Freitag, 24. Juli 2020

Evangelikale und katholische Kindervorlieben.


An dieser Stelle werden sehr oft die immer neuen Fälle von Kindersexskandalen in der Kirche angesprochen.

Grundsätzlich verwende ich aber niemals den Begriff „Kinderschänder“, weil damit impliziert wird, dem Opfer werde Schande bereitet. 2009 stellte ich klar:

[……] Der Begriff „Kinderschänder“ ist ein Propagandabegriff mit dem sich Abseitige aller Couleur unter anderem für Todesstrafe und Folter stark machen.

Kinderschänder sind in der Hierarchie der Verbrecher die ultimativ unterste Stufe.
Der Begriff ist aber sachlich komplett falsch - wenn man mal in ein Herkunftswörterbuch guckt.

Glücklicherweise habe ich die diesbezüglichen Begriffe
1.) Entomologie, 2). Enantiomorphorie, 3.) Endarteriektomie, 4.) Eleuteriologie, 5.) Embolektomie, 6.) Entomogamie, 7.) Enzephalomalazie, 8) Endokrinologie, 9.) Epigastralgie 10.) Etymologie schon in einem anderen Posting definiert.

Er drückt nämlich aus, daß über das Kind von dem Vergewaltiger Schande gebracht wurde!

Ganz so, wie man in einigen archaischen islamischen Gesellschaften die eigene Tochter umbringen muß, wenn sie vergewaltigt wurde, um die Familienehre wieder herzustellen, während der Vergewaltiger nicht belangt wird - zumindest nicht getötet wird.

Nun sind humanistische Standards sehr unterschiedlich - ICH finde es jedenfalls höchst amoralisch das OPFER zu töten und den Täter zu schonen.

Genau das impliziert aber der verbale Gebrauch des Wortes Kinderschänder:
Die Opfer leben in Schande.

Tatsächlich ist das auch bis auf den heutigen Tag in der Mehrzahl der Fälle so, wie auch wieder die jüngsten Enthüllungen aus Irland zeigen:
Die mißbrauchten und vergewaltigten Opfer schämen sich, schweigen ob ihrer Schande über Dekaden, während die Täter aus den Reihen der Priester weiter unbehelligt bleiben.

Es wird mitunter sogar noch schlimmer, da einige Bischöfe den Opfern die Schuld in die Schuhe schieben - da liegt es dann der schwarze Peter nach Auffassung des höchst perversen Bischof Bernardo Álvarez Afonsos bei den 13-Jährigen Knaben, die es darauf anlegen.

Die moralisch verwerflichste Form des Indiviuums war wohl der deutsche Kardinal Degenhardt, der den Müttern eine Mitschuld zuschob - denn wenn sie überhaupt einen nackten Kinderkörper den Ehemännern zugänglich machten, wäre es verständlich, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen könnten.

Damit offenbart der Kirchenfürst, daß seiner persönlichen Ansicht nach jeder Mann ein potentieller „Kinderschänder“ (in diesem Fall tatsächlich Pädophiler) sei. […..]

Der Begriff „Pädophilie“ wird ebenfalls meistens sehr unpräzise verwendet – als Todschlag-Vokabel für jeden, der sich an nicht Erwachsenen vergreift.
Es wäre gut, sich stattdessen den Begriff  Hebephilie einzuprägen.

Hebephilie (von Hebe, griechische Göttin der Jugend, und griechisch φιλία philia „Freundschaft“) ist die erotische und sexuelle Präferenz eines Erwachsenen für pubertierende Jungen und/oder Mädchen etwa im Alter zwischen 11 und 16 Jahren. Eine genaue Eingrenzung des Alters ist aufgrund des von Fall zu Fall unterschiedlichen körperlichen und psychischen Einsetzens der Pubertät schwierig.

Außerdem sollte man die Differenzierungen parat haben. (….)

(….) Pädophilie ist aber das sexuelle Interesse an vorpubertären Kindern - unabhängig vom Geschlecht. Es gibt homo-, hetero- und bisexuelle Pädophile; letztere sind aber deutlich seltener als die ersten beiden.
Bezieht sich der Sexualtrieb auf vorpubertäre Jungs spricht man von Androphilie; sind Mädchen vor der Geschlechtsreife Objekt der Begierde, handelt es sich um Gynäkophilie.

Tatsächlich sind übergriffige Sexpastoren aber meistens ephebophil - also sexuell an männlichen Pubertierenden und Heranwachsenden interessiert.
Seltener kommt bei Priestern Parthenophilie vor, also sexuelles Interesse an weiblichen Jugendlichen.

Der Begriff pädophil wird sehr häufig falsch verwendet und ist zudem den Opfern gegenüber beleidigend, da das Wort „Philos“, also Liebe, den falschen Eindruck einer positiven, gegenseitigen Angelegenheit erweckt.
Der angebrachtere Oberbegriff lautet also „Pädosexualität“.

Pädosexualität ist in der Regel nicht der ausschließliche Aspekt der Sexualität eines Mannes. In mehreren phallometrischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein hoher Prozentsatz erwachsener Männer durch präpubertäre Stimuli sexuell erregt wurde. So kam Wolfgang Berner in entsprechenden Studien auf einen Anteil von 25 %.
Im Unterschied zu Pädophilen jedoch interessieren sie sich sexuell in erster Linie für Erwachsene. Ebenso sind Pädophile teils auch durch Erwachsene stimulierbar, interessieren sich aber in erster Linie für Kinder.
(Wolfgang Berner: Pedophilic Sexual Orientation: A Fuzzy Expression. Archivies of Sexual Behavior, 31)

Männliche Homosexualität ist also etwas ganz anderes als Androphilie (vulgo: Pädophilie) und auch etwas anderes als Ephebophilie - allerdings schließen sich diese Veranlagungen nicht gegenseitig aus.

Das gilt genau entsprechend bei Heterosexualität, die etwas anderes als Gynäkophilie und etwas anderes als Parthenophilie ist. Einige Heterosexuelle haben aber zusätzlich auch gynäkophile und/oder parenthophile Neigungen.  (……………………….)

Die genannten Termini sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der großen Vielfalt der sexuellen Vorlieben – die mehr oder weniger krank sind.
Ein passender Oberbegriff ist Paraphilie, der auch nicht mehr grundsätzliche Krankhaftigkeit unterstellt.

Die Paraphilien (griechisch παραφιλία von pará, ‚abseits‘, ‚neben‘, und philía, ‚Freundschaft‘, ‚Liebe‘) bezeichnen sexuelle Neigungen, die deutlich von der empirischen Norm abweichen. Dazu zählen insbesondere ausgeprägte und wiederkehrende sexuelle Fantasien, Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sich auf unbelebte Objekte (sexueller Fetischismus), Schmerz, Demütigung, nicht einverständnisfähige Personen wie Kinder oder auf Tiere beziehen.

Inzwischen erstaunt mich die große allgemeine Aufgeschlossenheit der Gesellschaft gegenüber der Hebephilie kaum noch.
Zu lange halten die Katholiken weltweit zu den androphilen und ephebophilen Priestern, die in der allerjüngsten Handreichung des Vatikans aus dem Juli 2020 immer noch nicht den Staatsanwaltschaften gemeldet werden müssen.

Roy Moore-Fan Donald Trump zählt mindestens fünf verurteilte Parthenophile und Gynäkophile zu seinem Freundeskreis.


Auf verstörende Weise verspürt Trump bis heute nichts als Sympathie für seine Kindersex-Kumpel.



Insbesondere die evangelikalen Christen unterstützen Trump und halten fest zu ihm.

Es scheint eine hebephile Arbeitsteilung in den US-Christen zu geben.

Die Parthenophilen halten zu Epstein/Trump/Maxwell und die Ephebophilen zu den US-Kardinälen McCarrick/Law/Wuerl.*

Die kleinen Mädchen zu den Evangelikalen und die kleinen Jungs zu den Katholiken.
Gott verzeiht alles – außer Atheismus.


*
[…..] Ex-Kardinal McCarrick soll "Sex-Ring" unterhalten haben
Es gibt neue Vorwürfe gegen den ehemaligen US-Kardinal und Erzbischof Theodore McCarrick. Der heute 90-Jährige soll in den 1980er Jahren in einem Strandhaus in der Stadt Sea Girt im US-Bundesstaat New Jersey eine Art "Sex Ring" unterhalten haben, berichten US-Medien. Eine entsprechende Anklageschrift […..] beruft sich auf die Aussagen eines mutmaßlichen Opfers vom McCarrick, das bisher geschwiegen hatte. Der Junge stamme aus einer gläubigen Familie, heißt es darin. Im Jahr 1978 war er elf Jahre alt und soll damals zunächst von einem anderen Geistlichen missbraucht worden sein. Anfang der 1980er Jahre sei er dann auch McCarrick vorgestellt worden, damals Bischof der neugegründeten Diözese Metuchen in New Jersey. […..]  Nachts sei McCarrick, unterstützt von anderen Geistlichen, dann an das Bett des Jungen gekommen und es sei zu sexuellen Übergriffen gekommen, so Anwalt Anderson. Dabei habe McCarrick geflüstert "Es ist ok". Der Missbrauch habe in den Jahren 1982 und 1983 in dem Strandhaus stattgefunden, damals war der Junge zwischen 14 und 16 Jahren alt. […..]

[….] In der Früh hat das Presseamt des Heiligen Stuhls am Mittwoch den Tod des amerikanischen Kardinals Bernard Francis Law, 86, gemeldet. […..] In den fast zwei Jahrzehnten als Erzbischof von Boston hat Law Dutzende pädophile Priester gedeckt, von deren Vergehen er wusste. Statt sie anzuzeigen, wurden sie von einer Pfarrei zur anderen versetzt, was das Leid noch größer machte. Der Vatikan war für Law ein Rückzugsort in jeder Beziehung, auch juristisch: extraterritorial, mit ganz eigenen Gesetzen. In den USA wurden nun 500 Klagen mit Schadenersatzforderungen von über 100 Millionen Dollar verhandelt. In Rom aber konnte ihm das alles nichts anhaben.
2004 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Erzpriester der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore. Die Vergabe des Prestigeamts kam vielen Missbrauchsopfern wie doppelter Hohn vor. Law nahm auch an der Wahl von Benedikt XVI. teil und lenkte offenbar weiterhin maßgeblich die Geschicke der katholischen Kirche in den USA mit. Er wohnte im prächtigen Palazzo della Cancelleria im alten Herzen Roms.
[…..] Er bete dafür, schreibt Franziskus, dass Gott, der Barmherzige, den Kardinal willkommen heiße in seinem ewigen Frieden. [….]

[….] Eine Grand Jury in Pennsylvania hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht enthüllt, dass mehr als 300 Geistliche seit den Vierzigerjahren mehr als 1.000 Kinder missbraucht hätten. Wahrscheinlich gebe es sogar noch viel mehr Opfer. Fast alle mutmaßlichen Fälle gelten inzwischen als verjährt. Unter anderem war dabei bekannt geworden, dass Kardinal Donald Wuerl, derzeit Leiter der Erzdiözese Washington, dabei geholfen haben soll, einige beschuldigte Priester zu schützen. [….]

Donnerstag, 23. Juli 2020

Kostspielige Signale


Das „Signaling“ ist ein Begriff aus der Verhaltensbiologie und spielt eine erhebliche Rolle bei der Kommunikation der Tiere untereinander.
Schließlich muss dem Artgenossen nonverbal eindeutig mitgeteilt werden, was man gerade will – fressen, streiten, kopulieren, in Ruhe gelassen werden, warnen.

Es ist sehr kompliziert zu verstehen, wie ehrlich solche Kommunikations-Signale sind. Jeder kennt Beispiele für falsche Signale, bei denen Tiere etwas vortäuschen, das sie nicht sind. Zum Beispiel Schmetterlinge, deren Zeichnung auf den Flügeln wie große bedrohliche Augen wirkt, oder harmlose Schlangen, die mit drastischen Warnfarben enorme Giftigkeit signalisieren.

Um die Ehrlichkeit zu unterstreichen gibt es Handicap-Signale, die ganz offensichtlich mit einem großen Aufwand oder Nachteil verbunden sind, so daß sie nur angewendet werden, wenn sie wirklich ehrlich sind.

[…..] Die großen, farbenfrohen sexuellen Darstellungen von Pfauen und anderen Vögeln, mit denen männliche Tiere weibliche Artgenossen anziehen, werden häufig als Beispiele für das Handicap-Prinzip angeführt. Ab 1975 argumentierte Amotz Zahavi, dass solche auffälligen Darstellungen „ehrliche“ Indikatoren für die genetische Qualität von Männern sind, weil ihre Herstellung kostspielig ist und minderwertige Männer sich den damit verbundenen Aufwand nicht leisten könnten. Nach dem Handicap-Prinzip entstehen auffällige Signale, weil sie kostspielig sind und nicht trotz ihrer Kosten, wie bei anderen Merkmalen. Diese Idee war zunächst sehr umstritten – aber dann änderte sich alles.
1990 veröffentlichte Alan Grafen zwei Arbeiten mit mathematischen Modellen des „Strategic Choice Signaling“, die er als Bestätigung des Handicap-Prinzips interpretierte. Seine Schlussfolgerungen wurden weithin akzeptiert, auch von früheren Kritikern Zahavis. Seitdem hat sich das Handicap-Prinzip als allgemeines Prinzip, das die Entwicklung zuverlässiger Signale erklärt, durchgesetzt und wird als solches auch in Lehrbüchern zitiert.
[…..]

Inzwischen scheint diese Theorie aber auch wieder überholt und da ich kein Verhaltensbiologe bin, möchte ich nicht tief in die Materie einsteigen.
Ich war noch nie Pfau oder unechte Korallenschlange, aber das Prinzip der „kostspieligen Signale“ ist mir aus der jahrzehntelangen Betrachtung von Religionen und Kulten wohl bekannt.

Man unterstreicht seine Zugehörigkeit zu einer Sekte, indem man etwas sehr „kostspieliges“ opfert. Das kann mit großem Aufwand, Schmerzen, Enthaltsamkeit oder aber auch ganz profan finanziellen Opfern verbunden sein.

Ein Guru/Priester/Cult-Leader wäre für seine Jünger weniger überzeugend, wenn er seine Lehre anstrengungslos verträte.
Es wäre schließlich nichts Besonderes Katholik zu sein, wenn man masturbieren, verhüten und sonntags ausschlafen könnte wie alle anderen auch.
Man muss dem Kult diese Anstrengung opfern, um die anderen Gläubigen zu signalisieren dazu zu gehören. Nur so stellt sich das Gefühl der Exklusivität ein.
Und das ist schließlich der Kern eines jeden religiösen Kultes: Wir sind besser als die.
Daraus speist sich das wohlige Gefühl mehr als die anderen zu dürfen, mehr wert zu sein, im Recht zu sein, nicht zweifeln zu müssen.
Die religiösen Führer müssen noch mehr als gewöhnliche Mitglieder opfern, um glaubhaft zu sein.
Daher gibt es den katholischen Zölibat, daher sitzen Gurus auf Nadelbrettern, fasten Imame  - ganz zu schweigen von den 613 Mizwot-Regeln der Juden.

[…..] Heute  gibt  es  keine  Menschenpopulation,  in  deren  Mitte  nicht  kostspieliges, religiöses Verhalten auftritt. Neuere interdisziplinäre   Forschungen, beispielsweise im Rahmen des Netzwerks der Evolutionary Religious Studies, haben in den letzten Jahren ein völlig neues Bild der   konvergenten und „biologischen“ Emergenz  von  Religiosität  entstehen  lassen. Der gemeinsame Glaube an übernatürliche  Akteure, die soziales  und insbesondere sexuelles Verhalten beobachtend, belohnend und bestrafend geglaubt werden, stiftet unter den Glaubenden Vertrauen und  damit  Kooperationschancen. Die Einforderung kostspieliger Signale (wie  Rituale, Ge- und Verbote) wehrt  Trittbrettfahrer ab. […..] Im Zentrum der  religiösen Vergemeinschaftung steht dabei neben dem Überleben  insbesondere die Reproduktion. […..]

Es ging ursprünglich um biologische Grundtriebe wie Fortpflanzung und Fressen, bei denen die Zugehörig zu einem Kult helfen kann.
Heutige Gläubige wählen gern für Außenstehende besonders absurd und anstrengende, jedenfalls aber sinnlose Beweise für ihre Treue zum Kult. Pilgerfahrten, die Hadsch, Geißelungen, Bußgürtel und Fasten sind Beispiele für kostspielige Signale.
Schon seit Beginn seiner Amtszeit sehe ich Trump-Anhänger weniger als politische Gruppe, denn als Kult an.

[…..] Es macht keinen Sinn sich wie die Anhänger des Opus Dei selbst zu geißeln, sich die Neunschwänzige zum Gefallen Gottes auf den Rücken zu knallen, einen Bußgürtel mit nach innen gerichteten rostigen Stacheln zu tragen, auf Knien tagelang zur Fatima in Portugal zu rutschen, oder auf Knien die unzähligen Stufen zur Schwarzen Madonna von Częstochowa (Tschenstochau) hochzukraxeln. Vier Millionen Katholiken tun es aber dennoch jedes Jahr, weil sie damit in ihrer Gemeinschaft beweisen welche Strapazen sie für den Glauben auf sich nehmen.
In Manila lassen sich Katholiken sogar mit echten Nägeln zu Ostern an ein Kreuz nageln, um Jesus zu ehren.
Derlei Leidensbeweise gibt es in allen Religionen.

Schiiten fügen sich blutige Verletzungen durch Peitschen und Säbel zu, um ihre Zugehörigkeit zum Kult zu demonstrieren. Erst wenn alle blutig sind hören sie auf.

Trumps aberwitzige Lügen zu glauben, ihn kollektiv anzufeuern, auf seinen Rallys in einen Massenwahn zu geraten folgt dem gleichen psychologischen Prinzip.

[…..] Das Si­gnal der kost­spie­li­gen Hin­ga­be schafft ei­nen star­ken Zu­sam­men­halt. Es er­mög­licht Frem­den der glei­chen Fik­ti­ons­ge­mein­schaft, ein­an­der mit Ver­trau­en zu be­geg­nen; und es hält Tritt­brett­fah­rer fern, die nichts bei­tra­gen und im Zwei­fels­fall schnell wie­der weg sind. Un­ter güns­ti­gen Um­stän­den kön­nen auf die­se Wei­se gro­ße ver­schwo­re­ne Grup­pen her­an­wach­sen – und die ge­teil­te Fik­ti­on wird zur his­to­ri­schen Macht.
Da­von pro­fi­tie­ren nicht nur Re­li­gio­nen, son­dern in glei­chem Maß po­li­ti­sche Sek­ten. Denn auch die Be­reit­schaft, ge­gen jede Evi­denz zu lü­gen, ist ein fäl­schungs­si­che­res Si­gnal der Hin­ga­be – je kras­ser, des­to bes­ser.
Ab­sur­de Ge­schich­ten sind in der An­hän­ger­schaft im­mer ge­fragt, und sie ver­brei­ten sich auch noch be­son­ders gut. Das ist kein Zu­fall. Das Un­glaub­li­che er­staunt, es bleibt leicht hän­gen – bes­ter Er­zähl­stoff, so­lan­ge es noch ir­gend­wie stim­mig scheint.
[…..]
(SPIEGEL Nr. 50, 08.12.2018, s.108 ff)

So wenig man einen überzeugten Christen/Juden/Muslimen mit wissenschaftlichen Fakten und klaren Beweisen dazu bringen kann sich aus seiner andere extrem exkludierenden Fiktionsgemeinschaft zu lösen, so sehr ist es auch zum Scheitern verurteilt Impfgegner, Homöopathie-Anhänger, Aldebaraner-Jünger, Soros-Verteuflern, Gauland-Fans oder Trump-Wählern von ihrem offensichtlichen Irrsinn abzubringen. Wer sich die „Beweise“ für eine gefakte Mondlandung oder eine Unterwanderung durch extra-terrestrische Reptilien einmal als Beitrittsgeschenk zu einer Hassgruppe verinnerlicht hat, bleibt auch dabei, weil er die Sphäre des Realen für seinen Glauben verlassen hat. [….]

Mit jedem Monat im Amt wird Trump bizarrer und unglaubwürdiger, so daß die Zugehörigkeit zu ihm kostspieliger wird und der Zusammenhalt nur noch größer wird.


Während wir normalen Menschen fassungslos vor dem Bildschirm sitzen und seit Tagen staunen, wie Trump damit prahlt einen Demenz-Test überstanden zu haben, elektrisiert der Irrsinn seine Basis.

(……) Wer aber dem cult-leader Trump verfallen ist, wird grundsätzlich nicht von rationalen Erwägungen getrieben.
Es ist eher ein psychologisches Zusammenwirken. Die Jünger haben sich einmal dem Propheten verschrieben, weil sie den Hass auf dieselben Menschen teilen und sich tief im Inneren befriedigt fühlen, wenn ihr Leader diese bisher vom Über-Ich blockierten Dämonen frei hinaus-ejakuliert.
Das schafft eine starke gefühlige Verbindung; eine Solidarisierung unter Bösen.
Man sitzt nun in einem Boot und empfindet fürderhin alle Angriffe von außen auf den Cult-Leader als Angriff auf sich selbst.
Bei jeder Meldung aus anderen Informationsblasen, nach denen Trump gefehlt hat, gehen seine niederen Drohen automatisch in Verteidigungshaltung, bilden eine Wall.
Einem CNN-Anchor, der von kriminellen Machenschaften des Anführers berichtet, kann man schon deswegen nicht glauben, weil das Verrat an den Glaubensbrüdern wäre, die mit einem zusammen den Abwehr-Wall bilden.

Sehr ähnlich ist es mit religiösen Gemeinschaften.
Myriadenfach haben katholische Geistliche kleine Kinder sexuell missbraucht, sie gequält, sadistisch verprügelt, viele in den Selbstmord getrieben und bei noch viel mehr Kindern schwere, ein Leben lang anhaltenden psychische Störungen verursacht.
Für die RKK ist das geradezu ein Geschäftsmodell, denn gequälte und beschädigte Seelen fühlen Schuld und glauben den Schutz der Geistlichen zu benötigen.
Daher ist es auch so ideal Masturbation und nahezu alle sexuellen Aktivitäten – mal ganz abgesehen von homosexuellen Handlungen – als Sünde zu brandmarken. Denn nahezu jeder Gläubige verspürt irgendwann einmal sexuelle Triebe. Genau dann, wenn kleine Jungs anfangen zu pubertieren und zu onanieren, erfolgt die Kommunion und damit auch die erste Beichte, so daß den zukünftigen Erwachsenen a priori ein schlechtes Gewissen anerzogen wird.

Wer Sex und Masturbation völlig frei von Schuldgefühlen ausübt, ist umgekehrt ein schlechter Kunde der RKK. (….)

Das Prinzip der kostspieligen Signale trifft natürlich auch auf verwandte verschwörungstheoretische Kulte, wie den QAnon-Wahn zu.
Während sich frühere Verschwörungstheoretiker, wie beispielsweise diejenigen, die 9/11 für eine Tat der amerikanischen Regierung halten und die Mondlandung bezweifeln noch umständlich pseudowissenschaftliche Theorien geschliffen werden mussten, sind die Verschwörungs-Spinner des social-media-Zeitalters der Realität vollständig entkoppelt.
Alle Brücken zu Realität und Logik sind bei Hildmann-Naidoo-QAnon abgebrochen.
Daher spielt es auch keine Rolle mehr wenn Q-Prophezeiungen nicht eintreten oder Trump sich massiv selbst widerspricht.
Im Gegenteil; das ist geradezu hilfreich für den Zusammenhalt der Gläubigen, da die Signale noch kostspieliger werden. Man muss schon sehr überzeugt sein, um den Schwachsinn mitzumachen.

 [……]  Wer an die große Konspiration glaubt, muss also an der Faktenlage gar nicht übermäßig interessiert sein. Entscheidend ist das dumpfe Gefühl, irgendwie von erzbösen Drahtziehern hintergangen zu werden. Wie die das anstellen, ist nicht so wichtig. Was zählt, ist der Grundverdacht, der laut dem amerikanischen Politikwissenschaftler Michael Barkun alle Verschwörungstheorien umtreibt: Nichts ist, wie es scheint.
Bei QAnon geht es nun um nicht weniger als die Apokalypse, da kommt es erst recht nicht auf Details an. [……] Die QAnon-Anhänger glaubten an "eine Verschwörung von fast unbeschreiblicher Verworrenheit", schreiben zwei amerikanische Politologen, Russell Muirhead und Nancy Rosenblum. Es gebe keine Brücke mehr zwischen den Anhängern und dem Rest der Welt, wo noch Fakten zählen.
Tatsächlich gelten in der Parallelwelt der Gläubigen Dinge als plausibel, die Außenstehenden völlig närrisch erscheinen. Den Leuten von QAnon hingegen kommt ihre bizarre Erzählung rundum stimmig vor, das ist ihnen Beweis genug. [……] Aber wie immer, wenn es um Glaubenssysteme geht, kommt es nicht auf Sinn und Logik an. QAnon bietet vor allem ein starkes Gemeinschaftserlebnis, wie es für Sekten typisch ist. Nicht von ungefähr lautet der Leitspruch der Bewegung "Where we go one we go all", kurz WWG1WGA. Frei übersetzt heißt das: einer für alle, alle für einen.
Wie die Geschichte der Religionen zeigt, sind Gemeinschaften, die ihren Mitgliedern eine Menge abverlangen, oft besonders erfolgreich und langlebig. Das hat der amerikanische Anthropologe Richard Sosis nachgewiesen. Ein Glaube, der Überwindung kostet, stärkt den Zusammenhalt – egal ob die Anhänger umständliche Fastenregeln befolgen oder, wie die Katholiken im Mittelalter, mehrstündige lateinische Messen durchstehen.
In jedem Fall gilt: Mitläufer, die nichts beitragen, werden abgeschreckt. Nur die wahrhaft Gläubigen nehmen solche unsinnigen Zumutungen auf sich. Damit beweisen sie einander, dass sie es ernst meinen mit der Gruppe. Religionsforscher sprechen von "kostspieligen Signalen".
Auch der Glaube an Unglaubliches selbst kann ein kostspieliges Signal sein; je krasser, desto stärker der Effekt. Wer aberwitzige Überzeugungen vertritt, die den Verstand beleidigen, bezahlt einen hohen Preis. Menschen, die ihn kennen, wenden sich ab, er macht sich zum Gespött – alles um der Gruppe willen. [……]
(Manfred Dworschak, SPIEGEL Nr 30/ 18.07.2020, s.108)

Mittwoch, 22. Juli 2020

Danke Franzi für Deine Mithilfe.


So ein homophober und misogyner, aber dafür sehr Pädosexuellen-freundlicher Kult wie der römisch-katholische Glaube ist für mich schwer zu verstehen, aber das ist eben keine rationale Angelegenheit, sondern spricht dümmere, ungebildetere oder Menschen, die zumindest unter einer Inselverarmung leiden an.

Zwar treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus….

(…..)  Der eine prominente Kirchenzuwachs steht nämlich in einem krassen Missverhältnis zu 540.000 Austritten und 260.000 mehr Sterbefällen als Taufen.

[…..] Der Mitgliederschwund in der evangelischen und katholischen Kirche beschleunigt sich. Mehr als 800.000 Mitglieder verloren die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr. Das zeigen die Mitgliederstatistiken der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für 2019, die am Freitag veröffentlicht wurden. 2018 war es in der Summe ein Verlust von 704.000 Mitgliedern. […..] Auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen aus den 20 evangelischen Landeskirchen traten etwa 270.000 Menschen aus der Kirche aus. […..] Noch mehr Menschen traten 2019 aus der katholischen Kirche aus: Mehr als 272.700 annullierten ihre Mitgliedschaft - ein Anstieg von 26,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Austrittsrate stieg auf über 1,2 Prozent. So hoch war sie noch nie, sagte der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack dem Evangelischen Pressedienst (epd). […..]

Marx, Müller, Mixa, Käßmann, Bedford-Strohm, Ratzi und Franzi sind also myriadenfach prominenter als Carsten Frerck, Michael Schmidt-Solomon und Philipp Möller.
Vertreter der Atheisten oder Konfessionslosen findet man so gut wie nie in der veröffentlichten Meinung.

Dennoch sieht die Entwicklung der Kirchenmitgliedschaften viel positiver aus als diese extreme öffentliche Unter-Repräsentation befürchten ließe.
Viel mehr Menschen schießen sich den Argumenten von uns Atheisten an, als umgekehrt. […..]


Im Jahr 2019 waren von 83.166.700 Menschen in Deutschland  22.600.371 (=27,2%) katholisch und 20.713.213 (=24,9%) evangelisch.


2019 traten 1,19% aller deutschen Katholiken und 1,28% aller Evangelen aus der Kirche aus.
Das klingt für ein Jahr wenig, aber seit der Wiedervereinigung 1990 traten damit sechs Millionen Katholiken und neun Millionen EKD-Mitglieder aus.
Das sind 15 Millionen Konfessionsfreie mehr.

Dank der intensiven Lobbyarbeit der im Bundestag extrem überproportional vertretenen Christen rollt der Rubel  gewaltig – nie waren die Kirchensteuereinnahmen so hoch wie jetzt:

[…..] Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben 2018 so viel Kirchensteuer erhalten wie nie. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreichten diese Einnahmen nach Kirchenangaben mit insgesamt rund 12,4 Milliarden Euro ein Rekordhoch. Davon erhielt die katholische Kirche 6,643 Milliarden und die evangelische 5,790 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den insgesamt 12,1 Milliarden Euro 2017 ist das ein Anstieg um rund 2,7 Prozent. […..]

[….]  Zahlen und Fakten 2019/20 zur katholischen Kirche erschienen
Neue Zahlen: Rekord-Hoch bei Kirchensteuereinnahmen 2019
Obwohl es immer weniger Kirchenmitglieder gibt, steigen die Einnahmen der Kirche aus der Kirchensteuer. Trotzdem hat die Kirche im vergangenen Jahr bereits weniger Geld ausgegeben als zuvor. Doch mancherorts kann die Statistik auch steigende Zahlen verzeichnen.
2019 sind die Kirchensteuereinnahmen um 1,8 Prozent auf 6,76 Milliarden Euro gestiegen. [….]

[….] Auch die evangelische Kirche hat im vergangenen Jahr erneut einen Anstieg bei den Kirchensteuereinnahmen verzeichnet. Im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betrugen die Einnahmen 5,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund 2,7 Prozent im Vergleich zu 2018. […..]

Das nenne ich effektive Lobbyarbeit. Wenn es ums Geld-an-sich-raffen geht, ist die Kirche immer noch einsame Spitze. 700.000 zahlende Mitglieder weniger und die Einnahmen klettern auf immer neue Höchstwerte.

Aber auch wenn es finanziell noch so sensationell läuft und die RKK-Deutschland mit 22,6 Millionen Mitgliedern immer noch ein gewaltiger Player ist, kann das nicht darüber hinwegtäusche, wie altbacken und unattraktiv das Produkt „katholischer Glaube“ ist.
Für die knapp 23 Millionen Gläubigen schaffte es die Weltorganisation im Jahr 2020 gerade mal gut vier Dutzend neue Priester zu weihen.

[….] Laut einer Umfrage der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag) bleibt die Zahl der katholischen Priesterweihen in Deutschland auch 2020 niedrig. Demnach gibt es insgesamt 57 Weihen in den 27 Bistümern bundesweit, davon zwei im Bistum Münster, wobei neue Ordenspriester nicht mitgezählt wurden. Das ist der zweitniedrigste Wert in der Geschichte nach nur 55 Weihen im Vorjahr (fünf im Bistum Münster). In den letzten 20 Jahren ist die Zahl damit um mehr als 60 Prozent gesunken; im Jahr 2000 gab es noch 154 Weihen.
Die Zahl der Priesterweihen in der katholischen Kirche in Deutschland hat sich seit Jahren auf einem niedrigen Niveau eingependelt: Mehr als 100 waren es letztmals 2007. Die Zahl der Neuaufnahmen in den Seminaren zeigt zugleich, dass es auch in den kommenden Jahren keine Trendwende geben dürfte. […..]
(Kirche und Leben, 10.07.2020)

Kaum einer will noch für den Verein arbeiten; die Gemeinden verwaisen.
Seelsorger hoppen jeden Sonntag durch mehrere Gemeinden, viele Schäfchen sind führungslos, Gläubige werden allein gelassen.

Da es immer noch viele aktive Gläubige gibt, sind die Auswege naheliegend:

1.) Ende des Zwangs-Zölibats.
3.) Laien übernehmen die Leitung katholischer Gemeinden.

Punkt 1 und 2 werden prinzipiell aus Rom abgelehnt.
Da riskieren sie lieber das Ende der Kirche.

Aber was ist mit Möglichkeit 3, also nicht an dem heiligen Sakrament der Priesterweihe zu rütteln, aber wenigstens in den Fällen, in denen es keine Priester gibt, Laien aushelfen zu lassen?
Damit könnte die Heiligkeit gewahrt bleiben, aber auch den engagierten Katholiken an der Basis eine Perspektive geboten werden.

Zum Glück kann ich mich hier auf Bergoglio verlassen, der eben keineswegs liberal ist, sondern wie seine beiden Vorgänger als erzkonservativer Katholiban alles dafür tut die Kirchenmitglieder zu vergrätzen und zum Austritt zu treiben.

[…..] Schlag in den Magen
Wieder einmal fällt der Vatikan den Gläubigen in den Rücken.
Für viele Katholiken in Deutschland mag dieses Papier ein weiterer Schlag in die Magengrube sein: Die Kleruskongregation im Vatikan hat in einem am Montag überraschend veröffentlichten Papier Laien als Gemeindeleitern eine Absage erteilt. Allein der geweihte Priester sei der "eigene Hirte der ihm übertragenen Pfarrei". Die Gemeindeleitung sei zwingend an das Sakrament der Weihe gebunden. "Auch nicht im Falle des Priestermangels" dürften Laien Titel oder Funktionen eines Pfarrers annehmen.
[…..]  Genug Katholiken, auch Bischöfe, die Lösungen suchen, wie Gemeinden auch mit weniger Priestern und Gläubigen lebendig bleiben. Diesen fällt Rom einmal mehr in den Rücken. […..]

Als Atheist kann ich nicht zufriedener sein: Der Vatikan selbst tut alles dafür, um die Gläubigen zu vertreiben und nimmt mir die Arbeit ab.

Selbst bei der raren Spezies der extrem aktiven Katholiken, die sich den ganzen Tag für das Wohl ihrer Kirche einsetzen, führt die Kirchenleitung zu Frust und Resignation.

[….] Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, kritisierte die Instruktion aus Rom scharf: "Sie zeichnet etwas als Ideal, was biblisch und historisch, theologisch und praktisch weder wünschenswert noch real ist", sagte er den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse. [….]

Saubere Arbeit Papst Franz! Immer weiter so!