Sonntag, 28. September 2014

Deutschlands Platz in der Welt.


Deutschland ist ein großes und wichtiges Land.

Es dominiert die EU und liegt gemessen an der Wirtschaftsleistung auf Platz vier. Es gibt verschiedene Berechnungsgrundlagen der Weltbank für das Bruttoinlandsprodukt; an der Reihenfolge ändert es nichts. Die BIP-Abstände  sind gewaltig hinter China ($9 Billionen), USA ($17 Billionen) und Japan ($5 Billionen). Deutschland liegt irgendwo bei $3,5 Billionen.
Betrachtet man die Kaufkraftparität (PPP), liegt Deutschland sogar hinter Indien ($5 Billionen) mit $3 Billionen sogar nur auf Platz 5 und droht von Russland ($2,6 Billionen) eingeholt zu werden.

Nimmt man die Einwohner als Berechnungsgrundlage, dümpelt Deutschland mit 81 Millionen Menschen nur auf dem 16. Platz hinter:

China 1.365 Mio.
Indien 1.277 Mio.
USA 320 Mio.
Indonesien 249 Mio.
Brasilien 196 Mio.
Pakistan 191 Mio.
Nigeria 174 Mio.
Bangladesch 157 Mio.
Russland 144 Mio.
Japan 127 Mio.
Mexiko 118 Mio.
Philippinen 96 Mio.
Vietnam 90 Mio.
Äthiopien 89 Mio.
Ägypten 85 Mio.

Auch bei der Einwohnerzahl variieren die Angaben.
Das sicherste Kriterium für die Größe eines Landes ist die Fläche.
Hier liegt Deutschland mit 357.022,00 km² blamabel abgeschlagen auf Platz 62 und spielt in einer ganz anderen Liga als die großen drei.

Russland 17.098.242,00 km²
Kanada 9.984.670,00 km²
USA 9.826.675,00 km²

Aber auch das zehntgrößte Land der Erde, Algerien, ist mit 2.381.741,00 km² noch sieben Mal so groß wie Deutschland. Tansania, nur Platz 30 in der Liste der größten Länder der Welt ist mit 947.300,00 km² drei Mal so groß wie Deutschland. Auch der Irak, Schweden oder der Jemen sind alle deutlich größer als Deutschland.

Ich erwähne dies alles, da die Bundesregierung spätestens seit Guido Westerwelle von der wahnwitzigen Idee befallen ist, Deutschland gebühre aufgrund seiner Bedeutung neben dem exklusiven Quintett aus China, Russland, USA, England und Frankreich ein Platz als ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat.
Eine Reform ist seit Jahrzehnten überfällig, aber die Vetomächte dulden das nicht.

Die Veto-Verhältnisse im höchsten UN-Gremium spiegeln immer noch die Nachkriegszustände wider.
Die fünf Vetomächte stimmten lange Zeit so ungefähr mit den Atommächten und den Ländern mit den größten Armeen überein.
Inzwischen gibt es aber mit Pakistan, Indien, Israel, Nordkorea mindestens vier weitere Atommächte. Die Größe und Stärke der Armeen läßt sich besonders schwer vergleichen.
In verschiedenen Aufstellungen nach Waffengattungen landet Deutschland aber nie unter den ersten fünf.
Aber was bedeutet schon Deutschlands TopTen-Rang bei fast 40 Milliarden Euro Verteidigungshaushalt, wenn die Ministerin noch nicht mal in der Lage ist ein paar Handgranaten nach Kurdistan zu liefern, weil die Transportflugzeuge aus dem 1960er Jahren kaum noch flugtüchtig sind?
Die Kampfjets und Hubschrauber sind zu 90% nicht einsatzfähig und die Patriot-Raketenabwehrsysteme der Bundeswehr, die zur Zeit an der türkischen Südgrenze stationiert sind, müssen in den nächsten Wochen abgeschaltet werden, da es offenbar nur eine Handvoll Bundeswehrsoldaten gibt, um die Systeme zu bedienen. Und diese wenigen sind vom Dauereinsatz erschöpft.

Meinen Glückwunsch an Jung, de Maizière, Guttenberg und von der Leyen! Das muß man erst mal schaffen die jährlich rund 35 Milliarden Euro für die Bundeswehr so zu verplempern, daß kein Fluggerät mehr funktioniert.
Immerhin mehr als zehn Milliarden Euro, also 10.000 Millionen Euro sind nur für „Militärische Beschaffungen, Anlagen“ eingeplant.
Und die CDU rühmt sich die Partei zu sein, die mit Geld umgehen kann!

In den Sicherheitsrat will Deutschland aber dennoch.
Die Bundesregierung gibt das unmissverständlich bekannt.

    Die Bundesregierung strebt eine Reform des Sicherheitsrats mit einem ständigen Sitz für Deutschland als Teil einer umfassenden Reform der Vereinten Nationen an. [….]
    Die Rolle Deutschlands hat sich gegenüber 1945 grundlegend geändert. Aus dem "Feindstaat" von 1945 und dem Beitrittsland von 1973 ist – insbesondere seit der Vereinigung – einer der engagiertesten Vertreter eines effektiven Multilateralismus unter dem Dach der Vereinten Nationen geworden. Diese Rolle Deutschlands gehört zu den neuen Realitäten zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Daher wird Deutschland auch seit Beginn der Reformdiskussion von anderen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen immer wieder als natürlicher Kandidat für einen ständigen Sitz genannt.
    Deutschland leistet wichtige Beiträge zur Arbeit der Vereinten Nationen. Es ist nicht nur drittgrößter Beitragszahler, sondern trägt auch auf andere Weise vielfältig zur Verwirklichung der grundlegenden Ziele der Vereinten Nationen bei: Durch die Entsendung von Truppen für internationale Friedensmissionen, durch die Mittel, die es für die internationale Entwicklungszusammenarbeit, nachhaltige Entwicklung und humanitäre Hilfe zur Verfügung stellt und durch sein Eintreten für den Schutz der Menschenrechte in allen Staaten der Welt.

Deutschland rühmt sich also ein großer Geldgeber zu sein.
Aber was heißt das schon in einem Land, das zwar rund 10 Milliarden Euro für Entwicklungshilfe ausgibt, dabei aber viel weniger als das versprochene 0,7%-Ziel der OECD berappt?

Dies entspreche 0,4 Prozent des Bruttonationaleinkommens. […]  Die einzigen Länder, die das Ziel einer Entwicklungshilfequote von 0,7 Prozent erreichten, waren nach OECD-Angaben wie in den Vorjahren Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden.
Die SPD übte trotz der gestiegenen Ausgaben scharfe Kritik an der Bundesregierung. „Es ist eine Peinlichkeit hoch Drei, dass sich Entwicklungsminister Niebel jetzt für das Erreichen einer ODA-Quote von 0,4 Prozent feiern lässt, war doch bereits für 2010 ein Anteil von 0,51 Prozent verbindlich international vereinbart“, erklärte der entwicklungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sascha Raabe. Dass Niebel seinen eigenen Wortbruch nun derart verkünde, sei beschämend.

Für die Ebola-Katastrophe kann Deutschland seit Monaten keine Hilfe organisieren und auch die Lage der syrischen Flüchtlinge ist absolut absurd, wenn man bedenkt, wie über Herrn Schäuble die Milliarden-Steuereinnahmen sprudeln.

Christian Springer, Kabarettist und Gründer des Vereins Orienthelfer berichtete in der Wochenend-SZ wie es wirklich in aussieht.

[….] Als Haiti von einem Erdbeben heimgesucht wurde, gingen beim Deutschen Roten Kreuz 33 Millionen Euro Spenden ein, für Syrien kamen im Jahr 2012 gerade mal 200000 Euro zusammen. Im März 2014 stellt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen fest, dass nur ein Prozent der benötigten Mittel für die Syrienkrise zur Verfügung stehen.
[….] Ein internes Papier der EU spricht davon, dass nur neun Prozent der vorgesehenen Hilfen ankommen, 91 Prozent nicht. Roberta Russo, PR-Offizierin der UNHCR, muss im Sommer 2013 vor der Presse eingestehen, dass die Vereinten Nationen die Essensrationen für Flüchtlinge kürzen müssen. Die benötigten Summen für syrische Flüchtlinge seien nur zu einem Viertel gedeckt. Im Sommer 2014 wird die Säuglingshilfe in Libanon eingestellt. Keine Babynahrung von der Weltgemeinschaft, sorry, no money.
[….] Manch einem kommt die Idee, nach Europa zu gehen. Das ist verständlich, aber aussichtslos. Um ein Visum zu erhalten, kann man an der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Amman natürlich nicht einfach klingeln. Der Antragsteller hat sich wie üblich in ein elektronisches Teminvergabesystem einzutragen. „Nachdem Sie Ihren Termin im System eingetragen haben, erhalten Sie eine automatische Terminbestätigung per E-Mail“, heißt es auf der Internetseite. Damit hat man sich elegant schon der meisten Flüchtlinge entledigt, weil sie im Bombenhagel barfuß und im Schlafanzug aus Syrien geflohen sind, und dabei leider den Laptop mit Highspeedzugang zu Hause vergessen haben.[….] Schon jetzt kommen auf vier Millionen Libanesen knapp zwei Millionen syrische Flüchtlinge.  Das wäre so, als hätten wir morgen in Deutschland vierzig Millionen Flüchtlinge. Ein Wahnsinn. Der Kollaps. [….]
(SZ vom 27.09.2014)

Genauso peinlich das Nichthandeln Deutschlands gegenüber Liberia und Sierra Leone. Die Förderung einer dringend benötigten Ebola-Station des Ola During Childrens Hospital in Sierra Leone lehnten Steinmeiers Beamte ab.

[Werner Strahl], der Vorsitzende der Hilfsorganisation Cap Anamur sitzt in seinem Kölner Büro und schaut sich Videoaufnahmen der geschlossenen Klinik an. [….]
"Aber", sagt Strahl in der Cap-Anamur-Zentrale voller Zuversicht, "jetzt können wir wieder anfangen, weil wir eine Auffangstation haben, wo wir die Kinder screenen können". [….] Vor drei Wochen haben Bauarbeiter und Mitarbeiter von Cap Anamur damit begonnen, die Isolierstation zu errichten, direkt auf einem Grundstück neben dem Kinderkrankenhaus. Als die Hilfsorganisation hörte, dass die Bundesregierung Gelder für eine Ebola-Soforthilfe bereitstellte, nahm sie Kontakt zu zuständigen Abteilung im Auswärtigen Amt auf und stellte einen Antrag auf Förderung des Projekts in Freetown. Es ging um 200.000 Euro.
Vergangenen Freitag erhielt die Organisation, die zuvor nach eigenen Angaben noch nie öffentliche Hilfsgelder beantragt hatte, sondern ihre Projekte bisher über Spenden finanziert, eine Antwort aus Berlin. In einer E-Mail, die SPIEGEL TV vorliegt, lehnt das zuständige Referat für Humanitäre Hilfe die Förderung der Isolationsstation für das Kinderkrankenhaus ab.
Die Begründung: "Das Zuwendungsrecht erlaubt die Förderung bereits begonnener Projekte nicht", heißt es. Da die Bautätigkeiten der Station schon vor einiger Zeit "ohne vorherige Inaussichtstellung und Genehmigung eines frühzeitigen Projektbeginns" durch das Referat in Angriff genommen worden seien, "schließt dies eine Förderung durch das Referat aus".
[….] Mit ihrer Absage zur Förderung des Projekts von Cap Anamur bestraft die Bundesregierung, die seit Wochen wegen ihres zögerlichen Verhaltens in der Ebola-Krise in der Kritik ist, die Hilfsorganisation geradezu für ihr schnelles Engagement vor Ort. "Das ist für uns eine völlig absurde Situation", sagt Cap-Anamur-Chef Strahl. Man habe mit dem Beginn des Baus der Isolationsstation nicht erst auf die Bewilligung von Fördergeldern warten wollen. [….]

Steinmeier erfährt dieses Jahr viel Lob für sein Engagement in der Welt. Unermüdlich ist er unterwegs in Sachen Nahost, Ukraine und Afrika.
Ich begrüße das.
Erfolge kann er allerdings nicht vorweisen. Weder die deutsche Außenpolitik, noch die EU-Außenpolitik haben in den letzten Monaten irgendeinen Forstschritt in irgendeiner Krise bewirkt.
Im Gegenteil; die EU verhält sich gegenüber Russland sogar kontraproduktiv.
Vielleicht könnte Steinmeiers Chefin mehr erreichen; aber ihr sind humanitäre Krisen völlig egal.
Merkel zeigt kein Engagement für Frieden oder Klima.

Obwohl Merkels Macht in Ländern und Kommunen weiter bedenklich erodiert, sitzt sie in der Bundespolitik extrem fest im Sattel.
Sie macht weiterhin ihre Lobbypolitik, hält sich programmatisch zurück und blamiert Deutschland international.
Der Urnenpöbel ist entzückt. Er liebt Stillstand im Kanzleramt. Die CDU-Chefin hat keinen Grund zur Sorge.

Unter großer internationaler Teilnahme findet heute der UN-Klimagipfel in New York statt. UN-Generalsekretär Ban, Obama und weitere 125 Staats- und Regierungschefs wollen endlich zur Tat schreiten.
Nur Merkel fehlt mal wieder. Ähnlich wie bei der Mandela-Beerdigung schwänzt sie gern hochkarätige Treffen, obwohl sie die einzigartige Gelegenheit bieten, unverbindlich und unkompliziert mit anderen Regierungschefs Großkrisen zu besprechen. (Mir war da so, als ob es im Moment durchaus das ein oder andere  Problem in der Welt gäbe….)
Merkel hat dazu aber keine Lust, weil das für sie Positionierungen bedeuten könnte. Sie will sich aber partout auf nichts festlegen und ewig schwamming weiter durch Deutschland mäandern.
Statt sich für die Klimarettung zu engagieren, umschmeichelt die Kanzlerin heute lieber beim BDI-Branchentreffen diejenigen, die das Klima ruinieren.
Der CDU bekommt dieses erbärmlich-kriecherische Verhalten erfahrungsgemäß sehr gut.

Es ist absurd, aber seit einigen Wochen entwickele ich mehr Verständnis für die US-Außenpolitik.
Diese doofen Deutschen kann man doch ruhig ausspähen und belügen. Die kriegen doch sowieso nichts alleine hin, wenn es um echte Krisen geht. Dann jammern sie ja doch nach dem großen Bruder jenseits des Atlantiks.

[…]  Obama, der eigentlich hoffte, die Welt werde ohne US-Soldaten friedlicher sein, hat eher das Gegenteil bewiesen: Niemand ist bereit, Ordnung zu schaffen, wenn es Amerika nicht tut. Während die USA jetzt mit Präzisionswaffen die Öllager der Terroristen angreifen, rechnet die Bundeswehr nach, wie viele ihrer Hubschrauber überhaupt noch fliegen können. Das – berechtigte – Klagen der Deutschen über die NSA-Spionage hat man in Washington auch deshalb nie ernst genommen, weil man wusste: Spätestens nach der nächsten Katastrophe sind die Europäer wieder sehr dankbar für den US-Sicherheitsapparat.
[…]  Zum Glück also ist Obama noch zwei Jahre lang Präsident. Im Welt-Durcheinander zahlt es sich aus, dass im Weißen Haus ein Multilateralist sitzt, aus dessen Sicht die USA nur verwundbar sind, wenn sie überreagieren. Obamas Leitmotiv – „Mach kein dummes Zeug!“ – klingt so vernünftig, als sei es deutsch, und er ist dafür oft verspottet worden. Gewiss, seine Doktrin minimaler Einmischung stand ihm manchmal selbst im Weg: Hätte er sich früher um den Nahen Osten gekümmert, müsste er die Dinge jetzt wohl nicht mit solch großem Aufwand richten.
Aber Vernunft bleibt ein guter Ratgeber, und Obama hat am Ende auch vernünftige Gründe dafür gefunden, Syriens Terroristen anzugreifen. Er wollte nicht einer jener US-Präsidenten werden, die Völkermorde geschehen ließen. […]  (Nicolas Richter, SZ vom 27.09.2014)

Selbstverständlich rechtfertige ich nicht die NSA-Aktionen in Deutschland.
Aber ich kann verstehen, wieso aus amerikanischer Sicht deutsche Proteste nicht ernst genommen werden.
Deutschland ist international unfähig, weil

a)   Die Bundeswehr trotz gewaltiger Geldmittel durch Doofheit im Ministerium gelähmt und nicht einsatzfähig ist.
b)   Die Bundesregierung nicht den Geldhahn aufdreht, wenn es um Soforthilfen geht
c)    Die über alles geliebte Regierungschefin ein demonstratives Desinteresse an globalen Problemen pflegt, ja sogar die entscheidenden Treffen auf dem Weltparkett schwänzt
d)   Keinerlei ernstzunehmenden Initiativen aus dem europäischen Raum zur Entspannung irgendwelche bewaffneten Konflikte kommen
e)   Berlin immer noch ungeniert die Krisengebiete der Welt mit Waffen versorgt.

Ja, der UN-Sicherheitsrat muß reformiert werden.
Aber ich kann nicht erkennen womit Deutschland einen der exklusiven ständigen Sitze verdient hätte.

Samstag, 27. September 2014

M-people



Lange Zeit habe ich die berühmte M-Fraktion der deutschen Bischöfe – Mixa, Müller, Meisner – als die Krönung des kirchlichen Irrsinns angesehen.

Daher heißen meine beiden meistgeliebten Katholiken auch Matthias Matussek und Martin Mosebach. Das sind Doppel-M’s.

Für den organisierten Atheismus in Deutschland ist es wahrlich ein großer Verlust, daß Mixa (abgesetzt wegen Prügel, Lügen und Alkoholismus), Meisner (Abgesetzt wegen Gerontentums) und Müller (versetzt nach Rom als Nr.3 des Vatikans, nachdem er vorbildlich die Aufklärung von priesterlichem Missbrauch blockiert hatte) verschwunden sind.
Ich vermisse Mixa….

Dabei hatte er vom kruden Holocaustvergleich, über Veruntreuung von Geld bis hin zum beherzten Griff unter die Soutanen seiner Priesteramtskandidaten („Bleib hier - ich brauche deine Liebe!“) so ziemlich alles drauf, womit die allerhöchsten Kleriker des Vatikans glänzen.
Noch wichtiger ist natürlich sein hervorragender Draht zum Ratzinger, Joseph, der Mixa äußerst symbolträchtig als erste Amtshandlung seines Pontifikats zum Bischof von Augsburg beförderte.

So lange das Triumvirat der Trottel in Deutschland aktiv war, mochte ich Marx und Mussinghoff nicht recht dazu zählen, weil sie nicht bizarr genug erschienen.

Aber, das muß ich neidlos zugeben, seit Marx zum Kardinal erhoben wurde, den Vorsitz der DBK erkämpfte und zudem auch noch in Franzels exklusives Beratergremium aufrückte, erweist er sich seinem Anfangsbuchstaben würdig!

Er allein wird nach der Ausstrahlung der ARD-Doku über die Kirchenfinanzen durch sein dummdreistes Auftreten hunderte zum Austritt aus seinem Verein bewogen haben.
Und auch beim zweiten Aufregerthema, dem Kinderficken, ist Deutschland mal wieder Schlußlicht. 2011 und 2012 wurden vom Vatikan insgesamt 384 römisch-katholische Priester entlassen; im Jahr 2013 trudelten laut des vatikanischen Innenministers, Erzbischof Angelo Becciu noch einmal gut 600 Anzeigen gegen Päderasten-Priester ein.

Selbst die ultrafromme Tagesspiegel-Religiotin Claudia Keller, kritisiert ihre Kirche. Das will schon etwas heißen!

Erstmals macht der Vatikan einem hochrangigen Kirchenmitarbeiter wegen Missbrauchs den Prozess. In Deutschland dauert die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle noch an. Sehr viel passiert ist bisher nicht.
 [….]Wenn Wesolowski tatsächlich der Prozess gemacht wird,  wäre das ein starkes Signal“, sagt Matthias Katsch, der Sprecher der Betroffenen-Vereinigung „Eckiger Tisch“. In dem Gremium versammeln sich Menschen, die als Jugendliche von Jesuitenpatern missbraucht wurden. „Es wäre ein Zeichen dafür, dass  die Kirche entschieden gegen Täter in den eigenen Reihen vorgeht, egal welche Positionen sie bekleiden“, sagt Katsch. Er hofft, dass dieses Signal auch in Deutschland gehört wird und  auch hierzulande manchen  Bischof  motiviert,   entschieden gegen Missbrauchstäter vorzugehen und auch die Fälle der Vergangenheit aufzuklären.
[…] Von einer solchen Signalwirkung bis nach Deutschland will man in der Deutschen Bischofskonferenz nichts wissen. „Das ist eine rein vatikanische Angelegenheit“, sagte Matthias Kopp, der Sprecher der Bischofskonferenz, am Donnerstag. „Die kommentieren wir nicht.“
Im März hatte die Deutsche Bischofskonferenz ein Forschungskonsortium um den Neurowissenschaftler Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim mit der Aufarbeitung der Fälle sexueller Gewalt in der katholischen Kirche beauftragt. […] Es ist der zweite Anlauf in der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Im Januar 2013 war die Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert – unter anderem an der Frage, wer nach den Akten in den Kirchenarchiven sucht, ob das Forschungsteam in die Archive steigt oder Mitarbeiter der Kirche.
Doch seit März ist nicht viel passiert. Nach wie vor ist unklar, wie viele Bistümer sich in welcher Form beteiligen, bis in welche Zeit die Akteneinsicht zurückgehen soll und wer die Daten bereitstellt. […]

Nur Blitzbirne Marx, der sich in seinem Luxus-Palais immer noch ganz als Fürstbischof geriert, rätselt immer noch wieso Gläubige aus der RKK austreten und weiß nicht was man dagegen tun könnte. Auskünfte über das dreistelligen Milliardenvermögen seiner Kirche in Deutschland, während täglich 20.000 Kinder auf der Welt verhungern und Millionen Flüchtlinge im Elend vegetieren, will Marx nicht geben.

179.000 Menschen kehrten 2013 der katholischen Kirche den Rücken. Suche nach "Gegenmittel"
Mit guter Arbeit in den Pfarreien will die katholische Kirche in Deutschland der Austrittswelle ihrer Mitglieder begegnen. Die Botschaft müsse lauten: "Wir sind für euch da – Tag und Nacht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx, am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda. […..]
Marx betonte, er wolle den Mitgliederschwund nicht schönreden. Aber der Rückgang sei auch durch den gesellschaftlichen Wandel begründet, der nicht allein die Kirche treffe. "Wir werden den Trend nicht einfach brechen können", befand der DBK-Vorsitzende.
Gründe für die Verluste seien die Individualisierung, Säkularisierung und Pluralisierung, sagte Marx. Die Menschen heute seien wesentlich freier bei ihrer Sinnsuche in einer vielfältigen Gesellschaft. "An diesen äußeren Bedingungen können wir nicht so viel ändern", erklärte er. Marx mahnte aber: "Wir müssen das Gespräch mit ihnen suchen."  […..]


Freitag, 26. September 2014

Von Irren umzingelt.



Ein gutes Zitat steht für sich; auch wenn man manchmal vor lauter Zitat-Zitaten gar nicht mehr feststellen kann, wer der eigentliche Schöpfer desselben war.

“Wer mit 20 Jahren kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 Jahren noch Kommunist ist, hat keinen Verstand!”
(Winston Churchill)

„Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.“
(Benedetto Croce)

Zumindest als Metapher läßt sich dieser Ausspruch wunderbar verwenden. Er passt zum Beispiel auch auf Helmut Schmidt, der als junger Soldat in Kriegsgefangenschaft zum überzeugten Sozialdemokraten wurde, sich mit ganzer Kraft für die SPD einsetzte und später gesagt haben soll „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“. 
(Ein Zitat, dessen Urheberschaft Schmidt bestreitet. Aber es passt so schön zu ihm, daß es neun von zehn Journalisten pawlowsch verwenden, wenn sie über Schmidt schreiben.)

Ich mag die psychologische Abwandlung des Kommunismus-Zitats.

„Wer als Jugendlicher kein Philanthrop ist, hat kein Herz und wer als Erwachsener noch kein Misanthrop ist, hat keinen Verstand“
(Tammox)

Die Menschheit als Rasse ist eine so offensichtliche Fehlkonstruktion, daß man sie nicht ernsthaft mögen kann, wenn man sich ein bißchen bemüht über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Es ist nicht nur das Offensichtliche in der Weltpolitik vollkommen gaga, nein der Homo demens zeigt sein Potential als Irrer auch als einzelne Einheit, der man auf der Straße begegnet.
Heute konnte ich beispielsweise einige Interaktionen zwischen laut pöbelnden und wüst gestikulierenden Radfahren mit ihren natürlichen Feinden, den Autofahrern beobachten. Der Zweirädrige saust durch den Gegenverkehr mäandernd dahin, während der Vierräderige in sein Lenkrad beißend eine leicht unnatürliche Gesichtsfarbe annimmt. Den jeweiligen Cortisol-Ausstoß konnte ich aus 50m Entfernung deutlich wahrnehmen.
Von Irren umzingelt.
Außerdem war ich heute im Asia-Supermarkt Vinh Loi und wurde Zeuge einer offensichtlich von Loriot choreographierten Szene an der Kasse. Eine asiatische Frau verlangte vor Wut bebend den Umtausch von einigen Gläschen irgendeiner Currypaste, die sie offenbar vor Wochen in einer anderen Filiale gekauft hatte.
Da die Gläser kaputt gewesen wären, habe sie sie gleich wegschmeißen müssen. Die Kassiererin, ebenfalls Asiatin, argumentierte mit fast ähnlicher Verve dagegen; sie könne schließlich nicht wissen, ob die angeblich kaputten Gläser überhaupt bei ihnen gekauft wurden; oder ob sie überhaupt existiert hätten.
Asiatin A fand es aber Beweis genug, daß sie überhaupt da sei, denn schließlich wohne sie am anderen Ende der Stadt und sei wohl kaum mit dem Bus dahin gefahren um einen 79-Cent-Artikel zu tauschen, wenn es gar nicht stimme.
Asiatin B beklagte sich, daß sie als Angestellte das nicht tauschen dürfe, selbst wenn sie Asiatin A glaube.
Das Lustige war, daß A & B zwar beides Asiatinnen waren, aber keine gemeinsame Sprache hatten. A sprach fließend deutsch und ein Asiatisch, das ich nicht erkennen konnte, B sprach offenbar Vietnamesisch und dazu englisch.
Alle paar Minuten wallte es so auf, daß sie gegenseitig die Smartphones reichten, weil A verlangte den Vorgesetzten zu sprechen und B verlangte einen Zeugen für die kaputten Gläser zu sprechen. Das führte zunächst immer zu noch mehr Geschrei, dann aber wählten sie und kombinierten das empörte Gegenüber mit einer weiteren anderes asiatisch sprechenden Person. Das war toll, so kreischten dann insgesamt vier Stimmen unverständliches Zeug an der Kasse. Es endete dann mit einer Art Unentschieden: B saß mit verschränkten Armen auf ihrem Kassenstuhl, drehte ihrer Widersacherin grimassierend den Rücken zu und schüttelte stoisch mit dem Kopf. A wiederum pflanzte sich mit in die Hüften gestemmten Armen vor dem Kassenlaufband auf und erklärte jedem anderen Kunden im Laden auf Deutsch, daß sie nun erst recht nicht nachgeben werde und einfach dabliebe, bis sie ihr Recht bekäme.
Hätte es keine andere Kasse in dem Laden gegeben, säße ich vermutlich immer noch dort fest und könnte beobachten wie sich zwei Furien ob eines 79-Cent-Curryglases mit Blicken zu töten versuchten.

So sind die Menschen: Durch und durch schlecht.
Wir sind von Irren umzingelt.
Um das zu ertragen, gibt es nur wenige Strategien: Indolenz, extremer Zynismus, Doofheit oder Drogen.

Alle arbeiten immer mehr für irgendwie weniger. Es ist zu voll, zu laut, zu mühsam. Die Ungerechtigkeit wächst jeden Tag. Und so fucking weiter. Jedes Thema, das man untersucht, birgt Infarktpotential, aber bevor auch ich wieder regulierend ins Weltgeschehen eingreife, gönne ich uns einen Moment der Ruhe. [….]  Wir haben nichts zu erwarten. Von keinem. Weder eine bezahlbare Wohnung. [….] Alle Sätze, die mit "Das ist mein gutes Recht..." beginnen, kann man meist mit einem beherzten "nein, ist es nicht" beenden. Es gibt weder das Recht, unversehrt sein Leben zu beenden, noch von Gemeinheiten verschont zu bleiben. Es gibt kein Recht darauf, nicht verletzt, beleidigt, bespuckt zu werden.
Und dass die Welt sich nach dem eigenen Willen formt, gelingt vielleicht einem Menschen, der ohne Kontakt zur Außenwelt in einer Höhle sitzt seit 56 Jahren.
Vielleicht ist es das, was einen so sauer macht an. Die Erkenntnis, dass alles nur Zufall ist, und dass man sich nirgends halten kann, in diesem Meer, in dem man ersäuft an manchen Tagen. In dem Bewusstsein, dass einem nichts zusteht für die Mühsal, die man per Geburt vor sich hat.
Ich wundere mich oft, dass nicht viel mehr Menschen Amok laufen, durchdrehen oder einfach zu schreien beginnen. [….]

Wieder so ein Zitat im Zitat; Ich wundere mich oft, dass nicht viel mehr Menschen Amok laufen; habe ich auch schon vor der Berg-Kolumne oft gelesen und wohlwollend/zustimmend zur Kenntnis genommen.

Immerhin hat unser geliebter Staat erkannt welches Potential in seinen Bürgern schlummert. Lauter Vulkane, die auch ausbrechen könnten, wenn das germanische panem et circenses-System einmal versagen sollte.

Jeder, der auch nur mittelbar in Kontakt mit dem BKA kommt, wird in eine von 18 verschiedene Kategorien eingeteilt. Millionen Menschen werden demnach von den Behörden offiziell als „geisteskrank“ oder „Rocker“ gelistet.
Da es immer mehr Schubladen gibt, ist selbst das BKA verwirrt und steckt eine „Prostituierte“ schon auch mal aus Versehen zu den „Linksextremen“ usw. usf.

Im Bundesinnenministerium ist niemandem an den Zahlen etwas aufgefallen: Zehn Personen seien bundesweit beim Bundeskriminalamt (BKA) als mögliche rechtsmotivierte Straftäter registriert; 3490 dagegen als „Straftäter – linksmotiviert“. Der parlamentarische Staatssekretär Günter Krings (CDU) unterzeichnete die Tabelle und leitete sie an den Linke-Abgeordneten Andrej Hunko, der bei der Bundesregierung angefragt hatte, wie „personengebundene Hinweise“ von der Polizei gespeichert würden.
Hunko fiel etwas auf: Er stellte die Antwort ins Internet und kommentierte: „Das zeigt wie bei deutschen Sicherheitsbehörden immer noch gedacht wird.“ Im Innenministerium hat man sich daraufhin die Tabelle doch noch einmal angesehen – und eine Korrektur hinterhergeschickt. Es habe ein Versehen gegeben, hieß es. In den 18 Kategorien seien Zahlen durcheinandergeraten.
In der korrigierten Tabelle sind es nun nicht mehr zehn, sondern 20 054 gespeicherte rechtsmotivierte Straftäter, nicht mehr 3490 sondern 9763 linksmotivierte. BKA-bekannte Rocker gibt es nicht 92 742, sondern nur 2355. Und nicht mehr 2453, sondern nur noch 102 Personen werden in der Datenbank mit dem Hinweis „Prostitution“ versehen. Bei den beiden größten Gruppen hat sich das Ministerium dagegen nicht verrechnet. 1,1 Millionen Personen sind als Drogenkonsumenten registriert, rund 245 000 als Gewalttäter. Als „geisteskrank“ firmieren 8118 Personen. Auch etwa Suizid- oder Ansteckungsgefahr werden vermerkt.
Die Gesamtzahl der Hinweise ist aber gleich geblieben: Erfasst wurden 1,5 Millionen Personen.

Ich finde es großartig: Der Bürger musstraut seinem Staat und traut seinen eigenen Vertretern in Regierung und Parlament jede Schandtat zu.
Umgekehrt schaffen Regierungsbehörden offizielle Kennzeichen, die für ihre Schäfchen Bezeichnungen wie „geisteskrank“ vorsehen!
Jeder bekommt offenbar doch das was er verdient!

Ein Kontakt mit der Polizei kann unangenehme Folgen haben, auch solche, von denen man selbst nichts bemerkt. Und zwar selbst dann, wenn sich aus der Angelegenheit nie ein Verfahren ergibt, oder ein Verfahren ohne Urteil. Das Bundeskriminalamt hat mehr als 1,5 Millionen Menschen in einer Datenbank mit Stichworten versehen: „Rocker“, „Prostituierte“, Land/Stadtstreicher“ oder auch „BTM-Konsument“, also Nutzer von Betäubungsmitteln. […]
Wer mit dem BKA in Kontakt kam, kann deshalb bislang auch als „Fixer“ gekennzeichnet werden, als „Sexualtäter“ oder als „geisteskrank“. Die Kategorisierung kann nicht nur von BKA-Beamten eingesehen werden, sondern auch von Polizisten in den Bundesländern und vom Zoll. Dort wird sie nach Angaben des BKA auch in das Informationssystem der Polizei („Inpol“) eingetragen.   Das alles ist erlaubt, einerseits, um Beamte zu schützen und andererseits, um die Menschen zu schützen, mit denen die Polizisten Umgang haben. „Freitodgefahr“ und „Hilflosigkeit vermutet“ sind deshalb ebenfalls unter den Etiketten, die zumindest den Vorschriften nach nicht diskriminierend sein dürfen. […]
(Johannes Boie, SZ vom 26.09.2014)

Kein Wunder, daß sich die Bürger eines solchen deutschen Staates nicht über Snowden-Enthüllungen echauffieren.