Dienstag, 2. Januar 2018

Auf Horst Mahlers Spuren.

Einige Zitate sind so nett, daß man kaum noch den eigentlichen Ursprung feststellen kann, weil sie so oft prominent zitiert werden.

»Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz.  Wer mit 40 immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand.«
(Theodor Fontane)

»Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, hat kein Herz, wer es im Alter noch immer ist, hat keinen Verstand.«
(B.Russell)

»Wer mit zwanzig kein Sozialist ist, hat kein Herz – wer es mit vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand.«
(Winston Churchill)

Tatsächlich sind durchschnittliche Menschen oft in ihrer Jugend revolutionärer eingestellt und passen sich in den nächsten 20 Jahren erstaunlich an.
Ich selbst bin zwar parteipolitisch nie irgendwohin gerutscht, aber ich stelle durchaus fest, daß mir Probleme inzwischen oft vielschichtiger und komplizierter erscheinen, als vor 35 Jahren.

Sich über ein paar Dekaden hinweg von sehr idealistisch-links zu etwas realistischer Mitte-Links zu orientieren, ist also üblich und dem täglichen Hinzulernen geschuldet.
Vermutlich neigt man auch zu mehr Spießertum, wenn man seiner eigenen Jungendzeit entwächst, weil man Gefahren und Risiken besser erfassen kann.
Ich ertappe mich gelegentlich dabei beim Lesen über Jugendliche zu denken, daß sie alles zu früh machen. Zu früh Sex, zu früh Autofahren, Wählen bevor sie Politik verstehen, zu leichtsinnig mit Drogen und zu unreif bei der Entscheidung über ihre berufliche Zukunft vorgehen.
Teenager sollten noch nicht heiraten, sich fest binden und Kinder bekommen – denke ich heute.
Hätte man mir so etwas erklärt, als ich selbst 15 oder 16 oder 17 war, wäre ich natürlich empört gewesen und hätte voller Überzeugung gesagt, daß ich durchaus in der Lage bin über diese Angelegenheiten selbstverantwortlich zu entscheiden.
Die Perspektive verändert sich selbstverständlich im Laufe des Lebens und daher kann man auch seine parteipolitische Sicht auf die Dinge ein wenig ändern.
Gelegentlich ändern sich auch die Parteien.
So war die FDP der 1970er Jahre wirklich eine beeindruckende linksliberale Kraft, die mit Personen wie Ingrid Matthäus-Maier für gesellschaftlichen Fortschritt und Säkularismus stand.
Diese Partei existiert aber nicht mehr.
Alle Linksliberalen sind längst ausgetreten. Die FDP ist nun die Partei mit dem zweithöchsten Prozentsatz Kirchenmitglieder und macht ungeniert xenophobe Stimmung.
1972 hätte ich gern FDP gewählt, um Brandt zum Kanzler zu machen.
2017 erscheint die Lindner-FDP wie die AfD-Bruderpartei aus dem Westen.

Einige Menschen werden im Alter auch deutlich liberaler als in ihrer Jugend, weil sie viel dazu gelernt haben.
Sebastian Haffner oder Gustav Heinemann zum Beispiel.

Viel häufiger ist aber der Weg nach stramm rechts.
Dafür stehen beispielsweise Alexander Gauland oder Arnulf Baring.
Oskar Lafontaine rutscht auch nach rechts; freilich von einem anderen Startpunkt aus, als Gauland.
 Den ganz großen Bogen, einmal quer durch alle Parteien schlug Oswald Metzger. In seinem Fall dürften allerdings eher Posten statt Positionen entschieden haben

Trippel-Parteihopper Oswald Metzger war nach seinen erratischen Eruptionen wider die Hartz-IV-Empfänger bei Grünen, Linken und SPD nicht mehr so ultrabeliebt.
Metzger hat behauptet, Hartz IV mache manche Arbeitslose «träge und antriebsarm» und steht wegen seiner Äußerung in der Kritik, viele Sozialhilfe- Empfänger sähen «ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen».
Aber mit Hilfe der CDU dachte Großsprecher Metzger wieder in den Bundestag zu kommen; der Wahlkreis Biberach sollte für den Christenunionsfrischling das neue Sprungbrett zu den Pfründen sein. (……)
Der STERN schreibt:

Metzger hat sich früher in großer ordoliberaler Pose gegen das Branntweinmonopol gefallen, das den kleinen Brennern am Bodensee überhaupt ihr wirtschaftliches Überleben auf ihren Streuobstwiesen erlaubt. Wären die EU-Subventionen gestrichen worden, wie von Metzger gefordert und von ihm als volkswirtschaftlich unsinnige Ausgabe bezeichnet, wären die Kleinbrenner am Ende gewesen. Jetzt plötzlich hat sich Metzger in seinem Wahlkampf für die Erhaltung der Subventionen eingesetzt. Der Eindruck ist eindeutig: Der Mann wechselt seine Überzeugungen so schnell wie seine Hemden und Parteien. Metzger war inzwischen in der FDP, bei den Grünen und ist jetzt in der CDU. Glaubwürdigkeit hat der Selbstdarsteller, dessen wichtigstes Programm "Metzger" heißt, auf Dauer nirgendwo erworben.

Kleine Anmerkung an den STERN:
Mit den Parteien habt Ihr ein bißchen was durcheinander bekommen: Von 1974 bis 1979 gehörte Metzger der SPD an, dann ab 1987 den Grünen und ab 2008 der CDU. Ein FDP-Parteibuch hatte er nie.
Aber versuchen sollte er es vielleicht bei Westerwelles Truppen - da spielen Inhalte doch ohnehin keine Rolle (…..)


Von Grün zur CDU kommt gelegentlich vor, wenn Politiker wie Elke Twesten befürchten bei den Grünen kein sicheres Mandat mehr zu bekommen.
Von der CDU zu den Grünen zu gehen erlebt man außer unter den speziellen Mappus-Kretschmann-Gegebenheiten auf BW-Landesebene nie.

(….) Beim Weg von links nach rechts sind meistens persönlichere Verwirrungen, Animositäten oder Karrierestreben die Antriebsfedern.

Vera Lengsfels, Oswald Metzger, Angelika Barbe, Günter Nooke, Ehrhart Neubert, Arnold Vaatz wechselten aus PDS-Hass (außer Metzger) zur  CDU, die vorher mit zwei DDR-Blockparteien fusioniert war.
Logisch ist anders.

Außerhalb der reinen Parteipolitik haben auf dem Weg von links nach rechts Arnulf Baring und Horst Mahler die längsten Strecken zurückgelegt. 
Mahler schmort hoffentlich gerade im Knast. 
Baring schmort auf den Talkshowbänken von Maischberger und Will. Dort darf er den Wiedergänger der Comic-Figur Cholerix geben und seine angebräunten Sätze absondern. (….)

Mahler vom linksextremen RAF-Terrorist zum rechtsextremen NPD-Volksverhetzer dürfte einer der ganz wenigen sein, der sowohl für linksextreme wie auch für rechtsextreme schwere Straftaten im Knast schmorte.

David Berger erschien nach seinem Outing als liberales Aushängeschild der RKK, so daß man sich entsetzt abwendete, als er mit seinem braunen PP-Blog immer rechter, reaktionärer und hasserfüllter wurde. In Wahrheit hatte er nur einen kurzen Ausflug in die liberalere Öffentlichkeit getan, ist jetzt aber lediglich wieder so rechtsreaktionär, wie er es vor seinem Outing als FSSPX-Mann schon einmal war.

(….) Horst Mahler ist insofern ein Extremfall, weil er von ganz ganz links bis ganz ganz rechts, also einmal die längste mögliche politische Strecke durchschritt.

Horst Mahler, 80, heute Neonazi, war als Student in der SPD, flog aus ihr raus als er in den linken Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) eintrat.
Er war Mitgründer der Rote Armee Fraktion (RAF), wurde zum Terroristen und saß von 1970 bis 1984 im Knast.
Im Knast las er die von Otto Schily mitgebrachten Werke Hegels, sagte sich von der RAF los und wurde kontinuierlich konservativer. Ende der 1980er praktizierte er wieder als Anwalt. In den 1990ern kam er über Hans Filbingers braunen CDU-Flügel in Kontakt zu Rechtsextremen und Alt-Nazis.
 Er verteidigte NDP-Mitglieder, sowie die NPD selbst im Verbotsverfahren gegen sie. 2000 trat er in die NPD ein und wurde weiterhin kontinuierlich krimineller und rechtsextremer.
Die NPD wurde ihm allerdings zu lasch, weil sie „eine am Parlamentarismus ausgerichtete Partei“ sei. Er verließ sie also 2003 und wandte sich noch weiter nach rechts. Er wurde Verteidiger der Holcaustleugner, gründete den Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten, der fünf Jahre später verboten wurde.
Mahler gründete weitere rechtsterroristische Zirkel und verherrlicht heute offen und engagiert Adolf Hitler.
Seit 2009 saß er beinahe kontinuierlich wegen Volksverhetzung und anderer Delikte im Knast. Eine zehnjährige Haftstrafe ist noch offen, aber nachdem ihm 2015 sein halbes Bein abfaulte, wurde er mit knapp 80 aufgrund des miserablen Gesundheitszustandes von der Haft beurlaubt.

So weit wie Mahler lotete Dr. Berger nie die extremistischen Grenzen aus, aber dafür durchmaß er das Spektrum gleich zwei Mal.

Erst von ganz rechts nach ganz links und nun wieder zurück nach ganz rechts.
Einen besonderen Twist gibt es dabei, da er sich als Schwulensprecher empfindet, aber wie einst Otto Weininger (* 1880; † 1903) als Schwuler hauptsächlich gegen Schwule agitiert.
Der Superhomosexuelle, der stolze Vielficker, strammschwänzige Muskelfetischist und Sneakerschnüffler, der Promiske und Pornophile mit dem gewaltigen Gemächt sieht seine engsten Alliierten in den bekanntesten klerikalen Homophoben Deutschlands.
Dazu braucht es schon besondere Schaltungen in den Synapsen seiner Großhirnrinde.

David Berger, einst ganz stramm Tradi-katholisch, zwischen Piusbruderschaft und Kreuznet mäandernd, später zum Star der linken antiklerikalen Szene avanciert, der Kreuznet zu Fall brachte, sich dann aber mit seinem schwulen Verlag anlegte und seitdem konsequent immer weiter nach rechts rückte, sich an die fanatisch-katholischen Homohass-Frauen Beverfoerde, Kuby und Kelle heranrobbte, bis er sich für Akif Pirinçci einsetzte, hat inzwischen eine neue Freundin. (….)

Allerdings gibt es beim PP-Mann Berger auch eine neue „Qualität“.
So bemühte er sich als Herausgeber von „Theologisches“ und Schwulen-Chefredakteur noch um so etwas wie Seriosität.

Inzwischen verlinkt Berger aber vollkommen absurde rechtsradikale Verschwörungstheoretiker, lügt wie gedruckt, preist die Identitären, Reichsbürger und verweist heute auf die Kopp-Infos, also die absurden Stories des Eva Braunschen Kopp-Verlages, der Bücher über Ufologie, Chemtrails und Reptiloiden publiziert.

Wenig verblüffend, daß Berger heute auch die ehemalige Bündnis90-Frau Vera Wollenberger verlinkt.
Wollenberger nahm nach ihrem Wechsel zur CDU den Namen Lengsfeld an, schäumte vor Wut aus persönlicher Enttäuschung über ihren Mann Knud, der sie bei der Stasi verpfiffen hatte; machte alles, das nach „links“ oder „PDS“ roch, gnadenlos nieder.
Ihr persönlicher Hass überdeckte ihre politische Urteilsfähigkeit völlig.
In ihrer neuen Heimat CDU wollte sie unbedingt anerkannt werden, machte sich mit ihrer ostentativen Merkel-Verehrung lächerlich.


Auch Lengsfelds Sohn Philipp war von 2013 bis 2017 Bundestagsabgeordneter der CDU. Sie selbst erlangte aber nach 2005 allerdings kein Mandat mehr und rutschte aus Verärgerung immer mehr in Richtung rechtsextrem.

Mit Klaus Peter Krause und Beatrix von Storch sitzt sie im Vorstand des ultrakonservativen Bürgerkonvents. Lengsfeld tritt mit Frauke Petry auf, schreibt für die AfD-affine Internetzeitung Die Freie Welt, die rechtsverschwörerische Monatszeitschrift eigentümlich frei, sowie die Preußische Allgemeine Zeitung und den Bayernkurier.

Sie gehört außerdem zum berüchtigten Broder-Kollektiv.

Die Liste dieser schwarzen Provokateure deckt sich in weiten Teilen mit Broders-Blog-Kollektiv „Achgut“, welches ein erlesenes Konglomerat rechten Gedankenguts zusammenbringt:

Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Wolf Biermann, Gideon Böss, Claudio Casula, Jan Fleischhauer, Dr. Josef Joffe, Matthias Horx, Prof. Dr. Walter Krämer, Vera Lengsfeld, Matthias Matussek, Dr. Patrick Moore, Chaim Noll, Christian Ortner, Dr. Benny Peiser, Karl Pfeifer, Udo Pollmer, Lutz Rathenow, Hannes Stein, Hans-Hermann Tiedje, Arnold Vaatz, Dr. Wolfram Weimer, Benjamin Weinthal, Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Gil Yaron

Klassischerweise reagieren diese Autoren hochallergisch auf alles, das irgendwie als „politisch korrekt“, "gutmenschenartig“ oder „multikulti“ bezeichnet werden könnte.

 Das größte Ärgernis ist ihnen aber Komplexität oder Tiefgründigkeit, wie sie beispielsweise der Aktivist, Kabarettist und Aufklärer Georg Schramm vermittelt.

Inzwischen sympathisiert Lengsfeld auch mit dem Antisemitismus des Martin Hohmann und schreibt auf ihrem Blog pure rechte Verschwörungstheorien.

 [….] Neujahrsansprache einer Bürgerin an ihre Kanzlerin
[….] ich bin keine Mitbürgerin, wie Sie mich zu titulieren belieben, sondern eine Bürgerin. Dieses Wort nehmen Sie seit Jahren nicht mehr in den Mund, weil Ihnen selbstständig denkende und handelnde Individuen so suspekt sind, dass sie nicht einmal erwähnt werden sollen. Für Sie sind wir „Menschen“, wie Sie den Souverän allenfalls bezeichnen, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Als solche sind wir entweder Ausbeutungsobjekte, die man mit der zweithöchsten Steuerquote Europas und zahlreichen mehr oder weniger versteckten Abgaben, wie die für die verkorkste „Energiewende“ oder die Zwangsgebühr für den Staatsrundfunk abzockt. [….] Die Folgen der von Ihnen selbstherrlich ausgelösten chaotischen Einwanderung von überwiegend jungen Männern aus frauenfeindlichen Kulturen. Bis heute wissen wir nicht genau, wer diese „Neubürger“(sic!) sind, woher sie wirklich kommen, noch welches Alter sie haben.
[….] Statt dessen „steuern“ Sie und ihre willigen Helfer die nächste chaotische Zuwanderungswelle auf die Bürger unseres Landes zu. Es werden nicht nur entsprechend verschiedener, der Öffentlichkeit nicht bekannter, Abmachungen immer neue „Schutzsuchende“ per Flugzeug ins Land geholt, die Politik bereitet den so genannten „Familiennachzug“ vor, der nach Schätzungen mindestens 1.200. 000 „Neubürger“ ins Land holen wird. [….] Über die mindestens vier Frauen, die allein im Dezember von „Schutzsuchenden“ umgebracht wurden, verlieren Sie kein Wort. [….]  Also, treten Sie endlich zurück, bevor Sie vom Souverän dazu gezwungen werden! [….]

Schon lustig, wie die ehemalige Merkel-Epigonin nun gegen ihre Parteichefin wütet.

Montag, 1. Januar 2018

Impudenz des Jahres 2017




Und schon wieder einmal zeigt der Kalender einen „01.01“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Jahres zu küren.
2018, das wird vermutlich wieder nichts.
Kriege, Katastrophen, Nichthandeln.
Mit Trump, Erdoğan, Weidel, Gauland, Höcke, Spahn, Duterte, May, Berlusconi, Lindner, Pence, Seehofer, Söder, Palmer, Dobrindt, Scheuer, Kauder, Merkel, Orban, Netanjahu, Kaczyński, Kurz, Morawiecki, Hofer, Strache und Salman wird das garantiert auch nicht besser als das blöde 2017.


Rückblickend und vorausschauend wird aber der Erstgenannte, der 1700-fache Lügner Trump das größte Problem bleiben.

Vor einem Jahr kürte ich die USA insgesamt zur Krone der Idiotie.

 (….) Devot ließen die US-Medien während all der Zeit die One-Man-Shitstorms über sich ergehen und luden zudem täglich Trumps kleine Gülleschleudern (Jeffrey Lord, Kayleigh McEnany, Kellyanne Conway, Corey Lewandowski, Katrina Pierson) ein, gaben ihnen kostenlose Trump-Werbezeit und ließen sich dafür noch masochistisch als „liberal, biased media“ beschimpfen.

Für die Zukunft sehe ich schwarz, und zwar dunkelschwarz.

Das optimalste Szenario – Trump begnügt sich damit Putins Hintern zu lecken, löst aber keinen Weltkrieg aus, sondern ruiniert nur die Wirtschaft und den sozialen Frieden der USA nachhaltig, bevor er 2020 abgewählt wird – dürfte die 62 Millionen Deplorables derart angeheizt haben, daß die Nation ohnehin unregierbar wird. (….)

Mein Pessimismus war offensichtlich nicht fehl am Platze. Trump übertraf die schlimmsten Befürchtungen und verdient daher für 2017 als Apotheose all dessen was in der USA schief läuft, ganz allein den Titel „Impudenz des Jahres 2017“.
Trump setzte negative Maßstäbe. Seine Ignoranz stellt er immer wieder so drastisch zur Schau, daß man nur fassungslos konstatieren kann „Ja, es ist möglich noch tiefer zu sinken!“.


Eine Kette von so derben Peinlichkeiten durchzieht seine ersten elf Monate im Amt, daß es schwer fällt unter den drastisch rassistischen und hasserfüllten Torheiten die Destruktivsten herauszupicken.

Torsten Denklers persönliche Top 10 sind aber eine gute Basis des Wahnsinns.

 [……]   Am Tag seiner Amtseinführung, am 20. Januar 2017 [……] zeichnete Trump das Bild eines im Kern zerstörten Landes. Eines verrotteten Systems. Alles, wirklich alles gehe den Bach runter, sagte er. Schulen, öffentliche Finanzen, die Straßen. "Verrostete Fabriken stehen wie Grabsteine überall im Land." Aber jetzt sei ja er da. Donald Trump, der Retter: "Dieses amerikanische Gemetzel hört hier und heute auf", sagte er. Und verkündete: "America first!", Amerika zuerst! Als wäre das die Lösung aller Probleme. [……]
 Es gibt Bilder, die belegen, dass selbst zu Obamas zweiter Vereidigung deutlich mehr Menschen gekommen waren. Trump sah das trotzdem anders. Und schickte Spicer los: "Das war das größte Publikum, das je an einer Amtseinführung teilgenommen hat, Punkt!" Und zwar weltweit. Einen Tag nach Spicers denkwürdiger erster Pressekonferenz erklärte Trumps Beraterin Kellyanne Conway die falschen Angaben der Regierung über die Größe der Menschenmenge zu "alternativen Fakten".[……]
Anfang Mai feuerte Trump den FBI-Chef. Und damit das nicht so blöd aussah, entließ er ihn wegen angeblich schlechter Performance in den Clinton-E-Mail-Ermittlungen im Jahr zuvor. Auf angebliches Anraten seines Justizministers Jeff Sessions. Dieser wiederum berief sich auf seinen Stellvertreter Rod Rosenstein. Ein einmaliger Vorgang. Später gab Trump dann im Grunde selbst zu, dass das alles nur fingiert war. Er wollte Comey loswerden. [……]
Dass eine Regierung sich selbst lobt, geschenkt. Aber was da Mitte Juni geschah, hatte nordkoreanische Züge. Kabinettssitzung im Weißen Haus, zum ersten Mal seit der Amtsübernahme waren alle Ministerposten besetzt.
Reihum huldigten die Kabinettsmitglieder ihrem Chef. Vizepräsident Mike Pence sagte, es sei "das größte Privileg in meinem Leben", Trump dienen zu dürfen. Stabschefs Reince Priebus sagte: "Wir danken Ihnen für die Möglichkeit, Ihnen zu dienen." (Er wurde später gefeuert.) Justizminister Jeff Sessions: "Sie haben die exakt richtigen Botschaften gesetzt" - "Die Reaktionen überall im Land sind fabelhaft." [……] Das unwürdige Lobhudelei-Schauspiel ließ Trump kurz vor der Weihnachtspause noch mal aufführen. In der letzten Kabinettssitzung 2017 stimmte Wohnungsminister Ben Carson ein Gebet für Trump an. Darin dankte er Gott dafür, dass er - kein Witz - Trump die gerade beschlossene Steuerreform ermöglicht hat. [……]
Trump schrieb auf Twitter: "Warum sollte mich Kim Jong-un als 'alt' beleidigen, wenn ich ihn doch NIEMALS 'klein und fett' nennen würde?" [….]


Seit dem 20.01.2017 gab es aus meiner Sicht nur eine positive Überraschung aus der Trump-Welt. Der Mann ist notorisch faul, hat sich in weniger als einem Jahr schon mehr Urlaubstage genommen als die drei letzten Präsidenten in 24 Jahren zusammen. Gut so; so lange der arbeitsscheue Denkphlegmat auf dem Golfplatz um sich schlägt, kann er nichts Schlimmeres anstellen.

 […..] Donald Trump has set a number of records during his first year in office, though not in the way the real estate magnate likely would have hoped.
[……] He has made a series of decisions that earned criticism, from pulling out of the Paris Climate Accord to firing FBI Director James Comey to an ultimately failed attempt to repeal and replace Obamacare.
Through that first year, Trump has set marks for the lowest overall approval rating for a new president, the least legislation signed for a first year in the White House, and one more controversial title — the most days spent golfing.
In the final weeks of 2017, Trump often bragged that he had signed the most legislation of any president in their first year in office. But as ABC News pointed out, the exact opposite is true. The report cited analysis by the nonpartisan GovTrack.us, which keeps track of legislation signed by presidents. It found that Trump has signed the fewest bills of any president dating back to President Dwight D. Eisenhower. [……]
 It ends a year where Donald Trump spent one out of every four days of his presidency on the golf course, the site Trump Golf Count noted.
That has put Trump on top of the list for most golfing trips among modern presidents and drawn quite a bit of controversy. [……]
These have helped lead to another low mark for Trump in his first year. Through the end of his first year, Trump has reached the lowest approval rating of any new president, Newsweek noted. Trump did not enjoy the “honeymoon phase” that most presidents find after first taking office, failing to top 50 percent in many polls at any point during his first year. It has continued to sink through Trump’s controversial and unpopular decisions. [….]



Newssender erleben Sternstunden, Polit-Anchors entlarven Trump auf faszinierende Weise, werden einst auf die intensivste Zeit ihres Lebens zurück blicken.
Washington Post und New York Times gewinnen Hunderttausende Abonnenten hinzu, stellen Redakteure ein. 



Die schlechte Nachricht ist, daß das alles nichts nützt.
Trump-Voter, die durch Breitbart und Infowars geistig retardiert sind halten alles, das von CNN und NYT dokumentiert wird, grundsätzlich für Lügen.
Ihr Lügenpräsident hat es nach Jahren der Dauerpropaganda vermocht Fakten zu irrelevantem Beiwerk zu machen.

[….] "Trump lässt sich eine gute Story nicht durch Fakten kaputtmachen" [….]

Hetze und Ressentiment sind nun Mainstream.
Moral, Anstand oder auch einfach nur die Wahrheit sind „out“ in Trumpmerica.

[……] Die Rau­cher­bar Shel­ly's Back Room liegt zwei Blocks vom Wei­ßen Haus ent­fernt und ist so ziem­lich der ein­zi­ge Ort in der In­nen­stadt, der einer Spe­lun­ke ent­fernt äh­nelt. [……]. Es ist kein Zu­fall, dass ge­nau hier die „Real News Cor­re­spond­ents Gala“ statt­fin­det, in die­sem Knei­pe gewordenen Mit­tel­fin­ger ge­gen die Po­li­ti­cal Cor­rect­ness. Die „wah­ren Journa­lis­ten“ tref­fen sich an die­sem Abend, aber wahr ist: Es ist eine Par­ty für Aktivisten, Hil­la­ry-Has­ser und Trump-Cla­queu­re, die täg­lich im Netz für ihren Präsi­den­ten trom­meln. Leu­te vom „Gate­way Pun­dit“, dem „Dai­ly Caller“, „Project Ve­ri­tas“, Twit­ter-Pro­vo­ka­teu­re wie Jack Poso­biec, Mike Cer­no­vich oder Ga­vin McIn­nes, ein neu­re­ak­tio­nä­rer Kul­tur­kämp­fer ge­gen al­les, was nach links­li­be­ral riecht.
Trumps wich­tigs­te Front im Kampf um die Mei­nungs­ho­heit ist der Krieg gegen die eta­blier­ten Me­di­en, hier sam­meln sich sei­ne Trup­pen. [……] Das Pu­bli­kum brüllt „USA, USA“, wäh­rend auf den Bild­schir­men Fox News läuft. Ga­vin McIn­nes küsst den schwu­len Wa­shing­ton-Kor­re­spon­den­ten des „Gate­way Pun­dit“ auf den Mund und fragt, ob man da­von Aids be­kom­me. [….]


Sonntag, 31. Dezember 2017

Rituale



Mich verblüfft es immer wieder auf’s Neue wie sehr Menschen in starren Gerüsten und Ritualen denken.
Eine ganze Glückwunschindustrie produziert Champagner, Kostüme, Feuerwerk, Böller, Karten, Unterhaltungsprogramme, um in einer völlig kontinuierlich und linear verstreichenden Zeit eine künstliche Zäsur einzufügen.
Was soll der Mist?
Die Erde dreht sich heute, morgen, in zehn Jahren genauso weiter wie bisher auch.
Heute ist Sonntag und morgen ist Montag. Wie es immer war. Nach 23.59 Uhr wird es 00.00 Uhr.
Überraschung.
Die Fingernägel wachsen kontinuierlich ebenso weiter, wie das Haupthaar oder der Bart. Es regnet in Hamburg mutmaßlich um 23.50 Uhr genau wie um 00.10 Uhr. Die Herzen der Menschen schlagen ununterbrochen weiter, ihre Zellen altern gleichförmig.
Die Triebe bestimmen Homo Sapiens heute wie morgen.
Es gibt keinen Unterschied. So wie wir heute essen, trinken, atmen, kopulieren, koten, stoffwechseln, verdauen, schlafen, urinieren wollen/müssen, werden wir es auch morgen tun.
Welche ungeheuerliche Naivität gehört dazu eine erst jüngst willkürlich gesetzte Skala würde den Zeitablauf verändern?
Etwa 4,6 Milliarden mal raste die Erde mit einer mittleren Bahngeschwindigkeit von 29,78 km/s ~ 107.208 km/h seit ihrer Entstehung um die Sonne.
Die eben gerade erst aufgetauchten Menschen haben darauf nicht den geringsten Einfluss; sie sind völlig irrelevant.
Die Geschwindigkeit war vorgestern um 17.28 Uhr und gestern um 23.12 Uhr gleich; wird auch heute um 23.59 Uhr und übermorgen den ganzen Tag gleich bleiben.
Wie kann man nur so blöd sein, zu glauben heute oder morgen mache irgendeinen Unterschied?
Wir sind kosmisch irrelevante lächerliche Witze ohne Bedeutung.

Die Wahrscheinlichkeit, daß sich unsere kleinen Leben innerhalb unserer beschränkten Perspektive morgen ändern ist genauso groß wie die zwischen dem 23. Und 24. Juli.
Man könnte auch am 06. Mai so viele Böller verkaufen, daß am 07.Mai die Notaufnahmen voller heulender Jugendlicher sind, die sich Finger und andere Gliedmaßen abgesprengt haben.

Unsere Leben ändern sich nicht mit einem willkürlichen Datumswechsel.
Nichts schließt ab, nichts beginnt.

Innerhalb unserer eingeschränkten menschlichen Perspektive gibt es tatsächlich Zäsuren. Der 20. Januar 2017 war so ein Tag, weil die verblödeten Amerikaner einem absoluten Vollidioten, der zudem bösartig und impulsiv ist, die alleinige Verfügungsmacht über die weltgrößte Atomwaffenstreitmacht übergaben.
Es könnte sich auch leichte Änderungen einstellen, wenn Frau Merkel in Rente geht und eine rotrotgrüne Bundesregierung vereidigt wird.
Ich würde auch einen Tag feiern, an dem die RKK ihre Selbstauflösung bekannt gibt oder an dem Saudi Arabien eine säkulare Verfassung einführt.

Auf meinem Datumsstempel die „7“ auf „8“ zu drehen interessiert mich hingegen gar nicht.