Sonntag, 15. Oktober 2017

Niedersachsenwahl.



Im Grunde ist die Wahl in Österreich (8,6 Mio Einwohner) wichtiger als die Landtagswahl in Hannover (7,8 Mio Einwohner), weil da die Regierung eines EU-Landes bestimmt wird.
Ich kann mich aber heute nicht mit Strache und Kurz beschäftigen, weil ich dafür gastroenterologisch zu instabil bin.

Also, Thema Niedersachsen. Die vorgezogene Landtagswahl, die notwendig wurde, weil unter etwas dubiosen Umständen eine Grüne bei einer Einstimmenmehrheit der rotgrünen Landesregierung in die CDU übergetreten war.
Neuwahlen schienen nur mit Schwarzgelb enden zu können, da die CDU uneinholbar mit mindestens 12 Prozentpunkten in den Umfragen vor der SPD lag.

Geklappt hat das parteitaktische Spiel von CDU und einer FDP, die kategorisch eine Ampel ausschloss, nicht.

Die CDU stürzte ab, AfD und FDP ruckelten kontinuierlich ebenfalls nach unten.
Das Ergebnis ist nun bizarrerweise offensichtlich haargenau so wie im derzeitigen Landtag; rot und grün zusammen fehlt genau ein Sitz zur absoluten Mehrheit.
Die SPD überholt die CDU, FDP verliert, AfD kommt nur auf 6%, Grüne stürzen ab, Linke legen zu; bleiben aber ganz kurz unter der 5%-Marke.
Nach den gerade mal gut 20% von der Bundestagswahl, konnte Martin Schulz die 37% von heute kaum fassen und fühlte sich stolz und bestärkt.
Die größte Schulz-Profiteurin Andrea Nahles betonte dementsprechend in jede Kamera wie gestärkt er sei, daß er sicher Parteivorsitzender bleibe.
So ein Tag, so wunderschön wie heute. Die SPD hat das beste Ergebnis seit Schröder (1998) und die CDU stürzt in dem konservativen Agrarland auf den tiefsten Wert seit 50 Jahren.
Hurra. Alles ist super. SPD-Erneuerung eingeleitet. Schulz und Nahles haben Erfolg; ihre Jobs sind sicher.
Das ist jedenfalls die Perspektive des Willy Brandt-Hauses.

Man kann das allerdings auch anders sehen und da ich ein böser Schwarzmaler bin, tue ich das auch:

·        Die SPD hatte diesmal Glück, weil der AfD-Landesverband besonders korrupt und zerstritten ist, so daß weniger Protest nach rechts ablief.
·        Der Fall Elke Twesten schadete den Grünen extrem; dadurch wanderten fast 100.000 Wähler aus dem Rotgrün-Lager zu Rot.
·        Es gibt immer nach Bundestagswahlen einen Gegentrend bei den nächsten Landtagswahlen, so daß aus einer Art Mitleidseffekt nach den 20% vom 24.09.17 nun die SPD besonders profitierte.
·        Bernd Althusmann war ein lahmer Pleiten-Pech-und-Pannen-Kandidat, der erstens eine Dr.-Affäre aussaß und zweitens als ehemaliger Kultusminister eine schwere Hypothek beim Thema Bildung mitschleppte.

Schlimmer ist aber etwas anderes für die Bundes-SPD. Stefan Weil ist ähnlich wie Martin Schulz kein urbaner Charismatiker, sondern eher ein Durchschnittstyp Marke „Sparkasse“, der nicht mit furiosem Redetalent oder blendenden Aussehen auffällt.
Aber da Weil anders als Schulz nicht nur einen enormen Rückstand auf die CDU einholte, sondern sogar an ihr vorbeizog, zeigt das nun umso gravierender wie vollständig Schulz als Wahlkämpfer versagt hatte.
Weil hat all das geschafft, was Schulz partout nicht gelingen wollte: Themen gesetzt, sich klar gegen den CDU-Kandidaten abgesetzt und Kompetenz verströmt.

Es ist schon etwas abenteuerlich, wenn Nahles und Schulz nun aus dem Beweis für ihre Unfähigkeit vom 24.09. den Schluss ziehen gestärkt weiterwurschteln zu können.

Ein kleiner Tritt noch in Richtung Linke-Wähler:
Wieso wählt man eine linke Partei, die höchstwahrscheinlich unter der 5%-Hürde bleibt (es wurden schließlich 4,6%), wenn schwarz und rot Kopf an Kopf liegen und man auch den Ausschlag zu Gunsten von Rotgrün geben könnte?
Die 4,6% sind nun verloren, werden nicht im Parlament vertreten sein. Hätte nur jeder vierte Linken-Wähler stattdessen rot oder grün gewählt, würde es für eine Rotgrüne Landesregierung reichen.
Durch dieses nicht taktische Denken der Linken-Wähler haben sie nun höchstwahrscheinlich die sehr rechte Niedersachsen-CDU in die Regierung geholt, was diametral den Interessen der Linke-Sympathisanten widersprechen dürfte.

Interessant werden dürfte nun auch die ohnehin schwierige Regierungsbildung in Berlin. Bisher hat man noch nicht einmal zusammengesessen, um Bernd Althusmanns angepeilten Sieg in Niedersachsen nicht zu gefährden.
Mit dieser Taktik ist Frau Merkel grandios gescheitert.
Nun aber müssen sich Schwarz und Gelb und Grün bald mal treffen; also genau die drei Parteien, die alle in Hannover kräftig auf die Mütze bekommen haben, während die drei anderen Bundestagsparteien, die zukünftige Opposition, alle hinzugewannen.
Seehofer ist ohnehin schwer angeschlagen; nun ist auch Merkel noch zusätzlich gerupft und die FDP mußte bitter lernen, daß sie mit ihrer Maximalforderungs- und Ausschließeritis-Großsprecherei die sicher geglaubte Regierungsbeteiligung losgeworden ist.

Samstag, 14. Oktober 2017

Pacta sunt servanda



Erinnert sich noch jemand an Norbert Röttgen?
Den industrieaffinen CDU-Aufsteiger, der als Bundesminister so grottenschlecht war, daß er 2012 von seiner eigenen Parteichefin als Atom- und Umweltminister gefeuert wurde?
Seit 2014 ist Röttgen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und trat in dieser Funktion gestern zusammen mit seinem amerikanischen GOPer Kollegen Francis Rooney bei CNNs „Amanpour“ auf.
Röttgen, der besseres Englisch als Jens Spahn spricht, ist dort ein gern gesehener Gast.
Rooney, 63, in Oklahoma geborener Milliardär, ehemaliger US-Botschafter im Vatikan, sitzt seit Januar für den 17. Wahlbezirk Floridas im US-Kongress.
 Neben dem fanatischen Trump-Fan und außenpolitischen Haudrauf wirkte Röttgen wie die Inkarnation der Vernunft, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und versuchte dem Amerikaner die Bedeutung von „Vertragstreue“ zu erklären.
Vergebens. Rooney posaunte hinaus, der Iran sei grundsätzlich terroristisch und die Iranischen Revolutionsgarden wären geradezu das Paradebeispiel einer terroristischen Organisation.
Wie sein Idol Trump scheint auch Rooney keine Ahnung davon zu haben, was er anrichtet.
So werden die konservativ-radikalen Kräfte im Iran gestärkt. So blockiert man Frieden und Annäherung, so macht man Transparenz und Zusammenarbeit unmöglich. Denn natürlich versteht der Iran es als Kriegserklärung, wenn seine Armee pauschal als Terrororganisation angesehen wird, da die Amerikaner Terrororganisation überall in der Welt bombardieren und mit Drohnen dezimieren.

Wieso sind nicht nur Trump, sondern offenbar auch erhebliche Kräfte im US-Kongress so wahnsinnig einen militärischen Konflikt mit dem Iran zu provozieren? Warum haben sie Interesse den Nahen Osten erneut zu entflammen? Weshalb wird nun tatsächlich mit martialischer Rhetorik am „Iran-Deal“ gerüttelt? Möchte jemand unbedingt einen Atomkrieg?

Um das zu verstehen muss man sich nur Trumps gestrigen Auftritt bei einem event hosted by the Family Research Council (FRC), a group that has been labeled a hate group by the Southern Poverty Law Center (SPLC) angucken.

Donald Trump to become first president to speak at anti-LGBT hate group's annual summit.
'Homosexual conduct is harmful to the persons who engage in it and to society at large, and can never be affirmed,' say summit's host. [….]


Trump ist sich der Power dieser Hass-Gruppen bewusst; sie haben ihn ins Amt gebracht.

Trump, der sich als politisch impotent erweisen hat, keins seiner Versprechen durchsetzen konnte, triggert aber seine Basis, indem er den gemeinsamen Hassobjekten einheizt. Er wettert gegen Immigranten und Muslime, will wider alle ökonomische Vernunft die Dreamers aus dem Land werfen, indem er DACA kündigt, steigt aus dem Klimaschutz aus, streicht Zuschüsse für die Krankenversicherung, will Naturschutzgebiete abschaffen und radikal verkleinern, lässt Transgenders (gegen den Willen der Armee-Führung) aus den US-Streitkräften werden und umwirbt Rassisten.

Der Rassismus ist der gemeinsame Nenner Trumps und seiner Fans. Sie können Schwarze einfach nicht leiden und hassen Barack Obama, weil der ein „Neger“ ist.

Wie besessen ist Trump daher darum bemüht alles aus den Geschichtsbüchern zu tilgen, das mit dem bösen „Negernamen“ Obama verbunden ist.
Klimaschutz, Obamacare, Pariser Abkommen, Iran-Deal – alles das mit Obama zusammenhängt muss weg.
Das erwarten die christlichen Rassisten seiner Basis von ihm.
Lieber riskiert Trump einen Weltkrieg als den Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA, vulgo „Obamas Iran-Deal“) in Kraft zu lassen.
Trumps zutiefst sadistische und psychopathische Persönlichkeit zwingt ihn dazu seinem Amtsvorgänger a posteriori maximal zu schaden; alles zu zertrümmern, das an Obama erinnert.
Trump ist dabei in der komfortablen Lage nicht an die Konsequenzen denken zu müssen, weil er schlicht und ergreifend zu dumm dazu ist.

[….]  Trump glaubt, Iran in die Schranken weisen zu müssen. Die Frage ist nur, ob dies durch mehr Konfrontation gelingt oder ob sich die Hardliner in Teheran nun nicht erst recht ermutigt fühlen, ihre Expansionsstrategie fortzusetzen. Schon meinen Iran-Experten, Trumps Konfrontationskurs sorge dafür, dass moderate und militante Kräfte in Iran wieder enger zusammenrücken würden.
[….] Eigentlich wollte Trump den Iran-Deal schon jetzt aufkündigen: Doch Trumps Berater, allen voran US-Außenminister Rex Tillerson, konnten ihm klarmachen, welch verheerende Folgen das hätte, da der 2015 von den USA, Russland, Frankreich, China, Deutschland und der EU mit Iran verhandelte Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) als Vertragswerk tief in die internationale Politik und Wirtschaft hineinreicht. Mit einem Ausstieg würden die USA eine gefährliche Kettenreaktion auslösen, den Nahen Osten destabilisieren - und sich als Verhandlungspartner diskreditieren. [….]

Trump hätte eben doch lieber „The Art Of The Groping“ statt „The Art Of A Deal“ schreiben lassen sollen, denn offensichtlich hat er nicht die geringste Ahnung was „ein Deal“ auf internationaler Ebene ist.

Regierungen wechseln. Das ist insbesondere in Demokratien nicht völlig ausgeschlossen.
Wenn Nachfolgeregierungen sich nicht an die internationalen Verpflichtungen ihrer Vorgänger halten, erübrigen sich alle zukünftigen Verträge.

Welche Nation sollte eigentlich noch ein Abkommen mit dem selbsternannten weltbesten „Dealmaker“ eingehen, wenn dieser selbst beweist, daß die USA kein verlässlicher Partner ist, daß sie nach Belieben ihre vertraglichen Verpflichtungen ignorieren.
Trump will aus NAFTA aussteigen, die USA hat sogar die UNESCO verlassen.
Also wozu sollte man überhaupt noch mit dieser USA verhandeln, wenn Amerika ohnehin nicht zu trauen ist und morgen schon etwas anderes gelten kann – je nachdem was der irre Trump gerade auf Info-Wars eingeflüstert bekommen hat?

[….][….] Mit seinem neuen Kurs erschwert Trump die Partnerschaft und Zusammenarbeit mit den anderen Staaten. Wieder einmal schert er in einer wichtigen Frage aus, isoliert sein Land. Im Gegensatz zu Trump finden die anderen Vertragspartner, dass Iran sich grundsätzlich an das Abkommen hält. Natürlich wissen auch sie, dass der Deal nicht perfekt ist, aber zumindest stellt es einigermaßen verlässlich sicher, dass Iran keine Atomwaffen baut. Das Hauptziel des Abkommens werde erreicht, weil es darum gehe, die Ausbreitung von Atomwaffen in der Region, aber auch weltweit zu verhindern, argumentieren Verantwortliche in Paris, Berlin und Brüssel. Wenn der Deal - oder Teile davon - nun infrage gestellt werden, könnte es schwieriger werden andere Länder (wie zum Beispiel Nordkorea) davon zu überzeugen, sich auf solche Abrüstungsverträge einzulassen. [….]

In seltener Einigkeit stellten sich gestern China, Russland, der Iran, Frankreich, England und Deutschland gegen Trumps Irrsinn.

[….] Donald Trumps neue Iran-Strategie sorgt in Europa für Aufregung. In einer gemeinsamen Erklärung haben sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien von Trumps Aussagen distanziert und sich für den Erhalt des Atomabkommens ausgesprochen. "Wir, die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs nehmen die Entscheidung von US-Präsident Trump zur Kenntnis, die Einhaltung des Joint Comprehensive Plan of Action (JCPoA) durch den Iran nicht zu bestätigen", erklärten Angela Merkel, Emmanuel Macron und Theresa May am Freitagabend. "Wir sind besorgt angesichts der möglichen Folgen". [….]

Norbert Röttgen griff gestern den nüchternen Kommentar der EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini auf und verwies auf das Pacta sunt servanda, das eigentlich jeder Grundschüler begreift, das sogar Ferengi (Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag) beherzigen, aber Trump ist selbst dafür zu borniert und ignorant.

Pacta sunt servanda (lat.; dt. Verträge sind einzuhalten) ist das Prinzip der Vertragstreue im öffentlichen und privaten Recht.
Es handelt sich um den wichtigsten Grundsatz des öffentlichen ebenso wie des privaten Vertragsrechts. Im deutschen Zivilrecht findet sich der allgemeine Grundsatz der Verpflichtung zur Erfüllung von Schuldverhältnissen – und damit auch von rechtswirksamen Übereinkünften – in § 241 Abs. 1 BGB. Eine der wichtigsten Ausgestaltungen dieses Grundsatzes findet sich unter anderem im Tatbestand von Treu und Glauben wieder, der in § 242 BGB geregelt ist. Der Grundsatz besagt, dass derjenige, der Verträge bricht, rechtswidrig/unerlaubt handelt. Des Weiteren gilt der Grundsatz der Vertragstreue kraft Völkergewohnheitsrechtes, in dem er bei dem Theorienstreit um die Frage der Verbindlichkeit internationaler Verträge besagt, dass nationale Gesetze keine Grundlage für die Nichteinhaltung sein dürfen. [….]

Der US-Präsident macht sich zudem täglich neue Feinde, weil er auch die anderen Vertragspartner, also EU, Russland und China, demütigt.
Trump reitet auch den Nordkorea-Konflikt in den Krieg.
Denn wieso sollte Kim Jong Un noch mit den USA verhandeln, wenn jetzt schon sicher ist, daß die USA vertragsbrüchig wird?
Wie immer gelten für die USA double standards. Was sich Trump herausnimmt, könnte sich kein anderes Staatsoberhaupt erlauben. Aber Amerika ist militärisch und ökonomisch (noch) so unfassbar mächtig, das es nicht fair und verlässlich sein muss, sondern eine Schande für die Weltgemeinschaft sein kann.

[…..] Der US-Präsident hat ein neues Projekt: einen Intelligenzvergleich mit seinem Außenminister Tillerson. Vielleicht sollte er das mal mit der EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini versuchen. Wie das ausgehen würde? "Das ist wirklich einfach", meint Koert Debeuf, Nahost-Experte in Brüssel, und schmunzelt.
[…..] Viel würde Mogherini ein IQ-Triumph allerdings nicht nützen, sollten die USA wirklich das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen. Dann hätte Trump die hohe Schule der Diplomatie endgültig abgewürgt, zugunsten atomarer Muskelspiele. […..] Die Kernkompetenz der Europäer, die Suche nach dem Kompromiss, wäre wirkungslos. Oder in den Worten eines anonymen EU-Diplomaten: "Die Botschaft wäre: 'Verhandelt nicht! Vor allem nicht mit dem Westen, der hält seine Zusagen sowieso nicht ein‘."
[…..] Wenn nun aber Trump und Co aus dem Deal aussteigen und neue Sanktionen gegen den Iran verhängen, die Europäer aber daran festhalten, ist ein wichtiger Aspekt der Nachkriegs-Weltordnung dahin: die Geschlossenheit des Westens. Experte Debeuf glaubt, die EU sollte auf keinen Fall kuschen und genau so weitermachen wie bisher. "Europa sollte mehr im Iran investieren. Das ist wichtig für Europas Glaubwürdigkeit und die Reformkräfte vor Ort." Stress mit Trump wäre natürlich programmiert, wahrscheinlich auch US-Sanktionen gegen europäische Firmen, die Geschäfte im Iran machen.
[…..] Nur so als Gedankenspiel: Die Amerikaner kündigen also den größten diplomatischen Erfolg der vergangenen Jahrzehnte auf - gleichzeitig ein nukleares Abrüstungsabkommen, das funktioniert - und niemand nimmt sie daraufhin mehr ernst. Die Europäer auf der anderen Seite sind der alleinige Garant von Stabilität, Integrität und Glaubwürdigkeit. Das gibt mit Sicherheit viel Applaus und Lippenbekenntnisse aus aller Welt. Die harte Realität sieht aber anders aus. Jamsheed Faroughi, DW-Farsi-Redaktion: "Hinter verschlossenen Türen im Iran glaubt niemand, dass die Europäer ohne Mitwirkung der USA irgendwas bewirken können." Ohne die, auch militärische, Macht der USA an ihrer Seite, sind die Verhandlungskünste der EU deutlich weniger wert. [….]

Freitag, 13. Oktober 2017

Anal-Soldaten – Teil II



Nachdem ich gerade die gesamte Hoffnung für diesen Planeten in die Hand von drei US-Generälen legte, muss ich noch mal feststellen, daß mir diese Uniform-Typen völlig wesensfremd sind.
Napoleon und preußische Könige führten irgendwann bunte Uniformen ein, weil die Schlachten so unübersichtlich waren und derart viele Volksgruppen zwangsverpflichtet wurden, daß man im Kriegsgetümmel gar nicht mehr wußte, wen man töten soll, wenn das nicht klar an den Farben des Rocks erkennbar war.
Aber ist das heute noch notwendig?
Erstens tragen die Soldaten doch bei der Kriegsarbeit alle dasselbe grünfleckige Tarnzeug und zweitens läuft das gegenseitige Abmurxen doch ohnehin nicht mehr wie damals bei Mel Gibsons Brave-Hart, daß man verwahrlost und ohne Unterhosen aufeinander zurast und dann ein wildes Getümmel fabriziert.
Könnte man heutige Berufssoldaten nicht in individueller Kleidung rumlaufen lassen?
Die Ränge, Orden, Wimpel, Schulterklappen, Lametta, schiefen Mützchen und sonstige bunte Abzeichen wirken auf mich extrem infantil.
Das ist Sandkastenniveau.
So sollen offensichtlich Soldaten auf ihre Funktion reduziert, entmenschlicht und steuerbarer werden.
Gut möglich, daß es sich tatsächlich auch einfacher auf einen Menschen in Uniform schießen lässt, weil dieser schon äußerlich weniger als Individuum, denn als Teil der feindlichen Armee wahrgenommen wird.
Die Hemmschwelle jemand im Freizeitdress umzubringen könnte schon deswegen größer sein, weil man verletzlicher aussieht.

Ich war in meinem Leben stets bemüht nicht so auszusehen wie alle anderen.
Schon als Kind, in dem Alter, als jedes Jahr die Füße wuchsen und man jedes Jahr neue Winterstiefel kaufen mußte, reagierte ich allergisch auf den Verkäuferspruch „die werden dieses Jahr besonders gern genommen!“
Damit war klar, daß ich die Moonboots nicht haben wollte, auch wenn sie mir optisch gefielen.

Uniformität empfinde ich als demütigend. Gefängnisinsassen werden in einheitlicher Sträflingskluft gehalten, um sie ihrer Individualität zu berauben, sie zu Nummern zu machen.
Kürzlich flackerte mir auf Facebook ein aktuelles Abi-Jahrgangsbild meiner alten Schule über den Bildschirm.
Absolut erschreckend.
Dort herrscht eine nahezu 100%ige freiwillige Uniformität. Alle Mädchen tragen die Haare lang, offen, Mittelscheitel. Alle Jungs Uppercut, Anzug, 7-Tage-Bart.
Das liegt offensichtlich an den Klugtelefonen, mit denen diese Generation ihr ganzes Leben verbrachte. Damit können sie sich ständig mit anderen abgleichen, bis sich der Look völlig nivelliert.

Vermutlich bringt diese freiwillig-unfreiwillige Uniformität, zu der man sich als Teenager eben nicht ganz frei entscheidet, sondern durch unbewußten sozialen Druck des 24/7-phones manipuliert wird, auch den massenhaften Einsatz von Benzodiazipinen und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern mit sich.
Aufoktroyierte Gleichheit macht intoleranter gegen Menschen, die sich nicht perfekt anpassen und unterordnen.
Soldaten sind nach Dienstschluss eben nicht weiter nur Nummern und Ränge in einheitlichem Dress, sondern sie sehen sich irgendwann doch nach Formen der Ab- und Ausgrenzung.

So kommt es zu den bekannten bizarren Ritualen, die in der heteronormativen Welt allzu gern einen analen Bezug haben, weil homosexuelle Praktiken in dem Umfeld als maximale Demütigung gelten.
Vergewaltigungen von Männern ist unter Afrikanischen Soldaten verbreitet.

(….) Homo-Vergewaltigungen werden auch immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden jeden Tag.

[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.
Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.
Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter". Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.
Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch weit höher liegen. [….]

In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst um.

Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer.

Von den aktiven US-Soldaten begeht durchschnittlich einer pro Tag Suizid. Nach der Dienstzeit steigt die Selbstmordrate um das 20-fache.

[….] Roughly 20 veterans a day commit suicide nationwide, according to new data from the Department of Veterans Affairs — a figure that dispels the often quoted, but problematic, “22 a day” estimate yet solidifies the disturbing mental health crisis the number implied.
In 2014, the latest year available, more than 7,400 veterans took their own lives, accounting for 18 percent of all suicides in America. Veterans make up less than 9 percent of the U.S. population. [….]

Ganz offensichtlich haben Soldaten untereinander eine sehr fragwürdige Art miteinander umzugehen.

Bei Ron Leshem habe ich von einem ganz anderen Umgangston unter Israelischen Soldaten gelesen. Die Hierarchie wird weniger zelebriert und so können einfache Soldaten mit hohen Offizieren locker kommunizieren.
Ich erinnere mich an rührende Szenen, als im Libanonkrieg die in „Wenn es ein Paradies gibt“ beschriebene Einheit kontinuierlich von den Golanhöhen aus beschossen wird und sich junge Rekruten so sehr fürchten, daß sie in den Armen ihres Vorgesetzten einschliefen.
Ob das repräsentativ ist, weiß ich nicht.

Von der deutschen Bundeswehr liest man hingegen jedes Jahr neue Quäl-Geschichten, in denen mit Vorliebe anale Methoden angewendet werden.

[….] Fallschirmjäger: Obst in den Po und Paddel drauf!
In einer Zweibrücken Kaserne ist es äußerst unappetitlich zugegangen: Fallschirmjäger sollen sich auf einer Feier Obst in den Hintern geschoben und mit einem Paddel drauf gehauen haben. Wegen dieser Vorfälle wird die Kompanie nun von ihrem Kongo-Einsatz entbunden. […..]

[…..]  Das Amtsgericht Zweibrücken hat im Prozess zur "Dörrobst-Affäre" um obszöne Aufnahmerituale in einer Kaserne den angeklagten Hauptmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.
Der Richter sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Kompaniechef das "entwürdigende Verhalten" seiner Untergebenen auf einer Feier geduldet habe. […..] 

[…..] Schon wieder schockiert ein Skandal die Bundeswehr: Bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald sind junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden. Sie mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweinsleber essen, um in der internen Hierarchie aufsteigen zu können. [….]

 [….] Nach SPIEGEL-Informationen bestätigten interne und bisher geheim gehaltene Ermittlungen, dass bei der Ausbildung von Sanitätern, im Militärjargon "Combat First Responder" genannt, offenbar sexuell-sadistische Praktiken an der Tagesordnung waren. [….] Demnach fesselten sich die Soldaten gegenseitig an Stühle, mussten stundenlang so verharren und wurden mit Wasserschläuchen abgespritzt. [….] Statt einer professionellen Armee, die für junge Menschen eine interessante Karriere bietet, erhält die Bundeswehr durch die Vorgänge in der Staufer-Kaserne wieder das hässliche Image einer männergeprägten Chauvinisten-Truppe, in der Rituale wie Erniedrigung bis hin zu den sexuell-sadistischen Ausbildungsmethoden weiterhin Platz haben und von den Vorgesetzten nicht geahndet werden. [….]

Sexuelle Übergriffe bei Gebirgsjägern
 [….] Nach den Vorfällen in der Bundeswehr-Kaserne in Pfullendorf wird ein weiterer Fall bekannt, in dem Soldaten einem Kameraden gegenüber übergriffig geworden sind. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll ein Soldat bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall unter anderem durch Vorgesetzte sexuell belästigt und diskriminiert worden sein.
[….] Laut Ministerium handelte es sich dabei um eine Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall. "Dort sei er zwischen November 2015 und September 2016 durch Mannschaftssoldaten und einige Vorgesetzte (Ausbilder) seines Zuges mehrmals diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell belästigt und genötigt worden" [….] Laut Ministerium laufen derzeit Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte, davon zwei Feldwebel, zwei weitere Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten. [….] Ein Sprecher des Ministeriums betonte auf Anfrage, es handele sich um einen von zahlreichen Einzelfällen aus der Vergangenheit. [….]

Ich möchte hier noch einmal klarstellen, daß ich moralisch keinerlei Einwände gegen analen Sex habe. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Geistlichen im Vatikan es sich mit Freude gegenseitig besorgen.
Wenn es sich dabei aber um ein Demütigungsritual unter Zwang handelt, ist es kein Sex, sondern Gewalt.
Dafür gibt es erstens keinerlei Rechtfertigung, aber zweitens stellt sich die Frage wieso so viele Uniformierte darauf abfahren.

Die Versuche der Soldaten aus ihrer Uniformität auszubrechen sind vielfältig.
Natürlich bekommt auch Ursula von der Leyen diese spezielle soldatische Praxis nicht in den Griff.

[….]  Beim Bundeswehreinsatz in Litauen ist es vergangene Woche zu einer peinlichen Entgleisung von Soldaten gekommen. [….] Bei einer ausgelassenen Feier in einer Kneipe im Stationierungsort Rukla kam es nach ersten Ermittlungen Mitte der Woche zwischen zwei stark alkoholisierten Bundeswehrsoldaten gegen 2 Uhr morgens zu einem handfesten Streit. Der Zwist artete in eine wilde Prügelei aus. Die beiden Streithähne mussten gewaltsam voneinander getrennt werden, die Polizei rückte an. Zur Behandlung seiner Verletzungen brachten die Polizisten einen Soldaten in eine örtliche Klinik. Den anderen lieferten sie in der Kaserne ab. [….] Für die Militärführung ist der Vorfall in Litauen misslich. Vor ihrer Abreise waren die Soldaten explizit angewiesen worden, sich insbesondere beim Ausgang in die Stadt zurückzuhalten, um den Ruf der Nato-Truppen und der Bundeswehr bei dem Auslandseinsatz nicht zu gefährden. [….]

Noch amtiert ein sozialdemokratischer Wehrbeauftragter, der nicht müde wird die deutschen Soldaten zu verteidigen.
Aber muss man sie überhaupt verteidigen?
Immerhin wird niemand mehr dazu gezwungen. Die Jungs und Mädels tun das alle freiwillig. Uniformen, Befehle und die strenge Hierarchie gefallen ihnen offensichtlich. Albern sich darüber zu beklagen, daß ganz oben in der Pyramide eine Person mit Befehlsgewalt über alle steht.

[…..] Ich höre aus der Bundeswehr auch Kritik an der militärischen Führung, weil sie der Ministerin nicht deutlich widersprochen habe.
[…..] Nein, sie hat kein Haltungsproblem, sondern ziemlich genau immer wieder die Art Probleme, die im Militär nun mal zu erwarten sind. Weil man das weiß und auch bei Gründung der Bundeswehr schon wusste, gibt es eine Wehrdisziplinarordnung, Wehrdisziplinaranwälte und Truppendienstgerichte, den Militärischen Abschirmdienst und den Wehrbeauftragten. […..] Wir haben in diesem Jahr teilweise über ein Zerrbild der Bundeswehr geredet. [….]