Montag, 8. Dezember 2014

Überparteilichkeit

Es ist doch albern in einem Konflikt zwischen Nationen Position zu beziehen.
Man kann nicht für „die Israelis“ oder „die Palästinenser“ sein.
Man kann nicht für „die Russen“ oder „die Ukrainer“ sein.
Ein ganzes Volk ist a priori heterogen; daher verbietet es sich mit maximaler Pauschalisierung alle Individuen der einen Seite zu dämonisieren.
Etwas anders war das in den klassischen imperialen und kolonialen Angriffskriegen. Das weltweit gewalttätigste und destruktivste Volk waren sicherlich die europäischen weißen Christen, die in alle anderen Kontinente einfielen, um Genozide, Versklavungen und systematisch Ausbeutung zu betreiben.
Vor tausend Jahren hätte ich sicher Partei für die Muslime in Jerusalem bezogen, als die christlichen Kreuzzüge tobten. Vor fünfhundert Jahren hätte ich sicher Partei für die indigenen Völker Amerikas bezogen, als die christlichen Conquistadores einfielen.
Vor hundert Jahren hätte ich sicher Partei für die Philippinen ergriffen, als die Kolonialmacht USA rund 1 Million Filipinos (20 % der damaligen Bevölkerung) umbrachte.
Und vor 70 Jahren hätte ich natürlich für die Russen gehofft, als Hitlers Aktion Reinhard begann, in deren Folge deutsche Soldaten mehr als 20 Millionen Sowjetbürger töteten.
Vietnam war natürlich auch moralisch eindeutig.

In modernen Konflikten ist es aber mit der Schuldzuweisung schwierig, weil die Interessenlage zu komplex ist.
Die Ukraine und Russland haben sich nicht nur deswegen in den Haaren, weil Herr Putin sich schützend vor die von Kiewer Faschisten bedrohten Minderheiten stellt. Es liegt auch nicht nur daran, daß sich freundliche demokratische Ukrainer gegen den aggressiv-landraubenden Russen-Zar wehren.
Die Wahrheit liegt noch nicht mal nur dazwischen, sondern ist vieldimensionaler.
20 Jahre nahm der Westen keine Rücksicht auf Russland. Die Krim war tatsächlich die längste Zeit ihrer Geschichte russisch und ist bis heute überwiegend russisch bevölkert. Umgekehrt blickt die Ukraine zu Recht skeptisch auf die ökonomische Übermacht der Russen. Andererseits wurde tatsächlich im Januar dieses Jahres ein ziemliche rechtmäßig gewählte Werchowna Rada ebenso wie die rechtmäßige Regierung unter Ministerpräsident Mykola Asarow mit westlicher Unterstützung weggeputscht und dann von einer nicht legitimierten Regierung, der mehrere Faschisten angehörten, ersetzt.
Und was gegenwärtig militärisch in der Ostukraine genau passiert, weiß kein Mensch.

Im „heiligen Land“ kommt erschwerend noch die Religion hinzu. Da prügelt man seit Dekaden mit solcher Verve aufeinander ein, daß es einfach ist Position für eine Partei zu beziehen, weil man unendlich viele Grausamkeiten der Anderen aufzählen kann.

Manchmal scheint es leicht Partei für den Underdog zu beziehen. Über viele Jahre war es unbestrittener westlicher Konsens im Iran-Irakkrieg auf der Seite Saddam Husseins zu stehen. Das war so klar, daß die USA Saddam mit Waffen und Zielkoordinaten versorgte.
Ebenfalls um 1980 ging es mit einer scheinbar ebenso eindeutigen Gut/Böse-Situation in Afghanistan los. Voller Sympathie drückte der Westen Osama bin Laden und den Mudschaheddin die Daumen. Es sollte nicht so lange dauern, bis sich die Sympathien in völlige Antipathie verkehrte, bis Saddam und Osama zur Inkarnation des Bösen hochstilisiert wurden.

Ich meine, daß die Nordafrikanischen und Nahöstlichen Diktatoren bald anders gesehen werden.
Der Westen hatte lange mit geradezu grotesk absolutistischen Typen wie Gaddafi, Präsident Ben Ali und Mubarak oder Assad zusammengearbeitet.
Die größten Unterstützer dieser Diktatoren waren übrigens die christlichen Minderheiten; die es beispielsweise im Irak so gut hatten, daß der Christ Azis sogar Saddams Stellvertreter wurde.
Dann fanden wir, der Westen, all die eben noch hofierten Staatschefs auf einmal ganz doof und erfreuten uns an demokratischen Entwicklungen. Nun waren Ben Ali, Assad und Mubarak plötzlich bähbäh. Wie es in diesen Ländern heute ohne eine harte diktatorische Zentralmacht aussieht, kann man daran ausmachen, daß die rund 20 Millionen orientalischen Christen eigentlich nur noch die Auswahl zwischen sofort geköpft werden und Flucht haben.

„Die Libyer“ oder „die Ägypter“, die allesamt nach deutschem Vorbild eine total liebe, pluralistisch-tolerante Demokratie aufbauen wollten/sollten, sind in der Praxis irgendwie ungemütlich.

Es ist mir nach wie vor ein Rätsel wieso nicht vorher die Alternativen bedacht wurden. Daß Länder wie der Irak oder Libyen ethnisch extrem heterogen sind, ist doch für niemanden überraschend. Außer für George Bush womöglich. Ihm hatte ja niemand gesagt, daß es zwei verschiedene Sorten des Islam gibt.

Umso erstaunlicher, daß die westeuropäische Presse wieder bereitwillig ein extrem simplifiziertes Schwarzweiß-Bild im Ukrainekonflikt zeichnet.
Im Westen die guten, demokratisch unterstützenswerten Demokraten, die alle altruistisch veranlagt Gedichte lesen und nach Rosenwasser duften.
Im Osten hingegen der böse, großmannssüchtige Russe, der gerne Schwule verprügelt und Putin vergöttert. Dabei werden die Begriffe „Putin“; „Kreml“ und „Russland“ synonym benutzt, als ob es gar keine andersdenkenden Russen gäbe.
Dabei ist längst eine Post-Ostwestkonfliktische Generation nachgewachsen.
Und selbst die läßt sich beim besten Willen nicht über einen Kamm scheren.
In einem sehr bemerkenswerten Essay führte das die in Moskau lebende Kaukasierin Alissa Ganijewa (29) letzte Wochen in der SZ aus.

Die postsowjetische Generation in Russland lässt sich schwer auf einen Nenner bringen. In unserem Land wechselten sich die Mikro-Epochen so oft ab, dass die Abstände zwischen den Generationen von den soziologisch üblichen zwanzig Jahren auf zehn schrumpften, wenn nicht sogar sieben bis acht. Ein Mensch, der beim Zusammenbruch der UdSSR gerade die Schule abschloss, denkt ganz anders als einer, der damals gerade in die Schule kam. Und was soll man erst über die 1990er-Jahrgänge sagen!
[….]    Deswegen gibt es unter den 30-Jährigen naturgemäß viele Menschen, die sich irgendwie, vage, mit der sowjetischen Vergangenheit identifizieren. Für viele gilt die Aufmerksamkeit der äußeren Hülle: In der Mode herrscht ein Retrotrend mit T-Shirts, Clubs und Supermärkten mit dem Schriftzug "UdSSR".
Die Nachfrage nach Sowjet-Chic wurde auch von oben befördert - zuerst durch die Rückkehr zur Melodie der sowjetischen Nationalhymne im Jahr 2000, dann über politische Jugendbewegungen wie "Die Unsrigen" oder "Die junge Garde". Ich erinnere mich, wie ich als gebürtige Kaukasierin - im Kaukasus werden Ehen oft von den Eltern arrangiert - vor ungefähr acht Jahren einen der vorgeschlagenen Verehrer abwies, weil er Aktivist einer kommunistischen Jugendorganisation war. Die Kupplerin hatte mir das damals als Karrierevorteil präsentiert.
[….]  Für die 20-Jährigen ist die UdSSR wie die Zeit der Dinosaurier, weit entfernt und unvorstellbar. Andererseits kann man nicht sagen, dass diese Generation hundertprozentig liberal und eurozentrisch wäre. Unter ihnen finden sich auch solche, die man in Russland "Vatniki", "Steppjacken", nennt - ein Schimpfwort für die radikal konservative Unterschicht, die Homosexuelle verfolgt, die im Ukraine-Konflikt für die "Befreiung Neurusslands von faschistischen Okkupanten" eintritt und die sich für sogenannte Werte starkmacht, also gegen Spitzenunterwäsche, öffentliche Lesungen von Klassikern, wenn es dort vulgäre Worte gibt, und gegen die doppelte Staatsbürgerschaft.  Es gibt aber auch andersherum gepolte Radikale, die dogmatisch alles verurteilen, was in Russland passiert. Die beiden Gruppen bekriegen sich permanent in Internetforen und sozialen Netzwerken; ein Interesse an Nuancen oder an der Wahrheit haben sie nicht. Diese Schwarz-Weiß-Wahrnehmung der Welt ist sehr gefährlich, aber typisch für die russische Jugend.
[….]  Heute trifft man in Russland junge Menschen, die unerklärliche Chimären sind. Ich habe einen Bekannten, der gleichzeitig aufgeklärter Liberaler und russischer Nationalist ist. Eine andere Bekannte ist mit 28 leidenschaftliche Kommunistin - und dabei aber sehr fromm. Solche paradoxen Weltsichten sind häufig. [….]  

X-fach wies ich auf die Absurdität dessen hin jemanden zu verurteilen, nur weil er den Versuch unternehme „Russland zu verstehen“, daß es völlig gaga ist das Wort „Russlandversteher“ als Schimpfwort zu verwenden.

Aber in der lupenreinen Merkel-Demokratie reicht es eben noch lange nicht aus, wenn einmal das Richtige gesagt oder geschrieben wird.

Nein, es muß auch mit genügend publizistischer Power rüberkommen.
Das erreichen beispielsweise Promis. Und ich spreche nicht von den Z-Gestalten aus dem Dschungelcamp, sondern meine echte A-Promis.
Dann hört man zu, ventiliert ihr Anliegen und berichtet auf einmal doch in ihrem Sinne. Jetzt unterzeichneten 66 deutsche Superpromis einen Appell wider die Dämonisierung Russlands.

 [….] Roman Herzog, der Alt-Bundespräsident von der CDU hat unterschrieben und Hans-Jochen Vogel, der alte Sozialdemokrat. Unterschrieben haben Luitpold Prinz von Bayern, der Urenkel des letzten bayerischen Königs und der Astronaut Sigmund Jähn, der Benediktiner- Pater Anselm Grün und der Altkanzler Gerhard Schröder. Unterschrieben haben Schauspieler wie Mario Adorf und Klaus Maria Brandauer, Schriftsteller wie Christoph Hein, Regisseure wie Wim Wenders, Verteidigungsexperten wie Horst Teltschik, einst Sicherheitsberater von Helmut Kohl und Walther Stützle, einst Verteidigungsstaatssekretär. Unterschrieben haben Otto Schily, der ehemalige Minister für Recht und Ordnung von der SPD, Erhard Eppler, der frühere SPD-Entwicklungshilfeminister, Antje Vollmer, die frühere Vizepräsidentin des Bundestags von den Grünen und Burkhard Hirsch, der frühere Vizepräsident des Bundestags von der FDP.
[….] Der Aufruf ist Ausdruck einer berechtigten Befürchtung, die auch den Altkanzler Helmut Kohl in seinem jüngsten Europa-Buch plagt: "Im Ergebnis müssen der Westen genauso wie Russland und die Ukraine aufpassen, dass wir nicht alles verspielen, was wir schon einmal erreicht haben". [….] Kohl ist zu Recht befremdet über die Ausgrenzung Russlands; er verurteilt zu Recht, dass sich die G-7 Staaten im Juni ohne Russland getroffen haben, dass sie das Land aus dem Treffen der größten Industrienationen der Welt hinausgedrängt haben. Das war nicht Diplomatie, das war Gehabe.
Gehabe ist der Geschlechtstrieb der Politik. Polternd-herablassende Sprache gehört auch zum Gehabe. Solches Gehabe beherrscht nicht nur Putin ausgezeichnet, Obama kann es auch. Es war wenig hilfreich, dass er Russland als "Regionalmacht" verhöhnt hat; ohne die "Regionalmacht" sind die großen Weltkonflikte nicht zu lösen. [….] Die Motive des anderen zu verstehen, ist Grundlage für alle Verhandlungen. Wer das schmäht, wer nicht mehr verstehen will, der will nicht mehr verhandeln. Das wäre absolut nicht mehr zu verstehen.
Angela Merkel, deren Russland-Kurs von ihren Vorgängern als zu harsch kritisiert wird, muss diese Kritik annehmen und mit ihr klug umgehen - diese Kritik also verstehen. [….]

Sonntag, 7. Dezember 2014

Bitte zurück ins Erdloch.



Diese Johanna Wanka ist auch so eine Polit-Sinnlosigkeit, die unter dem medialen Radar hindurchschlüpft, keinerlei nennenswerte Leistung erbringt und ob ihrer bedingungslosen Treue zu Angela Merkel kontinuierlich mit schönsten Posten versorgt wird.
Darin steht Wanka ihrer ultrafrommen Vorgängerin Schavan in nichts nach. Auch sie hat in den fast zwei Jahrzehnten als Ministerin die Bildungssituation kontinuierlich nur verschlechtert, bestenfalls verwaltet.

Das ehemalige FDJ-Mitglied Wanka machte noch in der DDR akademische Karriere – ganz so wie ihre drei Jahre jüngere Kollegin Angela Merkel.
Nach der „Wende“ war sie plötzlich stramm konservativ, zog von 2000 bis 2009 als Ministerin in Brandenburgs Kabinett ein. Als die CDU dort 2009 aus der Regierung flog, landete Wanka weich auf einem Ministerposten unter dem CDU-Mann Christian Wulff und seinem Nachfolger David McAllister in Niedersachsen. Als auch dieser abgewählt wurde, zog sie weiter ins Bundeskabinett.

Letzten Donnerstag passierte mir nachts wieder einmal das, was man wirklich niemanden wünscht.
Ich zappte aus Versehen in die Wiederholung der Will-Plapperrunde, in der es um die stalinistische Machtübernahme in Ostdeutschland ging.
Im Studio saßen Dietmar Bartsch, Johanna Wanka, Yasmin Fahimi und Wolfgang Bok.
Wanka war offenbar irgendwo 1994 stehengeblieben und reaktivierte Peter Hintzes „Rote Socken“-Kampagne.
Man staunt.
Während Bodo Ramelow in Niedersachsen als Gewerkschaftler arbeitete, saß Marion Walsmann, die heutige CDU-Abgeordnete in Erfurt von 1986-1990 als linientreue Blockparteifrau in Honeckers DDR-Volkskammer und bejubelte das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens.
Walsmann verschweigt den Aspekt ihrer Biographie gerne. In ihrem Lebenslauf auf ihrer eigenen Website sind diese fünf Jahre einfach verschwunden.
Wenn man die CDU-Blockflöte drauf anspricht, wird sie giftig. Schon lange werden Aufklärer in den eigenen Reihen gnadenlos weggebissen.

Ostdeutsche CDU-Funktionäre reagieren empfindlich, wenn sie auf ihre Vergangenheit als Blockpartei-Mitglieder angesprochen werden. Das hat jetzt die Erfurter Christdemokratin Anni Bellers, 44, erfahren. Sie wurde in der Thüringer CDU zur Unperson, weil sie seit Jahren gegen jene Funktionäre in ihrer eigenen Partei streitet, die zu DDR-Zeiten in der Block-CDU eng mit der SED kooperierten. […]
Dem thüringischen Kultusminister Dieter Althaus beispielsweise warf sie vor, zu DDR-Zeiten "als Schulleiter selbst die Kinder indoktriniert" zu haben. Die Erfurter Parteivorsitzende Marion Walsmann mußte sich von Bellers fragen lassen, ob sie als CDU-Volkskammer-Abgeordnete mitgeklatscht habe, als das DDR-Parlament nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 die Freundschaft zur Volksrepublik China bekräftigte. [….]
Jetzt gibt Bellers entnervt und desillusioniert auf. In einem Schreiben an CDU-Generalsekretär Peter Hintze, den Thüringer Landesgeschäftsführer Andreas Minschke und ihren Erfurter Kreisvorstand meldet sich die Christdemokratin, die zwei Jahre lang stellvertretende Vorsitzende der Partei in Erfurt war, vergangene Woche aus der Ost-CDU ab.  Bellers: "Wer in enger sozialistischer Verbundenheit mit den SED-Oberen Kumpanei betrieb, hat heute kein Recht, die Fortsetzungspartei PDS anzugreifen, dabei seine eigene belastete Vergangenheit ignorierend."

Für die CDU sitzen im Thüringer Landtag nicht nur einstige Blockflöten, die stets mit der SED stimmten, sondern auch einstige SED-Mitglieder. Aufarbeitung der Vergangenheit bei der Union? Bisher Fehlanzeige.

Was für eine bodenlose Frechheit der Sächsin Wanka ausgerechnet Frau Fahimi und die SPD wegen des SED-Unrechts anzupflaumen.
Die SPD ist die Partei, die ein echtes Opfer war und nicht wie die CDU eng verbandelt mit dem SED-Regime war. Fakten und Wahrheit umgeht die Bundesbildungsministerin prinzipiell in weitem Bogen.

"Ich bin froh, dass ich heute wählen kann, das konnte ich zu Ihren Zeiten nicht", sprach Johanna Wanka, ihres Zeichens Bundesbildungsministerin. […] Eine Wahl Bodo Ramelows könne sie "nicht gut aushalten", bekannte die ostdeutsche CDU-Politikerin denn auch, dieweil der Angesprochene, Linken-Fraktionsvize Dietmar Bartsch, ziemlich fassungslos dreinblickte und sich womöglich fragte, wann er Frau Wanka jemals am Wählen gehindert hat. Spätestens mit dieser Szene dürfte auch dem letzten Zuschauer gedämmert haben, dass es bei Anne Wills Talkshow zum bereits sattsam erörterten Thema nicht besonders sachlich zuging.
Das schien aber durchaus im Interesse der Moderatorin zu sein, die sich sichtlich bemüht zeigte, ihre immer wieder gern mit einem seltsam verschwurbelten "Ich mag jetzt..." eingeleiteten Fragen mit möglichst viel platter Provokation zu versehen; schon der Titel der Talkrunde mit der "Angst vorm roten Mann" hatte diesbezüglich ja einiges ahnen lassen. Zusätzlich brachte sie noch mehrfach "das Gewissen" ins Spiel, so als ginge es hier nicht um einen demokratisch legitimierten Machtwechsel, sondern um die Verabredung zu einem Delikt.
[…] Diverse Länderbilanzen wurden im Wahlkampfmodus zitiert. Unisono priesen Wanka und Bok einerseits die bisherigen Erfolge der Landespolitik, um andererseits angesichts des bevorstehenden "Staatskapitalismus" (Bok) sorgenvoll vor so etwas wie einer ruinösen Wiedererstehung der DDR im Großraum Erfurt zu warnen, wobei dem neuen Bündnis wahlweise Gestrigkeit und fehlende Innovationsfähigkeit oder, alternativ, die finstere Absicht eines grundlegenden Systemwechsels unterstellt wurde. […]  (Mathias Zschaler 04.12.14)

Die SPD-Generalin warf Wanka daraufhin vor, die CDU solle sich lieber überzeugend von der AfD mit ihren rechtsradikal-xenophoben-homophoben Ansichten abgrenzen.

Nun wurde Wanka regelrecht schrill. Offenbar hatte Fahimi einen wunden Punkt getroffen.
Mit Händen und Füßen wehrte sie sich, verlangte eine Entschuldigung von Fahimi und wies auf Parteitagsbeschlüsse hin, die eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD ausschlössen. Alles andere wären bösartige Lügen. Niemand in der Thüringischen CDU spräche mit der AfD.
Schon in der Sendung sagte die SPD-Generalin ruhig und sachlich, daß der Thüringische Fraktionschef Mohring das offensichtlich anders sehe.
Wanka schnappte nach Luft und versicherte eindrücklich und mehrfach, daß auch Mohring nicht mit der AfD rede.


Die Planungen der CDU in Thüringen, gemeinsam mit der AfD bei der Ministerpräsidentenwahl am vergangenen Freitag einen eigenen Kandidaten gegen Bodo Ramelow von der Linkspartei ins Rennen zu schicken, waren offenbar deutlich weiter fortgeschritten als bislang bekannt. Nach Recherchen des SPIEGEL unterrichtete CDU-Fraktionschef Mike Mohring die Thüringer CDU-Fraktionsführung am 4. November von konkreten Überlegungen für den Fall einer Kampfkandidatur gegen Ramelow: "Mindestens muss klar sein: Die CDU muss stehen, und die AfD muss stehen. Also wenn, muss ich mit 45 Stimmen da rausgehen." Sein Draht zur AfD sei "gut", sagte Mohring weiter. Er treffe sich diese Woche mit AfD-Vertretern. "Und dann muss man das besprechen."
Mohring behauptete in der kleinen Runde zudem, dass er die Zustimmung von Kanzlerin Angela Merkel für den Flirt mit der AfD habe. Auch der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke bestätigte "ein Treffen und danach regelmäßige Telefonate". [….]

Die Verlogenheit der CDU kennt keine Grenzen.
Geradezu manisch schadet sie nun auch noch dem Thüringischen Steuerzahler, um Ramelow das Arbeiten zu erschweren.
Ein Wähler mit auch nur einem Funken Anstand und Verstand kann nicht die CDU wählen.
Aber wer sieht das schon, wenn die Presse Angela Merkel immer nur abfeiert?
Bis auf Ausnahmen natürlich.
Der Tagesthemenkommentar war gut:

Man kann das rot-rot-grüne Bündnis in Thüringen und die Wahl von Bodo Ramelow zum ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei gut finden oder schlecht - für beide Sichtweisen mag es Gründe geben. Aber das Lamento der Verlierer-CDU wie der CSU ist an Verlogenheit kaum noch zu überbieten.
Die christdemokratischen und christsozialen Heulsusen blenden die unrühmliche Vergangenheit ihrer Partei in der DDR dermaßen frech aus, dass man es schon unverschämt nennen muss. Ramelows Wahl sei "ein Tag der Schande für das wiedervereinigte Deutschland" tönt es aus der Union, ein Schlag ins Gesicht der SED-Opfer, eine Beleidigung für die Menschen, die vor 25 Jahren in der DDR für die Freiheit auf die Straße gegangen seien. CDU-Generalsekretär Peter Tauber warnt SPD, Grüne und Linkspartei in Thüringen "Geschichtsklitterung" vor.
Dabei ist es die Union, die mit ihren moralisierenden Schimpfkanonaden skrupellos klittert. Augenscheinlich ist vergessen, wie ungeniert sich die CDU des legendären Einheitskanzlers Helmut Kohl nach dem Fall der Mauer die DDR-CDU mitsamt deren Vermögen einverleibte, obwohl die es kaum weniger schlimm als die SED getrieben hatte.
Dass die Ost-CDU als Blockpartei fest an der Seite der SED mitverantwortlich für das DDR-Unrechtsregime war, störte die Parteifreunde im Westen nicht. Mit Pathos und Absingen der Nationalhymne schlossen sich im vereinten Deutschland die Christdemokraten aus Ost und West zusammen.
Bedenkenlos wurden Männer in höchste Staats- und Parteiämter gehievt, die noch kurz vorher Mitläufer oder sogar Mittäter im repressiven DDR-System waren: Erster CDU-Ministerpräsident nach dem Mauerfall wurde beispielsweise in Thüringen Josef Duchac, ein Politiker, schon zu DDR-Zeiten ganz oben, dessen Vergangenheit gewiss sehr viel kritischer zu bewerten war als heute die Vergangenheit des linken Wessis Bodo Ramelow.
Vergessen und faktisch vergeben, was der Vorsitzende der CDU-Ost, Gerald Götting, noch kurz vor dem Zusammenbruch der DDR herausposaunt hatte: "Unsere historische Entscheidung für den Sozialismus, für die Teilnahme an seinem Aufbau in der Deutschen Demokratischen Republik war richtig und hat sich bewährt." Und dass im Zentralorgan der DDR-CDU jedes Jahr zum 13. August die Mauer gefeiert und damit die Mauertoten verhöhnt wurden - Schwamm drüber. […]
 (Christoph Lütgert, NDR, 06.12.14)

Daß sich die West-CDU eine zweite DDR-Blockpartei, nämlich die "Demokratische Bauernpartei Deutschlands", die DBD, einverleibte, erwähnt Lütgert nicht.


Samstag, 6. Dezember 2014

Meine populärpsychologische Familiengeschichte


Meine Mutter war das sechste von sechs Kindern meines Opas. Die klassische Nachzüglerin. Eine späte Überraschung.
Ihre älteste Schwester wurde 1911 geboren. Auch sie war wohl ein Ausrutscher. Dann folgten die weiteren Geschwister 1920, 1921, 1923 und 1930. Als meine Mutter in Hamburg geboren wurde, regierte ein gewisser Adolf Hitler schon seit einigen Jahren.
Opa hatte damals einige geschäftliche Schwierigkeiten, weil seine Schwester, meine Großtante mit einem politisch aktiven Kommunisten verheiratet war.
Das nationalsozialistische System war von Willkür gekennzeichnet. So blieb Opa selbst von schweren Repressalien verschont.
Selbst zu alt, um noch Soldat zu werden, arbeitete er in einer „kriegswichtigen Angelegenheit“ indem er Messinstrumente für Flugzeugcockpits fertigte.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion schickte man ihm einige feinmechanisch ausgebildete russische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in die Firma. Was Opa davon hielt, weiß ich nicht.
Allerdings befand er, daß die Russen viel zu mager waren und schickte sie erst mal zu meiner Oma nach Hause, um sie aufzupäppeln. Oma war froh, weil sie dringend einen Babysitter für meine Mutter brauchte.
Und dann kam es wie es kommen mußte. Oma und Opa wurden denunziert. Und irgendein NSdAP-Offizieller überprüfte wo denn die russischen Kriegsgefangen wären. Jedenfalls nicht da, wo sie arbeiten sollten.
Man fand sie schließlich sich sonnend in Omas Garten, während meine Mutter sie mit ihrem Puppenwagen unterhielt und russisch lernte. Sie war so froh endlich jemanden zu haben. Ihre Geschwister waren fast alle erwachsen und aus dem Haus, Oma und Opa 24h am Tag damit beschäftigt den Kriegsalltag zu bewältigen. Nie hatte jemand richtig Zeit für sie. Und nun ein ganzer Haufen junger Männer, die sich nur um sie kümmerten. Das fand sie toll!
Der NSdAP-Mensch war weniger begeistert.

Als der Krieg zu Ende war und man sich endlich wieder bewegen durfte, kratze Opa alles was er hatte zusammen und kaufte sich einen gebrauchten VW-Käfer, steckte drei seiner Kinder auf den Rücksitz und fuhr los. Bis nach Portugal.
Die Enge Nazi-Deutschlands mußte durchbrochen werden.
Ein erwachsener Bruder meiner Mutter reiste gleich für ein halbes Jahr weiter nach Afrika.
Noch in den 1950ern schwang sich meine Mutter mit einer Freundin in eben jenen VW-Käfer, der inzwischen zum Cabrio umgebaut worden war und fuhr gen Süd-Ost. Über ein Jahr waren die beiden Mädchen unterwegs. Über die legendäre Autoput nach Jugoslawien, Türkei, Syrien, Libanon, Israel bis in die Levante.
Ich habe natürlich oft gefragt wovon sie eigentlich gelebt haben, aber das war erstaunlich unkompliziert. In den meisten Gegenden hatte man noch nie Deutsche gesehen und schon gar nicht zwei junge Frauen, die Auto fuhren.
Der IS war noch nicht erfunden, dafür aber die berühmte orientalische Gastfreundschaft. Sie wurden also fast immer in irgendwelche Familien eingeladen und in all der Zeit nicht einmal belästigt.

Als sie zurück in Deutschland war sprach sie recht gut türkisch und akzeptabel arabisch, prallte dann aber auf die spießige Adenauerzeit.
In meinem Besitz existiert eine schriftliche Nachricht der Polizei an meinen Opa. Beigelegt ist eine anonym geschriebene Karte eines „empörten Bürgers“, auf der die Rocklänge des Fräulein X. beklagt wird. Die Polizei bittet daraufhin meinen Opa eindringlich darum seine Tochter (die inzwischen Mitte 20 war) auf züchtigere Kleidung einzunorden.
Da war Deutschland wieder so klein.
Und offenbar war der Entschluß meiner Mutter dieses Land endgültig zu verlassen schon ausgereift.
Sie folgte ihrer gleichaltrigen Cousine, die ebenfalls von der Reiselust meines Opas angesteckt, nach New York ausgewandert war.

Mein Vater wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Kaff in Pennsylvania auf. Sein Vater, mein amerikanischer Opa fiel mit 30 Jahren tot um. Oma stand mittellos mit drei kleinen Jungs da und mußte arbeiten gehen.
Sozialhilfe und KITAs gab es nicht. Also gab sie die Kinder tagsüber bei dem alten Onkel Francis ab. Der hockte bei Wind und Wetter mit seinem Gewehr auf der Veranda, erklärte seinen Neffen, daß Juden Hufe hätten und er nicht reingehen könne, da er beabsichtige jeden „Nigger“ der sich seinem Haus nähere sofort zu erschießen.
Das war keine gute Lösung.
Oma, als fromme Katholikin, gab ihre Jungs daraufhin lieber zu dem Priester. Der hatte zwar die gleichen Ansichten über Juden und „Negros“, aber immerhin kein Gewehr im Anschlag.
Etwas anderes als „Neger erschießen“ erforderte seine ganze Aufmerksamkeit. Die drei Jungs im Alter zwischen acht und zehn Jahren könnten womöglich eines Tages onanieren.
Dem mußte vorgebeugt werden, indem er sie zur Sicherheit jeden mindestens einmal pro Tag ordentlich verprügelte. Der Gottesmann tat das in bester Absicht. Wußte er doch, daß sie mit einer allein erziehenden Mutter lebten – ohne einen Vater, der kräftig zuschlagen konnte. Und so viel war für den Mann der Kirche klar: Wenn man Kinder nicht regelmäßig verprügelt, können gefährliche Onanisten aus ihnen werden.
Oma fasste schließlich den Entschluß, daß es so nicht weitergehen könne.
Kurz nach dem Krieg packte sie ihre Kinder ein, fuhr nach Manhattan und ging dort in die CITY BANK. Dem verblüfften Mann am Schalter verkündete sie, daß sie dort als Sekretärin zu arbeiten denke. Nein, gelernt habe sie das nicht, aber sie hätten ja schließlich auch keine Bank in dem Dorf aus dem sie kam.
Mein Vater sah in New York erstmals die Typen, vor denen er immer gewarnt worden war: Juden und „Neger“ und Schwule. (Vermutlich sogar Onanisten. Aber das ist Spekulation.)
Und wie das so ist, wenn man aus der Enge der Kleinstadt kommt: Man findet alles gut, was vorher verboten war.
Sein schwarzschwuljüdischer Freundeskreis war später befremdet, als er sich ausgerechnet mit einer Deutschen einließ und diese in einem Coup de Foudre heiratete.
Es passte einfach zu gut. Beide waren die Jüngsten in ihrer Familie, beide wollten immer in die Welt hinaus, beide waren mit 18 zum Entsetzen ihres Umfeldes aus der Kirche ausgetreten und beide waren nahezu vollständig vorurteilsfrei.
New York war für die beiden gerade groß genug, aber das hinderte sie nicht daran wie verrückt weiter zu reisen.
Sie zeigte ihm Europa und er zeigte ihr Amerika.

Offensichtlich kann man in ganz verschiedenen Ecken der Welt die gleichen Sehnsüchte entwickeln.
 Und offensichtlich kann man dabei auch Glück haben.
Was mein Opa nach dem Krieg auf der iberischen Halbinsel entdeckte, ist heute alles verschandelt und überlaufen.
Und ganz sicher würde ich heute meine 19-Jährige Tochter nicht in ein kleines, altersschwaches Auto setzen und ihr viel Glück wünschen auf dem Weg über die Autoput in den Nahen Osten.

Heute ist das Reisen so viel einfacher! Aber die Fremde lockt mich so viel weniger. Meine Abenteuerlust ist unterentwickelt. Fernsehen und Internet geben mir auch so Einblicke, die in den 50ern nur durch „hinfahren“ erhältlich waren.
Städte gucke ich mir gern an. Theoretisch.
Aber das vollkommen überlaufene und mit Souvenir-Buden gepflasterte Prag von 2014 hat eben so gut wie gar nichts mehr mit der Traumstadt aus den 1960ern zu tun, die mein Vater gezeigt bekam.
Ich halte es für ein echtes Elend, daß insbesondere Fliegen so billig geworden ist.
Es sind ja nicht nur Rimini, Lloret de Mar und Mallorca, die von Deutschen überflutet sind, nein, Billigtouristen trampeln inzwischen genauso das Kambodschanische Ankor Wat und das Peruanische Machu Picchu platt.

Was für ein Treppenwitz der Geschichte, daß meine Eltern schließlich mit ihren Kindern in Deutschland sesshaft werden sollten.
Natürlich erklärten meinen Vater alle seine Freunde für verrückt, als er Amerika verließ.

Deutschland gefiel ihm aber.
Sie waren noch gar nicht lange in Hamburg und hatten mit Freunden einen feucht fröhlichen Abend, als mein Vater partypoopte, daß er jetzt aber doch langsam mal schlafen müsse, da er morgen früh aufzustehen hätte.
Meine Mutter erklärte ihm, daß er sich umsonst sorge. Morgen wäre „Buß und Bettag“ und der sei in Deutschland ein Feiertag.
Protestantische Tradition.
Da arbeite niemand.
„Buß- und Bettag“?
Für meinen Vater klang „Booze and bed-day“ ganz ausgezeichnet.
Ja, das war doch mal ein sinnvoller Feiertag!
Das Land gefiel ihm. Sechs Wochen bezahlter Urlaub und „Booze and bed-day“.
Über Jahre hat ihm niemand erklärt, was es mit diesem „Booze and bed-day“ auf sich hatte.
Aber er war doch irgendwie enttäuscht als der „Booze and bed-day“ 1995 vom Katholiken Helmut Kohl als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde.

Früher war eben alles besser.






Dieses Posting ist meiner „Oma Amerika“ gewidmet, die heute 100 Jahre alt geworden wäre.
Sie war ebenfalls, wie meine beiden Eltern, das jüngste Kind ihrer Eltern.
Ihre vier älteren Schwestern wurden alle noch in Galizien geboren. Sie ist die erste aus diesem Zweig der Familie, die in den USA geboren wurde.


Freitag, 5. Dezember 2014

Heute drehen alle durch.



In meinem Zeitungsladen hörte die Inhaberin chillige Paul-Horn-Musik, hatte die Heizung auf volle Pulle aufgedreht, trug eine dicke Angora-Pudelmütze, Strickhandschuhe und jammerte in einem fort, sie könne die Kälte nicht mehr länger aushalten (Außentemperatur in Hamburg heute +7°C; es ist Dezember wohlgemerkt).

Nachdem es dunkel und ein bißchen nebelig wurde, fuhren alle Radfahrer Hamburgs in dunkler Tarnkleidung und ohne Licht immer direkt vor mein Auto.
Ich meine, ich finde es ja richtig und lobenswert, wenn mehr Organe gespendet werden. Aber ich habe keine Lust mir meine Kühlerhaube damit zu versauen.
Und dann das unfassbare Geschehen in Thüringen!
Ramelow ist Ministerpräsident! Ein tiefgläubiger Christ und Gewerkschaftler aus Niedersachsen.
CDU und die meisten Medien sind außer sich vor Entsetzen.

Ob die thüringischen Wähler DAS erwartet haben, als sie bei der Landtagswahl ihr Kreuz bei den Linken machten? Bereits nach 15 Minuten unter Bodo Ramelow als Ministerpräsident ist Thüringen kaum wiederzuerkennen. So wurde der Freistaat umgehend zur marxistischen Räterepublik umstrukturiert; Bananen sind Mangelware; eine Mauer befindet sich bereits im Bau.
Bürgerliche Medien und Boulevardzeitungen hatten zuvor noch vor dem unausweichlichen Systemwechsel gewarnt – vergeblich: Unmittelbar nach Ablegen des Amtseids im Erfurter Landtag begann Bodo Ramelow zum Entsetzen der Anwesenden, diabolisch zu lachen. Seitdem erlässt der Vorsitzende der soeben wieder in SED rückbenannten Linken tiefgreifende Dekrete im Minutentakt. […]

Das war doch klar!
In Hamburg sieht man schon endlose Flüchtlingsströme mit völlig elenden Gestalten aus dem Osten kommen.
Teilweise liefen ausgemergelte Gestalten von Erfurt und Gera barfuß bis hierher um ihr Leben!
Hat Frau Merkel eigentlich schon den UN-Sicherheitsrat wegen der schockierenden Nachrichten aus Erfurt angerufen?
Jetzt können nur noch gezielte NATO-Luftschläge verhindern, daß sich der Stalinismus über ganz Europa ausbreitet!!

Hysterie auch im Süden der Republik.
 Selbst für CSU-Verhältnisse drehen Crazy Horsts Mannen heute richtig durch.
Migranten, Ausländer, Flüchtlinge, Gastarbeiter – wie auch immer man das Pack heute politisch korrekt nennt – sollen nach CSU-Vorstellungen dazu verpflichtet werden NUR deutsch zu sprechen. Auch wenn sie zu Hause unter sich sind.
Guter Plan! Herdprämie, Anti-Ausländermaut – aus München kommen immer neue Schildbürgerstreiche.

CSU fordert Deutsch-Pflicht für zu Hause
[…]  Was die Mehrsprachigkeit angeht, gibt sich die CSU traditionell mit wenig zufrieden. […] In diesen Tagen bereitet CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer den Parteitag vor, am nächsten Wochenende treffen sich die Christsozialen in Nürnberg. Und weil die CSU den Knalleffekt so liebt, steht im Leitantrag zum Thema Integration folgender Satz: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen."
[…] Fünf Seiten umfasst das Integrations-Papier, über das der Vorstand am Montag in München auch noch beraten wird. Es ist alles andere als eine Willkommensschrift. Ein "Gewinn für Bayern" ist demnach nur, wer auf eigenen Füßen stehe, etwas leiste und sich ein gutes Auskommen erarbeite. "Nicht willkommen sind uns hingegen Menschen, die unsere Rechts- und Werteordnung missachten und die Toleranz unserer Gesellschaft ausnutzen wollen. Auch künftig gilt für uns: Keine Zuwanderung in die Sozialsysteme." In Bayern könne man nicht alle Krisen der Welt lösen, heißt es lapidar. Tausende Flüchtlinge konnten in den vergangenen Monaten die Erfahrung machen, was es bedeutet, in Bayern unerwünscht zu sein. Unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen wurden sie in Notunterkünften im Freistaat zusammengepfercht. […] Die CSU rühmt sich sogar damit, dass man in Bayern härter zu Ausländern ist als andernorts. […]

Das bringt mich gerade in Schwierigkeiten.
Ich muß heute unbedingt noch eine Tante in New York anrufen. Sie spricht allerdings überhaupt kein Deutsch. Nun frage ich mich, ob es wohl ausnahmsweise zulässig ist, daß ich in meiner Wohnung auf Englisch telefoniere.
Oder ob ich Seehofer überlisten kann, indem ein Pflaster auf die Laptop-Kamera klebe und mir einen Alu-Hut aufsetze?
Oder ich faxe ihr einfach. Kann der Verfassungsschutz englisch geschriebene Faxe detektieren?

Die armen Niederbayern und Oberschwaben. Wenn die auf einmal alle nur noch Deutsch sprechen dürfen, sind viele von denen völlig von jeder Kommunikation abgeschnitten.
Aber wie weise von Angela Merkel, daß sie Günter Oettinger schon vor Jahren nach Brüssel ausweisen ließ.
Der Mann könnte noch Jahre üben und würde dennoch nie richtig Deutsch lernen.

Der Fairness halber sei erwähnt, daß nicht nur die Schwarzen und Braunen verrücktspielen; nein auch die SPD beamt sich heute zurück in die 50er Jahre.

Eins der größten Hemmnisse für Kleinunternehmer, den mittelalterlichen Meisterzwang, der dringend ersatzlos abgeschafft gehört, will die SPD nun noch einmal festzurren. Das Zwangszunftwesen feiert seine ewige Wiederkehr.
So wird jeder Normalverdiener gezwungen in die Schwarz-Wirtschaft auszuweichen.
Handwerkerstunden kosten in Hamburg gut und gerne 80 Euro. Plus 50 Euro Anfahrt. Außer trickreichen Vermögenden, die solche Kosten abschreiben, kann sich das niemand leisten.
Gesellen mit Jahrzehnten Berufserfahrung werden in die Arbeitslosigkeit gezwungen, weil sie nicht selbstständig Leistungen anbieten dürfen. Jeder Wettbewerb wird zu Ungunsten der Verbraucher unmöglich gemacht.
Friseurinnen, die schon ihr halbes Leben Haare onduliert haben dürfen keinen noch so kleinen Nachbarschaftsladen aufmachen, wenn sie nicht die teure Meisterschule absolviert haben.
Und wozu die grandiose Meisterzwanghandwerkskunst in Deutschland führt, sehen wir ja an den vorbildlichen Bauvorhaben Stuttgart 21, BER und Elbphilharmonie, für die wir weltweit beneidet werden.
Diesen anachronistischen, antifreiheitlichen, antikundenorientierten Wahnsinn rühmt sich die Bundesregierung nun festzuschreiben.
Damit wird auch jede EU-Freizügigkeit ad absurdum geführt. Handwerksbetriebe aus grenznahen Gebieten in Polen, Holland oder Tschechien werden in die Illegalität gezwungen.

Klares Bekenntnis zum deutschen Meisterbrief […]
In der heutigen Plenarsitzung wurde der Koalitionsantrag „Der deutsche Meisterbrief – Erfolgreiche Unternehmerqualifizierung, Basis für handwerkliche Qualität und besondere Bedeutung für die duale Ausbildung“ eingebracht.
[…] Diesen Zustand wollen wir erhalten und festigen. Mit dem Antrag bekennen wir uns eindeutig zum Erhalt des Meisterbriefes und sprechen uns somit gegen eine fortschreitende Deregulierung durch die EU-Kommission aus.
Darüber hinaus wollen wir das deutsche Handwerk weiter stärken. Wir fordern die Bundesregierung unter anderem dazu auf, das Meister-BAföG weiterzuentwickeln, die Tarifbindung im Handwerk zu verfestigen und den Technologietransfer in das Handwerk hinein zu verbessern.

Irgendwas muß heute ins Grundwasser gelangt sein.
Deutschland dreht durch.