Montag, 27. Juli 2020

Politisch nicht korrekt.


Es gibt viele Dinge, über die man sich im täglichen Smalltalk stundenlang beklagen kann. Das Wetter, die Politiker, den HSV, nervige Radfahrer, rücksichtslose Hundehalter, anstrengende Vermieter, viel zu laute Motorradfahrer, Falschparker, Paketboten, Smombies.

Aber es gibt auch Tabus; dazu gehören insbesondere Kleinkinder. Niemand schimpft öffentlich über die penetrante Lautstärke der kleinen Racker.
Und falls es doch einmal jemand wagt, sich gegen den Höllenlärm aus einer KITA auszusprechen, folgt sofort der öffentliche Bannstrahl. Lokaljournalisten rücken an, um einen an den Pranger zu stellen und auf der Social-Media-Ebene schwillt er Recht ein Shitstorm an.

„Du warst wohl nie ein Kind!“
-      Äh, doch, selbst ich war mal ein Kind. Aber ein Ruhiges. Damals habe ich nicht den lieben langen Tag in der Öffentlichkeit geschrien wie am Spieß, weil meine Mutter ohnehin nur am Handy klebte und mich ignorierte.

Auf politischer Ebene lautet das entsprechende Mantra „Familie“.
Wenn der Begriff politisch oder gar religiös verwendet wird, schrillen bei mir alle Alarmglocken, weil es dann garantiert ideologisch und irrational wird.
Meist sollen damit Teile der Gesellschaft ausgegrenzt werden. „Family Values“ ist der Schlachtruf der konservativen US-Amerikaner, wenn sie gegen LGBTIQ zu Felde ziehen. Als ob Schwule und Lesben keine Familien hätten!
Die haben genauso Geschwister, Eltern, Cousinen, Tanten und Onkel wie jeder andere auch.
Der deutsche Staat kennt hunderte familienpolitische Leistungen, die zusammengerechnet zwar den EU-weit größten Prozentsatz an „Familienförderung“ ergeben, aber dennoch verrottete Grundschulen, baufällige Kitas und Millionen Kinder unter der Armutsgrenze hinterlassen.
Die Gründe kann ich schon seit Jahrzehnten singen: Das meiste Geld kommt bei steinreichen Familien oder gar Kinderlosen an, die gar keine Unterstützung bräuchten. Das ist das Wunder des Ehegattensplittings, das steinreichen Menschen ohne Leibesfrüchte die dicksten familienpolitischen Leistungen zuschanzt.
Hinzu kommen die Gießkannen-Leistungen wie Kindergeld, die ebenfalls an alle Millionärinnen in den Vorortvillen verteilt werden.

Seit Jahrzehnten ist aber keine wie auch immer gefärbte Regierung in der Lage diesen unfassbaren Unsinn abzuschaffen, weil die Superreichen, die am meisten profitieren die stärkste Lobby haben.

Tatsache ist aber, daß die familienpolitischen Leistungen des Staates dringend gekürzt werden müssen. Selbst wenn der Kuchen insgesamt deutlich keiner ist, wäre noch genug übrig, um das Geld zu den Familien zu leiten, die es auch wirklich benötigen.
Aber auch das klappt offenbar nicht.
Also spricht man seit mindestens zwei Jahrzehnten mit Tränen in den Augen von den „Alleinerziehenden“, die es finanziell so schwer haben.
Das ist eine Binse. Kinder sind ein sehr teurer Luxus und wenn man statt zwei potentiellen Verdienern nur noch einen hat, fehlt die Hälfte des Geldes.

Im Bundestagswahlkampf 1990 musste sich SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine bei einer RTL-Zuschauerdiskussion ernsthaft den Vorwürfen einer alleinerziehenden Mutter von elf Kindern stellen, die den Kontakt zu einem halben Dutzend Vätern abgebrochen hatte. Sie wollte wissen wie sie unter SPD-Regierung bessergestellt wäre und ob sie dann endlich ihre gewünschte 12-Zimmerwohnung bekäme; sie wünsche sich für jedes Kind ein eigenes Zimmer.
Lafontaine blieb cool, rechnete die im SPD-Programm versprochenen Leistungen zusammen und niemand stellte die offensichtliche Frage laut:
„Mädel, ist dir nach neun, oder zehn Kindern ohne Vater nicht mal eingefallen zu verhüten?“
Man kann die Frage auch nicht stellen, weil man dumme Mütter oder dumme Väter mit viel zu vielen Kindern, die sie sich nicht leisten können, nicht sanktionieren darf. Dies träfe schließlich die Kinder und die können erstens nichts dafür und werden zweitens als Erwachsene erst Recht ein Kostenfaktor für den Staat, wenn sie arm und bildungsfern aufwuchsen.
Daher ist es auch müßig die „Schuldfrage“ zu stellen:
Hat eine Alleinerziehende fünf Kinder, weil sie völlig verantwortungslos ist und ohne nachzudenken mit jedem poppt?
Oder hatte sie sich vielleicht die perfekte Beziehung aufgebaut, alles geplant, mit einem liebevollen Partner/Partnerin Wunschkinder bekommen, aber der/die Partner/in starb tragisch/unvorhergesehen?
Der Staat darf nicht moralisieren, weil die Kinder nun mal da sind.

Ich sehe das ein. Der Staat kann und soll also nicht an Sozialleistungen, die Kindern zu Gute kommen sparen.

Aber es ärgert mich, daß die vielen so viel vernünftigeren Menschen, die sich vielleicht auch Kinder wünschen, sie aber nicht bekommen, weil sie zu dem Schluss kommen nicht die finanzielle/emotionale/soziale Stabilität bieten zu können, in der politischen Diskussion immer unter den Tisch fallen.
Und was ist erst mit so vernünftigen Menschen wie mir, die als Antinatalisten aus prinzipiellen moralischen Erwägungen nicht noch mehr Ressourcen-verbrauchende Menschen in eine hoffnungslos überbevölkerte Welt setzen?
Wir Kinderlosen bezahlen die vielen staatlichen Leistungen von Kindergeld über Kitas, Lehrergehälter, Gymnasialausstattungen, Universitäten, die wir alle selbst nie in Anspruch nehmen.

Vor ein paar Tagen bekam ich die gefühlt zehnte Mitgliederbefragung von Lars Klingbeil zugeschickt.
Meine Partei, die SPD, ist schließlich unter Nawabo-Esken „eine Mitmach-Partei“ geworden. Daher müssen/sollen/dürfen die einfachen Mitglieder nun an der programmatischen Erneuerung mitwirken.
Seitenweise klickte ich mich durch ein Dickicht sozialer Wohltaten. Kinder, Kinder, Alleinerziehende, Kinder, Familien, aber insbesondere die Alleinerziehenden, Kinder, Familien.
Mir liegen rein zufällig darbende Senioren unter der Armutsgrenze, die sich ihr karges Leben kaum leisten können, zu städtischen Tafeln gehen müssen und als Ü80er noch Zeitungen austragen oder putzen gehen, weil die Rente nicht reicht, mehr am Herzen als junge Mütter, die ja immerhin in Regel physisch fit sind.
Am Pflegenotstand ändert sich aber auch nie etwas.
Man soll nicht Bedürftige gegeneinander ausspielen, aber Kinder haben wenigstens noch Hoffnung, daß es besser wird, sie sind sichtbar und haben Perspektiven.
Eine demente 91-Jährige im Pflegeheim, die von überarbeiteten Pflegern grob misshandelt, fixiert und sediert wird, in ihren eigenen Exkrementen liegen muss, hat hingegen keinerlei Perspektive. Ab da wird es nur noch schlimmer und sie lebt außerdem weit außerhalb des öffentlichen Fokus.

Ich frage mich, ob diese Fixierung aus Familie, Kinder und Alleinerziehende so schlau ist von der SPD.
In Städten wie Hamburg sind schon über 50% der Wohnungen Singlehaushalte.
Nur in 18% der Hamburger Haushalte leben überhaupt Kinder.
Dafür daß also in 82% der Hamburger Wohnungen gar keine Kinder leben, ist der Kinder-Lobbyismus also extrem überproportional entwickelt.

Ich habe es satt, daß Single-Haushalte in dem Parteiprogrammteil über soziale Wohltaten gar nicht vorkommen.
Wir leben nachhaltiger, verbrauchen weniger klimaschädliche Ressourcen und ich behaupte, daß wir auch sozialer engagiert sind.
 Seit vier Dekaden halte ich mich regelmäßig in Alten- und Pflegeheimen auf. Dort kümmern sich die Angehörigen, die selbst keine Kinder haben. Wer Kinder hat, verfügt schließlich immer über die Generalentschuldigung keine Zeit für Oma und Opa zu haben.
Singles sind in der Flüchtlingshilfe engagiert, arbeiten für Umweltschutzprojekte, sammeln Plastikmüll am Strand, kaufen für kränkliche Nachbarn ein.
Dafür wollen wir kein Geld haben, verlangen nicht etwa ein monatliches Singlegeld – dabei tun wir überproportional viel für den Konsum, weil unsere Lebensunterhaltskosten pro Kopf deutlich höher sind, als in Mehrpersonen-Haushalten.
Es wäre nur ganz schön, wenn in einem Parteiprogramm auch mal erwähnt wird, daß wir, die Mehrheit der Haushalte, überhaupt existieren.
Über 50% der Haushalte können schließlich nicht alle FDP wählen.

Sonntag, 26. Juli 2020

Fest im Sattel


Die mächtigsten Menschen der Welt sind alle in irgendeiner Weise von dem Corona-Virus bedroht.
Bolsonaro ist selbst infiziert, Johnson sogar fast an Covid19 gestorben und ihre besten Kumpel müssen zu drastischen Mitteln greifen, um von ihrem desaströsen Krisenmanagement abzulenken.
Recep Tayyip Erdoğan stieß mit seiner Entscheidung die Hagia Sophia wieder als Moschee zu verwenden die halbe Welt vor den Kopf, um seine Anhänger bei Laune zu halten.
Donald Trump schickt Sturmtruppen in demokratisch regierte US-Städte.

Ein internationaler Chef aber, der einer Organisation vorsitzt, deren Hauptzweck die Korruption ist, kann über solche Probleme nur lachen:
Thomas Bach!
Der Mann, der jedes Jahr Milliarden Dollar in die Taschen käuflicher Funktionäre verschiebt, in den Mastdärmen menschenrechtsfeindlicher Diktatoren zu Hause ist und für jeden Usurpator mit Geld und Macht ein Ohr hat.
Der deutsche FDP-Funktionär Bach, der eigentlich nur für die olympischen Spiele da sein sollte, erlebt gerade eine (mindestens) fünfjährige Olympiade. Die Olympischen Sommerspiele von 2020, die genau jetzt in Tokio stattfinden sollten, sind verschoben. Ein Megadesaster für Bachs IOC. Aber zu seinem Glück interessieren ihn der Sport wenig und die Sportler noch viel weniger.
Wozu auch? Die haben kein Geld und sind für seinen Posten irrelevant.

[…..] Gefehlt hat nur der weiße Rauch aus dem Kamin. Aber der 136. IOC-Konvent fand halt leider nicht in Rom, sondern virtuell statt, außerdem ist für den Rauch noch etwas Zeit: Als IOC-Boss bestätigt wird Thomas Bach erst bei der Session 2021. Nimmt man die einstündigen Hosiannagesänge des entrückten olympischen Stimmvolks zum Maßstab, die jetzt Bachs Verkündigung, den Ringe-Konzern weitere vier Jahre befehligen zu wollen, umrahmten, erscheinen liturgische Korrekturen für die nächste Krönungsmesse des Sport-Pontifex nicht ausgeschlossen: weißer Rauch also und Applaus, bis die Hände glühen.
Oder ist diese mittelalterliche Ekstase ob einer äußerst vorhersagbaren Amtsverlängerung des deutschen Wirtschaftsanwalts nur sportinternen Zwängen geschuldet? Außerhalb der Bruderschaft ist Bach nicht so gut gelitten; schon gar nicht bei denen, um die sich ja alles drehen soll im olympischen Sport: bei den Sportlern. [….]

Corona killt die Spiele.
Mit einigem medialen Aufwand wird nun daran erinnert, daß wir derzeit eigentlich Hundertschaften hochbezahlter Korrespondenten, TV-Techniker, Journalisten und noch viel mehr Funktionäre in Japan haben sollten.
Das TV-Sommerprogramm sollte freigeräumt sein für endlose Übertragungen der 30 km-Geherinnen und Luftpistolen-Schießer.
Die Magazine und Morgensendungen sämtlicher TV-Stationen müssten nun eigentlich thematisch mit Medaillenspiegeln bestückt; Zeitungstitelseiten für unbekannte schwitzende Muskel-Typen mit weit aufgerissenen Mäulern freigeräumt sein.

Aber den großen Elefanten im Raum spricht niemand an: Die Olympischen Spiele werden in Wahrheit gar nicht vermisst.
Wer nicht gerade selbst Sportler ist, oder in irgendeiner Form finanziell von Sportveranstaltungen lebt, kann durchaus auf das milliardenschwere Pharma-Spektakel verzichten.
Im Gegenteil, der Bombast-Kommerz ist sogar so unbeliebt, daß das IOC so gut wie keine Chancen mehr hat die Spiele an demokratisch regierte Länder  zu vergeben.
Wann immer das Volk auch etwas dazu sagen darf, heißt es ‚NEIN DANKE‘!
Hamburg, Oslo, München/Garmisch, Graubünden 2026, Boston, Innsbruck 2026 – überall holten sich die Bewerber und das IOC blutige Nasen vom Wahlvolk.
Ein so ökologisch wahnsinniges und extrem überteuertes Korruptionsprojekt kann man nur noch durchführen, wenn wie in Sotchi oder Peking per order die mufti entschieden wird und die Bewohner der fraglichen Orte nichts zu melden haben.

Selbst im obrigkeitshörigen Japan sinkt die Begeisterung für die auf den 23.Juli 2021 verschobenen Spiele dramatisch. Allein die Verschiebung um ein Jahr kostet sechs Milliarden Euro. Aber wer kann garantieren, daß die Pandemie 2021 völlig unter Kontrolle ist?

[….] Nachdem die Spiele ohnehin schon deutlich teurer wurden als veranschlagt, soll nun alleine die Verschiebung auf 2021 bis zu sechs Milliarden Euro kosten - bei denen unklar ist, wer sie trägt. Für das IOC stellt sich bei den Finanzen zudem die Frage, ob alle Sponsoren auch 2021 dabei bleiben.
[….] Yuriko Koike bleibt nach einer Wiederwahl Gouverneurin der Präfektur Tokio, was dem IOC eine gewisse politische Stabilität gewährleistet. Mitbewerber hatten sich für eine sofortige Absage der Spiele ausgesprochen.
Die Bürgerinnen und Bürger in Tokio sind einer Umfrage zufolge geteilter Meinung. 51,7 Prozent finden, dass die Spiele und die anschließenden Paralympics entweder abgesagt oder nochmals verschoben werden sollten, wie aus einer Ende Juni veröffentlichten Umfrage der japanischen Tageszeitung "Tokyo Shimbun" unter rund 1000 Menschen hervorging. 46,3 Prozent wollten dagegen, dass die Spiele im Sommer des nächsten Jahres stattfinden. [….]

Ein Gutes haben die geplanten olympischen Spiele immerhin – auf dem Sendeplatz der Sportsparte wurde in der ARD eine großartige Uwe Schwering-Reportage über die 37-Millionen-Stadt Tokio ausgestrahlt.


Ein faszinierender Moloch. Und ein genialer Leistungsbeweis für das öffentlich-rechtliche Korrespondenten-System. Schwering lebt sieben Jahren in Tokio, spricht selbstverständlich japanisch und kann kompetent durch das Land führen.

Wer noch nicht genug hat von Uwe Schwering, möge sich seine legendäre Abschiedsdokumentation von 2006 über das englische Essen ansehen!

Samstag, 25. Juli 2020

Roma locuta causa finita - Teil II


Als letzte Woche die vatikanische Ohrfeige die deutschen Gläubigen niederstreckte, war ich ehrlich dankbar.

Mitleid ist nicht angebracht, denn die RKK-Mitglieder sind freiwillig zahlende Stützen eines homophoben, misogynen absolutistischem Systems.

(……)  Verschiedentlich arbeitete ich mich an der deutschen HUK ab. Gern verwende ich den Vergleich mit einer „kommunistischen Plattform“ in der FDP; das bringt nichts.
Bis heute hat sich an meinem Vorurteil wenig geändert. Ich halte die Jungs und Mädels für naiv, gaga und überflüssig.

Doch, daß sich nicht alle Schwulen outen mögen, halte ich für absolut verständlich, wenn auch bedauerlich.
Das mag für mich eher eine theoretische Frage sein, aber ich kann mir nur sehr schwer vorstellen mich für einen Verein, wie zum Beispiel die Katholische Kirche oder die Fußballbundesliga, zu engagieren, der mich grundsätzlich ablehnt.
Im Falle der RKK werfe ich das auch allen Frauen vor: Wieso engagiert ihr euch ausgerechnet für einen Laden, der euch für so minderwertig hält, daß ihr noch nicht mal niederste Ämter selbst übernehmen dürft?
Wie erbärmlich es ist, wenn die 2000 Jahre lang Unterdrückten bei den ersten Brotkrumen, die sie zugeteilt bekommen, gleich vor Dankbarkeit in Verzückung geraten!

Über viele Jahrhunderte haben katholische Offizielle Schwule, Gottlose, Hexen, Ehebrecherinnen und viele andere mehr gefoltert und umgebracht und nur weil sie das nun seltener tun, ist alles verziehen?

Ebenso gut könnte Kenan Kolat (Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland e. V.; TGD) auf Knien zur NPD-Zentrale robben und sich dafür bedanken, daß heute kein von Migranten bewohntes Haus angezündet wurde.

Die Leute von der HUK möchte ich eigentlich zum Psychiater schicken und ihre Schizophrenie behandeln lassen.

Wir, die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (kurz: „HuK”), wollen die volle Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Queeren (LGBTQs) am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben. Als Zeuginnen und Zeugen der befreienden Botschaft von Bibel und persönlicher Gotteserfahrung arbeiten wir
-      am Abbau von Vorurteilen gegenüber und Diskriminierung von LGBTQs innerhalb der Kirchen,
-      für die vollständige berufliche Gleichstellung mit heterosexuellen Biomännern und -frauen,
-      gegen die Diskriminierung von HIV-Positiven und an AIDS Erkrankten,
-      an der Schaffung von Räumen, um als LGBTQs Spiritualität zu teilen, und
-       an der Erkennbarkeit von uns als Christinnen und Christen innerhalb der LGBTQ-Gemeinschaft.

Wenn man Teilhabe und Anerkennung möchte, sollte man sich dringend eine andere Ideologie suchen!
In der Bibel, die nur so strotzt von Strafandrohungen, dem Zorn und der Eifersucht Gottes, der Intoleranz und Brutalität ausgerechnet „die befreiende Botschaft“ zu erkennen, zeugt schon von schwerer geistiger Umnachtung.

Der signature-move der Katholiken gegenüber anderen christlichen Konfessionen ist das Papsttum und damit das Primat Roms.
An der Spitze der Kirche steht nicht einfach ein Präsident oder Chef mit großer Macht, sondern ein Vizegott mit in vielfacher Hinsicht absoluter Macht.

Nicht von ungefähr ist der Ausspruch Roma locuta causa finita weltweit sprichwörtlich für die absolute Herrschaft des Vatikans geworden.

Aber nach dem römischen Verbot der Laienleitung sind es nun ausgerechnet höchste RKK-Funktionäre, die diesen Zentralismus beklagen – als ob sie nicht selbst genau diesen Irrsinn stützten und finanzierten!

Nach einer endlosen Abfolge von Skandalen – darunter Massenmorde, Genozide, Raub, myriadenfacher Kindesmissbrauch – fällt katholischen Bischöfen ein, daß Rom auch irren könnte?
Der Vatikan, der exakt vor 150 Jahren den Kardinalfehler beging den Papst für unfehlbar zu erklären? Genau diesem Prinzip haben sich aber alle katholischen Geistlichen unterworfen.

Jetzt ist es ein bißchen zu spät an führender Stelle der Kleriker-Hierarchie zu stehen und den Kern des Katholizismus‘ zu bemerken.

[…..] Es muss mächtig brodeln bei einigen katholischen Bischöfen in Deutschland. Anders ist es nicht zu erklären, dass Oberhirten aus der ganzen Republik mitten in der Urlaubszeit die Verbalkeule auspacken - gegen ein Dokument, das den Segen von Papst Franziskus hat. "Ich kann den Eingriff in meine bischöfliche Hirtensorge nicht so einfach hinnehmen", sagt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Von einer "starken Bremse der Motivation und Wertschätzung" spricht der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Irritiert und befremdet sei er, schreibt Franz-Josef Overbeck aus dem Bistum Essen. Und sogar der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der Kirchenrechtler, der sonst nicht für scharfe Wortwahl in innerkirchlichen Debatten bekannt ist, spricht von einem "theologisch defizitären" Dokument, das so besser nicht hätte veröffentlicht werden sollen und für die Kirche "mehr Schaden als Nutzen" bringe.
Der Stein des Anstoßes ist ein 36-seitiges, weltweit versandtes Papier mit einem sperrigen Titel: "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche", verfasst von der Kleruskongregation im Vatikan und zugelassen von Papst Franziskus. […..]
[…..] Hiltrud Schönheit […..] ist Vorsitzende des Katholikenrats der Stadt und Region München. "Fassungslos und erschrocken" sei sie nach der Lektüre gewesen, sagt sie. Im Erzbistum München und Freising gibt es bereits - wie in anderen Diözesen auch - Versuche, Pfarreien durch Teams von ehrenamtlichen Laien leiten zu lassen. "In dem Papier steht: Jede Pfarrei soll von einem Priester geleitet werden. Gut und schön. Wir haben aber keine mehr. Wir können darüber gar nicht mehr diskutieren. Das ist Realität." Die Haltung der Kleruskongregation, dieses "Leugnen der Wirklichkeit" erinnere sie an "das Verhalten eines zweijährigen Kindes, das sich die Augen zuhält und sagt - ich bin nicht da."
[…..] Hiltrud Schönheit hat in der vergangenen Woche viele Gespräche geführt, mit Laien, mit Priestern. Sie fühlt sich sogar schon an den Konflikt zwischen Rom und den deutschen Bischöfen über die Schwangerenkonfliktberatung erinnert. […..] "Jeder fragt sich doch jetzt: Was mache ich in dieser Kirche noch?" […..]

Tja, Hiltrud Schönheit, entweder Sie treten aus oder Sie unterstützen all das was Sie nicht mögen.

Freitag, 24. Juli 2020

Evangelikale und katholische Kindervorlieben.


An dieser Stelle werden sehr oft die immer neuen Fälle von Kindersexskandalen in der Kirche angesprochen.

Grundsätzlich verwende ich aber niemals den Begriff „Kinderschänder“, weil damit impliziert wird, dem Opfer werde Schande bereitet. 2009 stellte ich klar:

[……] Der Begriff „Kinderschänder“ ist ein Propagandabegriff mit dem sich Abseitige aller Couleur unter anderem für Todesstrafe und Folter stark machen.

Kinderschänder sind in der Hierarchie der Verbrecher die ultimativ unterste Stufe.
Der Begriff ist aber sachlich komplett falsch - wenn man mal in ein Herkunftswörterbuch guckt.

Glücklicherweise habe ich die diesbezüglichen Begriffe
1.) Entomologie, 2). Enantiomorphorie, 3.) Endarteriektomie, 4.) Eleuteriologie, 5.) Embolektomie, 6.) Entomogamie, 7.) Enzephalomalazie, 8) Endokrinologie, 9.) Epigastralgie 10.) Etymologie schon in einem anderen Posting definiert.

Er drückt nämlich aus, daß über das Kind von dem Vergewaltiger Schande gebracht wurde!

Ganz so, wie man in einigen archaischen islamischen Gesellschaften die eigene Tochter umbringen muß, wenn sie vergewaltigt wurde, um die Familienehre wieder herzustellen, während der Vergewaltiger nicht belangt wird - zumindest nicht getötet wird.

Nun sind humanistische Standards sehr unterschiedlich - ICH finde es jedenfalls höchst amoralisch das OPFER zu töten und den Täter zu schonen.

Genau das impliziert aber der verbale Gebrauch des Wortes Kinderschänder:
Die Opfer leben in Schande.

Tatsächlich ist das auch bis auf den heutigen Tag in der Mehrzahl der Fälle so, wie auch wieder die jüngsten Enthüllungen aus Irland zeigen:
Die mißbrauchten und vergewaltigten Opfer schämen sich, schweigen ob ihrer Schande über Dekaden, während die Täter aus den Reihen der Priester weiter unbehelligt bleiben.

Es wird mitunter sogar noch schlimmer, da einige Bischöfe den Opfern die Schuld in die Schuhe schieben - da liegt es dann der schwarze Peter nach Auffassung des höchst perversen Bischof Bernardo Álvarez Afonsos bei den 13-Jährigen Knaben, die es darauf anlegen.

Die moralisch verwerflichste Form des Indiviuums war wohl der deutsche Kardinal Degenhardt, der den Müttern eine Mitschuld zuschob - denn wenn sie überhaupt einen nackten Kinderkörper den Ehemännern zugänglich machten, wäre es verständlich, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen könnten.

Damit offenbart der Kirchenfürst, daß seiner persönlichen Ansicht nach jeder Mann ein potentieller „Kinderschänder“ (in diesem Fall tatsächlich Pädophiler) sei. […..]

Der Begriff „Pädophilie“ wird ebenfalls meistens sehr unpräzise verwendet – als Todschlag-Vokabel für jeden, der sich an nicht Erwachsenen vergreift.
Es wäre gut, sich stattdessen den Begriff  Hebephilie einzuprägen.

Hebephilie (von Hebe, griechische Göttin der Jugend, und griechisch φιλία philia „Freundschaft“) ist die erotische und sexuelle Präferenz eines Erwachsenen für pubertierende Jungen und/oder Mädchen etwa im Alter zwischen 11 und 16 Jahren. Eine genaue Eingrenzung des Alters ist aufgrund des von Fall zu Fall unterschiedlichen körperlichen und psychischen Einsetzens der Pubertät schwierig.

Außerdem sollte man die Differenzierungen parat haben. (….)

(….) Pädophilie ist aber das sexuelle Interesse an vorpubertären Kindern - unabhängig vom Geschlecht. Es gibt homo-, hetero- und bisexuelle Pädophile; letztere sind aber deutlich seltener als die ersten beiden.
Bezieht sich der Sexualtrieb auf vorpubertäre Jungs spricht man von Androphilie; sind Mädchen vor der Geschlechtsreife Objekt der Begierde, handelt es sich um Gynäkophilie.

Tatsächlich sind übergriffige Sexpastoren aber meistens ephebophil - also sexuell an männlichen Pubertierenden und Heranwachsenden interessiert.
Seltener kommt bei Priestern Parthenophilie vor, also sexuelles Interesse an weiblichen Jugendlichen.

Der Begriff pädophil wird sehr häufig falsch verwendet und ist zudem den Opfern gegenüber beleidigend, da das Wort „Philos“, also Liebe, den falschen Eindruck einer positiven, gegenseitigen Angelegenheit erweckt.
Der angebrachtere Oberbegriff lautet also „Pädosexualität“.

Pädosexualität ist in der Regel nicht der ausschließliche Aspekt der Sexualität eines Mannes. In mehreren phallometrischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein hoher Prozentsatz erwachsener Männer durch präpubertäre Stimuli sexuell erregt wurde. So kam Wolfgang Berner in entsprechenden Studien auf einen Anteil von 25 %.
Im Unterschied zu Pädophilen jedoch interessieren sie sich sexuell in erster Linie für Erwachsene. Ebenso sind Pädophile teils auch durch Erwachsene stimulierbar, interessieren sich aber in erster Linie für Kinder.
(Wolfgang Berner: Pedophilic Sexual Orientation: A Fuzzy Expression. Archivies of Sexual Behavior, 31)

Männliche Homosexualität ist also etwas ganz anderes als Androphilie (vulgo: Pädophilie) und auch etwas anderes als Ephebophilie - allerdings schließen sich diese Veranlagungen nicht gegenseitig aus.

Das gilt genau entsprechend bei Heterosexualität, die etwas anderes als Gynäkophilie und etwas anderes als Parthenophilie ist. Einige Heterosexuelle haben aber zusätzlich auch gynäkophile und/oder parenthophile Neigungen.  (……………………….)

Die genannten Termini sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der großen Vielfalt der sexuellen Vorlieben – die mehr oder weniger krank sind.
Ein passender Oberbegriff ist Paraphilie, der auch nicht mehr grundsätzliche Krankhaftigkeit unterstellt.

Die Paraphilien (griechisch παραφιλία von pará, ‚abseits‘, ‚neben‘, und philía, ‚Freundschaft‘, ‚Liebe‘) bezeichnen sexuelle Neigungen, die deutlich von der empirischen Norm abweichen. Dazu zählen insbesondere ausgeprägte und wiederkehrende sexuelle Fantasien, Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sich auf unbelebte Objekte (sexueller Fetischismus), Schmerz, Demütigung, nicht einverständnisfähige Personen wie Kinder oder auf Tiere beziehen.

Inzwischen erstaunt mich die große allgemeine Aufgeschlossenheit der Gesellschaft gegenüber der Hebephilie kaum noch.
Zu lange halten die Katholiken weltweit zu den androphilen und ephebophilen Priestern, die in der allerjüngsten Handreichung des Vatikans aus dem Juli 2020 immer noch nicht den Staatsanwaltschaften gemeldet werden müssen.

Roy Moore-Fan Donald Trump zählt mindestens fünf verurteilte Parthenophile und Gynäkophile zu seinem Freundeskreis.


Auf verstörende Weise verspürt Trump bis heute nichts als Sympathie für seine Kindersex-Kumpel.



Insbesondere die evangelikalen Christen unterstützen Trump und halten fest zu ihm.

Es scheint eine hebephile Arbeitsteilung in den US-Christen zu geben.

Die Parthenophilen halten zu Epstein/Trump/Maxwell und die Ephebophilen zu den US-Kardinälen McCarrick/Law/Wuerl.*

Die kleinen Mädchen zu den Evangelikalen und die kleinen Jungs zu den Katholiken.
Gott verzeiht alles – außer Atheismus.


*
[…..] Ex-Kardinal McCarrick soll "Sex-Ring" unterhalten haben
Es gibt neue Vorwürfe gegen den ehemaligen US-Kardinal und Erzbischof Theodore McCarrick. Der heute 90-Jährige soll in den 1980er Jahren in einem Strandhaus in der Stadt Sea Girt im US-Bundesstaat New Jersey eine Art "Sex Ring" unterhalten haben, berichten US-Medien. Eine entsprechende Anklageschrift […..] beruft sich auf die Aussagen eines mutmaßlichen Opfers vom McCarrick, das bisher geschwiegen hatte. Der Junge stamme aus einer gläubigen Familie, heißt es darin. Im Jahr 1978 war er elf Jahre alt und soll damals zunächst von einem anderen Geistlichen missbraucht worden sein. Anfang der 1980er Jahre sei er dann auch McCarrick vorgestellt worden, damals Bischof der neugegründeten Diözese Metuchen in New Jersey. […..]  Nachts sei McCarrick, unterstützt von anderen Geistlichen, dann an das Bett des Jungen gekommen und es sei zu sexuellen Übergriffen gekommen, so Anwalt Anderson. Dabei habe McCarrick geflüstert "Es ist ok". Der Missbrauch habe in den Jahren 1982 und 1983 in dem Strandhaus stattgefunden, damals war der Junge zwischen 14 und 16 Jahren alt. […..]

[….] In der Früh hat das Presseamt des Heiligen Stuhls am Mittwoch den Tod des amerikanischen Kardinals Bernard Francis Law, 86, gemeldet. […..] In den fast zwei Jahrzehnten als Erzbischof von Boston hat Law Dutzende pädophile Priester gedeckt, von deren Vergehen er wusste. Statt sie anzuzeigen, wurden sie von einer Pfarrei zur anderen versetzt, was das Leid noch größer machte. Der Vatikan war für Law ein Rückzugsort in jeder Beziehung, auch juristisch: extraterritorial, mit ganz eigenen Gesetzen. In den USA wurden nun 500 Klagen mit Schadenersatzforderungen von über 100 Millionen Dollar verhandelt. In Rom aber konnte ihm das alles nichts anhaben.
2004 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Erzpriester der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore. Die Vergabe des Prestigeamts kam vielen Missbrauchsopfern wie doppelter Hohn vor. Law nahm auch an der Wahl von Benedikt XVI. teil und lenkte offenbar weiterhin maßgeblich die Geschicke der katholischen Kirche in den USA mit. Er wohnte im prächtigen Palazzo della Cancelleria im alten Herzen Roms.
[…..] Er bete dafür, schreibt Franziskus, dass Gott, der Barmherzige, den Kardinal willkommen heiße in seinem ewigen Frieden. [….]

[….] Eine Grand Jury in Pennsylvania hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht enthüllt, dass mehr als 300 Geistliche seit den Vierzigerjahren mehr als 1.000 Kinder missbraucht hätten. Wahrscheinlich gebe es sogar noch viel mehr Opfer. Fast alle mutmaßlichen Fälle gelten inzwischen als verjährt. Unter anderem war dabei bekannt geworden, dass Kardinal Donald Wuerl, derzeit Leiter der Erzdiözese Washington, dabei geholfen haben soll, einige beschuldigte Priester zu schützen. [….]