Samstag, 10. Februar 2024

Heterosport

Daß mit Thomas Hitzlsperger etwas nicht stimmen kann, wußte ich schon Jahre vor seinem 2014er Outing, weil ich, der größte Fußball-Hasser, seinen Namen kannte.

Der Fußballer hatte mehrfach der ZEIT Interviews gegeben, zu einem radikal unfußballerischen Thema: Literatur! Er schreibt sogar Essays für die ZEIT.

Die meisten Fußballer sprechen nur mit BILD und Kicker, dürften gar nicht wissen, daß es sowas wie ZEIT und SPIEGEL gibt.

[….] ZEIT ONLINE: Welche Bedeutung hat Lesen in Ihrem Leben?

Hitzlsperger: Lesen ist für mich Abwechslung und Ablenkung. Es entspannt mich und bildet.

ZEIT ONLINE: Es gibt Leute, die lesen nur im Urlaub, täglich im Bett oder nur in der U-Bahn. Einige fangen sieben Bücher an und lesen keines zu Ende. Welcher Lese-Typ sind Sie?

Hitzlsperger: Das ist unterschiedlich, ich lese oft aber nicht jeden Tag, manchmal auch eine Woche gar nicht. Die Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Bevor ich aufhöre, muss es schon verdammt schlimm sein. Mein Lieblingsleseort ist meistens ein schönes Café oder zu Hause auf dem Sofa. Aber mein Buch ist meistens dabei, ich lese auch in der U-Bahn.

ZEIT ONLINE: Welches Buch hat Ihr Leben verändert?

Hitzlsperger: Hmm, kein Buch hat bisher mein Leben verändert. Es gab ein paar, die mir gut gefallen haben und über die ich dann mit Freunden gesprochen habe. Es gibt Bücher, die man schnell wieder vergisst und welche, über die man lange nachdenkt.  [….]

(Die Zeit, 08.09.2013)

Der Mann las! Bücher! Unglaublich. Einer aus der Nationalmannschaft. Den Typen, die sonst mit Rolex, Ferrari und maximal Silikon-betitteten Blondinen ihren geistigen Horizont voll ausfüllen. Die politisch weit rechts stehen, sich mit den CSU- und CDU-Funktionären verbünden, für erzkonservative Typen als Wahlmänner in die Bundesversammlung gehen – wenn sie tatsächlich über Luxusuhren, Luxusautos und Luxus-Bräute hinausgehende Interessen haben sollten.

Da platzt Hitzelsperger rein und spricht über Bücher. Die er liest. Das ist so, als ob der Papst über sein Sexualleben plaudert.

Sicher, ich hatte 2012 auch das sehr lustige und informative Buch „Unser Mann in London“ von Moritz Volz gelesen. Ein belesener Fußballer, der sogar Buchkritiken schreibt und selbst ein Buch veröffentlicht. Aber Volz war schon als 15-Jähriger nach England geschickt worden und spielte später in der zweiten Bundesliga für St. Pauli; der ersten Mannschaft, die von 2002-2010 mit dem Grimmepreisträger, Grünen-Politiker und Theatermacher Corny Littmann eine Schwulen-Ikone als Vereinspräsidenten hatte. Der FC St. Pauli bindet als einziger Top-Verein linksalternative Multikulti-Fans. Die sind tolerant und akzeptieren sogar einen Spieler, der lesen kann.

Hitzelsperger agierte aber als deutscher Meister und Nationalmannschaftsspieler auf einem ganz anderen Prominenz-Niveau mit diesem bizarren Thema Bücher UND engagiert sich auch noch gegen den Rechtsextremismus. Da verkrampfen sich Uli Hoeneß die Eingeweide.

[….] ZEIT ONLINE: Die Fans von Lazio gelten nicht als Intellektuelle. Mit welchem Empfang rechnen Sie? Applaus für den blonden Deutschen oder Misstrauen gegen den Nazikritiker?

Hitzlsperger: Ich habe natürlich davon Kenntnis, was man über die Lazio-Fans sagt. Aber ich will unvoreingenommen die Sache angehen. Mein Prinzip ist es, erst nach gemachter Erfahrung zu urteilen.

ZEIT ONLINE: Es ist ein paar Jahre her, da haben Lazio-Fans eine Hakenkreuzfahne geschwenkt. Wie würden Sie reagieren?

Hitzlsperger: Meine Meinung, was Rechtsradikalismus betrifft, wird sich jedenfalls nicht ändern. Dass ich mich gegen Nazis engagiere, ist übrigens hier schon ein Thema für die Presse. Andererseits ist Italien ein Fußballland. Vor allem in Rom ist Fußball sehr wichtig. Entweder Roma oder Lazio, was anderes scheint es nicht zu geben.  [….]

(Die Zeit, 05.02.2010)

Wenn sich einer soweit von der Kultur seiner Mannschaftskollegen entfernt, ist es nur ein kleines Schrittchen heraus aus der Heteronormativität.

[….] Der erste offen homosexuelle deutsche Fußballstar? Nein! Das sollte es nicht sein, was vom ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nun im Gedächtnis bleibt.  Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her. Thomas Hitzlsperger spielte als Kapitän für den VfB Stuttgart, wir saßen das erste Mal zusammen, nach dem Training, in einem Restaurant bei ihm um die Ecke. Er war zu jener Zeit bereits langjähriger Nationalspieler, Held der Bundesliga und Premier League, Deutscher Meister, Fußballer des Monats, zweiter bei der EM 2008 und dritter bei der WM 2006 im deutschen Sommermärchen, wirkte aber im ersten Moment erstaunlich zurückhaltend.

Danach gab er als Kolumnist regelmäßig Interviews für ZEIT ONLINE. Ich schrieb ein Porträt. Später, als er zu Lazio Rom, West Ham United und dem VfL Wolfsburg wechselte und wegen vieler Verletzungen keine Titel mehr feierte, glich seine Karriere mehr und mehr jener eines Pechvogels. Und nun, wenige Monate nach seinem Karriereende, soll dieser Text wieder ein Porträt werden, jetzt über den schwulen Hitzlsperger. Weil nun alle wissen wollen, wer er ist, der erste deutsche Fußballstar, der über seine Homosexualität redet.

Nun, er ist immer noch derselbe. Thomas Hitzlsperger eben. Mit der Veröffentlichung seiner Sexualität hat das wenig zu tun.  Sein Interview über seine Homosexualität ist nur insofern charakteristisch für ihn, als dass er schon oft andere Wege ging als seine Kollegen. Sein Berufsleben begann mit einer ähnlich mutigen Entscheidung.  [….]

(Steffen Dobbers, 08.01.2014)

Zehn Jahre später fällt schon auf, daß Sportler, die sich wie der Turmspring-Olympiasieger Tom Daley oder der Handballer Lucas Krzikalla outen, eher einen Candy-, als einen Shitstorm erleben.

Also was ist ausgerechnet mit dem Fußball, der populärsten Sportart in Deutschland los, daß es dort keine Outings gibt?

Offenbar sind es weniger „die Medien“, oder „die Fans“, sondern tatsächlich die beschissenen Fußballprofis selbst, die ihren Kollegen das Leben schwer machen.

[….] SZ: Hat sich in den letzten zehn Jahren ein aktiver Profi bei Ihnen gemeldet?

Hitzlsperger: Nein.

SZ: Aber es hat sich doch was getan im Fußball, oder?

Hitzlsperger: Finde ich schon. Es gibt eigentlich keinen Bundesliga-Verein mehr, der nicht schon mal die Regenbogenfahne rausgezogen hätte, der keinen schwul-lesbischen Fanklub hat. Es gibt Vereine, die beim Christopher Street Day dabei sind, das Magazin 11 Freunde hatte die Aktion „Wir stehen zu euch“. Sogar der Kicker hat eine Beilage gemacht. Es ist so viel passiert, Vielfalt ist heute Teil der offiziellen Kommunikation. Von Journalisten höre ich oft, der DFB und die Klubs müssten viel mehr machen. Aber nein, die machen schon genug. Es liegt jetzt wirklich an den Spielern zu erkennen: Die Zeit ist reif.

SZ: Es gibt heute 265 000 Profifußballer weltweit, sieben von ihnen leben offen schwul. Wovor genau haben die anderen noch Angst?

Hitzlsperger: Meine größte Sorge war die Mannschaftskabine. Ich erinnere mich an zwei Diskussionen, da wurden zum Teil krasse Sachen gesagt. „Mit einem schwulen Mitspieler würde ich nicht duschen.“ Oder eine Bemerkung zu unserem Physiotherapeuten: „Wenn du schwul wärst, ich würd’ mich von dir nicht anfassen lassen.“ Ich meine, das waren Mannschaftskollegen von mir!

SZ: Und Sie, was haben Sie gesagt?

Hitzlsperger: Natürlich nichts. Weil ich total unsicher war. Meine Stimme hätte so gezittert, ich hätte mich quasi zwangsgeoutet.

SZ: In Deutschland hat es Ihnen bis heute kein Spieler nachgemacht. Sind Sie der Quotenschwule des deutschen Fußballs?

Hitzlsperger: Nein, das wäre ja eine lächerliche Quote. So verschwindend gering, dass es peinlich wäre, überhaupt davon zu sprechen. Und genau das ist das Problem: Wenn es im Fußball zu dem Thema kein Gesicht gibt, denken viele, es gibt im Fußball keine Schwulen. Genau darauf bauen Klischees auf. Diese hartnäckige Vorstellung, Schwule werden Flugbegleiter oder Friseur. Ich bin schwul, und ich bin Fußballer, das gibt es also. Gleichzeitig beschreibt mich keiner dieser Begriffe ganz, ich bin noch eine Menge anderer Dinge.  [….] SZ: Beim DFB ist jetzt Rudi Völler Sportdirektor. Ein Mann, der in Interviews sagt: „Am Ende werde ich immer meine klassisch-männliche Haltung beibehalten und deswegen weiterhin das Frauengetränk Latte macchiato verweigern.“

Hitzlsperger: Da sage ich, ähnlich wie bei Uli Hoeneß: Das überrascht mich nicht.

SZ: Also bitte, das ist doch ein total verklemmtes Verständnis von Männlichkeit!

Hitzlsperger: Rudi Völler hat als Trainer letztes Jahr noch mal ein Spiel gemacht gegen Frankreich, und das Stadion hat ihn gefeiert. Er ist eine Kultfigur im deutschen Fußball. So einen Spruch mögen viele verwerflich finden, aber was für die Zuschauer im Stadion am Ende zählt, ist das Ergebnis. [….]

(SZ-Interview mit Thomas Hitzlsperger, 02.02.2024)

Mich beruhigt das.

Offenbar ist Fußball nach wie vor genauso furchtbar, wie ich immer dachte. Es besteht also kein Grund dafür, sich damit zu beschäftigen.

Freitag, 9. Februar 2024

Antisemitismus linksrechts

Das Leid der Menschen in Gaza, die vielen tausenden Kinder, die durch Israelische Bomben sterben, haben mehrere judenfeindliche Strömungen deutlich angefacht.

Einerseits den arabischen Antisemitismus, der sich gegen die militärischen Aktionen des Staates Israel wendet. Andererseits den politisch-linken Antisemitismus, der insbesondere an US-Hochschulen und unter Künstlern verbreitet ist. Schließlich ist da noch der eliminatorische rechtsextreme Antisemitismus, der die Großwetterlage nutzt, um von der Vertreibung/Vernichtung aller Juden zu träumen.

Dabei ist es gar nicht so schwer, sich zu positionieren, ohne in gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit abzudriften.

(….)   Viele Rechtsextreme, viele Idioten und leider auch zu viele engagierte Linke, blamieren sich, seit die Hamas am 07.Oktober 2023 mehr als 1.400 Israelis massakrierte und rund 250 Menschen als Geiseln verschleppte, mit verstörenden Aussagen.

Möglicherweise gab es schon beim Jom Kippur-Krieg 1973, oder dem Sechstagekrieg von 1967 so abwegige deutsche Meinungen dazu. Aber glücklicherweise gab es damals noch kein Internet, so daß nicht jeder Depp seine irrelevanten Ansichten publizierte.

Ich möchte 20 Axiome zur Nahost-Meinungsäußerung in Deutschland nennen, die ich mir nicht etwa gerade selbst ausdenke, sondern seit Jahrzehnten rauf und runter gebeten werden. Aber offensichtlich dennoch immer weniger gehört werden.

1.   Niemand ist gezwungen sich zu positionieren.

2.   Niemand muss Nahost-Experte sein.

3.   Kritik an Israelischer Politik ist nicht verboten.

4.   Politisches Handlungen der Jerusalemer Regierung zu kritisieren, ist nicht antisemitisch.

5.   Einzelne Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland für Netanyahus Handlungen zu beschimpfen, ist antisemitisch.

6.   Die Hamas ist nicht identisch mit den Palästinensern.

7.   Ein nach 1945 geborener Deutscher ist nicht Schuld am Holokaust.

8.   Die Deutschen Bürger sind aber dafür zuständig, den Holocaust nicht zu vergessen und ihn nicht zu wiederholen.

9.   Für die historischen Leiden des jüdischen und des palästinensischen Volkes ist Deutschland sehr stark mitursächlich und sollte deswegen auf internationaler Ebene nicht ausgerechnet am Lautesten kritisieren und den moralischen Zeigefinger schwenken.

10.Hamas-Terror, der zum Beispiel beinhaltet, die deutsche Geisel Shani Louk, nackt zur Schau zu stellen, sie zu vergewaltigen, foltern, köpfen, zu zerstückeln und mit solchen Taten im Netz zu prahlen, ist eben nicht mit den Aktionen Israelischer Soldaten zu vergleichen.

11.Wenn man auf Social Media Israel beschimpft und dafür seinerseits kritisiert wird, bedeutet das nicht „man darf ja gar nichts mehr sagen“.

12.Meinungsfreiheit in Deutschland bedeutet nicht das Recht, seine Meinung immer widerspruchslos kund zu tun.

13.Wenn deutsche Juden nur unter besonderem Schutz in Schulen oder Synagogen gehen können, ist das nicht ihre Schuld, sondern eine elende Schande für die deutsche Gesellschaft.

14.Empathie für die getöteten Kinder im Gaza-Streifen zu empfinden, bedeutet nicht, israelfeindlich zu sein.

15.Empathie für die von der Hamas gefolterten und getöteten Israelis zu empfinden, bedeutet nicht, alle Palästinenser zu hassen.

16.Die internationale Gemeinschaft verlangt nicht von Fritze Meier in der Fußgängerzone von Buxtehude, eine Lösung des Nahostkonfliktes aus dem Ärmel zu schütteln.

17.Nicht jeder Deutsche muss über historisches Fachwissen verfügen.

18.Wer historische Vergleiche bemüht, sollte aber die Fakten kennen.

19.Deutsche Rechtsradikale, die mit ihrem extremen Hass auf Migranten und Muslime Stimmungen machen, sind nicht automatisch Israel-Freunde.

20.Die Kriegsverbrechen Putins rechtfertigen selbstverständlich nicht, 80 Jahre rückwirkend den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. (….)

(Historisch aufgeladene Zeiten, 04.11.2023)

In seinem neuen Buch „Judenhass“ (Berlin Verlag 2024) dröselt Michel Friedman die Situation auf und erklärt in leicht verständlichen Worten, was judenfeindliche linke Akademiker und Kunstschaffende bedenken sollten.

[….] Die Documenta in Kassel  hat in aller Deutlichkeit gezeigt, dass BDS* auch ein eliminatorisches Prinzip formuliert. Selbst die bekanntesten Wissenschaftler, Künstlerinnen, Musiker sollen nicht mehr auf­

treten dürfen, bekommen also ein lebenslanges Berufsverbot, nur weil sie israelische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind. Selbst wenn sie sich gegen die Regierung auflehnen, ihre Politik also verurteilen und für eine Zweistaatenlösung kämpfen, ändert das nichts an dem Bann. Sie sind Juden und als solche verdächtigt, angeklagt. Verurteilt. Eine Kollektivstrafe, die der Einzelne nicht aufheben kann. Diese autoritäre, größenwahnsinnige Haltung, die auch von vielen Nichtjuden aus unterschiedlichen Gründen als mutig und konsequent angesehen wird, ist Antisemitismus. Boykott ist immer undifferenziert. Wenn also wie bisher israelische Musiker, Wissenschaftlerinnen und Künstler nicht mehr auftreten dürfen, nur weil sie Israelis sind, und dies als gerecht empfunden wird, ist das für mich ein Ausdruck blinder Selbstgerechtigkeit.  [….]

(M. Friedmann, zitiert aus dem SPIEGEL, 27.01.2024)

* Boycott, Divestment and Sanctions ist eine transnationale politische Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will.

Neben Friedman gibt es einen zweiten bedeutenden jüdischen Intellektuellen in Deutschland, der dafür bekannt ist, CDU zu wählen: Den inzwischen 87-jährigen Wolf Biermann.

(….) Man braucht schon ein Elefantengedächtnis, um sich an die Zeiten zu erinnern, als Wagenknecht eine konstruktive und kenntnisreiche Politikerin war.

Es ist ungewöhnlich, wenn meinungsmachende Figuren einen vollen öffentlichen Horst Mahler aufführen, also von ganz links nach ganz rechts marschieren.

Dafür sind aber einige Beispiele für diese Rechtsdrift sehr prominent. Henryk M. Broder, Arnulf Baring, Vera Lengsfeld, Angelika Barbe, Wolfgang Clement, Monika Maron, Cora Stephan, Boris Palmer, Oswald Metzger.

Besonders bedauerlich erschien mir das in seinen allerletzten Jahren offensichtlich Abdriften des von mir eigentlich hochgeschätzten Ralph Giordanos. Ein bißchen ähnlich bewegt sich Wolf Biermann, dessen Prosa-Texte mit politischen Analysen, die vor 35, 30 Jahren regemäßig im SPIEGEL erschienen, ich grenzenlos bewunderte, jedes Wort verschlang. Seit einigen Jahren bekundet er aber, Merkel zu wählen und wettert manisch gegen Links. (….)

(Wieder eine ins Spinner-Lager abgedriftet, 24.10.2022)

Off topic: Biermann liefert im noch aktuellen SPIEGEL beim Gespräch über ein mögliches AfD-Verbot, eine hübsche Charakterisierung eines bekannten braun-völkischen Politehepaars aus dem Saarland.

[….]  SPIEGEL: Ist der AfD also nicht mit demokratischen Mitteln beizukommen, sondern nur mit einem Verbot?

Biermann: Das wäre noch schlimmer als ein Rechtsbruch, es wäre ein Fehler. Damit würde man diesen Leuten ein Gratisgeschenk machen. Da könnte der Herr Gauland in sein Jagdhorn blasen und seinen Menschenjägerhund schon mal füttern. Nein, nein! Auch bei der Linken, diesen Erben der DDR-Diktatur, war ich nie dafür, dass sie verboten wird.

SPIEGEL: Was ist dann die richtige Reaktion?

Biermann: Erst mal, dass man aus dem Aufstieg dieser Partei nicht schließen sollte, dass das einzige Gegenmittel ist, noch links- oder rechtsreaktionärer zu werden als die.

SPIEGEL: Wen meinen Sie damit?

Biermann: Sahra Wagenknecht. Sie will so reaktionär sein wie die AfD. Und so kommunistisch wie ihr Mann, Oskar Lafontaine, der niemals ein Kommunist war. Es ist ein nationalistisch-nationalkommunistisches Familiendrama.

SPIEGEL: Bereitet Ihnen die Wagenknecht-Partei mehr Sorge als die AfD?

Biermann: Ich finde beide zum Kotzen, beide sind ein gefährlicher Schaden für die Demokratie. [….]

(Wolf Biermann, zitiert aus dem SPIEGEL vom 04.02.2024)

Biermanns Sohn Eliyah Havemann ist gläubiger Jude und lebt in Tel Aviv. Biermanns Vater Dagobert Biermann wurde als Jude und Kommunist 1943 in Auschwitz umgebracht.

[….] Mein Vater lebt als Toter in der Heimat der Juden in Israel. Wo denn sonst? Der ist mit der Asche aus dem Schornstein hochgeflogen und musste ja irgendwo hin. Mit den Winden des Jetstream floh er nach Israel. Dort ist nun seine Heimstatt. Doch jetzt sterben dort wieder auch die Toten. Es sind eben in Israel nicht nur die lebenden Juden in Gefahr.  [….]

(Wolf Biermann, zitiert aus dem SPIEGEL vom 04.02.2024)

Selbstverständlich ist Wolf Biermann der Staats Israel also besonders wichtig. Selbstverständlich weint er aber auch über die vielen Toten in Gaza

Anders als die linken BDS-Anhänger aus der universitären und künstlerischen Szene, sieht er aber die Menschen in Gaza nicht als willenlose Wesen, die durch den Staat Israel quasi gezwungen wurden Hamas zu wählen, 1.200 Unschuldige zu massakrieren und 150 Geiseln zu nehmen.

[….]  Die Alliierten haben die Nazis in Deutschland auch nicht durch Argumente oder Flugblätter oder Geld besiegt. Dafür brauchte es Stalingrad und ein Inferno wie 1943 in Hamburg, wo rund 35.000 Menschen verbrannt sind. Das habe ich überlebt, weil meine Mutter mit mir als Klammerrucksack auf dem Rücken durch den Nordkanal geschwommen ist. Das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, nichts ist vergessen. Und ich weiß noch, dass meine Mutter mir schon damals, als Hitler noch in ewiger Allmacht stand, erklärt hat: Die Bomben befreien uns von all dem Bösen. Eine absurde Interessenlage. Wir freuten uns über die Freiheitsbomben, die nur den Fehler hatten, dass sie uns selber auf den Kopf fielen. [….] 


Das könnte wie meine Mutter auch manche Mutter im Gazastreifen denken. Es war unser grauenhaftes Glück, dass die Alliierten Deutschland zerbombt haben, so entkam ich als sogenannter Halbjude der Vernichtung. Und ja, insofern haben auch die Bomben auf Gaza etwas furchtbar Gutes. Zugleich treffen sie Tausende unschuldige Menschen. So, und endlich kommen wir zu der peinlichen Kernfrage. Wie unschuldig kann ein Volk sein? Sind die Palästinenser ewige Kindmenschen ohne Eigenverantwortung? Nur Opfer des Weltgeschehens? Das ist dieser Romantismus der linksalter
naiven Schwärmer, die im Grunde die Palästinenser entmündigen. Wenn man ihre Menschenwürde achten will, muss man auch wissen und bedenken, dass sie für sich selbst verantwortlich sind.  [….] Wir müssen das Volk der Palästinenser als selbstverantwortliches Subjekt ernst nehmen. Sie sind keine unschuldige Opfermasse. [….]

(Wolf Biermann, zitiert aus dem SPIEGEL vom 04.02.2024)

Donnerstag, 8. Februar 2024

Deutschland, toxisch.

Immer wieder äußere ich scharfe Kritik an den ARD/ZDF-Spättalkshows, deren Redaktionen AfD-Agendasetting betreiben und deren Moderatoren Maischberger, Miosga, Will und Co hilflos Nazis gewähren lassen. Schande insbesondere über Markus Lanz.

Das ist aber keine generelle Verdammung der Gattung Talkshow bei den Öffentlich-Rechtlichen. Talkshows können mit den richtigen Gästen, den richtigen Redaktionen und informierten Moderatoren hochspannend und erkenntnisreich sein. Als Beispiele nenne ich gern den Presseclub, bzw den Internationalen Frühschoppen.

(….) Den Presseclub, bzw die Ausweichsendung „internationaler Frühschoppen“ sollte man Sonntagabend zur Primetime zeigen und dafür „Anne Will“ mittags um 12.03 Uhr, wenn niemand einschaltet. Der Informationsgehalt der Runde mit den Fachjournalisten ist erheblich höher, als die mit den Parteipolitikern.

Zudem ist Anne Will leider eine sagenhaft schlechte Moderatorin, die völlig unabhängig vom Inhalt des Gesagten in vorgegebener Reihenfolge jeden mal dran nimmt, sich aber nicht für die Antworten interessiert. Die Presseclub-Moderatoren Ellen Ehni und insbesondere Susan Link sind viel besser informiert, ordnen thematisch.

Unglücklicherweise teilen sie sich die Moderation mit ihrem Chef Jörg Schönenborn, dem Programmdirektor des WDR. Ihm fällt es sichtlich schwer, seine persönlichen erzkonservativen Ansichten zu unterdrücken.  (….)

(Rechte Perspektiven, 23.11.2023)

(…..) Apropos Vassili Golod; ich empfehle dringend den Internationalen Frühschoppen vom 10.12.2023.

Der letzte Zuschaueranruf brachte auf den Punkt, was ich schon lange sage: Wieso wird so eine wichtige Informationssendung im Phoenix-Morgenprogramm bei homöopathischen Einschaltquoten versteckt, statt das zur Anne Will-Primetime in der ARD auszustrahlen?

Aber die bräsigen deutschen Talker holen sich lieber Wagenknecht, Chrupalla und Precht ins Studio, wenn ein Millionenpublikum zusieht.

Über „den Westen“ kann man nur staunen. Mit der hundertfachen Wirtschaftskraft, der russischen Munitionslieferanten Nordkorea und Iran, schafft er es nicht, auch nur ansatzweise genügend Artilleriegeschosse herzustellen.  (…)

(Ukraine im Pech, 12.12.2023)

Israel im Krieg – droht ein Flächenbrand im Nahen Osten?“ am 15.10.2023 war ebenfalls eine dieser höchst informativen Ausgaben.

Insbesondere die bestens in Nahost vernetzte Israel/Palästina-Expertin Föderl-Schmidt klärte auf.

[….] Alexandra Föderl-Schmid ist stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Sie studierte Publizistik, Politikwissenschaft und Geschichte und promovierte über das duale Rundfunksystem in Deutschland. Sie war ab 2007 zehn Jahre lang Chefredakteurin und ab 2012 auch Co-Herausgeberin der österreichischen Tageszeitung Der Standard und des Nachrichtenportals derStandard.at. 2017 wechselte sie zur Süddeutschen Zeitung und berichtete als Korrespondentin aus Israel und den palästinensischen Gebieten. Seit Juli 2020 ist sie stellvertretende Chefredakteurin der Zeitung.  […..]

(WDR, 15.10.2023)

Seriösen, informativen, liberalen Journalismus können rechtsradikale Hetzer bei SPRINGER, Reichelt, AchGut oder NIUS natürlich überhaupt nicht leiden und greifen daher zu Schmutzkampagnen, um andere Medien zu diskreditieren.

[….] Das Medienportal Nius ist nach eigenen Angaben Auftraggeber für die Plagiatsprüfung der Doktorarbeit der Vizechefredakteurin der Süddeutschen Zeitung, Alexandra Föderl-Schmid, gewesen. Das bestätigte das Portal, für das auch der ehemalige Bild-Chefredakteur Julian Reichelt arbeitet. "Nach erster redaktioneller Sichtung der Doktorarbeit im Dezember waren wir uns sicher, dass für eine seriöse Bewertung ein Fachmann hinzuzuziehen ist", teilte die Redaktion mit. Das Internetnachrichtenportal Nius wurde hauptsächlich von Reichelt aufgebaut. Reichelt ist zwar nicht der Chefredakteur des Portals, aber dort einer der prominentesten Journalisten.  […..]

(Die Zeit, 06.02.2024)

Heute werden Julian Reichelt und seine faschistischen Kumpanen sehr zufrieden sein. Ihre Hetzjagd war effektiv. Sie haben Alexandra Föderl-Schmid, die ich in diesem Blog oft und gern zitierte, offenkundig in den Selbstmord getrieben.

[…..] Bei der vermissten Journalistin im Inntal, die seit Donnerstagmorgen gesucht wird, handelt sich nach Informationen der Mediengruppe Bayern um Alexandra Föderl-Schmid, die stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Die Polizei befürchtet, dass sich Föderl-Schmid das Leben genommen hat. Großangelegte Suchaktion am Donnerstagvormittag auf dem Inn im Grenzgebiet zwischen Bayern und Oberösterreich: Knapp 100 Einsatzkräfte aus beiden Ländern waren vor Ort, gesucht wurde mit rund einem Dutzend Booten nach einer vermissten weiblichen Person, die nach Informationen der Mediengruppe Bayern von Zeugen im 6,2 Grad kalten Wasser gesehen worden war.
Bei der Frau soll es sich, wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, um die bekannte Journalistin Alexandra Föderl-Schmid (53) handeln. Die stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutsche Zeitung“ sieht sich aktuell mit Plagiatsvorwürfen hinsichtlich ihrer journalistischen Beiträge sowie ihrer Doktorarbeit konfrontiert.
  [….]

(PNP, 08.02.2024)

Mir bleibt nur, Max Liebermann zu zitieren: "Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte."

[….]  Föderl-Schmid geriet nun in die Mühlen eines Kulturkampfes, der nicht zuletzt im Internet ausgetragen wurde: Einige nutzten die Gelegenheit, der linksliberalen «SZ» am Zeug zu flicken und kommentierten die Verfehlungen der Journalistin teils äusserst hämisch. Judith Wittwer und Wolfgang Krach, die beiden Chefredaktoren der «SZ», stellten ihre Kollegin intern als Opfer einer rechten Kampagne dar.

Dass «Medieninsider» ausführlich aus einer Aussprache der «SZ»-Redaktion über den Fall zitierte, führte dazu, dass die Chefredaktion des Blattes in Absprache mit dem Betriebsrat und dem Redaktionsausschuss die elektronische Kommunikation der Redaktoren untersuchen liess. So sollten der oder die Informanten ausfindig gemacht werden, die «Medieninsider» aufmunitioniert hatten. Die Untersuchung blieb ohne Ergebnis und führte zu Kritik der Organisation Reporter ohne Grenzen.

Der öffentliche Druck auf Föderl-Schmid nahm derweil zu: Diese Woche berichtete das reisserische, politisch rechts angesiedelte Online-Portal «Nius», das von dem früheren «Bild»-Chefredaktor Julian Reichelt geleitet wird, über weitere mutmassliche Plagiate Föderl-Schmids, die deren Arbeit in Israel, aber auch ihre 1996 eingereichte Dissertation betreffen.  [….]

(Watson, 08.02.2024)

 

NACHTRAG:

Entgegen der gestrigen Presseberichterstattung, ist Alexandra Föderl-Schmidt nicht tot! Heute wurde sie lebend aufgefunden.

[….] Redaktion und Verlag der Süddeutschen Zeitung sind überaus erleichtert und froh, dass ihre seit Donnerstagmorgen als vermisst gemeldete stellvertretende Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid von der Polizei im österreichischen Braunau aufgefunden wurde. Sie wurde mit Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht. Aus Rücksicht auf unsere Kollegin und ihre Familie wird sich die Redaktion vorerst nicht zu dem Fall äußern.

Redaktion und Verlag der Süddeutschen Zeitung stehen im engen Kontakt mit der Familie, um diese gegebenenfalls zu unterstützen. Unser Dank gilt der Polizei und allen Helfern, die an der Suche beteiligt waren. Redaktion und Verlag sind ebenso dankbar für die Anteilnahme vieler Leserinnen und Leser und bitten um Verständnis, dass wir nach bangen Stunden der Ungewissheit und Momenten der Erschütterung zum jetzigen Zeitpunkt nur unsere Erleichterung zum Ausdruck bringen.  [….]

(Süddeutsche Zeitung, 09.02.2024)

 

Mittwoch, 7. Februar 2024

Der AfD-Wahlhelfer des Tages

Es ist eine Schwäche, vielleicht eine Sucht. Oder eine Neurose. Und es ist extrem masochistisch. Aber ich kann nicht damit aufhören, einmal am Tag auf David Bergers antisemitischen verschwörungstheoretischen ultrarechtsextremen, rassistischen Hetzblog „Philosophia Perennis“ zu gucken.

Das ist wie mit der stinkenden verwesenden Qualle, die man beim Strandspaziergang entdeckt; man weiß ja, daß sie ekelhaft ist, muss aber doch hingehen, um sie genau anzugucken. Oder wie mit einem verschorften, hundertmal aufgekratztem Mückenstich am Arsch, den man immer wieder unbewußt blutig pult.

Da Berger im Gegensatz zu Kreuznet vollkommen humorlos schreibt, fällt das Lesen seiner Nazi-Tiraden generell schwer, obwohl ich ehrlich beeindruckt bin, wie er trotz maximaler Perfidie und Heuchelei, dazu in der Lage ist, sich täglich noch selbst zu untertreffen.

Der eine winzige Nutzen der PP-Lektüre, besteht in der Indikatorfunktion für die Stimmung in der faschistischen Szene.

So spie der Urinduscher Gift und Galle über die Anti-AfD-Demos und bewies damit, wie sehr die Nazis davon eingeschüchtert werden.

Wenn der Knitterkopp mit den Gammelzähnen so richtig in Rage gerät, weiß man Deutschland auf dem richtigen Weg:


Ist der xenophobe Dunkelkatholiban, wie heute, beglückt und begeistert, muss offenkundig irgendetwas wirklich Übles passiert sein.

Gestern passierte Markus Lanz, der sein 1,8 Millionen-Honorar erneut dazu verwendete, ungeniert Werbung für die AfD zu machen.

Diese Woche sind AfD Politiker wieder in allen Talk Shows zu Gast. Viele ihrer Aussagen bleiben unhinterfragt. Forschung zeigt klar wie das rechtsextreme Positionen legitimiert. Die Idee man könnte sie stellen ist eine Illusion. Medien legitimieren weiter radikal rechts

(Tarik Abou-Chadi (@tabouchadi) February 7, 2024)


Ich gehe nicht so weit, Lanz zu unterstellen, er wolle bewußt die den AfD-Chef in den Umfragen hochjazzen. Das kann ich gar nicht beurteilen, weil ich mir nicht antun wollte, das Talkshow-Elend selbst anzugucken. Vielleicht ist er auch einfach nur zu dumm, um die Medienmechanismen zu begreifen. Vielleicht hatte er vor, Chrupalla in die Ecke zu treiben, war aber aufgrund seiner intellektuellen Leichtgewichtigkeit, nicht dazu in der Lage.

Aber die Reaktionen sind eindeutig: Die Nazis jubeln vor Glück und alle seriösen Journalisten sind entsetzt vom ZDF.

 

[…..] Die Lanz-Sendung vom 6.2.2024 war wieder mal ein Paradebeispiel, warum die Medien endlich begreifen müssen, dass sie enormen Schaden anrichten, wenn sie immer noch AfD-Rechtsextremisten in ihre Sendungen einladen, um ihnen eine große Bühne zu bieten, für deren gefährliche Desinformation und Selbstverharmlosung. […..] Die Diskussion gab wieder einmal Chrupalla die Möglichkeit, kritischen Fragen auszuweichen und die Realität zugunsten seiner Partei zu verdrehen. Er verteidigte auch Alice Weidels umstrittene Aussagen im Bundestag und argumentierte, dass solche Äußerungen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien, obwohl sie die Grenzen des politisch Akzeptablen weiter verschieben. […..] In der rechtsextremen Medienwelt wird schon wieder eine ganz andere Erzählung inszeniert über die gestrige Lanz-Sendung.

Es ist völlig egal, ob man Chrupalla „stellen“ kann oder „zerstören“, der hat bereits dadurch gewonnen, dass er eingeladen wurde.

Verfechter der Einladung von AfD-Rechtsextremisten in Talkshows meinen, dort könnte man sie gut „stellen“ und „entlarven“. […..] Während schon die vierte Woche Millionen Menschen gegen die rechtsextreme AfD und die Normalisierung des Rechtsextremismus auf die Straße gehen, machen die Öffentlich-Rechtlichen diese ganze Anstrengung zunichte, wenn sie immer und immer wieder diesen Rechtsextremisten eine Bühne bieten. […..] Nein, natürlich hat Chrupalla nicht Lanz zerstört. Aber Lanz auch nicht Chrupalla. Und auch Maischberger die Woche zuvor nicht. Das ist ja das Problem. Chrupalla und seine Partei zerstören aber mit jedem Auftritt immer weiter unsere Grundlage eines gemeinsamen Konsenses, der für die Demokratie unabdingbar ist. Wir sägen selbst an den Ästen, auf denen wir sitzen. Es wird endlich Zeit, dass wir damit aufhören. […..]

(Thomas Laschyk, Feb 7, 2024)

Lanz ist zu allem Übel ein Wiederholungstäter, der immer wieder rechten Schwurblern den Roten Teppich ausrollt. Er ist offenkundig schlicht und ergreifend zu doof, um beispielsweise Richard-David Precht zu stoppen, wenn dieser im Gespräch mit ihm antisemitische Lügen verbreitet.

[…..]  Lanz, Miosga & Co.: Hört auf, den Mini-Trump der AfD salonfähig zu machen!

Zu Hunderttausenden, ja zu Millionen stehen sie dieser Tage und Wochen auf, ergreifen auf Straßen und Plätzen Partei für unsere Demokratie und gegen Rechts. Vor allem beziehen sie Position gegen die unsägliche AfD. Und ausgerechnet jetzt machen die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF diese AfD salonfähig, bieten ihre Talkshows als Propaganda-Bühnen für die Rechtsausleger-Partei. Was für eine politische Verrücktheit, was für eine Torheit!

Mit der ARD-Neu-Talkerin Caren Miosga fing es an. Die verkündete schon vor ihrem Start geradezu programmatisch, sie werde auch AfD-Politiker zu ihren Diskussionen einladen. Dann machte erst Sandra Maischberger (ebenfalls ARD) ernst und nach ihr Markus Lanz im ZDF. Beide holten den AfD-Chef Tino Chrupalla in ihre Runden. Wer gemeint hatte, Chrupalla mit seiner betont biederen Malermeister-Attitüde könne im Diskurs mit guten Argumenten auseinandergenommen werden, auf dass AfD-Sympathisanten ins Nachdenken kommen, sah sich getäuscht – bei Maischberger wie bei Lanz.

Mit fröhlichem Grinsen stellte Chrupalla eindeutige Fakten klar in Abrede, bewährtes Rezept aller rechtsradikalen Populisten, von Donald Trump erfolgreich vorgemacht hat. Die europafeindliche AfD will Deutschland aus der EU lösen, und Herr Chrupalla behauptete einfach mal so, dann ginge es uns viel besser. Als ein fast schon fassungsloser Markus Lanz dem AfD-Chef die Berechnungen seriöser Wirtschaftswissenschaftler entgegenhielt, dass ein EU-Austritt Deutschland massenhaft Arbeitslosigkeit und ungeheure Milliarden-Summen an Wirtschaftskraft kosten würde, versuchte Chrupalla nicht einmal, das argumentativ zu entkräften. Er konterte ganz simpel, das glaube er einfach nicht. Bei solcher Chuzpe ist jede Diskussion ganz schnell am Ende und AfD-Sympathisanten können jubeln. […..] Oft wird angeführt, man dürfe die AfD nicht aus den Talkshows ausschließen, immerhin sei sie gewählt. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Fernsehauftritte von AfD-Politikern ein Affront sind gegen die Millionen Demokraten, die dieser Tage auf die Straßen gingen und gehen, um unseren Verfassungs- und Rechtsstaat gegen die Höckes, Chrupallas und Weidels zu verteidigen.

Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Björn Höcke schon bald Ministerpräsident von Thüringen wird. Für den Fall werde er das öffentlich-rechtliche Fernsehen wie auch den Rundfunk in seinem Land abschaffen, hat Höcke öffentlich verkündet. Deshalb sei ARD und ZDF der berühmte Spruch in Erinnerung gerufen, der Bert Brecht zugeschrieben wird: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“  […..]

(Christoph Lütgert, 07.02.2024)

Lanz, der AfD-Wahlhelfer des Tages, sollte sich wirklich schämen!

Dienstag, 6. Februar 2024

Den Nazis zu helfen hat Konsequenzen

So lange die AfD nicht verboten ist, bzw so lange man der Nazi-Partei a priori ein Verbotsverfahren erspart, wird sie weiter mit vielen Millionen Euro Steuergeldern finanziert. So lange rollen die Öffentlich-Rechtlichen ihren Hetzern den Roten Teppich zu Werbezwecken aus. Louis Klamroth befragte bei „Hart aber Fair“ ausgerechnet zum Thema "Was hilft gegen die extrem Rechten: zuhören, demonstrieren, verbieten?" mit dem AfD-Abgeordneten Leif-Erik Holm einen der schlimmsten Faschisten.

Dieses perfide manische Denken - „Man muss ihnen zuhören! Deren Wähler vertreten berechtigte Ängste“ – existiert leider nicht nur in den Talkshowredaktionen, sondern insbesondere auch in den Köpfen der Parteioberen von FW, FDP, CDU und CSU. Der CDU-Chef richtet sich fast ausschließlich nach den braunen Gedanken der 20%, die AfD wählen und wirbt massiv für deren Agenda.

Das ist aber nicht nur Schwachsinn und untauglich, um den Rechtsextremismus einzudämmen, sondern stärkt die Nazis erwiesenermaßen.

Man darf solche Leute aber nicht normalisieren. Statt ihre Protagonisten in die TV-Studios zu laden, sollte der Bundestag endlich ein Partei-Verbotsverfahren auf den Weg bringen. Die gesichert rechtsextremen Jung-Nazis von der JA sind rechtlich betrachtet sogar nur ein Verein, so daß ein Verbot sehr viel niederschwelliger möglich wäre.

[….] Mitglieder der Jungen Alternative haben sich offenbar für Zwangsarbeit für Migranten und Juden ausgesprochen. Doch ihre Pläne gingen wohl noch weiter, so ein Bericht.

Nachdem ein Gericht in Köln entschieden hat, dass die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert extremistische Bestrebung eingestuft werden darf, enthüllen Recherchen des Senders RTL Extra welche Pläne der AfD-Nachwuchs bei seinen Treffen schmiedet. Sie zeugen von tief verankertem Rassismus und Antisemitismus in der AfD-Jugend.

Demnach sinnierten die Teilnehmenden auf einer JA-Veranstaltung in Sachsen über Zwangsarbeit und eine gesonderte Unterbringung in Lagern für Geflüchtete, Jüdinnen und Juden. "Es gibt dann Arbeitslager und Wohnlager. Da sollen die was zu essen bekommen und dafür, dass sie eine warme Unterkunft haben, müssen sie was leisten", heißt es von einem der Teilnehmenden des JA-Treffens. Nach seiner Ansicht solle die Zwangsarbeit so lange gehen, bis die Migrantinnen und Migranten von allein "in ihre Heimatländer" gehen würden, berichtet RTL Extra.

Ein weiterer Teilnehmer äußert sich demnach ähnlich: "Ich würde die halt erstmal internieren, in ein Ghetto stecken. Die haben die Pflicht, arbeiten zu gehen. Man könnte so Werkstätten zum Beispiel einrichten. Dafür, dass sie Essen bekommen und ein warmes Dach über dem Kopf, müssen sie selbstverständlich eine Leistung erbringen", sagt er. Damit koppelt er das im Grundgesetz verankerte Recht auf Asyl für Menschen, die vor Krieg oder politischer Verfolgung flüchten, an eine Arbeitspflicht. [….] Zur Durchsetzung dieser Vorschläge sei laut Aussagen der Teilnehmer Folgendes notwendig: "Es braucht eine gewisse Gewaltbereitschaft im deutschen Volk. (…) Als Staat würde ich Freiwillige suchen, die zur Not auch bereit sind, auf Frauen und Kinder zu schießen." Widerspruch für diese Aussage gab es aus dem Kreis der Teilnehmenden dem Bericht zufolge nicht. [….]

(t-online.de, 06.02.2024)

Deutschland; die Bürger, der Bundestag, die Bundesregierung, die Parteien, haben meines Erachtens die Pflicht, so offenkundig judenfeindliche Vereine sofort zu verbieten.

Stattdessen pflegen insbesondere die C-Parteien einen euphemistischen Umgang mit Antisemitismus.

Besonders ekelhaft agiert dabei die Bayerische Staatsregierung, die einen Hitler-Fan und Antisemiten als stellvertretenden Ministerpräsidenten beinhaltet. Markus Söder ging sein Machterhalt über alles und so fand er nicht die Kraft, sich von einem Faschisten an seiner Seite zu distanzieren. Das ist nicht nur politisch und moralisch erbärmlich, sondern hat auch praktische Konsequenzen für die jüdische Bevölkerung Deutschlands.

[…..] Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Bayern ist seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober und dem darauffolgenden Krieg Israels im Gazastreifen stark angestiegen. 40 Prozent der 538 im vergangenen Jahr von der Polizei registrierten Vorfälle sind nach Angaben des bayerischen Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle im vierten Quartal passiert. "Wir erleben eine Explosion von Antisemitismus in Bayern", sagte Spaenle am Dienstag vor dem Europaausschuss des Landtags.

Die Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden in Bayern sei seit Jahrzehnten nicht mehr so angespannt gewesen. Deshalb müsse Judenfeindlichkeit - egal aus welcher politischen Richtung - konsequent verfolgt werden. Spaenle forderte erneut, den Schutz des jüdischen Lebens als Staatsziel in der bayerischen Verfassung zu verankern.  [….]

(Thomas Balbierer, 06.02.2024)