Samstag, 1. August 2020

Impudenz des Monats Juli 2020


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Nach den ersten paar Wochen des Lockdowns, als eine massive Änderung des Verbraucherverhaltens eingetreten war, spekulierte ich ob die positiven Aspekte wohl auch nach dem Abflauen der Pandemie beibehalten würden.
Könnten die Deutschen begriffen haben, daß man statt billiger Fertiggerichte und Kantinenfraß auch unter Verwendung gesunder, regionaler Zutaten selbst kochen und backen kann; daß dies sogar günstiger ist, besser schmeckt und definitiv besser für die Umwelt, das Tierwohl und das Klima ist?
Würde endlich der apokalyptische Wahn der Billigfliegerei reduziert werden?
Sollte man nicht generell auf diese alberne Virenübertragungshilfe Händeschütteln und Wangenküsse verzichten?
Ist ein Leben ohne die Königsklasse des Totalirrsinns, also Kreuzfahrten möglich?

(….) Der absolute ökologische Irrsinn sind Kreuzfahrten. All die 400 m langen, 70 m hohen Giganten für 6.000 Passagiere und 4.000 brutal ausgebeutete Arbeitssklaven unter Deck.

[….] Der Nabu rechnet vor (PDF), dass ein Kreuzfahrtschiff pro Tag so viel CO2 ausstösst wie fast 84.000 Autos, so viel Stickoxide wie etwa 421.00 Autos, so viel Feinstaub wie etwa über 1 Million Autos und so viel Schwefeldioxid wie gut 376 Millionen Autos.
Die Deutsche Lungenstiftung warnte daher schon vor Jahren: „Lungenkranke, die sich auf eine Kreuzfahrt begeben, sollten sich vor den Abgasen des Schiffes in Acht nehmen.“ [….]
Kreuzfahrtschiffe fahren mehrheitlich mit Schweröl und verbrauchen davon täglich im Schnitt 150 Tonnen. Schweröl ist stark umwelt- und gesundheitsschädlich und deswegen an Land verboten, denn das giftige Abfallprodukt der Petrochemie enthält 3.500 mal mehr Schwefel als auf Europas Straßen für PKW erlaubt wären. […..]


Weltweit gibt es etwa 6.500 Passagierschiffe. Davon sind 500 Kreuzfahrriesen.
500 mal 150 Tonnen = 75.000 Tonnen Schwerölverbrauch pro Tag.
Das entspricht 27.375.000 Tonnen im Jahr.
27 Millionen Tonnen giftiges Schweröl werden jährlich für betrunkene, reiche Kreuzfahrtouristen in die Luft geblasen?
Schluss mit dem Irrsinn. Kein Bailout für Kreuzfahrtreedereien. Alle 500 Schiffe für immer stilllegen. (…..)
Ist die Spezies des weißen, reichen Allemannen lernfähig?

Vier Monate später gibt es eine Antwort. Und die lautet NEIN!

Und so werden die teutonischen Anti-maskers, die Corona-Leugner, die Hildmann-Querfrontler, Ballermann-Zusammenballungen, Corona-cornernde Jugend-Pulks, zusammenklebenden IKEA-Massen, dicht an dicht gedrängten Zoo-Besucher, die alle Regeln ignorieren, Sardinendosen-artig zusammengepresste Ostseeurlauber zur Impudenz des Monats Juli 2020 gekürt.

Die Deutschen sind zu doof für Pandemie. Im ersten Schrecken konnten sie sich ein paar Wochen an Hygienemaßnahmen halten.
Nun aber scheint der Schrecken vergessen und im Angesicht des diese Woche erlebten stärksten Anstiegs der Corona-Fallzahlen überhaupt, allgemein auf eine zweite Welle hingearbeitet werden.

[……] Die Corona-Pandemie breitet sich weiter aus. Laut WHO haben sich innerhalb eines Tages weltweit 292.000 Menschen infiziert - Rekordwert. Auch das RKI meldet für Deutschland steigende Zahlen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet einen Rekord bei der Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Innerhalb eines Tages hätten sich weltweit 292.000 Menschen infiziert, teilte die WHO mit. Die meisten neuen Fällen gab es danach in Nord-, Mittel- und Südamerika mit insgesamt 172.000.
Die meisten neuen Fälle innerhalb eines Landes gab es in Brasilien: Dort wurden 69.000 Fälle gezählt. Knapp dahinter laut WHO: die USA mit 65.000 Neuinfektionen. [….]

Heute kam ich um 22.00 Uhr nach Hause nachdem ich zweimal quer durch Hamburg fahren musste. Hamburg ist heute warm, es ist Samstag und sämtliche Plätze der Gastronomie sind lückenlos besetzt, auf jedem Stuhl sitzt einer, niemand trägt Maske.

In Berlin ballte sich heute die Dummheit im erschreckenden Maß: Myriaden Unterbelichtete zogen ohne Masken, ohne Abstand durch die Hauptstadt, um ein Mega-Ischgl zu generieren.

[…..] Die Populisten auf der Bühne können sich damit brüsten, ein Massenpublikum angezogen zu haben. Angemeldet waren 10.000 Menschen, die Polizei zählte 17.000 Teilnehmer. Die Veranstalter selbst sprachen von 1,3 Millionen. Die Stimmung war teilweise explosiv. Jeder filmte jeden, Passanten hielten den Mittelfinger hoch. Die Gewinner sind auch die Rechtsextremen, die sich mit Reichsflagge strategisch geschickt unter die Demonstranten mischten: mal hier einer, mal da einer. […..]

No hope for the human race.

[….] Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken übte harsche Kritik an den Protesten. "Tausende #Covidioten feiern sich in Berlin als 'die zweite Welle', ohne Abstand, ohne Maske", schrieb sie auf Twitter. "Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft." Dies sei unverantwortlich.
Ähnlich äußerte sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. "Angesichts der neuen Infektionszahlen finde ich diese Anti-Hygiene-Demo in Berlin, in der auch Neonazis mitmarschieren, hochgradig abstoßend und unverantwortlich", schrieb er auf Twitter. [….]

Herman Cains Tod wird heute allgemein als tragisch bezeichnet. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat, Multimillionär, Trump-Freund und Corona-Leugner hatte gegen die Maskenpflicht gewettert und Trumps erste Rally nach dem Lockdown in Tulsa massiv beworben und dort teilgenommen – natürlich ohne Maske.



Aber Cains Tod ist nicht tragisch, sondern schlicht folgerichtig.
Eine Konsequenz seiner Borniertheit.
17.967.563 Millionen Infizierte, 687.259 Tote und ein weltweiter Zusammenbruch der Wirtschaft sind offenbar noch nicht Lehre genug. Die Impudenzler des Monats Juli 2020 müssen wohl erst die Cain-Lektion lernen.

Freitag, 31. Juli 2020

Weswegen ich beim Print bleibe


Zur Papierherstellung benötigt man pflanzliche Fasern, die meistens aus
Holz, Altpapier, einjährigen Pflanzen, Altkleidung oder Cellulose stammt.
Also, Ja, für Bücher sterben Bäume.
Die gute Nachricht ist aber, daß es sich dabei um nachwachsende Rohstoffe handelt. Zunehmend werden auch Abfallprodukte wie Orangenschalen verwendet.

Wenn aber erst einmal mit geringem Energieaufwand ein Blatt der tauenden verschiedenen Papiersorten hergestellt, es bedruckt wurde und schließlich als Zeitung oder hoffentlich als Buch in meiner Wohnung landet, verbraucht es nie wieder Energie und kann (im Tageslicht) über Jahrhunderte, möglicherweise Jahrtausende immer wieder gelesen werden, ohne das Klima zu schädigen oder die Umwelt zu verpesten.
Welcher Bücherwurm begeistert sich nicht für antiquarische Bücher?
Der Wiederverkaufswert ist heute zwar geradezu lächerlich; die Zeiten als Bücher wertvolle Anlagen waren, sind im spätindustriellen Zeitalter längst vorbei.
Aber das tut meiner Liebe zu ihnen keinen Abbruch und daher werde ich mein Leben lang meine Bücherhüten und hegen; insbesondere diejenigen nicht aus der Hand geben, die schon seit Generationen in Familienbesitz sind, in denen es auch mal feine Bleistift-Anmerkungen meines Uropas oder eine Sütterlin-Notiz meiner Oma gibt.
Nicht-antiquarische Bücher; natürlich insbesondere Sachbücher lese ich immer mit einem Stift in der Hand, versehe sie je nach Gefallen mit umfangreichen Anmerkungen und erstelle vorn mein persönliches mit Stichworten versehenes Inhaltsverzeichnis, um bestimmte Stellen später sofort wieder zu finden.
Auch das ist offenbar seit Generationen Usus in meiner Familie. Allerdings sind Anmerkungen meiner Tanten und Großonkel in der Regel aus Respekt vor der teuren Anschaffung mit einem weichen nur sehr zart aufgedrückten Bleistift geschrieben, so daß man sie ausradieren kann.
Meine Lieblingstante, deren Büchererbe ich bin, verwendete dafür Myriaden Büroklammern, um bestimmte Seiten zu verstehen; steckte Zettel mit winzigen Notizen dazu. Manchmal sind es so viele Klammern, daß der Buchrücken schon grotesk schmal gegenüber den verdickten Seiten wirkt.
Als ich jünger war, lieh sie mir nicht gern gelesene Bücher, weil ihr die vielen schriftlich festgehaltenen Gedanken dazu wohl peinlich waren und kaufte mir stattdessen lieber ein neues Exemplar.
Heute faszinieren mich aber die beim Lesen per Bleistift festgehaltenen Assoziationen früherer Leser der Materie.
Oft sind es Verweise auf andere Autoren/Bücher, so daß sich komplexe Assoziationsketten erheben, wenn man dem nachgeht.
Ich selbst verwende seit Jahrzehnten einen ebenfalls mit Bleistift festgehaltenen Humor-Code, kennzeichne damit Stellen, die mich zum Lachen brachten.
Auch das kann zuweilen zu interessanten Selbsterfahrungen führen, wenn man 30 Jahre später das Buch noch einmal liest und heute damals für enorm lustig gehaltene Passagen nur noch etwas albern findet. Oder aber erstaunt feststellt, wie das viel jüngere Ich schon damals auf einen bestimmten Satz reagierte, der heute noch genauso aufregt.

Nachdem ich das erste halbe Jahrhundert hinter mir habe und mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit kein Zweiter vollmachen werde, blicke ich mit skeptischem Abstand auf die heute Jungen.
Heute lesen die Menschen weniger. Natürlich. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch zu meiner Elterngeneration oder Urgroßelterngeneration eine Majorität der Menschen nie las.
Neu sind heute aber viele Alternativen, die auf Zeitungspapier verzichten, indem E-paper oder Online-News-Angebote von Fernsehsendern benutzt werden.
Neu sind die vielen elektronischen Alternativen der Gamer-Szene, der Animes, virtual reality, der Streamingdienste.
Ja, die Art der Medien entwickelt sich weiter. Schellack, Radio, Vinyl, Musikkassette, CD, Videotape, mp3-Player, download.
Die Generation der Streamer kommt oft mit einem extremen Snobismus daher, prahlt voller Pathos davon grundsätzlich keine Printmedien zu nutzen.
Das ist meiner Ansicht nach eine unnötige Borniertheit, um andere Menschen herabzusetzen.
Ich fühle mich davon tatsächlich beleidigt.
Aber meine emotionale Welt soll selbstverständlich kein Mediennutzungskriterium jüngerer Generationen sein.
Etwas anderes aber schon:
Die Nutzer elektronsicher Medien, die Downloader, Streamer, Epaper-Leser, Youtuber, Gamer, E-Book-Leser, Tonlino-Nutzer sind eine Klimapest und verbrauchen kontinuierlich große Mengen Energie.
Eine gestreamte Serie ist dabei sogar noch viel klimaschädlicher als eine gekaufte DVD. Um Letztere abzuspielen, brauche ich zwar auch Strom, aber es ist immer nur der wenige Strom für ein Endgerät, während die Downloader und Streamer nicht nur multimilliardenschwere Tech-Konzerne immer reicher machen, sondern auch gewaltige Umweltschäden durch den aberwitzigen Energieverbrauch ihrer Server verursachen, während ich über meinem klimaneutralen Buch sitze.

[…] Flugscham? Streamingscham! Wie sehr die Digitalbranche das Klima belastet
Über 300 Megatonnen CO2 generierte das Streamen 2018 – so viel wie ganz Spanien [….] Die Künstlerin Joana Moll macht den ökologischen Fußabdruck von Google mit ihrer Netzinstallation CO2GLE sichtbar. Pro Sekunde bräuchte es 23 Bäume, um das weltweite Googeln auszugleichen.
TU-Professor Tilman Santarius wies im Tagesspiegel auf den Zusammenhang zwischen „Bits & Bäumen“ hin – so hieß ein TU-Kongress 2018. Allmählich komme das Thema in der Öffentlichkeit an, aber es mangele an fundierter Nachhaltigkeitsforschung. […..]

Anmerkung: Eine Megatonne sind eine Million Tonnen.
Also entstanden nur durch Streamen bereits im Jahr 2018 bereits 300 Millionen Tonnen zusätzliches CO2 – da kann man sich die Fridays-For-Future-Teilnahme gleich sparen, liebe Jugend. Lest lieber wieder ein Buch und abonniert eine Zeitung.

[….] Eine halbe Stunde Streaming verursacht laut Berechnungen des französischen Think Tanks The Shift Project Emissionen, die 1,6 Kilogramm Kohlendioxid entsprechen - etwa so viel wie bei einer Autofahrt von 6,28 Kilometern. Streaming war demnach im vergangenen Jahr für einen Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich, der genauso hoch war wie der Spaniens. Diese Menge werde sich in den nächsten sechs Jahren voraussichtlich verdoppeln, schätzt The Shift Project. [….]

Dieser klimatische Wahnsinn der Streamer entwickelte sich durch Corona noch viel dramatischer als vor einem Jahr erwartet.

Im vierten Quartal 2019 nutzten 24 Millionen Kunden in Deutschland Netflix, Amazon, Maxdome und Sky.
Ob der Virus-Beschränkungen gingen noch mehr Bürger ins Streaming-Lager; schon jetzt machen Videodateien 75% des Internetdatentransfers aus.

[…..] Eine Stunde Video-Streaming in Full-HD-Auflösung benötigt 220 bis 370 Wattstunden elektrische Energie, abhängig vom verwendeten Endgerät. Das verursacht etwa 100 bis 175 Gramm Kohlendioxid (CO2), also ähnlich wie die Emissionen eines Kleinwagens bei einem Kilometer Autofahrt.
Der Energiebedarf des Video-Streamings hängt stark davon ab, mit welcher Auflösung gestreamt wird. Wird statt mit HD-Auflösung mit einer Auflösung von 4K gestreamt, können pro Stunde fast 1.300 Wattstunden an elektrischer Energie benötigt werden, was in etwa einer Emission von 610 Gramm CO2 entspricht..
Effizienzverbesserungen können künftig zu einer Absenkung des Energiebedarfs des Videostreamings führen. Der Trend zu größeren Bildschirmen und höheren Auflösungen kann diese Entwicklung aber auch kompensieren.
Wer den Energiebedarf und die CO2-Emissionen beim Streamen senken will, kann dies durch die Wahl der Auflösung und des Endgeräts stark beeinflussen. Videostreaming muss nicht mehr Energie benötigen als klassisches Fernsehen oder als die Nutzung von DVDs oder Blu-ray-Disks.
Die Klimawirkung von Videostreaming kann deutlich reduziert werden, wenn es gelingt, die vorhandenen Effizienz-potenziale bei den Streaming-Diensten sowie in den Rechenzentren und Netzen auszuschöpfen und die digitalen Infrastrukturen mit regenerativ erzeugtem Strom zu betreiben. […..]

Ich habe noch nie irgendetwas gestreamt und gedenke auch den Rest meines Lebens ohne solche umweltzerstörenden Techniken auszukommen.      

Donnerstag, 30. Juli 2020

Er will nicht in den Knast!

Der arme Don Lemon wunderte sich vorgestern mal wieder über sich selbst, als er in „Don’s Take“, seinem Eröffnungsmonolog über „Dämonensperma“ reden musste.
Hatte doch just zuvor der mächtigste Mann der Erde im Kampf gegen Covid19 auf die durchgeknallte Esoterikerin Dr. Stella Immanuel verwiesen, die als Krankheits-Ursachen Alien-DNA und Sperma-Träume von Dämonen ausmachte.


Noch vor wenigen Jahren hätte man derartige Meldungen sofort in den Spam-Ordner verschoben, weil niemand eine Sekunde geglaubt hätte, so ein hanebüchener Unsinn könne aus dem Weißen Haus kommen.
Aber inzwischen wissen wir alle, daß der mächtigste Mann der Welt, der die alleinige Befehlsgewalt über das größte und modernste Atomwaffenarsenal hat, bedauerlicherweise nicht nur uninformiert, borniert, ungebildet und dumm ist, sondern darüber hinaus auch noch echte psychische Schäden aufweist.

Wer aber so drastisch versagt und sich öffentlich derartig blamiert, wird nicht von allen geliebt und genau das beklagt der weinerliche Bestätigungssüchtige auch vor der Weltöffentlichkeit.

Wieso tut sich ein derartig fauler Mensch, der es hasst zu lesen eigentlich einen Job an, dessen Hauptvoraussetzung darin besteht über alles informiert zu sein und daher pausenlose Briefings erfordert?

Ich glaube immer noch, daß Donald Trump 2015 und 2016 weder vorhatte Präsident zu werden, noch daran glaubte die Wahl gewinnen zu können.
Es war ein gewaltiges Ego-Streichel-Projekt, das seinen Marktwert steigern sollte.
Immerhin, das konnte er erreichen: Der  inverse Geschäftsmann Trump, der seit Jahrzehnten Pleite auf Pleite folgen ließ, weil er grundsätzlich unfähig ist, konnte immerhin als Präsident seine Taschen aufhalten. Seine Kinder und Freunde werden allesamt bestochen, seine Marke wurde maximal bekannt und all seine Clubs und Hotels erhöhten gewaltig die Preise und Mitgliedsbeiträge, alle internationalen Politiker buchen in Trump-Hotels.
Aber der Job man einfach keinen Spaß. Die anderen Staatschefs, die er mag – Xi, Erdoğan, Putin, Kim – müssen sich nicht mit doofen Richtern, frecher Presse und lästiger Demokratie plagen.
Nur er hat es so schwer und soll auch noch arbeiten, statt gemütlich entweder auf dem Golfplatz zu chillen oder Fernsehen zu gucken.
Wieso will er also auch noch eine zweite Amtszeit?
Er hat doch schon geschafft Präsident zu werden. Wäre es nicht schöner ungeschlagen abzutreten und mit Mitte 70 in Rente zu gehen, um seinen Ruhm zu genießen?

Vielleicht. Aber nach 3 ¾ Jahren im Amt zog er so viel Presseaufmerksamkeit auf sich, daß inzwischen jeder bemerkt hat wie kriminell er ist. Dazu kommen noch die Delikte im Amt: Verrat, Bestechlichkeit.
Es besteht also die durchaus realistische Chance für #45 in den Knast zu wandern, wenn erst mal #46 regiert.
Ein halbes Dutzend seiner engsten Mitarbeiter sitzen schon hinter schwedischen Gardinen oder saßen dort bis Trump sie begnadigte.
Ohne diese Begnadigungspower, haben Roger Stone oder Ghislaine Maxwell aber keinen Grund mehr gegenüber den Staatsanwaltschaften Trumps Verbrechen zu verschweigen.
Noch schlimmer, so lange er im Amt ist gilt für ihn strafrechtliche Immunität. Der Luxus ist vorbei sobald Biden vereidigt wird/würde.

Daher verfällt Trump nun in völlige Panik, schürt systematisch innere Unruhen, um einen Ausnahmezustand zu generieren, in dem er sich als starke Exekutive inszenieren kann.
Ganz neroesk sind ihm dabei der wirtschaftliche Kollaps, hunderttausende tote US-Amerikaner vollkommen egal.

[…..] Die Platzpatrone des Donald Trump
Erst ließ Trump Bundespolizisten in Portland einmarschieren und stiftete Chaos, nun sollen sie wieder abgezogen werden. Die Ankündigung zeigt, wie hilflos der Präsident und seine Partei drei Monate vor der Wahl sind. [……]

Seine geistesgestörte Äußerung über eine mögliche Verschiebung der Präsidentschaftswahlen ist ebenso hanebüchen.

[…..] Der US-Präsident spielt offen mit dem Gedanken, die Wahl im November zu verschieben. Er befürchte Betrug, weil wegen der Corona-Krise mehr Bürger per Briefwahl abstimmen dürften. Doch die Hürden für eine Verschiebung sind hoch.
US-Präsident Donald Trump hat eine Verschiebung der Präsidentenwahl im November ins Gespräch gebracht. Wegen der Zunahme von Briefwahlen inmitten der Corona-Krise drohten die Wahlen die "fehlerhaftesten und betrügerischsten" in der US-Geschichte zu werden, schrieb Trump auf Twitter. "Es wird eine große Peinlichkeit für die USA", fügte er hinzu und fragte: "Die Wahl verschieben, bis die Menschen richtig und in Sicherheit wählen können?" [……]

Der Wahltag ist in der Verfassung als erster Dienstag im November festgeschrieben.
Genau wie auch das Ende der Amtszeit festgeschrieben ist.

[….] Tatsächlich kann Trump die Wahl selbst nicht verschieben. Dazu muss sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat zustimmen. Das Haus wird von den oppositionellen Demokraten kontrolliert, es ist quasi nicht vorstellbar, dass sie einem solchen Vorgehen zustimmen würden. Damit ist eine Verschiebung der Wahl äußerst unwahrscheinlich.
Zusätzlich ist in der Verfassung festgeschrieben, dass die Amtszeit des Präsidenten und des Vizepräsidenten am Mittag des 20. Januars endet. Selbst in dem äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass die Wahl verschoben würde, würde Trumps Amtszeit also im Januar enden. […..]


Gibt es bis zum 20.01.2021 keine Wahlmänner, würde Trumps Amtszeit enden und der Sprecher des Repräsentantenhauses rückte zum 46. US-Präsidenten auf. Das wäre Nancy Pelosi.
Da Trump die US-Verfassung nicht kennt, konnte er diese Konsequenz nicht einkalkulieren.
Falls ihm jemand den Sachverhalt erklären sollte, wird er noch mehr Chaos stiften.
Der Mann ist  verzweifelt.



Mittwoch, 29. Juli 2020

Partei schädigen.


Während die C-Minister in einem nie dagewesenen Maß debakulieren….

[…..] Dieser Mann ist so unglaublich gut im Schlechtsein!
Warum ist Andreas Scheuer noch Bundesverkehrsminister? Sein Schaffen sollte eigentlich für neun bis zwölf durchschnittliche Rücktritte ausreichen. […..]

…. sind die S-Minister Scholz, Heil und Maas die Stützen der Regierung. Die sechs sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder sind der Grund weswegen Deutschland viel glimpflicher als andere Nationen durch die Corona-Krise geht.

Demoskopisch sieht es freilich völlig anders aus – die SPD stürzt in mehreren bundesweiten aktuellen Umfragen auf neue Minus-Rekorde von 14% ab, während CDUCSU bei komfortablen 38-39% liegen.

Das muss man erst mal schaffen angesichts eines Auslaufmodels als CDU-Kanzlerin Merkel, einer gescheiterten Parteivorsitzenden Kramp-Karrenbauer, die gar nicht mehr in Erscheinung tritt und von der man nur weiß, daß sie Ende des Jahres hinwirft. Dazu kommen mehrere potentielle Nachfolger – Merz, Laschet und Söder - die sich allesamt dabei blamieren Führungskraft zu zeigen. So daß man schon an die dritte und vierte Wahl – Röttgen und Spahn – denkt, wenn man sich versucht vorzustellen wie es mit der CDU im Dezember weitergeht.

Das Ausmaß des Totalversagens des Sozi-Führungsduos Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken ist beispiellos.
Das Positivste, daß man über die beiden sagen kann, ist daß Nowabo untergetaucht ist, also medial gar nicht vorkommt und Esken ohnehin nie aus ihrer winzigen virtuellen Twitterblase herauskommt.

Dabei sind die beiden ausdrücklich deswegen kein Teil der Regierung, damit sie unberührt von der Kabinettsdisziplin ihre gesamte Arbeitskraft der Partei widmen können, die SPD inhaltlich klar positionieren und wieder erkennbar machen.
Erreicht haben sie das diametrale Gegenteil.
Andrea Nahles war nicht beliebt und ließ jedes Gespür für die Basis vermissen, aber immerhin war sie bekannt und auffällig.
Ihre Nachfolger sind der Mehrheit der Wähler gänzlich unbekannt; niemand weiß wofür sie stehen.
Selbst ich als Polit-Junkie und Parteimitglied, der Walter-Borjans schon seit 2020 aufmerksam beobachtet, habe keine Erinnerung was er zuletzt zu irgendeiner politischen Frage gesagt hat. Gibt es überhaupt irgendwelche Aussagen zu den großen Themen in Deutschland? Geschweige denn zu internationalen Fragen.
Mir fällt nichts ein.

Das Umfrageinstitut Kantar befragte vom 22.07.-24.07.2020 knapp 1.100 repräsentativ ausgewählte Bürger welche SPD-Politiker sich zum Kanzlerkandidaten eigneten.
Das Ergebnis ist für die Parteiführung ebenso vernichtend wie plausibel.

Scholz 42%
Heil 19%
Giffey 16%
Klingbeil: 12%
Walter-Borjans: 11%
Esken: 11%
Mützenich: 6%

[….] Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird laut einer Umfrage von Wählerinnen und Wählern als Kanzlerkandidat der SPD favorisiert. [….] Die SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wiederum konnte sich gerade einmal ein Zehntel der Befragten als Kanzlerkandidaten vorstellen. Weit mehr als die Hälfte bezeichnete sowohl Esken als auch Walter-Borjans als ungeeignet für das Amt an der Spitze der Bundesregierung. [….]
Unter den Anhängern der SPD sprachen sich in der Umfrage 72 Prozent für Scholz als Kanzlerkandidaten aus. Bei Giffey und Heil waren es jeweils 34 Prozent. Anhänger anderer Parteien sehen demnach ebenfalls in Scholz denjenigen Sozialdemokraten, der sich am ehesten für eine Kanzlerkandidatur eignet. [….]

Jede Parteiführung mit auch nur rudimentärem Restverstand würde nun schnellstmöglich Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausrufen, um damit den einmaligen Vorteil zu nutzen gegenüber der chaotisierten CDU-Kandidatensuche mit geklärter Führungsfrage dazustehen.

Viele in der SPD verstehend die Situation. Daher haben sich bereits Außenminister Heiko Maas, Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, der Schleswig-Holsteinische SPD-Linksaußen Ralf Stegner, der ehemalige Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz, Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, Fraktionsvize Achim Post, SPD-Haushaltsexperte Dennis Rohde, Seeheimer-Chefin Siemtje Möller, Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte und auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer für einen Kanzlerkandidaten Scholz ausgesprochen. Beileibe nicht alles Scholz-Freunde, aber doch soweit rational denkend, daß sie keine andere Möglichkeit sehen.

Nur die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans stehen auf dem Schlauch und fragen sich offenbar nur eins: Wie kann man die SPD weiter in den Abgerund treiben? Wie kann man sie von 14% in Richtung Einstelligkeit bewegen?

Als Advocatus Diaboli kann man sich die Frage stellen und würde dann auf die Kantar-Umfrage gucken. Gibt es denn überhaupt jemand in der SPD, der tatsächlich NOCH unbeliebter und NOCH ungeeigneter als Kanzlerkandidat ist?
Tatsächlich. Einer liegt sogar noch hinter Esken und Walter-Borjans: Fraktionschef Mützenich.
Gerade mal sechs Prozent der Deutschen halten ihn für Kanzlerkandidaten-tauglich. Satte 94% wollen ihm kein Ja geben.

Und tatsächlich, es handelt sich um keinen Witz: Dieser Mann, also der potentielle Kandidat mit den mit Abstand schlechtesten Chancen ist der Favorit der Führung.



(……) Unfassbar wie sie zusammen mit Fraktionschef Mützenich ohne Not eine ganze Kaskade von Parteiaustritten auslösten und profilierteste Amtsträger davonjagten.  (……)

[….] Ist der Vizekanzler damit nicht der geborene Kanzlerkandidat für die SPD? Doch das Chef-Duo will Scholz eigentlich nicht. Esken und "Nowabo" waren bei der Mitgliederentscheidung über den Vorsitz 2019 vor allem angetreten, um Scholz zu verhindern. Mit Erfolg.
Ihn jetzt zu nominieren, käme einer 180-Grad-Drehung gleich. Und so sind Esken und “Nowabo” weiter auf der Suche nach einem linken Kandidaten. Der 61-jährige SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich wäre wohl ihr Favorit. Zwar hat der Kölner vom linken Parteiflügel bisher öffentlich nicht Nein gesagt, aber intern hat er schon abgewunken.
Und so wird munter weiter sondiert. Zum Beispiel bei Reiner Hoffmann, wie es in SPD- und Gewerkschaftskreisen heißt. Der 65-Jährige ist DGB-Vorsitzender und SPD-Mitglied.
[….] Doch DGB-Boss Hoffmann fand die Idee so abwegig, dass er noch nicht mal will, dass man erfährt, dass die SPD-Spitze bei ihm angeklopft hat. [….]

Die Fehlleistungen Eskens sind so dramatisch, daß ich mir schon die wirklich extrem schlechte Parteivorsitzende Andrea Nahles zurückwünsche. (…..)

Ich habe keine Erklärung für die SPD-Vorsitzenden.
Unfähigkeit, Pech und Doofheit könnten zwar ihre miserable inhaltliche und strategische Performance erklären, aber der Hass auf Scholz und der Mützenich-Move sind mit Dummheit allein nicht zu erklären.
Das ist pure Destruktion. Oder werden sie doch von einer dritten Partei dafür bezahlt der SPD gezielt zu schaden?