Leben arbeiten muss, erklärte die Corona-bedingten Berufseinschränkungen kurzerhand zu einer Art Faulheit und warnte in bester „Mehr Kapitalismus wagen“-Manier davor sich ans Nichtarbeiten zu gewöhnen. Offenbar möchte er diese Form der Existenz den Superreichen wie ihm selbst vorbehalten.

[….] Der CDU-Politiker Friedrich Merz ist besorgt darüber, dass sich wegen der Corona-Krise zu viele Deutsche an ein "Leben ohne Arbeit" gewöhnen könnten. "Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können", sagte Merz, der auf dem Parteitag im Dezember für den CDU-Vorsitz kandidieren will, der "Bild"-Zeitung. "Wir müssen zurück an die Arbeit."   Besonders kritisch bewertete Merz die Situation an den Schulen: "Es bleiben einfach zu viele Lehrer zu Hause." [….] Der frühere Unionsfraktionschef kritisierte zudem die von der CDU-geführten Bundesregierung beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Er befürchte, dass die Regelung Mitarbeiter auf Arbeitsplätzen halte, wo sie eigentlich nicht mehr gebraucht würden. [….]

(NTV, 21.09.20)

Der Kult um Merz entkoppelt sich wie alle Kulte immer mehr von der Realität.

Die Generation „Jung, schön und sexy“ in der CDU, also Tilman Kuban und Philipp Amthor, hält ihr Idol Merz für ökonomisch immer genialer, je mehr Unsinn er redet.


JU goes QAnon; je offensichtlicher Merz seine völlige Ahnungslosigkeit von wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhängen offenbar, desto mehr werten sie es als Beweis für das diametrale Gegenteil.

[……] Mit seiner Aussage über ein "Leben ohne Arbeit" steht der CDU-Politiker nun in der Kritik. Merz habe entweder ökonomisch keine Ahnung oder sei sozial zynisch oder beides, schrieb Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf Twitter. "Mit Kurzarbeit sichern wir Millionen von Arbeitsplätzen in der Coronakrise und stabilisieren die gesamtwirtschaftliche Lage", heißt es in dem Tweet weiter.  Der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi (Linke) kommentierte die Aussage von Merz schlicht mit dem Satz: "Der merkt gar nichts mehr." […..]

(SPON, 21.09.2020)

                 

Merzens BILD-Interview geriet sogar zum Doppelgriff ins Klo, indem er gleich noch auf die Frage nach seiner Meinung zur Homosexualität Pädophilie assoziierte.

[…..] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der mit einem Mann verheiratet ist, sagte: "Wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie ist, dann müssen Sie eher Fragen an Friedrich Merz richten." SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte Merz zu einer Entschuldigung auf. "Schwule immer in den Verdacht zu rücken, dass da etwas mit Kindern sei, zeigt ein rückständiges Denken", sagte Klingbeil der Bild. "Da ist eine deutliche Entschuldigung fällig."   Der Juso-Chef und stellvertretende SPD-Chef Kevin Kühnert schrieb bei Twitter: "So laviert jemand, der nicht kaschieren kann, dass er mit der Normalisierung des Umgangs mit Homosexualität eigentlich nichts anfangen kann." […..]

(Zeit, 21.09.20)

Der Mann, der immer gegen „die Ehe für alle“ gestimmt hatte und auch im Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, hat eine Geschichte voller schwülstiger Atlmänner-Schwulenfeindlichkeit.

Während aber andere Gegner der „Homoehe“, wie zum Beispiel Angela Merkel, die lange dafür stritt LGBTIQs ihre Rechte vorzuenthalten immerhin erkannten, daß man mit dem Thema keinen Blumentopf mehr gewinnen kann und sich öffentlich nie homophob äußern, beindruckt der 64-jährige Merz damit in all den Jahrzehnten nichts dazu gelernt zu haben und noch genau wie seine Urgroßeltern zu denken.

[….] In der Vergangenheit war Merz allerdings wiederholt mit homophoben Kommentaren aufgefallen. Der "Bunten" sagte er 2001 über Berlins damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): "Solange er sich mir nicht nähert, ist mir das egal!" Bei einer Rede vor Tausenden CDU-Anhängern in Oberhausen sagte Merz einmal, er habe nichts gegen die Homo-Ehe - "solange ich da nicht mitmachen muss". […..]

(SPON, 21.09.20)

Bezüglich seiner stramm neoliberalen Ansichten aus dem letzten Jahrtausend ist es genauso – Merz nimmt die Realität nicht zur Kenntnis, hat nie dazugelernt.

Angesichts dieser Fülle der „self inflicted wounds“ bleibe ich bei meinem Plädoyer für Friedrich Merz; er möge Kanzlerkandidat der CDU/CSU werden.

Wann immer der Mann, der Greta Thunberg „krank“ nennt und seine Kinder nicht zu FFF-Demos gehen lässt den Mund aufmacht kommt Unsinn heraus.

Umso besser für RRG.