Freitag, 3. März 2017

Christengeld.



Wer kennt das nicht; man zieht einen Kontoauszug, blickt auf die sieben- oder achtstellige Zahl ganz rechts unten und fragt sich wie man seine Millionen am besten investiert?
Zinsen gibt es keine, es bildet sich eine Immobilienblase und Aktien sind unsicher.

Zum Glück lebe ich frommer Christ in einer Zeit, in der das biblische Gebot von der Armut bereits abgeschafft wurde.

(….) Während es im Islam heute noch  Zakat und Zinsverbot gibt, ist völlig in Vergessenheit geraten, daß die  Katholische Kirche die längste Zeit ihrer Existenz kein Herz für Kredithaie und Wuchergeschäfte hatte.

Im Gegenteil; die Bibel verbietet dies.

35 Wenn dein Bruder verarmt und sich neben dir nicht halten kann, sollst du ihn, auch einen Fremden oder Halbbürger, unterstützen, damit er neben dir leben kann. 36 Nimm von ihm keinen Zins und Wucher! Fürchte deinen Gott und dein Bruder soll neben dir leben können. 37 Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben.
(Levitikus 25)


20 Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen. 21 Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. 22 Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. 23 Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden. 24 Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern.
(Exodus 22)

20 Du darfst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt. 21 Von einem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, von deinem Bruder darfst du keine Zinsen nehmen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem, was deine Hände schaffen, in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen
(Deuteronium 23)

Insbesondere ab dem 12. Jahrhundert hat eine Vielzahl unfehlbarer Päpste das Zinsverbot als „unveränderliches kirchliches Gebot“ bestätigt.

Seinen Ausgangspunkt nahm das schon altkirchliche Zinsverbot im Mittelalter mit dem Zweiten Laterankonzil von 1139, dem Decretum Gratiani, einem ausdrücklichen Zinsnahmeverbot durch Papst Innozenz III. von 1215 und dem Konzil von Vienne von 1311. Danach war es verboten, Zinsen auf geliehenes Geld zu verlangen.
[…] Noch 1745 wandte sich Papst Benedikt XIV. in der an die hohe Geistlichkeit Italiens adressierte Enzyklika Vix pervenit entschieden gegen den Zins. In § 3, Absatz I heißt es: Die Sünde, die usura heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, dass jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat […] Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch.
(Wiki)

In den nächsten Jahrhunderten fand man allerdings auch im Vatikan heraus wie wunderbar einfach man sich mit Geldverleih eine goldene Nase verdienen kann.
Insbesondere katholische Ritterorden waren extrem kreativ dabei die biblischen und Vatikanischen Regeln zu umgehen.
Im 19. Jahrhundert waren Zinsen dann inzwischen so alltäglich geworden, daß es überhaupt keinem mehr auffiel als Papst Pius VIII. am 18. August 1830 alle vorherigen Zins-Gesetze aufhob. (……)

Inzwischen ist es also gottgefällig Reichtümer anzuhäufen.
Das zeigen die multimilliardenschweren Bistümer Paderborn, Köln und München.
Das belegt aber auch die breite Unterstützung der amerikanischen Christen für den Milliardär Donald Trump.

Der Vatikan betreibt jetzt eine Bank, nämlich das sagenumwobene IOR, welches nicht nur die Milliarden des Papstes verwaltet, sondern auch Schwarzgeld Krimineller aller Art wäscht.

Jesus selbst macht jetzt auch in Shareholder Value, so daß der Normalmillionär mit Gottes Segen zur Heuschrecken werden kann.

"Katholiken-Fonds" schaffen über fünf Prozent Rendite
Ethik und Rendite sind längst kein Widerspruch mehr. Das beweisen mehrere Aktienfonds, die sich an gläubige Christen wenden - zum Beispiel von TerrAssisi, der Missionszentrale der Franziskaner, der Caritas, der katholischen Pax Bank oder auch der Steyler Bank. Nach Berechnungen von Morningstar haben die "Katholiken-Fonds" in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich eine Performance von 5,4 Prozent erwirtschaftet. Das ist fast so viel wie globale Aktienfonds, die im selben Zeitraum ein durchschnittliches Plus von 5,7 Prozent schafften. […..]

In Deutschland gibt es inzwischen eine Reihe Anlagefonds, die ZdK und Bischofskonferenz segnen.
 Daß täglich bis zu 20.000 Kinder verhungern und gerade im Jahr 2017 in vielen Teilen Afrikas neue Hungerkatastrophen wüten, nehmen Kardinal Marx und Co achselzuckend hin, ohne daß sie dafür ihre Milliardenschätze einsetzen würden.
Aber dafür haben die Top-Kleriker ein großes Herz voller Mitgefühl für die Aktienanleger, Millionäre und Milliardäre.

[….] Es gibt keine verbindliche Maßgabe, wie zum Beispiel katholische Einrichtungen oder einzelne Gläubige ihr Geld anlegen sollten oder dürfen. Es wurde jedoch im Jahr 2015 eine sogenannte „Orientierungshilfe für Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen in Deutschland“ mit dem Titel „Ethisch-nachhaltig investieren“ veröffentlicht. Herausgeber sind das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Das Vorwort wurde unterzeichnet von Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und von Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
 Der oben erwähnte Investmentfonds „Globale Aktien – katholische Werte“ der Commerzbank investiert nur in Unternehmen, die diesen Maßstäben genügen. Dazu wird der weltweite Aktienindex MSCI World mit ca. 1.600 Einzeltiteln aus 23 Ländern verwendet. Ein ESG-Team von MSCI wählt dann streng nach den vorgegebenen, katholischen Maßstäben daraus die möglichen Zielaktien aus. Aktuell sind das ca. 750 Einzeltitel, aus denen dann das aktive Fondsmanagement die rund 200 Titel des Fonds auswählt. […..]

Es liegt mir fern Marx und Glück zu kritisieren, aber ich muß schon sagen, daß sie nicht genügend berücksichtigen welche Staatsbürgerschaft Jesus hat.
The Lord ist schließlich Amerikaner und liebt Waffen.


 
Daher kann ich die deutschen katholischen Fonds nicht unterstützen. Die machen einen Bogen um Rüstung.


Besser sind als Amerikanische christliche Anlagefonds, die sich nicht gegen gottgewollte Waffen wenden, sondern die wahren Gefahren bekämpfen: HOMOS!


[….] Neue US-Fonds investieren nur in Firmen, die aus ihrer Sicht bibel-konform arbeiten. "Homosexueller Lifestyle" gehört nicht dazu.
[….] Die amerikanische Firma Inspire Investing, frei übersetzt etwa "beseelte Geldanlage", hat die zwei außergewöhnlichen ETF-Fonds aufgelegt, die nach konservativen biblischen Werten anlegen. Das bedeutet: Die Fonds stecken kein Geld in die Alkohol- und die Glücksspielbranche, nicht in die Pornoindustrie. Außerdem sind Unternehmen verboten, die mit Abtreibungen Geld verdienen und einen "homosexuellen Lifestyle" propagieren, wie es die Firma ausdrückt.
Die Fonds dürfen dagegen in Konzerne investieren, die ein "segensreiches Geschäft" betreiben. [….]
(SZ, 3. März 2017, s.22)

Donnerstag, 2. März 2017

Parallelwelt



Natürlich gucke ich auch gern amerikanische Premium-Serien.
Was ich  allerdings ganz schwach finde, sind die offensichtlichen Durststrecken der Autoren; wenn sie mangels Phantasie und sinniger Handlungsstränge auf Paralleluniversen ausweichen.
Das gibt es in verschiedensten Formen. Der Held wird auf einmal in eine Höllendimension teleportiert, verschwindet durch ein Wurmloch, diffundiert in eine andere Realität, in ein paralleles Universum. Er kann auch einfach nur träumen oder das Gedächtnis verloren haben. Bei Startreck gibt es dafür das „Holodeck“. Bei sowas schalte ich gleich aus; das ist mir zu infantil.

Gestern hatte ich wieder einmal mit zwei verschiedenen Parallel-Ebenen zu tun. Geometrisch bedeutet das völlig kontinuierlichen Abstand. Man kann sich also endlos lange auf einer dieser Ebenen bewegen, ohne je die zweite Ebene zu berühren.

Ebene 1

Auf dieser Ebene sitze ich nachts gemütlich  vor der Glotze und gucke wie so oft Don Lemon. Lemon hatte gestern Geburtstag und verkündete dazu anlässlich eines Washington-Post Berichts BREAKING NEWS über Jeff Sessions, die es in sich haben.

 Klammer auf; ich mag ihn nicht so wirklich.
Wäre der neue US-Justizminister eine Serienfigur bei „House Of Cards“, wäre ich enttäuscht, weil er so unterkomplex und klischeehaft ist.
In Sessions kommt wirklich alles zusammen, bei dem ein Liberaler schreiend weglaufen würde: Der alte weiße Mann wurde 1946 in Alabama geboren, spricht einen schweren Südstaatenakzent und war 20 Jahre lang US-Senator von Alabama.
Selbst unter seinen GOP-Kollegen gilt der überzeugte Methodist als ultrarechts.
1986 wurde er zum Bundesrichter nominiert, war aber selbst für Alabama zu rassistisch. So nannte er schwarze Kollegen abfällig „boys“ und hatte sich auch sonst offensichtlich seit der Sklavenhalterzeit geistig nicht weiterentwickelt.
Sessions war der erste US-Senator, der sich 2016 mit Haut und Haaren Donald J. Trump verschrieb und von März 2016 an als sein Top-Politberater fungierte.
Seine Nominierung zum United States Attorney General wurde von 1.400 US-Jura-Professoren in einem offenen Brief beklagt und vom KKK-Chef David Duke bejubelt.
Der greise Nazi ist ein wandelndes Klischee: Er glaubt nicht an den Klimawandel, fordert ein radikales Abtreibungsverbot, spricht sich aber umso vehementer für Folter und Waffenbesitz aus.
Als Serienfigur wäre Sessions aufgrund dieser Eindimensionalität völlig unbrauchbar; es gibt nicht den kleinsten sympathisch wirkenden Aspekt an ihm.
Klammer zu.

Nachdem schon vier Top-Leute aus Trumps innersten Wahlkampfteam enger Kreml-Kontakte überführt wurden und die US-Wahl ohnehin mit einiger Wahrscheinlichkeit illegalen Einflüssen aus Moskau unterlag, ist es schon extrem skandalös, daß der Justizminister selbst auch als Trump-Surrogate geheime Kontakte nach Moskau gehabt haben soll.
Das ist insbesondere deswegen heikel, weil Sessions selbst oberster Aufseher aller „russian ties“ ist, die das FBI gerade untersucht und weil er von Al Franken bei seiner Senatsanhörung genau nach diesen Verbindungen gefragt wurde und; man muß es beim Trump-Team nicht extra erwähnen; log – und zwar unter Eid. Wie Bakari Sellers süffisant anmerkte ging Martha Stewart für weniger fünf Monate in den Knast.

[…] Der US-Justizminister Jeff Sessions gerät politisch zunehmend unter Druck, weil er bei der Senatsanhörung zu seiner Nominierung Kontakte zum russischen Botschafter verschwiegen hatte. Führende Demokraten in Senat und Abgeordnetenhaus fordern seinen Rücktritt. "Das Gesetz wurde gebrochen", sagte Nancy Pelosi, Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus. Der Oppositionschef im Senat, Charles Schumer, sagte, Sessions habe den Senat wissentlich in die Irre geführt: "Er hätte wochenlang Zeit gehabt, das zu korrigieren. Aber er hat es stehen lassen." [….]

Die Rechtfertigungen der GOPer in Lemons Panel waren gewohnt absurd. Nein Sessions habe gar nicht gelogen, als er Kontakte mit dem russischen Botschafter verschwieg, weil Franken ihn als Trump-surrogate gefragt habe, während Sessions aber in seiner Eigenschaft als US-Senator mit Botschafter Sergej Kisljak gesprochen habe. Zwei Mal. Während der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes.
Alternativ wurde auch Erinnerungslücken vorgeschlagen. US-Senatoren sprächen mit so vielen Botschaftern, daß sie sich nicht daran erinnern könnten, ob Kisljak dabei gewesen wäre.
Das ist sogar noch hanebüchener, da schon zu der Zeit die russische Wahlbeeinflussung DAS ganz große Thema des Wahlkampfes war.


Das sind jetzt so massive Anschuldigungen, daß ich mir nicht vorstellen kann, wie Sessions um einen Rücktritt als Justizminister herumkommen soll.
Er ist schließlich der oberste Chef aller Ermittlungsbehörden, die sich wortgetreu an Gesetze zu halten haben.

Auf dieser Ebene sehe ich das Ende Sessions als unvermeidlich an. Das dürfte dann für Trump extrem problematisch werden.


Ebene 2

Trump-Fans akzeptieren bekanntlich nicht nur keine Fakten, sondern bemerken sie erst gar nicht, weil sie in einer Parallelebene leben und nur rechte Verschwörungsblogs, FOX und Breitbart konsumieren.

Breitbart ist schließlich kein dubioses Fascho-Magazin mehr, sondern hat exklusiven Zugang zum Weißen Haus, in dem ihr langjähriger Chef der oberste Präsidentenberater ist.
Breitbart ist ganz nah dran am mächtigsten Mann der Erde, während Don Lemons CNN ausgeschlossen wird.

Die White Supremacy-Theoretiker sind inzwischen Praktiker geworden.
Für sie stellt sich die Lügen-causa Sessions wie folgt dar.

[…..] House Minority Leader Nancy Pelosi (D-CA) is calling on Sessions to resign, and the Democratic National Committee is already out with a list-building email, sent Wednesday evening: “BREAKING: Jeff Sessions may have perjured himself.”
But it is all just more “fake news.” A chance greeting at a public event, and a Senate meeting in the course of his official duties, do not add up to anything, and the full transcript — also omitted by the Times — makes it clear Sessions told the truth. [….]
(Joel B. Pollak, Breitbart, 1 Mar 2017)

Es ist so einfach – immer wenn ein Rechtsradikaler aus Trumps Dunstkreis einer sogenannten Lüge überführt wird, sind es “fake news”, weil Trump-Leute grundehrlich sind.
Dahinter stecken selbstverständlich die durch und durch verdorbenen Demokraten, die alle schwul und amerikahassende Nazi-Kommunisten sind.
Bei den Kommentatoren herrscht große Einigkeit.


(Aus prinzipiellen Gründen kann ich Breitbart nicht verlinken, aber da es sich um den Hauptinformationskanal des mächtigsten Mannes der Welt handelt, lohnt es sich schon ab und zu mal in deren Parallelwelt zu blicken.)

Every time Trump has a good day, the media tosses out another fresh batch of 'Russia Conspiracy'  We can turn it into a drinking game!
(Sculder_4)

Sessions is going to roll up the DC pedophile ring. It has lots of Democrats nervous.
(BigDaddy)

Democrats are in their death throes. They want every scalp in Trump's administration. They will continue boring us with fake news like this for the next 8 years.
(………)

Democreeps are a danger to our nation.
(Darwin Alti)

Fake News WaPo does this because it works. WaPo is opposition Party member. This weakens Trump and Sessions. Trump needs to call WaPo out as Fake News on this. Good time would be tomorrow after he signs refugee restriction EO.
(…....)

Deplorable all day long. Exactly why their monicker is "The Washington Compost"!
(TexasVetgal)

A more pertinent point is how the media became anti-White in direct proportion to Jewish control.
(Sammy)

The media is a powerful tool that has spent decades propagandizing for diversity, multi-culturalism, open borders, liberalism, degeneracy and everything contrary to White Christian interests.
(Mike)

Aren't you lefties suppose to be dead by now with global warming? I can't wait.
(j b Broflamingo)



Mittwoch, 1. März 2017

Auslaufmodell


Eins der größten Rätsel des deutschen Journalismus wird für mich immer die Frage sein, wieso sich die an sich hochvernünftigen SZ-Chefredakteure Heribert Prantl, Kurt Kister und Wolfgang Krach immer noch den frommen Katholiken Matthias Drobinski, 52, als Redakteur halten.


Nicht nur, daß es ohnehin völlig absurd ist einen hochbefangenen Kirchenfuzzi über Kirchenthemen schreiben zu lassen, so ist Drobinski auch noch von einer schweren Echolalie befallen und schreibt in seinem stets larmoyanten Ton auch immer wieder das Gleiche:


Hach, wie traurig, die Kirche verliert Mitglieder und die Pfaffen sind frustriert. Dabei ist Franzl doch so super. Menno! Es kann aber nicht nur am Zölibat meiner heißgeliebten katholischen Kirche liegen, weil die Protestanten mindestens genauso schrumpfen. (Ätschibätsch)
Die Ursachen für das Wegsterben des kirchlichen Lebens sind also irgendwie ganz kompliziert. Das ist eine große Aufgabe für die Bischöfe und alles ist ganz furchtbar traurig, weil die Kirche doch so wichtig ist!

Die SZ verfügt über einige der besten Edelfedern Deutschlands – was wäre es für eine Wonne, wenn man auch zu kirchlichen Themen Spitzenjournalismus aus München bekäme.

Stattdessen immer noch dieselbe Leier.

Für immer weniger Menschen gehört die Religion zum Leben. [….] Auffällig ist jedoch, dass die Befragten von ihrer Kirche vor allem "klassische Kernkompetenzen" erwarten.
Der evangelischen Kirche in Deutschland geht zunehmend die Mitte verloren, die Bindung an die Institution schwindet. […..]

Wer meditiert und sich ins Gebet versenkt, entkommt dem Zweck und findet den Sinn. Der Gläubige kann sich in seinen Nöten und Ausweglosigkeiten vor seinen Gott werfen und den Fall an die höchste Instanz abgeben: Mach du was draus. Das ist zwecklos, aber nicht sinnlos.
Dem Zweck die Grenzen zeigen, sich selbst nicht die letzte Instanz sein müssen - und dürfen: Das sind die Gaben des Glaubens an die Gläubigen und an die ganze Gesellschaft. Es ist die Kraft des Transzendenten, die verhindert, dass der Mensch zum Objekt des Menschen wird, ob bei der Embryonenforschung, der Wirtschafts- und Flüchtlingspolitik.

[….] Europas Katholiken - und viele Menschen über die Kirche hinaus - sind mehrheitlich begeistert von dem Mann, der so bescheiden lebt und sich darangemacht hat, die Verhärtungen seiner Kirche aufzubrechen. [….] Dieser Papst ist nicht nur bemerkenswert, weil er sich im Mittelklassewagen fahren lässt. [….]

Das Erzbistum Köln ist nicht obszön reich, sondern solide finanziert.[….]

Es ist im Grundsatz das gute Recht der Kirchen, von ihren Mitarbeitern eine stärkere Loyalität zu fordern, als das zum Beispiel ein Fabrikant von Dosensauerkraut kann. Kirchen sind Tendenzbetriebe wie Gewerkschaften, Parteien, auch Zeitungshäuser und Rundfunkanstalten. […..]

Eine strikte Trennung von Staat und Kirche wäre dabei der falsche Weg, wie sauber ein solcher Schnitt auch scheinen mag. Die Leute wechseln ja nicht von der Kirche zur Humanistischen Union. Sie verschwinden in jener Gleichgültigkeit, unter der quasi alle Institutionen außer den unkaputtbaren Fußballverbänden leiden. [….]

Der Moralüberschuss der Kirchen ist unangenehm für alle, die diese Moral umsetzen sollen. Aber er ist auch notwendig, um zu verhindern, dass sich eine Politik nur auf das Nächstliegende konzentriert oder von Stimmungen leiten lässt. Er macht staatliches Handeln besser – […..]

Noch nie haben sich in Deutschland so wenige Männer zu katholischen Priestern weihen lassen wie im vergangenen Jahr. Den Zahlen der katholischen Bischofskonferenz zufolge gab es in den 27 deutschen Bistümern 2015 insgesamt 58 Priesterweihen; 2014 waren es noch 75 gewesen, 2013 sogar 98. 1990 hatte die Zahl der neuen Priester noch 295 betragen. Die katholische Kirche Deutschlands steht damit vor einem dramatischen Priestermangel.

In der Flüchtlingskrise haben sich beide Kirchen als Anwälte der Heimatlosen und Schwachen profiliert, ihre Sozialarbeit wird geschätzt. Und jetzt, wo so heftig über den Islam und seine künftige Rolle im Land debattiert wird, müsste doch eigentlich die Besinnung auf ihre christlichen Wurzeln viele dazu bringen, dass sie mal wieder in die Kirche gehen und sich sagen: Hier ist es gut, hier mache ich mit.  […..]

Nur noch 58 Männer ließen sich 2015 in Deutschland zum katholischen Priester weihen - so wenige wie noch nie. Die Zahl war eine Sensation, und dass es im vergangenen Jahr wieder (bescheidene) 80 neue Priester gab, ließ die Debatte nicht verstummen: Ist der Zölibat, die Verpflichtung der katholischen Priester zum ehelosen Leben, noch haltbar?

So ist Drobinski, immer seicht, immer am Thema vorbei.
Vorsichtige Kritik an der harten römischen Linie bei Homoehe, Zölibat und Frauenpriestertum, aber niemals würde Dobrinski den segensreichen Einfluss der Kirche auf den Staat in Frage stellen. Unverrückbares Fundament seines journalistischen Wirkens ist der Kampf gegen die Konfessionslosen.
Schlechte Nachrichten für die Kirche – Priestermangel, Austritte, verwaiste Gemeinden – sind für Dobrinski generell schlechte Nachrichten.
Weshalb irgendjemand die großartige Institution RKK verlassen sollte, versucht Drobinski zwar mit den üblichen Schlagworten zu beschreiben – Kirchensteuer und Kinderficken sind irgendwie suboptimal – aber es bleibt ihm wesensfremd.
Nach seiner Überzeugung sollte jeder gute Mensch Kirchenmitglied sein oder werden wollen.
Daß Kirchen massenhaft Mitglieder verlieren, konstatiert und bedauert er.
Das Konzept Kirche, die religiöse Ideologie stellt er aber nie in Frage.
Es müsse nur irgendwie besser geführt werden. Bischöfe könnten noch netter, Kardinäle liberaler und Menschen engagierter sein.

Well, Drobinski, I’ve got news for you:

Die Kirchen in Deutschland verlieren aus einem ganz anderen Grund den Boden unter den Füßen.
Das ganze Konzept ist Müll.
Die Bibel steckt voller Widersprüche und Grausamkeiten, Gott existiert nicht und praktische Religion führt immer zu Kriegen und Gewalt.
Zudem sind die Basics so unglaubwürdig, daß sie von gebildeten Menschen nur ausgelacht werden können.

Ich glaube nicht, dass die wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, schwerer zu verstehen sind als die seltsamen Geschichten, die uns von religiöser Seite nahegebracht werden. Ich frage Sie: Was ist schwerer zu verstehen? Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass wir Teil eines evolutionären Prozesses sind, der aus einfachen einzelligen Lebensformen allmählich komplexere Organismen hervorbrachte? Oder der Glaube an einen Gott mit multipler Persönlichkeitsstörung (Dreifaltigkeit), dessen erster Teil (Gottvater) sich mit seinen Geschöpfen verkrachte, worauf er den zweiten Teil seiner selbst (Heiliger Geist) aussandte, um eine Jungfrau auf nichtsexuelle Weise zu schwängern, wodurch der dritte Teil seiner selbst (Jesus Christus) als aufrechtgehender Trockennasenaffe geboren wurde, um von einer historischen Besatzungsmacht hingerichtet zu werden und – ätsch – am dritten Tag wieder von den Toten aufzuerstehen? Man muss sich doch mal überlegen, welche intellektuellen Verrenkungen solche Glaubensinhalte den Menschen abverlangen.
(Michael Schmidt-Salomon)


Nein, Drobinski, es handelt sich beim Niedergang der Kirchen in Westeuropa nicht um eine „Begeisterungskrise“. An ein paar Stellschrauben zu drehen, um die Menschen wieder massenhaft in die Kirchen zu treiben, wird nicht funktionieren.

Die Krise der geistlichen Berufe in Deutschland ist im Kern also eine Begeisterungs- und Glaubwürdigkeitskrise der verfassten Kirchen im Land. Es gibt zu wenige junge Menschen, die sich anstecken lassen von dem, was in den Kirchen und ihren Gemeinden geglaubt und gelebt wird, von dem, was an intellektuellen Impulsen von der Theologie kommt - zumindest nicht so sehr, dass sie sagen: Das möchte ich den ganzen Arbeitstag lang machen, daran möchte ich mein Leben ausrichten. Hier allerdings spielen nun sehr wohl der Zölibat und das Männerpriestertum eine Rolle. Eine Kirche, die glaubt, nur sexuell enthaltsame Männer könnten zum Priester geweiht werden, der Eucharistie vorstehen und die Sakramente spenden, die vernichtet täglich Begeisterung und Glaubwürdigkeit, solange ihr dafür keine begeisternden und glaubewürdigen Begründungen einfallen.

Alle Statistiken sagen, daß Religionen mit zunehmenden Bildungsgrad verdrängt werden.

Das ist auch in sich logisch, da Religion kontrafaktisch und erkenntnisnegierend ist.


Die Länder mit den glücklichsten Bevölkerungen und den niedrigsten Kriminalitätsraten, sind gleichzeitig die Atheistischsten.


[….] So ist die Demokratie dort stärker, wo der Bevölkerung Gott im Durchschnitt weniger wichtig ist. Das wiesen Marc Bühlmann von der Universität Zürich und Wolfgang Merkel vom Wissen­schaftszentrum Berlin für Sozialfor­schung nach. Untersucht haben sie 30 Nationen anhand von über 100 empirischen Indikatoren für demokratische Prinzipien wie Freiheitlichkeit, Gleichheit und Kontrolle. („Top Ten“ waren Dänemark, Finnland, Belgien, Island, Schweden, Norwegen, Kanada, die Niederlande, Luxemburg und die USA; Deutschland kam auf Platz elf, die Schweiz auf 14, Österreich auf 20, Italien auf 22, und die letzten Plätze belegten Großbritannien, Frankreich, Polen, Südafrika und Costa Rica.) Die religiösen Selbsteinschätzungen stammt vom World Values Survey, einer großen weltweiten Umfrage, die seit den 1980er-Jahren immer wieder aktualisiert wird.
Atheistischere Länder sind auch friedlicher. Das ergab eine Auswertung des Global Peace Index 2009. Er basiert auf 23 Kriterien – darunter Kriege, Bürgerkriege, das Ausmaß von Menschenrechtsverletzungen und des Waffenhandels, die Zahl der Morde und der Gefängnis-Insassen sowie der Grad an Demokratisierung. Wie friedlich ein Land ist, korreliert positiv mit dem Prozentsatz der Atheisten in diesen Ländern und negativ mit dem Prozentsatz religiöser Menschen, die mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst besuchen. [….]

Matthias Drobinski wird es sicher nie begreifen. Seine Religion hat drei Feinde:
Aufklärung, Bildung und die Zeit.
In der Folge wird die Religion weiter zurück gedrängt werden und das ist auch gut so!