Freitag, 12. Januar 2024

CDU im Visier

Nein, die vorgestern bekannt gewordenen Nazi-Pläne der deutschen Rechten, die über 12 Millionen Menschen auf die ein oder andere Weise loswerden wollen, kamen nicht überraschend.

Wer wie Aiwanger, BILD, Reichelt, Poschardt, Merz, Söder, Spahn, Petschner-Multari, Scheuer, Dobrindt, Tichy, Blome, Steingart, Fleischhauer mitgehetzt hatte und seit Jahren daran arbeitete, Menschenhass und die AfD groß zu machen, wiegelt heute ab. Das bißchen Wannseekonferenz macht doch nichts.

[….] Die #Remigration-Story ist inhaltlich sehr dünn und mit Blick auf die journalistische Herangehensweise mehr als fragwürdig. Zudem sehe ich die politische Relevanz des Vorgangs nur bedingt - kein bekannter Politiker nahm an dem Treffen teil. Die gesellschaftliche Wirkmacht der Akteure ist begrenzt. Ich habe eher den Eindruck, Teile der Berliner Blase hyperventilieren seit einiger Zeit. Da wird aus ein paar durchgeknallten Rentnern um Prinz Reuß schnell ein vereitelter Staatsstreich, aus protestierenden Bauern ein staatsfeindlicher Mistgabel-Mob und aus einem fragwürdigen AfD-Kaffeekränzchen eine Wannseekonferenz 2.0. Am Ende leidet nur die Glaubwürdigkeit von Medien und Meinungsmachern.  […..]

(Armin Petschner-Multari, CSU, Eigentümer von The Republic, Ex-»Communications Advisor« der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Macher des Youtube-Kanal der CSU,  11.01.2024)

Waren doch alles nur ein paar irrelevante Spinner von der AfD, die noch nicht mal im Parteiauftrag, sondern rein privat die Deportation von 12 Millionen Bürgern planten.

[….] Ulrich Siegmund, Fraktionschef seiner in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei. Er sei als »Privatperson« dort gewesen, sagte er den »Correctiv«-Journalisten, seine von dort überlieferten Wortbeiträge sollen allerdings reichlich politisch gewesen sein: Er soll demnach gesagt haben, man müsse in seinem Bundesland dafür sorgen, dass es »für dieses Klientel möglichst unattraktiv zu leben« werde – und soll Menschen mit Migrationshintergrund gemeint haben, die eigentlich nicht abgeschoben werden könnten. [….]

(Peter Maxwill, SPON, 12.01.2024)

Ach so, er wandelte also nur als Privatmann auf den Spuren Adolf Eichmanns und Ernst Kaltenbrunners. Dann macht es ja nichts.

Schon das ist ungeheuerlicher Euphemismus.

Wesentlich schlimmer ist aber die Tatsache der Vernetzung von Neonazis, Identitären, AfDler, Wertenunionisten und CDU-Politikern.

Ja, richtig gehört, bei dem Vernichtungstreffen waren auch CDU-Mitglieder zugegen.

Wenig verwunderlich, daß sich Linnemann und Merz um eine Verurteilung der Nazis in ihren Reihen drücken.

Aber was für ein Versagen von 98% der Journalisten, welche in ihren Berichten die CDU-Beteiligung unter den Tisch fallen lassen.

Jurist und Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES)-Mann Ulrich Vosgerau (* 1974), der an der Wannseekonferenz 2.0 teilnahm, ist Mitglied der CDU und gilt als Einflüsterer Horst Seehofers.

Der rechtsradikale Eigentümer der Villa Adlon, Wilhelm Wilderink, (*1970), der zur „Konferenz“ eingeladen hatte, ist CDU-Mitglied.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende und NRW-Landeschefin der Werteunion, Simone Baum, die zu den Teilnehmern des Potsdamer Treffens gehörte, ist CDU-Mitglied.

Michaela Schneider, stellvertretende Vorsitzende der Werteunion NRW, ist ebenfalls CDU-Mitglied und war ebenfalls eine der Anwesenden beim Nazi-Treffen vom Lehnitzsee.

Mitverschwörerin Silke Schröder gehört zum Vorstand des CDU-assoziierten Vereins für die deutsche Sprache.

Alexander von Bismarck ist ebenfalls CDU-Kommunalpolitiker.

Nicht alle Teilnehmer der NS-Nachfolgekonferenz sind namentlich bekannt, aber da man mit wenig Mühe bereits sechs CDU-Mitgliedschaften ermitteln kann, sollte man weniger von einem „obskuren AfD-Treffen“, als von einem verfassungsfeindlichen CDU-Treffen zur Zerstörung Deutschlands sprechen.

Ein weiterer Organisator der ganz rechten Umtriebe ist ein prominenter CDU-Mann: Der ehemalige Berliner Finanzsenator und Kölner CDU-Bürgermeisterkandidat Kurth.

[….]  Nach Berichten über ein konspiratives Treffen rechtsextremer Netzwerker in einer Potsdamer Villa, das jüngst vom Recherchezentrum Correctiv publik gemacht wurde, wird eine weitere Zusammenkunft prominenter Vertreter der AfD und der radikalen Rechten bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen fand es im Juli in Berlin-Mitte statt – in der Privatwohnung des früheren Berliner CDU-Finanzsenators Peter Kurth. Nach Angaben von Teilnehmern wohnten der Veranstaltung unter anderem der AfD-Politiker Maximilian Krah, inzwischen Spitzenkandidat der Partei für die Europawahl, und der Verleger Götz Kubitschek bei – sowie der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner aus Österreich.   […..] Kurth räumte ein, »mit mehreren Mitgliedern der AfD persönlich befreundet« zu sein. Laut einer Spendenquittung über 450 Euro, die dem SPIEGEL vorliegt, unterstützte der Christdemokrat die AfD zumindest 2016 auch mit Geld. Eine Parteispende an die AfD »schließe ich nicht aus«, erklärte Kurth dazu. [….]

(SPON, 12.01.2024)

Iris Mayer, die großartige Ostdeutschland-Korrespondentin der SZ, mahnt an, die bisherige, antiquierte Äquidistanz der CDU zu Linken und AfD aufgeben zu müssen. Der Ost-CDU obliege es bei den diesjährigen Landtagswahlen das Abgleiten in den Rechtstotalirismus zu verhindern.

[…..] Die AfD steht davor, bei den Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen eine Stärke zu erreichen, die ernsthafte Fragen nach dem Fortbestand der Demokratie aufwerfen könnte. Die SPD wird - wie die Grünen - in Thüringen und Sachsen froh sein müssen, wenn sie überhaupt im Landtag bleibt. Und die Linkspartei hat ihren Wählerstatus als Kümmerer und Protestventil längst verloren. Deswegen wird es dieses Mal vor allem auf die CDU ankommen. Sie dürfte in Sachsen und Thüringen darüber entscheiden, ob der AfD der Sprung an die Macht gelingt. Eine Koalition mit der AfD oder eine Tolerierung lehnt die Mehrheit der CDU in beiden Ländern noch glaubhaft ab. Doch es könnten sich andere Fragen stellen, sollte die in beiden Bundesländern rechtsextremistische AfD auch nur annähernd so stark werden, wie es Umfragen nahelegen. Dann nämlich, wenn es nur noch für eine Regierung mithilfe der Linken reicht - oder dem Bündnis von Sahra Wagenknecht, sollte dies im September antreten. […..] Dafür müssten die Christdemokraten von ihrem Parteitagsbeschluss aus 2018 abweichen, in dem es heißt: "Die CDU Deutschlands lehnt Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linkspartei als auch mit der Alternative für Deutschland ab."

Es wäre absurd, die Linkspartei in dieselbe Schublade zu stecken wie die AfD - eine Partei, die heute viel aggressiver ist als noch 2018. Der offiziell aufgelöste Flügel, damals nur eine radikale Strömung, dominiert längst die Gesamtpartei. Drei Landesverbände stuft der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch ein. In Thüringen vertritt die AfD Positionen, die sich in "ziel- und zweckgerichteter Weise gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten", in Sachsen sieht der Verfassungsschutz eine fortdauernde Agitation gegen die politische Grundordnung belegt, immer mit dem Ziel, die Demokratie als Ganzes herabzuwürdigen. Nichts auch nur Annäherndes lässt sich über die Linkspartei des Jahres 2024 sagen […..] Es geht darum, die Demokratie vor ihren Feinden zu schützen. Vor einer AfD, die öffentlich vom Systemumbau träumt und Pläne zur millionenfachen Vertreibung von allen Menschen schmiedet, die ihr nicht ins völkische Schema passen. Nie war das Motto "Erst das Land, dann die Partei" wichtiger. Wenn der Demokratie nicht anders zu helfen ist, sollte die CDU dies gemeinsam mit der Linken tun.  [……]

(Iris Mayer, 11.01.2024)

Wenn Mayer da mal nicht viel zu optimistisch ist!

Heute behauptet Merz zwar mal wieder, nicht mit der AfD koalieren zu wollen, aber wie wir wissen, verkündete er auch schon das Gegenteil und robbt verbal immer mehr von den demokratischen Grünen und Linken ab - und zu den Antidemokraten der AfD hin. Merz beweist seit zwei Jahren jeden Tag, daß er keineswegs nach dem Motto "Erst das Land, dann die Partei" zu handeln gedenkt, sondern ungeniert und mutwillig Deutschland schadet, wenn er sich davon einen parteipolitischen Vorteil verspricht. Der völkisch tönenden Blackrock-Millionär, der nur Verachtung für „sozial Schwache“ empfindet, soll mit den Linken koalieren, obwohl er selbst für eine immer größere Schnittmenge mit der AfD sorgt?

Wenn ausgerechnet Fritze Merz der letzte Damm vor der AfD sein soll, sehe ich schwarz. Und zwar Braunschwarz.

[…..]  Die Beschädigung von demokratischer Zivilität speist sich nicht nur aus der politischen Peripherie, sondern aus jenen Teilen der bürgerlichen Mitte, die alles, was republikanische Bürgerlichkeit im besten Sinne bedeuten könnte, verleugnen. Das zerstörerische Werk der demokratischen Missachtung erledigen mittlerweile alle in Parteien und Redaktionen, die sich einen eigenen Nutzen davon versprechen, populistische Rhetorik und Ressentiments zu kopieren.

Wer sich permanent fragt, ob die eigenen Worte oder Positionen auch ausreichend das AfD-Klientel „abholen“ oder besänftigen, hat den eigenen demokratischen Kompass schon verloren. Wer sich permanent fragt, ob die eigenen Aussagen oder Programme auch ausreichend die Anhänger von Verschwörungserzählungen „abholen“ oder besänftigen, hat die Wirklichkeit als Maßstab schon verloren. Wer sich nicht traut, Stimmungen und Affekten zu widersprechen, nur weil sie laut sind, verwechselt Volumen und Wahrheit. Wer glaubt, die Prinzipien des Grundgesetzes seien „normalen Leuten“ nicht zumutbar, ist nicht „nah an den Sorgen der Menschen“, sondern zelebriert lediglich die zynische Gleichgültigkeit einer bürgerlichen Mitte, die nur noch nicht begriffen hat, dass das Grundgesetz das Fundament dieser Republik ist. Es ist Zeit, dass wir uns als Gesellschaft an die politischen, sozialen, ökologischen Krisen machen, die uns tatsächlich bedrohen. Das ist vielleicht das Schlimmste: dass das Spektakel aus Desinformation und Ressentiment lediglich ablenkt von den gewaltigen Aufgaben, die es zu lösen gilt.  [….]

(Carolin Emcke, 13.01.2024)

Donnerstag, 11. Januar 2024

Was wird der Citoyen tun?

Da treffen sich also der rechte Rand der CDU, Maaßens Unwerteunion, AfD und Identitäre zur Wannseekonferenz 2.0, um zu besprechen, wie man 12 Millionen Menschen aus Deutschland deportiert, in Lager schafft. 

Das gemeinwohlorientierte investigative Medienhaus CORRECTIV hatte berichtet, wozu Staatsanwaltschaft und Dienste der BRD offenbar zu unfähig sind.

Die schwarzbraunen Schnittmengen sind inzwischen durch die fortwährende Ermutigung aus CDU, CSU, FW und Teilen der FDP (Kubicki, Adler!) so angewachsen, daß sie sehr konkret die Machtübernahme planen. Grausige zwei Dutzend reiche und mächtige Rechtsradikale treffen sich heimlich am 25.11.2023: 

    AfD

    Roland Hartwig, rechte Hand der Parteichefin Alice Weidel

    Gerrit Huy, Bundestagsabgeordnete

    Ulrich Siegmund, Fraktionsvorsitzender Sachsen-Anhalt

    Tim Krause, stellv. Vorsitzender im Kreis Potsdam

    DER MÖRIG-CLAN

    Gernot Mörig, ein Zahnarzt im Ruhestand aus Düsseldorf

    Arne Friedrich Mörig, Sohn von Gernot Mörig

    Astrid Mörig, Frau von Gernot Mörig

    NEONAZIS

    Martin Sellner, ein rechtsextremer Aktivist aus Österreich

    Mario Müller, ein verurteilter Gewalttäter

    Ein junger „Identitärer“

    GASTGEBER

    Wilhelm Wilderink

    Mathilda Martina Huss

    UMFELD-ORGANISATIONEN

    Simone Baum, Werteunion NRW, Vorstand

    Michaela Schneider, Werteunion NRW, stellvertretender Vorstand

    Silke Schröder, Verein Deutsche Sprache, Vorstand

    Ulrich Vosgerau, ehem. Kuratoriumsmitglied der Desiderius Erasmus Stiftung

    Alexander von Bismarck

    Henning Pless, rechtsextremer Heilpraktiker und Esoteriker

    Ein IT-Unternehmer und Blut-und-Boden-Nazi

    Ein Neurochirurg aus Österreich

    Zwei Angestellte des Hotels

In einem Landhotel am Lehnitzsee bei Potsdam, also nur 10 km entfernt vom Wannsee, planen sie ihr gigantisches Verbrechen.

 […..]  Was dort an diesem Wochenende entworfen wird, ist ein Angriff auf die Existenz von Menschen. Und es ist nicht weniger als ein Angriff gegen die Verfassung der Bundesrepublik.  […..] Sellner, Buchautor und ein führender Kopf der Neuen Rechten, ist auf dem Treffen der erste Redner[…..] Er erklärt das Konzept im Verlauf des Vortrages so: Es gebe drei Zielgruppen der Migration, die Deutschland verlassen sollten. Oder, wie er sagt, „um die Ansiedlung von Ausländern rückabzuwickeln“. Er zählt auf, wen er meint: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht – und „nicht assimilierte Staatsbürger“. Letztere seien aus seiner Sicht das größte „Problem“. Anders gesagt: Sellner spaltet das Volk auf in diejenigen, die unbehelligt in Deutschland leben sollen und diejenigen, für die dieses Grundrecht nicht gelten soll.

Im Grunde laufen die Gedankenspiele an diesem Tag alle auf eines hinaus: Menschen sollen aus Deutschland verdrängt werden können, wenn sie die vermeintlich falsche Hautfarbe oder Herkunft haben – und aus Sicht von Menschen wie Sellner nicht ausreichend „assimiliert“ sind. Auch wenn sie deutsche Staatsbürger sind. Es ist gegen die Existenz von Menschen in diesem Land gerichtet.

Das wäre ein Angriff auf das Grundgesetz – auf das Staatsbürgerrecht und auf den Gleichheitsgrundsatz. […..]

(Correctiv, 10.01.2024)

Mit der Abschaffung der Demokratie und Führerpersönlichkeiten wie Bernd Höcke, sollen nicht nur die unliebsamen Schwarzen, Schwulen und Muslime aus Deutschland gejagt werden, sondern auch alle anderen, die sich dem Faschismus entgegenstellen könnten.

Mit geht es angesichts dieses Berichtes, wie anderen Beobachtern der rechten Szene - Gilda Sahebi, Max Czollek, Volksverpetzer oder Georg Restle – ich bin überhaupt nicht überrascht. 



Die perfiden AfD-Nazis denken ohnehin so und werden seit sieben Jahren systematisch von den C-Parteien durch schrittweise Übernahme der faschistischen Positionen dabei unterstützt. Der CDU-Vorsitzende mauserte sich zum wichtigsten AfD-Wahlhelfer und der CSU-Vorsitzende holte sich sogar einen demokratieverachtenden antisemitischen Hetzer als stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten an seine Seite.

So machten es die Konservativen vor 90 Jahren, so tun sie es wieder.

Ungeniert und sichtlich betrunken schürt Sachsens CDU-Regierungschef Kretschmer weiterhin xenophobe Narrative der Faschisten.

Wir sind nicht ausländerfeindlich, die Ausländer sind einfach nur zu dumm für unsere Wissensgesellschaft, meint ein merkwürdig lallender Ministerpräsident.

(hoywoj - @aushoywoj.bsky.social, 10.01.2024)

Selbstverständlich verstärkt die CDU damit den Rechtsextremismus.

Selbstverständlich phantasieren diese Nazis nun davon, wie einst die NSDAP, alle unliebsamen Bürger loszuwerden.

[…..]  Was geschieht, das können alle sehen[…..] Es stimmt: Wenig von dem, was in der Potsdamer Nazi-Runde besprochen wurde, ist wirklich neu. Man konnte schon vor Jahren in Björn Höckes Buch lesen, dass nach seiner Vorstellung ein Deutschland unter Führung der AfD "leider ein paar Volksteile verlieren" werde. Und es gibt unzählige weitere Belege dafür, wie autoritär und rassistisch diese Partei und ihr Umfeld ticken. Wer das bisher nicht mitbekommen hat, der will es vielleicht auch gar nicht.  […..]

(Christian Bangel, ZEIT, 11.01.2024)

Ich wundere mich nicht über das gute Drittel der Bevölkerung Ostdeutschlands, das sich Nazis an der Regierung wünscht.

Ich wundere mich nicht darüber, daß die konservativen und christlichen Parteien wieder als Verteidiger der Demokratie und Menschenrechte ausfallen und sich wieder lieber ins Boot der Nazis setzen.

Es kommt nun auf die Zivilgesellschaft an, auf den Citoyen. Jenen aufgeklärten engagierten Staatsbürger, der nicht auf Schwurbelparolen der Wutbürger reinfällt und sich nicht für die schlechten AfD-Kopien der C-Parteien erwärmt.

In Hamburg gibt es den Citoyen noch. Den Staatsbürger, der sich empört und aktiv wird, wenn er von solchen Menschenvernichtungs-Phantasien und Umsturzplänen hört.

[….] Demoaufruf:

 Gemeinsam gegen die faschistischen Deportationspläne von AfD und WerteUnion!

Liebe Genossinnen und Genossen,

gestern wurde aufgedeckt, dass AfD und WerteUnion an faschistischen Deportationsplänen für Millionen von Menschen in Deutschland tüfteln.

Wir Jusos Hamburg-Nord haben daher gestern ein breites Bündnis zusammengerufen und eine Demo für morgen vor der AfD-Parteizentrale in Hamburg angemeldet. Mit dabei sind u.A. Ver.di, das Hamburger Bündnis gegen Rechts, die DGB-Jugend, die Omas gegen Rechts, der gemeinsame AK gegen Rechts von SPD und Jusos Hamburg und viele mehr.

Die Deportationspläne von AfD und WerteUnion sind nichts anderes als ein verachtenswerter Angriff auf das Leben von vielen Millionen Menschen in Deutschland und unsere Demokratie.

Daher rufen wir dazu auf, gemeinsam mit uns am Freitag um 18:30 Uhr vor der Hamburger AfD-Parteizentrale gegen die AfD, ihre Unterstützer*innen und ihre menschenverachtenden Pläne auf die Straße zu gehen!

In Hamburg ist kein Platz für Faschist*innen und ihre Unterstützer*innen, denn: Nie wieder ist jetzt!

Wir hoffen dich Morgen auf der Demo zu sehen.

Demonstration der Jusos Hamburg-Nord gegen die faschistischen Deportationspläne von AfD und WerteUnion

Freitag, den 12. Januar 2024 um 18:30 Uhr

Platz neben der St. Petri Kirche (Speersort/Bergstraße), vor der AfD Parteizentrale [….]

(Jusos Hamburg-Nord)

In Hamburgs unrühmlicher Partnerstadt Dresden gibt es ein Zehntel so viele Ausländer und eine zehnmal so starke AfD. Das ist schlimm genug. Noch übler ist aber das Fehlen der Citoyens. Abgesehen von einer kleinen Gruppe linker Aktivisten, die sich seit Jahren Pegida und AfD entgegenstellen, gibt es kaum Normalbürger, die sich an dem braunen Spuk stören. Auch wer nicht selbst AfD wählt, verhält sich gegenüber Demokratie und Gesellschaft lethargisch. Die Braunen sind für sie nur eine Partei wie jede andere. Die Hälfte der Ossis interessiert sich so wenig für die Demokratie, daß sie überhaupt gar nicht erst wählen geht, wenn es darum geht, die AfD an der Übernahme kommunaler Posten zu hindern. Wo der Citoyen fehlt, ist der Urnenpöbel zu tumb und zu apathisch, um sich gegen den braunen Mob zu stellen.

Auf die Bürger im Osten und Süden Deutschlands kann man nicht hoffen. Deutsche widerstehen dem Faschismus schon wieder nicht. Daher liegt die einzige Möglichkeit, die erneute faschistische Machtergreifung zu verhindern, in dem Verbot der AfD. Ein nicht ideales, aber dringend gebotenes Verfahren gegen die gesichert rechtsextreme Partei.

Natürlich gibt es hohe Hürden für ein Parteienverbot und die potentiellen Koalitionspartner der Nazis lehnen es fast so vehement ab, wie die Nazis selbst.

Ein AfD-Verbot ist aber verfassungsrechtlich möglich.

Und nötig.

[….] Die Deutschen haben eine stabile Demokratie aufgebaut. Doch zum ersten Mal seit ihrer Gründung ist die Republik massiven Angriffen von Rechtsextremisten ausgesetzt - und überdies mit wachsender Intensität. Nun hat die Bedrohung einen kritischen Punkt
erreicht.
[….] Man muss wissen: Ähnlich wie viele AfD-Wähler von heute wollten auch 1930 etliche mit dem Kreuz bei der NSDAP nur Protest zum Ausdruck bringen - und standen 1933 dann erschrocken vor den Trümmern der Demokratie. Nun ist Höcke kein Hitler, aber er vertritt teilweise Nazi-Ideologie - es gibt zahlreiche Parallelen zu damals: Goebbels erschien im Reichstag und verkündete, dass die NSDAP die Möglichkeiten der Demokratie nutzen werde, um diese abzuschaffen. Genau das will heute Höcke. Deshalb forderte der große Sozialdemokrat Carlo Schmid nach der Verabschiedung des Grundgesetzes "Intoleranz denen gegenüber, die die Demokratie missbrauchen, um sie umzubringen". Die gründlichen Analysen der AfD durch die Verfassungsschutzbehörden (nicht unbedingt die Wahlprogramme) belegen diese Bestrebungen. Wir müssen sie ernst nehmen und ihre Ziele zur Kenntnis nehmen. Das sind Verfassungsfeinde. Und keine Sektierer, sondern seit Jahren in so vielen Parlamenten vertreten.

Eine weitere Parallele zu 1930 ist das Versagen von Teilen des Bürgertums. Machen wir uns nichts vor: Systemverachtung ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die sich zum Teil radikalisiert. [….] Soeben sind Treffen völkischer Netzwerke bekannt geworden, an denen auch AfD-Vertreter teilgenommen haben. Dort wurden Ideen zur "Remigration" von Migranten sowie von Deutschen mit Migrationshintergrund besprochen - die in Wahrheit Deportationen wären. Welche Ungeheuerlichkeiten braucht es eigentlich noch, um das Wesen der AfD und ihres Milieus zu erkennen?

Diese Rassisten haben einen Überzeugungskern, der das Grundgesetz zutiefst verletzt: Sie wollen die Ausgrenzung all jener, die nach ihrer Ansicht nicht zum "Volk" gehören, verbunden damit ist die völkische Vorstellung eines Herrenvolks. Dieser Gesinnung hat das Grundgesetz mit seinem Bekenntnis zur Würde jedes Menschen eine Absage erteilt. "Wir wollen uns unser Land und unser Volk zurückholen", sagte Alexander Gauland schon vor Jahren. Er lehnt das Deutschland des Grundgesetzes ab. [….]

(Gerhart Baum, 11.01.2024)

Mittwoch, 10. Januar 2024

Da Capo, Lauterbach.

In meiner „Was die Ampel alles gut macht“-Reihe, hatte ich innerhalb von einer Woche schon die erstaunlich positiven ökonomischen Kennzahlen und die hervorragende Ansprache des Vizekanzlers an die Cerial-Chaoten erwähnt.

Die Ampel sollte strahlen; insbesondere wenn man ihre inhaltliche Performance mit der zu 100% destruktiven und rechtspopulistischen Themensetzung der CDUCSU vergleicht.

Aber natürlich bleibt es absolut rätselhaft, wieso die Top-Parteipolitiker Klingbeil, Esken, Mützenich, Kühnert, Nouripour, Lang, Dröge, Haßelmann, Büning alle mucksmäuschenstill auf Tauchstation gegangen sind, statt 24/7 gegen die Hetze der rechten Parteien auszuteilen.

Heute kommt die nächste hervorragende Entscheidung aus dem Scholz-Kabinett: Lauterbach möchte die 70 Millionen Kassenpatienten endlich davon befreien, völlig nutzlose und potentiell gefährliche esoterische Gaga-Präparate für Schwurbel-Anhänger mit zu bezahlen.

[….] Karl Lauterbach will Homöopathie als Kassenleistung streichen

[….] Seit der Coronapandemie fehlen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) jährlich Milliardenbeträge. In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung dieses Minus mit Steuermitteln ausgeglichen. [….] Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat nun anderen Ministerien dargelegt, wo bei der GKV gespart werden kann: Krankenkassen sollen ihren Versicherten etwa nicht länger homöopathische Leistungen finanzieren.

»Leistungen, die keinen medizinisch belegbaren Nutzen haben, dürfen nicht aus Beitragsmitteln finanziert werden«, heißt es in dem Empfehlungspapier, das Lauterbach nun verschickt hat. Es liegt dem SPIEGEL vor. »Aus diesem Grund werden wir die Möglichkeit der Krankenkassen, in der Satzung auch homöopathische und anthroposophische Leistungen vorzusehen, streichen und damit unnötige Ausgaben der Krankenkassen vermeiden.« [….]

(Milena Hassenkamp, 10.01.2024)

Bei Homöopathie handelt es sich gefährlichen Hokuspokus aus der rechten Ecke, bei dem Zuckerkügelchen und Tropfen, frei von jedem Wirkstoff, mit enormen Gewinnen für die Pharmaindustrie auf Kosten der Allgemeinheit unter das Volk gebracht werden. Wer noch Nachholbedarf bei der Aufklärung über den Humbug hat, möge sich beim Netzwerk Homöopathie umsehen.

Die gesamte Welt des bei Mond und Mitternacht geschüttelten Irrsinns wird alphabetisch bei HOMÖOPEDIA dargelegt.

Ich applaudiere Karl Lauterbach für seinen Mut. Natürlich wissen Wissenschaftler und Politiker seit Jahrzehnten, daß Homöopathie als Kassenleistung gestrichen gehört. Aber bisherige Gesundheitsminister waren immer zu feige, fürchteten sich vor dem Eso-Mob, der immer gern bereit ist, sich mit Impfgegner, Corona-Leugnern und der „germanischen Medizin“ in die PR-Schlacht zu stürzen.

[….] Da man dem Beitrag “Von wegen “so okay”, Herr Spahn!” ja nicht ganz zu Unrecht vorwerfen könnte, wie eine abschreckende Textwand daher zu kommen, hier noch einmal die wichtigsten Aussagen, in einer anderen Reihenfolge, aber mit dem gleichen Ergebnis: Eine Gesundheitsleistung, die nicht effektiv ist, kann nicht kosten-effektiv sein – womit die Erstattung der Homöopathie gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot der GKV verstößt.

Der wissenschaftlichste Satz aller Zeiten ist wahrscheinlich Ben Goldacres “I think you will find it’s a bit more complicated than that”, denn wissenschaftliche Aussagen sind selten eindeutig, sondern immer nur kleine Schritte in Richtung Erkenntnisgewinn. Genau das unterscheidet sie von den Heilsversprechen in der Alternativmedizin. Aber auch in der Wissenschaft gibt es Fälle, in denen schon einige Schritte in Richtung Erkenntnisgewinn gemacht wurden, so dass es heute wissenschaftliche Aussagen gibt, die wir sie mit einem Ausrufungszeichen versehen können. „Schwerkraft!“ und „Und sie dreht sich doch!“ fallen in diese Kategorie. „Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus.“ ist schon verdammt nah dran. Und „There is no free lunch!“ (Erklärung hier). Damit wird – in der Ökonomik als Lehre von der Knappheit – die Unausweichlichkeit der Knappheit und damit die Notwendigkeit ökonomischen Denkens und Handelns beschrieben. Auch in den Bereichen, in denen wir lieber an den free lunch glauben würden, wie im Gesundheitswesen.

Bei den Akteuren im Gesundheitswesen ist das Vorhandensein von Knappheit unbestritten, Konflikte gibt es nur über die Frage, wie mit dieser Knappheit umgegangen werden soll. Das “nur 20 Mio.”-Argument von Jens Spahn verleitet dazu, das Gesundheitswesen als Schlaraffenland zu sehen, in dem es keine Knappheit und damit keine besseren Verwendungsmöglichkeiten für diese Mittel gibt, so dass durch die Bindung von “nur 20 Mio. €” in einer nachgewiesen ineffektiven Verwendungsmöglichkeit kein Schaden entsteht. Das “Schlaraffenland Gesundheitswesen” ist aber eine Illusion, die auf den derzeitigen Wohlstand und das Bedarfsprinzip in der GKV zurückzuführen ist. An allen Ecken und Enden werden wir mit der Knappheit im Gesundheitswesen konfrontiert: Bei der fehlenden Zeit für Gespräche und Zuwendung, bei der Ablehnung der Erstattung von Maßnahmen ohne oder mit nur unsicherem Effektivitätsnachweis, bei der Beschränkung der Erstattung auf Leistungen mit voraussichtlichem Gesundheitsgewinn und beim Ausschluss von Maßnahmen, die lediglich zu Lebensqualitätsgewinnen führen, aus der Erstattung.

Mit “nur 20 Mio. Euro” leugnet Jens Spahn den Grundtatbestand der Knappheit im Gesundheitswesen und setzt sich über die Notwendigkeit eines operationalisierbaren, konsensfähigen und wissenschaftlich fundierten Abgrenzungskriteriums für die Entscheidung zwischen “Erstattung” und “keine Erstattung” hinweg. Und das richtet einen sehr viel größeren Schaden als “nur 20 Mio. €” an.  [….]

(INH, 23.10.2019)

Was Hasenfuß Spahn sich nicht traute, packt Lauterach an! Gut so, Ampel!

Leider ist die radikal wissenschaftsfeindliche Esoterik-Fraktion bei FDP und insbesondere den Grünen sehr stark. Leider haben die Wähler 2021 nicht der SPD eine absolute Mehrheit gegeben. Das sabotiert die Regierungsarbeit enorm.

Hoffen wir, daß sich die SPD in der Ampel durchsetzen kann. Denn wer an Homöopathie verdient, möchte sie als Kassenleistung behalten

[….] Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden fordert ein Ende der Sonderregeln, die den Verkauf von Globuli als angeblich wirksame Arzneien ermöglichen.

In fast allen der rund 18.000 Apotheken Deutschlands haben sie einen prominenten Platz: Homöopathische und anthroposophische Mittel werden bisher oft als wirksame Arznei beworben und ohne Aufklärung darüber verkauft, dass die hochverdünnten Präparate keine nachweisbare Wirkung über einen Placeboeffekt hinaus besitzen. Während Mediziner sich abwenden und der Deutsche Ärztetag 2022 die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der Musterweiterbildungsordnung gestrichen hat, hält die Apothekerschaft bislang an den Mitteln fest.  [….]

(25.05.2023)

Apotheken-Lobby, Pharmabosse und grün-debile Esos in Süddeutschland sind mächtige Verbündete. Lauterbach versucht es auch nicht zum ersten mal.

[….]  Und doch gibt es mächtig Streit genau darum, seit vielen Jahren. Denn viele gesetzlichen Krankenkassen erstatten ihren Versicherten homöopathische Behandlungen; diese sind sehr beliebt, die Kassen werben damit um Mitglieder. Das heißt aber auch: Alle Versicherten zahlen für eine Behandlung mit, die abseits des Placeboeffekts schlicht wirkungslos ist - das zeigten und zeigen zahlreiche Studien und Meta-Reviews immer wieder. [….] Und damit ist es nur konsequent, dass Schwurbel-Kugeln aus der Krankenkassenversorgung verschwinden müssen, wie es Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nun (mal wieder) öffentlich fordert. Denn obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam sei, so Lauterbach, "hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz", sagte er dem Spiegel.

Dabei geht es gar nicht (nur) um Geld, denn wer seine hart verdienten Euros für überteuerte Zuckerkugeln ausgeben möchte, dem sei das absolut gegönnt. Problematisch ist vielmehr, dass sich durch die Unterstützung mancher Krankenkassen in der Öffentlichkeit der Eindruck festsetzt, dass in den Kügelchen doch irgendwie Medizin drin sein muss. Diese Aufweichung der Grenzen der Naturwissenschaft aber öffnet leider die Türen für wissenschaftsfernes Denken, das mitunter kurios ist und manchmal leider auch sehr gefährlich werden kann für die Gesundheit Einzelner und den demokratischen Zusammenhalt aller. [….]

(Felix Hütten, 08.10.2022)

Möge Lauterbach diesmal erfolgreich sein.