Donnerstag, 14. März 2019

Die einäugigen Deutschen


Heute Morgen macht der Mopo-Kolumnist Andreas Niesmann folgende Überlegung zum einjährigen Geburtstag der Groko auf: Sie nerve, sei anstrengend und eigentlich eine Zumutung für die Deutschen.
Wir alle hätten nur gelitten, bezeichnend wäre, daß die drei Parteichefs, die die Groko aushandelten – Merkel, Schulz und Seehofer – allesamt von der Wut über das angerichtete Desaster aus ihren Parteiämtern gefegt wurden.

Ein Dreivierteljahr verplempert, weil insbesondere ein vollkommen amtsunfähiger Psychopath im Innen/Bau/Heimatministerium geradezu wollüstig die komatöse Koalition kollabieren lässt (Maaßen, Flüchtlinge).
Aber das alles sei eben noch Gold verglichen mit den hirnverbrannten Deppen, die in anderen Ländern regieren.
Ein Argument, das man schwerlich nicht von der Hand weisen kann und eine beliebte Argumentationslinie, wenn es mal mies läuft: Finde irgendetwas, das noch schlimmer ist und vergleiche dich damit.
Die Merkel-Regierung muss nicht lange suchen, um sich mit solchen Abwärtsspiral-Vergleichen aus dem Sumpf zu heben:

[….] Das ist ihnen nicht immer gelungen, aber manchmal hilft bei der Bewertung einer Regierung auch der Blick über den eigenen Tellerrand. Welche Staatsführung hätten wir denn stattdessen gerne? Die von Rechtsextremen getriebenen Präsidenten-Bewegung aus Paris? Die Chaos-Koalition aus Rom? Die im Brexit-Nirvana verhedderten Konservativen aus London? Oder die Truppe um den narzisstischen Präsidentendarsteller aus Washington?
Man kann es auch so sehen: Während in den Hauptstädte Europas und der Welt ein Flächenbrand wütet, schwelen in Berlin nur einzelne Glutnester. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass trotz aller Groko-Kritik die rechtspopulistische AfD im Vergleich zur Bundestagswahl ausweislich aller Meinungsumfragen in der Wählergunst nicht zulegen konnte.
Die Groko ist also besser als ihr Ruf. [….]

Wohl wahr.
Verglichen mit dem untersten Bodensatz der Regierungen in der Welt – nehmen wir noch Recep Tayyip Erdoğan, Jair Messias Bolsonaro, Abd al-Aziz Bouteflika oder Rodrigo Roa Duterte als Eichwerte – sollten wir vor Glück über die Groko Luftsprünge machen.
In Deutschland sind immerhin nur die C-Minister verblödet – allen voran die bei den Instituten historisch schlecht bewerteten Spahn und von der Leyen, aber Altmaier, Klöckner und Seehofer sind ebensolche Totalausfälle.
Die Hälfte der Kabinettsmitglieder leistet solide Arbeit. Von den sechs Sozen stellt sich bisher nur Frau Schulze als Fehlbesetzung heraus. Sogar Hubertus Heil macht seine Sache etwas besser, als ich vor einem Jahr befürchtete.
40 Gesetze haben die Grokominister auf den Weg gebracht, sie arbeiten also sogar fleißig, schaffen es nur nicht bessere Stimmung zu erzeugen.

In den USA ist nicht nur der Präsident ein Korrupter, verlogener, radikal bornierter Verbrecher, sondern auch alle Minister sind moralisch völlig verkommen und hinzu kommt, daß der arme Irre auch nach zweieinhalb Jahren im Amt noch nicht die elementarsten Regierungsfunktionen leistet. Noch immer sind ganze Flure der Ministerien verwaist und Dutzende Botschafterposten nicht besetzt.
Im Parlament wurde einer Hälfte der Volksvertreter chirurgisch das Rückgrat entfernt, so daß sie tumb grinsend jede Perversion mitmachen.

Die britischen Minister können zwar theoretisch im Gegensatz zu ihrem amerikanischen Kollegen ihre Amtsgeschäfte wahrnehmen, aber dafür sind im englischen Unterhouse gleich beide großen Parteien kollektiv unzurechnungsfähig.

Ein größeres Politikversagen als in den letzten anderthalb Jahren in London kann man sich nicht mehr vorstellen.
Zweieinhalb Jahre polterte Frau May „Breixit is Brexit“, um 14 Tage vor dem EU-Austrittschließlich zu drohen, es könne auch gar keinen Brexit geben.
Oder man verschiebt noch mal die Entscheidung. Damit warf sie natürlich das einzige Druckmittel aus der Hand, das einem noch bleibt, wenn man keinerlei inhaltliches Politik vorlegen kann: Den Zeitdruck.
Wenig verwunderlich, daß nun die gesamte britische Politik in heillosem Chaos versinkt.
Nach der Brexitentscheidung stellten wir anderen Europäer uns die gewaltigen Probleme vor, die es bereiten würde die englischen Wünsche mit denen der Rest-EUler auf einen Nenner zu bringen.
Wie sich inzwischen herausstellte war selbst das eine viel zu optimistische Annahme. EU und GB konnten nie richtig anfangen zu verhandeln, weil GB bis heute noch nicht weiß was es eigentlich will.
Die Parteien zersplittern, die Regierung ist gelähmt, das Volk frustriert und die Ministerien können sich um nichts anderes mehr kümmern.
Und alles was erreicht wurde seit 2016 sind vage Aussagen darüber was man nicht will: Nämliche keinen Backstopp, also keine irgendwie zur EU offene Irisch-Nordirische Grenze und keinen No-Deal.
Was man stattdessen möchte konnte hingegen noch nicht von den Konservativen formuliert werden und weil die Regierung so dermaßen debakuliert, gibt sich die Opposition Mühe dem nicht nachzustehen.

[…..]  Alternativ gingen auch Neuwahlen. Bekäme Labour die absolute Mehrheit könnten sie einfach den Brexit absagen. Theoretisch.
Praktisch ist aber auch die Opposition von so unfassbarer Unfähigkeit geschlagen, daß SPD und US-Demokraten aufgeweckt und patent wirken.

   [….] Neben der unerträglichen Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit der Tories ist es nämlich die Labour Party, die sowohl den Zerfall der politischen Kultur als auch die Prinzipienlosigkeit verkörpert.
Corbyn hat das Kunststück vollbracht, dass er zweieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum keine belastbare Aussage über das Ziel seiner Partei vorlegen kann. Labour will einen Brexit, aber keinen unkontrollierten. Eine Mehrheit der Mitglieder würde allerdings auch gerne in der EU bleiben, nicht aber der Vorsitzende. Die Partei will möglicherweise ein neues Referendum, aber auch nur unter bestimmten Bedingungen. Kommt auf die Frage an.
Sicher ist nur: Corbyn will an die Macht, und deswegen will er eine Vertrauensabstimmung und dann Wahlen gewinnen. Brexit? Wird irgendwie gelöst. [….]

Wenn Politik so richtig schiefgeht, spricht man gern von “Neustart“.
Wäre das nicht toll, wenn man die fatalen Entscheidungen der letzten drei Jahre rückgängig machen könnte? [….]

Noch nicht mal elementarste Hausaufgaben konnte London erledigen

[….] Die EU unterhält mehrere Hundert Abkommen mit Drittstaaten, über den Luftverkehr, Nuklearsicherheit und -forschung, Fischerei, Industrie- und Lebensmittelstandards oder den Umweltschutz. Der wichtigste Teil aber sind die rund 40 Freihandelsverträge. Bis zum Brexit-Termin am 29. März, das hatte der britische Handelsminister Liam Fox noch im Herbst 2017 versprochen, werde er jeden einzelnen von ihnen neu abgeschlossen haben. Man müsste die Verträge mit den Drittstaaten einfach nur auf Großbritannien umschreiben. Ein Klacks.
Doch die Operation Copy-and-paste kommt kaum vom Fleck - das beweist ein Schreiben der britischen Regierung an die EU-Kommission, das dem SPIEGEL vorliegt. [….] Demnach konnte die britische Regierung bisher lediglich sechs der 40 Handelsverträge umschreiben. Einig sind sich die Briten mit:

    Chile,
    der Schweiz,
    dem ost- und südafrikanischen Handelsverbund ESA,
    den Färöer-Inseln,
    Israel,
    Liechtenstein,
    der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Damit ist klar, wie schwer die Briten es haben, andere Länder zum Kopieren ihrer Abkommen mit der EU zu überreden. [….] Zudem zählen die bisherigen sechs Partner nicht gerade zu den Giganten des internationalen Handels. Entsprechend wenig könnten sie dabei helfen, die Folgen eines No-Deal-Brexits für die britische Wirtschaft zu dämpfen. Bei den größeren EU-Handelspartnern kommen die Briten dagegen kaum weiter. Im Gegenteil: Mit zweien - der Türkei und Japan - sind die Gespräche inzwischen gescheitert, wie aus Barrows Tabelle hervorgeht. Mit Mexiko, Kanada und Südkorea verhandelt London noch.
Mit den USA geschieht derzeit nicht einmal das. Unter "Handel" tauchen auf Barrows Liste keine Gespräche mit Washington auf. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer hat aber kürzlich schon ein paar Bedingungen diktiert. Sollte er sich damit durchsetzen, müssten sich die Briten nicht nur auf Chlorhühnchen gefasst machen. Sie könnten womöglich auch keine Handelsverträge mehr mit Ländern ohne freie Marktwirtschaft abschließen - etwa mit China. "So viel zum Thema, die Kontrolle zurückzugewinnen", lästerte der "Guardian" über das "Taking back control"-Mantra der Brex [….]

Das große ehemalige Weltreich, das Empire will also in Zukunft im Zollchaos seinen Außenhandel auf die Färöer-Inseln, Liechtenstein, und die Palästinensische Autonomiebehörde stützen.


Wir hingegen haben Scholz und Maas und Barley, also wahrlich kein Grund uns zu beklagen.

Und die Irren in England sind auch noch stolz auf den suizidalen Amoklauf.

Macht nichts, die Organisation „Leavemeansleave.eu“ propagiert immer noch „NO DEAL? NO PROBLEM!“, denn ohne Trade-verträge liefe alles viel besser.


Der Wahnsinn ist so weit fortgeschritten, daß man die britische Brexiteer-Pasta unmöglich zurück in die Tube bekommt.

Daher nützt auch kein neues Referendum mehr. Die Talsohle muss nun durchschritten werden. Ein Pro-EU-Votum ist keine Option, weil dann eine Hälfte der Briten Amok laufen würde. Und London wäre weiterhin eine quertreibende Bremse in Brüssel.
Es entstünden Verschwörungstheorien, die UKIP und der Rechtsradikalismus würden mit so einer Dolchstoßlegende richtig aufblühen.
50% der Briten würden noch mehr vom Brexit träumen.
Leider müssen sie das jetzt durchziehen wegen des Lerneffekts.
Und dann sollte es eine derartig brutale Rezession geben, dass auch der letzte Brexiteer versteht, was für eine Scheißidee es war Europa in den Rücken zu fallen und dass man keinen Rechtspopulisten nachrennen soll.
Und wenn die Briten so richtig in der Megakrise stecken, sollen sie einen Wiederaufnahmeantrag stellen.
Und dann sollten wir anderen EU-Staaten großzügig und nicht nachtragend sein.

Mittwoch, 13. März 2019

Rechtsextreme Toleranz


Nein, nein, nein, George Pell AC, 77, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche, ehemaliger Erzbischof von Melbourne, ehemaliger Erzbischof von Sydney, ehemaliges Mitglied des Päpstlichen Kardinalsrats, Kardinalpriester der Titelkirche Santa Maria Domenica Mazzarello, langjähriger Großprior der Ordensprovinz Australien-New South Wales des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Generalkaplan im Großpriorat Australiens, Träger des Lazarusordens und des kirchlichen Großkreuzes des Verdienstordens des Heiligen Lazarus, der hochrangigste australische Katholik aller Zeiten, ist unschuldig, hat keine Kinder vergewaltigt und ist nur Opfer einer linken Hetzjagd!
So tönen heute seine Fans – darunter der allmächtige Rupert Murdoch, Executive Chairman der News Corp (Fox News) und gleich mehrere australische ehemalige Premierminister.
Gottes Top-Mann beharrt vehement auf seiner völligen Unschuld und von „sexuellem Missbrauch“ oder „Vergewaltigung“ kann gar nicht die Rede sein, weil es nämlich nur „plain and vanilla penetration sex“ mit einem 12-Jährigen und einem 13-Jährigen war. Nur sechs Minuten lang erzwang Pell den Analverkehr, wie sein Verteidiger Robert Richter beschwichtigend erklärte.
Das wäre nun wirklich nur Blümchensex.
Wo ist also das Problem?
Und dafür sechs Jahre Haft? Für sechs Minuten? Ist ja unverschämt, tobt die gesamte austro-amerikanische konservative Medien- und Politlandschaft.

[….]  Der frühere Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, ist wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Richter Peter Kidd verkündete in Melbourne das Strafmaß gegen den 77-jährigen Australier. Der Kardinal muss mindestens drei Jahre und acht Monate der Strafe absitzen, bevor er einen Antrag auf Bewährung stellen darf.
Der Fall Pell bewegt die Australier sehr: Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen hatte es hier zehntausendfach gegeben. Eine königliche Kommission hatte sich in den vergangenen Jahren an eine Aufarbeitung gemacht, aber niemand hatte so polarisiert wie Pell. [….]

An diesem Fall erstaunt mich sehr wenig.
Weder die Taten an sich, noch das eher milde Strafmaß und schon gar nicht die empörten Reaktionen der weltweiten Dunkelkatholikenszene, sowie rechter Politiker.
Extreme Heuchelei ist schließlich das Alleinstellungsmerkmal der Konservativen.
Sie sehen immer nur den Splitter im Auge der Linken und nie die Balken im Eigenen. Kübelweise moralische Empörung der Teebeutel ergoss sich über die Obama-Familie, wenn Michelle es wagte im ärmelfreien Kleid aufzutreten.
Der 9.000-fache Lügner, vielfache Ehebrecher, Pornosternchen-Ficker, notorische Frauenbegrabscher und mit einem Nacktmodell liierte Trump hingegen ist der fromme Held der evangelikalen konservativen Christen.

Wer die härtesten Strafen fordert, als erstes nach Gesetzesverschärfungen schreit, am wenigsten Mitleid für andere aufbringt, kennt für Täter aus den eigenen Reihen nur Verzeihen und Milde.

Trump, Pell und die anderen Kinderficker werden nämlich nicht etwa als zu verurteilende Amoralisten gesehen und schon gar nicht als die hart zu verurteilenden Täter der gleichen Verbrechen, sondern in aller erster Linie als Alliierte.
Sie gehören zu ihnen und Ihresgleichen wird immer gegen die anderen verteidigt.
Pell ist eindeutig einer der ihren. Anders als diese linkssozialistischen Homo-Atheisten können fromme Konservative eben (sich selbst) verzeihen und auch mal alle Augen, inklusive Hühneraugen, zudrücken.
Schließlich gehört Pell zum hochexklusiven Zirkel des Institute of Public Affairs (IPA). Zu der erzreaktionären Denkfabrik gehören führende konservative Politiker Australiens, Rupert Murdoch, die reichste Australierin und Kohlefrau Gina Rinehart, sowie Klimawandel-Leugner, Homohasser und illustre Gegner jeglicher Umweltschutzmaßnahmen aus den Chefetagen der Großindustrie.
Der von Papst Franziskus so bewunderte und geförderte Pell zieht auf mehreren Kontinenten die Fäden bei Menschen- und Umwelt-feindlichen Ansinnen. So einen lässt man nicht fallen. Der frühere Premierminister Tony Abbott nahm Einfluss auf die Richter, indem er Pell höchstes Vertrauen und Respekt bescheinigte. Auch sein Vorgänger Ex-Premierminister John Howard wandte sich direkt mit einem offenen Brief an das Gericht und attestierte dem verurteilten Pädophilen in einem „hohe Intelligenz und einen exemplarischen Charakter".
So einer wird doch mal ab und zu ein paar kleine Jungs vergewaltigen dürfen! Die beiden frechen Chorknaben in Melbourne wollten schließlich den Messwein wegtrinken und der andere Junge, den Pell im Schwimmbad von Ballarat mutmaßlich missbrauchte, ist sowieso selbst schuld. Was läuft er auch halbnackt in sexy Badehose rum?

 [….]  In den konservativen australischen Medien, zur Mehrheit kontrolliert vom amerikanischen Medienunternehmer Rupert Murdoch, riss die Kritik am Urteil nicht ab. Eine Lawine von Vorwürfen donnerte täglich auf die Geschworenen ein, auf das Gericht, das Justizsystem als Ganzes. Der prominente Murdoch-Kommentator Andrew Bolt wetterte, Pell sei unschuldig und das Opfer eines historischen Versagens des Systems. Ohne dem Prozess beigewohnt zu haben, behauptet er, Pell sei "aufgrund von Vorurteilen verurteilt worden, nicht von Fakten".[….] Für die politisch und gesellschaftlich starke Rechte war und bleibt der Kardinal eine Art Feldmarschall, der im Namen Gottes und der Moral gegen progressive Strömungen in der Gesellschaft das Schwert führt.
Im Gegensatz zu anderen Geistlichen in Australien hat Pell nie Zweifel daran gelassen, wie er politisch steht: streng rechts, konservativ, sozial regressiv. "Als Erzbischof pumpte er seine Energien in die Bekämpfung der Empfängnisverhütung, Genmanipulation, Scheidung und Abtreibung. Er baute seine Karriere damit auf, gegen Sex zu predigen", sagt David Marr. Der bekannte australische Journalist verfolgt den Aufstieg von Pell seit Jahren und hat ein Buch über den Gottesmann geschrieben. "Er war immer dogmatisch", schreibt Marr. "Universale Unschuld? Laut Pell 'ein gefährlicher Mythos'. Die Ursünde? 'Lebendig und florierend'. Künstliche Befruchtung? 'Wir schaffen damit eine neue Generation von gestohlenen Kindern'", so Marr. "Er bleibt in seinen Aussagen einfach und brutal", meint der Autor. "Unnachgiebigkeit" habe Pell unter Konservativen "zu einer Berühmtheit gemacht".
Pell habe den "Krieg gegen Sex und sexuelle Freiheit geführt, während er selber Kinder missbrauchte", so Marr. Der Gottesmann sei "besonders brutal gegen Homosexuelle gewesen". Homosexualität sei eine "größere Gefahr für die Gesundheit als Rauchen", habe Pell behauptet. Als an der Kathedrale in Melbourne ein Kranz niedergelegt wurde für junge homosexuelle Studenten, die sich aus Scham und als Folge der Verurteilung durch die Kirche das Leben genommen hatten, "war Pells Abscheu absolut", meint Marr. Pell predigte mit donnernder Stimme gegen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Gegen jahrelangen, massiven Widerstand von konservativen Politikern - allen voran Tony Abbott - wurde sie in Australien nach einer Volksbefragung 2017 eingeführt. [….]

Man lässt aber einen Pell („kalt, hartherzig und fast soziopathisch“ - Peter Saunders) nicht nur wegen seiner Vernetzung nicht fallen, sondern die ihm zur Last gelegten Verbrechen sind zu charakteristisch für homophobe Geistliche in bunten Frauenkleidern.

[….] Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ist offenbar deutlich größer als bislang angenommen.
Das zeigt eine Studie der Universität Ulm, die die wissenschaftliche Fachzeitschrift „Journal of Sexual Child Abuse“ veröffentlichen wird.
Demnach ist von etwa 114.000 Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester und noch einmal so vielen durch Pfarrer und Mitarbeiter in evangelischen Kirchen auszugehen.
Wissenschaftler um den Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm, Jörg Fegert, hatten im vergangenen Jahr eine Umfrage auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland hochgerechnet und kamen dabei auf bis zu 30-mal so hohe Zahlen wie die sogenannte MGH-Studie, die die deutschen Bischöfe in Auftrag gegeben und im vergangenen Herbst präsentiert hatten.
Die Publikationszusage in dem Fachjournal bestätigt nun nochmal die Wissenschaftlichkeit der Untersuchung aus Ulm. Die MGH-Studie der Bischöfe hatte 3.677 Minderjährige ermittelt, die über einen untersuchten Zeitraum von bis zu 70 Jahren von katholischen Priestern missbraucht worden sein sollen. Allerdings hatte das unabhängige Wissenschaftskonsortium, das die MGH-Studie durchgeführt hatte, stets deutlich gemacht, dass die Ergebnisse nur die „Spitze des Eisbergs“ seien, da sie vor allem jene Fälle untersucht hatten, die in Kirchenakten registriert und entsprechend untersucht worden waren.
Die Studie aus Ulm liefert nun erstmals einen Einblick in das Dunkelfeld, also auch der nicht angezeigten und registrierten Fälle. „Damit lässt sich nun das wahre Ausmaß des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in den Kirchen besser einschätzen“, sagte Studienleiter Fegert [….] Auffällig ist zudem, dass sexueller Missbrauch durch katholische Priester vor allem bei den massiven Formen, also jenen mit Penetration, besonders hoch ist. Ihr Anteil liegt bei sechs Prozent all dieser Fälle. [….]

Kinderficken ist einfach systemimmanent bei Katholiban.

Das auf einmal zu ächten lasse kaum noch Kardinäle übrig, unkt sogar die fromme Katholikin Christiane Florin.

[….] So langsam werden die Kardinäle knapp. [….] Vor einigen Tagen wurde der französische Kardinal Philippe Barbarin, der Primas Galliens, zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wegen Vertuschung sexuellen Missbrauchs. Gestern wurde das Strafmaß für den australischen Kardinal George Pell bekannt: sechs Jahre Haft. [….]
Kurz vor dem Missbrauchsgipfel im Vatikan hatte Papst Franziskus den amerikanischen Kardinal Theodore McCarrick zum Normal-Katholiken degradiert – laisiert, sagt der Fachmann. Das ist die Höchststrafe im Kirchenrecht, angeblich schmerzlicher als sechs Jahre Kerker bei Wasser und Brot. Barbarin, Pell, Mc Carrick: Drei Kardinäle, drei kriminell gewordene Kleriker.
Seit Mitte der Neunzigerjahre ist das Thema im Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit.[….] Noch gilt: Wer Bischof ist, hat Recht
Lang ist die Liste der hochrangigen Kleriker, die nach einschlägigen Vorwürfen aus alters- oder gesundheitlichen Gründen ihr Amt aufgaben. Eher kurz ist die Liste der strafrechtlich verurteilten. Manche offenbarten sich gegenüber den Medien, der frühere Bischof von Brügge etwa gestand 2011 in einem Fernsehinterview den Missbrauch seiner beiden Neffen.
Die katholische Kirche ist ein streng geordnetes System. Bischöfe sind besonders berufen, Kardinäle besonders auserwählt. Es sind Exzellenzen und Eminenzen, Hochwürdigste Herren. [….]

Wenn man jeden Priester, der einen kleinen Jungen missbraucht gleich ins Gefängnis steckt, würde das dem Vatikan nachhaltig die gute Laune verderben.

Dienstag, 12. März 2019

Wie man sich bettet, so braun liegt man.


Der arme Herr Beckmann war leicht verwirrt.
Ihm ist da ein Booboo unterlaufen, wie er zerknirscht zugeben musste.
Huch, da war ein Neonazi bei den ganzen anderen Rechtsextremen und Identitären.
Wer konnte sowas ahnen, fragt sich jetzt der streng katholische ehemalige Ministrant Reinhold Beckmann, 62, CDU-Mitglied und Träger des Peter-von-Zahn-Gedächtnispreises der Hamburger CDU.
Er grämt sich öffentlich für seine peinliche Aktion:

Herr Beckmann war zum 65. Geburtstag seines alten Kumpels Matthias Matussek erschienen, also dem Mann, der einst nur bösartig und handgreiflich war, später fundamental-katholisch und schließlich so hartnäckig rechtsextrem und xenophob wurde, daß er die „Merkel-muss-weg-Demos“ aufsuchte und Pegida bejubelte.
Das ist nicht neu; schon vor fünf Jahren verortete sich MM am äußersten rechten Rand des Springer-Universums, bis er selbst den Ultrakonservativen zu rechtsextrem wurde.

(…..) Die WELT nicht zu lesen hat allerdings den Nachteil, daß man es gelegentlich verpasst Poschardt, Broder oder Matussek herzlich auslachen zu können, wenn sie sich wieder einmal etwas besonders Blödes ausgedacht haben.

Heute wurde ich ausgerechnet durch einen Online-Welt-Artikel an den bis zur Handgreiflichkeit aggressiven Ultrakatholiken und Generaldummbeutel Matthias Matussek erinnert.

Ein Artikel, geschrieben im wie üblich unerträglichen Unterton, direkt übernommen von der dunkelkatholischen KNA, der aber eine sehr gute Nachricht transportierte.

Wohl selten hat eine technische Verfahrensvereinfachung den Kirchen so viel Ärger eingehandelt wie diese: Die zum 1. Januar 2015 in Kraft tretende automatische Abführung von Kirchensteuern auf Kapitalerträge zog schon 2014 massenhaft Austritte nach sich, sagte der Bischöfliche Regensburger Finanzdirektor Alois Sattler.

Tja, daran erkennt man in erfreulicher Weise wie groß der mediale Einfluß der aggressivsten Katholiban noch ist.  Nämlich klein.
Die stramm katholischen Journalisten beeinflussen durchaus die politische Klasse, die bis heute genauso verbissen wie grundgesetzwidrig an den kirchlichen Privilegien festhält, aber das gemeine Volk hat dennoch genug vom real existierenden Kirchismus der Bundesrepublik D.

Immerhin mal ein Anlass zu googeln, was der fromm-hysterische MM aktuell so von sich gibt. Irgendwie ist es in letzter Zeit etwas ruhig um ihn geworden, so deucht mir. Hat er womöglich inzwischen Vernunft angenommen? Oder wurde er endgültig zum Schweigen gebracht? Trat er in einen Mönchsorden ein? Oder füllt ihn seine neue Rolle als Ehefrau von Tebarzt-van-Elst so sehr aus, daß er die neue Regensburger Residenz gar nicht mehr verlassen kann?

Alles weit gefehlt; er schreibt noch. Und, oh Freude, man muß die Koordinaten seines Weltbildes nicht neu bestimmen; er ist immer noch ganz der alte rechte Irre.

Der katholische Ritter, der auf seiner Facebook-Seite Selfies von sich zusammen mit seinen Lieblingspolitikern (Bernd Lucke, Volker Bouffier, Annette Schavan) postet, weiß auch über Pegida-Kritiker das Richtige zu sagen.

(363 Chronik-Fotos, an die 1500 Handy-Uploads – aber als ich beim Scrolen an seine Urlaubs-fast-Nacktbilder geriet, gab mein Computer braune Rauchwolken von sich und ich mußte mich spontan übergeben, so daß ich nicht weiter suchen konnte…)

Die PEGIDA-Bewegung, die sich gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes richtet, ist ein gefundenes Fressen für den bei Springers Welt in Diensten stehenden Borderline-Publizisten und katholischen Eiferer Matthias Matussek. Zu Weihnachten machte Matussek auf Facebook mit einer Äußerung auf sich aufmerksam, in der er PEGIDA-Kritiker mit Anhängern der Hitler-Jugend verglich. Es ist nicht Matusseks erste Entgleisung zu diesem Thema aber wohl die bislang drastischste.
“Die kluge Schriftstellerin Cora Stephan untersucht das dumpfe Ein-Dreschen von Politik und Presse auf die 15 000 Demonstranten in Dresden. Meine Ansicht: wer beim rituellen Treten gegen diese Menschen mitmacht, hat die Gesinnung von HJ-Pöbeln”, schrieb Matussek am 26. Dezember um 17.06 Uhr auf seiner privaten Facebook-Seite, die öffentlich zugänglich ist. Was der glühende Katholik und bekennende Homophobiker Matussek genau mit “HJ-Pöbeln” meint, wird nicht hundertprozentig klar. Es scheint, er will Kritiker der PEGIDA-Bewegung mit Pöblern oder “dem Pöbel” der Hitler-Jugend (HJ) gleichsetzen. Ein wirrer Nazi-Vergleich – exakt die Kragenweite des Schwadronierers Matussek. Das Wort “Pöbel” gefällt ihm offenbar.
Schon zuvor hat er bei seinem Arbeitgeber, Springers Welt, Sympathie für die diffuse Sache der PEGIDA erkennen lassen. […]


In den folgenden Jahren verließ MM endgültig die Sphären der Realität, schloss sich verschwörungstheoretischen Identitären an und tickt nun auf der Wellenlinie Gauland-Berger.
Zu seinem runden Geburtstag lud er das Who Is Who der publizistischen braunen Szene und netzwerkte sich von David Phimoseblogs Desiderius-Erasmus-Stiftung über Erika Steinbach und NPD-Mitgliedern zu verurteilten Nazis.

Mittendrin CDU-Beckmann, der a posteriori erklärt, er habe MM nur mit einem Lied wieder auf den rechten, also nicht ganz so rechten, Weg bringen wollen.
Ging leider schief.

[….] Ich weiß um Matthias Matussek. [….] Vor einigen Wochen kam die Einladung zu seinem 65. Geburtstag. Gehst du hin oder bleibst du weg? Ich habe lange überlegt, dann beschlossen meinen Gitarrenkoffer zu nehmen und ihm mein vergiftetes Geschenk mitzubringen, meine Version des Bob Dylan-Klassikers „Things have changed“. Er sollte was zu kauen haben. Schluckbeschwerden bekommen. Ich wollte so meine Widerworte gegen seinen Irrweg setzen.
[….] Was mir nicht ganz klar war, in welcher Gesellschaft er da tatsächlich seinen Geburtstag feiern würde. Klar, ich hätte es mir denken können. Ich muss zugeben, ich habe mich da verlaufen, ich hätte dort nicht hingehen sollen. [….]

Ob wir so ein „Asche auf mein Haupt“ auch erlebt hätten, wenn nicht ein Bild aufgetaucht wäre, auf dem ausgerechnet der Identitäre Kader Mario Müller und verurteilte Nazi grinsend beim Liederträllern genau vor ihm steht?

🤨🇪🇺 (@janboehm) 10. März 2019

Blöd, nun wurde alles bekannt.



Die Gefahr besteht nicht in Beckmanns mangelndem Urteilsvermögen, schließlich wurde Beckmann nie vorgeworfen besonders moralisch oder intelligent zu sein.
Erschreckend ist der hohe Vernetzungsgrad der verschiedenen Ultrarechten und Staatsfeinde.
Erschreckend sind die mangelnden Berührungsängste.
Man umgibt sich jetzt mit solchen Typen und schämt sich nicht dafür.

[…..]  Matthias Matussek hat Geburtstag. Seine Gästeliste steht symbolisch dafür, wie weit die extreme Rechte in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Zum Geburtstag singt Reinhold Beckmann Matthias Matussek ein Ständchen. Der Identitäre Kader Mario Müller von der »Kontrakultur Halle«, der 2012 zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, weil er einen Antifaschisten mit einem selbstgebastelten Totschläger aus Socke und Hantelmutter angegriffen und schwer verletzt hatte, ist wie selbstverständlich lachend mit dabei.
Aber was solls, Matussek nennt den ehemaligen Jungen Nationalisten (JN) Mario Müller schließlich seinen „Identitären Freund Mario“ und Müllers Buch „Kontrakultur“ kann man auch ganz selbstverständlich im Buchhandel kaufen. Es wird z.B. bei Thalia als eine mitreißende Mischung „für die Jugend, die ihr Land nicht verloren geben möchte“ angeboten. Diese »Identitäre Jugendkultur« ist für den Buchhandel* nämlich keine neofaschistische Gruppierung, sondern „schillernde Vielfalt“ und „ein Muß für Aktivisten und für alle, die abseits der großen Heerstraße das geistige und identitäre Abenteuer suchen.“ […..] 

Im Abendblatt ist der entsprechende Artikel überschrieben mit "Die Medienelite und der Neonazi"


[….]  In der Nacht zum Montag, so gegen 1.30 Uhr, war für Matthias Matussek die Welt noch in Ordnung: „Offenbar ist mir die Party des Jahres gelungen“, schrieb der zuletzt durch äußerst rechtes Gedankengut aufgefallene Hamburger Publizist beseelt auf Facebook. „Für die nächste Geburtstagsfeier werde ich das ICC (gemeint ist das Internationale Congress Centrum Berlin) anmieten, um all die Frustrierten, die nicht eingeladen waren, zufriedenzustellen.“ […..]  Unter Matusseks Gästen war auch der rechtskräftig wegen Körperverletzung verurteilte Neonazi Mario Müller, einst Mitglied der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“, heute einer der führenden Köpfe der rechtsextremen „Identitären Bewegung“.
Der Rechtsextremist feierte bei Matussek mit der Crème de la Crème der deutschen Medienszene: ARD-Moderator Reinhold Beckmann war ebenso zugegen wie „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner, die einstigen Feuilleton-Chefs von „Zeit“ und „Focus“, Ulrich Greiner und Stephan Sattler, sowie „Stern“-Autor Jochen Siemens. Zudem waren drei „Spiegel“-Redakteure Matusseks Gäste, unter ihnen der preisgekrönte Reporter Alexander Smoltzcyk und der viel gelesene Kolumnist Jan Fleischhauer.
Diese alten Weggefährten trafen bei Matussek, einst angesehener Reporter bei „Stern“, „Spiegel“ und „Welt“, auf dessen neue Freunde. Etwa auf die Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, Erika Steinbach. Oder Michael Klonovsky, persönlicher Referent von Alexander Gauland, dem Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion. […..] 

Also, daß man Franz-Josef Wagner, Jan Fleischauer, Dieter Stein von der JF , Alexander Smoltczyk, die radikale Eiferin Bettina Röhl und Matthias Matussek als deutsche Medienelite, gar als Crème de la Crème bezeichnet, halte ich für eine sehr gewagte These, Herr Renner.
Ich hätte die Überschrift „der unterste Medienabschaum und der Neonazi“ für passender gehalten.
 A propos "Abschaum" - wo war eigentlich David Berger?