Freitag, 10. Januar 2025

Männer ohne Impulskontrolle

Damit hatte die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton völlig Recht.

"A man you can bait with a tweet is not a man we can trust with nuclear weapons." —Hillary, 29. Juli 2016

Ein Typ, der sich so wenig unter Kontrolle hat und von jedem zu einer Reaktion getriggert werden kann, darf nicht US-Präsident sein.

Kamala Harris führte das Prinzip meisterhaft bei ihrer einzigen TV-Debatte mit Trump am 10.09.2024 vor, als sie ihn immer wieder Selbstentlarvung zwang, indem sie bestimmte Trigger-Worte setzte, bei denen er völlig unfähig war, sich zu beherrschen und mit abstrusen sexistischen Lügenschwalls antwortete.

Bestes Beispiel: “Donald Trump was fired by 81 million people, so let’s be clear about that, and clearly he is having a very difficult time processing that” Anschließend brauchte sie sich nur noch zurücklehnen, um zu genießen, wie er sich selbst demontierte. Die gesamte amerikanische Presse kennt natürlich das Phänomen und spricht dann von „he just cannot help himself“; fälschlicherweise davon ausgehend, ein Mann, der sich derartig zuverlässig selbst coram publico zum Idioten mache, könne unmöglich eine Stimmenmehrheit bekommen.

Schön wäre es. Aber dafür bräuchte es eine Wählerschaft, die nicht zu großen Teilen moralisch und intellektuell demoliert ist.

Solche leicht entflammbaren Pseudo-Alphamännchen, die stets Beleidigungen wittern; sich chronisch für zu wenig gewürdigt und umschmeichelt halten, haben in der Realpolitik viele Nachteile, da sie sich auf Nebenkriegsschauplätze treiben lassen, sinnlos Energie verplempern und schlecht Allianzen bilden können. Westerwelle, Lindner, Merz und Söder sind/waren auch solche Kaspar.

Merkelscher und Scholzischer Stoizismus scheint eindeutig überlegen. Damit bringt man es bis ins Kanzleramt. Markus Söder läßt es zwar anders aussehen, spielt immer den starken Max und hackt auf dem schwächelnden Scholz herum. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß er selbst bloß Landespolitiker ist und es nicht mal zum Unionskanzlerkandidaten brachte, während Scholz es bis nach ganz oben in der deutschen Politik schaffte. Ausgerechnet der aus seiner Sicht so dröge kleine Hanseat zieht ihm auf der Karriereleiter davon! Noch schlimmer: Ein Grüner; ein GRÜNER; amtiert als deutscher Vizekanzler und rangiert ebenfalls deutlich vor Söder, spricht mit den wichtigen Regierungschef der Welt auf Augenhöhe, während der CSU-Chef bayerische Landespolitik machen muss.

Das kann und will der fränkische Strauß-Jünger einfach nicht ertragen und so verfällt er in hyperaktive Überkompensationsmechanismen, arbeitet sich manisch schimpfend aus der bayerischen Provinz, Wurst-fressend, singend und polternd an den Rotgrünen ab. He just can’t help himself. Zu allem Übel schnappte ihm erst Armin Laschet und nun Friedrich Merz die Unions-Kanzlerkandidatur vor der Nase weg. Söder hat natürlich keine Zweifel daran, daß er 2021 an Laschets Stelle Scholz besiegt hätte und hält sich zweifellos auch im Vergleich zum unerfahrenen Merz für hochüberlegen. Sich selbst in die zweite Reihe einzuordnen, ist im Söderschen Selbstbild nicht vorgesehen. Und so lodert jede Minute ein Feuer in ihm, welches ordentlich Dampf in seinem Bumskopf erzeugt. Dampf, der regelmäßig abgelassen werden muss, wenn es ein Unterling wagt, Söder nicht ausreichend zu lobpreisen, oder ihn gar zu kritisieren.  Letzteres ist in den Augen des Nürnberger Foodbloggers nichts anderes als übelste Blasphemie. Stammen diese majestätsbeleidigenden Flegeleien auch noch aus dem so verachteten Norddeutschland, quillt oranger Rauch aus Söders Ohren und er geht in den full Trump-mode.

[….] Markus Söder begreift Kritik als Majestätsbeleidigung[….] Zwei Ministerpräsidenten der Unionsparteien zoffen sich auf offener Bühne. Die politische Konkurrenz kann ihr Glück kaum fassen. Daniel Günther, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, hat seinem bayerischen Kollegen Markus Söder empfohlen, in der Schwarz-Grün-Debatte „einfach den Mund zu halten“. Das ist genau das, was Söder am wenigsten kann. Er hat umgehend zurückgekeilt. Und das in einer Form, die zeigt, wie brutal arrogant der CSU-Chef sein kann. [….] Söder hätte nun inhaltlich hart dagegen halten können. Aber er hat Günthers Meinung als „irrelevant“ abgetan. Und er hat sich bemüßigt gefühlt, im gleichen Atemzug das ganze Bundesland Schleswig-Holstein als „sehr kleines, sehr, sehr hoch verschuldetes Land mit vielen Skandalen“ abzutun. Er verzichtete auch nicht auf den Hinweis, dass Schleswig-Holstein „den Länderfinanzausgleich aus Bayern“ wolle. [….] Inhaltliche Kritik an ihm hält er inzwischen für eine Majestätsbeleidigung, auf die er brachial reagiert. Es ist armselig, dass es in der CSU niemanden gibt, der Söder dabei auch mal in den Arm fällt. [….]

(Robert Roßmann, 09.01.2025)

Söders Ego scheint gleichermaßen gewaltig groß und fragil zu sein. Lieber schadet er der CDUCSU insgesamt, so wie er auch schon im Herbst 2021 CDU-Chef Laschet kontinuierlich Knüppel zwischen die Beine warf. Der Mann hat sich nicht unter Kontrolle. Er can’t help himself. Natürlich ist es menschlich zutiefst unanständig und politisch verwerflich, wie sich die bajuwarische Ozempic-Bitch auf Günther stürzt.


Aber als Sozi, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Merz vom Kanzleramt fernzuhalten, bin ich natürlich begeistert von dem CSU-Psychopathen. Möge er Merz gewaltig die Tour versauen!

Donnerstag, 9. Januar 2025

There is no hope road

Heute wieder nur verdammt schlechte Nachrichten. Es geht nicht nur sehr viel schneller dem Abgrund entgegen; das Ganze geschieht auch weitgehend widerstandslos. Müde und schlaff fügen sich die US-Demokraten in die Trumpokratie.

[….] Die Golden Globes, Hollywoods feuchtfröhlichste Preisparty, waren oft eine Bühne für politischen Protest. 2017 zerlegte die Schauspielerin Meryl Streep dort den frisch gewählten Donald Trump mit den Worten: »Respektlosigkeit führt zu Respektlosigkeit. Gewalt führt zu Gewalt. [….] «

[….] Aber diesmal? Bei der jüngsten Verleihung am Sonntag hatten die Stars zwar viel zu sagen. Doch zur Politik schwiegen sie, obwohl es ihre erste große Zusammenkunft seit Trumps Wiederwahl war. Keine Kritik, keine Sticheleien, kein Aufruf zum Widerstand. [….] Zwei Monate nach der Wahl hisst nicht nur Hollywood »die weiße Flagge« vor Trump, wie es »New York Times«-Filmkritiker Brooks Barnes kommentierte . Demoralisiert aufgegeben zu haben, scheinen auch viele in der Techbranche, in den Medien und insbesondere beim einstigen Widerstand aus Aktivisten und Anti-Trump-Politikern. Mächtige, die Trump kritisch gegenüberstanden, huldigen ihm nun offen, reisen seit dem Wahlsieg nach Florida, um ihm in seinem Anwesen Mar-a-Lago den Ring zu küssen. [….] Das gilt vor allem für die Könige des Silicon Valley. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zeigte sich einst gern mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama und setzte sich für progressive Belange ein. Nach dem Sturm aufs US-Kapitol 2021 suspendierte  Facebook Trump von den Plattformen. Jetzt war er einer der Ersten, der in Palm Beach mit dem Wahlsieger dinierte. Danach spendete er eine Million Dollar für Trumps Vereidigungsfeierlichkeiten. Er machte einen Republikaner zum globalen Politikchef seines Meta-Konzerns und warb den Kampfsportpromoter Dana White für den Aufsichtsrat an, einen engen Freund Trumps. Schließlich kündigte  er am Dienstag die totale Kehrtwende an: Sein Konzern, zu dem neben Facebook auch Instagram, WhatsApp und Threads gehören, werde keine Faktenchecks mehr betreiben. Künftig soll es etwa erlaubt sein, Mitglieder der LGBTQ-Community als psychisch krank zu bezeichnen. [….] Der US-Historiker Timothy Snyder warnt schon seit Trumps erster Amtszeit vor »vorauseilendem Gehorsam«, vor schneller und bereitwilliger Anpassung – in seinem Buch »On Tyranny«  bezeichnet er sie als Vorzeichen einer autokratischen Herrschaft.

Der kollektive Kniefall vieler Eliten des Landes hat mehrere Ursachen: Erschöpfung, Resignation, Selbsterhaltungstrieb, Mitläufertum – und Profitsucht. Zuckerbergs Meta zum Beispiel muss sich im April in einem Kartellverfahren verantworten, bei dem die US-Handelskommission es aus Wettbewerbsgründen aufspalten will. Da macht man sich lieber keine Feinde bei der Regierung. [….]

(Marc Pitzke, 09.01.2025)

In Europa krempelt derweil der von Linocchio angehimmelte rechtsradikale Verschwörungstheoretiker Musk die Parteienlandschaften um, wirbt massiv für Neonazis, die ihr Glück vor lauter Arschküssen kaum in Worte fassen können.

Alice Weidel klärte den 450 Milliarden Dollar schweren Südafrikaner heute über das Wesen Deutschlands auf: „Hitler war ein Kommunist und an deutschen Schulen wird ausschließlich Genderstudies gelehrt“. Ja, genau. Und ich bin ein Reptiloid vom Neptun.

Europäische Regierungen, sowie die jeweiligen Oppositionsparteien ehren Musk weiterhin, indem sie ihre offiziellen Accounts auf der Nazi-Fakenews-Schleuder „X“ laufen lassen.

In Deutschland vergeht kein Tag, an dem nicht prominente schwarzgelbe Politiker verfassungswidrige rechtsextreme Sprüche von sich geben, die noch vor wenigen Monaten zu Parteiausschlüssen geführt hätten. Inzwischen werden offener Rassismus und Antisemitismus in CDU, CSU und FDP akzeptiert und treffen nicht mal mehr auf Widerspruch.

Alle Hemmungen sind gefallen. Let all hell loose. Die kotzgelbe Pest sucht ihr Heil ebenfalls in braunen Gefilden.

[….] Der FDP-Chef kokettiert mit Elon Musk. [….]  Doch die Liberalen senden zunehmend libertäre Signale – und suchen die Nähe zu problematischen Bitcoin-Influencern.

Warum hat Christian Lindner sich nur an Elon Musk rangeschmissen? [….]  Beim traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen in der Stuttgarter Oper hat Lindner es nun verraten. Der Parteichef möchte so Wähler von der AfD zurückholen. Ein paar Prozentpunkte, so die Hoffnung, seien hier zu holen. [….] Libertäre sind Maximierer der individuellen Freiheit, es gibt sie auch unter Rechtspopulisten. Daher lobt Lindner Elon Musk, den umstrittenen Unternehmer. Lindner lobt den Präsidenten Argentiniens, Javier Milei, um Wähler anzulocken, die mit der Kettensäge und dem Schlachtruf „¡Afuera!“ – „Weg damit!“ – die deutsche Bürokratie wegbolzen wollen. Und er zielt auf junge Männer, die Kryptowährungen mögen, sogenannte Krypto-Bros, indem er den Bitcoin im Bundestag zur Zukunftstechnologie für Deutschland erklärt.

[….] [….]  Bemerkenswert ist daher eine FDP-Veranstaltung im Bundestag Ende dieser Woche. Die Fraktion hat Bitcoin-Influencer eingeladen, um mit ihnen öffentlich zu diskutieren. Auch Lindner soll dort sprechen.

Auf der Bühne sitzen soll laut Einladung danach Marc Friedrich. Der betreibt einen Youtube-Kanal mit Hunderttausenden Abonnenten und hat nach Weihnachten ein neues Video veröffentlicht. Dort darf ein Gesprächspartner auf Einladung Friedrichs auf die Frage „Warum wurden wir angelogen?“ einen „Verdacht“ über die Corona-Pandemie äußern, der zur meist geschauten Szene des langen Videos wurde: Hinter der „sogenannten Pandemie“ habe der Plan gestanden, den „Globus in den Griff“ zu bekommen. Und Schuld daran, dafür gäbe es belastbare Hinweise, seien „Eliten im Hintergrund, die einen guten Teil des Kapitals entweder besitzen oder beeinflussen können zumindest“ – ein häufiger Code in antisemitischen Verschwörungserzählungen. Der Gesprächspartner nennt in dem Zusammenhang auch explizit „die Rothschilds“, eine jüdische Familie.

Würden andere Fraktionen Youtuber in den Bundestag einladen, die auf ihren Kanälen antisemitische Verschwörungserzählungen verbreiten, wäre die Empörung in der FDP groß. Angesprochen auf die entsprechende Stelle im Video des FDP-Gasts sagt der Abgeordnete Frank Schäffler, der Chef-Libertäre der Fraktion und Organisator der geplanten Diskussionsrunde: „Ziel der Veranstaltung ist es, auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.“ [….]

 (Bastian Brinkmann, 06.01.2025)

Ebenfalls fest angedockt an den faschistischen Zeitgeist ist die pfälzische Lobbydirne Julia K., die schon sich schon in ihren beiden Bewerbungen um den MP-Posten in Mainz weit rechts von Angela Merkel positionierte, xenophobe Stimmung anheizte und beide Male total scheiterte. Jetzt aber, 2025 unter dem weit Rechtsaußen operierenden CDU-Parteichef, lässt sie es richtig krachen.

[…] Endlich und rechtzeitig vor der Wahl bekennt #Klöckner offen: #CDU genauso rechtsextrem wie A*D. […..]

(Marc Raschke, 09.01.2025)

Nachdem es Kritik gibt, reagiert Klöckner wie Rechtsextreme immer reagieren: Sie räumt nicht etwa einen Fehler ein, sondern beschwert sich, wie ein Rohrspatz schimpfend, über die bösen woken Linksgrünen, die sie mutwillig falsch verstehen wollten. Es ist 1:1 das AfD-Handbuch, nach dem sie handelt.

[…..] Julia Klöckner hat diesen Post gelöscht, weil sie nicht will, dass man ihn weiter verbreitet. Dieses offensichtliche Anbiedern an rechtsradikales Gedankengut ist derart infam, dass man sich fragt, ob es bei diesen Leuten noch irgendeine moralische Sicherung gibt, die nicht durchgebrannt ist. […..]

(Erik Marquardt, MdEP, 09.01.2025)

Und diese Leute werden stärkste Partei! There is no Hope Road.

Mittwoch, 8. Januar 2025

Ökonomischer Irrsinn

Es ist recht erbärmlich, immer nur ökonomisch zu argumentieren. Meine politischen Überzeugungen stehen weit darüber. Nenne es „Moral“, nenne es „Anstand“, nenne es „das Richtige tun“ – ich ticke nicht materialistisch-kapitalistisch. Wenn man für meine Überzeugungen unbedingt ein Label finden will, würde ich es, in Anlehnung an Michael Schmidt-Salomon, „Evolutionärer Humanismus“ nennen.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist falsch. Daher haben wir die Verpflichtung, Opfer sexistischer, homophober, antiziganer, transphober, ableistischer, rassistischer, religiöser Diskriminierung zu beschützen. Man gewährt Flüchtlingen Asyl und behandelt sie anständig. Man pusht sie nicht back ins Meer, um zu ersaufen. Man liefert sie nicht libyschen Folterregimen aus. Man quält keine Tiere. Man zerstört nicht die Umwelt. Man schlägt keine Kinder. Man guckt nicht tatenlos zu, wie jeden Tag Dutzende Tierarten ausgerottet werden. Man schützt das Klima. Man hinterlässt der nächsten Generation keinen ausgebeuteten und kaputten Planeten. Man verhält sich solidarisch gegenüber allen Schwächeren. Man beutet niemanden aus. Man nimmt niemanden seine Menschenrechte.

Für mich gibt es eine Menge „Das tut man nicht!“s, die über ökonomischen und privaten pekuniären Interessen stehen.

Im Wahlkampf so zu argumentieren, bringt aber nicht nur nichts, sondern wirkt meistens sogar kontraproduktiv. Das Fressen kommt immer vor der Moral. Wähler denken zuerst an ihr eigenen Portemonnaie und anschließend neiderfüllt an alle Nachbarn. Niemand soll irgendetwas bekommen, das man nicht auch selbst einstreicht – Bürgergeld, Homorechte, Cannabis.

Es gibt psychologische Untersuchungen, nach denen die Zufriedenheit mit dem eigenen Gehalt nicht von der absoluten Höhe des Gehalts, sondern vom Lohnabstand zu dem Umfeld bestimmt wird.

Ein Mann, der 4.000 Euro im Monat hat und weiß, daß der Nachbar nur 3.000,- bekommt, ist zufriedener, als derjenige, der 5.000 Euro bekommt und weiß, daß sein Nachbar ebenfalls 5.000,- hat. Das zeigt sehr schön, wie der Kapitalismus jede humanistische Moral untergräbt. Es hat also keinen Sinn, mit der Richtigkeit oder der Notwendigkeit von Klimaschutz oder Entwicklungshilfe zu argumentieren.

Man überzeugt Menschen nur mit einem einzigen Argument: Es soll am Ende mehr für sie persönlich rausspringen.

Im aktuellen Wahlkampf dominieren die Themen Wirtschaft und Migration – verpaart mit starken Vorurteilen gegenüber den Grünen und allen Klimaschutzmaßnahmen. Das trifft sich gut, denn in all diesen Fällen kann ich auf meine eigentlich bevorzugte moralische Argumentation verzichten und ökonomische Argumente anführen.

Die Konzeptionen von CDU, AfD, FDP und CSU führen unweigerlich zu schweren wirtschaftlichen Schäden, wohingegen Rotgrüne Klimapolitik finanziell sehr sinnvoll ist und uns allen zu Gute kommt.

[….] Nachdem die #CDU #CSU unsere Solar- und Windernergiebranche vernichtet hat und #Spahn schon ankündigte, unsere Wärmepumpenhersteller in den Bankrott zu jagen, möchte man nun das Feld erweitern und bedroht unsere Stahlindustrie.

Jede Art des Fortschritts wird von Konservativen seit Jahrzehnten blockiert, eingeschränkt oder zerstört. Was für ein unglaublicher Irrsinn...  [….]

(Folgeschwärmer, 07.01.2025)

[…] Fakten bleiben Fakten – auch wenn andere Blödsinn erzählen. Die ganze Welt hat 2024 massiv Erneuerbare Energien ausgebaut. Der Trend geht weiter steil nach oben. Wir haben jetzt die Zahlen.

In Deutschland war unser Strom letztes Jahr fast zu 60 Prozent erneuerbar. Das ist ein neuer Rekord. Der Kohleanteil beim Strom hat sich seit 2015 fast halbiert und wir stoßen für Strom nicht einmal mehr halb so viel CO2 aus wie noch 1990. Die Genehmigungen für Windkraftanlagen an Land haben wir im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Auch die Preise haben sich auf dem Niveau von vor dem Kriegsausbruch normalisiert. Trotzdem müssen sie noch weiter sinken und dabei helfen nachweislich Erneuerbare.

CDU, FDP und AfD versuchen uns einzureden, Deutschland würde bei der Energie einen „Sonderweg“ gehen. Das ist falsch. Auch andere Länder stehen vor enormen Herausforderungen. Einige haben schon weitaus größere Anteile von Erneuerbaren im Strommix. Besonders von diesen Ländern haben wir letztes Jahr Strom gekauft. Nicht, weil wir ihn gebraucht hätten. Sondern weil das für uns günstiger war, als wenn wir selbst fossile Kraftwerke hätten anschmeißen müssen.

Ja, Deutschland hat keine Atomkraftwerke mehr. Aber das gilt für die allermeisten Länder dieser Welt. Und auch nicht alle Industriestaaten nutzen Kernkraft. Anders als behauptet werden Atomkraftwerke heute nur noch in sehr geringem Umfang zugebaut, gleichzeitig gehen auch viele alte Reaktoren vom Netz. Dafür explodieren die Erneuerbaren förmlich (s. Grafik). Der Grund: Es ist der günstigste, schnellste und einfachste Weg, Energie zu erzeugen. Sie sind Atomkraftwerken um Meilen voraus und setzen sich weltweit durch. Deutschland ist da in guter Gesellschaft.

Die Energiewende ist noch lange nicht fertig. Und es gibt noch genügend Probleme. Aber es läuft auch vieles hervorragend und die Probleme lösen wir nicht mit Lügen, sondern mit Lösungen, die zu den Problemen passen. In dem Sinne: Ich freu mich. Schauen wir, was wird  [….]

(Robin Mesarosch, MdB, 02.01.2025)

[….] Die klimapolitische Bilanz der Ampel-Regierung fällt besser aus, als viele Berichte vermuten lassen: Nach Berechnungen von @agoraew.bsky.social sind die Emissionen im Jahr 2024 um weitere 3 Prozent gesunken. Das Klimaziel für dieses Jahr wird damit klar erreicht.   […..]

(Malte Kreutzfeld, 07.01.2025)

Wer Deutschland schaden will, muss nur Schwarzgelb mit ihrem Faible für Jahrhunderte alte überholte Technologien wählen.

[….] Zum größten Quatsch, der uns auch in diesem Wahlkampf begegnen dürfte, wird wohl dieser gehören: Die Klimapolitik oder der Ausbau erneuerbarer Energien sei für die Wirtschaftskrise im Land verantwortlich. Dazu jede Menge Gegenrede aus berufenem Munde: StudioM   [….]

(Georg Restle, 05.01.2025)

Es ist ökonomisch hochvernünftig Migranten aufzunehmen, Sozialleistungen zu zahlen und Klimaschutzmaßnahmen zu forcieren.

[…..] In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) hat der renommierte Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer die Kritik an der Klimapolitik scharf zurückgewiesen. Vertreter von CDU, FDP, AfD und BSW hatten zuvor den Klimaschutz für die aktuelle Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht. "Die Erzählung, die Klimapolitik schade der Wettbewerbsfähigkeit und vernichte Arbeitsplätze, ist fatal. Richtig ist: Wenn wir jetzt mitten im Umbau stecken bleiben, verlieren wir die Zukunft", betonte Edenhofer.

Der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) verweist darauf, dass die energieintensive Industrie zwar unter hohen Energiestückkosten leidet, die anderswo niedriger sind und auch bleiben werden. Dennoch sei es unerlässlich, fossilfrei produzierte Vorprodukte wie Ammoniak, Eisen und Methanol zu importieren, um industrielle Standorte in Deutschland zu sichern. "Das ist unbestreitbar eine gigantische Herausforderung. Aber wir müssen diesen Wandel in der Wertschöpfung zulassen. Er ist auch eine gewaltige Chance", so Edenhofer weiter. Er betonte zudem: "Denn die Welt um uns herum steht eben nicht still, sondern verwandelt sich auch in eine Welt der erneuerbaren Energien."

Steigert ein Stopp der Klimaschutzpolitik die Wettbewerbsfähigkeit?

Edenhofer kritisierte die Darstellung, Deutschland trage alleine enorme Lasten für den Klimaschutz: "Schon ein Viertel der Emissionen weltweit unterliegt inzwischen einer CO2-Bepreisung," erklärte er und fügte hinzu: "Trotzdem wird hierzulande erzählt, die Deutschen reißen sich das Hemd vom Leib für den Klimaschutz, und die anderen schauen lachend zu und klopfen sich auf die Schenkel. Was für ein Quatsch!"  [….]

(T-online.de, 04.01.2025)

[…] Zaubaurekord bei der Photovoltaik!

2024 wurden in Deutschland über eine Million PV-Anlagen mit einer Leistung von über 16 Gigawatt installiert, die fast so viel Strom liefern können wie zwei Kernkraftwerke.  [….]

(Prof Quaschning, 04.01.2024)

[….] Angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute fordern Ökonom*innen eine EU-weit koordinierte Industriepolitik sowie eine Investitionsoffensive und einen Brückenstrompreis. Kürzungen bei Sozialleistungen seien dagegen kontraproduktiv.  „Anstatt die Herausforderungen durch die aggressive Industriepolitik in China und in den USA sowie durch das Risiko eines globalen Handelskrieges zu adressieren, wird vielfach über vermeintlich überhöhte Sozialausgaben oder falsche Anreize für Bürgergeldempfänger*innen diskutiert“, schreiben die Forschenden des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Ihnen zufolge sind Investitionen in die Industrie und Infrastruktur das beste Mittel, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Werden diese schnell umgesetzt, würde das auch die Nachfrage stützen. Ein falscher Druck auf Löhne und soziale Sicherung hingegen würde laut IMK die Binnennachfrage weiter schwächen – und die sei ein wichtiger Stabilitätsanker. [….] „Eine Art Agenda 2010 in neuer Verpackung, wie sie von konservativer und wirtschaftsliberaler Seite vorgeschlagen wird, würde mehr schaden als nutzen“, warnt deshalb IMK-Chef Sebastian Dullien. Stattdessen bestehe die größte Herausforderung für die nächste Bundesregierung darin „zu verhindern, dass strategisch wichtige Industriebereiche wegbrechen, und Anreize für Investitionen zu schaffen, die eine zukunftsfähige Produktion von innovativen Gütern und Dienstleistungen ermöglichen“.  [….]

(Simon Poelchau, 08.01.2025)

Also, wem die ganzen Gedöns-Themen nicht wichtig sind und wer stattdessen nach harten finanz-wirtschaftlichen Kriterien wählt, der darf unter keinen Umständen sein Kreuz bei AfD, FDP, FW, BSW, CDU oder CSU machen. Deren Politik führt in den finanziellen Ruin Deutschlands. Die populistischen Lieblingsideen, wie Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger und Flüchtlinge“ der rechten Scharfmacher Spahn, Frei und Linnemann sind nichts als teurer finanzieller Unsinn.

[…] Wirkungslos und viel zu teuer

Eine Arbeitspflicht für Langzeitarbeitslose? Die gab es schon mit Hartz IV. Gebracht haben die sogenannten Ein-Euro-Jobs kaum etwas, manchmal waren sie sogar schädlich. [….]

(Tina Groll, Die Zeit, 8. Januar 2025)

Was Merz und Linocchio versprechen – Efuels, Kernfusion -  ist blanker ökonomischer Unsinn – seit Jahrzehnten überholter Mumpitz.

[….] Deutschland kann sich die politische Debatte über hässliche Windräder oder die Rückkehr zur Atomkraft sparen. Stattdessen sollte es alles in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren setzen. „Vorsprung durch Technik“ hätte man dazu früher gesagt. [….] Die Energiewende schreitet voran und ist wohl kaum mehr zu stoppen. Zahlen der Denkfabrik „Agora Energiewende“ oder der Bundesnetzagentur verdeutlichen den Wandel hin zu den Erneuerbaren. Diese sind die großen Hoffnungsträger, damit Deutschland auch weiterhin seine Klimaziele einhält. 2024 gingen die Emissionen im Energiesektor wohl um neun bis elf Prozent zurück. [….] Manches geht so schnell, dass andere Elemente der Transformation kaum hinterherkommen. An sonnigen Mittagen oder in stürmischen Nächten produzieren die Anlagen inzwischen zu viel Strom, am 1. Januar etwa haben alleine die Erneuerbaren mehr geliefert, als das Land verbrauchte. Folge: In sehr vielen Stunden ist das Netz überlastet, Blackouts drohen. Ein Stromsystem basierend auf Wind und Sonne braucht Speichermöglichkeiten. Die sind aber schon in Sicht.

Nach einer Umfrage des Branchendienstes Montel werden die Übertragungsnetzbetreiber überrollt von Anträgen auf Netzanschlüsse für Großbatterien. Die Betreiber wollen Strom billig einkaufen, um ihn etwa abends, wenn alle das Licht anschalten, zu verkaufen. Das würde wohl auch viele der extremen Preistäler und -spitzen glätten. [….]  Weltweit sind auch diese strombasierten Technologien auf dem Vormarsch.

Der Haupttreiber dafür ist China. Das Land überschwemmt den Weltmarkt bereits mit billigen Photovoltaik-Modulen, und in Pakistan etwa wurde 2024 genauso viel zugebaut wie in Deutschland. [….] Und Deutschland? Die AfD will in die Vergangenheit, die FDP wirbt für nicht vorhandene E-Fuels, CDU-Kanzlerfavorit Friedrich Merz findet Windräder hässlich und preist die Kernfusion, die wohl noch Jahrzehnte auf sich warten lässt. Und alles wird überlagert von der Debatte über Atomkraftwerke, die eine derart lange Bauzeit haben, dass man sie bis zur Fertigstellung vielleicht gar nicht mehr braucht. Stattdessen gelten hierzulande Elektroautos, Wärmepumpen, Windräder oder Solaranlagen immer noch als irgendwie politisch links. Das ist absurd. In ruhigeren Zeiten hätten man dazu wohl „Vorsprung durch Technik“ gesagt und wäre stolz auf heimische Hersteller gewesen. [….]

(Thomas Hummel, 08.01.2025)

Dienstag, 7. Januar 2025

Schnellerer Zusammenbruch

In meinem privaten Umfeld sage ich es seit Jahren: Mit meinem Geburtsjahr habe ich alles richtig gemacht. Kindheit noch ganz ohne das beschissene Internet. Niemand klebte am Klugtelefon. Man traf Freude nur im „richtigen Leben“, verabredete sich, war viel draußen. Die in den 1980er beendete Schule durchlief man, indem man sich selbstständiges Arbeiten angewöhnte. Man recherchierte gründlich, las Bücher, ging in Bibliotheken. Rechnen und Rechtschreibung wurde einem so gründlich beigebracht, bis man es fehlerfrei beherrschte. Der Übergang ins Erwachsenen-Leben vollzog sich schnell. Man klebte nicht bis man 35 Jahre alt war, bei seiner Mami fest. Man zog mit 18 oder 19 Jahren aus, studierte, lernte, arbeitete und schaffte es ganz nebenher auch noch, aus frischen Zutaten zu kochen und per Bus und Bahn seine Wäsche in den Waschsalon zu fahren. Hätte ich mit 18 Jahren meine Mutter angerufen, um ihr zu sagen „du, ich habe keine Waschmaschine, komm‘ her, hol‘ mein dreckiges Zeug ab und bring‘ alles sauber gebügelt und gefaltet zurück“, wäre sie vor Lachen vom Stuhl gekippt. Man war selbstständig. Verlies das Nest. Was auch immer man nach der Schule tat: Man kam in ein ganz anderes  Umfeld, lernte viele neue Menschen kennen. Dabei bin ich durchaus introvertiert und nicht derjenige, der zuerst andere anspricht. Aber mangels virtueller Welt, die einem auch nicht fehlte, weil man sie nicht kannte, begegnete man seinem Umwelt mit offenen Augen, sprach in Kneipen oder Diskos oder dem Campus oder in der Mensa mit Leuten um sich herum. Zum Musik hören und Musik kennenlernen, scrollte man nicht im Telefon, sondern ging man in Konzerte, wo man etwas nach heutigen Maßstäben völlig verrücktes tat: Man konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt, schenkte alle seine Sinne dem Geschehen auf der Bühne, während heute alle nur noch ihre Smartphones hochhalten, um ihrer sozialen Bubble ihr Dagewesensein zu dokumentieren.

Wer in den 80er Jahren erwachsen wurde, erlebte die Welt nicht mehr so unerträglich konservativ verkrustet, wie seine  Elterngeneration und machte sich berechtigte Hoffnungen auf kontinuierliche gesellschaftliche und politische Verbesserungen. Die Demokratie war eindeutig weltweit auf dem Vormarsch. Grenzen fielen. Diskriminierung gegenüber Frauen, Schwulen, Schwarzen ließ immer mehr nach. Die neue Grüne Partei war etwas Gutes. Und nicht an allem Schuld. Besonders augenfällige Grausamkeiten oder technische Irrwege bekämpfte man gemeinsam, wurde aktiv und zwar nicht, indem mal bloß ein entsprechendes Meme likte. Das Engagement war durchaus fruchtbar. Landminen wurden geächtet, das grausame Todprügeln von Robbenbabys beendet, die Dünnsäureverklappung in der Nordsee verboten. Wir setzten bleifreies Benzin und Katalysatorpflicht, ebenso wie das totale Verbot von FCKWs gegen den erbitterten Widerstand von Industrie und CDU durch, die das für unmöglich hielten.

Es ging immer voran. Wurde besser. Der Moskauer Kreml und die Warschauer Solidarność brachten neue Hoffnungsträger. Natürlich ging auch die technische Entwicklung voran. Da traf es sich für die digital immigrants, wie mich perfekt, daß genau dann, als wir unsere Jugend, Ausgehphase, den Peak der Promiskuität langsam hinter uns ließen und gern mal auch einen Abend in Ruhe verbrachten, das Internet hervorkroch. Peu à peu konnten wir unsere bereits bestehenden Kontakte ins Netz verlegen, die coolen Hits aus der nachtaktiven Twen-Zeit noch mal gemütlich auf YouTube ansehen und uns beim Lachen über FAIL-Compilations zusätzlich freuen, weil unsere eigenen betrunkenen Peinlichkeiten nie gefilmt worden sind. Es besteht keinerlei Gefahr, unrühmliche Episoden aus meiner Jugend heute im Netz auftauchen zu sehen, weil damals niemand ein Klugtelefon hatte.

Der Optimismus wurde uns mit Social Media allerdings ausgetrieben. Ganz offensichtlich verblöden die Digital Natives massiv und wenden sich durch eine Flut von Bots und Fehlinformationen, die sie nicht von seriösen Informationen zu unterscheiden gelernt haben, immer mehr rechten Autokraten zu.

Die Hoffnung im Osten starb schon längst. Nun kommen von dort Orbán, Putin und PiS. An Demokratien wird massiv gerüttelt. Pressefreiheit und unabhängige Justiz fallen. Oder sind gefallen. Polen, Ungarn, USA, Russland, Türkei, Israel, Österreich.


[….] Weltweit hat sich die Lage der Demokratie laut einer Bertelsmann-Studie massiv verschlechtert: Die Zahl der Demokratien unter den Entwicklungs- und Schwellenländern sank demnach auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. [….] Die Demokratie gerät einer Studie zufolge weltweit zunehmend unter Druck. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle "Transformationsindex" der Bertelsmann Stiftung mit Blick auf 137 untersuchte Entwicklungs- und Schwellenländer von Algerien bis zur Zentralafrikanischen Republik.

"Zu keinem Zeitpunkt wurden in den vergangenen 20 Jahren so wenige Staaten demokratisch regiert wie heute", lautet das ernüchternde Urteil der Studie. 63 Demokratien stehen zurzeit einer Mehrheit von 74 Autokratien gegenüber. Zugleich attestierten die Autoren vielen Staaten ökonomische Ungleichheit und eine verfehlte Wirtschaftspolitik. In 83 der 137 Länder herrsche eine massive soziale Ausgrenzung.  […]

(Tagesschau, 19.03.2024)

Insbesondere killt uns aber der Klimawandel, der bisher schon viel zu wenig bekämpft wurde und der von den neuen Faschisten teilweise noch nicht mal als Tatsache anerkannt wird.

Von Trump über Putin bis Lindner und Merz, ist da nichts zu erwarten und so werden wir als Homo Sapiens garantiert in den nächsten hundert Jahren untergehen.

Bisher tröstete ich mit meinem günstigen Lebensalter, der günstigen geographischen Lage und meiner Kinderlosigkeit. In Nordeuropa wird es auch ungemütlicher, aber man kann noch länger überleben, als in vielen anderen Teilen der Welt.

Möglicherweise kann man es sich irgendwo in Schleswig Holstein noch bis zum Rentenalter und ein paar Jahre drüber hinaus gemütlich machen, bis alles zusammenbricht. Mit ungefähr 70 sollte ich aber final abreisen. Schon allein, weil es nicht möglich sein wird, dann noch adäquat gepflegt zu werden, sofern man nicht über enorme finanzielle Mittel verfügt. Das ist in Ordnung. Ich hatte ohnehin nicht vor, länger auf dieser Affenkugel zu weilen, als meine physische Autarkie anhält.

Seit etwa 2022 verschärft sich aber das Tempo des Niedergangs. Kickl ante portas, Fritze Merz schreitet mit Siebenmeilenstiefeln auf die AfD zu. Mag die Brandmauer diesen Februar so eben noch halten; bei der Bundestagswahl von 2029 ist sie obsolet. Europa wird dann von vielen Faschisten regiert, die nach Zuckerbergs und Musks Pfeife tanzen.

Die Autokraten nehmen sich, was sie wollen.

Trump sagt heute, er schließe nicht aus, sich Grönland und Panama auch mit militärischer Gewalt einzuverleiben. Den Golf von Mexico benennt er in „Golf von Amerika“ um. Er will das 2%-Ziel der NATO auf 5% erhöhen – viel Spaß Bundeskanzler Merz mit der Schuldenbremse.

Das werden wohl doch keine 15-20 Jahre mehr bis zum Untergang der Menschheit. Es könnte erheblich schneller gehen.

Montag, 6. Januar 2025

Grusel fern und Grusel nah.

Das war ja gruselig! Für die Recherche für dieses Posting, surfte ich auf den Seiten der „AfD“ und der „Jungen Alternative“, die vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird.

Selbstverständlich verwende ich keine Links, um den Nazis nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, aber wenn Adolf Hitler heute lebte und sich eine Website wünschen dürfte, sähe sie so aus, wie die der „JA“. Die völkischen Horrorjünglinge sind so extrem, daß die Mutterpartei Anfang Dezember 2024 eine „Neuausrichtung der JA“ ankündigte, was viele als Trennung von ihrer eigenen Jugendorganisation verstanden. Offenbar wollte Weidels Blut- und Boden-Truppe nicht noch mehr ins Visier des Verfassungsschutzes geraten.

Der JA- Bundesvorsitzende Hannes Gnauck, ein ehemaliger Soldat, der vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) als Extremist eingestuft worden ist, protestiert heftig auf der Website seiner HJ-artigen Organisation. Diese Berichte träfen nicht zu. Und in der Tat, scheint er ausnahmsweise mal nicht gelogen zu haben; Chrupalla und Weidel warfen offenbar mit dem Begriff „Neuorientierung“ eine Nebelkerze, um die Presse abzuwimmeln. In Wahrheit arbeiten AfD und JA weiterhin eng verzahnt zusammen.

Und warum auch nicht – überall marschieren die Rechtsextremisten durch, brechen ein Tabu nach dem nächsten, ziehen die alten konservativen Parteien auf die Dunkle Seite.

Verschwörungstheoretische Nazi-Blogger wie David Berger tanzen im Glücksrausch durch ihre kackbraunen Medienblasen: Biden weg, Harris weg, Rotgrün, bzw Ampel bald weg, Trudeau weg, Macron schwer angeschlagen, Meloni steigt zur europäischen Führungsgestalt auf, Nehammer weg, Trump kommt, Musk kommt, Merz kommt, Kickl kommt. „Remigration“ kommt.

Die westlichen Industriestaaten kippen kollektiv in den Abgrund der Autokratie. Die Trollfabriken in Moskau, sowie die Algorithmen unserer sozialen Medien, unter der Herrschaft einer Handvoll ultrareicher Ultrarechter, oktroyieren dem Urnenpöbel eine Wahlvorliebe für Exkrement-farbige Parteien auf.

Eine der allerletzten Widerstands-Oasen in Europa bildet Hamburg. Bei der Bürgerschaftswahl am 02.03.2025 wird erneut eine rotgrüne Mehrheit erwartet – wo gibt es sowas noch?

Das bedeutet aber nicht, daß AfD und die in Hamburg extrem weit rechts stehende Ploß-CDU es nicht versuchen. Die Kombination aus stabiler „linker“ Mehrheit und im Bundesvergleich allerbesten ökonomischer Zahlen, ist den Völkischen ein Dorn im Auge. Man ist nie sicher vor der rechten Gefahr, wenn man nicht ständig aktiv gegen die um sich greifende braune Pest kämpft.

Ganz in meiner Nähe, in der Heinrich-Hertz-Schule, der Stadtteilschule mit Gymnasium, in der es gelegentlich brennt, klappt das allerdings nicht so „recht“. Damit komme ich wieder zum Anfang zurück. Dort soll diesen Freitag der Rechtsextremist und JA-Vorstandsfunktionär Michael Schumann auftreten.

[….] Er kommt allerdings aus einem extrem rechten Milieu. Schumann wurde 1998 in Hamburg geboren, ist Vorstandsmitglied der AfD im Bezirk Nord und als Mitarbeiter der Bürgerschaftsfraktion angestellt. Und Schumann ist Vorstandsmitglied der Jungen Alternative (JA) auf Bundesebene. Dies ist der Jugendverband der AfD, welcher aufgrund seiner völkischen Positionen vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft ist.

Schumann wurde auf dem Bundesparteitag der AfD in Magdeburg im Juli/August 2023 gewählt. Der Parteitag war von einem deutlich radikalem Kurs mit offener Europa- und Demokratie-Feindlichkeit, Verschwörungsmythen und rassistischer Hetze geprägt. Auch bei der Auswahl der Kandidat*innen für die Wahl zum Europäischen Parlament war dieses zu bemerken. Vor allem auf den Spitzenplätzen dominieren jetzt Anhänger*innen des formal aufgelösten, aber weiterhin gut vernetzten „Flügel“ um Björn Höcke.

Schon ein halbes Jahr vor den bekannten Correctiv-Recherchen sprach Schumann offen von Remigration, also Deportation derjenigen, welche nicht zum „deutschen Volk“ gehören würden. In seiner Rede auf dem Bundesparteitag der AfD behauptete Schumann, dass es „eine Ersetzungsmigration“ gäbe, die „die Deutschen“ austauschen würde, und bediente damit das rechtsextremistische Ideologem vom „Großen Austausch“, welches insbesondere die Identitäre Bewegung (IB) propagiert. Man müsse sich zur Verteidigung der Identität auf das „blutige Erbe von Karl Martell“ und die „Märtyrer der spanischen Reconquista“ berufen, so Schumann wortwörtlich. Er vertritt hier ganz offen, dass seine Vertreibungspläne also nur mit brutaler Gewalt umzusetzen seien.  […..]

(AfD-Watch Hamburg, 20.03.2024)

Liebe Schulleitung: Es ist kein Pluralismus, verfassungsfeindliche Rechtsextreme auf die Schüler loszulassen!

[….] Nachwuchs-Faschist Michael Schumann (AfD/JA) kommt am 10. Januar um 10.00 Uhr in die Heinrich-Hertz-Schule. Schumann forderte die "Remigration" mit blutigen Mitteln durchzusetzen. Wir fordern Schumann wieder auszuladen!

Der Hintergrund: Im Zuge der Bundestags- und Bürgerschaftswahlen finden an Hamburger Schulen Podiumsdiskussionen mit Vertreter*innen politischer Parteien statt, um Schüler*innen die Möglichkeit zu geben, sich mit verschiedenen Positionen auseinanderzusetzen und sich eine eigene Meinung zu bilden. [……]

(Hamburger Bündnis gegen rechts, 06.01.2025)

Offenbar meint die Schulleitung, sie müsse wegen des Neutralitätsgebots auch einen Vertreter der Nazis einladen – immerhin sitzt Schumanns Partei mit 5,3% bei der letzten Bürgerschaftswahl 2020 im Landesparlament.

Die Lehrergewerkschaft widerspricht vehement.

[….] Veranstaltungen ohne AfD möglich

Podiumsdiskussionen ohne AfD sind möglich. Das sogenannte Neutralitätsgebot gilt nämlich nur, wenn es sich um eine offizielle Schulveranstaltung handelt. An Schulen können aber auch außerschulische Veranstaltungen stattfinden, wenn Eltern, Schüler*innen oder auch eine GEW-Betriebsgruppe die Organisation außerhalb des Unterrichts übernehmen. Das ist natürlich deutlich aufwändiger, als wenn die Schulleitung eine solche Veranstaltung organisiert. Die GEW empfiehlt ein solches Vorgehen.

Neutralität in der Schule bedeutet nicht Wertneutralität

Der Begriff „Neutralität“ wird von der AfD häufig missbraucht und verkürzt als Verbot einer wertenden Stellungnahme im Unterricht verstanden. Das sogenannte Neutralitätsgebot darf jedoch nicht mit Wertneutralität verwechselt werden. Die Schule hat den klaren Auftrag, den Schüler*innen die freiheitlich-demokratischen Grund- und Menschenrechte zu vermitteln und basiert mit ihrem gesetzlichen Bildungsauftrag auf den Werten des Grundgesetzes.

Die Positionen der AfD sind unvereinbar mit den Werten und Zielen der GEW. Die Alternative zu Rechts ist Respekt und Solidarität. […..]

(GEW, 06.01.2025)

Natürlich stellt sich außerdem die Frage, wieso man ausgerechnet einen selbst innerhalb der AfD ultraweit rechts stehenden Nazi in eine Schule lädt, wenn es schon unbedingt ein Brauner sein muss.

[….] Bei der Europawahl im Juni tritt mit dem Hamburger AfD-Kandidaten Michael Schumann ein aufstrebender Rechter an, der Teil eines tiefbraunen Netzwerks ist, das bis zum Multifunktionär Götz Kubitschek reicht.

Schumann kandidiert nicht nur bei der Europawahl, sondern bekleidet auch auf Bundes- und Landesebene verschiedene Positionen. So ist er im Bundesvorstand der „Jungen Alternative“, Vorsitzender der „Jungen Alternative“ Hamburg, Vorstandsmitglied des Hamburger Bezirks Nord sowie angestellter Mitarbeiter in der Hamburger Bürgerschaft.

Bislang machte AfD Watch Hamburg öffentlich, dass Schumann in der extrem rechten „Landsmannschaft Mecklenburgia Rostock“ (LMR) aktiv ist. Neue Erkenntnisse zeigen, Michael Schumann war auch bei der „Identitären Bewegung“ (IB) aktiv. Am 25. August 2018 nahm Schumann an der Versammlung „Europa Nostra“ der „Identitären Bewegung“ in Dresden teil. [….] Doch Schumann besuchte nicht nur Events der IB, er trieb auch die Propaganda im Netz voran. Er ist verantwortlich für das IB-Tarn-Projekt Literaturklub „Junge Flamme“ bei Instagram und Telegram. [….]  Die letzten Beiträge von Ende 2023 weisen auf die extrem Rechte Zeitschrift „Wir selbst“ hin.  Dass Schumann stets über Organisationsgrenzen hinweg die faschistische Idee im Blick hat, zeigt auch eine denkwürdige Veranstaltung auf dem Haus der „Hamburger Burschenschaft Germania“ (HBG). Am 3. Mai 2018 wurde bei der extrem rechten Burschenschaft eine sogenannte Zeitzeugenveranstaltung mit Erich R. durchgeführt, an der auch Michael Schumann teilnahm. Bilder belegen, wie Schumann mit Moritz Schellenberg (damals IB) und weiteren jungen Burschenschaftern zusammen Getränke für die Veranstaltung organisiert. Zu jener Zeit versammelten sich die Mitglieder der „Identitären Bewegung Hamburg“ regelmäßig auf dem Haus der HBG und trainierten dort u.a. Kampfsport mit dem Hamburger Neonazi Thomas Gardlo.

Ein Teil seiner Aktivitäten dokumentierte Schumann damals über den mittlerweile gelöschten Instagram Account „Neo Hammonia“. In Anlehnung an Donald Trump propagierte er dort „Make Europe Great Again“- ein Slogan, den die extreme Rechten in ganz Europa verwendet. Im August 2019 reiste Schumann nach Russland. Ein Foto, das er mit den Worten „Spaziergang im Kreml“ veröffentlichte, kommentierte ein Account mit den Worten „Grüß den Chef“. Ein Bild aus Dezember 2019 zeigt ihn bei einer Reise nach Paris, wo er mit dem Neonazi Simon Kaupert unterwegs war. Kaupert war bei der Jungendorganisation der NPD „Jungen Nationalisten“ (JN) und der IB aktiv. Heute ist er Leiter des extrem rechten Medienprojekts „Filmkunstkollektiv“ und arbeitet für „Ein Prozent“. [….] [….][….]

(AfD-Watch HH)